2. Die Wirtschaftsstufen in der Geschichte der Volkswirtschaft. 37 folge der Formen auch ein höheres Bild des wirtschaftlichen und damit des gesamten Volkslebens. Man bezeichnet sic deshalb als „Wirtschaftsstufen". Von ihnen kann erst nach der Völkerbildung die Rede sein. Aus den Arzuständen der Menschheit, den ersten Zeiten des Menschengeschlechts und der Völkerbildung, in denen die Menschen zunächst wohl nur von wilden Pflanzen sich nährten, erst allmählich durch Wanderungen und Isolierungen neue Raffen und Stämme entstanden, in den Rassen die menschliche Sprache sich ausbildete und zu der vegetabilischen Nahrung auch schon rohe animalische Speise (Lonig, Insekten, Am phibien, Fische, Blut re.) hinzukam, lagert ein Schleier, den die wissenschaftliche Forschung hie und da etwas zu lüften, aber nicht zu entfernen vermag. Doch erhob sich in ihnen sicherlich die wirtschaftliche Tätigkeit wenig über die Art, wie auch die Tiere in der Natur für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse durch materielle Mittel zu sorgen haben, und sie beschränkte sich auch wie bei diesen nur auf die Befriedigung des Nahrungs bedürfnisses. Des Menschen geistige Kraft und Fähigkeit war schwerlich viel höher als die des höchstentwickelten Tieres. Die Menschen, wie die Tiere nackt im Freien und in Äöhlen lebend, okkupieren auch nur in der äußeren sie umgebenden Natur, was sie Brauchbares und Erreichbares zu ihrer Ernährung finden, und sind wie die Tiere von der Natur absolut abhängig. Aber es tritt dann die Differenzierung ein, und sie wird stetig stärker. Während die Tierwelt in ihren Bedürfnissen und deren Befriedi gung durch materielle Güter keine selbständige Entwicklung zu höherer Art erlebt, sondern immer nur okkupiert, immer nur als Sklave der Natur mit den von dieser ihr dar gebotenen Mitteln ihr natürliches Nahrungsbedürsnis befriedigt, offenbart der Mensch sein von dem Tier verschiedenartiges, sein besonderes geistiges Wesen in der Gestaltung seiner Bedürfnisse und seiner Wirtschaft und macht diese zur Basis eines höheren Gcnußlebens. Dieser Bildungsprozeß ist freilich nach Rassen und Völkern ein sehr verschiedenartiger. Ein Teil der Völker zeigt nur geringe Fortschritte und kommt in den Jahrtausenden seiner Geschichte nicht über die niedrigsten Stadien wirtschaftlicher Existenz hinaus, die Völker bleiben unter der Herrschaft der Natur Naturvölker. Aber andere, begünstigt durch ihre natürliche, geistige und körperliche Anlage und durch die Verhältnisse der Territorien, auf denen sie wirtschaften, gelangen zu höheren Wirt schaftszuständen, werden Kulturvölker; sie verändern, verfeinern die natürlichen Be dürfnisse und fügen ihnen zahlreiche neue aus ihrem geistigen Wesen hinzu, sie ge stalten ihre materielle Produktion immer mehr nach ihrem Willen, werden zu Herren der Natur und steigen so allmählich von Stufe zu Stufe aus einem der tierischen Bedürfnisbefriedigung gleichen oder doch fast gleichen Zustande bis zu dem hohen materiellen und geistigen Genußleben der heutigen Kulturvölker empor. Man unterscheidet in der Geschichte, seitdem Menschen das Feuer entzünden und unterhalten können, neben Vegetabilien auch regelmäßig Fleischnahrung begehren, Ge räte und Werkzeuge erfinden und als Stämme resp. Völker mit gemeinsamer Sprache und Sitte in selbständigen politischen Gemeinschaften für die Befriedigung ihrer Be dürfnisse und in Erfüllung ihrer Lebenszwecke tätig sind, zwei Gruppen von Wirt- fchastsstufen. Das hauptsächlichste Anterscheidungsmerkmal ist für die eine der Zu stand der volkswirtschaftlichen Produktion, für die andere der Zustand des Tausch verkehrs. Die typischen Grundformen der ersteren sind: die Wirtschaftsstufen des Iägervolkes resp. Fischervolkes, des Hirten- (Nomaden-) Volkes, des seßhaft gewordenen reinen Ackerbauvolkes, des Gewerbe- und Handelsvolkes, des Industrievolkes, die der anderen: die Naturalwirtschaft, die Geldwirtschaft und die Kreditwirtschaft. l. Die Naturalwirtschaft bezeichnet denjenigen Zustand der Volkswirtschaft, in welchem, soweit überhaupt ein Tauschverkehr stattfindet, die Tauschgeschäfte aus schließlich oder doch in der Regel Naturaltauschgeschäfte sind. Die Institution des gemünzten Metallgeldes ist entweder noch völlig unbekannt, oder, wenn schon gemünztes