288 Zweiter Teil. Landet. XIV. Kaufmännisches LIntcrrichtswesen. und Landelsarithmetik und 1 Stunde Schönschreiben eingefügt sind. Der Unterricht in der Landelskunde soll seinen Schwerpunkt weniger in mechanischen Kontorarbeiten, als in der Begriffsentwickelung haben. Die Schüler der Landelsabteilung nehmen mit den übrigen Realschülern an der Abschlußprüfung teil und haben statt der Aufgabe aus der darstellenden Geometrie eine solche aus den Landelswiffenschaften zu bearbeiten. Mit dem Bestehen der Abschlußprüfung wird, wie von den übrigen Schülern der sechsten Klasse, die Be rechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst und zum Eintritt in die Landels abteilung der Königlichen Industrieschule zu München erworben. Diese letztere, im Jahre 1873 begründete Abteilung schließt an die sechsklassigen Realschulen und Landels- schulen an und soll als „höhere .Handelsschule" jungen Kaufleuten, die sich dem höheren kaufmännischen Berufe oder dem handelswissenschaftlichen Lehramte widmen wollen, die hierfür erforderliche umfassendere theoretische und praktische Ausbildung gewähren. In zwei Iahreskursen umfaßt das Lehrprogramm in 34 Stunden im ersten Kurse: Religion, Deutsch, Französisch, Englisch, Geschichte, Geographie, Landelsarithmetik, Algebra, Buchführung, allgemeine Landelslehre, technische Chemie und Warenkunde, Schönschreiben und Stenographie; im zweiten Kurse tritt an die Stelle des Schön schreibens Italienisch. An einzelnen Realschulen sind neben den Landelsabteilungen auch kaufmännische Fortbildungsschulen angegliedert. Kaufmännische Fachklassen finden sich ferner in den Realgymnasien bezw. Ober realschulen zu Aachen, Altona, Flensburg und Mainz. Selbständige, nur für die Leranbildung junger Kaufleute bestimmte Landels- schulen mit fachlichen und allgemein bildenden Lehrgegenständen finden sich in Berlin, Köln, Osnabrück, München, Nürnberg. Sie sind in der Regel sechs- klassig, haben im allgemeinen den Lehrplan der Realschulen unter besonderer Berück sichtigung der kaufmännischen Fächer und behandeln auch die allgemein bildenden Fächer von vornherein immer unter dem Gesichtspunkte ihrer Verwertung für den Kaufmann. Die Abschlußprüfung gibt die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst. Weitaus am zahlreichsten sind die rein kaufmännischen Fachschulen, wo die Schüler überhaupt keinen oder doch nur ganz wenig allgemein bildenden Unterricht, sondern lediglich Fachunterricht erhalten. Diese Schulen sind entweder kauf männische Fortbildungsschulen, sofern sie die schon im praktischen Berufsleben stehenden jungen Leute in einigen Stunden in der Woche neben ihrer geschäftlichen Tätigkeit fortbilden, oder Landelsfachschulen, wenn sie diejenigen, welche noch nicht in ein Geschäft eingetreten sind, unter Inanspruchnahme ihrer ganzen Zeit im vollen Wochcnunterricht auf ihren Beruf fachlich vorbereiten wollen. Manchmal finden sich auch beide Zwecke in einer Anstalt vereinigt. Die kaufmännischen Fortbildungs und Landelsfachschulen sind entweder selbständig oder mit anderen allgemeinen oder gewerblichen Llnterrichtsanstalten verbunden. Einrichtung, Lehrplan, Lehrstoff, Lehrziel, Aufnahmebedingungen, Ausbildungszeit usw. sind äußerst verschieden. Als Träger finden sich der Staat, Gemeinden, kaufmännische Korporationen, Vereine aller Art und Privatpersonen. Zur Aufnahme genügt in der Regel Volksschulbildung, doch werden hier lind da auch weitergehende Anforderungen gestellt, vereinzelt sogar die Einjährig- Freiwilligen - Berechtigung verlangt. Anstalten, die diese letztere Bedingung stellen, pflegt man als „höhere Landelsfachschulen" zu bezeichnen. Die Ausbildungszeit schwankt zwischen ein und drei Jahren bei vier- bis zwölfstündiger Unterrichtszeit in den Fortbildungs- und zwanzig- bis vierzigstündiger Unterrichtszeit in den Landels fachschulen. Lehrgegcnstände in den kaufmännischen Fortbildungs- und Landels fachschulen sind: Schönschreiben, Korrespondenz, Buchführung, kaufmännisches Rechnen, Landels- und Wechsellchre, Landelsgeographie, Warenkunde, Stenographie, Schreib maschine, fremde Sprachen u. dgl. m.