15 setzen. Schwieriger liegt es bezüglich der Wiederherstellung und Er neuerung der Bahnanlagen. Hier lassen sich unmittelbare Kriegs schäden selten genau feststellen. Im übrigen aber werden sich diese wie alle sonstigen Sanierungsaufwendungen wohl einigermaßen gleichmäßig auf die Eisenbahnnetze verteilen, Verschiebungen im Ertragswert also kaum herbeiführen. Wie die Zukunft der Finanzwirtschaft der Eisenbahnen sich gestalten wird, hängt in erster Reihe von unserer politischen und wirtschaftlichen Zukunft überhaupt ab. Unsere Stellung auf dem Weltmarkt, die Ent wicklung von Gewerbe, Landwirtschaft und Handel im Inland, Arbeits markt und Lohnpolitik, Stand und Kaufkraft unserer Währung, kurz alle in unserem Wirtschaftsleben gestaltend tätigen Kräfte finden in dem Eisenbahnhaushalt, auf der Einnahme- wie auf der Ausgabeseite, ihr getreues Spiegelbild. Ist doch die Eisenbahnwirtschaft ein Mikrokosmus der Volkswirtschaft. Solange jene allge meinen Kräfte und ihre Entwicklung in der Zukunft noch im Dunkel gehüllt sind, wäre es also vermessen, etwas über die Zukunft der deutschen Eisenbahnfinanzen voraussagen zu wollen. Zwei Punkte aber seien hier erwähnt, die auch im günstigsten Falle die Eisenbahnfinanzwirtschaft hindern werden, einer Erholung der Volkswirtschaft, einer etwa wieder aufstrebenden Konjunktur zu folgen: Das ist eine doppelte Bindung: auf der Ausgabeseite der Löhne an politische Rücksichten, auf der Einnahmeseite der Tarifpolitik an die geographischen Verhältnisse, unter denen die deutsche Volkswirtschaft arbeitet: Je demokratischer unser staatliches Leben wird, desto größer werden die Rücksichten werden, die auf die Wünsche und Forderungen der Angestelltenmassen der Staatsbahnen zu rechnen sind. Auf der anderen Seite ist unsere Lage zum Weltmarkt, unsere Arbeitsteilung im Inland und die Verteilung der Standorte unserer Gewerbe der Art, daß sie einer Tariferhöhung gewisse Grenzen ziehen, wenn wir wettbewerbs fähig bleiben sollen. Man darf sagen, daß in Deutschland billige Erzeugung bei hohen E i s e n b a h n t a r i f e n nicht mög- l i ch ist. Es kann daher zweifelhaft fein, ob über die jetzt in Kraft ge tretenen Tariferhöhungen, die bis zu 100% gehen, wesentlich wird hinausgegangen werden können. Betrachten wir diese Lage der Dinge und die Schwierigkeiten der Auseinandersetzung noch einmal rückschauend, so sind zwei Wege zur Lösung denkbar: Auf dem einen Wege würde man die bestehenden Verhältnisse soweit als möglich schonen und zu einer Lösung in Gemeinschafksform gelangen, die manche Ähnlichkeit mit der Betriebs- und Finanzgemeinschaft hätte, die Preußen und Hessen bezüglich ihrer Eisenbahnen im Jahre 1896