24 urid dem Publikum die Überzeugung von einer solchen Sicher heit ihrer Unternehmungen zu verschaffen, daß auch der Vorzug der Gleichmäßigkeit der Verzinsung der Staatswerte jenen Ef fekten gegenüber an Zugkraft einbüßen mußte. Die schein bare Verringerung des Risikos bei den mehr oder minder spekulativen Werten und die gleichzeitige Erhöhung der Zins- differenz zwischen den mündelsicheren Anlagen und den Di videndenpapieren, den Industrieobligationen und den höher ver zinslichen auswärtigen Fonds stimmte selbst denjenigen Teil des Kapitalistenpublikums für eine Vermögensanlage mit höheren Renten günstig, der nichts verlieren kann und will. 1 ) Selbst in dem kapitalreicheren England führte der große, wirtschaftliche Aufschwung, obwohl hier die Inanspruchnahme des Geldmarktes, für den Ausbau der Volkswirtschaft nicht in der Intensität, wie in Deutschland erfolgte, im Verein mit der vermehrten Kapitalfestlegung durch gesteigerte Kapital nachfrage zu einem Rückgang der Staatsanleihen. Frankreich dagegen konnte den Kurs seiner Staatsanleihen im wesent lichen deshalb besser bewahren, weil es seit Ende des, 19. Jahr hunderts nicht mehr ein Land der Großindustrie und des Welt handels ist. Ihm fehlt der Wagemut, der Unternehmungsgeist der anglodeutschen Rasse. Seine Kapitalien suchen keine Be tätigung in Handel und Gewerbe. Das französische Geld sehnt sich nach Sicherheit und Ruhe. Auch ist für den Franzosen, der sein Geld anlegen will, die Anlagemöglichkeit eng begrenzt. An neuen Industriewerten herrscht empfindlicher Mangel. Der Pfandbrief- und Kommunalobligationenumlauf ist unbedeutend, die Eisenbahnobligationen sind bereits überzahlt. Die großen jährlichen Neuersparnisse in Frankreich können also haupt sächlich nur Anlage finden in ausländischen Fonds und hei mischer Staatsrente. Hiervon wird die letzte Anlagemöglichkeit am meisten benutzt. 2 ) Das Stagnieren der Bevölkerung Frank reichs, sein wirtschaftliches Zurückbleiben sind die Ursachen seiner finanziellen Überlegenheit und Stärke und bilden den ') Biermer, a. a. O. S. 11. 2 ) K i m m i c h, a. a. O. S. 272.