84 Zweiter Teil. Landet. III. Zur Geschichte von Landet und Industrie. Anterbringung neue Räumlichkeiten zu beschaffen; das alte Margaretenkloster wurde ihr von der Militärbehörde zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt. Nicht weniger bedeutend war in jener Zeit der französische Export über Straßburg. Anser Platz vermittelte damals nicht nur die Ausfuhr derjenigen Waren, die sonst auf dem Seewege nach dem Norden gingen; er wurde insbesondere auch der Stapelplatz für die Verproviantierung der in Deutschland und zuletzt in Rußland operierenden Truppen. Diese großen Truppenbewegungen, welche oft ihren Weg über Straßburg nahmen, verschafften auch den Produkten der eigenen Provinz reichen Absah. Be sonders aber die Erzeugnisse Südfrankreichs, Wein, Branntwein, Öle und Früchte, kamen auf ungezählten Lastfuhren nach Straßburg, um dort aus die Rheinschiffe ver laden zu werden. Der Talverkehr auf dem Rheine nahm in jenen Jahren einen bisher nicht erreichten Amfang. Dieser große Geschäftsaufschwung war jedoch nur von kurzer Dauer; er ließ nach mit dem Aufhören der besonderen Amstände, die ihn ins Leben gerufen hatten. Schon im Jahre 1809 klagt die Landelskammer über den Rückgang der Kolonialwareneinfuhr aus Lolland: „In dieser Art von Geschäften", sagt sie in einem Berichte an den Präfetten, „herrscht heute etwas Angewisses und sozusagen Trügerisches, das dem Geiste der großen Mehrheit unserer Kaufleute nicht zusagt." Im Jahre 1811 wurde ferner zugunsten der neu erworbenen illyrischen Provinzen die Baumwolleinfuhr über Straßburg unterbunden. — Nach dem unglücklichen Ausgang des russischen Feldzugs ließ auch die Ausfuhr über Straßburg wesentlich nach. Die Straßburger Landelshäuser, welche damals diesen bedeutenden internationalen Warenaustausch vermittelten, beschäftigten sich außerdem alle mehr oder weniger mit dem Vertrieb der einheimischen Bodenerzeugnisse. Es muß hier auf die wichttgsten derselben näher eingegangen werden. Die erste Stelle im Straßburger Landesproduttenhandel hatte vor der Revolution und noch in den ersten Jahren des Kaiserreichs unstreitig der Tabak eingenommen. Anter der Lerrschaft vollständiger Freiheit (das Elsaß lag außerhalb der Feme Generale) hatte der Anbau und die Fabrikation des Tabaks im Anter-Elsaß seit einem Jahr hundert eine enorme Entwickelung genommen. Die jährliche Ernte des Anter-Elsaß wurde damals auf 130—180000 dz. geschätzt. Etwa zwei Drittel wurden im Bezirke ver arbeitet, der Rest in Blättern exportiert. Die Zahl der Fabriken vor der Revolution wird von Laumond für Straßburg allein auf ca. 72 mit ca. 6000 beschäftigten Per sonen angegeben. Im Jahre 1802 bestanden in Straßburg noch 31, im übrigen Bezirk 8 Fabriken, wozu 18 Tabakmühlen kamen. Dieser blühende Erwerbszweig sollte bald fiskalischen Einschränkungen unterworfen werden, die sich immer weiter ausdehnten, um schließlich zur Verstaatlichung des Landels und der Fabrikation zu führen. Schon im Jahre 1804 erblickte die Landelskammer in der damaligen Fabrikatsteuer eine Maß regel, die geeignet war, die Fabrikation langsam zu ruinieren und das Monopol vor zubereiten. Sie beklagte die allmähliche Auswanderung dieser Industrie über den Rhein und den Verlust des früher so blühenden Exportes nach der Schweiz und nach Nord deutschland an Baden. Angeachtet aller Klagen und Beschwerden des Straßburger Landels wurde durch kaiserliches Dettet vom 29. Dezember 1810 der „Regie des droits reunis“ das ausschließliche Recht des Ankaufes von Tabakblättern, der Ler- stellung und des Verkaufes von Tabakfabrikaten übertragen und so dem Straßburger Lande! ein Schlag zugefügt, welcher noch jahrelang nachwirtte. Der im Jahre 1816 wiedergestattete Lande! mit Rohtabak zur Ausfuhr vermochte diesen Geschäftszweig nicht zu neuem Leben zu erwecken. Auch ein anderer bedeutender Exportartikel des Elsasses, der Lanf, wurde in jener Zeit durch eine kurzsichtige Maßregel des Staates schwer betroffen. Seit 1792 war