5 Der Tonnengehalt der gesammten Handelsflotte in 1000 t in 1882 1900 Zunahi England 8783 9.909 13% Deutschland . . . . 1226 1.904 55 o/o den Ver. Staaten v. A. 2500 2.169 -13% Frankreich 846 904 7% Es tritt in all diesen Ziffern die gegen früher unverhältnissmässig erhöhte Bedeutung zu Tage, welche der auswärtige Handel, und die Exportindustrie insbesondere, für die deutsche Volkswirthschaft ge wonnen hat. In gleichem Maasse können und müssen deshalb diese Zweige unseres Wirthschaftslebens eine gegen früher gesteigerte Berücksichtigung ihrer Interessen bei der Erneuerung unserer handels politischen Beziehungen zum Ausland verlangen. Von gewissen Seiten wird freilich die andauernde Steigerung Beurtheiiung des Aussen» unseres Aussenhandels als kein sonderlicher Vortheil, theilweise handeis. geradezu ;als eine Ausartung unserer Volkswirthschaft angesehen. Man ist geneigt, die Zunahme des Imports als Armuthszeugniss unserer einheimischen Produktion, die des Exports als Zeichen krankhafter Ueberproduktion anzusehen, und glaubt das Ideal des Wirthschaftslebens in einem Zustande sehen zu sollen, in welchem Produktion und Konsumtion innerhalb der einheimischen Volkswirth schaft sich möglichst decken und der Verkehr mit dem Auslande auf ein Mindestmaass herabgedrückt ist. Diese Auffassung beruht auf einem grundsätzlichen Irrtum über das Wesen des internationalen Waren verkehrs. Das Characteristicum der neueren weltwirthschaftlichen Entwick lung ist eine zunehmende Specialisirung und Individualisirung der Pro duktion, die vielfach soweit geht, dass selbst für verschiedene Nüancen und Qualitäten ein und desselben marktgängigen Artikels verschiedene Länder als Bezugsquellen sich ausbilden. Hiermit muss aber die Ausdehnung des Marktgebietes für jeden Zweig der Produktion Hand in Hand gehen, denn alle Verfeinerung und technische Entwicklung der Produktion pflegt nur rentabel zu sein bei gleichzeitiger Steigerung des Absatzes. Die zunehmende Verknüpfung der einzelnen Kultur länder miteinander durch den Weltmarkt ist also lediglich ein Symptom vorangegangener Höherentwickelung der internationalen Arbeits- theilung und damit Hand in Hand gehender Steigerung der Produktivität.