86 Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat nach dem geschriebenen Recht größere Machtbefugnisse als die meisten konstitutionellen Herrscher. Tatsächlich aber findet die Ausübung seines Rechts ganz außerordent liche Einschränkungen, die ihn in der Regel hindern, mehr als eine repräsentative Figur zu sein, die dem Willen ihrer Partei untertan ist. Präsident Roosevelt könnte sich der Partei gegenüber freier fühlen, weil er nicht zum Präsidenten gewählt worden ist, sondern zum Vizepräsidenten, das ist zu einer Stelle, die im gewöhnlichen Verlauf der Dinge nur eine dekorative Bedeutung hat. Er hatte nicht nötig, sich vor der Wahl auf ein bestimmtes und detailliertes politisches und wirt schaftliches Programm festzulegen. Er wurde nicht einmal danach gefragt. Sein allgemeines republikanisches Bekennt nis genügte. Seine Wahl zum Vizepräsidenten sollte den Dank der Nation für seine verdienstliche und sympathische Haltung im spanischen Krieg darstellen. Da es nicht Brauch ist, daß ein Mann, der zum Vizepräsidenten gewählt worden, für die Präsidentschaft kandidiert, so hätte Roosevelt, nach dem ihn der Heimgang Mac Kinleys auf den Präsidenten stuhl erhoben, die Möglichkeit gehabt, eine persönliche, das heißt von Parteirücksichten freie Herrschaft zu führen. Das ist wohl auch anfänglich seine Absicht gewesen. Er erkannte dabei ganz richtig, daß solche Absicht sich nur ausführen lasse, wenn er von vornherein auf den Ehrgeiz verzichte, eine Wiederwahl, diesmal direkt zur Präsident schaft, anzustreben. Er sprach diesen Verzicht aus, wozu ein gewisser Heroismus des Entsagens gehört, und kündigte zugleich den Trusts Fehde an. Er erregte damit kein Aufsehen, weder Bewunderung noch Verwunderung: und darin zeigte sich, daß die mit den Trusts liierten Führer der herrschenden Partei gute Men