59 geräumt sind, mit Vorräten an Spargel, Erbsen und Bohnen noch über füllt. Hierdurch entstand in der Konservenindustrie eine Krisis, die in allen Teilen Deutschlands gleichmäßig beobachtet wurde. Die Wirkungen derselben zeigten sich auch bald. Einzelne Fabriken waren sogar ge zwungen, infolge ihrer ungünstigen Lage ihren Betrieb gänzlich ein zustellen. Der Verein deutscher Konserven- und Präservenfabrikanten berief im März 1902 einen Kongreß sämtlicher Konservenfabrikanten nach Braunschweig, um über die mißliche Lage der Industrie zu verhandeln, und soweit möglich mittelst geeigneter Maßnahmen Ab hilfe zu schaffen. Die starke Teilnehmerzahl dieses Kongresses, es waren über 130 Vertreter erschienen, bewies, daß eine Krisis der Industrie überall beobachtet wurde und daß man überall das Bedürfnis nach baldiger Abhilfe empfand. Worauf war die bedrängte Lage der Industrie nun zurückzu führen? — Allgemein erkannte man eine Überproduktion, entstanden durch die Vergrößerung alter und die Errichtung neuer Fabriken a n. Aber auch die Mißwirtschaft, welche teilweise in einzelnen meist jungen Fabriken betrieben wurde, hatte ihren Teil zur schlechten Lage der Industrie beigetragen. Diese Mißwirtschaft machte sich in kopflosen ängstlichen Verkäufen bemerkbar und ermöglichte den Verkauf von Gemüsekonserven zu Preisen, die nicht einmal die Herstellungskosten der Fabrikanten deckten. Durch solche Manipu lationen wurde natürlich die ganze Industrie erheblich geschädigt. Lurch den Verkauf schlechter, oft ungenießbarer Konserven, von Neulingen der Branche hergestellt, wurden die Konsumenten geradezu abgeschreckt, Konserven zu kaufen, was zur Verringerung des Ab satzes beitrug. Die Unsicherheit des Verkaufs der Konserven wurde üoch vermehrt durch die verschiedene Bezeichnung der einzelnen Qualitäten, da Bestimmungen hierüber nicht existierten, durch die verschiedensten Lieferungsbedingungen, durch das gegenseitige Preis- ünterbieten der Fabrikanten bei Beschaffung von Aufträgen und durch die Gewohnheit vieler Zwischenhändler, Konserven nicht nach Qualität, sondern nach den billigsten Preisen zu kaufen. Als Maßnahmen, die imstande wären, die Lage der Konserven- ^dustrie zu bessern, sind zu erwähnen: 1. Einschränkung der Produktion. 2. Eine Verständigung sämtlicher Konservenfabrikanten über Mindestpreise. Diese wäre an sich sehr wünschenswert, ist indessen nur durchführbar, wenn sämtliche Fabrikanten hierzu bereit sind.