5 hauptsächlich unter der Wohnungsnot zu leiden haben, ist an eine befriedigende Lösung dieser Frage nicht zu denken. Der Arbeiter kann nur das wirklich würdigen und schätzen, was er durch eigene Arbeit erlangt. Er muß selbst mit Kopf, Herz und Hand an der Durchführung einer Reform beteiligt sein, wenn sie für ihn irgendwelchen Wert haben soll. Daher bleiben die bestgemeinten Maßregeln der Staatshülfe und Ge sellschaftshülfe häufig völlig wirkungslos, weil sie auf die Mitwirkung der Arbeiter verzichten. Die Selbsthülfe ist daher notwendigerweise der hauptsächlichste Faktor in jeder sozialen Reform, dem alle anderen Faktoren dienstbar zu machen sind. Diese Selbsthülfe der Arbeiter läßt sich in der Angelegenheit der Wohnungsreform nur in der Weise durchführen, daß die Arbeiter sich organisieren und daß sie Genossenschaften bilden. Die genossenschaftliche Organisation ist von jeher als ein Mittel betrachtet worden, durch welches der Arbeiter seine wirtschaftliche Lage heben und die Mängel aufheben kann, welche seine soziale Stellung mit sich bringt. 1 ) Dieses Ziel wird von verschiedenen Genossenschaften auf verschiedenem Wege angestrebt. Man kann dementsprechend die Genossen schaften einteilen in Produktiv-, Distributiv- und Konsumtiv genossenschaften, je nachdem es sich darum handelt, die Lage des Arbeiters als Produzenten, als Käufer und Kreditsuchen den, oder als Konsumenten zu bessern. Die Produktivgenossenschaften organisieren die Arbeiter zu gemeinschaftlicher Produktion, sie wollen eine Verbesserung ihrer Lage dadurch erreichen, daß sie den Unternehmer eliminieren und seinen Gewinn den einzelnen Genossen je nach ihrer Leistung zuführen. In dieser Weise soll sowohl die soziale Stellung wie das Einkommen der Arbeiter ver bessert werden. Die Disti’ibutivgenossenschaften wollen den Arbeitern oder Handwerkern eine günstigere Stellung in Handel und Verkehr verschaffen, sei es, daß sie ihre Kreditfähigkeit erhöhen oder ihnen im Einkauf und Verkauf die Vorteile, welche dem Großbetrieb eigentümlich sind, verschaffen. Dazu gehören ’) Sinzlieimer, Die Arbeiterwohnungsfrage, Stuttgart 1902, S. 125.