14 Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle. und die Bevölkerung bleibt im Zustande der Armut. Erst wenn sich Industrie ent wickelt, kommt auch der geistige Aufschwung und kann das Land zum Wohlstand ge langen, aber auch die Industrie gewinnt erst höhere Bedeutung, wenn sie durch einen internationalen Handel erweiterte Aufgaben erhält. Es ist deshalb danach zu streben, die letzte Entwickelungsphase, auf der sich nach ihm nur England befand, zu erreichen. Deutschland sah er wie die Vereinigten Staaten Amerikas irrtümlich noch auf der vor letzten, Spanien und Italien noch in der Ackerbauperiode stehen. List untersucht nun, wie vor allem Deutschland sich auf die höchste Stufe empor zuschwingen vermag. Ein jeder solcher Äbergang hat seine besonderen Schwierigkeiten, und die Staatsgewalt hat die Aufgabe, den Gewerbetreibenden darüber hinfortzuhelfen. Das hauptsächlichste Hilfsmittel dafür ist ein Schutzzollsystem, welches die aufkeimenden Unternehmungen gegen die übermäßige Konkurrenz des stärkeren Auslandes schützt. Das Freihandelssystem ist hier von Anheil. Man muß ein Kind gegen Angriffe eines starken Mannes schützen, wenn es nicht unterliegen soll. Nur in der letzten Periode, in der sich England befindet, das keinen überlegenen Gegner zu scheuen hat, ist der Freihandel gerechtfertigt, der als Endziel allerdings im Auge behalten werden muß. Der Schutzzoll ist nur als Mittel und Übergang anzusehen. Die damit der Gesamt heit aufgelegten Opfer machen sich bei verständiger Handhabung sehr wohl bezahlt, dauernd aber wird die Last unerträglich und hat keinen Sinn. Sehr lehrreich ist da bei die Auseinandersetzung über die verschiedene Wirkung des Zolles, je nachdem fertige Waren, Halbfabrikate oder Rohstoffe belastet werden. Mit den ersteren ist zu be ginnen und der Nachdruck darauf zu legen. Er bekämpfte die Getreidezölle und reiste nach England, um der Herabsetzung derselben durch Robert Peel beizuwohnen und Studien darüber zu machen. Die Schutzzölle werden aber um so wirksamer sein, je größer das Territorium ist, welches sie umschließen; je mannigfaltiger die Produktionsverhältnisse und die Pro duktionszweige innerhalb des abgeschlossenen Kreises sind, um sich gegenseitig ergänzen zu können, um so schärfer wird die Abschließung sein können, ohne Nachteil für die Bevölkerung, und um so mehr wird erreicht, worauf er den ganzen Nachdruck legt, daß alle natürlichen Hilfsquellen des Landes zur Verwertung gebracht werden, wodurch der Wohlstand am schnellsten und nachhaltigsten gefördert wird. Denn nicht in den erzielten Genußmitteln, wie Ad. Smith es annimmt, sondern in den Produktions mitteln liegt, nach seiner etwas gekünstelten Anterscheidung, der Reichtum eines Landes. Aus allen diesen Gründen ersttcbt er die Erweiterung des Deutschen Zollvereins, insbesondere auf die Küstenstaaten, die für den Exporthandel unentbehrlich seien. Am aber alle Produktionsquellen zur vollen Ausnutzung zu bringen, ist in dem Inlande nicht nur die Beseitigung aller künstlichen Schranken, sondern auch die Ver besserung der Kommunikationsmittel erforderlich, um die Transportkosten zu ermäßigen, die verschiedenen Produktionszweige einander nahe zu rücken und den unmittelbaren Verkehr zwischen Produzenten und Konsumenten zu erleichtern. Daher verlangt er Ausbau eines großen Kanalnehes und dann Verallgemeinerung der Eisenbahnen, die das Land am besten erschließen und befruchten. Mit diesen Lehren ist der Smithianismus für alle Zeiten aus dem Felde ge schlagen und ein endgültiger Fortschritt in unserer Wissenschaft erzielt.