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Was  war  denn  nun  Schlimmes  an  dieser  Steuer  ?  Sie
brachte  eine  einseitige  Belastung  der  Erwerbsstände  mit  und
zwar  dadurch,  dass  sie  dasjenige  Kapital  nicht  trifft,  welches
in  landwirtschaftlichen  Betrieben  und  in  landwirtschaftlichen
Genossenschaften  investiert  ist.  Hierin  liegt  offenbar  eine  Bevorzugung ­
  der  Landwirtschaft  gegenüber  dem  Handel  und  der
Industrie.
Die  konservative  Fraktion  in  der  Zweiten  Kammer  des
sächsischen  Landtages  begründet  ihre  Zustimmung  zu  dieser
Ergänzungssteuer  damit,  dass  die  Steuereinnahme  von  314  Mill.
Mark  aus  dieser  Steuer  notwendig  war,  um  die  vom  Landtag
bewilligten  Wohnungsgelder  der  Beamten  decken  zu  können.
Hätten  die  Konservativen  nicht  zugestimmt,  dann  würde
den  Beamten  dieser  Vorteil  zunächst  nicht  zugeführt  worden  sein.
Ja,  meine  Herren,  ich  meine,  das  rechtfertigt  die  Zustimmung ­
  der  Konservativen  durchaus  nicht.  Man  musste  die
Verantwortung  hierbei  ausschliesslich  den  Mitgliedern  der  Ersten
Kammer  überlassen.  Man  durfte  aber  nicht  einseitig  Industrie
und  Handel  zu  Gunsten  der  Landwirtschaft  deshalb  belasten.
Meine  Herren,  Sie  wissen,  welchen  Sturm  der  Entrüstung
dieses  Steuergesetz  in  Sachsen  erzeugt  hat.  Die  Unzufriedenheit ­
  wurde  noch  verstärkt  durch  unsere  höchst  missliche  Finanzlage, ­
  die  uns  ja  voriges  Jahr  den  25prozentigen  Steuerzuschlag
brachte,  eine  Massregel,  die  so  recht  eindringlich  jedem  Steuerzahler ­
  ein  Bild  von  der  misslichen  Finanzlage  Sachsens  vorführte. ­
  Wie  wir  in  diese  Finanzwirtschaft  hineingekommen
sind,  wurde  am  Montag  von  Herrn  Finanzminister  Rüger
klargelegt.
Wenn  mich  etwas  an  der  Rede  gefreut  hat,  so  war  es  die
ungeschminkte  Darstellung  der  Sachlage,  das  offene  und  ehrliche ­
  Bekennen  der  grossen  Fehler,  welche  die  Staatsregierung
auf  der  einen  und  die  Majorität  der  Ständekammern  auf  der
andern  Seite  gemacht  haben.
Ich  will  auf  diese  Dinge  nicht  näher  eingehen,  ich  muss
diese  Vorgänge  aber  vorführen,  um  zu  erklären,  warum  endlich
auch  in  unseren  Reihen  ein  lebhafteres  Interesse  für  den  Gang
der  Gesetzgebung  und  für  die  Zusammensetzung  der  sächsischen
.Ständekammern  zutage  tritt.
An  jener  Rede  hat  mir  noch  das  gefallen,  dass  der  Herr
Finanzminister  den  Weg  bezeichnet  hat,  welchen  die  Regierung
beschreiten  will,  um  eine  Gesundung  unserer  Finanz-  und  Steuerwirtschaft ­
  herbeizuführen.  Die  Finanzpolitik,  die  wir  in  Sachsen
üben  müssen,  muss  die  einer  weisen  wirtschaftlichen  Sparsamkeit ­
  sein,  einer  Sparsamkeit,  die  schon  in  guten  Zeiten  ihren
Anfang  nimmt.