12. Der Kongreß Deutscher Volkswirte. 27 dem Eindruck fragte, den die Kaiserin auf sie gemacht habe: „O, das scheint fast eine ebenso liebe Frau zu sein wie unsere liebe Frau Krupp," — ein Zeugnis aus dem Munde einer einfachen Frau aus dem Volke, das beide Teile in gleicher Weise ehrt. Die soziale Tätigkeit bildete auch dann das Glück des Verewigten, als aus gegnerischem Lager Verleumdungen und Verdächtigungen kamen, die ihm das Wirken gerade aus diesem Gebiete hätten verleiden können. Latten jene Gegner den Mann ihrer Angriffe in seiner Lerzensgüte und Menschenliebe, in seiner Bescheidenheit und Zurückhaltung gekannt, ich glaube, sie wären nicht fähig gewesen, ihm unlautere Gründe zu unterstellen. Ihm, der so ungern in die Öffentlichkeit trat, wurde vorgeworfen, er wirke aus egoistischen Gründen für eine Vermehrung der deutschen Flotte und für eine Vergrößerung des Geschützparkes der Artillerie; Tag auf Tag wurde die Anklage wieder holt: „Krupp schreibt, um neue Lieferungen zu erlangen, in Sachen der Flotten vermehrung," „Krupp empfiehlt, behufs neuer Kanonenbestellungen, nachfolgende Ver änderungen der Artillerie usw.", während er an keinem dieser Zeitungsartikel irgendwie beteiligt war. Das hat ihn tief verwundet, und das war mit dafür maßgebend, daß er in den letzten Zähren die Zeit seiner Abwesenheit vom Lause Lügel mehr und mehr ausdehnte, und daß er u. a. auch längeren Aufenthalt in Capri nahm, um dort der Erholung und wissenschaftlicher Beschäftigung in der Tiefseeforschung zu leben, einem Gebiete, daß er durchaus nicht nur als Dilettant behandelte, wie zahlreiche Museen, mit denen er in Korrespondenz stand, gerne bezeugen werden. Wer Krupp näher gekannt hat, wer in die Güte und Tiefe seines Lerzens, in die Freundlichkeit und Bescheidenheit seines Wesens einen Blick zu tun Gelegenheit hatte, der wird wissen, wieviel wir an ihm verloren haben. Er war eine edle, feine, wahrhaft vornehme und deshalb in erster Linie überall ohne irgendwelche selbstsüchüge Motive hilfsbereite Natur. In wie vielen Fällen, die mir persönlich durch die Be teiligten bekannt geworden sind, hat er auf kaufmännischem, auf industriellem, auf wissen schaftlichem und auf künstlerischem Gebiete geholfen, wo Lilfe notwendig war, oder wo er selbst das Bedürfnis sah, auch ohne daß andere es ihm nahegelegt hätten! Wenn diese Fälle nicht zur Kenntnis weiterer Kreise kamen, so lag der Grund nur in dem dringenden Wunsche Krupps, daß über solche Dinge überhaupt nicht gesprochen werde, ein Wunsch, der auch an dem heutigen Tage seiner Totenfeier in Ehren gehalten werden soll. And dabei war Krupp eine unendlich dankbare Natur. Für den kleinsten Dienst, der ihm erwiesen wurde, für Aufmerksamkeiten, die viele andere als selbst verständlich ihrer Person und Stellung gegenüber betrachten, hielt er nie mit seinem Danke zurück, und das beste an diesem Danke war, daß man nierkte und fühlte, er komme wirklich aus dem Grunde seines Lerzens. 12. Der Kongreß Deutscher Volkswirte. Von Viktor Böhmert. Böhmert, Rückblicke und Ausblicke eines Siebzigers. Dresden, CD. v. Böhmert, tzoc>. 5- ls-20. Das Jahr 1857 wurde für mich dadurch ganz besonders bedeutungsvoll, daß ich am 23. Mai 1857 im Bremer Landelsblatte in einer einsamen Stunde ganz aus mir selbst heraus, ohne mit den Unternehmern des Landelsblattes oder mit Freunden meiner Richtung Rücksprache zu nehmen, einen „Aufruf zu einem Kongresse Deutscher Volks wirte" veröffentlicht hatte. Diesen Aufruf, den ich mit Briefen an die Redaktionen