i3 hunderts wurde sie von holländischen Flüchtlingen dorthin verpflanzt. Zunächst wurde ihr Wachstum durch die alten privilegierten Zünfte der Woll-, Leinen- und Seidenweber unterdrückt. Neben ihnen spielt die Baumwollspinnerei und -Weberei nur eine bescheidene Rolle. Im Jahre 1721 erging ein Verbot, Baumwollstoffe zu tragen. Schon vorher ­ war die Einfuhr ostindischer Baumwollzeuge verboten worden. Diese Maßnahmen aber stärkten nur die junge Industrie, obwohl sie gerade das Gegenteil beabsichtigten. Der Rohstoff kam damals aus Cypern und Kleinasien, der Einfuhrhafen für sie war London. Die Industrie fand einen festen Stützpunkt in Manchester und der Grafschaft ­ Lancashire. Deutschland, das vorher Europa mit seinen Baumwollfabrikaten versorgt hatte, litt unter den Nachwehen des großen Religionskrieges. England trat jetzt — mit Beginn des 18. Jahrhunderts ­ — an seine Stelle. Von vornherein hatte es den Vorzug, daß hier die Industrie sich auf wenige Städte konzentrierte; infolgedessen ­ konnte eine Spinner- und Weberbevölkerung großgezogen werden, die es in der nötigen Handfertigkeit zur Vollkommenheit brachte. England war ferner das erste Land, in dem der Kaufmann das Tempo des wirtschaftlichen Fortschritts angab. Nach der Besiegung ­ Hollands wurde es dessen Nachfolger in der Beherrschung des Weltmeeres, seine maritime Lage, die Zahl und Güte seiner Häfen förderten den Handelsverkehr. Der englische Kaufmann vertritt ­ gegenüber der feudalen Denkweise des Mittelalters, die — mit den Worten von G. v. Schulze-Gävernitz — der Einzelwirtschaft nur das an Gütern zukommen läßt, „was Sitte und Recht bestimmt'*, eine moderne Denkweise, deren Richtung durch das Streben nach Gewinn angogoben wird 1 ). Je mehr die Konkurrenz und die Entfaltung der kaufmännischen Intelligenz hervortreten, desto verschiedener gestaltet sich das Schicksal der Einzelunternehmungen, desto rascher weicht das alte Gewerberecht der Gewerbefreiheit, desto intensiver ist der Antrieb zu wirtschaftlichen und technischen Fortschritten. Persönliche ­ Freiheit und Sicherheit des Eigentums, Voraussetzungen des Handels, waren in England am weitesten entwickelt. Zunftordnungen, die der freien gewerblichen Betätigung der Kräfte Fesseln anlegten, bestanden noch für die Wollindustrie 2 ), aber nicht für die Baumwollindustrie. Auf dem Kontinent war Produktion und Absatz gesetzlich geregelt, jede Abweichung unter Strafe gestellt, auch fehlte jeder Ansporn zum technischen Fortschritt, denn jedem zünftigen Weber und Verleger — das Recht des Webens und des Verlegens der 1) G. von Schulze-Gävernitz, a. a. O. S. 31. 2) Ebenda S. 35.