16 Kern; es ist im Grunde immer nur der Ausdruck eines unerschütterlich gefestigten und an sich rühmlichen natio nalen Selbstbewußtseins. Die Freude an der Größe des eigenen Landes beseelt den einzelnen, macht ihn mitteilsam und entgegenkommend dem Fremden gegenüber, der Aus kunft erbittet. Es ist, als ob ein jeder von dem Gedanken erfüllt wäre: der Fremde soll sehen, wie groß dein Land ist und wie stark! Während meiner achtmonatlichen Stu dienreise durch die Union habe ich überall offene Türen gefunden, zum Eintritt einladend, und nirgends bin ich einer Geheimnistuerei oder ähnlichem begegnet. Auf Schritt und Tritt sah ich eine ganz ungemeine, aber nicht unstete Reg samkeit arbeitsfroher und zielbewußter Männer. „It is a big country“ — das ist die Bezeichnung ehrfürchtiger Be wunderung, die der Bürger der Vereinigten Staaten für sein Vaterland gefunden hat; das Große nach Maß, Gewicht und Zahl ist es, was ihm vor allem imponiert. Aber auch unser eigenes kühlstes Urteil muß den Vereinigten Staaten in ihren Leistungen in vielfachem Betracht erstaunliche Größe zuerkennen. Und neben den Leistungen stolze Erfolge! Und diese Erfolge, so berauschend sie auf die Erfolg-Gekrönten wirken müssen, haben die Bewohner der Vereinigten Staaten nicht allein besonders günstigen Vorkommnissen zu danken — sie haben sich in erstaunlicher Arbeitsfreude und Arbeits kraft, in unermüdlichem Vorwärtsstreben und in einer schier übermenschlichen Anspannung von Geist und Körper zu der jetzigen Höhe allmählich, so zu sagen, organisch durch gerungen. Es ist völlig verkehrt, bei der Beurteilung des außerordentlichen Aufschwungs, den die ökonomischen Ver hältnisse in den Vereinigten Staaten genommen haben, zu glauben, daß hier nur Zufälligkeiten ausschlaggebend ge wesen seien. Wie töricht solche Auffassung wäre, ergibt