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        <title>Der russisch-japanische Krieg und die japanische Volkswirtschaft</title>
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            <forname>Masao</forname>
            <surname>Kanbe</surname>
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        ﻿Mrtschafts- und Verwaltungsfludien

mit besonderer Berücksichtigung Bayerns.
Herausgegeben von Georg Schanz.

XXIV.

o

und die

japanische Wo l'ksw irisch aft.

Von

Professor Masao Kambe

aus Japan.

--—s»

Leipzig.

21. Deichert'sche Verlagsbuchhandlung Nachf.
(Georg Böhme).

1906.
        <pb n="2" />
        ﻿Ä. Deichert'sche Verlagsbuchhdlg. Uachf. (Georg Löhme), Leipzig

Wirtschafts- und Verwaltungsstndien

mit

besonderer Berücksichtigung Bayerns.

Herausgegeben

von

Dr. Georg Schanz,

Prof. d. Nationalökonomie, Finanzwissenschaft u. Statistik
an der Universität Würzburg.

Bd. I. G. Schanz, Zur Geschichte der Kolonisation und Industrie in
Franken. (XVIII, 426 S. Text u. 354 S. Urkunden.) 1884. 12 M.

Bd. II. L. Hoffmann, Ökonomische Geschichte öaycrns unter Graf
Montgelas. 1799-1817. (IV u. 146 S.) 1885. 2 M.

Bd. III. G. Zoepfl, Fränkische Handelspolitik im Zeitalter der Äuf-
klärung. Mit 2 Karten. (VIII u. 348 S.) 1894. 5 M.

Bd. IV. A. Köberlin, Der Oliermain als Handelsstraße im späteren
Mittelalter. (VIII u. 70 S.) 1899. 1 M. 80 Pf.

Bd. V. Wilh. Mayer, Anerben- »nd Teilungssystem dargelegt an den
zwei pfälzischen Gemeinden Gerhardsbrunn und Martinshöhe.

Mit 3 Karten. (VIII u. 48 S.) 1899. 2 M.

Bd. VI. Robert Schachner, Das bayerische Sparkassriiwese». Mit

1 Tabelle. (X u. 132 S.) 1900. 3 M.

Fortsetzung auf der 3. Umschlagseite.
        <pb n="3" />
        ﻿Der niMch-japlimsche Krieg.
        <pb n="4" />
        ﻿MrWfl;- uni) Demallllilgsstuilitn

mit

besonderer Berücksichtigung Bayerns.

Herausgegeben

von

vr. Georg Schanz,

Prof. d. Nationalökonomie, Finanzwissenschaft und Statistik
an der Universität Würzburg.

XXIV.

Kanrbe, Der russisch-japanische Krieg.

Leipzig.

A. Oeicbert'sche Verlagsbuchhandlung Nachf.

(G e o r g B ö h m e).	,

1906.
        <pb n="5" />
        ﻿3tr riissisdj-jjpaiiisdif Imp

und die

japanische Wolkswirtschaft.

Von

Professor M a s a o K a m b e

aus Jap an.

-SS~--S»

Leipzig.

A. Deicherth'che Verlagsbuchhandlung Nachf.
(Georg Böhme).

1906.
        <pb n="6" />
        ﻿Alle Rechte Vorbehalten.
        <pb n="7" />
        ﻿Vorwort.

Infolge der beispiellosen Erfolge der Japaner im Kriege niit Ruß-
land ist naturgemäß das Interesse für Japan und seine inneren Ver-
hältnisse ein außerordentlich reges geworden. Eine Reihe von Publi-
kationen ist in letzter Zeit erschienen, um über das eigenartige Volk zu
unterrichten.

Auch die vorliegende Schrift dürfte willkommen sein, zumal sie
die wechselseitigen Einflüsse des japanischen Krieges und der japanischen
Volkswirtschaft darzustellen sucht. Der Verfasser Masao Kambe, der
zur Zeit an hiesiger Hochschule studiert, ist außerordentlicher Professor
der Nationalökonomie an der japanischen Universität in Kyoto und hat
bereits eine Reihe volkswirtschaftlicher und finanzwissenschaftlicher
Schriften in japanischer Sprache publiziert. Es ist nicht ohne Interesse,
dem Gedankcngang des jugendlichen Gelehrten zu folgen. In der Her-
stellung des deutschen Textes wurde der Verfasser von Herrn Bruno
Simmersbach unterstützt.

Würzburg, den 30. Juli 1905.

Prost G. Schanz.
        <pb n="8" />
        ﻿Inhaltsverzeichnis

Seile

Einleitung........................................................ 1

I Teil.

Einfluß der japanischen Volkswirtschaft auf den russisch-japanischen Krieg 2

I.	Kapitel.

Die japanische Volkswirtschaft als die Ursache des russisch-japanischen
Krieges...............................................................2

II.	Kapitel.

Die japanische Volkswirtschaft als ein Machtfaktor des russisch-japanischen
Krieges..............................................................10

II. Teil.

Einfluß des russisch-japanischen Krieges aus die japanische Volks-
wirtschaft	 ..................................................39

I. Kapitel.

Der gegenwärtige Einfluß des russisch-japanischen, Krieges auf die
japanische	Volkswirtschaft...........................................89

II. Kapitel.

Der künftige Einfluß des russisch-japanischen Krieges auf die japanische
Volkswirtschaft......................................................67

Schluß.........................................................................73

Japanische Münzen. Maße und Gewichte, verglichen mit den deutschen.

1 Yen — 2 SK. 9 Pfg.

1 Ri — 3,9 Kilometer.

1 Quadratri = 15,6 Quadratkilometer.

1 Cho — 99,2 Ar — etwa 1 Hektar.

^	&gt; 180 Liter bei Korn.

1 Kokn = J 1/i# Tonne (100 Kilo) als Raumgehalt bei Schiffen.
1 Kin — 600 Gramm
1 Kwan — 3,75 Kilogramm.
        <pb n="9" />
        ﻿Einleitung.

Der sich vor unseren Augen abspielende russisch-japanische Krieg
bildet ohne Zweifel ein hervorragendes und bedeutungsvolles Ereignis
in der Weltgeschichte. Es ist daher nur naturgemäß, daß in allen
Kreisen, sei es politischen, sei es wirtschaftlichen, viel über diesen Krieg
gesprochen wird. Eine merkwürdige Erscheinung ist es allerdings dabei,
daß weit, weit mehr von Japan gesprochen wird als über das viel-
fach noch weit unbekanntere Rußland, und auch der weitaus größte
Teil der vielen neuerdings erschienenen Bücher und Broschüren befaßt
sich fast lediglich mit Japan. Leider aber bringt keine dieser Schriften
eine tiefer eindringende Erklärung der Gründe, aus welchen der rnssisch-
japauische Krieg entstanden ist.

Soweit dies durch eine Skizze ermöglicht werden kann, soll in
Nachstehendem der Versuch gemacht werden, diese Lücke auszufüllen und
die wirtschaftlichen Gründe zu erörtern, die als die Veranlassung zu
diesem Kriege zu betrachten sind.

Daß die Entwicklung eines Staates in engeni Zusammenhang
mit seiner Bewirtschaftung steht, weiß man heutzutage allgemein, und
es dürfte somit auch einleuchtend erscheinen, daß der augenblickliche
Krieg zwischen Japan und Rußland vom wirtschaftlichen Standpunkte
ans beurteilt werden muß, wollte man sich tiicht einer oberflächlichen
Betrachtung hingeben und mit den daraus entspringenden, oft recht
fragwürdigen, Resultaten sich zufrieden geben. Die wirtschaftlichen
Antriebsmomente zu diesem Kriege heranzuziehen und in gebührender
Weise zu beleuchten, wird demnach die Richtschnur für die folgende
Untersuchung bilden.

Kambe, Der russisch-japanische Krieg.

1
        <pb n="10" />
        ﻿I. Teil.

Einfluß der japanischen Volkswirtschaft auf den russisch-
japanischen Krieg.

1. Kapitel.

Die japanische Volkswirtschaft als die Ursache des russisch-
japanischen Krieges.

Daß wir Japaner einmal mit den Russen zusamnienstoßen mußten,
ist zwar bedauerlich, war aber ebenso sehr unvermeidlich. Die Russen
haben uns aus Sachalin vertrieben als der Kohlenreichtum dieser Insel
bekannt geworden war, sie haben die uns wertvolle Insel Tsuschina
zu annektieren versucht und uns zur Rückgabe von Liao-tung gezwungen,
obwohl wir es mit den Waffen in der Hand erobert hatten.

Das war Konfliktstoff genug!

Gleichwohl ist hierin weniger die eigentliche Ursache, als vielmehr
nur der äußere Anlaß des Krieges zu sehen.

Die wahre Ursache lag darin, daß die Russen uns aus Liao-tung,
bzw. ans der Mandschurei und aus dem nachbarlichen Korea, das
seit dem Jahre 33 vor Christus mehr oder minder ständig unter
unserer Vormundschaft sich befand, immer mehr zu verdrängen
suchten. Damit bedrohten sie die Nationalexistenz Japans, und be-
einträchtigten die Ausdehnung der japanischen Volkswirtschaft. Es mag
ja sein, daß die Russen nicht unmittelbar diese Absicht hatten, allein
mit der Gefahr in dieser Richtung mußte man japanischerseits rechnen.

Die außerordentliche Entwicklung des modernen Verkehrs, der
Produktion und des Handels haben bei jedem Volk bewirkt, daß seine
Warenausfuhr auf zahlreiche und gewaltige Konkurrenten auf dem
Weltmarkt stößt. Die fortwährenden Zollerhöhungen haben zudem den
Absatz japanischer Waren im Auslande immer mehr erschwert, und so-
mit den Gedanken aufkommen lassen, sich eigene Warenabsatzgebiete zu
verschaffen. Dieser imperialistische Gedanke der Schaffung eines großen
Handelsreichs und der Deckung des eigenen Bedarfes mit eigenen Mitteln
unter dem Schutze hoher Einfuhrzölle auf fremdländische Waren hat
        <pb n="11" />
        ﻿3

wohl schon damals in Japan Anklang gefunden und hier die Trieb-
feder zu einer wohlverstandenen und energischen Kolonisationspolitik
gebildet. Ein Staat, der nicht gerade durch ausgedehnten Landbesitz,
wie Nordamerika, England und Rußland, solchergestalt schon als Welt-
reich dasteht, ist naturgemäß ans kolonialen Landerwerb hingewiesen,
um seine wirtschaftliche Selbständigkeit zu sichern oder sie zu erreichen.
Andererseits hat man in den einschlägigen Kreisen der europäischen
Zoll- und WirtschaftsPolitiker die Gründung eines mitteleuropäischen
Zollvereins in Vorschlag gebracht, um auf diesem friedlichen Wege ein
näher den heimischen Produktionsstätten liegendes brauchbares Absatz-
gebiet sich gegenseitig zu sichern, ein Gedanke, der besonders in Deutsch-
land vielfache Erörterung gefunden hat. Dieselben Momente, welche
für Deutschland bezüglich der Erhaltung seiner wirtschaftlichen Selb-
ständigkeit maßgebend sind, gelten in gleichem Sinne, vielleicht mit
noch größerem Nachdruck, für das an Landbesitz fast um ein Drittel
kleinere Japan.

Flächeninhalt Japans und Deutschlands.

(Einheit = 1000 Quadratri oder Quadratkilometer)

1000 Quadratri		1000 Quadratkilometer
Alt Japan	21.7	
Formosa	2.2	
Insgesamt	27.—	. . 417.2
Deutschland	- -	. . 610.6

Beztiglich seiner geographischen Lage sei hier kurz erwähnt, daß
Japan sich in schmaler langgestreckter Form durch eine Reihe von
Breitengraden hinzieht und so das tropische Klima Südformosas bis
zum gemäßigteu der nördlichen Gebiete, nebst den dadurch bedingten
sehr verschiedenen Tier- und Pstanzenprvdukten besitzt. Die geographische
Lage Japans wird durch folgende zwei Endpunkte des genaueren fixiert.

Südlichster Punkt: 21° 48' nördl. Breite
Nördlichster Punkt: 50° 56'	„	„

Japan verfügt über zahlreiche mineralische Bodenschätze, sowie über
mineralische Quellen, die einen beachtenswerten Faktor nationalen Reich-
tums bilden. In landwirtschaftlicher Beziehung aber ist das Land
längst nicht niehr in der Lage, seine Bewohner zu ernähren, geschweige
denn seine aufblühende Industrie genügend wirksam und nachhaltig zu
unterstützen. Die Einfuhr- und Ausfuhrziffern an Reis und Baum-

i*
        <pb n="12" />
        ﻿4



wvlle bestätigen das oben gesagte in treffendster Weise. Es betrug
nämlich in Millionen Jen:

	Die Einfuhr	Die Ausfuhr
an Reis im Jahre 1902	17.7	6.6
1903	51.9	4.9
an Baumwolle im Jahre 1902	79.7	0.2
19C3	69.5	

Selbstverständlich besitzt Japan neben den heute bereits kultivier-
ten Landstrecken noch beträchtliche Ödländereien, welche in der Zukunft
zur Kultur — wenigstens teilweise — herangezogen werden können.
Über die kultivierten und unkultivierten Landflächen gibt die letzte amtliche
japanische Statistik folgende Aufschlüsse, wobei als Einheit Millionen
Cho gesetzt wurden.

Provinz	Gesamt-  fläche	Ebene Land- flüchen unter  15 Grad	Gegenwärtig  kultivierte  Landflächen	Pro 100 ebene Landflächen kultiviert | unkultiviert	
Honshu	22.6	5.6	3.7	67	33
Shikoku	1.7	0.4	0.3	69	31
Kiushu	3.6	1.1	0.8	80	20
Hokkaido	7.8	2.3	?	?	?
Insgesamt	35.9	9.5	4.9	52	48

Ta die kultivierten Flächen des Hokkaido heute noch sehr gering
an Ausdehnung sind, so wurden sie in der obigen Zusammenstellung
unberücksichtigt gelassen. —

Obwohl man seitens der japanischen Regierung natürlich diese
unkultivierten Ländereien allmählich der Bebauung erschließen wird, so
hat mau jedoch auch zu bedenken, daß es ein unbeugsames Prinzip
der „warssin ok cultivation“ gibt, welches der Urbarmachung gewisser
Gebiete entgegensteht. Da nun Japan bereits 52°/0 seiner landwirt-
schaftlich benutzbareil Fläche unter Kultur genonimen hat, und von beit
übrig bleibenden 48% eine gewisse Summe absolut unkultivierbaren
Landes in Abzug gebracht werden niuß, so erscheint es in Anbetracht
dessen durchaus nicht ungerechtfertigt, wenn auch die japanische Re-
gierung eine Gebietsausdehnungspolitik tatkräftig iu die Wege leitet
Der moderne Staat bedarf eben, ganz seiner Entwicklung entsprechend,,
ein größeres und insbesondere auch ein fruchtbares Landgebiet, ohne
welches seine wirtschaftliche Selbständigkeit in Gefahr gerät infolge
Atemnot zu ersticken.
        <pb n="13" />
        ﻿5

Der Kolonialbesitz stärkt und kräftigt aber nicht nur die wirt-
schaftliche Selbständigkeit eines Volkes, sondern er verschafft ihm auch
ein Absatzgebiet für seine Erzeugnisse und zuweilen auch eine billige
Bezugsquelle für die zur Entwicklung seiner Landesindustrie notwendigen
Rohprodukte. Dieses gesunde Prinzip des internen Austausches von
Fabrikaten und Rohprodukten zwischen Mutterland und Kolonien ist
nicht etwa nur ein Ergebnis der früheren staatsniännischen Er-
wägungen über das wirtschaftliche Verhältnis vom Mutterland zur
Kolonie, sondern es findet auch heutigentags noch allgemein in
dem gleichen Sinne Beachtung. Man strebt z. B. infolge der Teuerung
amerikanischer Rohbaumwolle, sowohl in England wie in Deutschland
danach, innerhalb seines eigenen Kolonialbesitzes geeignete Ländereien
für die Kultur der Baumwolle zu erschließen. Auf der anderen Seite
wiederum hat es Amerika, als der größte Baumwollenproduzent der
Welt in der Hand, zwecks wirtschaftlicher Unterstützung seiner eigenen
Spinnereien die Ausfuhr von Rohbaumwolle mit einem Prohibitivzölle
zu belegen, wodurch dieses wichtige Rohprodukt auf dem Weltmarkt
seinem Angebote nach stark zurückgehen würde. Eine solche amerikanische
zollpolitische Aktion winde für die vielen japanischen Spinnereien
ebenfalls ein bedeutsames Entwicklnngshindernis bilden. Der Erwerb
kolonialen Landbesitzes zwecks Beschaffung billiger Rohmaterialien ist
demnach fiir wirtschaftlich entwickelte Staaten eine unbedingte Notwendig-
keit, der sich kein staatsmännisch klug denkender Kopf verschließen kann.

Weit weniger vorteilhaft als eigene Kolonisation ist für das Mutter-
land die Auswanderung seiner besten erwerbstätigen Kräfte in fremde
Länder, da der wirtschaftliche Zusammenhang mit denselben stets nur in ge-
ringerem Grade vorhanden ist und vorhanden sein kann. Diese „reinen"
Auswanderungsgebiete kommen als Bezugsquellen billiger Rohmaterialien
für die heimische Industrie des Mutterlandes häufig gar nicht in Betracht,
und die dorthin ausgewanderten Bevölkerungselemente gehen nur dann
dem Mutterland nicht völlig verloren, wenn das Auswanderungsgebiet
einen mehr oder minder günstigen Absatzmarkt für die eigenen Industrie-
erzeugnisse bilden kann. Ein für Japan höchst zutreffendes Beispiel in
diesem Sinne gibt die Ausfuhr von Sake (— ein eigenartiger japanischer
Wein —), Saya und dergleichen spezifisch-japanischen Produkten nach
den japanischen Answanderungsgebieten: Korea, Hawai, Amerika und
Wladiwostok. Außerdem aber bedeutet, kulturtechnisch genommen, jede
Auswanderung einen wirtschaftlichen Aufschwung des betreffenden
Siedelungsgebietes, und es liegt daher völlig im Interesse des Staates,
der diese Bevölkerungselemente aussendet, sich solche Siedelnngsgebiete
als eigene Kolonien nach Möglichkeit zu erwerben.

Andererseits gestalten sowohl Kolonisation, wie auch Auswanderung
        <pb n="14" />
        ﻿6

nach politisch fremden Ländern, den Handelsverkehr zwischen dem
Mutterland und den Niederlassungsgebieten stets recht lebhaft, ver-
helfen so der eigenen Schiffahrt zur blühenden Entwicklung und er-
schließen der kaufmännischen Betätigung ein neues Feld oft recht be-
deutender Einnahmequellen.

Wie in allen Kulturstaateu die Zunahme der Bevölkerung in
stetig aufsteigendem Maße vorwärts schreitet, so ist dies auch nach Aus-
weis der Bevölkerungsstatistik in gleicher Weise in Japan der Fall, wie die
folgenden Ziffern erkennen lassen, die für Altjapan die letzten zehn
Jahre, für Formosa die Zeit seit 1897 umfassen.

Land bzw. Landesteil	Gesamt- Bevölkerung in Millionen 1903	Mittlere jährliche Zunahme der Bevölkerung	Mittlere jährliche Zunahme auf 100 Einwohner	Auf 1 gkm kommen Einwohner')
Alt-Japan . . .	46,3	491,668	1,12	122,20
Formosa ....	3,0	104,508	3,67	81,30
Insgesamt . . .	49,3	896,176	1,28	

Vergleicht man mit diesen Ziffern die weiter oben gegebene
Statistik der Landfläche Japans, besonders die Angaben über die kul-
tivierten Flächen, so wird nian sich des Gedankens nicht verschließen
können, daß Japan in absehbarer Zeit die Wirkungen einer dichten
Bevölkerung am eigenen Leibe verspüren wird und sich jedenfalls mit
Erwägungen befassen muß, in welcher Weise am vorteilhaftesten für
das eigene Land diesem Bevölkerungsüberschuß passende Siedelungs-
gebiete gezeigt, bzw. geschaffen werden. Jedenfalls erscheint es aus
staatlichem Interesse für das gesamte Volk als Nation besser, einen
ungehinderten Bevölkerungszuwachs zuzulassen und dem jeweiligen
Überschuß passendes Neuland in Gestalt von eigener Kolonie oder
stammverwandtem Siedelungsgebiet zuzuweisen, als durch Einpflanzung
unverstandener Malthusianistischer Ideen auf die breiten Massen be§
Volkes, eine ungesunde Beschränkung der Bevölkerungsznnahme be-
wirken zu wollen. Mau kann es als unbedingt richtig zugeben, daß
Kolonialpolitik und auch unter Umständen die Begünstigung der „reinen"

*) In Deutschland 104,24, die Dichtigkeit in Japan entspricht ungefähr des
Badens (123,9).
        <pb n="15" />
        ﻿7

Auswanderung ein bedeutsameres Gegenmittel gegen etwaige soziale Ge-
fahren bilden, als die bewußte Beschränkung der Volksziffer, mit der
niemals ein Aufschwung von Industrie und Handel Hand in Hand
gehen wird.

Schon aus diesem Gesichtspunkte, des Aufschwunges von Industrie
und Handel, heraus muß man die Kolonisatious- und Auswanderungs-
politik staatlicherseits als sehr wichtige Aufgabe betrachten, zumal auch
durch diese, allgemein als Ausdehnuugspolitik der eigenen Einflußsphäre
zu bezeichnenden staatlichen Maßnahinen einer anderen, nicht minder
hoch beachtenswerten, weil traurigen, Begleiterscheinung der modernen
wirtschaftlichen Entwicklung, nämlich der Verarmung gewisser Volks-
schichten — dem Pauperismus — wirksam entgegen getreten werden
kann. Die kommenden Jahrzehnte werden daher voraussichtlich, be-
sonders für die heute noch keine wirtschaftliche Selbständigkeit besitzenden
Staaten wie Japan, in dieser Beziehung wichtige Entscheidungen bringen.

An diesen Gedanken, dessen Richtigkeit wohl allgemein aner-
kannt werden durfte, knüpft sich nun als zweites Moment, die
Frage: wo soll ein Staat seine Ansdehnungssphäre suchen, bzw.
welche Kolonien soll er erwerben und welche fremden Answandernngs-
länder soll er aus staatlichen Gründen gutheißen und begünstigen?

In dieser Beziehung scheinen mir solche Gegenden, tvelche die in
Folgendem inerter entwickelten drei Bedingungen erfüllen, am meisten
geeignet und als Ausdehnungssphäre zu empfehlen.

Die erste Bedingung ist, daß diese Neusiedlnngsgebiete in politischer
und wirtschaftlicher Beziehung zuni Mutterlande in einem engen Ver-
hältnis stehen, wie es für uns solche Gegenden, z. B. die Mandschurei
und Korea sind.

Es ist hier nicht der geeignete Platz, die politische Bedeutung der
Mandschurei und Koreas für Japan des näheren zu erörtern, aber es
ist nach dem bereits vorher Gesagten klar, daß ganz abgesehen von
dem gegenseitigen historischen Verhältnis zwischen Japan einerseits und
der Mandschurei nebst Korea andererseits, die Bedrohung dieser Länder
seitens Rußlands gleichzeitig eine Bedrohung der wirtschaftlichen und
nationalen Existenz Japans bedeutet. Besonders die wirtschaftliche
Bedeutung dieser beiden Länder für Japan ist es, welche Japan an
der politischen Selbständigkeit derselben ein so hohes Interesse nehmen
läßt, daß es selbst einem Kriege dieserhalb nicht aus dem Wege ging.
Schon im Altertum und mehr noch in der Gegenwart sind die Mand-
schurei und Korea für Japan die Lieferanten von Lebensrnitteln, ge-
wissen Rohprodukten und Halbfabrikaten für die Industrie (Reis, Bohnen,
Baumwolle, Felle rc.) als auch Absatzgebiete für die japanischen Manu-
fakturerzenguisse und Fischereiprodukte: (Baumwollgewebe, Baumwoll-
        <pb n="16" />
        ﻿8

garne, Zigaretten, Zündhölzer, Porzellan- und Töpferwaren, Papier,
Sake, Bier, Seegras, rc.). Daß beide Länder, Korea sowohl, wie die
Mandschurei als Absatzgebiete und als Bezugsquellen für Japan in
Zukunft noch erheblich wichtiger werden, kaun man leicht daraus er-
sehen, daß die natürlichen Produktivkräfte beider Länder sehr große
sind und nur der Anregung bedürfen, um ans ihrem wirtschaftlichen
Schlummer geweckt zu werden. Es fehlt zwar an einer genauen Statistik
über beide Länder, aber nach der Meinung Sachverständiger gibt es dort
noch viele unbebaute Kulturflächen, auf denen ein reger Ackerbau sich
entwickeln könnte, und auch die heute bereits durch Ackerbau in Be-
nutzung genommenen Landflächen lassen sich durch Anwendung moderner
Kulturen und intensiverer Bewirtschaftung unzweifelhaft zu höheren
Ernteergebnissen bringen. Zu all diesem tritt noch als wichtiges
Moment hinzu, daß sowohl Korea wie die Mandschurei räumlich von
Japan nicht sehr weit entfernt liegen.

Die zweite Bedingung, welche ein Kolonisations- oder Aus-
wanderungsgebiet erfüllen muß, ist die, daß es eine Bevölkerung be-
sitzt, welche eine niedriaere Kulturstufe innehat und tveniger Entwicklungs-
I euergie verrät, als dies beim Mutterlande der Fall ist. Auch in dieser
Hinsicht eignen sich Korea und die Mandschurei am besten für die
japanische Expansionspolitik, da die dortige Bevölkerung nicht nur diese
beiden Bedingungen vollständig erfüllt, sondern zudem auch für die
japanische Kultur leicht empfänglich ist und jedenfalls einem allgemeinen
und tiefergehenden Eindringen derselben keinerlei Hindernisse entgegeu-
' stellen wird. Japan hat es daher auch in religiöser Beziehung leicht,
sich hier ein Machtgebict zu begründen. Tritt dagegen ein aus-
wanderndes Volk in ein Siedelungsgebiet ein, dessen Bevölkerung eine
höhere Kultur als die eigene besitzt, so wird das einwandernde Volk
niemals Sieger in wirtschaftlichem Sinne werden, sondern stets der
Arbeiter des Eingesessenen bleiben, auch wenn er Kapitalist oder Unter-
nehmer sein sollte; eigentlichen, großen, staatlichen Machtbesitz wird er
in diesem Lande, das ihm etvig innerlich fremd bleibt, nie erringen.

Die dritte Bedingung eines Auswanderungsgebietes ist meines
Erachtens die, daß es ein möglichst ähnliches Klima, die Bevölkerung
dieselben oder doch wenigstens ähnliche Gewohnheiten in bezug auf
Sitten, Religion, Sprache und dergleichen besitzen muß. Es erscheint
mir hier überflüssig, die bedeutenden Schwierigkeiten hervorzuheben,
welche Europäern bei der Kolonisierung wildfremder Länder entgegen
treten, aber um so mehr muß in diesem besonderen Falle daraufhin-
gewiesen werden, daß unsere japanische Lebensweise nicht in einem so
großen Gegensatze zu derjenigen der Bewohner Koreas und der Mand-
schurei steht, als dies in dem angezogenen Beispiele bei den Europäern
        <pb n="17" />
        ﻿9

der Fall ist. Im Gegenteil herrscht zwischen Japan und diesen natürlichen
Siedelungsgebieten nur ein sehr geringer Unterschied, und insbesondere
ist kein Nassenunterschied vorhanden. Daß z. B. die japanischen Arbeiter
in Amerika ausgeschlossen sind, rührt hauptsächlich von den grundsätzlichen
Verschiedenheiten in bezug auf Rasse, Sitte, Religion und Lebensgewohn-
heit her, der gewohnheitsmäßig ausgeübten niedrigeren Lebensweise
und der dadurch wiederum bedingten bescheideneren Arbeitslöhne.

Ans den bisher hier aufgestellten Beobachtungen läßt sich also
entnehmen, daß Japan ein Land ist, welches unter einer starken Ver-
mehrung seiner Bevölkerung leidet und zudem empfindlich in seiner
wirtschaftlichen Tätigkeit durch den Mangel einer allseitig freien Pro-
duktionsmöglichkeit berührt wird. Infolgedessen muß es aus sozial-
und prodnktionspolitischcn Gründen seinen Territorialbesitz auszudehnen
suchen und Kolonisation oder Auswanderung befördern, wozu als die
natürlichsten Gebiete Korea und die Mandschurei ihm fast vor der
Türe liegen, Gebiete, die wie geschildert in jeder Beziehung der japa-
nischen Auswanderungspolitik nur angenehm erscheinen können. Wenn
nun Rußland in diesen Gebieten der japanischen Staatstendenz Hinder-
nis auf Hindernis entgegentürmt, so ist dies meines Erachtens einer
der Hauptgründe geworden, weshalb man japanischerseits zu dem
Kriege mit Rußland schreiten mußte.

Jedoch nicht nur in der Zukunft, sondern schon heute hat Japan
eine ganze Reihe hochwichtiger wirtschaftlicher und politischer Interessen
in der Mandschurei und in Korea zu schützen. Gerade in Korea bilden
die Japaner anerkanntermaßen in Handel und Verkehr sowie im Bank-
fach die hervorragendste Macht unter all den vielen fremden Nationen,
welche an den Hauptplätzen Koreas Handel treiben. Ebenso hat sich
auch in der Mandschurei eine gewichtige japanische Interessensphäre
gebildet, worin man russische Eingriffe nicht dulden konnte und durfte,
wenn man nicht Gefahr laufen wollte, die Früchte langer stiller Arbeit
auf einmal zu verlieren. Die richtige Erkenntnis der Bedeutung dieser
Momente bildeten japanischerseits den zweiten Grund zum russisch-
japanischen Krieg.

Natürlich soll damit nicht gesagt sein, daß dieser Krieg nur auf
der japanischen Seite eine wirtschaftliche Grundlage besitze, russischer-
seits dagegen lediglich ein Erobernngsfeldzug sei, denn dieser Krieg ist
keinesfalls ein Krieg zwischen Recht und Unrecht. Meiner Meinung
nach sollen vielniehr Recht und Unrecht bei solchen Vorkommnissen
zwischen zwei Völkern stets von der wirtschaftlichen Veranlassung,
welche jedes Volk treibt, betrachtet werden und von diesem Gesichts-
punkte ans, findet man in dem gegenwärtigen Kriege — soweit die
Veranlassung hier in Betracht kommt — beide Teile im Recht.
        <pb n="18" />
        ﻿10

Jeder moderne Staat, dessen wirtschaftliche Kräfte eine stets auf-
steigende Tendenz verraten, muß nicht nur suche», ein großes Reich,
in territorialem Sinne, zu besitzen, um seinem arbeitsamen Volke jegliche
Gelegenheit 311 irgend welcher erwünschter produktiver Tätigkeit geben
zu können, sondern er muß auch ini Interesse seines Handels über gut
entwickelte Küstenlinien verfügen, um so den großen Weltverkehr
wenigstens zum Teil seinem eigenen Lande direkt zulenken zu können.
Nun wird Rußland im Westen von Deutschland, im Süden von Eng-
land begrenzt; seine Seeküstenlinien sind für den Handel so gut wie
wertlos, da sie zu weit nördlich gelegen und die Häsen auf Monate
hinaus vom Eise verschlossen sind. Es ist daher für Rußland völlig
begreiflich und richtig, wenn es sich in der Mandschurei und in Korea
an der Küste des großen Ozeans eisfreien Zugang zum Meere ver-
schaffen will, aber ebenso begreiflich ist es auch, daß Japan innerhalb
dieser Gebiete keinen störenden Einfluß seiner Interessen dulden kann,
sondern vielniehr bestrebt sein muß, angesichts des russischen Vordringens
seine historisch begründete Machtpolitik hier wesentlich zu verstärken.

Hier gibt es also kein Recht und kein Unrecht, sondern es ist
lediglich der Kampf um die Überlegenheit des einen Staates über den
anderen, wie ihn die Weltgeschichte so oft gesehen hat. Daß ein Volk
ini Vollbewußtsein seiner Kraft und um seine wirtschaftliche Selbst-
ständigkeit zu heben und seiner wirtschaftlichen Entwicklung die ge-
eigneten Bahnen zu erschließen, den schwächeren unterdrückt, ist das
Recht eines jeden Volkes rmd das treibende Agens einer jeden Aus-
dehnungspolitik.

2. Kapitel.

Die japanische Volkswirtschaft als ei» Machtfaktor des
russisch-japanischen Krieges.

Daß unser Land diesen Krieg aus wirtschaftlicher Veranlassung
heraus begonnen hat, ist des früheren bereits hervorgehoben worden,
aber trotzdeni dürfte Japan den Krieg wohl nicht angefangen haben,
wenn es nicht des Umstandes sich bewußt gewesen wäre, daß ihm die
zur Kriegsführung in modernein Sinne erforderlichen gewaltigen Hilfs-
mittel wirtschaftlicher und pekuniärer Natur auch zur Verfügung ständen.
In diesem Sinne unterscheidet sich der moderne Krieg gegen frühere
Feldzüge, wie das Handwerk vom maschinellen Großbetriebe. Doch
darf man diese rein wirtschaftlichen Faktoren nicht allein als deir ein»
zigen Hülfsfonds zum Kriege betrachten, sondern man muß wissen und
anerkennen, daß die vorzügliche Verfassung und Durchbildung des
        <pb n="19" />
        ﻿11

japanischen Heeres, die japanische Staatsverfassung und die modernen
japanischen Gesetze, die vorzüglich eingerichteten Justiz- und Verwaltungs-
systeme und vor allen Dingen der glühende Patriotismus des Volkes
dazu beigetragen haben, der japanischen Regierung die Annahme dieses
Krieges leichter erscheinen zu lassen.

Besonders der Patriotismus der Japaner ist in seiner starken
kräftigen Ansdrncksweise ein so spezifisch, nationaljapanischer Charakter-
zug, daß es den Europäern schwer fällt, hierfür das richtige Ver-
ständnis zu finden. Die Japaner sind innner bereit, ihrem Vaterlande
oder dessen Verkörperung, ihrem Kaiser, alle möglichen Opfer zu bringen
und zwar nicht nur ihr Vermögen, sondern auch selbst dann, wenn es
ihr Leben betrifft. Dieses starke, nationale Gefühl beherrscht das ganze
japanische Volk, sowohl das Heer wie auch die Zivilbevölkerung und
besonders kräftig äußert es sich in den Kreisen der japanischen Land-
wirtschaft. Sobald es heißt, tue dies oder jenes „für den Staat", so
wird sich jeder Japaner bemühen sein Bestes zu leisten, dessen er im-
stande ist. Entsprungen ist dieses starke Nativnalitätsbewußtsein aus
dem Glauben über die Entstehung des japanischen Volkes, wonach das-
selbe sich aus einer einzigen Familie entwickelt habe, deren Oberhaupt
eben der japanische Kaiser ist. Zur Erhaltung dieses Glaubens trägt
ferner der historische Umstand bei, daß die japanische Kaiserfamilie
seit über 2J/a Jahrtausenden auf dem Throne des Landes sitzt, und
daß von dem gesamten japanischeil Landbesitz — mit alleiniger Aus-
nahme der Eroberung voll Sachalin durch die Russen — noch nie-
mals eilt Fußbreit Landes erobert wordeil ist. Alle diese Momente,
die tief in das Bewußtsein des Volkes eingegraben sind, bedingen den
nationalen Ehrgeiz und bilden die starke Wurzel des japanischen Patrio-
tismus, den man bei anderen Völkern in solch stark entwickeltem Maße
nirgends antrifft. Der Gehorsani des japanischen Volkes gegenüber
seinem Kaiser ist ebenso mächtig, wie die Liebe des Kaisers zu seinem
Volke, dem er vor sechzehil Jahren alis freier Veranlassinig eine klug
durchdachte und wohlerlvogene, moderne Verfassnilg gegcbell hat. Diese
Verfassung entspricht so sehr in allem dem japanischen Volksempfindeil
und befriedigt in so vollem Maße die Bedürfnisse des Volkes, daß es
sich infolge dieser kaiserlichen Liberalität nur noch enger an seinen
Kaiser anschloß und nur lioch opferwilliger sich erklärte. Diese Volks-
eigenschaften silid immerhin recht beachtenswerte Momente, lind je
größer der Feind jemals war, um so kräftiger eiltfalteten sich auch diese
volkstümlichen Gefühle. Zwar hat in früheren Zeiten ein Gegensatz
zlvischeil den Nordjapanern und den Südjapanern bestanden, doch ist
diese Spannung heute längst verwischt und völlig vergessen. Bemerkens-
wert ist das Verhalten des japanischen Parlaments, sobald Fragen der
        <pb n="20" />
        ﻿12

äußeren Politik zur Verhandlung gelangen sollen. Während vielleicht
kurz vorher noch eine politische Partei sich iu scharfem Gegensatz zur
Regierung gu befinden schien oder auch tatsächlich befand, tritt in dem-
selben Momente, wo es gilt, dem Ausland gegenüber als Japaner
dazustehen, sofort das scharf ausgeprägte Nationalitätsbewnßtsein iu
den Vordergrund, und alle kleinlichen inneren Spaltungen werden
gänzlich iu den Hintergrund gedrängt. Diese Tatsache konnte man
schon bei dem chinesisch-japanischen Kriege beobachten, nach Außen hin
war Japan stets ein Staat, ein Wille.

Ein anderer Umstand, der für die Betrachtung der japanischen
Volkswirtschaft von hoher Bedentniig ist, liegt darin, daß Japan heute
noch in überwiegendem Maße Agrarstaat ist und zudem gezwungen ist,
einen beträchtlichen Teil seines Bedarfes an Lebensmitteln und in-
dustriellen Rohprodukten (Reis, Baumwolle etc.) aus dem Auslande
beziehen zu müssen. Statt seinen Eigenbedarf zu decken, produziert
Japan in erheblichem Maße feinere Produkte und Genußmittel, wie
Seide lind Tee, für die es im Auslande stets lvillige Abnehmer findet.
Wenn man unter diesem Gesichtswinkel den japanischeil Ausfuhrhandel
betrachtet, so fiiidet man, daß derselbe in der Hauptsache aus land-
wirtschaftlichen lind sonstigen Urprodukteu besteht. Das Verhält-
nis dieser landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Außenhandel Japans
zu den Manufakturprvdiikten bezifferte sich für das Jahr 1903 zu
64,70/0 ans landwirtschaftliche und sonstige Nrprodukte, während nur
35,3o/o auf industrielle Erzeugnisse entfielen.

Obwohl also die Japaner sich vorwiegend agrarischer Beschäftigung
hingeben, so hat sich doch im Laufe der Jahre ein immer stärkerer Zug
der Bevölkerung vom Lande zur Stadt hin geltend gemacht und da-
durch mehr eine industrielle lind handelstechnische Tätigkeit zur Ent-
ivicklung gebracht. Über die Bewegung des japanischen Landvolkes
bringt die folgende amtliche Statistik die erforderlichen Belege.

Jahr	Einwohnerzahl der Städte und Landstädte von über 10000 Einwohnern in Millionen.	Jährliche Zu- nahme per 10000	Einwohnerzahl der Land- städte unter 10000 Ein- wohnern und alle Dörfer in Millionen.	Jährliche Zu- nahme per 10000
1890	5.5	'—	35.4	—
1891	5.6	27.8	35.6	4.1
1892	5.7	19.5	35.9	8.9
1893	5.9	27.6	33.1	5.7
1894	6.0	26.7	86.3	5.8
1895	6.2	20.4	86.8	13.5
1896	6.4	32.0	37.0	6.8
1897	6.7	56.5	37.2	3.1
1898	7.1	53.8	38.2	28.4
        <pb n="21" />
        ﻿13

Zwar fehlt es in Japan noch an einer genauen Statistik
darüber, wieviel der Bevölkerung sich der Landwirtschaft widmen;
immerhin aber kann man aus den Schätzungen von Sachver-
ständigen entnehmen, daß im Jahre 1901 die landwirtschaftliche Be-
völkerung Japans etwa 28 Millionen Menschen mit 4,8 Millionen
Familien ausmachte. Zur Ausübung der japanischen landwirtschaft-
liche!: Tätigkeit ist weder ein hohes Maß körperlicher Kraftaustrengnng
noch besondere persönliche Geschicklichkeit erforderlich; es können daher
auch ältere Leute, sowie Frauen und Kinder sehr wohl innerhalb der-
selben Beschäftigung finden. So gehört besonders die Serikultur zum
Gebiete der weiblichen Arbeitstätigkeit. Wenn deshalb auch die
japanische Landwirtschaft ihre jugendlichen männlichen Arbeitskräfte als
Soldaten in den Feldzug schickt, so wird dies gleichwohl für die land-
wirtschaftlichen Ernteerträgnisse ohne jeden Einfluß bleiben, da hier ge-
nügend leistungsfähige und eingearbeitete Kräfte zurückbleiben. Anders
liegen allerdings die Verhältnisse in dieser Beziehung ans dem Gebiete
des Handels und der industriellen Tätigkeit. Immerhin bildet aber
doch die Erwägung, daß die Landwirtschaft durch die Entziehung ihrer
besten Arbeitskräfte trotzdem keinerlei Einbuße oder gar Rückgang er-
leiden würde, einen weiteren Grund für Japan, dem Kriege, sofern er
sich als unvermeidlich erwies, nicht aus dem Wege zu gehen. Ans
die freie Entwicklung der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte hat auch
jedenfalls die Selbständigkeit der japanischen Bauern vorteilhaft ein-
zuwirken vermocht. In diesem Sinne ist das günstige Verhältnis der
selbständigen Bauern zu den Lehnbauern gewiß nicht ohne Bedeutung
und daher dürfte wohl die ziffernmäßige Registrierung dieses Verhält-
nisses für das Jahr 1900 hier nicht ohne Interesse sein. Nach der
amtlichen japanischen Statistik betrug im Jahre 1900:

die Zahl der selbständigen Bauern 5,4 Millionen
und deren Ackerfläche 1,3 Millionen Cho,
die Zahl der Lehnbanern 4,5 Millionen
und deren Ackerfläche 1,2 Millionen Cho.

Auch die industrielle Tätigkeit des japanischen Volkes bietet der
japanischen Regierung keinerlei Veranlassung, einem drohenden Kriege
ängstlich ans dem Wege zu gehen; denn diese Industrie hat vorwiegend
Hansindustriellen Kleincharakter, wird als solche meist im Nebengeschäft
betrieben und erfordert keinen großen Kapitalaufwand. Sie kann da-
her bei Einziehung der männlichen Personen zum Kriegsdienste leicht
vernachlässigt werden, ohne Schaden zu leiden, oder von anderen
Familienmitgliedern, wenigstens teilweise, weiter geführt werden.
Natürlich sind hiervon die im Lande vorhandenen großen Maschinen-
        <pb n="22" />
        ﻿14

sabrikindustrien ausgeschlossen, doch sind auch diese Anlagen fast nie
so großartig ausgebaut, wie es in Europa der Fall ist.

Nach der letzten Statistik vom Jahre 1902 gibt es in Japan
7500 Fabrikanlagen und Werkstätten, von denen 4800 mit Kraft-
maschinen arbeiten und zwar 2400 Anlagen mit Dampf-, Petroleum-,
Gas-, oder elektromotorischer Kraft. Nur diese 2400 Anlagen können
in wirtschaftlichem Sinne als industrielle Großbetriebe aufgefaßt werden.
Jede andere industrielle Tätigkeit ist ihrem Charakter nach nur Haus-
industrie oder reines Handwerk.

Nachdem ich in Vorstehendem nunmehr die Eigenschaften der
japanischen Volkswirtschaft in großen Zügen skizziert habe, liegt es mir
jetzt ob, ein Bild der dieser Volkswirtschaft zur Verfügung stehenden
nationalen Kräfte zu entwickeln.

Die früheren wirtschaftlichen Zustände Japans dürften wohl
schwerlich dem europäischen Beobachter und Kenner zu besonderer Hoch-
achtung vor unserem Lande Veranlassung gegeben haben, sie waren
eben zu zersplittert und infolgedessen zu sehr verkleinert, um wirksam
vor das Auge des Fremden treten zu können. Dieser Zustand ist den
japanischen Staatsmännern nun keineswegs verschlossen und unbekannt
geblieben, sondern man hat vielmehr in richtiger Erkenntnis seiner
Unzeitgemäßheit schon seit Jahrzehnten daraufhingewirkt, an der Hand
von reichlich gesammelter, eigener Erfahrung nach dem Vorbilde
moderner Staaten eine Neuorganisation zu schaffen. Mit großer
Energie hat man den westlichen Kulturvölkern nachzukommen sich be-
müht und die wirtschaftlichen Kräfte des eigenen Landes in sachge-
mäßer Weise zu heben. Während bisher der Japaner, seinem natio-
nalen Charakter folgend, den Gelderwerb nicht sonderlich achtete, macht
sich neuerdings eine lebhafte Entfaltung regen geschäftlichen Lebens
geltend. Japan hat sich im Laufe weniger Jahrzehnte von dem
isolierten abgeschlossenen Staate zum modernen volkswirtschaftlichen
Kulturstaat, von der feudalen Kleinstaaterei zum vollendeten Einzelstaat
aufgeschwungen. Der bisher durch vielfache alte Einschränkungen ge-
hemmten Lebensweise des Altjapaners wurde eine völlig freie ent-
wicklungsfähige Form gegeben, und gleichzeitig unternahm inan den
Schritt von der handwerksmäßigen Hausindustrie zur moderntechnischen
Großindustrie mit all ihren maschinellen Hilfsmitteln, wie sie der
moderne Verkehr und wirtschaftliche Güteraustausch mit sich bringt.
Von der Naturalwirtschaft ging man zur Geldwirtschaft über und führte
so dem Handel ein belebendes Moment zu. Alle diese großen Um-
wälzungsprozesse im inneren Leben des japanischen Staates haben sich
im Verlaufe von knapp vierzig Jahren abgespielt, und heute bereits

.
        <pb n="23" />
        ﻿15

hat Japan die konsolidierte, moderne Form eines nationalen Staates
nach dem Muster Westeuropas angenommen.

Dieser Fortschritt in der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes
zeigt sich am besten in einer Übersicht über den auswärtigen Handel,
in der Gegenüberstellung des Gesamtwertes der Einfuhr und Ausfuhr.
Die Statistik des auswärtigen Handels von Japan bringt über die Ent-
wicklung desselben folgende amtliche Ziffern in Millionen Jen.

Jahr	Wert  Ausfuhr	in Millionei Einfuhr	i Den Zusammen
1868	15.5	10.6	26.1
1873	21.6	28.1	49.7
1883	36.2	28.4	61.7
1893	89.7	88.2	177.9
1894	113.2	117.4	230.7
1895	136.1	129.2	265.3
1896	117.8	171.6	289.5
1897	163.1	219.3	332.4
1898	165.7	277.5	443.2
1899	214.9	220.4	435.3
1900	204.4	287.2	491.6
1901	252.3	255.8	508.1
1902	258.3	271.7	530.0
1903	289.5	317.1	606.6

Diese statistische Zusammenstellung läßt erkennen, daß der gesamte
japanische Außenhandel seit dem Jahre 1868 uni das 23 fache zu-
genommen hat; für das Jahr 1873 beträgt die Zunahme das 12 fache,
für 1883 das 9 fache und für das letzte Jahrzehnt, seit 1893 mehr
wie das dreifache. Ganz exakt ist dieser Vergleich allerdings nicht, da
sich innerhalb des hier angezogenen Zeitraumes sowohl die Währung
der Landesmünze als auch die Form der statistischen Erfassung und
Systematisierung verändert haben. Abgesehen jedoch von diesem Um-
stande, läßt die vorstehende Zahlenreihe deutlich die mächtige Aufwärts-
bewegung des japanischen Außenhandels zur Geltung gelangen. Die
Ein- und Ausfuhr von Gold und Silber ist in diese Statistik nicht
mit aufgenommen.

Die großen Einfuhrüberschüsse des letzten Jahrzehntes über die
entsprechende Ausfuhr rühren vorwiegend daher, daß die chinesische
Kriegsentschädigung, auswärtige Staatsanleihen, Verschuldung durch
fremde Kapitalanlagen im Jnlande und die ziemlich bedeutenden Ein-
nahmen der japanischen Volkswirtschaft aus dem Seefrachtengeschäft
und dem Fremdenverkehr dazu gedient haben, im Lande selbst produktive
        <pb n="24" />
        ﻿16

Anlagen zu errichten, außerdem die Kriegsrüstung des Landes zu ver-
bessern.

Nächst der Betrachtung des auswärtigen Handels im allgemeinen
gilt es jetzt zu erforschen, welcherlei Produkte die japanische Landwirt-
schaft und Industrie herstellen. Leider läßt in dieser Beziehung die
japanische Statistik manches zu wünschen übrig, immerhin seien die
folgenden Angaben hier gebracht. Es betrug im Jahre 1902 der
Gesamtwert der hauptsächlichen Agrarprodukte nach heutiger Preis-
berechnung in Millionen Uen:

a. Eigene Agrikulturerzeugnisse:

Millionen Den

Reis............................................... 445.4

Mugi (Gerste, Weizen, Roggen).......................124.0

Bohnen...................................................  35.9

Andere Ackerfrüchte.................................153.8

Stroh............................................... 86.9

Rohprodukte für die Seidenfnbrikation:

Cocons........................................... 93.6

Eier von Seidenspinnern.......................... 3.8

Maulbeerzweige und Seidenraupenstren............. 7.9

Tee................................................. 9.0

Viehzuchtprodukte:

Lebendvieh (Rind, Pferd, Schaf, Schwein)	...	4.9

Schlachtvieh .......................................... 12.5

Wert des durch Krankheit gefallenen Viehes	.	.	.	0.2

Molkereiprodukte (Milch, Butter, Käse)	....	4.1

Stapeldünger................................... 23.6

Geflügel und Eier ..................................... 17.2

Insgesamt: Millionen Den 1023.5

l&gt;. Forstprodukte 1901.

Über die Forstprodukte fehlt es in Japan bisher an einer ein-
schlägigen Statistik, besonders über die Privatforsten. Man besitzt
vorläufig nur eine ziemlich zuverlässige Statistik über die Erzeugnisse
der kaiserlichen und der Staatsforsten. Im Jahre 1901 werteten diese
Produkte:

ans Staatsforsten	2.1 Millionen Den

aus kaiserlichen Forsten 1.1	„	„

Da jedoch die privaten Forsten sich erheblich besserer finanzieller
Zustände erstellen, so ist es ohne Zweifel, daß dieselben, trotz ihres ge-
geringeren Flächenareals, beträchtlich mehr Produkte abwerfen und an
den Markt bringen, als dies bei den staatlichen und kaiserlichen Forsten
die Statistik zeigt.
        <pb n="25" />
        ﻿17

e. Gesamtwert der hauptsächlichen Mineralproduktc, 1908.

Metalle	Tausend Aen Nichtmetalle	Tausend Aen

Gold	1989.8	Eisenkiese!	76.9
Silber	1224.5	Mangan	35.4
Kupfer	8920.9	Arsenik	0.8
Blei	83.8	Steinkohle	
Zinn	9.2	Erdpechkohle	15912.2
Antimon		Glanzkohle	179.4
raffiniert	74.9	Braunkohle (1901) 2537.6	
schwefelsaures	7.8	Petroleum	1036.8
Quecksilber	1.5	Schwefel	316.2
Eisen	734.1  40.7  1320.8	Schwarzblei	9.2
Roheisen  Schmiedeeisen  Stahl		Insgesamt: Tausend Uen 34513.1	

d. Gesamtwert der hauptsächlichen Fischereierzeugnisse, 1900.

	Tausend		Tausend		Tausend
	Ben		Be»		Ben
Rohprodukt:  Hering	7144.0	Heilbutte	306.1	Anschove, getrockn.	277.0
Sardinen	7306.7	Barrandas	134.3	Sardinen, gekocht	
Bonitfisch	4365.8	Muraenosox		und getrocknet	2138.7
		einereus	364.0		
Tintenfisch	1562,9	Lateolabrax		Sardinen, gesalzen	617.2
Meerspinne		Japonieus	185.6	Muscheln, getrockn.	64.1
	1136.7	Sandaal	68.4	Bonitfisch, geräuch.	4881.3
Makrele	2159.0	Mysis	153.9	Taufisch,	286.8
Tunfisch	1814.7	Coryphaena		Krabben, getrockn.	682.3
Gelbschwanz	2224.2	Hippurus	200.6	Haifischfinne	264.1
		Flugfisch	103.2	Kainohashira,	
Kabeljau	372.8	Sparus Schlegeli	264.7	(Abziehmnskel d.	
Hai	464.6			Schaltieres)	35.6
TaiseineArtMeer-		Konoshiro	185.7	Makrelen, gesalzen	556.3
brasse)	4109.8	Plattfisch	823.3	Tunfisch, gesalzen	79.0
Salm	1023.4	Aal	650.5	Kabeljau, getrockn.	131.7
Forelle	129.2	Cololabis saira	62.1	„	gesalzen	55.6
Plecoglossus	449.2	Karpfen	122.8	Salm,	„	523.3
Seeohr (Haliotis)	508.4	Crussiankarpfcn	194.7	Hoshinori	472.2
Beche de meer	174.4	Meergras	870.9	„ Bogen	41.7
Krabben  Austern	1345.3  190.0	Andere Verschied.	12587.5	Hering, getrocknet „ Dünger Sardinen, „	1204.3  7058.1
		Jnsges. Rohprod.	56833.1		1400.3
Cytherea	93.3	Verarbeitete		Fischtran	399.6
Muscheln	15.8	Erzeugnisse:		Gelbschwanz, ges.	433.8
Graue Meeräsche	887.0				
Poulpe	462.3	Tintenfisch	2466.0		
8eomberomorous		Bseire de mei	206.7	Tengusa	187.5
sinensis	1011.1	Seeohr, getrocknet	606.5	Funori	154.0
Stachelmakeler	|	612.6	Sardinen, „	914.6| Andere Verschied.		6755.9

Verarbeitete Erzeugnisse. Insgesamt 32725.4
Gesamtwert der Fischereierzeugnisse Tausend Yen: 89558.5
Kambe, Der russisch-japanische Krieg.	2
        <pb n="26" />
        ﻿18

Über:

e. die Jagderzeugnisse

Japans fehlt es bisher an einer zuverlässigen Statistik, weshalb von
einer Aufführung derselben hier abgesehen werden mag.

k. Gesamtwert der hauptsächlichen Manufakturwaren, 1801.

	Million.		Million.
	Yen		Yen
Rohseide  Seidengarn (1900)	86.6  4.2	Glasware (1899)	,1.4  \0.9
Baumwollgarn	94.5	Cement	2.3
Hanf und Hanfgarn (1899)	2.4	Mauersteine	0.5
Seidenfabrtkate: (76.9)		Papier (19.7)	
tSeidengewebe, Habutai !	„	Kaiki  |	„	Chirimen  „	andere	30.0  4.4	„ Europäisches „ Japanisches	7.1  12.6
	7.8  34.7	Häute und Leder	*2.5  19.2
Baumwollfabrikate: (49.9)		Zündhölzer (1900)	5.8
tBaumwollgewebe, Flanell	8.2	Öl, Kerosin (1899)	1.5
!	„	Chijimr  „	weiße  i	„	andere	1.6	Schwefelsaures Kali (1898)	0.2
	13.0	Phosphorsaures Natron (1899)	0.8
	27.0	Schwefelsäure (1899)	0.5
Seide-Baumwollfabrikate	18.0	Seife	„	0.7
Hanffabrikate	3.3	Sake	„	108.3
Wollwaren	5.0	Bier	„	2.8
wollene Gewebe (1899)	0.2	Goya	„	23.7
Flanell u. a.	„	0.3	Zucker (5.2)	
Aussolin ätz laine (1899)	1.0	,Zucker, weißer	0.5
Andere verschiedene Gewebe (1899)	16.7	„ Shiroshita	1.7
Vermischte Fabrikwaren	0.2	„ brauner	0.2
Teppiche (aus Hanf, Baumwolle,		„ schwarzer	2.6
Wolle) (1899)	1.0	VerarbeiteterTabak(140.6)(1899)	
Seidene Handtücher (1899)	4.3	lCigarren	5.5
Stricke (1899)		1 Geschnittener Tabak	135.1
	U-8	Mehl (1899)	1.2
Maschinerie, u. a. (1899)  Schiffe und Boote (1899) (4.6)	4.1	Fächer, gefaltete und runde (1899)	,1.1  10.01
^Japanische Dschunken	1.5	Bürsten (1899)	0.4
i Dampfschiffe	2.6	Strohgeflechte	25
^Andere Schiffe	0.4	Lackwaren	5.7
Ufren (1899)	1.1	Hüte und Mützen (1899)	0.4
Jinrikischa (1899)	0.3	Schirme, europäische „	2.9
Bronze- und Kupferwaren Porzellan- und Töpferwaren	1,7  6.9	Bodenmatten, Hanagoza	4.9
			
Schippoki	0.3	Insgesamt 731.8	

Zu diesen, über die einzelnen Erzeugnisse und Warengattnngen
gebrachten Zusammenstellungen bleibt jedoch zu bemerken, daß dieselben
        <pb n="27" />
        ﻿19

keineswegs erschöpfend sind und auch in Anbetrachr der Schwierigkeit
einer genauen statistischen Erfassung aller einschlägigen Positionen nicht
sein können. Die wirklichen Ziffern jeder einzelnen Gesamtkategorie
dürften daher wohl überall etwas höher ausfallen. Nachdem ich in
Vorstehendem eine kurze Übersicht über die hauptsächlichsten landwirt-
schaftlichen und industriellen Erzeugnisse Japans gebracht habe, wende
ich mich nunmehr zu einer Aufzählung der japanischen Börsen, der
großen Handelsgesellschaften und der Fabrikanlagen, um somit diejenigen
Institute in Japan zu zeigen, denen modern-europäische Einrichtung und
Betriebsform bereits eigentümlich ist.

:&gt;. Börsenstatistik.

Jahr			1894	1898	1902
			A K	A K	A K
	Zahl der Börsen		98 7	122 6	61 2
Zahl der Mitglieder und Aktionäre in Tausenden			11.8	17.1	11.9
Zahl der Börsenmakler in Tausenden			2.0	2.3	0.8
	Börsenfähige Papiere: Staatspapiere		0.02	1.5	0.001
	Andere Wertpapiere (in Pen)		206.0	456.6	261.0
		Reis (in Kokn)	76.8	62.7	66.7
Betrag der		Zucker (kin)	17.2	19.0	5.3
abgeschlossenen	Die	Körnerfrüchte (koku)	0.3	3.0	0.3
Börsengeschäfte	Haupt-	Rohbaumwolle (kwan)	5.6	0.6	4.1
in Millionen	fach-	Baumwollgarne (kin)	47.4	181.9	214.6
	lichen	Rohseide (kwan)	1.3	0.4	0.7
	anderen	Textilwaren (tan)	16.9	0.4	1.1
	Waren	Salz (kokn)	2.4	12.4	1.6

Bei der Aufzählung der japanischen Börsen bedeutet A Börsen in
Form von Aktiengesellschaften, während L solche in körperschaftlicher
Form bezeichnet.

ö. Statistik der Handelsgesellschaften.

		Zahl der Gesell-	Millionen Aen	
Jahr	Art der Gesellschaft	schäften in	Angelegtes	Eingezahltes
		Tausend	Kapital	Kapital
	Aktiengesellschasten	2.5	573.2	357.4
1896	Kommanditgesellschaften	1.6	32.2	27.5
	Offene Handelsgesellschaften	0.3	13.6	12.4
	Insgesamt	4.5	619.2	397.5
	Aktiengesellschaften	4.3	1126.5	787.9
1902	Kommanditgesellschaften	3.3	54.7	47.2
	Offene Handelsgesellschaften	0.9	45.4	43.5
	Insgesamt	8.6	1226.7	878.7

2!
        <pb n="28" />
        ﻿20

c. Fabrikanlagen und Werkstätte (in Tausend).

	1894	1898	1902
Fabrikanlagen und Werkstätten mit Motoren	3.5	4.1	4.8
Zahl der vorhandenen Pferdekräfte	41.0	79.0	100.9
Gesamtzahl aller vorhandenen Fabriken und Werkstätten	5.9	7.0	7.8
Zahl der beschäftigten Arbeiter: Männer	?	177.6	185.6
Frauen	?	234.5	313.2
Insgesamt	?	412.2	498.8

Durch die bisher gegebenen Ausführungen wurden dem Leser die
Ergebnisse der landwirtschaftlichen und industriellen Tätigkeit der Be-
wohner Japans vor Augen geführt; es dürfte daher nunmehr ange-
bracht erscheinen, zu zeigen, mit weichen Mitteln die japanische Volks-
wirtschaft die nötige Ausbildung der betreffenden Bevölkernngselemente
vorbereitet. Die für diesen Zweck in Betracht kommenden Organisationen
der japanischen Wirtschaftswelt unterscheiden sich tu nichts von den-
jenigen anderer Kulturländer. Neben den Innungen, den Erwerbs-
und Wirtschaftsgenossenschaften, sowie in letzter Instanz, dem Ministerium
für Ackerbau, Handel und Industrie, sind noch eine Reihe von In-
stituten anzuführen, denen die Beförderung und Wohlfahrt der japa-
nischen Landwirtschaft angelegen ist. Als solche sind hier zunächst die
landwirtschaftlichen Vereine, die Versuchsstationen für landwirtschaftliche
Zwecke und die landwirtschaftlichen Schulen zu nennen. Besonders das
landwirtschaftliche Unterrichtswesen steht in Japan auf einer hohen
Stufe und eine ganze Reihe von niederen, mittleren und höheren In-
stituten dient diesem wichtigen Bildungszwecke. So sind neben der
landwirtschaftlichen Fakultät an der kaiserlichen Universität zu Tokio
des weiteren noch landwirtschaftliche Hochschulen, landwirtschaftliche
Mittelschulen und endlich solche landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen
geschaffen, deren Lehrplan in leichtfaßlicher Form die Heranbildung
breiterer Volksschichten bezweckt. Daneben durchziehen landwirtschaft-
liche Wanderlehrer die Ackerbaubezirke, um auch tu solchen Gegenden
moderne landwirtschaftliche Anschauungen und Belehrungen hineinzu-
tragen, deren Bevölkerung aus Gründen der geographischen Lage, oder
ans wirtschaftlich-pekuniären Verhältnissen an dem Besuche einer Schule
oder eines höheren Instituts verhindert ist. In mehr wissenschaftlicher
Richtung arbeiten dann noch die staatlichen Aufsichts- und Prüflings-
institute, als welche hier anzuführen sind: das Institut für Serikultur,
die staatlichen Ämter für Seidenprüfung und Teeindustrie, die Labo-
ratorien für Veterinärmedizin, die staatlichen Viehzuchtanstalten, und

,
        <pb n="29" />
        ﻿21

die Pferdezuchtanstalten. Außer diesen, landwirtschaftlichen Interessen
dienenden, zahlreichen Instituten, hat man auch eine Reihe Don Organen
geschaffen, welche zur Beförderung von Handel und Industrie in Japan
bestimmt sind. In dieser Beziehung sind zu nennen: die technischen
Vereine, die industriellen Versuchslaboratorien, sowie technische und
kaufmännische Schulen in großer Zahl. Von diesen Schulen sind be-
sonders die technische Fakultät der kaiserlichen Universität, die technischen
Hochschulen, die Handelshochschulen, die technischen Mittelschulen,
Handelsschulen, Lehrlingsschulen, und die kaufmännischen und technischen
Fortbildungsschulen zu erwähnen. Neben diesen Schulen dienen der
praktischen Bildung dann noch die Handelskammern, Konsulate, Ans-
stellungen, Handelsmuseen im In- und Auslande, die Entsendung ge-
eigneter Sachverständiger säst über den ganzen Erdkreis 311 Studien-
zwecken, sowie die Entsendung kaufmännisch oder technisch vorgebildeter
Studierender oder Werkmeister in das Ausland, deren Pflicht es ist,
sich mit dem Studium fremder Einrichtungen in bezug auf Handel
und Industrie zu befassen.

Ebenso sind naturgemäß auch für andere Gebiete des wirtschaft-
lichen Lebens Fortbildungsinstitute der verschiedensten Art in Japan
geschaffen, deren Erörterung hier jedoch übergangen werden muß, um
nicht den Umfang dieser Studie allzusehr auszudehnen.

Die systematische Schilderung der volkswirtschaftlichen Zustände
Japans hat sich logischerweise nunmehr mit einer Darstellung der
finanzwirtschaftlicheil Verhältnisse des Landes zu befassen, die in der
modernen Wirtschaftspolitik eine so hervorragende Rolle spielen. Ihr
stärker oder geringer pulsierendes Lebeil bildet heutzutage einen wirk-
samen, weil sehr einpfindlichen, Gradmesser des nationalen Wohlstandes
eines Landes. Die beiden wichtigen Faktoren der Finalizwirtschaft
bilden das Bankwesen und der Geldverkehr.

Obwohl das japanische Bankwesen erst seit etwa dreißig Jahren
nach europäischein und amerikanischein Muster eingerichtet worden ist,
so lassen sich doch für das letzte Jahrzehnt bereits recht beträchtliche
Fortschrittte erkennen. Außer den gewöhnlichen Banken mid Spar-
banken gibt es in Japan eine Reihe moderner Geldinstitute, die, unter
besonderen Gesetzen errichtet, der staatlichen Aussicht unterstehen und
den anderen Banken gegenüber eine Sonderstellung einnehmen. Zn
diesen, eine sonderrechtliche, staatliche Stellung einnehmenden Bankin-
stituten zählen: Die Bank von Japan (Nippon Ginko) als die Zentral-
bank des gesamten japanischeii Jnlandsbankverkehrs, mit dem aus-
schließlichen Rechte der Ausgabe koiivertirbarer Banknoten; dann folgt
ihrer Bedeutung nach die Iokohama-Specie-Bank, ivelche besonders dem
Dienste des auswärtigen Handels ihre finanziellen Kräfte ividniet und
        <pb n="30" />
        ﻿22

infolgedessen vorzugsweise das ausländische Wechselgeschäft betreibt, zu-
mal dieses Gebiet der Bank von Japan ausdrücklich verschlossen ist.
In der Reihe der besonderen Bankinstitute folgen dann: die Hypotheken-
bank von Japan, und die landwirtschaftlichen und gewerblichen Banken,
deren Zahl sich heute auf 46 beläuft. Diese Kategorie von Banken
bildet einmal das Zentralinstitut und dann die örtlichen Organe für
die Hebung und Entwicklung von Landwirtschaft und Gewerbe, durch
Gewährung langfristiger Darlehn zu niedrigem Zinsfüße. Als Vor-
schuß- und Kreditinstitut für die Beleihung von Aktien, Schuldver-
schreibungen, überhaupt Effekten und Wertpapieren wurde die Gewerbe-
bank von Japan geschaffen, deren Tätigkeit damit gleich genau uni-
grenzt und vorgeschrieben ist. Als ein besonderes Institut für die
neu erworbene Insel Formosa ist die Bank von Formosa hier anzu-
führen, deren Charakter darin besteht, ein Zentralorgan für die Hebung
von Handel und Gewerbe, sowie anderer Produktivverbände zu bilden.
Ebenfalls aus den besonderen Verhältnissen der Insel Iezzo entspringend,
verdankt die Bank der Kolonisation und Urbarmachung des
Hokkaido — die japanische Bezeichnung der Insel — ihre Entstehung.
Ihr Ziel ist völlig auf die koloniale Entwicklung dieser Insel gerichtet.
Die folgende Zusammenstellung bringt eine kurze, ziffernmäßige Über-
sicht über den Stand des gesamten, japanischen Bankwesens unter An-
setzung der Beträge in Millionen Jen.

Jahr	Jj  'o S  CQ 8?	ö C  ||  1	gS  ü	I  M	Einlagen		Vorschüsse					
					Gesamt-  betrag	Rest	Darlehn		Diskontierung.		Insgesamt	
							Gesamt-  betrag	Rest	Gesamt-  betrag	Rest	Gesamt-  betrag	Rest
1893	703		94.0	29.8	1472.8	115.5	730.4	178.1	379.4		1109.9	
1894	865121.9		101.3	33.3	2062.7	138.9	979.8	214.9	537.5		1517.4	
1895	1003 160.3		127.6	37.8	2832.9	191.9	1316.2	289.0	680.6		1996.9	
1896	1277:240.5		166.2	58.6	4567.2	429.7	1967.9	393.9	1098.2		3066.1	
1897	1511311.9		206.7	37.8	5779.3	382.7	2468.3	375 4	1339.5		3807.8	
1898	1752 381.3		256.5	41.6	6312.0	398.7	2791.9	405.2	1447.9		4239.9	
1899	1943 428.2		291.6	51.6	7626.4	610.2	3033.3	425.3	2272.3	400.6	5305.7	825.9
1900	2272^501.5		341.9	59.9	9012.3	611.0	3 36.5	503.0	3140.2	443.5	6276.8	946.6
1901	2369515.6		361.2	68.3	8651.2	599.2	2795.2	538.6	2584.6	348.4	5379.9	887.0
1902	2324525.1i372.9  1 |			77.5	9825.0	711.1	2988.8	559.8	2478.7	391.4	5467.6	951.3

Ebenso, wie beim japanischen Bankwesen die neuere Entwicklungs-
zeit wesentlich moderne Zustände geschaffen hat, bringt auch der Geld-
verkehr anerkennenswerte Fortschritte. Früher war es allgemein übliche
Landessitte, selbst der kleineren Feudalherren, sich in Zeiten finanzieller
Schwierigkeiten durch die Ausgabe von Papiergeld Rat zu schaffen.
        <pb n="31" />
        ﻿23

Heute hat diese uukontrollierbare Tätigkeit völlig aufgehört, uneinlös-
bares Papiergeld gibt es in Japan nicht mehr, sondern es ist voll-
ständig eingezogen. Des weiteren hat man selbst, vor dem für Japan
höchst bedeutungsvollen und schwierigen Schritte nicht zurückgescheut,
die Goldwährung einzuführen, obwohl hierdurch das Land ursprüng-
lich Gefahr lief, unter all den Silberwährnngsländern Ostasiens in
eine isolierte Stellung zu geraten. Bereits seit dem Jahre 1897 gilt
jedoch in Japan die Goldwährung. Das einzige Institut, welches
heute noch das Recht der Banknotenausgabe besitzt, ist die Bank von
Japan; die von derselben ausgegebenen Noten müssen jedoch jederzeit
durch einen gleich hohen Betrag an Gold und Silber in gemünzten!
oder ungemünztem Zustande gedeckt sein. Ferner ist diese Bank be-
fugt, bis zum Betrage von 120 Millionen Jen Banknoten auszugeben^
die durch Staatsschuldscheine, Schatzscheine, sowie durch andere absolut
sichere Wertpapiere garantiert sein müssen. Sollte jedoch aus irgend
welchen Gründen die Bank von Japan zu einer Mehrausgabe von
Banknoten gezwungen sein, so ist für die, den bestiminten Betrag über-
schreitende Summe eine Steuer von niindestens 5°/0 an die Staatskasse
zu entrichten (auch durch die sicheren Wertpapiere garantiert). Neben
dieser modernen Entwicklung des Bankwesens und des Geldverkehrs ist
dann noch als besonderer Moment die Ausdehnung der Abrechnungs-
stellen — Clearinghäuser — hervorzuheben. Die amtliche Statistik
bringt über den japanischen Geldverkehr die folgenden Daten — in
Millionen Jen.
        <pb n="32" />
        ﻿a) Umlaufende Gelder. Millionen Den.

				1894	1895	1896	1897	1898	1899	1900	1901	1902	1903
													
M		8-											
			Goldmünzen	11.9	12.2	12.8	79.8	83.6	93.3	52.9	59.3	89.2	101.7
Ö  N-		K	Silbermünzen	46.2	47.1	50.9	31.0	—	—	—	—	—	—
s	-/°		Kleine Silber-										
	&lt;33  Ö		münzen	18.1	20.7	23.2	29.3	45.8	54.6	57.1	58.2	59.1	59.9
;5 ~g		Es	Nickelniünzcn	5.8	5.8	6.1	6.7	7.6	8.1	8.3	8.6	8.7	8.7
« ö	S?	©i	Kupfermünzen	9.6	9.6	9.3	9.3	9.3	9.3	9.1	9.0	9.1	9.0
«N													
«■/=&gt;			Insgesamt	91.9	95.6	102.5	156.4	146.4	165.4	127.4	135.3	166.3	179.5
:Ö S	ä o	Staatspapiere . .		13.4	11.1	9.3	7.4	5.4	4.1	—	—	—	—
N	An	Station alb anknoten		21.7	20.7	16.4	5.0	1.8	—	—	. —	—	—
'S-	n n	Konvertirbare		149.8	180.3	198.3	226.2	197.3	250.5	228.5	214.0	232.0	232.9
			Banknoten										
•|	ZK	Insgesamt		185.0	212.2	224.1	238.7	204.6	254.6	228.5	214.0	232.0	232.9
	Gesamtbetrag			276.9	307.9	326.7	395.1	351.1	420.1	356.0	319.4	398.4	412.4
Barreserve für die von der Bank von			Goldmünzen	6.7	7.0	7,4	63.3	65.5	74.0	35.3	41.1	71.8	81.3
Japan ausge-			Silbermünzcn	22.5	18.8	18.9	1.8	—	9.3	2.6	1.6	—	—
Banknoten			Insgesamt	29.2	25.9	26.3	64.6	65.5	83.3	38.0	42.7	71.8	81.3
Münzen,		Papiergeld und											
Banknoten im Umlauf				247.7	282.0	300.3	330.4	285.6	336.8	318.0	306.7	326.5	331.1
        <pb n="33" />
        ﻿b) Betrag der Reserve für die von der Bank von Japan ausgegebenen einlösbaren Banknoten. Millionen Den.

Jahr			1893	1894	1895	1896	1897	1898	1899	1900	1901	1902	1903
Ausgegebene Banknoten			148.6	149.8	180.3	198.3	226.2	197.3	250.5	228.5	214.0	232.0	232.9
	8	Gold		21.8	32.3	31.5	90.9	96.9	89.5	103.1	65.3	68.8	108.1	116.9
	N  r-	Silber ....	64.1	49.8	28.8	41.7	1.3	—	7.0	2.0	2.5	1.0	—
J3	ö?	Insgesamt	85.9	81.7	60.3	132.7	98.2	89.5	110.1	67.3	71.3	109.1	116.9
O	L §	Staatspapiere. .	17.6	17.9	19.4	17.9	33.1	81.3	23.8	28.7	35.2	38.6	38.4
W		Andere Wertpapiere	45.1	50.1	100.5	47.6	94.8	76.4	116.6	132.5	107.4	84.3	77.5
^2	C C 6?«-	Insgesamt	62.7	68.0	119.9	65.5	127.9	107.8	140.4	161.2	142.7	122.9	115.9
	Gesamt-Betrag		148.6	149.8	180.3	198.3	226.2	197.3	250.5	228.5	2L4.0	232.0	232.9
Betrag der Reserve für je		Reserve in bar %	57.80	54.55	33.48	66.93	43.43	45.37	43.96	29.47	33.33	47.01	50.22
100 Uen der aus-		Reserve in Wert-											
Banknoten		papieren %	42.20	45.45	66.52	33.07	56.57	54.63	56.04	70.53	66.67	52.99	49.78
        <pb n="34" />
        ﻿26

c) Betrag der durch die Abrechnungsstellen gegangenen Wechsel und Checks;
in Millionen Stück oder Den.

Jahr	Tokyo		Osaka		Kobe, Kyoto,  Aokohama,  Nagoya		Insgesamt	
	8N  § 'S- * * S “  f“f «? 8	H L  HZ	L.	*b  *§ g ff J2, ^  i	e g&gt; f S  HZ	«	L  « § i-Z  A	Z	# 5  HZ	&amp;  ö s ^  A s	« H3  2  N
1898	0.1	148.0	0.1	63.6			0.3	211.6
1894	0.1	185.5	0.1	67.5			0.3	253.1
1895	0.2	289.1	0.2	79.6			0.4	368.7
1896	0.3	417.4	0.3	138.4			0.6	555.8
1897	0.4	552.8	0.3	160.9	0.03	27.6	0.7	741.4
1898	0.7	790.2	0.4	226.9	0.3	169.8	1.6	1187.1
1899	1.2	1095.8	0.7	376.8	0.5	249.5	2.5	1722.1
1900	1.8	1405.4	1.0	523.5	0.9	684.0	3.7	2613.1
1901	1.8	1168.7	1.2	528.1	0.9	739.0	4.0	2435.8
1902	2.2	1350.7	1.5	663.6	1.2	866.5	4.9	2880.9
1903	2.4	1562.6	1.8	821.2	1.5	1203.6	5.8	3587.6

ä) Postanweisungen. Millionen Den.

Rechnungs-  jahr	Inländische  Post-  anweisungen		Postanweisungen in Len Zweig- postanstalten in China u- Korea		Ausländische  Postanweisungen		Gesamtbetrag	
	Aus-  gegeben	Bezahlt	Aus-  gegeben	Bezahlt	Aus-  gegeben	Bezahlt	Aus-  gegeben	Bezahlt
1893/94	28.4	28.2	0.1	0.1	0.06	0.2	28.6	28.7
1894/95	23.5	33.7	0.4	0.1	0.07	0.3	34.0	34.2
1895/96	41.9	42.1	0.4	0.1	0.09	0.5	42.5	42.8
1896/97	43.7	45.0	0.3	0.08	0.09	0.5	44.2	45.7
1897/98	50.5	53.1	0.3	0.09	0.1	0.7	51.0	54.0
1898/99	52.2	54.7	0.4	0.09	0.1	0.8	52.7	55.6
1899/1900	63.3	66.3	0.5	0.1	0.1	1.5	64.1	68.0
1900/01	73.9	78.3	2.1	0.3	0.1	1.9	76.2	80.6
1901/02	80.1	84.2	1.9	0.4	0.1	2.9	82.2	87.6
1902/03	88.1	91.8	1.6	0.5	0.2	3.8	90.0	96.1

Wendet man sich von der hier in den anitlichetl Übersichten gegebenen
Darstellung des Geldverkehrs in Japan zu einer Betrachtung der Höhe
des in Japan vorhandenen gesamten Kapitals, so ist zunächst zu be-
merken, daß es eine direkte statistische Aufnahme, aus der man diesen
Gesamtbetrag erkennen könnte, in Japan nicht gibt. Ebensowenig
erlaubt uns die japanische Statistik, die Hohe der jährlich neu investierten
        <pb n="35" />
        ﻿27

Kapitalien genau zu bestimmen und es ist daher nur möglich, die Höhe
dieser beiden Werte auf mittelbarem Wege durch Vergleiche oder Be-
rechnungen kennen zu lernen. Als ein geeignetes Moment zur Auf-
machung der hier in Frage kommenden Berechnungen darf man neben
verschiedenen anderen Faktoren die Statistik über die Spareinlagen be-
trachten, die das Anwachsen der japanischen Spartätigkeit in klarer
Weise ziffernmäßig erkennen läßt. Für den Zeitraum eines Jahrzehnts
betrugen nach dieser amtlichen Statistik die Spareinlagen in Millionen Den:

Jahr	In Spar- banken	In Post- sparkassen	Zusammen
1893	6.0	—	—
1894	6.8	—	—
1895	12.1	28.9	41.1
1896	18.2	28.2	46.4
1897	25.3	25.7	51.1
1898	30.0	21.9	52.0
1899	44.7	23.4	68.1
1900	49.4	23.3	73.4
1901	44.0	27.1	71.2
1902	51.6	29.5	81.2

Neben dieser Übersicht ermöglicht uns jedoch die japanische Statistik
glücklicherweise noch diejenigen Beträge von Kapitalien zu erfassen,
welche bei Aktiengesellschaften und bei lokalen Anleihen jährlich in-
vestiert werden. Diese Summen erreichten innerhalb des gleichen Jahr-
zehnts folgende Höhe in Millionen Den:

Jahr	Eingezahltes Kapital zu den Gesellschaften	Betrag der lokalen Anleihen	Insgesamt	Zunahme im Vergleich zum Vorjahre
1893	137.4	9.0	146.5	11.3
1894	148.3	10.0	158.4	11.8
1895	174.0	10.2	184.3	25.9
1896	397.5	10.5	408.0	223.7
1897	532.5	16.3	548.8	140.7
1898	621.6	23.4	645.1	96.2
1899	683.8	31.8	715.6	70.5
1900	779.2	42.7	821.9	106.3
1901	829.4	51.2	880.6	58.7
1902	878.7	61.1	939.8	59.1

Wie aus dieser Zusammenstellung sich ergibt, betrug in der Hochkon-
jnnktnrperiode die Zunahme der Kapitalsanlage tu einem Jahre (1896)
        <pb n="36" />
        ﻿28

allein 223,7 Millionen und im folgenden Jahre nochmals 140,7 Mil-
lionen Den. Das Jahr 1900 brachte dann wieder einen Mehrbetrag
von angelegten Kapitalien in Höhe von über 106 Millionen Ae»; da-
gegen sind die Jahre 1899 sowie 1901/02 wegen des in ihnen auf-
getretenen, krisenartigen Rückschlages nicht als normale Entwicklnngs-
jahre für die Anlage von Kapitalien anzusehen.

Ferner ist für die Berechnung des gesamten japanischen Volks-
vermögens noch die Höhe der ausgegebenen Obligationen von Privat-
gesellschaften und halböffentlichen Gesellschaften als Anhaltspunkt heran-
zuziehen. Hierfür kommen folgende Institute in erster Linie in Betracht:
die Hypothekenbank von Japan, die landwirtschaftlichen und gewerblichen
Banken, die Gewerbebank von Japan, die Bank für Kolonisation und
Nutzbarmachung des Hokkaido und schließlich müssen auch die Staats-
anleihen als Unterlage für eine solche Berechnung gelten. Des weiteren
wären in diese Betrachtung hereinzuziehen die mutmaßlichen Kapital-
beträge, welche im Bergbau und in gewerblichen Unternehmungen an-
gelegt sind, in Fischerei, Landwirtschaft, Forstkultur und Viehzucht,
die zum größten Teil in der Form von Einzelunternehmungen betrieben
werden und jedenfalls hohe Kapitalsnmmen erfordern. Ebenso ist die
jährliche Zuimhme dieser Kapitalien eine jedenfalls recht bedeutende.
Wenn man daher die neu investierten Kapitalsummeu als zehn Prozent
des gesamten jährlichen Nationaleinkommens ansetzt, welches man zu
2^ bis 3 Milliarden Den schätzt, so ergibt dies eine Gesamtsumme
der in Japan jedes Jahr neu angelegten Kapitalien von 250 bis 300
Millionen Den. Wenn diese Summe naturgemäß auch nicht genau ist,
so entspricht sie im allgemeinen doch sehr der Wahrscheinlichkeit.

Während also für das gesamte japanische Wirtschaftsleben eine
Statistik des in ihm angelegten Kapitals fehlt und eine Berechnung
des Betrages nur schwierig und auf mittelbarem Wege sich ermöglichen
läßt, ist dies für eine Berechnung des in der Landwirtschaft allein an-
gelegten Kapitals nicht so mit Schwierigkeiten verbunden, denn hier
liegen eingehende Schätzungen von seiten Sachverständiger vor. Nach
diesen Schätzungen beziffert sich das gesamte japanische landwirtschaft-
liche Kapital, mit Ausschluß kleinerer flüssiger — auch meist ausge-
liehener — Beträge Millionen Jen ans folgende Summen;

Wert	des	Ackerlandes...........7.047

„	der	Gebäude...............—.289

„	„	landwirtschaftlichen Geräte	—. 75

„	des	Viehstandes...........—.174

Total 7.585 Mill. Yen,

also über 71/a Milliarden Jen.
        <pb n="37" />
        ﻿29

Um die Einzelfaktoren der japanischen Volkswirtschaft möglichst
vollständig in dem Rahmen dieser Studie zu besprechen, hätten wir jetzt
unser Augenmerk zunächst auf das Verkehrswesen und dann auf die
Versicherungsstatistik zu richten.

Die Entwicklung der japanischen Verkehrseinrichtnngen, besonders
der Schiffahrt, hat von Jahr zu Jahr eine steigende, allgemeine Auf-
besserung erfahren, die sich im einzelnen an der Hand der folgenden
statistischen Daten übersehen läßt:

a)	Eisenbahnstatistik.

Rechnungs-  jahr	Meilenzahl			Baukosten in Millionen Den			Kapitalien der Privat- bahnen  in Millionen Den		
	Staats-  bahnen	Privat-  bahnen	Ins-  gesamt	Staats-  bahnen	Privat-  bahnen	Ins-  gesamt	angelegt	einge-  zahlt	Reserve-  fonds
1872	18		18						
1873	18		18						
1882/83	170		170						
1892/93	550	1320	1870	35.4	47.5	82.9	56.2	46.7	0.7
93/94	557	1381	1938	36.1	52.0	88.1	63.1	48.8	0.5
94/95	580	1537	2118	, 37.6	. 57.8	, 95.2	80.2	59.1	1.3
				t 1-2.7	1 -j-2.9	&gt; -s-5.6			
95/96	593	1697	2290	39.2	. 68.6	107.9	99.2	71.6	1.1
				1 f4.4	1 f2.5	&gt; -j-6.9			
96/97	631	1875	2507	, 43.6	( 77.1	120.7	120.0	89.0	1.5
				• f5.4	l -j-9.8	t-j-15.2			
97/98	661	2287	2948	. 46.3	. 114.0	160.3	175.3	122.5	2.1
				lfl5.5	1 -j-8.7	&gt; 124.3			
98/99	768	2652	3420	. 60.0	152.3	. 212.3	213.6	153.9	2.6
				1 15.8	&gt; f7.6	1 f 23.4			
1899/1900	832	2806	3638	. 69.9	. 173.4	243.4	227.7	169.9	2.3
				l-j-18.1	&gt; f5.0	1 -j-23.1			
1900/01	949	2905	3855	, 85.5	. 191.2	. 276.8	238.0	181.2	3.6
				&gt;1-21.6	&gt; 1-6.2	&gt; -j-27.9			
1901/02	1059	2966	4026	. 100.5	. 202.8	303.3	242.5	192.8	4.4
				&gt; 1-22.3	&gt; -j-4.5	&gt; -j-26.9			
1902/03	1226	3010	4237	, 125.7	,213.2	338.9	251.6	202.6	5.1
				&gt;1-16.2	&gt; f9.5	&gt; -j-19.7			
1903/04	1344	3150	4495						

Anm.: t — die Summe, welche bisher für die im Bau begriffenen Linien verausgabt
wurde.
        <pb n="38" />
        ﻿30

b)	Schiffahrtsstatistik.

IÄ  JQ	Dampf- und Segelschiffe europäischer Bauart						Japanische Dschunken	
	Dampfschiffe		Segelschiffe		Insgesamt		Zahl  1000	Raumqe-  halt  Millionen  Kokn
	Zahl  1000	Tonnen-  gehalt  1000	Zahl  1000	Tonnen-  gehalt  1000	Zahl  1000	Tonnen-  gehalt  1000		
1893	0.6	176.9	0.7	48.3	1.4	225.2	17.2	2.8
1894	0.7	273.4	0.7	46.9	1.4	320.3	17.3	2.8
1895	0.8	241.3	0.7	44.7	1.5	386.1	17.3	2.9
1896	0.8	273.5	0.6	44.0	1.5	417.6	17.6	3.0
1897	1.0	438.7	0.7	48.1	1.7	486.9	19.0	3.3
1898	1.1	477.4	1.9	170.8	3.0	648.3	19.0	3.0
1899	1.2	510.0	3.3	286.9	4.5	796.9	18.4	2.7
1900	1.3	543.3	3.8	3205	5.1	863.9	18.7	2.7
1901	1.3	583.5	4.0	336.4	5.4	919.9	19.7	2.9
1902	1.4	610.4	3.9	336.1	5.4	946.6	18.7	2.3
1903	1.0	657.2	3.5	322.1	4.6	979.4	1.1	0.4

Zu dieser Übersicht bleibt zu bemerken, daß die japanischen Dschunken
nur insoweit Berücksichtigung gefunden haben, als ihr Raumgehalt mehr
wie 50 Kokn beträgt; ferner umfassen die Zahlen für das Jahr 1903
nur die registrierten Schiffe. Die folgende Tabelle bringt im Anschluß
an die Schiffahrtsstatistik gleich den Wert der zur Einfuhr und Aus-
fuhr gelangten Waren — also des Außenhandels, getrennt nach der
Nationalität der in Betracht kommendeil Handelsschiffe und in Einheiten
zu Millionen Jen.

Flagge der Schiffe	1896					1903				
	Einfuhr		Ausfuhr		Total	Einfuhr		Ausfuhr		Total
	K	O	£  &amp;	G		‘K  £  s	G	‘K  £  &amp;	V	
Japanische	10.3	0.4	5.7	0.3	16.8	106.1	2.3	114.2	1.4	224.2
Britische	65.0	1.5	62.9	1.6	131.2	130.5	1.5	88.8	0.1	221.1
Deutsche	17.3	0.2	12.1	0.2	29.9	37.9	0.5	40.9	—	79.5
Nordamerikanische	1.2	1.1	10.0	2.0	14.4	7.6	0.6	16.0	0.9	25.2
Französische	9.1	—	13.0	i		12 2	6.3	1.7	15.7		23.8
Anderer Länder	2.6	0.02	2.6	0.4	5.8	19.2	0.6	10.9	0.4	31.2
        <pb n="39" />
        ﻿31

c)	Post, Telegraphie und Fernsprechwesen.

Jahr	Post				Telegraphie		Fernfprechwefen	
	Gewöhnliche Post		Packetpost					
	Post-  routen  TausendRi	Briefe und Druck- sachen Mill. Stück	Post-  routen  TausendRi	Packete  Mill. Stück	Länge der Drähte  TausendRi	Tele-  gramme  Mill. Stück	Länge der Drähte TausendRi	Ungefähre  Zahl der Gespräche Million.—
1893|94	23.7	323.6	5.5	0.7	10.3	6.5	1.8	7.7
1894 95	24.1	397.1	5.8	1,2	11.6	83	1.9	13.4
1895 96	24.0	451.4	5.8	1.6	12.4	9.4	2.1	13.0
1896 97	24.8	509.1	9.9	2.7	15.6	11.0	2.8	12.2
1897|98	24.5	556.7	10.9	4.1	19.1	14.2	6.7	16.3
1898|99	24.9	61!.5	12.3	4.9	21.5	15.1	12.8	27.7
1899 j 00	19 8	627.9	18.2	5.8	25.3	14.4	18.1	45.7
190001	20.4	752.8	19.2	7.6	28.6	16.7	25.6	66.5
190102	21.2	821.1	20.9	9.3	31.1	16.5	35.2	90.1
1902 03	22.6	903.7	22.3	10.3	33.5	18.0	43.4	118.8
1903 j 04	—							

Die Entwicklung des gefaulten japanischen Versicherungswesens
während des Zeitraums von einem Jahrzehnt bringt die folgende Über-
sicht zur Darstellung.

	Lebens-  versicherungen		Feuer-  versicherungen		See-  versicherungen		Transport-  versicherungen	
	1892	1902	1892	1902	1892	1902	1892	1902
Zahl der Gesellschaf- ten in Tausend	4	37	3	20	1	3		1  3t
Nominelles Kapital in Millionen Den	0.8	8.5	2.5	16.7	1.2	7.5	_	0.2  11.0f
EingezahltesKapital in Millionen Den	0.2	2.8	0.6	4.1	0.6	' 1.8		0.05  2.7f
Reservefonds	in  Millionen Den	1.0	16.9	0.007	61.8	0.4	1.2		0.03
Zahlder Versicherten in Tausend	51.8	668.7	11.4	281.0	33.9	495.9*		0.2  l.Of
Versicherungsbetrag in Millionen Den	17.5	181.6	12.6	427.8	81.0	453.1*	—	0.3  l.lf

In dem bisherigen Verlauf dieser Studie habe ich eine Darstellung
der wirtschaftlichen Kräfte Japans zu geben mich bemüht, soweit die-

*) Ziffern für 1899, da solche für 1902 nicht vorliegen,
f) Ziffern anderer Gesellschaften, die nebenbei Transportversicherungen über-
nehmen.
        <pb n="40" />
        ﻿32

selbe in kurzen Zügen statistisch sich aufrollen läßt. Im Anschluß an
diese volkswirtschaftlichen Faktoren wäre nunmehr ein kurzer Blick auf
die finanziellen Verhältnisse Japans zu werfen, lind es möge daher hier
zuerst ein Überblick über die Entwicklung der japanischen Staatsfinanzen
gegeben werden. Bis znm Ausbruch des jetzigen Krieges läßt sich der
Entwicklung der Finanzen Japans eine günstige Aufwärtsbewegung
nicht absprechen, wie man aus der folgenden allgemeinen Zusammen-
stellung ersehen kann. (Millionen Den).

Rechnungs-  jahr	Einkünfte			Ausgaben			Über-  schuß  oder  Defizit
	Ordent-  liche	Außer-  ordent-  liche	Total	Ordent-  liche	Außer-  ordent-  liche	Total	
1867—68	3.6	29.4	33.0	5.5	24.9	30.5	4- 2.5
1874	71.0	2.3	73.4	60.—	22.2	82.2	- 8.8
1883—84	76.4	6.6	83.1	67.9	15.1	83.1	—
1893—94	85.8	27.8	113.7	64.5	20.0	84.5	+ 29.1
1894—95	89.7	8.4	98.1	60.4	17.7	78.1	+ 20.0
1895—96	95.4	22.9	118.4	67.1	18.1	85.3	+ 33.1
1896—97	104.9	82.1	187.0	100.7	68.1	168.8	+ 18.1
1897—98	124.2	102.1	226.3	107.6	115.9	223.6	+ 2.7
1898-99	132.8	87.1	220.0	119.0	100.6	219.7	+ 0.2
1899—1900	177.3	76.9	254.2	139.6	116.5	254.1	+ 0.08
1900—1901	192.1	103.6	295.8	149.1	143.6	292.7	+ 3.1
1901—1902	202.0	72.3	274.3	160.3	106.4	266.8	+ 7.5
1902—1903	221.2	76.1	297.3	171.0	118.1	289.2	+ 8.1
1903—1904	231.8	19.8	251.6	178.4	66.2	244.7	+ 6.9

Das japanische Staatsbudget hat also seit dem chinesisch-japanischen
Kriege in Jahre 1894/95 einen bedeutenden Aufschwung zu verzeichnen
gehabt, dessen Höhepunkt in das Jahr 1900/01 fällt. Wenn auch seit
jener Zeit die Höhe der Einnahmen und Ausgaben im allgemeinen
wieder zurückgegangen ist, so muß doch als besonders bemerkenswert
hervorgehoben werden, daß es den Leitern des japanischen Staatswesens
gelungen ist, mit den ihnen zur Verfügung stehenden, ordentlichen Ein-
nahmen den größten Teil der außerordentlichen Ausgaben zu decken
und trotz des recht bedeutenden Anschwellens des Extraordinariunis der
Ausgaben auf eine lange Reihe von Jahren hin Budgetüberschüsse er-
zielen zu können. Man darf daher wohl zu dem Schlüsse gelangen,
daß das japanische Budget sich in einer günstigen Entwicklung befindet.
Seit dem Kriege Japans mit China ist es auf die dreifache Höhe an-
gewachsen. Als ein weiteres beachtenswertes Moment zur Kritik der
japanischen Staatseinkünfte ist der Umstand hier zu erwähnen, daß die
        <pb n="41" />
        ﻿33

Grundsteuer, welche früher einen sehr erheblichen Betrag der gesamten
Steuereinnahmen Japans darstellte, trotz der starken Ausdehnung des
Staatsbudgets keine so bedeutende Zunahme ausweist, wie man vielleicht
annehnien sonnte. Im Gegenteil ist die Grundsteuer während eines
ziemlich langen Zeitraumes nur geringen Schwankungen bezüglich ihrer
Höhe unterworfen gewesen, wie aus der folgenden Tabelle hervorgeht,
die in Millionen Den einen Vergleich der Grundsteuererträgnisse zu den
Gesamtsteuereingängen bringt.

Rechnungsjahr	Grundsteuer	Sämtliche Steuern	Sämtliche Staats- Einnahmen
1869	3.3	4.4	34.4
1874	59.4	64.8	73.4
1878/79	40.4	49.7	62.4
1888/81	43.5	64.2	83.1
1888/89	34.6	63.3	92.9
1893/94	38.8	69.1	113.7
1898/99	38.4	96.1	220.0
1903/1904	46.9	158.4	251.6

Es sind also die Eingänge aus anderen Steuerqucllen als der-
jenigen von Grtind und Boden gewesen, welche eine ganz erhebliche
Zunahme aufweisen, und da diese Steuern von Handel und Industrie
aufgebracht wurden, so erhält man damit zugleich einen Maßstab für
die wirtschaftliche Aufwärtsbewegung, welche Japans Handel und In-
dustrie verfolgen. Ein Vergleich der einzelnen Steuerpositionen ergibt
folgendes Bild. Danach betrug in Millionen Den der Ertrag der

	1893/94	1903/04
Grundsteuer		38.8	46.9
Einkommensteuer		1.2	7.4
Gewerbesteuer		—	6.7
Steuer auf alkoholische Getränke		16.6	66.5
Soyasteuer		1.3	3.4
Zuckersteuer		—	7.1
Arzneisteuer		0.6	0.1
Bergwerkssteuer		0.1	0.7
Börsensteuer 			0.3	1.0
Banknotensteuer		—	1.1
Ausfuhrsteuer für Sake aus dem Regierungsbezirk Okinawa	0.01	0.1
Tonnenabgabe			—	0.3
Zölle		5.1	16.5
anderen Steuern		4.8	—
Insgesamt	69.1	158.4
Hierzu noch: Einnahmen aus Stempelgebühren....	0.7	13.5
Gewinn aus dem Tabakmonopal ....  Kambe. Der russisch-japanische Krieg.		12.6
        <pb n="42" />
        ﻿34

Die gewaltige Zunahme der Steuererträgnisse, wie sie in den vor-
stehenden beiden Ziffernreihen zum Ausdruck kommt, bedeutet nun nicht
etwa eine Erhöhung der Steuerlast der Nation, also eine Anziehung
der Steuerschraube, sondern diese Steigerung liegt einesteils in der
Veränderung der Verteilung der Steuern begründet, andererseits ent-
springt sie einer allgemeinen Aufwärtsbewegung der Warenpreise. Über
die Wirkung der erhöhten Warenpreise auf die Erträgnisse der Steuern
hat Prof. Rathgen eine interessante Berechnung angestellt, aus der
hervorgeht, daß die heutige Steuerlast des einzelnen japanischen Staats-
bürgers fast dieselbe geblieben ist wie früher. Rathgen berechnet näm-
lich folgendes:

Jahresabschnitte	Geldbetrag der Staatssteuern pro Finanzjahr Millionen Jen	Mittlerer Reispreis im  Kalenderjahr in Jen	Die Staatssteuern sind also ungefähr gleich einer Reismenge von Millionen Kokn
1887-89	67.3	4.88	13.8
1890—1893	65.7	7.27	9.0
1900—1903	164.5	11.62	14.1

Das Bild wird auch nicht wesentlich ungünstiger, wenn man in
den Rahmen dieser Berechnung die Kommunalabgaben mit hineinbezieht.
Eine überschlägliche Berechnung in dieser Beziehung führt zu dem Re-
sultate, daß die sämtlichen Steuern in Japan einen Reiswert

von 20 Millionen	Koku	um	das	Jahr	1889

14	„	„	„	„	„	1895

22,5	„	„	„	„	„	1901	besitzen.

Mit vollem Rechte wirft sich deshalb bei der Betrachtung dieser
Umstände dem Beobachter die Frage auf, wie es möglich war, die so
sehr gesteigerten Bedürfnisse für Heer und Marine, wirtschaftliche und
kulturelle Zwecke finanziell zu bewältigen, wenn doch die Einnahmen
aus den Steuerquellen des Landes nahezu keinerlei bemerkenswerte Er-
höhung erfahren haben. Die Erklärung für diese auffallende Tatsache
ist vor allem darin zu suchen, daß Japan von jeher bemüht gewesen
ist, in höchst sparsamer Weise mit seinen Staatsfinanzen zu wirtschaften,
daß die Beamten mit nur bescheidenen Gehältern zufrieden sind, keine
großen Ansprüche stellen und daß allgeniein die Bedürfnisse des Volkes
besonders auch der japanischen Soldaten und Matrosen äußerst geringe
sind. Verfolgt man von diesen Gesichtspunkte aus z. B. die Ausgaben
für Heer und Marine in ihrem Anteil am gesamten Staatsbudget, so
wird man die interessante Tatsache bestätigt finden, daß trotz des durch
        <pb n="43" />
        ﻿35

die politischen Verhältnisse bedingten Anwachsens dieser Ausgaben für
rein militärische Zwecke, dieselben trotzdem noch nicht über ein Drittel
der gesamten Staatsausgaben gestiegen sind.

Das Budget für 1903/04 bringt hierüber folgenden Ausweis:

Staatsausgaben in Millionen Uen.
Ordentliche..................... 178.4

Davon

Militär.............38.4

Marine..............22.0

Heeresausgaben 60.5

Außerordentliche......................66.2

Militär...........3.6

Marine . .	.	.	.	7.1

Heeresausgaben 10/7_______

Davon

Die gesamten Staatsansgaben betragen also .	244.7.

Davon entfallen auf das Militär 42.1 und auf die Marine 29.1
Millionen Jen. In Prozenten ausgedrückt betragen	demnach die Heeres-
ausgaben	zu	den	Gesamtstaatsausgaben ....	29.1	°/0-'

zu	den	ordentlichen Ausgaben . . .	33.9	°/0.

zu	den	außerordentlichen Ausgaben . .	16.1	°/o-

Ebenso mäßig ist die finanzielle Belastung der japanischen Volks-
lvirtschaft durch die Staatsanleihen. Am Ende des Rechnungsjahres
1903/04 belief sich der Gesamtbetrag der japanischen Staatsanleihen
auf 564.9 Millionen Jen. Ans den Kopf der Bevölkerung berechnet,
ergibt dies die lloch als sehr niäßig zu bezeichneilde Belastung von 11
Jen. Voll diesem Gesamtbetrag der Staatsanleihen lvurde nur ein
Drittel für Heereszwecke verwandt, während man im übrigen mit der
Tilgung dieser Anleihen stets recht verfuhr. Ein Blick auf die folgende,
amtliche Zusammenstellung der japanischen Staatsanleihen wird dies
bestätigen.

Betrag der Staatsanleihen in Millionen Den.

Rechnungsjahr	Aufgenommener  Betrag	Getilgter  Betrag	Am Jahresende vorhandener ungetilgter Betrag	Betrag der Staatsschuld auf den Kopf der Bevölkerung in Den!
1870	4.8		4.8	0.147
1874	6.9	0.7	46.9	1.397
1888/84	—.3	10.4	227.3	6.071
1893/84	18.9	13.3	266.8	6.381
1894/95	53.6	20.9	299.4	6.998
1895/96	82.9	10.6	371.7	8.795

3*
        <pb n="44" />
        ﻿36

Fortsetzung von Seite 35

Rechnungsjahr	Aufgenommener  Betrag	Getilgter  Betrag	Am Jahresende vorhandener ungetilgter Betrag	Betrag der Staatsschuld auf den Kopf der Bevölkerung in Den!
1896/97	23.6	12.1	383.3	8.868
1897/98	49.1	11.2	421.2	9.625
1898/99	0.2	8.2	413.2	8.615
1899/1900	104.5	11.6	506.1	10.657
1900/01	24.7	16.1	514.7	10.685
1901/0.1	42.1	11.8	545.0	11.313
1902/03	46.1	31.5	559.6	11.477
1903/04	13.1	7.8	564.9	11.439

Wenn man die japanische Staatsschuld am Ende des Rechnungs-
jahres 1903/04 nach ihren Zweckbestimmungen zerlegt, so ergibt sich
folgendes Bild, in Millionen Jen.

	g&gt; £  äff  «TS«'  S’jc'g  s'°i§	5 g  °'/3.b sr &amp;	S g ‘S'J; §  ■Esc g  i c	I  d S- 1 s 1  ö p o  Z&gt; w  SS	Heer			en£  ■Ö.2  ??■  §*-  ©ä
					S5  Z c»s  WU  io?  c	&amp;	W | %	
Aufgenommener								
Betrag	225.9	223.8	18 ).8	35.7	94.4	156.0	250.4	916.8
Getilgter Betrag	205.3	23.4	60.0	8.7	14.6	39.7	54.3	351.9
Ungetilgter Betrag	20.5	200.4	120.7	27.0	79.8	116.2	196.1	564.9

Die Ausgaben für wirtschaftliche Unternehmungen bedürfen einer
kurzen Erklärung, sie umfassen die Ausgaben für Eisenbahn-, Straßen--
und Kanalbauten, für Zwecke des Bergbaus, der staatlichen Stahlwerke
und des Fernsprechwesens.

Anktiüpfend ait diese Erörterung der Lage der staatlichen Finanzen
mögen hier noch einige Worte über die lokalen Finanzen Platz finden.
Zunächst bedarf hier der Umstand der Erwähnung, daß die lokalen
Finanzen währe.id des Zeitraums von 1893/94 bis 1901/02 sich um
das 2,38fache vergrößert haben, während die Staatseinnahmen in der-
selben Zeit eine Zunahme um das 2,41fache ausweisen, wie aus folgender
Gegeuiiberstellung hervorgeht:

Staatseinnahmen Lokaleinnahmen
1893/94	113.7	65.9

1901/02	274.3	157.3
        <pb n="45" />
        ﻿37

Unter den lokalen Finanzen zeigen besonders die Finanzen der
Städte einen gewaltigen Zuwachs, der in der ganzen Entwicklung der
Städte selbst, sowie in derjenigen von Handel und Industrie seine Er-
klärung findet. Neubauten und Verbesserungen in den Städten, Ein-
richtung moderner guter Straßen und Kanalisationsanlagen bilden das
treibende Moment des gesamten Aufschwunges. Über die Einnahmen
und Ausgaben der Lokalfinanzen bringt die folgende Übersicht die nötige
Aufklärung; in Millionen Jen.

(Tabelle siehe Seite 38.)

Die Landkreise (§uv) erheben keine direkten Steuern, vielmehr
werden ihre Ausgaben von den zugehörigen Städten und Dörfern ge-
tragen, soweit sie eben nicht durch Einnahmen aus dem Vermögen des
Landkreises selbst oder aus anderen Quellen gedeckt werden.

Wenn man schließlich noch einen Blick auf die lokalen Anleihen
wirft, so muß man zwar zugestehen, daß dieselben eine recht erhebliche
Höhe erreicht haben; immerhin betragen sie in ihrer Gesamtsumme
nur eiu Zehntel der Staatsanleihen. Die lokalen Anleihebeträge be-
zifferten sich in Millionen Jeu, jeweils am Ende des Jahres auf
folgende Gesamtbeträge.

Jahr	Millionen Den	Jahr	Millionen Den
1890	0.7	1898	23.4
1893	9.0	1899	31.8
1891	10.0	1900	42.7
1895	10.2	1901	51.2
1896	10.5	1902	61.1
1897	16.3	1903	67.1
        <pb n="46" />
        ﻿CO  st  st  st  Z	Regierungsbezirke (Fu und Ken)				Städte (shi)				Kleine Städte (oho) und Dörfer				Gesamtbetrag	
	Einnahmen			or  §5	Einnahmen			tt  st  &amp;	Einnahmen			g  st  cs*		
	S  ü  ©	g g  3 S "  0 Zs	g  P  ö?		g	st st  §&lt;a	'S  St		g  g  ©	g g  3  3  §£3	|  st  &amp;?.		Ein-  nahmen	Ausgaben
1889/90	15.5	8.1	23.6	21.5	—	—	—	—	—	—	—	—	—	—
1893/94	16.7	15.1	31.8	24.5	1.6	8.3	10.0	4.4	14.9	9.1	24.0	22.4	65.9	51.4
1894/95	17.1	12.4	29.5	26.0	1.9	8.4	10.3	5.1	15.9	10.3	26.2	24.6	66.2	55.8
1895/96	18.0	9.5	27.5	24.8	2.2	8.7	10.9	6.2	18.1	10.7	28.9	26.8	67.5	57.9
1896/97	22.9	18.0	41.0	31.6	2.6	8.4	11.1	7.9	20.2	12.0	32.3	30.1	84.4	69.7
1897/98	24.8	21.2	46.0	40.0	3.4	10.1	13.6	10.5	24.7	16.1	40.8	38.2	100.5	88.8
1898/99	31.4	16.1	47.6	41.7	4.6	10.6	15.3	11.2	29.1	17.5	46.6	43.4	109.6	96.4
1899/00	37.0	19.1	56.2	48.4	6.0	13.7	19.8	15.0	32.7	20.4	53.2	49.3	129.3	112.8
1900/01	39.8	19.0	58.8	52.0	9.6	14.7	24.3	19.0	37.8	24.4	62.2	58.0	145.4	129.0
1901/02	43.1	15.5	58.7	52.4	10.9	17.4	28.3	22.1	44.2	26.0	70.3	65.3	157.3	139.8
1902/03	41.1	10.5	51.6	51.5	—	—	—	—	—	—	—	—	—	—
1903/04	39.7	9.3	49.0	49.0									'
        <pb n="47" />
        ﻿II. Teil.

Einfluß des russisch-japanischen Krieges auf die japanische
Volkswirtschaft.

1. Kapitel.

Der gegenwärtige Einfluss des russisch-japanischen Krieges auf die
japanische Volkswirtschaft.

In dem ersten Teile dieser Studie wurden diejenigen Momente
der japanischeil Volkswirtschaft entwickelt, welche auf die augenblick-
lichen, kriegerischen Ereignisse in Ostasien von Einfluß gewesen sind
und es erübrigt nun noch, die Kehrseite zu betrachten, indeni untersucht
wird, welche Wirkungen der Krieg bisher ans die wirtschaftliche Ent-
wicklung Japans ausgeübt hat, und welche Folgeerscheinungen sich in
Zukunft daraus noch ableiten werden. H^r sollen zunächst die heute
sich bereits bemerkbar machenden Einflüsse einer allgenieinen Darstellung
unterzogen werden, da dieselben ein größeres Interesse in Anspruch
nehmen dürften; im Anschlüsse daran sollen dann die etwaigen zu-
künftigen Einwirkungen eine sachgemäße Erörterung finden.

Als ein hervorragendes Moment ist die Einwirkung des Krieges
auf die japanische Finanzwirtschaft an erster Selle hier zu besprechen,
denn die finanziellen Opfer, welche der Krieg japmlischerseits erfordert,
sind naturgeniäß sehr erhebliche. Trotzdem muß man gleich zu Anfang
konstatieren, daß das japanische Volk es durch seine große Opferwillig-
keit verstanden hat, diesen hohci: pekuniären Anforderungen gerecht zu
werden, nachdem es einmal die Notwendigkeit des Krieges als unvernieidlich
erkannt hatte. Andererseits gewinnt man den Eindruck, daß die japa-
nische Finauzverwaltung sich bemüht hat, die finanziellen Lasten, welche
dem Volke aus dem Kriege naturgemäß erwachsen, nach Möglichkeit zu
beschränken und durch weise angebrachte Ersparnisse ans dem laufenden
Etat, sowie mit Zuhilfenahme von Anleihen im In- und Auslande
und kräftige Heranziehung bestimmter Spezialfonds in ihrer Gesamt-
wirkung möglichst gleichmäßig zu verteilen und so einzelne Schärfen zu
vermeiden.

Als der Krieg zwischen Japan und Rußland auszubrechen drohl e,
        <pb n="48" />
        ﻿40

war man natürlich nicht in der Lage übersehen zu können, wie lange
er dauern und welche Kosten er jedes Jahr verursachen würde.

Zunächst war es der japanischen Regierung gleich möglich, ohne be-
sondere Maßnahmen treffen zu müssen, lediglich auf Grund einer
kaiserlichen Verordnung vom Dezeinber 1903, die Kriegskosten bis zum
31. März 1904 im Gesanitbetrage von 156 Millionen Jen decken zil
können und zwar in folgender Weise: Es wurden 100 Millionen Den
5 prozentiger Schatzscheine ausgegeben, 25 Millionen Jen ans den
Spezialfonds entnommen und 31 Millionen Jen aus Vorschüssen der
japanischen Bank aufgebracht. Im März 1904, nachdem der Ausbruch
des Krieges erfolgt war, wurde der japanische Reichstag einberufen,
um über ein ihm vorgelegtes Kriegsbudget zu beraten. Dieser Kriegs-
kostenetat fand mit unwesentlichen Abänderungen sofortige Annahme,
und dadurch gelangte die Summe von 420 Millionen Jen für die Zeit
von: April 1904 bis zum Ende des Jahres zu einer budgetmäßig fest-
gesetzten Bestimmung; 380 Millionen Den sollten nur für Kriegs-
zwecke verwandt werden, während der Rest von 40 Millionen als
Notreservefonds zurückzulegen sei. Die Einnahmequellen, ans denen
diese Kriegskosten Herflossen, waren die folgenden:

Ersparnisse aus dem laufenden Etat 48 Millionen Den

Außerordentliche Steuern	62	„	„
Aus Spezialfonds	30	„	„
Aus Krediten	280	„	„

420

Die Summe von 62 Millionen Jen außerordentlicher Steuern
setzte sich aus folgenden Einzelpositionen zusammen, deren Ziffern in
1000 Jen gegeben sind.

Erhöhungen bestehender Steuern:

Grundsteuer	23936.2
Einkommensteuer	5287.3
Gewerbesteuer	5036.1
Alkoholsteuer	178.4
Soyasteuer	1138.9
Zuckersteuer	8212.3
Bergwerksteuer	79.1
Börsensteuer	532.8
Ausfuhrsteuer auf Sake	5.3
Zölle	2330.6
Stempelgebühren	3620.7
Tabakmonopol	8466.2

Neu eingeführte Stenern:

Steuern auf Wollstoffe 2138.6
Petroleumsteuer	1238.5

Insgesamt: 62.201.800 Den.
        <pb n="49" />
        ﻿41

Wenn nun auch auf diese Weise 62 Millionen Jen an Mehr-
erträgnissen erzielt werden, so ist diese Summe doch nicht gleichbeteutend
mit einer eben solchen Steuererhöhung. Dadurch nämlich, daß in
dem Norinaletat die Grundsteuer um etwa 10 Millionen Jen niedriger,
und verschiedene indirekte Steuern ebenfalls mit geringeren Ergebnissen
als bisher angesetzt waren, ergibt sich, daß von den mehrerzielten
62 Millionen Jen nur 48 Millionen durch stärkere Heranziehung der
Steuerquellen erbracht wurden. Die Gesamtsteuer aller Positionen wurde
dadurch um 26"/, erhöht, nämlich von 184 auf 232 Millionen Den.

Man muß es als eine jedenfalls sehr vernunftgemäße Maßnahme
betrachten, daß Japan zur Deckung seiner Kriegskosten neben dem
Wege der Anleihe auch diese Steuererhöhungen vornahm, und diese
wiederum eben deshalb vornehmen konnte, weil bisher keine übermäßige
Steuerlast das japanische Volk bedrückte. Auch die Erhöhung um 26"/,
bedeutet keineswegs eine übermäßige Inanspruchnahme der steuerlichen
Kraft des japanischen Volkes. Neben der Erhöhung der direkten Steuern
fand auch eine durchweg wohlbedachte Erhöhung gewisser indirekter
Steuern statt, wenn auch allerdings in geringerem Maße. Durch die
neuen Gesetzesbestimmungeu wurden die direkten Steuern von 61 Millionen
auf 86 Millionen, also um etwa 41°/, erhöht, tvährend die Steige-
rung bei den indirekten Steuern nur von 123 auf 146 Millionen ge-
triebenwurde, was gleichbedeutend mit einer Erhöhung um knapp 18°/, ist.

Die Begebung der auswärtigen Anleihen geschah in folgender
Weise. Zunächst wurden im Mai 1904 in London und New-Iork
100 Millionen Jen einer 6prozentigen Anleihe aufgenommen, der
in demselben Monate eine zweite innere Anleihe von 100 Millionen
Jen 5 prozentiger Schatzscheine folgte. Gleichfalls als innere Anleihe
gelangten dann im Oktober 1904 80 Millionen Jen zur Aufnahme,
womit insgesamt 280 Millionen Jen für die Zwecke der Kriegs-
führung aufgebracht waren. Da man aber — mit Ablauf des Jahres
1904 noch nicht absehen konnte, wann der Krieg nach menschlichem
Ermessen vielleicht beendet sein dürfte, so galt es für Japan auf die
Erschließung von Einnahmequellen zur Deckung der Kriegskosten im
nächsten Jahr Bedacht zu nehmen. Nach den Erfahrungen des ersten
Kriegsjahres hatte man für das Jahr 1905 einen Voranschlag aufgestellt,
demzufolge für Militär- und Marinezwecke sich 700 Millionen Jen
und für sonstige mit dem Kriegszustände verbundene Ausgaben
80 Millionen Jen als erforderlich erwiesen. Die Regierung legte da-
her im November des Jahres 1904 eine zweite 6prozentige aus-
wärtige Anleihe im Betrage von 120 Millionen Den ebenfalls in
London und New-Iork auf. Hiermit war aber nur etwa der sechste
Teil des Kriegsbedarfs finanziell gedeckt, es mußten also weitere Ein-
        <pb n="50" />
        ﻿42

nahmen noch erschlossen werden. Die Regierung berief daher den ja-
panischen Reichstag zum 30. November 1904 und legte demselben den
Normaletat für das Jahr 1905/06 ini Voranschläge sowie den außer-
ordentlichen Kriegsctat für das Jahr 1905 zur Genehmigung vor..
Der Voranschlag zum Normaletat des Jahres 1905/06 sieht an Aus-
gaben 280 Millionen Jen und an Einnahmen 304 Millionen Jen
vor; es ergibt das betreffende Etatsjahr rechnungsmäßig also einen
Überschuß von 24 Millionen Jen, der durch weitere Ersparnisse noch
in die Höhe zu bringen war. Die Regierung entschloß sich daher zun
Vornahme verschiedener Einschränkungen, um aus diese Weise allein
aus dem Normaletat einen Überschuß von 123 Millionen Jen zu er-
zielen; ferner wurden für die Kriegskosten noch 8 Millionen Jen aus
Spezialfonds überwiesen. Alle diese Einnahmen genügten jedoch bei
weitem nicht, um das Kriegsbedürfnis zu decken, daher mußte man
nochmals zur Steucrerhöhung und zur Aufnahme von Anleihen schreiten.

Zu diesem Zwecke hatte die Regierung einen neuen Finanzplan
ausgearbeitet, in welchem eine Erhöhung der Erträgnisse aus folgendeit
Steuerquelleit vorgesehen war. Es sollten mehr erbringen: die Grund-
steuer, Einkommensteuer, Gewerbesteuer; die Steuer auf alkoholische
Getränke, auf Zucker und Arzeneien; die Bergwerks-, Register- und
Börsensteuer, solvie die Zölle. Weitere Einnahmen wollte man erbieten
durch die Einführung der folgenden neuen Stenern: Gewebesteuer, Ver-
kehrssteuer, Erbschaftssteuer und dtirch das Salzmotiopol. Dieser Mehr-
betrag wurde zu insgesamt 82 Millionen Den veranschlagt. Bei der
parlamentarischen Besprechung dieses Voranschlages im Reichstag wurden
diese Einnahmen jedoch auf 74 Millionen Den reduziert. Zur Deckung,
der weiter erforderlichen finanziellen Anfweitdungeit in Höhe von 566
Millionen Jen war in dem Finanzplan auf den Weg der Anleihen
verwiesen. Der Reichstag erhöhte den Anleihenvoranschlag noch um weitere
5 Millionen Tjen und setzte die Ausgaben des Normaletats um 1,5
Millionen Den durch fernere Ersparnisse herab, die somit ebenfalls für
die Bedürfnisse des Krieges frei wurden. Infolge dieser Veränderungen
gewaitn der schließlich vom japanischen Reichstage genehmigte Voran-
schlag das folgende Aussehen, in Tausend Jen.

Normaletat:

Einnahme» 304333.9

Ausgaben 210 524.4

Überschuß 93809.5
Hierzu an nicht erforderlich gewesenen
Ausgaben im Etat der Marine und des Militärs 31149.7

Der Gesamtüberschuß betrug also

124.959.3
        <pb n="51" />
        ﻿43

Ter außerordentliche Kriegsetat zeigte folgende Positionen:

Ausgaben:	An	Kriegskosten......................... 700000.0

davon	für	die	Marine	100000.0

„ das Landheer 600000.0

An	sonstigen	Kosten,	die aus	dem	Kriege	entspringen	80000.0______

Gesamtausgaben	780000.0

Einnahmen:	Überschuß aus dem Normaletat	124959.3

Aus Spezialfonds	8 000.0

Steuererhöhung und neues Monopol	74128.7

Deckung durch Anleihen	571000.0

Freiwillige Volksbeiträge und anderes	2000.0

Gesamteinnahme	780088.1

Die in dem Voranschlag mit 74128 700 Den angegebene Erhöhung der
Steuern und die Erträgnisse aus dem Salzmonopol setzen sich aus folgenden
Einzelfaktoren zusammen.

Erhöhung bestehender Steuern:

Grundsteuer	18	640.6

Einkommensteuer	5286.4

Gewerbesteuer	5809.0

Alkoholsteuer	2566.0

Zuckersteuer	2	400.1

Arzneisteuer	89.2

Bergwerkssteuer	1989.5

Börsensteuer	432.5

Einfuhrzölle	2687.6

Ausfuhrsteuer auf Sake 66.5
Stempeleinnahmen	2 555.3

Neu eingeführte Steuern:

Steuer auf Gewebe	8468.0

Verkehrssteuer	3188.1

Erbschaftssteuer	4909.5

Salzmonopol	16239.6

Insgesamt	74128.7

Es ist nun nicht ohne einiges Interesse zn verfolgen, tu welcher
Weise innerhalb der letzten drei Etatsjahre die direkten und die in-
direkten Steuern sowohl absolut wie auch relativ sich verändert haben.
Es betragen in Millionen Jen während dieser letzten drei Etatsjahre:

	1903—04	1904-05 nebst Kriegsetat 1904	1905—06 nebst Kriegsetat 1905
Die indirekten Steuern			
nebst den Monopole	123.4	146.0	183.7
Die direkten Steuern. . -	61.2	86.6	138.0
Zusaminen also . . j	184.6	232.6	321.7
        <pb n="52" />
        ﻿44

Setzt man die Steuersummen des Etatsjahres 1903/4 gleich hundert,
so ergibt sich folgendes Anwachsen:

Indirekte Steuern nebst			
den Monopolen . .	100	118	148
Direkte Steuern ....	100	141	225
Gesamtsteuer . .	100	126	174

Der prozentuale Anteil jeder Steuerart — direkte oder indirekte —
an der Gesamtsteuersumme jedes Etatsjahres zeigt folgende Verschiebung,
die innerhalb der drei Jahre eine Abnahme der indirekten uub eine
Zunahme der direkten Stenern um jeweils 10°/o erkennen läßt:

Indirekte Steuern			
nebst Monopole °/0 .	67	63	57
Direkte Steuern °/0 . . .	33	37	43
	100 •/„	100	°/o	100 o l0

Durch diese Besprechung des japanischen Budgets, sowie der Er-
örterung der steuerlichen Einnahmen und deren bewirkte Erhöhungen
hat der erste Teil der japanischen Staatsfinanzeu eine genügende
Würdigung erfahren; es erscheint nunmehr angebracht, dem Leser eine
Entwicklung der japanischen Staatsschulden zu geben, uni so das Bild
über die Lage der japanischen Finanzwirtschaft, wie sie durch den Krieg
sich gestaltet hat, zu vervollständigen.

Nach der amtlichen Statistik betrugen am Ende der Jahre 1903
und 1904 die japanischen Staatsschulden in Millionen Jen:

(Tabelle befindet sich ans Seite 45.)

Gleicherweise, wie man in Japan sich bemüht hat, bei den Staats-
finanzen unnötige Ausgaben zu vermeiden und durch weise Beschränkung
der notwendigen Bedürfnisse Ersparnisse in großem Stile zu erreichen,
so hat man auch bei den Lokalfinanzen durch sparsame Wirtschaft Über-
schüsse erzielt. Durch die Einführung eines besonderen Lehrsystems in
den Schulen hat man einen großen Teil der Ausgaben, welche sonst
die Gemeinden für Erziehungszwecke aufzuwenden genötigt waren, zu
ersparen gewußt. Andere öffentliche Arbeiten, die den Gemeinden große
Kosten verursachen würden, hat man bis zu gelegenerer Zeit aufge-
schoben, so besonders den Bau von Straßen, Wegen und Brücken, so-
weit dieselben ans Verkehrsinteresse nicht eben dringend notwendig waren.
        <pb n="53" />
        ﻿45

lEnde 1903				Ende 1904	Zunahme oder Abnahme
Staatsanleihen:					
Alte Anleihe			3.9	3.7	— 0.2
Renten anleihe			16.6	16.6	
Flottenanleihe			8.2	8.2	
Consolidierte Anleihe			167.t	167.1	
Kriegsanleihe  Eisenbahnanleihe	1903	1904	115.6	115.6	
4°/0 ausländische	17.5	17.5			
5°/0 innere	37.2	37.2			
Insgesamt			54.8	54.8	
Staatsanleihe für öffentliche Arbeiten					
4"/o ausländische	78.0	78.0			
5°/0 innere	65.1	65.1			
Insgesamt			143.1	143.1	
Staatsanleihe für den Bau von Eisenbahnen					
ans der Insel Jezzo (Hokkaido)					
4"/y auswärtige	2.0	2.0			
5°/0 innere	3.5	3.5			
Insgesamt			5.5	5.5	
Anleihe für öffentlicheArbeitenaufFormosa			23.7	27.7	-s-	4.0
Auswärtige Anleihe zu 6°/0			—	115.8	+ 115.8
	Insgesamt . .		538.9	658 6	+ 119.7
Kurzfristige Anleihen					
Vorschüsse von der Centralbank					
a.) für Kriegszwecke			7.0	92.0	+ 85.0
b) für andere Zwecke			39.8	27.8	— 12.0
	Insgesamt . .		46.8	119.8	+	73.0
Schatzscheine					
Exchequer bills			10.0	35.0	+ 25.0
Exchequer bonds			—	142.7	-j- 142.7
	Insgesamt . -		10.0	177.7	+ 167.7
Gesamtbetrag aller Schulden . .			595.8	956.3	+ 360.5
Prozentuale Zunahme . .			100	160	+ 60
					

Innerhalb des ersten Kriegsjahres hat sich also die japanische
Staatsschuldenlast um 60°/g vermehrt.
        <pb n="54" />
        ﻿46

Trotz und alledem hat man nicht mit den Geldern geknausert und lieber
mehr ausgegeben, sofern mau dadurch sich in der Zukunft sichere Ein-
nahmen zu verschaffen glaubte; die Produktivkräfte des Landes, sowie
der Handel sind stets in freigebigster Weise finanziell gefördert worden.
Außerdem hat der Krieg dazu geführt, daß man sich in erhöhtem Maße
der Pflege und Besserung der finanziellen Mittel der Gemeinden auf
alle mögliche Art gewidmet hat, besonders wurden im Interesse der
Gemeindefinanzen Aufforstungen vorgenommen und umfangreiche Fisch-
znchtanlagen eingerichtet, die späterhin den Gemeinden dauernd Er-
trägnisse abwerfen werden. Neben diesen Maßnahmen, deren Tendenz
sich auf die Erzielung späterer Einnahmen der Gemeinden und Land-
kreise erstreckt, hat man auch nicht versäumt, dort wo es angängig war,
eine Erhöhung der augenblicklichen Einnahmen zu erreichen. So hat
man in denjenigen Gemeinden des Regierungsbezirks Jamaguchi, wo
die Gemeindelandsteuer und die Haussteuer verhältnismäßig niedrig
angesetzt waren, eine außerordentliche Erhöhung dieser Steuern zu dem
Zwecke durchgeführt, um dadurch die Errichtung der Kriegsandenken-
vermögen zu befördern. In ähnlicher Weise hat im Regierungsbezirk
Jschickama die Einwohner veranlaßt, den Gemeinden oder den Schulen
Vermögensanteile zu stiften, anstatt kleine Geldsummen fiir militärische
oder Marinezwecke dem Ministerium einzusenden. Da man dann diese,
den Gemeinden so zugeflossenen Gelder zum Ankauf von Kriegsschatz-
scheinen verwandte, so erzielte man hierdurch einen doppelten Erfolg:
einmal bekam der Staat auf diese Weise, vorher genau fixierbare Geld-
beträge für seine Schatzscheine, anstatt auf die unbestimmbaren Er-
trägnissekollektenartig eingehender Geldsummen angewiesen zu sein, zweitens
stärkten die Gemeinden ihre finanzielle Position durch solche Einnahmen
und erhöhten dadurch ihre finanzielle Selbständigkeit für späterhin.

In dem Landkreise Jruma des Regierungsbezirks Saitama hat
man zum Andenken an den augenblicklich sich abspielenden Krieg einzelne
Vermögen der Schule gestiftet, und so den Grund für eine Kapital-
ansammlung gelegt, aus der die finanziellen Bedürfnisse fiir die geistige
Erziehung der Jugend bestritten werden sollen. Neben diesen fundamen-
talen Neuerungen oder Stiftungen, die alle darauf hinauslaufen, in
diesen schweren Kriegszeiten dem Staate zu helfen, die finanziellen
Lasten tragen zu können, hat man auch in der Verwaltung verein-
fachtere Prinzipien zur Durchführung gebracht; so wurde in dem Dorfe
Dohi im Landkreis Takata des Regierungsbezirkes Shidznoka ein ver-
bessertes System der Entrichtung der öffentlichen Abgaben eingeführt,
wodurch erhebliche Kostenersparnisse in der Verwaltung erzielt wurden.

Wenn man die Gesanitwirkungen, welche der Krieg auf die japa-
        <pb n="55" />
        ﻿47

nische Volkswirtschaft hervorgerufen hat, betrachtet, so muß man
folgende Kardinalpnnkte hervorheben. Japan hat während des Jahres
1904 durch erhöhte Steuerleistung 62 Millionen Jen und durch Auf-
legung von Anleihen 280 Millionen Jen mehr als gewöhnlich von
dem Jnlandskapital gebraucht, um sie für die Zwecke des finanziellen
Kriegsbedarfs bereit zu stellen, ferner hat Japan rund eine Million
feiner Söhne auf den Kampfplatz hinausgesandt.

Es läßt sich nicht leugnen, daß die japanische Volkswirtschaft durch
solche außergewöhnliche Belastungen schwer bedrückt wird, aber die
starkentwickelten lebenskräftigen Eigenschaften der japanischeil Volks-
wirtschaft und vor allem die Energie des Volkes selbst verhindern es,
daß im japanischeil wirtschaftlichen Leben sich irgendwelche Verwirrungen
oder gar krisenartige Störungeil zeigen. Gerade wegen dieses Punktes
war man in japanischen leitenden Kreisen besorgt, ob nämlich die wirt-
schaftliche Kraft Japans genügend stark sei, um die enormen Lasten
eines Krieges, von dem man kein Ende absah, tragen zu können. Daß
Militär und Marine genügen und ihre Pflicht völlig erfüllen würden,
davon war man in jenen Kreisen aufs bestimmteste überzeugt. Im
allgemeineil hat nun die japanische Volkswirtschaft keinerlei bedeutenden
Schaden erlitten, sondern die Arbeitskraft und der Sparsinn des Volkes
haben die außergewöhnlichen siiiaiiziellen Belastungen des Landes bis-
her noch zil tragen vermocht, selbst der Geldinarkt des Landes trügt
noch keine besonders ungünstige Signatur und die Steigerung des
Zinsfußes war vorläufig nur gering.

Eine recht lebhafte Gestaltung wies sogar der Außenhandel Japans
auf, und es gab im Lande eigentlich nur sehr wenig arbeitslose Leute.
Ebenso waren die Landwirte trotz des Krieges mit ihrer Lage völlig zufrieden.

Natürlich sind nun nicht alle die großen Kapitalien, welche für
den Krieg verwandt wurden, zu rein unproduktiven Zwecken aufge-
braucht worden, vielmehr haben sie znin Teil auch sehr produktive An-
lage gefunden, die dem Handel nild der gewerblichen Tätigkeit zu Nutzen
gereichten. Wenn die japanische Regierung für den Kriegsbedarf
enorme Mengen von Flanellhemden kauft, so hebt sie damit unwill-
kürlich die Leistungsfähigkeit dieses Industriezweiges, indem sie ihn
jetzt stark anstrengt und ihn zwingt, durch Nenanlage von Maschinen
sich für die spätere Zuknirft wirtschaftlich zu stärken. Ebenso erfährt
die Landwirtschaft durch die großen Ankäufe von Stroh und anderen
Kriegsbedarf eine bedeutende finanzielle Stärkung. Wenn auch vielleicht
die Kaufkraft des einzelnen Mannes durch die erhöhte Steuerlast herabge-
mindert wird, so bringt immer doch der Staat große Kapitalien zum ronlieren,
so daß also das Volk stets einen großen Teil des Geldes auf Umwegen
        <pb n="56" />
        ﻿48

zurückerhält und somit seine wirtschaftliche und finanzielle Position wohl
Schwankungen, niemals aber dauernden Schwächungen unterliegen wird.

Wie es also mit den bedeutenden Kapitalien für die Kriegsführung
sich erwiesen hat, daß diese Summen keineswegs alle unproduktive An-
lage fanden und der Volkswirtschaft somit verloren wären, so ist es
auch gleicherweise mit der Situation ans dem Arbeitsmarkte selbst. Der
Fortzug von rund einer Million arbeitskräftiger Männer bedeutet auch
nicht einen gleich großen Ausfall produktiver Arbeitsleistung und so-
mit eine Abnahme des Volkseinkommens. Sie wurden durch andere,
in der Heimat zurückbleibende Männer, sowie durch weibliche Arbeits-
kräfte, ja, zum Teil selbst durch Kinder ersetzt; besonders war die
Möglichkeit hierzu bei der Ausübung vieler landwirtschaftlicher Arbeiten
gegeben, die keine hohe Kräfteanstrengnngen erforderlich machen. Natür-
lich gab es vor dem Kriege auch eine ganze Reihe nicht arbeitender
Volkselemente — teils arbeitslose, teils arbeitsscheue — alle diese sind
jetzt zu produktiver Betätigung herangezogen, so daß ein Ausfall an
Arbeitsleistung im Großei: und Ganzen nicht zu erwarten steht.

Überträgt man die Wirkungen des Krieges auf den japanischen
Außenhandel, so muß zugegeben werden, daß einzelne Handelszweige,
die bestimmten Waren herstellen, zwar mehr oder minder schwer ge-
troffen sein mögen, dafür aber sind andere Elemente im Außenhandel
aufgetreten, die nur eine Schwerpunktsverschiebnng bewirkten, während
sogar die Gesamtwertziffern der Ausfuhr liub der Einfuhr eine Zu-
nahme aufweisen. Die Statistik gibt hierüber folgende Aufklärung. Es
betrug in Millionen Jen der Wert der:

	1903	1901	Zunahme  absolut	Zunahme in °/o
Ausfuhr . . . .	289.5	319.2	29.7	10.2
Einfuhr . . . .	317.1	371.1	54.0	17.0
Insgesamt . .	600,6	690.4	83.7	13.8

Im Jahre 1904 betrug der Einfuhrüberschuß dem Werte nach
51.9 Millionen Den, auch war die Einfuhrsteigerung gegenüber dem
Vorjahre weit beträchtlicher als die Zunahme der gleichzeitigen Aus-
fuhren. Dieser Umstand findet darin seine Erklärung, daß eine be-
deutende Menge von Waren, wie: Wolle, Eisen, Stahl, Schiffe für den
Krieg benötigt wurden; andererseits wurden vielfach Waren von den
Händlern in größeren Quantitäten als gewöhnlich bezogen, da sie durch
diese Vorhereinfuhr einer außerordentlichen Stenererhöhung aus dein
Wege gehen konnten. Zu solche» Waren gehören z. B. Zucker und
        <pb n="57" />
        ﻿49

Petroleum. Diese beiden Momente haben natürlich ihre Einwirkung
auf die Gestaltung des Außenhandels im Jahre 1904 nicht verhehlen
können. Andererseits bleibt, als eine Folgewirkung der sparsameren
Lebensweise des japanischen Volkes, der bemerkenswerte Umstand zu
konstatieren, daß die Einfuhr von Genußmitteln abgenommen hat.

Die Erhaltung der Seeherrschaft und das Vorrücken der japanischen
Landtruppen haben es vermocht, daß der japanische Außenhandel un-
bekümmert um die kriegerischen Ereignisse ruhig seinen Entwicklungs-
gang vorwärtsschreiten konnte und wenn auch, wie oben bereits er-
wähnt, einzelne Industrie- bzw. Warenzweige gelitten haben, so konnte
doch die aufwärtsstrebende Gesamttendenz des japanischen Außenhandels
keinen Augenblick aufgehalten werden und durch die Aufrechterhaltung
der Produktionskrast des Volkes selbst, wurden die unvermeidlichen
Einfuhrüberschüsse während der Kriegszeit auf ein möglichstes Minimum
herabgedrückt.

Wenn man den japanischen Außenhandel jedoch nach seinen
monatlichen Ausweisen betrachtet, so findet man, daß er im Jahre 1904
auch schwere Zeiten durchgemacht hat, besonders, als der Handelsflotte
zu Anfang des Krieges viele Schiffe eben zu Kriegszwecken entzogen,
oder von der russischen Wladiwostok- oder Port Arthtirflotte zerstört
waren. Zwar haben die Dampfschiffgesellschaften durch Ankäufe von
Schiffen im Auslande diesem Mangel wieder abzuhelfen vermocht, aber
die Wirkung auf den japanischen Außenhandel läßt sich, wie die folgende
Statistik zeigt, nicht verkennen:

Wert der Einfuhr und Ausfuhr in Millioneit Jen.

Monat	1903	Ausfu  1904	hr  Vergleich		1903	Einfu  1904	hr  Vergleich	
Januar . .	20.4	20.7	+	4.3	24.5	28.4	+	3.8
Februar . .	188	23.2	+	4.4	24.1	30.1	+	5.9
März . . .	21.1	22.3	+	1.2	34.7	34.2	—	0.4
April . . .	21.4	20.8	—	0.5	33.0	31.2	—	1.8
Mai . . .	23.3	23.4	+	0.09	26.6	35.3	+	8.7
Juni . . .	20.6	22.7	+	2.0	22.7	23.3	+	0.5
Juli . . .	22.6	22.3	—	0.2	27.9	23.4	—	4.5
August . .	31.0	29.7	—	1.8	31.4	28.7	—	2.7
September .	28.1	31.0	+	2.8	19.9	30.9	+	10.9
Oktober . .	30.3	34.8	+	4.4	22.0	33.4	+	11.8
November .	24.7	34.6	+	9.9	22.0	33.5	4-	11.5
Dezember. .	26.5	28.9	+	2.4	27.6	38.4	+	10.8
Insgesamt . |	289.5	319.2	+ 29.7 !		317.1	371.1	+ 54.0	

Wenn man die einzelnen Warengattungen im Außenhandel, bei
denen sich infolge des Krieges vorzugsweise eine Verschiebung bemerklich

Kambe, Der russisch-japanische Krieg.	4
        <pb n="58" />
        ﻿50

machte, des Näheren untersucht, so ist vor allem zu erwähnen, daß
die Ausfuhr von Steinkohlen und Seegras bedeutend abgenommen,
jene von Rohseide und Tintenfischen dagegen stark zugenommen hat.
Diese Erscheinungen im auswärtigen Handel lassen sich dadurch er-
klären, daß der Jnlandsverbrauch an Kohlen durch den Krieg mittelbar
und unmittelbar stark gestiegen ist und infolgedessen die Ausfuhr von
selbst zurückging; die Ausfuhr von Seegras wurde dadurch gehemmt,
daß der Gewinnungsplatz desselben nach der russischen Küste zu belegen
ist und somit durch die russische Flotte von Wladiwostok aus häufigen
Bedrohungen ausgesetzt war. Maßgebend für die gesteigerte Ausfuhr
von Rohseide war der Umstand, daß dieselbe zumeist nach Nord-
amerika exportiert wird, die dortigen günstigen wirtschaftlichen Ver-
hältnisse starke Nachfrage hervorriefen und die Schiffahrt keinerlei
Störung durch die Russen ausgesetzt war. Die Ausfuhr von Tinten-
fischen erfolgt vorwiegend nach Hong-Kong, Schanghai und Indien und
konnte sich ungestört weiter entwickeln, da die Schiffahrt dorthin
ungehindert blieb.

Wesentlich anders als im auswärtigen Handel entwickeln sich
jedoch mit dem Kriege die Verhältnisse auf dem japanischen Jnlands-
markte. Hier brachte der Krieg zunächst naturgemäß eine ganze Reihe
kleinerer oder größerer Verschiebungen, die den ob solcher unvorher-
gesehener Momente stutzig gewordenen Kaufmann veranlaßten, mit
seinen Einkäufen zurückzuhalten. Da man den Verlauf oder gar den
Ausgang des Krieges nicht übersehen konnte, so wurde die Inlands-
nachfrage allgemein bedeutend eingeschränkt und der ganze japanische
Handel im Inland lag sozusagen danieder. Erst die fortgesetzten Siege
zur See und • auch zu Lande ließen, besonders nach der Schlacht bei
Kiu-lien-cheng am 1. Mai hierin einen Wendepunkt eintreten; der
Kaufmann überzeugte sich allmählich von der Sicherheit seiner Position,
Kredit und Bedarf im Inland stiegen, so daß bald wieder normale
Verhältnisse allerorts angetroffen wurden. Sehr bald erkannte an den
finanziellen Erfolgen ihrer neuen gesteigerten Tätigkeit die japanische
Geschäftswelt, wie unangebracht es gewesen war, den Inlands bedarf so
stark einzuschränken. Alles atmete hier bald wieder gesundes Leben und
jeder japanische Seesieg stärkte die wirtschaftliche Position des Kauf-
mannes im Inland. Seit Mitte August 1904 geht in Japan alles
Geschäftsleben seinen normalen gewohnten Gang wie bisher.

Einen bedeutsamen Unterschied zwischen dem auswärtigen und
dem inländischen Handel hat man jedoch für die Zeit des Niederganges
derselben zu konstatieren. Die Niedergangsperiode im auswärtigen
Handel machte sich nur in denjenigen Gegenden Japans bemerklich,
deren Geschäftsverkehr sich besonders nach Korea und Nordchina er-
        <pb n="59" />
        ﻿51

streckt, also in dem Gebiete von Nagoya bis Okayama, dessen Mittel-
punkt Osaka und Kobe bilden. Hier trat der geschäftliche Niedergang
in seinen Anfängen bereits im Oktober 1903 ein, er erreichte in den
Monaten Februar, März und April 1904 seinen Höhepunkt und litt
besonders unter dem Gefühl der Unsicherheit und dem Mangel an
Schiffen. Dadurch, daß Nordamerika und europäische Machtstaaten
sich bemühten, den Kriegsschauplatz auf Korea und die Mandschurei zu
beschränken, wurde die ungünstige Lage des auswärtigen Handels etwas
gebessert, und bald brachte eine starke Ausdehnung des japanischeil Ab-
satzes in Nordainerika und Europa noch weitere Steigerung. Nach vier
oder fünf Monaten des Niederganges war also wieder eine Periode des
Aufschwungs hier zu verzeichnen.

Jni Gegensatze hierzu war der Niedergang auf dem Jnlandsmarkte
ein allgemeiner, der sich auf das ganze Land erstreckte und zudem auch
zeitlich länger ausgedehnt war. Auch hier wird der stärkste Tiefstaild in
der Zeit voni Februar bis April genieldet, die Warentransporte waren
durch die militärischen Transporte stark behindert, der Bankier mit seinen
Krediten sehr zurückhaltend und besonders das Volk äußerst sparsam.
Wcnil hier auch der günstige Verlauf des Krieges naturgemäß Änderung
schaffte, so dauerte die schlechte Geschäftslage immerhin doch wesentlich
länger, als die kurze Niedergangsperiode im auswärtigen Handel währte.

Auf die japanische Gewerbetätigkeit war der Einfluß des Krieges
nicht so bedeutend wie auf den Handel. Der Gewerbefleiß äußert
sich zumeist in Japan in der Form der Hausindustrie oder gar
.als Nebenbeschäftigung, die auszuführen oder nicht auszuführen
voll keiner besvlidereu Fernwirkuilg ist. Auch sind infolge dieses haus-
industriellen Charakters der ganzen Arbeitsbetätigung keine so großen
Kapitalien hier angelegt und nicht so viele Arbeiter an bestimniten
Punkten beschäftigt, als dies in der Fabrik- und Maschinen-Jndustrie
der Fall ist. Ebenso bringt cs der Charakter der Hausindustrie mit
sich, daß die betreffenden Arbeitselemente bei Verfall eines bestimmten
Arbeitszweiges leicht zu einer anderen Arbeit, die ihnen noch Nutzen
bringt, übergehen können. Auch konnten stellenlose Arbeiter schleunigst
die Plätze der ins Feld hinausgezogenen Soldaten annehmen, da die
hausindustrielle Beschäftigung zumeist keinerlei besondere Geschicklichkeit
erfordert; infolgedessen trat in der japanischen Hausindustrie durch den
Krieg auch keine irgendwie bemerkbare Unterbrechung ein. Auch stellen-
lose Arbeiter waren nicht viele vorhanden, denn diejenigen, welche in
der Hausindustrie keine Beschäftigung fanden, erhielten solche bestimmt
in der Landwirtschaft und der ausgedehnten japanischen Fischereitätigkeit,
die beide viele kräftige Männer für den Feldzug gestellt hatten.

Wenn man den Rückgang, welchen einzelne, für den Inlandsbedarf

4*
        <pb n="60" />
        ﻿52

arbeitende Industrien: infolge des Krieges notwendigerweise erlitten haben,
genauer fixieren will, so läßt sich eine derartige Bemessung ziffernmäßig
stets nur mit Schwierigkeiten und immer unter gewissem Vorbehalte geben.
Nach den Urteilen Sachverständiger kann man annehmen, daß die be-
deutendste Industrie Japans, die Textilindustrie etwa 20—30% Einbuße
ihres Absatzes erlitten hat. Ferner die chemische Industrie und die Industrie
der Nahrungsmittel etwa 30—40 %• Diejenige Nahrungsmittelindustrie,
welche in der Hauptsache für Kriegsbedarf arbeitet, ist natürlich voir
der Produktionseinschränkung ausgenoinmen. Eine Reihe verschiedener
kleinerer Industriezweige dürfte ebenfalls in der Niedergangsperiode
mit einer Einschränkung von 30—40% gearbeitet haben. Keinerlei
ungünstige Einwirkung hat der Krieg jedoch auf die Maschinenindustrie
hervorzurufen vermocht.

Andere Industriezweige haben zwar auch Rückschläge zu ver-
zeichnen gehabt, doch waren diese nicht stets als eine Folge des Krieges
anzusehen, sondern sie beruhten häufig auf wesentlich anderer Grund-
lage. So beruht z. B. der Rückgang, welchen die Seidenwebereien in
Nischijin (Kyoto) in der ersten Hälfte des Jahres 1904 erlitten haben,
ans einem Organisationsfehler, steht also mit den Folgewirkungen des
Krieges in keinerlei ursächlichem Zusammenhang. Den Umfang und
die Ausdehnung der einzelnen Industriezweige, welche durch den Krieg
günstig oder ungünstig beeinflußt worden sind, hier näher zu beleuchten,
würde zu weit führen, immerhin mag hervorgehoben werden, daß viel-
fach Jndustrieen durch entsprechende Anpassung an den Inlands- oder
Auslandsmarkt es fertig gebracht haben, sich den schädlichen Einflüssen
der Kriegszeit zu entziehen und häufig ihre wirtschaftliche Position nicht
unwesentlich zu stärken. Besonders haben Webereien, die bisher nur
für den Inlandsbedarf arbeiteten, eine ausgedehnte Exporttätigkeit auf-
genommen. Andere Jndustrieen wieder, deren Absatzgebiete ihnen in-
folge des Krieges völlig verschlossen waren, fanden durch Lieferungen
an Heer und Marine oft reichlich Ersatz; besonders kommen hier in
Betracht die Jndustrieen für Baumwoll-Flanelle, nichtmetallartige Knopfe
und die Sakeindnstrie. Die Baumwollgarniudustrie fand reichliche Be-
schäftigung durch den Export, und die niedrigen Jnlandslöhne brachten
die Industrie der Stroh- und Holzgeflechte zu einer aufsteigenden Ent-
wicklung; dadurch daß die japanischen Bierbrauereien ihr Absatzgebiet
mehr nach Tschifu und Südchina hin verlegten, wußten sie den augen-
blicklichen Verlust von der Mandschurei und Korea in geschickter Weise
zu ersetzen. Infolge der erhöhten Frachten und Versicherungsprämien
für ausländische, amerikanische und europäische Waren nach Korea,
konnte besonders die japanische Papierindustrie dorthin in gesteigertem
Maße liefern; überhaupt waren allgemein die Punkte, wo japanisches
        <pb n="61" />
        ﻿53

Militär hinkam, sofort günstige Absatzgebiete für japanische Waren
aller Art. Infolge des bisherigen siegreichen Verlaufs des Krieges hat
der japanische Handel größere Terraineinbußen also nicht zu erleiden
gehabt, mit Ausnahme vielleicht einiger Sperrungen zu Beginn des
Krieges.

Betrachtet man nun den Einfluß des russisch-japanischen Krieges ans
die Börsen in Japan, so war hier zwar eine Einwirkung zu konstatieren, aber
sie blieb doch weit hinter den pessimistischen Vorahnungen zurück. Die
amtlichen statistischen Berichte bringen uns darüber folgendes Bild:

Jahresende	Körperschaften | Aktiengesellschaften		Total	Zahl der Makler
1903	2	59	61	831
1904	2	54	56	792
Vergleich	—	— 5	— 5	— 39

Betrag der abgeschlossenen Geschäfte und überlieferten Mengen,
u) an bei: Fondsbörsen zu Tokyo und Osaka; in Tausend Stücken.

Ort der Börse	Geschäfte	Januar/Juni  1903	Januar/Juni  1904	Zunahme oder Abnahme
Tokyo . . .	Abgeschlossen	928.0	2014.5	+ 1086.5
	Überliefert	225.3	172.0	_	53.3
Osaka....	Abgeschlossen	849.0	882.3	+	33.3
	Überliefert	106.7	83.6	_	23.1

d) an den Reisbörsen; in Tausend Koku.

Tokyo . . .  Osaka. . . .  Andere Plätze .	Abgeschlossen  Überliefert  Abgeschlossen  Überliefert  Abgeschlossen  Überliefert	9191.8  182.6  3512.8  48.1  18672.7  401.0	6993.2  21.6  2530.2  16.3  13769.9  224.5	-	2198.6  -	161.0  -	982.5  -	31.8  -	4902.8  -	176.4
Insgesamt .	.	Abgeschlossen  Überliefert	31377.4  631.9	23293.2  262.5	-	8084.0  -	369.4
v) Gerste	an der Produktenbörse zu Tokyo; in Tausend Kwan.			
Tokyo - - -	Abgeschlossen  Überliefert	11236.0  757.4	19236.2  733.6	+ 8000.2 - 23.8

Wie ich bereits im Laufe dieser Studie zu erwähnen Gelegenheit
genommen hatte, ist Japan in überaus vorwiegendem Maße ein Agrar-
staat und daher die Blüte seiner Landtvirtschaft für den Staat von
weit größerer Bedeutung als diejenige von Handel und Gewerbe.
Durch den Ausbruch des Krieges hat die ganze Landwirtschaft zunächst
        <pb n="62" />
        ﻿54

schwer gelitten. Zahllose landwirtschaftliche Arbeiter mußten als Sol-
daten ins Feld ziehen, die Einfuhr von Bohnen erlitt eine starke Unter-
brechung, ja, es machte sich sogar ein Mangel an Düngerstoffen be-
merklich. Zudem wurden den Landwirten erhöhte Steuern auferlegt
und ihr Betriebskapital durch Reichsschatzscheine zum Teil in Anspruch
genommen. Trotzdem ersetzten sehr bald die Zurückbleibenden, Alte,
Jünglinge und Frauen die frei gewordenen Arbeitsstellen und bemühten
sich, durch verdoppelten Fleiß und Sparsamkeit den Anforderungen der
neuen Stellungen auch möglichst gerecht zu werden. Zur Düngung der
Felder wurden künstliche Ersatzmittel herangezogen. Die landwirt-
schaftlichen Nebenprodukte wurden zur Deckung des Kriegsbedarfs von
der Regierung aufgekauft. Zudem waren in dem ersten Kriegsjahre
die Witterungsverhältnisse in Japan recht günstige, der Ernteertrag
daher ein hoher, so daß im allgemeinen die Landwirtschaft trotz der
höheren Steuerbelastung ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielte. Infolge-
dessen ist die Stiminung der Landwirte eine vertrauende, und nian
glaubt in jenen Kreisen, daß man die Lasten des Krieges auch bei
noch längerer Dauer desselben werde ertragen können. Die Statistik
der landwirtschaftlichen Hauptprodnkte zeigt — in Millionen Kokn
— die folgende günstige Entwicklung.

Jahr	Reis	Brotgetreide
1895	39.6	19.5
1896	36.2	17.3
1897	33.0	18.0
1898	47.3	20.4
1899	39.6	19.3
1900	41.4	20.3
1901	46.9	20.6
1902	36.9	18.4
1903	46.4	18.5
1904	50.8	19.6
Im Mittel |	42.1	19.3

Unter Brotgetreide werden Gerste, Weizen und Roggen ver-
standen, die im Japanischen den Kollektivnamen Mugi tragen. Die
Durchschnittsziffern beziehen sich nur auf fünf Jahre, da die günstigste
und die ungünstigste Jahresziffer ausgeschlossen wurden, um so ein
normales Durchschnittsergebnis zu erhalten. Eine genauere Betrachtung
der hier angeführten Daten ergibt, daß der Betrag der Reisernte im
Jahre 1904 ein um volle 20 % höherer war als der Durchschnitt für
ein Jahrfünft; der Ernteausfall an „Mugis" hat um 1,6 °/0 zuge-
nommen.
        <pb n="63" />
        ﻿55

Schon ganz allgemein läßt die Steigerung der Ernteergebnisse
einen Schluß auf den gesunden Zustand der japanischen Landwirtschaft
zu, besonders aber muß man die hohe Bedeutung einer günstigen Reis-
ernte für das japanische Wirtschaftsleben nicht vergessen. Bei dem aus-
gedehnten Verbrauch von Reis, den Japan bekundet, ist ein günstiger
Ausfall der Reisernte von einschneidender Bedeutung für das ganze
Wirtschaftsleben der Japaner, und wer diesen Einfluß jenmls kennen
gelernt hat, der weiß auch das günstige Moment zu beurteilen, was
für Japan in Kriegszeiten eine gute Reisernte bedeutet.

Aus Anlaß des Krieges hat auch die japanische Regierung keinen
Augenblick gezögert, durch Vornahme entsprechender großer Arbeiten,
die zum Teil als Notstandsarbeiten betrachtet werden können, der
heimischen Landwirtschaft in den bevorstehenden schweren Zeiten helfend
beiznspringen. Eine Maßnahme in diesem Sinne war die Vornahme
ausgedehnter Neuanpflanzungen von Forsten, wodurch den betreffendeil
landwirtschaftlichen Kreisen liicht nur Arbeitsgelegenheit sowie materielle
Einnahmen gesichert wurden, sondern ihnen auch in der Gestalt des
Waldes ein Fonds für die spätere Zukunft gegeben ist. Diese tu
großem Stile unternommenen Regierungsarbeiten hatten fernerhin auch
das Gute an sich, daß arbeitslosen Elementen au vielen Stellen des
Landes Gelegenheit zur Beschäftigung geboten wurde. Bei diesen Auf-
forstungen waren die ausführenden Organe entweder der Regierungs-
bezirk, der Landkreis oder die Gemeinde, und ebenso war der mit diesen
Neuanpflanzungen — die, wie gesagt, in großem Maßstabe betrieben
wurden — verbundene augenblickliche Zweck nicht überall derselbe.
Einnial geschah die Aufforstung aus rein finanziellen Gründen, dann
um etwaiger lokaler Versandung vorzubeugen, ferner zil Zwecken der
Volksschule oder des roten Kreuzes. Aber auch aus allgenieiu volks-
wirtschaftlichem Interesse, lediglich um Arbeitsgelegenheit zu bieten. —

Einige kurze Beispiele mögen dazu dienen, den Wert und die Be-
deutung dieser Aufforstungen zu illustrieren.

Im Regierungsbezirk Kagoschima wurde beschlossen zum Andenken
an den gegenwärtigen Krieg und zwecks späterer finanzieller Einnahmen
umfangreiche Neuanpflanzungen vorzunehmen. Nach einem aufgestellten
Plan, der Genehmigung gefunden, hat jedes Haus durchschnittlich ein
Zehntel Cho Forst anzupflanzen. Da nun innerhalb dieses Regierungs-
bezirkes etwa 200000 Häuser bewohnt werden, so entstehen infolge
dieses Beschlusses rund 20000 Cho neuer Forst, dessen Jahresertrag
später auf jährlich eine Million Jen geschätzt wird. Da diese Neuan-
pflanzungen völlig den Charakter einer freiwilligen Gemeinschaftsleistung
tragen, so entstehen keinerlei Kosten, sondern jegliche Arbeitsleistung da-
bei erfolgt ohne irgendwelches Entgelt. In anderen Regierungsbe-
        <pb n="64" />
        ﻿56

zirken, wie Aichi, Schiga, Gifu wurden in ähnlicher Weise Nen-
forstuugen vorgenommen, ebenso in den Regierungsbezirken Jschikawa
und Saitama, wo man die Setzlinge seitens der Bezirksverwaltnng
gratis lieferte und von der Bevölkerung nur das Anpflanzen der-
selben verlangte.

Im Landkreis Koga des Regierungsbezirkes Schiga wurden 18000
Setzlinge zu einem neuen Forst angepflanzt, dessen Erträgnisse für die
Zwecke des roten Kreuzes bestimmt wurden. In dem gleichen Land-
kreis brachte das Dorf Jwane als Kriegsandenken die Beforstung
großer Sandflächen — zwecks Verhütung weiterer Versandung — zur
Durchführung. Die sämtlichen Dorfbewohner, sogar die Kranken hatten
sich an der Anpflanzung beteiligt, und so waren innerhalb dreizehn
Tagen 300 Cho Land mit vier Millionen Setzlingen bepflanzt worden.
Gewiß eine hervorragende Leistung!

Andere interessante Aufforstungen oder Neuanlagen von Forsten
aus Anlaß des Krieges wurden von der Schuljugend zu Zwecken der
Volkserziehung vorgenommen, so in den Landstädten und Dörfern Usui,
Nakasato, Kamikawa u. a. m. Des weiteren bildete der Krieg die
Veranlassung dazu, daß ausgedehnte Ödländereien der Kultur unter-
worfen wurden, deren Erträgnisse dann zuweilen neue Einnahmen
eines Dorfes oder einer Gemeinde bedeuteten, so z. B. im Dorf Otsuka
des Regierungsbezirkes Iamanaschi. Ebenso war es der Krieg, welcher
die Zusammenlegung kleinerer und unzweckmäßig verteilter Grundstücke
zu größeren Betriebseinheiten in ein schnelles Tempo brachte. Dieses
Verfahren wurde seitens der japanischen Regierung schon vor dem
Kriege ans Gründen der Produktionspolitik mit allein Nachdruck unter-
stützt, da man den sozialpolitischen Wert größerer landwirtschaftlicher
Betriebe für Japan längst erkannt hatte. Hier sind die Regierungs-
bezirke Jbaraki, Aichi, Akita, Fukuschima u. a. zu erwähnen. Im Re-
gierungsbezirk Jbaraki stehen z. B. 87000 Cho Reisfelder unter
Kultur, von denen jedoch etwa 70°/0 zu feucht — beinah sumpfig —
sind. Durch geeignete Zusammenlegung und gemeinschaftliche Bewirt-
schaftung dieser Äcker ist es nun möglich geworden, 60000 Cho Acker-
land trocken zu legen und auf diesem so verbesserten Boden statt wie
bisher nur eine, jetzt jährlich zwei Reisernten zu erzielen. Für die
Ernte kommen jene 60000 Cho Acker nunmehr also zweimal in Be-
tracht. Zudem erspart man bei dieser Zusammenlegung die vielen kleinen
Feldwege mit ihrem verlorenen Terrain, der Wasserbedarf ist genau
geregelt, der Transport von Düngemitteln und die Bestellung der
Äcker selbst gehen weit leichter von statten und erfordern viel weniger
Arbeitsaufwand. Zudem wurde eine ganze Reihe Verbesserungen in
die japanische Landwirtschaft eingeführt, die aus der Notwendigkeit

■i
        <pb n="65" />
        ﻿57

entspringen, welche durch den augenblicklichen Krieg bedingt ist. So
fanden als Ersatz für die auf den Kriegsschauplatz abgegebenen Pferde
vielfach Maschinen in der Landwirtschaft Verwendung und dem Mangel an
Düngemitteln wurde durch die Bereitung von Kompost und die Verwen-
dung künstlicher Düngstoffe begegnet. Beim Trocknen des Reis wurde
eine bessere Beaufsichtigung durchgeführt und dadurch bewirkt, daß die
Qualität des getrockneten Reis eine wesentlich bessere wurde, als dies
früher der Fall war. Auch wurden zahlreiche landwirtschaftliche Versuchs-
stationen errichtet, deren Zweck es ist, der Einführung und Verbreitung
landwirtschaftlicher Verbesserungen zu dienen. Landwirtschaftliche Neben-
arbeiten, wie Hühnerzucht, Stroh- und Mattenflechterei fanden überall eif-
rige Anregung und Unterstützung seitens der staatlichen Aufsichtsorgane.

Geht man dazu über, den Einfluß des Krieges auf die Viehzucht
fn Japan zu untersuchen, so bemerkt man, daß der Krieg hier nur
günstige Wirkungen geäußert hat; besonders die Pferdezucht und die
Rindviehhaltung haben einen bedeutenden Aufschwung zu verzeichnen.
Der große Bedarf der Armee an Pferde», sowie an Schlachtvieh bilden
hier die grundsätzliche Veranlassung zu erhöhter Wirtschaftstätigkeit.

Auch die Fischerei kann vou einer eigentlichen Schädigung ihres
Gewerbes infolge des Krieges nicht sprechen, wenn auch zeitweilig
die russische Flotte aus Wladiwostock einigen Schaden anzurichten ver-
mochte. Zudem betreibt Japan vielfach fernab feiner eigenen Küsten
intensive Hochseefischerei, wo russische Schiffe nicht hingekommen sind.
So ziehen die Fischer des Regierungsbezirkes Hyogo hinaus auf das
koreanische Meer, ja selbst nach Manila und auf den stillen Ozean.
Im Inlands wurde z. B. im Regierungsbezirk Schiga eine ausgedehnte
Karpfenzncht angelegt, die als Kriegsandenken gilt und aus ihren Er-
trägnissen dem Bezirke fortlaufende Einnahmen erbringt.

Nachdem somit in Vorstehendem der Einfluß des Krieges auf die
hervorragendsten Faktoren des japanischen Wirtschaftslebens möglichst
eingehend und kritisch untersucht worden ist, erübrigt es nun noch zu
erforschen, welche Wirkung der Krieg auf den japanischen Geld- und
Kapitalmarkt auszuüben vermocht hat, zumal infolge des Krieges der
japanischen Volkswirtschaft bedeutende Kapitalien entzogen worden sind.
Hier ergibt nun die Analyse, daß die Verhältnisse keineswegs so un-
günstig liegen, wie man vielleicht hätte erwarten dürfen, vielmehr sind
genügend Anzeichen vorhanden, aus denen sich schließen läßt, daß die
finanzielle Situation sich sogar noch gehoben hat. Zwar hat der
Metallvorrat in den Banken abgenommen und die Menge der ausge-
gebenen Noten ist gestiegen, aber nicht in einem solchen Umfange, daß
hier ernstliche Bedenken oder gar Befürchtungen am Platze wären. Die
Spareinlagen in den gewöhnlichen Banken, die Sparbanken und den
        <pb n="66" />
        ﻿58

Postsparkassen weisen eine beträchtliche Zunahme auf, obwohl die Zinsen
im allgenieinen niedriger sind als vor Ausbruch des russisch-japanischen
Krieges. Gestiegen sind die Bankvorschüsse und die dafür zu entrichtenden
Zinsen, ebenso nahni die Zahl der durch die Abrechnungsstellen ge-
gangenen Wechsel und Checks erheblich zu. Wenn man alle diese Er-
scheinungen zusammenfaßt, so bedeutet es nichts anderes als, daß
während der Kriegszeit die Sparsamkeit der Japaner eine größere ge-
worden ist, die produktiven Geschäfte sich energisch weiterentwickelt
haben und der Kreditverkehr einen regen Aufschwung genommen
hat — die Grrmdlagen und die Kräfteentfaltung zeigen also völlig
gesunde Struktur.

Wenn man einen Vergleich über die Höhe der umlaufenden
Banknoten des Jahres 1904 mit dem Jahre 1903 anstellt, so findet
man, daß im Jahre 1904 eine allmähliche Steigerung im Monat
Juni ihren Anfang nahm, um im Dezember den Höhepunkt zu erreichen.
Im Monat Juni 1904 war der Betrag umlaufender Banknoten um
21 Millionen Jen höher als im Juni 1903, im Dezember bezifferte
sich dieser Unterschied gegenüber dem Vorjahre ans 53 Millionen Jen-
Hierbei muß jedoch im Auge behalten werden, daß von dieser letzten
Summe rund 26 Millionen Jen nach dem Kriegsschauplatz überwiesen
worden sind. Auch brachte naturgemäß der bevorstehende Jahreswechsel einen
erhöhten Geldbedarf mit sich und wirkte somit auf die Höhe der Noten-
ausgabe, allerdings nur für kurze Zeit. Von 286 Millionen Jen
umlaufender Banknoten gegen Ende Dezeniber 1904 fiel dieser Betrag
aus 254 Millionen Jen am 10. Januar 1905. Man sieht also, daß
diese Anspannung des Jnlandsgeldmarktes nur eine kurze Zeit dauerte
und auch bezüglich ihrer Höhe nichts außergewöhnliches an sich hatte.
Um die Metallreserve für die ausgegebenen Banknoten auf der not-
wendigen Höhe zu erhalten, wurden einerseits Anleihen im Auslande
aufgenommen, andererseits der Zinsfuß um etwas erhöht. Die Wirkung,
dieser Maßnahmen zeigt die folgende Statistik.

(Tabelle hierzu auf Seite 89.)

Will man die Gesamtsituation des japanischen Geldmarktes be-
leuchten, so muß die erste Hälfte des Jahres 1904 im allgemeinen als
schlaff bezeichnet werden, die Bankvorschüsse waren nur um ein Ge-
ringes höher als in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. In der
zweiten Hälfte des Jahres 1904 machte sich jedoch eine kräftige Be-
lebung des Marktes bemerklich und die Bankvorschüsse in den bedeu-
tenderen Städten des Landes erreichten die Höhe von 475 Millionen
Jen, d. h. k2,4 Millionen Jen mehr wie zum gleichen Zeitpunkt des
Vorjahres. Die Banken in Tokyo notierten damals an Vorschüssen
170 Millionen Jen, was gegenüber dem Vorjahre ein Mehr von
        <pb n="67" />
        ﻿59

18 Millionen Den bedeutet; es war dies der höchste Betrag während
des ganzen Jahres 1904. Zu jener Zeit — im Juli — erhöhte auch
die Bank von Japan den Diskontsatz um 2 Rin für 100 Jen tägliches
Geld und bei dem Verein der Tokyoter Banken erreichte Privatdiskout
im Monat August 2 Sen 2 Rin. Von dieser Zeit an nahm die Höhe
der Bankvorschüsse bei dem Verein der Banken von Tokyo ab, um
gegen Ende des Jahres 1904 wieder auf 161 Millionen Jen anzu-
steigen, wodurch dem Vorjahre gegenüber ein Mehr im Dezember von
7.4 Millionen Jen erreicht wurde.

Monat	Betrag der umlaufenden Bank- noten in Millionen Den			Betrag der Metallreserve in Millionen Jen		
	1903	1904	Vergleich	1903	1904	Vergleich
Januar	229.9	214.5	— 15.2	110.5	105.9	— 4.6
Februar	205.0	221.8	+ 16.8	108.9	100.9	— 8.0
März	209.1	218.1	+ 4.3	103.1	92.1	— 16.0
April	206.2	199.0	—	7.2	109.8	80.8	— 29.0
Mai	191.9	199.9	+	7.9	111.6	68.0	— 43.5
Juni	210.6	232.0	+ 21.4	113.0	92.7	— 20.2
Juli	201.4	232.7	+ 31.3	114.7	109.5	— 5.2
August	218.5	240.3	-j- 21.8	115.6	117.2	1.6
September	205.4	239.9	+ 34.4	116.0	110.0	— 6.0
Oktober	209.2	240.9	+ 31.7	116.4	99.1	— 17.8
November	201.5	248.0	-j- 46.5	114.5	84.9	— 29.5
Dezember	282.9	286.6	+ 53.7	116.9	83.5	— 33.3

Mit dem Ende des Jahres 1904 erhöhte die Bank von Japan
ihren Zinssatz um weitere 2 Rin, und der Verein der Tokyoter Banken
berechnete damals 2.25 Sen für tägliches Geld. Allgemein also stiegen
während des Verlaufes des Jahres 1904 trotz des Krieges die gesamten
Bankvorschüsse gegenüber dem Vorjahre, während der Zinsfuß nur eine
geringe Aufwärtsbewegung verzeichnet. Japans Handel und Industrie
verraten also — wie auch schon früher gezeigt wurde — eine gesunde
Weiterentwicklung während des Kriegsjahres, und ebenso erwies sich die
japanische Bankwelt stark genug, um Herr der Situation zu bleiben.
Die einzelnen Phasen in der Entwicklung des Geldmarktes werden durch
die folgende Statistik des Näheren illustriert.

(Tabelle hierzu auf Seite 60.)

Während nun schon die Bankvorschüsse im Jahre 1904 allgemein
eine Erhöhung gegenüber dem Vorjahre aufwiesen, tritt der gleiche
Umstand noch deutlicher bei einem Vergleich der Bankeinlagen hervor.
Die Bankeinlagen haben während des Jahres 1904 bei dem Verein der
        <pb n="68" />
        ﻿60

Am Ende des Monats	Betrag der Vorschüsse im Verein der Banken zu Tokyo. Millionen Den			Betrag der Vorschüsse im Verein der Banken zu Osaka. Millionen Den		
	1903	1904	Vergleich	1903	1904	Vergleich
Januar	142.8	190.4	4- 8.9	89.5	88.4	— 1.0
Februar	145.9	151.1	+ 3.2	90.0	89.0	— 1.0
März	149.1	148.8	— 0.2	89.5	87.9	— 1.6
April	149.7	147.3	— 2.4	90.5	89.5	— 0.9
Mai	149.8	150.9	+ 1-1	88.2	89.8	+ 1.5
Juni	155.4	159.5	+ 4.0	87.5	85.1	— 2.3
Juli	154.0	169.8	-j- 15.7	86.8	86 5	— 0.2
August	152.8	170.9	-j- 18.1	87.3	84.0	— 2.3
September	150.2	170.2	4- 20.0	87.1	77.4	— 9.7
Oktober	149.2	163.6	4- 14.3	86.2	76.9	— 9.2
November	147.8	161.1	+ 13.3	86.6	78.8	— 7.7
Dezember	153.8	161.3	-)- 7.4	87.9	83.0	— 4.9

Höhe des Zinsfußes (Einheit.: 1 Sen)

Monat	Tokyo			Osaka		
	1903	1904	Vergleich	1903	1904	Vergleich
Januar	2.30	2.03	— 0.27	2.08	1.85	— 0.23
Februar	2.25	2.13	— 0.12	1.83	2.15	4- 0.32
März	2.12	2.14	0.02	1.70	1.60	4- 0.10
April	2.11	2.12	4- 0.01	1.70	1 80	4- 0.10
Mai	2.11	2.11	—	1.70	1.80	4- 0.10
Juni	2.11	2.17	4- 0.06	1.65	1.85	4- 0.20
Juli	2.09	2.19	4- o.to	1.60	1.85	4- 0.25
August	2.07	2.20	4- 0.13	1.70	1.90	4- 0.20
September	2.04	2.19	4- 0.15	1.55	1.85	4- 0.30
Oktober	2.00	2.19	4- 0.19	1.55	1.98	4- 0.43
November	2.00	2.19	4- 0.19	1.50	1.90	4- 0.40
Dezember	2.02	2.25	4- 0.23	1.75	2.05	4- 0.30

Banken zu Tokyo und Osaka ständig zugenommen, sie stiegen in Tokyo
von 8 auf 26 Millionen Jen und weisen nur in Osaka eine nicht
absolut regelmäßige Steigerung auf. Da die Einlagen der gewöhnlichen
Banken in der Hauptsache ans stets fälligen Depositen bestehen, so
bedeutet die Zunahme dieser Einlagen eine besonders lebhafte Gestaltung
von Handel und Industrie ini Lande. Ebenso wie die aus der in-
dustriellen und gewerblichen Tätigkeit der Japaner herrührenden Bank-
depositen einen höheren Betrag im Jahre 1904 dem Vorjahre gegen-
über erreichten, haben auch die Spareinlagen — also die persönlichen
        <pb n="69" />
        ﻿61

Gelder einzelner — bei den Banken eine erhebliche Zunahme erfahren;
in Tokyo stieg die Gesamtsumme derartiger Spareinlagen während des
Kriegsjahres 1904 voll 0,6 auf 5 Millionen Jen. Dieser Umstand
ini Verein mit der Zunahme der Einlagen bei den Postsparkassen lassen
deil gesteigerten Sparsamkeitssinn der Japaner deutlich erkennen und
geben Nils gleichzeitig den Anhalt zu einer ziffermäßigen Belegung der
Zunahme des allgemeinen Volkswohlstandes. Die Postsparkassen weisen
nämlich ebenfalls ein Anwachsen der Einlagen um 6,9 Millionen Den
auf, sie erreichten im Dezember 1904 den Gesamtbetrag von achtund-
dreißig Millionen Jen, haben sich also innerhalb des einen Jahres
um 22°/0 vermehrt.

Über diese hier erwähnten bemerkenswerten Erscheimiligen im
japanischen Wirtschaftsleben bringen die folgenden statistischen Daten
eingehende Aufklärung, wobei sämtliche Summen in Millionen Jen
angesetzt sind.

a. Betrag der gewöhnlichen Einlagen im Verein der Banken zu Tokyo
und Osaka, Millionen Den.

Am Ende des Monats	Tokyo			Osaka		
	1903	1904	Vergleich	1903	1904	Vergleich
Januar. .	128.1	141.6	-st 13.5	73.7	79.5	-st 5.8
Februar	131.7	143.1	4- 11.3	75.8	77.2	-st 1.4
März . .	132.6	142.2	+ 9.5	76.7	81.0	-st 4.3
April . .	132.7	141.5	-f 8.7	75.3	79.1	-st 3.8
Mai . . .	134.5	146.1	+ 11.6	76.9	79.3	-st 2.4
Juni. . .	132.8	150.8	+ 17.9	77.7	74.8	— 2.8
Juli . . .	132.6	159.1	4- 26.5	78.4	78.5	-st 0.03
August . .	135.6	154.1	4- 18.4	76.7	76.1	— 0.5
September .	139.9	155.1	4- 15.1	79.2	78.6	— 0.5
Oktober. .	139.3	156.9	4- 17.6	80.8	78.4	— 2.3
November .	142.1	151.8	4- 9.7	79.4	84.0	-st 4.5
Dezember .	141.6	155.0	4- 13.4	80.5	85.0	-st 4.5

l». Betrag der Spareinlagen im Verein der Banken zu Tokyo und
Osaka, Millionen Den.

Am Eude des Monats	Tokyo			Osaka		
	1903	1904	Vergleich	1903	1904	Vergleich
Januar . .	16.0	21.2	-st 5.2	25.4	28.8	-st 3.3
Februar. .	18.6	21.8	-st 3.2	25.9	28.5	-st 2.6
März . .	18.8	22.4	-st 3.5	25.9	28.8	-st 2.9
April . -	17.6	18.8	-st 1.2	26.5	28.7	+ 2.1
Mai. - -	19.7	22.2	-st 2.5	27.6	29.0	+ 14
Juni. - -	19.9	21.4	-st 1.5	28.0	28.6	-st 0.5
        <pb n="70" />
        ﻿62

Fortsetzung von Seite 61.

Am Ende des Monats	Tokyo			Osaka		
	1908	1904	Vergleich	1903	1904	Vergleich
Juli . . .	21.3	23.8	+ 2.4	28.7	29.4	+ 0.7
August . .	21.8	24.0	+ 2.2	28.8	29.2	+ 0.3
September .	21.9	23.7	+ 1.8	29.0	29.5	+ 0.4
Oktober . .	22.0	22.6	+ 0.6	29.0	29.7	4- 0.6
November .	21.5	23.2	+ 1.6	28.9	29.9	4- 0.9
Dezember .	20.2	28.7	+ 3.5	28.2	30.4	+ 2.2

e. Betrag der Postspareinlagen in Millionen Den.

Am Ende des Monats			
	1903	1904	Vergleich
Januar . .	28.3	31.2	+ 2.9
Februar . . I	28.7	30.7	+ 1.9
März . . .	29.0	31.0	+ 1.9
April . . .	28.9	31.0	+ 2.1
Mai ■ . . 1	29.1	31.5	+ 2.3
Juni . . . I	30.3	33.3	+ 2.9
Juli . . .	30.6	31.4	+ 3.7
August...	30.9	35.2	+ 4.2
September . !	31.3	36.4	4- 50
Oktober . .	31.7	37.2	
November. . !	31.7	37.7	4- 6.0
Dezember. .	31.2	38.1	+ 6.8

Ebenso wie die Zunahme der Einlagen bei den gewöhnlichen
Banken und den Postsparkassen erkennen lassen, daß das japanische
Volk trotz des Krieges vollständig Herr seiner wirtschaftlichen Kräfte
und damit der ganzen Situation geblieben ist, ebenso wird uns diese
Überzeugung beigebracht, sofern man die Tätigkeit der Wechselabrechnungs-
stellen im Jahre 1904 als Gradmesser des japanischen Geldmarktes
untersucht. Die Zunahme des Betrages der durch diese Abrechnungs-
stellen gegangenen Wechsel und Checks beträgt im Jahre 1904 gegen-
über dem Vorjahre schätzungsmäßig 420 Millionen Pen, wovon allein
291 Millionen auf Tokyo entfallen und dann Osaka mit rund 77 Millionen
Jen folgt. Diese Tatsache läßt uns die Entwicklung erkennen, welche
Handel und Gewerbe in Japan trotz des Kriegszustandes genommen
haben müssen und gleichzeitig kann man daraus einen Schluß auf die
Ausdehnung des Kreditsystems in Japan ziehen. In ihren monatlichen
Ausweisen geben die Abrechnungshäuser zu Tokyo und Osaka uns
        <pb n="71" />
        ﻿63

folgendes Bild über ihre Tätigkeit in den Vergleichsjahren 1903 und 1904.

Betrag der durch die Abrechnungsstellen zu Tokyo und Osaka ge-
gangenen Wechsel und Checks in Millionen Jen:

Monat	Tokyo			Osaka		
	1903	1904	Vergleich	1903	1904	Vergleich
Januar . .	109.9	113.6	-j- 3.8	57.3	64.6	+ 7.2
Februar. .	117.5	132.3	14.8	65.2	69.1	+ 3.9
März. . .	137.1	137.0	— 0.1	76.2	84.3	+ 8.1
April. . .	138.0	145.5	+ 7.5	70.2	73.7	+ 3.4
Mai . . .	121.3	132.5	+ 11.3	61.7	72.6	+ 10.8
Juni. . .	132.2	148.6	16.3	65.1	67.1	4- 2.0
Juli . . .	125.3	146.8	4- 21.4	67.4	63.2	— 4.2
August . .	125.5	173.5	4- 47.9	64.8	75.2	+ 10.4
September.	126.4	160.3	4- 36.9	68.0	77.9	4- 9.8
Oktober. .	137.9	176.6	4- 38.7	73.8	77.4	4- 3.5
November .	128.2	169.1	4- 40.9	69.2	83.1	4- 13.8
Dezember .	162.9	217.8	4- 54.9	81.7	90.0	4- 8.2
Insgesamt.	1562.6	1854.3	+ 291.7	821.2	898.6	+ 77.3

Unterzieht man in gleicher Weise, wie dies bisher geschehen ist,
den Einfluß des Krieges auf den Verkehr einer Kritik, fo ist als Ge-
samtausdruck dieser Untersuchung zu erwähnen, daß die Wirkung als
eine ungünstige nicht bezeichnet werden kann, obwohl natürlich eine
ganze Reihe schädigender Momente hier in die Erscheinung treten, die
unmittelbar mit dem Kriege in Verbindung stehen. So litt z. B. die
Handelsflotte zeitweilig stark unter dem Mangel von Schiffen, da die-
selben für Kriegszwecke seitens der Regierung in Anspruch genommen
waren. Zwar wurde durch Ankäufe im Auslande und Leihverträge
mit fremden Gesellschaften diesem Übelstande schleunigst die Spitze ab-
gebrochen, immerhin aber lassen sich die Wirkungen einer solchen Knapp-
heit an Schiffsraum, selbst durch reichliche Inanspruchnahme fremder,
neutraler Schiffe zu Kausfahrteizwecken, nicht verwischen. Begünstigend
wirkte hierbei immer der Umstand, daß es Japan gelang, die See-
herrschaft in seinen Händen zu behalten. Auf dem Lande wirkte die
starke Inanspruchnahme der Eisenbahnen zil Kriegstransporten auf den
allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr ebenfalls sehr hemmend, zumal
auch alle Neubauten und Verbesserungen an Eisenbahnen und Eisen-
bahnlinien mit Ausbruch des Krieges sofort zurückgesetzt waren, sofern
sie sich eben nicht als unumgänglich notwendig erwiesen. Diese Not-
wendigkeit wurde natürlich mehr durch strategische Momente bestimmt,
als in Rücksicht auf den japanischen Handel. Das Verkehrswesen zu
Lande wurde daher durch den Krieg stärker reduziert als die Schiffahrt.

Trotzdem also der Krieg für das Verkehrswesen eine Reihe von
        <pb n="72" />
        ﻿64

Hindernissen und Erschwerungen mit sich brachte, so fehlte es in dieseir
schwierigen Zeiten doch nicht an einzelnen Neuunternehmungen. Einzelne
Dorfschaften (z. B. Kyokawa) führten Wegeverbesserungen und selbst die
Nenanlage von Wegen auf Gemeindekosten durch; andere, an der Küste
belegene Orte (z. B. Karatsu) nutzten die sich ihnen bietende Gelegenheit
aus, um eine regelmäßige Schiffahrt nach Korea einzurichten. Ähnliche
kleinere oder größere Maßnahmen ließen sich noch weiter aufzählen,
die uns alle den Beweis erbringen, daß die Kriegszeit teilweise auch
anregend gewirkt hat.

Wenn man den Einfluß des Krieges auf die Lage der Ver-
sicherungsgesellschaften beobachtet, seien cs nun Lebensversicherungs-
gesellschaften, Feuer-, Transport- oder Seeversicheruugskompagnien, so
machen sich hier, je nach der Art des betreffenden Versicherungszweiges
verschiedene Wirklingen bemerklich. In bezug auf die Lebensver-
sicherilugsgesellschaften des Inlandes ist zu konstatieren, daß der Ver-
sicherungsbetrag im Ganzell sich zwar vermehrt hat, aber diese Zunahme
ist geringer als in den Vorjahren; dagegen hat sich seit Juni 1904 der
Versicherimgsbetrag bei den ausländischen Lebensversicheruugsgesellschafteu
verringert. Steuererhöhung und Auflage der Staatsanleihen werden
wohl die Momente bilden, weshalb die ausländischen Gesellschaften
weniger Versicherungsabschlüsse gezeitigt haben. Am Ende der hier jeweils
angeführten Monate bezifferten sich die Versicherungsbeträge bei den
29 größten inländischen und der bedeutendsten ausländischen Lebens-
versicherungsgesellschaft in Millionen Jen, wie folgt:

Jahr	Monat	29 Jnlandsgesellschaften	Größte Auslandsgesellschaft
1903	März	204	3.9
	September	212	7.0
1904	März	221	9.7
	Juni	223	10.1
	September	224	9.9

Bei den Feuerversicherungsgesellschaften war die absolute Zunahme
der Versicherungsbeträge noch weit stärker als bei den Lebensversiche-
rungsgesellschaften, obwohl auch hier eine Verringerung der relativeil
Zunahme zu verzeichnen steht. Die Entwicklung der Versicherungs-
beträge bei den 15 bedeutendsten Inlands- und den 5 größten aus-
ländischen Feuerversicheruligsgesellschaften läßt sich aus folgenden Ziffern-
reihen erkennen, welche die Beträge in Millionen Jen angeben:
        <pb n="73" />
        ﻿65

.Jahr	Monat	15 Jnlandsgesellschaften	5 Auslandsgesellschaften
1903	März	497	34
	Septeinber	538	41
1904	März	595	47
	Juni	626	53
	August September  (Ausland)	(Inland)	628	54

Den günstigsten Zustand aller Versichernngszweige zeigt wohl die
Seeversicherung. Einerseits erfreute sich der Schiffsverkehr von und
nach Japan einer steigenden Lebhaftigkeit, besonders da Japan sich die
Herrschaft zur See stets zu erhalten gewußt hat, andererseits machten
die kriegerischen Zeiten dennoch die Warenversicherung zu einer eisernen
Notwendigkeit. Zwar reichen die Versicherungsbeträge für Seetransporte
absolut nicht an jene Summen heran, die vorher mitgeteilt wurden,
immerhin aber läßt die relative Steigerung derselben bei drei inlän-
dischen und fiinf ausländischen Seeversicherungsgesellschaften erkennen,
daß eine lebhafte Inanspruchnahme der Gesellschaften stattfand, die nur
bei den ausländischen Gesellschaften später etwas zurückging. Die Ver-
sicherungsbeträge dieser 8 Seeversicherungsgesellschafteu sind in folgender
Tabelle in Millionen Jen gegeben:

Jahr	Monat	3 Jnlandsgesellschaften	5 Auslandsgesellschaften
1903	März	17.1	3.7
	September	17.2	5.4
1904	März	17.9	6.1
	Juni	18.1	4.1
	August September  (Ausland) (Inland)	20.3	4.9

Die Entwicklung der vier bedeutendsten Jnlandstransportvcr-
sicherungsgesellschaften wird durch folgende Ziffernreihe kurz vor Augen
geführt. Danach waren bei diesen vier Gesellschaften Transporte in
folgenden Werten versichert:

1903

1904

März

September

März

Juni

September

6.0

12.9

11.6

10.1

17.7

Millionen



Yen

In den bisherigen Ausführungen wurden die Wirkungen des
russisch-japanischen Krieges auf die japanische Fiuanzwirtschaft und auf
die produktiven Wirtschaftskräfte geschildert; es bleibt nun noch übrig

Kambe, Der russisch-japanische Krieg.	5
        <pb n="74" />
        ﻿66

in Kürze zu untersuchen, in welcher Weise sich der Krieg auf dem Ge-
biete der Armenpflege und der Fürsorge für die Familien der im Felde
stehenden Soldaten bemerklich machte. Die Sorge für jene Arbeits-
elemente, welche infolge des Krieges arbeitslos geworden sind, war
keine sonderlich große, wie ich bereits im Verlause dieser Studie nach-
gewiesen habe. Es ist in Japan bei der vorwiegend hausindustrielleu
Tätigkeit für die betroffenen Arbeiter ein Leichtes, sich von einem durch
den KAeg ungünstig beeinflußten Erwerbszweig zu einem anderen,
günstigeren hinzuwenden; auch fanden Arbeiter vielfach Gelegenheit
in Stellungen einzuspringen, welche durch Berufung der bisherigen
Inhaber auf den Kriegsschauplatz frei geworden waren. So läßt sich
die Tatsache erklären, daß trotz des augenblicklichen Krieges nur sehr
wenig Arbeitslose in Japan anzutreffen sind.

Anders steht es dagegen um die Fürsorge für die zurückgelassenen
Familien der Soldaten, hier bot sich ein ausgedehntes Feld emsiger
Tätigkeit. In den Städten bemühte mau sich, diesen Familien allerlei
passende Arbeitsgelegenheit zu verschaffen, und auf dem platten Laude
griff Arbeitsbeihilfe statt. So bildete sich in dem Dorfe Nakagawa
unter den zurückgebliebenen Bauern ein Bund, der heimlich die Be-
sorgung der Äcker von Soldatenfamilien übernahm, sofern diese selbst
zur Bestellung ihres Landes nicht in der Lage waren. Sie pflügten
nn£&gt; säten die Äcker ihrer im Felde stehenden Dorfmitglieder und wußten
sich jeder Dankeserwiderung zu entziehen. In den Städten (z. B. Saga)
bildeten sich Fraueuvereine aller Art, die in den Soldateufamilien
Hemden und Unterhosen anfertigen ließen, oder leere Glasflaschen,
Lumpen, Zigarrenspitzen, Abfälle von Wachs u. dgl. sammelten, aus
deren Erlös dann die Familien der Soldaten bezahlt wurden. So
nahm man diesen Unterstützungen den Charakter eines Almosens und
konnte zudem aus dem Reinerträge noch einen gewissen Betrag für
Liebesgaben an die Soldaten zur Verfügung stellen. In Tokyo wurde
eine Kinderbewahraustalt ins Leben gerufen, in der nur Soldateukiuder
Unterkunft fanden, so daß deren erwachsene Familienangehörige unge-
hindert irgend einer bestimmten Beschäftigung sich widmen, oder in die
Fabriken auf Arbeit gehen können. Auch bildete sich hier ein Frauen-
vereiu zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit für die Soldatensamilien.
Ein müderer Verein hat für die Armeeverwaltuug die Uniformschneiderei
übernommen und überträgt nun diese Arbeit den Frauen der draußen
im Felde stehenden Soldaten, so daß also der Familie auf diese Weise
geholfen wird. In den Mariuehasen Iokosuka hat sich ein Pflegeverein
für die Familien der Matrosen und Unteroffiziere gebildet; der Verein
besitzt drei Werkstätten und ein Lazaret. In den Werkstätten werden
Marineuniformeu, Fahnen, Signalflaggen, wasserdichte Kleidersäcke u.a. m.
        <pb n="75" />
        ﻿67

hergestellt und zwar auf Bestellung der Mariueverwaltung. Bei etwa
vorkommenden Erkrankungen wird billige ärztliche Pflege in dem Lazaret
gewährt. In der Nähe dieser Werkstätten soll auch noch ein Kinder-
garten geschaffen werden. In der Stadt Takamatsu wurde eine Unter-
richtsanstalt eröffnet, in der den Soldatenfamilien Unterweisung in.
Anfertigen von Stroh gestechten aller Art gegeben wird, so daß sie hier-
durch sich den nötigen Lebensunterhalt beschaffen können, ohne ans
irgendwelche Almosen angewiesen zu sein. Man bezahlt sogar während
der Lehrzeit bestimmte Arbeitslöhne, und da die Anfertigung solcher
Strohgeflechte keinerlei körperliche Kraftanstrengung bedingt, so können
Kinder und alte Leute sich ihr ebenfalls widmen. In verschiedenen
Regierungsbezirken werden die Familien der Soldaten zum Füllen der
Blechdosen in den Wasserprodnktenversnchsstativnen herangezogen.

Neben all diesen Veranstaltungen, nni die Familien der Soldaten
durch Schaffung von Arbeitsgelegenheit vor Not und Elend zu bewahren,
gibt es natürlich auch eine ganze Reihe von milden Stiftungen, die
besonders jetzt während des Krieges segensreich wirken. Eine der
ältesten dieser Stiftungen wurde im Jahre 1808 unter dem Namen
„Giso" in einer kleinen Landstadt namens Fukuyama errichtet und hat
seit ihrer Gründung schon vielfach auf dem Gebiete der Erziehung, der
Fürsorge und Armenpflege hilfreich gewirkt.

2. Kapitel.

Der künftige Einfluß des russisch-japanischen Krieges auf die
japanische Volkswirtschaft.

Wie schließlich der Krieg ausgehen wird und in welcher Weise
sich Verschiebungen innerhalb der japanischen Volkswirtschaft als Folge-
wirkung des Krieges einstellen werden, das läßt sich heutigentags
noch nicht überblicken. Wenn man überhaupt bei solchen Gelegenheiten
seinen Blick in die Zukunft richten will, um irgend welche Entwicklunge-
aussichten dem geistigen Auge des Beobachters vorzuführen, so läßt die
unsichere Basis eines solchen Gedankenfluges, selbst bei ernstesten und
kritischen Festhalten an der Materie, dennoch zu große Abweichungen
zu, wodurch der wirtschaftliche Wert solcher Zukunftsbilder stets
ein äußerst fragwürdiger wird. Man kann nur an der Hand ver-
gangener Tatsachen und augenblicklicher Erscheinungen des Wirtschafts-
lebens auf die nächste Zukunft einige Schlüsse ziehen, die, nach bestimmter
Richtung hin sachgemäß entwickelt, uns ein Teilbild zu geben vermögen.

Betrachtet man unter diesem Gesichtswinkel die zukünftige Ge-
staltung der japanischen Staatsfinanzen, so ist zunächst anzuführen,
        <pb n="76" />
        ﻿68

daß dieselben nach dem Kriege, sowohl in Einnahmen als auch in
Ausgaben ganz erheblich höhere Sumnien aufweisen werden, als es vor
dem Kriege der Fall war. Solange Rußland etwa gegen Japan rüsten
kann, solange Japan sein Machtgebiet ausdehnen muß, solange
werden die Kosten für Heer und Marine sich andauernd erhöhen. Des
weiteren hat Japan während des jetzigen Krieges seine Staatsschuld
vervielfacht, deren hohe Summen also auch in nächster Zukunft im
Budget erscheinen werden. Als eine naturgemäße Folge des Krieges
dürfte weiter eine erhebliche Znnahnie der Ausgaben für Kultur- und
Wirtschaftszwecke sich einstellen, zu deren Deckung neue Einnahmequellen
erschlossen werden müssen. Diese Erschließung neuer Einnahmen wird
in nächster Zukunft eins der wichtigsten Probleme für den japanischen
Finanzminister bilden. Zwar ließe sich vielleicht die Zahl der Beamten
verringern, aber die Gehälter der übrigbleibenden müssen unbedingt
gehoben werden, so daß also durch diese Maßnahme keinerlei finanzieller
Vorteil für den Staat sich ergeben dürfte.

Man könnte ferner die Kriegsschulden konvertieren, und die kurz-
fristigen Anleihen zu langfristigen umwandeln, um die Last der Zinsen
zu verringern. Alles dies jedoch sind Pläne, deren Verwirklichung auf
mancherlei Schwierigkeiten im In- und Auslande stoßen dürste.

Für die spätere Gestaltung der Lokalfinanzen wird sich ein Einfluß
des Krieges insofern geltend machen, daß die Gemeinden danach streben,
eigenes Gemeindekapital zu besitzen, oder solches zu vermehren, weil sie
nach der Kriegserfahrnng nur dadurch ihre selbständige Position zu
kräftigen vermögen, um schwere Zeiten llberstehen zu können.

Da durch den Krieg der staatliche Finanzbedarf beträchtlich zu-
genommen hat, so wird auch die japanische Volkswirtschaft in Zukunft
durch erhöhte Energie und Leistungsfähigkeit, durch gesteigerte Pro-
duktivität auf der einen Seite, und durch wohlüberlegte und wohl-
angebrachte Sparsamkeit auf der andern Seite, dazu beitragen müssen,
diesen gesteigerten Finanzbedarf des Staates decken zu helfen. In der
Voraussicht dieser wirtschaftlichen Notwendigkeit äußerster Kräfte-
anstrengung hat man in Japan gleich zu Anfang des russisch-
japanischen Krieges alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um sicher
auf dieses Ziel loszusteuern. Die heute bereits im japanischen Volke
geltenden Prinzipien über Sparsamkeit und energische Bekundung regen
Fleißes werden mit Ablauf des Krieges keineswegs verschwinden, sondern
eine dauernde Erscheinung im japanischen Wirtschaftsleben bilden, die
es unbedingt zu einer hohen wirtschaftlichen Blüte führen wird. Wird
der Krieg dann noch zu einein für Japan glücklichen Ende geführt, so
wird sich als ebenbürtige Schwester neben die wirtschaftliche Blüte, die
        <pb n="77" />
        ﻿69

Sicherung der nationalen Existenz Japans als zweite große Folge-
erscheinung des heutigen Krieges stellen.

Eine andere Nachwirkung des Krieges ist das Expansionsgelüst iin
japanischen Handel und Gewerbe, das sich in einer lebhaften Förderung
des japanischen Außenhandels kundgibt. Trotz der bedeutenden Fort-
schritte, die Japans Außenhandel schon zu verzeichnen hat, ist die
japanische Geschäftswelt dennoch nicht damit zufrieden, da dieser Außen-
handel in Vergleich zu dem anderer — europäischer — Länder ihnen
viel zu klein erscheint. Dabei liegen dem Japaner die Ausdehnungs-
möglichkeiten — in territorialem Sinne — vor der Tür, er hat also
nur seine Handelstätigkeit nach weiterblickeudeu Gesichtspunkten zu regeln.
Andererseits verhehlt man sich in den leitenden japanischen Geschäfts-
kreisen durchaus nicht, daß der bisherige Außenhandel unter vielfachen
Übelständen, wie: unpünktliche Lieferung, Unzuverlässigkeit, zu große
Zersplitterung zu leiden hat, Momente, die alle erst allmählich beseitigt
werden können. Das Beispiel einzelner bestimmter Exportindustriezweige
beweist aber schon, daß diese Mängel, sofern sie erst einmal erkannt
und offen zutage gelegt sind, erfolgreich abgelegt werden können.
Daß im allgemeinen die japanische Industrie nicht auf der gleichen
Höhe steht wie ihre Landwirtschaft und besonders Armee und Marine,
liegt in der historischen Entwicklung des Landes begründet. Unter der
Feudalherrschaft stieg der Militarismus zu einer hohen Blüte, und ebenso
war die Landwirtschaft von Alters her bereits bekannt und gepflegt.
Handel und Industrie jedoch erfreuten sich bis in die jüngsten Jahr-
zehnte hinein keiner sonderlicheil Beachtung; sie galten als das Tätig-
keitsfeld dllrchtriebeirer Charaktere, bei denen Betrügen und Betrogen-
werden alltägliche Vorkommnisse bildeten. Zudem war Japan noch vor
vierzig Jahren ein nach Außen hin völlig abgeschlossenes Land, welches
auch im Innern nur schwer zu passieren war inid nur wenige große
Verkehrsstraßen für den Warenaustausch besaß. Seine Wirtschaft war
vorwiegend eine Lokalwirtschaft, aber noch keine Staats- oder gar Welt-
wirtschaft und seineil Kaufleuten fehlte noch damals der weite Blick,
der sich heute als eine Folgeerscheinung des Krieges schon eingestellt
hat. Heute will man Handel und Gewerbe in Japan auf das gleiche
Niveau heben, welches Heer und Marine schon seit langem einnehmen;
alte unbrauchbare und nicht entwicklungsfähige Organe im Handel sollen
abgeschafft und durch neue lebenskräftige und anpassungsfähige In-
stitutionen ersetzt werden. Man will die Produktionsmethoden und die
Arten des Verkaufes verbessern lind einen kräftigeren Ansbau der wirt-
schaftlichen Verbände — herbeiführen. Seitens des Staates sollen
Handelsattaches ins Ausland gesandt werden, um an Ort und Stelle
den Bedarf oder die Produktionsmittel des Landes zli studieren; ebenso
        <pb n="78" />
        ﻿70

sollen Handelsmuseen japanischer Warenerzeugnisse im Auslande er-
richtet werden, um die Aufmerksamkeit fremder Käufer auf japanische
Produkte zu lenken. Japanische Exporteure haben sich zusammengetan,
um in ihrem gemeinschaftlichen ausländischen Absatzgebiet Verkaufsläden
in großem Stil zu errichten und zu unterhalten, wobei die Kosten für
den einzelnen nur gering sind. Ebenso ist man energisch zu einer rationellen
Verbesserung der Hafeneinrichtungen und Verkehrsmittel im Interesse des
Handels geschritten. Als eine Folge des Krieges dürfte Japan auch
eine Revision seines Zolltarifs vornehmen, da infolge der modernen
Entwicklung von Handel und Industrie eine Verschiebung der wirt-
schaftlichen Verhältnisse sich eingestellt hat, die eine Veränderung mancher
Positionen des Zolltarifs wünschenswert erscheinen läßt. Vorläufig
allerdings sind Japan in dieser Beziehung noch für fünf Jahre die
Hände gebunden; außerdem erscheint es noch fraglich, ob etwaige Schutz-
zölle für das Gesamtinteresse des Staates von günstiger Wirkung sein
werden. Wenn man dieselben nationalen Eigenschaften der Japaner,
wie unbeugsamen Fleiß, Energie, Tatkraft und Tapferkeit, welche jetzt
im Feldzuge so großartige Erfolge erbracht haben, auch auf das japanische
Wirtschaftsleben überträgt, so wird auch hier in Zukunft der Erfolg
nicht ausbleiben und die ganze Nation aus einer solchen Jnteressen-
betätignng schließlich ihren Vorteil ziehen. Neben der rationellen Ent-
wicklung der Exportindustrie hat aber auch ein Aufschwung der Industrie
für inländische Bedarfsartikel zu erfolgen, da hier eine etwaige Ver-
nachlässigung sich später unangenehm bemerklich machen könnte.

Man darf nun in Europa und Amerika sich nicht ohne weiteres
der Annahme hingeben, daß aus einer lebhaften Gestaltung der in-
dustriellen Tätigkeit Japans und aus einer intensiven Betätigung auf
dem Gebiete des Außenhandels, eine Schädigung der eigenen wirtschaft-
lichen Interessen in Ostasien erfolgen könne und daraus dann gleich
eine „gelbe Gefahr" konstruieren. Wahrscheinlich wird nämlich nur
eine Verschiebung in den einzelnen Warengattungen stattfinden, die nach
Japan zur Ausfuhr gelangen; an Stelle von Rohprodukten oder rohen
Halbfabrikaten wird Japan dann verfeinerte Produkte, Luxnswarcn,
Wein, Zucker rc. beziehen, der Außenhandel selbst an Wert also wohl
kauni eine Einbuße erleiden. Wenn Japan z. B. in großem Maßstabe
die Fabrikation von Flanell zur Einführung bringt, so kauft es dieses
Fertigprodukt naturgemäß nicht mehr aus Europa oder Amerika, sondern
stattdessen die erforderlichen Maschinen, die Wolle und Baumwolle.
Der erhöhte Gewinn aber, welchen die japanische Volkswirtschaft ans
dieser Industrie ziehen wird, ermöglicht die Befriedigung erhöhter
Lebensbedürfnisse, sodaß also Japan dann als Käufer teurer Luxus-
artikel ans den, Weltmärkte auftreten kann. Zudem wird der japanische
        <pb n="79" />
        ﻿71

Außenhandel sich in der Hauptsache auf Absatzgebiete erstrecken, die
erstens noch in den Kinderschuhen ihres Bedarfs stecken und zweitens
den Europäer und Amerikaner heute entweder noch nicht als Absatz-
gebiet dienen, oder aber bei späterem Anwachsen des Bedarfs dennoch
erhalten bleiben. Daß Japan also, selbst bei gesteigerter Ausfuhr-
tätigkeit, den Europäern bzw. Amerikanern Absatzgebiete wird entreißen
können, erscheint nach der Lage der ganzen in Betracht kommenden
wirtschaftlichen und geographischen Verhältnisse ausgeschlossen. Auch
lehrt die Gegenwart schon, daß Europa infolge der gesteigerten Geschäfts-
tätigkeit der Japaner seinen Absatz an Waren in Japan selbst ständig
vermehrt hat, wenn auch heute vielfach andere Waren dort Absatz finden,
als dies vor Jahrzehnten der Fall war. Der Handelsverkehr zwischen
Japan und Europa zeigt uns diesen Gang der Entwicklung aufs deutlichste.
Japans Einfuhr und Ausfuhr von und nach Europa in Millionen Jen:

Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Mehreinfuhr
1893	42.2	29.0	13.1
1903	96.1	70.3	25.8

Ebenso zeigt auch der Handel Europas mit China einen bedeuten-
den Aufschwung; obwohl hier Japans Absatz sich relativ weit mehr
ausgedehnt hat, ist er doch dem Werte nach nur halb so groß wie der

europäische Chinahandel. Es betrug	in Millionen Taels die Einfuhr		
nach China:			
0	1888/89	1902/93	Zunahme
aus Japan	6.2	42.8	36.6
aus Europa (ohne Rußland)	28.4	79.6	51.2

Nach der Ansicht Sachverständiger dürfte es ausgeschlossen erscheinen,
daß an dieser Situation in Ostasien irgend welche Veränderung von
Bedeutsamkeit eintreten würde, selbst wenn Japan in der Zukunft eine
energische Schutzzollpolitik sich zu eigen machen sollte.

Im Laufe dieser Studie wurde bereits daraufhingewiesen, welcherlei
vielfache Maßnahmen auf landwirtschaftlichem Gebiete infolge des Krieges
ergriffen wurden, die für die Zukunft von dauerndem Nutzen sein werden.
Als solche sind nochmals kurz zu rekapitulieren: die Aufforstung großer
Distrikte, die Förderungen von Fischzucht und Viehzucht, die intensivere
Ausnutzung der landwirtschaftlichen Nebenprodukte, die Regulierung der
Äckerverteilung, die Urbarmachung von Ödländereien, die Verbesserung
der landwirtschaftlichen Arbeitsgeräte, Einführung von Maschinen, Ver-
besserung der Düngemittel und des Saatgetreides, staatliche Aufsicht
bei der Reistrocknung, Errichtung landwirtschaftlicher Versuchsanstalten,
Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften usw. Alles dies sind Ein»
        <pb n="80" />
        ﻿72

richtungeil oder Arbeiten, bereit Nutznießung der Nation in der Zukunft
dauernd gesichert bleiben wird.

Als eine der Ursachen zu dem jetzigen Kriege ist japanischerseits
die Notwendigkeit zu betrachten, ihr Wirtschaftsgebiet und ihren Absatz-
markt auf die Mandschurei und Korea ausdehnen zu müssen. Nach
dem erfolgreichen Abschluß des Krieges wird Japan in diesen beiden
Ländern ausgedehnte Maßnahmen zum Schutze und zur Verbreitung
seines Handels in Anwendung bringen müssen, denn der Markt dieser
beiden Länder bildet neben der Frage einer nationalen Existenz das
Kampfobjekt des augenblicklichen Krieges mit Rußland. Japan wird
hier also mit allen Mitteln bestrebt sein, diese Länder völlig unter seinen
Einfluß zu bringen, um hier, wenn auch nicht nominell, so doch in
Wirklichkeit Herrscher zu sein.

Im Interesse des japanischen Staates liegt es ferner, der Aus-
wanderungsfrage eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Nur die
ininderwertigen Arbeiterelemeute wird nian in Zukunft in fremde Länder
ziehen lassen, woselbst sie lediglich als Lohnarbeiter auftreten; die ge-
bildeten, besseren und arbeitstüchtigen Elemente aber wird man unter
der Leitung hochgebildeter Japaner zur Ansiedelung in solchen Landes-
gebieten zu bewegen haben, die dem japanischen Mutterlande in Zukunft
auch Nutzen versprechen. Der jetzige Krieg hat den Blick breiter Volks-
massen in Japan erweitert, und zudem haben die Soldaten schon Korea und
die Mandschurei, als die zukünftigen ureigentlichsten Ansiedelnngsgebiete,
durch den Augenschein kennen gelernt, uni unter ihren Angehörigen eine
allgenieine Kenntnis jener Gebiete herbeizuführen. Die fundamentalen
Bedingungen für eine japanische Siedelung sind somit aller menschlichen
Voraussicht nach gegeben und zwar eben durch den Krieg, der die
Kenntnis der Siedelungsgebiete brachte und die Answanderungslust
dorthin erhöhen half. Die Mandschurei und Korea bilden die terri-
torialen Substrate für die Ausdehnungstendenz der modernen japanischen
Volkswirtschaft, deren Landeskinder nicht mehr als Lohnarbeiter in
fremde Dienste treten sollen, sondern als Ansiedler unter der sachver-
ständigen Leitung einsichtiger und erfahrener Führer dem Mutterlande
von dauerndem Nutzen sich erweisen werden.

Zwar werden dadurch diese Länder vorwiegend unter japanischen
Einfluß gestellt, aber die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Vater-
landes innerhalb der letzten vierzig Jahre hat den Japaner gelehrt, wie
viel wichtiger es ist, wenn ein Land aus seiner Abgeschlossenheit heraus-
tritt, als weitn es darin verharrt. Er wird daher schon aus eigenem
Interesse in der Mandschurei und in Korea die Politik der offenen
Tür für alle verfolgen und nicht etwa diese Staaten zu einem spezifisch
japanischen Handelsdominiuni abschließen.
        <pb n="81" />
        ﻿Schluß.

Am Schlüsse dieser Studie erscheint es mir angebracht, einen kurzen
Überblick über die Situation in Ostasien zu geben. Der Verlauf des
Krieges war bisher für Japan günstig, und Japan würde auch finanziell
sehr wohl noch in der Lage sein, ihn fortsetzen zu können. Jedenfalls
aber wird Japan nach einem glücklichen Abschluß dieses Krieges alle
Gewahr haben wollen, um einen langdauernden Frieden in Ostasien
sicher stellen zu können; die Kosten dieser Garantie sind eben von
Rußland im vollsten Maße zu tragen, denn dieser Staat war es, welcher
das latente Gleichgewicht in Ostasien gestört hat. Wenn nun auch
Japan seine Interessensphäre auf Korea und die Mandschurei ausdehnen
wird, so bedeutet dies — wie ich bereits abführte — trotzdem nicht
die Ausschließung des europäischen und amerikanischen Handels in jenen
Gebieten. Andererseits aber stärken die Japaner durch diesen Krieg
ihre Macht imö ihr Ansehen in Ostasien so bedeutend, daß es in Zu-
kunft ausgeschlossen erscheinen dürfte, in offener Gegnerschaft zu Japan
auf dem ostasiatischen Markte irgendwie Fuß fassen zu können. Wer
in Ostasien wirtschaftliche Interessen zu wahren und zu schützen hat,
erreicht dies in Zukunft am sichersten und mit dem geringsten Kosten-
aufwande, wenn er dort als Verbündeter Japans auftreten kann. Japan
dagegen wird solche Bnndesgenossenschaften stets zu schätzen wissen und
ist jedenfalls weit entfernt davon, Annäherungen in diesem Sinne etwa
zurückzuweisen. Andererseits wiederum soll man in Europa und Amerika
die Japaner nicht überschätzen, sie bilden keine gelbe Gefahr für den
ostasiatischen Handel, ebensowenig aber auch sind sie eine unfähige
Nation. Sie wissen ihre natürlichen Vorteile der geographischen Lage,
der genauen Kenntnis ostasiaüscher Verhältnisse, der Sitten und Sprach-
verwandtschaft ganz genau einzuschätzen und sie der erfahreneren
Handelstüchtigkeit, der höheren Technik, der feineren Organisation des
europäischen oder amerikanischen Wirtschaftskörpers in genau abgewägtem
Maße entgegenzustellen. Sie erkennen den Unterschied zwischen den
eigenen Fähigkeiten und denen der Fremden, aber sie wissen auch, wie weit
sie selbst in der Lage sein werden, in Zukunft dieses Niveau von Leistungs-
        <pb n="82" />
        ﻿74

sähigkeit erreichen zu können. Wenn auch heute die augenblicklichen
Wirtschaftskräfte Japans noch als klein bezeichnet werden müssen, —
sofern man europäischen oder amerikanischen Maßstab hier anzulegen
berechtigt ist — so würden die Japaner doch mit der ihnen eigenen
Energie weiter vorwärtsschreiten, nur wird jetzt als eine Folge des
Krieges wahrscheinlich das Tempo ein beschleunigteres sein.

Schließlich bliebe noch zu untersuchen, ob der Kern der japanischen
Finanzwirtschaft ein gesunder ist, so daß er die durch den Krieg ge-
schaffenen, schweren finanziellen Lasten zu tragen imstande ist. Wer
aber die gesunde, kräftige Entwicklung der Volkswirtschaft eines Staates
als die Basis für eine, geregelte Fiananzwirtschast, kennen und be-
trachten gelernt hat, der dürfte in dieser Beziehung für Japan keine
Bedenken tragen. Man muß sich erinnern, daß Japan erst seit etwa
vierzig Jahren überhaupt an die Öffentlichkeit getreten ist, und daß die
japanischen Staatsschulden, trotz ihrer starken Zunahme jetzt durch den
Krieg, immer noch als verhältnismäßig gering bezeichnet werden müssen.
Dabei ist — abgesehen von den Kriegssteuern — die normale Steuer-
last pro Kopf des Bewohners in Japan noch sehr mäßig.

Man darf daher meines Erachtens sehr wohl die Überzeugung
aussprechen, daß dieser Krieg in seinen Folgeerscheinungen für Japan
vielfach günstige Ausflüsse zeitigen wird, die der späteren Entwicklung
der japanischen Volkswirtschaft zum Vorteil gereichen werden. Der
russisch-japanische Krieg war für die Japaner notwendig, einmal zur
Sicherung ihrer nationalen Existenz gegenüber dem russischen Vorwärts-
drängen in der Mandschurei und Korea, dann aber auch als Antriebs-
moment zur gesteigerten Entfaltung ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.
Beides hat Japan erreicht.
        <pb n="83" />
        ﻿Anmerkung:

Auf der, in meiner obigen Studie stehenden Statistik, welche die
Beträge in Tausend oder Millionen angibt, wurde immer nur eine
Ziffer nach dem Komma gesetzt, während alle anderen Ziffern ohne
weiteres weggelassen wurden.

So darf man nicht zweifeln, wenn auch die Znsammenrechnung
oder der Vergleich zuweilen nicht zutrifft.

z. B. 1) Bei der Statistik über Flächeninhalt Japans wurde
wie folgt angegeben, (S. 3)

Tausendquadrari
Alt Japan 24.7
Formosa 2.2
Insgesamt 27.0

lvährend es eigentlich heißen mich:

Alt Japan 24.794
Formosa	2.267

Insgesamt 27.061

2) Ferner wurden in der Tabelle über die Entwicklung der
Finanzen Japans folgende Ziffern angegeben (S. 32.)

Millionen Den

Rechnungsjahr	Einkünfte	Ausgaben	Überschuß oder Defizit
1893—94	113.7	84 5	-j- 29.1
1896—97	187.0	168.8	+ 18.1
1898—99	220.0	219.7	-j- 0.2
1899-1900	254.2	254.1	+ 0.08
während dieselben eigentlich lauten			müßten:
1893—94	113.769.381	84.581.872	-j- 29.187.509
1896—97	187.019.423	168.856.509	+ 18.162.915
1898—99	220.054.127	219.757.569	296.558
1899—1900	254.254.524	254.165.538	4-	88.987
        <pb n="84" />
        ﻿Druck von Reinhold Berger, Lucka S.-A.
        <pb n="85" />
        ﻿A. Deichert'sche Vcrlagsbuchhdlg. Rächst (Georg ööhme), Leipzig.

Fortsetzung von der 2. Umschlagseite.

Bd. VII. Fricdr. Lindner, Die unehelichen Geburten als Sozial-
phänomen. Ein Beitrag z. Statistik d. Bevölkerungsbewegung im König-
reich Bayern. Mit 2 Karten. (X u. 238 S.) 1900. 4 M. 80 Pf.

Bd. VIII. Bruno Kmiotck, Ziedelung und Waldwirtschaft im Salz-
forst. Ein Beitrag zur deutschen Wirtschaftsgeschichte. Mit einer
Karte des Salzforstgebiets. (X u. 194 S.) 1900. 3 M. 60 Pf.

Bd. IX. K. Heist Die Rrichsbank und die bayerische Notenbank in
ihrer gegenseitigen Entwicklung in Bayern 1876—1899. Mit
1 Karte. (XII u. 68 S.) 1900. 1 M. 60 Pf.

Bd. X. Fricdr. Müller, Die geschichtliche Entwicklung des land-
wirtschaftlichen Genossenschaftswesens in Deutschland von 1848/49
bis zur Gegenwart. (XX n. 552 S.) 1901. 10 M.

Bd. XI. Fr. Lohmann, Die Entwicklung der Lokalbahnen in Bayern.

Mit einer Karte. (X u. 238 S.) 1901. 6 M. 50 Pf.

Bd. XII. A. R. Maier, Der Verband der Glacöhandschuhmacher und
verwandten Arbeiter Deutschlands. 1869—1900. (VIII u. 392 S.)

1901. 8 M.

Bd. XIII. Otto Rustmann, Zur Frage der Mobiliar-Feuerversicherung
im Königreiche Bayern. (VIII u. 82 S.)	1902. 1 M. 50 Pf.

Bd. XIV. Ernst Heubach, Die zukünftige verkehrsentwicklnng auf
dem regulierten Main mit besonderer Berücksichtigung der Stadt
Würzburg. (X u. 74 S.) 1902. 1 M. 80 Pf.

Bd. XV. M.R. Weyermann, Das Derlagssystcm derLanschaerGlaswaren-
Jndnftrie ». f. Reformierung. (X n. 154 S.) 1902. 3 M. 50 Pf.

Bd. XVI. Gottfried Hartung, Die bayerischen Landstraßen, ihre Ent-
wicklung im XIX. Jahrhundert und ihre Zukunft. Eine historisch-
kritische Studie aus dem Gebiet der bayerischen Verkehrspolitik.
(VIII u. 108 S.) 1902. 2 M.

Bd. XVII. Arthur Hübschmann, Die obligatorische Mobiliarbrand-
verslchernng in der Schweiz. (VIII u. 92 S.) 1902. 2 M. 40 Pf.
        <pb n="86" />
        ﻿Ä. Dcichert'schc Verlagsbuchhdlg. Nachf. (Georg Löhme), Leipzig.

Bd. X VIII. Hermann Limburg, Die königl. Lank zu Nürnberg in ihrer
Entwicklung 1780—1900* (X u. 184 S.) 1903. 4 M. 25 Pf.

Bd. XIX. Franz Faver Habersbrnnner, Die Lohn-, Zlrbeits- und
Grganifationsverhältniste im deutschen Laugewerbe, mit besonderer
Lerncksichtigung des deutschen Ärbritgeberbuiides für das öau-
gcwerbe. (XIV. u. 260 S.) 1903. 5 M. 50 Pf.

Bd. XX. Emil Herzfelder, Das Problem der Kreditversicherung mit
besonderer Lerncksichtigung der berufsmäßigen Änsknnstserteilung
und des außergerichtlichen Vergleichs. (X ». 226 S.)	1904.

4 M. 80 Pf.

Bd. XXI. Fr. Pernwerth von Bärnstein, Die Dampfschiffahrt auf dem
Lodenscr und ihre geschichtliche Entwicklung während ihrer ersten
Hanptperiode. 1824—1847.	Unter Benützung amtlicher Quellen.

(XIV. u. 241 S.) 1905. 5 M. 40 Pf.

Bd. XXIII. Valentin Steinert, Zur Frage der Naturalteilung. Eine
Untersnchnng über die bäuerlichen Verhältnisse des fränkischen Grab-
feldes. ca. 41/,, Bogen. ca. 1 M. 50 Pf.

Bd. XXIV Masao Kambe, Der russisch-japanische Krieg und die
japanische Volkswirtschaft, ca. 5 Bg. ca. 1 M. 60 Pf.

Bd. XXV. Siegfried Mehler, Die Volksvrrsichernng in der Schweiz.

ca. 7 Bg. ca. 2 M. 25 Pf.

Prof. I). K.Th., Finanzwissenschaft. 8. Auflage. 8M.,
geb. 9 M. 25 Pf.

, Fritz, Tarifgemtinschaften ihre wirtschaftliche, fozial-

politiichc und juristische Ledentnng mit besonderer Lerncksichtigung
des Ärbeitgeberstandpnnktes. ca. 10 Bg. ca. 3 M.

Druct von lltelnyotv Berger «n Lucla
        <pb n="87" />
        ﻿51

f"{ M

+n i iw

von

ine

dem Gebiete von Nagoya bis Okayama, dessen Mittel-
Kobe bilden. Hier trat der geschäftliche Niedergang
gen bereits im Oktober 1903 ein, er erreichte in den
gr, März und April 1904 seinen Höhepunkt und litt
dem Gefühl der Unsicherheit und dem Mangel an
^ lrch, daß Nordamerika und europäische Machtstaaten
en Kriegsschauplatz auf Korea und die Mandschurei zu
de die ungünstige Lage des auswärtigen Handels etwas
ild brachte eine starke Ausdehnung des japanischeil Ab-
-nerika und Europa noch weitere Steigerung. Nach vier
:en des Niederganges war also wieder eine Periode des
zu verzeichnen.

H rtze hierzu war der Niedergang auf dem Jnlandsmarkte
der sich auf das ganze Land erstreckte und zudeni auch
^gedehnt war. Auch hier wird der stärkste Tiefstand in
-&gt;ruar bis April gemeldet, die Wareutransporte waren
chen Transporte stark behindert, der Bankier mit seineil
ückhaltend und besoilders das Volk äußerst sparsam,
der günstige Verlauf des Krieges naturgemäß Änderung
:e die schlechte Geschäftslage immerhin doch wesentlich
:ze Niedergangsperiode im auswärtigen Handel währte,
-lanische Gewerbetätigkeit war der Einfluß des Krieges
ld wie auf den Haildel. Der Gewerbefleiß äußert
Zapail in der Form der Hausindustrie oder gar
igung, die auszuführeil oder nicht auszuführen
ereil Feruwirkuilg ist. Auch sind infolge dieses haus-
akters der ganzen Arbeitsbetätigung keine so großen
ungelegt und nicht so viele Arbeiter au bestimmteil
(t, als dies in der Fabrik- und Maschinen-Jndustrie
mso bringt es der Charakter der Hausindustrie mit
effeudeii Arbeitselemente bei Verfall eines bestiinmteu
icht zu einer anderen Arbeit, die ihneil noch Nutzen
können. Auch kounteii stellenlose Arbeiter schleunigst
i Feld hinausgezogenen Soldaten annehmen, da die
eschästigung zumeist keinerlei besondere Geschicklichkeit
if :ssen trat tu der japanischen Hausindustrie durch den
st rgeudwie bemerkbare Unterbrechung ein. Auch stellen-
u nicht viele vorhanden, denn diejenigen, welche in
keine Beschäftigung fanden, erhielten solche bestimmt
b aft und der ausgedehnten japanischen Fischereitätigkeit,
fttge Männer für den Feldzug gestellt hatten.

Sen Rückgang, welchen einzelne, für den Inlandsbedarf

4*
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