26 Schaft ihren Bedarf entsprechend einschränken müssen. Auch von dieser Seite aus zeigt sich wieder, dass die Politik des Bundes der Landwirthe die einseitigen Interessen des Grossgrund besitzes und nicht die der gesammten deutschen Landwirt schaft vertritt. Den grössten Schaden wird aber die deutsche Grossindustrie haben. Die Wirkung für diese besteht in der Erhöhung der Löhne. Nehmen wir mit Engel den jährlichen Bedarf an Brotgetreide mit 183 kg pro Kopf an, so braucht eine Arbeiterfamilie von 5 Personen im Jahre 9 dz Brotgetreide. Bei dem jetzigen Zollsätze zahlt sie davon an den Staat und an die Landwirtschaft mehr als 31 M. Rechnet man dazu noch die Zölle für Fleisch, Fett, Butter usw., so erhöht sich dieser Betrag noch um ein Beträchtliches. Um die Zölle müssen die Löhne erhöht werden, und damit erfahren die Produktionskosten unserer Fabrikate eine sehr gefährliche Erhöhung, die uns den Wettbewerb auf dem Weltmarkt erschweren kann und wird. Unsere Löhne sind augenblicklich noch etwas niedriger als in England, unserem grossen Rivalen, aber sie sind in den letzten Jahren sehr bedeutend gestiegen. Wir haben für die letzten 10 Jahre eine Steigerung der Tagelöhne um volle 1O°/ 0 zu verzeichnen und der Preis der qualifizirten Arbeit ist noch rascher und bedeutender ge wachsen. Wir schliessen unsere Ausführungen mit einer Tabelle, welche eindringlicher als alle logischen Erörterungen erkennen lässt, was der Getreidezoll für die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmarkt bedeutet. Die Tonne Weizen kostete nach Conrad: in Mark in England in Preussen in England mehr + 1821—40 260 130 weniger — + 130 1841—60 245 190 + 55 1861—80 350 325 + 25 1881—90 147 174 — 27 1891—98 130 165 — 35 Und dazu kommt nun endlich, dass die Absatzbedingungen im Auslande sich aller Voraussicht nach erheblich verschlechtern würden. Gerade zweiLänder, welche zu unsern allerwichtigsten Absatz gebieten gehören, die Vereinigten Staaten von Amerika und Russland, sind mit ihren vitalsten Interessen an der Offenhaltung des deutschen