j  werb  hingegeben  und  dabei  vergessen,  dass  zur  erfolgreichen
j  Durchführung  unseres  Erwerbsinteresses  auch  der  politische
j  Einfluss,  der  Einfluss  auf  die  Gesetzgebung  notwendig  und
zweckmässig  ist.
'  Ich  habe  das  schon  in  der  vorausgegangenen  Diskussion
bei  einem  anderen  Gegenstände  unserer  Tagesordnung  ausgeführt. ­
  Dass  ich  recht  damit  habe,  beweist  doch  wohl  der
Umstand,  dass  verschiedene  Erwerbskreise  sich  dieser  politischen
Macht  bewusst  sind  und  sich  dieses  Machtmittel  zu  eigen  machen.
Sie  ersehen  es  auch  daraus,  dass  politische  Parteien  um  die
Gunst  einzelner  Erwerbskreise  werben,  um  dadurch  ihre  Machtstellung ­
  zu  verstärken  und  zu  vergrössern.
Ich  verweise  dabei  nur  auf  die  Landwirtschaft,  welche
durch  den  Bund  der  Landwirte  nicht  nur  eine  wirtschaftliche,
sondern  eine  politische  Organisation  mit  grosser  Machtentfaltung
gegründet  und  durchgeführt  hat,  ich  verweise  auf  die  Handwerker, ­
  die  sich  der  besonderen  Vorliebe  der  konservativen
und  Mittelstandsparteien  erfreuen,  ich  verweise  auf  die  Arbeiter,
welche  durch  die  Sozialdemokratie  politisch  als  Klassenpartei
organisiert  worden  ist.
Diesen  Tatsachen  gegenüber,  meine  hochverehrten  Herren,
gibt  es  nur  eine  Möglichkeit,  nämlich,  dass  auch  die  deutsche
Industrie,  das  deutsche  Gewerbe  und  der  deutsche  Handel  sich
besser  organisieren  und  ihrer  wirtschaftlichen  Stellung  entsprechend ­
  politischen  Einfluss  zu  gewinnen  suchen  müssen.
(Sehr  richtig.)
Ich  scheue  mich  nicht,  das  auch  in  ,  einer  Vereinigung
auszusprechen,  die  zunächst  den  Zweck  verfolgt,  sich  wirtschaftlich ­
  zu  organisieren.  Der  Zweck  ist  aber  nur  zu  erreichen
durch  Anschluss  an  politische  Parteien.  Wie  wichtig  dieser
Anschluss  ist,  beweisen  doch  Vorgänge  innerhalb  unserer  Gesetzgebung, ­
  Vorgänge,  welche  die  Interessen  der  Industrie  und
des  Handels  in  höchstem  Maasse  berühren.  Ich  verweise  auf
die  Zollgesetze,  ich  verweise  auf  die  Handelsverträge,  ich  verweise ­
  auf  die  Bestrebungen  der  sozialpolitischen  Fürsorge  für
unsere  Arbeiter.
Hier  fehlt  überall  der  nachdrückliche  Einfluss  unseres
Standes.
Wie  zweckmässig  ein  stärkerer  Einfluss  der  Industrie  auf
die  Gesetzgebung  sein  wird,  beweist  der  Verlauf  der  Verhandlungen ­
  über  neue  Handelsverträge.
Die  Thronrede  des  deutschen  Kaisers,  welche  heute  in
den  Blättern  veröffentlicht  wurde,  enthält  über  die  Aussichten
für  den  Abschluss  günstiger  Handelsverträge  keine  Andeutung.
Es  ist  in  dieser  nur  die  Rede  davon,  dass  der  Handelsvertrag
mit  England  und  seinen  Kolonien  zunächst  auf  ein  Jahr  fort ­