35 aber notwendig, in dieser Angelegenheit noch schleunig und bis morgen eine wichtige Arbeit zu tiefern, die ich versassen muß, wenn ich ganz ungestört sein kann. Dies ist heute abend der Fall, wo meine Familie zum Ober-Regierungsrat Stecher eingeladen ist und ich ganz allein bin. Entschuldigen Sie mich daher bei Ihren werten Standesgenossen, wenn ich heute nicht auf dem fröhlichen Abend erscheine. Die Sache, die ich zu bearbeiten und zu vertreten habe, ist von solcher Wichtigkeit, daß ich ihr notwendig eine freundliche Einladung opfern muß. Wollen Sie mich, lieber Deneke, Mittwoch früh besuchen, so bin ich gern bereit. Ihnen, vor dem ich bei seiner ruhigeil lind wohlwollenden Gesinnung kein Geheimnis habe, über meine Arbeit, die ich mir für heute abend zur Erledigung vorgesetzt habe, näheres mitzuteilen. D. 24. Jan. 1848. Herzlichst der Ihrige Francke. (P.S.) Haben Sie wohl schon daran gedacht, daß heute Friedrichs des Großen Geburtstag ist?" Es war eine bewegte Zeit, als Deneke zur Leitung der Magdeburger Kauf-Mannschaft berufen wurde. Nicht nur politisch drängte das deutsche Volk mit stürmischer Zugendkraft zur Einheit, auch wirtschaftlich sollten die getrennten Staaten sich näher treten. Preußen hatte mit dem Zollverein das große Werk begonnen, und wenn sich schließlich 1848 noch nicht die Zugendträume Deutschlauds erfüllten, so hat doch die heilige Begeisterung der führenden Persönlichkeiten ­ jener Tage, der Bassermann, v. Gagern, Simson, usw., etwas Großes und Erhebendes. Auch die deutsche Kaufmannschaft war von der Bewegung erfaßt worden, und einige Korporationen hatten eine Zusammenkunft ihrer Vertreter in Frankfurt am Main geplant, um über Zollsragen zu beraten und mit dem Frankfurter beteiligten Parlaments-Ausschuß Fühlung zu nehmen. Der Plan wurde ausgeführt. Die MagdeburgerKorporation der Kaufmannschaft beteiligte sich daran und entsandte ihren Ersten Vorsteher nach Frankfurt a. M. Dort stieß übrigens noch Stadtrat Scheller aus Magdeburg zu Deneke. Ein glücklicher Zufall hat es gewollt, daß sich 2 Briefe DenekeS aus jenen Frankfurter Tagen noch vorgefunden haben; der eine ist im Besitze der Familie Zuckschwerdt, der andere, an Frau Zdi Deneke gerichtet, im Besitze der Familie Deneke selbst. Wir geben diese Briese, die ein Schlaglicht auf die denkwürdige Zeit von 1848 werfen, hierunter, sachlich unverkürzt, wieder. Erstes Schreiben, gerichtet an Ludwig Zuckschwerdt. Frankfurt am Main, den 13. September 1848. Mein lieber Zuckschwerdt! Du wirst gewiß schon eher ein paar Zeilen von uns erwartet und am Ende gar schon dem Gedanken Raum gegeben haben, daß dieMagdeburger Kaufmanns-Deputierten entweder auf dem Rhein oder hier in der Deutschen Einigkeit untergegangen sind. Dem ist aber nicht so. — Wir mußten allerdings in Köln vom Morgen 5 Ahr bis um 9 Ahr aus die Abfahrt des Dampsbootes warten, denn der starke Nebel, welchen wir am Freitag hatten, ließ dieselbe nicht eher zu, wir glauben aber auch diese Zeit genutzt zu haben, denn nachdem wir zwischen 6 und 7 Ahr den schönen Dom — ein wahres Prachtstück — in Augenschein genommen.