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vjel  mehr  Menschen  ernähren  könnten,  wie  in  Mecklenburg.
Wenn  Sie  das  berechnen,  würde  Sachsen  nicht  über  4  Millionen
Einwohner  ernähren,  sondern  vielleicht  knapp  1  Million.
Deshalb  möchte  ich,  dass  wir  den  anderen  Berufsständen
recht  oft  klar  machen,  von  wem  sie  wiederum  denn  eigentlich
leben.  Wie  viele  könnten  denn  bei  uns  vom  Handel  leben,  wenn
nicht  die  Industrie  und  die  industrielle  Arbeiterbevölkerung  die
Hauptprodukte  des  Handels  verbrauchte  und  verzehrte?  Wie
viele  von  seinen  Beamten  könnte  Sachsen  bezahlen  ohne  die
Steuern  der  Industrie?  Das  möchte  auch  einmal  bedacht  werden
von  den  vielen  Beamten,  die  da  glauben,  sich  immer  auf  die  Seite
der  agrarischen  Partei  schlagen  zu  müssen.  Wie  viele  Juristen
und  Aerzte  hätten  denn  Beschäftigung,  wenn  weder  die  Jndustrie
noch  die  Arbeiterbevölkerung  ihnen  Klienten  stellten?
Beinahe  alles  hängt  in  Sachsen  von  der  Jndustrie  ab,  und
die  Landwirtschaft  selbst  am  allermeisten,  denn  unsere  Landwirtschaft ­
  ist  keine  derartig  glänzende,  sie  produziert  nicht  so
billig,  dass  es  ihr  gleichgültig  sein  könnte,  was  ihr  in  Sachsen
die  Jndustrie  abnimmt,  indem  sie  etwa  sonst  billig  exportieren
könnte.  Daran  ist  in  Sachsen  nicht  zu  denken.  Unsere  Landwirtschaft ­
  muss  ihre  Produkte  in  allernächster  Nähe  absetzen;
und  wenn  sie  verhältnissmässig  besser  bestehen  kann  als  in
anderen  Teilen  des  deutschen  Reiches  —  denn  das  ist  keine
Frage,  dass  unsre  sächsische  Landwirtschaft  nicht  so  notleidend
ist,  wie  die  in  manchen  anderen  Teilen  Deutschlands  —  und
ich  bin  kein  solcher  ausgesprochener  Feind  der  Agrarier,  dass
ich  nicht  zugäbe,  dass  es  in  Deutschland  Gegenden  gibt,  wo  die
Landwirtschaft  notleidet  —  wenn  es  in  Sachsen  nicht  so  schlimm
ist,  dann  ist  die  Industrie  daran  schuld,  weil  die  Landwirte  auch
hochwertige  Produkte  produzieren  können,  nicht  bloss  Hafer,
Gerste  und  Roggen,  auch  etwas  Weizen,  sondern  vor  allen
Dingen  auch  die  teueren  Produkte  der  Viehzucht  und  der
Molkerei  und  viele  andere  Produkte,  Gemüse  und  dergFichen-Das
  möchten  die  Herren  Agrarier  doch  auch  im  Auge  bemalten-Noch
  einen  anderen  Punkt  möchte  ich  erwähnen.  Ein
Wahlrecht  mag  beschaffen  sein,  wie  es  will,  und  es  mag;
noch  mehr  Cautelen  schaffen,  als  dasjenige,  mit  dem  Sachsen
geglaubt  hat,  sich  gegen  das  stete  Vordringen  der  Sozialdemokratie ­
  wehren  zu  sollen,  einer  hochgradigen  Unzufriedenheit ­
  gegenüber  wird  kein  Wahlrecht  je  auf  die  Dauer  Standhaftem,, ­
  Jjj
Dafür  hat  es  in  Preussen  in  den  60er  Jahren  ein  Beispie*
gegeben.  Man  hatte  damals  in  Preussen  dasselbe  Wahlrecht
wie  wir  es  heute  haben,  ein  Klassenwahlrecht,  sogar  mit  offener
Wahl,  sodass  man  meinen  sollte,  es  könnte  unter  einer  starke^
Regierung  überhaupt  keine  andere  als  eine  regierungsfreundlich®