6

78

der  Mailänder  Arbeiterbevölkerung,  die  bereits  damals  an  der
Spitze  der  italienischen  stand,  herrschten.  Das  sozialistische  Evangelium, ­
  das  in  jenen  Jahren  erst  von  wenigen  Aposteln  gepredigt
wurde,  war  damals  noch  nicht  unter  den  Massen  verbreitet,  die,
wenn  sie  nicht  gleichgültig  gegen  soziale  und  politische  Fragen
waren,  der  demokratischen  Partei  folgten.  Daher  kommt  der  milde
Ton  des  zitierten  Journals,  obwohl  damals  der  „Tipografo“  das
streitbarste  Organ  für  die  Berufsinteressen  der  Arbeiter  war.
Aber  auch  sein  Ruf  sollte  einige  Zeit  ohne  Antwort  bleiben.
Da  dienten  ein  Besuch,  den  im  Herbst  jenes  Jahres  1889  eine
Schar  Mailänder  Arbeiter  bei  Gelegenheit  der  großen  internationalen ­
  Weltausstellung  der  „Bourse  du  Travail“  in  Paris  machte,
und  ferner  vor  allem  die  allgemeinen  Wahlen  der  Verwaltungsbehörden, ­
  die  infolge  einer  Erweiterung  des  Wahlrechts  vorgenommen ­
  wurden,  dazu,  unter  anderem  auch  wirksame  Verhandlungen ­
  einzuleiten,  eine  Arbeitsbörse  oder  Kammer  zu  schaffen.
Das  Zentralkomitee  der  „Ässociazione  degli  operai  tipografi“
nimmt  die  Verpflichtung  auf  sich,  die  Agitation  wach  zu  halten.
Das  rechtfertigt  die  Zeitschrift  „La  Tipografla  Milanese“  in
folgenden  Sätzen:
„Der  Augenblick,  um  in  Italien  und  besonders  in  Mailand  die  Einrichtung ­
  einer  Arbeitsbörse  zu  versuchen,  konnte  nicht  günstiger  gewählt  sein.
Die  Erweiterung  des  Stimmrechts  zu  den  Verwaltungswahlen  hat  die  Pforten
der  Gemeinderäte  und  Provinzialtage  dem  Arbeiterelement  geöffnet,  das  am
direktesten  an  der  Frage  interessiert  ist.  Es  kommt  daher  unseren  Vertretern
zu,  in  den  betreffenden  Versammlungen  die  wichtige  Frage  zu  erheben.  Bon
Mailand,  das  die  Stadt  der  großen  Initiativen  genannt  wurde,  muß  das
Losungswort  sür  diese  neuere  Eroberung  des  Proletariats  ausgehen,  und  wir
hoffen,  daß  mit  der  Beharrlichkeit  und  der  Kraft,  die  die  Folge  der  Einigkeit
sind,  der  endliche  Sieg  uns  bleiben  wird."
Am  2.  Dezember  1889  richtet  das  Komitee  der  Setzer  an
die  Mailänder  Arbeitervereine  und  an  alle  italienischen  Zweigvereine ­
  des  Setzerverbandes  ein  Rundschreiben,  worin  der  Zweck
der  neuen  Einrichtung,  die  nach  Italien  verpflanzt  werden  soll,
auseinandergesetzt  wird.  Das  Rundschreiben,  das  als  Aufschrift
das  Motto  trägt:  „Die  Besserung  der  Lage  des  Arbeiterstandes