22

91

Die  Stille  und  die  Untätigkeit  der  Anhänger  der  Arbeitskammer ­
  dauerten  vier  Monate.  Am  15.  September  aber  hielt
der  Ausschuß  der  Arbeitskammer  von  Bologna,  wie  wir  gesehen
haben  einer  der  vier  überlebenden,  die  Zeit  zur  Wiederaufnahme
der  unterbrochenen  Tätigkeit  für  gekommen  und  beschloß  eine
Tagesordnung.  In  dieser  appellierte  er  an  „das  Gewissen  der
italienischen  Arbeiter,  damit  sie  ihre  Vereine  und  Arbeitskammern,
die  Schule  für  ihre  Pflichten,  den  Schutz  für  ihre  Rechte,  wieder
begründen".  Gleichzeitig  benutzte  der  Exekutivausschuß  derselben
Arbeitskammer  die  Veröffentlichung  eines  Rundschreibens  des
Ministerpräsidenten  Pelloux  an  die  Präfekten,  in  denen  diese  ermahnt ­
  wurden,  sich  mit  den  Verhältnissen  ihrer  Provinzen  zu
beschäftigen,  zum  Beweise  für  die  Notwendigkeit,  die  Arbeitskammern ­
  wieder  einzurichten,  da  sie  eine  große  soziale  Wohltat
seien  „sowohl  als  Gradmesser  für  die  Arbeitslosigkeit,  wie  auch
als  Organisatoren  der  Arbeitermassen  in  Gewerkschaften,  die  in
dem  beharrlichen  Schutz  der  Arbeiter  friedliche  Mittel  anwenden,
auch  bei  den  heftigen  wirtschaftlichen  Kämpfen  unserer  Zeit,  und
den  sozialen  Fortschritt  und  die  Erziehung  zur  Kultur  fördern"?)

st  Die  folgenden  Zeilen  sind  aus  einem  Rundschreiben,  das  im  Jahre  1898
von  der  Arbeitskammer  in  Bologna  an  die  „Arbeitsbrüder  Italiens"  gerichtet ­
  wurde,  genommen.  Dieses  Rundschreiben  enthält  auch  andere  interessante ­
  Dinge,  an  die  zu  erinnern  wir  für  angebracht  halten,  weil  es  sich  um
die  erste  Ivichtige  Kundgebung  zugunsten  der  Wiederherstellung  der  Arbeitskammern ­
  nach  den  Stürmen  des  Mai  handelte:  „Das  Arbeiterelement  steht
jeder  listigen  Politik  fern,  die  Aufrichtigkeit  der  Kammerorganisationen  ist
durch  die  jüngsten  Ereignisse  bewiesen  worden.  In  der  Tat  konnte  trotz  der
Auflösungen  und  der  üppigen  Phantasie  der  Polizeiämter  kein  erhebliches
Moment  zu  Lasten  der  Organisationen  gefunden  werden.  Daraus  muß  man
von  neuem  schließen,  daß  den  Kammern  kein  Hindernis  für  ihre  Neugründung
und  Ausbreitung  in  den  Weg  gelegt  werden  darf.  In  ihrem  Programm
braucht  nichts  geändert  oder  abgeschwächt  zu  werden.  Sie  müssen  schleunigst
der  Organisation  der  Arbeiter  obliegen,  weil  die  Organisation  immer  vollkommenere ­
  und  hohe  Formen  kulturellen  Zusammenlebens  darstellt  und  sie
das  wirksamste  Mittel  zur  Stellenvermittlung  durch  Widerstandsverbände  und
wirtschaftliche  Vereine  in  ihren  tvahren  und  reinsten  Formen  ist.  Sie  müssen
die  Organisation  der  Arbeiter  unterstützen  und  sie  studieren,  müssen  über  die