20

92

trächtliche  Subventionen  gewährten,  damit  die  Kammern  existieren
konnten.  Wir  könnten  viele  Zitate  aus  den  Blättern  jener  Zeit
anführen,  um  zu  beweisen,  wie  die  öffentliche  Meinung  geteilt
und  unsicher  war,  nicht  nur  in  bezug  auf  die  Arbeitskammern
allein,  sondern  auf  die  ganze  Arbeiterbewegung.  Aber  sie  könnten
leicht  zu  falschen  Schlüssen  bei  den  ausländischen  und  namentlich
den  deutschen  Lesern  führen,  die  nicht  die  Zersplitterung  unserer
politischen  Parteien  kennen  und  daher  den  Behauptungen  Einiger
einen  allgemeinen  Wert  beilegen  würden.  Während  die  arbeitenden
Klassen  sich  in  Begeisterung  für  ihre  Arbeitskammern  entflammten,
die  eine  neue  Einrichtung  waren  und  von  denen  sie  unmittelbare
und  fast  immer  höhere  Vorteile,  als  sie  in  Wirklichkeit  erreichen
konnten,  erwarteten,  waren  die  anderen,  die  Konservativen  und
die  Unsicheren,  aus  demselben  Grund  voreingenommen,  d.  h.  mehr
als  die  Sache  selbst  fürchteten  sie  ihre  Neuheit.
Jedoch  war  die  Zahl  der  letzteren  nach  den  ersten  fünf
Jahren  der  Versuche  mit  der  Arbeitskammer  ständig  zurückgegangen ­
  und  das  erklärt,  wieso  diese  Institute,  die  unter  großen
Schwierigkeiten  entstanden  waren,  nicht  nur  leben,  sondern  sogar
gedeihen  konnten.  Im  Jahre  1898  war  ihre  Zahl  auf  20  gestiegen ­
  und  die  Gründung  weiterer  Arbeitskammern  wurde  als
unmittelbar  bevorstehend  angekündigt.  Im  März  dieses  Jahres
begannen  die  Arbeitskammern  von  Mailand,  Lodi  und  Codogno
(Lombardei)  Verhandlungen,  die  einen  Propaganda-  und  Agitationsausschuß ­
  für  die  Provinz  Mailand  zu  bilden  bezweckten,  „um  auf
dem  Gebiet  der  Volkswirtschaft  tätig  zu  sein,  indem  sie  die  Lage
und  Bedürfnisse  der  Provinz  studierten,  Statistiken  aufzustellen
und  ferner  auf  Grund  dieser  Studien  die  Organisationsformen
zu  schaffen,  die  am  besten  den  örtlichen  und  zeitlichen  Bedürfnissen
entsprechen".  Bis  dahin  hatten  sich  nur  die  industriellen  Arbeiter
geregt.  Lodi  und  Codogno,  mitten  in  der  lombardischen  Ebene
gelegen,  bezeichnen,  indem  sie  sich  in  enge  Verbindung  mit  der
Handelskammer  in  Mailand  setzen,  im  Jahre  1898  den  Anfang
eines  Erwachens  der  landwirtschaftlichen  Arbeiter.  Das  war  eine
Tatsache  von  der  größten  Bedeutung,  die  den  Arbeitskammern