94 dritter, vom L erbst 1877 ab als zweiter Vorsteher — tätig war, so wird man es verstehen, daß er es ablehnte, sich trotz seiner unleugbaren Rednergabe, die er in der von ihm lebhaft geförderten Magdeburger Kolonialgesellschaft und als Vortragender im Kaufmännischen Verein glänzen ließ, als Abgeordneter ans politischem Gebiete zu betätigen. Für seine allzu karg gezählten Stunden der Muße hatte er sich in Cracau bei Magdeburg eine dicht an der Elbe gelegene Villa mit Garten gekauft. Lier lebte er mit seil,er Frau Lermine, geb.Kaemps, in einem Kreise bliihender Kinder. Aber der Ruhetage gab es in diesen, reichen Leben nur wenige. Robert Weichsel gönnte sich keine längere Erholung; sein Geist arbeitete rastlos und wollte sich den Körper dienstbar machen. Vielfach reiste Weichsel bei Nacht, um den Tag für seine Arbeit frei zu haben. — Bei dieser äußersten Anstrengung seiner Kräfte erreichte er wohl früher als andere Kaufleute die Anerkennung seiner Standesgenossen, es trat aber bei ihm auch früher, als das sonst bei seinem kräftigen und gesunden Körper geschehen wäre, Abspannung und Verfall ein. Von seinen Angehörigen, Freunden, Standesgenossen, Untergebene), und Bekannten tief betrauert, starb Robert Weichsel am 7. Juni 1887. — Aus der Grabrede des Superintendenten Faber (jetzt Losprediger und Generalsnperintendent in Berlin) geben wir folgende Worte wieder, ­ die dem Wesen des Entschlafenen gerecht werden: „Soll ich unter das Bild von Robert Weichsel ein Wort sehen, das seine Eigenart kurz bezeichnet, ­ ich würde für zutreffend halten: „Es ging Kraft von ihm aus!" er war eine gottbegnadete ­ Kraft. Mit reichen Gaben ausgestattet und mit vielseitigen Kenntnissen, mit einem weiten, freien Blick und mit kühnen ursprünglichen Gedanken, machte er den Eindruck eines ungewöhnlichen Mannes, dazu angetan, anregend und maßgebend einzugreifen. Er war eine Kraft, And er hat diese Kraft entwickelt und gebraucht mit eiserner Energie und starker Entschlossenheit. ­ Was einst ein alter ritterlicher Graf an seine Fahne schrieb, das eine kleine und doch so hochgemute und siegesgewaltige Wörtlein „Dennoch", das bezeichnet auch seine Art. Widerstand und Anverstand schreckten den zielbewußten Mann nicht, und durch alle Hemmungen und Verwickelungen hindurch trug er die Fahne seines festen ritterlichen „Dennoch". Es ging Kraft von ihm aus. Er hat auch seine schöne Kraft in einem geschlossenen Wirken zusammengehalten. ­ So vielseitig seine Interessen auch waren, selbst wissenschaftlicher und namentlich künstlerischer ­ Natur, seinem eigentlichen Berufe gehörte doch sein Leben. So mannigfach seine Tätigkeit ­ war, es hielt sie ein großes Ziel zusammen. Er hat seine Kraft in rastloser Arbeit wohl aufgerieben, ­ aber nicht zersplittert. And wenn seinen Lieben als ein teures Vermächtnis so manches Bild bleibt, von seiner kunstgeübten Land gemalt: das schönste und edelste Vermächtnis bleibt ihnen in dem Lebensbilde die, es willensmächtigen Mannes von geschloffenem sittlichen Charakter und lauterster Gesinnung."