57 Wie erwähnt, herrscht in der deutschen Gemüsekonserven industrie der Brauch,, daß die Gemüse nach Morgenzahl abgeschlossen werden. Der Fabrikant ist danach verpflichtet, alles, was auf dem v on ihm mit seinen Lieferanten kontrahierten Areal wächst, abzu nehmen, gleichviel, ob die Tageslieferungen kleine oder große sind 1 ). Es wird ernstlich von seiten der Konservenfabrikanten in Er wägung gezogen werden müssen, ob die Kontrakte mit den Liefe ranten künftig nicht besser nach Gewicht abzuschließen sind, oder daß wenigstens ein Maximalquantum pro Tag und Morgen festgesetzt wird. Damit würde allerdings zweifellos ein erheblicher Rückgang des Gemüseanbaues verknüpft sein. Denn bei plötzlichem Wachstum würden die Landwirte mit erheblichen Mengen Rohwaren sitzen bleiben und diese selbst nicht einmal für den geringsten Preis an den Mann bringen können. Die Folge würde sein, daß die vielen Tau sende von kleinen Landwirten und Anbauern in Zukunft den für sie so lohnenden Gemüsebau nicht mehr betreiben können. In volkswirtschaftlicher Beziehung wäre der Rückgang des erst m it Schwierigkeiten aufgezogenen deutschen Gemüseanbaues außer ordentlich zu bedauern. Denn gerade die Gegenden, die früher zu den ärmsten gehörten, sind durch die Konservenindustrie zu Wohl stand gekommen. Viele Tausende von Arbeitern, die in der Stadt der Arbeit nachgehen und auf dem Lande wohnen, lassen durch ihre Familie den Gemüsebau betreiben und haben dadurch erhebliche Nebeneinnahmen, die ihnen gestatten, sich allmählich ein eigenes Besitztum zu schaffen. Gibt es doch nach den früher gegebenen statistischen Tabellen über die Rohprodukte Fabriken, die 6—700 Lieferanten haben, welche einen Viertelmorgen Erbsen, einen halben Morgen Bohnen, 2 Morgen Spargel usw. bauen und außerdem die besten Lieferanten für die Fabriken abgeben. Werden also der Konservenindustrie die dringend erforderlichen Erleichterungen nicht geschaffen, so wird die Folge sein, daß sie das ihr auferlegte Risiko Zu ® Teil auf die Landwirtschaft abschiebt. Da die Landwirtschaft das Risiko aber ebensowenig zu tragen vermag, wird die schließliche Wirkung die sein, daß die Gemüse• bauende Landwirtschaft und die Gemüse verarbeitende Industrie in gleichem Verhältnisse leiden und ln ihrer Entwicklung wahrscheinlich dauernd gehemmt bleiben werden. Der Verband deutscher Konservenfabrikanten hat nun im April 1904 eine erneute Eingabe an den deutschen Reichskanzler gerichtet, 1) Es mag hierbei darauf hingewiesen werden, daß bei Spargellieferungen Variationen ln wenigen Tagen von 40 bis ca. 250 Zentner erfahrungsgemäß entstehen können.