44 Zweiter Teil. Landet. II. Der Lande! im allgemeinen. von denen manche jährlich viele Millionen umsetzen. Es ist dies also „Detailhandel im großen". Eine scharfe Grenze zwischen Groß-- und Detailhandel ist übrigens nicht zu ziehen, zumal manche Kaufleute beide Arten von Geschäften vereinigen. — Zu den niedrigsten Formen des Kleinhandels gehört der Lökerhandel, der gewöhnliche Lebens- mittel in kleinen Quantitäten nicht von einem Laden, sondern von einem offenen Stand aus verkauft. Trödelhandel ist der Kleinhandel mit bereits gebrauchten Sachen, wie alten Kleidern, Betten, Metallgeräten re. — Im Effektenhandel bestehen zwar sehr be trächtliche Unterschiede hinsichtlich der Größe der einzelnen Unternehmungen und ihrer durchschnittlichen Operationen, aber der Detailhandel läßt sich hier nicht leicht von den übrigen Geschäften absondern. Doch gelten im allgemeinen die sogenannten Wechsel stuben als die Vertreter des ersteren, indem dieselben nicht nur den gewöhnlichen Geld wechsel betreiben, sondern auch den Ankauf und Verkauf von Wertpapieren in kleinen Beträgen. Nach dem geographischen Gebiete, über welches der Landet sich erstreckt, erscheint derselbe als Binnenhandel und als auswärtiger Landet. Letzterer wird im all gemeinen nur als Großhandel in Betracht kommen. Er spezialisiert sich in Ausfuhr- und Einfuhrhandel, indem gewisse Kaufleute sich ausschließlich oder vorwiegend darauf verlegen, entweder einheimische Produkte im Auslande abzusehen (Export- oder Ausfuhr händler) oder ausländische Erzeugnisse auf den heimischen Markt zu bringen (Import oder Einfuhrhändler). Von günstig gelegenen Plätzen aus wird auch vielfach Zwischen handel getrieben (früher auch „Okonomiehandel" genannt), indem im Auslande ge kaufte Waren wieder nach auswärts verkauft werden, wodurch für die Produktions- länder eine indirekte Ausfuhr und für die Konsumtionsländer eine indirekte Ein fuhr entsteht. Die Gesamtheit der Landelsbeziehungen zwischen den verschiedenen Völkern und Ländern bildet den Welthandel. In demselben verhalten sich die weniger entwickelten Völker mehr passiv, indem sie nicht aus eigener Initiative Landelsver- bindungen im Auslande anknüpfen, sondern es den fremden Kaufleuten überlassen, aus ländische Waren zuzuführen und einheimische dafür auszuführen. Diesem Passiv- handel, von dem China noch immer das wichtigste Beispiel darbietet, steht der Aktiv handel der mit selbständigem Unternehmungsgeist, eigenem Kapital und eigenen Schiffen die Gewinnung auswärtiger Märkte erstrebenden Nationen gegenüber. — Es ist ferner der seßhafte und der Wanderhandcl zu unterscheiden, je nachdem der Unternehmer von einem festen, ständigen Sitz aus seine Geschäfte leitet oder selbst mit seinen Waren von Ort zu Ort oder von Land zu Land zieht. Je mehr die Bevölkerung eines Landes zunimmt, und je mehr sich seine Verkehrsmittel vervollkommnen, umso größer wird das Übergewicht des seßhaften Landels. In den früheren Stadien der wirtschaftlichen Entwicklung aber hatte der Wanderhandel, mochte er in größerem Maßstabe auf Märkten oder Messen oder von vereinzelten, meistens kleinen Llnternehmern als Lausierhandel betrieben werden, eine verhältnismäßig große Bedeutung, und auch jetzt noch spielt z. B. in den weniger bevölkerten Gebieten des amerikanischen Westens der „Pedler" und in Sibirien der russische Wanderhändler eine ganz andere Rolle als der so viel geplagte Lausierer in Deutschland. — Sowohl wegen der einstigen größeren Bedeutung des Wanderhandels, als überhaupt wegen der geringeren Ausbildung der Arbeitsteilung bestand früher eine engere Verschmelzung des Landels mit dem Transportwesen. Auch wenn der Kaufmann nicht selbst mit durch das Land zog, mußte er doch meistens selbst für die materielle Beförderung seiner Waren sorgen und die Transportmittel stellen, da sich die Abnehmer vielfach passiv verhielten und nur ihnen vorgeführte Waren kauften. Gerade der Großhandel und namentlich der auswärtige mußte daher den Transport selbst organisieren. So entstand für den internationalen Landverkehr der große Kara wanenhandel; zur See aber bildete sich die enge Verbindung des Landels mit der Schiffahrt aus, die auch gegenwärtig durch die wirtschaftliche Arbeitsteilung noch nicht