192 Die Idee der sozialen Selbstbestimmung im Recht. in der Weise zu, daß er ohne weiteres als Recht anerkennt, was die sozialen Kräfte irgendwie als Recht wolleil und er klären. Er organisiert vielmehr von sich aus ihre Willens bildung, indem er ihre Bedingungen normiert. So läßt der Staat nur das als Gewohnheitsrecht gelten, das den Er fordernissen entspricht, die er ausstellt. Und autonomes Recht ist nur möglich, wenn die Voraussetzungen gewahrt sind, unter denen er die Bildung eines solchen Rechts duldet. In dieser Weise wird jedes Gesetz, welches soziale Selbstbestimmung im Recht zuläßt, Normativbestimmungen aufstellen, nach denen allein Rechtserzeugung und Rechtsverwaltung möglich ist. Es schätzt damit von vornherein die Wirkungen der Freiheit ab und reguliert sie. Bei dieser Regulierung sind nicht nur die Interessen der sozialen Kräfte maßgebend, die durch die unmittelbare Rechtsbildung eine eigene Lebensordnung ge winnen wollen. Es werden auch diejenigen Interessen berück sichtigt, die dem allgemeinen gesellschaftlichen Bedürfnis ent sprechen. Auf diese Weise wahrt der Staat seine Herrschaft auch über die soziale Rechtsbilduug, ohne daß er ihren Inhalt bestimmt. Darin liegt der Fortschritt, den die rechtliche An erkennung der sozialen Selbstbestimmung in sich schließt. Die Kräfte der sozialen Selbstbestimmung wirken rein sozial auch ohne sie. Aber diese rein soziale Wirkung ist wild und ungebändigt. Sie folgt fast ungehemmt ihren sozialen Instinkten und Machtverhältnissen. Erst wenn der Staat die Bedingungen ihres Wirkens festlegt, ist die Berücksichtigung aller Interessen, eine objektiv gerichtete Regelung möglich. Darum liegt nicht darin eine Gefahr für den Staat, daß er die normativen Äußerungen der gesellschaftlichen Kräfte recht lich anerkennt, sondern darin, daß er sie nicht anerkennt. Denn die Nichtanerkennung bedeutet keineswegs ein Nicht sein, nur ein Anderssein und zwar ein viel gefährlicheres Anderssein. Daraus folgt das letzte für die staatliche Beherrschung der sozialen Selbstbestimmung, besonders wenn sie nicht nur die