3. Volkswirtschaft und Weltwirtschaft. 39 beruhen zu einem großen Teil auf dem Kredit. Die Folge ist, daß zahlreiche Kredit- papiere (Arkunden über die Forderung aus dem Kreditgeschäft) entstehen. Soweit dieselben, und das ist die Regel, Geldversprechen sind, (Wechsel, Banknoten, fällige Zins- und Dividendenscheine, Staats- und Kommunalobligationen, Pfandbriefe, Obli gattonen von Aktiengesellschaften k.) können sie als Geldsurrogate, d. h. als Zahlungs mittel statt des Geldes, dienen. Die Existenz von Banken vermag, namentlich bei der Lauptart dieser Kreditpapiere, bei den Wechseln, diese Eigenschaft zu erhöhen, die Existenz gut fundierter und verwalteter Notenbanken vermag den Wechseln sicherer Schuldner (durch Lingabe von Banknoten gegen Wechsel im Wechseldiskontgeschäft) tatsächlich die gleiche Kauf- und Zahlkraft wie dem Geld zu geben. Sofern diese Voraussetzung für eine solche Verwendbarkeit der Kreditpapiere vorhanden ist und dem gemäß dieselben tatsächlich die Zahlsunktion des Geldes in großen, Amfange verrichten, hat die Volkswirtschaft den Charakter einer Kreditwirtschaft. Diese ist erst eine Erscheinung der allerneuesten Zeit, des 19. Jahrhunderts. Die vorgeschrittensten Industrievölker sind in den, Stadium, sie zu realisieren; am meisten ist sie in England verwirklicht. Die Kreditwirtschaft bildet nicht in derselben Weise einen Gegensatz zu den beiden anderen Formen des Tauschverkehrs, wie die Geldwirtschast zu der Naturalwirtschaft, weil bei ihr der Geldverkehr und die Funktion des Geldes als Prcismaß und gesetz liches Zahlungsmittel bleibende Voraussetzung ist. Sie ist eine Modifikation, eine höhere Form der Geldwirtschaft und wird deshalb häufig auch „Geld- und Kredit wirtschaft" genannt. Ferner ist für das Wesen dieser drei Zustände der Volkswirtschaft zu beachten, daß in jedem folgenden auch noch Tauschgeschäfte wie in den früheren vorkommen und insbesondere in der Kreditwirtschaft für viele Kreise von Personen und ganze Verkehrsgebiete der rein geldwirtschaftliche Verkehr die Regel bildet. Wenn nun nach diesen drei Gestaltungen des Tauschverkehrs „Wirtschaftsstufen" unterschieden werden, so geschieht cs, weil jede dieser Verkehrsformen nicht nur völlig andere Zustände der gesamten Volkswirtschaft zur Voraussetzung hat, sondern ihrerseits auch solche herbeiführt und jede, als Wirkung und Arsache, die besonders charatterislische Erscheinung eines eigenartigen Gesamtzustandes jeder Volkswirtschaft ist, der bei der folgenden als ein höherer und als ein großer und wichtiger Fortschritt in der wirtschaft lichen Entwicklung erscheint. 3. Volkswirtschaft und Weltwirtschaft. Von Karl Lelfferich. ftelfferich, Die Baumwollfrage. In: Marine-Rundschau. Redaktion: Nachrichtenbüreau des Reichs-Marine-Amts. t5. Jahrgang. Berlin, <£. 5. Mittler & 5ohn, tgoH. 5. 6^3—6^6. Wer einen Blick für die großen Züge der menschlichen und gesellschaftlichen Entwicklung hat, kann nicht verkennen, daß jedes Fortschreiten der Kultur, insbesondere auch der ökonomischen Kultur, Land in Land geht und bedingt ist durch eine Steigerung und Ausdehnung der wechselseitigen Abhängigkeit der einzelnen Individuen und der einzelnen kleinen und großen gesellschaftlichen Gebilde. Denn diese wechselseitige Ab hängigkeit ist das notwendige Korrelat des gegenseitigen Sichaushelfens und des plan mäßigen und organischen Zusammenwirkens der inenschlichen Kräfte zur Erreichung immer höherer kultureller und ökonomischer Ziele.