85 rechnen nicht damit, daß die Arbeiterbevölkerung der Ver einigten Staaten — deren materielle Wohlfahrt übrigens auch im Hinblick auf die hohen Preise der Bedarfsgegenstände nicht überschätzt werden darf — die Neigung und in ihrer Organisierung die Kraft gewinnen kann, die Grundlage des zwar imposanten, aber doch luftigen imperialistischen Baues ins Wanken zu bringen. Die in Gewerkschaften vereinigten Arbeiter haben sich allerdings in ihrer großen Mehrheit bisher geweigert, sich um politische Dinge zu kümmern und andere als unmittelbare Arbeiterfragen in den Kreis ihrer Erörterungen zu ziehen. Auch bei den jüngsten Kongreßwahlen sind sie dieser Richtung in der Hauptsache treu geblieben. Doch für die Zukunft gibt das keine Ge währ, nicht einmal für die nächsten Präsidentenwahlen. Die eifrigen Bemühungen des Präsidenten Roosevelt um Bei legung des Kohlenarbeiterstreiks sind Zeugnis dafür, daß das gegenwärtige Oberhaupt der Vereinigten Staaten, den! man instinktives Feingefühl für kommende populäre Ver schiebungen nicht absprechen kann, es für geraten hielt, Anlehnung an den sich bildenden Machtfaktor zu suchen. Es liegt ein gewisser Humor darin, daß, wie die demo kratischen Gegner des Präsidenten behaupten, diesem die Beilegung des Kohlenarbeiterstreiks nur durch die wider willig und nicht ohne Sträuben gewährte Hilfe Morgans gelungen ist, der sich erst auf dringendes Bitten entschloß, die Grubenherren zur Nachgiebigkeit zu bestimmen. Viel leicht war das Sträuben ganz aufrichtig gemeint, weil man auf seiten der Grubenbesitzer sich für den unbedingt stärkeren Teil hielt; vielleicht aber hat der kluge Morgan das Sträuben bloß markiert und sich innerlich gefreut, daß er den Retter in der Not spielen und dadurch den Präsi denten Roosevelt zur Abhängigkeit von ihm, dem Vertreter des Trustgedankens, verpflichten konnte.