Einleitung. Zur allgemeinen Orientierung über den Rohstoff der deutschen Bauinwollindustrie möchte ich in Kürze einige Angaben über die Baumwollpflanze, ihren Anbau, ihre Ernte und ihre mannigfache Ver wendung vorausschicken. Die Baumwolle ist das Erzeugnis einer Strauch- oder baum artigen Pflanze, die zur Gattung Gossypium und als solche zur Fa milie der Malvazeen gehört. Die Pflanze kommt in den wärmeren, gemäßigten Gebieten der Erde vor, zum Teil wild, zum Teil seit langer Zeit kultiviert. Aus ihrer Blüte gehen Fruchtkapseln hervor, die eine Anzahl von behaarten Samenkörnern umschließen. Reifen die Kapseln, so brechen sie auf, und die Samenhaare — eben die Baumwolle — quellen hervor. Nach der Länge der Fasern, des „Stapels“, und nach der Farbe der Blütenblätter unterscheidet man fünf Grundformen der Pflanze, von denen folgende drei für den Handel hauptsächlich in Betracht kommen 1 ): 1. Gossypium barbadense oder Sea Island-Baumwolle. Ihr Anbau ist in Westindien, der Südostküste und auf den ihr vor gelagerten Inseln der Union, Ägypten und in Westafrika verbreitet. Sie verlangt große Wärme und feuchte Luft. Der Ertrag ist verhältnismäßig gering, aber die Länge des Stapels macht die Sea Island zu der wertvollsten Baum wollsorte. 2. Gossypium hirsutum oder Upland-Baumwolle. Sie ist die für Anbau, Handel und Verarbeitung bei weitem wichtigste aller Baumwollarten — liefert sie doch allein ca. 6o°/ 0 der Welt produktion. 3. Gossypium herbaceum. Diese Art ist in Ostindien heimisch, zeichnet sich durch große Fruchtbarkeit aus und verlangt beim Anbau die geringste Sorgfalt, indessen steht sie an Güte den genannten Sorten nach. 1) Vgl. zu dem Folgenden A. Oppel, Die Baumwolle, Leipzig 1902, Kapitel II. Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. III, Heft 3. 1 Lochmüller, Entwicklung der deutschen Baumwollindustrie.