5. Ernst Wilhelm Amoldi. 1l Auch sonst hatte er nichts, nicht das mindeste vom Emporkömmling. Sein ganzes Wesen war harmonisch, sein Benehmen das eines sorgsam erzogenen Mannes. Die Kraftausdrücke, deren er sich bisweilen bediente, und deren einige als „geflügelte Worte" von ihm im Gedächtnis der Leute haften geblieben sind, können diesem Arteil keinen Abbruch tun; sie waren ein Zeugnis seiner tapfern Männlichkeit und der Stärke seiner Empfindung. Sie waren vielleicht auch gut thüringisch. Denn in Thüringen liebt mcm sich kräftig auszudrücken. Sie würden kaum aufgefallen sein, wenn sie charakteristisch für seine gewöhnliche Redeweise gewesen wären. Grazie und Arbanität in der Form bei ernstem und festem Willen machten ihn zum Liebling der Frauen, zum meist siegreichen und doch nicht gehaßten Gegner in der Debatte, zum Führer in der Ratsversammlung, zum geschickten und glücklichen Ver- mittler bei hoch und niedrig. Er war ein treuer Freund. Der Kreis derer, mit denen er freundschaftlich verkehrte in der Leimat und draußen, war ein sehr großer. Die besten Männer schätzten es sich zur Freude und Ehre, mit ihm zu verkehren; mit wenigen war er ganz vertraut. Diesen wenigen gegenüber faßte er seine Freundschaft ganz im klassischen Sinne auf. Ein echter deutscher Familiensinn war ihm eigen. Nirgends fühlte er sich wohler als im Schoße seiner Familie. Nichts, nicht die Erfolge seiner gemeinnützigen Tätigkeit oder das allmähliche, wenn auch bescheidene Wachstum seines Wohlstandes nicht die Ehre und den Ruhm, die ihm reichlich zuteil wurden, pries er lauter und dankbarer als das Glück seines Laufes. Arnoldi war mit einem ausgeprägten Schönheitssinn ausgestattet. Die Gaben der Natur wie die der Kunst wußte er innig zu genießen, und sein Verständnis beider war kein gewöhnliches. Besonders innig liebte er die Natur. Er hat sie nie in ihren größten landschaftlichen Zauberwcrkcn geschaut. Aber seine thüringensche Leimat bot ihm im kleinen des Entzückenden genug, und leicht fand er immer das Schönste heraus. Seine liebsten Erholungen waren seine Spaziergänge in die nähere oder fernere Umgebung der Stadt. Ost durchstreifte er, sich neue Lebenskraft zu holen, den Thüringer Wald, dessen höchste Spitzen er, seltsamerweise, obwohl sie von Gotha aus sichtbar sind und immer in ihren: blauen Duft zum Besuche reizen, erst in seinen späteren Jahren aufsuchte. Kein Wunder, daß auch in seinen Dichtungen diese seine sinnige Freude an der Natur oft zum Ausdruck kommt. Meist ist das Naturbild nur der Träger verwandter Empfindungen und Gedanken. Aber auch die Geselligkeit, insbesondere der gesellige Verkehr in kleinen ver trauteren Kreisen, war ihm eine Quelle holder Freuden. And er war der beste Gesell schafter, der sich denken läßt: immer das anregende Element, sinnige Spiele, fröhliche Gesänge leitend, immer bereit zu geistvoller Anterhaltung, schalkhaft, wihsprudelnd, ausgelassen fröhlich, — immer anmutig. Daß Arnoldi erfüllt war von der glühendsten Vaterlandsliebe, zeigen seine Taten und viele seiner tiefst empfundenen Worte. Mehr und deutlicher verkünden die ersteren die Eigenart dieser seiner Empfindung. Denn er gehörte zu denen, welche die Vaterlandsliebe auffassen als eine ernste Mahnung zur Pflicht, zur Widmung der besten Kräfte, zu hingebender dienender Treue. And in diesem Sinne hat er sich denn auch um sein Vaterland verdient gemacht und sich seinen Platz errungen unter den besten und gefeiertesten seiner Söhne. And so leuchtet auch sein Stern hoffentlich noch lange zurück in deutsche Lande.