11 japanischen Heeres, die japanische Staatsverfassung und die modernen japanischen Gesetze, die vorzüglich eingerichteten Justiz- und Verwaltungs- systeme und vor allen Dingen der glühende Patriotismus des Volkes dazu beigetragen haben, der japanischen Regierung die Annahme dieses Krieges leichter erscheinen zu lassen. Besonders der Patriotismus der Japaner ist in seiner starken kräftigen Ansdrncksweise ein so spezifisch, nationaljapanischer Charakter zug, daß es den Europäern schwer fällt, hierfür das richtige Ver ständnis zu finden. Die Japaner sind innner bereit, ihrem Vaterlande oder dessen Verkörperung, ihrem Kaiser, alle möglichen Opfer zu bringen und zwar nicht nur ihr Vermögen, sondern auch selbst dann, wenn es ihr Leben betrifft. Dieses starke, nationale Gefühl beherrscht das ganze japanische Volk, sowohl das Heer wie auch die Zivilbevölkerung und besonders kräftig äußert es sich in den Kreisen der japanischen Land wirtschaft. Sobald es heißt, tue dies oder jenes „für den Staat", so wird sich jeder Japaner bemühen sein Bestes zu leisten, dessen er im stande ist. Entsprungen ist dieses starke Nativnalitätsbewußtsein aus dem Glauben über die Entstehung des japanischen Volkes, wonach das selbe sich aus einer einzigen Familie entwickelt habe, deren Oberhaupt eben der japanische Kaiser ist. Zur Erhaltung dieses Glaubens trägt ferner der historische Umstand bei, daß die japanische Kaiserfamilie seit über 2 J / a Jahrtausenden auf dem Throne des Landes sitzt, und daß von dem gesamten japanischeil Landbesitz — mit alleiniger Aus nahme der Eroberung voll Sachalin durch die Russen — noch nie mals eilt Fußbreit Landes erobert wordeil ist. Alle diese Momente, die tief in das Bewußtsein des Volkes eingegraben sind, bedingen den nationalen Ehrgeiz und bilden die starke Wurzel des japanischen Patrio- tismus, den man bei anderen Völkern in solch stark entwickeltem Maße nirgends antrifft. Der Gehorsani des japanischen Volkes gegenüber seinem Kaiser ist ebenso mächtig, wie die Liebe des Kaisers zu seinem Volke, dem er vor sechzehil Jahren alis freier Veranlassinig eine klug durchdachte und wohlerlvogene, moderne Verfassnilg gegcbell hat. Diese Verfassung entspricht so sehr in allem dem japanischen Volksempfindeil und befriedigt in so vollem Maße die Bedürfnisse des Volkes, daß es sich infolge dieser kaiserlichen Liberalität nur noch enger an seinen Kaiser anschloß und nur lioch opferwilliger sich erklärte. Diese Volks- eigenschaften silid immerhin recht beachtenswerte Momente, lind je größer der Feind jemals war, um so kräftiger eiltfalteten sich auch diese volkstümlichen Gefühle. Zwar hat in früheren Zeiten ein Gegensatz zlvischeil den Nordjapanern und den Südjapanern bestanden, doch ist diese Spannung heute längst verwischt und völlig vergessen. Bemerkens wert ist das Verhalten des japanischen Parlaments, sobald Fragen der