44 3. Die Arbeiterverhältnisse. In der Konservenindustrie haben wir zu unterscheiden zwischen Fabrikarbeitern als solchen, die in den Fabriken selbst beschäftigt werden und Heimarbeitern, die mit Heimarbeit nach Akkordlohn für die Fabrik tätig sind. Die Gesamtzahl der in der Konservenindustrie beschäftigten Arbeiter hat sich seit den letzten 20 Jahren entsprechend der größeren Anzahl der Betriebe und der gesteigerten Produktion außerordentlich vermehrt. Es läßt sich das natürlich nicht in den einzelnen Betrieben und verschiedenen Teilen Deutschlands verfolgen. Daher wollen wir wieder Braunschweig als Beispiel anführen. Arbeiter und Arbeiterinnen in der Braunschweiger Konservenindustrie. Jahr Arbeiter Arbeiterinnen 1874 ca. 100 ca. 500 1886 „ 200 „ 1400 1898 5 10 » 54oo 1905 „ 800 „ 7000. Die obengenannte Zahl der Arbeiter wird nur während der Kampagne in den Monaten Mai bis Oktober beschäftigt. Während der übrigen Zeit des Jahres ist die Zahl der Arbeiter und besonders der Arbeiterinnen ganz bedeutend geringer; sie beträgt kaum den zehnten Teil der in der Saison beschäftigten Arbeitskräfte. Wie erwähnt, ­ füllen die Fabriken diese stillere Zeit hauptsächlich mit dem Versand der im Sommer hergestellten Ware aus, daneben mit dem Einmachen von Fleischwaren, Pilzen, Wintergemüse und auch teilweise ­ mit der Herstellung von Blechdosen, so daß viele Fabriken im Winter in Blechwarenfabriken umgewandelt erscheinen. So erklärt es sich, daß, während im Winter die Zahl der weiblichen Arbeiter auf etwa den zwölften Teil herabsinkt, die Zahl der männlichen Arbeiter, ­ die zum großen Teil gelernte Klempner sind, sich nur um die Hälfte verringert. Während die kleinsten Betriebe im Winter sogar ohne Hilfskräfte auskommen, stellen größere 2—3, mittlere 10—20, die größten Betriebe sogar 40—50 Arbeiter während dieser Zeit ein. In der Saison dagegen beschäftigen die Fabriken im Durchschnitt 145 Arbeiter, die kleinsten 10—20; mittlere Betriebe zirka 20—100, die größeren 100—500. Die größte Braunschweiger Fabrik verfügt über ein Arbeiterpersonal von zirka 800 Personen. Die 42 Fabriken des Heerzogtums Braunschweig verteilen sich auf 6 nach der Zahl der angestellten Arbeiter unterschiedene Größengruppen wie folgt: