18 Löhne in der gewerblichen Kinderarbeit. licher Maßnahmen — die Zustände so weit gediehen seien, daß weiteres Zögern moralisch nnticrantwortlich sei. Er fordert: Heim arbeitgesetzgebung, was auch für uns in Deutschland gilt. Wir müssen davon absehen, auf die dort angeführte Registrie rung der sogenannten Verlags-, d. i. Heimarbeiter, die Ausdehnung der Zwangsversicherung auf die Verlagsarbeit, die Lizenzierung der Arbeitsstätten, die staatlich oder im Wege der Gewerkschaft herbeizuführende Organisation dieser Arbeiter näher einzugehen. Wir können hier nicht über Abschaffung der Heimarbeit oder Ein schränkung des Absatzes, die Einrichtung von Zentralwerkstätten und verbindliche Mindcstlohnsatzungen sprechen — sicher ist, daß alle Maßnahmen, welche die wirtschaftliche Lage gerade der Heim arbeiter im Auge haben, den besten Kinderschutz bedeuten. Wir fühlen es dem Gesetzgeber nach, daß er bei der vollen Kenntnis der überaus traurigen Zustände in der Heimarbeit wohl gern zugreifen möchte. Ihm fehlen in der Hauptsache die Geld mittel. Leichter wurde ihm der schärfere Schnitt an der Wunde des Austräger- und Laufburschentums. Weiter unten soll an einem Beispiel gezeigt werden, daß es in der Hand der Bevölkerung liegt, die wirtschaftliche Lage einer Witwe, welche mit drei Kindern als Backwarenträgerin arbeitet, besser zu gestalren, wenn sie allein tätig ist und nicht ihre drei Kinder mitbeschäftigen muß. Zunächst wird jeder objektiv Urteilende zugeben, daß es richtiger wäre, wenn Erwachsene gut bezahlt und als volle Arbeitskräfte in den Betrieb eingestellt würden. Sicher ist auch, daß durch die Beseitigung der Früharbeit der Kinder das Arbeitgeberinteresse namentlich der Bäcker, Zeitungsspediteure und Milchhändler an der Mehrarbeit all mählich zu erblassen anfängt, um zum Vorteile von etwa 150000 Kindern bald gänzlich zu verschwinden, weil man doch nur solche Hilfskräfte gebrauchen kann, die, auch neben den Eltern, regel mäßig zur Hand sind. (Für den Bäcker am Morgen, den Spediteur am Morgen und Abend, den Milchhändlcr am Morgen, Mittag und Abend.) Aber nun sollten die Geschäftsleute von solchen Kunden, weiche sich ausBequemlichkeits- rücksichten die Ware ins Haus bringen lassen, sehr