24 Die Württemberger Spinner hatten schon darauf hingewiesen, daß die verschiedenen Garnnummern nicht gleichmäßig verzollt werden dürften, daß hier vielmehr einzig und allein das Wertzollsystem am Platze sei, sie predigten aber tauben Ohren. Der Zollschutz fiel für die feineren Nummern fast gar nicht ins Gewicht, daher nahm die Produktion naturgemäß immermehr die Richtung auf gröbere Nummern ') und behielt sie im allgemeinen auch bei, obwohl einige der nach 1850 gegründeten großen Betriebe auch die Spinnerei feiner Garne auf- nahmen. Jedenfalls ist die Entwicklung der Spinnerei — der Erfolg der Zollerhöhung — von 1846 an etwa eine durchaus stetige. Wir können das am besten beurteilen, wenn wir den Rückgang der Garn einfuhr im Verhältnis zum Garn verbrauch ins Auge fassen. Es betrug Die Garneinfuhr Prozent des Verbrauchs Im Durchschnitt der Jahre 1846—1848 184g—1851 1852—1854 1855-1857 1858—1860 68,24 64,26 55.40 50,51 39,88 In den neun Jahren 1837 bis 1845 hebt sich also, wie wir sahen, der Anteil der inländischen Garnproduktion am Garnverbrauch von 25,7 1 °/ 0 auf 3i,84°/o, d. h. jährlich um 0,68 °/ 0 , nach der Zollerhöhung aber in 15 Jahren von 31,76% auf 60,12%, das sind aber jährlich bSQ % 3 )- Die Gegenüberstellung spricht deutlich für die günstige Wirkung des Schutzzolles. Gleichzeitig ist aus der Tabelle ersichtlich, daß das schnelle Tempo der Entwicklung erst 1853 einsetzt. Dies ist ein mal dem Umstande zuzuschreiben, daß mit diesem Jahre der Zoll verein sich über ganz Deutschland außer Österreich erstreckte; zwei tens aber stieg in den fünfziger Jahren die Ausfuhr von Webwaren nach Amerika und folglich der Garnverbrauch der Webereien rapid. Darum waren diese Jahre auch der Neugründung von Aktienunter nehmungen besonders günstig, so fällt z. B. in das Jahr 1851 die Gründung der „Baumwollspinnerei am Stadtbach“ zu Augsburg, einer unserer größten Spinnereien, von der wir später noch einiges hören werden. 1857 zählte man schon 2 Milk Spindeln,' 1861 aber 2T35 195 4 )- In der Zeit von 1850 bis 1870 traten eine ganze Anzahl von Aktien- 1) Ad. Beer, a. a. O. S. 83. 2) Nach Dietericis und Bienengräbers Angaben berechnet. 3) Allzu genau sind auch diese Berechnungen aus dem Grunde nicht zu nehmen, weil die handelsstatistischen Ergebnisse zu damaliger Zeit zu wenig Vertrauen verdienen. 4) Bienengräber, a. a. O. S. 195.