29 Staatshaushalt der damaligen Zeit auch ist. Es muß hier genügen, einen ganz kurzen Überblick über die Lage der Dinge zu geben, wie sie sich noch heute darstellt*). Abweichend von der Ordnung in den meisten anderen Staaten mit Staatseisenbahnbesitz ist der Haushalt der Staatseisenbahnen in Preußen mit seinen Einnahmen und Ausgaben in den gesamten Staatshaushalt durchaus eingegliedert. Im Staatshaushalt erscheinen also nicht etwa die Reinerträge des Staatsbahnbetriebes, sondern es werden alle Ein nahmen der Eisenbahnen unter den Staatseinnahmen, alle Ausgaben unter den gesamten Staatsausgaben mit aufgeführt. Es beruht das auf dem sogenannten Brutkoprinzip, auf dem die Ordnung des preu ßischen Staatshaushaltes der Form nach aufgebaut ist und das in den letzten Jahrzehnten immer schärfer betont, man kann sagen überspannt worden ist. Der „Nettoetat", der seit einigen Jahren dem Staatshaushalt auf wiederholten Wunsch des Landtages beigegeben wird, ist nur eine kurze Übersicht und hat keine staatsrechtliche Bedeutung. Die Übersicht über die Ergebnisse des Eisenbahnbetriebes wurde bis zum Jahre 1909 weiter dadurch erheblich erschwert, daß sie sich unter verschiedenen Ein nahme- und Ausgabezweigen zerstreut fanden. Infolge dieses Zustandes weisen die Abschlüsse des preußischen Staatshaushaltes riesige Ziffern auf, die in den eigentlichen Staatsver waltungsausgaben nicht begründet find. Der Leib des Staatshaus haltes ist gewissermaßen durch die Übernahme der Gesamtziffern der Eisenbahneinnahmen und -ausgaben übermäßig angeschwollen. In ganz runden Ziffern betrugen nach dem Haushaltsvoranschläge für 1918 Milliarden M die ordentlichen Staatseinnahmen rund 6V 2 davon allein die Einnahmen der Staatseisenbahnen . . . 3 3 / t die dauernden Staatsausgaben insgesamt 6V& bie dauernden Ausgaben der Staatseisenbahnen einschl. der Schuldzinsen und der Beträge der gesetzlichen Tilgung . 3 1 /* Die Einnahmen und Ausgaben der Staatseisenbahnen machten also weit mehr als die Hälfte der gesamten Staatseinnahmen und -aus gaben aus. Diese eigentümliche Verquickung zwischen Eisenbahnhaushalt und Staatshaushalt hat keineswegs etwa nur die Bedeutung einer Form; sie ist vielmehr ein Konstruktionsfehler der Eisenbahnwirtschaft. Es wäre sonst nicht zu verstehen, wie sie sich gegenüber der Kritik namhafter Finanzpolitiker und dem wiederholten Verlangen des Preußischen Land- ") Vgl. zum folgenden: (Heft 3). „Archiv für Eisenbahnwesen" 1909 S. 384 u. ff.