312 Dritter Teil. Industrie. Essen, Schienen, Walzwerken thronen die Eisenfürsten, die geborenen Führer der neue» Wirtschaftsentwickelung. Am sie herum gruppieren sich die Inhaber der Kohlenwerke, der chemischen Fabriken, der größeren Textiletablissements, der Seehandelsgesellschaften, Wersten und Banken. Stufenweise folgen Inhaber von Baufabriken, Leiter der Konfettionsindustrie, Porzellanfabrikanten, Großbrauer, Papierfabrikanten usw. Es gibt kein Äeroldsamt, das diese Aristottatie einträgt, und keinen gothaischen Kalender für Industrieprinzen, aber das Volksleben als Ganzes fühlt die neue Erscheinung, und Namen wie Krupp, Stumm, Leyl, Siegle, Vorster, Voß, Siemens sind nur einzelne aus einer langen Reihe. Die Statistik kailn selbstverständlich auf diesem Gebiete nur ganz allgemeine Anhaltspunkte geben. Im Jahre 1895 wurden im deutschen Gewerbe 17 941 Betriebe mit mehr als 50 Arbeitskräften gezählt. Rechnet man die Inhaber solcher Betriebe im allgemeinen zur industriellen Aristokratie im weitesten Sinne, und rechnet man die Landelsaristokratie hinzu, so muß man schon heute die Kopfzahl der neuen Oberschicht der der alten gleichstellen. Finanziell, wirtschaftlich bedeutet schon jetzt diese neue Oberschicht mehr als die alte, und, was die Hauptsache ist: sie wächst täglich. Politisch bedeutet sic noch weniger, weit weniger als die alte, aber das wird sich voraussichtlich ändern. Bei der Berufszählung von 1895, der letzten, die wir bis jetzt haben, fanden sich Großbetriebe im genannten Amfang und darüber in einigen hervorragenden Erwerbs zweigen in folgenden Zahlen: Baugewerbe 3298 Textilindustrie 3260 Industrie der Steine und Tr den 1930 Industrie der Nahrungs- und Genußmittel 1856 Industrie der Maschinen und Instrumente ... 1628 1 Industrie der Metallverarbeitung 1422 | 4214 Bergbau, ksiitten- und Salinenwesen 1164 | Die ungeheure Steigerung der Mittel des Antcrnehmertuins läßt sich ahnen, wenn man die Wertstatistik der Produktion einiger montanen Industriegebiete sich vor führt. Die Ziffern bedeuten Millionen Mark: 1888 1893 1897 1899 1901 Steinkohlen .... 341 498 648 789 1015 Braunkohleii 55 66 78 110 Kalisalze.... . , 21 26 32 43 Eisenerze 40 60 70 72 Roheisen im Biittenbetrieb . . . . .... 191 216 350 456 492 628 830 1150 1425 1732 Wenn eine so kurze Spanne Zeit genügt hat, um derartige Wertsteigerungen des Amsatzes hervorzurufen, so ergibt sich, wieviel Zuwachs an volkswirtschaftlicher Macht in wenigen Jahrzehnten im Gebiet des großindustricllen Anternehmertums sich anhäuft. Es häuft sich in den Großstädten und Industriebezirken ein Vermögen, das allen Besitz der Agrararistokratie in den Schatten stellt. Das in Preußen der Er gänzungssteuer unterworfene Vermögen wuchs in den Städten zwischen 1895 und 1902 um nicht lveniger als um mehr als 9 Milliarden Mark, auf dem Lande um 2*/s Milli arde. Die Gesamtsumme dieses Vermögens ist in den Städten 47581 Millionen Mark, auf dem Lande 28076 Millionen Mark, wobei zu bedenken ist, daß viel mehr industrielles Vermögen auf dem Lande als agrarisches Vermögen in der Stadt versteuert wird. Während das Vermögen der vier Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Pommern und Posen zusammen nur 3795 Millionen ausmacht, hat allein der Regierungsbezirk