<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Der russisch-japanische Krieg und die japanische Volkswirtschaft</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Masao</forname>
            <surname>Kanbe</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>882699261</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb n="1" />
        o

Mrtschafts-  und  Verwaltungsfludien
mit  besonderer  Berücksichtigung  Bayerns.
Herausgegeben  von  Georg  Schanz.
XXIV.

und  die

japanische  Wo  l'ksw  irisch  aft.

Von

Professor  Masao  Kambe
aus  Japan.

—s»

Leipzig.
21.  Deichert'sche  Verlagsbuchhandlung  Nachf.
(Georg  Böhme).
1906.
        <pb n="2" />
        Fortsetzung  auf  der  3.  Umschlagseite.

Ä.  Deichert'sche  Verlagsbuchhdlg.  Uachf.  (Georg  Löhme),  Leipzig

Wirtschafts-  und  Verwaltungsstndien

mit

besonderer  Berücksichtigung  Bayerns.

Herausgegeben

von

Dr.  Georg  Schanz,
Prof.  d.  Nationalökonomie,  Finanzwissenschaft  u.  Statistik
an  der  Universität  Würzburg.

Bd.  I.  G.  Schanz,  Zur  Geschichte  der  Kolonisation  und  Industrie  in
Franken.  (XVIII,  426  S.  Text  u.  354  S.  Urkunden.)  1884.  12  M.
Bd.  II.  L.  Hoffmann,  Ökonomische  Geschichte  öaycrns  unter  Graf
Montgelas.  1799-1817.  (IV  u.  146  S.)  1885.  2  M.
Bd.  III.  G.  Zoepfl,  Fränkische  Handelspolitik  im  Zeitalter  der  Äufklärung.
  Mit  2  Karten.  (VIII  u.  348  S.)  1894.  5  M.
Bd.  IV.  A.  Köberlin,  Der  Oliermain  als  Handelsstraße  im  späteren
Mittelalter.  (VIII  u.  70  S.)  1899.  1  M.  80  Pf.
Bd.  V.  Wilh.  Mayer,  Anerben-  »nd  Teilungssystem  dargelegt  an  den
zwei  pfälzischen  Gemeinden  Gerhardsbrunn  und  Martinshöhe.
Mit  3  Karten.  (VIII  u.  48  S.)  1899.  2  M.
Bd.  VI.  Robert  Schachner,  Das  bayerische  Sparkassriiwese».  Mit
1  Tabelle.  (X  u.  132  S.)  1900.  3  M.
        <pb n="3" />
        Der  niMch-japlimsche  Krieg.
        <pb n="4" />
        MrWfl;-  uni)  Demallllilgsstuilitn
mit
besonderer  Berücksichtigung  Bayerns.

Herausgegeben
von

vr.  Georg  Schanz,
Prof.  d.  Nationalökonomie,  Finanzwissenschaft  und  Statistik
an  der  Universität  Würzburg.

XXIV.
Kanrbe,  Der  russisch-japanische  Krieg.

Leipzig.
A.  Oeicbert'sche  Verlagsbuchhandlung  Nachf.
(G  e  o  r  g  B  ö  h  m  e).  ,
1906.
        <pb n="5" />
        3tr  riissisdj-jjpaiiisdif  Imp

und  die

japanische  Wolkswirtschaft.

Von

Professor  M  a  s  a  o  K  a  m  b  e
aus  Jap  an.

-SS~--S»

Leipzig.
A.  Deicherth'che  Verlagsbuchhandlung  Nachf.
(Georg  Böhme).
1906.
        <pb n="6" />
        Alle  Rechte  Vorbehalten.
        <pb n="7" />
        Vorwort.

Infolge  der  beispiellosen  Erfolge  der  Japaner  im  Kriege  niit  Rußland ­
  ist  naturgemäß  das  Interesse  für  Japan  und  seine  inneren  Verhältnisse ­
  ein  außerordentlich  reges  geworden.  Eine  Reihe  von  Publikationen ­
  ist  in  letzter  Zeit  erschienen,  um  über  das  eigenartige  Volk  zu
unterrichten.
Auch  die  vorliegende  Schrift  dürfte  willkommen  sein,  zumal  sie
die  wechselseitigen  Einflüsse  des  japanischen  Krieges  und  der  japanischen
Volkswirtschaft  darzustellen  sucht.  Der  Verfasser  Masao  Kambe,  der
zur  Zeit  an  hiesiger  Hochschule  studiert,  ist  außerordentlicher  Professor
der  Nationalökonomie  an  der  japanischen  Universität  in  Kyoto  und  hat
bereits  eine  Reihe  volkswirtschaftlicher  und  finanzwissenschaftlicher
Schriften  in  japanischer  Sprache  publiziert.  Es  ist  nicht  ohne  Interesse,
dem  Gedankcngang  des  jugendlichen  Gelehrten  zu  folgen.  In  der  Herstellung ­
  des  deutschen  Textes  wurde  der  Verfasser  von  Herrn  Bruno
Simmersbach  unterstützt.
Würzburg,  den  30.  Juli  1905.

Prost  G.  Schanz.
        <pb n="8" />
        Inhaltsverzeichnis

Seile

Einleitung  1
I  Teil.
Einfluß  der  japanischen  Volkswirtschaft  auf  den  russisch-japanischen  Krieg  2
I.  Kapitel.
Die  japanische  Volkswirtschaft  als  die  Ursache  des  russisch-japanischen
Krieges  2
II.  Kapitel.
Die  japanische  Volkswirtschaft  als  ein  Machtfaktor  des  russisch-japanischen
Krieges  10
II.  Teil.
Einfluß  des  russisch-japanischen  Krieges  aus  die  japanische  Volkswirtschaft ­
  39
I.  Kapitel.
Der  gegenwärtige  Einfluß  des  russisch-japanischen,  Krieges  auf  die
japanische  Volkswirtschaft  89
II.  Kapitel.
Der  künftige  Einfluß  des  russisch-japanischen  Krieges  auf  die  japanische
Volkswirtschaft  67
Schluß  73

Japanische  Münzen.  Maße  und  Gewichte,  verglichen  mit  den  deutschen.
1  Yen  —  2  SK.  9  Pfg.
1  Ri  —  3,9  Kilometer.
1  Quadratri  =  15,6  Quadratkilometer.
1  Cho  —  99,2  Ar  —  etwa  1  Hektar.
^  &amp;gt;  180  Liter  bei  Korn.
1  Kokn  =  J  1/i#  Tonne  (100  Kilo)  als  Raumgehalt  bei  Schiffen.
1  Kin  —  600  Gramm
1  Kwan  —  3,75  Kilogramm.
        <pb n="9" />
        Kambe,  Der  russisch-japanische  Krieg.

1

Einleitung.

Der  sich  vor  unseren  Augen  abspielende  russisch-japanische  Krieg
bildet  ohne  Zweifel  ein  hervorragendes  und  bedeutungsvolles  Ereignis
in  der  Weltgeschichte.  Es  ist  daher  nur  naturgemäß,  daß  in  allen
Kreisen,  sei  es  politischen,  sei  es  wirtschaftlichen,  viel  über  diesen  Krieg
gesprochen  wird.  Eine  merkwürdige  Erscheinung  ist  es  allerdings  dabei,
daß  weit,  weit  mehr  von  Japan  gesprochen  wird  als  über  das  vielfach ­
  noch  weit  unbekanntere  Rußland,  und  auch  der  weitaus  größte
Teil  der  vielen  neuerdings  erschienenen  Bücher  und  Broschüren  befaßt
sich  fast  lediglich  mit  Japan.  Leider  aber  bringt  keine  dieser  Schriften
eine  tiefer  eindringende  Erklärung  der  Gründe,  aus  welchen  der  rnssischjapauische
  Krieg  entstanden  ist.
Soweit  dies  durch  eine  Skizze  ermöglicht  werden  kann,  soll  in
Nachstehendem  der  Versuch  gemacht  werden,  diese  Lücke  auszufüllen  und
die  wirtschaftlichen  Gründe  zu  erörtern,  die  als  die  Veranlassung  zu
diesem  Kriege  zu  betrachten  sind.
Daß  die  Entwicklung  eines  Staates  in  engeni  Zusammenhang
mit  seiner  Bewirtschaftung  steht,  weiß  man  heutzutage  allgemein,  und
es  dürfte  somit  auch  einleuchtend  erscheinen,  daß  der  augenblickliche
Krieg  zwischen  Japan  und  Rußland  vom  wirtschaftlichen  Standpunkte
ans  beurteilt  werden  muß,  wollte  man  sich  tiicht  einer  oberflächlichen
Betrachtung  hingeben  und  mit  den  daraus  entspringenden,  oft  recht
fragwürdigen,  Resultaten  sich  zufrieden  geben.  Die  wirtschaftlichen
Antriebsmomente  zu  diesem  Kriege  heranzuziehen  und  in  gebührender
Weise  zu  beleuchten,  wird  demnach  die  Richtschnur  für  die  folgende
Untersuchung  bilden.
        <pb n="10" />
        I.  Teil.

Einfluß  der  japanischen  Volkswirtschaft  auf  den  russischjapanischen
  Krieg.

1.  Kapitel.
Die  japanische  Volkswirtschaft  als  die  Ursache  des  russischjapanischen
  Krieges.
Daß  wir  Japaner  einmal  mit  den  Russen  zusamnienstoßen  mußten,
ist  zwar  bedauerlich,  war  aber  ebenso  sehr  unvermeidlich.  Die  Russen
haben  uns  aus  Sachalin  vertrieben  als  der  Kohlenreichtum  dieser  Insel
bekannt  geworden  war,  sie  haben  die  uns  wertvolle  Insel  Tsuschina
zu  annektieren  versucht  und  uns  zur  Rückgabe  von  Liao-tung  gezwungen,
obwohl  wir  es  mit  den  Waffen  in  der  Hand  erobert  hatten.
Das  war  Konfliktstoff  genug!
Gleichwohl  ist  hierin  weniger  die  eigentliche  Ursache,  als  vielmehr
nur  der  äußere  Anlaß  des  Krieges  zu  sehen.
Die  wahre  Ursache  lag  darin,  daß  die  Russen  uns  aus  Liao-tung,
bzw.  ans  der  Mandschurei  und  aus  dem  nachbarlichen  Korea,  das
seit  dem  Jahre  33  vor  Christus  mehr  oder  minder  ständig  unter
unserer  Vormundschaft  sich  befand,  immer  mehr  zu  verdrängen
suchten.  Damit  bedrohten  sie  die  Nationalexistenz  Japans,  und  beeinträchtigten ­
  die  Ausdehnung  der  japanischen  Volkswirtschaft.  Es  mag
ja  sein,  daß  die  Russen  nicht  unmittelbar  diese  Absicht  hatten,  allein
mit  der  Gefahr  in  dieser  Richtung  mußte  man  japanischerseits  rechnen.
Die  außerordentliche  Entwicklung  des  modernen  Verkehrs,  der
Produktion  und  des  Handels  haben  bei  jedem  Volk  bewirkt,  daß  seine
Warenausfuhr  auf  zahlreiche  und  gewaltige  Konkurrenten  auf  dem
Weltmarkt  stößt.  Die  fortwährenden  Zollerhöhungen  haben  zudem  den
Absatz  japanischer  Waren  im  Auslande  immer  mehr  erschwert,  und  somit ­
  den  Gedanken  aufkommen  lassen,  sich  eigene  Warenabsatzgebiete  zu
verschaffen.  Dieser  imperialistische  Gedanke  der  Schaffung  eines  großen
Handelsreichs  und  der  Deckung  des  eigenen  Bedarfes  mit  eigenen  Mitteln
unter  dem  Schutze  hoher  Einfuhrzölle  auf  fremdländische  Waren  hat
        <pb n="11" />
        3

wohl  schon  damals  in  Japan  Anklang  gefunden  und  hier  die  Triebfeder ­
  zu  einer  wohlverstandenen  und  energischen  Kolonisationspolitik
gebildet.  Ein  Staat,  der  nicht  gerade  durch  ausgedehnten  Landbesitz,
wie  Nordamerika,  England  und  Rußland,  solchergestalt  schon  als  Weltreich ­
  dasteht,  ist  naturgemäß  ans  kolonialen  Landerwerb  hingewiesen,
um  seine  wirtschaftliche  Selbständigkeit  zu  sichern  oder  sie  zu  erreichen.
Andererseits  hat  man  in  den  einschlägigen  Kreisen  der  europäischen
Zoll-  und  WirtschaftsPolitiker  die  Gründung  eines  mitteleuropäischen
Zollvereins  in  Vorschlag  gebracht,  um  auf  diesem  friedlichen  Wege  ein
näher  den  heimischen  Produktionsstätten  liegendes  brauchbares  Absatzgebiet ­
  sich  gegenseitig  zu  sichern,  ein  Gedanke,  der  besonders  in  Deutschland ­
  vielfache  Erörterung  gefunden  hat.  Dieselben  Momente,  welche
für  Deutschland  bezüglich  der  Erhaltung  seiner  wirtschaftlichen  Selbständigkeit ­
  maßgebend  sind,  gelten  in  gleichem  Sinne,  vielleicht  mit
noch  größerem  Nachdruck,  für  das  an  Landbesitz  fast  um  ein  Drittel
kleinere  Japan.
Flächeninhalt  Japans  und  Deutschlands.

(Einheit  =  1000  Quadratri  oder  Quadratkilometer)

1000  Quadratri

1000  Quadratkilometer

Alt  Japan

21.7

Formosa

2.2

Insgesamt

27.—

.  .  417.2

Deutschland

-  -

.  .  610.6

Beztiglich  seiner  geographischen  Lage  sei  hier  kurz  erwähnt,  daß
Japan  sich  in  schmaler  langgestreckter  Form  durch  eine  Reihe  von
Breitengraden  hinzieht  und  so  das  tropische  Klima  Südformosas  bis
zum  gemäßigteu  der  nördlichen  Gebiete,  nebst  den  dadurch  bedingten
sehr  verschiedenen  Tier-  und  Pstanzenprvdukten  besitzt.  Die  geographische
Lage  Japans  wird  durch  folgende  zwei  Endpunkte  des  genaueren  fixiert.
Südlichster  Punkt:  21°  48'  nördl.  Breite
Nördlichster  Punkt:  50°  56'  „  „
Japan  verfügt  über  zahlreiche  mineralische  Bodenschätze,  sowie  über
mineralische  Quellen,  die  einen  beachtenswerten  Faktor  nationalen  Reichtums ­
  bilden.  In  landwirtschaftlicher  Beziehung  aber  ist  das  Land
längst  nicht  niehr  in  der  Lage,  seine  Bewohner  zu  ernähren,  geschweige
denn  seine  aufblühende  Industrie  genügend  wirksam  und  nachhaltig  zu
unterstützen.  Die  Einfuhr-  und  Ausfuhrziffern  an  Reis  und  Baumi*
        <pb n="12" />
        4

wvlle  bestätigen  das  oben  gesagte  in  treffendster  Weise.  Es  betrug
nämlich  in  Millionen  Jen:

Die  Einfuhr

Die  Ausfuhr

an  Reis  im  Jahre  1902

17.7

6.6

1903

51.9

4.9

an  Baumwolle  im  Jahre  1902

79.7

0.2

19C3

69.5

Selbstverständlich  besitzt  Japan  neben  den  heute  bereits  kultivierten ­
  Landstrecken  noch  beträchtliche  Ödländereien,  welche  in  der  Zukunft
zur  Kultur  —  wenigstens  teilweise  —  herangezogen  werden  können.
Über  die  kultivierten  und  unkultivierten  Landflächen  gibt  die  letzte  amtliche
japanische  Statistik  folgende  Aufschlüsse,  wobei  als  Einheit  Millionen
Cho  gesetzt  wurden.

Provinz

Gesamtfläche ­


Ebene  Landflüchen ­
  unter
15  Grad

Gegenwärtig
kultivierte
Landflächen

Pro  100  ebene  Landflächen
kultiviert  |  unkultiviert

Honshu

22.6

5.6

3.7

67

33

Shikoku

1.7

0.4

0.3

69

31

Kiushu

3.6

1.1

0.8

80

20

Hokkaido

7.8

2.3

?

?

?

Insgesamt

35.9

9.5

4.9

52

48

Ta  die  kultivierten  Flächen  des  Hokkaido  heute  noch  sehr  gering
an  Ausdehnung  sind,  so  wurden  sie  in  der  obigen  Zusammenstellung
unberücksichtigt  gelassen.  —
Obwohl  man  seitens  der  japanischen  Regierung  natürlich  diese
unkultivierten  Ländereien  allmählich  der  Bebauung  erschließen  wird,  so
hat  mau  jedoch  auch  zu  bedenken,  daß  es  ein  unbeugsames  Prinzip
der  „warssin  ok  cultivation“  gibt,  welches  der  Urbarmachung  gewisser
Gebiete  entgegensteht.  Da  nun  Japan  bereits  52°/ 0  seiner  landwirtschaftlich ­
  benutzbareil  Fläche  unter  Kultur  genonimen  hat,  und  von  beit
übrig  bleibenden  48%  eine  gewisse  Summe  absolut  unkultivierbaren
Landes  in  Abzug  gebracht  werden  niuß,  so  erscheint  es  in  Anbetracht
dessen  durchaus  nicht  ungerechtfertigt,  wenn  auch  die  japanische  Regierung ­
  eine  Gebietsausdehnungspolitik  tatkräftig  iu  die  Wege  leitet
Der  moderne  Staat  bedarf  eben,  ganz  seiner  Entwicklung  entsprechend,,
ein  größeres  und  insbesondere  auch  ein  fruchtbares  Landgebiet,  ohne
welches  seine  wirtschaftliche  Selbständigkeit  in  Gefahr  gerät  infolge
Atemnot  zu  ersticken.
        <pb n="13" />
        5

Der  Kolonialbesitz  stärkt  und  kräftigt  aber  nicht  nur  die  wirtschaftliche ­
  Selbständigkeit  eines  Volkes,  sondern  er  verschafft  ihm  auch
ein  Absatzgebiet  für  seine  Erzeugnisse  und  zuweilen  auch  eine  billige
Bezugsquelle  für  die  zur  Entwicklung  seiner  Landesindustrie  notwendigen
Rohprodukte.  Dieses  gesunde  Prinzip  des  internen  Austausches  von
Fabrikaten  und  Rohprodukten  zwischen  Mutterland  und  Kolonien  ist
nicht  etwa  nur  ein  Ergebnis  der  früheren  staatsniännischen  Erwägungen ­
  über  das  wirtschaftliche  Verhältnis  vom  Mutterland  zur
Kolonie,  sondern  es  findet  auch  heutigentags  noch  allgemein  in
dem  gleichen  Sinne  Beachtung.  Man  strebt  z.  B.  infolge  der  Teuerung
amerikanischer  Rohbaumwolle,  sowohl  in  England  wie  in  Deutschland
danach,  innerhalb  seines  eigenen  Kolonialbesitzes  geeignete  Ländereien
für  die  Kultur  der  Baumwolle  zu  erschließen.  Auf  der  anderen  Seite
wiederum  hat  es  Amerika,  als  der  größte  Baumwollenproduzent  der
Welt  in  der  Hand,  zwecks  wirtschaftlicher  Unterstützung  seiner  eigenen
Spinnereien  die  Ausfuhr  von  Rohbaumwolle  mit  einem  Prohibitivzölle
zu  belegen,  wodurch  dieses  wichtige  Rohprodukt  auf  dem  Weltmarkt
seinem  Angebote  nach  stark  zurückgehen  würde.  Eine  solche  amerikanische
zollpolitische  Aktion  winde  für  die  vielen  japanischen  Spinnereien
ebenfalls  ein  bedeutsames  Entwicklnngshindernis  bilden.  Der  Erwerb
kolonialen  Landbesitzes  zwecks  Beschaffung  billiger  Rohmaterialien  ist
demnach  fiir  wirtschaftlich  entwickelte  Staaten  eine  unbedingte  Notwendigkeit, ­
  der  sich  kein  staatsmännisch  klug  denkender  Kopf  verschließen  kann.
Weit  weniger  vorteilhaft  als  eigene  Kolonisation  ist  für  das  Mutterland ­
  die  Auswanderung  seiner  besten  erwerbstätigen  Kräfte  in  fremde
Länder,  da  der  wirtschaftliche  Zusammenhang  mit  denselben  stets  nur  in  geringerem ­
  Grade  vorhanden  ist  und  vorhanden  sein  kann.  Diese  „reinen"
Auswanderungsgebiete  kommen  als  Bezugsquellen  billiger  Rohmaterialien
für  die  heimische  Industrie  des  Mutterlandes  häufig  gar  nicht  in  Betracht,
und  die  dorthin  ausgewanderten  Bevölkerungselemente  gehen  nur  dann
dem  Mutterland  nicht  völlig  verloren,  wenn  das  Auswanderungsgebiet
einen  mehr  oder  minder  günstigen  Absatzmarkt  für  die  eigenen  Industrieerzeugnisse
  bilden  kann.  Ein  für  Japan  höchst  zutreffendes  Beispiel  in
diesem  Sinne  gibt  die  Ausfuhr  von  Sake  (—  ein  eigenartiger  japanischer
Wein  —),  Saya  und  dergleichen  spezifisch-japanischen  Produkten  nach
den  japanischen  Answanderungsgebieten:  Korea,  Hawai,  Amerika  und
Wladiwostok.  Außerdem  aber  bedeutet,  kulturtechnisch  genommen,  jede
Auswanderung  einen  wirtschaftlichen  Aufschwung  des  betreffenden
Siedelungsgebietes,  und  es  liegt  daher  völlig  im  Interesse  des  Staates,
der  diese  Bevölkerungselemente  aussendet,  sich  solche  Siedelnngsgebiete
als  eigene  Kolonien  nach  Möglichkeit  zu  erwerben.
Andererseits  gestalten  sowohl  Kolonisation,  wie  auch  Auswanderung
        <pb n="14" />
        6

nach  politisch  fremden  Ländern,  den  Handelsverkehr  zwischen  dem
Mutterland  und  den  Niederlassungsgebieten  stets  recht  lebhaft,  verhelfen ­
  so  der  eigenen  Schiffahrt  zur  blühenden  Entwicklung  und  erschließen ­
  der  kaufmännischen  Betätigung  ein  neues  Feld  oft  recht  bedeutender ­
  Einnahmequellen.
Wie  in  allen  Kulturstaateu  die  Zunahme  der  Bevölkerung  in
stetig  aufsteigendem  Maße  vorwärts  schreitet,  so  ist  dies  auch  nach  Ausweis ­
  der  Bevölkerungsstatistik  in  gleicher  Weise  in  Japan  der  Fall,  wie  die
folgenden  Ziffern  erkennen  lassen,  die  für  Altjapan  die  letzten  zehn
Jahre,  für  Formosa  die  Zeit  seit  1897  umfassen.

Land  bzw.  Landesteil

Gesamt-Bevölkerung

in  Millionen
1903

Mittlere
jährliche
Zunahme  der
Bevölkerung

Mittlere
jährliche
Zunahme  auf
100  Einwohner

Auf  1  gkm
kommen
Einwohner')

Alt-Japan  .  .  .

46,3

491,668

1,12

122,20

Formosa  ....

3,0

104,508

3,67

81,30

Insgesamt  .  .  .

49,3

896,176

1,28

Vergleicht  man  mit  diesen  Ziffern  die  weiter  oben  gegebene
Statistik  der  Landfläche  Japans,  besonders  die  Angaben  über  die  kultivierten ­
  Flächen,  so  wird  nian  sich  des  Gedankens  nicht  verschließen
können,  daß  Japan  in  absehbarer  Zeit  die  Wirkungen  einer  dichten
Bevölkerung  am  eigenen  Leibe  verspüren  wird  und  sich  jedenfalls  mit
Erwägungen  befassen  muß,  in  welcher  Weise  am  vorteilhaftesten  für
das  eigene  Land  diesem  Bevölkerungsüberschuß  passende  Siedelungsgebiete ­
  gezeigt,  bzw.  geschaffen  werden.  Jedenfalls  erscheint  es  aus
staatlichem  Interesse  für  das  gesamte  Volk  als  Nation  besser,  einen
ungehinderten  Bevölkerungszuwachs  zuzulassen  und  dem  jeweiligen
Überschuß  passendes  Neuland  in  Gestalt  von  eigener  Kolonie  oder
stammverwandtem  Siedelungsgebiet  zuzuweisen,  als  durch  Einpflanzung
unverstandener  Malthusianistischer  Ideen  auf  die  breiten  Massen  be§
Volkes,  eine  ungesunde  Beschränkung  der  Bevölkerungsznnahme  bewirken ­
  zu  wollen.  Mau  kann  es  als  unbedingt  richtig  zugeben,  daß
Kolonialpolitik  und  auch  unter  Umständen  die  Begünstigung  der  „reinen"
*)  In  Deutschland  104,24,  die  Dichtigkeit  in  Japan  entspricht  ungefähr  des
Badens  (123,9).
        <pb n="15" />
        7

Auswanderung  ein  bedeutsameres  Gegenmittel  gegen  etwaige  soziale  Gefahren ­
  bilden,  als  die  bewußte  Beschränkung  der  Volksziffer,  mit  der
niemals  ein  Aufschwung  von  Industrie  und  Handel  Hand  in  Hand
gehen  wird.
Schon  aus  diesem  Gesichtspunkte,  des  Aufschwunges  von  Industrie
und  Handel,  heraus  muß  man  die  Kolonisatious-  und  Auswanderungspolitik ­
  staatlicherseits  als  sehr  wichtige  Aufgabe  betrachten,  zumal  auch
durch  diese,  allgemein  als  Ausdehnuugspolitik  der  eigenen  Einflußsphäre
zu  bezeichnenden  staatlichen  Maßnahinen  einer  anderen,  nicht  minder
hoch  beachtenswerten,  weil  traurigen,  Begleiterscheinung  der  modernen
wirtschaftlichen  Entwicklung,  nämlich  der  Verarmung  gewisser  Volksschichten ­
  —  dem  Pauperismus  —  wirksam  entgegen  getreten  werden
kann.  Die  kommenden  Jahrzehnte  werden  daher  voraussichtlich,  besonders ­
  für  die  heute  noch  keine  wirtschaftliche  Selbständigkeit  besitzenden
Staaten  wie  Japan,  in  dieser  Beziehung  wichtige  Entscheidungen  bringen.
An  diesen  Gedanken,  dessen  Richtigkeit  wohl  allgemein  anerkannt ­
  werden  durfte,  knüpft  sich  nun  als  zweites  Moment,  die
Frage:  wo  soll  ein  Staat  seine  Ansdehnungssphäre  suchen,  bzw.
welche  Kolonien  soll  er  erwerben  und  welche  fremden  Answandernngsländer
  soll  er  aus  staatlichen  Gründen  gutheißen  und  begünstigen?
In  dieser  Beziehung  scheinen  mir  solche  Gegenden,  tvelche  die  in
Folgendem  inerter  entwickelten  drei  Bedingungen  erfüllen,  am  meisten
geeignet  und  als  Ausdehnungssphäre  zu  empfehlen.
Die  erste  Bedingung  ist,  daß  diese  Neusiedlnngsgebiete  in  politischer
und  wirtschaftlicher  Beziehung  zuni  Mutterlande  in  einem  engen  Verhältnis ­
  stehen,  wie  es  für  uns  solche  Gegenden,  z.  B.  die  Mandschurei
und  Korea  sind.
Es  ist  hier  nicht  der  geeignete  Platz,  die  politische  Bedeutung  der
Mandschurei  und  Koreas  für  Japan  des  näheren  zu  erörtern,  aber  es
ist  nach  dem  bereits  vorher  Gesagten  klar,  daß  ganz  abgesehen  von
dem  gegenseitigen  historischen  Verhältnis  zwischen  Japan  einerseits  und
der  Mandschurei  nebst  Korea  andererseits,  die  Bedrohung  dieser  Länder
seitens  Rußlands  gleichzeitig  eine  Bedrohung  der  wirtschaftlichen  und
nationalen  Existenz  Japans  bedeutet.  Besonders  die  wirtschaftliche
Bedeutung  dieser  beiden  Länder  für  Japan  ist  es,  welche  Japan  an
der  politischen  Selbständigkeit  derselben  ein  so  hohes  Interesse  nehmen
läßt,  daß  es  selbst  einem  Kriege  dieserhalb  nicht  aus  dem  Wege  ging.
Schon  im  Altertum  und  mehr  noch  in  der  Gegenwart  sind  die  Mandschurei ­
  und  Korea  für  Japan  die  Lieferanten  von  Lebensrnitteln,  gewissen
  Rohprodukten  und  Halbfabrikaten  für  die  Industrie  (Reis,  Bohnen,
Baumwolle,  Felle  rc.)  als  auch  Absatzgebiete  für  die  japanischen  Manufakturerzenguisse
  und  Fischereiprodukte:  (Baumwollgewebe,  Baumwoll-
        <pb n="16" />
        8

garne,  Zigaretten,  Zündhölzer,  Porzellan-  und  Töpferwaren,  Papier,
Sake,  Bier,  Seegras,  rc.).  Daß  beide  Länder,  Korea  sowohl,  wie  die
Mandschurei  als  Absatzgebiete  und  als  Bezugsquellen  für  Japan  in
Zukunft  noch  erheblich  wichtiger  werden,  kaun  man  leicht  daraus  ersehen, ­
  daß  die  natürlichen  Produktivkräfte  beider  Länder  sehr  große
sind  und  nur  der  Anregung  bedürfen,  um  ans  ihrem  wirtschaftlichen
Schlummer  geweckt  zu  werden.  Es  fehlt  zwar  an  einer  genauen  Statistik
über  beide  Länder,  aber  nach  der  Meinung  Sachverständiger  gibt  es  dort
noch  viele  unbebaute  Kulturflächen,  auf  denen  ein  reger  Ackerbau  sich
entwickeln  könnte,  und  auch  die  heute  bereits  durch  Ackerbau  in  Benutzung ­
  genommenen  Landflächen  lassen  sich  durch  Anwendung  moderner
Kulturen  und  intensiverer  Bewirtschaftung  unzweifelhaft  zu  höheren
Ernteergebnissen  bringen.  Zu  all  diesem  tritt  noch  als  wichtiges
Moment  hinzu,  daß  sowohl  Korea  wie  die  Mandschurei  räumlich  von
Japan  nicht  sehr  weit  entfernt  liegen.
Die  zweite  Bedingung,  welche  ein  Kolonisations-  oder  Auswanderungsgebiet
  erfüllen  muß,  ist  die,  daß  es  eine  Bevölkerung  besitzt, ­
  welche  eine  niedriaere  Kulturstufe  innehat  und  tveniger  Entwicklungs-I
  euergie  verrät,  als  dies  beim  Mutterlande  der  Fall  ist.  Auch  in  dieser
Hinsicht  eignen  sich  Korea  und  die  Mandschurei  am  besten  für  die
japanische  Expansionspolitik,  da  die  dortige  Bevölkerung  nicht  nur  diese
beiden  Bedingungen  vollständig  erfüllt,  sondern  zudem  auch  für  die
japanische  Kultur  leicht  empfänglich  ist  und  jedenfalls  einem  allgemeinen
und  tiefergehenden  Eindringen  derselben  keinerlei  Hindernisse  entgegeu-'
  stellen  wird.  Japan  hat  es  daher  auch  in  religiöser  Beziehung  leicht,
sich  hier  ein  Machtgebict  zu  begründen.  Tritt  dagegen  ein  auswanderndes ­
  Volk  in  ein  Siedelungsgebiet  ein,  dessen  Bevölkerung  eine
höhere  Kultur  als  die  eigene  besitzt,  so  wird  das  einwandernde  Volk
niemals  Sieger  in  wirtschaftlichem  Sinne  werden,  sondern  stets  der
Arbeiter  des  Eingesessenen  bleiben,  auch  wenn  er  Kapitalist  oder  Unternehmer ­
  sein  sollte;  eigentlichen,  großen,  staatlichen  Machtbesitz  wird  er
in  diesem  Lande,  das  ihm  etvig  innerlich  fremd  bleibt,  nie  erringen.
Die  dritte  Bedingung  eines  Auswanderungsgebietes  ist  meines
Erachtens  die,  daß  es  ein  möglichst  ähnliches  Klima,  die  Bevölkerung
dieselben  oder  doch  wenigstens  ähnliche  Gewohnheiten  in  bezug  auf
Sitten,  Religion,  Sprache  und  dergleichen  besitzen  muß.  Es  erscheint
mir  hier  überflüssig,  die  bedeutenden  Schwierigkeiten  hervorzuheben,
welche  Europäern  bei  der  Kolonisierung  wildfremder  Länder  entgegen
treten,  aber  um  so  mehr  muß  in  diesem  besonderen  Falle  daraufhingewiesen ­
  werden,  daß  unsere  japanische  Lebensweise  nicht  in  einem  so
großen  Gegensatze  zu  derjenigen  der  Bewohner  Koreas  und  der  Mandschurei ­
  steht,  als  dies  in  dem  angezogenen  Beispiele  bei  den  Europäern
        <pb n="17" />
        9

der  Fall  ist.  Im  Gegenteil  herrscht  zwischen  Japan  und  diesen  natürlichen
Siedelungsgebieten  nur  ein  sehr  geringer  Unterschied,  und  insbesondere
ist  kein  Nassenunterschied  vorhanden.  Daß  z.  B.  die  japanischen  Arbeiter
in  Amerika  ausgeschlossen  sind,  rührt  hauptsächlich  von  den  grundsätzlichen
Verschiedenheiten  in  bezug  auf  Rasse,  Sitte,  Religion  und  Lebensgewohnheit ­
  her,  der  gewohnheitsmäßig  ausgeübten  niedrigeren  Lebensweise
und  der  dadurch  wiederum  bedingten  bescheideneren  Arbeitslöhne.
Ans  den  bisher  hier  aufgestellten  Beobachtungen  läßt  sich  also
entnehmen,  daß  Japan  ein  Land  ist,  welches  unter  einer  starken  Vermehrung ­
  seiner  Bevölkerung  leidet  und  zudem  empfindlich  in  seiner
wirtschaftlichen  Tätigkeit  durch  den  Mangel  einer  allseitig  freien  Produktionsmöglichkeit
  berührt  wird.  Infolgedessen  muß  es  aus  sozialund
  prodnktionspolitischcn  Gründen  seinen  Territorialbesitz  auszudehnen
suchen  und  Kolonisation  oder  Auswanderung  befördern,  wozu  als  die
natürlichsten  Gebiete  Korea  und  die  Mandschurei  ihm  fast  vor  der
Türe  liegen,  Gebiete,  die  wie  geschildert  in  jeder  Beziehung  der  japanischen ­
  Auswanderungspolitik  nur  angenehm  erscheinen  können.  Wenn
nun  Rußland  in  diesen  Gebieten  der  japanischen  Staatstendenz  Hindernis ­
  auf  Hindernis  entgegentürmt,  so  ist  dies  meines  Erachtens  einer
der  Hauptgründe  geworden,  weshalb  man  japanischerseits  zu  dem
Kriege  mit  Rußland  schreiten  mußte.
Jedoch  nicht  nur  in  der  Zukunft,  sondern  schon  heute  hat  Japan
eine  ganze  Reihe  hochwichtiger  wirtschaftlicher  und  politischer  Interessen
in  der  Mandschurei  und  in  Korea  zu  schützen.  Gerade  in  Korea  bilden
die  Japaner  anerkanntermaßen  in  Handel  und  Verkehr  sowie  im  Bankfach ­
  die  hervorragendste  Macht  unter  all  den  vielen  fremden  Nationen,
welche  an  den  Hauptplätzen  Koreas  Handel  treiben.  Ebenso  hat  sich
auch  in  der  Mandschurei  eine  gewichtige  japanische  Interessensphäre
gebildet,  worin  man  russische  Eingriffe  nicht  dulden  konnte  und  durfte,
wenn  man  nicht  Gefahr  laufen  wollte,  die  Früchte  langer  stiller  Arbeit
auf  einmal  zu  verlieren.  Die  richtige  Erkenntnis  der  Bedeutung  dieser
Momente  bildeten  japanischerseits  den  zweiten  Grund  zum  russischjapanischen ­
  Krieg.
Natürlich  soll  damit  nicht  gesagt  sein,  daß  dieser  Krieg  nur  auf
der  japanischen  Seite  eine  wirtschaftliche  Grundlage  besitze,  russischerseits
  dagegen  lediglich  ein  Erobernngsfeldzug  sei,  denn  dieser  Krieg  ist
keinesfalls  ein  Krieg  zwischen  Recht  und  Unrecht.  Meiner  Meinung
nach  sollen  vielniehr  Recht  und  Unrecht  bei  solchen  Vorkommnissen
zwischen  zwei  Völkern  stets  von  der  wirtschaftlichen  Veranlassung,
welche  jedes  Volk  treibt,  betrachtet  werden  und  von  diesem  Gesichtspunkte ­
  ans,  findet  man  in  dem  gegenwärtigen  Kriege  —  soweit  die
Veranlassung  hier  in  Betracht  kommt  —  beide  Teile  im  Recht.
        <pb n="18" />
        10

Jeder  moderne  Staat,  dessen  wirtschaftliche  Kräfte  eine  stets  aufsteigende ­
  Tendenz  verraten,  muß  nicht  nur  suche»,  ein  großes  Reich,
in  territorialem  Sinne,  zu  besitzen,  um  seinem  arbeitsamen  Volke  jegliche
Gelegenheit  311  irgend  welcher  erwünschter  produktiver  Tätigkeit  geben
zu  können,  sondern  er  muß  auch  ini  Interesse  seines  Handels  über  gut
entwickelte  Küstenlinien  verfügen,  um  so  den  großen  Weltverkehr
wenigstens  zum  Teil  seinem  eigenen  Lande  direkt  zulenken  zu  können.
Nun  wird  Rußland  im  Westen  von  Deutschland,  im  Süden  von  England ­
  begrenzt;  seine  Seeküstenlinien  sind  für  den  Handel  so  gut  wie
wertlos,  da  sie  zu  weit  nördlich  gelegen  und  die  Häsen  auf  Monate
hinaus  vom  Eise  verschlossen  sind.  Es  ist  daher  für  Rußland  völlig
begreiflich  und  richtig,  wenn  es  sich  in  der  Mandschurei  und  in  Korea
an  der  Küste  des  großen  Ozeans  eisfreien  Zugang  zum  Meere  verschaffen ­
  will,  aber  ebenso  begreiflich  ist  es  auch,  daß  Japan  innerhalb
dieser  Gebiete  keinen  störenden  Einfluß  seiner  Interessen  dulden  kann,
sondern  vielniehr  bestrebt  sein  muß,  angesichts  des  russischen  Vordringens
seine  historisch  begründete  Machtpolitik  hier  wesentlich  zu  verstärken.
Hier  gibt  es  also  kein  Recht  und  kein  Unrecht,  sondern  es  ist
lediglich  der  Kampf  um  die  Überlegenheit  des  einen  Staates  über  den
anderen,  wie  ihn  die  Weltgeschichte  so  oft  gesehen  hat.  Daß  ein  Volk
ini  Vollbewußtsein  seiner  Kraft  und  um  seine  wirtschaftliche  Selbstständigkeit ­
  zu  heben  und  seiner  wirtschaftlichen  Entwicklung  die  geeigneten ­
  Bahnen  zu  erschließen,  den  schwächeren  unterdrückt,  ist  das
Recht  eines  jeden  Volkes  rmd  das  treibende  Agens  einer  jeden  Ausdehnungspolitik. ­


2.  Kapitel.
Die  japanische  Volkswirtschaft  als  ei»  Machtfaktor  des
russisch-japanischen  Krieges.
Daß  unser  Land  diesen  Krieg  aus  wirtschaftlicher  Veranlassung
heraus  begonnen  hat,  ist  des  früheren  bereits  hervorgehoben  worden,
aber  trotzdeni  dürfte  Japan  den  Krieg  wohl  nicht  angefangen  haben,
wenn  es  nicht  des  Umstandes  sich  bewußt  gewesen  wäre,  daß  ihm  die
zur  Kriegsführung  in  modernein  Sinne  erforderlichen  gewaltigen  Hilfsmittel ­
  wirtschaftlicher  und  pekuniärer  Natur  auch  zur  Verfügung  ständen.
In  diesem  Sinne  unterscheidet  sich  der  moderne  Krieg  gegen  frühere
Feldzüge,  wie  das  Handwerk  vom  maschinellen  Großbetriebe.  Doch
darf  man  diese  rein  wirtschaftlichen  Faktoren  nicht  allein  als  deir  ein»
zigen  Hülfsfonds  zum  Kriege  betrachten,  sondern  man  muß  wissen  und
anerkennen,  daß  die  vorzügliche  Verfassung  und  Durchbildung  des
        <pb n="19" />
        11

japanischen  Heeres,  die  japanische  Staatsverfassung  und  die  modernen
japanischen  Gesetze,  die  vorzüglich  eingerichteten  Justiz-  und  Verwaltungssysteme
  und  vor  allen  Dingen  der  glühende  Patriotismus  des  Volkes
dazu  beigetragen  haben,  der  japanischen  Regierung  die  Annahme  dieses
Krieges  leichter  erscheinen  zu  lassen.
Besonders  der  Patriotismus  der  Japaner  ist  in  seiner  starken
kräftigen  Ansdrncksweise  ein  so  spezifisch,  nationaljapanischer  Charakterzug, ­
  daß  es  den  Europäern  schwer  fällt,  hierfür  das  richtige  Verständnis ­
  zu  finden.  Die  Japaner  sind  innner  bereit,  ihrem  Vaterlande
oder  dessen  Verkörperung,  ihrem  Kaiser,  alle  möglichen  Opfer  zu  bringen
und  zwar  nicht  nur  ihr  Vermögen,  sondern  auch  selbst  dann,  wenn  es
ihr  Leben  betrifft.  Dieses  starke,  nationale  Gefühl  beherrscht  das  ganze
japanische  Volk,  sowohl  das  Heer  wie  auch  die  Zivilbevölkerung  und
besonders  kräftig  äußert  es  sich  in  den  Kreisen  der  japanischen  Landwirtschaft. ­
  Sobald  es  heißt,  tue  dies  oder  jenes  „für  den  Staat",  so
wird  sich  jeder  Japaner  bemühen  sein  Bestes  zu  leisten,  dessen  er  imstande ­
  ist.  Entsprungen  ist  dieses  starke  Nativnalitätsbewußtsein  aus
dem  Glauben  über  die  Entstehung  des  japanischen  Volkes,  wonach  dasselbe ­
  sich  aus  einer  einzigen  Familie  entwickelt  habe,  deren  Oberhaupt
eben  der  japanische  Kaiser  ist.  Zur  Erhaltung  dieses  Glaubens  trägt
ferner  der  historische  Umstand  bei,  daß  die  japanische  Kaiserfamilie
seit  über  2 J / a  Jahrtausenden  auf  dem  Throne  des  Landes  sitzt,  und
daß  von  dem  gesamten  japanischeil  Landbesitz  —  mit  alleiniger  Ausnahme ­
  der  Eroberung  voll  Sachalin  durch  die  Russen  —  noch  niemals ­
  eilt  Fußbreit  Landes  erobert  wordeil  ist.  Alle  diese  Momente,
die  tief  in  das  Bewußtsein  des  Volkes  eingegraben  sind,  bedingen  den
nationalen  Ehrgeiz  und  bilden  die  starke  Wurzel  des  japanischen  Patriotismus,
  den  man  bei  anderen  Völkern  in  solch  stark  entwickeltem  Maße
nirgends  antrifft.  Der  Gehorsani  des  japanischen  Volkes  gegenüber
seinem  Kaiser  ist  ebenso  mächtig,  wie  die  Liebe  des  Kaisers  zu  seinem
Volke,  dem  er  vor  sechzehil  Jahren  alis  freier  Veranlassinig  eine  klug
durchdachte  und  wohlerlvogene,  moderne  Verfassnilg  gegcbell  hat.  Diese
Verfassung  entspricht  so  sehr  in  allem  dem  japanischen  Volksempfindeil
und  befriedigt  in  so  vollem  Maße  die  Bedürfnisse  des  Volkes,  daß  es
sich  infolge  dieser  kaiserlichen  Liberalität  nur  noch  enger  an  seinen
Kaiser  anschloß  und  nur  lioch  opferwilliger  sich  erklärte.  Diese  Volkseigenschaften
  silid  immerhin  recht  beachtenswerte  Momente,  lind  je
größer  der  Feind  jemals  war,  um  so  kräftiger  eiltfalteten  sich  auch  diese
volkstümlichen  Gefühle.  Zwar  hat  in  früheren  Zeiten  ein  Gegensatz
zlvischeil  den  Nordjapanern  und  den  Südjapanern  bestanden,  doch  ist
diese  Spannung  heute  längst  verwischt  und  völlig  vergessen.  Bemerkenswert ­
  ist  das  Verhalten  des  japanischen  Parlaments,  sobald  Fragen  der
        <pb n="20" />
        12

äußeren  Politik  zur  Verhandlung  gelangen  sollen.  Während  vielleicht
kurz  vorher  noch  eine  politische  Partei  sich  iu  scharfem  Gegensatz  zur
Regierung  gu  befinden  schien  oder  auch  tatsächlich  befand,  tritt  in  demselben ­
  Momente,  wo  es  gilt,  dem  Ausland  gegenüber  als  Japaner
dazustehen,  sofort  das  scharf  ausgeprägte  Nationalitätsbewnßtsein  iu
den  Vordergrund,  und  alle  kleinlichen  inneren  Spaltungen  werden
gänzlich  iu  den  Hintergrund  gedrängt.  Diese  Tatsache  konnte  man
schon  bei  dem  chinesisch-japanischen  Kriege  beobachten,  nach  Außen  hin
war  Japan  stets  ein  Staat,  ein  Wille.
Ein  anderer  Umstand,  der  für  die  Betrachtung  der  japanischen
Volkswirtschaft  von  hoher  Bedentniig  ist,  liegt  darin,  daß  Japan  heute
noch  in  überwiegendem  Maße  Agrarstaat  ist  und  zudem  gezwungen  ist,
einen  beträchtlichen  Teil  seines  Bedarfes  an  Lebensmitteln  und  industriellen ­
  Rohprodukten  (Reis,  Baumwolle  etc.)  aus  dem  Auslande
beziehen  zu  müssen.  Statt  seinen  Eigenbedarf  zu  decken,  produziert
Japan  in  erheblichem  Maße  feinere  Produkte  und  Genußmittel,  wie
Seide  lind  Tee,  für  die  es  im  Auslande  stets  lvillige  Abnehmer  findet.
Wenn  man  unter  diesem  Gesichtswinkel  den  japanischeil  Ausfuhrhandel
betrachtet,  so  fiiidet  man,  daß  derselbe  in  der  Hauptsache  aus  landwirtschaftlichen ­
  lind  sonstigen  Urprodukteu  besteht.  Das  Verhältnis ­
  dieser  landwirtschaftlichen  Erzeugnisse  im  Außenhandel  Japans
zu  den  Manufakturprvdiikten  bezifferte  sich  für  das  Jahr  1903  zu
64,70/0  ans  landwirtschaftliche  und  sonstige  Nrprodukte,  während  nur
35,3o/o  auf  industrielle  Erzeugnisse  entfielen.
Obwohl  also  die  Japaner  sich  vorwiegend  agrarischer  Beschäftigung
hingeben,  so  hat  sich  doch  im  Laufe  der  Jahre  ein  immer  stärkerer  Zug
der  Bevölkerung  vom  Lande  zur  Stadt  hin  geltend  gemacht  und  dadurch ­
  mehr  eine  industrielle  lind  handelstechnische  Tätigkeit  zur  Entivicklung
  gebracht.  Über  die  Bewegung  des  japanischen  Landvolkes
bringt  die  folgende  amtliche  Statistik  die  erforderlichen  Belege.

Jahr

Einwohnerzahl  der  Städte
und  Landstädte  von  über
10000  Einwohnern  in
Millionen.

Jährliche  Zunahme ­
  per  10000

Einwohnerzahl  der  Landstädte ­
  unter  10000  Einwohnern ­
  und  alle  Dörfer
in  Millionen.

Jährliche  Zunahme ­
  per  10000

1890

5.5

'—

35.4

—

1891

5.6

27.8

35.6

4.1

1892

5.7

19.5

35.9

8.9

1893

5.9

27.6

33.1

5.7

1894

6.0

26.7

86.3

5.8

1895

6.2

20.4

86.8

13.5

1896

6.4

32.0

37.0

6.8

1897

6.7

56.5

37.2

3.1

1898

7.1

53.8

38.2

28.4
        <pb n="21" />
        13

Zwar  fehlt  es  in  Japan  noch  an  einer  genauen  Statistik
darüber,  wieviel  der  Bevölkerung  sich  der  Landwirtschaft  widmen;
immerhin  aber  kann  man  aus  den  Schätzungen  von  Sachverständigen ­
  entnehmen,  daß  im  Jahre  1901  die  landwirtschaftliche  Bevölkerung ­
  Japans  etwa  28  Millionen  Menschen  mit  4,8  Millionen
Familien  ausmachte.  Zur  Ausübung  der  japanischen  landwirtschaftliche!: ­
  Tätigkeit  ist  weder  ein  hohes  Maß  körperlicher  Kraftaustrengnng
noch  besondere  persönliche  Geschicklichkeit  erforderlich;  es  können  daher
auch  ältere  Leute,  sowie  Frauen  und  Kinder  sehr  wohl  innerhalb  derselben ­
  Beschäftigung  finden.  So  gehört  besonders  die  Serikultur  zum
Gebiete  der  weiblichen  Arbeitstätigkeit.  Wenn  deshalb  auch  die
japanische  Landwirtschaft  ihre  jugendlichen  männlichen  Arbeitskräfte  als
Soldaten  in  den  Feldzug  schickt,  so  wird  dies  gleichwohl  für  die  landwirtschaftlichen ­
  Ernteerträgnisse  ohne  jeden  Einfluß  bleiben,  da  hier  genügend ­
  leistungsfähige  und  eingearbeitete  Kräfte  zurückbleiben.  Anders
liegen  allerdings  die  Verhältnisse  in  dieser  Beziehung  ans  dem  Gebiete
des  Handels  und  der  industriellen  Tätigkeit.  Immerhin  bildet  aber
doch  die  Erwägung,  daß  die  Landwirtschaft  durch  die  Entziehung  ihrer
besten  Arbeitskräfte  trotzdem  keinerlei  Einbuße  oder  gar  Rückgang  erleiden ­
  würde,  einen  weiteren  Grund  für  Japan,  dem  Kriege,  sofern  er
sich  als  unvermeidlich  erwies,  nicht  aus  dem  Wege  zu  gehen.  Ans
die  freie  Entwicklung  der  landwirtschaftlichen  Arbeitskräfte  hat  auch
jedenfalls  die  Selbständigkeit  der  japanischen  Bauern  vorteilhaft  einzuwirken ­
  vermocht.  In  diesem  Sinne  ist  das  günstige  Verhältnis  der
selbständigen  Bauern  zu  den  Lehnbauern  gewiß  nicht  ohne  Bedeutung
und  daher  dürfte  wohl  die  ziffernmäßige  Registrierung  dieses  Verhältnisses ­
  für  das  Jahr  1900  hier  nicht  ohne  Interesse  sein.  Nach  der
amtlichen  japanischen  Statistik  betrug  im  Jahre  1900:
die  Zahl  der  selbständigen  Bauern  5,4  Millionen
und  deren  Ackerfläche  1,3  Millionen  Cho,
die  Zahl  der  Lehnbanern  4,5  Millionen
und  deren  Ackerfläche  1,2  Millionen  Cho.
Auch  die  industrielle  Tätigkeit  des  japanischen  Volkes  bietet  der
japanischen  Regierung  keinerlei  Veranlassung,  einem  drohenden  Kriege
ängstlich  ans  dem  Wege  zu  gehen;  denn  diese  Industrie  hat  vorwiegend
Hansindustriellen  Kleincharakter,  wird  als  solche  meist  im  Nebengeschäft
betrieben  und  erfordert  keinen  großen  Kapitalaufwand.  Sie  kann  daher ­
  bei  Einziehung  der  männlichen  Personen  zum  Kriegsdienste  leicht
vernachlässigt  werden,  ohne  Schaden  zu  leiden,  oder  von  anderen
Familienmitgliedern,  wenigstens  teilweise,  weiter  geführt  werden.
Natürlich  sind  hiervon  die  im  Lande  vorhandenen  großen  Maschinen-
        <pb n="22" />
        14

.

sabrikindustrien  ausgeschlossen,  doch  sind  auch  diese  Anlagen  fast  nie
so  großartig  ausgebaut,  wie  es  in  Europa  der  Fall  ist.
Nach  der  letzten  Statistik  vom  Jahre  1902  gibt  es  in  Japan
7500  Fabrikanlagen  und  Werkstätten,  von  denen  4800  mit  Kraftmaschinen ­
  arbeiten  und  zwar  2400  Anlagen  mit  Dampf-,  Petroleum-,
Gas-,  oder  elektromotorischer  Kraft.  Nur  diese  2400  Anlagen  können
in  wirtschaftlichem  Sinne  als  industrielle  Großbetriebe  aufgefaßt  werden.
Jede  andere  industrielle  Tätigkeit  ist  ihrem  Charakter  nach  nur  Hausindustrie ­
  oder  reines  Handwerk.
Nachdem  ich  in  Vorstehendem  nunmehr  die  Eigenschaften  der
japanischen  Volkswirtschaft  in  großen  Zügen  skizziert  habe,  liegt  es  mir
jetzt  ob,  ein  Bild  der  dieser  Volkswirtschaft  zur  Verfügung  stehenden
nationalen  Kräfte  zu  entwickeln.
Die  früheren  wirtschaftlichen  Zustände  Japans  dürften  wohl
schwerlich  dem  europäischen  Beobachter  und  Kenner  zu  besonderer  Hochachtung ­
  vor  unserem  Lande  Veranlassung  gegeben  haben,  sie  waren
eben  zu  zersplittert  und  infolgedessen  zu  sehr  verkleinert,  um  wirksam
vor  das  Auge  des  Fremden  treten  zu  können.  Dieser  Zustand  ist  den
japanischen  Staatsmännern  nun  keineswegs  verschlossen  und  unbekannt
geblieben,  sondern  man  hat  vielmehr  in  richtiger  Erkenntnis  seiner
Unzeitgemäßheit  schon  seit  Jahrzehnten  daraufhingewirkt,  an  der  Hand
von  reichlich  gesammelter,  eigener  Erfahrung  nach  dem  Vorbilde
moderner  Staaten  eine  Neuorganisation  zu  schaffen.  Mit  großer
Energie  hat  man  den  westlichen  Kulturvölkern  nachzukommen  sich  bemüht ­
  und  die  wirtschaftlichen  Kräfte  des  eigenen  Landes  in  sachgemäßer ­
  Weise  zu  heben.  Während  bisher  der  Japaner,  seinem  nationalen ­
  Charakter  folgend,  den  Gelderwerb  nicht  sonderlich  achtete,  macht
sich  neuerdings  eine  lebhafte  Entfaltung  regen  geschäftlichen  Lebens
geltend.  Japan  hat  sich  im  Laufe  weniger  Jahrzehnte  von  dem
isolierten  abgeschlossenen  Staate  zum  modernen  volkswirtschaftlichen
Kulturstaat,  von  der  feudalen  Kleinstaaterei  zum  vollendeten  Einzelstaat
aufgeschwungen.  Der  bisher  durch  vielfache  alte  Einschränkungen  gehemmten ­
  Lebensweise  des  Altjapaners  wurde  eine  völlig  freie  entwicklungsfähige ­
  Form  gegeben,  und  gleichzeitig  unternahm  inan  den
Schritt  von  der  handwerksmäßigen  Hausindustrie  zur  moderntechnischen
Großindustrie  mit  all  ihren  maschinellen  Hilfsmitteln,  wie  sie  der
moderne  Verkehr  und  wirtschaftliche  Güteraustausch  mit  sich  bringt.
Von  der  Naturalwirtschaft  ging  man  zur  Geldwirtschaft  über  und  führte
so  dem  Handel  ein  belebendes  Moment  zu.  Alle  diese  großen  Umwälzungsprozesse ­
  im  inneren  Leben  des  japanischen  Staates  haben  sich
im  Verlaufe  von  knapp  vierzig  Jahren  abgespielt,  und  heute  bereits
        <pb n="23" />
        15

hat  Japan  die  konsolidierte,  moderne  Form  eines  nationalen  Staates
nach  dem  Muster  Westeuropas  angenommen.
Dieser  Fortschritt  in  der  wirtschaftlichen  Entwicklung  eines  Landes
zeigt  sich  am  besten  in  einer  Übersicht  über  den  auswärtigen  Handel,
in  der  Gegenüberstellung  des  Gesamtwertes  der  Einfuhr  und  Ausfuhr.
Die  Statistik  des  auswärtigen  Handels  von  Japan  bringt  über  die  Entwicklung ­
  desselben  folgende  amtliche  Ziffern  in  Millionen  Jen.

Jahr

Wert
Ausfuhr

in  Millionei
Einfuhr

i  Den
Zusammen

1868

15.5

10.6

26.1

1873

21.6

28.1

49.7

1883

36.2

28.4

61.7

1893

89.7

88.2

177.9

1894

113.2

117.4

230.7

1895

136.1

129.2

265.3

1896

117.8

171.6

289.5

1897

163.1

219.3

332.4

1898

165.7

277.5

443.2

1899

214.9

220.4

435.3

1900

204.4

287.2

491.6

1901

252.3

255.8

508.1

1902

258.3

271.7

530.0

1903

289.5

317.1

606.6

Diese  statistische  Zusammenstellung  läßt  erkennen,  daß  der  gesamte
japanische  Außenhandel  seit  dem  Jahre  1868  uni  das  23  fache  zugenommen ­
  hat;  für  das  Jahr  1873  beträgt  die  Zunahme  das  12  fache,
für  1883  das  9  fache  und  für  das  letzte  Jahrzehnt,  seit  1893  mehr
wie  das  dreifache.  Ganz  exakt  ist  dieser  Vergleich  allerdings  nicht,  da
sich  innerhalb  des  hier  angezogenen  Zeitraumes  sowohl  die  Währung
der  Landesmünze  als  auch  die  Form  der  statistischen  Erfassung  und
Systematisierung  verändert  haben.  Abgesehen  jedoch  von  diesem  Umstande, ­
  läßt  die  vorstehende  Zahlenreihe  deutlich  die  mächtige  Aufwärtsbewegung ­
  des  japanischen  Außenhandels  zur  Geltung  gelangen.  Die
Ein-  und  Ausfuhr  von  Gold  und  Silber  ist  in  diese  Statistik  nicht
mit  aufgenommen.
Die  großen  Einfuhrüberschüsse  des  letzten  Jahrzehntes  über  die
entsprechende  Ausfuhr  rühren  vorwiegend  daher,  daß  die  chinesische
Kriegsentschädigung,  auswärtige  Staatsanleihen,  Verschuldung  durch
fremde  Kapitalanlagen  im  Jnlande  und  die  ziemlich  bedeutenden  Einnahmen ­
  der  japanischen  Volkswirtschaft  aus  dem  Seefrachtengeschäft
und  dem  Fremdenverkehr  dazu  gedient  haben,  im  Lande  selbst  produktive
        <pb n="24" />
        16

Anlagen  zu  errichten,  außerdem  die  Kriegsrüstung  des  Landes  zu  verbessern. ­

Nächst  der  Betrachtung  des  auswärtigen  Handels  im  allgemeinen
gilt  es  jetzt  zu  erforschen,  welcherlei  Produkte  die  japanische  Landwirtschaft ­
  und  Industrie  herstellen.  Leider  läßt  in  dieser  Beziehung  die
japanische  Statistik  manches  zu  wünschen  übrig,  immerhin  seien  die
folgenden  Angaben  hier  gebracht.  Es  betrug  im  Jahre  1902  der
Gesamtwert  der  hauptsächlichen  Agrarprodukte  nach  heutiger  Preisberechnung ­
  in  Millionen  Uen:
a.  Eigene  Agrikulturerzeugnisse:

Millionen  Den
Reis  445.4
Mugi  (Gerste,  Weizen,  Roggen)  124.0
Bohnen  35.9
Andere  Ackerfrüchte  153.8
Stroh  86.9
Rohprodukte  für  die  Seidenfnbrikation:
Cocons  93.6
Eier  von  Seidenspinnern  3.8
Maulbeerzweige  und  Seidenraupenstren  7.9
Tee  9.0
Viehzuchtprodukte:
Lebendvieh  (Rind,  Pferd,  Schaf,  Schwein)  ...  4.9
Schlachtvieh  12.5
Wert  des  durch  Krankheit  gefallenen  Viehes  .  .  .  0.2
Molkereiprodukte  (Milch,  Butter,  Käse)  ....  4.1
Stapeldünger  23.6
Geflügel  und  Eier  17.2

Insgesamt:  Millionen  Den  1023.5
l&amp;gt;.  Forstprodukte  1901.
Über  die  Forstprodukte  fehlt  es  in  Japan  bisher  an  einer  einschlägigen ­
  Statistik,  besonders  über  die  Privatforsten.  Man  besitzt
vorläufig  nur  eine  ziemlich  zuverlässige  Statistik  über  die  Erzeugnisse
der  kaiserlichen  und  der  Staatsforsten.  Im  Jahre  1901  werteten  diese
Produkte:
ans  Staatsforsten  2.1  Millionen  Den
aus  kaiserlichen  Forsten  1.1  „  „
Da  jedoch  die  privaten  Forsten  sich  erheblich  besserer  finanzieller
Zustände  erstellen,  so  ist  es  ohne  Zweifel,  daß  dieselben,  trotz  ihres  gegeringeren
  Flächenareals,  beträchtlich  mehr  Produkte  abwerfen  und  an
den  Markt  bringen,  als  dies  bei  den  staatlichen  und  kaiserlichen  Forsten
die  Statistik  zeigt.
        <pb n="25" />
        17

e.  Gesamtwert  der  hauptsächlichen  Mineralproduktc,  1908.
Metalle  Tausend  Aen  Nichtmetalle  Tausend  Aen

Gold

1989.8

Eisenkiese!

76.9

Silber

1224.5

Mangan

35.4

Kupfer

8920.9

Arsenik

0.8

Blei

83.8

Steinkohle

Zinn

9.2

Erdpechkohle

15912.2

Antimon

Glanzkohle

179.4

raffiniert

74.9

Braunkohle  (1901)  2537.6

schwefelsaures

7.8

Petroleum

1036.8

Quecksilber

1.5

Schwefel

316.2

Eisen

734.1
40.7
1320.8

Schwarzblei

9.2

Roheisen
Schmiedeeisen
Stahl

Insgesamt:  Tausend  Uen  34513.1

d.  Gesamtwert  der  hauptsächlichen  Fischereierzeugnisse,  1900.

Tausend

Tausend

Tausend

Ben

Be»

Ben

Rohprodukt:
Hering

7144.0

Heilbutte

306.1

Anschove,  getrockn.

277.0

Sardinen

7306.7

Barrandas

134.3

Sardinen,  gekocht

Bonitfisch

4365.8

Muraenosox

und  getrocknet

2138.7

einereus

364.0

Tintenfisch

1562,9

Lateolabrax

Sardinen,  gesalzen

617.2

Meerspinne

Japonieus

185.6

Muscheln,  getrockn.

64.1

1136.7

Sandaal

68.4

Bonitfisch,  geräuch.

4881.3

Makrele

2159.0

Mysis

153.9

Taufisch,

286.8

Tunfisch

1814.7

Coryphaena

Krabben,  getrockn.

682.3

Gelbschwanz

2224.2

Hippurus

200.6

Haifischfinne

264.1

Flugfisch

103.2

Kainohashira,

Kabeljau

372.8

Sparus  Schlegeli

264.7

(Abziehmnskel  d.

Hai

464.6

Schaltieres)

35.6

TaiseineArtMeer-Konoshiro



185.7

Makrelen,  gesalzen

556.3

brasse)

4109.8

Plattfisch

823.3

Tunfisch,  gesalzen

79.0

Salm

1023.4

Aal

650.5

Kabeljau,  getrockn.

131.7

Forelle

129.2

Cololabis  saira

62.1

„  gesalzen

55.6

Plecoglossus

449.2

Karpfen

122.8

Salm,  „

523.3

Seeohr  (Haliotis)

508.4

Crussiankarpfcn

194.7

Hoshinori

472.2

Beche  de  meer

174.4

Meergras

870.9

„  Bogen

41.7

Krabben
Austern

1345.3
190.0

Andere  Verschied.

12587.5

Hering,  getrocknet
„  Dünger
Sardinen,  „

1204.3
7058.1

Jnsges.  Rohprod.

56833.1

1400.3

Cytherea

93.3

Verarbeitete

Fischtran

399.6

Muscheln

15.8

Erzeugnisse:

Gelbschwanz,  ges.

433.8

Graue  Meeräsche

887.0

Poulpe

462.3

Tintenfisch

2466.0

8eomberomorous

Bseire  de  mei

206.7

Tengusa

187.5

sinensis

1011.1

Seeohr,  getrocknet

606.5

Funori

154.0

Stachelmakeler  |

612.6

Sardinen,  „

914.6|  Andere  Verschied.

6755.9

Verarbeitete  Erzeugnisse.  Insgesamt  32725.4
Gesamtwert  der  Fischereierzeugnisse  Tausend  Yen:  89558.5
Kambe,  Der  russisch-japanische  Krieg.  2
        <pb n="26" />
        18

Über:
e.  die  Jagderzeugnisse
Japans  fehlt  es  bisher  an  einer  zuverlässigen  Statistik,  weshalb  von
einer  Aufführung  derselben  hier  abgesehen  werden  mag.

k.  Gesamtwert  der  hauptsächlichen  Manufakturwaren,  1801.

Million.

Million.

Yen

Yen

Rohseide
Seidengarn  (1900)

86.6
4.2

Glasware  (1899)

,1.4
\0.9

Baumwollgarn

94.5

Cement

2.3

Hanf  und  Hanfgarn  (1899)

2.4

Mauersteine

0.5

Seidenfabrtkate:  (76.9)

Papier  (19.7)

tSeidengewebe,  Habutai
!  „  Kaiki
|  „  Chirimen
„  andere

30.0
4.4

„  Europäisches
„  Japanisches

7.1
12.6

7.8
34.7

Häute  und  Leder

*2.5
19.2

Baumwollfabrikate:  (49.9)

Zündhölzer  (1900)

5.8

tBaumwollgewebe,  Flanell

8.2

Öl,  Kerosin  (1899)

1.5

!  „  Chijimr
„  weiße
i  „  andere

1.6

Schwefelsaures  Kali  (1898)

0.2

13.0

Phosphorsaures  Natron  (1899)

0.8

27.0

Schwefelsäure  (1899)

0.5

Seide-Baumwollfabrikate

18.0

Seife  „

0.7

Hanffabrikate

3.3

Sake  „

108.3

Wollwaren

5.0

Bier  „

2.8

wollene  Gewebe  (1899)

0.2

Goya  „

23.7

Flanell  u.  a.  „

0.3

Zucker  (5.2)

Aussolin  ätz  laine  (1899)

1.0

,Zucker,  weißer

0.5

Andere  verschiedene  Gewebe  (1899)

16.7

„  Shiroshita

1.7

Vermischte  Fabrikwaren

0.2

„  brauner

0.2

Teppiche  (aus  Hanf,  Baumwolle,

„  schwarzer

2.6

Wolle)  (1899)

1.0

VerarbeiteterTabak(140.6)(1899)

Seidene  Handtücher  (1899)

4.3

lCigarren

5.5

Stricke  (1899)

1  Geschnittener  Tabak

135.1

U-8

Mehl  (1899)

1.2

Maschinerie,  u.  a.  (1899)
Schiffe  und  Boote  (1899)  (4.6)

4.1

Fächer,  gefaltete  und  runde  (1899)

,1.1
10.01

^Japanische  Dschunken

1.5

Bürsten  (1899)

0.4

i  Dampfschiffe

2.6

Strohgeflechte

25

^Andere  Schiffe

0.4

Lackwaren

5.7

Ufren  (1899)

1.1

Hüte  und  Mützen  (1899)

0.4

Jinrikischa  (1899)

0.3

Schirme,  europäische  „

2.9

Bronze-  und  Kupferwaren
Porzellan-  und  Töpferwaren

1,7
6.9

Bodenmatten,  Hanagoza

4.9

Schippoki

0.3

Insgesamt  731.8

Zu  diesen,  über  die  einzelnen  Erzeugnisse  und  Warengattnngen
gebrachten  Zusammenstellungen  bleibt  jedoch  zu  bemerken,  daß  dieselben
        <pb n="27" />
        19

keineswegs  erschöpfend  sind  und  auch  in  Anbetrachr  der  Schwierigkeit
einer  genauen  statistischen  Erfassung  aller  einschlägigen  Positionen  nicht
sein  können.  Die  wirklichen  Ziffern  jeder  einzelnen  Gesamtkategorie
dürften  daher  wohl  überall  etwas  höher  ausfallen.  Nachdem  ich  in
Vorstehendem  eine  kurze  Übersicht  über  die  hauptsächlichsten  landwirtschaftlichen ­
  und  industriellen  Erzeugnisse  Japans  gebracht  habe,  wende
ich  mich  nunmehr  zu  einer  Aufzählung  der  japanischen  Börsen,  der
großen  Handelsgesellschaften  und  der  Fabrikanlagen,  um  somit  diejenigen
Institute  in  Japan  zu  zeigen,  denen  modern-europäische  Einrichtung  und
Betriebsform  bereits  eigentümlich  ist.

:&amp;gt;.  Börsenstatistik.

Jahr

1894

1898

1902

A  K

A  K

A  K

Zahl  der  Börsen

98  7

122  6

61  2

Zahl  der  Mitglieder  und  Aktionäre  in  Tausenden

11.8

17.1

11.9

Zahl  der  Börsenmakler  in  Tausenden

2.0

2.3

0.8

Börsenfähige  Papiere:  Staatspapiere

0.02

1.5

0.001

Andere  Wertpapiere  (in  Pen)

206.0

456.6

261.0

Reis  (in  Kokn)

76.8

62.7

66.7

Betrag  der

Zucker  (kin)

17.2

19.0

5.3

abgeschlossenen

Die

Körnerfrüchte  (koku)

0.3

3.0

0.3

Börsengeschäfte

Haupt-Rohbaumwolle

  (kwan)

5.6

0.6

4.1

in  Millionen

fach-Baumwollgarne

  (kin)

47.4

181.9

214.6

lichen

Rohseide  (kwan)

1.3

0.4

0.7

anderen

Textilwaren  (tan)

16.9

0.4

1.1

Waren

Salz  (kokn)

2.4

12.4

1.6

Bei  der  Aufzählung  der  japanischen  Börsen  bedeutet  A  Börsen  in
Form  von  Aktiengesellschaften,  während  L  solche  in  körperschaftlicher
Form  bezeichnet.
ö.  Statistik  der  Handelsgesellschaften.

Zahl  der  Gesell-Millionen

  Aen

Jahr

Art  der  Gesellschaft

schäften  in

Angelegtes

Eingezahltes

Tausend

Kapital

Kapital

Aktiengesellschasten

2.5

573.2

357.4

1896

Kommanditgesellschaften

1.6

32.2

27.5

Offene  Handelsgesellschaften

0.3

13.6

12.4

Insgesamt

4.5

619.2

397.5

Aktiengesellschaften

4.3

1126.5

787.9

1902

Kommanditgesellschaften

3.3

54.7

47.2

Offene  Handelsgesellschaften

0.9

45.4

43.5

Insgesamt

8.6

1226.7

878.7

2 !
        <pb n="28" />
        20

c.  Fabrikanlagen  und  Werkstätte  (in  Tausend).

1894

1898

1902

Fabrikanlagen  und  Werkstätten  mit  Motoren

3.5

4.1

4.8

Zahl  der  vorhandenen  Pferdekräfte

41.0

79.0

100.9

Gesamtzahl  aller  vorhandenen  Fabriken  und  Werkstätten

5.9

7.0

7.8

Zahl  der  beschäftigten  Arbeiter:  Männer

?

177.6

185.6

Frauen

?

234.5

313.2

Insgesamt

?

412.2

498.8

Durch  die  bisher  gegebenen  Ausführungen  wurden  dem  Leser  die
Ergebnisse  der  landwirtschaftlichen  und  industriellen  Tätigkeit  der  Bewohner ­
  Japans  vor  Augen  geführt;  es  dürfte  daher  nunmehr  angebracht ­
  erscheinen,  zu  zeigen,  mit  weichen  Mitteln  die  japanische  Volkswirtschaft ­
  die  nötige  Ausbildung  der  betreffenden  Bevölkernngselemente
vorbereitet.  Die  für  diesen  Zweck  in  Betracht  kommenden  Organisationen
der  japanischen  Wirtschaftswelt  unterscheiden  sich  tu  nichts  von  denjenigen ­
  anderer  Kulturländer.  Neben  den  Innungen,  den  Erwerbsund ­
  Wirtschaftsgenossenschaften,  sowie  in  letzter  Instanz,  dem  Ministerium
für  Ackerbau,  Handel  und  Industrie,  sind  noch  eine  Reihe  von  Instituten ­
  anzuführen,  denen  die  Beförderung  und  Wohlfahrt  der  japanischen ­
  Landwirtschaft  angelegen  ist.  Als  solche  sind  hier  zunächst  die
landwirtschaftlichen  Vereine,  die  Versuchsstationen  für  landwirtschaftliche
Zwecke  und  die  landwirtschaftlichen  Schulen  zu  nennen.  Besonders  das
landwirtschaftliche  Unterrichtswesen  steht  in  Japan  auf  einer  hohen
Stufe  und  eine  ganze  Reihe  von  niederen,  mittleren  und  höheren  Instituten ­
  dient  diesem  wichtigen  Bildungszwecke.  So  sind  neben  der
landwirtschaftlichen  Fakultät  an  der  kaiserlichen  Universität  zu  Tokio
des  weiteren  noch  landwirtschaftliche  Hochschulen,  landwirtschaftliche
Mittelschulen  und  endlich  solche  landwirtschaftlichen  Fortbildungsschulen
geschaffen,  deren  Lehrplan  in  leichtfaßlicher  Form  die  Heranbildung
breiterer  Volksschichten  bezweckt.  Daneben  durchziehen  landwirtschaftliche ­
  Wanderlehrer  die  Ackerbaubezirke,  um  auch  tu  solchen  Gegenden
moderne  landwirtschaftliche  Anschauungen  und  Belehrungen  hineinzutragen, ­
  deren  Bevölkerung  aus  Gründen  der  geographischen  Lage,  oder
ans  wirtschaftlich-pekuniären  Verhältnissen  an  dem  Besuche  einer  Schule
oder  eines  höheren  Instituts  verhindert  ist.  In  mehr  wissenschaftlicher
Richtung  arbeiten  dann  noch  die  staatlichen  Aufsichts-  und  Prüflingsinstitute,
  als  welche  hier  anzuführen  sind:  das  Institut  für  Serikultur,
die  staatlichen  Ämter  für  Seidenprüfung  und  Teeindustrie,  die  Laboratorien ­
  für  Veterinärmedizin,  die  staatlichen  Viehzuchtanstalten,  und
,
        <pb n="29" />
        21

die  Pferdezuchtanstalten.  Außer  diesen,  landwirtschaftlichen  Interessen
dienenden,  zahlreichen  Instituten,  hat  man  auch  eine  Reihe  Don  Organen
geschaffen,  welche  zur  Beförderung  von  Handel  und  Industrie  in  Japan
bestimmt  sind.  In  dieser  Beziehung  sind  zu  nennen:  die  technischen
Vereine,  die  industriellen  Versuchslaboratorien,  sowie  technische  und
kaufmännische  Schulen  in  großer  Zahl.  Von  diesen  Schulen  sind  besonders ­
  die  technische  Fakultät  der  kaiserlichen  Universität,  die  technischen
Hochschulen,  die  Handelshochschulen,  die  technischen  Mittelschulen,
Handelsschulen,  Lehrlingsschulen,  und  die  kaufmännischen  und  technischen
Fortbildungsschulen  zu  erwähnen.  Neben  diesen  Schulen  dienen  der
praktischen  Bildung  dann  noch  die  Handelskammern,  Konsulate,  Ansstellungen, ­
  Handelsmuseen  im  In-  und  Auslande,  die  Entsendung  geeigneter ­
  Sachverständiger  säst  über  den  ganzen  Erdkreis  311  Studienzwecken, ­
  sowie  die  Entsendung  kaufmännisch  oder  technisch  vorgebildeter
Studierender  oder  Werkmeister  in  das  Ausland,  deren  Pflicht  es  ist,
sich  mit  dem  Studium  fremder  Einrichtungen  in  bezug  auf  Handel
und  Industrie  zu  befassen.
Ebenso  sind  naturgemäß  auch  für  andere  Gebiete  des  wirtschaftlichen ­
  Lebens  Fortbildungsinstitute  der  verschiedensten  Art  in  Japan
geschaffen,  deren  Erörterung  hier  jedoch  übergangen  werden  muß,  um
nicht  den  Umfang  dieser  Studie  allzusehr  auszudehnen.
Die  systematische  Schilderung  der  volkswirtschaftlichen  Zustände
Japans  hat  sich  logischerweise  nunmehr  mit  einer  Darstellung  der
finanzwirtschaftlicheil  Verhältnisse  des  Landes  zu  befassen,  die  in  der
modernen  Wirtschaftspolitik  eine  so  hervorragende  Rolle  spielen.  Ihr
stärker  oder  geringer  pulsierendes  Lebeil  bildet  heutzutage  einen  wirksamen,
  weil  sehr  einpfindlichen,  Gradmesser  des  nationalen  Wohlstandes
eines  Landes.  Die  beiden  wichtigen  Faktoren  der  Finalizwirtschaft
bilden  das  Bankwesen  und  der  Geldverkehr.
Obwohl  das  japanische  Bankwesen  erst  seit  etwa  dreißig  Jahren
nach  europäischein  und  amerikanischein  Muster  eingerichtet  worden  ist,
so  lassen  sich  doch  für  das  letzte  Jahrzehnt  bereits  recht  beträchtliche
Fortschrittte  erkennen.  Außer  den  gewöhnlichen  Banken  mid  Sparbanken ­
  gibt  es  in  Japan  eine  Reihe  moderner  Geldinstitute,  die,  unter
besonderen  Gesetzen  errichtet,  der  staatlichen  Aussicht  unterstehen  und
den  anderen  Banken  gegenüber  eine  Sonderstellung  einnehmen.  Zn
diesen,  eine  sonderrechtliche,  staatliche  Stellung  einnehmenden  Bankinstituten ­
  zählen:  Die  Bank  von  Japan  (Nippon  Ginko)  als  die  Zentralbank ­
  des  gesamten  japanischeii  Jnlandsbankverkehrs,  mit  dem  ausschließlichen ­
  Rechte  der  Ausgabe  koiivertirbarer  Banknoten;  dann  folgt
ihrer  Bedeutung  nach  die  Iokohama-Specie-Bank,  ivelche  besonders  dem
Dienste  des  auswärtigen  Handels  ihre  finanziellen  Kräfte  ividniet  und
        <pb n="30" />
        22

infolgedessen  vorzugsweise  das  ausländische  Wechselgeschäft  betreibt,  zumal ­
  dieses  Gebiet  der  Bank  von  Japan  ausdrücklich  verschlossen  ist.
In  der  Reihe  der  besonderen  Bankinstitute  folgen  dann:  die  Hypothekenbank ­
  von  Japan,  und  die  landwirtschaftlichen  und  gewerblichen  Banken,
deren  Zahl  sich  heute  auf  46  beläuft.  Diese  Kategorie  von  Banken
bildet  einmal  das  Zentralinstitut  und  dann  die  örtlichen  Organe  für
die  Hebung  und  Entwicklung  von  Landwirtschaft  und  Gewerbe,  durch
Gewährung  langfristiger  Darlehn  zu  niedrigem  Zinsfüße.  Als  Vorschuß- ­
  und  Kreditinstitut  für  die  Beleihung  von  Aktien,  Schuldverschreibungen, ­
  überhaupt  Effekten  und  Wertpapieren  wurde  die  Gewerbebank ­
  von  Japan  geschaffen,  deren  Tätigkeit  damit  gleich  genau  unigrenzt
  und  vorgeschrieben  ist.  Als  ein  besonderes  Institut  für  die
neu  erworbene  Insel  Formosa  ist  die  Bank  von  Formosa  hier  anzuführen, ­
  deren  Charakter  darin  besteht,  ein  Zentralorgan  für  die  Hebung
von  Handel  und  Gewerbe,  sowie  anderer  Produktivverbände  zu  bilden.
Ebenfalls  aus  den  besonderen  Verhältnissen  der  Insel  Iezzo  entspringend,
verdankt  die  Bank  der  Kolonisation  und  Urbarmachung  des
Hokkaido  —  die  japanische  Bezeichnung  der  Insel  —  ihre  Entstehung.
Ihr  Ziel  ist  völlig  auf  die  koloniale  Entwicklung  dieser  Insel  gerichtet.
Die  folgende  Zusammenstellung  bringt  eine  kurze,  ziffernmäßige  Übersicht ­
  über  den  Stand  des  gesamten,  japanischen  Bankwesens  unter  Ansetzung ­
  der  Beträge  in  Millionen  Jen.

Jahr

Jj
'o  S
CQ  8?

ö  C
||
1

gS
ü

I
M

Einlagen

Vorschüsse

Gesamtbetrag ­


Rest

Darlehn

Diskontierung.

Insgesamt

Gesamtbetrag ­


Rest

Gesamtbetrag ­


Rest

Gesamtbetrag ­


Rest

1893

703

94.0

29.8

1472.8

115.5

730.4

178.1

379.4

1109.9

1894

865121.9

101.3

33.3

2062.7

138.9

979.8

214.9

537.5

1517.4

1895

1003  160.3

127.6

37.8

2832.9

191.9

1316.2

289.0

680.6

1996.9

1896

1277:240.5

166.2

58.6

4567.2

429.7

1967.9

393.9

1098.2

3066.1

1897

1511311.9

206.7

37.8

5779.3

382.7

2468.3

375  4

1339.5

3807.8

1898

1752  381.3

256.5

41.6

6312.0

398.7

2791.9

405.2

1447.9

4239.9

1899

1943  428.2

291.6

51.6

7626.4

610.2

3033.3

425.3

2272.3

400.6

5305.7

825.9

1900

2272^501.5

341.9

59.9

9012.3

611.0

3  36.5

503.0

3140.2

443.5

6276.8

946.6

1901

2369515.6

361.2

68.3

8651.2

599.2

2795.2

538.6

2584.6

348.4

5379.9

887.0

1902

2324525.1i372.9
1  |

77.5

9825.0

711.1

2988.8

559.8

2478.7

391.4

5467.6

951.3

Ebenso,  wie  beim  japanischen  Bankwesen  die  neuere  Entwicklungszeit ­
  wesentlich  moderne  Zustände  geschaffen  hat,  bringt  auch  der  Geldverkehr ­
  anerkennenswerte  Fortschritte.  Früher  war  es  allgemein  übliche
Landessitte,  selbst  der  kleineren  Feudalherren,  sich  in  Zeiten  finanzieller
Schwierigkeiten  durch  die  Ausgabe  von  Papiergeld  Rat  zu  schaffen.
        <pb n="31" />
        23

Heute  hat  diese  uukontrollierbare  Tätigkeit  völlig  aufgehört,  uneinlösbares
  Papiergeld  gibt  es  in  Japan  nicht  mehr,  sondern  es  ist  vollständig ­
  eingezogen.  Des  weiteren  hat  man  selbst,  vor  dem  für  Japan
höchst  bedeutungsvollen  und  schwierigen  Schritte  nicht  zurückgescheut,
die  Goldwährung  einzuführen,  obwohl  hierdurch  das  Land  ursprünglich ­
  Gefahr  lief,  unter  all  den  Silberwährnngsländern  Ostasiens  in
eine  isolierte  Stellung  zu  geraten.  Bereits  seit  dem  Jahre  1897  gilt
jedoch  in  Japan  die  Goldwährung.  Das  einzige  Institut,  welches
heute  noch  das  Recht  der  Banknotenausgabe  besitzt,  ist  die  Bank  von
Japan;  die  von  derselben  ausgegebenen  Noten  müssen  jedoch  jederzeit
durch  einen  gleich  hohen  Betrag  an  Gold  und  Silber  in  gemünzten!
oder  ungemünztem  Zustande  gedeckt  sein.  Ferner  ist  diese  Bank  befugt, ­
  bis  zum  Betrage  von  120  Millionen  Jen  Banknoten  auszugeben^
die  durch  Staatsschuldscheine,  Schatzscheine,  sowie  durch  andere  absolut
sichere  Wertpapiere  garantiert  sein  müssen.  Sollte  jedoch  aus  irgend
welchen  Gründen  die  Bank  von  Japan  zu  einer  Mehrausgabe  von
Banknoten  gezwungen  sein,  so  ist  für  die,  den  bestiminten  Betrag  überschreitende ­
  Summe  eine  Steuer  von  niindestens  5°/ 0  an  die  Staatskasse
zu  entrichten  (auch  durch  die  sicheren  Wertpapiere  garantiert).  Neben
dieser  modernen  Entwicklung  des  Bankwesens  und  des  Geldverkehrs  ist
dann  noch  als  besonderer  Moment  die  Ausdehnung  der  Abrechnungsstellen ­
  —  Clearinghäuser  —  hervorzuheben.  Die  amtliche  Statistik
bringt  über  den  japanischen  Geldverkehr  die  folgenden  Daten  —  in
Millionen  Jen.
        <pb n="32" />
        a)  Umlaufende  Gelder.  Millionen  Den.

1894

1895

1896

1897

1898

1899

1900

1901

1902

1903

M

8-Goldmünzen



11.9

12.2

12.8

79.8

83.6

93.3

52.9

59.3

89.2

101.7

Ö
N-K



Silbermünzen

46.2

47.1

50.9

31.0

—

—

—

—

—

—

s

- / °

Kleine  Silber-&amp;lt;33


Ö

münzen

18.1

20.7

23.2

29.3

45.8

54.6

57.1

58.2

59.1

59.9

;5  ~g

Es

Nickelniünzcn

5.8

5.8

6.1

6.7

7.6

8.1

8.3

8.6

8.7

8.7

«  ö

S?

©i

Kupfermünzen

9.6

9.6

9.3

9.3

9.3

9.3

9.1

9.0

9.1

9.0

«N

«■/=&amp;gt;

Insgesamt

91.9

95.6

102.5

156.4

146.4

165.4

127.4

135.3

166.3

179.5

:Ö  S

ä  o

Staatspapiere  .  .

13.4

11.1

9.3

7.4

5.4

4.1

—

—

—

—

N

An

Station  alb  anknoten

21.7

20.7

16.4

5.0

1.8

—

—

.  —

—

—

'Sn

  n

Konvertirbare

149.8

180.3

198.3

226.2

197.3

250.5

228.5

214.0

232.0

232.9

Banknoten

•|

ZK

Insgesamt

185.0

212.2

224.1

238.7

204.6

254.6

228.5

214.0

232.0

232.9

Gesamtbetrag

276.9

307.9

326.7

395.1

351.1

420.1

356.0

319.4

398.4

412.4

Barreserve  für  die
von  der  Bank  von

Goldmünzen

6.7

7.0

7,4

63.3

65.5

74.0

35.3

41.1

71.8

81.3

Japan  ausge-Silbermünzcn



22.5

18.8

18.9

1.8

—

9.3

2.6

1.6

—

—

Banknoten

Insgesamt

29.2

25.9

26.3

64.6

65.5

83.3

38.0

42.7

71.8

81.3

Münzen,

Papiergeld  und

Banknoten  im  Umlauf

247.7

282.0

300.3

330.4

285.6

336.8

318.0

306.7

326.5

331.1
        <pb n="33" />
        b)  Betrag  der  Reserve  für  die  von  der  Bank  von  Japan  ausgegebenen  einlösbaren  Banknoten.  Millionen  Den.

Jahr

1893

1894

1895

1896

1897

1898

1899

1900

1901

1902

1903

Ausgegebene  Banknoten

148.6

149.8

180.3

198.3

226.2

197.3

250.5

228.5

214.0

232.0

232.9

8

Gold

21.8

32.3

31.5

90.9

96.9

89.5

103.1

65.3

68.8

108.1

116.9

N
r-Silber

  ....

64.1

49.8

28.8

41.7

1.3

—

7.0

2.0

2.5

1.0

—

J3

ö?

Insgesamt

85.9

81.7

60.3

132.7

98.2

89.5

110.1

67.3

71.3

109.1

116.9

O

L  §

Staatspapiere.  .

17.6

17.9

19.4

17.9

33.1

81.3

23.8

28.7

35.2

38.6

38.4

W

Andere  Wertpapiere

45.1

50.1

100.5

47.6

94.8

76.4

116.6

132.5

107.4

84.3

77.5

^2

C  C
6?«-Insgesamt



62.7

68.0

119.9

65.5

127.9

107.8

140.4

161.2

142.7

122.9

115.9

Gesamt-Betrag

148.6

149.8

180.3

198.3

226.2

197.3

250.5

228.5

2L4.0

232.0

232.9

Betrag  der
Reserve  für  je

Reserve  in  bar  %

57.80

54.55

33.48

66.93

43.43

45.37

43.96

29.47

33.33

47.01

50.22

100  Uen  der  aus-Reserve

  in  Wert-Banknoten



papieren  %

42.20

45.45

66.52

33.07

56.57

54.63

56.04

70.53

66.67

52.99

49.78
        <pb n="34" />
        26

c)  Betrag  der  durch  die  Abrechnungsstellen  gegangenen  Wechsel  und  Checks;
in  Millionen  Stück  oder  Den.

Jahr

Tokyo

Osaka

Kobe,  Kyoto,
Aokohama,
Nagoya

Insgesamt

8N
§  'S-  *
*  S  “
f“f
«?  8

H  L
HZ

L.  *b
*§  g  ff
J2,  ^
i

e  g&amp;gt;
f  S
HZ

«  L
«  §  i-Z
A  Z

#  5
HZ

&amp;amp;
ö  s  ^
A  s

«  H 3
2
N

1898

0.1

148.0

0.1

63.6

0.3

211.6

1894

0.1

185.5

0.1

67.5

0.3

253.1

1895

0.2

289.1

0.2

79.6

0.4

368.7

1896

0.3

417.4

0.3

138.4

0.6

555.8

1897

0.4

552.8

0.3

160.9

0.03

27.6

0.7

741.4

1898

0.7

790.2

0.4

226.9

0.3

169.8

1.6

1187.1

1899

1.2

1095.8

0.7

376.8

0.5

249.5

2.5

1722.1

1900

1.8

1405.4

1.0

523.5

0.9

684.0

3.7

2613.1

1901

1.8

1168.7

1.2

528.1

0.9

739.0

4.0

2435.8

1902

2.2

1350.7

1.5

663.6

1.2

866.5

4.9

2880.9

1903

2.4

1562.6

1.8

821.2

1.5

1203.6

5.8

3587.6

ä)  Postanweisungen.  Millionen  Den.

Rechnungsjahr ­


Inländische
Postanweisungen ­


Postanweisungen
in  Len  Zweigpostanstalten ­
  in
China  u-  Korea

Ausländische
Postanweisungen

Gesamtbetrag

Ausgegeben ­


Bezahlt

Ausgegeben ­


Bezahlt

Ausgegeben ­


Bezahlt

Ausgegeben ­


Bezahlt

1893/94

28.4

28.2

0.1

0.1

0.06

0.2

28.6

28.7

1894/95

23.5

33.7

0.4

0.1

0.07

0.3

34.0

34.2

1895/96

41.9

42.1

0.4

0.1

0.09

0.5

42.5

42.8

1896/97

43.7

45.0

0.3

0.08

0.09

0.5

44.2

45.7

1897/98

50.5

53.1

0.3

0.09

0.1

0.7

51.0

54.0

1898/99

52.2

54.7

0.4

0.09

0.1

0.8

52.7

55.6

1899/1900

63.3

66.3

0.5

0.1

0.1

1.5

64.1

68.0

1900/01

73.9

78.3

2.1

0.3

0.1

1.9

76.2

80.6

1901/02

80.1

84.2

1.9

0.4

0.1

2.9

82.2

87.6

1902/03

88.1

91.8

1.6

0.5

0.2

3.8

90.0

96.1

Wendet  man  sich  von  der  hier  in  den  anitlichetl  Übersichten  gegebenen
Darstellung  des  Geldverkehrs  in  Japan  zu  einer  Betrachtung  der  Höhe
des  in  Japan  vorhandenen  gesamten  Kapitals,  so  ist  zunächst  zu  bemerken, ­
  daß  es  eine  direkte  statistische  Aufnahme,  aus  der  man  diesen
Gesamtbetrag  erkennen  könnte,  in  Japan  nicht  gibt.  Ebensowenig
erlaubt  uns  die  japanische  Statistik,  die  Hohe  der  jährlich  neu  investierten
        <pb n="35" />
        27

Kapitalien  genau  zu  bestimmen  und  es  ist  daher  nur  möglich,  die  Höhe
dieser  beiden  Werte  auf  mittelbarem  Wege  durch  Vergleiche  oder  Berechnungen ­
  kennen  zu  lernen.  Als  ein  geeignetes  Moment  zur  Aufmachung ­
  der  hier  in  Frage  kommenden  Berechnungen  darf  man  neben
verschiedenen  anderen  Faktoren  die  Statistik  über  die  Spareinlagen  betrachten, ­
  die  das  Anwachsen  der  japanischen  Spartätigkeit  in  klarer
Weise  ziffernmäßig  erkennen  läßt.  Für  den  Zeitraum  eines  Jahrzehnts
betrugen  nach  dieser  amtlichen  Statistik  die  Spareinlagen  in  Millionen  Den:

Jahr

In  Sparbanken ­


In  Postsparkassen ­


Zusammen

1893

6.0

—

—

1894

6.8

—

—

1895

12.1

28.9

41.1

1896

18.2

28.2

46.4

1897

25.3

25.7

51.1

1898

30.0

21.9

52.0

1899

44.7

23.4

68.1

1900

49.4

23.3

73.4

1901

44.0

27.1

71.2

1902

51.6

29.5

81.2

Neben  dieser  Übersicht  ermöglicht  uns  jedoch  die  japanische  Statistik
glücklicherweise  noch  diejenigen  Beträge  von  Kapitalien  zu  erfassen,
welche  bei  Aktiengesellschaften  und  bei  lokalen  Anleihen  jährlich  investiert ­
  werden.  Diese  Summen  erreichten  innerhalb  des  gleichen  Jahrzehnts ­
  folgende  Höhe  in  Millionen  Den:

Jahr

Eingezahltes
Kapital  zu  den
Gesellschaften

Betrag
der  lokalen
Anleihen

Insgesamt

Zunahme
im  Vergleich
zum  Vorjahre

1893

137.4

9.0

146.5

11.3

1894

148.3

10.0

158.4

11.8

1895

174.0

10.2

184.3

25.9

1896

397.5

10.5

408.0

223.7

1897

532.5

16.3

548.8

140.7

1898

621.6

23.4

645.1

96.2

1899

683.8

31.8

715.6

70.5

1900

779.2

42.7

821.9

106.3

1901

829.4

51.2

880.6

58.7

1902

878.7

61.1

939.8

59.1

Wie  aus  dieser  Zusammenstellung  sich  ergibt,  betrug  in  der  Hochkonjnnktnrperiode
  die  Zunahme  der  Kapitalsanlage  tu  einem  Jahre  (1896)
        <pb n="36" />
        28

allein  223,7  Millionen  und  im  folgenden  Jahre  nochmals  140,7  Millionen ­
  Den.  Das  Jahr  1900  brachte  dann  wieder  einen  Mehrbetrag
von  angelegten  Kapitalien  in  Höhe  von  über  106  Millionen  Ae»;  dagegen ­
  sind  die  Jahre  1899  sowie  1901/02  wegen  des  in  ihnen  aufgetretenen, ­
  krisenartigen  Rückschlages  nicht  als  normale  Entwicklnngsjahre
  für  die  Anlage  von  Kapitalien  anzusehen.
Ferner  ist  für  die  Berechnung  des  gesamten  japanischen  Volksvermögens ­
  noch  die  Höhe  der  ausgegebenen  Obligationen  von  Privatgesellschaften ­
  und  halböffentlichen  Gesellschaften  als  Anhaltspunkt  heranzuziehen. ­
  Hierfür  kommen  folgende  Institute  in  erster  Linie  in  Betracht:
die  Hypothekenbank  von  Japan,  die  landwirtschaftlichen  und  gewerblichen
Banken,  die  Gewerbebank  von  Japan,  die  Bank  für  Kolonisation  und
Nutzbarmachung  des  Hokkaido  und  schließlich  müssen  auch  die  Staatsanleihen ­
  als  Unterlage  für  eine  solche  Berechnung  gelten.  Des  weiteren
wären  in  diese  Betrachtung  hereinzuziehen  die  mutmaßlichen  Kapitalbeträge, ­
  welche  im  Bergbau  und  in  gewerblichen  Unternehmungen  angelegt ­
  sind,  in  Fischerei,  Landwirtschaft,  Forstkultur  und  Viehzucht,
die  zum  größten  Teil  in  der  Form  von  Einzelunternehmungen  betrieben
werden  und  jedenfalls  hohe  Kapitalsnmmen  erfordern.  Ebenso  ist  die
jährliche  Zuimhme  dieser  Kapitalien  eine  jedenfalls  recht  bedeutende.
Wenn  man  daher  die  neu  investierten  Kapitalsummeu  als  zehn  Prozent
des  gesamten  jährlichen  Nationaleinkommens  ansetzt,  welches  man  zu
2^  bis  3  Milliarden  Den  schätzt,  so  ergibt  dies  eine  Gesamtsumme
der  in  Japan  jedes  Jahr  neu  angelegten  Kapitalien  von  250  bis  300
Millionen  Den.  Wenn  diese  Summe  naturgemäß  auch  nicht  genau  ist,
so  entspricht  sie  im  allgemeinen  doch  sehr  der  Wahrscheinlichkeit.
Während  also  für  das  gesamte  japanische  Wirtschaftsleben  eine
Statistik  des  in  ihm  angelegten  Kapitals  fehlt  und  eine  Berechnung
des  Betrages  nur  schwierig  und  auf  mittelbarem  Wege  sich  ermöglichen
läßt,  ist  dies  für  eine  Berechnung  des  in  der  Landwirtschaft  allein  angelegten ­
  Kapitals  nicht  so  mit  Schwierigkeiten  verbunden,  denn  hier
liegen  eingehende  Schätzungen  von  seiten  Sachverständiger  vor.  Nach
diesen  Schätzungen  beziffert  sich  das  gesamte  japanische  landwirtschaftliche ­
  Kapital,  mit  Ausschluß  kleinerer  flüssiger  —  auch  meist  ausgeliehener ­
  —  Beträge  Millionen  Jen  ans  folgende  Summen;
Wert  des  Ackerlandes  7.047
„  der  Gebäude  —.289
„  „  landwirtschaftlichen  Geräte  —.  75
„  des  Viehstandes  —.174
Total  7.585  Mill.  Yen,

also  über  7 1 / a  Milliarden  Jen.
        <pb n="37" />
        29

Um  die  Einzelfaktoren  der  japanischen  Volkswirtschaft  möglichst
vollständig  in  dem  Rahmen  dieser  Studie  zu  besprechen,  hätten  wir  jetzt
unser  Augenmerk  zunächst  auf  das  Verkehrswesen  und  dann  auf  die
Versicherungsstatistik  zu  richten.
Die  Entwicklung  der  japanischen  Verkehrseinrichtnngen,  besonders
der  Schiffahrt,  hat  von  Jahr  zu  Jahr  eine  steigende,  allgemeine  Aufbesserung ­
  erfahren,  die  sich  im  einzelnen  an  der  Hand  der  folgenden
statistischen  Daten  übersehen  läßt:

a)  Eisenbahnstatistik.

Rechnungsjahr ­


Meilenzahl

Baukosten
in  Millionen  Den

Kapitalien  der  Privatbahnen ­

in  Millionen  Den

Staatsbahnen ­


Privatbahnen ­


Insgesamt ­


Staatsbahnen ­


Privatbahnen ­


Insgesamt ­


angelegt

eingezahlt ­


Reservefonds ­


1872

18

18

1873

18

18

1882/83

170

170

1892/93

550

1320

1870

35.4

47.5

82.9

56.2

46.7

0.7

93/94

557

1381

1938

36.1

52.0

88.1

63.1

48.8

0.5

94/95

580

1537

2118

,  37.6

.  57.8

,  95.2

80.2

59.1

1.3

t  1-2.7

1  -j-2.9

&amp;gt;  -s-5.6

95/96

593

1697

2290

39.2

.  68.6

107.9

99.2

71.6

1.1

1  f4.4

1  f2.5

&amp;gt;  -j-6.9

96/97

631

1875

2507

,  43.6

(  77.1

120.7

120.0

89.0

1.5

•  f5.4

l  -j-9.8

t-j-15.2

97/98

661

2287

2948

.  46.3

.  114.0

160.3

175.3

122.5

2.1

lfl5.5

1  -j-8.7

&amp;gt;  124.3

98/99

768

2652

3420

.  60.0

152.3

.  212.3

213.6

153.9

2.6

1  15.8

&amp;gt;  f7.6

1  f  23.4

1899/1900

832

2806

3638

.  69.9

.  173.4

243.4

227.7

169.9

2.3

l-j-18.1

&amp;gt;  f5.0

1  -j-23.1

1900/01

949

2905

3855

,  85.5

.  191.2

.  276.8

238.0

181.2

3.6

&amp;gt;1-21.6

&amp;gt;  1-6.2

&amp;gt;  -j-27.9

1901/02

1059

2966

4026

.  100.5

.  202.8

303.3

242.5

192.8

4.4

&amp;gt;  1-22.3

&amp;gt;  -j-4.5

&amp;gt;  -j-26.9

1902/03

1226

3010

4237

,  125.7

,213.2

338.9

251.6

202.6

5.1

&amp;gt;1-16.2

&amp;gt;  f9.5

&amp;gt;  -j-19.7

1903/04

1344

3150

4495

Anm.:  t  —  die  Summe,  welche  bisher  für  die  im  Bau  begriffenen  Linien  verausgabt
wurde.
        <pb n="38" />
        30

b)  Schiffahrtsstatistik.

I Ä
JQ

Dampf-  und  Segelschiffe  europäischer  Bauart

Japanische  Dschunken

Dampfschiffe

Segelschiffe

Insgesamt

Zahl
1000

Raumqehalt

Millionen
Kokn

Zahl
1000

Tonnengehalt

1000

Zahl
1000

Tonnengehalt ­

1000

Zahl
1000

Tonnengehalt ­

1000

1893

0.6

176.9

0.7

48.3

1.4

225.2

17.2

2.8

1894

0.7

273.4

0.7

46.9

1.4

320.3

17.3

2.8

1895

0.8

241.3

0.7

44.7

1.5

386.1

17.3

2.9

1896

0.8

273.5

0.6

44.0

1.5

417.6

17.6

3.0

1897

1.0

438.7

0.7

48.1

1.7

486.9

19.0

3.3

1898

1.1

477.4

1.9

170.8

3.0

648.3

19.0

3.0

1899

1.2

510.0

3.3

286.9

4.5

796.9

18.4

2.7

1900

1.3

543.3

3.8

3205

5.1

863.9

18.7

2.7

1901

1.3

583.5

4.0

336.4

5.4

919.9

19.7

2.9

1902

1.4

610.4

3.9

336.1

5.4

946.6

18.7

2.3

1903

1.0

657.2

3.5

322.1

4.6

979.4

1.1

0.4

Zu  dieser  Übersicht  bleibt  zu  bemerken,  daß  die  japanischen  Dschunken
nur  insoweit  Berücksichtigung  gefunden  haben,  als  ihr  Raumgehalt  mehr
wie  50  Kokn  beträgt;  ferner  umfassen  die  Zahlen  für  das  Jahr  1903
nur  die  registrierten  Schiffe.  Die  folgende  Tabelle  bringt  im  Anschluß
an  die  Schiffahrtsstatistik  gleich  den  Wert  der  zur  Einfuhr  und  Ausfuhr
  gelangten  Waren  —  also  des  Außenhandels,  getrennt  nach  der
Nationalität  der  in  Betracht  kommendeil  Handelsschiffe  und  in  Einheiten
zu  Millionen  Jen.

Flagge
der  Schiffe

1896

1903

Einfuhr

Ausfuhr

Total

Einfuhr

Ausfuhr

Total

K

O

£
&amp;amp;

G

‘K
£
s

G

‘K
£
&amp;amp;

V

Japanische

10.3

0.4

5.7

0.3

16.8

106.1

2.3

114.2

1.4

224.2

Britische

65.0

1.5

62.9

1.6

131.2

130.5

1.5

88.8

0.1

221.1

Deutsche

17.3

0.2

12.1

0.2

29.9

37.9

0.5

40.9

—

79.5

Nordamerikanische

1.2

1.1

10.0

2.0

14.4

7.6

0.6

16.0

0.9

25.2

Französische

9.1

—

13.0

i

12  2

6.3

1.7

15.7

23.8

Anderer  Länder

2.6

0.02

2.6

0.4

5.8

19.2

0.6

10.9

0.4

31.2
        <pb n="39" />
        31

c)  Post,  Telegraphie  und  Fernsprechwesen.

Jahr

Post

Telegraphie

Fernfprechwefen

Gewöhnliche  Post

Packetpost

Postrouten

TausendRi

Briefe
und  Drucksachen ­

Mill.  Stück

Postrouten ­

TausendRi

Packete
Mill.  Stück

Länge  der
Drähte
TausendRi

Telegramme ­

Mill.  Stück

Länge  der
Drähte
TausendRi

Ungefähre
Zahl  der
Gespräche
Million.—

1893|94

23.7

323.6

5.5

0.7

10.3

6.5

1.8

7.7

1894  95

24.1

397.1

5.8

1,2

11.6

83

1.9

13.4

1895  96

24.0

451.4

5.8

1.6

12.4

9.4

2.1

13.0

1896  97

24.8

509.1

9.9

2.7

15.6

11.0

2.8

12.2

1897|98

24.5

556.7

10.9

4.1

19.1

14.2

6.7

16.3

1898|99

24.9

61!.5

12.3

4.9

21.5

15.1

12.8

27.7

1899  j  00

19  8

627.9

18.2

5.8

25.3

14.4

18.1

45.7

190001

20.4

752.8

19.2

7.6

28.6

16.7

25.6

66.5

190102

21.2

821.1

20.9

9.3

31.1

16.5

35.2

90.1

1902  03

22.6

903.7

22.3

10.3

33.5

18.0

43.4

118.8

1903  j  04

—

Die  Entwicklung  des  gefaulten  japanischen  Versicherungswesens
während  des  Zeitraums  von  einem  Jahrzehnt  bringt  die  folgende  Übersicht ­
  zur  Darstellung.

Lebensversicherungen ­


Feuerversicherungen ­


Seeversicherungen ­


Transportversicherungen ­


1892

1902

1892

1902

1892

1902

1892

1902

Zahl  der  Gesellschaften ­
  in  Tausend

4

37

3

20

1

3

1
3t

Nominelles  Kapital
in  Millionen  Den

0.8

8.5

2.5

16.7

1.2

7.5

_

0.2
11.0f

EingezahltesKapital
in  Millionen  Den

0.2

2.8

0.6

4.1

0.6

'  1.8

0.05
2.7f

Reservefonds  in
Millionen  Den

1.0

16.9

0.007

61.8

0.4

1.2

0.03

Zahlder  Versicherten
in  Tausend

51.8

668.7

11.4

281.0

33.9

495.9*

0.2
l.Of

Versicherungsbetrag
in  Millionen  Den

17.5

181.6

12.6

427.8

81.0

453.1*

—

0.3
l.lf

In  dem  bisherigen  Verlauf  dieser  Studie  habe  ich  eine  Darstellung
der  wirtschaftlichen  Kräfte  Japans  zu  geben  mich  bemüht,  soweit  die*) ­

  Ziffern  für  1899,  da  solche  für  1902  nicht  vorliegen,
f)  Ziffern  anderer  Gesellschaften,  die  nebenbei  Transportversicherungen  übernehmen. ­
        <pb n="40" />
        32

selbe  in  kurzen  Zügen  statistisch  sich  aufrollen  läßt.  Im  Anschluß  an
diese  volkswirtschaftlichen  Faktoren  wäre  nunmehr  ein  kurzer  Blick  auf
die  finanziellen  Verhältnisse  Japans  zu  werfen,  lind  es  möge  daher  hier
zuerst  ein  Überblick  über  die  Entwicklung  der  japanischen  Staatsfinanzen
gegeben  werden.  Bis  znm  Ausbruch  des  jetzigen  Krieges  läßt  sich  der
Entwicklung  der  Finanzen  Japans  eine  günstige  Aufwärtsbewegung
nicht  absprechen,  wie  man  aus  der  folgenden  allgemeinen  Zusammenstellung ­
  ersehen  kann.  (Millionen  Den).

Rechnungsjahr ­


Einkünfte

Ausgaben

Überschuß

oder
Defizit

Ordentliche ­


Außerordent ­
 ­


Total

Ordentliche ­


Außerordent ­
 ­


Total

1867—68

3.6

29.4

33.0

5.5

24.9

30.5

4-  2.5

1874

71.0

2.3

73.4

60.—

22.2

82.2

-  8.8

1883—84

76.4

6.6

83.1

67.9

15.1

83.1

—

1893—94

85.8

27.8

113.7

64.5

20.0

84.5

+  29.1

1894—95

89.7

8.4

98.1

60.4

17.7

78.1

+  20.0

1895—96

95.4

22.9

118.4

67.1

18.1

85.3

+  33.1

1896—97

104.9

82.1

187.0

100.7

68.1

168.8

+  18.1

1897—98

124.2

102.1

226.3

107.6

115.9

223.6

+  2.7

1898-99

132.8

87.1

220.0

119.0

100.6

219.7

+  0.2

1899—1900

177.3

76.9

254.2

139.6

116.5

254.1

+  0.08

1900—1901

192.1

103.6

295.8

149.1

143.6

292.7

+  3.1

1901—1902

202.0

72.3

274.3

160.3

106.4

266.8

+  7.5

1902—1903

221.2

76.1

297.3

171.0

118.1

289.2

+  8.1

1903—1904

231.8

19.8

251.6

178.4

66.2

244.7

+  6.9

Das  japanische  Staatsbudget  hat  also  seit  dem  chinesisch-japanischen
Kriege  in  Jahre  1894/95  einen  bedeutenden  Aufschwung  zu  verzeichnen
gehabt,  dessen  Höhepunkt  in  das  Jahr  1900/01  fällt.  Wenn  auch  seit
jener  Zeit  die  Höhe  der  Einnahmen  und  Ausgaben  im  allgemeinen
wieder  zurückgegangen  ist,  so  muß  doch  als  besonders  bemerkenswert
hervorgehoben  werden,  daß  es  den  Leitern  des  japanischen  Staatswesens
gelungen  ist,  mit  den  ihnen  zur  Verfügung  stehenden,  ordentlichen  Einnahmen ­
  den  größten  Teil  der  außerordentlichen  Ausgaben  zu  decken
und  trotz  des  recht  bedeutenden  Anschwellens  des  Extraordinariunis  der
Ausgaben  auf  eine  lange  Reihe  von  Jahren  hin  Budgetüberschüsse  erzielen ­
  zu  können.  Man  darf  daher  wohl  zu  dem  Schlüsse  gelangen,
daß  das  japanische  Budget  sich  in  einer  günstigen  Entwicklung  befindet.
Seit  dem  Kriege  Japans  mit  China  ist  es  auf  die  dreifache  Höhe  angewachsen. ­
  Als  ein  weiteres  beachtenswertes  Moment  zur  Kritik  der
japanischen  Staatseinkünfte  ist  der  Umstand  hier  zu  erwähnen,  daß  die
        <pb n="41" />
        33

Grundsteuer,  welche  früher  einen  sehr  erheblichen  Betrag  der  gesamten
Steuereinnahmen  Japans  darstellte,  trotz  der  starken  Ausdehnung  des
Staatsbudgets  keine  so  bedeutende  Zunahme  ausweist,  wie  man  vielleicht
annehnien  sonnte.  Im  Gegenteil  ist  die  Grundsteuer  während  eines
ziemlich  langen  Zeitraumes  nur  geringen  Schwankungen  bezüglich  ihrer
Höhe  unterworfen  gewesen,  wie  aus  der  folgenden  Tabelle  hervorgeht,
die  in  Millionen  Den  einen  Vergleich  der  Grundsteuererträgnisse  zu  den
Gesamtsteuereingängen  bringt.

Rechnungsjahr

Grundsteuer

Sämtliche  Steuern

Sämtliche  Staats-Einnahmen


1869

3.3

4.4

34.4

1874

59.4

64.8

73.4

1878/79

40.4

49.7

62.4

1888/81

43.5

64.2

83.1

1888/89

34.6

63.3

92.9

1893/94

38.8

69.1

113.7

1898/99

38.4

96.1

220.0

1903/1904

46.9

158.4

251.6

Es  sind  also  die  Eingänge  aus  anderen  Steuerqucllen  als  derjenigen ­
  von  Grtind  und  Boden  gewesen,  welche  eine  ganz  erhebliche
Zunahme  aufweisen,  und  da  diese  Steuern  von  Handel  und  Industrie
aufgebracht  wurden,  so  erhält  man  damit  zugleich  einen  Maßstab  für
die  wirtschaftliche  Aufwärtsbewegung,  welche  Japans  Handel  und  Industrie ­
  verfolgen.  Ein  Vergleich  der  einzelnen  Steuerpositionen  ergibt
folgendes  Bild.  Danach  betrug  in  Millionen  Den  der  Ertrag  der

1893/94

1903/04

Grundsteuer

38.8

46.9

Einkommensteuer

1.2

7.4

Gewerbesteuer

—

6.7

Steuer  auf  alkoholische  Getränke

16.6

66.5

Soyasteuer

1.3

3.4

Zuckersteuer

—

7.1

Arzneisteuer

0.6

0.1

Bergwerkssteuer

0.1

0.7

Börsensteuer

0.3

1.0

Banknotensteuer

—

1.1

Ausfuhrsteuer  für  Sake  aus  dem  Regierungsbezirk  Okinawa

0.01

0.1

Tonnenabgabe

—

0.3

Zölle

5.1

16.5

anderen  Steuern

4.8

—

Insgesamt

69.1

158.4

Hierzu  noch:  Einnahmen  aus  Stempelgebühren....

0.7

13.5

Gewinn  aus  dem  Tabakmonopal  ....
Kambe.  Der  russisch-japanische  Krieg.

12.6
        <pb n="42" />
        34

Die  gewaltige  Zunahme  der  Steuererträgnisse,  wie  sie  in  den  vorstehenden ­
  beiden  Ziffernreihen  zum  Ausdruck  kommt,  bedeutet  nun  nicht
etwa  eine  Erhöhung  der  Steuerlast  der  Nation,  also  eine  Anziehung
der  Steuerschraube,  sondern  diese  Steigerung  liegt  einesteils  in  der
Veränderung  der  Verteilung  der  Steuern  begründet,  andererseits  entspringt ­
  sie  einer  allgemeinen  Aufwärtsbewegung  der  Warenpreise.  Über
die  Wirkung  der  erhöhten  Warenpreise  auf  die  Erträgnisse  der  Steuern
hat  Prof.  Rathgen  eine  interessante  Berechnung  angestellt,  aus  der
hervorgeht,  daß  die  heutige  Steuerlast  des  einzelnen  japanischen  Staatsbürgers ­
  fast  dieselbe  geblieben  ist  wie  früher.  Rathgen  berechnet  nämlich ­
  folgendes:

Jahresabschnitte

Geldbetrag  der
Staatssteuern
pro  Finanzjahr
Millionen  Jen

Mittlerer  Reispreis
im
Kalenderjahr  in  Jen

Die  Staatssteuern  sind
also  ungefähr  gleich
einer  Reismenge
von  Millionen  Kokn

1887-89

67.3

4.88

13.8

1890—1893

65.7

7.27

9.0

1900—1903

164.5

11.62

14.1

Das  Bild  wird  auch  nicht  wesentlich  ungünstiger,  wenn  man  in
den  Rahmen  dieser  Berechnung  die  Kommunalabgaben  mit  hineinbezieht.
Eine  überschlägliche  Berechnung  in  dieser  Beziehung  führt  zu  dem  Resultate, ­
  daß  die  sämtlichen  Steuern  in  Japan  einen  Reiswert
von  20  Millionen  Koku  um  das  Jahr  1889
14  „  „  „  „  „  1895
22,5  „  „  „  „  „  1901  besitzen.
Mit  vollem  Rechte  wirft  sich  deshalb  bei  der  Betrachtung  dieser
Umstände  dem  Beobachter  die  Frage  auf,  wie  es  möglich  war,  die  so
sehr  gesteigerten  Bedürfnisse  für  Heer  und  Marine,  wirtschaftliche  und
kulturelle  Zwecke  finanziell  zu  bewältigen,  wenn  doch  die  Einnahmen
aus  den  Steuerquellen  des  Landes  nahezu  keinerlei  bemerkenswerte  Erhöhung ­
  erfahren  haben.  Die  Erklärung  für  diese  auffallende  Tatsache
ist  vor  allem  darin  zu  suchen,  daß  Japan  von  jeher  bemüht  gewesen
ist,  in  höchst  sparsamer  Weise  mit  seinen  Staatsfinanzen  zu  wirtschaften,
daß  die  Beamten  mit  nur  bescheidenen  Gehältern  zufrieden  sind,  keine
großen  Ansprüche  stellen  und  daß  allgeniein  die  Bedürfnisse  des  Volkes
besonders  auch  der  japanischen  Soldaten  und  Matrosen  äußerst  geringe
sind.  Verfolgt  man  von  diesen  Gesichtspunkte  aus  z.  B.  die  Ausgaben
für  Heer  und  Marine  in  ihrem  Anteil  am  gesamten  Staatsbudget,  so
wird  man  die  interessante  Tatsache  bestätigt  finden,  daß  trotz  des  durch
        <pb n="43" />
        35

die  politischen  Verhältnisse  bedingten  Anwachsens  dieser  Ausgaben  für
rein  militärische  Zwecke,  dieselben  trotzdem  noch  nicht  über  ein  Drittel
der  gesamten  Staatsausgaben  gestiegen  sind.
Das  Budget  für  1903/04  bringt  hierüber  folgenden  Ausweis:

Staatsausgaben  in  Millionen  Uen.
Ordentliche  178.4

Davon

Militär  38.4
Marine  22.0
Heeresausgaben  60.5

Außerordentliche  66.2
Militär  3.6
Marine  .  .  .  .  .  7.1
Heeresausgaben  10/7

Davon

Die  gesamten  Staatsansgaben  betragen  also  .  244.7.

Davon  entfallen  auf  das  Militär  42.1  und  auf  die  Marine  29.1
Millionen  Jen.  In  Prozenten  ausgedrückt  betragen  demnach  die  Heeresausgaben ­
  zu  den  Gesamtstaatsausgaben  ....  29.1  °/ 0 -'
zu  den  ordentlichen  Ausgaben  .  .  .  33.9  °/ 0 .
zu  den  außerordentlichen  Ausgaben  .  .  16.1  °/o-Ebenso
  mäßig  ist  die  finanzielle  Belastung  der  japanischen  Volkslvirtschaft
  durch  die  Staatsanleihen.  Am  Ende  des  Rechnungsjahres
1903/04  belief  sich  der  Gesamtbetrag  der  japanischen  Staatsanleihen
auf  564.9  Millionen  Jen.  Ans  den  Kopf  der  Bevölkerung  berechnet,
ergibt  dies  die  lloch  als  sehr  niäßig  zu  bezeichneilde  Belastung  von  11
Jen.  Voll  diesem  Gesamtbetrag  der  Staatsanleihen  lvurde  nur  ein
Drittel  für  Heereszwecke  verwandt,  während  man  im  übrigen  mit  der
Tilgung  dieser  Anleihen  stets  recht  verfuhr.  Ein  Blick  auf  die  folgende,
amtliche  Zusammenstellung  der  japanischen  Staatsanleihen  wird  dies
bestätigen.

Betrag  der  Staatsanleihen  in  Millionen  Den.

Rechnungsjahr

Aufgenommener
Betrag

Getilgter
Betrag

Am  Jahresende
vorhandener
ungetilgter
Betrag

Betrag  der
Staatsschuld  auf
den  Kopf
der  Bevölkerung
in  Den!

1870

4.8

4.8

0.147

1874

6.9

0.7

46.9

1.397

1888/84

—.3

10.4

227.3

6.071

1893/84

18.9

13.3

266.8

6.381

1894/95

53.6

20.9

299.4

6.998

1895/96

82.9

10.6

371.7

8.795

3*
        <pb n="44" />
        36

Fortsetzung  von  Seite  35

Rechnungsjahr

Aufgenommener
Betrag

Getilgter
Betrag

Am  Jahresende
vorhandener
ungetilgter
Betrag

Betrag  der
Staatsschuld  auf
den  Kopf
der  Bevölkerung
in  Den!

1896/97

23.6

12.1

383.3

8.868

1897/98

49.1

11.2

421.2

9.625

1898/99

0.2

8.2

413.2

8.615

1899/1900

104.5

11.6

506.1

10.657

1900/01

24.7

16.1

514.7

10.685

1901/0.1

42.1

11.8

545.0

11.313

1902/03

46.1

31.5

559.6

11.477

1903/04

13.1

7.8

564.9

11.439

Wenn  man  die  japanische  Staatsschuld  am  Ende  des  Rechnungsjahres ­
  1903/04  nach  ihren  Zweckbestimmungen  zerlegt,  so  ergibt  sich
folgendes  Bild,  in  Millionen  Jen.

g&amp;gt;  £
äff
«TS«'
S’jc'g
s'°i§

5  g
°' /3 .b
sr  &amp;amp;

S  g
‘S'J;  §
■Esc  g
i  c

I
d  S-1
  s  1
ö  p  o
Z&amp;gt;  w
SS

Heer

en£
■Ö.2
??■
§*-©ä


S 5
Z  c»s
WU
io?
c

&amp;amp;

W  |
%

Aufgenommener

Betrag

225.9

223.8

18  ).8

35.7

94.4

156.0

250.4

916.8

Getilgter  Betrag

205.3

23.4

60.0

8.7

14.6

39.7

54.3

351.9

Ungetilgter  Betrag

20.5

200.4

120.7

27.0

79.8

116.2

196.1

564.9

Die  Ausgaben  für  wirtschaftliche  Unternehmungen  bedürfen  einer
kurzen  Erklärung,  sie  umfassen  die  Ausgaben  für  Eisenbahn-,  Straßen--und
  Kanalbauten,  für  Zwecke  des  Bergbaus,  der  staatlichen  Stahlwerke
und  des  Fernsprechwesens.
Anktiüpfend  ait  diese  Erörterung  der  Lage  der  staatlichen  Finanzen
mögen  hier  noch  einige  Worte  über  die  lokalen  Finanzen  Platz  finden.
Zunächst  bedarf  hier  der  Umstand  der  Erwähnung,  daß  die  lokalen
Finanzen  währe.id  des  Zeitraums  von  1893/94  bis  1901/02  sich  um
das  2,38fache  vergrößert  haben,  während  die  Staatseinnahmen  in  derselben ­
  Zeit  eine  Zunahme  um  das  2,41fache  ausweisen,  wie  aus  folgender
Gegeuiiberstellung  hervorgeht:
Staatseinnahmen  Lokaleinnahmen
1893/94  113.7  65.9
1901/02  274.3  157.3
        <pb n="45" />
        37

Unter  den  lokalen  Finanzen  zeigen  besonders  die  Finanzen  der
Städte  einen  gewaltigen  Zuwachs,  der  in  der  ganzen  Entwicklung  der
Städte  selbst,  sowie  in  derjenigen  von  Handel  und  Industrie  seine  Erklärung ­
  findet.  Neubauten  und  Verbesserungen  in  den  Städten,  Einrichtung ­
  moderner  guter  Straßen  und  Kanalisationsanlagen  bilden  das
treibende  Moment  des  gesamten  Aufschwunges.  Über  die  Einnahmen
und  Ausgaben  der  Lokalfinanzen  bringt  die  folgende  Übersicht  die  nötige
Aufklärung;  in  Millionen  Jen.
(Tabelle  siehe  Seite  38.)
Die  Landkreise  (§uv)  erheben  keine  direkten  Steuern,  vielmehr
werden  ihre  Ausgaben  von  den  zugehörigen  Städten  und  Dörfern  getragen, ­
  soweit  sie  eben  nicht  durch  Einnahmen  aus  dem  Vermögen  des
Landkreises  selbst  oder  aus  anderen  Quellen  gedeckt  werden.
Wenn  man  schließlich  noch  einen  Blick  auf  die  lokalen  Anleihen
wirft,  so  muß  man  zwar  zugestehen,  daß  dieselben  eine  recht  erhebliche
Höhe  erreicht  haben;  immerhin  betragen  sie  in  ihrer  Gesamtsumme
nur  eiu  Zehntel  der  Staatsanleihen.  Die  lokalen  Anleihebeträge  bezifferten ­
  sich  in  Millionen  Jeu,  jeweils  am  Ende  des  Jahres  auf
folgende  Gesamtbeträge.

Jahr

Millionen  Den

Jahr

Millionen  Den

1890

0.7

1898

23.4

1893

9.0

1899

31.8

1891

10.0

1900

42.7

1895

10.2

1901

51.2

1896

10.5

1902

61.1

1897

16.3

1903

67.1
        <pb n="46" />
        CO
st
st
st
Z

Regierungsbezirke  (Fu  und  Ken)

Städte  (shi)

Kleine  Städte  (oho)  und  Dörfer

Gesamtbetrag

Einnahmen

or
§5

Einnahmen

tt
st
&amp;amp;

Einnahmen

g
st
cs*

S
ü
©

g  g
3  S  "
0  Zs

g
P
ö?

g

st  st
§&amp;lt;a

'S
St

g
g
©

g  g
3
3
§£3

|
st
&amp;amp;?.

Einnahmen ­


Ausgaben

1889/90

15.5

8.1

23.6

21.5

—

—

—

—

—

—

—

—

—

—

1893/94

16.7

15.1

31.8

24.5

1.6

8.3

10.0

4.4

14.9

9.1

24.0

22.4

65.9

51.4

1894/95

17.1

12.4

29.5

26.0

1.9

8.4

10.3

5.1

15.9

10.3

26.2

24.6

66.2

55.8

1895/96

18.0

9.5

27.5

24.8

2.2

8.7

10.9

6.2

18.1

10.7

28.9

26.8

67.5

57.9

1896/97

22.9

18.0

41.0

31.6

2.6

8.4

11.1

7.9

20.2

12.0

32.3

30.1

84.4

69.7

1897/98

24.8

21.2

46.0

40.0

3.4

10.1

13.6

10.5

24.7

16.1

40.8

38.2

100.5

88.8

1898/99

31.4

16.1

47.6

41.7

4.6

10.6

15.3

11.2

29.1

17.5

46.6

43.4

109.6

96.4

1899/00

37.0

19.1

56.2

48.4

6.0

13.7

19.8

15.0

32.7

20.4

53.2

49.3

129.3

112.8

1900/01

39.8

19.0

58.8

52.0

9.6

14.7

24.3

19.0

37.8

24.4

62.2

58.0

145.4

129.0

1901/02

43.1

15.5

58.7

52.4

10.9

17.4

28.3

22.1

44.2

26.0

70.3

65.3

157.3

139.8

1902/03

41.1

10.5

51.6

51.5

—

—

—

—

—

—

—

—

—

—

1903/04

39.7

9.3

49.0

49.0

'
        <pb n="47" />
        II.  Teil.

Einfluß  des  russisch-japanischen  Krieges  auf  die  japanische
Volkswirtschaft.

1.  Kapitel.
Der  gegenwärtige  Einfluss  des  russisch-japanischen  Krieges  auf  die
japanische  Volkswirtschaft.
In  dem  ersten  Teile  dieser  Studie  wurden  diejenigen  Momente
der  japanischeil  Volkswirtschaft  entwickelt,  welche  auf  die  augenblicklichen, ­
  kriegerischen  Ereignisse  in  Ostasien  von  Einfluß  gewesen  sind
und  es  erübrigt  nun  noch,  die  Kehrseite  zu  betrachten,  indeni  untersucht
wird,  welche  Wirkungen  der  Krieg  bisher  ans  die  wirtschaftliche  Entwicklung ­
  Japans  ausgeübt  hat,  und  welche  Folgeerscheinungen  sich  in
Zukunft  daraus  noch  ableiten  werden.  H^r  sollen  zunächst  die  heute
sich  bereits  bemerkbar  machenden  Einflüsse  einer  allgenieinen  Darstellung
unterzogen  werden,  da  dieselben  ein  größeres  Interesse  in  Anspruch
nehmen  dürften;  im  Anschlüsse  daran  sollen  dann  die  etwaigen  zukünftigen ­
  Einwirkungen  eine  sachgemäße  Erörterung  finden.
Als  ein  hervorragendes  Moment  ist  die  Einwirkung  des  Krieges
auf  die  japanische  Finanzwirtschaft  an  erster  Selle  hier  zu  besprechen,
denn  die  finanziellen  Opfer,  welche  der  Krieg  japmlischerseits  erfordert,
sind  naturgeniäß  sehr  erhebliche.  Trotzdem  muß  man  gleich  zu  Anfang
konstatieren,  daß  das  japanische  Volk  es  durch  seine  große  Opferwilligkeit ­
  verstanden  hat,  diesen  hohci:  pekuniären  Anforderungen  gerecht  zu
werden,  nachdem  es  einmal  die  Notwendigkeit  des  Krieges  als  unvernieidlich
erkannt  hatte.  Andererseits  gewinnt  man  den  Eindruck,  daß  die  japanische ­
  Finauzverwaltung  sich  bemüht  hat,  die  finanziellen  Lasten,  welche
dem  Volke  aus  dem  Kriege  naturgemäß  erwachsen,  nach  Möglichkeit  zu
beschränken  und  durch  weise  angebrachte  Ersparnisse  ans  dem  laufenden
Etat,  sowie  mit  Zuhilfenahme  von  Anleihen  im  In-  und  Auslande
und  kräftige  Heranziehung  bestimmter  Spezialfonds  in  ihrer  Gesamtwirkung ­
  möglichst  gleichmäßig  zu  verteilen  und  so  einzelne  Schärfen  zu
vermeiden.
Als  der  Krieg  zwischen  Japan  und  Rußland  auszubrechen  drohl  e,
        <pb n="48" />
        40

war  man  natürlich  nicht  in  der  Lage  übersehen  zu  können,  wie  lange
er  dauern  und  welche  Kosten  er  jedes  Jahr  verursachen  würde.
Zunächst  war  es  der  japanischen  Regierung  gleich  möglich,  ohne  besondere ­
  Maßnahmen  treffen  zu  müssen,  lediglich  auf  Grund  einer
kaiserlichen  Verordnung  vom  Dezeinber  1903,  die  Kriegskosten  bis  zum
31.  März  1904  im  Gesanitbetrage  von  156  Millionen  Jen  decken  zil
können  und  zwar  in  folgender  Weise:  Es  wurden  100  Millionen  Den
5  prozentiger  Schatzscheine  ausgegeben,  25  Millionen  Jen  ans  den
Spezialfonds  entnommen  und  31  Millionen  Jen  aus  Vorschüssen  der
japanischen  Bank  aufgebracht.  Im  März  1904,  nachdem  der  Ausbruch
des  Krieges  erfolgt  war,  wurde  der  japanische  Reichstag  einberufen,
um  über  ein  ihm  vorgelegtes  Kriegsbudget  zu  beraten.  Dieser  Kriegskostenetat ­
  fand  mit  unwesentlichen  Abänderungen  sofortige  Annahme,
und  dadurch  gelangte  die  Summe  von  420  Millionen  Jen  für  die  Zeit
von:  April  1904  bis  zum  Ende  des  Jahres  zu  einer  budgetmäßig  festgesetzten ­
  Bestimmung;  380  Millionen  Den  sollten  nur  für  Kriegszwecke ­
  verwandt  werden,  während  der  Rest  von  40  Millionen  als
Notreservefonds  zurückzulegen  sei.  Die  Einnahmequellen,  ans  denen
diese  Kriegskosten  Herflossen,  waren  die  folgenden:
Ersparnisse  aus  dem  laufenden  Etat  48  Millionen  Den

Außerordentliche  Steuern

62

„

„

Aus  Spezialfonds

30

„

„

Aus  Krediten

280

„

„

420
Die  Summe  von  62  Millionen  Jen  außerordentlicher  Steuern
setzte  sich  aus  folgenden  Einzelpositionen  zusammen,  deren  Ziffern  in
1000  Jen  gegeben  sind.
Erhöhungen  bestehender  Steuern:

Grundsteuer

23936.2

Einkommensteuer

5287.3

Gewerbesteuer

5036.1

Alkoholsteuer

178.4

Soyasteuer

1138.9

Zuckersteuer

8212.3

Bergwerksteuer

79.1

Börsensteuer

532.8

Ausfuhrsteuer  auf  Sake

5.3

Zölle

2330.6

Stempelgebühren

3620.7

Tabakmonopol

8466.2

Neu  eingeführte  Stenern:
Steuern  auf  Wollstoffe  2138.6
Petroleumsteuer  1238.5

Insgesamt:  62.201.800  Den.
        <pb n="49" />
        41

Wenn  nun  auch  auf  diese  Weise  62  Millionen  Jen  an  Mehrerträgnissen ­
  erzielt  werden,  so  ist  diese  Summe  doch  nicht  gleichbeteutend
mit  einer  eben  solchen  Steuererhöhung.  Dadurch  nämlich,  daß  in
dem  Norinaletat  die  Grundsteuer  um  etwa  10  Millionen  Jen  niedriger,
und  verschiedene  indirekte  Steuern  ebenfalls  mit  geringeren  Ergebnissen
als  bisher  angesetzt  waren,  ergibt  sich,  daß  von  den  mehrerzielten
62  Millionen  Jen  nur  48  Millionen  durch  stärkere  Heranziehung  der
Steuerquellen  erbracht  wurden.  Die  Gesamtsteuer  aller  Positionen  wurde
dadurch  um  26"/,  erhöht,  nämlich  von  184  auf  232  Millionen  Den.
Man  muß  es  als  eine  jedenfalls  sehr  vernunftgemäße  Maßnahme
betrachten,  daß  Japan  zur  Deckung  seiner  Kriegskosten  neben  dem
Wege  der  Anleihe  auch  diese  Steuererhöhungen  vornahm,  und  diese
wiederum  eben  deshalb  vornehmen  konnte,  weil  bisher  keine  übermäßige
Steuerlast  das  japanische  Volk  bedrückte.  Auch  die  Erhöhung  um  26"/,
bedeutet  keineswegs  eine  übermäßige  Inanspruchnahme  der  steuerlichen
Kraft  des  japanischen  Volkes.  Neben  der  Erhöhung  der  direkten  Steuern
fand  auch  eine  durchweg  wohlbedachte  Erhöhung  gewisser  indirekter
Steuern  statt,  wenn  auch  allerdings  in  geringerem  Maße.  Durch  die
neuen  Gesetzesbestimmungeu  wurden  die  direkten  Steuern  von  61  Millionen
auf  86  Millionen,  also  um  etwa  41°/,  erhöht,  tvährend  die  Steigerung ­
  bei  den  indirekten  Steuern  nur  von  123  auf  146  Millionen  getriebenwurde, ­
  was  gleichbedeutend  mit  einer  Erhöhung  um  knapp  18°/,  ist.
Die  Begebung  der  auswärtigen  Anleihen  geschah  in  folgender
Weise.  Zunächst  wurden  im  Mai  1904  in  London  und  New-Iork
100  Millionen  Jen  einer  6prozentigen  Anleihe  aufgenommen,  der
in  demselben  Monate  eine  zweite  innere  Anleihe  von  100  Millionen
Jen  5  prozentiger  Schatzscheine  folgte.  Gleichfalls  als  innere  Anleihe
gelangten  dann  im  Oktober  1904  80  Millionen  Jen  zur  Aufnahme,
womit  insgesamt  280  Millionen  Jen  für  die  Zwecke  der  Kriegsführung ­
  aufgebracht  waren.  Da  man  aber  —  mit  Ablauf  des  Jahres
1904  noch  nicht  absehen  konnte,  wann  der  Krieg  nach  menschlichem
Ermessen  vielleicht  beendet  sein  dürfte,  so  galt  es  für  Japan  auf  die
Erschließung  von  Einnahmequellen  zur  Deckung  der  Kriegskosten  im
nächsten  Jahr  Bedacht  zu  nehmen.  Nach  den  Erfahrungen  des  ersten
Kriegsjahres  hatte  man  für  das  Jahr  1905  einen  Voranschlag  aufgestellt,
demzufolge  für  Militär-  und  Marinezwecke  sich  700  Millionen  Jen
und  für  sonstige  mit  dem  Kriegszustände  verbundene  Ausgaben
80  Millionen  Jen  als  erforderlich  erwiesen.  Die  Regierung  legte  daher ­
  im  November  des  Jahres  1904  eine  zweite  6prozentige  auswärtige ­
  Anleihe  im  Betrage  von  120  Millionen  Den  ebenfalls  in
London  und  New-Iork  auf.  Hiermit  war  aber  nur  etwa  der  sechste
Teil  des  Kriegsbedarfs  finanziell  gedeckt,  es  mußten  also  weitere  Ein-
        <pb n="50" />
        42

nahmen  noch  erschlossen  werden.  Die  Regierung  berief  daher  den  japanischen ­
  Reichstag  zum  30.  November  1904  und  legte  demselben  den
Normaletat  für  das  Jahr  1905/06  ini  Voranschläge  sowie  den  außerordentlichen ­
  Kriegsctat  für  das  Jahr  1905  zur  Genehmigung  vor..
Der  Voranschlag  zum  Normaletat  des  Jahres  1905/06  sieht  an  Ausgaben ­
  280  Millionen  Jen  und  an  Einnahmen  304  Millionen  Jen
vor;  es  ergibt  das  betreffende  Etatsjahr  rechnungsmäßig  also  einen
Überschuß  von  24  Millionen  Jen,  der  durch  weitere  Ersparnisse  noch
in  die  Höhe  zu  bringen  war.  Die  Regierung  entschloß  sich  daher  zun
Vornahme  verschiedener  Einschränkungen,  um  aus  diese  Weise  allein
aus  dem  Normaletat  einen  Überschuß  von  123  Millionen  Jen  zu  erzielen; ­
  ferner  wurden  für  die  Kriegskosten  noch  8  Millionen  Jen  aus
Spezialfonds  überwiesen.  Alle  diese  Einnahmen  genügten  jedoch  bei
weitem  nicht,  um  das  Kriegsbedürfnis  zu  decken,  daher  mußte  man
nochmals  zur  Steucrerhöhung  und  zur  Aufnahme  von  Anleihen  schreiten.
Zu  diesem  Zwecke  hatte  die  Regierung  einen  neuen  Finanzplan
ausgearbeitet,  in  welchem  eine  Erhöhung  der  Erträgnisse  aus  folgendeit
Steuerquelleit  vorgesehen  war.  Es  sollten  mehr  erbringen:  die  Grundsteuer, ­
  Einkommensteuer,  Gewerbesteuer;  die  Steuer  auf  alkoholische
Getränke,  auf  Zucker  und  Arzeneien;  die  Bergwerks-,  Register-  und
Börsensteuer,  solvie  die  Zölle.  Weitere  Einnahmen  wollte  man  erbieten
durch  die  Einführung  der  folgenden  neuen  Stenern:  Gewebesteuer,  Verkehrssteuer, ­
  Erbschaftssteuer  und  dtirch  das  Salzmotiopol.  Dieser  Mehrbetrag ­
  wurde  zu  insgesamt  82  Millionen  Den  veranschlagt.  Bei  der
parlamentarischen  Besprechung  dieses  Voranschlages  im  Reichstag  wurden
diese  Einnahmen  jedoch  auf  74  Millionen  Den  reduziert.  Zur  Deckung,
der  weiter  erforderlichen  finanziellen  Anfweitdungeit  in  Höhe  von  566
Millionen  Jen  war  in  dem  Finanzplan  auf  den  Weg  der  Anleihen
verwiesen.  Der  Reichstag  erhöhte  den  Anleihenvoranschlag  noch  um  weitere
5  Millionen  Tjen  und  setzte  die  Ausgaben  des  Normaletats  um  1,5
Millionen  Den  durch  fernere  Ersparnisse  herab,  die  somit  ebenfalls  für
die  Bedürfnisse  des  Krieges  frei  wurden.  Infolge  dieser  Veränderungen
gewaitn  der  schließlich  vom  japanischen  Reichstage  genehmigte  Voranschlag ­
  das  folgende  Aussehen,  in  Tausend  Jen.
Normaletat:
Einnahme»  304333.9
Ausgaben  210  524.4
Überschuß  93809.5
Hierzu  an  nicht  erforderlich  gewesenen
Ausgaben  im  Etat  der  Marine  und  des  Militärs  31149.7
Der  Gesamtüberschuß  betrug  also

124.959.3
        <pb n="51" />
        43

Ter  außerordentliche  Kriegsetat  zeigte  folgende  Positionen:
Ausgaben:  An  Kriegskosten  700000.0
davon  für  die  Marine  100000.0
„  das  Landheer  600000.0
An  sonstigen  Kosten,  die  aus  dem  Kriege  entspringen  80000.0
Gesamtausgaben  780000.0
Einnahmen:  Überschuß  aus  dem  Normaletat  124959.3
Aus  Spezialfonds  8  000.0
Steuererhöhung  und  neues  Monopol  74128.7
Deckung  durch  Anleihen  571000.0
Freiwillige  Volksbeiträge  und  anderes  2000.0
Gesamteinnahme  780088.1
Die  in  dem  Voranschlag  mit  74128  700  Den  angegebene  Erhöhung  der
Steuern  und  die  Erträgnisse  aus  dem  Salzmonopol  setzen  sich  aus  folgenden
Einzelfaktoren  zusammen.
Erhöhung  bestehender  Steuern:
Grundsteuer  18  640.6
Einkommensteuer  5286.4
Gewerbesteuer  5809.0
Alkoholsteuer  2566.0
Zuckersteuer  2  400.1
Arzneisteuer  89.2
Bergwerkssteuer  1989.5
Börsensteuer  432.5
Einfuhrzölle  2687.6
Ausfuhrsteuer  auf  Sake  66.5
Stempeleinnahmen  2  555.3
Neu  eingeführte  Steuern:
Steuer  auf  Gewebe  8468.0
Verkehrssteuer  3188.1
Erbschaftssteuer  4909.5
Salzmonopol  16239.6
Insgesamt  74128.7
Es  ist  nun  nicht  ohne  einiges  Interesse  zn  verfolgen,  tu  welcher
Weise  innerhalb  der  letzten  drei  Etatsjahre  die  direkten  und  die  indirekten ­
  Steuern  sowohl  absolut  wie  auch  relativ  sich  verändert  haben.
Es  betragen  in  Millionen  Jen  während  dieser  letzten  drei  Etatsjahre:

1903—04

1904-05
nebst  Kriegsetat
1904

1905—06
nebst  Kriegsetat
1905

Die  indirekten  Steuern

nebst  den  Monopole

123.4

146.0

183.7

Die  direkten  Steuern.  .  -

61.2

86.6

138.0

Zusaminen  also  .  .  j

184.6

232.6

321.7
        <pb n="52" />
        44

Setzt  man  die  Steuersummen  des  Etatsjahres  1903/4  gleich  hundert,
so  ergibt  sich  folgendes  Anwachsen:

Indirekte  Steuern  nebst

den  Monopolen  .  .

100

118

148

Direkte  Steuern  ....

100

141

225

Gesamtsteuer  .  .

100

126

174

Der  prozentuale  Anteil  jeder  Steuerart  —  direkte  oder  indirekte  —
an  der  Gesamtsteuersumme  jedes  Etatsjahres  zeigt  folgende  Verschiebung,
die  innerhalb  der  drei  Jahre  eine  Abnahme  der  indirekten  uub  eine
Zunahme  der  direkten  Stenern  um  jeweils  10°/ o  erkennen  läßt:

Indirekte  Steuern

nebst  Monopole  °/ 0  .

67

63

57

Direkte  Steuern  °/ 0  .  .  .

33

37

43

100  •/„

100  °/o

100  o  l 0

Durch  diese  Besprechung  des  japanischen  Budgets,  sowie  der  Erörterung ­
  der  steuerlichen  Einnahmen  und  deren  bewirkte  Erhöhungen
hat  der  erste  Teil  der  japanischen  Staatsfinanzeu  eine  genügende
Würdigung  erfahren;  es  erscheint  nunmehr  angebracht,  dem  Leser  eine
Entwicklung  der  japanischen  Staatsschulden  zu  geben,  uni  so  das  Bild
über  die  Lage  der  japanischen  Finanzwirtschaft,  wie  sie  durch  den  Krieg
sich  gestaltet  hat,  zu  vervollständigen.
Nach  der  amtlichen  Statistik  betrugen  am  Ende  der  Jahre  1903
und  1904  die  japanischen  Staatsschulden  in  Millionen  Jen:
(Tabelle  befindet  sich  ans  Seite  45.)
Gleicherweise,  wie  man  in  Japan  sich  bemüht  hat,  bei  den  Staatsfinanzen ­
  unnötige  Ausgaben  zu  vermeiden  und  durch  weise  Beschränkung
der  notwendigen  Bedürfnisse  Ersparnisse  in  großem  Stile  zu  erreichen,
so  hat  man  auch  bei  den  Lokalfinanzen  durch  sparsame  Wirtschaft  Überschüsse ­
  erzielt.  Durch  die  Einführung  eines  besonderen  Lehrsystems  in
den  Schulen  hat  man  einen  großen  Teil  der  Ausgaben,  welche  sonst
die  Gemeinden  für  Erziehungszwecke  aufzuwenden  genötigt  waren,  zu
ersparen  gewußt.  Andere  öffentliche  Arbeiten,  die  den  Gemeinden  große
Kosten  verursachen  würden,  hat  man  bis  zu  gelegenerer  Zeit  aufgeschoben, ­
  so  besonders  den  Bau  von  Straßen,  Wegen  und  Brücken,  soweit ­
  dieselben  ans  Verkehrsinteresse  nicht  eben  dringend  notwendig  waren.
        <pb n="53" />
        45

lEnde  1903

Ende  1904

Zunahme
oder  Abnahme

Staatsanleihen:

Alte  Anleihe

3.9

3.7

—  0.2

Renten  anleihe

16.6

16.6

Flottenanleihe

8.2

8.2

Consolidierte  Anleihe

167.t

167.1

Kriegsanleihe
Eisenbahnanleihe

1903

1904

115.6

115.6

4°/ 0  ausländische

17.5

17.5

5°/ 0  innere

37.2

37.2

Insgesamt

54.8

54.8

Staatsanleihe  für  öffentliche  Arbeiten

4"/o  ausländische

78.0

78.0

5°/ 0  innere

65.1

65.1

Insgesamt

143.1

143.1

Staatsanleihe  für  den  Bau  von  Eisenbahnen

ans  der  Insel  Jezzo  (Hokkaido)

4"/y  auswärtige

2.0

2.0

5°/ 0  innere

3.5

3.5

Insgesamt

5.5

5.5

Anleihe  für  öffentlicheArbeitenaufFormosa

23.7

27.7

-s-  4.0

Auswärtige  Anleihe  zu  6°/ 0

—

115.8

+  115.8

Insgesamt  .  .

538.9

658  6

+  119.7

Kurzfristige  Anleihen

Vorschüsse  von  der  Centralbank

a.)  für  Kriegszwecke

7.0

92.0

+  85.0

b)  für  andere  Zwecke

39.8

27.8

—  12.0

Insgesamt  .  .

46.8

119.8

+  73.0

Schatzscheine

Exchequer  bills

10.0

35.0

+  25.0

Exchequer  bonds

—

142.7

-j-  142.7

Insgesamt  .  -

10.0

177.7

+  167.7

Gesamtbetrag  aller  Schulden  .  .

595.8

956.3

+  360.5

Prozentuale  Zunahme  .  .

100

160

+  60

Innerhalb  des  ersten  Kriegsjahres  hat  sich  also  die  japanische
Staatsschuldenlast  um  60°/g  vermehrt.
        <pb n="54" />
        46

Trotz  und  alledem  hat  man  nicht  mit  den  Geldern  geknausert  und  lieber
mehr  ausgegeben,  sofern  mau  dadurch  sich  in  der  Zukunft  sichere  Einnahmen ­
  zu  verschaffen  glaubte;  die  Produktivkräfte  des  Landes,  sowie
der  Handel  sind  stets  in  freigebigster  Weise  finanziell  gefördert  worden.
Außerdem  hat  der  Krieg  dazu  geführt,  daß  man  sich  in  erhöhtem  Maße
der  Pflege  und  Besserung  der  finanziellen  Mittel  der  Gemeinden  auf
alle  mögliche  Art  gewidmet  hat,  besonders  wurden  im  Interesse  der
Gemeindefinanzen  Aufforstungen  vorgenommen  und  umfangreiche  Fischznchtanlagen
  eingerichtet,  die  späterhin  den  Gemeinden  dauernd  Erträgnisse ­
  abwerfen  werden.  Neben  diesen  Maßnahmen,  deren  Tendenz
sich  auf  die  Erzielung  späterer  Einnahmen  der  Gemeinden  und  Landkreise ­
  erstreckt,  hat  man  auch  nicht  versäumt,  dort  wo  es  angängig  war,
eine  Erhöhung  der  augenblicklichen  Einnahmen  zu  erreichen.  So  hat
man  in  denjenigen  Gemeinden  des  Regierungsbezirks  Jamaguchi,  wo
die  Gemeindelandsteuer  und  die  Haussteuer  verhältnismäßig  niedrig
angesetzt  waren,  eine  außerordentliche  Erhöhung  dieser  Steuern  zu  dem
Zwecke  durchgeführt,  um  dadurch  die  Errichtung  der  Kriegsandenkenvermögen ­
  zu  befördern.  In  ähnlicher  Weise  hat  im  Regierungsbezirk
Jschickama  die  Einwohner  veranlaßt,  den  Gemeinden  oder  den  Schulen
Vermögensanteile  zu  stiften,  anstatt  kleine  Geldsummen  fiir  militärische
oder  Marinezwecke  dem  Ministerium  einzusenden.  Da  man  dann  diese,
den  Gemeinden  so  zugeflossenen  Gelder  zum  Ankauf  von  Kriegsschatzscheinen ­
  verwandte,  so  erzielte  man  hierdurch  einen  doppelten  Erfolg:
einmal  bekam  der  Staat  auf  diese  Weise,  vorher  genau  fixierbare  Geldbeträge ­
  für  seine  Schatzscheine,  anstatt  auf  die  unbestimmbaren  Erträgnissekollektenartig ­
  eingehender  Geldsummen  angewiesen  zu  sein,  zweitens
stärkten  die  Gemeinden  ihre  finanzielle  Position  durch  solche  Einnahmen
und  erhöhten  dadurch  ihre  finanzielle  Selbständigkeit  für  späterhin.
In  dem  Landkreise  Jruma  des  Regierungsbezirks  Saitama  hat
man  zum  Andenken  an  den  augenblicklich  sich  abspielenden  Krieg  einzelne
Vermögen  der  Schule  gestiftet,  und  so  den  Grund  für  eine  Kapitalansammlung
  gelegt,  aus  der  die  finanziellen  Bedürfnisse  fiir  die  geistige
Erziehung  der  Jugend  bestritten  werden  sollen.  Neben  diesen  fundamentalen ­
  Neuerungen  oder  Stiftungen,  die  alle  darauf  hinauslaufen,  in
diesen  schweren  Kriegszeiten  dem  Staate  zu  helfen,  die  finanziellen
Lasten  tragen  zu  können,  hat  man  auch  in  der  Verwaltung  vereinfachtere ­
  Prinzipien  zur  Durchführung  gebracht;  so  wurde  in  dem  Dorfe
Dohi  im  Landkreis  Takata  des  Regierungsbezirkes  Shidznoka  ein  verbessertes ­
  System  der  Entrichtung  der  öffentlichen  Abgaben  eingeführt,
wodurch  erhebliche  Kostenersparnisse  in  der  Verwaltung  erzielt  wurden.
Wenn  man  die  Gesanitwirkungen,  welche  der  Krieg  auf  die  japa-
        <pb n="55" />
        47

nische  Volkswirtschaft  hervorgerufen  hat,  betrachtet,  so  muß  man
folgende  Kardinalpnnkte  hervorheben.  Japan  hat  während  des  Jahres
1904  durch  erhöhte  Steuerleistung  62  Millionen  Jen  und  durch  Auflegung ­
  von  Anleihen  280  Millionen  Jen  mehr  als  gewöhnlich  von
dem  Jnlandskapital  gebraucht,  um  sie  für  die  Zwecke  des  finanziellen
Kriegsbedarfs  bereit  zu  stellen,  ferner  hat  Japan  rund  eine  Million
feiner  Söhne  auf  den  Kampfplatz  hinausgesandt.
Es  läßt  sich  nicht  leugnen,  daß  die  japanische  Volkswirtschaft  durch
solche  außergewöhnliche  Belastungen  schwer  bedrückt  wird,  aber  die
starkentwickelten  lebenskräftigen  Eigenschaften  der  japanischeil  Volkswirtschaft ­
  und  vor  allem  die  Energie  des  Volkes  selbst  verhindern  es,
daß  im  japanischeil  wirtschaftlichen  Leben  sich  irgendwelche  Verwirrungen
oder  gar  krisenartige  Störungeil  zeigen.  Gerade  wegen  dieses  Punktes
war  man  in  japanischen  leitenden  Kreisen  besorgt,  ob  nämlich  die  wirtschaftliche ­
  Kraft  Japans  genügend  stark  sei,  um  die  enormen  Lasten
eines  Krieges,  von  dem  man  kein  Ende  absah,  tragen  zu  können.  Daß
Militär  und  Marine  genügen  und  ihre  Pflicht  völlig  erfüllen  würden,
davon  war  man  in  jenen  Kreisen  aufs  bestimmteste  überzeugt.  Im
allgemeineil  hat  nun  die  japanische  Volkswirtschaft  keinerlei  bedeutenden
Schaden  erlitten,  sondern  die  Arbeitskraft  und  der  Sparsinn  des  Volkes
haben  die  außergewöhnlichen  siiiaiiziellen  Belastungen  des  Landes  bisher ­
  noch  zil  tragen  vermocht,  selbst  der  Geldinarkt  des  Landes  trügt
noch  keine  besonders  ungünstige  Signatur  und  die  Steigerung  des
Zinsfußes  war  vorläufig  nur  gering.
Eine  recht  lebhafte  Gestaltung  wies  sogar  der  Außenhandel  Japans
auf,  und  es  gab  im  Lande  eigentlich  nur  sehr  wenig  arbeitslose  Leute.
Ebenso  waren  die  Landwirte  trotz  des  Krieges  mit  ihrer  Lage  völlig  zufrieden.
Natürlich  sind  nun  nicht  alle  die  großen  Kapitalien,  welche  für
den  Krieg  verwandt  wurden,  zu  rein  unproduktiven  Zwecken  aufgebraucht ­
  worden,  vielmehr  haben  sie  znin  Teil  auch  sehr  produktive  Anlage ­
  gefunden,  die  dem  Handel  nild  der  gewerblichen  Tätigkeit  zu  Nutzen
gereichten.  Wenn  die  japanische  Regierung  für  den  Kriegsbedarf
enorme  Mengen  von  Flanellhemden  kauft,  so  hebt  sie  damit  unwillkürlich ­
  die  Leistungsfähigkeit  dieses  Industriezweiges,  indem  sie  ihn
jetzt  stark  anstrengt  und  ihn  zwingt,  durch  Nenanlage  von  Maschinen
sich  für  die  spätere  Zuknirft  wirtschaftlich  zu  stärken.  Ebenso  erfährt
die  Landwirtschaft  durch  die  großen  Ankäufe  von  Stroh  und  anderen
Kriegsbedarf  eine  bedeutende  finanzielle  Stärkung.  Wenn  auch  vielleicht
die  Kaufkraft  des  einzelnen  Mannes  durch  die  erhöhte  Steuerlast  herabgemindert ­
  wird,  so  bringt  immer  doch  der  Staat  große  Kapitalien  zum  ronlieren,
so  daß  also  das  Volk  stets  einen  großen  Teil  des  Geldes  auf  Umwegen
        <pb n="56" />
        48

zurückerhält  und  somit  seine  wirtschaftliche  und  finanzielle  Position  wohl
Schwankungen,  niemals  aber  dauernden  Schwächungen  unterliegen  wird.
Wie  es  also  mit  den  bedeutenden  Kapitalien  für  die  Kriegsführung
sich  erwiesen  hat,  daß  diese  Summen  keineswegs  alle  unproduktive  Anlage ­
  fanden  und  der  Volkswirtschaft  somit  verloren  wären,  so  ist  es
auch  gleicherweise  mit  der  Situation  ans  dem  Arbeitsmarkte  selbst.  Der
Fortzug  von  rund  einer  Million  arbeitskräftiger  Männer  bedeutet  auch
nicht  einen  gleich  großen  Ausfall  produktiver  Arbeitsleistung  und  somit ­
  eine  Abnahme  des  Volkseinkommens.  Sie  wurden  durch  andere,
in  der  Heimat  zurückbleibende  Männer,  sowie  durch  weibliche  Arbeitskräfte, ­
  ja,  zum  Teil  selbst  durch  Kinder  ersetzt;  besonders  war  die
Möglichkeit  hierzu  bei  der  Ausübung  vieler  landwirtschaftlicher  Arbeiten
gegeben,  die  keine  hohe  Kräfteanstrengnngen  erforderlich  machen.  Natürlich ­
  gab  es  vor  dem  Kriege  auch  eine  ganze  Reihe  nicht  arbeitender
Volkselemente  —  teils  arbeitslose,  teils  arbeitsscheue  —  alle  diese  sind
jetzt  zu  produktiver  Betätigung  herangezogen,  so  daß  ein  Ausfall  an
Arbeitsleistung  im  Großei:  und  Ganzen  nicht  zu  erwarten  steht.
Überträgt  man  die  Wirkungen  des  Krieges  auf  den  japanischen
Außenhandel,  so  muß  zugegeben  werden,  daß  einzelne  Handelszweige,
die  bestimmten  Waren  herstellen,  zwar  mehr  oder  minder  schwer  getroffen ­
  sein  mögen,  dafür  aber  sind  andere  Elemente  im  Außenhandel
aufgetreten,  die  nur  eine  Schwerpunktsverschiebnng  bewirkten,  während
sogar  die  Gesamtwertziffern  der  Ausfuhr  liub  der  Einfuhr  eine  Zunahme ­
  aufweisen.  Die  Statistik  gibt  hierüber  folgende  Aufklärung.  Es
betrug  in  Millionen  Jen  der  Wert  der:

1903

1901

Zunahme
absolut

Zunahme
in  °/o

Ausfuhr  .  .  .  .

289.5

319.2

29.7

10.2

Einfuhr  .  .  .  .

317.1

371.1

54.0

17.0

Insgesamt  .  .

600,6

690.4

83.7

13.8

Im  Jahre  1904  betrug  der  Einfuhrüberschuß  dem  Werte  nach
51.9  Millionen  Den,  auch  war  die  Einfuhrsteigerung  gegenüber  dem
Vorjahre  weit  beträchtlicher  als  die  Zunahme  der  gleichzeitigen  Ausfuhren. ­
  Dieser  Umstand  findet  darin  seine  Erklärung,  daß  eine  bedeutende ­
  Menge  von  Waren,  wie:  Wolle,  Eisen,  Stahl,  Schiffe  für  den
Krieg  benötigt  wurden;  andererseits  wurden  vielfach  Waren  von  den
Händlern  in  größeren  Quantitäten  als  gewöhnlich  bezogen,  da  sie  durch
diese  Vorhereinfuhr  einer  außerordentlichen  Stenererhöhung  aus  dein
Wege  gehen  konnten.  Zu  solche»  Waren  gehören  z.  B.  Zucker  und
        <pb n="57" />
        49

Petroleum.  Diese  beiden  Momente  haben  natürlich  ihre  Einwirkung
auf  die  Gestaltung  des  Außenhandels  im  Jahre  1904  nicht  verhehlen
können.  Andererseits  bleibt,  als  eine  Folgewirkung  der  sparsameren
Lebensweise  des  japanischen  Volkes,  der  bemerkenswerte  Umstand  zu
konstatieren,  daß  die  Einfuhr  von  Genußmitteln  abgenommen  hat.
Die  Erhaltung  der  Seeherrschaft  und  das  Vorrücken  der  japanischen
Landtruppen  haben  es  vermocht,  daß  der  japanische  Außenhandel  unbekümmert ­
  um  die  kriegerischen  Ereignisse  ruhig  seinen  Entwicklungsgang ­
  vorwärtsschreiten  konnte  und  wenn  auch,  wie  oben  bereits  erwähnt, ­
  einzelne  Industrie-  bzw.  Warenzweige  gelitten  haben,  so  konnte
doch  die  aufwärtsstrebende  Gesamttendenz  des  japanischen  Außenhandels
keinen  Augenblick  aufgehalten  werden  und  durch  die  Aufrechterhaltung
der  Produktionskrast  des  Volkes  selbst,  wurden  die  unvermeidlichen
Einfuhrüberschüsse  während  der  Kriegszeit  auf  ein  möglichstes  Minimum
herabgedrückt.
Wenn  man  den  japanischen  Außenhandel  jedoch  nach  seinen
monatlichen  Ausweisen  betrachtet,  so  findet  man,  daß  er  im  Jahre  1904
auch  schwere  Zeiten  durchgemacht  hat,  besonders,  als  der  Handelsflotte
zu  Anfang  des  Krieges  viele  Schiffe  eben  zu  Kriegszwecken  entzogen,
oder  von  der  russischen  Wladiwostok-  oder  Port  Arthtirflotte  zerstört
waren.  Zwar  haben  die  Dampfschiffgesellschaften  durch  Ankäufe  von
Schiffen  im  Auslande  diesem  Mangel  wieder  abzuhelfen  vermocht,  aber
die  Wirkung  auf  den  japanischen  Außenhandel  läßt  sich,  wie  die  folgende
Statistik  zeigt,  nicht  verkennen:
Wert  der  Einfuhr  und  Ausfuhr  in  Millioneit  Jen.

Monat

1903

Ausfu
1904

hr
Vergleich

1903

Einfu
1904

hr
Vergleich

Januar  .  .

20.4

20.7

+

4.3

24.5

28.4

+

3.8

Februar  .  .

188

23.2

+

4.4

24.1

30.1

+

5.9

März  .  .  .

21.1

22.3

+

1.2

34.7

34.2

—

0.4

April  .  .  .

21.4

20.8

—

0.5

33.0

31.2

—

1.8

Mai  .  .  .

23.3

23.4

+

0.09

26.6

35.3

+

8.7

Juni  .  .  .

20.6

22.7

+

2.0

22.7

23.3

+

0.5

Juli  .  .  .

22.6

22.3

—

0.2

27.9

23.4

—

4.5

August  .  .

31.0

29.7

—

1.8

31.4

28.7

—

2.7

September  .

28.1

31.0

+

2.8

19.9

30.9

+

10.9

Oktober  .  .

30.3

34.8

+

4.4

22.0

33.4

+

11.8

November  .

24.7

34.6

+

9.9

22.0

33.5

4-11.5



Dezember.  .

26.5

28.9

+

2.4

27.6

38.4

+

10.8

Insgesamt  .  |

289.5

319.2

+  29.7  !

317.1

371.1

+  54.0

Wenn  man  die  einzelnen  Warengattungen  im  Außenhandel,  bei
denen  sich  infolge  des  Krieges  vorzugsweise  eine  Verschiebung  bemerklich
Kambe,  Der  russisch-japanische  Krieg.  4
        <pb n="58" />
        50

machte,  des  Näheren  untersucht,  so  ist  vor  allem  zu  erwähnen,  daß
die  Ausfuhr  von  Steinkohlen  und  Seegras  bedeutend  abgenommen,
jene  von  Rohseide  und  Tintenfischen  dagegen  stark  zugenommen  hat.
Diese  Erscheinungen  im  auswärtigen  Handel  lassen  sich  dadurch  erklären, ­
  daß  der  Jnlandsverbrauch  an  Kohlen  durch  den  Krieg  mittelbar
und  unmittelbar  stark  gestiegen  ist  und  infolgedessen  die  Ausfuhr  von
selbst  zurückging;  die  Ausfuhr  von  Seegras  wurde  dadurch  gehemmt,
daß  der  Gewinnungsplatz  desselben  nach  der  russischen  Küste  zu  belegen
ist  und  somit  durch  die  russische  Flotte  von  Wladiwostok  aus  häufigen
Bedrohungen  ausgesetzt  war.  Maßgebend  für  die  gesteigerte  Ausfuhr
von  Rohseide  war  der  Umstand,  daß  dieselbe  zumeist  nach  Nordamerika ­
  exportiert  wird,  die  dortigen  günstigen  wirtschaftlichen  Verhältnisse ­
  starke  Nachfrage  hervorriefen  und  die  Schiffahrt  keinerlei
Störung  durch  die  Russen  ausgesetzt  war.  Die  Ausfuhr  von  Tintenfischen ­
  erfolgt  vorwiegend  nach  Hong-Kong,  Schanghai  und  Indien  und
konnte  sich  ungestört  weiter  entwickeln,  da  die  Schiffahrt  dorthin
ungehindert  blieb.
Wesentlich  anders  als  im  auswärtigen  Handel  entwickeln  sich
jedoch  mit  dem  Kriege  die  Verhältnisse  auf  dem  japanischen  Jnlandsmarkte.
  Hier  brachte  der  Krieg  zunächst  naturgemäß  eine  ganze  Reihe
kleinerer  oder  größerer  Verschiebungen,  die  den  ob  solcher  unvorhergesehener ­
  Momente  stutzig  gewordenen  Kaufmann  veranlaßten,  mit
seinen  Einkäufen  zurückzuhalten.  Da  man  den  Verlauf  oder  gar  den
Ausgang  des  Krieges  nicht  übersehen  konnte,  so  wurde  die  Inlandsnachfrage ­
  allgemein  bedeutend  eingeschränkt  und  der  ganze  japanische
Handel  im  Inland  lag  sozusagen  danieder.  Erst  die  fortgesetzten  Siege
zur  See  und  •  auch  zu  Lande  ließen,  besonders  nach  der  Schlacht  bei
Kiu-lien-cheng  am  1.  Mai  hierin  einen  Wendepunkt  eintreten;  der
Kaufmann  überzeugte  sich  allmählich  von  der  Sicherheit  seiner  Position,
Kredit  und  Bedarf  im  Inland  stiegen,  so  daß  bald  wieder  normale
Verhältnisse  allerorts  angetroffen  wurden.  Sehr  bald  erkannte  an  den
finanziellen  Erfolgen  ihrer  neuen  gesteigerten  Tätigkeit  die  japanische
Geschäftswelt,  wie  unangebracht  es  gewesen  war,  den  Inlands  bedarf  so
stark  einzuschränken.  Alles  atmete  hier  bald  wieder  gesundes  Leben  und
jeder  japanische  Seesieg  stärkte  die  wirtschaftliche  Position  des  Kaufmannes ­
  im  Inland.  Seit  Mitte  August  1904  geht  in  Japan  alles
Geschäftsleben  seinen  normalen  gewohnten  Gang  wie  bisher.
Einen  bedeutsamen  Unterschied  zwischen  dem  auswärtigen  und
dem  inländischen  Handel  hat  man  jedoch  für  die  Zeit  des  Niederganges
derselben  zu  konstatieren.  Die  Niedergangsperiode  im  auswärtigen
Handel  machte  sich  nur  in  denjenigen  Gegenden  Japans  bemerklich,
deren  Geschäftsverkehr  sich  besonders  nach  Korea  und  Nordchina  er ­
        <pb n="59" />
        51

streckt,  also  in  dem  Gebiete  von  Nagoya  bis  Okayama,  dessen  Mittelpunkt ­
  Osaka  und  Kobe  bilden.  Hier  trat  der  geschäftliche  Niedergang
in  seinen  Anfängen  bereits  im  Oktober  1903  ein,  er  erreichte  in  den
Monaten  Februar,  März  und  April  1904  seinen  Höhepunkt  und  litt
besonders  unter  dem  Gefühl  der  Unsicherheit  und  dem  Mangel  an
Schiffen.  Dadurch,  daß  Nordamerika  und  europäische  Machtstaaten
sich  bemühten,  den  Kriegsschauplatz  auf  Korea  und  die  Mandschurei  zu
beschränken,  wurde  die  ungünstige  Lage  des  auswärtigen  Handels  etwas
gebessert,  und  bald  brachte  eine  starke  Ausdehnung  des  japanischeil  Absatzes ­
  in  Nordainerika  und  Europa  noch  weitere  Steigerung.  Nach  vier
oder  fünf  Monaten  des  Niederganges  war  also  wieder  eine  Periode  des
Aufschwungs  hier  zu  verzeichnen.
Jni  Gegensatze  hierzu  war  der  Niedergang  auf  dem  Jnlandsmarkte
ein  allgemeiner,  der  sich  auf  das  ganze  Land  erstreckte  und  zudem  auch
zeitlich  länger  ausgedehnt  war.  Auch  hier  wird  der  stärkste  Tiefstaild  in
der  Zeit  voni  Februar  bis  April  genieldet,  die  Warentransporte  waren
durch  die  militärischen  Transporte  stark  behindert,  der  Bankier  mit  seinen
Krediten  sehr  zurückhaltend  und  besonders  das  Volk  äußerst  sparsam.
Wcnil  hier  auch  der  günstige  Verlauf  des  Krieges  naturgemäß  Änderung
schaffte,  so  dauerte  die  schlechte  Geschäftslage  immerhin  doch  wesentlich
länger,  als  die  kurze  Niedergangsperiode  im  auswärtigen  Handel  währte.
Auf  die  japanische  Gewerbetätigkeit  war  der  Einfluß  des  Krieges
nicht  so  bedeutend  wie  auf  den  Handel.  Der  Gewerbefleiß  äußert
sich  zumeist  in  Japan  in  der  Form  der  Hausindustrie  oder  gar
.als  Nebenbeschäftigung,  die  auszuführen  oder  nicht  auszuführen
voll  keiner  besvlidereu  Fernwirkuilg  ist.  Auch  sind  infolge  dieses  hausindustriellen
  Charakters  der  ganzen  Arbeitsbetätigung  keine  so  großen
Kapitalien  hier  angelegt  und  nicht  so  viele  Arbeiter  an  bestimniten
Punkten  beschäftigt,  als  dies  in  der  Fabrik-  und  Maschinen-Jndustrie
der  Fall  ist.  Ebenso  bringt  cs  der  Charakter  der  Hausindustrie  mit
sich,  daß  die  betreffenden  Arbeitselemente  bei  Verfall  eines  bestimmten
Arbeitszweiges  leicht  zu  einer  anderen  Arbeit,  die  ihnen  noch  Nutzen
bringt,  übergehen  können.  Auch  konnten  stellenlose  Arbeiter  schleunigst
die  Plätze  der  ins  Feld  hinausgezogenen  Soldaten  annehmen,  da  die
hausindustrielle  Beschäftigung  zumeist  keinerlei  besondere  Geschicklichkeit
erfordert;  infolgedessen  trat  in  der  japanischen  Hausindustrie  durch  den
Krieg  auch  keine  irgendwie  bemerkbare  Unterbrechung  ein.  Auch  stellenlose ­
  Arbeiter  waren  nicht  viele  vorhanden,  denn  diejenigen,  welche  in
der  Hausindustrie  keine  Beschäftigung  fanden,  erhielten  solche  bestimmt
in  der  Landwirtschaft  und  der  ausgedehnten  japanischen  Fischereitätigkeit,
die  beide  viele  kräftige  Männer  für  den  Feldzug  gestellt  hatten.
Wenn  man  den  Rückgang,  welchen  einzelne,  für  den  Inlandsbedarf
4*
        <pb n="60" />
        52

arbeitende  Industrien:  infolge  des  Krieges  notwendigerweise  erlitten  haben,
genauer  fixieren  will,  so  läßt  sich  eine  derartige  Bemessung  ziffernmäßig
stets  nur  mit  Schwierigkeiten  und  immer  unter  gewissem  Vorbehalte  geben.
Nach  den  Urteilen  Sachverständiger  kann  man  annehmen,  daß  die  bedeutendste ­
  Industrie  Japans,  die  Textilindustrie  etwa  20—30%  Einbuße
ihres  Absatzes  erlitten  hat.  Ferner  die  chemische  Industrie  und  die  Industrie
der  Nahrungsmittel  etwa  30—40  %•  Diejenige  Nahrungsmittelindustrie,
welche  in  der  Hauptsache  für  Kriegsbedarf  arbeitet,  ist  natürlich  voir
der  Produktionseinschränkung  ausgenoinmen.  Eine  Reihe  verschiedener
kleinerer  Industriezweige  dürfte  ebenfalls  in  der  Niedergangsperiode
mit  einer  Einschränkung  von  30—40%  gearbeitet  haben.  Keinerlei
ungünstige  Einwirkung  hat  der  Krieg  jedoch  auf  die  Maschinenindustrie
hervorzurufen  vermocht.
Andere  Industriezweige  haben  zwar  auch  Rückschläge  zu  verzeichnen ­
  gehabt,  doch  waren  diese  nicht  stets  als  eine  Folge  des  Krieges
anzusehen,  sondern  sie  beruhten  häufig  auf  wesentlich  anderer  Grundlage. ­
  So  beruht  z.  B.  der  Rückgang,  welchen  die  Seidenwebereien  in
Nischijin  (Kyoto)  in  der  ersten  Hälfte  des  Jahres  1904  erlitten  haben,
ans  einem  Organisationsfehler,  steht  also  mit  den  Folgewirkungen  des
Krieges  in  keinerlei  ursächlichem  Zusammenhang.  Den  Umfang  und
die  Ausdehnung  der  einzelnen  Industriezweige,  welche  durch  den  Krieg
günstig  oder  ungünstig  beeinflußt  worden  sind,  hier  näher  zu  beleuchten,
würde  zu  weit  führen,  immerhin  mag  hervorgehoben  werden,  daß  vielfach ­
  Jndustrieen  durch  entsprechende  Anpassung  an  den  Inlands-  oder
Auslandsmarkt  es  fertig  gebracht  haben,  sich  den  schädlichen  Einflüssen
der  Kriegszeit  zu  entziehen  und  häufig  ihre  wirtschaftliche  Position  nicht
unwesentlich  zu  stärken.  Besonders  haben  Webereien,  die  bisher  nur
für  den  Inlandsbedarf  arbeiteten,  eine  ausgedehnte  Exporttätigkeit  aufgenommen. ­
  Andere  Jndustrieen  wieder,  deren  Absatzgebiete  ihnen  infolge ­
  des  Krieges  völlig  verschlossen  waren,  fanden  durch  Lieferungen
an  Heer  und  Marine  oft  reichlich  Ersatz;  besonders  kommen  hier  in
Betracht  die  Jndustrieen  für  Baumwoll-Flanelle,  nichtmetallartige  Knopfe
und  die  Sakeindnstrie.  Die  Baumwollgarniudustrie  fand  reichliche  Beschäftigung
  durch  den  Export,  und  die  niedrigen  Jnlandslöhne  brachten
die  Industrie  der  Stroh-  und  Holzgeflechte  zu  einer  aufsteigenden  Entwicklung; ­
  dadurch  daß  die  japanischen  Bierbrauereien  ihr  Absatzgebiet
mehr  nach  Tschifu  und  Südchina  hin  verlegten,  wußten  sie  den  augenblicklichen ­
  Verlust  von  der  Mandschurei  und  Korea  in  geschickter  Weise
zu  ersetzen.  Infolge  der  erhöhten  Frachten  und  Versicherungsprämien
für  ausländische,  amerikanische  und  europäische  Waren  nach  Korea,
konnte  besonders  die  japanische  Papierindustrie  dorthin  in  gesteigertem
Maße  liefern;  überhaupt  waren  allgemein  die  Punkte,  wo  japanisches
        <pb n="61" />
        53

Militär  hinkam,  sofort  günstige  Absatzgebiete  für  japanische  Waren
aller  Art.  Infolge  des  bisherigen  siegreichen  Verlaufs  des  Krieges  hat
der  japanische  Handel  größere  Terraineinbußen  also  nicht  zu  erleiden
gehabt,  mit  Ausnahme  vielleicht  einiger  Sperrungen  zu  Beginn  des
Krieges.
Betrachtet  man  nun  den  Einfluß  des  russisch-japanischen  Krieges  ans
die  Börsen  in  Japan,  so  war  hier  zwar  eine  Einwirkung  zu  konstatieren,  aber
sie  blieb  doch  weit  hinter  den  pessimistischen  Vorahnungen  zurück.  Die
amtlichen  statistischen  Berichte  bringen  uns  darüber  folgendes  Bild:

Jahresende

Körperschaften  |  Aktiengesellschaften

Total

Zahl  der  Makler

1903

2

59

61

831

1904

2

54

56

792

Vergleich

—

—  5

—  5

—  39

Betrag  der  abgeschlossenen  Geschäfte  und  überlieferten  Mengen,
u)  an  bei:  Fondsbörsen  zu  Tokyo  und  Osaka;  in  Tausend  Stücken.

Ort  der  Börse

Geschäfte

Januar/Juni
1903

Januar/Juni
1904

Zunahme
oder  Abnahme

Tokyo  .  .  .

Abgeschlossen

928.0

2014.5

+  1086.5

Überliefert

225.3

172.0

_  53.3

Osaka....

Abgeschlossen

849.0

882.3

+  33.3

Überliefert

106.7

83.6

_  23.1

d)  an  den  Reisbörsen;  in  Tausend  Koku.

Tokyo  .  .  .
Osaka.  .  .  .
Andere  Plätze  .

Abgeschlossen
Überliefert
Abgeschlossen
Überliefert
Abgeschlossen
Überliefert

9191.8
182.6
3512.8
48.1
18672.7
401.0

6993.2
21.6
2530.2
16.3
13769.9
224.5

-  2198.6
-  161.0
-  982.5
-  31.8
-  4902.8
-  176.4

Insgesamt  .  .

Abgeschlossen
Überliefert

31377.4
631.9

23293.2
262.5

-  8084.0
-  369.4

v)  Gerste

an  der  Produktenbörse  zu  Tokyo;  in  Tausend  Kwan.

Tokyo  -  -  -

Abgeschlossen
Überliefert

11236.0
757.4

19236.2
733.6

+  8000.2
-  23.8

Wie  ich  bereits  im  Laufe  dieser  Studie  zu  erwähnen  Gelegenheit
genommen  hatte,  ist  Japan  in  überaus  vorwiegendem  Maße  ein  Agrarstaat ­
  und  daher  die  Blüte  seiner  Landtvirtschaft  für  den  Staat  von
weit  größerer  Bedeutung  als  diejenige  von  Handel  und  Gewerbe.
Durch  den  Ausbruch  des  Krieges  hat  die  ganze  Landwirtschaft  zunächst
        <pb n="62" />
        54

schwer  gelitten.  Zahllose  landwirtschaftliche  Arbeiter  mußten  als  Soldaten ­
  ins  Feld  ziehen,  die  Einfuhr  von  Bohnen  erlitt  eine  starke  Unterbrechung, ­
  ja,  es  machte  sich  sogar  ein  Mangel  an  Düngerstoffen  bemerklich.
  Zudem  wurden  den  Landwirten  erhöhte  Steuern  auferlegt
und  ihr  Betriebskapital  durch  Reichsschatzscheine  zum  Teil  in  Anspruch
genommen.  Trotzdem  ersetzten  sehr  bald  die  Zurückbleibenden,  Alte,
Jünglinge  und  Frauen  die  frei  gewordenen  Arbeitsstellen  und  bemühten
sich,  durch  verdoppelten  Fleiß  und  Sparsamkeit  den  Anforderungen  der
neuen  Stellungen  auch  möglichst  gerecht  zu  werden.  Zur  Düngung  der
Felder  wurden  künstliche  Ersatzmittel  herangezogen.  Die  landwirtschaftlichen ­
  Nebenprodukte  wurden  zur  Deckung  des  Kriegsbedarfs  von
der  Regierung  aufgekauft.  Zudem  waren  in  dem  ersten  Kriegsjahre
die  Witterungsverhältnisse  in  Japan  recht  günstige,  der  Ernteertrag
daher  ein  hoher,  so  daß  im  allgemeinen  die  Landwirtschaft  trotz  der
höheren  Steuerbelastung  ein  zufriedenstellendes  Ergebnis  erzielte.  Infolgedessen ­
  ist  die  Stiminung  der  Landwirte  eine  vertrauende,  und  nian
glaubt  in  jenen  Kreisen,  daß  man  die  Lasten  des  Krieges  auch  bei
noch  längerer  Dauer  desselben  werde  ertragen  können.  Die  Statistik
der  landwirtschaftlichen  Hauptprodnkte  zeigt  —  in  Millionen  Kokn
—  die  folgende  günstige  Entwicklung.

Jahr

Reis

Brotgetreide

1895

39.6

19.5

1896

36.2

17.3

1897

33.0

18.0

1898

47.3

20.4

1899

39.6

19.3

1900

41.4

20.3

1901

46.9

20.6

1902

36.9

18.4

1903

46.4

18.5

1904

50.8

19.6

Im  Mittel  |

42.1

19.3

Unter  Brotgetreide  werden  Gerste,  Weizen  und  Roggen  verstanden, ­
  die  im  Japanischen  den  Kollektivnamen  Mugi  tragen.  Die
Durchschnittsziffern  beziehen  sich  nur  auf  fünf  Jahre,  da  die  günstigste
und  die  ungünstigste  Jahresziffer  ausgeschlossen  wurden,  um  so  ein
normales  Durchschnittsergebnis  zu  erhalten.  Eine  genauere  Betrachtung
der  hier  angeführten  Daten  ergibt,  daß  der  Betrag  der  Reisernte  im
Jahre  1904  ein  um  volle  20  %  höherer  war  als  der  Durchschnitt  für
ein  Jahrfünft;  der  Ernteausfall  an  „Mugis"  hat  um  1,6  °/ 0  zugenommen. ­
        <pb n="63" />
        55

Schon  ganz  allgemein  läßt  die  Steigerung  der  Ernteergebnisse
einen  Schluß  auf  den  gesunden  Zustand  der  japanischen  Landwirtschaft
zu,  besonders  aber  muß  man  die  hohe  Bedeutung  einer  günstigen  Reisernte
  für  das  japanische  Wirtschaftsleben  nicht  vergessen.  Bei  dem  ausgedehnten ­
  Verbrauch  von  Reis,  den  Japan  bekundet,  ist  ein  günstiger
Ausfall  der  Reisernte  von  einschneidender  Bedeutung  für  das  ganze
Wirtschaftsleben  der  Japaner,  und  wer  diesen  Einfluß  jenmls  kennen
gelernt  hat,  der  weiß  auch  das  günstige  Moment  zu  beurteilen,  was
für  Japan  in  Kriegszeiten  eine  gute  Reisernte  bedeutet.
Aus  Anlaß  des  Krieges  hat  auch  die  japanische  Regierung  keinen
Augenblick  gezögert,  durch  Vornahme  entsprechender  großer  Arbeiten,
die  zum  Teil  als  Notstandsarbeiten  betrachtet  werden  können,  der
heimischen  Landwirtschaft  in  den  bevorstehenden  schweren  Zeiten  helfend
beiznspringen.  Eine  Maßnahme  in  diesem  Sinne  war  die  Vornahme
ausgedehnter  Neuanpflanzungen  von  Forsten,  wodurch  den  betreffendeil
landwirtschaftlichen  Kreisen  liicht  nur  Arbeitsgelegenheit  sowie  materielle
Einnahmen  gesichert  wurden,  sondern  ihnen  auch  in  der  Gestalt  des
Waldes  ein  Fonds  für  die  spätere  Zukunft  gegeben  ist.  Diese  tu
großem  Stile  unternommenen  Regierungsarbeiten  hatten  fernerhin  auch
das  Gute  an  sich,  daß  arbeitslosen  Elementen  au  vielen  Stellen  des
Landes  Gelegenheit  zur  Beschäftigung  geboten  wurde.  Bei  diesen  Aufforstungen
  waren  die  ausführenden  Organe  entweder  der  Regierungsbezirk, ­
  der  Landkreis  oder  die  Gemeinde,  und  ebenso  war  der  mit  diesen
Neuanpflanzungen  —  die,  wie  gesagt,  in  großem  Maßstabe  betrieben
wurden  —  verbundene  augenblickliche  Zweck  nicht  überall  derselbe.
Einnial  geschah  die  Aufforstung  aus  rein  finanziellen  Gründen,  dann
um  etwaiger  lokaler  Versandung  vorzubeugen,  ferner  zil  Zwecken  der
Volksschule  oder  des  roten  Kreuzes.  Aber  auch  aus  allgenieiu  volkswirtschaftlichem ­
  Interesse,  lediglich  um  Arbeitsgelegenheit  zu  bieten.  —
Einige  kurze  Beispiele  mögen  dazu  dienen,  den  Wert  und  die  Bedeutung ­
  dieser  Aufforstungen  zu  illustrieren.
Im  Regierungsbezirk  Kagoschima  wurde  beschlossen  zum  Andenken
an  den  gegenwärtigen  Krieg  und  zwecks  späterer  finanzieller  Einnahmen
umfangreiche  Neuanpflanzungen  vorzunehmen.  Nach  einem  aufgestellten
Plan,  der  Genehmigung  gefunden,  hat  jedes  Haus  durchschnittlich  ein
Zehntel  Cho  Forst  anzupflanzen.  Da  nun  innerhalb  dieses  Regierungsbezirkes ­
  etwa  200000  Häuser  bewohnt  werden,  so  entstehen  infolge
dieses  Beschlusses  rund  20000  Cho  neuer  Forst,  dessen  Jahresertrag
später  auf  jährlich  eine  Million  Jen  geschätzt  wird.  Da  diese  Neuanpflanzungen ­
  völlig  den  Charakter  einer  freiwilligen  Gemeinschaftsleistung
tragen,  so  entstehen  keinerlei  Kosten,  sondern  jegliche  Arbeitsleistung  dabei ­
  erfolgt  ohne  irgendwelches  Entgelt.  In  anderen  Regierungsbe ­
        <pb n="64" />
        56

■i

zirken,  wie  Aichi,  Schiga,  Gifu  wurden  in  ähnlicher  Weise  Nenforstuugen
  vorgenommen,  ebenso  in  den  Regierungsbezirken  Jschikawa
und  Saitama,  wo  man  die  Setzlinge  seitens  der  Bezirksverwaltnng
gratis  lieferte  und  von  der  Bevölkerung  nur  das  Anpflanzen  derselben ­
  verlangte.
Im  Landkreis  Koga  des  Regierungsbezirkes  Schiga  wurden  18000
Setzlinge  zu  einem  neuen  Forst  angepflanzt,  dessen  Erträgnisse  für  die
Zwecke  des  roten  Kreuzes  bestimmt  wurden.  In  dem  gleichen  Landkreis ­
  brachte  das  Dorf  Jwane  als  Kriegsandenken  die  Beforstung
großer  Sandflächen  —  zwecks  Verhütung  weiterer  Versandung  —  zur
Durchführung.  Die  sämtlichen  Dorfbewohner,  sogar  die  Kranken  hatten
sich  an  der  Anpflanzung  beteiligt,  und  so  waren  innerhalb  dreizehn
Tagen  300  Cho  Land  mit  vier  Millionen  Setzlingen  bepflanzt  worden.
Gewiß  eine  hervorragende  Leistung!
Andere  interessante  Aufforstungen  oder  Neuanlagen  von  Forsten
aus  Anlaß  des  Krieges  wurden  von  der  Schuljugend  zu  Zwecken  der
Volkserziehung  vorgenommen,  so  in  den  Landstädten  und  Dörfern  Usui,
Nakasato,  Kamikawa  u.  a.  m.  Des  weiteren  bildete  der  Krieg  die
Veranlassung  dazu,  daß  ausgedehnte  Ödländereien  der  Kultur  unterworfen ­
  wurden,  deren  Erträgnisse  dann  zuweilen  neue  Einnahmen
eines  Dorfes  oder  einer  Gemeinde  bedeuteten,  so  z.  B.  im  Dorf  Otsuka
des  Regierungsbezirkes  Iamanaschi.  Ebenso  war  es  der  Krieg,  welcher
die  Zusammenlegung  kleinerer  und  unzweckmäßig  verteilter  Grundstücke
zu  größeren  Betriebseinheiten  in  ein  schnelles  Tempo  brachte.  Dieses
Verfahren  wurde  seitens  der  japanischen  Regierung  schon  vor  dem
Kriege  ans  Gründen  der  Produktionspolitik  mit  allein  Nachdruck  unterstützt, ­
  da  man  den  sozialpolitischen  Wert  größerer  landwirtschaftlicher
Betriebe  für  Japan  längst  erkannt  hatte.  Hier  sind  die  Regierungsbezirke ­
  Jbaraki,  Aichi,  Akita,  Fukuschima  u.  a.  zu  erwähnen.  Im  Regierungsbezirk ­
  Jbaraki  stehen  z.  B.  87000  Cho  Reisfelder  unter
Kultur,  von  denen  jedoch  etwa  70°/ 0  zu  feucht  —  beinah  sumpfig  —
sind.  Durch  geeignete  Zusammenlegung  und  gemeinschaftliche  Bewirtschaftung ­
  dieser  Äcker  ist  es  nun  möglich  geworden,  60000  Cho  Ackerland ­
  trocken  zu  legen  und  auf  diesem  so  verbesserten  Boden  statt  wie
bisher  nur  eine,  jetzt  jährlich  zwei  Reisernten  zu  erzielen.  Für  die
Ernte  kommen  jene  60000  Cho  Acker  nunmehr  also  zweimal  in  Betracht. ­
  Zudem  erspart  man  bei  dieser  Zusammenlegung  die  vielen  kleinen
Feldwege  mit  ihrem  verlorenen  Terrain,  der  Wasserbedarf  ist  genau
geregelt,  der  Transport  von  Düngemitteln  und  die  Bestellung  der
Äcker  selbst  gehen  weit  leichter  von  statten  und  erfordern  viel  weniger
Arbeitsaufwand.  Zudem  wurde  eine  ganze  Reihe  Verbesserungen  in
die  japanische  Landwirtschaft  eingeführt,  die  aus  der  Notwendigkeit
        <pb n="65" />
        57

entspringen,  welche  durch  den  augenblicklichen  Krieg  bedingt  ist.  So
fanden  als  Ersatz  für  die  auf  den  Kriegsschauplatz  abgegebenen  Pferde
vielfach  Maschinen  in  der  Landwirtschaft  Verwendung  und  dem  Mangel  an
Düngemitteln  wurde  durch  die  Bereitung  von  Kompost  und  die  Verwendung ­
  künstlicher  Düngstoffe  begegnet.  Beim  Trocknen  des  Reis  wurde
eine  bessere  Beaufsichtigung  durchgeführt  und  dadurch  bewirkt,  daß  die
Qualität  des  getrockneten  Reis  eine  wesentlich  bessere  wurde,  als  dies
früher  der  Fall  war.  Auch  wurden  zahlreiche  landwirtschaftliche  Versuchsstationen ­
  errichtet,  deren  Zweck  es  ist,  der  Einführung  und  Verbreitung
landwirtschaftlicher  Verbesserungen  zu  dienen.  Landwirtschaftliche  Nebenarbeiten, ­
  wie  Hühnerzucht,  Stroh-  und  Mattenflechterei  fanden  überall  eifrige ­
  Anregung  und  Unterstützung  seitens  der  staatlichen  Aufsichtsorgane.
Geht  man  dazu  über,  den  Einfluß  des  Krieges  auf  die  Viehzucht
fn  Japan  zu  untersuchen,  so  bemerkt  man,  daß  der  Krieg  hier  nur
günstige  Wirkungen  geäußert  hat;  besonders  die  Pferdezucht  und  die
Rindviehhaltung  haben  einen  bedeutenden  Aufschwung  zu  verzeichnen.
Der  große  Bedarf  der  Armee  an  Pferde»,  sowie  an  Schlachtvieh  bilden
hier  die  grundsätzliche  Veranlassung  zu  erhöhter  Wirtschaftstätigkeit.
Auch  die  Fischerei  kann  vou  einer  eigentlichen  Schädigung  ihres
Gewerbes  infolge  des  Krieges  nicht  sprechen,  wenn  auch  zeitweilig
die  russische  Flotte  aus  Wladiwostock  einigen  Schaden  anzurichten  vermochte. ­
  Zudem  betreibt  Japan  vielfach  fernab  feiner  eigenen  Küsten
intensive  Hochseefischerei,  wo  russische  Schiffe  nicht  hingekommen  sind.
So  ziehen  die  Fischer  des  Regierungsbezirkes  Hyogo  hinaus  auf  das
koreanische  Meer,  ja  selbst  nach  Manila  und  auf  den  stillen  Ozean.
Im  Inlands  wurde  z.  B.  im  Regierungsbezirk  Schiga  eine  ausgedehnte
Karpfenzncht  angelegt,  die  als  Kriegsandenken  gilt  und  aus  ihren  Erträgnissen ­
  dem  Bezirke  fortlaufende  Einnahmen  erbringt.
Nachdem  somit  in  Vorstehendem  der  Einfluß  des  Krieges  auf  die
hervorragendsten  Faktoren  des  japanischen  Wirtschaftslebens  möglichst
eingehend  und  kritisch  untersucht  worden  ist,  erübrigt  es  nun  noch  zu
erforschen,  welche  Wirkung  der  Krieg  auf  den  japanischen  Geld-  und
Kapitalmarkt  auszuüben  vermocht  hat,  zumal  infolge  des  Krieges  der
japanischen  Volkswirtschaft  bedeutende  Kapitalien  entzogen  worden  sind.
Hier  ergibt  nun  die  Analyse,  daß  die  Verhältnisse  keineswegs  so  ungünstig ­
  liegen,  wie  man  vielleicht  hätte  erwarten  dürfen,  vielmehr  sind
genügend  Anzeichen  vorhanden,  aus  denen  sich  schließen  läßt,  daß  die
finanzielle  Situation  sich  sogar  noch  gehoben  hat.  Zwar  hat  der
Metallvorrat  in  den  Banken  abgenommen  und  die  Menge  der  ausgegebenen ­
  Noten  ist  gestiegen,  aber  nicht  in  einem  solchen  Umfange,  daß
hier  ernstliche  Bedenken  oder  gar  Befürchtungen  am  Platze  wären.  Die
Spareinlagen  in  den  gewöhnlichen  Banken,  die  Sparbanken  und  den
        <pb n="66" />
        58

Postsparkassen  weisen  eine  beträchtliche  Zunahme  auf,  obwohl  die  Zinsen
im  allgenieinen  niedriger  sind  als  vor  Ausbruch  des  russisch-japanischen
Krieges.  Gestiegen  sind  die  Bankvorschüsse  und  die  dafür  zu  entrichtenden
Zinsen,  ebenso  nahni  die  Zahl  der  durch  die  Abrechnungsstellen  gegangenen ­
  Wechsel  und  Checks  erheblich  zu.  Wenn  man  alle  diese  Erscheinungen ­
  zusammenfaßt,  so  bedeutet  es  nichts  anderes  als,  daß
während  der  Kriegszeit  die  Sparsamkeit  der  Japaner  eine  größere  geworden ­
  ist,  die  produktiven  Geschäfte  sich  energisch  weiterentwickelt
haben  und  der  Kreditverkehr  einen  regen  Aufschwung  genommen
hat  —  die  Grrmdlagen  und  die  Kräfteentfaltung  zeigen  also  völlig
gesunde  Struktur.
Wenn  man  einen  Vergleich  über  die  Höhe  der  umlaufenden
Banknoten  des  Jahres  1904  mit  dem  Jahre  1903  anstellt,  so  findet
man,  daß  im  Jahre  1904  eine  allmähliche  Steigerung  im  Monat
Juni  ihren  Anfang  nahm,  um  im  Dezember  den  Höhepunkt  zu  erreichen.
Im  Monat  Juni  1904  war  der  Betrag  umlaufender  Banknoten  um
21  Millionen  Jen  höher  als  im  Juni  1903,  im  Dezember  bezifferte
sich  dieser  Unterschied  gegenüber  dem  Vorjahre  ans  53  Millionen  Jen-Hierbei
  muß  jedoch  im  Auge  behalten  werden,  daß  von  dieser  letzten
Summe  rund  26  Millionen  Jen  nach  dem  Kriegsschauplatz  überwiesen
worden  sind.  Auch  brachte  naturgemäß  der  bevorstehende  Jahreswechsel  einen
erhöhten  Geldbedarf  mit  sich  und  wirkte  somit  auf  die  Höhe  der  Notenausgabe, ­
  allerdings  nur  für  kurze  Zeit.  Von  286  Millionen  Jen
umlaufender  Banknoten  gegen  Ende  Dezeniber  1904  fiel  dieser  Betrag
aus  254  Millionen  Jen  am  10.  Januar  1905.  Man  sieht  also,  daß
diese  Anspannung  des  Jnlandsgeldmarktes  nur  eine  kurze  Zeit  dauerte
und  auch  bezüglich  ihrer  Höhe  nichts  außergewöhnliches  an  sich  hatte.
Um  die  Metallreserve  für  die  ausgegebenen  Banknoten  auf  der  notwendigen ­
  Höhe  zu  erhalten,  wurden  einerseits  Anleihen  im  Auslande
aufgenommen,  andererseits  der  Zinsfuß  um  etwas  erhöht.  Die  Wirkung,
dieser  Maßnahmen  zeigt  die  folgende  Statistik.
(Tabelle  hierzu  auf  Seite  89.)
Will  man  die  Gesamtsituation  des  japanischen  Geldmarktes  beleuchten, ­
  so  muß  die  erste  Hälfte  des  Jahres  1904  im  allgemeinen  als
schlaff  bezeichnet  werden,  die  Bankvorschüsse  waren  nur  um  ein  Geringes ­
  höher  als  in  dem  gleichen  Zeitraum  des  Vorjahres.  In  der
zweiten  Hälfte  des  Jahres  1904  machte  sich  jedoch  eine  kräftige  Belebung ­
  des  Marktes  bemerklich  und  die  Bankvorschüsse  in  den  bedeutenderen ­
  Städten  des  Landes  erreichten  die  Höhe  von  475  Millionen
Jen,  d.  h.  k2,4  Millionen  Jen  mehr  wie  zum  gleichen  Zeitpunkt  des
Vorjahres.  Die  Banken  in  Tokyo  notierten  damals  an  Vorschüssen
170  Millionen  Jen,  was  gegenüber  dem  Vorjahre  ein  Mehr  von
        <pb n="67" />
        59

18  Millionen  Den  bedeutet;  es  war  dies  der  höchste  Betrag  während
des  ganzen  Jahres  1904.  Zu  jener  Zeit  —  im  Juli  —  erhöhte  auch
die  Bank  von  Japan  den  Diskontsatz  um  2  Rin  für  100  Jen  tägliches
Geld  und  bei  dem  Verein  der  Tokyoter  Banken  erreichte  Privatdiskout
im  Monat  August  2  Sen  2  Rin.  Von  dieser  Zeit  an  nahm  die  Höhe
der  Bankvorschüsse  bei  dem  Verein  der  Banken  von  Tokyo  ab,  um
gegen  Ende  des  Jahres  1904  wieder  auf  161  Millionen  Jen  anzusteigen, ­
  wodurch  dem  Vorjahre  gegenüber  ein  Mehr  im  Dezember  von
7.4  Millionen  Jen  erreicht  wurde.

Monat

Betrag  der  umlaufenden  Banknoten ­
  in  Millionen  Den

Betrag  der  Metallreserve
in  Millionen  Jen

1903

1904

Vergleich

1903

1904

Vergleich

Januar

229.9

214.5

—  15.2

110.5

105.9

—  4.6

Februar

205.0

221.8

+  16.8

108.9

100.9

—  8.0

März

209.1

218.1

+  4.3

103.1

92.1

—  16.0

April

206.2

199.0

—  7.2

109.8

80.8

—  29.0

Mai

191.9

199.9

+  7.9

111.6

68.0

—  43.5

Juni

210.6

232.0

+  21.4

113.0

92.7

—  20.2

Juli

201.4

232.7

+  31.3

114.7

109.5

—  5.2

August

218.5

240.3

-j-  21.8

115.6

117.2

1.6

September

205.4

239.9

+  34.4

116.0

110.0

—  6.0

Oktober

209.2

240.9

+  31.7

116.4

99.1

—  17.8

November

201.5

248.0

-j-  46.5

114.5

84.9

—  29.5

Dezember

282.9

286.6

+  53.7

116.9

83.5

—  33.3

Mit  dem  Ende  des  Jahres  1904  erhöhte  die  Bank  von  Japan
ihren  Zinssatz  um  weitere  2  Rin,  und  der  Verein  der  Tokyoter  Banken
berechnete  damals  2.25  Sen  für  tägliches  Geld.  Allgemein  also  stiegen
während  des  Verlaufes  des  Jahres  1904  trotz  des  Krieges  die  gesamten
Bankvorschüsse  gegenüber  dem  Vorjahre,  während  der  Zinsfuß  nur  eine
geringe  Aufwärtsbewegung  verzeichnet.  Japans  Handel  und  Industrie
verraten  also  —  wie  auch  schon  früher  gezeigt  wurde  —  eine  gesunde
Weiterentwicklung  während  des  Kriegsjahres,  und  ebenso  erwies  sich  die
japanische  Bankwelt  stark  genug,  um  Herr  der  Situation  zu  bleiben.
Die  einzelnen  Phasen  in  der  Entwicklung  des  Geldmarktes  werden  durch
die  folgende  Statistik  des  Näheren  illustriert.
(Tabelle  hierzu  auf  Seite  60.)
Während  nun  schon  die  Bankvorschüsse  im  Jahre  1904  allgemein
eine  Erhöhung  gegenüber  dem  Vorjahre  aufwiesen,  tritt  der  gleiche
Umstand  noch  deutlicher  bei  einem  Vergleich  der  Bankeinlagen  hervor.
Die  Bankeinlagen  haben  während  des  Jahres  1904  bei  dem  Verein  der
        <pb n="68" />
        60

Am  Ende
des  Monats

Betrag  der  Vorschüsse  im
Verein  der  Banken  zu  Tokyo.
Millionen  Den

Betrag  der  Vorschüsse  im
Verein  der  Banken  zu  Osaka.
Millionen  Den

1903

1904

Vergleich

1903

1904

Vergleich

Januar

142.8

190.4

4-  8.9

89.5

88.4

—  1.0

Februar

145.9

151.1

+  3.2

90.0

89.0

—  1.0

März

149.1

148.8

—  0.2

89.5

87.9

—  1.6

April

149.7

147.3

—  2.4

90.5

89.5

—  0.9

Mai

149.8

150.9

+  1-1

88.2

89.8

+  1.5

Juni

155.4

159.5

+  4.0

87.5

85.1

—  2.3

Juli

154.0

169.8

-j-  15.7

86.8

86  5

—  0.2

August

152.8

170.9

-j-  18.1

87.3

84.0

—  2.3

September

150.2

170.2

4-  20.0

87.1

77.4

—  9.7

Oktober

149.2

163.6

4-  14.3

86.2

76.9

—  9.2

November

147.8

161.1

+  13.3

86.6

78.8

—  7.7

Dezember

153.8

161.3

-)-  7.4

87.9

83.0

—  4.9

Höhe  des  Zinsfußes  (Einheit.:  1  Sen)

Monat

Tokyo

Osaka

1903

1904

Vergleich

1903

1904

Vergleich

Januar

2.30

2.03

—  0.27

2.08

1.85

—  0.23

Februar

2.25

2.13

—  0.12

1.83

2.15

4-  0.32

März

2.12

2.14

0.02

1.70

1.60

4-  0.10

April

2.11

2.12

4-  0.01

1.70

1  80

4-  0.10

Mai

2.11

2.11

—

1.70

1.80

4-  0.10

Juni

2.11

2.17

4-  0.06

1.65

1.85

4-  0.20

Juli

2.09

2.19

4-  o.to

1.60

1.85

4-  0.25

August

2.07

2.20

4-  0.13

1.70

1.90

4-  0.20

September

2.04

2.19

4-  0.15

1.55

1.85

4-  0.30

Oktober

2.00

2.19

4-  0.19

1.55

1.98

4-  0.43

November

2.00

2.19

4-  0.19

1.50

1.90

4-  0.40

Dezember

2.02

2.25

4-  0.23

1.75

2.05

4-  0.30

Banken  zu  Tokyo  und  Osaka  ständig  zugenommen,  sie  stiegen  in  Tokyo
von  8  auf  26  Millionen  Jen  und  weisen  nur  in  Osaka  eine  nicht
absolut  regelmäßige  Steigerung  auf.  Da  die  Einlagen  der  gewöhnlichen
Banken  in  der  Hauptsache  ans  stets  fälligen  Depositen  bestehen,  so
bedeutet  die  Zunahme  dieser  Einlagen  eine  besonders  lebhafte  Gestaltung
von  Handel  und  Industrie  ini  Lande.  Ebenso  wie  die  aus  der  industriellen ­
  und  gewerblichen  Tätigkeit  der  Japaner  herrührenden  Bankdepositen ­
  einen  höheren  Betrag  im  Jahre  1904  dem  Vorjahre  gegenüber ­
  erreichten,  haben  auch  die  Spareinlagen  —  also  die  persönlichen
        <pb n="69" />
        61

Gelder  einzelner  —  bei  den  Banken  eine  erhebliche  Zunahme  erfahren;
in  Tokyo  stieg  die  Gesamtsumme  derartiger  Spareinlagen  während  des
Kriegsjahres  1904  voll  0,6  auf  5  Millionen  Jen.  Dieser  Umstand
ini  Verein  mit  der  Zunahme  der  Einlagen  bei  den  Postsparkassen  lassen
deil  gesteigerten  Sparsamkeitssinn  der  Japaner  deutlich  erkennen  und
geben  Nils  gleichzeitig  den  Anhalt  zu  einer  ziffermäßigen  Belegung  der
Zunahme  des  allgemeinen  Volkswohlstandes.  Die  Postsparkassen  weisen
nämlich  ebenfalls  ein  Anwachsen  der  Einlagen  um  6,9  Millionen  Den
auf,  sie  erreichten  im  Dezember  1904  den  Gesamtbetrag  von  achtunddreißig ­
  Millionen  Jen,  haben  sich  also  innerhalb  des  einen  Jahres
um  22°/ 0  vermehrt.
Über  diese  hier  erwähnten  bemerkenswerten  Erscheimiligen  im
japanischen  Wirtschaftsleben  bringen  die  folgenden  statistischen  Daten
eingehende  Aufklärung,  wobei  sämtliche  Summen  in  Millionen  Jen
angesetzt  sind.
a.  Betrag  der  gewöhnlichen  Einlagen  im  Verein  der  Banken  zu  Tokyo
und  Osaka,  Millionen  Den.

Am  Ende
des  Monats

Tokyo

Osaka

1903

1904

Vergleich

1903

1904

Vergleich

Januar.  .

128.1

141.6

-st  13.5

73.7

79.5

-st  5.8

Februar

131.7

143.1

4-  11.3

75.8

77.2

-st  1.4

März  .  .

132.6

142.2

+  9.5

76.7

81.0

-st  4.3

April  .  .

132.7

141.5

-f  8.7

75.3

79.1

-st  3.8

Mai  .  .  .

134.5

146.1

+  11.6

76.9

79.3

-st  2.4

Juni.  .  .

132.8

150.8

+  17.9

77.7

74.8

—  2.8

Juli  .  .  .

132.6

159.1

4-  26.5

78.4

78.5

-st  0.03

August  .  .

135.6

154.1

4-  18.4

76.7

76.1

—  0.5

September  .

139.9

155.1

4-  15.1

79.2

78.6

—  0.5

Oktober.  .

139.3

156.9

4-  17.6

80.8

78.4

—  2.3

November  .

142.1

151.8

4-  9.7

79.4

84.0

-st  4.5

Dezember  .

141.6

155.0

4-  13.4

80.5

85.0

-st  4.5

l».  Betrag  der  Spareinlagen  im  Verein  der  Banken  zu  Tokyo  und
Osaka,  Millionen  Den.

Am  Eude
des  Monats

Tokyo

Osaka

1903

1904

Vergleich

1903

1904

Vergleich

Januar  .  .

16.0

21.2

-st  5.2

25.4

28.8

-st  3.3

Februar.  .

18.6

21.8

-st  3.2

25.9

28.5

-st  2.6

März  .  .

18.8

22.4

-st  3.5

25.9

28.8

-st  2.9

April  .  -

17.6

18.8

-st  1.2

26.5

28.7

+  2.1

Mai.  -  -

19.7

22.2

-st  2.5

27.6

29.0

+  14

Juni.  -  -

19.9

21.4

-st  1.5

28.0

28.6

-st  0.5
        <pb n="70" />
        62

Fortsetzung  von  Seite  61.

Am  Ende  des
Monats

Tokyo

Osaka

1908

1904

Vergleich

1903

1904

Vergleich

Juli  .  .  .

21.3

23.8

+  2.4

28.7

29.4

+  0.7

August  .  .

21.8

24.0

+  2.2

28.8

29.2

+  0.3

September  .

21.9

23.7

+  1.8

29.0

29.5

+  0.4

Oktober  .  .

22.0

22.6

+  0.6

29.0

29.7

4-  0.6

November  .

21.5

23.2

+  1.6

28.9

29.9

4-  0.9

Dezember  .

20.2

28.7

+  3.5

28.2

30.4

+  2.2

e.  Betrag  der  Postspareinlagen  in  Millionen  Den.

Am  Ende
des  Monats

1903

1904

Vergleich

Januar  .  .

28.3

31.2

+  2.9

Februar  .  .  I

28.7

30.7

+  1.9

März  .  .  .

29.0

31.0

+  1.9

April  .  .  .

28.9

31.0

+  2.1

Mai  ■  .  .  1

29.1

31.5

+  2.3

Juni  .  .  .  I

30.3

33.3

+  2.9

Juli  .  .  .

30.6

31.4

+  3.7

August...

30.9

35.2

+  4.2

September  .  !

31.3

36.4

4-  50

Oktober  .  .

31.7

37.2

November.  .  !

31.7

37.7

4-  6.0

Dezember.  .

31.2

38.1

+  6.8

Ebenso  wie  die  Zunahme  der  Einlagen  bei  den  gewöhnlichen
Banken  und  den  Postsparkassen  erkennen  lassen,  daß  das  japanische
Volk  trotz  des  Krieges  vollständig  Herr  seiner  wirtschaftlichen  Kräfte
und  damit  der  ganzen  Situation  geblieben  ist,  ebenso  wird  uns  diese
Überzeugung  beigebracht,  sofern  man  die  Tätigkeit  der  Wechselabrechnungsstellen ­
  im  Jahre  1904  als  Gradmesser  des  japanischen  Geldmarktes
untersucht.  Die  Zunahme  des  Betrages  der  durch  diese  Abrechnungsstellen ­
  gegangenen  Wechsel  und  Checks  beträgt  im  Jahre  1904  gegenüber ­
  dem  Vorjahre  schätzungsmäßig  420  Millionen  Pen,  wovon  allein
291  Millionen  auf  Tokyo  entfallen  und  dann  Osaka  mit  rund  77  Millionen
Jen  folgt.  Diese  Tatsache  läßt  uns  die  Entwicklung  erkennen,  welche
Handel  und  Gewerbe  in  Japan  trotz  des  Kriegszustandes  genommen
haben  müssen  und  gleichzeitig  kann  man  daraus  einen  Schluß  auf  die
Ausdehnung  des  Kreditsystems  in  Japan  ziehen.  In  ihren  monatlichen
Ausweisen  geben  die  Abrechnungshäuser  zu  Tokyo  und  Osaka  uns
        <pb n="71" />
        63

folgendes  Bild  über  ihre  Tätigkeit  in  den  Vergleichsjahren  1903  und  1904.
Betrag  der  durch  die  Abrechnungsstellen  zu  Tokyo  und  Osaka  gegangenen ­
  Wechsel  und  Checks  in  Millionen  Jen:

Monat

Tokyo

Osaka

1903

1904

Vergleich

1903

1904

Vergleich

Januar  .  .

109.9

113.6

-j-  3.8

57.3

64.6

+  7.2

Februar.  .

117.5

132.3

14.8

65.2

69.1

+  3.9

März.  .  .

137.1

137.0

—  0.1

76.2

84.3

+  8.1

April.  .  .

138.0

145.5

+  7.5

70.2

73.7

+  3.4

Mai  .  .  .

121.3

132.5

+  11.3

61.7

72.6

+  10.8

Juni.  .  .

132.2

148.6

16.3

65.1

67.1

4-  2.0

Juli  .  .  .

125.3

146.8

4-  21.4

67.4

63.2

—  4.2

August  .  .

125.5

173.5

4-  47.9

64.8

75.2

+  10.4

September.

126.4

160.3

4-  36.9

68.0

77.9

4-  9.8

Oktober.  .

137.9

176.6

4-  38.7

73.8

77.4

4-  3.5

November  .

128.2

169.1

4-  40.9

69.2

83.1

4-  13.8

Dezember  .

162.9

217.8

4-  54.9

81.7

90.0

4-  8.2

Insgesamt.

1562.6

1854.3

+  291.7

821.2

898.6

+  77.3

Unterzieht  man  in  gleicher  Weise,  wie  dies  bisher  geschehen  ist,
den  Einfluß  des  Krieges  auf  den  Verkehr  einer  Kritik,  fo  ist  als  Gesamtausdruck ­
  dieser  Untersuchung  zu  erwähnen,  daß  die  Wirkung  als
eine  ungünstige  nicht  bezeichnet  werden  kann,  obwohl  natürlich  eine
ganze  Reihe  schädigender  Momente  hier  in  die  Erscheinung  treten,  die
unmittelbar  mit  dem  Kriege  in  Verbindung  stehen.  So  litt  z.  B.  die
Handelsflotte  zeitweilig  stark  unter  dem  Mangel  von  Schiffen,  da  dieselben ­
  für  Kriegszwecke  seitens  der  Regierung  in  Anspruch  genommen
waren.  Zwar  wurde  durch  Ankäufe  im  Auslande  und  Leihverträge
mit  fremden  Gesellschaften  diesem  Übelstande  schleunigst  die  Spitze  abgebrochen, ­
  immerhin  aber  lassen  sich  die  Wirkungen  einer  solchen  Knappheit ­
  an  Schiffsraum,  selbst  durch  reichliche  Inanspruchnahme  fremder,
neutraler  Schiffe  zu  Kausfahrteizwecken,  nicht  verwischen.  Begünstigend
wirkte  hierbei  immer  der  Umstand,  daß  es  Japan  gelang,  die  Seeherrschaft ­
  in  seinen  Händen  zu  behalten.  Auf  dem  Lande  wirkte  die
starke  Inanspruchnahme  der  Eisenbahnen  zil  Kriegstransporten  auf  den
allgemeinen  wirtschaftlichen  Verkehr  ebenfalls  sehr  hemmend,  zumal
auch  alle  Neubauten  und  Verbesserungen  an  Eisenbahnen  und  Eisenbahnlinien ­
  mit  Ausbruch  des  Krieges  sofort  zurückgesetzt  waren,  sofern
sie  sich  eben  nicht  als  unumgänglich  notwendig  erwiesen.  Diese  Notwendigkeit ­
  wurde  natürlich  mehr  durch  strategische  Momente  bestimmt,
als  in  Rücksicht  auf  den  japanischen  Handel.  Das  Verkehrswesen  zu
Lande  wurde  daher  durch  den  Krieg  stärker  reduziert  als  die  Schiffahrt.
Trotzdem  also  der  Krieg  für  das  Verkehrswesen  eine  Reihe  von
        <pb n="72" />
        64

Hindernissen  und  Erschwerungen  mit  sich  brachte,  so  fehlte  es  in  dieseir
schwierigen  Zeiten  doch  nicht  an  einzelnen  Neuunternehmungen.  Einzelne
Dorfschaften  (z.  B.  Kyokawa)  führten  Wegeverbesserungen  und  selbst  die
Nenanlage  von  Wegen  auf  Gemeindekosten  durch;  andere,  an  der  Küste
belegene  Orte  (z.  B.  Karatsu)  nutzten  die  sich  ihnen  bietende  Gelegenheit
aus,  um  eine  regelmäßige  Schiffahrt  nach  Korea  einzurichten.  Ähnliche
kleinere  oder  größere  Maßnahmen  ließen  sich  noch  weiter  aufzählen,
die  uns  alle  den  Beweis  erbringen,  daß  die  Kriegszeit  teilweise  auch
anregend  gewirkt  hat.
Wenn  man  den  Einfluß  des  Krieges  auf  die  Lage  der  Versicherungsgesellschaften ­
  beobachtet,  seien  cs  nun  Lebensversicherungsgesellschaften, ­
  Feuer-,  Transport-  oder  Seeversicheruugskompagnien,  so
machen  sich  hier,  je  nach  der  Art  des  betreffenden  Versicherungszweiges
verschiedene  Wirklingen  bemerklich.  In  bezug  auf  die  Lebensversicherilugsgesellschaften
  des  Inlandes  ist  zu  konstatieren,  daß  der  Versicherungsbetrag ­
  im  Ganzell  sich  zwar  vermehrt  hat,  aber  diese  Zunahme
ist  geringer  als  in  den  Vorjahren;  dagegen  hat  sich  seit  Juni  1904  der
Versicherimgsbetrag  bei  den  ausländischen  Lebensversicheruugsgesellschafteu
verringert.  Steuererhöhung  und  Auflage  der  Staatsanleihen  werden
wohl  die  Momente  bilden,  weshalb  die  ausländischen  Gesellschaften
weniger  Versicherungsabschlüsse  gezeitigt  haben.  Am  Ende  der  hier  jeweils
angeführten  Monate  bezifferten  sich  die  Versicherungsbeträge  bei  den
29  größten  inländischen  und  der  bedeutendsten  ausländischen  Lebensversicherungsgesellschaft ­
  in  Millionen  Jen,  wie  folgt:

Jahr

Monat

29  Jnlandsgesellschaften

Größte  Auslandsgesellschaft

1903

März

204

3.9

September

212

7.0

1904

März

221

9.7

Juni

223

10.1

September

224

9.9

Bei  den  Feuerversicherungsgesellschaften  war  die  absolute  Zunahme
der  Versicherungsbeträge  noch  weit  stärker  als  bei  den  Lebensversicherungsgesellschaften, ­
  obwohl  auch  hier  eine  Verringerung  der  relativeil
Zunahme  zu  verzeichnen  steht.  Die  Entwicklung  der  Versicherungsbeträge ­
  bei  den  15  bedeutendsten  Inlands-  und  den  5  größten  ausländischen ­
  Feuerversicheruligsgesellschaften  läßt  sich  aus  folgenden  Ziffernreihen ­
  erkennen,  welche  die  Beträge  in  Millionen  Jen  angeben:
        <pb n="73" />
        65

.Jahr

Monat

15  Jnlandsgesellschaften

5  Auslandsgesellschaften

1903

März

497

34

Septeinber

538

41

1904

März

595

47

Juni

626

53

August  September
(Ausland)  (Inland)

628

54

Den  günstigsten  Zustand  aller  Versichernngszweige  zeigt  wohl  die
Seeversicherung.  Einerseits  erfreute  sich  der  Schiffsverkehr  von  und
nach  Japan  einer  steigenden  Lebhaftigkeit,  besonders  da  Japan  sich  die
Herrschaft  zur  See  stets  zu  erhalten  gewußt  hat,  andererseits  machten
die  kriegerischen  Zeiten  dennoch  die  Warenversicherung  zu  einer  eisernen
Notwendigkeit.  Zwar  reichen  die  Versicherungsbeträge  für  Seetransporte
absolut  nicht  an  jene  Summen  heran,  die  vorher  mitgeteilt  wurden,
immerhin  aber  läßt  die  relative  Steigerung  derselben  bei  drei  inländischen ­
  und  fiinf  ausländischen  Seeversicherungsgesellschaften  erkennen,
daß  eine  lebhafte  Inanspruchnahme  der  Gesellschaften  stattfand,  die  nur
bei  den  ausländischen  Gesellschaften  später  etwas  zurückging.  Die  Versicherungsbeträge ­
  dieser  8  Seeversicherungsgesellschafteu  sind  in  folgender
Tabelle  in  Millionen  Jen  gegeben:

Jahr

Monat

3  Jnlandsgesellschaften

5  Auslandsgesellschaften

1903

März

17.1

3.7

September

17.2

5.4

1904

März

17.9

6.1

Juni

18.1

4.1

August  September
(Ausland)  (Inland)

20.3

4.9

Die  Entwicklung  der  vier  bedeutendsten  Jnlandstransportvcrsicherungsgesellschaften
  wird  durch  folgende  Ziffernreihe  kurz  vor  Augen
geführt.  Danach  waren  bei  diesen  vier  Gesellschaften  Transporte  in
folgenden  Werten  versichert:

1903
1904

März
September
März
Juni
September

6.0
12.9
11.6
10.1
17.7

Millionen

Yen

In  den  bisherigen  Ausführungen  wurden  die  Wirkungen  des
russisch-japanischen  Krieges  auf  die  japanische  Fiuanzwirtschaft  und  auf
die  produktiven  Wirtschaftskräfte  geschildert;  es  bleibt  nun  noch  übrig
Kambe,  Der  russisch-japanische  Krieg.  5
        <pb n="74" />
        66

in  Kürze  zu  untersuchen,  in  welcher  Weise  sich  der  Krieg  auf  dem  Gebiete ­
  der  Armenpflege  und  der  Fürsorge  für  die  Familien  der  im  Felde
stehenden  Soldaten  bemerklich  machte.  Die  Sorge  für  jene  Arbeitselemente, ­
  welche  infolge  des  Krieges  arbeitslos  geworden  sind,  war
keine  sonderlich  große,  wie  ich  bereits  im  Verlause  dieser  Studie  nachgewiesen ­
  habe.  Es  ist  in  Japan  bei  der  vorwiegend  hausindustrielleu
Tätigkeit  für  die  betroffenen  Arbeiter  ein  Leichtes,  sich  von  einem  durch
den  KAeg  ungünstig  beeinflußten  Erwerbszweig  zu  einem  anderen,
günstigeren  hinzuwenden;  auch  fanden  Arbeiter  vielfach  Gelegenheit
in  Stellungen  einzuspringen,  welche  durch  Berufung  der  bisherigen
Inhaber  auf  den  Kriegsschauplatz  frei  geworden  waren.  So  läßt  sich
die  Tatsache  erklären,  daß  trotz  des  augenblicklichen  Krieges  nur  sehr
wenig  Arbeitslose  in  Japan  anzutreffen  sind.
Anders  steht  es  dagegen  um  die  Fürsorge  für  die  zurückgelassenen
Familien  der  Soldaten,  hier  bot  sich  ein  ausgedehntes  Feld  emsiger
Tätigkeit.  In  den  Städten  bemühte  mau  sich,  diesen  Familien  allerlei
passende  Arbeitsgelegenheit  zu  verschaffen,  und  auf  dem  platten  Laude
griff  Arbeitsbeihilfe  statt.  So  bildete  sich  in  dem  Dorfe  Nakagawa
unter  den  zurückgebliebenen  Bauern  ein  Bund,  der  heimlich  die  Besorgung ­
  der  Äcker  von  Soldatenfamilien  übernahm,  sofern  diese  selbst
zur  Bestellung  ihres  Landes  nicht  in  der  Lage  waren.  Sie  pflügten
nn£&amp;gt;  säten  die  Äcker  ihrer  im  Felde  stehenden  Dorfmitglieder  und  wußten
sich  jeder  Dankeserwiderung  zu  entziehen.  In  den  Städten  (z.  B.  Saga)
bildeten  sich  Fraueuvereine  aller  Art,  die  in  den  Soldateufamilien
Hemden  und  Unterhosen  anfertigen  ließen,  oder  leere  Glasflaschen,
Lumpen,  Zigarrenspitzen,  Abfälle  von  Wachs  u.  dgl.  sammelten,  aus
deren  Erlös  dann  die  Familien  der  Soldaten  bezahlt  wurden.  So
nahm  man  diesen  Unterstützungen  den  Charakter  eines  Almosens  und
konnte  zudem  aus  dem  Reinerträge  noch  einen  gewissen  Betrag  für
Liebesgaben  an  die  Soldaten  zur  Verfügung  stellen.  In  Tokyo  wurde
eine  Kinderbewahraustalt  ins  Leben  gerufen,  in  der  nur  Soldateukiuder
Unterkunft  fanden,  so  daß  deren  erwachsene  Familienangehörige  ungehindert ­
  irgend  einer  bestimmten  Beschäftigung  sich  widmen,  oder  in  die
Fabriken  auf  Arbeit  gehen  können.  Auch  bildete  sich  hier  ein  Frauenvereiu
  zur  Beschaffung  von  Arbeitsgelegenheit  für  die  Soldatensamilien.
Ein  müderer  Verein  hat  für  die  Armeeverwaltuug  die  Uniformschneiderei
übernommen  und  überträgt  nun  diese  Arbeit  den  Frauen  der  draußen
im  Felde  stehenden  Soldaten,  so  daß  also  der  Familie  auf  diese  Weise
geholfen  wird.  In  den  Mariuehasen  Iokosuka  hat  sich  ein  Pflegeverein
für  die  Familien  der  Matrosen  und  Unteroffiziere  gebildet;  der  Verein
besitzt  drei  Werkstätten  und  ein  Lazaret.  In  den  Werkstätten  werden
Marineuniformeu,  Fahnen,  Signalflaggen,  wasserdichte  Kleidersäcke  u.a.  m.
        <pb n="75" />
        67

hergestellt  und  zwar  auf  Bestellung  der  Mariueverwaltung.  Bei  etwa
vorkommenden  Erkrankungen  wird  billige  ärztliche  Pflege  in  dem  Lazaret
gewährt.  In  der  Nähe  dieser  Werkstätten  soll  auch  noch  ein  Kindergarten ­
  geschaffen  werden.  In  der  Stadt  Takamatsu  wurde  eine  Unterrichtsanstalt ­
  eröffnet,  in  der  den  Soldatenfamilien  Unterweisung  in.
Anfertigen  von  Stroh  gestechten  aller  Art  gegeben  wird,  so  daß  sie  hierdurch ­
  sich  den  nötigen  Lebensunterhalt  beschaffen  können,  ohne  ans
irgendwelche  Almosen  angewiesen  zu  sein.  Man  bezahlt  sogar  während
der  Lehrzeit  bestimmte  Arbeitslöhne,  und  da  die  Anfertigung  solcher
Strohgeflechte  keinerlei  körperliche  Kraftanstrengung  bedingt,  so  können
Kinder  und  alte  Leute  sich  ihr  ebenfalls  widmen.  In  verschiedenen
Regierungsbezirken  werden  die  Familien  der  Soldaten  zum  Füllen  der
Blechdosen  in  den  Wasserprodnktenversnchsstativnen  herangezogen.
Neben  all  diesen  Veranstaltungen,  nni  die  Familien  der  Soldaten
durch  Schaffung  von  Arbeitsgelegenheit  vor  Not  und  Elend  zu  bewahren,
gibt  es  natürlich  auch  eine  ganze  Reihe  von  milden  Stiftungen,  die
besonders  jetzt  während  des  Krieges  segensreich  wirken.  Eine  der
ältesten  dieser  Stiftungen  wurde  im  Jahre  1808  unter  dem  Namen
„Giso"  in  einer  kleinen  Landstadt  namens  Fukuyama  errichtet  und  hat
seit  ihrer  Gründung  schon  vielfach  auf  dem  Gebiete  der  Erziehung,  der
Fürsorge  und  Armenpflege  hilfreich  gewirkt.

2.  Kapitel.
Der  künftige  Einfluß  des  russisch-japanischen  Krieges  auf  die
japanische  Volkswirtschaft.
Wie  schließlich  der  Krieg  ausgehen  wird  und  in  welcher  Weise
sich  Verschiebungen  innerhalb  der  japanischen  Volkswirtschaft  als  Folgewirkung
  des  Krieges  einstellen  werden,  das  läßt  sich  heutigentags
noch  nicht  überblicken.  Wenn  man  überhaupt  bei  solchen  Gelegenheiten
seinen  Blick  in  die  Zukunft  richten  will,  um  irgend  welche  Entwicklungeaussichten
  dem  geistigen  Auge  des  Beobachters  vorzuführen,  so  läßt  die
unsichere  Basis  eines  solchen  Gedankenfluges,  selbst  bei  ernstesten  und
kritischen  Festhalten  an  der  Materie,  dennoch  zu  große  Abweichungen
zu,  wodurch  der  wirtschaftliche  Wert  solcher  Zukunftsbilder  stets
ein  äußerst  fragwürdiger  wird.  Man  kann  nur  an  der  Hand  vergangener ­
  Tatsachen  und  augenblicklicher  Erscheinungen  des  Wirtschaftslebens ­
  auf  die  nächste  Zukunft  einige  Schlüsse  ziehen,  die,  nach  bestimmter
Richtung  hin  sachgemäß  entwickelt,  uns  ein  Teilbild  zu  geben  vermögen.
Betrachtet  man  unter  diesem  Gesichtswinkel  die  zukünftige  Gestaltung ­
  der  japanischen  Staatsfinanzen,  so  ist  zunächst  anzuführen,
        <pb n="76" />
        68

daß  dieselben  nach  dem  Kriege,  sowohl  in  Einnahmen  als  auch  in
Ausgaben  ganz  erheblich  höhere  Sumnien  aufweisen  werden,  als  es  vor
dem  Kriege  der  Fall  war.  Solange  Rußland  etwa  gegen  Japan  rüsten
kann,  solange  Japan  sein  Machtgebiet  ausdehnen  muß,  solange
werden  die  Kosten  für  Heer  und  Marine  sich  andauernd  erhöhen.  Des
weiteren  hat  Japan  während  des  jetzigen  Krieges  seine  Staatsschuld
vervielfacht,  deren  hohe  Summen  also  auch  in  nächster  Zukunft  im
Budget  erscheinen  werden.  Als  eine  naturgemäße  Folge  des  Krieges
dürfte  weiter  eine  erhebliche  Znnahnie  der  Ausgaben  für  Kultur-  und
Wirtschaftszwecke  sich  einstellen,  zu  deren  Deckung  neue  Einnahmequellen
erschlossen  werden  müssen.  Diese  Erschließung  neuer  Einnahmen  wird
in  nächster  Zukunft  eins  der  wichtigsten  Probleme  für  den  japanischen
Finanzminister  bilden.  Zwar  ließe  sich  vielleicht  die  Zahl  der  Beamten
verringern,  aber  die  Gehälter  der  übrigbleibenden  müssen  unbedingt
gehoben  werden,  so  daß  also  durch  diese  Maßnahme  keinerlei  finanzieller
Vorteil  für  den  Staat  sich  ergeben  dürfte.
Man  könnte  ferner  die  Kriegsschulden  konvertieren,  und  die  kurzfristigen ­
  Anleihen  zu  langfristigen  umwandeln,  um  die  Last  der  Zinsen
zu  verringern.  Alles  dies  jedoch  sind  Pläne,  deren  Verwirklichung  auf
mancherlei  Schwierigkeiten  im  In-  und  Auslande  stoßen  dürste.
Für  die  spätere  Gestaltung  der  Lokalfinanzen  wird  sich  ein  Einfluß
des  Krieges  insofern  geltend  machen,  daß  die  Gemeinden  danach  streben,
eigenes  Gemeindekapital  zu  besitzen,  oder  solches  zu  vermehren,  weil  sie
nach  der  Kriegserfahrnng  nur  dadurch  ihre  selbständige  Position  zu
kräftigen  vermögen,  um  schwere  Zeiten  llberstehen  zu  können.
Da  durch  den  Krieg  der  staatliche  Finanzbedarf  beträchtlich  zugenommen ­
  hat,  so  wird  auch  die  japanische  Volkswirtschaft  in  Zukunft
durch  erhöhte  Energie  und  Leistungsfähigkeit,  durch  gesteigerte  Produktivität ­
  auf  der  einen  Seite,  und  durch  wohlüberlegte  und  wohlangebrachte ­
  Sparsamkeit  auf  der  andern  Seite,  dazu  beitragen  müssen,
diesen  gesteigerten  Finanzbedarf  des  Staates  decken  zu  helfen.  In  der
Voraussicht  dieser  wirtschaftlichen  Notwendigkeit  äußerster  Kräfteanstrengung ­
  hat  man  in  Japan  gleich  zu  Anfang  des  russischjapanischen
  Krieges  alle  erforderlichen  Maßnahmen  ergriffen,  um  sicher
auf  dieses  Ziel  loszusteuern.  Die  heute  bereits  im  japanischen  Volke
geltenden  Prinzipien  über  Sparsamkeit  und  energische  Bekundung  regen
Fleißes  werden  mit  Ablauf  des  Krieges  keineswegs  verschwinden,  sondern
eine  dauernde  Erscheinung  im  japanischen  Wirtschaftsleben  bilden,  die
es  unbedingt  zu  einer  hohen  wirtschaftlichen  Blüte  führen  wird.  Wird
der  Krieg  dann  noch  zu  einein  für  Japan  glücklichen  Ende  geführt,  so
wird  sich  als  ebenbürtige  Schwester  neben  die  wirtschaftliche  Blüte,  die
        <pb n="77" />
        69

Sicherung  der  nationalen  Existenz  Japans  als  zweite  große  Folgeerscheinung ­
  des  heutigen  Krieges  stellen.
Eine  andere  Nachwirkung  des  Krieges  ist  das  Expansionsgelüst  iin
japanischen  Handel  und  Gewerbe,  das  sich  in  einer  lebhaften  Förderung
des  japanischen  Außenhandels  kundgibt.  Trotz  der  bedeutenden  Fortschritte, ­
  die  Japans  Außenhandel  schon  zu  verzeichnen  hat,  ist  die
japanische  Geschäftswelt  dennoch  nicht  damit  zufrieden,  da  dieser  Außenhandel ­
  in  Vergleich  zu  dem  anderer  —  europäischer  —  Länder  ihnen
viel  zu  klein  erscheint.  Dabei  liegen  dem  Japaner  die  Ausdehnungsmöglichkeiten ­
  —  in  territorialem  Sinne  —  vor  der  Tür,  er  hat  also
nur  seine  Handelstätigkeit  nach  weiterblickeudeu  Gesichtspunkten  zu  regeln.
Andererseits  verhehlt  man  sich  in  den  leitenden  japanischen  Geschäftskreisen ­
  durchaus  nicht,  daß  der  bisherige  Außenhandel  unter  vielfachen
Übelständen,  wie:  unpünktliche  Lieferung,  Unzuverlässigkeit,  zu  große
Zersplitterung  zu  leiden  hat,  Momente,  die  alle  erst  allmählich  beseitigt
werden  können.  Das  Beispiel  einzelner  bestimmter  Exportindustriezweige
beweist  aber  schon,  daß  diese  Mängel,  sofern  sie  erst  einmal  erkannt
und  offen  zutage  gelegt  sind,  erfolgreich  abgelegt  werden  können.
Daß  im  allgemeinen  die  japanische  Industrie  nicht  auf  der  gleichen
Höhe  steht  wie  ihre  Landwirtschaft  und  besonders  Armee  und  Marine,
liegt  in  der  historischen  Entwicklung  des  Landes  begründet.  Unter  der
Feudalherrschaft  stieg  der  Militarismus  zu  einer  hohen  Blüte,  und  ebenso
war  die  Landwirtschaft  von  Alters  her  bereits  bekannt  und  gepflegt.
Handel  und  Industrie  jedoch  erfreuten  sich  bis  in  die  jüngsten  Jahrzehnte ­
  hinein  keiner  sonderlicheil  Beachtung;  sie  galten  als  das  Tätigkeitsfeld ­
  dllrchtriebeirer  Charaktere,  bei  denen  Betrügen  und  Betrogenwerden ­
  alltägliche  Vorkommnisse  bildeten.  Zudem  war  Japan  noch  vor
vierzig  Jahren  ein  nach  Außen  hin  völlig  abgeschlossenes  Land,  welches
auch  im  Innern  nur  schwer  zu  passieren  war  inid  nur  wenige  große
Verkehrsstraßen  für  den  Warenaustausch  besaß.  Seine  Wirtschaft  war
vorwiegend  eine  Lokalwirtschaft,  aber  noch  keine  Staats-  oder  gar  Weltwirtschaft ­
  und  seineil  Kaufleuten  fehlte  noch  damals  der  weite  Blick,
der  sich  heute  als  eine  Folgeerscheinung  des  Krieges  schon  eingestellt
hat.  Heute  will  man  Handel  und  Gewerbe  in  Japan  auf  das  gleiche
Niveau  heben,  welches  Heer  und  Marine  schon  seit  langem  einnehmen;
alte  unbrauchbare  und  nicht  entwicklungsfähige  Organe  im  Handel  sollen
abgeschafft  und  durch  neue  lebenskräftige  und  anpassungsfähige  Institutionen ­
  ersetzt  werden.  Man  will  die  Produktionsmethoden  und  die
Arten  des  Verkaufes  verbessern  lind  einen  kräftigeren  Ansbau  der  wirtschaftlichen ­
  Verbände  —  herbeiführen.  Seitens  des  Staates  sollen
Handelsattaches  ins  Ausland  gesandt  werden,  um  an  Ort  und  Stelle
den  Bedarf  oder  die  Produktionsmittel  des  Landes  zli  studieren;  ebenso
        <pb n="78" />
        70

sollen  Handelsmuseen  japanischer  Warenerzeugnisse  im  Auslande  errichtet ­
  werden,  um  die  Aufmerksamkeit  fremder  Käufer  auf  japanische
Produkte  zu  lenken.  Japanische  Exporteure  haben  sich  zusammengetan,
um  in  ihrem  gemeinschaftlichen  ausländischen  Absatzgebiet  Verkaufsläden
in  großem  Stil  zu  errichten  und  zu  unterhalten,  wobei  die  Kosten  für
den  einzelnen  nur  gering  sind.  Ebenso  ist  man  energisch  zu  einer  rationellen
Verbesserung  der  Hafeneinrichtungen  und  Verkehrsmittel  im  Interesse  des
Handels  geschritten.  Als  eine  Folge  des  Krieges  dürfte  Japan  auch
eine  Revision  seines  Zolltarifs  vornehmen,  da  infolge  der  modernen
Entwicklung  von  Handel  und  Industrie  eine  Verschiebung  der  wirtschaftlichen ­
  Verhältnisse  sich  eingestellt  hat,  die  eine  Veränderung  mancher
Positionen  des  Zolltarifs  wünschenswert  erscheinen  läßt.  Vorläufig
allerdings  sind  Japan  in  dieser  Beziehung  noch  für  fünf  Jahre  die
Hände  gebunden;  außerdem  erscheint  es  noch  fraglich,  ob  etwaige  Schutzzölle ­
  für  das  Gesamtinteresse  des  Staates  von  günstiger  Wirkung  sein
werden.  Wenn  man  dieselben  nationalen  Eigenschaften  der  Japaner,
wie  unbeugsamen  Fleiß,  Energie,  Tatkraft  und  Tapferkeit,  welche  jetzt
im  Feldzuge  so  großartige  Erfolge  erbracht  haben,  auch  auf  das  japanische
Wirtschaftsleben  überträgt,  so  wird  auch  hier  in  Zukunft  der  Erfolg
nicht  ausbleiben  und  die  ganze  Nation  aus  einer  solchen  Jnteressenbetätignng
  schließlich  ihren  Vorteil  ziehen.  Neben  der  rationellen  Entwicklung ­
  der  Exportindustrie  hat  aber  auch  ein  Aufschwung  der  Industrie
für  inländische  Bedarfsartikel  zu  erfolgen,  da  hier  eine  etwaige  Vernachlässigung ­
  sich  später  unangenehm  bemerklich  machen  könnte.
Man  darf  nun  in  Europa  und  Amerika  sich  nicht  ohne  weiteres
der  Annahme  hingeben,  daß  aus  einer  lebhaften  Gestaltung  der  industriellen ­
  Tätigkeit  Japans  und  aus  einer  intensiven  Betätigung  auf
dem  Gebiete  des  Außenhandels,  eine  Schädigung  der  eigenen  wirtschaftlichen ­
  Interessen  in  Ostasien  erfolgen  könne  und  daraus  dann  gleich
eine  „gelbe  Gefahr"  konstruieren.  Wahrscheinlich  wird  nämlich  nur
eine  Verschiebung  in  den  einzelnen  Warengattungen  stattfinden,  die  nach
Japan  zur  Ausfuhr  gelangen;  an  Stelle  von  Rohprodukten  oder  rohen
Halbfabrikaten  wird  Japan  dann  verfeinerte  Produkte,  Luxnswarcn,
Wein,  Zucker  rc.  beziehen,  der  Außenhandel  selbst  an  Wert  also  wohl
kauni  eine  Einbuße  erleiden.  Wenn  Japan  z.  B.  in  großem  Maßstabe
die  Fabrikation  von  Flanell  zur  Einführung  bringt,  so  kauft  es  dieses
Fertigprodukt  naturgemäß  nicht  mehr  aus  Europa  oder  Amerika,  sondern
stattdessen  die  erforderlichen  Maschinen,  die  Wolle  und  Baumwolle.
Der  erhöhte  Gewinn  aber,  welchen  die  japanische  Volkswirtschaft  ans
dieser  Industrie  ziehen  wird,  ermöglicht  die  Befriedigung  erhöhter
Lebensbedürfnisse,  sodaß  also  Japan  dann  als  Käufer  teurer  Luxusartikel ­
  ans  den,  Weltmärkte  auftreten  kann.  Zudem  wird  der  japanische
        <pb n="79" />
        71

Außenhandel  sich  in  der  Hauptsache  auf  Absatzgebiete  erstrecken,  die
erstens  noch  in  den  Kinderschuhen  ihres  Bedarfs  stecken  und  zweitens
den  Europäer  und  Amerikaner  heute  entweder  noch  nicht  als  Absatzgebiet ­
  dienen,  oder  aber  bei  späterem  Anwachsen  des  Bedarfs  dennoch
erhalten  bleiben.  Daß  Japan  also,  selbst  bei  gesteigerter  Ausfuhrtätigkeit, ­
  den  Europäern  bzw.  Amerikanern  Absatzgebiete  wird  entreißen
können,  erscheint  nach  der  Lage  der  ganzen  in  Betracht  kommenden
wirtschaftlichen  und  geographischen  Verhältnisse  ausgeschlossen.  Auch
lehrt  die  Gegenwart  schon,  daß  Europa  infolge  der  gesteigerten  Geschäftstätigkeit ­
  der  Japaner  seinen  Absatz  an  Waren  in  Japan  selbst  ständig
vermehrt  hat,  wenn  auch  heute  vielfach  andere  Waren  dort  Absatz  finden,
als  dies  vor  Jahrzehnten  der  Fall  war.  Der  Handelsverkehr  zwischen
Japan  und  Europa  zeigt  uns  diesen  Gang  der  Entwicklung  aufs  deutlichste.
Japans  Einfuhr  und  Ausfuhr  von  und  nach  Europa  in  Millionen  Jen:

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Mehreinfuhr

1893

42.2

29.0

13.1

1903

96.1

70.3

25.8

Ebenso  zeigt  auch  der  Handel  Europas  mit  China  einen  bedeutenden ­
  Aufschwung;  obwohl  hier  Japans  Absatz  sich  relativ  weit  mehr
ausgedehnt  hat,  ist  er  doch  dem  Werte  nach  nur  halb  so  groß  wie  der

europäische  Chinahandel.  Es  betrug

in  Millionen  Taels  die  Einfuhr

nach  China:

0

1888/89

1902/93

Zunahme

aus  Japan

6.2

42.8

36.6

aus  Europa  (ohne  Rußland)

28.4

79.6

51.2

Nach  der  Ansicht  Sachverständiger  dürfte  es  ausgeschlossen  erscheinen,
daß  an  dieser  Situation  in  Ostasien  irgend  welche  Veränderung  von
Bedeutsamkeit  eintreten  würde,  selbst  wenn  Japan  in  der  Zukunft  eine
energische  Schutzzollpolitik  sich  zu  eigen  machen  sollte.
Im  Laufe  dieser  Studie  wurde  bereits  daraufhingewiesen,  welcherlei
vielfache  Maßnahmen  auf  landwirtschaftlichem  Gebiete  infolge  des  Krieges
ergriffen  wurden,  die  für  die  Zukunft  von  dauerndem  Nutzen  sein  werden.
Als  solche  sind  nochmals  kurz  zu  rekapitulieren:  die  Aufforstung  großer
Distrikte,  die  Förderungen  von  Fischzucht  und  Viehzucht,  die  intensivere
Ausnutzung  der  landwirtschaftlichen  Nebenprodukte,  die  Regulierung  der
Äckerverteilung,  die  Urbarmachung  von  Ödländereien,  die  Verbesserung
der  landwirtschaftlichen  Arbeitsgeräte,  Einführung  von  Maschinen,  Verbesserung ­
  der  Düngemittel  und  des  Saatgetreides,  staatliche  Aufsicht
bei  der  Reistrocknung,  Errichtung  landwirtschaftlicher  Versuchsanstalten,
Erwerbs-  und  Wirtschaftsgenossenschaften  usw.  Alles  dies  sind  Ein»
        <pb n="80" />
        72

richtungeil  oder  Arbeiten,  bereit  Nutznießung  der  Nation  in  der  Zukunft
dauernd  gesichert  bleiben  wird.
Als  eine  der  Ursachen  zu  dem  jetzigen  Kriege  ist  japanischerseits
die  Notwendigkeit  zu  betrachten,  ihr  Wirtschaftsgebiet  und  ihren  Absatzmarkt ­
  auf  die  Mandschurei  und  Korea  ausdehnen  zu  müssen.  Nach
dem  erfolgreichen  Abschluß  des  Krieges  wird  Japan  in  diesen  beiden
Ländern  ausgedehnte  Maßnahmen  zum  Schutze  und  zur  Verbreitung
seines  Handels  in  Anwendung  bringen  müssen,  denn  der  Markt  dieser
beiden  Länder  bildet  neben  der  Frage  einer  nationalen  Existenz  das
Kampfobjekt  des  augenblicklichen  Krieges  mit  Rußland.  Japan  wird
hier  also  mit  allen  Mitteln  bestrebt  sein,  diese  Länder  völlig  unter  seinen
Einfluß  zu  bringen,  um  hier,  wenn  auch  nicht  nominell,  so  doch  in
Wirklichkeit  Herrscher  zu  sein.
Im  Interesse  des  japanischen  Staates  liegt  es  ferner,  der  Auswanderungsfrage ­
  eine  erhöhte  Aufmerksamkeit  zu  schenken.  Nur  die
ininderwertigen  Arbeiterelemeute  wird  nian  in  Zukunft  in  fremde  Länder
ziehen  lassen,  woselbst  sie  lediglich  als  Lohnarbeiter  auftreten;  die  gebildeten, ­
  besseren  und  arbeitstüchtigen  Elemente  aber  wird  man  unter
der  Leitung  hochgebildeter  Japaner  zur  Ansiedelung  in  solchen  Landesgebieten ­
  zu  bewegen  haben,  die  dem  japanischen  Mutterlande  in  Zukunft
auch  Nutzen  versprechen.  Der  jetzige  Krieg  hat  den  Blick  breiter  Volksmassen ­
  in  Japan  erweitert,  und  zudem  haben  die  Soldaten  schon  Korea  und
die  Mandschurei,  als  die  zukünftigen  ureigentlichsten  Ansiedelnngsgebiete,
durch  den  Augenschein  kennen  gelernt,  uni  unter  ihren  Angehörigen  eine
allgenieine  Kenntnis  jener  Gebiete  herbeizuführen.  Die  fundamentalen
Bedingungen  für  eine  japanische  Siedelung  sind  somit  aller  menschlichen
Voraussicht  nach  gegeben  und  zwar  eben  durch  den  Krieg,  der  die
Kenntnis  der  Siedelungsgebiete  brachte  und  die  Answanderungslust
dorthin  erhöhen  half.  Die  Mandschurei  und  Korea  bilden  die  territorialen ­
  Substrate  für  die  Ausdehnungstendenz  der  modernen  japanischen
Volkswirtschaft,  deren  Landeskinder  nicht  mehr  als  Lohnarbeiter  in
fremde  Dienste  treten  sollen,  sondern  als  Ansiedler  unter  der  sachverständigen ­
  Leitung  einsichtiger  und  erfahrener  Führer  dem  Mutterlande
von  dauerndem  Nutzen  sich  erweisen  werden.
Zwar  werden  dadurch  diese  Länder  vorwiegend  unter  japanischen
Einfluß  gestellt,  aber  die  wirtschaftliche  Entwicklung  des  eigenen  Vaterlandes ­
  innerhalb  der  letzten  vierzig  Jahre  hat  den  Japaner  gelehrt,  wie
viel  wichtiger  es  ist,  wenn  ein  Land  aus  seiner  Abgeschlossenheit  heraustritt, ­
  als  weitn  es  darin  verharrt.  Er  wird  daher  schon  aus  eigenem
Interesse  in  der  Mandschurei  und  in  Korea  die  Politik  der  offenen
Tür  für  alle  verfolgen  und  nicht  etwa  diese  Staaten  zu  einem  spezifisch
japanischen  Handelsdominiuni  abschließen.
        <pb n="81" />
        Schluß.

Am  Schlüsse  dieser  Studie  erscheint  es  mir  angebracht,  einen  kurzen
Überblick  über  die  Situation  in  Ostasien  zu  geben.  Der  Verlauf  des
Krieges  war  bisher  für  Japan  günstig,  und  Japan  würde  auch  finanziell
sehr  wohl  noch  in  der  Lage  sein,  ihn  fortsetzen  zu  können.  Jedenfalls
aber  wird  Japan  nach  einem  glücklichen  Abschluß  dieses  Krieges  alle
Gewahr  haben  wollen,  um  einen  langdauernden  Frieden  in  Ostasien
sicher  stellen  zu  können;  die  Kosten  dieser  Garantie  sind  eben  von
Rußland  im  vollsten  Maße  zu  tragen,  denn  dieser  Staat  war  es,  welcher
das  latente  Gleichgewicht  in  Ostasien  gestört  hat.  Wenn  nun  auch
Japan  seine  Interessensphäre  auf  Korea  und  die  Mandschurei  ausdehnen
wird,  so  bedeutet  dies  —  wie  ich  bereits  abführte  —  trotzdem  nicht
die  Ausschließung  des  europäischen  und  amerikanischen  Handels  in  jenen
Gebieten.  Andererseits  aber  stärken  die  Japaner  durch  diesen  Krieg
ihre  Macht  imö  ihr  Ansehen  in  Ostasien  so  bedeutend,  daß  es  in  Zukunft ­
  ausgeschlossen  erscheinen  dürfte,  in  offener  Gegnerschaft  zu  Japan
auf  dem  ostasiatischen  Markte  irgendwie  Fuß  fassen  zu  können.  Wer
in  Ostasien  wirtschaftliche  Interessen  zu  wahren  und  zu  schützen  hat,
erreicht  dies  in  Zukunft  am  sichersten  und  mit  dem  geringsten  Kostenaufwande,
  wenn  er  dort  als  Verbündeter  Japans  auftreten  kann.  Japan
dagegen  wird  solche  Bnndesgenossenschaften  stets  zu  schätzen  wissen  und
ist  jedenfalls  weit  entfernt  davon,  Annäherungen  in  diesem  Sinne  etwa
zurückzuweisen.  Andererseits  wiederum  soll  man  in  Europa  und  Amerika
die  Japaner  nicht  überschätzen,  sie  bilden  keine  gelbe  Gefahr  für  den
ostasiatischen  Handel,  ebensowenig  aber  auch  sind  sie  eine  unfähige
Nation.  Sie  wissen  ihre  natürlichen  Vorteile  der  geographischen  Lage,
der  genauen  Kenntnis  ostasiaüscher  Verhältnisse,  der  Sitten  und  Sprachverwandtschaft ­
  ganz  genau  einzuschätzen  und  sie  der  erfahreneren
Handelstüchtigkeit,  der  höheren  Technik,  der  feineren  Organisation  des
europäischen  oder  amerikanischen  Wirtschaftskörpers  in  genau  abgewägtem
Maße  entgegenzustellen.  Sie  erkennen  den  Unterschied  zwischen  den
eigenen  Fähigkeiten  und  denen  der  Fremden,  aber  sie  wissen  auch,  wie  weit
sie  selbst  in  der  Lage  sein  werden,  in  Zukunft  dieses  Niveau  von  Leistungs-
        <pb n="82" />
        74

sähigkeit  erreichen  zu  können.  Wenn  auch  heute  die  augenblicklichen
Wirtschaftskräfte  Japans  noch  als  klein  bezeichnet  werden  müssen,  —
sofern  man  europäischen  oder  amerikanischen  Maßstab  hier  anzulegen
berechtigt  ist  —  so  würden  die  Japaner  doch  mit  der  ihnen  eigenen
Energie  weiter  vorwärtsschreiten,  nur  wird  jetzt  als  eine  Folge  des
Krieges  wahrscheinlich  das  Tempo  ein  beschleunigteres  sein.
Schließlich  bliebe  noch  zu  untersuchen,  ob  der  Kern  der  japanischen
Finanzwirtschaft  ein  gesunder  ist,  so  daß  er  die  durch  den  Krieg  geschaffenen, ­
  schweren  finanziellen  Lasten  zu  tragen  imstande  ist.  Wer
aber  die  gesunde,  kräftige  Entwicklung  der  Volkswirtschaft  eines  Staates
als  die  Basis  für  eine,  geregelte  Fiananzwirtschast,  kennen  und  betrachten ­
  gelernt  hat,  der  dürfte  in  dieser  Beziehung  für  Japan  keine
Bedenken  tragen.  Man  muß  sich  erinnern,  daß  Japan  erst  seit  etwa
vierzig  Jahren  überhaupt  an  die  Öffentlichkeit  getreten  ist,  und  daß  die
japanischen  Staatsschulden,  trotz  ihrer  starken  Zunahme  jetzt  durch  den
Krieg,  immer  noch  als  verhältnismäßig  gering  bezeichnet  werden  müssen.
Dabei  ist  —  abgesehen  von  den  Kriegssteuern  —  die  normale  Steuerlast ­
  pro  Kopf  des  Bewohners  in  Japan  noch  sehr  mäßig.
Man  darf  daher  meines  Erachtens  sehr  wohl  die  Überzeugung
aussprechen,  daß  dieser  Krieg  in  seinen  Folgeerscheinungen  für  Japan
vielfach  günstige  Ausflüsse  zeitigen  wird,  die  der  späteren  Entwicklung
der  japanischen  Volkswirtschaft  zum  Vorteil  gereichen  werden.  Der
russisch-japanische  Krieg  war  für  die  Japaner  notwendig,  einmal  zur
Sicherung  ihrer  nationalen  Existenz  gegenüber  dem  russischen  Vorwärtsdrängen ­
  in  der  Mandschurei  und  Korea,  dann  aber  auch  als  Antriebsmoment ­
  zur  gesteigerten  Entfaltung  ihrer  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit.
Beides  hat  Japan  erreicht.
        <pb n="83" />
        Anmerkung:
Auf  der,  in  meiner  obigen  Studie  stehenden  Statistik,  welche  die
Beträge  in  Tausend  oder  Millionen  angibt,  wurde  immer  nur  eine
Ziffer  nach  dem  Komma  gesetzt,  während  alle  anderen  Ziffern  ohne
weiteres  weggelassen  wurden.
So  darf  man  nicht  zweifeln,  wenn  auch  die  Znsammenrechnung
oder  der  Vergleich  zuweilen  nicht  zutrifft.
z.  B.  1)  Bei  der  Statistik  über  Flächeninhalt  Japans  wurde
wie  folgt  angegeben,  (S.  3)
Tausendquadrari
Alt  Japan  24.7
Formosa  2.2
Insgesamt  27.0
lvährend  es  eigentlich  heißen  mich:
Alt  Japan  24.794
Formosa  2.267
Insgesamt  27.061
2)  Ferner  wurden  in  der  Tabelle  über  die  Entwicklung  der
Finanzen  Japans  folgende  Ziffern  angegeben  (S.  32.)
Millionen  Den

Rechnungsjahr

Einkünfte

Ausgaben

Überschuß  oder  Defizit

1893—94

113.7

84  5

-j-  29.1

1896—97

187.0

168.8

+  18.1

1898—99

220.0

219.7

-j-  0.2

1899-1900

254.2

254.1

+  0.08

während  dieselben  eigentlich  lauten

müßten:

1893—94

113.769.381

84.581.872

-j-  29.187.509

1896—97

187.019.423

168.856.509

+  18.162.915

1898—99

220.054.127

219.757.569

296.558

1899—1900

254.254.524

254.165.538

4-  88.987
        <pb n="84" />
        A.  Deichert'sche  Vcrlagsbuchhdlg.  Rächst  (Georg  ööhme),  Leipzig.
Fortsetzung  von  der  2.  Umschlagseite.
Bd.  VII.  Fricdr.  Lindner,  Die  unehelichen  Geburten  als  Sozialphänomen. ­
  Ein  Beitrag  z.  Statistik  d.  Bevölkerungsbewegung  im  Königreich ­
  Bayern.  Mit  2  Karten.  (X  u.  238  S.)  1900.  4  M.  80  Pf.
Bd.  VIII.  Bruno  Kmiotck,  Ziedelung  und  Waldwirtschaft  im  Salzforst.
  Ein  Beitrag  zur  deutschen  Wirtschaftsgeschichte.  Mit  einer
Karte  des  Salzforstgebiets.  (X  u.  194  S.)  1900.  3  M.  60  Pf.
Bd.  IX.  K.  Heist  Die  Rrichsbank  und  die  bayerische  Notenbank  in
ihrer  gegenseitigen  Entwicklung  in  Bayern  1876—1899.  Mit
1  Karte.  (XII  u.  68  S.)  1900.  1  M.  60  Pf.
Bd.  X.  Fricdr.  Müller,  Die  geschichtliche  Entwicklung  des  landwirtschaftlichen ­
  Genossenschaftswesens  in  Deutschland  von  1848/49
bis  zur  Gegenwart.  (XX  n.  552  S.)  1901.  10  M.
Bd.  XI.  Fr.  Lohmann,  Die  Entwicklung  der  Lokalbahnen  in  Bayern.
Mit  einer  Karte.  (X  u.  238  S.)  1901.  6  M.  50  Pf.
Bd.  XII.  A.  R.  Maier,  Der  Verband  der  Glacöhandschuhmacher  und
verwandten  Arbeiter  Deutschlands.  1869—1900.  (VIII  u.  392  S.)
1901.  8  M.
Bd.  XIII.  Otto  Rustmann,  Zur  Frage  der  Mobiliar-Feuerversicherung
im  Königreiche  Bayern.  (VIII  u.  82  S.)  1902.  1  M.  50  Pf.
Bd.  XIV.  Ernst  Heubach,  Die  zukünftige  verkehrsentwicklnng  auf
dem  regulierten  Main  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Stadt
Würzburg.  (X  u.  74  S.)  1902.  1  M.  80  Pf.
Bd.  XV.  M.R.  Weyermann,  Das  Derlagssystcm  derLanschaerGlaswaren-Jndnftrie
  ».  f.  Reformierung.  (X  n.  154  S.)  1902.  3  M.  50  Pf.
Bd.  XVI.  Gottfried  Hartung,  Die  bayerischen  Landstraßen,  ihre  Entwicklung ­
  im  XIX.  Jahrhundert  und  ihre  Zukunft.  Eine  historischkritische
  Studie  aus  dem  Gebiet  der  bayerischen  Verkehrspolitik.
(VIII  u.  108  S.)  1902.  2  M.
Bd.  XVII.  Arthur  Hübschmann,  Die  obligatorische  Mobiliarbrandverslchernng
  in  der  Schweiz.  (VIII  u.  92  S.)  1902.  2  M.  40  Pf.
        <pb n="85" />
        Druct  von  lltelnyotv  Berger  «n  Lucla

Ä.  Dcichert'schc  Verlagsbuchhdlg.  Nachf.  (Georg  Löhme),  Leipzig.

Bd.  X  VIII.  Hermann  Limburg,  Die  königl.  Lank  zu  Nürnberg  in  ihrer
Entwicklung  1780—1900*  (X  u.  184  S.)  1903.  4  M.  25  Pf.
Bd.  XIX.  Franz  Faver  Habersbrnnner,  Die  Lohn-,  Zlrbeits-  und
Grganifationsverhältniste  im  deutschen  Laugewerbe,  mit  besonderer
Lerncksichtigung  des  deutschen  Ärbritgeberbuiides  für  das  öaugcwerbe.
  (XIV.  u.  260  S.)  1903.  5  M.  50  Pf.
Bd.  XX.  Emil  Herzfelder,  Das  Problem  der  Kreditversicherung  mit
besonderer  Lerncksichtigung  der  berufsmäßigen  Änsknnstserteilung
und  des  außergerichtlichen  Vergleichs.  (X  ».  226  S.)  1904.
4  M.  80  Pf.
Bd.  XXI.  Fr.  Pernwerth  von  Bärnstein,  Die  Dampfschiffahrt  auf  dem
Lodenscr  und  ihre  geschichtliche  Entwicklung  während  ihrer  ersten
Hanptperiode.  1824—1847.  Unter  Benützung  amtlicher  Quellen.
(XIV.  u.  241  S.)  1905.  5  M.  40  Pf.
Bd.  XXIII.  Valentin  Steinert,  Zur  Frage  der  Naturalteilung.  Eine
Untersnchnng  über  die  bäuerlichen  Verhältnisse  des  fränkischen  Grabfeldes. ­
  ca.  4 1 /,,  Bogen.  ca.  1  M.  50  Pf.
Bd.  XXIV  Masao  Kambe,  Der  russisch-japanische  Krieg  und  die
japanische  Volkswirtschaft,  ca.  5  Bg.  ca.  1  M.  60  Pf.
Bd.  XXV.  Siegfried  Mehler,  Die  Volksvrrsichernng  in  der  Schweiz.
ca.  7  Bg.  ca.  2  M.  25  Pf.

Prof.  I).  K.Th.,  Finanzwissenschaft.  8.  Auflage.  8M.,
geb.  9  M.  25  Pf.

,  Fritz,  Tarifgemtinschaften  ihre  wirtschaftliche,  fozialpolitiichc

  und  juristische  Ledentnng  mit  besonderer  Lerncksichtigung
des  Ärbeitgeberstandpnnktes.  ca.  10  Bg.  ca.  3  M.
        <pb n="86" />
        51

f "{  M
+ n  i  iw

von

ine

dem  Gebiete  von  Nagoya  bis  Okayama,  dessen  Mittel-Kobe
  bilden.  Hier  trat  der  geschäftliche  Niedergang
gen  bereits  im  Oktober  1903  ein,  er  erreichte  in  den
gr,  März  und  April  1904  seinen  Höhepunkt  und  litt
dem  Gefühl  der  Unsicherheit  und  dem  Mangel  an
^  lrch,  daß  Nordamerika  und  europäische  Machtstaaten
en  Kriegsschauplatz  auf  Korea  und  die  Mandschurei  zu
de  die  ungünstige  Lage  des  auswärtigen  Handels  etwas
ild  brachte  eine  starke  Ausdehnung  des  japanischeil  Ab--nerika
  und  Europa  noch  weitere  Steigerung.  Nach  vier
:en  des  Niederganges  war  also  wieder  eine  Periode  des
zu  verzeichnen.
H  rtze  hierzu  war  der  Niedergang  auf  dem  Jnlandsmarkte
der  sich  auf  das  ganze  Land  erstreckte  und  zudeni  auch
^gedehnt  war.  Auch  hier  wird  der  stärkste  Tiefstand  in
-&amp;gt;ruar  bis  April  gemeldet,  die  Wareutransporte  waren
chen  Transporte  stark  behindert,  der  Bankier  mit  seineil
ückhaltend  und  besoilders  das  Volk  äußerst  sparsam,
der  günstige  Verlauf  des  Krieges  naturgemäß  Änderung
:e  die  schlechte  Geschäftslage  immerhin  doch  wesentlich
:ze  Niedergangsperiode  im  auswärtigen  Handel  währte,
-lanische  Gewerbetätigkeit  war  der  Einfluß  des  Krieges
ld  wie  auf  den  Haildel.  Der  Gewerbefleiß  äußert
Zapail  in  der  Form  der  Hausindustrie  oder  gar
igung,  die  auszuführeil  oder  nicht  auszuführen
ereil  Feruwirkuilg  ist.  Auch  sind  infolge  dieses  hausakters
  der  ganzen  Arbeitsbetätigung  keine  so  großen
ungelegt  und  nicht  so  viele  Arbeiter  au  bestimmteil
(t,  als  dies  in  der  Fabrik-  und  Maschinen-Jndustrie
mso  bringt  es  der  Charakter  der  Hausindustrie  mit
effeudeii  Arbeitselemente  bei  Verfall  eines  bestiinmteu
icht  zu  einer  anderen  Arbeit,  die  ihneil  noch  Nutzen
können.  Auch  kounteii  stellenlose  Arbeiter  schleunigst
i  Feld  hinausgezogenen  Soldaten  annehmen,  da  die
eschästigung  zumeist  keinerlei  besondere  Geschicklichkeit
if  :ssen  trat  tu  der  japanischen  Hausindustrie  durch  den
st  rgeudwie  bemerkbare  Unterbrechung  ein.  Auch  stellenu
  nicht  viele  vorhanden,  denn  diejenigen,  welche  in
keine  Beschäftigung  fanden,  erhielten  solche  bestimmt
b  aft  und  der  ausgedehnten  japanischen  Fischereitätigkeit,
fttge  Männer  für  den  Feldzug  gestellt  hatten.
Sen  Rückgang,  welchen  einzelne,  für  den  Inlandsbedarf
4*
        <pb n="87" />
        ﻿Druck von Reinhold Berger, Lucka S.-A.
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
