37 Versicherungspraxis 1 ) gemacht. Beide weisen darauf hin, daß eine solche Vorschrift in gleich gerechter Weise den Millio när, wie den kleinen Rentner treffe. Nach der Veranlagung zur preußischen Ergänzungssteuer für 1908 machten die Vermögen von 50 000 Mark aufwärts insgesamt die Summe von 67 Mil liarden Mark aus. Wenn diese Steuerpflichtigen nur einen Staatspapierbesitz von 5 oder 6% ihres Vermögens aufzuwei sen verpflichtet würden, wäre mindestens die Hälfte der ge samten preußischen Staatsschuld untergebracht. Eine derartige Bestimmung würde auch der Neigung des Publikums, sich spe kulativen, auswärtigen, höher verzinslichen Werten zuzuwen'den, Einhalt tun. Dieser Vorschlag blieb bei der Regierung unbe achtet, weil man einen derartig weit gehenden Eingriff in die wirtschaftliche Freiheit des Einzelnen scheute. Die Regierung und alle ihre nahestehenden Autoren, die das Kursproblem er örtern, wünschen eine Lösung des Problems auf anderem Wege.! Sie schlagen insbesondere vor, gewisse Vermögensverwaltungs- stellen, wie Sparkassen, Versicherungsgesellschaften, Banken usw. durch Gesetz zu zwingen, bestimmte Teile ihres Ver mögens in Staatspapieren anzulegen. Sie hoffen durch den auf diese Weise vergrößerten Absatz an Staatspapieren deren Markt zu befestigen und ihren Kurs, wenn nicht zu bessern, so doch wenigstens vor weiterem Zurückgehen zu bewahren. Es soll also die Kapitalanlagevorschrift, statt auf die Gesamtheit der Steuerzahler, lediglich auf bestimmte Gruppen wirtschaftender Personen, nämlich die Sparer und die Versicherten, erstreikt werden. Angesichts dieser Bestrebungen erhebt sich die Frage, ob derartige, auf bestimmte Körperschaften beschränkte Kapital anlagevorschriften irgendeine bessernde Wirkung auf den Kursstand der Staatsanleihen ausüben können und zwei tens, ob die Anwendung dieses Mittels nicht wirtschaftliche Nachteile im Gefolge haben kann. Will man hierüber Klarheit gewinnen, so muß man zunächst feststellen, für welche Be- *) Direktor Müller, Direktor der Gothaer Lebensversicherungsbank, und Justizrat Senden, Direktor der Concordia in Köln. Vergl. Veröffent lichungen S. 17 und 35.