98 Jedes halbe Werk, jede matte Vertretung muß unbedingt ausgeschlossen werden. So erwächst dem Reichskommissar die vielleicht nicht immer willkommene, aber unabweisbare Pflicht, auch nur einigermaßen unvollkommen veranschau lichte Gebiete rücksichtslos fernzuhalten. Überall muß das „Made in Germany“ als hoch zu be wertender Ehrenstempel gelten. Dann werden wir, wie vor Jahren in der Alten Welt, 1904 auf der andern Seite des Ozeans im ruhigen Bewußtsein unserer Leistungsfähigkeit keinen Mitbewerber zu scheuen brauchen. Dies gilt nicht nur industriell, sondern sicher auch von den mehr ideellen Gebieten menschlicher Arbeit. Auf das letztere wird ganz besonderes Gewicht zu legen sein. Denn für wissenschaft liche und künstlerische Betätigungen aller Art werden in den Vereinigten Staaten Aufwendungen gemacht, die bei uns nicht denkbar sind. Man befrage die Lehrer an den „Universities“ und „Colleges“ und beispielsweise die Porträt maler. Es werden Honorare bewilligt, die — selbst wenn man dagegen die Kosten der teuren dortigen Lebenshaltung entsprechend hoch gegen unsere Verbrauchsskala veran schlagt — für unsere Begriffe geradezu verblüffend sind. Schon deswegen verblüffend, weil Wissenschaft und Kunst bei uns überhaupt schlecht bezahlt werden. Über welche Mittel die amerikanischen Schulen und Hochschulen ver fügen, ist in der Hauptsache bekannt. Die Dozenten, die zumeist nicht auf Kollegiengelder angewiesen sind und feste hohe Honorare beziehen, werden außerdem von humanitären Gesellschaften und wissenschaftlichen Vereinigungen zu Vor trägen herangezogen, für die — falls der Vortragende nur einigermaßen als Autorität gilt — sehr erhebliche Summen ausgeworfen sind. Anderseits stehen die Honorare, die in Amerika Künstlern bewilligt werden, bisweilen gar nicht im Verhältnis zu dem Wert der Leistungen. Maler, die in