332 Dritter Teil. Industrie. Weltmarkt hinaustreten, also z. B. nicht die ungeheueren Quantitäten, die in Ostindien von den Eingeborenen produziert, aber auch an Ort und Stelle konsumiert werden. Ebenso ist für China und andere Länder nur das Quantum in Rechnung gestellt, das in den auswärtigen Landet übergeht. Auf absolute Zuverlässigkeit haben die Zahlen daher keinen Anspruch. Wir halten uns dabei an die Schätzungen der „Deutschen Zuckerindustrie". Der Zucker der nordischen Runkelrübe, anfangs als Konkurrent kaum beachtet, hat also das Produkt des tropischen Zuckerrohrs immer mehr auf dem Weltmärkte bedrängt und in den letzten Jahrzehnten dauernd das Übergewicht erlangt, so daß er schließlich genau zwei Drittel des Wcltbedarfs zu decken vermag, während er noch vor 30 Jahren kaum ein Drittel dazu beisteuerte. Ob es dem Rübenzucker gelingen >vird, trotz der scheinbaren Überlegenheit des tropischen Klimas und Bodens auch ferner diese Stelle zu behaupten, hängt von den mannigfachsten Verhältnissen ab, — von der technischen Leistungsfähigkeit des Rüben baues und der Rübenverarbeitung ebenso wie von der politischen und wirtschaftlichen Entwickelung der Kolonien, nicht zum mindesten aber von der Gestaltung der Besteuerung des Zuckers in den europäischen Kulturstaatcn. Denn kaum eine andere Industrie ist in ihrer Entwickelung so sehr wie diese von der Art und Löhe der auf ihr lastenden Steuer abhängig gewesen und zum Teil noch heute abhängig. 9. Die Konfektionsindustrie. Von Werner Sombart. Sombart, Die deutsche Volkswirtschaft im tJ. Jahrhundert. Berlin, Georg Boudi, $0;. S. 337—3^0. Während von den beiden großen Bekleidungsgewerben die Schuhmacherei immer nur in einzelnen Artikeln und vorübergehend hausindustriell organisiert war, von Anfang an aber auch in fabrikmäßiger Organisation erscheint, — 1849 gab es in Erfurt, der damals bedeutendsten Schuhmacherstadt Preußens, bereits 5 Schuhwarenfabriken oder wenigstens Großbetriebe, mit zusammen 148 Personen, und ähnliche Ziffern werden uns für jene Zeit aus Kalau, Mainz und Frankfurt a. M. berichtet — während heute die kapitalistische Schuhinacherei (und das ist für Neuarbeit sicher der bei weiten: über wiegende Teil des gesamten Schuhmachergewerbes) fast ausschließlich fabrikinäßig bettieben wird, hat die Schneiderei von jeher und bis heute noch eine besondere Vor liebe für hausindustrielle Organisation an den Tag gelegt. Die Anfänge der Konfektionsschneiderei reichen in Deutschland in die 1840 er Jahre zurück. Gerson, eines der ersten großen Konfektionsgeschäfte, ist 1842 begründet. 1852 beschäftigte es schon 5 Landwerksmeister, 3 Directricen, 120—140 Arbeiterinnen in der Werkstatt, 150 Meister mit je 10 Gesellen außer dem Lause, 100 Kommis, Aufseher usw. im Verkaufslokal. Ende der 1840 er Jahre unternimmt die Berliner Kleiderkonfektion ihren ersten schüchternen Schritt aufs Land. In München wurde die Befugnis zum Verkauf fertiger Kleider erst 1847 freigegeben. Nun erst entstanden große Kleiderhandlungcn. Nebenbei bemerkt: diese ersten Äußerungen kapitalistischen Lebens im Gebiet der Bekleidungsgewerbe erfolgten ohne jede Ver änderung der Technik: 1854 kommt die erste Nähmaschine nach Deutschland, die übrigens auch nur wenig Einfluß auf Betriebs- und Wirtschaftsorganisation ausgeübt hat, — würde sie doch jedem Landwerker ohne weiteres zugänglich sein. Lier wie in