76 bedenklich, allein bei reiflicher Aeberlegung durfte ich diese Gelegenheit nicht vorbei passieren lassen, und ich habe viele Arsache überzeugt zu sein, daß es mir nie gereuen wird. — Auch die Aelteren und Beuchels lassen sich Ihnen sämtlich recht herzlich empfehlen. Franz ist wohl so gut unten stehende Anonce in den Anzeiger sehen ju lassen, und zwar zweimal, die Auslagen aber siir mich zu notiren, indes ist es wohl gut, wenn es nicht eher geschieht, als bis ich die Carlen gesandt, damit diese nicht später abgegeben werden, nur für die nächsten Verwandten werde ich Carlen einsenden. Unter herzlicher Begüßung an alle die Ansrigen, und mit der Bitte bald zu schreiben, verbleibe ­ ich Ihr treuergebener Sohn C. L. Zuckschwerdt. Vierter Brief Ludwigs, gerichtet an einen Bruder. Magdeburg, den 10. Januar 1841. Lieber Bruder! Da die Beantwortung Deines lieben Briefes vom 1. er. einige Ruhe erfordert, ­ so habe ich sie bis zu heute Sonntag verschieben müssen. Zuvörderst nun meinen herzlichsten Dank für Deinen brüderlichen Glückwunsch zum neuen Jahre! Wohl hast Du recht, daß das verflossene manches Trübe mir bereitet hat, allein demohngeachtet will ich nicht ernstlich Klage führen, im Gegentheil danke ich Gott insbesondere für die Verstellung meiner Gesundheit sowohl als für das Gedeihen und Wohlsein meiner Kinder! Wechsel im Geschäfte haben von jeher stattgefunden ­ und werden auch nie aufhören, dies ist deshalb der Kaufmann auch gewohnt, nur muß er der Zeit angemessen handeln und dies glaube ich zu' verstehen. Bei der Zuckerfabrikation, sowohl ­ der indischen als einheimischen, haben wir in einer Reihe von Jahren schönes Geld verdient, hört dies nun mal eine kurze Zeit auf, so bleibt dadurch das Geschäft freilich nicht so angenehm, aber doch die Äoffnung, daß es sich wieder ändert, und die ist sicher. Auch muß man nicht verkennen, ­ daß eine solche Periode sein Gutes hat, sie erzeugt eine Säuberung, das Schlechte, das Faule wird ausgemerzt, die Verderber des reellen Geschäftes müssen sich zurückziehen und ein neuer günstiger Abschnitt erfolgt, so ist es von jeher gewesen und so wird es auch ferner sein. — Was unser beiderseitiges Familienschicksal betrifft, so stehen wir darin ziemlich pary, Du sowohl als ich haben ein liebes Kind, einen lieben Sohn verlieren müssen, aber den Vorzug hast Du, daß der Äimmel Dir eine brave Frau erhalten hat. Der Verlust Deines Schwiegervaters liegt in den Gesetzen der Natur, der Meinige wird, danach gerechnet, auch früher als ich sterben müssen. Es war mir etwas Neues, von Dir zu höre«, daß die Kriegesrüstungen jetzt Gegenstand Deiner Gedanken seien und daß man dort von Marschieren spricht und so ernstlich. Ich für mein Theil glaube aber an einen Prenßenkrieg nicht, und die neuesten Nachrichten lauten ja auch sehr friedlich. Aebrigens bleib Du nur lieber zu Laus, wenn Du die Wahl hast, natürlich Anehre und Nachtheil dürfte es Dir nicht bringen. Was die Nachlaffenschaft Deines Schwiegervaters anbelangt, ­ so kenne ich den Vertrag, den derselbe bei feilten Lebzeiten mit Dommerich abgeschlossen hat, nicht, denn Dommerich hat mir nur so viel gesagt, daß er das Äopfengeschäft nach dem Tode von K- übernehmen würde und habe sich über die Bedingungen bereits mit ihm geeinigt. D. hatte dabei hauptsächlich seinen treuen Walter im Auge. Wen« ich nun über den Vertrag selbst ein Arteil ­ fällen soll, so muß ich ihn lesen und bleibe ich für diesen Fall Abschrift erwartend. Ich nehme an, daß dasÄaus fest zu 10000 Thaler verkauft ist, denn wenn dieses im Vertrage steht, so würde ich es in Deiner Stelle dabei lassen. Ich gehe hierbei allerdings von der Meinung aus, daß 10000 Thaler ein guter Preis ist, ohne aber genau darüber urtheilen zu können. Das Laus pachtweise auf lange Zeit zu überlassen, halte ich für die Erben nachtheiliger, denn wenn D. auch die Zinsen