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        <title>Magdeburger Großkaufleute</title>
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            <idno>883818310</idno>
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        Zentralstelle  des
Hamburgisehen  Kolonialinstituts/fl  t
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        WWWWMMM
#  Zentralstelle  ^
0n.1INOV  1913
femit

  .-Anlage

Magdeburger
Großkausleute
Lebensbilder,  herausgegeben
zur  Einweihung  des  Hauses
der  Handelskammer,  Alter
Markt  5  und  6,  am  19.  Mai
des  Jahres  1906  von
Syndikus  Dr.  M.  Behrend

Selbstverlag  der  Handelskammer  —  Alle  Rechte  vorbehalten
Druck:  A.  Wohlfeld  in  Magdeburg.  Titelbild  von  Aloys  Kolb
Textschrift:  Mainzer  Fraktur  von  Ä.Berthold  A.-G.,  Berlin

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        Goethe  sagt  in  einer  —  nachgelassenen  —  Vorrede ­
  zum  dritten  Teil  von  „Dichtung  und  Wahrheit": ­
  Alles  wahrhaft  Biographische,  wohin  die
zurückgebliebenen  Briese,  die  Tagebücher,  die
Memoiren  und  so  manches  andere  zu  rechnen  sind,
bringen  das  vergangene  Leben  wieder  hervor,
mehr  oder  weniger  wirklich  oder  im  ausführlichen
Bilde.  Man  wird  nicht  müde,  Biographien  zu
lesen,  so  wenig  als  Reisebeschreibungen:  denn
man  lebt  mit  Lebendigen".
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        3

EF

13

Inhalts-Verzeichnis.

Vorwort  5
Die  Ältesten  der  Kanf-Mannschaft
  7
Die  ersten  Vorsteher:
Carl  Schultze  16
Jean  Jacques  Cuny  ...  21
Carl  Deneke  27
David  Gosse  45
August  Neubauer  ....  51
Otto  Pubbe  56
Wilhelm  Zuckschwerdt  .  .  64
der  Reihe  der  zweiten ­
  it.  dritten  Vorsteher  90
Robert  Weichsel  ....  92
Wilhelm  Pauswaldt  ...  95
Peinrich  Reichardt  .  .  100
Otto  Pilet  102
Otto  Arnold  ....  106
Walter  Morgenstern  .  .  108
Geschäftsführende  Beamte
Costenoble,  Zwicker,  Patschek  119
Alterleute  der  Kaufleute
Brüderschaft  ...  121
Coqni,  Schwager,  Robrahn,
Pildebrand,  Fälsche  u.Fritze

Persönliches  aus  den
letzten  zehn  Jahren  131
Louis  Schieß  ....  131
Emil  Andreae  ....  131
Anton  Fricker  ....  132
Robert  Tschmarke  .  .  .  132
Carl  Schräder  ....  133
Peter  Schmidt  ....  133
Gustav  Schmidt  .  .  .  134
Paul  Pennige  ....  136
Ernst  Schultze  ....  138
Carl  Llntucht  ....  138
Carl  Ramdohr  ....  139
Stiftungen,  verwaltet
von  der  Handelskammer  140
I.Brunner,W.Äauswaldt,
P.  Pennige,  Gust.  Äubbe,
Otto  Pubbe,  O.  Jacoby,
W.  Morgenstern,  August
Neubauer,  Wilh.  Porst,
O.Schwanert,  Gust.Tonne,
Gust.  Wernecke,  R.  Wolf,
Permann  Zuckschwerdt  und
Wilhelm  Zuckschwerdt
Anhang  149
Namenregister  .  .  .169
        <pb n="5" />
        .

Glas  der  Kaufleute  -  Brüderschaft  vom  Jahre  1712.
(Siehe  Seite  41.)
        <pb n="6" />
        Herrschaft  gewinn'  ich,  Eigentum.
Die  Tat  ist  alles,  nichts  der  Ruhm!
errschaft  willsich  Faust  gewinnen,  als  er,  „der  Weisheit ­
  letzten  Schluß"  vorausahnend,  sich  nun  entschließt, ­
  in  der  'Arbeit  des  Lebens  höchsten  Genuß,
des  menschlichen  Daseins  edelste  Freude  51t  suchen.
Ein  Herrsch  er  will  erwerben  über  Güter  desLandes
und  Meeres.  And  ist  das  nicht  mich  das  Ziel  großer
Kaufleute,  wagender  und  werbender  Industrieller
und  Handelsleute?  Gewißlich!  Spricht  doch  der
modernsten  Kaufleute  einer,  Andrew  Carnegie,
vom  „Empire  of  business“  von  der  wirtschaftlichen
Herrschgewalt,  die  der  Kaufmann  zu  erringen  trachten  soll  und,  wenn  er  seinen
Berns  ausfüllt,  auch  erringt.  Wenn  Fürsten  und  Staatsmänner,  Künstler,
Dichter  und  Gelehrte  darauf  sinnen,  sich  Ansterblichkeit  zu  gewinnen,  der  Kaufmann ­
  sucht  nach  Herrschaft  im  Reiche  der  Güter.  Im  Wirken  und  Schaffen  selbst
findet  er  seine  Genugtuung,  findet  er  die  sittliche  Weihe  seines  Berufes.  Die  Tat
ist  ihm  alles,  freilich  nicht  nur  die  Tat  des  Erwerbens  von  Eigentum,  sondern
auch  der  schwere  aufopferungsvolle  Dienst  für  die  Allgemeinheit.  Wessen  Geist
so  beschaffen,  so  gerichtet  unt&amp;gt;  so  beschäftigt  ist,  der  kann  für  den  Ruhm,  den  die
Zukunft  spendet,nichts  übrig  haben.  So  sehen  wirdenn  auch,  daß  die  vergangenen
Generationen  des  Kausmannstandes,  obwohl  gerade  sie  dem  deutsche«  Kaufmann ­
  die  Bedeutung  errangen,  die  er  für  unser  Wirtschaftsleben  besitzt,  selbst  so
gut  wie  nichts  getan  haben,  von  ihrem  Wirken  Zeugnis  abzulegen.
Welch  unschätzbaren  Wert  würde  es  haben,  wenn  die  Männer,  von  denen
im  nachstehenden  die  Rede  ist,  über  ihr  Leben  und  ihre  Erfahrungen  Aufzeichnungen
  gemacht  hätten.  Das  wäre  nicht  nur  eine  Freude  und  ein  Stolz  für  die
Enkel,  nicht  nur  ein  Sporn  für  den  kaufmännischen  Nachwuchs,  nicht  nur  eine
Quelle  der  Belehrung  für  Leiter  großer  gewerblicher  Anlagen  aller  Art,  das
wäre  auch  ein  reicher  Gewinn  für  die  deutsche,  insbesondere  die  Magdeburger
Wirtschaftsgeschichte,  der  nur  zu  sehr  die  „persönliche  Note"  fehlt.
Was  uns  über  Magdeburger  Kaufleute,  die  ihrer  „amtlichen  Vertretung"
nahe  standen,  erhalten  ist,  sind  Aufzeichnungen  von  Verwandten,  sowie  Briefe,
Geschäfts-Zirkulare  und  Bilanzen  —  leider  nur  von  einer  Firma!  —  endlich
Glückwunsch-Adressen,  Todesanzeigen  u.  dgl.  mehr.
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        Hierhin  und  dorthin  verstreute  Steine  mußten  von  lins  mühsam  znsannnengesucht
  werden.  Kein  Wunder,  wenn  die  Mosaik  des  entstandenen  Bildes  Lücken
und  Mängel  zeigt.  Die  vielfache  Verwendung  der  Iubiläums-Adressen  mit
ihrem  Wunsche,  Anerkennung  511  bezeugen,  während  für  deren  klug  abwägende
Begründung  kein  Platz  blieb,  trifft  nicht  immer  das,  was  uns  das  Wichtigste
ist'  doch  ließ  sich  die  Darstellung  nicht  ohne  sie  gestalten,  wollte  man  nicht  iiber-Haupt
  darauf  verzichten,  den  Eindruck  zu  schildern,  den  hervorragende  Magdeburger ­
  Kaufleute  auf  ihre  Zeitgenossen  machten.
Möge  der  Magdeburger  Kaufmannstand  ans  dieser  Schrift  die  Überzeugung
gewinnen,  daß  für  die  Schreibung  der  Magdeburger  Wirtschaftsgeschichte  mehr
getan  werden  muß,  inöge  er  es  als  seine  Pflicht  erkennen,  der  Zukunft  zum
mindesten  jene  kaufmännischen  Aufzeichnungen  zu  erhalten,  die  der  Niederschlag
seiner  kaufmännischen  „Taten"  sind,  seine  Geschäftsbücher.
Die  Handelskammer  51t  Magdeburg  hat  es  sich  seit  Jahren  angelegen  sein
lassen,  den  Sinn  für  Wirtschaftsgeschichte  zu  schärfen.  Ihr  Aktenmaterial  ist
zum  Teil  erschlossen  und  wird  noch  mehr  bearbeitet  werden.  Wichtige  Urkunden,
wie  die  „Willkühr"  der  „Kaufleute  Brüderschaft"  ans  dem  Jahre  1678,  das
„Reglement,  wornach  die  Handels-Bursche  sich  zu  achten"  vomIahre1751,  der
„Kaufleute  Kinderbuch"  vom  Jahre  1648,  sind  vervielfältigt  worden,  und  im
Jahre  1899  forderte  dieHandelskannner  alle  eingetragenen  Firmen,Fabrikelt  und
Handlungshäuser  ihres  Bezirkes  auf,  ihr  für  ihr  Archiv  die  Geschichte  ihres
Unternehmens  zu  schreiben  und  Preislisten,  alte  Zirkulare  u.  dgl.  m.  einzureichen.
Wenn  wir  jetzt  das  vorliegende  Werk  herausgeben,  511  dessen  Bearbeitung  der
Unterzeichnete  durch  das  Tagebuch  seines  Großvaters,  eines  Danziger  Kaufmannes, ­
  angeregt  wurde,  so  hoffen  wir  zuversichtlich,  das  Interesse  der  Magdeburger ­
  Kaufmannschaft  an  der  Geschichte  sowohl  ihrer  Firmen  und  ihrer  industriellen ­
  Anlagen,  als  auct&amp;gt;  ihrer  Familien  neu  zu  beleben.
Möge  die  Zukunft,  gestützt  auf  reicheres  Material,  mehr  zu  bieten  imstande  sein.
Magdeburg,  Anfang  Mai  1906.  Dr.  Behrend,
Syndikus  der  Handelskammer.
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        Die  Ältesten  der  Kaufmannschaft.
ie  „Ältesten  der  Kaufmannschaft  zu  Magdeburg"  —  diesen  Ehrentitel  führten  zum
J  ersten  Male  jene  21  Männer,  deren  Namen  unser  zwar  verkleinertes,  sonst  aber  getreues
  Abbild  des  Wahl-Certifikates  (Seite  8)  enthält.
Diese  „Ältesten"  der  Kaufmannschaft,  die  Senatoren  ihres  Standes,  gewählt  durch  das
Vertrauen  der  eigenen  Berufsgenossen,  bilden  die  amtliche  Vertretung  von  Industrie,  Äandel
uud  Schiffahrt  des  heimischen  Gebietes  in  den  Jahren  1825  bis  1898.  Ihnen  war,  in  Zeiten
der  Fremdherrschaft  aus  den  Trümmern  von  vier  alten  Innungen  gebildet,  ein  mit  amtlichen
Befugnissen  ausgestatteter  „Kaufmännischer  Verein"  vorausgegangen,  während  zum  1.  Januar
1899  die  Handelskammer  §u  Magdeburg  in  die  Rechte  und  Pssichten  der  Korporation  der
Kaufmannschaft  und  ihres  Ältesten-Kollegiums  eintrat.  Was  die  Ältesten  der  Kaufmannschaft
leisteten,  davon  berichtete  im  Jahre  1875  zu  ihrem  fünfzigjährigen  Bestehen  der  Sekretär  Zwicker
in  einer  Denkschrift,  die  in  einem  anderen  Werke  ihre  Fortsetzung  bis  auf  die  Gegenwart  ssndet.
Die  vorliegende  Arbeit  soll  den  Personen  selbst  gerecht  werden,  jenen  Männern,  die  ihre
Zeit  und  ihre  Kraft  für  das  Wohl  ihres  Staiwes  und  der  Allgemeinheit  einsetzten.  Sie  alle
bezeichnen  wir  hier  als  „Älteste  der  Kaufmannschaft",  auch  da,  wo  wir  für  die  Gegenwart
oder  für  die  Vergangenheit  über  die  Zeit  des  Bestehens  der  Korporation  hinausgreifen.  Im
allgemeinen  aber  gibt  uns  der  Name  „Älteste  der  Kaufmannschaft"  zugleich  die  Grenzlinie
für  die  Benutzung  unseres  Materials  an.  Wir  können  nur  von  den  Familien  berichten,  die
der  amtlichen  Handelsvertretung  Magdeburgs  angehörten.  Die  Lebenden  aber  mußten  zurücktreten, ­
  und  über  die  frühesten  Zeiten,  die  Zeiten  des  Vereins  und  der  Innungen,  fehlte  meist  das
Material.  So  berichten  wir  fast  ausschließlich  über  die  Mitglieder  des  Ältesten-Kollegiums,
und  nur  da  durften  wir  diese  Grenzen  verlassen,  die  wir  selbst  ziehen  mußten,  um  uns  nicht
zu  verlieren,  wo  Männer  wie  Porse  und  Schwanert  durch  Taten  edelster  Menschenliebe  ihren
Namen  für  alle  Zeiten  mit  dem  der  Magdeburger  amtlichen  Handelsvertretung  verknüpften.
Es  war  unser  Bestreben,  vor  allem  über  diejenigen  Personen  Material  zusammenzutragen,
die  als  „Erste  Vorsteher"  der  Kaufleute  gewirkt  haben.  Aus  den  Innungszeiten  wissen  wir
leider  nicht  viel  mehr  als  die  Namen.  Folgende  Persönlichkeiten  werden  als  „Alterleute  und
Kämmerer"  der  „Kaufleute  Brüderschaft",  der  Innung  der  Großkausleute,  in  den  letzten  Jahren
ihres  Bestehens  (bis  zum  Jahre  1806)  genannt:

Fritze,  Johann  Joachim.
Fritze,  Nikolaus.
Schmager,  Christian  Gottlieb.
Larder,  Lieronymus  Christian.
Cuny,  Johann  Jakob.
Schmitz,  Peter  Friedrich.
Äildebrand,  Christian  Äermann.

Tieding,  Johann  Christian.
Schropp,  Friedrich  Karl.
Meyer,  Friedrich  Jakob.
Georgy,  Johann  Andreas  Joachim.
Laubel,  Johann  Kaspar.
Gustaedt,  Johann  Jakob.
Schramm,  Johann  Christian.
        <pb n="9" />
        8

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        9

Aus  der  Zahl  der  Innungsmitglieder  nennen  wir  folgende  Namen,  die  in  Magdeburg  noch
heute  bekannt  sind:  Andreas,  Bodenstein,  Costenoble,  Coqui,  Fölsche,  Kelle,  Keyroth,  Kayser,
Leidloff,  Leekeny,  Lindau,  Lindemann,  Listemann,  Lüdecke  (Lüddecke),  Maquet,  Morgenstern,
Nathusius,  Pallis  (Palis),  Pirsch  el,  Pinckernelle,  Roch,  Robrahn,  Rumpff,  Schmidt,  Schräder,
Schubart,  Schütze,  Schwart),  Walstab,  Weiß  und  Wurtzler.  Als  Repräsentanten  des  „Kaufmännischen ­
  Vereins"  bringt  das  Magdeburger  Adreßbuch  für  1817  die  Namen:  CarlKeinrich
Kayser,  Carl  Schulhe  i.  Fa.  Ioh.  Conr.  Weiße,  und  Walstab.  —  Carl  Keinrich  Kayser  soll  ein
Geschäft  auf  dein  Altmarkt  besessen  haben.  Mehr  war  von  ihm  nicht  zu  erfahren.  Vermutlich
ist  Caroline  Buhlers,  geb.  Kayser,  vermählt  am  28.  Dezember  1811  mit  A.Buhlers,  eine  Tochter
voll  Carl  Äeinrich  Kayser.  Der  Name  Walstab  ist  noch  heute  in  Magdeburg  mehrfach  vertreten, ­
  doch  fehlt  uns  das  bindende  Glied.  Über  die  Firma  Walstab  &amp;amp;  Co.  bringen  wir  einige
Aufzeichnungen  in  dem  Anhange  zu  dem  Lebensbild,  das  wir  von  Otto  Kubbe  und  seinen  Vorfahren ­
  entworfen  haben.  Von  Carl  Schulhe  haben  wir  einiges  in  Erfahrung  gebracht.  Sein
Bild  ist  das  erste  Vollbild  in  diesem  Werk,  denn  er  eröffnet  die  Reihe  der  ersten  Vorsteher  der
„Korporation  der  Kaufmannschaft"  und  der  Handelskammer.  Fassen  wir  diese  beiden  Körperschaften ­
  als  eine  Einheit  auf,  so  haben  wir  als  ihre  Vorsteher  folgende  Personen  zu  nennen:

A.  Erste  Vorsteher

Schulhe,  Carl

vom

6.  Aug.  1825  bis

Ende

1836

Cuny,  Jean  Jaques  .  .  .

vom

4.  Jan.  1837  bis

Ende

1843

Schulhe,  Carl

vom

4.  Jan.  1844  bis

Ende

1847

Deneke,  Carl

vom

7.  Jan.  1848  bis

I.Juli

1877

Coste,  David

vom

3.  Okt.  1877  bis

29.  Mai

1880

Neubauer,  Friedrich  August

vom

19.  Juni  1880  bis  MitteJuli  1889

Kubbe,  Otto

vom  25.Aug.  1889  bis  Ende  Okt.  1904

Zuckschwerdt,  Wilhelm  .  .

seit

9.Dez.  1904

B.  Zweite  Vorsteher

Walwer,  Johann  August

.  vom

6.Aug.  1825  bis

Ende

1835

Buhlers  seu.,  Peter  Andreas

.  vom  22.Jan.  1836  bis

Ende

1836

Zuckschwerdt,  Ludwig  .  .

.  von:

4.  Jan.  1837  bis

Ende

1848

Dihm,  F.W

.  vom

I.Dez.  1848  bis

Ende

1865

Äoltzapfel,  W

.  vom  30.  Dez.  1865  bis

Oktober

1866

Coste,  David

.  vom

19.  Okt.  1866  bis

3.  Okt.

1877

Weichsel,  R

.  vom

3.  Okt.  1877  bis

März

1887

öoubbe,  Otto

.  vom  17.Mrz.1887  bis

25.  Aug.

1889

töauswaldt,  Wilhelm  .  .

.  vom

8.Nov.1889  bis  Ende  Dez.  1898

Zuckschwerdt,  Wilhelm  .  .

.  vom

3.  Jan.  1899  bis

9.Dez.

1904

Arnold,  Otto

.  seit

8.  Jan.  1905
        <pb n="11" />
        1.  Landrat  v,  Gerhardt.  2.  Roloff.  3.  Funk,  4.  Carl  Deneke.  5.  General  Bonsak.  6.  Major  Lindemann.  7.  Schlawitz.  8.  Bore.  9.  Karte.  10.  Leidenreich.  11.  Süding:
12.  Klusemann.  13.  Bürgermeister  Behrends.  14.  Schartow.  15.  Mirbach.  1Ü.  Or.  Barges.  17.  Engel.  18.  Möllenberg.  19.  Wodick.  20.  Steffens.  21.  Ratmann  Gensler  (Neustadt).
22.  Bürgermeister  Clemens  (Neustadt).  23.  Sladtr.  Dankwart.  24.  Major  Gruson.  25.  Lange.  2b.  Sellentin.  27.  Wtnterstein.
        <pb n="12" />
        i

.
i

11

11  —

Lj

C.  Dritte  Vorsteher

Buhlers  sen.,  Peter  Andreas

.  vom  6.  Jan.  1825  bis  22.  Jan.  1836

Zuckschwer  dt,  Ludwig  .  .

.  vom  22.Jan.  1836  bis  Ende  1836

Marter,  Johann  Gottfried  .

.  vom  4.  Jan.  1837  bis  Ende  1843

Deneke,  Carl

.  vom  4.Jan.  1844  bis  Ende  1847

Poltzapsel,  W

.  vom  7.Jan.  1848  bis  Ende  1848

Beuchet,  I.Wilhelm  .  .  .

.  vom  l.Dez.  1848  bis  Anfang  1866

Coste,  David

.  vom  21.  Juni  1866  bis  19.Okt.  1866

Pubbe,  Gustav

.  vom  19.Okt.  1866  bis  Anfang  1871

Zuckschwerdt,  Permann  .  .

.  vom  15.Mai  1871  bis  Ende  1873

Weichsel,  Robert  ....

.  vom  5.Jan.  1874  bis  3.Okt.  1877

Neubauer,  F.August  .  .

.  vom  3.Okt.  1877  bis  19.  Juni  1880

Reichardt,  Peinrich  .  .  .

.  vom  19.Juni  1880  bis  Mai  1881

Pilet,  Otto

.  vom  l.Juli  1881  bis  Ende  1900

Arnold,  Otto

.  vom  6.Jan.  1901  bis  Ende  1901

Morgenstern,  Walter  .  .

.  seit  5.  Jan.  1902

Ferner  führen  wir  auf  D.  als  geschäftsführende  Beamte

I.  Syndici  (zu  Anfang  auch  Geschäftsführer,  später  lediglich  als  Rechtsbeistand  bei  den  Voll-Versammlungen

  und  obligatorisch  bei  der  Generalversammlung  zugegen;  Beamte  der  letzteren).

Kette,  Zustizrat

vom  August  1825  bis  Ende  1851

Or.  Dürre,  Justizrat  ....

vom  Januar  1852  bis  Februar  1881

Costenoble,  Zustizrat  ....

vom  Februar  1881  bis  Februar  1898

(Or.Behrend,  M

mit  Genehmigung  der  Regierung  bis  zur

II.  Rendanten  und  Sekretäre

Llmwandlung  der  Korporation  Ende  1898]

Koch,  C.P

vom  August  1825  bis  Februar  1837

Schmager,  Fr

vom  Februar  1837  bis  Februar  1842

Fehr,  J.Fr

vom  April  1842  bis  Oktober  1857

Zwicker,  Kanzleirat  ....

vom  Novbr.  1857  bis  Februar  1888

;  III.  Sekretäre  zugleich  Syndici

Or.Patschek,  Paus  .  .  .  .

vom  1.  Juni  1888  bis  Dezember  1895

Or.Behrend,  Martin  .  .  .

seit  1.  Januar  1896

Endlich  verzeichnen  wir  unter  E.  Die  „Ältesten"

Das  folgende  Verzeichnis  gibt  die  Namen  der  Mitglieder  des  Kollegiums  der  Ältesten  der

Kaufmannschaft  und  der  Pandelskammer  nach  der  Buchstabenfolge  wieder.

Beigefügt  ist  für  jeden  der  erste  und  der  letzte  Tag  seiner  Wahl.  Das  geschah,  weil  es

nicht  mehr  möglich  war,  für  alle  Mitglieder  den  Tag  des  Ausscheidens  oder  auch  den  Todestag

festzustellen.  Als  unwesentlich  für  den  vorliegenden  Zweck  haben  wir  es  beiseite  gelassen,  wenn

II

r2
        <pb n="13" />
        12

ein  Äerr  etwa  zwischendurch  auf  einige  Jahre  —  auf  eine  Wahlperiode  —  aus  dem  Kollegium
ausschied  oder  in  den  ersten  Jahren  der  Korporation,  als  noch  die  Einrichtung  der  „Stellvertreter" ­
  bestand,  je  nach  der  Stimmenzahl,  die  in  der  Generalversammlung  auf  ihn  entfiel,
bald  „Ältester"  bald  „Stellvertreter"  war.  Die  gegenwärtigen  Mitglieder  der  Handelskammer

Namen:

Andreae,  Emil
Arendt,  Rud.
Arnold,  Otto

Erster
Wahltermin:
28.12.1867
30.11.1898
30.11.1898

Banck,köeinr.L.  -  II.  1.1836
Beuchet,I.W.  .  23.  9.1829
Bieberstein,  O.  29.12.1881
Biemann,Karl.  27.11.1843
Bode,  F.  A.
Brauns,  I.F.L.  23.  9.1829
Brückner,  I.  L.  .  15.  1.1840
Brunner,  Ioh.  .  29.12.1894
Buhlers  sen.,  Pet.  Andr.
5.  8.1825
Coqui,  Gustav  .  7.  1.1842
Coqui,  Peter  .  5.  8.1825
Coste,  David.  .21.12.1855
Cuny,  David  .  5.  8.1825
Cuny,IeauIacq.  23.12.1831
Desoy,  Friedr.  .  II.  1.1836
Deneke,  Carl  Fr.  11.  1.1836
Dihm,  Fr.Wilh.  27.11.1843
Drenckmann,  Chr.  Jakob
Dulon,  Max  .29.12.1884
Dürre,  vr.  Max  27.12.1886
Eichel,  F.C..  .23.12.1831
Everth,  G.  .  .28.12.1871
Fabricius,  Alb.  27.12.1850
Faehndrich,L.  .  28.12.1867
Fahrenholh,  B.  5.12.1904
Fischer,  Karl  .28.12.1887
Flemming,  Ad.  30.11.1898
Focke,  Karl  .  .
Freise,  Beruh.  .  29.12.1875
Freise,  Fr.  Th.  .

Letzter
Wahltermin:
29.12.1894
5.12.1904
5.12.1904
29.12.1847
29.12.1865
28.12.1893
27.12.1850
15.  1.1840
17.  1.1842
29.12.1863
3.12.1902
27.12.1849
9.12.1845
17.  1.1842
28.12.1878
23.  9.1829
5.  I.I840
8.  1.1838
29.12.1875
27.12.1861
5.  8.1825
30.10.1900
30.12.1891
29.12.1847
30.12.1885
29.12.1865
28.12.1878
30.12.1891
30.10.1900
10.  9.1827
29.12.1881
27.11.1843

besonders  aufgeführt.

Namen:

Erster
Wahltermin:

Letzter
Wahltermin:

Fricker,  Anton  .

29.12.1894

29.12.1897

Friedeberg,F.  .

27.12.1861

28.12.1878

Fritze,  sen.,Frdr.

5.  8.1825

23.  9.1829

Fritze,  Werner  |

29.12.1879
zugewählt:

30.11.1898
7.  5.1904

Gaertner,  A.  .

23.12.1831

Gaertner,  Karl

28.12.1871

30.12.1885

Greiner,  Berth.

28.12.1871

27.12.1886

Gruson,  Otto  .

5.12.1904

Äahn,  Or.  Ferd.

30.10.1900

Äasenkamp,  M.

G.  Ad.
29.12.1847

29.12.1865

Lauswaldt,  W.

29.12.1879

30.12.1896

Äecht,  A.  W.  .

11.  1.1836

29.12.1865

Leid,  Alb.  .  .

29.12.1894

30.11.1898

Lelle,  E.  L.  .  .

5.  8.1825

Äelling,  K.  Sb.  .

5.  8.1825

Äennige,  Paul  .

27.12.1889

3.12.1902

Äeydenreich,  G.

20.12.1901

Lildebrand,  Ed.

5.  8.1825

10.  9.1827

Äoltzapfel,  I.  W.  G.
9.12.1845  29.12.1863
köubbe,  Fritz  .  .  29.12.1877
Äubbe,  Gustav  .  29.12.1857  29.12.1869
Lubbe,  Otto.  .28.12.1878  3.12.1902
Iacoby,  Otto  (  21.12.1880  30.12.1895
\  »ÄT  -»letz-  10.  1.1905
Kalisky,  Aug.  .  9.12.1845  27.12.1850
Kayser,  Leinr.  .  29.12.1847  29.12.1853
Knabe,Robert  .21.12.1880  30.12.1884
Knoblauch,J.L.F.8.  1.1838  29.12.1877
Kricheldorsf,L.  29.12.1869  21.12.1880
Lattey,  Oskar  .  3.12.1902
Leidloff,  G.  A.  .  27.12.1850  28.12.1878
        <pb n="14" />
        13

B

Namen:

Erster
Wahltermin:

F.F.  .  27.12.1848

Leidloff,
Leidloff,  F-  W.  5.  8.1825
Lippert,  Bernh.  30.12.1896
Lippert,  Lorenz  .  29.12.1875
Loempke  sen.,  Fr.  Benj.
Loesener,  F.  L.  .  12.  1.1835

27.12.1848
30.12.1885
10.  9.1827

Maquet,  A.  L.
Maquet,  Paul
Marter,  I.  G.
Morgenstern,  August
5.  8.1825
Morgenstern,  Walter
30.12.1885
Neubauer,  Fr.Aug.
28.12.1867

Letzter
Wahltermin:
21.12.1855
23.  9.1829
3.12.1902
27.12.1886
5.  8.1825
9.12.1845
28.12.1867
29.12.1888
15.  1.1840
23.12.1831
5.12.1904
29.12.1888

Namen:

Salome,  A.
Salome,I.  D.
Sattler,  A.  .
Schartow,F.W.
Schieß,  Louis  .
Schmidt,  G.
Schmidt,  P.
Schmidt,  Peter  .
Schnepfe,  £&amp;gt;.  .
Schoch,  C.  F.
Schoenstedt,  O.
Schräder,  Carl  .
Schroeder,  R.  M.  Ä.

Erster
Wahltermin:
.  27.12.1848
.  5.  8.1825
.  28.12.1859
5.  8.1825
30.12.1873
28.12.1881
21.12.1901
27.12.1889
5.12.1904
28.12.1859
28.12.1869
27.12.1861

25.  8.1825
29.12.1881
12.  8.1847

Oeltze,  G.

10.  9.1827  29.12.1857

Letzter
Wahltermin:
21.12.1855
10.  9.1827
29.12.1865
8.  &amp;gt;.1838
29.12.1894
30.11.1898
5.12.1904
29.12.1897
29.12.1865
29.12.1882
30.12.1896
12.  1.1835
27.11.1843
30.10.1900
29.12.1853
5.  8.1825
28.12.1867
30.10.1900
30.11.1898
30.10.1900
8.  1.1838
29.12.1863
23.12.1831
10.  9.1827
27.12.1886
23.  9.1829
3.12.1902
9.12.1845
30.12.1872
3.12.1902
Dies  Verzeichnis  ist  aufgestellt  nach  den  Generalversammlungsberichten.  Es  ist  nicht  ausgeschlossen,
  daß  sich  darin  trotz  sorgfältiger  Nachprüfung  Fehler  vorfinden.  Der  Herausgeber
ist  dankbar,  wenn  er  auf  Irrtümer,  die  unterlaufen  sein  könnten,  hingewiesen  wird.  Im  ganzen
sind  hier  122  Namen  von  Personen,  die  seit  1825  „Älteste"  waren,  aufgeführt,  einschließlich
der  gegenwärtig  im  Amte  befindlichen  23  Herren.  In  rund  80  Jahren  sind  also  99  Älteste  verstorben, ­
  in  den  letzten  10  Jahren  allein  14  .Herren.  Es  findet  demnach  ein  recht  schneller  natürlicher ­
  Wechsel  im  Bestände  des  Kollegiums  der  Magdeburger  Handelskammer  statt.
Amseitig  ist  die  heutige  Zusammensetzung  des  Kollegiums  der  .Handelskammer  angegeben.

Perschmann,  G.
Pfanne,  A.  .  .28.12.1871
Pieau,  C.  F.
Pieschel,  Carl  .  5.  8.1825
Pilet,  Otto  .  .29.12.1869
Pinkernelle,  J.J.  5.  8.1825

28.12.1867
29.12.1874
27.11.1843
12.  1.1835
5.12.1904
23.11.1829

Rabe,  L.  .  .  .28.12.1871
Rademacher,  Fr.Wilh.August  5.
Ramdohr,  K.  .
Raßbach,  W.  .  2.  2.1904
Reichardt,  Äch.  28.12.1859
Reichardt,  ü&amp;gt;.  .27.12.1889
Riebe,  W.  .  .  2.  2.1904
Riecke,  Georg  .
Roloff,  F.  .  .27.12.1850

29.13.1877
8.1825
30.11.1898

21.12.1880
30.10.1900
29.12.1863
29.12.1863

Schultze,  Carl
Schultze,  Ernst
Schultze,  F.  .
Schütze,  G.  .
Steffens,  E.
Tonne,  Gustav
Tschmarke,  R.
Antucht,  Carl
Arsinus,  C.  I.
Bester,  F.  .
Walwer,  I.  A.
Weichsel,  A.
Weichsel,  R.
Weigel,  C.  F.
Wolf,  Rudolph
Zuckschwer  dt,  Chr.  Ludwig
10.  9.1827
ZuckschwerdtP.  21.12.1855
Zuckschwerdt,W.30.12.1884

29.12.1897
29.12.1897
21.12.1880

27.12.1850
5.  8.1825
5.  8.1825
28.12.1867
5.  8.1825
28.12.1883
        <pb n="15" />
        pf



=0

F.  Mitglieder  der  Handelskammer

zu  Magdeburg  im  Jahre  1906.

&amp;lt;3-3

Zeit  des

Eintritts

L’föc.
Nr.

Familien-  und  Vornamen

Firiua

Kontor

Privatwohnung

Geschäftszweig

in  die  vormalige
Korporation

in  d.  Ältesten-Kollegium
  der  Kaufmann-Kaufmannschaft



Handelskammer

1

Zuckschwerdt,  Wilhelm,  K.-N.

Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuche!

Spiegelbrücke  14

Spiegelbrücke  14

Bank-,  Kommissions-  lind  Zuckergeschäft

18.  Jan.  1878

30.  Dez.  1884

1

und  M.  d.  A.  Erster  Vorsteher

(im  Sommer:
6.  Schönebeckersir.  111)

2

Arnold,  Otto,  K.-N.,  Erster  Stellvertreter

Heinrich  Otto  Arnold

B.  Schönebeckerstr.8

B.Schöuebeckerstr.  11

Technisches  Geschäft

28.  Mai  1873

1.  Jan.  1899

2

3

Morgenstern,  Walther,  Zweiter  Stellv.

Morgenstern  &amp;amp;  Co.

Guerickestr.  5

Scharuhorststr.  6

Bankgeschäft  u.  Gen.-Ag.  d.  Schles.  Feuervers.

6.  Aug.  1874

30.  Dez.  1885

3

4

Pilet,  Otto

Otto  Pilet

Regierungsstr.  22

Fürstenwallstr.  8

Waren-  unb  Exportgeschäft

19.März  1866

28.  Dez.  1869

4

5

Fritze,  Werner,  Kommerzienrat

Vriedr.  Fritze  &amp;amp;  Sohn  (zugewählt)^

Breiteweg  71

Breiteweg  71

Kolonialw.-,  Zucker-  u.  Sämereien-Großhandel

8.  Juni  1868

29.  Dez.  1879

5

6

Iacoby,  Oscar

lBiemann  &amp;amp;  Co.  (zugewählt)i

Breiteweg  201

Karlstr.  2

Getreidehandel

17.  Mai  1868

21.  Dez.  1880

6

7

Wolf,  Rudolf,  Geheimer  Kommerzienrat

R.Wolf

B.  Feldstr.  9—13

8.  Westeudstr.  39

Maschinenfabrik  und  Kesselschmiede

29.  Jan.  1879

28.  Dez.  1883

7

8

Dulon,  Max,  Kommerzienrat

E.  C.  Helle

Moltkestr.  7

8.Halberstädterst.  15

Zuckerraffinerie

25.  April  1872

29.  Dez.  1888

8

9

Reichardt,  Hermann

Buckauer  Dampf-Bier-Brauerei
Reichardt  &amp;amp;  Schneidewin

B.  Feldstr.  14

j

Breiteweg  202

Bierbrauerei

21.Febr.  1880

27.  Dez.  1889

9

10

Brunner,  Johannes

Brunner  &amp;amp;  Sohn

Domplah  7

Domplatz  7

Weingroßhandlung

30.  Dez.  1872

29.  Dez.  1894

10

11

Lippert,  Bernhard

Coste  &amp;amp;  Lippert

Kaiserstr.  40  a

Kaiserstr.  40  a
&amp;lt;im  Sommer:

Zuckergeschäft

25.  Jan.  1882

30.  Dez.  1896

11

Wst.  Gr.  Diesdorferstr.  27)

12

Tonne,  Gustav,  Kommerzienrat

Carl  Gustav  Tonne

Wd.  Zollstr.  18

Wd.  Zollstr.  18

Reederei

18.Febr.  1875

29.  Dez.  1897

12

13

Arendt,  Rudolph

H.  Mundlos  &amp;amp;  Co.

N.  Lübeckerstr.  8  b

N.  Lübeckerstr.  8  b

Nähmaschinenfabrik

31.  Aug.  1888

1.  Jan.  1899

13

14

Flemming,  Adolf

F.  A.  Neubauer
Wilhelm«,  Allgemeine  Versicherungs-Breiteweg

  212

Z.Äalberstcidterst.  10

Bank-,  Kommissious-  und  Zuckergeschäft

25.  Jan.  1882

£
GO
LQ
(O

14

15

Lahn,  Or.,  Ferdinand,  General-Direktor

Aktien-Gesellschaft  u.  Magdeburger
Äagel  -  Versicherungs  -  Gesellschaft

Wst.Olvenstedterst.  1

Wst.  Olvenstedterst.  1

Versicherungsgewerbe

—

1.  Jan.  1901

15

16

Leydenreich,  Gustav

Oehne  &amp;amp;  Willcke

Regierungsstr.  24

Kaiser-Wilh.-Pl.10

Landesprod.-Großhdl.  u.  Dampf-Sirup-Fabrik

—

1.  Jan.  1901

16

17

Schmidt,  Paul,  M.  d.R.

Alb.  &amp;amp;  Herrn.  Schmidt

Westerhüseir

Westerhüsen

Rohzuckersabrik

2.  Mai  1882

1.  Jan.  1901

17

18

Lattey,  Oscar

Niemann  &amp;amp;  Lattey

8.Halberst.-Str.l32

5.Halbcrst.-Str.  132

Bau-  und  Nutzholzhandlung

—

1.  Jan.  1903

18

19

Naß  dach,  Wilhelm

Raßbach  &amp;amp;  Kralle

Z.Lemsdorferw.  15c

8.Halberst.-Str.  118b

Lack-  und  Farben-Fabrik  und  -Großhandlung

18.Sept.  1896

2.  Febr.  1904

19

20

Riebe,  Wilhelm

Wilh.  Riebe  Söhne

Breiteweg  185

Breiteweg  185

Eisenwaren-  und  Werkzeug-Detailhandlung

—

2.Febr.  1904

20

21

Gruson,  Otto

Otto  Gruson  &amp;amp;  Co.

B.Schönebeckerstr.66

B.  Halleschestr.  6

Eisen-  und  Stahlgießerei

—

6.  Dez.  1904

21

22

Farenholh,  Botho

G.  W.  Farenholh

Z.a.Sudenb.Bahnh.

3.  Westeudstr.  31

Ölfabrik

6.Febr.  1891

1.  Jan.  1905

22

23

Schnepfe,  Perm.

Z.  F.  Lahne

Bahnhofstr.  11

Dünge-  und  Futtermittel-Großhandlung

9.  Juni  1883

1.  Jan.  1905

23

Sekretariat  der  Handelskammer.

1
\

Bureau  der  Handelskammer.

Or.  Behrend,  Syndikus

Or.Müller,  II.  Sekr.-Assistent

Paulig,  Bureauvorsteher  Peja,

Börsenkastellan

Or.  Leonhard,  I.  Sekr.-Assistent  Or.  Hübener,  III.  Sekr.-Assistent

Held

lg,  Grauenhorst  und  Kühne,  Bureaugehilfen;  Ruhe,  Lehrling

Fernsp  re  ch  -Anschlüsse:

Schernbeck,  vereideter  Bote:  Wenzel,  Hilfsbote:  Paesel,  Börsendiener

der  Handelskammer  Nr.  116,  des  Syndikus  Nr.  4388  (Wohnung:  Kaiserstr

67)

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14

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—

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        17

ET

Carl  Schultze

Königl.  Kommerzienrat
Firmen:  I.  C.  Weisse  &amp;amp;  Co.  und  Schnitze  &amp;amp;  Eichel
Erster  Vorsteher  der  Kaufmannschaft
in  den  Jahren  1825  bis  1836  und  1844  bis  1847.

Quelle:  Briefliche  Mitteilung  des  jüngsten  der  zwölf  Kinder  von  Carl  Schultze,  (geb.  1828),  des  in
München  als  Landschaftsmaler  lebenden  Äerrn  Robert  Schnitze  und  zweier  Enkel  von  Carl  Schnitze,
1-  des  Agenten  Äerrn  Paul  Schultze  und  2.  des  Äerrn  Professors  Treuding  in  Lüneburg.

m  3.  Dezbr.  1780  wurde  in  Magdeburg  Carl  Schultze  als  Sohn  des

Packhosiuspektors  Carl  Schultze  und  seiner  Ehefrau  Weisse  geboren.

Aber  seine  Jugend  ist  uns  nichts  lveiter  bekannt,  als  daß  er  die  damals
bestehende  Altstädter  Schule  besuchte.  Für  eine  tiichtige  Erziehung  wird  im
übrigen  der  Vater  gesorgt  haben.  Man  darf  es  daraus  schließen,  daß  die  Geschwister ­
  von  Carl  Schultze  ebenfalls  im  Leben  gilt  vorwärts  kamen.  So  wurde
sein  Bruder  August  Direktor  der  Landlungsschule  in  Magdeburg  und  sein
Bruder  Theodor  Kaufmann  in  Petersburg,  während  seine  Schwester  Julie  den
Fabrikbesitzer  v.  Klausbruch  iu  Goslar  am  Larz  ehelichte.
Carl  Schultze  besaß  eine  einfache  und  schlichte  Lebensauffassung.  Jenes
„Vielerlei",  das  die  höheren  Schulen  nach  der  Reorganisation  des  Magdeburger ­
  Schulwesens  vom  Jahre  1819  den  Schillern  zu  lernen  aufgaben,  sagte
ihm,  als  er  seine  Kinder  zur  Schule  schickte,  nicht  zu.  Dann  pflegte  er  zu  sagen:
„In  unserer  Schule  lernten  wir  einen  guten  deutschen  Aussatz  und  gründlich
rechnen;  Geographie  und  Weltgeschichte  wurde  uns  genügend  beigebracht,  und
das  Französische  war  uns  in  Wort  und  Schrift  einigermaßen  geläufig.  Das
geniigt  als  Grundlage  siir  das  Leben."  Diese  Anschauungen  lassen  vermuten,  daß
Carl  Schultze  von  der  Schule  wie  von  den  Lehrjahren,  die  übrigens  nicht  nur  der
Kaufmann  durchzumachen  hat,  hauptsächlich  das  Eine  verlangte,  daß  sie  sich
bei  jungen  Kaufleuten  um  die  Bildung  des  Charakters  und  die  Schaffung  der
„Persönlichkeit"  bemiihen.  Schon  als  Jüngling  befleißigte  er  sich,  seine  Kenntnisse ­
  des  Französischen  fortlaufend  aufzufrischen,  indem  er  sein  religiöses  Bediirsnis
  in  der  französischen  Kirche  (Pastor  Lionel)  befriedigte.  Das  kam  ihm
iu  der  Zeit  der  französischen  Invasion  zugute,  als  sich  der  Verkehr  der  besser
situierten  Magdeburger  Familien  mit  Offizieren  der  französischen  Garnison
recht  lebhaft  gestaltete.  Es  wird  erzählt,  daß  Carl  Schultze  mit  dem  großen
Earuot  in  näherem  Verkehr  stand,  dessen  sterbliche  Äberreste  im  Jahre  1889,

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        19

nachdem  sie  solange  in  Magdeburger  Erde  geruht  hatten,  wie  wohl  noch  vielen
erinnerlich  sein  dürste,  wieder  nach  Frankreich  überführt  worden  sind.
Etwa  im  Jahre  1799  verheiratete  sich  Carl  Schultze  mit  der  Tochter  des
Verlagsbuchhändlers  Paul  Gotthelf  Kummer  aus  Leipzig  und  später,  nach
ihrem  Tode,  mit  deren  jüngerer  Schwester  (Emilie).  12  Kinder  —  9  Söhne  und
3  Töchter  —,  die  diesen  beiden  Ehen  entsprangen,  wurden  sämtlich  großjährig.
Von  den  Söhnen  wurden,  dem  Alter  nach  geordnet,  Eduard  Mediziner,  er  starb
als  Medizinalrat  in  Magdeburg;  Theodor,  der  iu  jungen  Mannesjahren  starb,
Maler;  Julius  Kaufmann  in  Brieg  in  Schlesien;  Lermanu  Buchhändler  in
Leipzig;  Wilhelm  nach  dein  Tode  Dumonts  Chef  der  „Kölnischen  Zeitung";
Ferdinand  Zuckerfabrikbesitzerin  Calbe;  August  Postbeamter;  Carl  Rittergutsbesitzer ­
  bei  Königsberg;  Robert  Landschaftsmaler  in  Düsseldorf,  gegenwärtig
in  München.  Von  seinen  3  Töchtern  heiratete  eure  den  Stadtrat  Scheller  in
Magdeburg  (später  Geh.  Oberfinanzrat  in  Berlin),  die  zweite  den  Stadtbaurat
Pros.  Treuding  zu  Hannover  und  die  dritte  den  Pastor  Schroecker.
Bis  zum  Fahre  1832  bewohnte  Carl  Schultze  ein  Laus  am  Fürstenwall,  dann
bezog  er  das  Laus  Neuer  Markt  (Domplatz)  7,  das  gegenwärtig  das  Laudelskammernntglied
  Johannes  Brunner  zum  Besitzer  hat.  Der  zweite  Stock  des
Laufes  war  jahrelang,  wie  aus  einem  Lerrn  Paul  Burchardt  gehörenden  Dokumente
  hervorgeht,  an  Moltke  (damals  Oberstlieutenant)  vermietet,  zu  den:  Carl
Schultze  gute  Beziehungen  unterhielt.
Etwa  Mitte  der  dreißiger  Fahre  fand  bei  Magdeburg  eiu  großes  Manöver
statt,  zu  dein  der  Kaiser  von  Rußland  und  der  König  von  Lannover  erschienen.
Da  Magdeburg  damals  nur  40000  Einwohner  (übrigens  Leipzig  doch  auch  nur
45000  E.)  zählte,  unb  die  Gasthäuser  der  Stadt  nicht  ausreichten,  so  wurden
viele  Ehrengäste  bei  Magdeburger  Bürgern  untergebracht.  Carl  Schultze  beherbergte ­
  den  Prinzen  Wilhelm,  den  späteren  Kaiser,  von  dessen  einfachem  und
ritterlichem  Wese»  der  Ruhm  sich  seitdem  in  der  Familie  Schultze  fortpflanzt.
Earl  Schultze  starb  am  31.  Juli  1850,  fast  70  Jahre  alt,  5  Fahre  nach  dem
Tode  seiner  zweiten  Frau  (2.  Jan.  1845),  an  den  Folgen  eines  Lungenschlages,
der  ihn  nur  wenige  Tage  vor  seinem  Linscheiden  ans  Bett  gefesselt  hatte.
Das  sind  die  wenigen  Daten  über  das  Leben  des  Mannes,  dem  es  seinerzeit
beschieden  war,  zusammen  mit  Oberbürgermeister  Francke  der  Magdeburger
Kaufmannschaft  eine  Organisation  zlt  geben,  die  sich  fast  75  Fahre  hindurch
aufs  beste  bewährte  und  in  modernem  Gewände  noch  heute  besteht.
Es  muß  unsere  Ausgabe  bleiben,  dein  Wirken  dieses  Mannes  weiter  nachzuforschen, ­
  wenn  wir  auch  fürchten,  daß  die  in  früheren  Jahrzehnten  bei  den
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        20

Niederschriften  der  Kaufmannschaft  beliebte  ängstliche  Sachlichkeit  und  Kürze,
die  alles  Persönliche  unterdrückte,  wenig  Aussicht  aus  gute  Llusbeute  verspricht.
In:  übrigen  müssen  wir  uns  zwar  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  Magdeburgs
vor  hundert  Jahren  als  recht  einfach  vorstellen,  Carl  Schnitzes  Lebenszeit  und
wirtschaftliche  Betätigung  reicht  aber  bis  zur  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts,
und  gerade  die  fast  50  Jahre,  die  er  als  Erwachsener  Hierselbst  verlebte,  sind
die  Zeiten  keimender  Entwicklung  des  Neuen,  Zeiten,  in  denen  das  wirtschaftlich
Gute  ausgesondert  ward,  während  das  wirtschaftlich  Riickständige  verloren  ging.
find  ein  Mann  der  neuen  Zeit  zu  sein,  war,  wie  wir  wissen,  der  Stolz  Carl
Schultzes!  Er  durfte  sich  rühmen,  als  Ende  der  dreißiger  Jahre  in  Magdeburg
neuer  Unternehmungsgeist  erwachte,  die  Magdeburger  Wasser-Assekuranz  begründet
  zu  haben,  wobei  sich,  lote  wir  hören,  seine  Überredungskunst  glänzend
betätigte.  Er  durfte  darauf  stolz  fein,  die  Eisenbahn  von  Magdeburg  nach
Leipzig  mit  geschaffen  und  ihre  Direktion  jahrelang  geführt  zu  haben,  während
sich  mehrere  seiner  Amtsgenossen  in  der  Kaufmannschaft  gegen  ihren  Ban  ge--stemmt
  hatten.  Eine  große  Freude  war  es  ihm  da,  wie  berichtet  wird,  als  er  einst
von  Leuten,  die  ihn  nicht  erkannten,  in  der  Bahn  seine  Verdienste  rühmen  hörte,
üm  zu  wissen,  wie  man  über  die  Bahn  urteile,  war  er  eingestiegen  und  hatte  sich
dritter  Klasse  zu  Reisenden  gesetzt.  Da  vernahm  er  denn,  wie  er  als  Mann  des
Fortschrittes  und  der  Zukunft  gepriesen  wurde.
Carl  Schultzes  größtes  Verdienst  wird  es  immer  in  unseren  Augen  bleiben,
die  Gründung  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  durch  Königliches  Privileg
herbeigeftihrt  zu  haben.  Lnerfür  schuldet  diesen:  schlichten  Sohne  Magdeburgs,
wie  den:  Oberbürgermeister  Francke  auch  die  Handelskammer  zu  Magdeburg
für  alle  Zeiten  ihren  hochachtungsvollen  Dank!
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        Jean  Jacques  Cuny  II.
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        22

Jean  Jacques  Cuny
In  Firma:  David  Cuny  Sohn  &amp;amp;  Co.
Erster  Vorsteher  der  Kaufmannschaft  1837—1843.
Quellen  über  Jean  Jacques  und  seine  Vorfahren  sind  schriftliche  Aufzeichnungen  von  Jean  Jacques
Cunys  Großvater  gleichen  Namens,  übermittelt  durch  Lerrn  Regierungsrat  Cuny  zu  Magdeburg.
Ferner  Auszüge  aus  der  Kolonieliste  von  1699  her.  v.  Dr.  Richard  Beringuier.  Berlin  1888.  —  Notes
sur  l’eglise  reformee  de  Nettencourt  u.  CI.  IN.  Magdeburgs  che  Zeitung  1811  Ro.  149  und  1844  Ro.  1.

ie  Familie  Cuny  stammt  aus  Nettencourt  bei  Bar  le  Duc.  Ihr  Arahn
j  Samuel  Cuny,  Kaufmann,  geb.  etioa  1610,  trat  zum  Calvinismus  über
und  erzog  feinen  Sohn  Daniel,  geb.  1657,  in  derselben  Religion,  deren
freie  Äbung  durch  das  Edikt  von  Nantes  (1598)  zugestanden  worden  war.  Zur
Zeit  der  Negierung  Ludwig  XIV.,  als  die  Aufhebung  des  Ediktes  eben  erfolgt
war  (1685),  hielt  es  Daniel  Cuny  für  geboten,  mit  seiner  Familie  nach  Deutschland ­
  zu  fliehen.  Zu  dem  Zweck,  so  entnehmen  wir  einer  llus  übermittelten  Äberfetzung
  alter  Aufzeichnungen,  begab  er  sich  mit  einem  Freunde  zu  Pferde  auf
den  Weg  nach  Frankfurt  a.  M.  Anterwegs  wurden  sie  aufgegriffen  und  vor
den  Gerichtshof  zll  Metz  geschleppt.  Die  Mutter  Daniels,  die  davon  Kenntnis
erhalten  hatte,  konnte  durch  persönliches  Eingreifen  bewirken,  daß  der  Gerichtstaud
  nach  Bar  le  Duc  verlegt  wurde.  Pier  wurden  zwar  die  Fliichtlinge,  nachdem ­
  sie  6  Monate  im  Gefängnis  gesessen  hatten,  wegen  ihres  Fluchtversuches
zu  lebenslänglicher  Galeerenstrafe  verurteilt,  aber  die  Vollziehung  des  Arteils
wurde,  nachdem  die  Mutter  Daniel  Cunys  die  Maitreffe  des  Intendanten  der
Provinz  bestochen  hatte,  auf  ein  Jahr  verschoben.  Daniel  mußte,  das  war  die
Bedingung,  ein  Jahr  lang  täglich  zum  Geistlichen  der  Parochie  gehen,  um  sich
in  den  Lehren  der  katholischen  Religion  unterrichten  zu  lasten,  und  nach  Verlauf ­
  eines  Jahres  feinen  Glauben  abschwören.  Er  kam  seinen  Verpflichtungen
anfangs  gewissenhaft  nach;  aber  nach  einigen  Stunden  riet  ihm  der  Geistliche
selbst,  bei  seiner  Religion  zu  bleiben  und  einen  neuen  Fluchtversuch  zu  machen.
Die  Duldsamkeit  dieses  trefflichen  Mannes  war  um  so  bewunderungswürdiger,
als  der  Fanatismus,  mit  dem  die  Protestanten  verfolgt  wurden,  nunmehr  seinen
Pöhepunkt  erreicht  hatte.  Inzwischen  wurden  langsam  alle  Waren  in  Geld  umgesetzt ­
  und  die  Mutter,  die  Frau  und  die  drei  Söhne  nach  Frankfurt  geschickt,
während  die  älteste  Tochter  bei  Daniel  Cuny  blieb.  Endlich,  als  alles  fertig  und
bereit  war,  ließ  er  einen  eisernen  Behälter  mit  seinem  Vermögen  in  der  Achse
seines  Wagens  verbergen,  nahm  von  dem  Geistlichen  Abschied  und  entkam  nach
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        23

der  Schweiz.  Der  Geistliche  zeigte  die  Flucht  an,  als  er  Cuny  in  Sicherheit
wußte.  Die  Behörde  begab  sich  ins  Laus,  versiegelte  und  beschlagnahmte  es,
wie  auch  einen  Meierhof  bei  Bar  le  Duc  für  den  König.
Daniel  Cuny  lebte  nun  2  Jahre  in  der  Schweiz,  dann  zog  er  nach  Berlin.
Nachdem  er  mehrere  Jahre  von  seinem  Vermögen  gezehrt  hatte,  übernahm  er
ein  Amtsgut  „Wildenbruch"  vom  Markgrafen  von  Schwedt.  Er  verlebte  dort
6  bis  8  Jahre  und  hatte  das  Gliick,  sein  Vermögen  auf  10000  Rtl.  zu  vermehren,
so  daß  er  in  Berlin  von  den  Zinsen  (zu  6  °/o  gerechnet)  anständig  auskommen
konnte.  Dort  starb  Daniel  Cuny  im  Jahre  1713.
Jacques  Cuny,  der  Sohn  Daniels,  war  bei  des  Vaters  Tode  erst  14  Jahre
alt.  Er  kam  sofort  in  die  Lehre  zu  Labes  &amp;amp;  Demissy  in  Berlin.  Bald  nachdem
er  Gehilfe  geworden,  folgte  er  einem  Onkel  mütterlicherseits,  der  in  Magdeburg ­
  ansässig  war  und  ihn  in  der  Seiden--  und  Wollenstosf-Landlung  der
Witwe  von  Jean  Girost  unterbrachte.  Lier  bot  man  Jacques  Cuny,  der  jetzt
22  Jahre  alt  war,  zugleich  mit  der  Land  der  18jährigen  (ältesten)  Tochter
das  Geschäft  an,  ein  Amstand,  der  ihm
schließlich,  weil  es  um  die  Firma  sehr
schlecht  stand,  sein  ganzes  Vermögen
kostete.  Aus  dieser  Ehe,  die  jedoch  von
dem  geschäftlichen  Mißgeschicke  nicht
getriibt  wurde,  stammen  vier  Söhne
und  eine  Tochter  (Jacques,  Daniel,
David,  Pierre  und  Jeanette).  Nach
demTodeseinererstenFrauvermählte
sich  Jacques  Cuny  mit  Marie,  Witwe
vonLlbrahamBonte,  geb.Sechehaye.
Voll  ihr  stammt  sein  Sohil  Jeail
Jacques,  der  sich  in  Magdeburg  eine
hochgeachtete  Stellung  in  der  Kaufmannschaft ­
  zu  erringen  gewußt  hat.
Jean  Jacques  Cuny  wurde  geboren
au:  8.  August  1736.  Er  haildelte  mit
„russischen  Produkten",  betrieb  aber
nebenher  unter  der  Fa.  ClUly  A  Boute
eille  beträchtliche  Grüneseifen-Fabrik.  Beide  Geschäftszweige  waren  in  dem
Lause  Alter  Markt  19,  das  schon  danlals  (hellte  Schwenckert)  bis  zum  Katzensprung ­
  durchging,  vereinigt.  Nachdem  Jeail  Jacqlles  Cuny  seinen  Sohn  David

Jean  Jacques  Cuiiu  I.
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        24

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(später  verheiratet  mit  einer  geb.  Baumann)  in  die  Firma  aufgenommen  hatte,
erhielt  sie  den  Namen  Cuny  Sohn  &amp;amp;  Co.  Der  Familie  Cuny  gehörte  ein  Landgut ­
  in  Rothensee,  wo  sie  sich  häufig  während  des  Sommers  aufhielt.  —  Wie
alls  Berghauers  bekanntem  Werk  über  Magdeburg  hervorgeht,  stand  Cuny  an
der  Spitze  des  Kuratoriums  der  ersten  nachweisbaren  deutschen  Handelsschule,
der  im  Fahre  1778  gegründeten  Kellerscheit  Handelsschule,  die  späterhin  deit
Namen  „Öffentliche  kaufmännische  Schul-  tlitd  Erziehungs-Anstalt"  trug,  bis
sie  eilt  Opfer  der  durch  die  Freiheitskriege  veranlaßten  Llnruhe  wurde.
Als  Jean  Jacques  Cuny  am  13.  Dezember  1811  mit  feiner  Ehefrau  geb.
Dousal  die  „goldeite  Hochzeit"  feierte,  war  das,  wie  es  scheint,  für  die  Anwohnerschaft ­
  des  Litten  Marktes  und  fast  für  die  ganze  Stadt  ein  großes  Fest.
Wir  entnehmen  der  „Magdeburgischen  Zeitung"  darüber  den  folgenden  Bericht:
„Am  13.  Dezember  feierte  eine  der  geehrtesten,  achtungswürdigsten  Familien  ein  seltenes
Fest.  Der  hiesige  Kaufmann,  Kerr  I.  I.  Cuny,  geb.  am  9.  August  1736,  und  Frau  M.  Cuny
geb.  Dousal,  geb.  am  12.  Januar  1746,  beide  verheiratet  am  13.  Dezember  1761,  feierten  das
goldene  Kochzeitsfest  ohne  öffentliches  Geräusch  und  nur  in  der  zahlreichen  Umgebung  derJhrigen.
Denn  von  17  Kindern  leben  noch  zwölfe,  und  von  diesen  haben  drey  Söhne  und  8  Töchter
das  schöne  Fest  mitgefeiert,  dem  von  Siebeil  lebendeil  Schwiegersöhnen  nur  dreye,  und  voll
24  lebeilden  Enkeln  nur  Vierzehn  beywohnen  konilteil...  Das  Fest  wurde  in  demselben  Kaufe
gefeiert,  in  den:  vor  50  Jahren  die  Ehe  vollzogeir  wurde...  Durch  die  Einsegnungsrede  des
Kerrn  Predigers  Desea  wurde  die  Versammlung  nnt  so  tiefer  gerührt,  als  die  gesamte  Bürgerschast
  den  heutigen  Tag  dadurch  auszeichnete,  daß  sie  zu  der  Zeit  der  Einsegnung  von:  Balkoir
der  Mairie  herab  mit  öffentlicher  Musik  eine»  höchst  passend  gewählten  Kirchengesang  ertönen
ließ,  in  welchen  das  uilter  den  Fenstern  des  Jubelpaares  zahlreich  versammelte  Publikum  mit
sichtbarer  Rührung  freudig  einstimmte,  uild  an  welchem  die  Armen  der  Stadt,  von:  Jubelpaar
beschenkt  uild  belvirtet,  besonderen  herzlichen  Anteil  nahmen.  Auch  durch  ehrenvolle  Deputationen ­
  von  verschiedenen  Corporationen  der  Bürgerschaft  ilnd  selbst  durch  feierlich  dargebrachte
Glückwünsche  von  fast  allen  höchsten  und  hohen  Behörden  Hierselbst  wurde  ein  so  seltenes  Familienfest ­
  als  ein  Freudentag  der  ganzeil  Stadt  anerkannt  und  der  so  schmeichelhafte  Beweis  voll  dieser
allgemeinen  und  so  seltenen  Anhänglichkeit  vieler  Tausende  an  ein  einzelnes  Kalls,  welches  in
stillem  Privatleben  durch  Glttesthun  uild  geräuschlose  Aufopferungen  mancherley  Art,  sowie
durch  die  glückliche  Ausbildung  einer  zahlreichen  Nachkommenschaft  zu  brauchbaren  Weltbürgern, ­
  sich  einer  so  hoheil  Liebe  lvert  machte,  konnte  allein  die  Freude,l  des  Festes  für  dieses
würdige  Paar  erhöhen...  Möge  ein  so  würdiges  llnd  durch  jugendlichen  Sinn  noch  eben  so
sehr  als  durch  völlig  ungeschwächte  Körper-  und  Geisteskraft  sich  auszeichnendes  Jubelpaar
noch  lange  eine  Zierde  dieser  Stadt  und  Gegenstand  der  allgemeinsten  Verehrung  sein."
Jean  Jacques  Cuny,  den  wir  Jean  Jacques  Cuny  I  nennen  wollen,  starb  im
Fahre  1817.  —  Schon  bei  seinen  Lebzeiten  war  ein  Sohn  seines  zweiten  nach
kurzer  Ehe  verstorbenen  Sohnes  Louis  (geb.  am  3.  September  1770,  verheiratet
mit  Jeanette  Wall  in  Altona)  in  das  Geschäft  eingetreten.  Dieser,  sein  Enkel,
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        25

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hieß  ebenfalls  Jean  Jacques,  so  daß  wir  ihn  hier  Jean  Jacques  Cuny  II  nennen
wollen.  Er  war  in  Schwedt  bei  Verwandten,  Namens  Larlan,  erzogen.  Nach
seines  Großvaters  Tode  iibernahm  er  zusammen  mit  seinem  Onkel  David  das
väterliche  Geschäft.  Vermählt  war  er  mit  seiner  Cousine  Caroline  Llrsinus.
Jean  Jacques  Cuny  II  war  ein  Mann,  der  allen  öffentlichen  Angelegenheiten
regstes  Interesse  entgegenbrachte.  Er  war  Mitglied  der  Stadtverwaltung  und
unbesoldeter  Stadtrat,  ferner  als  Nachfolger  des  Kommerzienrats  C.  Schnitze
in  den  Jahren  1837—1843  Erster  Vorsteher  der  Kaufmannschaft.  Er  ringt
endlich  mit  anderen  Magdeburger  Kaufleuten  um  die  Palme,  die  Magdeburg-Leipziger
  Bahn  ins  Leben  gerufen  zu  haben.  Viel  Mißgeschick  brachte  ihm  die
mit  seinem  Schwager  Eduard  Llrsinus  und  zwei  Lerreu  v.  Kemnitz  zusammen
unternommene  Gründung  einer  Riibenzuckersabrik  in  Bernburg.  Die  großen
Opfer,  die  dieses  Unternehmen  von  ihm  forderte,  zwangen  ihn  sogar  bald,  seine
Grundstiicke  in  Magdeburg  zu  verkaufen  sowie  seine  Magdeburger  Geschäfte
auszugeben.  Jean  Jacques  Cuny  II  starb  früh,  es  war  am  29.  Dezember  1843,
an  den  Folgen  eines  Eisenbahnunsalles.  Der  Magdeburgischen  Zeitung  vom
1  .Jan.  1844  entnehmen  wir  folgendeNachrufe  des  Magistrates,  der  Kaufmannschast
  und  der  Magdeburg-Leipziger  Bahn,  die  ein  Bild  von  der  Bedeutung
des  Mannes  und  der  Größe  seiner  Persönlichkeit  geben.  Der  Magistrat  der
Stadt  Magdeburg  widmete  ihm  folgende  Worte  des  Gedenkens:
„Der  cim  29.  Dezember  1843  verstorbene  Kaufmann  und  Stadtrat  Cuny  ist  eine  Reihe
von  Jahren  hindurch  Mitglied  des  unterzeichneten  Kollegiums  gewesen  lind  hat  sich  in  dieser
Zeit  als  einsichtiger  Berater  und  tüchtiger  Mitarbeiter  großes  Verdienst  um  die  Verwaltung
der  städtischen  Angelegenheiten  erworben.  Seine  öffentliche  Wirksamkeit  hat  sich  aber  niemals
auf  diese  amtliche  Stellung  beschränkt.  Wo  irgend  uneigennützige.Hingebung  und  Aufopferung
für  Gegenstände  des  gemeinen  Wohles  in  Anspruch  genommen  wurde,  fehlte  seine  bereitwillige
Teilnahme  nicht.  Eine  große  Anzahl  von  Vereinen  und  Instituten  hat  in  ihm  den  Vorstand
oder  ein  eifriges  Mitglied  verloren.  Geehrt  durch  das  Vertrauen  seiner  Mitbürger,  welche
ihm  die  oberste  Vertretung  ihrer  Interessen  aus  dem  Provinziallandtage  übertrugen,  ist  er
einer  vielseitigen  Tätigkeit  so  unerwartet  und  in  so  rüstigen  Jahren  entrissen,  daß  sein  Verlust
allgemein  als  ein  solcher  gefühlt  wird,  der  die  Stadt  selbst  betroffen  hat.  (Sein  Gedächtnis  wird
in  treuen  .Herzei:  fortlebe::."  Der  Magistrat  der  Stadt  Magdeburg.
Magdeburg,  den  31.  Dezeniber  1843.  Francke.
Die  Ältesten  der  Kaufmannschaft  ehrten  ihren  Ersten  Vorsteher  im  Namen
des  gesamten  Magdeburger  Kaufmannstandes  in  folgendem  Nachrufe:
„Durch  den  Tod  des  ersten  Vorstehers  unsererKorporation,  des  .Herrn  Kaufmanns  und  Stadt-:ats
  Johann  Jacob  Cuny,  hat  die  gesamte  Kaufmannschaft  einen  schwer  zu  ersetzenden  Verlust
e:  litten.  Seine  aufopfernde  Tätigkeit,  sein  steter  Eifer  für  das  Gute  und  Rechte,  seine  erfolg--:
  eiche  Wirksamkeit  für  das  Veste  des  .Handelsstandes,  sein  freundliches  Wohlwollen  gegen  jeden
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        26

einzelnen  werden  gewiß  von  allen,  die  ihn  gekannt  haben,  anerkannt,  und  verpflichten  uns,  die  herzliche ­
  Liebe  und  die  innige  Achtung,  mit  der  wir  ihm  heute  trauernd  zur  Grabstelle  gefolgt  find,
hier  öffentlich  dankbar  auszusprechen."  —  Magdeburg,  den  31.  Dezember  des  Jahres  1843.
Die  Ältesten  der  Kaufmannschaft  im  Namen  des  gesamten  Magdeburger  Äandelsstandes.
Das  Direktorium  der  Magdeburg-Leipziger  Bahn  endlich  gab  seiner  tiefen
Betrübnis  unter  dem  30.  Dezember  1843  mit  folgenden  Worten  Ausdruck:
„Der  Vorsitzende  unseres  Kollegiuins,  Äerr  Jean  Iaques  Cuny,  hat  am  29.  Dezember
seine  irdische  Laufbahn  vollendet.  Sein  Dahinscheiden  erschüttert  uns  tief.  Er  hat  mit  Kraft  und
Liebe  für  das  Gedeihen  des  unserer  Leitung  anvertrauten  Institutes  gewirkt  und  in  Rat  und  Tat
ein  Vorbild  gegeben,  welches  sein  Andenken  immerdar  bei  uns  in  Ehren  erhalten  wird."
Direktion  der  Magdeburg-Cöthen-Äalle-Leipziger  Eisenbahn-Gesellschaft.
Defoy.  Darte.  Münnich.
Die  Witwe  Jean  Jacques  Cunys  II  wohnte  bis  1854  in  Magdeburg  —
anfangs  bei  Carl  Deneke  in  der  Großen  Marktstraße,  und  später  bei  August
Morgenstern  am  Fürstenwall.  Dann  zog  sie  nach  Wernigerode,  wo  sie  Ende  der
sechziger  Fahre  des  vorigen  Jahrhunderts  verstarb
Die  Familie  Cuny  ist,  nachdem  sich  die  Bernburger  Zuckerfabrik  zu  besseren
Erfolgen  durchgerungen  hatte,  wieder  zu  Wohlstand  gekommen.  Die  Enkel  Jean
Jacques  Cunys  II  leben,  wenn  sie  auch  nicht  mehr  zur  Magdeburger  Kaufmannschaft
  gehören,  sondern  andere  Berufe  ergriffen,  in  hochgeachteten  Stellungen.
        <pb n="26" />
        27

Carl  Deneke

Königl.  Geheimer  Kommerzienrat
Erster  Vorsteher  der  Kaufmannschaft  7.  Januar  1848  bis  1.  Juli  1877.

Quellen:  Konzept  eines  von  Carl  Deneke  im  Jahre  1847  für  die  Loge  Ferdinand  zur  Glückseligkeit
angefertigten  Lebenslaufes.  Briefe  von  Deneke  im  Besitze  der  Familie  Deneke  (einer  im  Besitze  der
Familie  Zuckschwerdt).  Mitteilungen  von  Frl.  Johanne  Deneke  und  älterer  Magdeburger  Kaufleute ­
  (Stadtrat  August  Kalkow).  Akten  der  Handelskammer  usw.

as  Kalls  der  Eltern  Carl  Denekes  lag  am  Alten  Markt  (Nr.  7),  also

unmittelbar  neben  dein  Laus  der  Handelskammer  (Alter  Markt  5/6).

Carl  wurde  am  27.  Januar  1803  geboren.  Seine  Kinderjahre  fielen
ül  die  Zeit  der  Erniedrigung  Preußens  vor  dem  großeil  Korsen,  aber  Delleke
war  danlals  noch  zll  jlnlg,  um  die  schweren  Sorgen  der  Zeit  mit  ganzer  Seele
nachzuempfinden.  Für  ihn  und  seine  Genoffen  lösten  sich  ganz  natürlich  alle
Empfindungen  der  Älteren  in  phantastischen  Kriegspielen  aus.  „So  pflegen",
sagt  Goethe  in  „Wahrheit  llnd  Dichtung",  „Kinder  und  Volk  das  Große,  das
Erhabene  in  ein  Spiel,  ja  in  eine  Posse  zu  verwandeln,  und  wie  sollten  sie  auch
sonst  imstande  sein,  es  auszuhalten  und  zll  ertragen."
Auch  ail  Carl  DeilekeS  Gemüt  ging  die  KriegSzeit  ohne  verbitternden  Eindruck ­
  vorbei,  lnld  schnell  war  eS  vergessen,  daß  gerade  vor  dem  Kaufe  der  Eltern
auf  denk  Magdeburger  „Alteil  Markte"  der  Galgell  stand,  wo  die  nach  Willkiir
verfahrenden  Franzosen  die  ihnen  mißliebigen  Deutschen  henkten.
Voll  deil  Schreckilissen  unt*  den  erhebenden  Freuden  der  Befreiungskriege
blieb  der  Knabe  im  ganzen  unberührt;  doch  hasteten  Erinnerungen  in  ihm,  die
ihn  für  alle  Zeit  in  seiiler  Liebe  llnd  Treue  zum  Vaterlande  Prellßell  bestärkten,
während  sie  vermutlich  dazu  beitrugen,  seinen  Glauben  zu  erschüttern,  daß  sich
die  deutschen  Völker  in  absehbarer  Zeit  ihre  politische  Einheit  zll  erringen  vermöchten. ­
  War  doch  dem  großen  politischen  Aufschwung  der  Befreiungskriege
eine  Zeit  trostloser  politischer  Eigenbrodelei  gefolgt,  bis  Preußen  sich  seiner
Pflichten  erinnerte  und  zu  wirtschastspolitischen  Taten  aufraffte.
So  hätte  er,  der  das  zweite  Kind  von  6  Geschwistern  war,  eine  gliickliche
Kindheit  verleben  köllileil,  wenn  er  llicht  häufig  und  manchmal  recht  ernst  von
Krankheit  heimgesucht  lvorden  wäre;  oft  zlveiselte  man  au  der  Lebenskraft  des
zarten  Knaben,  doch  fein  Körper  erwies  sich  als  unerwartet  widerstandsfähig.
Carl  Deneke  empfing  seinen  erstell  Unterricht  in  der  Goedekenschen  Schule;
später  kam  er  in  die  Schule  von  Zerenner  und  endlich  in  das  Domgymnasium.

El
        <pb n="27" />
        29

Dies  verließ  er.  noch  nicht  konfirmiert,  erst  13  3 M  Jahre  alt.  um  tags  darauf,
am  5.  November  1816.  bei  Schütze  &amp;amp;  Co.  in  die  Lehre  zu  treten.  Zu  Ostern
des  Jahres  1817  wurde  er  in  der  St.  Johanniskirche  eingesegnet.
Bis  zum  Jahre  1820  hatte  Carl  Deneke  das  Glück,  beide  Eltern  zu  besitzen.
Der  Vater  war  um  die  Jahrhundertswende  aus  dem  Braunschweigischen  nach
Magdeburg  gezogen.  Ein  noch  heute  erhaltener  Zettel  seiner  Land  kündet  über
den  Umzug  und  die  Begründung  des  Geschäftes:
„Den  15Lü  November  1800  Sonnabends  morgens  verließen  wir  Braunschweig  und  zogen
nach  Magdeburg,  woselbst  ich  eine  Papier-  und  Kunst-Landlung  etablierte,  und  öffnete  den
1.  Dezember  meinen  Laden  im  rechten  Vertrauen  auf  Gottes  Lülse  und  Beystand,  und  gewiß
unter  inbrünstigem  Gebete  zu  seiner  Vaterhuld  uns  seinen  Segen  zu  verleihen!  Tue  denn  dies,
o  Gott,  und  verlaß  deine  Kinder  nicht,  die  so  gerne  Dir  treu  sein  wollen  bis  in  den  Tod."
Aber  dieser  Mann.  Johann  Friedrich  Deneke.  war  nicht  allein  fromm  und
gottessiirchtig.  wie  es  wohl  bei  einem  Psarrerssohn  nicht  besonders  wunder
nimmt,  er  war  auch  ein  Vater,  der  für  der  Kinder  Freuden  und  für  die  Schön--heiten
  der  Natur  volles  Verständnis  besaß.  Wie  oft  laffen  uns  wenige  Zeilen
in  das  Lerz  eines  Menschen  blicken.  So  wollen  wir  denn,  vorausgreisend.
zur  Charakteristik  dieses  Mannes  noch  die  Worte  hier  einfügen,  die  er  einem
von  seinem  Sohn  Wilhelm  an  seinen  Sohn  Carl  nach  Leipzig  gesandten  Briese,
worin  wir  die  Worte  finden:  „Ein  Kerl  wie  Du  in  Leipzig  mit  10  Rtl.  in  der
Tasche  iibersieht  unser  einen  zehn  Mal",  unterm  29.  April  1819  ansiigte.
Mein  guter  Carl!  Wir  freuten  uns  herzlich,  gestern  Deinen  Brief  zu  erhalten.  Ein  jugendliches ­
  Äerz  ist  vorzüglich  dazu  gestimmt,  etwas  Neues  und  Interessantes  zu  sehen,  und  Du
scheinst  Sinn  dafür  zu  haben.  Mache  Dir  dorten  so  viel  Vergnügen  als  die  Sittlichkeit  und
der  Geldbeutel  erlaubt.  Besuche  auch  das  Rosental  (worin  die  Nachtigallen  so  schön  schlagen)
und  Gohlis;  dann  mußt  Du  aber  um  3  Llhr  des  Morgens  hinausgehen  und  trinkst  in
Gohlis  Deinen  Kaffee.  Gegen  Bühler  sei  nicht  hart,  denn  mit  dergleichen  Menschen  ist  durch
Güte  mehr  auszurichten.  Dein  treuer  Vater  I.  F.  Deneke.
Am  4.  Juli  1820  starb  der  Vater,  und  zu  dem  Schmerz  über  diesen  Verlust
gesellte  sich  für  die  Familie  Deneke  die  Sorge  um  die  Zukunft,  da  der  Vater  kein
Vermögen  hinterließ.  Nur  der  ältere  Bruder,  Wilhelm,  der  kürzlich  „Diener"
(Landlungsgehilfe)  geworden  war,  stand  aus  eigenen  Füßen;  Carls  Lehrzeit
war  noch  nicht  beendigt,  von  den  jüngeren  Kindern  zu  schweigen.  Das  ivaren
schwere  Zeiten;  aber  die  Mutter  wagte  es,  mit  pekuniärer  Beihilfe  ihrer  eigenen
Mutter  das  alte  Geschäft  fortzusetzen.  Aus  einem  Briese  Carl  Denekes  von:
14.  Oktober  1827  an  eine  Tante,  der  von  dem  Tode  dieser  Großmutter  berichtet,
hören  wir  darüber,  soweit  das  Geschäftliche  davon  berührt  wird:
„Von  dem  von  der  Verstorbenen  hinterlassenen  Kapital  von  3000  Rt.  L.  d'or,  welches  in
der  Handlung  meiner  Mutter  steht,  kommen  Dir  750  Rt.  zu.  Nach  der  Dir  bekannten
        <pb n="28" />
        30

Pastor  Deneke
und  Frau.
testamentarischen  Bestimmung  haben  wir  von  dem  Kapital  alljährlich  300  Rt.  auszuzahlen,
und  zwar  zuerst  an  Tante  Staebe,  dann  an  Dich  und  schließlich  an  Tante  Müller  in  Oelper".
Der  Mutter  Carl  Denekes  verblieb  demnach  mir  ein  Viertel  dieses  Kapitals;
aber  der  Sohn  berichtet,  daß  er  und  namentlich  sein  Bruder  Wilhelm  ihr  hilft,
was  ihrer  kaufmännischen  Ausbildung  recht  förderlich  ist.  „  Meiner  Mutter
Geschäft",  so  schreibt  er  am  Schluß  des  Briefes  „geht  jetzt  ziemlich  gut,  und
wenn  ailch  jeder  sein  Päckchen  zu  tragen  hat,  so  hoffen  lvir  doch,  mit  Gottes
Lilfe  ehrlich  und  redlich  durch  die  Welt  zu  kommen."
Nach  4V2  jähriger  Lehrzeit  wurde  Carl  Deneke  (Mitte  Oktober  1821)  zum
Handlungsgehilfen  gemacht.  Ein  halbes  Jahr  darauf  belvieS  ihm  die  Firma
besonderes  Vertrauen,  indem  sie  ihn  für  den  erkrankten  Chef,  Lerrn  Brauns,
mit  einer  Geschäftsreise  betraute.  DaS  lvar  war  für  ihr:  ein  Glückszufall,  aber
er  wußte  ihn  zll  nutzen,  hatte  Erfolg  und  behielt  die  Stelle  als  Reisender.
Wer  hat  wohl  noch  eine  Vorstellung  davon,  wie  man  zu  jenen  Zeiten  reiste?
Leute  führt  uns  die  Eisenbahn  mit  rasender  Geschwindigkeit  von  Ort  zu  Ort,
und  jedermann  hält  das  für  selbstverständlich.  Ein  Magdeburger  Kaufmann
verläßt  am  Sonnabend  mittag  zu  einer  Geschäftsreise  sein  Kontor  und  kommt
Montag  nachmittag  wieder.  Inzwischen  hat  er  in  Paris  wichtige  Aufträge  eingeholt. ­
  Nichts  Absonderliches!  aber  anstrengend,  nervenaufregend,  ermüdend
        <pb n="29" />
        31

Ioh.Fr.Deneke  und  Frau.

und  hetzend.  Da  sollte  inan  Carl  Deneke  hören,  wie  er  von  den  Abenteuern  und
der  Poesie  seines  Reiselebens  zu  erzählen  wußte.  And  ime  gern  tat  er  es,  wenn
er  abends  in  fröhlichem  Kreise  beim  Glase  Bier  saß.
Mail  kannte  seine  unerschöpfliche  Erzählnngsknnst  lnid  srellte  sich  allerseits,
wenn  er  mit  der  feststehenden  Redewendung  begann:  „Als  ich  noch  für  Schützes
reiste"...  Loch  zu  Roß  zog  er  aus.  Bei  gitteli  Freunden  wurde  länger  5&amp;gt;alt
geiiiacht,  das  kam  dein  Geschäft  zugilte.  Nicht  nur  seine  Ware  mußte  man  anpreisen ­
  können;  es  galt  auch  gesellschaftlich  aufzutreten.  Den  Reisenden,  der  so
trefflich  verstand,  Schlittenpartien  iUid  Tanzereien  zll  veranstalten,  konnte  man
nicht  ohne  großen  Auftrag  ziehen  lasten.  And  da  war  Carl  Deiieke  als  junger
Mann  ebensoivohl  beschlagen  wie  später  in  reiferem  Alter,  wenn  es  galt,  mit
vollem  Ernst  große  wirtschaftliche  Projekte  zu  erörtern  und  auch  durchzuführen.
Doch  nicht  immer  ging  es  hoch  her!  Roch  als  Greis  gedenkt  er  in  einem  Briefe
mit  gleicheiii  Genuß  der  Zeiteii,  wo  er  in  Dresden  „ans  einer  Schaluppe  im  Elbftrom
  bei  Kartoffeln  inid  Gering  geschwelgt  habe".
Mit  gaiizeui  Lerzen  und  mit  voller  Lust  und  Liebe  zur  Sache  blieb  Deiieke
„Reisender  für  Schütze  &amp;amp;  Co.",  bis  er  seine  eigene  Firma  gründete.  Als  er  sich
hierzu,  bei  eiiiem  Alter  voll  24  Jahren,  entschieden  hatte,  teilte  er  es  seinen  Chefs
von  Chemnitz  ails  brieflich  init.  Die  Antwort,  die  noch  ini  Original  erhalten  ist.
        <pb n="30" />
        32

möge  hier  Platz  finden,  als  ein  schönes  Blatt  der  Ehre  fiir  die  Fa.  Schlitze  &amp;amp;  Co.,
ebenso  wie  für  Carl  Deneke.  Sie  lautet:
Magdeburg,  d.  1.  Xbr  (Oktober)  1827.
Werter  Herr  Deneke!  —  Wir  erwidern  heute  Ihr  geehrt,  particulier  Schreiben  ab  Chemnitz,
worin  Sie  uns  den  Entschluß  mitteilen,  im  künftigen  L  erb  st  mit  Ihrem  Freund  Gneist  Ihr
eignes  Geschäft  etablieren  zu  wollen.  Ihre  rege  Tätigkeit  und  Liebe  für  unsre  Wandlung,  die  Sie
in  dein  Zeitraum  Ihres  Dienstes  in  allen  Angelegenheiten  bei  uns  bewiesen  haben,  gibt  Ihnen  die
gerechtesten  Ansprüche  auf  unsern  Dank,  und  wenn  wir  Ihnen  diesen  hiermit  aus  aufrichtigem
Lerzen  zollen,  so  fügen  wir  noch  die  Versicherung  hinzu,  daß  es  uns  stets  große  Freude  gemacht
hat,  Ihren  Eifer  für  unser  Geschäft  mit  jedem  Jahre  wachsen  zu  sehen.
Bei  diesen  reinen  Gesinnungen  ist  Trennung  von  Ihnen  ein  schmerzliches  Gefühl  für  uns,
und  dennoch  können  wir  Ihrem  Vorhaben  nichts  entgegensetzen  und  müssen  die  Zusicherung
hinzufügen,  daß  auch  unter  veränderten  Llmständen  unsere  Liebe  zu  Ihnen  unwandelbar  bleiben
soll  und  unsere  besten  Wünsche  für  Ihr  ferneres  Wohl  Ihnen  aufrichtig  gewidmet  sind.
Da  Sie  nun  Johannis  Ihre  neue  Einrichtung  zu  treffen  wünschen,  so  bestimmen  wir  Ihr
Einverständnis  voraussetzend  aus  den  I.Juny  künftigen  Jahres  die  Zeit  Ihres  Abgangs  von
uns  und  bleiben  Ihnen  stets  mit  Freundesliebe  ergeben  Schütze  &amp;amp;  Co.
Im  August  1828  war  es,  daß  Carl  Deneke  zusammen  mit  Friedrich  Gneist  die
Firma  Gneist  &amp;amp;  Deneke  gründete,  der  im  Jahre  1830  auch  Gustav  Coqui  als
stiller  Teilhaber  beitrat,  um  zu  ermöglichen,  daß  das  Geschäft,  ein  Produktenhandel, ­
  auch  aus  russische  Landesprodukte  ausgedehnt  werde,  wozu  sonst  das
Kapital  fehlte.  Die  Firma  kam  vorwärts,  und  jeder  Teilhaber  erwarb  sich,  lvie
Deneke  sagt,  „ein  kleines  Kapitälchen".  6  Jahre  führten  die  Freunde  nicht  nur
gemeinsam  das  Geschäft,  sondern  auch  gemeinsame  Junggesellenwirtschast.
Da  brachte  unserem  Deneke  das  Jahr  1834  das  höchste  Glück  seines  Lebens.
Noch  ist  der  Brief  vom  Juli  jenes  Jahres  vorhanden,  worin  er  sich  an  die  sehr
verehrte  Madame  Jaeger  geb.  Pieschel  wendet,  um  zu  beteuern,  wie  glühend  er
ihre  Tochter  Jdi  liebe,  und  sie  zu  bitten,  der  Tochter  seine  Gefiihle  imb  Gesinnungen ­
  mitzuteilen.  Noch  ist  die  Antwort  erhalten,  worin  Frau  Jaeger  ihre  Zusage ­
  damit  begründete,  daß  ihr  einstimmig  bekundet  worden  sei,  sie  „könne  ihrer
Tochter  Zukunft  mit  unbedingtem  Vertrauen  in  Denekes  Lände  legen".  Noch
heute  erfreut  sich  die  Familie  Deneke  am  Besitze  eines  Zettels,  auf  dem  Frau
Jaeger  (ihr  Mann  war  bereits  verstorben)  die  „Worte  des  Lerzens"  verzeichnet
hat,  die  sie  bei  der  Verlobung  der  beiden  Leute  am  27.  Juli  1834  sprach.  Die
Lochzeit  des  Paares  fand  am  27.  November  des  gleichen  Jahres  statt.  Damit
zog  in  das  Laus  des  Mannes,  dessen  Lerz  niemals  an  Reichtümern  und  Glanz
gehangen  hat,  das  Glück  des  Familienlebens  ein,  das  er  mit  vollem  Lerzen  empfand ­
  und  bis  an  sein  Lebensende  als  besten  Besitz  festzuhalten  suchte.  Leider
aber  hatte  seine  Firma  stark  unter  den  Konjunkturen  zu  leiden,  die  die  Gründung
        <pb n="31" />
        34

des  Zollvereins  begleiteten.  ES  wurde  den  befreundeten  Inhabern  klar,  daß  ihrer
für  eine  Firma  zu  viele  feien,  und  sie  trennten  sich  in  vollem  gegenseitigem
Einverständnis,  jeder  den  anderen  auch  nach  der  geschäftlichen  Auseinandersetzung ­
  hochschätzend  und  unterstützend,  wo  es  nur  airging.
Carl  Deneke  griindete  nun  seinerseits  im  April  1836  ein  Speditionsgeschäft,
wobei  er  aus  den  Beistand  seiner  vielen  auswärtigen  persönlichen  Bekanntschaften ­
  rechnen  konnte.  Später  handelte  er  auch  noch  mit  Düngemitteln,  wie
Guano,  war  Direktor  der  Magdeburger  Wasser-Assekuranz,  General-Agent
der  Erfurter  Gesellschaft  „Thuringia"  sowie  auch  Vertreter  der  Zementsabrik
von  Quistorp  in  Stettin.  In  den  sechziger  Jahren  war  Carl  Deneke  mit
L.Moevius  assoziiert,  doch  trennte  er  sich  im  Jahre  1872  von  ihm  und  behielt
nur  eine  Zichorien-Darre  und  den  Verkauf  von  Platten,  Flieserl  usw.  Seine
geschäftlichen  Erfolge  schildert  er  im  Jahre  1847  selbst  wie  folgt:
„Der  Eltern  Segen  baut  den  Kindern  Läufer!"  Mit  dankerfülltem  Herzen  kann  ich  dies  alte
Sprichwort  auf  mich  anwenden;  denn  kann  ich  mich  auch  nicht  reich,  selbst  nicht  einmal  wohlhabend ­
  nennen,  so  bitt  ich  doch  mit  meiner  Lage  ganz  zufrieden;  und  steigt  der  Wunsch  nach
einem  größeren  Vermögen  wirklich  einmal  in  mir  auf,  so  ist  dies  doch  nur  bei  Gelegenheiten,
wo  ich  andern  nicht  nur  durch  Rat,  sondern  auch  mit  der  Tat  mehr  Helsen  möchte,  als  meine
Verhältnisse  mir  das  hellte  gestatten.
Für  eine  um  so  ernstere  Pflicht  halte  ich  es  daher,  mich,  wie  die  Dinge  nun  einmal  liegen,
dieser  Welt  auf  aildere  Weise  nützlich  zu  machen,  und  das  Vertrauen  meiner  Mitbiirger  hat
mir  dazu  in  für  mich  durchaus  ehrender  Weise  Gelegenheit  gegeben,  indem  ich  zu  mehreren
städtischen  und  kaufmännischen  Ehrenämtern  erwählt  worden  bin."
Leiber  versiegen  mit  dem  Jahre  1847  die  Quellen,  die  eine  geschlossene  Darstellung ­
  des  Lebens  von  Carl  Deneke  ermöglichten.  Eine  Aufzählung,  gleichsam
eine  Ehrentafel  seiner  Ämter  geben  wir  im  Anhange.  Am  7.  Jan.  1848  wurde
Deneke  Erster  Vorsteher  der  Magdeburger  Kaufmannschaft.  Damit  fiel  ihm
die  höchste  Ehre  zu,  die  ihm  seine  Magdeburger  Standesgenossen  bieten  konnten.
Wir  besitzen  noch  ein  wertvolles  Zeugnis  dafür,  welcher  Lochschätzung  sich  der
erst  45jährige  selbst  bei  alten,  erfahrenen  Leuten  zu  erfreuen  hatte,  es  ist  das
ein  Schreiben  des  Oberbürgermeisters  Francke,  dessen  Bild  die  Kaufmannschaft
besonders  in  Ehren  hält,  weil  er  nicht  nur  der  Stadt  Magdeburg  durch  eine
Reorganisation  des  Armenwesens  und  des  Schulwesens  neue  Grundlagen  der
Entwickelung  gab,  sondern  speziell  der  Kaufmannschaft  das  höchst  lvertvolle
Privilegium  der  „Korporation"  erwirkte.  Man  beachte  namentlich  den  Schluß
des  Schreibens,  das  wir  hierunter  wörtlich  zum  Abdruck  bringen.
„Mein  sehr  werter  Freund!  Ich  bin  gestern  abend  von  Berlin  mit  besseren  Hoffnungen  in
bezug  auf  unsere  Religions-Angelegenheiten  zurückgekommen,  als  je  zuvor.  Es  erscheint  mir
        <pb n="32" />
        35

aber  notwendig,  in  dieser  Angelegenheit  noch  schleunig  und  bis  morgen  eine  wichtige  Arbeit  zu
tiefern,  die  ich  versassen  muß,  wenn  ich  ganz  ungestört  sein  kann.  Dies  ist  heute  abend  der  Fall,
wo  meine  Familie  zum  Ober-Regierungsrat  Stecher  eingeladen  ist  und  ich  ganz  allein  bin.
Entschuldigen  Sie  mich  daher  bei  Ihren  werten  Standesgenossen,  wenn  ich  heute  nicht  auf
dem  fröhlichen  Abend  erscheine.  Die  Sache,  die  ich  zu  bearbeiten  und  zu  vertreten  habe,  ist  von
solcher  Wichtigkeit,  daß  ich  ihr  notwendig  eine  freundliche  Einladung  opfern  muß.
Wollen  Sie  mich,  lieber  Deneke,  Mittwoch  früh  besuchen,  so  bin  ich  gern  bereit.  Ihnen,  vor
dem  ich  bei  seiner  ruhigeil  lind  wohlwollenden  Gesinnung  kein  Geheimnis  habe,  über  meine
Arbeit,  die  ich  mir  für  heute  abend  zur  Erledigung  vorgesetzt  habe,  näheres  mitzuteilen.
D.  24.  Jan.  1848.  Herzlichst  der  Ihrige  Francke.
(P.S.)  Haben  Sie  wohl  schon  daran  gedacht,  daß  heute  Friedrichs  des  Großen  Geburtstag  ist?"
Es  war  eine  bewegte  Zeit,  als  Deneke  zur  Leitung  der  Magdeburger  Kauf-Mannschaft
  berufen  wurde.  Nicht  nur  politisch  drängte  das  deutsche  Volk  mit
stürmischer  Zugendkraft  zur  Einheit,  auch  wirtschaftlich  sollten  die  getrennten
Staaten  sich  näher  treten.  Preußen  hatte  mit  dem  Zollverein  das  große  Werk
begonnen,  und  wenn  sich  schließlich  1848  noch  nicht  die  Zugendträume  Deutschlauds
  erfüllten,  so  hat  doch  die  heilige  Begeisterung  der  führenden  Persönlichkeiten ­
  jener  Tage,  der  Bassermann,  v.  Gagern,  Simson,  usw.,  etwas  Großes  und
Erhebendes.  Auch  die  deutsche  Kaufmannschaft  war  von  der  Bewegung  erfaßt
worden,  und  einige  Korporationen  hatten  eine  Zusammenkunft  ihrer  Vertreter
in  Frankfurt  am  Main  geplant,  um  über  Zollsragen  zu  beraten  und  mit  dem
Frankfurter  beteiligten  Parlaments-Ausschuß  Fühlung  zu  nehmen.
Der  Plan  wurde  ausgeführt.  Die  MagdeburgerKorporation  der  Kaufmannschaft
  beteiligte  sich  daran  und  entsandte  ihren  Ersten  Vorsteher  nach  Frankfurt
a.  M.  Dort  stieß  übrigens  noch  Stadtrat  Scheller  aus  Magdeburg  zu  Deneke.
Ein  glücklicher  Zufall  hat  es  gewollt,  daß  sich  2  Briefe  DenekeS  aus  jenen
Frankfurter  Tagen  noch  vorgefunden  haben;  der  eine  ist  im  Besitze  der  Familie
Zuckschwerdt,  der  andere,  an  Frau  Zdi  Deneke  gerichtet,  im  Besitze  der  Familie
Deneke  selbst.  Wir  geben  diese  Briese,  die  ein  Schlaglicht  auf  die  denkwürdige
Zeit  von  1848  werfen,  hierunter,  sachlich  unverkürzt,  wieder.
Erstes  Schreiben,  gerichtet  an  Ludwig  Zuckschwerdt.
Frankfurt  am  Main,  den  13.  September  1848.
Mein  lieber  Zuckschwerdt!  Du  wirst  gewiß  schon  eher  ein  paar  Zeilen  von  uns  erwartet
und  am  Ende  gar  schon  dem  Gedanken  Raum  gegeben  haben,  daß  dieMagdeburger  Kaufmanns-Deputierten
  entweder  auf  dem  Rhein  oder  hier  in  der  Deutschen  Einigkeit  untergegangen  sind.
Dem  ist  aber  nicht  so.  —  Wir  mußten  allerdings  in  Köln  vom  Morgen  5  Ahr  bis  um  9  Ahr  aus
die  Abfahrt  des  Dampsbootes  warten,  denn  der  starke  Nebel,  welchen  wir  am  Freitag  hatten,
ließ  dieselbe  nicht  eher  zu,  wir  glauben  aber  auch  diese  Zeit  genutzt  zu  haben,  denn  nachdem  wir
zwischen  6  und  7  Ahr  den  schönen  Dom  —  ein  wahres  Prachtstück  —  in  Augenschein  genommen.
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haben  wir  die  Ein-  und  Auslade-  sowie  die  Revisionsstellen  uns  "genau  angesehen,  um  danach
vielleicht  später  einige  Verbesserungen  bei  unserem  Packhof  vorschlagen  §11  können.  Abends
11  Ahr  kamen  wir  nun  aber  erst  in  Mainz,  und  Sonnabend  früh  9  Llhr  hier  an.
Den  Mittag  sprachen  wir  gleich  bei  Tische  Rahm  von  Stettin,  Refardt  und  Sanders  von
.Hamburg  und  mehrere  andere  Kaufleute,  welche  einen  Äandelsverein  hier  gebildet,  derselbe,
welcher  auch  uns  aufgefordert  hatte,  uns  mit  anzuschließen.  Die  Protokolle  ihrer  Beratungen
teilten  sie  uns  mit,  wir  ersahen  aber  aus  denselben,  daß  wir  nicht  ganz  mit  ihnen  harmonieren.
Die  Süddeutschen,  welche  ungeheure  Schutzzölle  verlangen,  hatten  sich  auch  bereits  von  den
Norddeutschen  so  ziemlich  getrennt,  denn  letztere  sprechen  von  Finanzzöllen,  wollen  aber  doch  im
Grunde  nur  aus  das  Freihandelssystem  hinaus.  Erstere  sind  zum  Teil  wegen  der  Leipziger  Messe
hier  abgereist  und  wollen  erst  gegen  Mitte  Oktober  wieder  kommen,  an  eine  Einigung  ist  daher
fürs  erste  nicht  zu  denken,  und  ich  fürchte  sehr,  daß  sie  die  Überzeugung  mitgenommen  haben,  wie
der  Volkswirtschaftliche  Ausschuß  mit  ihnen  gleichgesinnt  und  für  hohe  Schutzzölle  gestimmt  ist.
Wir  wollen  versuchen,  zwischen  diesen  beiden  Extremen  die  Mitte  einzunehmen  und  von  beiden
Seilen  soviel  als  irgend  möglich  zu  uns  heranzuziehen.  Für  Wein  haben  die  Küstenländer  die
Steuer  aus  3  Taler,  aber  ohne  Rabatt,  vorgeschlagen,  für  Kaffee  3  Taler,  raffinierten  Zucker
5  Taler,  für  rohen  3  Taler  und  für  Rübenzucker  auch  3  Taler  und  zwar  aus  FinanzrücksichtenI
Dies  war  schon  vor  unserer.Herkunft  —  mit  Ausnahme  von  Wein,  wobei  ich  mit  debattiert
und  für  4  Taler  mit  25  o/o  Rabatt  gesprochen  habe,  aber  überstimmt  wurde  —  verhandelt,  es
soll  aber  noch,  nachdem  man  mit  den  einzelnen  Artikeln  erst  fertig  ist,  eine  zweite  Verlesung
und  eine  nochmalige  Debatte  vorgenommen  werden,  und  will  man  alsdann  unseren  Wünschen
wiederum  nicht  entgegenkommen,  dann  ziehenwir  uns  zurück  und  geben  mit  Gleichgesinnten  unsere
Ansichten  über  die  Sache  dein  Volkswirtschaftlichen  Ausschuß  ab.
Man  sieht  hier  am  Ort  recht  deutlich  und  klar,  wie  es  sowohl  im  Politischen  als  Merkantilen ­
  um  die  deutsche  Einigkeit  steht,  wer  dafür  noch  schwärmt,  dem  raten  wir,  hierher  zu  eilen
und  das  Treiben  der  Parteien  mit  anzusehen,  die  Binde  wird  ihm  bald  von  den  Augen  fallen.
Morgen  kommt  nun  die  Waffenstillstandsfrage  zur  Verhandlung  in  der  National-Versammlung.
  Das  Resultat  berichte  ich  am  Schluß  dieses.  Bis  jetzt  ist  noch  kein  neues  Ministerium
zustande  gekommen,  Dahlmann  sowohl  als  der  Bayersche  Ministerialrat  v..Hermann  haben  die
ihnen  dieserwegen  gegebenen  Aufträge  unausgeführt  zurückgegeben.  —
Laß  Dich  übrigens  durch  die  stipulierten  Zollsätze  der  Hamburger  und  Stettiner  namentlich
in  betreff  des  Rübenzuckers  nicht  in  Schrecken  setzen,  denn  da  Österreich  die  Zollvereinigung
in  diplomatischer  Weise  hinausgeschoben  hat,  so  wird  wahrscheinlich  ans  der  ganzen  Zollvereinignng
  nichts  werden,  es  sei  denn,  daß  wenigstens  mit  Hannover,  Mecklenburg,  Lainburg  pp.
neue  Verträge  abgeschlossen  würden.  Sprich  aber  hierüber  nicht  weiter,  da  wir  dies  nur  durch
eine  vertrauliche  Mitteilung  wissen.  —  Die  Fortsetzung  der  beantworteten  volkswirtschaftlichen
Fragen  möchten  wir  gern  so  bald  als  möglich  haben.  Wie  ich  bereits  an  .Herrn  Fehr  sagte,  lasse
ich  meine  Briese  an  Bernhard  Andreae  8-  Söhne  hier  adressieren.
Den  16.  früh!  Vorstehendes  schrieb  ich  Mittwoch  abend,  und  wollte  ich  dann  am  Donnerstag ­
  das  Resultat  der  Waffenstillstandsfrage  hier  noch  darunter  berichten.  Diese  Sache  ist  nun
allerdings  gestern  sowohl  als  vorgestern  in  der  Versammlung  vorgewesen,  manche  tüchtige  Reden
pro  und  contra  habe  ich  teils  mit  Freude,  andernteils  aber  auch  mit  tiefer  Entrüstung  gehört,
die  Entscheidung  wird  aber  erst  heute  wahrscheinlich  stattfinden.
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Am  ersten  Tage  sprach  Lindenau  von  Altenburg,  den  man  aber  nicht  verstehen  konnte;  dann
folgte  Eisenmann,  ein  alter  Bayer,  der  17  Jahre  als  Demagoge  im  Kerker  geschmachtet,  er
machte  seinem  lange  verbissenen  Ingrimm  Luft  und  schleuderte  die  giftigsten  Pfeile  aus  eine
empörende  Weise  gegen  Preußen.  Auch  Lermann  —  ein  Mann,  der  selbst  erklärte,  er  sei  mit
Bildung  eines  neuen  Ministern  beauftragt  —  plauderte  von  den  ihm  bei  dieser  Gelegenheit
privatim  durch  Camphausen  gemachten  Mitteilungen  und  stellte  dadurch  sowohl  das  Berliner
als  das  Reichs-Ministerium  bloß  und  zog  gewaltig  gegen  dieses  zu  Felde,  erklärte  sich  gegen
den  Waffenstillstand  und  meinte,  der  Krieg  kräftige  und  erstarke  eine  Nation.  Schmerling
tippte  ihn  gewaltig,  und  Leckscher  hatte  vorher  eure  zweistündige  im  ganzen  gute  Rede  gehalten.
Das  brillanteste  bis  jetzt  war  die  Rede  von  Jordan  aus  Berlin,  er  wies  darauf  hin,  daß
Preußen  eine  Geschichte  hätte  und  duckte  den  Süddeutschen  gewaltig.  Ich  empfehle,  diese  Rede
mit  Aufmerksamkeit  zu  lesen.  Leute  sprechen  nun  zuerst  Lichnowsky,  dann  Blum,  uni)  diesem
wird  Vincke  folgen.  Fortsetzung  darüber  folgt  nach  der  Sitzung.
Den  17.  früh!  Wir  wollten  diese  Briefe  gestern  abend  abgehen  lassen,  doch  dauerte  die
Sitzung  bis  abends  8  Ahr,  doch  zu  unserer  Freude  ist  das  Majoritäts-Gutachten  des  Ausschusses, ­
  den  Waffenstillstand  nicht  zu  ratifizieren,  mit  21  Stimmen  Majorität  verworfen,
dagegen  das  Frankesche  Amendement:  „den  Waffenstillstand  nicht  ferner  zu  beanstanden"  mit
einer  Majorität  von  21  Stimmen  angenommen.  Die  Vinckesche  Rede  war  ein  Meisterstück.
Blum  sprach  wieder  unter  großem  Beifall  der  Linken  und  der  Galerie.  Lichnowsky  sprach  kurz
und  bündig  und  gefiel  mir  sehr  gut,  ebenso  der  Berichterstatter  des  Minoritäts-Gutachtens,
Siedmann,  während  Simon  von  Trier  wieder  wie  gewöhnlich  loszog.  —
Scheller  und  ich  waren  gestern  abend  gegen  9  Ahr  zum  Essen  nach  dem  Englischen  Los
gegangen,  wir  saßen  ganz  gemütlich  beisammen,  als  mit  einem  Male  gegen  10  Ahr  die  Fenster
klirrten  und  Katzenmusik  vom  Stapel  gelassen  wurde.  Wir  mußten  uns  hinter  die  Fensterpfeiler ­
  stellen  und  sprangen  zuletzt  über  die  Tische  und  so  zum  Saale  hinaus  nach  dem  Lose.
Bor  dem  Lause  sammelten  sich  Tausende  von  Menschen,  und  Militär  und  Bürgerwehr  kamen
endlich  anmarschiert.  Wir  verfügten  uns  ruhig  zu  Laus  und  hörten  den  Lärm  wohl  noch
I  Stunde  lang  in  der  Ferne,  bis  derselbe  denn  auch  näher  kam  und  nun  vor  unserem  Lotel  sich
erneuerte.  Dem  Militär  wurde  ein  Loch  gebracht,  während  die  Bürgerwehr  auf  scheußlichste
Weise  verhöhnt  wurde.  Erst  gegen  1  Ahr  trat  Ruhe  ein,  und  da  suchten  wir  unser  Bett.
Abrigens  sind  diese  Sachen  nicht  von  Bedeutung,  das  Mißvergnügen  der  Linksdenkenden
mußte  sich,  wie  man  hin  und  wieder  sagt,  doch  etwas  Luft  verschaffen.  —  Dergleichen  politische
Äußerungen  von  meiner  Seite  bitte  ich  aber  im  Börsenvereine  pp.  nicht  mitzuteilen.
Nun,  mein  werter  Freund,  leb  wohl!  Bon  morgen  an  wird  man  wohl  für  die  Elbzollsache
etwas  mehr  Gehör  finden,  und  wir  wollen  nun  dafür  eifrig  wirken.
Scheller  läßt  freundlichst  grüßen!  Dein  Freund  Carl  Deneke.
Zweiter  Brief,  gerichtet  an  Frau  Deneke.
Frankfurt  a.  Main,  17.  September  1848.  Sonntagabend  9  Ahr!
Mein  liebes  Weib!  Leute  früh  schrieb  ich  Dir  nur  wenige  Zeilen,  Du  wirst  aber  den  Brief
an  Zuckschwerdt  gelesen  und  daraus  das  hiesige  Leben  und  Treiben  ersehen  haben.  Leute  am
Tage  war  alles  recht  hübsch  ruhig,  heute  nachmittag  ist  aber  auf  der  Pfingstweide  eine  große
Volksversammlung  gewesen,  und  wie  wir  erfahren,  ist  daselbst  zur  Ruhe  vermahnt  worden;  doch
wollte  man  diejenigen  Abgeordneten,  welche  gegen  Verwerfung  des  Waffenstillstandes  gestimmt
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        38

haben,  für  Landesverräter  erklären  und  sie  morgen  früh  bei  der  Paulskirche  angreifen.  Es  find
eine  Masse  Menschen  von  Hanau,  Offenbach  und  Mainz  heute  hier  angekommen,  die  morgen
früh  bewaffnet  fein  sollen.  Wir  sind  feit  7  Ahr  zu  Laus,  3  Treppen  hoch  in  unserer  Stube,  lind
auf  den  Straßen  ist  soweit  alles  ruhig,  nur  daß  das  Volk  in  Ordnung  durch  die  Straßen
marschiert  und  seine  Macht  präsentiert.  Wie  wir  annehmen,  ist  jedoch  schon  von  seiten  des
Erzherzogs  Reichsverweser  ein  Korps  Österreicher  von  Mainz  hierher  beordert,  das  heute
abend  spät  oder  in  dieser  Nacht  hier  ankommen  wird  Geht  aber  dieser  Brief  noch
ab,  so  kannst  Du  ganz  ohne  Sorge  fein,  alsdann  ist  für  uns  keine  Gefahr  vorhanden!....
Es  ist  eine  große,  aber  auch  eine  bewegte  Zeit,  in  der  wir  leben;  möge  Gott  alles  zum
Guten  lenken,  doch  an  eine  Einigkeit  Deutschlands  möchte  ich  nun  und  nimmermehr  glauben.
Dein  treuer  Carl.
?.  5.  Unser  Deputierter  Heinrich  Simon,  der  zur  Linken  gehört,  soll  gestern  abend  verwundet ­
  worden  fein.  Westendhall  wurde  ganz  demoliert;  davon  hatten  wir  allerdings  gestern
abend  noch  gar  keine  Ahnung.  Es  geht  aber  aus  allem  hervor,  daß  es  gestern  doch  bedeutend
ernstlicher  gewesen  ist,  als  wir  selbst  heute  früh  glaubten.
Den  18.  früh  ....  heute  früh  ist  hier  alles  ruhig!  es  sind  in  dieser  Nacht  Österreicher  lind
Preußen  eingetroffen.  Letztere  haben  diePaulskirche  besetzt,  und  nun  wird  alles  in  Ruhe  ablaufen,
weil  man  nicht  annehmen  kann,  daß  von  der  Nationalversammlung  irgend  ein  Beschluß  gefaßt
werden  könnte,  der  unser  Hierbleiben  unnütz  machte.  —  Soeben,  7  Ahr,  rücken  die  Österreicher
vor  unsere  Haustür,  stellen  sich  in  Front  auf  und  das  Kommando:  „laden"  erfolgt.  Zum
Schießen  wird  es  aber  wohl  nicht  kommen,  denn  alles  ist  noch  friedlich,  und  wir  sehen  es  als
einen  Akt  an,  der  Furcht  und  Respekt  vor  der  militärischen  Macht  einstößen  soll.  Ängstige  Dich
durchaus  nicht,  dergleichen  sieht  in  der  Ferne  schlimmer  aus  als  in  der  Nähe.  .  .  .  Dein  Carl.
Eigenartige  Dokumente  find  diese  Briefe.  Wenn  man  bedenkt,  daß  die  48  er
Jahre  selbst  viel  ältere  Leute  mit  enthusiastischen  Hoffnungen  erfüllten,  so  überrascht ­
  die  Ruhe  und  Sicherheit,  mit  der  dieser  Magdeburger  Kaufmann  der
Bewegung  gegenübertrat.  Sie  läßt  sich  weder  ans  einem  Mangel  an  Interesse
Denekes  für  öffentliche  Angelegenheiten  erklären,  stand  doch  kein  anderer  Bürger
der  Provinzialhauptstadt  Magdeburg  so  wie  er  mitten  im  Leben;  noch  beruht
sie  aus  einer  Äberschätzung  des  Verlangens  der  Erwerbstände,  ihren  Geschäften
ungestört  nachgehen  zu  können,  war  doch  Carl  Deneke  kein  Mann,  deur  das
Geldverdienen  Selbstzweck  und  Lebensinhalt  war.  Nein,  wir  können  nach  den
uns  bekannten  Amständen  nur  annehmen,  daß  er  beit  klugen  und  besonnenen
Blick  eines  echten  Poliükers  besaß,  der  ihm  verriet,  daß  ein  Zusammenwirken
Preußens  und  Österreichs  in  einem  Staatengebilde  eine  Anmöglichkeit  sei,  selbst
wenn  es  gelingen  sollte,  alle  kleinen  Geister  unter  einen  Hut  zu  bringen.
„An  eine  Einigkeit  Deutschlands  möchte  ich  nun  und  nimmermehr  glauben!"
Ob  sich  Carl  Deneke  wohl  dieser  seiner  Worte  noch  erinnerte,  als  Deutschland ­
  aus  den  Kriegen  von  1866  und  1870!71  sorglich  zu  einem  Reiche  zusammengeschmiedet ­
  hervorging?  Der  riistige  Sechziger,  ans  dessen  geduldige,  Arbeit
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        39

f  gewohnte  Schultern  immer  mehr  Ehrenämter  gepackt  worden  waren,  hat,  wir
wissen  es,  im  Jahre  1871,  obwohl  der  unerbittliche  Krieg  seinen  Lieblingssohn
Paul  dahingerafft  hatte,  als  Bürger,  von  ganzem  Kerzen  in  den  Jubel  der
Patrioten  eingestimmt;  er  ahnte  wohl  nicht  mehr,  daß  er  einst  ein  Wort  des
Zweifels,  fast  der  Verzweiflung  über  Deutschland  schrieb,  das  wir  hier  unnachsichtig ­
  aus  alten,  vergilbten  Papieren  ans  Licht  der  Öffentlichkeit  brachten.

Bild  des  Aufsichtsrats,  dem  Vorsitzenden  Carl  Deneke  gewidmet  von  der  Magdeburger  Privatbank.

Das  Alter  lnld  die  Ehrentage,  sie  sind  bei  Leuten,  die  es  im  Leben  zu  etwas
gebracht  haben,  unzertrennlich.  2  Tage  im  Leben  Denekes  wurden  durch  solche
Feierlichkeiten  öffentlich  arlsgezeichilet:  Der  30.  Oktober  1865,  Ml  dem  Deneke
25  Fahre  lang  Ältester  der  Kaufmannschaft  war,  inid  der  7.  Januar  1873,  an
deiil  Delleke  das  25.  Jahr  als  Vorsitzender  des  Kollegiums  beschloß.
Voll  der  erstell  Feier  ist  lllls  eine  Karte  erhalten,  die  ariserleselle  Tafelfrenden
erraten  läßt  itnb  im  Randschmuck  die  Verdienste  Carl  Denekes  versinnbildlicht.
Da  werden  wir  darauf  hingewiesen,  daß  er  an  der  Preuß.Verfassnngsurkunde
—  -  —n
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vom  31.  Jan.  1850  mitgearbeitet  hat,  ebenso  wie  am  Zolltarif  vom  Mai  1850,
daß  er  zur  Mitarbeit  an  der  Konkursordnung  (13.—28.  Febr.  1854)  lind  am
Handelsgesetzbuche  (27.  Oktober  bis  4.  Dezember  1856)  herangezogen  worden
ist.  Es  wird  angedeutet,  wie  er  mit.der  Magdeburger  Kaufmannschaft  für  die
Aushebung  der  Elbzölle  kämpfte  und  für  die  Berücksichtigung  Magdeburgs
beim  Ausbau  des  Eisenbahnnetzes  (Magdeburg-Wittenberger  Eisenbahn  am
31.  Januar  1847)  eintrat.  Von  der  Wittenbergischen  Bahn  wird  ja  rühmend
gesagt,  daß  Deneke  sie  gründete,  wie  er  denn  auch  Vorsitzender  ihres  Verwaltungsrates ­
  war.  Am  eine  Eisenbahnverbindung  mit  Helmstedt,  das  auf  der
Tischkarte  „im  Morgensonnenschein  am  Horizonte  auftaucht",  war  nun  Deneke
im  Jahre  1865  andauernd  eifrig  bemüht;  denn  „Konkurrenz  der  Eisenbahnen
untereinander",  das  hielt  er  für  notwendig  und  für  Handel  und  Verkehr  für  das
Ersprießlichste.  Die  Zeichnung  von  Warenballen  auf  der  Tischkarte  deutet  aus
das  Wappen  der  Kaufmannschaft  und  auf  Denekes  Tätigkeit  als  Spediteur,
die  Zeichnung  einer  Kaffeestaude  speziell  auf  seinen  Kaffeehandel  hin.
Auch  bei  der  Gründung  und  Verwaltung  von  großen  wirtschaftlichen  Auternehmungeu
  in  Magdeburg  betätigte  sich  Deneke  in  der  eifrigsten  Weise.  Wir
sehen  ihn  vom  19.  Nov.  1840  an  als  Direktionsmitglied  der  Magdeburger
Waffer-Affekuranz  und  von:  30.  Okt.  1840  bis  30.  Juni  1856  als  Vorstandsmitglied ­
  der  Magdeburger  Privatbank,  deren  Mitbegründer  er  war.  So  wagte
denn  1865  ein  Festredner  Carl  Deneke,  den  Repräsentanten  der  Kaufmannschast,
  mit  dem  Ritter  Georg  in  Vergleich  zu  bringen,  der  vor  damals  „bald
200  Jahren  (1668)  aktenmäßig  voiu  Steinmetz  Melchior  Leutze  von  zierlicher,
sauberer  Bildhauerarbeit  sein  hurtig  und  proportionirlich  angefertigt"  worden
fei,  mit  diesem  echten  deutschen  Schutzpatron  der  Kaufmannschaft,  der  „kühn
einhersprengt  auf  dem  Roffe  der  Spekulation,  ohne  die  kein  Handel  denkbar  ist;
in  der  Hand  die  Lanze,  mit  der  er  den  niedergeworfenen  Drachen  der  Ansolidität
umbringt."  Als  „Waffe"  werden  die  Banken  bezeichnet,  „die  dem  Kaufmann
die  Mittel  bieten,  sich  im  Kampfe  des  Lebens  zu  bewähren"
Eine  schöne,  erhebende  Feier  für  den  Zweiundsechzigjährigen!
Roch  festlicher  aber  wurde  später  der  Tag  der  25jährigen  Präsidentschaft
Denekes,  der  7.  Januar  1873,  voiu  Ältesten-Kollegium  begangen.  Den  Aufzeichnungen ­
  einer  jugendlichen  Hand  —  vermutlich  ein  Familienbrief—können
wir  darüber  die  folgenden  näheren  Angaben  über  den  Verlauf  entnehmen.
Morgens,  gleich  nach  9  Ahr,  kamen  die  Ältesten  der  Kaufmannschaft  vollzählig ­
  zu  Carl  Deneke;  an  ihrer  Spitze  Herr  David  Coste,  der  dem  Jubilar  die
Wünsche  der  Korporation  aussprach.  Ein  freundlicher  Zufall  will  es,  daß  das
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Konzept  dieser  Ansprache  —  wie  anch  das  der  Festrede  am  Abend  —  erhalten
geblieben  ist.  Da  die  Papiere  uns  aus  dem  Nachlaste  des  Lerru  Geheimrats
Coste  srenndlichst  überwiesen  wurden,  geben  wir  die  solgenden  Worte  aus  der
Ansprache  wieder,  die  vom  Redner  wohl  noch  ergänzt  worden  sind:
„Schon  einmal  hat  das  Ältesten-Kollegium  Ihnen,  Lerr  Kommerzienrat,  seine  Glückwünsche
dargebracht;  dainals  waren  Sie  25  Jahre  Ältester  der  Kaufmannschaft.  Am  heutigen  Tage
sind  es  25  Jahre,  daß  Sie  ununterbrochen  das  Amt  des  Ersten  Vorstehers  verwalten.  Das
Kollegium  folgt  dem  Drange  des  Lerzens,  wenn  es  hellte  die  Glückwünsche,  die  es  Ihnen  vor
8  Jahren  darbrachte,  erneuert  uild  Ihnen  fiir  die  Aneigennühigkeit,  Treue  und  Festigkeit,  womit
Sie  Ihr  Amt  verwalten  und  überall  für  die  Interessen  der  Kaufmannschaft  eintraten,  den
bestell  Dank  sagt.  Gebe  der  Äerr,  daß  Ihnen  noch  manches  Jahr  beschieden  ist,  itt  dem  Sie  uns
»lit  Ihrem  bewährten  Rat  leiten,  lind  zum  Segen  unserer  Kaufmannschaft  wirken.
Zum  bleibendeil  Andenken  an  diesen  Tag  hat  das  Kollegium  beschlossen,  Ihr  Porträt  —
in  Lebensgröße  —  in  seinem  Sitzungssaal  aufzuhängen;  es  sei  uns  ein  Sporn,  Ihnen  nachzueifern, ­
  deil  kommenden  Geschlechtern  aber  eilt  Zeichen  dafür,  daß  wir  Sie  schätzen  als  ein
leuchtendes  Vorbild  echten  Gemeinsinnes  und  makelloser  Biederkeit.
Sie  werden,  um  den  Beschluß  des  Kollegiums  zur  Ausführung  kommen  zu  lassen,  die  Güte
haben,  sich  unserem  bewährten  Meister  Wodick  anzuvertrauen.  Die  Amrisse  des  Bildes  werden
sich  Ihnen  hellte  aus  der  Börse  vorstellen  lind  Ihnen  damit  unsere  Absicht  verdeutlichen.
And  lllnl  nochmals  unsere  herzlichsten  Glückwünsche!  Mögen  alle  Wünsche,  die  Ihnen  hellte
dargebracht  werden,  in  Erfüllung  gehen.  Das  gebe  Gott!"
Sodailll  erschienen  als  Deputation  der  Börse  die  Leeren  Seit)  und  Rogge.
Lerr  Seit)  überreichte  Carl  Deneke  ein  Glas  alls  dem  Jahre  17  l  2.  Das  von  der
Fainilie  Deneke  sorgsam  erhaltene  Glas  Nlllst  seinerzeit  ebensalls  einem  Fest-Zwecke
  gedieilt  haben,  denn  es  trägt,  wie  unsere  Abbildung  (S.4)  erraten  läßt,
die  Inschrift:  „Es  lebe  die  „Kausleute-Brüderschaft"  zll  Magdeburg."  Die
vordere  Seite  zeigt  ein  Wappen  mit  drei  gekrönten  Fischen,  einer  Figur  und
darüber  einen  gekrönten  Lindwurm.  Ringsum  sind  lose  Blumen  eingeschlisten.
Am  Ahr  kamen  als  Vertreter  der  Stadt  Oberbürgermeister  Lastelbach,
Bürgermeister  Bötticher,  ferner  Stadtrat  Baensch  und  4  Stadverordnete,
darunter  Listemann  und  Rudolph.  Im  Rainen  der  Stadt  richtete  Lerr  Oberbürgermeister
  Lastelbach  solgende  Ansprache  an  Carl  Deneke:
„Durch  die  Gnade  des  Löchsten  sind  Sie  mit  dein  heutigen  Tage  25  Jahre  ununterbrochen  in
der  ehrenvollen  Stellung  eines  Vorsitzendendes  Ältesten-Kollegiums  hiesiger  Kaufmannschaft.
Die  engen  Beziehungen,  die  zwischen  der  Kaufmannschaft  und  uns  bestehen,  würden  es  allein
erklärlich  machen,  daß  lvir  den  Wunsch  hatten,  an  der  Feier  teilzunehmen,  die  Liebe  und  Verehrung ­
  Ihnen  für  den  heutigen  Tag  bereitet,  und  unsere  Glück-  und  Segenswünsche  mit  denjenigen ­
  zu  vereiiligen,  die  Ihnen  von  der  Kaufmannschaft  dargebracht  werden.  Wir  verehren
und  schätzen  aber  in  Ihnen  nicht  bloß  den  Mann,  der  es  sich  angelegen  sein  ließ,  die  ödandelsinteressen
  Magdeburgs  ein  Vierteljahrhundert  lang  kräftig  liild  erfolgreich  zll  vertreten,  tche
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haben  sich  vielmehr  noch  in  einer  Reihe  anderer  Ehrenämter  und  namentlich  in  Ihrer  Stellung
als  Stadtverordneter,  die  Sie  jetzt  gerade  35  Jahre  lang  versehen  haben,  die  größten  und
nachhaltigsten  Verdienste  um  Ihre  Vaterstadt  erworben,  sind  4  Jahre  lang  Stellvertretender
Vorsitzender  und  10  Jahre  lang  Vorsitzender  der  Versammlung  gewesen,  haben  uns  durch
Ihre  Einsicht  bei  Durchführung  aller  wichtigen  in  diese  Zeit  fallenden  Angelegenheiten  kräftig
unterstützt  und  haben  außerdem  die  Stadt  eine  Reihe  von  Jahren  hindurch  in  schwieriger  Zeit  im
Abgeordnetenhause,  unbekümmert  um  Schädigung  eigener  Interessen,  gewissenhaft  vertreten.
Wir  sind  Ihnen  dafür  zum  größten  Danke  verpflichtet  und  haben  unter  einmütiger  Zustimmung
der  Stadtverordnetenversammlung  beschlossen,  diesem  Gefühl  dadurch  Ausdruck  zu  geben,  daß
wir  Ihnen  als  höchste  Auszeichnung,  die'  wir  überhaupt  zu  bieten  imstande  sind,  das  Ehrenbürgerrecht ­
  unserer  alten  Stadt  verliehen  haben.  Indern  wir  Ihnen  hiervon  mit  den  herzlichsten
Glückwünschen  Kenntnis  geben,  hoffen  wir  die  Feier  des  heutigen  Tages  für  Sie  zu  erhöhen."
So  war  deuu  der  Jubilar  Ehrenbürger  Magdeburgs  geworden,  eine  Ehre,
die  neben  ihm  damals  nur  noch  Moltke  genoß.  —  Alsdann  folgten  die  Vertreter
von  mehreren  Behörden  und  vonl  Kaufmännischen  Verein  die  Herren  Bester,
Koch  lind  Wrede,  die  eilten  silbernen  Pokal  iiberbrachten.
Am  3  Ahr  fand  auf  der  Börse  ein  großes  Festessen  statt.  Man  hatte  in  letzter
Zeit  Tag  und  Nacht  gearbeitet,  um  den  Ambau  zu  diesem  Tage  zu  beendigen.
Während  des  Estens  wurde  die  mit  Lorbeer  bekränzte  Kreidezeichnung  Carl
Denekes  enthüllt,  die  Vorstudie  zll  denl  großen  Ölbild  von  Wodick  (wohl  einem
seiner  besten  Werke),  das  noch  heute  den  Sitzungssaal  der  Handelskammer  ziert.
Auch  bei  dieser  Gelegenheit  feierte  Kommerzienrat  Coste  den  Jubilar.  Die
Ansprache,  voll  der  freilich  mtr  ein  Entwurf  vorliegt,  begann  folgendermaßen:
„Die  Magdeburger  Kaufmannschaft  begeht  ein  Fest,  wie  ihre  Annalen  kein  zweites  kennen.
Heute  vor  25  Jahren  wurde  unser  Carl  Deneke  zum  1.  Vorsteher  gewählt,  nachdem  er  im
Jahre  1840  zum  Ältesten  und  1844  zum  3.  Vorsteher  ausersehen  worden  war.  Seit  jener  Zeit
hat  er  ununterbrochen  seines  Amtes  gewaltet.  M.  H.!  Die  Wahl  unseres  Deneke  siel  in  das
Jahr  1848!  Wer  von  Ihnen  sich  noch  der  Zeit  vor  1848  erinnert,  der  wird  dessen  inne  sein,
daß  das  Charakterzeichen  dieser  Jahre  Ruhe  und  Gemütlichkeit  lvar.  Daim  aber  trat  an  deren
Stelle  Bewegung  und  Amwälzung,  und  so  glaube  ich  sagen  zu  dürfen,  daß  unser  Deneke  fein
Amt  nicht  in  Friedenszeit,  sondern,  namentlich  was  die  wirtschaftliche  Entwickelung  anbelangt,
in  Kriegszeiten  geführt  hat.  Wollten  wir  also  die  Kriegsjahre  in  der  üblichen  Weise  doppelt
rechnen,  so  leitet  er  uns  heute  schon  goldene  fünfzig  Jahre!"
Coste  geht  nunmehr  dazu  über,  die  hauptsächlichsten  Arbeiten  zu  schildern,
an  deren  Erledigung  Delleke  beteiligt  war.  Dann  fährt  er  fort:
„Doch  nicht  allein  seine  aufopfernde  Tätigkeit  für  allgemeine  Interessen  hat  uns  unseren
Deneke  so  lieb  und  wert  gemacht,  nein,  sein  offener  lind  ehrlicher  Charakter,  so  frei  von  jeden:
Egoismus,  war  es,  der  früh  die  Blicke  der  Kaufmannschaft  ans  ihn  zog.  Das  ist  der  Edelstein,
der,  wenn  auch  nicht  überall  kunstgerecht  geschliffen,  allezeit  liild  überall  seinen  vollen  Wert,  seine
edlen,  hervorragenden  Eigenschaften  durch  leuchtendes  Feuer  erkennen  ließ."
Eiu  freudig  aufgenommenes  Hoch  aus  den  Jubilar  schloß  die  Rede  Costes.
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        43

Während  des  Mahles  traf  eine  Depesche  ein,  die  die  Ernennung  Denekes
zum  Geheimen  Kommerzienrat  verkündete.  —  Noch  5  Jahre  eines  emsigen
Schaffens  waren  Earl  Deneke  nach  diesem  jgroßen  Feste  beschieden,  aber  es
meldeten  sich  leider  bald  Anzeichen,  daß  sein  Körper  nicht  so  widerstandsfähig
war  wie  sein  lebensfroher  Geist.  Schon  in  einem  Briese  vom  Jahre  1862
klagte  Carl  Deneke  sehr  über  offene  Wunden  am  Fuß,  die  ihn  beim  Gehen
behinderten.  In  den  siebenziger  Jahren  verließ  ihn  dann  sein  stützender  Stock
leider  auch  im  Zimmer  immer  seltener.  Dann  wurden  die  Ausgänge  spärlicher;
mehr  und  mehr  erledigte  er  die  Arbeiten  von  seinem  privaten  Arbeitszimmer
und  schließlich  vom  Krankenlager  aus.  —Am  1.  Juli  1877  starb  Carl  Deneke.—
Am  den  Dahingeschiedenen  trauerte  aufrichtigen  Lerzens  ein  großes  Gefolge
von  Verwandten,  Freunden  und  Mitarbeitern.
Earl  Deneke  gehörte,  wie  Pfarrer  Lildebrandt  an  seinem  Sarge  ausführte,
nicht  zu  jenen  auserwählten  und  verwöhnten  Glückskindern,  denen  iiberall  im
Leben  Rosen  auf  den  Weg  gestreut  sind,  denen  in  ununterbrochener  Reihenfolge ­
  nur  Stunden  des  heiteren  Lebensgenusses  schlagen.  Er  hat  seinen  vollen
Anteil  am  Kreuz  getragen.  Er  hat  Zeiten  der  bangen  Sorge  und  des  schweren
Angemachs,  des  Kummers  imb  des  Grames  durchlebt.  Er  hat  an  manchem
Grabe  heiße  Tränen  geweint,  und  mehr  als  einmal  hat  er  auf  Glückstrümmer
seinen  Fuß  gesetzt.  Er  hat  manche  unvernarbte  Seelenwunde  bis  an  den  Sarg
mitgenommen.  Er  hat  aus  eigener  Erfahrung  das  Wort  der  Schrift  auslegen
gelernt,  daß  der  Weg  zum  Emmnel  durch  viel  Triibsal  geht.  Aber  aus  welches
seiner  Lebensgebiete  wir  zurückblicken,  in  welches  seiner  Verhältnisse  wir  ihn
begleiten,  aus  welchem  Wege  wir  ihn  mit  unserer  Erinnerung  verfolgen  mögen,
durch  alles,  durch  Licht-  und  Schattenseite  seines  Schicksals  —,  iiberall  erhalten
wir  schließlich  den  Eindruck  eines  wahrhaft  gottbegnadeten  Lebens.  Das  stille
Familienglück  und  der  Druck  geschäftlicher  Lasten,  die  ernste  Arbeit  für  höhere
und  ideale  Zwecke  und  die  Erholungstunden  in  frohem  Bruderkreise,  die  rastlose
Tätigkeit  auf  dein  öffentlichen  Schauplatze  des  Wirkens  für  Stand,  Stadt  und
Staat,  und  der  Genuß  wohlverdienter  Ehren  und  Auszeichnungen,  die  ihm  von
jedermann  gegönnt  wurden,  —  alles  wurde  ihm  nur  eine  große,  wechselvolle
jedoch  fruchtbare  Lebensschule,  in  der  seine  wahrhaft  liebenswürdige,  ebenso
kindlich  gemütvolle,  wie  männlich  charakterfeste  Persönlichkeit  sich  entfaltete.
Auch  die  Magdeburgische  Zeitung  widmete  dein  Verblichenen  Worte  hoher
Anerkennung,  denen  wir  folgende  Sätze  entnehmen:
„Was  ihn  besonders  auszeichnete,  was  ihm  die  Äerzen  so  vieler  gewann,  das  war  die  biedere
Verläßlichkeit  seines  Wesens,  die  Offenheit,  die  er  nach  Oben  und  Anten,  gegen  Loch  und
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Niedrig,  niemals  verleugnete,  das  war  die  steteBereitwilligkeit,  einzutreten,  wenn  es  in  schweren
Zeiten  und  Krisen  galt,  von  dem  .Handel  der  Stadt,  von  den  Mitgliedern  des  .Handelstandes
Schaden  und  Nachteil  abzuwenden.  Furchtlos  und  ohne  Scheu  trat  er,  wenn  es  nötig  war,  den
Behörden  gegenüber;  „offen  und  ehrlich"  —  es  war  das  sein  Lieblingswort  —  trat  er  ein  für
das,  was  er  auf  Grund  seiner  vielseitigen  Erfahrungen  für  das  Richtige  hielt.  Eine  Selbstlosigkeit
  ohnegleichen  zierte  ihn.  Den  Interessen  des  .Handels,  der  Industrie  und  der  Stadt
Magdeburg  galt  vor  allen  Dingen  sein  Bemühen;  an  sich  hat  er  dabei  nicht  gedacht,  das  Ich
hat  er  dem  Allgemeinen  gegenüber  stets  zurückgesetzt."  —
So  fönt  es  auch  aus  allen  Briefen  heraus,  die  Frau  Geheimrat  Idi  Deneke
nach  ihres  Gatten  Tode  erhielt.  So  schreibt  setzt  Neffe  August  Kalkow:
„Mit  ihm  schied  der  treue  Berater  der  Anmündigen,  der  verständnisvolle  und  zuverlässige
Freund  der  Alten.  Deinen  Kindern  ist  ein  Vater  genommen,  dessen  Liebe  auch  durch  große
Kümmernisse,  die  ihm  nicht  erspart  blieben,  nur  vorübergehend  getrübt  werden  konnte  und  dessen
Treue  großen  Schmerz  überwand.  Du  aber  hast  am  meisten  verloren!  Ihr  Beide  habt  miteinander
ein  langes,  und,  was  Ihr  auch  Schmerzliches  zu  überwinden  hattet,  ein  glückliches  Leben  geführt.
Euch  untren  trotz  Alter  und  Krankheit  die  letzten  Jahre  ebenso  hell  durch  inniges  gegenseitiges ­
  Verständnis  wie  die  einst  verflossenen  Zeiten  durch  jugendliche  Liebe  durchleuchtet".  .  .  .
Ähnlich  schreibeik  aus  der  Ferne  Gustav  Coqm,  Eduard  Baensch,  David
Coste  usw.,  während  sich  die  unzähligen  Freunde,  die  in  Magdeburg  waren,
persönlich  einsanden,  unk  ihrem  lieben  Carl  Deneke  die  letzte  Ehre  zu  erioeisen.
Die  Magdeburger  Korporation  der  Kausmannschast  aber  gedachte  bei  dieser
Gelegenheit  ihres  Ersten  Vorstehers  in  folgendem  Nachrufe:
„Seit  nahezu  30  Jahren  stand  er  als  Erster  Vorsteher  an  der  Spitze  unserer  Kaufmannschaft, ­
  der  er  seit  49  Jahren  als  Mitglied  angehörte.  Wenigen  Männern  ist  es,  wie  ihm,  beschieden
  und  vergönnt  gewesen,  für  die  Förderung  des  Magdeburgischen.Handels  und  für  die
handelspolitische  Eirtwickelung  unseres  Vaterlandes  mitzuwirken.  Nie  fehlte  er  in  Versammlungen, ­
  in  denen  es  galt,  den  Wohlstand  Magdeburgs  zu  heben.  In  den  Konferenzen  über  die
preußische  Konkursordnung,  den  Zolltarif,  das  .Handelsgesetzbuch,  in  dem  preußischen  Landtage,
aus  vielen  Handelstagen  hat  er  mitberaten  und  sich  durch  den  reichen  Schatz  seiner  Erfahrungen
hervorgetan.  Was  ihm  aller  Herzen  gewann,  war  seine  Lauterkeit,  die  zuverlässige  Biederkeit,  die
weitgehende  Selbstlosigkeit,  die  ihn  auszeichnete.  Sein  Andenken  wird  ein  gesegnetes  sein,  und
in  der  Erinnerung  an  ihn  werden  wir,  die  wir  durch  den  Verlust  ganz  besonders  schwer  getroffen
sind,  bemüht  sein,  die  Arbeiten  in  seinem  Sinne  fortzuführen."
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        45

Fl

David  Coste

Königl.  Geheimer  Kommerzienrat
Firmen:  Coste  &amp;amp;  Lippert  und  Coste,  Schulze  &amp;amp;  Diesing.
Erster  Vorsteher  der  Kaufmannschaft  von,  30.  Okt.  1877  bis  29.  Mai  1880.
Quelle:  Mitteilungen  seines  Sohnes,  des  ÄerrnKommerzienrats  David  Coste  in  Biere.
am  29.Mai  1880  verstorbene  Geheime  Kommerzienrat  David  Coste
j  wurde  zu  Magdeburg  am  24.  September  1820  geboren.  Er  entstammte
einer  französischen  Emigrantensamilie,  die  nach  der  erfolgten  21nst
Hebung  des  Ediktes  von  Nantes  aiiö  St.  Llntonie  bei  Montauban  in  der  sranzösischen
  Provinz  Rovergne  (jetzt  im  Departement  Tarne  et  Garonne),  um  des
Glaubens  willen  zuerst  nach  der  Schweiz  geflohen  war  und  endlich  nach  langem
Umherirren  1698  irr  Magdeburg  eine  dauernde  Leimat  fand.  Der  Vater  David
Costes  war  der  Seidenfärber  Samuel  David  Coste,  der  arn  Wallonerberg  4
lllld  Alten  Fischeruser  48  eine  große  Seiden-,  Garn-  und  Kattunfärberei  besaß.
Die  Färberei  selbst,  bereit  Gewölbe  sich  in  den  Wallonerberg  hinein  erstreckten,
war  allS  (leinen  Anfängen  hervorgegangen.  Bei  bem  Verkauf  der  Gebäude  im
Jahre  1848  wurde  durch  Bausachverständige  festgestellt,  daß  die  Grundstücke
eigentlich  aus  7  Gebäuden  beständen,  die  nach  und  nach  errichtet  worden  wären.
Fast  150  Jahre  war  die  Färberei  im  Besitze  der  Familie  Coste  gewesen;  der
handwerksmäßige  Betrieb  aber  erlag  deut  Großbetriebe,  da  sich  die  großen
Spinnereien  und  Webereien  selbst  Färbereien  errichteten  mld  darin  dieSeidenwaren,
  Kattune  »nd  Garne  färbten.  Es  war  die  alte  Geschichte,  die  auch  heute
noch  immer  neu  bleibt.  Selbst  erhebliche  Ambauten  der  Färberei  in  den  Jahren
1820—1830  vermochten  das  Geschäft  nicht  wieder  zu  hebert,  das  beim  Tode  von
Samuel  David  Coste,  1835,  schon  im  Niedergang  begriffen  war.  Wenn  auch
erst  15  Jahre  alt,  mußte  doch  unser  David  Coste  als  ältestes  Kind  der  Mutter-Sorgen
  mit  trage),  helfen,  und  der  Einblick,  der  ihm  dadurch  wurde,  bestimmte
ihn  schon  in  jungen  Jahren,  aus  die  Fortsetzung  eines  Geschäftes  zu  verzichten,
das  den  veränderten  Zeitumständen  zunr  Opfer  fallen  mußte.  —  David  Coste
erhielt  feine  Schulausbildung  in  der  Handels-  und  Gewerbeschule,  die  der  bei
den  Schülern  trotz  seiner  Gradheit  nnb  Grobheit  sehr  beliebte  Direktor  Schultze
leitete.  Als  nun  damals  die  Bestimmung  ergangen  war,  die  Schüler  derPrima
und  Sekunda  mit  Sie  anzureden,  gab  er  dies  de),  Schiilern  mit  dem  Bemerken
kund,  daß  es  ganz  gleich  sei,  ob  er  „Sie  Schafskops"  oder  „Du  Schasskops"
sage.  Nach  seinem  Abgänge  von  der  Schule  trat  Coste  in  die  Lehre  der  Zuckerd5
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        47

und  Kolonialwarenhandlung  von  Eichel  &amp;amp;  Schmidt,  die  in  Magdeburg  zu  den
ältester:  und  größten  Geschäften  der  damaligen  Zeit  gehörte.  Zu  den  Obliegenheiter:
  des  jungen  Lehrlings  gehörte  neben  mancherlei  Arbeiten  auch  jene,  die
Tabaksdose  des  Chefs  jeden  Morgen  neu  zu  stillen.  Da  der  Seniorchef  abends
nie  eher  das  Kontor  verließ,  als  bis  die  Tabaksdose  geleert  war,  so  mag  sich
der  junge  Lehrling  schon  damals,  um  diesen  Zeitpunkt  eher  herbeizuführen,
durch  unberufene  Mithilfe  die  leidenschaftliche  Vorliebe  für  das  Tabakschnupseu
angenommen  haben.  Die  Tabaksdose  blieb  ihm  eine  treue  Gefährtin  für  das
ganze  Leber:,  und  je  schwieriger  die  zu  führenden  Verhandlungen  waren  und
je  ir:ter:siver  der  Geist  zu  arbeite::  hatte,  um  so  mehr  wurde  dann  die  Dose
benutzt.  Noch  vor  Beendigung  seiner  Lehrzeit  wurde  der  junge  Kaufmann,  der
sich  seirres  Fleißes  :u:d  seiner  Tüchtigkeit  wegen  großer  Zuneigung  und  reichen
Vertrauens  seiner  Chefs  erfreute,  häufig  auf  Reisen  geschickt,  wo  er  infolge
seines  liebenswürdigen  Wesens  rurd  seiner  geselligen  Talente  gute  Aufträge  nach
Kaufe  senden  korrnte.  Später  wurde  er  dann  als  Reisender  vor:  der  damals  sehr
bedeutender:  Raffinerie  von  L.  Jacobs  ir:  Potsdam  ar:gestellt.  Vor:  der  Kerrlichkeit
  solchen  Reiser:s,  als  Vertreter  einer  hochangesehenen  Firma,  kann  man
sich  heute  in  der:  jüngeren  kaufmännischen  Kreisen  kaum  noch  eine  Vorstellung
machen;  der:::  die  Eisenbahn  hat  die  Idylle  dieser  kaufmännischen  Tätigkeit  inzwischen ­
  völlig  zerstört.  Daruals  aber  ging  es  mit  eigener:  Pferder:,  in:  eigener:
bequemen  Wäger:,  gesrihrt  von  eir:eu:  alten  zum  Kaufe  gehörigen,  ruit  dessen
Wohl  und  Wehe  eng  verwachsenen  Kutscher,  durch  die  deutschen  Lande,  von:
Norden  zum  Süden,  vorr:  Osten  zum  Westen.  In  bestimmter  Wiederkehr  wurden
die  alten  treuen  Kunden  besucht,  die  den  Reisenden  als  ihren  Vertrauensmann
betrachteten,  für  den  sie  ihre  besten  Aufträge  aufhoben.  Neue  Kunden  mußten
durch  persönliche  Liebenswürdigkeit  und  durch  strengste  Reellität  erworben
werden.  Für  die  großen  Städte  bedurfte  der  Reisende  geradezu  weltmännischer
Bildur:g,  ir:  der:  kleinen  und  kleinsten  Orten  hatte  er  sich  in  spießbürgerliche
Neigungen  und  Anschauungen  zu  schicken.  Besuch  von  Maskenbällen,  Schützenfesten ­
  und  dergleichen  gehörte  gewissermaßen  mit  zur  Erfüllung  der  dienstlichen
Oblieger:heiter:  eines  gewandten  Reisenden,  der  nicht  nur  mit  den  Kunden,  sondern ­
  auch  mit  den  konkurrierenden  Kollegen  in:  guten  Einvernehmen  verkehren
„rußte.  Welche  Frille  heiterer  Erinnerungen  knüpften  sich  an  diese  herrliche  Reisezeit, ­
  die  den  Kindern  in  späteren  Jahren  lebendig  vor  Augen  gesrihrt  wurde.
Es  war  gleichsam  die  Strldentenzeit  für  den  Kaufmann,  —  allerdings  mit
dem  gewaltigen  Unterschiede,  daß  dabei  eine  erfolgreiche  und  gewinnbringende,
angestrengte  Tätigkeit  Vorbedingung  des  freudige,:  Lebensgenusses  war.
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Dieser  verhältnismäßig  sorgenlosen  Zeit  solgte  dann  die  Begriindung  eines
eigener,  Geschäftes.  In,  Jahre  1847  erwarben  die  Kaufleute  David  Löste  und
Lorenz  Lippert  die  Zucker-  und  Kolonialwarenhandlung  von  Schubart  ADefoy
im  Neuen  Weg,  die  sie  dann  im  Laufe  der  Zeit  zu  großem  Ansehen  brachten.
Mit  Gliicksgütern  waren  beide  junge  Anfänger  nicht  übermäßig  gesegnet,  aber
mit  eisernem  Fleiß,  mit  Pflichttreue  und  Gewiffenhastigkeit  förderten  sie  ihr
Geschäft,  rnrd  nach  wenigen  Jahren  konnten  sie  daran  denken,  sich  eigene  häusliche ­
  Herde  zu  gründen.  Die  Sozien  ergänzten  sich  vorzüglich,  unt&amp;gt;  in  treuer
Freundschaft  waren  sie  durch  ihr  ganzes  Leben  verbunden.  1860  übernahm  die
Firma  Loste  &amp;amp;  Lippert  in  Gemeinschaft  mit  dem  Inhaber  des  Bankhauses
C.  Bennewitz,  des  Herrn  Stadtrats  Gustav  Bennewitz,  unter  Beteiligung  des
Gutsbesitzers  Fr.  Schulze  die  Zuckerfabrik  in  Biere  und  die  damit  verbundenen
landwirtschaftlichen  Betriebe,  die  nun  bis  1875  unter  der  Firma  C.Bennewitz,
Loste  &amp;amp;  Comp,  geführt  wurden.  Nachdem  die  Herren  Bennewitz  und  Lippert
aus  dieser  Firma  und  Herr  Loste  aus  der  Firma  Loste  &amp;amp;  Lippert  ausgeschieden
waren,  wurde  das  Geschäft  in  Biere  nach  Beitritt  der  Herren  I.W.Diesing
und  A.W.Diesing  unter  der  Fa.  Loste,  Schulze  &amp;amp;  Diesing  fortgeführt.  Seiner,
Wohnsitz  behielt  David  Loste  irr  Magdeburg.  Die  schwerste  und  sorgenvollste
geschäftliche  Tätigkeit  in  den  langen  Jahren  selbständigen  Schaffens  fiel  für  ihn
in  das  für  viele  angesehene  Magdeburger  Häuser  verhängnisvolle  Jahr  1866.
Die  schwere  Krisis,  die  über  die  Magdeburger  Kaufmannschaft  mit  dem  Kriegsbeginn ­
  hereinbrach,  wurde  jedoch  glücklich  überwunden,  und  beide  Geschäfte  entwickelten ­
  sich  trotz  erlittener  Verluste  ruhig  rrrrd  stetig.  Im  Gegensatz  zu  diesem
Jahre  brachte  das  Kriegsjahr  1870  mit  seinen  schnellen  rnrd  glänzenden  Siegen
auch  auf  geschäftlichem  Gebiete  reiche  Erfolge.  Die  gänzliche  Lahmlegung  des
französischen  Handels  hatte  im  Zuckergeschäst  eine  gewinnbringende,  lebhafte
Tätigkeit,  besonders  nach  der  Schweiz  hin,  zur  Folge,  so  daß  dieses  Jahr  für  die
Zuckerindustrie,  wie  überhaupt  im  allgemeinen  für  den  Magdeburger  Handel,
mit  außerordentlichem  Gewinn  abschloß.
Neben  seinen  geschäftlichen  Unternehmungen  war  David  Loste  arrch  in  der,
manrrigfaltigsten  Ehrenämtern  tätig.  Getreu  der  Überlieferung  seiner  Väter  war
auch  er  von  aufrichtiger  Frömmigkeit  und  tiefern  Glauben  erfüllt-  Irr  seiner
Stellung  als  Mitglied  des  Presbyteriums  der  sranz.-reform.  Kirche  trat  er  mit
energischer  Fürsorge  für  das  Wohl  feiner  Gemeinde,  deren  Zugehörigkeit  er  sich
stets  zur  Ehre  schätzte,  ein.  Mit  der  größten  Gewissenhaftigkeit  rnrd  Pflichttreue
erfüllte  er  die  Obliegenheiten  eines  Presbyters,  hielt  streng  an  den  alten  Überlieferungen ­
  fest  und  versäumte  nie,  bei  der  Abendmahlsfeier  derr  anrtiererrderr
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        49

Prediger  bei  dem  Gebrauch  der  jAbendmahlsgeräte  zu  unterstützen  sowie  nach
Schluß  des  Gottesdienstes  an  der  Kirchtür  die  Gaben  einzusammeln.  Schreiber
dieser  Zeilen  sieht  noch  in  lebendiger  Erinnerung  den  allgemein  geachteten  und
beliebten  Mann  mit  dem  jllgendlich  frischen  Gesicht,  umrahmt  von  schneeweißen
Laaren,  vor  sich,  wie  er  in  dienender  Liebe  die  Abendmahlskelche  stillte  und  das
Brot  bereit  stellte.  Neben  einem  tiefen  Verständnis  siir  die  idealen  Güter  des
Lebens  hatte  Coste  einen  ungemein  hellen  und  klaren  Blick  siir  die  realen  Ausgaben ­
  der  bürgerlichen  und  geschäftlichen  Tätigkeit.  Mit  inniger  Liebe  hing  er
an  seiner  Vaterstadt,  und  in  ihrem  Dienste  tätig  zu  sein,  war  ihm  ein  lebhaftes
Bedürfnis  und  ein  Quell  der  größten  Freude.  27  Jahre  hat  Coste  der  Stadtverordnetenversammlung
  angehört  und  während  dieses  langen  Zeitraums  im
Plenum,  in  Kommissionen  und  Deputationen  eine  umfangreiche,  durch  rechten
Bürgersinn  getragene  Tätigkeit  entwickelt.  11  Jahre  ist  er  in  dieser  Korporation
stellvertretender  Vorsitzender  gewesen.  Er  hat  dieses  Amt  immer,  auch  unter
recht  schwierigen  Verhältnissen,  mit  gewissenhafter  Unparteilichkeit  geführt.
Die  größte  Anerkennung  seiner  Tätigkeit  dürste  wohl  in  der  znletzt  einstimmig
erfolgten  Wiederwahl  zu  erblicken  sein.  Die  Worte,  die  nach  seinem  Abscheiden
ihm  von  dem  Vorsteher  der  Versammlung,  Äerrn  Generaldirektor  Listemann,
gewidmet  wurden,  kennzeichnen  am  besten  seinen  lauteren  Charakter.  Er  sagte:
„Euer,  wie  überall,  wo  er  zum  Eingreifen  berufen  war,  war  es  sein  liebenswürdiger,  bei  aller
Äberzeugungstreue  vermittelnder,  stets  in  versöhnlicher  Milde  sich  kundgebender  Charakter,  der
ihm  die  besten  Erfolge  sicherte,  der  ihm  neben  der  Achtung  auch  die  Liebe  aller  derer  verschaffte
und  erhielt,  die  ihm  näher  treten  zu  dürfen  das  Glück  hatten."
Das  Vertrauen  feiner  Mitbürger  hatte  David  Coste  auch  als  Abgeordneten
in  den  Provinzial-Landtag  entsendet.  Seill  aus  innerster  Perzensgüte  beruhender ­
  Charakter  wahrer  Liebenswürdigkeit,  verbunden  mit  strengster  Objektivität
der  Anschauungen,  hat  ihm  viele  Freunde  im  Leben  erworben.  Oft  hat  man
seine  Tätigkeit  auch  zur  Schlichtung  persönlicher  Streitigkeiten,  zur  Ordnung
schwieriger  und  verwickelter  Familien-  und  Vermögensverhältnisse  in  Anspruch
genommen,  und  nie  ist  er  vergebens  gebeten  worden,  helfend  einzutreten.  Sein
praktischer  Sinn,  sein  klares  Urteil,  feine  schnelle  Auffassung  und  sein  weiter
Blick  in  geschäftlichen  Dingen  führten  ihll  in  die  verschiedensten  Stellungen.
So  gehörte  er  ben  Verwaltungsräten  der  meisten  in  Magdeburg  angesehenen
und  angesessenen  Gesellschaften  an.  Bei  vieleil  derselben  nahm  er  die  Stelle  als
Vorsitzender  oder  als  Stellvertreter  des  Vorsitzenden  ein.  Er  gehörte  auch  lange
Jahre  zürn  Ausschüsse  des  Vereins  der  Rübenzucker-Industrie  des  Deutschen
Reiches,  dessen  stellvertretender  Vorsitzender  er  lange  Zeit  war.  In  politischer
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        50

Beziehung  stand  er  den  Konservativen  nahe.  Er  hob  gern  hervor,  daß  er  seinen
politischen  Glauben  nie  gewechselt  habe  und  auch  im  Sturm  und  Drang  der
1848er  Jahre  nie  der  konservativen  Fahne  untreu  geworden  sei.  Seinein  Einfluß
gelang  es  auch,  in  seiner  Leimatstadt  die  Beziehungen  zwischen  den  einzelnen
Ständen,  dem  Beamten-,  Offizier-  und  Kausmannsstande,  die  nicht  immer  sehr
angenehm  gewesen,  freundlicher  zu  gestalten.  Er  erreichte  es,  daß  diese  Stände
sich  gesellschaftlich  näher  traten  und  miteinander  verkehrten.  Dabei  hat  er  seinen
Kaufmannstolz  nie  verleugnet  und  ihm  nie  das  geringste  Opfer  gebracht.  Den
selbst  erwählten  Beruf  hielt  er  hoch;  in  kaufmännischen  Kreisen  Achtung  und
Ansehen  zu  genießen,  betrachtete  er  als  seinen  höchsten  Ehrenschmuck.  Daher
war  auch  das  Amt,  an  dem  er  am  meisten  hing  und  das  der  größte  Stolz  seines
Lebens  war,  das  Vorsteheramt  der  Ältesten  der  Kaufmannschaft.  Bereits  1855
trat  er  in  das  Ältestenkollegium  ein,  1866  wurde  er  zunächst  zum  Dritten  und
dann  zun:  Zweiten  Vorsteher  gewählt,  um  1877  in  die  Erste  Stelle  einzurücken.
Fiir  die  Förderung  von  Handel,  Industrie  und  Landwirtschaft,  mit  der  Coste
durch  sein  Geschäft  in  Biere  in  engste  Verbindung  getreten  war,  hat  er  in  diesen
Stellungen,  unermüdlich  tätig,  zu  wirken  gesucht.  Wenn  auch  die  damaligen
Arbeiten  der  Ältesten  der  Kaufmannschaft  noch  nicht  den  Umfang  der  heutigen
angenommen  hatten,  so  erforderte  doch  deren  Erledigung  rege  Arbeitslust  und
Arbeitsfreudigkeit,  an  denen  es  ihm  nie  gemangelt  hat.  Im  Jahre  1868  wurde
seine  Tätigkeit  durch  die  Verleihung  des  Titels  Kommerzienrat  anerkannt,  später
erhielt  er  dann  den  Roten  Adlerorden  IV.  Klaffe  und  wenige  Tage  vor  seinen:
Tode  wurde  ihn:  noch  der  Titel  Geheimer  Kommerzienrat  verliehen.
Costes  Familienleben  war  äußerst  harmonisch.  Mit  seiner  Frau,  Bertha  geb.
Schmidt,  und  seinen  Kindern  lebte  er  in  einem  selten  schönen  Verkehr.  Sein
heiteres  fröhliches  Temperament  übertrug  sich  auf  alle,  die  ihm  nahe  standen
und  brachte  Frohsinn  und  Freude  in  den  Kreis  seiner  engeren  und  weiteren
Familie,  in  der  er  sich  überaus  glücklich  und  zufrieden  slihlte.  Fiir  geselliges
Zusammensein  hatte  er  eine  große  Vorliebe.  Durch  sein  Erzählertalent  fesselte
und  erheiterte  er  seine  Zuhörer.  Er  war  in  Versammlungen  ein  gewandter
Redner.  Am  liebsten  aber  ließ  er  sich  beim  fröhlichen  Mahle  bestimmen,  durch
die  in  damaliger  Zeit  noch  nicht  verpönten  Tischreden  Leben  und  Bewegung  in
die  Reihen  der  Gäste  zu  bringen.  Seine  iiberaus  kräftige  Gesundheit  machte  es
ihm  leicht,  gesellschaftliche  und  andere  Anstrengungen  zu  ertragen.  Kaum  jemals
in  seinem  Leben  war  David  Coste  ernstlich  krank.  Da,  im  kaum  vollendeten
60.  Lebensjahre,  trat  der  Genius  des  Todes  an  ihn  heran,  und  nach  kurzem
Verweilen  kehrte  er  die  Fackel  zur  Erde,  daß  sie  verlöschte..  ..
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        51

August  Neubauer
Kgl.  Geheimer  Kommerzienrat
In  Firma:  Neubauer  &amp;amp;  Porst,  später  F.  A.  Neubauer
Erster  Vorsteher  der  Kaufmannschaft
vom  19.  Juni  1880  bis  Mitte  Juli  1889

Quelle:  Angaben  seines  Sohnes,  des  Lerrn  August  Neubauer  in  Hamburg.  Erinnerungen
eines  Magdeburger  Kaufmannes.
ugust  Neubauer  wurde  am  21.  Februar  1815  in  Leipzig  geboren,  wo  er
I  auch  die  Schule  besuchte.  Nach  Beendigung  seiner  Lehrzeit,  die  er  in
Kralle  bei  Engelke  &amp;amp;  Liebau  diuchmachte,  wurde  er  Handlungsgehilfe
bei  S.  Albrecht  in  Leipzig.  Im  Jahre  1841  kam  er  nach  Magdeburg  und  gründete
hier  zusammen  mit  Porst  die  Firma  Neubauer  &amp;amp;  Porst,  die  sich  anfangs  haupt--sächlich
  mit  Spedition  befaßte,  und  zwar  sowohl  mit  der  Verfrachtung  aus  Achse
nach  näher  gelegenen  Stationen,  wie  Schönebeck  a.  E.  usw.,  als  allch  mit  der
Vermittelung  voll  Verfrachtungen  aus  größere  Entfernungen  hin,  kurze  Zeit
daralis,  als  Magdeburg  Bahnverbindungen  erhielt,  auch  mit  der  Verfrachtung
auf  der  Bahn.  In  spätereil  Jahren,  d.  h.  als  das  Frachtgeschäft  nicht  nrehr
recht  lohnte,  handelte  die  Firma  auch  mit  Sirup,  nicht  mit  Rübensirup,  der
daillals  lloch  als  Futter--  oder  als  Düngemittel  Verwendullg  fand,  sondern  mit
indischem  Sirup,  bei  dem  es  besonders  darauf  ankam,  die  rechten,  brauchbaren
Mischungen  herzustellen.  Freundschaftliche  Beziehungen  zu  einigen  Land--wirten
  brachte  die  Firma  als  Geldgeberin  schon  früh  in  Verbindung  mit  der
dalllals  langsanl  wachsenden  Zuckerindustrie.  Zu  Ansang  der  fünfziger  Jahre
des  vorigen  Jahrhunderts  wurden  diese  Finanzierungsgeschäfte  mehr  und  mehr
das  Äauptarbeitsseld  der  Firma;  zuerst  in  der  Magdeburger  Börde,  dann  in  der
Provinz  Sachsen,  endlich  weit  iiber  deren  Grenzen  hinaus.
Die  Inhaber  der  Firma  Neubauer  Ll  Porst  haben  nicht  gewartet,  daß  ihnen
das  Gliick  Erfolge  bringe.  Sie  waren  beide  fleißige  Geschäftsleute,  die  man  von
morgens  früh  6  Ahr  bis  spätabends  bei  der  Arbeit  sehen  konnte.  Wie  von  einem
Augenzeugen  berichtet  wird,  war  die  Firma  schon  Ende  der  50  er  Jahre  groß
und  angesehen.  Das  Personal  arbeitete  in  2  Kontoren,  da  die  Firma  auch  die
Vertretung  der  Leipziger  Feuer-Versicherungs-Gesellschast  übernommen  hatte.
In  der  politischen  Krisis  des  Jahres  1866,  die  sich  aus  wirtschaftlichem  Gebiete
stark  fühlbar  nlachte,  kanl  der  Firrna  Neubauer  &amp;amp;  Porst  die  genaue  Kenntnis  der
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        53

Verhältnisse  auf  dem  Lande  trefflich  zugute.  Bereits  im  Besitze  beträchtlichen
Kapitals,  griff  sie  im  vollen  Vertrauen  auf  eine  schnelle  und  glückliche  Lösung
des  Kampfes  zwischen  Preußen  und  Österreich  durch  Ankauf  von  Zucker  und
Vergabe  von  Kapital,  soweit  ihre  Kräfte  das  gestatteten,  helfend  ein.  Die
Erwartungen  der  Firmeninhaber  erfülltensich  in  vollem  Auffange.  So  erntete  sie
denn  die  Früchte  ihres  auf  gute  Kenntnis  der  Verhältnisse  und  rechtzeitige  Fürsorge ­
  aufgebauten  Vorgehens.  Vor  allem  hatte  sich  die  Firma  eine  große  Zahl
voll  Landwirten  und  Zuckerfabriken  zu  Danke  verpflichtet,  die  sich  der  gelloffenen
iöilfe  gern  erinnerten  und  mit  der  Firma  in  dauernde,  vielfach  noch  heute  fortgesetzte ­
  Beziehung  traten.  Zm  Jahre  1869  schied  Porse  krankheitshalber  aus
der  Firma  aus.  Er  starb  am  10.März  1891,  der  Magdeburger  Korporation  der
Kaufmanllschaft  eine  Stiftung  voll  50000  Mk.  hillterlaffend.
August  Neubauer  lvar  nun  alleiniger  Inhaber  einer  Firma,  die  zu  den  allerersten ­
  ihrer  Art  gehörte.  Er  änderte  ihren  Namen  inF.A.  Neubauer  und  begann
innerhalb  der  sicheren  Schranken,  die  ihm  sein  klllg  abwägender  Geist  zog,  fetu
Geschäft  im  großen  Stil  zu  entwickeln.  Dabei  wußte  Neubauer  aud&amp;gt;  jüngere
Kaufleute,  zu  bereu  Tüchtigkeit  er  Vertrauen  hatte,  geschäftlich  auf  das  beste
und  wirkungsvollste  zll  unterstützen.  Einer  dieser  Lerren,  der  noch  heute  in  hochgeachteter ­
  Stellung  lebt,  erzählte  darüber  in  dankbarer  Erinnerung  folgendes:
„Mein  ehemaliger  Chef  Fr.  August  Neubauer  war  ein  scharfblickender  Geschäftsmann  und
vorzüglicher  Menschenkenner.  Wem  er  sein  Vertrauen  schenkte,  der  konnte  sich  auf  ihn  verlassen.
Während  meines  mehrjährigen  Aufenthaltes  inLondon  war  es,  daß  mich  mein  dortiger  Prinzipal,
der  Rohzucker  von  Magdeburg  beziehen  wollte,  aufforderte,  dieserhalb  an  die  Firma  Neubauer
A  Porst  zu  schreiben.  Die  Magdeburger  Firma  gab  auch  Offerten  ab,  aber  sie  bedang  sich:
Zahlung  Magdeburg  in  Pr.  Courant  oder  Sichtwechseln  nach  dem  im  Preuß.  Staatsanzeiger
veröffentlichten  Kurse  sofort  beim  Abgang  der  Ware  aus  Magdeburg.  Aus  diese  Bedingungen
ließ  sich  die  Londoner  Firma  nicht  ein,  so  daß  keine  Geschäfte  zustande  kamen.  —  Nachdem  ich,
zurückgekehrt,  in  Magdeburg  ein  Agentur-  und  Kommissionsgeschäft  gegründet  hatte,  bat  ich
die  Fa.  Neubauer  Porst  um  Zuckerofferten  für  England,  erhielt  aber  zur  Antwort:  „Äier  am
Platze  wollen  wir  Ihnen  gern  Zucker  verkaufen,  sonst  nicht."  Da  es  sich  voraussichtlich  um  große
Summen  handelte,  erklärte  ich  August  Neubauer,  daß  ich  das  Ausfuhrgeschäft  selbst  riskieren
würde,  wenn  er  mir,  obwohl  ich  kein  Vermögen  besitze,  erlaube,  ihm  den  Zucker  erst  zu  bezahlen,
nachdem  ich  bei  Verschiffung  des  Zuckers  ab  Hamburg  auf  den  Käufer  in  England  trassiert  und
die  Wechsel  hier  verkauft  hätte.  Als  Sicherheit  böte  ich  ihm  meine  Ersparnisse  in  Höhe  von  1000
Talern  an.  Dies  mein  letztes  Anerbieten  wies  Neubauer  aber  mit  den  Worten  freundlich  zurück:
„Ich  kenne  Sie  genügend,  bringen  Sie  mir  nur  den  Kaufpreis  für  den  Zucker,  sobald  Sie  Ihre
Wechsel  verkauft  haben".  So  hat  mir  Neubauers  Vertrauen  zu  meinerPerson  dieWegegeebnet.
Die  Geschäfte  kamen  in  Gang,  ich  verdiente  gut,  und  schließlich  hatten  Neubauer  Porst  den
nicht  geringen  Nutzen,  zuzeiten,  wo  die  Zuckerpreise  in  Magdeburg  flau  waren,  den  deutschen
Markt  durch  Export  der  für  England  passenden  Sorten  zu  erleichtern  und  zu  beleben.  Es
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        54

handelte  sich  in  England  darum,  die  rechte  Mischung  sür  Barbados-Zucker  zu  beschaffen.  Dieser
kam  in  großen  Qxhosten  aus  dem  Produktionslande  nach  England;  er  war  in  offenen  Pfannen
gekocht  und  präsentierte  sich,  wenn  er  nach  England  kam,  als  dicker  Sirup  mit  großen  braunen
Kristallklumpen.  Wurde  aber  diesem  Zucker  deutscher  sogen,  iveißer  Rohzucker  zugesetzt,  so  gab
das  eine  Mischung,  die  nach  Farbe  und  Qualität  dem  holländischen  Standard-Muster  entsprach
und  von  den  englischen  Verbrauchern  jeder  anderen  Zuckersorte  vorgezogen  wurde.  —  Bei  dieser
Sachlage  wuchsen  die  Geschäfte  heran,  und  zeitweise  nahmen  sie  solchen  Amfang  an,  daß  es  mir
doch  ansing  recht  unbehaglich  zu  werden.  AberNeubauer  behielt  Mut  und  Vertrauen  und  unterstützte ­
  mich  so  lange,  bis  ich  durch  Rücklagen  aus  dem  Gewinn  dieser  Geschäfte  selbst  genügend
Sicherung  hatte."
Neubauers  Firma  wurde  bald  nicht  nur  das  größte  Zucker-Kommissions-Geschäft,
  sondern  auch  das  bedeutendste  auf  diesem  Felde  arbeitende  Bankgeschäft. ­
  Als  August  Neubauer  am  1.  April  1891  das  50jährige  Zilbiläum  der
Eröffnung  seines  Geschäftes  feierte,  überreichten  ihm  zahlreiche  Zuckerfabriken
bei  dieser  festlichen  Gelegenheit  gemeinsam  eine  Adresse,  lvelche  lautete:
„Dem  hochverehrten  Begründer  seines  weit  über  die  deutschen  Grenzen  hinausstrahlenden
Altmagdeburgischen  Kandelshauses,  dem  allewege  treu  befundenen  ergebenen  Diener  seines
Kaisers  und  Königs  und  des  Vaterlandes,  dem  weitblickenden,  erst  wägenden,  dann  wagenden,
erfolgreicheil  Kaufmann,  dem  fürsorglichen  Erzieher,  dem  kühilen  Führer  und  sicheren  Wegweiser, ­
  dem  klugen  Lehrmeister,  Beschützer  und  Förderer  der  deutschen  Zuckerindustrie,  von
ihren  ersten  Anfängen  bis  zur  heutigen  Entwickelung,  den:  eifrigen  Vorkämpfer,  dem  wohlmeinenden,
  allezeit  treueil  Berater,  deiil  immer  hilfsbereiten  mitfühlenden  edlen  Menschen,
dem  zuverlässigen,  nie  versagenden  Freunde  bringen  die  ehrerbietigst  Anterzeichneten,  bereit
Interessen  er  in  einem  langjährigen  Zusammenwirken  mit  vollster  Kingabe  auf  das  eifrigste
gefördert  hat,  zu  seinem  heutigen  Ehrentage,  dem  Tage,  an  welchem  er  vor  50  Jahren  den
Grund  gelegt  zu  dem  Riesenbau  des  Geschäftshauses  F.  A.  Neubauer,  als  ein  bescheidenes
Zeichen  ihrer  aufrichtigen  Dankbarkeit  Glück  und  Segenswlinsch.  Möge  ihm  durch  Äimmels
Gnade  noch  lange  jene  Rüstigkeit,  Lebensfrische  und  Rührigkeit  bewahrt  bleiben,  deren  er  sich
bisher  in  so  seltenem  Grade  erfreuen  durfte,  zum  Keil  und  Segen  seiner  Familie  lind  seiner
ihm  stets  ergebenen  Freunde."
Aber  nicht  nur  Zuckerfabriken,  sondern  auch  aridere  Magdeburger  Firmen
wandten  sich  bei  großen  pekuniären  Transaktionen  vertrauensvoll  an  die  Firma
F.  A.  Neubauer,  deren  Inhaber  seit  denk  Jahre  1877  zum  Drittelt,  seit  dem
Jahre  1880  zum  Erstell  Vorsteher  der  Kallstnallllschaft  gewählt  worden  war.
Was  August  Neubauer  für  Magdeburg  tat,  entzog  sich  vielfach  der  Öffentlichkeit; ­
  es  ist  aber  kein  leeres  Gerücht,  daß  er  seilte  privaten  Beziehungen  zu
den  Ministerien,  die  sich  namentlich  ül  jeller  Zeit  gekniipft  hattell,  als  er  denk
Minister  Maybach  bei  der  Verstaatlichung  der  Eisenbahnen  mit  seinem  Rate
zur  Seite  stehen  durste,  wiederholt  zum  Nutzen  der  Magdeburger  Kaufmannschast
  gelterid  zu  machen  wußte.  Die  letzte  große  Unternehmung  voll  Anglist
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        55

Neubauer  war  die  Erbohrung  von  Kali  bei  Vienenburg  und  die  Gründung  des
Kaliwerkes  Lercynia.  Dies  Werk,  deffen  Schacht  I  noch  hellte  seinen  Naineil
trägt,  hat  er  von  den  erstell  Ansängen  an  entwickelt  ulld  so  hervorragend  geleitet,
daß  es  das  größte  Privat-Kaliwerk  wurde  imt&amp;gt;  als  solches  in  diesen  Tagen  vonl
preußischen  Fiskirs  erworben  worden  ist.
Sein  Interesse  all  der  Magdeburger  Kaufmannschaft  bekundete  Nellbalier,
indem  er  der  Korporation  schon  im  Jahre  1880,  am  Tage,  als  er  zum  Ersten
Vorsteher  gewählt  wurde,  eine  StistlUlg  voil  10000  Mk.  überwies,  aus  der
jungen  Kaufleuten,  die  ins  Ausland  gehell,  Beihilfen  gegeben  werden.
Dabei  dürfen  wir  wohl  rühmend  erwähnen,  daß  Neubauer  fein  ganzes  Leben
lang  eure  freigebige  Land  zeigte,  wo  es  galt,  Zwecke  der  Wohltätigkeil  oder
der  Kunst  usw.  zll  fördern.  Viele  und  bedeuteilde  Stiftungen  verdanken  ihm  ihr
Bestehen.  In  seinem  Testament  vermachte  er  schließlich  der  Stadt  Magdeburg
die  Summe  von  100000  Mk.  zur  Unterstützung  voll  Armen.  Als  der  Tod  denl
schaffensfrohen  Leben  dieses  energischen  Mannes  ein  Ziel  gesetzt  hatte,  widmete
ihn,  die  Handelskammer  zu  Magdeburg  einen  Nachruf,  worin  es  heißt:
„Nach  längerem  Leiden  verschied  heute  Lerr  Geheimer  Kommerzienrat  August  Neubauer.
Der  Entschlafene  gehörte  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  vom  Jahre  1841  bis  zu  deren
Umwandlung  in  die  Handelskammer  an.  Im  Dezeinber  1869  wurde  er  durch  das  Vertrauen
der  Wähler  in  das  Ältesten-Kollegium  entsandt  und  wirkte  darin  vom  30.  Oktober  1877  bis  zum
19.  Juli  1880  als  Dritter  Vorsteher,  von  diesem  Tage  bis  zum  Juli  1889  als  Erster  Vorsteher.
Er  war  ein  eminent  begabter  Kaufmann,  der  die  von  ihm  geleitete  Firma  zu  einem  der
ersten  Äandlungshäuser  der  Stadt  Magdeburg  emporhob.
Sein  reger  Unternehmungsgeist  hat  sich  aber  auch  über  die  Grenzen  Magdeburgs  hinaus
anregend  und  fördernd  im  Verkehrsleben  und  in  der  Industrie,  besonders  der  Zuckerindustrie,
unserer  Provinz  geltend  gemacht.  Im  Ältesten-Kollegium  hat  er  stets  den  reichen  Schatz  seiner
Erfahrung  in  den  Dienst  der  Allgemeinheit  gestellt  und  sich  durch  sein  energisches  Eintreten
für  die  Interepen  des  Magdeburger  Kandels  bleibende  Verdienste  erworben."
        <pb n="51" />
        57

Otto  Hubbe

König!.  Geh.  Kommerzienrat
In  Firma:  Gustav  Lübbe
Erster  Vorsteher  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  und  der
Landelskammer  vorn  25.  August  1889  bis  zum  25.  Oktober  1904
und  seine  Vorfahren.
Quellen:  Aufzeichnungen  der  Firma  Gustav  Äubbe.  Akten  der  Handelskammer  und  persönliche
Erinnerungen.
em  kleinen  freundlichen  Althaldensleben  entstammt  die  Familie  Lllbbe,
j  deren  Angehörige  heute  in  Neuhaldensleben  wie  in  Magdeburg  zu  dell
angesehensten  Männern  gehören.  —  Der  Gründer  des  Magdeburger
Zweiges,  derselbe,  der  später  der  Firma  seinen  Namen  gab,  war  Gustav  Lubbe.
I.  Gustav  Hubbe.
Nachdem  Gllstav  Lubbe,  geb.  am  14.  Okt.  1812  zll  Althaldensleben,  in  den
Firmen  Leinr.  Ernst  Schlitze  l,nd  Walstab  &amp;amp;  Eo.  als  Lehrling  und  Kommis
beschäftigt  gewesen  war,  erwarb  er,  wie  ein  Geschäfts-Zirkular  vom  1.  Januar
1840  besagt,  die  Firma  Walstab  &amp;amp;  Co.  von  deren  letztem  Inhaber  Rudolph
Schroeder.  Die  Kontorräume  befanden  sich  schon  damals  ini  Lause  Große
Münzstraße  No.  13  (früher  als  No.  8  bezeichnet),  das  nach  seinem  Torbogen-Schlußstein
  deil  Namen  „Zum  freundlichen  Gesicht"  trägt.  Dies  im  Jahre  1724
erbartte  Patrizierhaus  ist,  nachdem  es  neu  hergerichtet  wurde,  ein  Schmuckstück,
die  alte  holzgeschnitzte  Treppe  eine  Sehenswürdigkeit  Magdeburgs.—  Der  neue
Inhaber  gab  dem  alten  Geschäfte  senken  eigenen  Nameri  Gustav  Llibbe,  den  es
kroch  hellte  mit  Stolz  führt.  Auch  im  Geschäfte  selbst  traf  er  Änderungen,  er  gab
den  Kolonialwarenhandel  ans  und  dehnte  dasiir  den  Lande!  ans  andere  Waren
aus.  Die  Firma  führte:  Steinkohlenteer,  Archangel-Pech,  Alaun,  Fettwaren
und  ostindische  Läute;  später  noch  Palmöl,  Larz,  Pottasche  urld  importiertes
Kokosöl.  —  Als  1862  die  Einfuhr  voil  Palmkernen  von  der  Westküste  Afrikas
ailfing  und  die  Firma  Gaifer  &amp;amp;  Co.  in  Larburg  eine  Fabrik  zur  Gewinnung  voll
Palmkernöl  begründet  hatte,  nahm  die  Firma  Gust.  Lllbbe  den  Verkauf  dieses
Öles  ans  und  verwendete  viel  Mühe  daraus,  es  bei  den  Seifeilfabrikell  einzuführen.
  Sobald  die  Zeiteil  der  Versuche  vorüber  waren,  zeigten  sich  die  Vorteile
des  Palmkernöls,  und  der  Bedarf  nahm  bei  den  Seifenfabriken  eine  imrner
größere  Ausdehnung  all.  Sicheren  Anhalt  dasiir,  einen  wie  großen  ttmfang  die
        <pb n="52" />
        58

©uffcH&amp;gt;  ödubbe.  Friedrich  Lubbe.
Verwendung  von  Palmkernöl  gewonnen  hat,  gibt  die  Tatsache,  daß  im  Jahr
1894  etwa  100000,  im  letzten  Jahre  fast  160000  Tonnen  Palmkerne  in  Hamburg ­
  eingeführt  wurden.  Bei  dieser  Sachlage  drängte  sich  der  Firma  Lubbe
der  Wunsch  auf,  nicht  nur  am  Absätze  des  Fabrikates  Palmkernöl,  sondern
auch  am  Nutzen  der  Verstellung  Anteil  zu  nehmen.  Sie  erreichte  zunächst  ihren
Zweck,  indem  sie  mit  einer  Larburger  Firma,  die  bisher  Riiböl  gepreßt  hatte,  die
Lerstellung  von  Palmkernöl  aufnahm.  Der  Wurf  gelang,  das  Öl  fand  guten
Absatz  bis  nach  Österreich  und  der  Schweiz  hin,  und  die  Fabrik  sonnte  sich  vergrößern, ­
  sogar  später  anct&amp;gt;  Versuche  mit  der  Verarbeitung  vor,  Eopra  machen.
Als  die  guten  Erfolge  Gustav  LubbeS  die  Augen  seiner  Standesgenoffen
ans  seine  Person  gelenkt  hatten,  wurde  er  am  29.  Dezember  l  857  zmn  Mitglieds
des  Ältesten-Kollegiums  gewählt,  und  hier  nahm  er  bald  eine  so  geachtete  und
geehrte  Position  ein,  daß  er  am  19.  Dez.  1866  zum  3.  Vorsteher  ausersehen
wurde,  ein  Amt,  daS  er  bis  zu  seinem  Tode,  am  20.  April  1871,  treu  verwaltete.
II.  Friedrich  Hubbe.
Die  Söhne  voll  Gustav  Lubbe,  Friedrich  llnd  Otto,  hatten  zusammen  ain
6.  März  1865  Proklwa  erhalten.  Nach  ihres  Vaters  Tode  übernahmen  sie  die
Firma  lmd  führten  sie  bis  zum  Tode  des  älteren  gemeinsam.  In  diese  Zeit  nun
        <pb n="53" />
        59

fallen  die  Versuche  der  Firma,  die  Lerstellnng  von  Sesamöl  —  wenn  auch  in
bescheidenerem  Amsange  —  aufzunehmen.  Die  Brüder  erbauten  zu  diesem
Zwecke  eine  kleine  Fabrik  auf  dem  Großen  Werder,  Mittelstraße  13,  und  als
die  Versuche,  Palmkernöl  unt&amp;gt;  Kokosöl  herzustellen,  günstig  ausfielen,  entschloß
sich  die  Firma  Gustav  Lubbe,  selbst  die  Fabrikation  dieser  Arttkel  aufzunehmen.
Es  wurden  zwei  Pressen  aufgestellt  lind  allmählich  mit  dem  größer  werdenden
Absätze  weitere  angeschafft.  So  bauten  die  beiden  Brüder  aus  der  vom  Vater
geschaffenen  Grundlage  muttg,  entschlossen  und  wohlbedacht  weiter.
Am  29.  Dez.  1877  berief  das  Vertrauen  der  Kaufmannschaft  den  älteren  der
Brüder,  Friedrich,  in  das  Ältesten-Kollegium  der  Kaufmannschaft;  doch  sollte
er  sich  dieser  Ehre  nicht  lange  erfreuen.  Er  starb  bereits  am  27.  April  1878.
III.  Otto  Hubbe.
Durch  den  friihen  Tod  seines  Bruders  wurde  Otto  Lubbe  alleiniger  Inhaber
der  Fa.  Gustav  Lübbe;  nur  nahm  er,  schon  um  die  Form  der  offenen  Landelsgesellschaft
  zu  erhalten,  seine  Frau,  Ida  geb.  Mangold,  als  Teilhaberin  aus.
War  auch  die  Firma  Gustav  Lubbe  wohl  fundiert  und  iiberall  auf  das  beste
angesehen,  so  galt  es  doch  siir  Otto  Lubbe,  den  Betrieb  des  Handelsgeschäftes
wie  den  der  Fabrik  weiter  zu  vergrößern  und  auszubauen.  In  16  Jahren  seit
des  Vaters  Tode  wurde  die  Fabrik  allmählich  derart  ausgedehnt,  daß  sie  über
16  große  Kastenpreffen,  4  große  Topfpreffen,  6  kleine  Kastenpreffen  verfügte.
Da  brach  ein  schweres  Anglück  über  die  Fabrik  herein.  In  der  Nacht  vom
15.zum  16.  Dezember  1890  vernichtete  ein  Brand,  der  durch  die  Anvorsichtigkeit
eines  Arbeiters  entstand,  in  wenigen  Stunden  alle  eigentlichen  Fabrikations-'
räume.  Nur  das  Kesselhaus,  das  Maschinenhaus,  die  Böttcherei,  Tischlerei,
Schlosserei  uub  das  Kontor  der  Fabrik  wurden  erhalten.  Auch  das  vom  Vaterkurz
  vor  seinem  Tode  dicht  bei  der  Fabrik,  aber  nahe  an  der  alten  Elbe  erbaute,
herrliche  Wohnhaus  der  Familie  Lubbe  blieb  unversehrt.
Der  Chef  selbst  war  geschäftlich  in  Berlin,  wurde  telegraphisch  zurückgerufen,
fand  aber  nur  m&amp;gt;cf&amp;gt;  die  rauchenden  Trümmer  vor.  Jetzt  galt  es,  schnell  Entschluß
zu  fassen.  Die  Abnehmer  wurden  von  dem  Angliick  verständigt  und  abgefunden
oder  aus  spätere  Lieferung  vertröstet.  Dann  aber  wurde  eine  kleine  Fabrik  an  der
Berliner  Chaussee,  in  der  die  Firma  Gustav  Lubbe  hatte  Firnis  kochen  lassen,
provisorisch  zur  Äerstellung  von  Kokosöl  hergerichtet  und  endlich  Pläne  für
den  Wiederaufbau  der  Fabrik  auf  dem  Werder  entworfen  und  dem  Magistrat
vorgelegt.  Doch  im  letzten  Augenblicke  änderte  Otto  Lubbe  seine  Entschließung.
Wohl  geleitet  von  der  Erwägung,  daß  das  Grundstück  auf  dem  Werder,  wollte
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man  nicht  den  zum  Wohnhause  gehörigen  Garten  zerstören,  keine  geniigende  Ausdehnung ­
  der  Fabrik  jfür  die  Zukunft  sicherstelle,  entschied  er  sich  dasiir,  ein  großes
Grundstück  an  derBerlinerChaussee  zu  erwerben  und  dort  eineFabrik  anzulegen,
die  nicht  von  vornherein  durch  Nachbargrundstücke  usw.  eingeengt  sei.  Das  Gelände ­
  der  altenFabrik  wurde,  nachdem  die  Trümmer  geräumt  waren,  zum  Garten
des  Wohnhauses  hinzugeschlagen.  Dagegen  erhob  sich  an  der  Berliner  Chaussee,
durch  eigene  Schienenstränge  an  die  Staatsbahn  angeschlossen,  eine  geräumig
angelegte  Fabrik  rnit  weitläufigen  Lösen  und  ausreichendein  freien  Platz  st'ir
die  inzwischen  des  öfteren  erfolgten  Vergrößerungen.  Der  erste  Spatenstich
wurde  am  28.  März  1891  getan,  und  schon  im  Oktober  1891  wurde  der  Betrieb,
wenn  auch  zuerst  in  beschränktem  Kmsange,  aufgenommen.  Nach  zehnjährigem
Arbeiten  konnte  sich  die  neue  Fabrik  rühmen,  mit  etwa  200  Arbeitern  dreimal
soviel  Ware  zu  erzeugen,  als  die  Vorgängerin  aus  dem  Werder  vermocht  hatte.
Eines  trefflichen  Rufes  erfreuen  sich  auch  ihre  aus  den  Fabrikationsrückständen
hergestellten  Futtermittel,  die  Lubbeschen  Palmkernkuchen  und  Kokoskuchen.
Otto  Lubbe  sorgte  aber  auch  noch  aus  andere  Weise  für  die  Entwickelung
seiner  Firma.  Schon  zu  Ende  der  70  er  Jahre  erwarb  er  eine  in  der  Nähe  der
Strombrücke  gelegene  Ausladestelle  (Kleiner  Werder  10).  Dort  ließ  er  eine  Kaimauer ­
  bauen  lind  einen  Schuppen  mit  zwei  Kränen  zürn  Ausladen  der  für  seine
Fabrik  und  seirr  Landlungshaus  bestimmten  Güter  errichten.  Gleiche  Rührigkeit
zeigte  die  Abteilung  st'ir  Larrdel.  Den  Veränderungen  im  Wirtschaftsleben
sich  anschmiegend,  gab  die  Firnra  Gustav  Lubbe  zu  Ansang  der  90  er  Jahre
den  Larrdel  mit  Läuten  aus.  Auch  sonst  wechselten  die  Waren  vielfach,  die  von
der  Firma  gesrihrt  wurden.  Gegenwärtig  vertreibt  sie  die  Erzerrgnisse  ihrer
Fabrik,  wie  Palrnkernöl,  Kokosöl,  Palnrkuchen  rnrd  Kokoskuchen,  rnrd  die  zur
Versorgung  der  Seisensabrikerr  notwendigsten  Rohprodukte.
Nachdem  wir  gesehen  haben,  wie  Otto  Lubbe  der  rechte  Mann  war,  um  seine
Geschäfte  aus  bescheidenen  Ansängen  heraus  zu  großerr  hochbederrterrderr  Llnternehmungen
  emporzuheben,  wollen  wir  ihm,  wollen  wir  seiner  Person,  wollerr  wir
seinem  öffentlichen  Wirken  gerecht  zu  werden  suchen.  Noch  isst  die  Wunde  nicht
vernarbt,  die  uns  allen,  die  wir  ihm  nahe  standen,  sein  Tod  riß.  Möge  es  uns
daher  erlaubt  sein,  ihm  Worte  herzlich  dankbarer  Erinnerung  nachzurufen.
Geboren  am  20.  August  1842,  trat  Otto  Lubbe  bald  nach  Absolvierung  der
Gewerbe-  und  Landelsschule  bei  Loesner  &amp;amp;  Schoch  in  die  Lehre.  Nachdem
er  seiner  Militärpflicht  genügt  und  mit  feinern  Bruder  Fritz  größere  Reisen  nach
England,  Norwegen  und  Rußland  unternommen  hatte,  um  die  Verbindungen
lind  Bezugsquellen  des  väterlichen  Großhandelsgeschäftes  kennen  zu  lernen,
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        61

erhielt  er  mit  23  Jahren  Prokura  im  väterlichen  Geschäft.  Mit  29  Jahren  wurde
er  —  nach  des  Vaters  Tode  —  Mitinhaber,  mit  35  Jahren  Alleininhaber  der
Firma  Gustav  Lübbe.  Sehen  wir  davon  ab,  daß  er  eine  Zeitlang  Landelsrichter
und  bis  zum  Tode  Mitglied  des  St.  Iohannis-Kirchenrates  war,  so  kann  man
sagen,  daß  er  seine  Kräfte,  die  er  öffentlichen  Angelegenheiten  widmete,  zwischen
der  Landelskammer  und  der  Stadtverwaltung  gleichmäßig  verteilte.  Wie  hoch
seine  Tätigkeit  von  den  Behörden  der  Stadt  geschätzt  wurde,  das  bezeugen  die
Worte,  die  ihm  kurz  nach  seinem  Tode  der  Stadtverordnetenvorsteher,  Lerr
Kommerzienrat  Fritze,  widmete  (siehe  Anhang).  Lier  wollen  wir  ihn  zu  schildern
suchen,  wie  er  sich  im  Ältesten-Kolleginm  und  in  der  Landelskammer  gab.
Fünf  Minuten  vor  Beginn  jeder  Sitzung  —  und  er  versäumte  keine  Vollsitzung,
  kaum  je  eine  Kommissionssitzung  —  erschien  Otto  Lübbe.  Seine  Pünktlichkeit ­
  war  bekannt,  fast  gefürchtet  von  denjenigen,  die  Arsache  hatten,  sie  als
stillen  Vorwurf  zu  empfinden.  Lochaufgerichtet  war  Lübbes  Gestalt,  gerade,
wie  sein  Charakter.  Einfach  und  unauffällig  kleidete  er  sich;  aber  sein  jugendliches
Gesichtin  grauemBartund  grauem  gelichteten  Laar  und  sein  ruhiges  freundliches
Auge  gaben  seiner  Erscheinung,  die  eine  gewisse  Steifheit  nur  schiver  überwand,
etwas  Vornehmes  und  Würdevolles.  —  Ein  freundlicher  Blick,  falls  alles  in
Ordnung  war  —  und  er  kümmerte  sich  auch  darum,  daß  die  Fensterriegel  gerade
und  sorgsam  zugedreht  seien!  —,  ein  stets  freundlicher,  herzlicher  Druck  seiner
charaktervollen  Land,  und  er  ging  ohne  Amschweife  an  die  Arbeit.  Mit  heiligem
Ernst  behandelte  er  alles,wasihm  oblag  zu  erledigen  oder  zuüberwachen.  Gleiche
Liebe  wandte  er,  als  echter  Kaufmann,  den  scheinbar  kleinen  wie  beit  großen  Angelegenheiten ­
  zu.  Wo  er  Vertrauen  hegte,  ließ  er,  sobald  er  sich  überzeugt  hatte,
daß  man  ihm  nicht  unnötig  vorgreife,  gern  freie  Land.  Keine  Ruhe  aber  gönnte
er  sich  selbst,  bis  er  sich  auch  in  die  ihm  ferner  liegenden  Gebiete  volkswirtschaftlicher ­
  Probleme  eingearbeitet  hatte,  deren  Kenntnis  sein  Amt  als  Vorsteher  von
ihm  forderte.  Eine  ruhige,bedachteNatur,nicht  leicht  aus  derFassung  zubringen,
kannte  er  doch  die  Gefühle  heiligen  Zornes,  sobald  er  sehen  mußte,  daß  dem
Stande,  dem  anzugehören  er  mit  Recht  für  eine  hohe  Ehre  hielt,  im  deutschen
Reiche  die  Achtung  und  das  Ansehen  vorenthalten  wurde,  die  ihm  gebühren.
Für  seine  eigene  Person  strebte  er  nicht  nach  Anerkennung  und  Ehren.  Selbst
Anrecht,  das  ihm  zugefügt  wurde,  wußte  er  gelassen  zu  tragen  und  schnell  zu
vergessen.  Mit  ganzer  Seele  hing  er  an  seiner  Familie,  an  seiner  Frau,  die  ihn
wunderbar  ergänzte,  und  an  seinen  Kindern  und  Kindeskindern.  Manchmal  schien
es,  als  sehne  er  sich  ans  dem  großen  Leben,  das  ihn  gefangen  nahm,  nach  der
Stille  seines  friedlichen  Leims,  als  wäre  es  fein  Ernst,  daß  er  im  Frohsinn  des
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Kreises  seiner  Familie  und  der  Familie  seines  Sohnes  und  Mitarbeiters  Gustav
Embbe  volle  Geniige  gefunden  hätte.  Aber  das  öffentliche  Leben  ist  ein  merkwürdig ­
  Ding.  Wen  es  gepackt  hat,  den  läßt  es  nicht  los,  und  die  Schultern  seiner
führenden  Persönlichkeiten  belastet  es  mehr  und  mehr  mit  Ehren  und  mit  harter
Arbeit  —  unnachsichtig!  Otto  Embbe  war  sich  dessen  bewußt,  was  von  ihm  verlangt ­
  wurde.  Was  von  der  Magdeburger  Handelsvertretung  unter  seiner
Leitung  geleistet  worden  ist,  darüber  gibt  eine  besondere,  ebenfalls  zum  19.  Mai
erschienene  Festschrift  Auskunft.  Vieles  darf  ihm  selbst  zugeschrieben  werden,
so  sein  Wirken  siir  die  Reorganisation  des  Deutschen  ÄandelStages,  für  die
Gründung  des  Verbandes  mitteldeutscher  Handelskammern  und  endlich  siir
die  Amwandlung  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  in  eine  Handelskammer.
Es  ist  überflüssig,  weiteres  aufzuzählen,  ivar  er  doch  überall  Führer  und  Lenker.
Bei  der  Leitung  der  Versammlungen  des  Kollegiums  bewahrte  er  ein  seltenes
Gleichmaß.  Am  liebsten  und  auch  am  sichersten  wirkte  er  durch  das  Beispiel,
womit  er  selbst,  ernst,  ohne  Verzug  unt&amp;gt;  ausdauernd  seine  Pflicht  tat.  Niemals
wurde  er  schroff;  kaum  je  griff  seine  Land  zur  Glocke  und  dann  nur  wie  zum
Scherz  oder  mit  sichtlichem  Widerstreben,  höchstens  den  Nachbarn  zur  Rechten
und  Linken  gegenüber  machte  er  in  halblauten  Bemerkungen  seinem  Anwillen
Luft,  wenn  jemand  die  Arbeit  allshielt,  sei  es  durch  Ansachlichkeit,  sei  es  durch
zll  große  Ausführlichkeit.  «Seine  Ruhe  teilte  sich  denl  galizell  Kollegium  nlit.
Da  war  feiner,  der  sich  nicht  seiner  freundlichen  Leitung  gern  unterwarf.  Es  gab
Leute,  die  Otto  Äubbe  siir  stolz,  fast  hart  hielten;  aber  er  war  es  nicht.  Ewch
mld  niedrig  galten  ihm  gleich,  und  hart  erschien  er  nur  da,  lvo  Personen  oder
Personenkreise  auf  ihre  Rechte  pochten,  ohne  genügend  ihrer  Pflichten  eingedenk ­
  zll  sein.  Der  Mann,  der  sich  selbst  keine  Rllhe  gönnte,  der  Tag  für  Tag
von  früh  6  Ahr  an  nicht  mir  siir  sein  Geschäft,  sondern  selbstlos  siir  andere  und
siir  das  Wohlergehen  seiner  von  ihm  innig  geliebten  Vaterstadt  Magdeburg
sorgte,  er  konnte  es  nicht  fassen,  wenn  andere  des  Tages  muntere  Freuden  dem
Ernste  emsigen  Schaffens  vorzogen.
And  dann  kamen  zuletzt  die  bösen  Tage  schweren  Krankseins;  erst  melt&amp;gt;efen
sich  seife  Schmerzen,  die  er  lmige  zu  verheimlichen  suchte.  Noch  feierte  er  am
4.  Januar  1904  das  schöne  Fest  seines  25jährigen  ZugehörenS  zum  Kollegium
der  Kaufmannschaft.  Nur  wenige  Menschen  ahllteir  damals,  daß  er  sich  schon
recht  ernstlich  krank  fühlte.  —  Noch  ein  Mal,  am  22.  Jan.  1904,  leitete  er  die
Vollversammlung  der  Handelskammer,  die  er  mit  dem  Ausdrucke  unmutigen
Bedauerns  eröffnete,  daß  die  Regierung  gesonnen  sei,  ans  den  Mittellandkanal
zu  verzichten  und  dafiir  nur  einen  Rumpfkanal  —  bis  Hannover  —  zll  bauen!
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        63

Es  war  seine  letzte  Tat  im  Kreise  der  treuen  Freunde,  die  er  in  derÄandelskammer
zurückließ.  Eine  Operation,  der  er  sich  unterzog,  brachte  nicht  die  erhoffte  Gesundung; ­
  so  wurde  er,  was  allen  unbegreislich  schien,  statt  zu  genesen,  schwächer
und  schwächer.  Von  Zeit  zu  Zeit  tras  eine  Botschaft  aus  dem  blumengeschmiickten
Garten  ans  dein  „Großen  Werder"  ein,  die  den  Beweis  brachte,  daß  Otto  Lubbe
noch  mit  ganzem  Lerzen  treu  der  alten  Arbeitsgenossen  gedachte.  Manchmal  schien
es  besser  zu  werden.  Er  konnte  durch  den  Garten  gehen,  freute  sich  an  den  Blumen,
den  wundervollen  blauen  Glycinien,  an  dem  Gesang  der  Vögel  und  besonders
an  den  munteren  Spriingen  und  dem  kecken  Wesen  seines  kleinen  Enkels  Gustav,
der  ihm  die  gliickliche  Zukunft  der  Familie  Lubbe  repräsentierte.  Dann  wurde
es  dunkler  um  ihn;  die  rechte  Lebenszuversicht  schwand,  die  bis  zur  letzten  Stunde
unermüdliche,  treue  Pflegerin  hielt  ihn  mit  ihrer  Zuversicht  lange  allsrecht,  aber
schließlich  verlor  er  doch  den  Mut.  Der  Zutritt  zu  seinem  Lause  ward  schwierig
und  schwieriger,  und  alle  fragten  nur  noch:  „Wann  wird  das  Ende  eintreten?"
Liber  der  kräftige,  sonst  so  gesunde  Körper  hielt  der  Krankheit  monatelang  stand,
und  erst  in  der  Nacht  vom  24.  zum  25.  Oktober  verschied  er.
Zn  dem  Nachruse,  den  die  Landelskannner  ihrem  Ersten  Vorsteher  widmete,
als  der  Tod  seinen  arbeitreichen  Erdentagen  ein  Ziel  gesetzt  hatte,  heißt  es:
„Nun  sind  seine  Augen  geschlossen,  die  über  seinen  kaufmännischen  und  industriellen  Unternehmungen ­
  mit  kluger  Sorge  wachten,  sein  Lerz  steht  still,  dessen  Pulsschlag  der  Familie  und
den  Angehörigen,  den  Freunden  und  den  Untergebenen  galt,  die  Land  ist  entkräftet,  die  so
gern  wohltat,  der  Geist  ruht,  der  von  früh  bis  spät  das  wirtschaftliche  Gedeihen  von  Industrie,
Landet  und  Schiffahrt  Magdeburgs  und  des  geliebten  Vaterlandes  zu  fördern  trachtete.
Wir  stehen  erschüttert  an  der  Bahre  unseres  Ersten  Vorstehers,  unter  dessen  Leitung  jene
Beschlüsse  gefaßt  wurden,  die  der  amtlichen  Landelsvertretung  Magdeburgs  auf  Jahrzehnte
hinaus  Ordnung  und  Richtung  geben  werden.
Der  Wohlstand,  der  ihn  umgab,  das  Glück  in  seiner  Familie,  die  äußeren  Ehren,  die  ihm
reichlich  zufielen,  keinen  Würdigeren  konnten  sie  zieren.
Ans  aber  und  unseren  Nachfolgern  soll  seine  Person  unvergeßlich  im  Gedächtnis  bleiben;
denn  er  war  ein  Kaufmann  von  echtem  Schrot  und  Korn,  rechtlich  und  ehrbar  im  Lande!  und
Wandel,  von  größter  Pflichttreue,  voll  eiserne»  Fleißes,  in  unserem  Kollegium  ein  Gegensätze
ausgleichender  Vorsitzender  und  unser  von  uns  allen  hochverehrter  Kollege  und  lieber  Freund!"
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        64

B==  13

Wilhelm  Zuckschwerdt.

»1  -  :  f"
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        65

Wilhelm  Zuckschwerdt
König!.  Kommerzienrat
in  Firma:  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuchel
Erster  Vorsteher  der  Handelskammer  seit  dem  9.  Dezember  1904
und  seine  Vorfahren.
Quellen:  Schriftliche  Aufzeichnungen  von  Franz  Zuckschwerdt,  Bruder  des  Ludwig  Zuckschwerdt,
datiert  vom  März  1868.  Tagebuch  des  Kaufmanns  Ludwig  Zuckschwerdt.  Mündliche  Mitteilungen
von  Familienangehörigen.  Akten  der  Handelskammer.  Handelsregister.  Briefe  von  L.Zuckfchwerdt,
W.Dommerich,  Familienangehörigen  und  Freunden  usw.,  namentlich  aus  den  Jahren  1829,1833,1834,
1843  und  1847-1848.
Familie  Zuckschwerdt  stammt,  wie  mehrere  hervorragende  Mägdej
  burger  Kaufmannsfamilien,  aus  dem  Braunschweigischen.  Der  erste
Sproß  der  Familie,  der  nachweislich  nach  Magdeburg  kam,  ist  Georg
Zuckschwerdt,  der  Ende  des  18.  Jahrhunderts  als  Inhaber  der  Firma  Georg
Zuckschwerdt,  später  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Schneider,  ein  angesehener  Magdeburger
Kaufmann  und  Seidensabrikant  war.  Liber  der  Begründer  des  gegenwärtig  in
Magdeburg  allein  noch  vorhandenen  Zweiges  ist  der  Neffe  von  Georg  Zuckschwerdt,
  Namens  Elias  Christian  Ludwig  Zuckschwerdt.
I.  Elias  Christian  Ludwig  Zuckschwerdt.
Ludwig  Zuckschwerdt  wurde  am  1.  April  1791  als  vierter  Sohn  des  Pastors
I.C.  Zuckschwerdt  zu  Flechtors  geboren.  Zm  Jahre  1800  wurde  der  Vater  als
Superintendent  nach  Barum,  südlich  Braunschweig,versetzt.  DasLebenimZuckschwerdtschen
  Lause  war,  den  ländlichen  Verhältniffen  angemessen,  einfach,  doch
ist  auf  die  Erziehung  der  Kinder  durch  Anstellung  tüchtiger  Lauslehrer  großer
Wert  gelegt  worden.  Der  vierte  Sohn,  mit  dem  Rufnamen  Ludwig,  hatte  zwar
eine  ruhige  Gemütsart,  doch  war  er  wißbegierig  und  tatendurstig.  Wenn  er  von
seinen  Geschwistern  zu  viel  geneckt  wurde,  so  liebte  er  es,  sich  zurückzuziehen  »nd
sich  allein  zu  beschäftigen,  und  früh  zeigte  er  hierbei  Talent  und  Neigung  zum
Kaufmannsberus,  die  von  dem  freundlichen  und  wohlhabenden  Onkel  Georg
Zuckschwerdt  aus  Magdeburg  bei  seinen  Besuchen  geweckt  inid  angeregt  wurden.
So  fertigte  sich  denn  z.  B.  Ludwig  in  der  Stille  eigene  kleine  Geschäftsbücher
an,  liniierte  sie  und  schrieb  Geschäftsbriefe  und  Warenberechnnngen  hinein;
er  stillte  Schachteln  inid  Kisten  mit  allerlei  Stoffen  an,  ordnete  sie  zu  einem
Warenlager  und  tauschte  neue  Gegenstände,  deren  Wert  er  genau  zu  taxieren
ßlchte,  gegen  Stricke  seines  Lagers  ein.
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        66

Nach  seiner  Konfirmation,  die  sein  damals  schon  schwächlicher  und  halb  erblindeter ­
  Vater  im  Jahre  1805  vollzog,  trat  Ludwig  als  „Lehrbursche"  bei  dem
Kausmann  G.  L.  Dommerich  zu  Braunschweig  (Ecke  der  Löhe-  und  Stecherstraße) ­
  ein.  In  dieser  kürzlich  errichteten  kleinen  Gewürz-  und  Kolonialwarenhandlung ­
  war  Ludwig  Zuckschwerdt  einziger  Lehrling.  Viel  war  dort  anfangs
weder  zu  tun  noch  zu  lernen,  so  daß  man  seiner  Treuherzigkeit  zumutete,  abwechselnd ­
  mit  der  Prinzipalin,  deren  erstes  Kind,  Wilhelm  Dommerich,  511  wiegen
und  auf  seinen  Armen  umherzutragen.  Das  tat  er  denn  auch  willig  lind  unverdrossen ­
  und  erwarb  sich  damit  das  Vertrauen  dieses  humanen  Ehepaares,  das
ihn,  nachdem  der  sriihe  Tod  des  Vaters  Zuckschwerdt  (1806)  die  Mutter  mit  ihren
11  Kindern  in  eine  mittellose  Lage  versetzte,  ganz  iit  ihre  Fürsorge  übernahm.
Die  nun  folgende  französisch-westfälische  Zeit  brachte  zwar  vielen  Kausmannssamilien
  Braunschweigs  schwere  Sorge  oder  gar  wirtschaftliche  Vernichtung,
aber  sie  ermöglichte  auch  hier  und  da  jungen  unternehmenden  Kallfleltten  sich
zu  betätigen  lind  emporzukommen.  Dazu  gehörte  das  Laus  Dommerich.
Infolge  der  voll  Napoleon  verhängten  Kontinentalsperre  lag  Braunschweigs
Landel  mit  England  völlig  danieder,  die  Preise  fiir  Kolonialwaren  stiegen,  lnld
llur  bei  den  großen  öffentlichen  fiskalischen  Auktionen  konfiszierter  Kausmannswaren
  (wie  schließlich  anet)  durch  Schmuggelei)  konnten  diese  Wareil  zu  annehmbaren
  Preisen  beschafft  werden.  So  kanl  es  dem  Lause  Dommerich  zugllte,  daß
die  öffentlichen  Auktionen  auf  dem  nahegelegenen  Packhose  abgehalten  wurden,
dessenInspektorundLeiterDommerichsSchwagerIlligerwar.  DieBeziehungen
ergaben  sich  da  von  selbst.  Er  benutzte  die  ihm  glücklichen  Verhältnisse,  griff  zu
lmd  lvllßte  fein  Geschäft  auszudehnen.  Zu  denl  Wareilgeschäst  fügte  er  ein  Kommissions- ­
  und  Spediüonsunternehmen,  und  LudlvigZllckschwerdtsalld  son,ithochwillkommene
  Gelegenheit,  sich  in  umfangreichen  und  mannigfaltigen  Arbeiten  zu
betätigen.  Besonders  in  der  Korrespondenz  wurde  er  rasch  der  unentbehrliche
Gehilfe  seines  Prinzipals.  Er  wurde  „Landlungs-Kommis",  erwarb  sich  reichliches ­
  Salär  und  erzielte  Äberschüffe,  so  daß  er  seine  Mutter  lnld  seine  jüngeren
Geschwister  unterstützte,  lvie  er  denn  überhaupt  nie  in  seinem  Lebeil  vergaß,  die
LiebezudenSeinigenzubetätigen.  Ludwigs  Streben  nach  guter  Fachbildlmg  und
einer  geachteten  Lebensstelllnlg  führten  ihll  dazu,  lvie  sehr  il&amp;gt;n  auch  die  Arbeiten
in  Donlmerichs  Geschäft  in  Ansprllchnahmen,seinekargen  Rllhestlmden  derAusbildllng
  vor:  Körper  lind  Geist  zu  widmen.  Er  lvollte  damit  selbständig  fiir  eine
feste  Grundlage  seines  späteren  Fortkommens  sorgen.  So  nahm  er  Unterricht  in
Geographie,  den  Landelswiffenschaften  und  in  der  französischen  Sprache,  aber
auch  im  Tanzen  und  Reiten.  Es  sei  erwähnt,  daß  er  in:  Jahre  1818  mit  anderen
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jungen  Herren  in  ein  bürgerliches  Neiterkorps  eintrat,  das  in  erster  Li,ne  dem
Schutze  der  Stadt  dienen  sollte,  dann  aber  auch  bei  den  Empfangsfeierlichkeiten,
die  dem  aus  England  zurückkehrenden  Herzog  Friedrich  Wilhelm  galten,  Ver-Wendung
  fand.  Ludwig  Zuckfchwerdt  soll  dort  auf  seinem  schwarzen  Roste,  bekleidet ­
  mit  schwarzem  Frack  und  schwarzem  Beinkleid,  gelber  Weste  und  hohem
Stutzhut  mit  blau-gelbem  Busch,  zurSeite  den  krummen  Säbel  in  gelber  Scheide,
eine  treffliche  Reiterfigur  abgegeben  haben.
Nach  Beendigung  der  Freiheitskriege  ordneten  sich  bald  wieder  die  Handelsverhältnisse ­
  der  Stadt  Braunschweig,  und  das  Haus  Dommerich  nahm  nun  Beziehungen ­
  nach  England,  Rußland,  Dänemark  usw.  auf.  Ludwig  Zuckfchwerdt,
als  erster  Gehilfe  der  Firma,  erzielte  mancherlei  Nebenverdienste,  die  er  fiir  seine
Zukunftspläne  sicherte.  Daneben  gedachte  er  in  alter  Weise  seiner  Mutter  (gest.
am  1.  Äug.  1830)  und  Geschwister.  Er  veranlaßte  sie  im  Jahre  1817  zur  Übersiedelung ­
  nach  Braunschweig  und  richtete  ihnen  ein  behagliches  Heim  her.  Doch
nichtlangebliebdieFamilieZuckschwerdt  inBrannschweig  vereinigt.  In  Ludwig,
der  mehr  als  12  Jahre  hindurch  dem  Hause  Dommerich  treu  gedient  hatte,  regte
sich  nlächtig  der  Trieb,  sich  eine  selbständige  Existenz  zu  schaffen,  und  er  hatte  das
Gliick,  die  Zustimmung  und  Unterstützung  seines  Prinzipals  zu  erlangen,  der  ihm
sogar  auch  einen  zureichenden  Kredit  gewährte.  In  Magdeburg  erkannte  Ludwig
Zuckschwerdt  das  beste  Feld  für  die  Betätigung  seiner  vorzüglich  geschulten  kausmännischenFähigkeiten.
  Die  Bestrebmlgenderpreußischen  Regierung,  den  Kolonialwarenhandel
  in  das  Herz  der  Provinz  Sachsen  zu  ziehen,  waren  fiir  Magdeburg ­
  vorteilhaft,  und  die  Elbe  begünstigte,  wie  verwahrlost  auch  ihr  Stroinbett
damals  war,  als  „natürliche  Verkehrsader",  zumal  da  man  nach  Abschluß  der
Napoleonischen  Wettkämpfe  ans  eine  Zeit  langen  Friedens  hoffen  durste,  das
Emporblühen  des  seit  alters  her  bewährten  Binnennmschlagplatzes.  Dazu  kam
die  Erwartung,  daß  sich  die  damals  viel  erwogenen  Pläne  eines  Zollvereins  der
deutschen  Staaten  unter  Preußens  Führung  bald  verwirklichen  würden,  und  daß
das  Fallen  der  Binnenzölle  in  Deutschland  und  ebenso  das  Fallen  der  Elbzölle
(erst  1867  endgiiltig  erreicht)  ein  frisches  Emporstreben  der  preußischen  Handelsstädte ­
  zur  Folge  haben  werde.
Als  so  der  Ort  fiir  die  kiinstige  selbständige  Tätigkeit  gesunden  war,  sicherte  sich
Ludwig  Zuckschwerdt  nicht  nur  weiteren  Kredit  von  Freunden  und  Verwandten
(darunter  Georg  Zuckschwerdt-Magdeburg),  sondern,  indersestenZuversicht,  daß
das  Geschäft  bald  einen  größeren  Amsang  annehmen  werde,  aucf&amp;gt;  die  Mitarbeit
eines  treuen  Freundes,  des  jungen  Kaufmanns  Beuche!  aus  Wolfenbiittel.
Zum  I.Juni  1818  sollte  die  Firma  unter  dein  Namen  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuchel
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        68

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eröffnet  werden.  Freunde  der  jungen  strebsamen  Kaufleute  wohnten  in  Magdeburg ­
  und  in  Braunschweig,  und  sie  alle  verabredeten  sich,  den  Tag  zu  einem
Festtag  zu  erheben.  In  Lelmstedt,  zur  Lälfte  des  Weges  zwischen  ben  beiden
Städten,  sollte  die  Feier  begangen  werden.  Von  Braunfchweig  auszogen  auf
Z  Reitpferden  und  in  3  Kutschen  insgesamt  15  junge  Männer  früh  am  trüben
Morgen  des  1.  Juni  aus  und  langten  um  11  '/ 2  Ahr  zu  Lelmstedt  im  Gasthofe
„zur  Stadt  Braunschweig"  an,  wo  bereits  die  Magdeburger  Freunde  in  fast
gleicher  Zahl  sich  eingefunden  hatten.  Die  gegenseitige  Vorstellung  und  herzliche
Bewillkommnung  veranlaßte  von  vornherein  eine  höchst  angeregte  Stimmung
der  Gesellschaft,  die  beim  Glase  Wein  durch  den  Austausch  kriegerischer  Er-!
  innerungen  und  Abenteuer  aus  den  Freiheitskriegen,  welche  die  Mehrzahl  der
Anwesenden  mitgemacht  hatten,  noch  zunahm.  Kleine  Reibereien  persönlicher
Art  blieben  jedoch  nicht  aus,  und  die  Stimmung  drohte  ernstlich  umzuschlagen.
Da  hatten  2  Jünglinge  jovialer  Gemiitsart  den  guten  Einfall,  ein  leeres  Weinfaß ­
  als  „Symbol  des  Anstößigen"  mit  Verwünschungsformeln  durch  das  offene
Fenster  hinauszubefördern.  Diese  symbolische  Handlung  tat  ihre  Wirkung.  Sofort ­
  kehrten  Eintracht  und  Jubel  zurück,  ja  es  wurden  sogar  die  Paffanten  auf
der  Straße  von:  Frohsinn  angesteckt,  die  vermeinten,  die  Zeiten  feien  wiedergekehrt, ­
  da  .Helmstedt  noch  Aniversität  war  (1809  vom  Königreich  Westfalen  aufgehoben ­
  und  nach  Göttingen  verlegt).  Die  gestörte  Tafelordnung  wurde  wieder
hergestellt  und  im  Gesänge  von  Gelegenheitsgedichten,  verfaßt  vom  Bruder
Franz,  fand  die  gehobene  Stimmung  liebenswürdig  bewegten  Ausdruck.  Mit
großer  Rührung  fang  Ludwig  Zuckfchwerdt  das  ihm  zugedachte  Solo.  Aus
dieser  Zeit  unendlich  feinerund  leicht  erregter  Empfindungen  ist  es  nicht  seltsam
zu  hören,  daß  sich  zum  Schluß  die  Gesellschaft  in  Gruppen  und  Paare  auflöste,
die  sich  umarmten,  küßten  und  von  Zeit  zu  Zeit  in  Reden  ihren  tiefen  Gefühle,!
Luft  machten.  In  der  Dämmerung  des  Abends  schieden  die  Braunschweiger
Freunde,  die  Magdeburger  aber  zogen  dem  Domizil  der  neuen  zukunftsreichen
Firma  Zuckfchwerdt  &amp;amp;  Beuche!  guten  Mutes  entgegen.  Die  Firma  errichtete  ihr
Kontor  in  der  Knochenhauerufer-Straße  (jetzt  Nr.  1,  Ecke  des  Krummen  Berges.
Das  „Zirkular",  womit  sie  ihr  neues  Llnternehmen  empfahl,  lautete:
„hierdurch  beehren  wir  uns  Ihnen  erg.  anzuzeigen,  daß  wir  an,  heutigen  Tage  aus  hiesigem
Platze  ein  Kommissions-,  Speditions-  und  Waren-Geschäst  errichtet  haben.
Unser  Zuckfchwerdt  arbeitete  seit  beinahe  15  Jahren  in,  Geschäfte  des  Herrn  Georg  Ludwig
Dommerich  in  Braunschweig  und  unser  Beuchet  in  den  sehr  angesehenen  hiesigen  Läufern  der
.Herren  Morgenstern  &amp;amp;  Comp,  und  der  Herren  Robrahn  &amp;amp;  .Hildebrandt.  —  Bon  unseren  Unterschriften ­
  ersuchen  wir  Sie,  gefälligst  Bemerkung  zu  machen,  keiner  anderen  Glauben  beizumessen,
und  die  Versicherung  unserer  wahren  .Hochachtung  anzunehmen.  Zuckfchwerdt  &amp;amp;  Beuchet."
jy  rt
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        69

Nun  ging  es  ernst  an  die  Arbeit!  L.  Zuckschwerdt  besorgte  die  Korrespondenz
und  die  Aufsicht  über  das  Kontor,  während  Beuche!  die  Warenkontrolle  ausübte
und  die  Geschäftsreisen  machte.  Zwei  Lehrlinge,  Winter  und  Pabitzky,  waren
von  Ansang  an  im  Kontor  beschäftigt.
Die  Geschäfte  der  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuche!  gingen  dank  der  anstrengenden ­
  und  geschickten  Tätigkeit  der  Inhaber  gut  vonstatten,  so  daß  schon  am
Schluffe  des  ersten  Kalenderjahres  eine  Erweiterung  derTätigkeit  gewagt  wurde;
und  zwar  gründete  die  Firma  zusammen  mit  dein  Lause  G.  L.  Dommerich  iu
Braunschweig  unter  derFirma  Dommerich  &amp;amp;  Eo.  in  Buckau  bei  Magdeburg  eine
Zichorieusabrik.  über  die  Gründe,  die  für  die  Errichtung  einer  solchen  Fabrik
sprachen,  gibt  das  Geschästszirkular  Ausschluß.  Wir  bringen  es  hier  im  Abdruck,
weil  es  einen  Blick  aus  die  damalige  Finanzpolitik  der  deutschen  Bundesstaaten
zu  fürt  erlaubt.  Es  hat  folgenden  Wortlallt:
Magdeburg,  den  15.  Oktober  1819.
„hierdurch  beehre  ich  mich,  Ihnen  die  Anzeige  zu  machen,  daß  ich  in  Gemeinschaft  meiner
vieljährigen  Freunde,  der  Äerren  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuchet  in  Magdeburg,  daselbst  eine  Zichorien-Kaffee-Fabrik ­
  ganz  nach  Braunschweiger  Art  und  Weise  unter  der  Firma  von  Dommerich
  8-  Comp,  errichtet  habe.
Da  durch  das  neue  preußische  Akzise-  lind  Zoll-System  den  Braunschweiger  präparierten
Zichorien  nicht  allein  die  Einfuhr  in  die  preußischen  und  umgebenden  Staaten  durch  die  hohe
Steuer  versagt,  sondern  auch  durch  die  Durchfuhr  der  preußischen  Länder  dieses  Fabrikat  beiin
Versand  ab  Braunschweig  so  sehr  verteuert  wird,  so  entschloß  ich  mich,  denl  Wunsche  vieler
meiner  auswärtigen  Freunde,  ein  solches  Etablissement  aus  preußischem  Grund  und  Boden
zu  errichten,  nachzukommen,  und  glaube  dazu  keinen  zweckmäßigern  Platz  alsMagdeburg  wählen
zu  können,  indem  dieser,  außer  vielen  andern  Vorzügen,  ganz  besonders  in  Äinsicht  der  Verladungen ­
  nach  allen  Gegenden,  sowohl  zu  Wasser  als  zu  Lande,  so  bedeutende  Vorteile  gewährt.
Sie  werden  sich  durch  einen  Versuch  sowohl  hiervon,  als  von  der  Güte  des  Fabrikats  überzeugen, ­
  und  indem  ich  schließlich  nur  noch  höflich  ersuche,  von  beigefügtem  Zirkular-Schreiben
gefälligst  Bemerkung  zu  machen,  empfehle  ich  mich  Ihnen  achtungsvoll  uild  ganz  ergebenst
Georg  Ludewig  Dommerich."
Im  beigefügten  Schreiben  beilierkte  die  Firma  Dommerich  &amp;amp;  Co.  u.  a.:
„Unser  Augenmerk  ist  ganz  vorzüglich  darauf  gerichtet,  daß  unser  Fabrikat  auf  das  sorgfältigste ­
  bearbeitet  wird  lind  den:  echten  Braunschweiger  sowohl  an  Güte  als  Packung  durchaus ­
  nichts  nachgibt,  wofür  wir  bei  Errichtung  unserer  Fabrik  in  jeder  Einsicht  gesorgt  haben.
—  Wir  bitten  Sie  daher,  uns  mit  Ihren  geschätzten  Aufträgen  zu  beehren  und  versichert  zu
sein,  daß  wir  dieselben  stets  aus  das  pünktlichste  und  möglichst  billigste  ausführen  werden."  ...
Die  Leitung  dieser,  wenn  auch  nicht  großen,  so  doch  rentablen  Fabrik  wurde
dem  Braunschweiger  Jugendfreund  Ludwig  Zuckschwerdts,  F.  Bartels,  genannt
der  schivarze  Bartels,  anvertraut.  Gleichzeitig  mußten  die  Geschäftsräume  der
Magdeburger  jungen  Firma  erweitert  werden.  Sie  erwarb  daher  ein  Grund-
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        70

Elias  Christian  Ludwig
Zuckschwerdt.

Fra»  Therese  Zuckschwerdt
geb.  Kap-Herr.

stück  in  der  Spiegelbrücke  (Nr.  15;  heute  mit  Spiegelbriicke  14  zusammen  Sitz
der  Firma)  und  vermehrte  das  Geschästspersonal,  das  im  Jahre  1821  bereits
auf  12  junge  Leute  angewachsen  war.  Die  Jahre  1822  und  1823  brachten  die
Chefs  der  Firma  Zuckschwerdt  K  Beuchet  in  weitere  auch  persönlich  enge  Verbindung ­
  zu  einer  hochangesehenen  Magdeburger  Kausmannsfamilie;  im  März
des  Jahres  1822  verheiratete  sich  nämlich  Benchel  mit  „Demoiselle"  Louise
Kap-Herr  und  am  1.  Juni  1823  Ludwig  Zuckschwerdt  mit  deren  Schwester
Therese  Kap-Herr.
Am  26.  April  1826  kaufte  Ludwig  Zuckschwerdt  das  Laus  Spiegelbriicke  14
und  bezog  die  erste  Etage,  während  die  unteren  Räume  zu  Kontorzwecken  benutzt ­
  wurden.  Im  gleichen  Jahre,  am  1.  November,  gründeten  Zuckschwerdt  &amp;amp;
Beuchet  zusammen  mit  Wilhelm  Dommerich,  dein  Sohne  G.  L.  Dommerichs,
eine  Zuckerfabrik  in  der  Sudenburg,  die  bis  zum  Jahre  1850  unter  der  Firma
D.,  Z.  &amp;amp;  Beuchet  betrieben  worden  ist.
.  Das  Zuckerrasfineriegefthäft,  dessen  Ausnahme  der  Initiative  Ludwig  ZuckschwerdtS
  zugeschrieben  werden  darf,  während  mehrere  Konferenzen  mit  der
Firma  Dommerich  in  Braunschlveig  dasiir  sorgten,  daß  alles  wohl  überlegt
werde,  ging  so  gilt  vonstatten,  daß  schon  im  Lerbst  1827  der  Grund  zu  einer
Zweiten  Fabrik,  genannt  „Neue  Fabrik",  gelegt  wurde.
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        71

Die  erste  Hälfte  des  Jahres  1829  aber  war  für  die  Firma  sehr  drückend,  weil
bei  fortwährendem  Sinken  der  Zuckerpreise  kein  Absatz  der  Ware  51t  erzielen
war.  Auch  bei  Dommerich  in  Braunschweig  ging  es  recht  schlecht,  die  Firma
Michahellis  in  Hamburg  mußte  sogar  vorübergehend  aushelsen.  WilhelmDommerichs
  Briese  sind  voller  Klagen.  Fortgesetzt  brechen  in  Braunschweig  schwere
Konkurse  aus;  imSeptemberBönckendorf,  im  Oktober  KalmkSohn  und  schließlich ­
  im  Dezember  Julius  Degerier.  Voll  Sorge  fragt  da  Dommerich,  wenn  er
auch  von  größeren  Verlusten  frei  geblieben  war,  nach  seinen  Magdeburger  Unternehmungen; ­
  denn  es  war  ihmzuOhren  gekommen,  ZllckschwerdtLi  Beuche!  hätten
starke  Verluste  gehabt.  Im  Oktober  1829  entstand  sogar  das  Gerücht  in  Magdeburg, ­
  die  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuche!  sei  bankerott  geworden.  Immer  bestimmter ­
  trat  es  aus,  ausgeschmückt  mit  ganz  unglaublichen  Einzelheiten.  Als
die  Chefs  der  Sache  auf  den  Grund  gingen,  stellte  es  sich  heraus,  daß  alle  bösen
Gerüchte  von  einem  und  demselben  Manne  herriihrten,  bei  dein  sich  ausbrechende
Geisteskrankheit  in  Verleumdungssucht  äußerte.  Er  starb  übrigens  wenige  Tage
darauf,  nachdem  er  als  Quelle  der  falschen  Gerüchte  erkannt  worden  war.  Welcher ­
  Achtung  sich  die  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuche!  schon  damals  in  den  Kreisen
der  Magdeburger  Großkaufmannschast  erfreute,  geht  daraus  hervor,  daß  das
hochangesehene  Haus  Morgenstern  &amp;amp;  Co.  die  Firma  in  diesen  schweren  Tagen
mit  Rat  und  Tat  erfolgreich  unterstützte,  so  daß  sie  diese  böse  Episode  ohne
dauernden  Nachteil  durchmachte.  Zll  Ende  der  zwanziger  Jahre  errichtete  die
Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuchet  noch  eine  Kandis-  und  Zuckerwaren-Fabrik  aus
ihrem  Grundstück,  Spiegelbriicke  15,  baute  eine  Zuckerfabrik  in  Aschersleben  und
gründete  ein  Kohlengeschäst  in  Buckau,  das  sich  als  sehr  rentabel  erwies;  auch
entwickelte  sich  bei  ihr  im  Anschluß  an  das  Zuckergeschäft  ein  Bankgeschäft.  —
Dann  trat  eine  Zeit  mehr  des  Einerntens  als  des  Säens  ein.  Wir  dürfen  vermuten,
  daß  das  mit  den  persönlichen  Verhältnissen  Ludwig  Zuckschwerdts  zusammenhing. ­
  Waren  doch  nach  Jahren  des  größten  Gliickes  durch  schwereKra,Allheit ­
  seiner  Frau  Zeiten  aufreibenden  Schmerzes  für  ihn  eingetreten.  Ergreifende
Klagen  wenn  auch  voller  Ergebung  Hallen  uns  aus  seinen  Tagebüchern
übet*  das  Dahinsiechen  seiner  treuen  Lebensgefährtin  entgegen.  Aber  die  Bemühungen
  aller  Ärzte,  der  Magdeburger  Herren  DDr.  Reiche,  Voigtel  jun.  und
Brüggemann  und  selbst  des  großeil  berühmten  Berliner  Geheimrats  Graese
waren  vergeblich.  Am  11.  April  1831  wurde  sie  dem  irdischen  Dasein  entrückt.
Ludwig  Zuckschwerdt  folgte  ihr  anr  11.  November  1848,  als  eins  der  letzten
Opfer  der  damals  in  Magdeburg  wütenden  Cholera.  —  Es  war  eine  große
Auszeichnung  für  den  Inhaber  eines  lloch  llicht  alteingesessenen  Geschäftes,  daß
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        72

Ludwig  Zuckschwerdt  schon  am  10.  Juli  1827  als  stellvertretender  Ältester,  am
23.Januar  1831  als  Ältester  iu  das  Kollegium  der  Korporation  der  Kaufmannschaft,
  das  den  Namen  „Älteste  der  Kaufmannschaft"  führte,  berufen  worden
war.  Am  12.  Jan.  1836  war  er  sogar  zum  dritten  Vorsteher  und  am  4.  Jan.  1837,
nachdem  er  die  Wahl  zum  erstell  Vorsteher  abgelehnt  hatte,  zum  zweiten  Vorsteher ­
  gewählt  worden.  —  Außerdem  lvar  er  viele  Jahre  hindurch  Stadtverordneter ­
  ulld  Stellvertreter  der  städtischen  Abgeordneten  für  die  I.  Kammer.
Als  Ludwig  Zuckschwerdt  anl  13.  November  1848  begraben  wurde,  folgte  denl
Sarge  eine  große  Menge  Trauernder.  Sie  alle  werden  das  Gefühl  gehabt  haben,
daß  sie  eine  bedeutende  Persönlichkeit  zur  Ruhe  betteten,  deren  Werke  bestimmt
feien,  sie  lange  zu  überleben.
Wir  glauben,  das  Aildenken  dieses  großen  Magdeburger  Kaufmanns!  nicht
bester  ehren  zu  können,  als  durch  Veröffentlichung  voll  Briefen,  die  an  ihn  gerichtet ­
  sind  oder  alls  seinerFeder  stammen.  In  derAuswahl  müssen  wir  uns  leider
sehr  beschränken;  wir  wünschen  aber  erstens  an  Familienbriefen  zu  zeigen,  wie
Llldwig  Zuckschwerdt  bald  der  Berater  der  ganzen  Familie  wurde,  zweitens  an
Geschäftsbriefen,  wie  er  sich  früh  um  das  Eisenbahnwesen  nnb  ebenso  um  die
Zuckerfabrikation  und  ben  Zuckerhandel  kümmerte.  —  Zuerst  die  Familienbriefe!
Wir  unterdrücken  die  vorhandenen  Briese  aus  seiner  Schul-  und  Lehrzeit,  worin
der  brave  lind  steißige  Sohn  seiner  Frall  Mutter  verspricht,  itn  ernsten  Streben
nicht  nachzulassen;  wir  müssen  auch  bie  fänbetnben  Briefe  fortlassen,  die  er  später
mit  seiner  Nichte  Bertha  wechselte,  der  er  einmal  sechs  Lunde  schenkte  nnb  Briese
schrieb,  bei  derell  Durchlesen  Berthas  „Gesichtsmuskeln  eine  wahre  Strapaze
bestehen  mußten".  Wir  übergehen,  wie  Ludwig  als  Friedenstifter  wirkte  usw.  —
Zuerst  bringen  wir  einen  Brief  des  noch  Anverheirateten  an  seinen  Bruder  Franz
vom  Oktober  1821.  Lier  macht  die  Laune  des  jungen  Prinzipals,  der  sich  ohne
Sorgen  fiihlte,  ihre  Sprünge,  wir  erfahren  aber  auch,  daß  der  Freiheits-Kampf
des  griechischen  Volkes,  das  er  im  Geiste  der  klassischen  Zeit  „unsere  uralten  Vorfahren" ­
  nennt,  selbst  in  Braunschweig  und  Magdeburg  manche  Köpfe  begeistert
hatte.  Sodann  veröffentlichen  wir  einen  zweiten  Brief  an  Bruder  Franz,  weil
daraus  erhellt,  wie  die  ersten  starken  Fäden  gesponnen  wurden,  welche  die  Inhaber ­
  der  Firma  Zuckschwerdt  K  Beuchet  mit  der  Familie  Kap-Herr  verbanden.
Daun  folgt  eüiBriestderseineVerlobuugnütThereseKap-herrdertreuenMutter
bekannt  gibt,  die  er  —  nach  damaliger  Sitte—mit  Sie  anredet.  —  Zum  Schluß
ein  Brief  des  Geschäftsmannes  Zuckschwerdt,  der  seinen  Rat  bei  derVerwaltung
eines  Vermögens  erteilt,  wobei  er  über  seine  eigenen  Vermögensverhältnisse  eingehend ­
  "Aufschluß  gibt.  Wir  lassen  diese  Briefe  nunmehr  für  sich  sprechen.
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Erster  Brief  Ludwigs,  gerichtet  an  seinen  Bruder  Franz.
Magdeburg,  den  Sonnabend  Abend  als  den  6.  Oktober  1821.
Nachdem  ich  meinen  Bauch  mit  Butterbrodt  gestopt  und  mit  Birnen,  nämlich  Melonen-Birnen,
  verblecht  habe,  auch  eine  lange  fünfgroschens  Pfeife  mit  Zehn  Groschens  Tobak  gestopt
  angebrandt  und  recht  in  Brand  gebracht  habe,  setze  ich  mich,  halt!  eben  schlägt  es  81/2  Ahr
von  derIohanniskirche  odervondemThurme  desWeltgerichts-Gebäudes,  ausmeinen  dreibeinigen
mit  echten  russischen  Juchten  beschlagenen  Bock,  schließe  meinen  echt  tannenen  Pulten  durch  ein
unecht  französisches  Schloß  verschlossen,  aus,  kriege  Deinen  lieben  Bries  vom  30.  vm.  heraus  und
lese  ihn  noch  einmal  recht  andächtig  durch.  —  Jetzt  ist  dieses  nun  geschehen,  und  vor  allen  Dingen
muß  ich  Dir  nun  erst  und  daß  aus  vollen  Kalse  meine  echt  herzliche  Gratulation  zurufen.  Das
war  auch  geschehen,  mußt  es  gewiß  recht  deutlich  gehört  haben,  denn  es  hat  mich  ordentlich  angegriffen. ­
  Nun  was  weiter.  —  Also  Du  willst  studiren?  bon!  Statistik,  bien,  auch  Stechn  ologie?
non?  —  bon!  —  Kniftologie  hast  Du  schon  studiert,  daß  sehe  ich  aus  Deinen  Briefe,  denn  er  ist
ganz  voll  von  Kniffen,  setze  dieses  Studium  nun  aber  auch  nicht  ganz  beiseite,  denn  heut  zu  Tage
gehört  es  mitunter  unter  die  vorzüglichsten  Wissenschaften  ohne  es  zum  Bösen  anzuwenden,  daß
hast  Du  eben  erfahren,  auch  ein  Statsman  darf  keine  Nachtmütze  sein  und  deshalb  muß  er  Kniftologie
  aber  eine  gutartige„gepsropfte"oder  „veredelte"  Kniftologie  verstehen.  Kniffe  sind  erlaubt,
nur  keine  bösartige  Kniffe  welche  blaue  Flekke  nachlassen,  und  hierüber  bist  Du  wohl  so  gut  mit
mir  einerlei  Meinung  als  ich  mit  Dir,  von  wegen  der  Reise  nach  Griechenland.  —  Die  dummen
Kerls!  ich  meine  aber  nicht  die  Griechen,  nein  andere  Widersacher,  gut  daß  sie  mal  dumm  gewesen
sind.  Mich  begeistert  ebenfalls  die  Sache  unser  uralten  Vorfahren,  und  ich  gebe  auch  meinen
Thaler  drum,  wenn  er  für  die  gute  Sache  was  nützen  könnte,  allein  hinzuwandern,  oder  es  nur  zu
wollen,  es  ernstlich  zu  wollen,  ist  dummes  Zeug.  Wie  weit  würde  ciu  solcher  Faselhans  wohl
kommen?  und  wie  lange  würde  seine  Kitze  dauern,  wenn  er  aus  beit  ersten  10  Meilen  schon  Mühe
genug  gehabt,  und  Erfahrungen  einzusammeln  Gelegenheit  gehabt  hätte,  seine  Thorheit  zu  durchschauen? ­
  Nein  Du  hast  ganz  Recht,  alle  die  Kerls  haben  gewiß  ganz  anders  gedacht  als  sie  sich
geäußert  haben  selbst  le  Petit  Maitre  Mons.  L..  .  .
Ich  freue  mich  wirklich  recht  herzlich,  daß  Du  Deinen  Plan  so  glücklich  durchgesetzt  hast,  und
daß  Du  das  glückliche  Resultat  auch  gewiß  recht  ordentlich  benutzen  wirst,  dafür  bürgt  mir  Dein
Kopf  und  Deine  Ehre.  —  Wo  ich  Dir  demnach  bei  diesem  Unternehmen  nützlich  sein  kann,  da  soll
es  wirklich  mit  wahren  Vergnügen  geschehen,  und  wenn  es  Dir  an  ein  oder  anderen  in  Göttingen
fehlt,  so  schreib  es  mir  nur.  Es  ist  nur  Ein  Jahr,  das  läuft  schnell  dahin,  allein  will  man  es  recht
tüchtig  benutzen  so  ist  ein  Jahr  auch  schon  lang  genug  um  vielen  Nutzen  zu  ziehen,  und  dann  ist  eins
so,  so  gut  als  3  umgekehrt.  —  Daß  Du  Dir  100  Thaler  von  der  Mutter  Vorschuß  Weise  nehmen
willst,  darum  brauchst  Du  mich  ja  garnicht  zu  fragen,  der  Mutter  werde  ich  sie  aber  auf  ihr  Conto
gut  schreiben  und  wir  machen  die  Sache  unter  uns  ab.  —
Wenn  Du  nun  ausstudirt  hast,  dann  mußt  Du  uns  aber  erst  mahl  besuchen,  bevor  Du  wieder
in  die  Geschäffte  tritst,  ich  stelle  mich  Dir  dann  als  einen  ganz  anderen  Mensch  vor;  —  mit  stark
gepuderten  Kopse,  blauen  steifen  Rock  mit  weißen  Anterfutter  und  gestikten  Kragen,  einen  kleinen
Degen  an  der  Seite  etc:,  so  ungefähr.
Bon  dem  Gelde,  was  die  Mutter  an  Dommerich  zahlen  wollte,  nimm  dann  nur  diehalbjährige
Miethe  und  was  ich  sonst  Dir  schuldig  bin,  und  mache  alles  ins  Reine  bevor  Du  weggehst  und
sende  mir  ein  Notchen  darüber  ein,  daß  ich  die  Mutter  ihre  Rechnung  in  Ordnung  halten  kann.  —
        <pb n="68" />
        74

In  beifolgenden  Pakket  findest  Du  lieber  Franz  eine  wirklich  recht  hübsche  Weste,  ich  habe  sie
erst  ein  oder  2  mal  angehabt,  bin  aber  wenig  geneicht  sie  ferner  zu  tragen  weil  ich  mich  schon  zu
sehr  an  schwarz  und  weiß  gewohnt  habe,  und  mir  daß  an  meinen  Körper  zu  bunt  vorkömmt,
obgleich  ichs  bei  anderen  sehr  gerne  leiden  mag.  Für  Dich  in  Deiner  neuen  Lage  paßt  sie  gut,  und
willst  Du  sie  zum  Spaß  von  mir  annehmen,  so  schikke  sie  nicht  wieder  retour,  wennDu  sie  waschen
läßt,  so  sag  der  Wäscherin,  daß  sie  sie  nicht  in  zu  heißes  Wasser  stikt.
Vor  Deiner  Abreise  erwarte  ich  nun  noch  ein  Briesle  von  Dir,  da  ich  darauf  aber  nach  Braunschweig
  nicht  mehr  werde  antworten  können,  so  wünsche  ich  Dir  schon  heute  eine  recht  glückliche
Reise  und  bitte  um  Grüße  an  die  Göttinger  Verwandten.
adieu  Dein  treuer  Bruder  Ludwig.
Zweiter  Brief  Llldlvigs,  gerichtet  an  seinen  Bruder  Franz.
Magdeburg,  den  27.  Januar  1822.
Mein  lieber  Bruder!  —Dein  lieber  Brief  vom  161511  war  für  uns  eine  äußerst  erfreuliche
Erscheinung,  wir  hatten  zwar  früher  schon  von  bett  Anfingen  in  Braunschweig  gehört,  daß  Dti
in  Göttingen  glücklich  angekommen,  daß  Dir  es  wohl  gehe,  daß  Du  zttfriedett  seist  usw.,  allein
Deine  direkten  Nachrichten  hatten  doch  viel  mehr  Würze  siir  ttns.  Der  Litnmel  möge  Dir
die  Stttdienzeit  gesuttd  verleben  lassen,  dantt  wirst  Du  sie  für  Dein  ferneres  Wohl  auch  schon
so  benutzen  als  es  ttur  möglich,  daß  sind  wir  überzeugt,  und  wir  wünschen  nichts  mehr  als  daß
dann  nachher  Deine  Wünsche  eben  so  gut  in  Erfüllung  kommen  mögen  als  dieser  in  Betreff
der  akademischen  Laufbahn.  —  Solltest  Du  es  denn  wohl  nicht  frei  bekommen  noch  1/2  Jahr
länger  in  Göttingen  zubringen  zu  diirsen?  sollte  eine  Bitte  eine  gtit  ausgearbeitete  Vorstellung
an  die  Brattnschweiger  Regierung  nicht  auch  einen  guten  Erfolg  haben?  -—  Versuche  es  doch.
—  Bruder  Georg  wird  nun  bald  wieder  seine  große  Reise  antreten,  und  eine  Zeit  lang  in  Berlin
verweilen,  er  ist  auch  in  Begriff,  cm  Dich  zu  schreiben.  —  Da  unser  Bartels  verreiset,  so  versieht ­
  Georg  jetzt  das  Fabrik-Geschäfft.  Beuche!  als  Bräutigam  hat  jetzt  viel  Abhaltung,  die
Bratit  will  doch  täglich  einige  Male  wissen,  daß  er  auch  noch  da  ist,  tvie  daß  so  in  dem  Bratttund
  Bräutigamstande  hergeht,  erfahre  ich  nun  so  recht,  allein  ich  werde  doch  noch  garnicht
neidisch  darüber,  es  ist  mir  so  als  wenn  ich  ttoch  lange  ein  Iuttggeselle  bleiben  werde,  doch  das
will  ich  mal  dem  Zufall  ntehr  als  meinem  eigentlichen  Willen  überlassen,  und  nun  tvill  ich  auch
erst  mahl  sehen,  wie  es  Beuche!  so  im  Ehestände  geht;  wenn  die  Lochzeit  sein  wird,  ist  noch
tticht  bestimmt  festgesetzt.  Doch  so  viel  ist  gewiß,  daß  sie  noch  vor  und  wahrscheinlich  kurz  vor
Ostern  sein  soll.  Die  Bratit  von  Beuchet,  Louise  Kap-Herr,  ist  ein  braves  gutes  Mädchett,  und
die  Familie  sehr  achlungswert,  von  der  ich  selbst  sehr  viele  Freundschaft  genieße.  —  Wettn
Du  Ostern  kömmst,  so  wirst  Dti  sie  selbst  keitnen  lernen.  Du  frägst  noch  lange,  ob  ich  es  erlauben
  wollte,  daß  Du  Deine  Ferienzeit  hier  bei  ntir  verleben  könntest?  was  köitttte  mir  denn
angenehmer  sein,  als  Dich  mal  wieder  bei  uns  zu  sehen,  und  das  ein  bißchen  länger  als  wie
sonst  wohl,  und  wie  es  vielleicht  später  wird  geschehen  köimen.  Du  thust  gewiß  sehr  recht  wenn
Du  diese  Ferienzeit  nicht  in  Braunschweig  verlebst,  einesteils  würdest  Du  viele  Abhaltung
haben  die  Du,  wentt  sie  auch  gegen  Deine  Wünsche  tväre,  dennoch  nicht  wohl  vermeiden  könntest,
ttrtö  andern  theils  könnte  Dein  Aufenthalt  ja  selbst  zu  Erneuerung  vott  Unannehmlichkeiten  Veranlassttng
  geben  tnit  den  quest.  Kameraden.  Darum  schon  komm  auf  jeden  Fall  zu  mir,  Du
wirst  uns  allen  sehr  willkommen  sein,  es  mag  nun  in  unsern  Lause  aussehett  wie  es  will,  es  mag
eine  oder  keine  junge  Fratt  daritt  seilt,  daß  genirt  Dich  nicht,  wo  ich  dann  bitt,  da  bist  Du  auch.  —
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        75

Ich  hätte  nun  aber,  lieber  Franz,  noch  eine  Bitte  mit  deren  Erfüllung  Du  mir  einen  großen
Gefallen  erzeigen  würdest,  doch  wage  ich  es  kaum  Dir  solche  zu  offenbaren,  weil  ich  dadurch
nicht  gerne  Störer  Deiner  Geschaffte  sein  möchte,  dagegen  weis  ich  aber,  daß  Du  mir  auch  gerne
gefällig  bist,  und  darum  darf  ich  auch  schon  auf  die  Erfüllung  meiner  Anliegen  rechnen.  —
Nun  höre  also:  Wenn  Beuchels  Lochzeit  ist,  so  möchte  ich  doch  auch  nicht  gerne  so  ganz  leer
ausgehen,  und  es  wäre  so  meine  Idee,  ihin  ein  herzliches  Gedicht  zu  überreichen,  ohne  aber
dabei  eine  Verkleidung  oder  sonstirgend  eine  umständliche  Ceremonie  mit  anbringen  zu  dürfen.
Du  hast  schon  mal  bei  den  noch  immer  berühmten  Lelmstedter  Schmause  Deine  Poesie  für
uns  aus  eine  sehr  gefallende  Weise  fließen  lassen,  durch  die  Erfüllung  meiner  heutigen  Bitte
würdest  Du  Dich  aber  noch  mehr  verewigen.
Meine  Verhältnisse  mitBeuchel,  unsereLebensweise  miteinander,  unsere  langjährige  Freundschaft ­
  sind  Dir  bekannt.  .  .  .  Die  Braut  Louise  Kap-Herr  (Du  wirst  die  für  Dich  bestimmte
Verlobungskarte  von  der  Mutter  empfangen  haben)  ist  wohl  nicht  schön  zil  nennen,  aber  sie
ist  blühend  gesund,  brav  und  gut.  —
Wünschest  Du  über  ein  oder  anderes  noch  mehr  Aufschluß  zu  haben  so  theile  ich  ihn  Dir
sofort  mit,  drukken  wollt  ich  das  Gedicht  bei  Reichardt  lassen,  und  an:  schiklichsten  ist  es  wohl
auf  einen  breiten  rothen  Bande,  nicht  wahr?  lind  dann  noch  mehrere  Exemplare  auf  Papier.
—  Ist  es  sch  Mich  daß  inan  bei  Tafel  vergleich  selbst  überreicht,  so  sei  so  gut  und  schreib  mir
auch  einige  bedeutungsvolle  Worte  aus,  die  man  bei  Überreichung  sagen  kann,  ich  bin  mit  alledem
zu  schlecht  bestellt,  und  möchte  dann  doch  auch  nicht  gerne  durchfallen.  Wolltest  Du  mir  bei
Zeiten  Deine  Idee  zur  Durchsicht  senden,  dann  würdest  Du  mich  sehr  verbinden,  vielleicht  hätte
ich  dann  noch  einiges  zu  bemerken,  vorläufig  ist  die  Lochzeit  auf  den  25.  März  bestimmt,  wie
ich  eben  erfahre....  Leb'  nun  recht  wohl,  lieber  Bruder  und  schreibe  bald  wieder  an  Deinen
aufrichtigen  Bruder  C.  L.  Zuckschwerdt.
Dritter  Brief  Ludwigs,  gerichtet  an  seine  Mutter  in  Braunschweig.
Magdeburg,  den  28^5ö  Dec.  1822.
Liebe  Mutter!  —  Ich  äußerte  iu  meinem  letzten  Briefe  daß  ich  Ihnen  von  der  gänzlichen
Lerstellung  meines  Beinschadens  bald  Beweise  geben  würde;  schon  heute  habe  ich  das  Glück
solches  zu  können,  indem  ich  Ihnen  so  schnell  als  nur  möglich  die  Nachricht  mittheile,  daß
ich  nun  was  denn?  daß  ich  ...  .  Breutigam  bin,  und  zwar  von  Therese  Kap-Herr,
seit  gestern,  ein  natürliches  vorzüglich  gutes  munteres  schönes  Mädchen.  Franz  kennt  sie  ja,
sie  ist  feitbem  aber  noch  um  vieles  reizender  geworden,  daß  können  Sie  ihn  nur  sagen,  denn  er
hatte  sogar  auch  ein  Auge  daraus.  Diese  Sache  liebe  Mutter  ist  rasch  gekommen,  und  ich  konnte
bei  meinem  Dortsein  noch  nichts  darüber  sagen,  sonst  würde  ich  gegen  Sie  es  gewiß  gethan
haben,  es  war  aber  damals  ganz  anders  Wir  bitten  nun  vereint  um  Ihren
mütterlichen  Segen,  meine  Braut  läßt  sich  Ihnen  und  alle  den  unsrigen  recht  herzlich  empfehlen,
und  ich  habe  es  übernommen,  sie  bei  Ihnen  zu  entschuldigen,  daß  sie  nicht  selbst  geschrieben.  —
Die  Verlobungscarten  sind  noch  nicht  fertig,  sobald  ich  sie  habe,  werde  ich  Ihnen  mehrere
zur  Verteilung  einsenden,  vorläufig  bitte  ich  Sie  es  Schwester  Lotten,  Br.  Carl,  Jetten  und
ben  nächsten  Verwandten,  die  Sie  sprechen  in  meinen  Namen  anzuzeigen.  —
Die  Kap-Herrsche  Familie  ist,  wie  Ihnen  Franz  auch  schon  bestätigen  kann,  eine  der  achtungswertesten ­
  in  Magdeburg,  und  die  Kinder  haben  eine  ganz  vorzüglich  gute  Erziehung  genossen.
Bei  meinen  schon  in  die  30  er  vorgerückten  Alter  wird  man  bei  diesem  Schritte  schon  jehr
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bedenklich,  allein  bei  reiflicher  Aeberlegung  durfte  ich  diese  Gelegenheit  nicht  vorbei  passieren
lassen,  und  ich  habe  viele  Arsache  überzeugt  zu  sein,  daß  es  mir  nie  gereuen  wird.  —
Auch  die  Aelteren  und  Beuchels  lassen  sich  Ihnen  sämtlich  recht  herzlich  empfehlen.
Franz  ist  wohl  so  gut  unten  stehende  Anonce  in  den  Anzeiger  sehen  ju  lassen,  und  zwar
zweimal,  die  Auslagen  aber  siir  mich  zu  notiren,  indes  ist  es  wohl  gut,  wenn  es  nicht  eher
geschieht,  als  bis  ich  die  Carlen  gesandt,  damit  diese  nicht  später  abgegeben  werden,  nur  für
die  nächsten  Verwandten  werde  ich  Carlen  einsenden.
Unter  herzlicher  Begüßung  an  alle  die  Ansrigen,  und  mit  der  Bitte  bald  zu  schreiben,  verbleibe ­
  ich  Ihr  treuergebener  Sohn  C.  L.  Zuckschwerdt.
Vierter  Brief  Ludwigs,  gerichtet  an  einen  Bruder.
Magdeburg,  den  10.  Januar  1841.
Lieber  Bruder!  Da  die  Beantwortung  Deines  lieben  Briefes  vom  1.  er.  einige  Ruhe  erfordert, ­
  so  habe  ich  sie  bis  zu  heute  Sonntag  verschieben  müssen.  Zuvörderst  nun  meinen  herzlichsten
Dank  für  Deinen  brüderlichen  Glückwunsch  zum  neuen  Jahre!  Wohl  hast  Du  recht,  daß  das
verflossene  manches  Trübe  mir  bereitet  hat,  allein  demohngeachtet  will  ich  nicht  ernstlich  Klage
führen,  im  Gegentheil  danke  ich  Gott  insbesondere  für  die  Verstellung  meiner  Gesundheit  sowohl
als  für  das  Gedeihen  und  Wohlsein  meiner  Kinder!  Wechsel  im  Geschäfte  haben  von  jeher  stattgefunden ­
  und  werden  auch  nie  aufhören,  dies  ist  deshalb  der  Kaufmann  auch  gewohnt,  nur  muß
er  der  Zeit  angemessen  handeln  und  dies  glaube  ich  zu'  verstehen.  Bei  der  Zuckerfabrikation,  sowohl ­
  der  indischen  als  einheimischen,  haben  wir  in  einer  Reihe  von  Jahren  schönes  Geld  verdient,
hört  dies  nun  mal  eine  kurze  Zeit  auf,  so  bleibt  dadurch  das  Geschäft  freilich  nicht  so  angenehm,
aber  doch  die  Äoffnung,  daß  es  sich  wieder  ändert,  und  die  ist  sicher.  Auch  muß  man  nicht  verkennen, ­
  daß  eine  solche  Periode  sein  Gutes  hat,  sie  erzeugt  eine  Säuberung,  das  Schlechte,  das
Faule  wird  ausgemerzt,  die  Verderber  des  reellen  Geschäftes  müssen  sich  zurückziehen  und  ein
neuer  günstiger  Abschnitt  erfolgt,  so  ist  es  von  jeher  gewesen  und  so  wird  es  auch  ferner  sein.  —
Was  unser  beiderseitiges  Familienschicksal  betrifft,  so  stehen  wir  darin  ziemlich  pary,  Du  sowohl
als  ich  haben  ein  liebes  Kind,  einen  lieben  Sohn  verlieren  müssen,  aber  den  Vorzug  hast  Du,  daß
der  Äimmel  Dir  eine  brave  Frau  erhalten  hat.  Der  Verlust  Deines  Schwiegervaters  liegt  in  den
Gesetzen  der  Natur,  der  Meinige  wird,  danach  gerechnet,  auch  früher  als  ich  sterben  müssen.
Es  war  mir  etwas  Neues,  von  Dir  zu  höre«,  daß  die  Kriegesrüstungen  jetzt  Gegenstand
Deiner  Gedanken  seien  und  daß  man  dort  von  Marschieren  spricht  und  so  ernstlich.  Ich  für  mein
Theil  glaube  aber  an  einen  Prenßenkrieg  nicht,  und  die  neuesten  Nachrichten  lauten  ja  auch  sehr
friedlich.  Aebrigens  bleib  Du  nur  lieber  zu  Laus,  wenn  Du  die  Wahl  hast,  natürlich  Anehre  und
Nachtheil  dürfte  es  Dir  nicht  bringen.  Was  die  Nachlaffenschaft  Deines  Schwiegervaters  anbelangt, ­
  so  kenne  ich  den  Vertrag,  den  derselbe  bei  feilten  Lebzeiten  mit  Dommerich  abgeschlossen
hat,  nicht,  denn  Dommerich  hat  mir  nur  so  viel  gesagt,  daß  er  das  Äopfengeschäft  nach  dem  Tode
von  K-  übernehmen  würde  und  habe  sich  über  die  Bedingungen  bereits  mit  ihm  geeinigt.  D.  hatte
dabei  hauptsächlich  seinen  treuen  Walter  im  Auge.  Wen«  ich  nun  über  den  Vertrag  selbst  ein  Arteil ­
  fällen  soll,  so  muß  ich  ihn  lesen  und  bleibe  ich  für  diesen  Fall  Abschrift  erwartend.  Ich  nehme
an,  daß  dasÄaus  fest  zu  10000  Thaler  verkauft  ist,  denn  wenn  dieses  im  Vertrage  steht,  so  würde
ich  es  in  Deiner  Stelle  dabei  lassen.  Ich  gehe  hierbei  allerdings  von  der  Meinung  aus,  daß  10000
Thaler  ein  guter  Preis  ist,  ohne  aber  genau  darüber  urtheilen  zu  können.  Das  Laus  pachtweise
auf  lange  Zeit  zu  überlassen,  halte  ich  für  die  Erben  nachtheiliger,  denn  wenn  D.  auch  die  Zinsen
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        77

3  o/o  durch  eine  Pacht  von  300  Thalern  decken  und  alle  Reparaturen  und  Kosten,  Lasten  rc.  tragen
will,  so  ist  dabei  fllr  die  Erben  doch  nur  Verlust  in  Aussicht  zu  stellen.  Jetzt  verkauft  das  renommierte ­
  Geschäft  das  Laus  zu  einem  guten  Preis,  später  können  andere  Amstände  eingetreten  sein
oder  es  kann  auch  Krieg  kommen,  wodurch  alleGrundstücke  im  Preise  herabgedrückt  werden.  Oder
Dommerich  verlegte  später  das  Geschäft  in  ein  anderes  Laus  (ob  er  dazu  ein  Recht  behalten
hat,  weiß  ich  nicht).  Das  müßte  meiner  Meinung  nach  dem  Werthe  des  Laufes  sehr  schaden.
Dies  alles  sind  nur  Erörterungen,  welche  ich  beiläusig  erwähne,  denn  als  Moniten  gegen  einen
abgeschlossenen  Vertrag  sollen  sie  nicht  gelten,  da  ich  diesen,  wie  gesagt,  nicht  speziell  kenne.  Das
Uebereinkommen  wegen  Gewinn  am  Geschäft  nämlich  Vs  hat  deshalb  meinen  Beifall,  weil  Ihr
niemals  am  Verlust  Theil  nehmt,  und  wenn  dieser  wirklich  stattsinden  sollte,  Ihr  doch  immer  200
Thaler  gewiß  habt.  Auf  gleiche  Theile  am  Gewinn  und  Verlust  könnt  Ihr  Euch  auch  niemals
einlassen,  weil  Ihr  ganz  außer  Disposition  im  Geschäft  seid  und  solche  auch  nicht  machen  könnt;
eilt  böses  Jahr,  vielleicht  durch  übermäßige  Einkäufe  herbeigeführt,  und  mit  Sinken  der  Preise
verbunden,  könnte  Euch  ja  den  Nutzen  von  mehreren  Jahren  zu  Wasser  machen,  wenn  Ihr  am
Verlust  Theil  nehmen  müßtet.  Lier  ist  übrigens  ein  Contract,  der  blos  aufGewinn-Theil  gestellt
ist,  gerichtlich  nicht  gültig  und  man  pflegt  in  solchen  Fällen,  um  die  Form  zu  beobachten,  einen
kleinen  Verlusttheil  etwa  1  °/o  hinein  zu  sehen.  Wie  dort  die  Gesetze  sind,  weiß  ich  nicht.  Der  alte
Walter  paßt  für  das  Geschäft  recht  gut,  kennt  es  auch  schon,  denn  schon  bei  meiner  Zeit  im  Lause
D.  hatte  er  mit  dem  Lopfen  zu  kramen.  Das  letzte  Jahr,  als  ich  dort  war  (1817),  wo  ich  die  Einkäufe ­
  vou  Lopfen  besorgte,  namentlich  in  der  Altmark,  verdienten  wir  20000  Thaler  das  Jahr,
darauf  ging  aber  wieder  was  hops.  Das  Geschäft  hat  seine  gefährlichen  Seiten,  denn  so  rasch  der
Artikel  steigt,  ebenso  rasch  fällt  er  auch  wieder  und  auf  dem  Lager  ist  er  das  Gegentheil  von  Wein,
er  wird  rascher  schlecht  als  der  Wein  besser  wird.  Das  Vermögen  ist  ganz  nett,  ich  wünsche,  daß
es  50000  Thaler  netto  bleiben  möge,  25000  ist  eine  hübsche  runde  Summe  und  geben  bei  4°/o
eben  1000  Th.  Rente.  Deine  Frage,  ob  Dommerich  die  Landlung  in  einen  besseren  Stand  wird
heben  können  und  heben  wollen,  muß  ich  unbedingt  mit  Ja!  beantworten.  Bei  alten  Leuten  ist  in
der  Regel  die  nöthige  neuere  Coulance  nicht  vorhanden;  sie  kleben  an  veralteten  Moden  und  Ge
bräuchen  und  machen  lieber  ein  Geschäft  gar  nicht,  als  daß  sie  sich  in  Neuerungen  schickten  oder
mit  einem  geringeren  Nutzen  Vorlieb  nehmen,  als  sie  gewohnt  sind.  Ich  denke  mir,  so  ist  es  auch
wohl  mit  dem  Lerrn  Knauff  gewesen,  D.  ist  dagegen  aber  sehr  coulant  und  läßt  so  leicht  nichts
fahren;  er  wird  daher  das  Geschäft  gewiß  mehr  ausdehnen  und  Ihr  könnt  ihm  meiner  Ueberzeugung ­
  nach  unbedingt  vertrauen,  und  je  mehr  Vertrauen  Ihr  ihm  beweiset,  je  mehr  wird  er  eine
Ehre  darin  suchen,  dasselbe  zu  rechtfertigen  und  das  Geschäft  so  lucratif  als  möglich  zu  machen,
sich  bestreben;  auch  ist  es  sehr  richtig,  daß  sein  eigenes  Urtheil  immer  die  Laupttriebfeder  bleibt.
Zu  einer  speziellen  Controlle,  außer  der,  welche  der  jährliche  Abschluß  hervorruft,  rathe  ich  nicht,
auch  möchte  D.  es  sich  nicht  gefallen  lassen  wollen,  sie  führte  für  Euch  auch  zu  nichts,  höchstens  zu
Beunruhigungen,  vielleicht  ohne  Noth,  denn  die  Urtheile  und  Beschlüsse,  von  denen,  die  nicht  fortwährend ­
  im  Geschäft  sind  und  es  außerdem  nicht  einmal  verstehen,  klingen  häufig  sehr  sonderbar
und  schwer  hält  es  oft,  sie  von  ihrer  unrichtigen  Meinung  gehörig  zu  überzeugen.  Also  das  Controlliren ­
  thut  nicht,  Ihr  habt  mit  rechtschaffenen  Leuten  zu  thun.  Könnt  Ihr  die  Landlung  mit
allem  was  dazu  gehört  an  D.  siir  eine  bestimmte  Summe  verkaufen,  so  möchte  ich  dazu  wohl
rathen,  die  Summe  müßte  dann  aber  5000  Thaler  wohl  immer  übersteigen,  denn  das  Minimum,
was  D.  —  und  selbst  in  Verlust  bringenden  Jahren  —  zahlen  muß,  macht  zu  4  o/o  schon  die  Kapital ­
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summe  von  5000Thalern  aus!  Llebrigens  werdet  Ihr  Euch  wohl  nicht  im  Lichten  stehen,  wenn
Ihr  später  mit  dieser  Offerte  herausrückt;  möglich  daß  Er  Euch  auch  eine  solche  macht  und  dann
handelt  es  sich  in  Eurem  Interesse  besser.  Vielleicht  werdet  Ihr  ihm  später  auch  etwas  lästig  und
dann  möchte  am  leichtesten  vortheilhast  abzuschließen  sein.  Hier  ist  es  Regel,  daß  alles  dasjenige,
wasNiet  und  Nagelfest  ist,  zum  Hause  gehört.  Ich  glaube  nicht,  daß  diePreffe  in  diese  Categorie
gestellt  werden  kann,  das  Windeseil  gewiß  nicht,  wenn  es  nicht  bedingt  wird.  Die  Legate,  die  Ihr
zu  zahlen  habt,  werden  durchschnittlich  gewiß  durch  den  Gewinn  in  der  Wandlung  gedeckt  werden,
dem:  2000  Thaler  reiner  Gewinn  jährlich  wäre  doch  nur  sehr  mäßig.  Conjunkturen  können  leicht
10000  Thaler  abwerfen,  denn  ich  habe  erlebt,  daß  Hopfen  in  8  Tagen  von  20  auf  40  Thaler  der
Zentner  stieg!  Gewiß  werdet  Ihr  noch  manches  zu  thu«  bekommen,  bevor  die  ganze  Sache  geordnet ­
  ist,  allein  es  ist  keine  unangenehme  und  dies  erleichtert  die  Mühen.  Mit  Abtragung  meiner
Forderung  an  Dich  und  Stutzer  hat  es  gute  Wege,  sobald  es  Dir  paßt  zu  zahlen,  kannst  Du  es  zu
jeder  Zeit  an  Dommerich  dort  thun.  Für  die  Eisenbahn-Aktien  wirst  Du  Ostern  hoffentlich  nicht
weniger  bekommen,  als  was  Du  jetzt  dafür  erhalten  würdest,  nämlich  ca.  115Thaler  für  dasStück
inet.  des  Dividendenscheines  pro  1840,  der  3  Thaler  pro  Aktie  werth  ist.  Ich  habe  kein  Recht  an
dem  Gewinn  dieser  Dokumente  und  je  mehr  Du  dafür  bekömst,  desto  angenehmer  ist  es  mir,  es
ist  doch  so  ein  angenehmes  Taschengeld,  weil  es  nichts  kostet.  Willst  Du  die  Aktien  verkaufen,  so
sende  sie  mir  mit  den  Coupons  ein,  willst  Du  sie  aber  noch  behalten,  so  sende  mir  nur  den  ersten
Coupon  von  jeder  Aktie,  wofür  wahrscheinlich  am  1.  März  3  Thaler  pro  Aktie  bezahlt  werden.
Deine  Berechnung  über  Diverse  werde  ich  einstweilen  buchen,  indem  ich  von  Georg  und  Carl
die  Zuschüsse  einziehe.  —  Nun  habe  ich  Dir  noch  den  Punkt  wegen  Belegung  der  Capitalien  zu
beantworten  lind  ich  thue  es  eben  so  offen,  als  es  die  Bruderpflicht  erheischt  und  als  die  Wichtigkeit ­
  der  Sache  es  nothwendig  fordert.  Die  Capitalien  ganz  sicher  unterzubringen,  ist  allerdings
DeinePflicht.  Mancher  wird  sagen,  es  ist  am  besten,  sie  aufHypothek  auszugeben,  wozu  ich  auch
rathen  würde,  wenn  ich  Dir  nicht  unbedingt  ebenso  gute  oder  bessere  Sicherheit  zusichern  könnte.
Hypotheken  erster  Classe  sind  die  auf  Ländereyen  zu  einem  billigen  Preis  taxirt,  diese,  mit  prompten ­
  Zinszahlern  verbunden,  sind  aber  jetzt  selten  und  geben  dort  nicht  viel  über  3  °/o  Zinsen.  Hypothek ­
  auf  Häuser  rechnet  man  unter  die  zweite  Classe,  wofür  302  vielleicht  4°/o  Zinsen  zu  bedingen
sein  dürfte,  allein  geräth  man  an  solche  Gläubiger,  die  am  Ende  die  Zinsen  nicht  bezahlen  können,
so  ist  es  eine  verdrießliche  Geschichte,  wenn  man  Zinsen  und  Capital  zurück  haben  will.  Die  bessere
Sicherheit,  die  ich  Dir  nun  bieten  kann,  ist  die,  welche  Du  Dir  schon  selbst  in  Deinem  vorläufigen
Eta  gestellt  hast,  nämlich  D.und  wir  Z.  &amp;amp;  B.  Bon  unserer  Seite  und  von  mir  aus  gesprochen,
wirst  Du  das  vielleicht  egoistisch  finden,  allein  hierbei  muß  ich  das  mal  unberücksichtigt  lassen,  da
die  Wichtigkeit  der  Sache  einen  solchen  Vorwurf  in  den  Hintergrund  schiebt.  Du  wirst  nun  aber
ohne  Zweifel  von  meiner  Behauptung  in  Betreff  der  besseren  Sicherheit  eine  Ueberzeugung  haben
wollen  und  ich  halte  es  auch  für  meine  Schuldigkeit,  sie  Dir  zu  geben,  wobei  ich  aber  natürlich  voraussehen ­
  muß,  daß  Du  das,  was  ich  Dir  schreibe,  auch  so  vollkommen  glauben  mußt,  als  wenn
Du  es  aus  eigener  Wissenschaft  sagtest.  D.  hat  nämlich  ein  Vermögen  von  mindestens  180000
Thalern  und  sein  Geschäft  ist  nicht  so  gefährlich,  dabei  ist  er  sehr  vorsichtig,  verbraucht  zum  Unterhalt ­
  nicht  seine  Zinsen  und  kann  niemals  so  große  Summen  verlieren,  die  seiner  Solidität  gefährlich ­
  sein  könnten.  Auch  kommen  Frauengelder  bei  D.  nicht  in  Betracht.
Was  nun  Z.  &amp;amp;  C Q.  anbelangt,  so  haben  diese,  ohne  Frauenvermögen  ein  eigenes  Vermögen
von  mehr  als  300000  Thalern  und  ihr  geschäftliches  Wirken  ist  wenigstens  keinen  größeren
        <pb n="73" />
        2-

79

■J  =—  ;  =g
Gefahren  als  denen  von  D.  unterworfen.  Wir  können  bey  unseren  verschiedenen  Brauschen  in  der
einen  oder  anderen  wohl  mal  verlieren,  allein  die  eine  oder  andere  pflegt  in  der  Regel  den  Verlust
wieder  zu  decken.  In  den  22  Jahren,  daß  ich  hier  etablirt  bin,  habe  ich  Gott  sei  Dank!  nur  2Jahre
gehabt,  wo  ich  nicht  vorwärts  im  Vermögen  gekommen  bin  sondern  etwas  verloren  habe.  Mein
eigenes  Vermögen  wird  sich  dieses  Jahr  auf  ca.  170000  Thaler  stellen  und  B.  hat  ungefähr  auch
so  viel.  .Hierin  also  und  in  der  Zuverlässigkeit,  daß  Zinsen  immer  prompt  bezahlt  werden,  daß  man
sein  Capital  wenn  man  will,  ohne  Schwierigkeit  in  kurzer  Zeit  zurück  bekommen  kann,  suche  ich  die
bessere  Sicherheit.  Würdest  Du  das  Geld  an  ein  anderes  Äaus  geben  wollen,  so  würde  ich  eher
davon  abrathen  müssen,  denn  ich  weiß  keins,  wo  ich  von  den  Vermögensverhältnissen  etc.  so  klar
überzeugt  bin,  als  von  den  genannten  beiden.  Auch  brauchst  Du  nur  so  viel  Geld  von  den  Zinsen
zu  nehmen,  als  Dir  nöthig  ist,  und  läßt  die  übrigen  wieder  als  Capital  stehen,  dann  mehrt  es  sich
jährlich.  Zur  Annahme  eines  Capitals,  so  groß  wie  Du  es  uns  geben  willst,  finde  ich  mich  bei
41/2  °/o  Zinsen  (diese  bekömmt  auch  Br.  Carl  von  mir)  bereit,  denn  da  5  °/o  das  Aso  der  kaufmännischen ­
  Zinsen  ist,  so  habe  ich  keinen  Nachtheil  davon  und  außerdem  muß  ich  als  Kaufmann  dainit
verdienen,  und  es  giebt  mir  sowohl  Vergnügen  als  Beruhigung,  einen  Theil  Eures  Vermögens
zu  verwalten.  Ohne  alle  Sorge  kannst  Du  auch  D.  so  viel  geben,  als  Du'willst,  aber  mehr  als  4  0/0
Zinsen  wird  er  wohl  nicht  geben  wollen,  indem  dort  der  Zinsfuß  im  allgemeinen  billiger  ist  als  hier
und  er  nicht  das  ausgedehnte  Geschäft  besitzt,  als  wir,  das  Geld  also  nicht  so  benutzen  kann.  Für
diesmal  wirst  Du  nun  wohl  mit  meinem  Geschreibsel  gesätigt  sein  und  habe  ich  nur  noch  denselben
Ausruf,  den  Du  gethan,  hinzuzufügen,  nämlich:  Laß  den  Inhalt  dieses  Brieses  fest  unter  uns  und
benutze  davon  soviel,  als  Dir  nützlich  deucht.  —  Aus  Deinen  früheren  Brief  vom  24sten  d.  müßte
ich  Dir  sehr  viel  schreiben,  wenn  ich  mich  auf  das  ganz  aussprechen  wollte,  was  Du  in  Bezug  des
Abbrennens  unserer  Fabrik  freundlichst  und  brüderlichst  erwähnst.  Wir  wollen  gelegentlich  das
Capitel  mal  mündlich  aufs  Tapet  bringen  und  zwar  in  diesem  Sommer,  wenn  Ihr  hierher  kommt,
denn  darauf  rechne  ich  ganz  fest,  wir  können  dann  eure  Lustpartie  nach  Dresden  und  der  Schweiz
machen.  Aber  soviel  will  ich  Dir  nur  noch  sagen,  daß  ich  sicher  kein  Geschästsgieriger  Mensch  bin,
der  Alles  an  sich  reißen  möchte,  allein  ich  bin  mit  derZeit  fortgegangen  und  glaube  als  Kaufmann
zu  meiner  Ehre  gewirkt  gu  haben,  auch  ist  mir  noch  kein  Unternehmen,  hier  und  in  Aschersleben
gereut.  Jetzt  soll  alles  nur  gehörig  erhalten  und  mit  möglichster  Weisheit  benutzt  werden,  etwas
Neues  wird  mit  meinenWillen  nicht  mehr  geschaffen.  Ich  weiß,  daß  ich  den  16tenApril  50Iahre
alt  werde!  Auf  welche  Weise  das  Feuer  in  A.  aufgekommen,  ist  nicht  zu  ermitteln.  Solltest  Du
vielleicht  in  den  Zeitungen  den  Artikel  darüber  gelesen  haben,  wo  der  Werth  der  Fabrik  aus
200000  Thaler  (sage  200000  Thlr.)  angegeben  wird,  so  melde  ich  Dir  zur  Nachricht,  daß  der  4te
Theil  schon  hinreichend  ist.  Der  Schaden  ist  aus  noch  nicht  30000  Thaler  tariert  und  wir  haben
bei  soliden  Assekuranzen  versichert.  Die  Unterbrechung  des  Geschäfts,  daß  nichts  verdient  wird,
der  Wiederaufbau,  dies  sind  die  nicht  kleinen  Llnannehmlichkeiten,  allein  ich  zürne  nicht  darüber,
warum  soll  ich  ganz  von  Mißgeschikken  befreit  sein?!  ich  habe  nicht  Recht  daraus  Anspruch  zu
machen.  Ich  denke  immer  dann  lebhaft  daran,  daß  ich  vor  30  bis  25Iahren  noch  ein  armer  Jüngling ­
  war  und  nicht  glauben  konnte,  das  mal  in  der  Welt  zu  sein,  was  ich  bin!
Nun  leb  aber  wohl.  Grüße  Deine  Frau  vielmals  und  die  Steinmeyer.  Riekchen,  die  hellte
Abend  oben  ist,  trug  mir  beim  Abeildessen  auf,  Euch  alle  herzlich  zu  grüßen.
Dein  treuer  Brlider  L.  Zllckschwerdt.
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        80

Wir  wollen  nun  noch  an  Geschäftsbriefen,  die  Ludwig  Zuckfchwerdt  erhielt,
zeigen,  wie  weit  feine  Beziehungen  reichten.  Es  leitet  uns  dabei  zugleich  der  Gedanke, ­
  daß  jene  Zeiten  unserer  Erinnerung  bereits  so  sehr  entrückt  sind,  daß  wir
jenes  Gesiihl  des  Verwunderns,  Staunens  und  Bewunderns  empfinden,  das
alle  wichtigeren  Ereignisse  der  Geschichte  in  uns  zu  erregen  pflegen.  Zuerst  ein
Schreiben  aus  dem  Jahre  1835  über  Eisenbahnsachen.  Zuckfchwerdt  erhielt  es,
als  er  sich  aus  einer  zu  seiner  Orientierung  unternommenen  Reise  in  England  befand. ­
  Gerichtet  ist  es  von  der  Firma  Castellane  Söhne  &amp;amp;  Co.  aus  Liverpool  an
Herrn  Zuckfchwerdt  aus  Magdeburg,  z.  Z.  iu  London.  Das  Schreiben  lautet:
.  .  .  •  gereicht  es  mir  zum  Vergnügen,  Ihnen  nachstehend  die  gewünschte  Auskunft  über  die  Anlage ­
  von  Eisenbahnen  zu  überreichen.  Die  Preise  für  Bahneisen  (die  Anlage,  auf  der  sie  vermerkt
sind,  ging  leider  verloren)  .  .  .  verstehen  sich  frei  an  Bord  iu  Newport  in  Wales  mit  3°/o  Skonto
für  bare  Zahlung.  Der  zuletzt  abgeschlossene  Kontrakt  war  für  die  große  Iunction-Bahn  von
Manchester  nach  Birmingham  und  zwar...  £  8.  5/.  hier  hergelegt,  was  mit  £  7.15  ab  Newport
gleichkommt,  später  hat  man  für  die  Verein.  Staaten  keine  Kontrakte  zu  diesen  Preisen  machen
können,  man  verlangt  51-  mehr.  Bei  den  Veränderungen  auf  der  Bahn  zwischen  Liverpool  und
Manchester  wird  ebenfalls  das  Muster  No.  14  angewendet.  Der  Preis  der  Stühle,  die  zum
Befestigen  der  Schienen  auf  Block-  oder  Stein-Llnterlagen  dienen,  ist  £  6.  15  für  die  Tonne.  Die
Fracht  von  Newport  nach  Hamburg  oder  der  Ostsee  ist  schwieriger  zu  bestimmen,  da  alles  davon
abhängt,  ob  viel  oder  wenig  Ostseeschisfe  hier  sind,  die  inan  chartern  könnte,  von  hier  (Liverpool) ­
  nach  Newport  in  Ballast  zu  gehen  und  das  Eisen  einzunehmen.  Englische  Schisse  würden
nicht  unter  201-  für  die  Tonne  laden  können,  Ostseeschisfe  würde  man  dagegen  für  15/-  bekommen
und  wären  hier  vielleicht  noch  billiger.
Die  Unterhaltungskosten  der  Bahn-(Geleise)  an  und  für  sich  ...  ist  garnicht  in  Betracht  zu
ziehen;  bei  Schnee...  ist  eine  Art  Besen  vor  dem  arbeitenden  Rade,  welcher  die  Schienen  reinigt.
Bei  dem  Ankäufe  von  Maschinen  würden  wirIhnen  empfehlen,  nur  die  besten  Meister  zu  wählen,
das  sind:  Stephenson,  Bury  oder  Forrester  &amp;amp;  Co.  Der  erstere  ist  in  Bolton  etabliert  und  hat  die
bedeutendste  Anlage,  die  letzten  sind  hier  in  Liverpool,  hinsichtlich  der  Güte  ihrer  Arbeiten  verdienen ­
  alle  drei  gleichgestellt  zu  werden  Zum  Transport  von  Passagieren,  wo  es  hauptsächlich ­
  aus  eine  schnelle  Beförderung  ankommt,  gebraucht  man  vorzüglich  die  mit  unverbundenen
Rädern,  von  denen  Stephensons  Planeten-Klasse  die  besten  sind.  Zum  Güter-Transport  werden
allgemein  Maschinen  mit  verbundenen  Rädern  gewählt  d.  h.  vier  Räder  von  gleicher  Höhe,  wo
Vorder-  und  Hinterrad  mit  einer  Kurbel  (?)  verbunden  sind,  hierdurch  wird  die  zum  Fortschaffen
schwerer  Güter  erforderliche  größere  Adhäsion  hervorgebracht.  Die  erste  Klaffe  —  mit  unverbundenen
  Rädern  —  ist  am  meisten  in  Gebrauch;  sie  machen  in  14  Stunden  5  mal  den  Weg
zwischen  Manchester  und  Liverpool,  das  sind  150  (englische!)  Meilen,  wobei  der  öftere  Aufenthalt
hauptsächlich  zu  berücksichtigen  ist.  Sie  ziehen  dabei  100  Tonnen  Last  außer  ihrer  eigenen.  Die
Dauerhaftigkeit  der  Maschinen  hängt  von  ihrer  Behandlung  ab.  hier  wie  in  Manchester  sind
Werkstätten,  wo  sie  täglich  untersucht  und  wo  Kleinigkeiten,  die  mangelhaft  sind,  durch  bessere,
neue  Teile  erseht  werden.  Stößt  einer  Maschine  kein  Llnfall  zu  und  läßt  man  nicht  den  Dampferzeuger ­
  und  den  Feuerkasten  durch  Nachlässigkeit  verbrennen,  so  läuft  eine  Maschine  gewöhnlich
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        81

50000  Meilen,  ehe  sie  einer  Lauptreparatur  bedarf.  Alsdann  muß  Feuerkasten  und  Dampferzeuger ­
  gewöhnlich  des  Durchbrennens  halber  erseht  werden,  was  eine  Ausgabe  von  300  bis
400  L  verursacht.  Die  Feuerung  mit  Holzkohlen  würde  weit  vorzuziehen  sein,  da  selbst  die  entschwefelte
  Kohle,  die  man  zum  Leizen  verwendet,  noch  immer  dem  Eisen  sehr  nachteilige  Bestandteile ­
  enthält.  Eine  Lokomotive(-Maschine)  erfordert  V2  ü  Koke  oder  entschweselte  Steinkohle  auf
die  Meile  für  jede  zu  bewegende  Tonne,  das  sind  1500  tt  von  Liverpool  nach  Manchester,  um
100  Tonnen  zu  bewegen....
Nicht  alle  Kreise  waren  damals,  wie  Zlvicker  in  seiner  Festschrift  für  1825  bis
1875  berichtet,  der  Eisenbahn  wohlgesinnt.  Man  wünschte  nicht  „Laus  Dampf
in  allen  Gaffen"  zll  sehen,  und  fürchtete  nicht  mit  Anrecht,  daß  die  alten  Wege
der  Spedition  veröden.  Das  „Publikum"  freilich  träumte  danials  von  kurzen,
schnellen  Reisen,  lvobei  es  fast  unerreichbar  schien.  Strecken  in  zlvei  Stunden
zurückzulegen,  die  wir  heute  tatsächlich  in  gut  einer  Stunde  durchmessen  und  in
einer  halben  Stunde  bei  besserem  Anterbau  schon  heute  zu  durchfahren  imstande
wären.  Zum  Belveise  einige  Zeilen,  die  Brllder  Franz  unterm  28.  März  1835
an  Ludwig  richtete:
„Ich  denke,  das  Reisen  soll  uns  schon  noch  einmal  großes  Plaisir  machen;  denn  hoffeiülich
werdet  Ihr  bald  ein  Eisenbahn-System  anlegen  und  werdet  uns  dabei  nicht  vergessen.  Dann
können  wir  innerhalb  zweier  Stunden  zu  einander  kommen;  oder  wir  kommen  zum  Frühstück
in  Lelmstedt  zusammen  und  sind  noch  am  Vormittage  wieder  zu  Lause.  Das  muß  ja  prächtig
sein.  Anterdefsen  machen  wir  hier  die  Erfindung  —  ä  la  Or.  Weinholz  —  mit  Luftschiffen  nach
Willkür  zu  fahren.  Da  wollen  wir  Eure  Zollbeamten  schon  prellen  und  Euren  Telegraphisten
Possen  spielen."
Anders  urteilte  der  Spediteur  Wilhelm  Dommerich  in  Brannschweig,  der
an  Ludwig  Zuckschwerdt  unterm  13.  Juli  1835  schrieb:
„Es  soll  ein  Eisenbahn-Kommittee  gewählt  werden.  Ich  habe  in  mancher  Rücksicht  gegen  die
Eisenbahn  sprechen  müssen  d.  h.  als  Spediteur  und  es  scheint,  als  wenn  man  es  übel  vermerkte.
Deshalb  und  weil  ich  überhaupt  zu  offen  gegen  die  Menschen  bin,  wird  man  mich  wohl  nicht  mit
ernannt  haben,  vieu  8oit  benit!  Ich  bin  seit  3  bis  4  Jahren  im  Quantum  der  erste  Spediteur  gewesen ­
  und  unbedingt  der  reichste  in  Norddeutschland  excl.Lamburg,  Bremen  und  Magdeburg.
Es  ist  also  ärgerlich,  wenn  durch  die  Eisenbahnen  mein  schöner  Stand  zll  Grunde  geht....
Am  17.7.  35:  Ich  komme  mit  jin  das  Eisenbahn-Kommitteej  hinein,  eonkre  ma  volonte.  Es
ist  eine  Leiden-Geschichte.  Gott  weiß,  was  daraus  werden  lvird."
Ludwig  Zuckschwerdt  muß  hieraus  seinem  Freunde  Dommerich  die  Vorteile
einer  Eisenbahn  für  die  Stadt  Braunschweig  beiveglich  geschildert  haben,  denn
Dommerich  antwortet  unterm  20.Zuli  1835:
„Braunschweig  wird  wohl  ein  Llmladeplatz;  allein  ich  fürchte  doch,  daß  es  mit  meiner  Spedition
  passe  sei,  denn  es  werden  zu  Manche  hineinpfuschen.  Für  Euch  wirds  wegen  der  Seitengeschäfte ­
  glit  sein,  allein  nicht  für  Euer  Geschäft  in  Sachsen,  weil  Leipzig  da  der  Zentralpunkt
wird  lnld  Dresden.  Wenn  ich  übrigens  sagte:  „reich",  so  meiire  ich  als  Spediteur,  sollst  bin  ich
ein  armer  Lork,  besoilders  weil  Magdeburg  mir  solche  chchch-Jnventuren  geliefert  hat.  —  eheu!"
        <pb n="76" />
        82

Zuckschwerdt  hatte  wohl  erkannt,  daß  die  Eisenbahnen  doch  gebaut  werden
würden,  gleichgiiltig  ob  davon  ein  Platz  mehr  Nutzen  ziehe  als  der  andere.  Es
ist  Leipzigs  Verdienst,  die  erste  Bahn  gebaut  zu  haben,  und  sein  Ersolg,  daß  es
sehr  bald  Magdeburg,  dem  es  zu  Beginn  des  19.  Jahrhunderts  ebenbürtig  war,
überflügelte,  wenn  man  auch  vermuten  dars,  daß  sich  ein  Magdeburg  ohne
Festungsgürtel  den  Rang  nicht  hätte  ablausen  lassen.  Llnterm  9.  April  1841
schreibt  Ludw.Zuckschwerdt  an  einen  seiner  Brüder,  es  seien  zwar  „Differenzen
auf  der  Bahn"  vorgekommen,  doch  seien  sie  gleich  wieder  ins  Geleise  gebracht.
Sie  hätten  etwas  Geld  gekostet,  doch  nicht  so  viel,  daß  sich  der  Stand  der  Aktien
dadurch  verschlechtert  habe.  Diese  stiinden  aus  114  °/o,  dürsten  aber  noch  im  Lause
des  Jahres,  wenn  die  Bahn  Berlin—Dessau  in  Gang  gekommen  sei,  aus  120  °/o
steigen.  —  Da  sehen  wir  also,  daß  die  Sache  der  Eisenbahnen  in  wenigenIahren
enorme  Fortschritte  gemacht  hatte.  Im  Jahre  1829  war  sie  bei  den  Ältesten
der  Kaufmannschaft  durch  Leipziger  Privatbriese  zum  ersten  Male  angeregt,
aber  ungünstig  beurteilt  worden  (siehe  Zwicker:  50  Jahre  der  Magdeburger
Kaufmannschaft,  S.  17);  6  Jahre  später  hatten  sich  die  Herren  Walwer,  Spier,
Morgenstern,Buhlers,  Oeltze,Schartow,  Cuny,  Eichel,  Krich  e  ld  orff,  H  o  ltz  ap  fel,
P.  Coqui,  Hildebrandt,  Zuckschwerdt  und  Golden  zu  einem  Eisenbahn-Komitee
zusammengefunden,  und  wiederum  4  —  5  Jahre  darauf  (1839—1840,  siehe
Zwicker  S.  20—21)  war  die  Bahn  nach  Leipzig  fertig  geworden,  der  3  Jahre
später  das  Magdeburg--Halberstädter  Unternehmen  folgte.  —  Fiirwahr,  eine
Zeit  großer  wirtschaftlicher  Umwälzungen,  die  nur  die  tiichtigen,  anpassungsfähigen ­
  Kaufleute  cm  ihrer  Spitze  gebrauchen  konnte.  —  Auch  in  der  Industrie
gärte  es.  Fiir  die  Magdeburger  Börde  und  für  Magdeburg  selbst  wurde  dabei
die  Herstellung  von  Zucker  aus  Rüben,  die  schon  seit  Jahrzehnten,  jedoch  anfangs ­
  ohne  die  erforderliche  Wirtschaftlichkeit,  betrieben  worden  war,  immer
bedeutungsvoller.  Kein  Wunder,  daß  Ludwig  Zuckschwerdt,  desseu  Handlungshaus ­
  diesen  Geschäftszweig  besonders  pflegte,  die  Fragen  der  Zuckerindustrie
und  des  Zuckerhandels  fleißig  studierte,  Auskunft  einholte,  wo  er  konnte,  und
auch  Rat  erteilte,  wo  er  nützlich  zu  sein  wünschte.  Hierfür  bringen  wir  nockeinige
  Belege  bei.  Was  die  Zuckersiederei  anlangt,  so  war  er  daran  nicht  nur
selbst,  wie  wir  sahen,  seit  Ende  der  20  er  Jahre  in  Magdeburg  und  Aschersleben ­
  beteiligt,  wir  können  vielmehr  auch  aus  Briefen,  die  er  erhielt,  erkennen,
wie  er  über  die  1835  erfolgte  Gründung  der  Hallenser  Zuckersiederei  Schritt
für  Schritt  auf  dem  Laufenden  erhalten  wurde,  über  den  Grundstückspreis
(13264  Tlr.),  über  den  Transport  der  Rohmaterialien  von  der  Elbe  und  Saale
durch  die  Schleuse  zur  Fabrik,  über  die  Zeichnung  der  Aktien  usw.  —  Lebhaft
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        83

korrespondierte  Zuckschwerdt  hierüber  mit  Dommerich,  Braunschweig,  dessen
reger  kaufmännischer  Geist  sich  ebensalls  jeden:  neuen  Probleme  mit  Feuer
zuwendete.  —  So  mögen  hier  ein  paar  Sätze  aus  dem  Briese  dieses  treuen
Freundes  von  Ludwig  Zuckschwerdt  und  seiner  Familie  einen  Platz  finden.
Dommerich  schreibt  unterm  11.  November  1835:
„Äeute  hatte  ich  eine  Llnterredung  mit  dem  Finanzdirektor  v.  Arnsberg,  dem  Äaupt-Mann
in  der  Zuckersache.  Er  hat  mir  jede  Loffuung  benommen,  eine  Fabrik  mit  1  Nth.  8  Gr.  Steuer
anlegen  zu  dürfen.  Dies  sei  überall  nur  eine  provisorische  Steuer.  Ich  soll  überlegen,  ob  ich
eine  Fabrik  anlegen  will:  „wenn  die  Steuer  generell  auf  1  Rth.  12  Gr.  gesetzt  würde  und
Sirup  dann  auf  1  Rth.",  und  wem:  ich  inich  hierüber  entschieden  habe,  so  denkt  er  es  dahin
zu  bringen,  daß  allgemein  1  Rth.  12  Gr.  gegeben  wird  und  die  Erteilung  der  Konzession  keine
Schwierigkeit  findet.  Wenn  nun  Sirup  von  18  auf  24  Gr.  kommt,  so  bin  ich  dafür,  daß  wir
daraus  eingehen,  denn  die  ganze  Differenz  würde  bei  8—10000  Ctr.  kaum  700—1000  Rth.
sein  Salomon  versicherte  mich  neulich,  daß  wir  alle  Detaillisten  fest  zu  Abnehmern
haben  würden  Überleg'  nun  die  Sache  und  gieb  mir  Nachricht,  damit  ich  prompt
Bescheid  geben  kann  "
Dieses  Schreiben  Dommerichs  ergänzen  noch  unterm  27.  November  des
gleichen  Jahres  folgende  Darlegungen:
„Ich  habe  in  dieser  Zeit  viel  über  Nunkelrüben-Zuckersabrikation  gelesen  und  glaube,  daß
die  Sache  nicht  so  ganz  ohne  ist.  —  Eggerts  in  Quedlinburg  wollen  ja  schon  9°/o  erreicht  haben,
was  ich  nicht  glaube!  —  Die  Böhmen,  Baiern  (usw.)  sprechen  von  4—5°/o  reinen  Zuckers.
—  Ich  bin  heute  nun  aber  doch  bange  geworden,  daß  wir  nicht  Geld  genug  zu  dein  neuen
Unternehmen  haben,  es  sei  denn,  daß  Ihr  mit  Ernst  'mal  was  zusammenkratzt  und  realisiert.
(So  ist  z.  B.  das  Äaus  in  köalberstadt  wohl  noch  nicht  verkauft!?)  Ich  bin  überrascht,  daß  Ihr
so  viel  Leipzig  verkauft  habt!  Wie  kann  es  Euch  nun  an  Geld  fehlen?  Bei  solchem  Kapital  im
Geschäft  ist  es  rätselhaft,  und  ich  habe  wahrlich  keinen  Überschuß  ä  cause  de  la  Lanco-Äandel."
Noch  aus  demselben  Jahre  (1835)  ist  ein  Bries  eines  Freundes  von  L.  Zuckschwerdt, ­
  des  Äerrn  v.  Äertzberg,  eines  Gutsbesitzers  bei  Bromberg,  erhalten,
der  sich  betreffs  der  Rübenzuckersabrikation  privatim  mit  folgenden  Fragen
vertrauensvoll  an  Zuckschwerdt  wendet:
„Die  ganze  Welt  ist  jetzt  über  die  Gewinnung  von  Zucker  aus  Runkelrüben  in  Bewegung
geraten,  und  so  auch  ich  als  Landmann,  der  durch  den  Anbau  dieser  Riiben  eine  neue  Sonne
aufgehen  sieht.  Bei  Ihnen  in  Magdeburg  sollen  ja  schon  mehrere  Raffinerien  in  fiora  sein
und  das  Produkt  dort  vorzüglich  geliefert  werden.  Mir  kommt  es  also  hauptsächlich  darauf
an,  zuverlässig  zu  erfahren:  1.  Wieviel  Pfund  Zucker  besserer  und  schlechterer  Sorte  können
aus  einem  Scheffel  (?)  Runkelrüben  gewonnen  werden,  den  Scheffel  zu  100  Pfund  gerechnet.
2.  Wie  wird  das  aus  dem  Lande  gewonnene  Material  vom  Landmann  in  die  Zuckersiederei
geliefert,  in  rohem  oder  in  gepreßtein  Zustande?  3.  Wie  hoch  wird  der  Scheffel  Runkelrüben
im  natürlichen  Zustande  bezahlt,  wie  hoch  bekommt  man  im  gepreßten  Zustande  den  Saft  bezahlt,
und  wie  teuer  würde  man  sich  den  Scheffel  Runkelrüben  berechnen  können,  wenn  man  das
Material  selbst  baut  und  auch  selbst  zu  Zucker  verarbeitet  usw.  usw."
        <pb n="78" />
        84

Es  folgen  noch  weitere  4  Anfragen,  die  aber  schon  mehr  in  die  Einzelheiten
eingehen,  fo  daß  deren  Wiedergabe  zu  weit  führt.  Irn  Konzept  der  Antwort,
das  zufällig  als  Einlage  zu  dem  Briefe  vorhanden  ist,  finden  wir  aber  auch  nur
die  deshalb  allein  hier  wiedergegebenen  ersten  drei  Fragen  beantwortet.  Der
Bescheid  lautete  wie  folgt:
„Zu  1.  In  diesem  Jahre  hat  jemand  in  einer  in  der  Nähe  (von  Magdeburg)  liegenden
Fabrik  ans  100  tt  Runkelrüben  8  bis  8P  tt  Zucker  gewonnen,  wogegen  man  im  vorigen
Jahre  nur  5b2bis  6  tt  Zucker  erhielt  und  in  früheren  Jahren  noch  weniger.  Da  nun  aber
täglich  neue  Entdeckungen  in  der  Chemie  gemacht  werden,  fo  läßt  sich  wohl  erwarten,  daß  noch
mehr  als  81/2  tt  Zucker  aus  100  tt  Rüben  gewonnen  werden.
„Zu  2.  Die  Rüben  werden  nicht  roh  zur  Fabrik  geliefert,  weil  der  Fabrikant  in  der  Regel
in  der  Stadt  wohnt  und  keinen  Viehstand  hat,  um  die  Preßrückstände,  die  ein  herrliches  Futter
für  jedes  Vieh  geben,  mit  Vorteil  verwenden  zu  können.—  Der  ausgepreßte  Saft  kann  nicht
versandt  werden,  weil  er  sofort  Sauerstoff  aus  der  Luft  anzieht  und  dadurch  schwarz  und  zum
Einkochen  untauglich  wird;  er  muß  also,  unmittelbar  nachdem  er  ausgepreßt  ist,  eingedickt
d.  h.  zu  Sirup  eingesotten  werden.  Als  solcher  wird  er  von  den  Fabrikanten  gekauft.
Zu  3.  Kier  in  unserer  Gegend  hat  man  die  100  tt  Rüben  mit  6  bis  7  Sgr.  bezahlt.  Auf
einem  Magdeburger  Morgen  erntet  man  in  der  Regel  auf  gutem  Boden  3300  tt  von  der
kleinen  langen  Rübe,  welche  die  beste  zur  Zuckerfabrikation  ist.  Von  einer  größeren,  aber  bei
weitem  nicht  so  zuckerhaltigen  Rübe  kann  wohl  das  doppelte  geerntet  werden."
Glauben  wir  mit  diesen  Zeilen  manche  interessante  Einzelheiten  über  die
Zuckerfabrikation  vergangener  Zeiten  in  die  Erinnerung  zurückzurufen,  so  soll
die  kleine  Auswahl  von  Briefell,  auf  die  wir  uns  beschränkten,  ein  Auszug  alls
einem  unterm  9.April  des  Jahres  1841  an  einen  seiner  Brüder  gerichteten  Brief
beschließen,  der  uns  zeigen  mag,  wie  ernst  es  Zuckschwerdt  mit  seiner  Aufgabe
als  Vertreter  der  Magdeburger  Kaufmannschaft  nahm.
„Nichts  hat  mir  aber  seit  Jahre»  mehr  zu  schaffen  gemacht,  als  der  holl.  Tractat,  indem  die
Minister,  die  ihn  abgeschlossen,  ihren  dummen  Streich  nicht  einsehen  wollten,  und  demnach
auf  seine  Verlängerung  angetragen  haben.  Vor  3  Wochen  stand  ich  schon  mit  einem  Fuße
im  Wagen,  um  als  Deputirter  aus  alle  Fälle  den  König  selbst  zu  sprechen,  als  in  demselben
Augenblicke,  wie  ein  heiterer  Sonnenstrahl  aus  trübem  Gewölle  die  Nachricht  einging:  der
König  habe  das  Ansinnen  der  Minister  verworfen.  Dies  bestätigte  sich  auch  bald  durch  Maßregeln, ­
  die  der  König  verordnete,  um  die  Sache  genall  zu  prüfen,  z.  B.  Commissionen  in  allen
Provinzen  und  von  allen  Ständen,  um  ihr  inotivirtes  Gutachten  abzugeben  und  dergl.  Dies
lind  die  Petition  an  die  Stände,  die  jetzt  in  Merseburg  zusammen  sind,  und  die  vielen  Conferenzen,
  die  ich  deshalb  habe  halten  müssen,  nahm  mich  seit  3  Monaten  ungemein  in  Anspruch, ­
  und  iloch  immer  geht  es  so  fort!  Am  15.  d.  haben  wir  eine  General-Versammlung  aller
Rübenzuckerfabrikanten  der  Vereinstaaten,  etwa  140  an  der  Zahl,  die  hier  in  Magdeburg  zusammen ­
  kommen  werden.  Es  wird  beabsichtigt,  denl  neuen  Industrie-Zweige  eine  nloralische
Kraft  zu  geben,  die  Eintracht  zu  befestigen  oder  hervorzubringen  lind  eine  „intellektuelle  Gegenseitigkeit" ­
  zu  erzielen;  auch  soll  ein  gemeinschaftlicher  Foilds  gebildet  werden.  .  .  Sonach
sehen  wir  augenblicklich'mal  wieder  in  einen  heiteren  Kümmel  und  Koffnung  stärkt  uns!"
        <pb n="79" />
        85

Wer  die  Briefe,  die  wir  hier  abdruckten,  mit  freiem  Blicke  liest,  wird  nicht
nur  erkennen,  daß  Zuckschwerdt  ein  gewandter  und  erfahrener  Kaufmann  war,
sondern  auch,  daß  er  als  „Persönlichkeit"  im  Goetheschen  Sinne  des  Wortes
mit  den  Jahren  wuchs.  In  dem  langen  Schreiben  vom  10.  Januar  1841,  das
wir  gerne  vollständig  wiedergeben,  tritt  er  uns  als  fertiger  Mensch  entgegen,
ruhig,  sicher,  zufrieden;  jedoch  nicht  ohne  die  schuldige  Dankbarkeit  gegen  ein
giitiges  Geschick,  das  ihm  das  Ziel  seines  Lebens  erreichen  hals,  jenes  Zieles,
welches  schließlich  weiter  nichts  bedeuten  konnte,  als  die  Gewinnung  eines
günstigeren  Ausgangspunktes  für  die  folgenden  Generationen,  deren  Schicksal
  wir  nunmehr  unsere  Aufmerksamkeit  zuwenden.
II.  Hermann  Ludwig  Alexander  Zuckschwerdt.
Äermann  Zuckschwerdt  wurde  geboren  am  10.  Jan.  1826.  Von  4  Kindern
überlebte  er  als  einziges  seinen  Vater.  Nachdem  Äermann  die  Magdeburger
„höhere  Gewerbe--  und  Handelsschule"  besucht  hatte,  wurde  er  Lehrling  im  väterlichen ­
  Geschäft  und  im  August  1845,  also  mit  19  Jahren,  Gehilfe  im  Hamburger
Äause  A.  W.  Goerne  &amp;amp;  Co.  Daran  schloß  sich  für  ihn  ein  Aufenthalt  in  England
und  Frankreich,  der  seinen  kaufmännischen  Blick  weitete.  Der  Tod  des  Vaters
nötigte  dann  den  Zweiundzwanzigjährigen,  zurückzukehren  und  in  die  Firma
Zuckschwerdt  L  Beuchel  einzutreten.  Im  Jahre  1850  wurde  er  Chef  der  Firma.
War  der  Vater,  Ludwig,  der  Gründer  vieler  verzweigter  Unternehmungen  der
Firma,  so  wußte  der  Sohn  das  Geschäft  zu  vereinheitlichen.  Mit  aus  diesem
Grunde  setzte  er  sich,  wobei  er  übrigens  dein  ausdrücklichen  Wunsche  seines  verstorbenen ­
  Vaters  folgte,  im  Jahre  1852  mit  der  Familie  Beuchel  auseinauder.
Bei  dieser  Trennung  kamen  das  Kohlengeschäft  und  die  Zuckerfabriken  au  die
Familie  Beuchel,  während  Lermann  nach  Abfindung  seiner  Schwester,  Frau
Clara  Bette,  die  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuchel  als  Alleininhaber  iibernahm.
Wie  sein  Vater  schon  am  1.Januar  1837  die  Zichoriensabrik  Dommerich  &amp;amp;  Co.
an  Äerrn  Carl  Bartels  abgegeben  hatte,  so  stieß  auch  Äermann  Zuckschwerdt
einzelne  kleinere  Unternehmungen  ab,  um  sein  Geschäft  mehr  aus  den  Kolonialwarenhandel
  und  die  Zuckerwarensabrik,wie  endlich  aus  den  immer  mehr  emporblühenden ­
  Zuckerhandel  und  das  damitverbundene  Bankgeschäftzu  konzentrieren.
Im  Jahre  1857  gab  er  das  Kolonialwarengeschäst  aus  und  im  Jahre  1863  die
Zuckerwarensabrik.  Anderseits  ist  zu  erwähnen,  daß  sich  die  Firma  Zuckschwerdt
Lr  Beuchel  von  1851—1863  bei  der  Zuckerrasfinerie  von  E.C.Äelle  beteiligte  und
—  in  sehr  glücklicher  Voraussicht  späterer  Entwickelung—bei  Steinkohlengruben,
namentlich  bei  der  Magdeburger  Bergwerksgesellschaft,  Zeche  Königsgrube.
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        86

Frau  Ernestine  Zuckschwerdt  geb.  Koch.  Hermann  Zuckschwerdk.
Ist  schon  ans  diesen  Tatsachen  zu  schließen,  daß  D  ermann  Zuckschwerdt,  nicht
gewillt,  sich  nur  iu  den  alten  Bahnen  der  Firma  zubewegen,  auch  befähigt  und
bereit  war,  neue  Formen  und  'Arbeitsgebiete  für  sein  Geschäft  auszuwählen,
so  heben  wir  doch  als  sein  größtes  Verdienst  hervor,  daß  er  das  Magdeburger
Zucker-Exportgeschäft  zu  entwickeln  verstand.  Er  war  es,  der  zuerst  den  Export
deutschen  Zuckers  nach  England  begann,  zuerst  in  kleinem  Umfange  durch  Fredk.
Luch  &amp;amp;  Eo.,  dann  gemeinsam  mit  seinem  Freunde  C.  Czarnikow  (erst  Czarnikow
&amp;amp;  Newton)  in  großem  Maßstabe.  Ebenso  führte  er  zuerst  mit  Liste  seines  Vertreters ­
  io.  E.  Möring  Rübenzucker  nach  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika
ein  und  nahm  2lnteil  an  dem  Export  Österreichs  nach  England  und  Lolland.
In  diesem  Unternehmen  bewährte  sich  der  kaufmännische  Geist,  den  L  ermann
Zuckschwerdt  von  seinem  Vater  ererbthatte.  Nach  demWahlspruche  „nee  temer-e
nec  timide  wägte  er  seine  Kräfte  und  wagte  dann,  fand  er  sie  stark  genug,  kiihn.
Doch  ioermann  Zuckschwerdt  zeigte  nicht  nur  spekulativ-kaufmännische  Fähigkeiten, ­
  er  war  auch  eine  Persönlichkeit,  die  großen  Eifer  für  die  Angelegenheiten
seines  Standes,  seinerVaterstadt  und  des  Vaterlandes  an  den  Tag  legte.  Liebevollste ­
  Fürsorge  widmete  er  den  Fragen  der  kaufmännischen  Vor-  und  Fachbildung,
  und  gerade  in  diesen  Fragen  unterstützte  er  oft  den  Magdeburger  Kaufmännischen ­
  Verein  mit  Rat  und  Tat.  Bei  solchem  Intereste  für  öffentliche
        <pb n="81" />
        87

Angelegenheiten  konnte  es  nicht  fehlen,  daßLermanns  stark  ansgeprägtePersönlichkeit
  die  Aufmerksamkeit  der  einflußreichsten  Kreise  Magdeburgs  aus  sich  zog.
So  sehen  wir  denn,  daß  er  schon  am  21.  Dezember  1855  zum  stellvertretenden
Ältesten  der  Kaufmannschaft,  am  27.  Dezember  1861  zum  Ältesten,  und  unterm
21.  Mai  1871  zum  dritten  Vorsteher  gewählt  wurde.  Als  Vorsteher  der  Kauft
Mannschaft  vertrat  er  (nach  der  Magdeburgischen  Zeitung  vom  1.Jan.  1874)  die
Landelsintereffen  seiner  Vaterstadt  „mit  seltener  Lingabe,  ohne  jede  Rücksicht
und  mit  großem  Geschick,  so  daß  er  mit  Recht  als  eine  Zierde  unseres  Ältestenkollegiums ­
  bezeichnet  wurde....  Zn  politischer  Beziehung  hielt  er  sich  anfangs
zur  altliberalen  Partei,  in  der  er  aber  eine  ganz  selbständige  Stellung  einnahm.
Dies  war  die  Veranlassung,  daß  ihn  Männer,  die  ihm  politisch  gar  nicht  einmal
besonders  nahe  standen,  an  Stelle  des  .Zerrn  v.  Anruh,  siir  den  er  einst  in  seiner
Partei,  als  diese  ihn  fallen  lassen  wollte,  mit  der  ganzen  Wucht  seines  Einflusses
eingetreten  war,  zum  Abgeordneten  vorschlugen.  Er  wurde  denn  auch  1871
mit  großer  Majorität  gewählt,  trat  in  die  nationalliberale  Partei  als  Mitglied
ein,  fungierte  u.  a.  als  Referent  über  das  Gesetz,  die  Abschaffung  der  Mahlund
  Schlachtsteuer  betreffend,  und  wurde  allmählich  ein  strammer  Parteimann.
Das  Vertrauen  zu  seiner  politischen  Tätigkeit  hatte  sich  unter  seinen  Wählern
so  weit  befestigt,  daß  seine  Wahl  1873  einstimmig  erfolgte."
Leider  wurde  dieser  treffliche  Mann  seinem  großen  Wirkungskreise  bereits  am
30.  Dezember  desselben  Zahres  durch  den  Tod  —  er  starb  an  Typhus  —  entrissen.
Worte  der  wärmsten  Liebe  lind  Verehrung  wurden  an  seinem  Grabe  laut.  So
schrieben  die  Ältesten  der  Kaufmannschaft  zu  Magdeburg:
„Anser  Kollegium  hat  einen  schweren,  einen  schmerzlichen  Verlust  erlitten.  .Herr  .Hermann
Zuckschwerdt,  gleich  seinem  vor  25  Jahren  Heimgegangenen  Vater  Vorsteher  der  Kausmaunschast,
  ist  durch  den  Tod  aus  unserer  Mitte  gerissen.  Anserem  Kollegium  seit  18  Jahren  angehörend, ­
  hat  er  sich  stets  durch  hervorragende  Geistesfrische,  besondere  Energie,  große  Sachkenntnis ­
  und  wärmstes  Interesse  für  alles,  was  den  Magdeburgischen  Äandel  fördert  und  ihm
dienlich  ist,  bei  unseren  Arbeiten  hervorgetan,  wie  es  wenigen  vergönnt  ist.  In  vielen,  in  weiten
Kreisen  wird  die  Lücke  fühlbar  sein,  die  uns  seinen  Verlust  so  schmerzlich  empfinden  läßt.
Neben  dem  Gefühl  dieses  schweren,  schmerzlichen  Verlustes  wird  uus  die  Erinnerung  an
den  Verblichenen  und  an  seine  erfolgreiche  Tätigkeit  unvergeßlich  bleiben."
Auch  die  Stadtverordneten-Versammlung  erlitt  durch  Zuckschlverdts  Tod
einen  schweren  Verlust,  denn  viele  Jahre  hindurch  lvar  er  ihr  Mitglied  gewesen
und  sein  Votum  hatte  in  allen  wichttgen  Fragen  eine  besondere  Beachtung  gesunden. ­
  Die  Stadt  hatte  einen  ihrer  besten  Bürger  verloren,  einen  Mann,  der
trotz  seiner  großen  Fähigkeiten  und  mannigfachen  Ehrenämter  von  persönlicher
Eitelkeit  und  Streben  nach  äußerlichen  Auszeichnungen  völlig  frei  war.
        <pb n="82" />
        88

So  ward  denn  die  Feierlichkeit  seiner  Beisetzung  eine  imposante  Kundgebung
weitester  Kreise  der  städtischen  Organisation,  der  Korporation  der  Kausmannschast
  und  der  Bürgerschaft  Magdeburgs.
Über  Lermann  Zuckschwerdts  häusliche  und  Familien-Verhältniffe  wollen
wir  hier  noch  bemerken,  daß  er  sich  am  15.  Mai  1851  mit  Ernestine  Koch,  einer
Tochter  des  ehem.  Ministers,  Geheimrats  Koch  in  Caffel,  vermählte.
Diese  Verbindung  mag  ihm  den  Gedanken  nahegelegt  haben,  seiner  Familie
und  auch  seiner  Firma  ein  würdig  eingerichtetes  Lein:  und  Laus  zu  geben.  So
sehen  wir  denn,  daß  er,  dem  sonst  aller  Prunk  sern  lag,  aus  dem  Grundstück  in
der  Spiegelbriicke  einen  prächtigen  Neubau  ausführte,  worin,  wie  besonders
erwähnt  werden  mag,  Baumeister  Ende  dem  Treppenhaus  in  Anlehnung  an
Genueser  Patrizierhäuser  eine  besonders  geschmackvolle  Ausgestaltung  und
Ausstattung  geben  durfte.  —  In  diesem  Lause  wurden  Lermann  Zuckschwerdt
drei  Kinder  geboren,  namens  Wilhelm,  Julie  llnd  Lermann.
III.  Wilhelm  Zuckschwerdt.
Wie  sein  Vater  Lermann,  so  wurde  auch  Wilhelm  Zuckschwerdt,  der  älteste
Sohn  Lermanns,  durch  den  Tod  des  Vaters  zur  unerwartet  frühen  Übernahme
des  Geschäftes  gezwungen.  Als  sein  Vater  starb,  war  Wilhelm  zur  Kräftigung
seiner  Gesundheit  sern  im  Siiden.
Man  braucht  nur  an  das  Jahr  1873,  das  Todesjahr  des  Vaters,  zu  denken,  um
eine  Erinnerung  daran  zu  wecken,  welch  schwere  Gewitterwolken  sich  damals
um  viele  gute  deutsche  Landlungsfirmen  zusammenzogen.  Wie  aber  dem  Vater
in  der:  ersten  Geschäftsjahren  als  treuer  Mitarbeiter  Lerr  Carl  Bandau  die
Übernahme  der  Geschäfte  erleichtert  hatte,  so  waren  nach  Zuckschwerdts  Tode
die  Lerren  Wilhelm  Leißner  und  Mewes,  später  Gustav  Belsch  und  Wilhelm
Burchardt  der  Witwe  und  dem  ältesten  Sohne  treue  Lelfer.—  Am  1.  Jan.  1875
übernahm  Wilhelnr  Zuckschwerdt  die  selbständige  Leitung  der  Firma.  Der
junge  Chef  hat  schwere  Zeiten  voriiberziehen  sehen;  man  denke  an  den  Sturm,
der  über  das  Zuckergeschäst  Ende  der  80  er  Jahre  hereinbrach;  doch  er  machte
das  Sprichwort  zu  schänden,  das  besagt,  im  kaufmännischen  Leben  verzehre  die
dritte  Generation,  was  die  erste  und  zweite  erworben  und  gemehrt  habe.  Aus
ihn,  der  die  Firma  durch  alle  Fährniffe  zu  großen  Erfolgen  führte,  haben  sich
vielmehr  kaufmännischer  Geist,  kaufmännische  Fähigkeiten  und  ferner  auch  kaufmännischer ­
  Berufstolz  aufs  gliicklichste  und  erfreulichste  vererbt.
Verbietet  es  sich  von  selbst,  in  einer  Festschrift,  wie  der  vorliegenden,  persönliche ­
  Urteile  über  die  Lerren  zu  fällen,  die  heute  als  Mitglieder  und  Vorsteher
        <pb n="83" />
        89

an  der  Spitze  der  Handelskammer  stehen,  so  dürfen  wir  doch  den  Inhalt  der
Llrkunde  wiedergeben,  die  Lerrn  Kommerzienrat  Wilhelm  Zuckschwerdt  von  der
Handelskammer  zu  seinem  25  jährigen  Jubiläum  als  selbständiger  Kaufmann
unterm  1.  Januar  1900  überreicht  wurde.  Das  Schreiben  lautet:
„Lochgeehrter  Lerr  Kommerzienrat,  liebwerter  Kollege!  Am  1.  Januar  1875  wurden  Sie,
der  älteste  Sohn  des  verstorbenen  Kaufmannes  und  zweiten  Vorstehers  des  früheren  Ältesten-Kollegiums,
  des  Lerrn  Lermann  Zuckschwerdt,  Teilhaber  der  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuchel.
Sie  feiern  mithin  am  heutigen  Tage  das  Jubiläum  Ihrer  fiinfundzwanzigjährigen  Tätigkeit
als  selbständiger  Kaufmann.  Der  bedauerlich  frühe  Tod  Ihres  Vaters  hatte  zur  Folge,  daß
Sie  schon  in  jugendlichem  Alter  zu  der  verantwortungsreichen  Stellung  des  Leiters  eines  recht
bedeutenden  Geschäftes  berufen  wurden.  Durch  hingebungsvolle  Arbeit  fanden  Sie  sich  jedoch
in  kürzester  Frist  in  Ihre  schwierige  Aufgabe  hinein  und  bald  erwarben  Sie  sich  einen  scharfen
kaufmännischen  Blick,  der  sich  bei  Ihnen  mit  kühnem  Unternehmungsgeist  aufs  glücklichste  paart.
Besonders  aber  freut  es  uns,  Ihnen  am  heutigen  Tage  dasiir  Dank  sagen  zu  können,  daß  Sie
es  jederzeit  verstanden  haben,  in  ihrer  geschäftlichen  Tätigkeit  neben  dem  Interesse  Ihrer  Firma
das  Interesse  der  Kausmannstadt  Magdeburg  anderen  Plätzen  gegenüber  weitgehend  gu  berücksichtigen. ­
  Wenn  Sie  am  heutigen  Tage  auf  das  abgelaufene  Vierteljahrhundert  zurückblicken,
so  sind  der  Stolz  auf  das,  was  Sie  erstrebt  haben,  und  die  Freude  über  die  Erfolge,  die  Sie
erzielten,  durchaus  gerechtfertigt.  Wie  hoch  Ihre  kaufmännische  Tüchtigkeit  in  der  Magdeburger
Geschäftswelt  angeschlagen  wird,  dafür  spricht  der  Amstand,  daß  Sie  in  einer  großen  Anzahl
bedeutender  Erwerbsgesellschaften  die  Stellung  eines  Aussichtsratsmitgliedes  einnehmen;  das
bekundet  auch  Ihre  Ernennung  zum  Handelsrichter,  die  bereits  im  Jahre  1887  erfolgte,  das
beweist  endlich  vor  allem  Ihre  Stellung  in  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  und  in  der
jetzigen  Handelskammer.  Nachdem  Sie  im  Jahre  1875  in  die  Korporation  der  Kaufmannschaft
ausgenommen  worden  waren,  wurden  Sie  im  Jahre  1884  in  das  Ältesten-Kollegium  berufen
und  von  der  Handelskammer  im  Januar  1899  —  sofort  bei  deren  Errichtung  —  zum  ersten
stellvertretenden  Vorsteher  gewählt.  Die  Handelskammer  gab  damit  nur  der  Wertschätzung  Ausdruck, ­
  der  sich  Ihre  reiche  Erfahrung,  Ihre  Sachkenntnis,  Ihre  bedeutende  Arbeitskraft  und  Ihre
im  Widerstreit  der  Interessen  stets  bewährte  uneigennützige  und  unbeugsame  Gesinnung  bei  allen
Mitgliedern  ohne  Ausnahme  erfreuten.  Wir  nehmen  gern  Veranlassung,  Ihnen,  hochverehrter
Herr  Kommerzienrat,  zu  Ihrem  heutigen  Festtage  unsere  herzlichsten  Glückwünsche  auszusprechen
und  der  Freude  darüber  Ausdruck  zu  geben,  daß  Ihr  in  Anbetracht  dieser  Jubelfeier  jugendliches ­
  Alter  uns  zu  der  Hoffnung  berechtigt,  daß  uns  Ihre  anregende  und  treue  Mitarbeit  noch
auf  viele  Jahrzehnte  mit  stets  wachsendem  Erfolge  erhalten  bleiben  wird."
        <pb n="84" />
        90

Aus  der  Reihe  der  zweiten  und
dritten  Vorsteher.
Anker  den  zweiten  und  dritten  Vorstehern  der  Kaufmannschaft  und  Handelskammer,  deren
Namen  und  Amtsdauer  wir  schon  angaben,  sind  mehrere  zur  zweiten  oder  zur  ersten  Vorsteher-Stelle ­
  „aufgerückt".  Bei  den  ersten  Vorstehern  zählten  wir  7  Persönlichkeiten  (in
8  Amtsperioden).  Scheiden  wir  bei  den  zweiten  Vorstehern  diejenigen  ans,  die  erste  Vorsteher
wurden,  so  bleiben  von  11  Lerren  8,  scheiden  wir  bei  den  dritten  Vorstehern  diejenigen  aus,
die  zweite  oder  erste  Vorsteher  wurden,  so  bleiben  von  15  Lerren  7,  das  sind  zusammen
15  Lerren,  über  deren  Persönlichkeit  wir  Nachrichten  beizubringen  hätten.  Diese  Zahl  verringert ­
  sich  aber  noch  um  4,  weil  wir  von  Ludwig  Zuckschwerdt  (1836  dritter  und  1837—1848
zweiter  Vorsteher),  von  Lermann  Zuckschwerdt  (1871—1873  dritter  Vorsteher)  und  von
I.  W.  Beuche!  (1848—1865  dritter  Vorsteher)  bereits  in  dem  Abschnitte,  der  von  Wilhelm
Zuckschwerdt  und  seinen  Vorfahren  handelt,  berichteten,  endlich  von  Gustav  Äubbe  (1866—1871
dritter  Vorsteher)  in  dem  Abschnitte,  der  Otto  Äitbbc  und  seinen  Vorfahren  gewidmet  ist.
Danach  harren  noch  einer  Würdigung  ihrer  Tätigkeit  folgende  11  Lerren:  von  den  zweiten
Vorstehern?,  nämlich:  Walwer  (1825—1835),  Buhlers  (1836),  Dihm  (1848—1865),  Loltzapfel
  (1865-1866),  Weichsel  (1877-1887),  Lauswaldt  (1889-1898)  und  Arnold  (seit  1905);
und  von  den  dritten  Vorstehern  4,  nämlich:  Marter  (1837—1843),  Reichardt  (1881),  Pilet
(1882—1900)  und  Morgenstern  (seit  1902).  —  Leider  war  es  uns  unmöglich,  in  der  uns  zur
Verfügung  stehenden  Zeit  verwertbare  Nachrichten  über  das  Leben  der  Lerren  Walwer,
Buhlers,  Dihm,  Loltzapfel  und  Marter  einzuziehen.  Dein  Bilde  von  J.G.  Marter  gesellten
wir  das  von  I.  W.  Beuchet.  Beide  sind  einst,  wie  erwähnt,  dritte  Vorsteher  gewesen.  Neben
W.  Loltzapfel  rückten  wir,  um  Robert  Weichsel,  dem  modernen  Großkaufmann,  seine  Sonderstellung ­
  zu  lassen.  Gottlieb  Schütze,  der  zwar  nicht  selbst  Vorsteher  war,wohl  aber  als  Lehrmeister
Carl  Denekes  eine  besondere  Aufmerksamkeit  verlangen  kann.  Vielleicht,  daß  aus  dem  Gruppenbilde ­
  des  Eisenbahn-Aussichtsrates,  das  wir  auf  Seite  18  nachbildeten,  die  Züge  eines  oder
mehrerer  der  sonst  noch  hier  genannten  Lerren  wiederzufinden  sind.  Noch  leben  Biirger  genug
in  Magdeburg,  deren  Erinnerung  soweit  zurückreicht,  daß  sie  Auskunft  geben  könnten,  wenn  auch
unsere  Nachforschungen  fast  vergeblich  waren.  Wir  haben  das  Bild  nicht  nur  einzelnen  Lerren,
die  uns  als  besonders  personenkundig  geschildert  worden  waren,  ins  Laus  getragen,  wir  haben
es  auch  zur  Loge  „Ferdinand  z.  Gl."  geschickt,  wo,  wie  es  heißt,  alte  Magdeburger  Traditionen
lind  Familiengeschichten  besonders  sorgfältig  von  Generation  zli  Gelleration  vererbt  lverdeil.
Ja,  wir  haben  schließlich  von  der  Eisenbahnverwaltung  entsandte  „alte  Eisenbahner"  gehört,
aber  viel  wurde  bislang  nicht  erreicht.  Ideiltisiziert  sind  Lasselbach  nild  Defoy;  vermutet  werdeir
noch  in  vier  Gestalten:  Deneke,  Dihm,  Wilhelm  Schieß  und  Walwer.  Der  freundliche  Leser
möge  nun  unser  Rätsel  raten!  —  Sollte  unsere  Veröffentlichung  dazu  beitragen,  daß  alle  aus
dem  Bilde,  welches  ilns  die  Eisenbahn-Verwaltung  gütigst  für  unsere  Zwecke  überließ,  dargestellten ­
  Persollen  rekognosziert  würden,  so  wäre  uils  dies  eine  frelidige  Genugtuung.  —  Es
bleiben  nach  alledem  von  15  Lerren  nur  6,  über  deren  Verdienste  wir  hier  berichten,  nämlich  die
Lerren  R.  Weichsel,  W.  Lauswaldt,  L.  Reichardt,  O.  Pilet,  O.  Arnold  lind  W.  Morgenstern.
        <pb n="85" />
        M

91
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        92

Robert  Weichsel
Königl.  Kommerzienrat
Firma:  R.  Weichsel  &amp;amp;  Co.
Zweiter  Vorsteher  der  Kausmannschast  vom  3.  Oktober  1877  bis  März  1887
Quelle:  Aufzeichnungen  seines  Schwiegersohnes,  des  Kommerzienrats  Emanuel  Baensch.
Zn:  väterlichen  Lause,  der  sogenannten  „Buscheschen  Kurie"  am  Domplatz,
gegenwärtig  Regierungsgebäude,  wurde  Robert  Weichsel  am  24.  März  1825
(1826?)  geboren.  Lier  verlebte  er  unter  der  Obhut  seines  Vaters  und  unter  der
treuen  Fürsorge  seiner  Mutter,  einer  Tochter  des  Kommerzienrats  uild  Konsuls
Aug.  Morgenstern,  im  Kreise  seiner
Geschwister  seine  erste  Jugend.  Noch
im  späten  Alter  erzählte  er  oft  und
gern  von  dieser  glücklichen  Zeit.  Schon
frühzeitig  zeigte  er  ein  lebhaftes  Jntereffe
  für  die  Natur.  Er  streifte  gern
ül  Feld  und  Flur  herum,  beobachtete
den  Flug  derVögel  und  suchte  das  ihn
fesselnde  Bild  mit  Griffel  oder  Pinsel
auf  dem  Papiere  festzuhalten.  Sein
Maltalent  förderte  sein  Interesse  für
die  Kunst,  deren  Freund  und  Gönner
er  bis  zu  seürem  Lebensende  geblieben ­
  ist.  Als  nun  aber  die  Berufsfrage
ernstlich  an  ihn  herantrat,  da  sah  er
ein,  daß  es  besser  für  ihn  war,  sich  die
Kunst  als  Freundin  freier  Stunden
zil  erhalten,  und  Kaufmann  zu  werden. ­
  Seine  Lehrzeit  absolvierte  er  in
einem  Materialwarengeschäft  in  Gotha.  Dort  mußte  er  nicht  nur  kaufmännische
Dienste  verrichten,  sondern  auch  gleich  allen  übrigen  Lehrlingen  mit  für  die
Reinigung  der  Geschäftslokale  und  für  die  Erfüllung  häuslicher  Obliegenheiten
sorgen.  Treu  und  gewissenhaft  unterzog  er  sich  diesen  Aufgaben.  Nach  der
Lehrzeit,  die  er  zur  Zufriedenheit  seines  Chefs  vollendet,  durfte  Robert  Weichsel
nach  London  und  Liverpool  reisen,  um  an  diesen  großen  ausländischen  Handelsplätzen ­
  den  riesenhaften  internationalen  Verkehr  kennen  zu  lernen.  Lier  fand
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        93

er  ein  reiches  Feld  seiner  Tätigkeit,  ja  er  fühlte  sich  bald  so  heimisch,  daß  er  mit
dem  Gedanken  umging,  sich  dort  mit  einem  Freunde  zusammen  niederzulassen.
Doch  es  kain  anders.  Eine  schwere  Erkrankung  seines  Vaters  nötigte  ihn  1855,
nach  Magdeburg  zurückzukehren.  Hier  besprach  er  seine  Pläne  mit  seinem  Onkel
Morgenstern,  der  ihn  bestimmte,  in  Deutschland  zll  bleiben  und  an  Stelle  des
kiirzlich  verstorbenen  Herrn  Placke  in  die  Firma  Brandt  &amp;amp;  Placke  einzutreten.
Im  Jahre  1861  schied  Robert  Brandt,  um  eine  Zichorienfabrik  zu  errichten,  aus
der  Firma  aus,  die  Robert  Weichsel  nunmehr  unter  dem  Namen  Weichsel  &amp;amp;  Co.
allein  weiter  betrieb.
Robert  Weichsel  war  ein  lauterer  lind  klarer  Charakter.  Sein  reiches  Wissen
und  seine  vorzüglichen  kaufmännischen  Kenntnisse  befähigten  ihn,  sein  Geschäft
kräftig  vorwärts  zll  bringen  lnld  es  nicht  nur  zu  einem  der  angesehensten  der
Stadt  Magdebllrg,  sondern  auch  zu  einem  im  Auslande  wohlbekannten  lnld
hochgeachtete;!  zu  machen.  Seine  persönlichen  Beziehungen  zu  fremden  Ländern
kamen  ihm  dabei  sehr  zugute.  Robert  Weichsel  stellte  sich  gern  die  Aufgabe,
seine  kaufmännische  Tätigkeit  auch  aus  Gebiete  zu  verlegen,  die  weniger  bekannt
und  bearbeitet  sind.  Er  war  sich  bewußt,  damit  zwar  eine  größere  Miihe  zu  übernehmen, ­
  hoffte  aber  auch,  entsprechend  größeren  Erfolg  zu  erzielen.  Diesem
Drallge  folgend,  entwickelte  er  ein  ganz  außergewöhnliches  Geschick,  neue  Geschäftszweige
  zu  begründen  und  zu  organisieren.  Der  Wandel  der  Zeiten,  der
sich  während  seiner  Tätigkeit  durch  Ausnutzung  der  Dampfkraft,  Ausbreitung
der  Telegraphie  usw.  vollzog,  spiegelte  sich  in  dem  Entwicklungsgänge  des  Geschäftes ­
  von  R.Weichsel  Lr  Eo.  wieder.  Er  begriindete,  den;  jeweiligen  Bedürfnisse ­
  seines  Geschäftes  nachgehend,  Niederlassungen  seiner  Firma  in  Mailand,
Neapel,  Hamburg,  London  und  Staßfurt,  imt&amp;gt;  knüpfte  lebhafte  Beziehungen
zll  Skandinavien,  Frankreich  mtb  den  Vereinigten  Staaten  all.  Anfangs  bildete
der  Magdeburger  Produktenhandel  die  Grundlage  des  Geschäftes  von  Robert
Weichsel;  deil  Erzeugnissen  der  Magdeburger  Börde  suchte  er  im  Auslande
Absatz  zu  verschaffen.  Tausende  voll  Fässern  Sauerkohl  und  Kirschsaft  fanden
ihren  Weg  nach  Amerika,  bis  man  dort  lernte,  diese  Waren  selbst  zu  erzeugen.
Dabei  nahm  die  Firma  altch  lebhastell  Anteil  am  Aufschwünge  verschiedener
heimischer  Industrien,  wie  der  Sprit-,  Paraffin-  und  Kali-Industrie.  Später
erstreckte  sich  das  Geschäft  auch  aus  ausländische  Waren.  Eil;  so  ausgedehntes
und  vielseitiges  Geschäft  nahm  selbstverständlich  die  Kräfte  des  Inhabers  stark
in  Einspruch.  Bedenkt  man,  daß  Robert  Weichsel  daneben  ausgeprägte  künstlerische
  und  lvissenschaftliche  Neigungen  besaß,  daß  er  in  der  Stadtverwaltung
als  Stadtverordneter,  in  der  Handelskammer  als  Mitglied  —  voll  1874  ab  als
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dritter,  vom  L  erbst  1877  ab  als  zweiter  Vorsteher  —  tätig  war,  so  wird  man  es
verstehen,  daß  er  es  ablehnte,  sich  trotz  seiner  unleugbaren  Rednergabe,  die  er
in  der  von  ihm  lebhaft  geförderten  Magdeburger  Kolonialgesellschaft  und  als
Vortragender  im  Kaufmännischen  Verein  glänzen  ließ,  als  Abgeordneter  ans
politischem  Gebiete  zu  betätigen.  Für  seine  allzu  karg  gezählten  Stunden  der
Muße  hatte  er  sich  in  Cracau  bei  Magdeburg  eine  dicht  an  der  Elbe  gelegene
Villa  mit  Garten  gekauft.  Lier  lebte  er  mit  seil,er  Frau  Lermine,  geb.Kaemps,
in  einem  Kreise  bliihender  Kinder.  Aber  der  Ruhetage  gab  es  in  diesen,  reichen
Leben  nur  wenige.  Robert  Weichsel  gönnte  sich  keine  längere  Erholung;  sein
Geist  arbeitete  rastlos  und  wollte  sich  den  Körper  dienstbar  machen.  Vielfach
reiste  Weichsel  bei  Nacht,  um  den  Tag  für  seine  Arbeit  frei  zu  haben.  —  Bei
dieser  äußersten  Anstrengung  seiner  Kräfte  erreichte  er  wohl  früher  als  andere
Kaufleute  die  Anerkennung  seiner  Standesgenossen,  es  trat  aber  bei  ihm  auch
früher,  als  das  sonst  bei  seinem  kräftigen  und  gesunden  Körper  geschehen  wäre,
Abspannung  und  Verfall  ein.  Von  seinen  Angehörigen,  Freunden,  Standesgenossen,
  Untergebene),  und  Bekannten  tief  betrauert,  starb  Robert  Weichsel
am  7.  Juni  1887.  —  Aus  der  Grabrede  des  Superintendenten  Faber  (jetzt  Losprediger
  und  Generalsnperintendent  in  Berlin)  geben  wir  folgende  Worte  wieder, ­
  die  dem  Wesen  des  Entschlafenen  gerecht  werden:
„Soll  ich  unter  das  Bild  von  Robert  Weichsel  ein  Wort  sehen,  das  seine  Eigenart  kurz  bezeichnet, ­
  ich  würde  für  zutreffend  halten:  „Es  ging  Kraft  von  ihm  aus!"  er  war  eine  gottbegnadete ­
  Kraft.  Mit  reichen  Gaben  ausgestattet  und  mit  vielseitigen  Kenntnissen,  mit  einem
weiten,  freien  Blick  und  mit  kühnen  ursprünglichen  Gedanken,  machte  er  den  Eindruck  eines
ungewöhnlichen  Mannes,  dazu  angetan,  anregend  und  maßgebend  einzugreifen.  Er  war  eine
Kraft,  And  er  hat  diese  Kraft  entwickelt  und  gebraucht  mit  eiserner  Energie  und  starker  Entschlossenheit. ­
  Was  einst  ein  alter  ritterlicher  Graf  an  seine  Fahne  schrieb,  das  eine  kleine  und
doch  so  hochgemute  und  siegesgewaltige  Wörtlein  „Dennoch",  das  bezeichnet  auch  seine  Art.
Widerstand  und  Anverstand  schreckten  den  zielbewußten  Mann  nicht,  und  durch  alle  Hemmungen
und  Verwickelungen  hindurch  trug  er  die  Fahne  seines  festen  ritterlichen  „Dennoch".  Es  ging
Kraft  von  ihm  aus.  Er  hat  auch  seine  schöne  Kraft  in  einem  geschlossenen  Wirken  zusammengehalten. ­
  So  vielseitig  seine  Interessen  auch  waren,  selbst  wissenschaftlicher  und  namentlich  künstlerischer ­
  Natur,  seinem  eigentlichen  Berufe  gehörte  doch  sein  Leben.  So  mannigfach  seine  Tätigkeit ­
  war,  es  hielt  sie  ein  großes  Ziel  zusammen.  Er  hat  seine  Kraft  in  rastloser  Arbeit  wohl  aufgerieben, ­
  aber  nicht  zersplittert.  And  wenn  seinen  Lieben  als  ein  teures  Vermächtnis  so  manches
Bild  bleibt,  von  seiner  kunstgeübten  Land  gemalt:  das  schönste  und  edelste  Vermächtnis  bleibt
ihnen  in  dem  Lebensbilde  die,  es  willensmächtigen  Mannes  von  geschloffenem  sittlichen  Charakter
und  lauterster  Gesinnung."
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        95

Wilhelm  Lauswaldt
Königl.  Kommerzienrat
Firma:  Zoh.  Gottl.  Lauswaldt
Zweiter  Vorsteher  der  Kaufmannschaft
vom  3.  November  1889  bis  zum  Ende  Dezember  1898
Quelle:  Archiv  der  Landelskammer  und  persönliche  Erinnerungen.
Vermutlich  schon  im  Jahre  1779  gründete  Johann  Gottlieb  Lauswaldt  in
Braunschweig  eine  Zichorienfabrik,  die  nachweislich  dort  seit  1786  unter  der
Firma  Zoh.  Gottl.  Lauswaldt  besteht.  Er  ahnte  wohl  kaum,  daß  sein  Geschäft
dereillst  sich  aus  andere  deutsche  und  außerdeutsche  Städte  erstrecken  und  zu
einem  gewaltigen,  machtvolle,:  Unternehmen  heranwachsen  werde.
Der  Magdeburger  Zweig  des  Laufes  wurde  von  Zoh.  Christian  Lauswaldt
(geb.  1785)  begründet,  der  am  2.  November  1833  das  in  der  Neuen  Neustadt-Magdeburg,
  Breiteweg  10  (jetzt  Lübeckerstraße  13)  belegene  Grundstück  von
dem  Ökonomen  Zohann  Ludwig  Buhlers  für  den  Preis  von  2500  Talern  Kurant
und  7500  Talern  Gold  (100  Taler  Gold  waren  gleich  113'/z  Taler  Kurant)
kaufte.  Aus  diesem  Grundstück  wurde  eine  Fabrik  zur  Lerstellung  präparierter
Zichorien  errichtet,  die  anfangs  durch  ein  Göpelwerk,  bald  jedoch  durch  Dampfkraft ­
  betrieben  wurde.  Daneben  verkaufte  die  Magdeburger  Firma  anfangs
noch:  Kaffee,  Zucker,  Sirup,  Pflaumen,  Künunel  und  Tabak;  doch  gab  sie  bald
jeglichen  Lande!  aus,  weil  die  Fabrik  an  Llmsang  und  Bedeutung  stetig  wuchs.
Als  Zoh.  Christian  Lauswaldt  am  24.April  1844  gestorben  war,  führten  seine
Söhne  Georg,  Albert  und  Lermann  das  Geschäft  als  offene  Landelsgesellschast
weiter,  die  beiden  älteren  in  Magdeburg,  der  jüngste  in  Braunschweig.  Anter  der
Leitung  von  Georg  und  Albert  entwickelte  sich  die  Zichorienfabrik  aus  das  glücklichste. ­
  An,  sich  mit  ihren  Einlagen  ausdehnen  zu  können,  kaufte  die  Firma  nicht
nur  Nachbargrundstücke,  sondern  am  28.Dezember  1849  das  den  Neukranzschen
Erben  gehörende  selbständige  Grundstück  Breiteweg  62  (jetzt  Lübeckerstraße  23)
für  8965  Taler,  um  dort  eine  zweite  Zichoriensabrik  und  dazu  eine  Schokoladenfabrik ­
  zu  errichten.  Der  Betrieb  wurde  am  16.Februar  1851  eröffnet.  Leute  befinden ­
  sich  aus  diesen,  —  inzwischen  ebenfalls  vergrößerten  —  Grundstiicke  außerdem ­
  die  Konfitüren-,  Dragee-,  Sukkade-  und  Biskuit-Fabriken,  während  aus
dem  älteren  Grundstücke  ausschließlichZichoriensabrikate  hergestellt  werden.  Zm
Zahre  1855  erwarb  die  Firma  Zoh.  Gottl.Lauswaldt  einen  Los  mit  Ackerland
zu  Eickendorf,  woselbst  sie  eine  Zichoriendarre  baute.  Von  den  drei  Briidern  starb
        <pb n="90" />
        Ioh.  Gottl.  Lauswaldt.

Ioh.  Albert  Lauswaldt.

Ioh.  Christ.  Lauswaldt.

Ioh.  Georg  Lauswaldt.
        <pb n="91" />
        97

der  in  Braunschweig  lebende  am  26.  Februar  1869,  Georg  am  28.  Dezember
1872,  Albert  am  24.  November  1887.  Aber  eine  neue  Generation  war  herangewachsen, ­
  sie'zu  ersetzen,  die  bewährte  Firma  unter  wechselnden  Gesellschastssormen
  aber  bleibendem  Erfolge  als  eine  geschäftliche  Einheit  gemeinsam  zu  verwalten.
  An  die  Stelle  Georgs  rückte  sein  Sohn  Wilhelm,  der  bereits  seit  dein
30.  Aug.  1869  Prokurist  der  Firma  gewesen  war,  und  an  Gilberts  Stelle  seine
Söhne  Laus  und  Gilbert  jun.,  die  schon  zu  seinen  Lebzeiten  rege  Mitarbeiter
gewesen  waren.  Am  l.Okt.1891  schied  Albert  jun.  aus  der  Firma  aus,  und  am
14.  November  1900  trat  Georg  Hauswaldt  siir  seinen  verstorbenen  Vater  ein.
Gegenwärtig  leitet  Laus  Hauswaldt,  der  kürzlich  von  der  Universität  Jena  zum
vr.  phil.  hon.  c.  ernannt  wurde  und  den  Titel  eilies  Kgl.  Preuß.  Kommerzienrats ­
  erhielt,  zusammen  mit  Georg  Hauswaldt  die  in  Magdeburg  zentralisierten
Anternehmungen,während  die  Braunschweiger  Firma  selbständig  geleitet  wird.
Das  siiid  die  schlichten  Tatsachen,  soiveit  Firmen-  und  Familiengeschichte  der
Firma  Ioh.  Gottl.  Hauswaldt  zusammengehören.  Die  Erledigung  der  Ausgabe,
die  Geschichte  dieses  Unternehmens,  das  in  ganz  Mitteldeutschland  als  eines  der
vornehmsten  sowie  bestsundierten  bekannt  ist,  zu  schreiben,  muß  einer  anderen
Zeit  vorbehalten  bleiben.  Wir  aber  wenden  uns,  unserem  Zwecke  entsprechend,
dem  einen  der  Inhaber  (später  Kommanditisten)  Wilhelm  Hauswaldt  zu.  —
Wilhelm  Hauswaldt,  geboren  am  28.  August  1846  als  Sohn'von  Zoh.  Georg
Hauswaldt  und  seiner  Ehesrau  Emilie  geb.  Bouvier,  bestand  seine  Lehre  bei
Schoch  &amp;amp;  Sohn,  vorm.  Loesener  6-  Schoch;  er  war  dann  bei  der  Firma  Ioh.
Gottlieb  Hauswaldt  tätig  und  giirg  daraus  in  den  Jahren  1866  und  1867  nach
Hamburg  und  England,  das  allezeit  die  Hochschule  der  Magdeburger  Großkausleute
  gewesen  ist.  Am  30.  August  1869  wurde  er  Prokurist  unt&amp;gt;  nach  dem
Tode  seines  Vaters  Mitinhaber  der  Firma  Ioh.  Gottl.Hauswaldt.  Der  Kvrporation
  der  Kaufmannschaft  gehörte  er  seit  dem  Jahre  1873  an.  Ins  Kollegium ­
  der  Ältesten  wurde  er  unterm  29.  Dez.  1879  berufen.  Lim  25.  Sept.1889
erwählte  ihn  die  Zahl  der  21  als  Nachfolger  Otto  Hubbes  zmn  zweiten  Vorsteher, ­
  ohne  daß  er  vorher  dritter  gewesen  wäre.  Bei  der  Eingemeindung  der
Neustadt  wurde  er  vor:  der  Stadt  Magdeburg  als  Stadtrat  mit  übernommen.
Vom  Herbst  1889  bis  zum  Ende  des  Jahres  1898,  wo  er  freiwillig  ausschied,
weil  er  trotz  scheinbar  vorzüglicher  Gesundheit  wußte,  daß  ihm  kein  allzulanges
Leben  mehr  beschieden  sei,  stand  Wilhelm  Hauswaldt  an  der  Seite  seines
Freundes  Otto  Hubbe  und  des  erfahrenen  dritten  Vorstehers  Otto  Pilet  an
der  Spitze  des  Ältesten-Kollegiums  und  der  Korporation,  für  deren  Llmwandlung
  in  eine  Handelskammer  er  weit  lebhafter  als  Otto  Hnbbe  eintrat.
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        Wilhelm  Lauswaldt  war  ein  Mann,  ans  dessen  klugen,  leider  in  letzter  Zeit
immer  häufiger  durch  doppelte  Gläser  bewaffneten  Augen  Wohlwollen  und  Güte
sprachen.  Auf  seine  Zuneigung  lind  Freundschaft  konnte  man,  wenn  man  sie  einmal ­
  erworben  hatte,  ballen;  sie  war  durch  vage  Redeil  llicht  zu  erschüttern.  Auf
nelle  Plälle  und  Gedailkeil,  die  ihm  vorgetragen  wurden,  gilig  er  freundlich  uild
sachlich  ein;  aber  stets  richtete  sich  sein  Augenmerk  ans  die  Hauptsache,  auf  den
Kern  der  Dinge,  ln,d  nie  ließ  er  sich  auf  Abwege  führen  oder  zu  Schlüssen  imb
Beschlüssen  verleiten,  die  nicht  seinem  Denken  und  Fühlen  entsprachen.  Zll  seinem
Privatlebeil  kanl  er  für  stille  Person  ohne  Prunk  unb  Gepränge  aus,  während
er  es  siir  Pflicht  lind  Ehre  hielt,  bei  den  Gesellschasteil  in  seinern  Lause  am
Breitellweg  in  der  Altstadt  und  auch  in  seinenl  Sommersitz  in  der  Nellstadt
für  die  Magdeburger  Kaufmannschaft  zu  repräsentieren.  In  seineil  Räumen  fiel
llicht  llur  die  Vornehmheit  und  Ruhe  der  Ausstattung  aussondern  ailch  die  Reichhaltigkeit ­
  der  mit  erlesenem  Geschmack  ausgesuchten  und  gebundenen  Bücherei.
Nicht  sein  Keller  voll  alter,  herrlicher  Rheinweine,  welchen  er  scherzhast  seine
„Vinakothek"  zu  nennen  pflegte,  sondern ­
  diese  seine  Bibliothek  war  sein
größter  Stolz.  Unter  seinen  Büchern
hielt  er  sich  gern  allst  um  setz,  Wissen
zll  mehren  uild  Anregungen  zu  empfangen.—
  Es  war  eine  schwere  Prüflulg
  für  Wilhelm  Lauswaldt,  als  er
wenige  Jahre  nach  Vollendung  seines
fünfzigsten  Lebensjahres  dessen  inne
wurde,  daß  sein  Augenlicht  mehr  uild
mehr  abnahm,  bis  ihm  schließlich  jede
geistige  Anstrengung  und  Betätigmlg
versagt  werden  mußte.  Als  er  Ende
1898  aus  denl  Ältesten-Kollegium
schied,  obwohl  er  einstimmig  zur  Landelskammer
  hinzugewählt  worden
wäre,  da  loar  dies  manchem  der  Mitglieder ­
  unverständlich.  Man  wollte
llicht  glauben,  daß  er  krank  sei.  So
schrieb  ihm  denil  die  Handelskammer  unterm  5.  Januar:
„Liebwerter  Kollege  und  Freund!  Zu  unserem  großen  Bedauern  haben  wir  davon  Abstand
nehmen  müssen,  Sie  in  die  Handelskammer  zu  kooptieren  und  Sie  alsdann  auf  den  Ehrenys ­
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        99

platz  eines  unserer  Vorsteher  einzusetzen,  wie  wir  dieses  zu  tun  gewünscht  hätten.  An  Ihrer
beharrlichen  und  sesten  Weigerung,  unserem  Kollegium  anzugehören,  die  Sie  zu  unserem
besonderen  Schmerz  damit  begründet  haben,  daß  Ihre  Gesundheit  Ihnen  eine  Häufung  der
Ehrenämter  verbiete,  ist  unser  Wille  gescheitert.  Wir  müssen  uns  zurzeit  fügen,  hoffen  aber
zuversichtlich,  daß  die  Trennung  nicht  lange  währt  und  daß  Sie  binnen  kurzem,  sobald  Ihre
Gesundheit  es  Ihnen  erlaubt,  wieder  in  unseren  Kreis  eintreten.  Äber  25  Jahre  gehörten  Sie
der  Korporation  der  Kaufmannschaft  an,  19  Jahre  dem  Ältesten-Kollegium,  und  seit  9  Jahren
bekleideten  Sie  das  Ehrenamt  eines  zweiten  Vorstehers.  Stets  war  es  uns  eine  Freude,  Sie
zu  uns  rechnen  zu  dürfen,  und  solange  Sie  das  Amt  eines  Vorstehers  versahen,  geschah  dies
stets  im  vollen  Einklang  mit  uns  und  so,  daß  wir  uns  nicht  wünschen  konnten,  besser  vertreten
zu  sein.  Es  hat  uns  reiche  Früchte  getragen,  daß  Sie  uns  Ihre  Arbeitskraft  und  Erfahrung
in  diesen  Jahren  zur  Verfügung  stellten.  Sie  waren  der  rechte  Mann  am  rechten  Platze!
Die  Wertschätzung,  die  Sie  sich  erworben  haben,  beruht  aber  nicht  allein  auf  Ihren  Verdiensten
um  die  Förderung  unserer  Arbeiten,  sondern  auch  aus  Ihrer  Persönlichkeit.  Sie  haben  es  verstanden, ­
  bei  aller  Festigkeit  in  der  Verfolgung  der  Ziele  eine  Liebenswürdigkeit  walten  zu  lassen,
die  Ihnen  unsere  Zuneigung  dauernd  sichert.  Mögen  Sie,  Herr  Kommerzienrat,  davon  überzeugt ­
  sein,  daß  wir  Ihrer  allezeit  in  aufrichtiger  Verehrung  und  treuer  Zuneigung  gedenken
werden,  wie  denn  auch  wir  von  Ihnen  hoffen,  daß  Sie  sich  unserer  freundlichst  erinnern  und
bereit  sein  werden,  uns  auch  fernerhin  mit  Ihrem  treubewährten  Rate  zur  Seite  zu  stehen."
Aber  bald  offenbarte  sich  die  tückische  Krankheit,  die  anfangs  nichts  weiter  zu
bedeuten  schien,  als  eine  Schwäche  und  Schwächung  des  Augenlichtes.
Wilhelm  Lauswaldt  kehrte  nicht  in  sein  altes  Amt  zuriick,  sondern  zog  seine
Kreise  enger  und  enger,  bis  er  am  14.  November  1900  verschied.  Die  Landelskamrner
  ries  ihm,  anknüpfend  an  ihr  oben  wiedergegebenes  Schreiben,  folgende
Worte  treuen  Gedenkens  nach:
„Nun  ist  er  uns  völlig  entrissen  worden!  Seine  Erfahrungen,  gewonnen  in  einem  Leben
erfolgreicher  Arbeit,  in  weitverzweigten  industriellen  Unternehmungen  und  in  mannigfachen
bedeutenden  Ehrenämtern,  werden  nicht  inehr  unseren  Beratungen  förderlich  sein;  seine  Gerechtigkeitsliebe ­
  und  seine  untadelige  Ehrenhaftigkeit  werden  uns  nicht  mehr  voranleuchten;
seine  von  vornehmer  Lebensauffassung  getragene  Liebenswürdigkeit  wird  uns  nicht  mehr  durch
ihre  Gegenwart  erfreuen  und  erheben.  Für  eines  aber  hat  der  Verblichene  selber  durch  sein
Wirken  unter  uns  Sorge  getragen:  daß  wir  seiner  in  vollendeter  Hochachtung  und  treuer
Liebe  allezeit  gedenken  werden."
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        100

Heinrich  Neichardt
Firmen:  Neichardt  &amp;amp;  Tübner  imb  Neichardt  &amp;amp;  Schneidewin
Dritter  Vorsteher  der  Kaufmannschaft  19.  Juni  1880  bis  11.  Mai  1881
Quellen:  Mitteilungen  seines  Sohnes  Äermann,  Mitgliedes  der  Handelskammer.
Heinrich  Neichardt  wurde  am  10.  April  1823  zll  Buttstädt  in  Thüringen
geboren,  wo  sein  Vater  Rechtsanwalt  war.  Er  besuchte  die  Schule  seiner
kleinen  Vaterstadt,  erhielt  aber,  da  er  studieren  inld  daher  nach  dem  Verlassen
der  Elementarschule  aus  ein  Gymnasium  kommen  sollte,  Privatunterricht  im
Lateinischen,  Französischen  luld  Englischen.  Seine  grosse  Kurzsichtigkeit  bewog
seilie  Eltern,  bett  Plan,  ihn  studieren  zll  lassen,  auszugeben  und  ihn  dem
Kaufmannftande  zuzuführen.  Heinrich  kaut  ilach  der  Konfirmation  zu  Carl
Freuild  iil  Erfurt  in  die  Lehre.  Seilt  Lehrherr,  der  ilebeu  beut  Ladengeschäft
auch  etwas  Großhandel  betrieb,  gab  Neichardt,  desseit  Tiichtigkeit  itttb  Streben
er  schnell  erkannte,  Gelegenheit,  scholl  als  Lehrling  seine  geschäftlichen  Kenntnisse ­
  durch  kleiite  Neiseil  zll  erweitern.  Auch  ltach  beendeter  Lehrzeit  reiste
Neichardt  noch  eine  Zeitlang  für  das  Geschäft  von  Carl  Freund,  mit  dem  er
überhaupt  dauernd  in  freundschaftlichen  Beziehungen  blieb.  So  saildte  ihnt
Carl  Freund  später  seinen  Sohn  zur  kaufmännischen  Ausbildung  llach  Magdeburg ­
  und  dieser  wiederholte  das  mit  seinen  Söhnen.  Nachdem  Neichardt  die
Stadt  Erfurt  verlassen  hatte,  reiste  er  für  die  angesehene  Magdeburger  Firma
Hecht  &amp;amp;  Schräder.  —  Später  machte  er  sich  selbstäildig,  heiratete  (1850)  eilte
Tochter  seines  früheren  Chefs  Hecht  uild  begründete  im  Jahre  1846,  23  Jahre
alt,  zusammen  mit  seinem  Freunde  Otto  Tübner  (der  leider  schon  nach  eilligelt
Jahren  starb),  die  Fa.  Neichardt  &amp;amp;  Tübner.  Die  Mittel  des  jungen  Geschäfts
bestanden  aus  1000  Talern,  die  Neichardt  sich  erspart  hatte,  und  10000  Talern,
die  Tübner  besaß.  Es  war  eilt  Landesprodukten-Geschäft,  das  alle  einschlägigen
Waren  führte.  Hauptartikel  lvaren  mit  wechselnder  Bedeutung  Farbewaren,
Sirup,Pstanlnen,  Zigarren,  Strohpapier,  Kork,  Rohstoffe  siir  Glashütten  itttb
Glasosensteine,  Ton,  Glaubersalz  usw.  Die  Schwierigkeit  in  der  Leitung  eines
solchen  Geschäftes  bestand,  abgesehen  vom  Ein-  und  Verkauf,  darin,  Artikel,
die  keine  Rechnung  mehr  gaben,  rechtzeitig  anszugebett  itttb  durch  andere  zu
ersetzen.  Teils  wurde  der  Vertrieb  durch  veränderte  Verhältnisse  lahmgelegt,
so  der  der  Farbtvaren  durch  Erzeugung  künstlicher  Farbstoffe,  teils  wurde  der
Handel  durch  den  direkten  Verkehr  der  Fabrikanten  und  Produzenten  mit  den
        <pb n="95" />
        101

fiermann  Reichardk.  Otto  TMlet.

Abnehmern  erst  erschwert  und  schließlich  unmöglich  gemacht.  Neichardt  machte
alsdann  neue  Absatzgebiete  ausfindig,  so  für  die  Erzeugnisse  des  Glashüttengeschästs
  bei  den  Glashütten  der  russischen  Ostsee-Provinzen,  oder  er  nahm
neue  Artikel  aus,  wie  die  neu  aufkommenden  Beleuchtungsstoffe  Solaröl,  Photogen ­
  in  den  fünfziger  Zähren.  Eine  Zeitlang  führte  er  später  auch  Petroleum.
Äopsen  hatte  die  Firma  Neichardt  K  Tübner  immer  geführt  und  an  kleine  Schankbrauereien
  verkauft.  Ende  der  50  er  Zahre  unternahm  Neichardt  es  mit  Erfolg,
Lopsen  nach  Englands  auszuführen.  Durch  eigene  Vermittler  ließ  erLopfen  in
der  Altmark,in  Bayern  dagegen  durchKommissionäre  auskaufen  und  in  einer  dazu
errichteten  Darre  durch  Trocknen,  Schwefeln  und  Pressen  für  die  Ausfuhr  zubereiten. ­
  Gelegentlich  einer  Mißernte  in  Deutschland  führte  übrigens  Neichardt
umgekehrt  englischeil  Ewpfen  nach  Deutschland  ein.  Zm  Lause  der  Zeit  wandte
Neichardt  seine  geschäftliche  Tättgkeit  immer  mehr  dem  Zucker  zu,  dessen  Bedeutung ­
  für  den  Magdeburger  Äandel  er  sriih  erkannte.  Zunächst  drängte  der
Zucker  in  Reichardts  Inlandgeschäst  die  anderen  Waren  mehr  und  mehr  zurück, ­
  gegen  Ende  der  60er  Zahre  begann  Neichardt  aber  auch  —und  zwar  als
einer  der  ersten  —  die  Ausfuhr  deutschen  Zuckers,  zuinal  des  Rohzuckers,  aufzunehmen. ­
  Zn  den  letzten  Zähren  seines  Lebens  war  seine  persönliche  Tätigkeit ­
  im  Geschäft  fast  nur  diesen:  Geschäftszweige  gewidmet,  den  er  zu  großer
fr—  ....  —  -ri
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        £3

102

ES

Ausdehnung  brachte.  Unterdessen  hatte  er  ein  zweites  Unternehmen  ins  Leben
gerufen,  die  1863  mit  seinem  Schwager  Schneidewin  errichtete  „Buckaner
Dampf-Bierbrauerei  Reichardts  Schneidewin".  Die  rein  technische  Leitung
dieses  Geschäfts  lag  in  Schneidewins  Künden,  jedoch  die  Mitwirkung  an  der
allgemeinen  Leitung  nahm  von  da  ab  einen  Teil  der  geschäftlichen  Tätigkeit
Reichardts  in  Anspruch.  Auch  für  die  allgemeinen  Interessen  des  Brauereigewerbes ­
  wirkte  er,  z.  B.  im  Steuerausschusse  des  Deutschen  Branerbundes.
Trotz  der  starken  geschäftlichen  Inanspruchnahme  widmete  Keinrich  Reichardt
sich  stets  gern  dem  öffentlichen  Leben,  zumal  den  Interessen  seines  Berufes
und  denen  der  Stadt,  die  ihm  Keiinat  geworden  war.  Schon  1859  wurde  er  in
das  Ältesten-Kollegium  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  und  1871  in  die
Stadtverordnetenversammlung  gewählt.  Die  Firmen,  die  Keinrich  Reichardt
gründete,  blühen  und  gedeihen  auch  heilte  noch,  ihren  Schöpfer  überdauernd.
Noch  vor  Keinrich  Reichardts  Tode  trat,  lvie  lvir  hinzufügen  diirseu,  sein  Sohn
Kermann,  der  seit  1889  Ältester  der  Kaufmannschaft  und  seit  1899  Mitglied
der  Kandelskammer  ist,  als  Prokurist,  nachher  als  Teilhaber  in  die  Firma  ein.
Keinrich  Reichardt  wurde  aus  der  Fülle  seiner  Tätigkeit  am  11.  Mai  1881  im
Alter  von  58  Jahren  durch  den  Tod  abgerufen.

Firmen:  Pfeffer  &amp;amp;  Weißenfels  Nachfolger,  später:  Otto  Pilet
Dritter  Vorsteher  der  Kaufmannschaft  vom  4.Iaiiitar  1882  bis  Ende  1900

Quellen:  Akten  der  Handelskammer  und:  Otto  Pilet  „Ein  Rückblick  auf  mein  Leben".  Magdeburg  1900.

Am  2.  November  1833  in  Burg  b.  Magdeburg  geboren,  zahlt  Otto  Pilet,
Mitglied  der  Kandelskammer,  vom  4.  Januar  1882  bis  Ende  1900  Dritter
Vorsteher  der  Kaufmannschaft,  heute  fast  73  Jahre;  aber  seiner  Arbeitssreudigkeit
  nach  nimmt  er  es  noch  mit  den  nteiften  auf.  Otto  Pilets  Leben
ist  bereits  von  ihm  selbst  in  dem  Werke  „Ein  Rückblick  ans  mein  Leben"  geschildert ­
  worden.  Neuerdings  hat  Pilet  auch  eüie  Arbeit  über  den  deutschen
Zuckerhandel  verfaßt.  Wir  würden  nicht  gut  abschneiden,  wollten  wir  uusrerseits
  einen  Auszug  dessen  bieten,  was  er  uns  anschaulich  in  seinem  „Rückblicke"
erzählt.  Es  verbietet  sich  aber  auch  von  selbst  jeder  Versuch,  einen  Lebenden
nach  seinen  Anlagen  und  Fähigkeiten  zu  schildern.  So  müssen  wir  uns  begnügen,
aus  den  Ulkten  der  Kandelskammer  zwei  Adressen  ans  Tageslicht  zu  fördern,
die  wohl  doch  einen  vollen  Aufschluß  über  Pilets  Verdienste  um  die  Magdeburger ­
  Kaufmannschaft  geben.  Es  find  das  1.  ein  Schreiben,  das  Otto  Pilet  zll
seinem  50  jährigen  Kaufmanns-Jubiläum  erhielt,  und  2.  ein  anderes,  das  er  zu
        <pb n="97" />
        103

seinem  siebenzigsten  Geburtstage  erhielt.  Wir  geben  diese  Schriftstücke,  um
Wiederholungen  511  vermeiden,  im  Auszüge  wieder.
1.  Aus  dem  Anschreiben  an  Otto  Pilet  znm  1.  Januar  1900.
Liebwertester  Perr  Kollege!  Mit  berechtigtem  Stolze  blicken  Sie  heute  auf  eine  fünfzigjährige ­
  ehrenhafte  Tätigkeit  als  Kaufmann  zurück.  Anfang  Januar  1850  traten  Sie  nach
Absolvierung  der  Realschule  Ihrer  Vaterstadt  Burg  bei  dem  Kolonialwaren-Engrosgeschäft
1.  D.  Salome  zu  Magdeburg  in  die  Lehre,  nahmen  nach  deren  Beendigung  bei  dem  großen
PandlnngshauseMolinari  in  Breslau  Stellung  und  ließen  sich  später  alsNachfolger  derFirma
Pfeffer  &amp;amp;  Weißenfels  dauernd  in  Magdeburg  nieder.  Im  Jahre  1890  berief  Sie  das  Vertrauen ­
  des  Magdeburger  Zuckerhandels  auf  den  Posten  eines  Direktors  der  neugegründeten
Zucker-Liquidationskafse,  auf  einen  Posten,  der  einen  Mann  erfordert,  dessen  klarer  Blick  und
dessen  Zuverlässigkeit  unter  keinen  Llmständen  durch  die  Wechselfälle  des  kaufmännischen  Lebens
getrübt  und  erschüttert  werden  können.  Mit  rastlosem  Fleiße  haben  Sie  sich  nicht  nur  in  dem
Rahmen  Ihrer  Berufsgeschäfte,  sondern  auch  darüber  hinaus  und  zwar  mit  großen:  Erfolge
betätigt.  So  haben  Sie  viele  Jahre  hindurch  als  Stadtverordneter,  zuletzt  als  stellvertretender
Stadtverordnetenvorsteher  eine  ersprießliche  Wirksamkeit  entfaltet,  bis  Sie  zum  großen  Bedauern ­
  der  Stadtverordnetenversammlung  dieses  Amt  niederlegten,  um  einer  gesetzlichen  Vorschrift ­
  zu  genügen,  die  Sie  zwang,  zurückzutreten,  wollten  Sie  nicht  Ihrem  Schwiegersöhne
den  Eintritt  in  das  Magistratskollegium  unmöglich  machen.  In  die  Korporation  der  Kaufmannschaft ­
  ließen  Sie  sich  im  Jahre  1866  bald  nach  Ihrer  Niederlassung  in  Magdeburg  aufnehmen, ­
  und  schon  im  Jahre  1867  wurden  Sie  durch  das  Vertrauen  der  Korporationsmitglieder ­
  in  das  Ältesten-Kollegium  gewählt  Es  würde  zu  weit  führen,  wenn  hier  der
Versuch  gemacht  würde,  aufzuzählen,  auf  welchen  Gebieten  sonst  noch,  Sie,  hochverehrter  Perr
Kollege,  mit  Ihrer  nie  rastenden  Tätigkeit  und  steten  Bereitwilligkeit  sich  in  den  Dienst  der
guten  Sache  zu  stellen,  zum  Wohle  der  Allgemeinheit  gewirkt  haben.  Wo  sie  immer  zugriffen,
wofür  Sie  immer  eintraten,  da  war  Ihre  Pilse,  Ihre  Mitarbeit  schon  darum  ein  Segen,  weil
Sie  es  allezeit  verstanden,  die  etwa  vorhandenen  Gegensätze  auszugleichen  und  die  etwa  auseinanderstrebenden ­
  Kräfte  zu  gemeinsamem  Wirken  zusammenzufassen!"
2.  Aus  dem  Anschreiben  an  Otto  Pilet  zum  2.  November  1903.
„Pochverehrter  Perr  Kollege!  Zu  Ihrem  heutigen  Festtage,  an  dem  Sie  Ihr  siebenzigsteü
Lebensjahr  vollenden,  bringen  wir  Ihnen  unsere  allerbesten  Glückwünsche  dar.
Lassen  Sie  uns  bei  dieser  Gelegenheit  in  Dankbarkeit  dessen  gedenken,  was  Sie  der  amtlichen ­
  Pandelsvertretung  Magdeburgs,  der  Sie  seit  Ende  1867  als  Stellvertreter  und  seit
Ende  1869  als  Mitglied  angehören,  in  den  verflossenen  Jahrzehnten  gewesen  sind.
Sie  waren  und  sind:  seit  dem  6.  Juli  1870  Mitglied  und  seit  langem  auch  Vorsitzender  des
Allgemeinen  Schiedsgerichts  der  Pandelskammer,  der  früheren  „Vergleichsdeputation  der  Kaufmannschast";
  seit  dem  29.  Juli  1887  stellvertretendes,  seit  dem  29.  Januar  1889  ordentliches
Mitglied  des  Bezirkseisenbahnrates;  seit  dem  26.  Januar  1886  stellvertretendes,  seit  dem
23.  März  1888  ordentliches  Mitglied  des  Landeseisenbahnrates,  vom  4.  Januar  1882  ab  fast
20  Jahre  lang  im  Vorstande  unseres  Kollegiums;  seit  Jahren  unser  Vertreter  im  Kaufmännischen ­
  Vereine;  seit  Ende  1896  unser  Vertreter  im  Deutschen  Verband  für  das  Kaufmännische ­
  LInterrichtswesen;  seit  dem  Perbst  1899  einer  unserer  Vertreter  im  Vorstände  der
        <pb n="98" />
        104

obligatorischen  Fortbildungsschule;  seit  dem  1.Januar  d.Is.  Vorsitzender  des  Handelskammer-Schiedsgerichts
  für  Getreidehandel;  schließlich  seit  langem  einer  unserer  Vertreter  im  Deutschen
Handelstage  und  Mitglied  mehrerer  Kommissionen  und  Ausschüsse!  —
Kaum  gibt  es  ein  von  uns  zu  verleihendes  Ehrenamt,  das  nicht  Ihnen  vertrauensvoll  angeboten ­
  worden  wäre,  und  keins  der  Ämter,  die  Sie  innehatten,  gibt  es,  das  Sie  nicht  init
voller  Hingebung  lind  mit  Erfolg  bekleideten.
Überblicken  wir  aber  die  Gebiete,  aus  denen  Sie  für  die  Handelsvertretung  Magdeburgs
gearbeitet  haben,  so  sehen  wir,  daß  Sie  sich  —  abgesehen  von  der  das  Ganze  umspannenden
Tätigkeit  in  unserm  Vorstande  —  vier  Gebieten  mit  besonderer  Liebe  zuwandten:  dem  Zollunb
  Steuerwesen,  dem  Verkehrswesen,  dem  Schiedsgerichtswesen  und  dem  Kaufmännischen
Anterrichtswesen.  —  Wenn  Sie  sich  an  den  Arbeiten  der  Magdeburger  Handelsvertretung  über
das  Zoll-  und  Steuerwesen  lebhaft  beteiligten,  so  mag  dabei  Ihr  geschäftliches  Interesse  an  der
.Handelsware  „Zucker"  und  an  der  Zuckersteuergesehgebung  mitgesprochen  haben.  Ist  die  Rentabilität ­
  des  gesamten  Zuckergewerbes  in  Deutschland  von  jeher  durch  die  Deutsche  Steuer-  und
Zollpolitik  sehr  stark  beeinßußt  worden,  so  mußten  diese  Fragen  in  Magdeburg,  dem  Zentrum
des  Zuckergewerbes,  die  Aufmerksamkeit  der  amtlichen  Vertretung  von  Industrie,  Handel  und
Schiffahrt  stark  in  Anspruch  nehmen  und  die  Mitarbeit  daran  besonders  schwierig  lind  besonders ­
  verdienstvoll  machen.
Auf  dem  Gebiete  des  Verkehrswesens  waren  Sie  für  uns,  wie  erwähnt,  im  Bezirks-  und
Landeseisenbahnrat  tätig;  auch  führen  Sie  den  Vorsitz  im  Ausschüsse  für  Verkehrswesen.
Recht  schwierig  ist  es,  speziell  auf  dem  Gebiete  des  Eisenbahnwesens  der  Stadt  Magdeburg, ­
  die  ihr  zukommende  Stellung  zu  sichern.  Wir  dürfen  aber  unsere  ehrliche  Ansicht  bekunden,
daß  Sie  als  unser  Vertreter  auch  in  dieser  Beziehung  erreicht  haben,  was  sich  eben  nur  unter
Aufrechterhaltung  bester  persönlicher  Beziehungen  zu  den  leitenden  Stellen,  weiser  Beschränkung
in  der  Anzahl  der  Wünsche  und  unablässigem  Hindrängen  aus  das  unbedingt  Nötige  erzielen
ließ.  Möge  es  Ihnen  als  unserm  Vertreter,  wie  uns,  vergönnt  sein,  zur  Hebung  von  Handel
und  Wandel  Magdeburgs  die  Erfüllung  weiterer  wichtiger  Verkehrswünsche  unserer  Stadt  zu
erwirken  und  zu  erleben.
Zur  Mitarbeit  am  Schiedsgerichte  der  Kaufmannschaft  wurden  Sie  bereits  als  „junger
Ältester"  berufen.  Wahrlich  ein  schönes  Ehrenamt,  zum  Richter  in  Streitsachen  der  Berufsgenofsen
  erkoren  zu  werden!  And  dies  Vertrauen  zu  Ihrer  Fähigkeit,  ausgleichend  zu  wirken
und,  wo  es  sein  muß,  gerechten  Sinnes  zu  entscheiden,  ist  Ihnen  unangefochten  von  Anfang
an  bis  heute  erhalten  geblieben  —  ein  Ruhm  Ihrer  kaufmännischen  Gewissenhaftigkeit  und
Treue!  Mit  herzlicher  Dankbarkeit  haben  wir  es  daher  alle  begrüßt,  daß  Sie  sich  zu  Anfang
dieses  Jahres  bereit  finden  ließen,  den  Vorsitz  im  Handelskammer-Schiedsgericht  für  Getreide-Handel
  zu  übernehmen.  In  den  verfiossenen  zehn  Monaten  hat  es  bereits  und  zwar  fast  ausschließlich ­
  unter  Ihrer  Leitung  in  40  Fällen  verhandelt  und  rund  30  Fälle  durch  Vergleich
oder  Schiedsspruch  erledigt!  Ihre  vielseitigen  kaufmännischen  Kenntnisse,  Ihre  reichen  Erfahrungen ­
  und  Ihr  Blick  für  die  wirtschaftlichen  und  rechtlichen  Beziehungen  im  Warenhandel
waren  Ihnen  bei  dieser,  große  Opfer  an  Zeit  und  Mühen  fordernden  Tätigkeit  ein  sicher
leitender  Führer.  —  Mit  ganzein  Herzen  haben  Sie  sich  schließlich,  wie  wir  nassen,  von  jeher  den
Fragen  der  Erziehung  des  kaufmännischen  Nachwuchses  zugewandt.  Mit  Stolz  können  Sie  darauf ­
  hinweisen,  daß  eine  stattliche  Reihe  von  Kaufleuten,  die  jetzt  hochangesehene  Stellungen
        <pb n="99" />
        105

einnehmen,  beiIhnen  die  Lehre  durchgemacht  haben.  Weiter  aber  habenSie  auch  den  Fragen  des
theoretischen  Anterrichtswesens  Ihr  eifriges  Interesse  entgegengebracht.  Mehr  als  zehn  Jahre
lang  waren  Sie  unser  Vertreter  im  Kuratorium  der  Anterrichts  anstatt  des  Kaufmännischen
Vereins.  And  als  es  galt,  auch  in  unserer  Vaterstadt  in  die  Praxis  zu  übersehen,  was  Sie
als  unser  Vertreter  im  Verband  des  Kaufmännischen  Anterrichtswesens  als  heilsam  für  den
kaufmännischen  Nachwuchs  erkannt  hatten,  da  trugen  Sie  gern  das  Ihrige  dazu  bei,  das  Kaufmännische ­
  Anterrichtswesen  Magdeburgs  durch  Einführung  des  obligatorischen  Tagesunterrichtes ­
  auf  eine  sichere  und  erfolgverheißende  Grundlage  zu  stellen.  Nach  Vollendung  dieser
Neuordnung  stehen  Sie  uns  wiederum  zu  unserer  Freude  im  Vorstande  der  Schule  mit  Ihrem
bewährten  Rate  treu  zur  Seite  und  teilen  unsere  Hoffnungen,  daß  bald  die  Schaffung  einer
höheren  köandelsfachklasse  unser  Werk  krönen  möge.
Wir  haben  hier,  wie  wir  hoffen,  wenn  wir  auch  nicht  alles  berühren  konnten,  was  Ihr
Wirken  in  unserem  Kreise  umfaßte,  doch  bereits  das  Bild  eines  Lebens  gezeichnet,  das  alle
Anwartschaft  darauf  hat,  „köstlich  durch  Arbeit"  genannt  zu  werden.
Sie  sind  uns  aber  nicht  nur  das  Vorbild  eines  Mannes,  der  unter  den  Sorgen  des  Lebens
nie  vergißt,  seine  Kraft  ausopferungsfreudig  der  Allgemeinheit  dienstbar  zu  machen,  Sie  haben
sich  auch  neben  dieser  trefflichen  Eigenschaft  eine  frohgemute  Zuversicht  für  die  Zukunft  unseres
Deutschen  Kaufmannstandes  zu  erhalten  gewußt.  So  können  wir,  liebwerter  Kollege,  zu  Ihrem
siebenzigsten  Geburtstag  nur  wünschen,  daß  Sie  uns  noch  auf  viele  Jahre  hin  in  gleicher  Frische,
gleicher  Arbeitsfreudigkeit  und  gleicher  Liebenswürdigkeit  erhalten  bleiben  mögen,  zum  Segen
der  Kaufmannschaft  unserer  guten  alten  Stadt  Magdeburg."
        <pb n="100" />
        106

Der  zweite  und  dritte  Vorsteher  der  Handelskammer
Otto  Arnold
König!.  Kommerzienrat
Firmen:  Otto  Arnold,später  SchaefferLBndenberg  und  Äeinrich  Otto  Arnold
Zweiter  Vorsteher  der  Handelskammer  seit  dein  8.  Januar  1905
Quellen:  Mitteilungen  der  Familie.  Akten  der  Handelskammer.
In  Sulza  i.  Thür.,  wo  senk  Vater  Landwirt  war,  erblickte  Heinrich  Otto
Arnold  ain  2.  Oktober  1836  das  Licht  der  Welt.  Leider  starben  seine  Eltern
schork  früh;  aber  er  sa,kd  liebevolle  Aufnahme  bei  naheik  Verwandten,  zuerst
ilk  Ziesar,  wo  der  Onkel  Bürgermeister  war,  iint»  dann  in  Berlin.  Hier  besuchte
er  das  Königliche  Realgymnasium,  das  kurier  Leitung  des  Herm  Direktors  Ranke
stand.  Hosprediger  Krummacher  gab  ihrn  Konfirmationsunterricht  mrd  segnete
ihn  in  der  Dreifaltigkeilskirche  Ostern  1852  ein.  Ein  Jahr  befilchte  er  ikoch  das
Gymnasium,dannschied  er  von  derSchule.  Da  erKaufmannzu  werden  wünschte,
bekümmerte  er  sich  selbst  um  eure  geeignete  Lehre  urrd  fand  diese  bei  der  Firma
I.C.F.  Reumann  &amp;amp;  Sohn,  einem  Drogengeschäft  in  Berlin  an  der  Tauben-  und
Kanonierstraßenecke.  Die  Lehre  dauerte  damals  4  Jahre.  In  Anbetracht  seiner
gnteik  Leistungen  wurde  Otto  Arnold  bereits  nach  3  Jahren,  am  1.  April  1856,
—  l»

Walter  Morgenstern.

Otto  Arnold.
        <pb n="101" />
        107

zum  Handlungsgehilfen  gemacht,  doch  blieb  er  noch  ein  Jahr  mit  einem  Gehalt
von  100  Thalern  bei  derselben  Firma.  Alsdann  ging  er  nach  Magdeburg  und
diente  beim  Infanterieregiment  Nr.  26  sein  Jahr  ab.
Voin  1.  April  1858  bis  zur  Mobilmachung  vom  4.  Mai  1859  war  Otto  Arnold
bei  Eichel  &amp;amp;  Schmidt,  nach  seiner  Entlassung  vom  Landwehrbataillou  Burg  vom
1.  September  1859  bis  Ende  September  1860  bei  Neubauer  &amp;amp;  Porse  in  Magdeburg ­
  Kommis;  dann  ging  er,  um  sich  auch  in  einer  anderen  Branche  auszubilden,
nach  Irxleben  und  wurde  vom  1.  Oktober  1860  bis  Juni  1862  Buchhalter  auf  der
Zuckerfabrik  bei  Herrn  Richter.  Am  die  englische  Sprache  und  besonders  auch  das
englische  Geschäft  zu  erlernen,  reiste  Arnold  iiu  Sommer  1862  nach  London,  wo
er  gute  Stellung  im  Hause  S.  van  der  Willgen  bekam.
Am  1.  Oktober  1864  errichtete  Otto  Arnold  in  Magdeburg,  Regierungsstr.  22
(später  Gouvernementsstraße  2),  ein  Agentur-  und  Kommissionsgeschäft,  für
dessen  Betrieb  ihm  die  in  England,  sowie  (auf  der  Rückreise)  in  Holland,  Frankreich ­
  und  Italien  angeknüpften  Geschäftsverbindungen  zugute  kamen.  Er  behielt
dieses  Geschäft  bis  zu  dem  Eintritt  in  die  Firma  Schaeffer  &amp;amp;  Budenberg.  —  In
einer  Adresse  der  Handelskammer,  die  Otto  Arnold  am  1.  April  1903  erhielt,  au
dem  Tage,  wo  er  auf  ein  halbes  Jahrhundert  rastloser,  au  Erfolgen  reicher  kaufmännischer ­
  Tätigkeit  zurückblicken  konnte,  werden  die  Verdienste,  die  er  sich  um
die  Firma  wie  um  die  Stadt  Magdeburg  erworben  hat,  wie  folgt  geschildert:
„Einer  Aufforderung  der  Firma  Schaeffer  &amp;amp;  Budenberg  folgend,  traten  Sie  am  1.Jan.  1873
in  diese  Firma  ein.  Von  jenerZeit  an  habenSie  dieser  Firma  ununterbrochen  angehört,  und  zwar
zunächst  als  Teilhaber  und  nach  dem  Tode  der  Gründer  mit  Herrn  Fritz  Dresel  zusammen  als
alleinige  Geschästssührer.  Seit  der  Umwandlung  der  Firma  in  eine  Gesellschaft  mit  beschränkter
Haftpflicht  sind  Sie  Vorsitzender  des  Aussichtsrats  des  Unternehmens.  Wenn  sich  das  Fabrikunternehmen ­
  Schaeffer  &amp;amp;  Budenberg  einen  Weltruf  erworben  hat,  so  ist  das  zum  großen  Teil
Ihr  Verdienst  gewesen.  Sinter  Ihrer  Mitwirkung  hat  sich  das  Geschäft  ganz  außerordentlich
entwickelt  und  sich  nicht  nur  Deutschland,  sondern  auch  das  Ausland  als  Absatzgebiet  erobert.
Welche  Bedeutung  die  Firma  Schaeffer  &amp;amp;  Budenberg  besitzt,  haben  wir  in  einer  Adresse,  die  wir
der  Firma  am  1.  März  1900  zu  ihrer  50jährigen  Jubelfeier  überreichen  konnten,  geschildert.
Wir  wollen  hier  davon  absehen,  die  verschiedenen  Ehrenämter  auszuzählen,  die  Sie  im  Dienste
der  städtischen  Verwaltung  bekleidet  haben  lind  noch  bekleiden,  nild  uns  nur  daraus  beschränken,
Ihre  im  Interesse  unseres  Handelskammerbezirks  ausgeübte  ehrenamtliche  Tätigkeit  zu  schildern.
—  Der  Korporation  der  Kaufmannschaft  gehören  Sie  seit  dem  Jahre  1873  an.  Bei  der  Umwandlung ­
  der  Korporation  in  die  Handelskammer  wurden  Sie  zum  Mitgliede  der  Handelskammer ­
  lind  im  Jahre  1901  zum  Zweiten  Stellvertreter  des  Ersten  Vorstehers  der  Handelskammer ­
  gewählt.  Wenil  Sie  auch  dieses  Amt  mit  Rücksicht  aus  Ihre  umfangreichen  geschäftlichen ­
  luld  ehrenamtlichen  Verpffichtungen  nur  kurze  Zeit  verwaltet  haben,  so  habeil  Sie  doch
auch  nach  dieser  Zeit  aii  den  Ausgaben  der  Haiidelskamnier  in  der  alten  Liebe  zur  Sache  mit-
        <pb n="102" />
        108

gearbeitet  und,  gestützt  durch  das  Vertrauen  aller  Kollegen,  Ihre  reichen  Erfahrungen,  namentlich ­
  auf  dem  Gebiete  des  Verkehrswesens  und  der  Sozialpolitik  in  den  Dienst  derKandelskammer
gestellt.  Ihre  Verdienste  fanden  auch  die  Anerkennung  Sr.  Majestät  des  Königs,  der  Ihnen
im  Jahre  1897  den  Charakter  als  Kommerzienrat  verlieh.  Fünfzig  Jahre  reich  bewegter  Tätigkeit ­
  ziehen  heute  an  Ihrem  Geiste  vorüber!  ttns,  die  amtliche  Vertretung  von  Industrie,  Kandel
und  Schiffahrt  Magdeburgs,  erfüllt  es  mit  Freude,  Ihnen  an  Ihren:  Ehrentage  unsere  herzlichsten ­
  Glückwünsche  darzubringen!  Möge  es  Ihnen,  lieber  Kerr  Kollege  und  Freund,  noch
viele  Jahre  vergönnt  sein,  mit  uns  gemeinsam  die  Interessen  von  Industrie,  Kandel  und  Schifffahrt ­
  wahrzunehmen!  Möge  Ihnen  hierzu  auch  noch  lange  die  gleiche  geistige  und  körperliche
Frische  und  Arbeitssreudigkeit  beschieden  sein!"  —
Dringenden  Bitten  der  Kandelskammer-Mitglieder  folgend,  nahm  Kerr
Kommerzienrat  Otto  Arnold  unterm  8.  Januar  1905  das  Amt  des  Zweiten
Vorstehers  der  Kandelskammer  an,  das  er  seither  innehat.
Walter  Morgenstern
Firma:  Morgenstern  &amp;amp;  Co.
Dritter  Vorsteher  der  Kandelskammer  seit  dem  5.  Januar  1902
und  seine  Vorfahren.
Quellen:  Mitteilungen  des  Stadtrats  Walter  Morgenstern.  Alte  Briefe,  Privatakten  und  Geschäfts-Bilanzen
  von  1799—1842,  bearb.  von  ».  Müller,  Zweiter  Sekretariats-Assistent  der  Handelskammer.
Aus  Böhmen  stammt  die  Familie  Morgenstern.  Dort  war  sie  noch  zur  Zeit
des  dreißigjährigen  Krieges  ansässig,  durch  Generationen  Zinngießer  von  Berus,
eine  streng  protestantische  Familie,  die  in  Böhmen  schwer  unter  den  religiösen
Fehden  und  Wirren  litt,  bis  sie  sich  entschloß  auszuwandern,  erst  nach  Sachsen
und  von  dort,  noch  unbefriedigt,  weiter,  bis  sie  in  der  Stadt  Magdeburg  mit  ihrer
ehrlichen  und  kernigen  Bewohnerschaft  eine  zweite  Keimat  fand.  In  Kalle  ward
ein  Mitglied  der  Familie  „Juristischer  Kofrat",  fein  Sohn  läßt  sich  als  Arzt  in
Magdeburg  nieder.  Von  dessen  Söhnen  erringt  der  eine  großen  Ruhm  als
Philologe  und  Mitbegründer  der  Dorpater  Universität,  der  aridere  wird  Kaufmann ­
  undBegründer  der  Firma,deren  gegenwärtigerAlleininhaber  zu  denVorstehern
  der  Kandelskammer  gehört.  —  Gern  würden  wir  von  dieser  Familie,  die
in  der  neuen  Geschichte  Magdeburgs  allzeit  eine  große  und  hochachtbare  Rolle
spielte,  ein  abgeschlossenes  Bild  geben,  doch  reicht  das  Material  nur  hin,  um
Einzelheiten  zu  skizzieren.  Wirklich  wertvolles  Material  bietet  die  lückenlose  Reihe
des  Morgensternschen  Privatkontos  rmd  der  Bilanzen  von  Morgenstern  &amp;amp;  Co.
Ihre  Ergebnisse  hat  Kerr  Dr.  Müller  (vom  Sekretariat  der  Kandelskammer)
mit  viel  Miihe  und  Sorgfalt  ausgezogen  und  so,  wie  sie  im  Anhange  abgedruckt
sind,  zusammengestellt.
        <pb n="103" />
        August  Morgenstern  Sohn.  August  Morgenstern  Vater.
I.  Friedrich  August  Simon  Morgenstern.
Am  2.  Dezember  1772  wurde  dem  Magdeburger  Arzt  Dr.  Morgenstern  der
zweite  Sohn  geboren.  Er  erhielt  den  Rufnamen  August,  wuchs  heran  —  über
das  Wie  wissen  wir  nichts  Näheres  —,  wurde  (Ostern  1787)  Kaufmann  und
blieb  10  Jahre  im  Landlungshaufe  des  Lerrn  Johann  Wilhelm  Faulwasser.
Dann  eröffnete  er  selbst  mit  einem  Freunde  zusammen  ein  Geschäft.  Das  erste
Zirkular,  das  noch  in  einem  Exemplare  erhalten  ist,  zeigt  deutlich,  daß  er  dabei
selbst  der  führende  Geist  ist.  Das  Rundschreiben  der  Firma,  unterm  1.  Mai  des
Jahres  1797,  nur  in  seinem  Namen  erlassen,  lautet  wörtlich:
„Erlauben  Sie,  daß  ich  Ihnen  von  meiner  unterm  heutigen  Dato  errichteten  Handlung  die
Anzeige  machen  darf,  bei  der  ich  Speditions-  und  Commissions-Geschäfte,  so  wie  den  eigenen
Warenhandel,  vorzüglich  beabsichtige,  und  Ihnen  darin  die  aufrichtigste  Bedienung  verspreche.
Die  mir  in  der  Handlung  des  Lerrn  Johann  Wilhelm  Faulwafser  Hierselbst,  seit  10  Jahren
gesammleten  Kenntnisse,  setzen  mich  in  den  Stand,  alle  diejenigen  Aufträge,  womit  Sie  mich
zll  beehren  die  Güte  haben  werden,  aufs  beste  zu  vollziehen,  um  so  inehr,  da  ich  in  meinem
Freunde,  dem  Lerrn  Paul  Weber,  —  welcher  seit  14  Jahren  in  der  vormaligen  hiesigen
Landlung  des  Lerrn  August  und  Wilhelm  Pieschel,  jetzt  Wilhelm  Pieschel  &amp;amp;  Compagnie,
gearbeitet  hat,  —  einen  Mitarbeiter  gefunden,  der,  vereint  mit  mir,  das  Beste  unserer  werten
Freunde  suchen  wird.  Laben  Sie  nur  die  Güte,  mich  Ihrer  gütigen  Aufträge  zu  würdigen,
daß  ich  im  Stande  bin,  Ihnen  bei  deren  Ausrichtung  zeigen  zu  können,  wie  sehr  wir  es  uns
        <pb n="104" />
        110

beiderseits  durch  Rechtschaffenheit  und  Fleiß  werden  angelegen  sein  lassen,  Ihr  Vertrauen
nicht  nur  zu  verdienen,  sondern  es  auch  sür  die  Folge  uns  ganz  zu  versichern.
Unsere  Unterschriften  empfehle  ich  Ihrer  gütigen  Vermerkung,  und  ich  unterzeichne  mich
hochachtungsvoll,  als  Dero  ergebenster  Diener  August  Morgenstern
der  zeichnen  wird  Morgenstern  &amp;amp;  Co.  Paul  Weber  wird  zeichnen  Morgenstern  &amp;amp;  Co.
Gegenstand  des  Geschäftes  war  der  Pandel  mit  Kolonialwaren,  inländischen
Produkten,  Weilt,  Indigo-  lnrd  Farbwaren,  und  außerdem  wurden  Spedition
und  Kommission,  später  auch  das  Versicherungsgeschäst  betrieben.  Für  diese
Periode  des  Morgenstern  und  Weber  gemeinschaftlichen  Geschäftsbetriebes,
die  wir  in  unserer  Bilanzauszugstabelle  als  Erste  Geschästsperiode  bezeichnen,
liegen  keine  eigentlichen  Bilanzen  der  Fa.  Morgenstern  &amp;amp;  Co.  vor;  es  handelt
sich  vielmehr  richtiger  um  Auszüge  aus  den  Geschäftsbüchern,  die  für  Herrn
August  Morgenstern  jährlich  allgefertigt  wurden.  Die  als  Gewinlle  jener  ersten
15  Fahre  angegebenen  Zahlen  repräsentieren  mithin  nur  die  Herrn  August
Morgensteril  vertraglich  zustehende  Hälfte  des  Gesamtgewinnes.
Anterm  25.  Juli  1811  äußerte  Palll  Weber  den  Wllilsch,  aus  dem  Geschäfte
auszuscheiden.  Der  Brief,  der  die  feierliche  Scheidung  einleitet,  lautet  wie  folgt:
„Bester  Freund!  Es  sind  nun  bald  15  Jahr,  daß  wir  gemeinschaftlich  niit  einander  gearbeitet
haben;  der  Himmel  hat  unsere  Bemühungen  nicht  unbelohnt  gelaßen,  und  gottlob  mich  dahin
geführt,  wohin  ich  mich  wünschte,  um,  ohne  strenge  anhaltende  Arbeiten  dennoch  subsistiren,
meine  Gesundheit,  und  vorzüglich  meine  Augen  mehr  conserviren  und  endlich  auch  mich  meiner
Familie  mehr  widmen  zu  können.
Indem  ich  nun  einsehe,  daß  dieses  aus  keine  andere  Weise  geschehen  kann,  als  wenn  wir
uns  über  eine  freundschaftliche  Separation  der  möglichst  kürzesteil  Art  vereinigen;  so  bin  ich
sür  meine  Person  auch  sehr  gern  bereit,  selbst  Aufopferungen  nicht  zu  scheueil,  um  uns  ebenso ­
  freundschaftlich  zu  trennen,  als  wir  uns  verbanden.  Diese  Trennung  kann  trotz  den  jetzigen
Verhältnißen  nie  Dein  Schade  werden,  so  wie  ich  sie  mir  bettle;  vielmehr  hoffe  ich,  daß  Dir
meine  folgende  propomtiones  genehm  sein  werden.
Unsere  Separation  könilte  freilich
1.  mittelst  einer  Teilung  sämmtlicher  Activa  uttb  Paßiva  unter  uns  geschehen;  doch  würde
ich  schon  um  Deinetwillen  nicht  dafür  stimmen,  da  ich  schwerlich  die  Realisirung  meines  Antheils
  aus  Gründen  selbst  besorgeil  würde;  ich  wünsche  daher  vielntehr,  daß  das  Ganze  Eiilen
voil  llils  ilur  überlaßen  bleibe,  uild  ich  bin  für  meine  Person  bereit,  meine  Ansprüche  darauf
Dir  abzutreten.  Sind  wir  demnach  darüber  einverstanden,  so  entsteht  die  Frage,  wann  ehr
dieses  geschehen  solle?
Eine  bestimmte  Zeit  muß  also  dabei  verabredet  werden.  Du  wirst  es  am  besten  wißen,  daß
wir  trotz  den  widrigen  Verhältnißen  in  diesenl  Jahre  bei  llilserer  Handlung  mit  nicht  unbedeutendem ­
  Nutzen  inl  ganzeil  genommen  gearbeitet  haben;  lind  es  kann  die  diesjährige  Inventur ­
  mit  ultimo  December  d.  I.,  wenn  anders  wir  mit  Vorsicht  handeln,  nicht  anders  als
sehr  Solido  ausfallen  und  uns  beiderseits  eittett  gemeinschaftlichen  Nutzen  gewähren.  Ich  bin
indeßen  bereit,  aus  den  ganzen  diesjährigen  Vortheil  Verzicht  zu  leisten,  wenn  es  Dir  dagegen
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2.  genehm  wäre,  die  letztere  Inventur  vom  December  1810  zur  Grundlage  unserer  Separation ­
  zu  legen.  In  diesem  Fall  könntest  Du  die  Handlung  mit  allen  Activa  und  Paßiva  —
schon  vom  1.  Januar  dieses  Jahres  als  Dein  Eigenthum  betrachten,  Gewinn  und  Verlust  —
welcher  sich  seitdem  gezeigt  hat,  sür  Deine  Rechnung  anerkennen,  und  ich  will  nur  mit  den
Zinsen,  ü  6°/o  äCto.,  von  dem  bis  ultimo  December  1810  bei  der  Handlung  stehen  gehabten
Capital  mich  begnügen,  dagegen  würde  ich  aber  schon  von  da  an  aller  Verbindlichkeit  eicklaßen
sein  müßen.  Wegen  die  Versänmniß  meiner  Seits  während  des,  davon  mündlich!
Auf  diese  Weise  konnte  die  Separirung  —  nach  Deinem  Gefallen  zu  aller  Zeit  geschehen,
doch  aber  bin  ich  auch  bereit,  Dich  so  lange  —  mit  der  besten  freundschaftlichsten  Gesinnung
in  Deinen  Arbeiten  zu  assistiren,  bis  wir  den  Tag  unserer  förmlichen  Trennung  durch  Circulair
festgesetzt  haben  werden,  damit  Du  mitlerweile  Zeit  gewinnest,  auch  sür  Dich  die  nöthigen
Arrangements  zu  treffen.
Wenn  Du  auch  durch  Übernahme  von  Schulden  und  Waaren  vom  vorigen  Jahre,  wovon
die  Erster»  bis  auf  wenige  schon  eingegangen  sind,  hie  und  da  einigen  Schaden  oder  Verlust
haben  könntest,  so  kannst  Du  denselben  nur  immer  zur  löälfte  rechnen,  da  Du  diesen  bei  dem
Fortgang  unserer  Societaet  —  doch  zu  Deinem  Theil  hättest  tragen  müßen.  Was  ist  hingegen
nicht  während  dem  Lauf  dieses  Jahres  bei  den  Geschäften  gewonnen  worden?  Dieser  Gewinn-Antheil
  ist  es  aber  nicht  allein,  den  ich  mich  entsage,  ich  opfere  Dir  auch  durch  die  Überlaßnng
des  ganzen  Geschäfts  —  noch  inehr,  und  bei  weitem  also  inehr,  als  was  Du  durch  die  Annahme ­
  meiner  so  billigen  Proposition  risquiren  kannst.
Ich  wünsche  aber  sehnlich  auf  einen  so  ruhig  als  möglichen  Fuß  mein  erworbenes  Eigenthum ­
  —  zu  genießen  und  zu  conserviren—;  und  zudem  Ende  mich  aus  denweitläuftigenGeschäften
zurückzuziehen,  die  —  wie  es  scheint  —  zwar  kleiner  —  doch  iiiiiner  weitläuftiger  werden.
Angenehm  wird  es  mir  sein,  wenn  Du  die  Güte  haben  wirst,  einen  Tag  zu  bestimmen,
wann  ehr  und  wo  wir  uns  über  diesen  wichtigen  Gegenstand  mündlich  berathen  —  und  die
nöthigen  Verhandlungen  weiter  verabreden  können.  Daß  von  meiner  Seite  bis  dahin  —  wo
die  Sache  kein  Geheimniß  mehr  bleiben  kann,  alle  Verschwiegenheit  beobachtet  werden  soll,
und  daß  ich  auch  selbst  während  des  —  aus  dem  Comptoir  keine  Silbe  gegen  Dich  —  laut
laßen  will,  dies  ist  es,  was  ich  Dich  mit  Liebe  und  Freundschaft  fest  versichere.
D.  25.  Juli  1811.  Dein  aufrichtiger  Freund  P.  Weber.
August  Morgenstern  willigte  ein,  und  das  Gesellschaftsverhältnis  wurde
zum  Schluffe  des  Jahres  1811  fremldschaftlichst  gelöst.  Dem  Separations-Kontrakte
  entnehnlen  wir  folgende  wichtigsten  Bestimmungen:
„Wir  tdieronymus  Napoleon  durch  die  Gnade  Gottes  und  durch  die  Constitution  König  von
Westphalen,  französischer  Prinz,  allen  Gegenwärtigen  und  Zukünftigen  Unsern  Gruß  zuvor!
Thun  hiermit  kund:  Vor  dem  unterzeichneten  Königl.  Westphälischen  Distrikts-NotarNitze,
wohnhaft  zu  Magdeburg,  und  den  untenbenannten  Instrumentszeugen  erschienen  die  Kaufleute
.Herren  Friedrich  August  Morgenstern  und  Paul  Weber,  beyde  zu  Magdeburg  wohnhaft  und
patentiert  durch  die  Patente  vom  Ersten  Januar  dieses  Jahres  Commune  Magdeburg  No.  2097
und  2098,  welche  folgenden  unter  sich  verabredeten  .Handlungs-  Separations  -Vergleich  abschlössen. ­
  —  Die  genannten  .Herren  sind  nämlich  freundschaftlich  übereingekommen,  ihre  seither
unter  der  Firma  von  Morgenstern  &amp;amp;  Co.  geführte  Gesellschafts  Handlung  aufzuheben,  und
haben  diese  Aufhebung  und  die  Auseinandersetzung  bereits  am  Ersten  Januar  dieses  Jahres
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        112

unter  den  nachfolgenden  nähern  Bestimmungen  bewirkt.  —  Herr  Morgenstern  hat  vom  Ersten
Januar  Achtzehnhundert  und  zwölf  an,  sämtliche  Activa  und  Passiva  der  Handlung  nur  allein
mit  Ausnahme  der  für  unsicher  gehaltenen  nachher  näher  zu  erwähnenden  Activorum,  ferner
alle  der  .Handlung  gehörige  hiesige  und  auswärtige  Waarenlager,  die  dazu  gehörigen  Weine,  die
Handlungsgeräthschasten,  Mobilien,  Säcke  und  Fässer,  die  Atensilien  in  den  Weinkellern,  die
leeren  Weingebinde  und  überhaupt  alles,  was  der  aufgelösten  Handlung  gehört,  eigenthümlich
und  für  eigene  Rechnung  und  nach  der  davon  gemachten  Inventur,  deren  Bilance  die  Herren
Comparenten  nach  ihrer  Anzeige  durch  eigenhändige  Unterschrift  für  richtig  anerkannt  haben,
übernommen,  und  HerrWeber  tritt  demselben  alle  davon  ihm  zugestandene  Miteigenthumsrechte
und  Befugnisse  hierdurch  nochmals  förmlich  ab.  —  Was  das  hiesige  und  auswärtige  Waarenlager, ­
  die  Weine  und  alle  Handlungs-Lltensilien  und  Effekten  betrifft,  so  haben  die  .Herren
Comparenten  sich  über  den  dafür  von  dem  .Herrn  Morgenstern  zu  vergütenden  Annahme  Preis,
theils  gütlich  geeinigt,  theils  die  über  den  Werth  der  Weine  von  den  Weinhändlern  .Herrn
Robrahn  und  Dremel  abgegebene  Durchschnittstaxe  für  richtig  und  angemessen  anerkannt,  und
diesen  Annahme  Preis  der  Inventur  und  Bilance  zum  Grunde  gelegt.  —  Die  ausstehenden  Forderungen ­
  sind  sowohl  in  Absicht  der  hiesigen  als  auswärtigen  Debitoren  in  sichere  und  unsichere
eingetheilt  worden.  Die  sicheren  Forderungen  sind  auf  die  .Handlungs  Inventur  übertragen,  und
von  dem  Herrn  Morgenstern  der  deshalb  den  Herrn  Weber  aller  Garantie  hierdurch  entläßt,
für  voll  übernommen  worden.  Die  unsicheren  aber  sind  in  ein  besonderes  Buch  eingetragen,  und
von  ihnen  dessen  Seite  Bier  und  Dreißig  befindlicher  summarischer  Betrag  durch  eigenhändige
Unterzeichnung  für  richtig  anerkannt  worden.  —  In  Absicht  des  dem  Herrn  Weber  von  den
sicheren  auswärtigen  Forderungen  zukommenden  Anteils,  vergütet  derselbe  an  Herrn  Morgenstern ­
  dafür,  daß  dieser  solche  am  Ersten  Januar  dieses  Jahres  aus  sein  Risico  für  voll  übernommen, ­
  den  .Herrn  Weber  aller  Garantie  dafür  entlassen  und  die  Einziehung  zu  besorgen  hat
a)  Ein  Procent  für  die  mit  der  Einziehung  verbundene  Kosten,  kleine  Decorto
Porto,  auswärtigeProvision  pp.  b)  FünsProcent  an  Delcredere  undZweymonatliche
  Zinsen  vom  Ersten  Januar  bis  ultimo  Februar  dieses  Jahres
dergestalt,  daß  wenn  zum  Beyspiel  eine  Summe  von  Einhundert  Tausend  Thalern  an  sichere
Schulden  nach  der  Inventur  vorhanden  wäre,  und  dem  Herrn  Weber  davon  die  Hälfte  mit
Fünfzig  Tausend  Thalern  zukäme,  derselbe  von  dieser  Halbschied  der  Fünfzig  Tausend  Thalern,
dem  .Herrn  Morgenstern  an  Porto,  Decorto,Provision  und  dergl.,  im  gleichen  an  Delcredere
zusammen  Sechs  Procent  also  Drey  Tausend  Thaler,  überdieß  aber  noch  zweymonatliche
Zinsen  zu  fünf  Procent  mit  Vierhundert  Sechszehn  Thalern  Sechszehn  Groschen  vergütet.
Was  indeß  die  hier  in  Magdeburg  ausstehenden,  für  sicher  anerkannten  und  von  Herrn
Morgenstern  übernommenen  Forderungen  betrifft,  so  findet  dieserhalb  keine  Vergütigung  an
Delcredere  statt,  vielmehr  ist  dafür  vom  Herrn  Weber  bis  zum  Ersten  April  ds.  Is.  Garantie
geleistet,  und  mit  diesem  Tage  derselben  entlassen  worden.  Eine  Zweymonatliche  Zinsvergütung
von  fünf  Procent  pro  Anno  wird  indeß  dem  Herrn  Morgenstern  von  dem,  dem  Herrn  Weber
zukommenden  Antheile  zugestanden.  Die  als  unsicher  anerkannten  Forderungen  werden  durch
Herrn  Morgenstern  unter  der  alten  Firma  eingezogen.  Die  eingehenden  Gelder  affervirt  Herr
Morgenstern  und  vertheilt  die  eingehenden  Gelder  unter  sich  und  Herrn  Weber.  ...  Der  letztere
hat  dieBefugniß,  die  darüber  zu  führenden  Bücher  zu  jederZeit  einzusehen,und  erklärt  sich  bereit,
zur  Einziehung  dieser  Forderungen  hülfreiche  Hand  zu  leisten."
        <pb n="107" />
        113

Herr  August  Morgenstern  übernahm  demnach  die  Aktiva  und  Passiva  fiir
seine  alleinige  Rechnung  und  setzte  nun  das  Geschäft,  unter  Beibehaltung  der
Gesellschaftsfirma,  in  gleichem  Amsange  fort.  Besonders  tüchtige  Mitarbeiter
dieser  Zeit  sind  die  Herren  Gottfried  Marter,  August  Kalisky  und  Ferdinand
Gneist.  Letzterer  stand  der  Weinhandlung  vor  und  war  daran  kapitalistisch
beteiligt.  Das  gleiche  gilt  für  Marter  mit  Bezug  auf  die  übrigen  Geschäftszweige. ­
  —  Angesähr  10  Jahre  nach  der  Separation  Morgensterns  von  Weber
unterrichtet  ein  Zirkular^vom  8.  März  1822  dariiber,  daß  Marter  und  Kalisky
einige  ihnen  vom  Herrn  August  Morgenstern  abgetretenen  Geschäftszweige  der
Firma  für  eigene  Rechnung  und  unter  eigener  Firma  „Marter  und  Kalisky"
übernahmen.  Herr  August  Morgenstern  gab  bei  dieser  Gelegenheit  seinen  Mitarbeitern ­
  folgende  öffentliche  Empfehlung  mit  aus  den  Weg:
„Nachdem  ich  in  einer  Reihe  von  25  Jahren  die  Geschäfte  meiner  bestehenden  Handlungen
mit  möglichster  Tätigkeit  betrieben  habe,  ist  der  Wunsch  in  mir  rege  geworden,  einen  Teil  davon
auszugeben,  und  meinen  seitherigen  Mitarbeitern,  den  Herrn  Johann  Gottfried  Marter  und
Herrn  August  Kalisky,  zu  übertragen,  die  demnach  vom  heutigen  Tage  an  die  Kolonial--Warew-,
sowie  einländische  Produkten-,  Speditions-  und  Kommissions-Geschäfte,  nebst  den:  dahin  gehörigen ­
  Warenlager,  wie  auch  die  noch  lagernden  fremden  Güter  übernehmen.  Ersterer,  Herr
Marter,  arbeitete  bereits  21  Jahre  in  meinen  Geschäften  lind  hatte  seit  10  Jahren  einen  Anteil
daran,  Herr  Kalisky  war  seit  14  Jahren  darin  tätig.  Ich  bin  von  der  Rechtlichkeit  und  dem  Fleiß
dieser  Herren  überzeugt.  Selbige  werden  die  Geschäfte,  die  ich  mit  so  vieler  Liebe  betrieben  habe,
mit  gleichem  Eifer  fortsetzen...  Wenn  nun  die  Weinhandlung,  sowie  auch  das  Indigo-  undFarbewaren-Geschäst
  für  Fabriquen  und  Färbereyen,  desgleichen  die  Geschäfte  der  Londoner  Phönix-Compagnie
  für  Versicherung  gegen  Feuerschäden  von  mir  mit  desto  regerem  Eifer  und  Tätigkeit
ferner  fortgesetzt  werden,so  bitte  ich  zugleich  umIhr  fortdauerndes  Wohlwollen  und  Vertrauen."
Am  1.  Januar  1829  ging  der  Weinhandel  mit  allen  dazu  gehörigen  Vorräten
und  Lokalen  aus  Herrn  Carl  Ferdinand  Gneist  über.
Run  waren  Herrn  August  Morgenstern  noch  das  Indigo-,  Farbwaren-  und
Woll-  sowie  das  Bank-  und  Versicherungsgeschäft  geblieben,  dessen  Bilanzergebnisse ­
  wir,  als  der  dritten  Periode  angehörig,  in  der  Statistik  im  Anhange
ausführen.  Er  leitete  übrigens  sein  Geschäft  von  Ende  der  zwanziger  Jahre
in  Gemeinschaft  mit  seinem  Schwiegersöhne,  Herrn  Wilh.  Deneke,  den  er  bald,
nach  dem  Marter  und  Kalisky  selbständig  geworden  waren,  an  der  Firma
Morgenstern  &amp;amp;  Eo.  beteiligte.  Zum  I.Mai  1841  nahm  August  Morgenstern
seinen  Sohn  gleichen  Namens  in  das  Geschäft  aus.  Zum  Oktober  des  Jahres
vorher  hatte  er  seinen  Plan  eingeleitet.  Er  schrieb  damals  seinen:  Sohne:
„Lieber  Sohn!  Dein  Kapital-Konto  von  dem  Vermögen  der  verstorbenen  Mutter  und  der
Erbschaft  der  Frau  Tante  Pieschel  wie  den  kleinen  Einzahlungen  in  die  Sparbüchse  ist  mit  Zurechnung ­
  der  Zinsen  bis  zum  1.  Januar  1840  auf  Pr.  Courant  12999  Taler  26  sgr.  gestiegen,
        <pb n="108" />
        114

wovon  Du  die  Zinsen  beziehest  oder  zu  Kapital  sparst.  Für  die  Zeit,  daß  ich  Dir  noch  keinen  Anteil ­
  an  meinem  Geschäft  gebe,  sollst  Du  ein  Gehalt  von  500  Talern  jährlich  aus  der  Handlung
beziehen,  wogegen  Du  dasjenige,  was  Du  brauchst  selbst  anschaffst.  Den  sreien  Mittag-  und
Abendtisch  hast  Du  fortwährend  bei  inir.  Deine  übrigen  Ausgaben  aber  bestreitest  Du  selbst.
Dieses  Dir  mitzuteilen  war  der  Hauptzweck  dieser  Zeilen.  Stets  Dein  treuer  Vater
Den  20.  Oktober  1840.  August  Morgenstern.
Der  ereignisreiche  Brief  aber,  der  die  Ausnahme  in  das  Geschäft  einfach  und
schlicht  dem  Sohne  bekannt  gibt,  lautet:
Lieber  Sohn.  Dir  einen  Beweiß  meines  Vertrauns  und  Zufriedenheit  zu  geben,  sollst  Du
von  IlWMay  als  Theilnehmer  meiner.Handlung  eintreten,  was  ich  durch  Circular  bekannt
werden  laße.  Ich  bestimme  Dir  den  Sechsten  Antheil  an  Gewinn  und  soll  diese  Vereinigung
schon  vom  1.  Januar  d.  I.  beginnen;  der  Capital-Verlust  an  W.  S.  trist  meinen  Capital  Conto.
Ich  bestimme  Dir  den  Sechsten  Antheil  an  Gewinn  und  Verlust:  so  daß  ich  den  Wilhelm
Deneke  seit  dem  letzten  Jahre  ein  Drittheil  Antheil  hat,  mir  nur  die  Ä  äffte  verbleibt;  ich  bin
überzeugt  Du  wirst  es  Dir  angelegen  sein  laßen,  den  guten  Ruhf  meiner  Handlung  die  ich
vor  44  Jahren  am  I.May  gründete,  und  durch  Gottessegen  und  Beistand  so  weit  gebrachten
Geschäft  zu  erhalten,  daß  dieses  nur  durch  Rechtlichkeit,  Tätigkeit  und  Amsicht  geschehen  kann
brauche  ich  Dir  nicht  zu  sagen.  Gott  hat  mich  in  der  langen  Reihe  von  Jahren  so  mit  Glücksgütern, ­
  bei  den  wenigen  Mitteln  die  ich  hatte  gesegnet,  wofür  ich  denselben  nicht  genugsahm
danken  kann,  und  darf  ich  mich  dieser  Gnade,  nicht  allein  meiner  Tätigkeit  oder  Verstand  zuschreiben; ­
  sondern  mehr  meinen  so  würdigen  Aeltern,  die  so  viel  Gutes  in  der  Weld  stifteten,
da  der  Aeltern  Segen  auf  den  Kindern  ruht.  Ich  hoffe  mein  guter  Sohn  Du  wirst  in  meine
Fußstapfen  treten  und  in  meinem  Sinne  fort  arbeiten,  auch  wenn  ich  das  Zeitliche  verlaßen  habe.
Da  ich  jeden  meiner  Kinder  bei  ihrer  Verheiratung  eine  Mitgift  gegeben  habe,  so  thue  ich
auch  bei  Dir,  indem  ich  Dir  10,000  Thlr.  Gold  a  10  °/o  mit  Ct.  11000  —  am  1.  Januar  d.  I.  in
meinen  privat  Buch  gut  geschrieben  habe,  ebenso  erhielten  Deine  Geschwister  1500  i.  Pr.
Courant  zur  Ausstattung,  auch  diese  stehen  Dir  bereits  gutgeschrieben  und  erhälst  Du  auch
hiervon  die  Zinsen  seit  den  1.  Januar.  Es  wird  zu  meinem  größten  Glück  gereichen  wenn  Gott
meine  Tage  noch  einige  Jahre  fristet:  so  daß  wir  vereint  mit  den  Schwiegersohn  Deneke  die
Geschäfte  fort  setzen  können,  und  der  Allgütige  uns  ferner  seinen  Seegen  giebt.
D.  28.  April  1841.  Mit  steter  warmer  Liebe  Dein  Vater  August  Morgenstern.
Nur  kurze  Zeit  waren  Vater  und  Sohn  gemeinsam  in  der  Firma  tätig;  anr
5.  April  1844  starb  der  Gründer  der  Firma.  Wie  aus  der  im  Anhange  wiedergegebenen ­
  Würdigung  der  Bilanzen  von  Morgenstern  &amp;amp;  Co.  ersichtlich,  betätigte
sich  August  Morgenstern  sen.  nicht  nur  als  Kaufmann,  sondern  auch  als  Freund
seiner  Angehörigen  und  Angestellten.  Wir  bürsten  in  ihm  neben  dem  scharfblickenden, ­
  klug  operierenden  Prinzipal  den  opsersrelldigen  Familienvater,  den
sorgsamen  Chef,  den  edeldenkenden  Menschen  bewundern  und  verehren.
Es  ist  nur  natürlich,  daß  ein  solcher  Mann,  der  treffliche  Charaktereigenschaften
und  insbesondere  eine  uneigennützige  Gesinnung  auch  noch  zu  der  Zeit  betätigte,
wo  ihn  das  Schicksal  zu  einer  Wohlhabenheit,  man  kann  sagen  zu  einem  Glanz
        <pb n="109" />
        115

und  Reichtum  führte,  dein  andere  vergebens  mit  heißem  Bemühen  nachjagen,
recht  dazu  angetan  war,  von  seinen  Standesgenossen  geliebt  und  hochgeachtet
zu  werden.  Doch  scheint  er  besondere  Ehren  nicht  gesucht  zu  haben.  Zum  Ältesten
der  Kaufmannschaft  wurde  er  allerdings  gleich  bei  der  Gründung  der  Korporation ­
  gewählt.  Wir  sehen  auch  aus  den  Akten,  daß  er  anfangs  fleißig  mitarbeitete, ­
  dann  aber  scheint  er  sich  mehr  zurückgezogen  und  seinen  früheren  Mitarbeitern ­
  Marter  und  Kalisky  solche  Tätigkeit  überlassen  zu  haben.  Als  Konsul
und  Kommerzienrat  August  Morgenstern  sen.  starb,  da  bewegte  dies  doch  die
gesamte  Kaufmannschaft  Magdeburgs.  Die  Firma  teilte  die  traurige  Botschaft
ihren  Geschäftsfreunden  unterm  1.  Mai  1844  mit  folgenden  Worten  mit:
„In  tiefer  Betrübniß  erfüllen  wir  die  nns  obliegende  schmerzliche  Pflicht,  Ihnen  hierdurch
das  Dahinscheiden  unseres  geliebten  Vaters,  des  Königl.Preuß.Commerzienrathes  und  König!.
Baierischen  Conflils  Hierselbst,  August  Morgenstern,  Ritter  des  rothen  Adler-Ordens,  ganz
ergebenst  anzuzeigen.  Er  vollendete  am  Charsreitage,  den  5.  v.  M.  in  seinem  72sten  Lebensjahre. ­
  —  Sein  reger,  und  in  andauernder  Geschäftsthätigkeit  bis  zu  seiner  letzten  Stunde
kraftvoll  wirkender  Geist,  ließ  den  Wunsch  nach  Ruhe,  ob  auch  sein  vorgerücktes  Alter  deren
bedurfte,  doch  kaum  vor  wenig  Monaten,  erst  voll  reisen  und  ihn  zur  Ausführung  bringen.  In
Folge  dessen  schied  der  Verewigte  zwar  bereits  aml.  Januar  d.  I.  aus  unserer  Societät  aus,
vovon  er  jedoch  die  Veröffentlichung  bis  zum  heutigen  Tage  ausgesetzt  sein  lassen  wollte,  an
welchen:  vor  47  Jahren  unser  Laus  durch  ihn  begründet  worden  war.
So  ist  es  denn  nun  an  uns,  statt  seiner  heute  vor  Allem  den  tiefempfundenen  Dank  auszusprechen ­
  für  alle  Liebe  und  für  alles  Vertrauen,  dessen  er  sich  in  diesem  langen  Zeitraume
ununterbrochen  und  im  reichen  Maaße  nah  und  fern  zu  erfreuen  gehabt  hat.  Lind  wie  sollte
es  nun  nicht  auch  unser  höchster  Wunsch,  und  unablässiges  Bestreben  sein,  fortzuwirken  in
seinem  Geiste,  und  jenes  ehrende  Vertrauen,  dessen  auch  wir  ja  längere  und  kürzere  Zeit  hindurch ­
  gewürdigt  worden  sind,  unserm  Lause  fort  und  fort  zu  erhalten!  Wir  erbitten  hierzu
uns,  den  jetzigen  alleinigen  Inhabern  der  unverändert  fortbestehenden  Wandlung,  deren  Firma:
Morgenstern  &amp;amp;  Comp,  wir  beibehalten,  Ihr  ferneres  freundliches  Wohlwollen.  Sowohl  die
letztwilligen  Verfügungen  des  Dahingeschiedenen,  als  unsere  eigenen  Mittel,  setzen  uns  in  den
Stand  die  Geschäfte  mit  gleicher  Kraft  in  ihrem  vollen  bisherigen  Amfange  fortzuführen  .  .  .
Wilhelm  Deneke,  Schwiegersohn  des  Verstorbenen.  August  Morgenstern,  Sohn."
II.  August  Morgenstern  jun.
Augklft  Morgenstern  jun.  war  im  Lause  seines  Vaters,  umgeben  von  freundlichen ­
  Geschwistern  und  Schwägern,  ausgewachsen.  Ein  Laus  besaß  der  Vater
u.  a.  amFürstenwall,  ein  anderes  (mit  großem  Garten)  aus  dem  Werder.  Reiches
und  geselliges  Leben  wogte  um  den  Knaben  und  Jüngling.  Es  wäre  kein  Wunder
gewesen,  wennAugustMorgenstern  jun.  ein  verwöhnter,  ansprnchsvollerMensch
geworden  wäre.  Aber  alle  Briefe,  die  von  ihm  erhalten  sind,  sowie  alle  Reisebeschreibungen ­
  und  sorgsamen  Tagebücher  bieten  irns  das  Bild  eines  prächtigen
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        116

Menschen,  einer  empfindungsvollen  Natur,  eines  wahrhaft  freundlichen  Lerzens.
Mit  einer  schlicht  und  innig  sich  äußernden  Liebe  hing  er  vor  allem  an  seinen!
Vater,  zu  denr  er  verehrend  ausschaut  und  dem  er  sich  anvertraut.  And  diesem
Gesiihle  der  Liebe  kam  die  wohlverdiente  Vaterliebe  gern  entgegen,  nicht  eine
verweichlichende  Liebe,  sondern  eine  klug  sorgende.  Zum  Beweise  dafür,  wie
sorglich  sich  der  Vater  um  die  kaufmännische  Zukunft  seines  Sohnes  mühte,
wollen  wir  3  Briese  aus  dem  Jahre  1835  abdrucken,  deren  erster  von  August
Morgenstern  sen.  an  die  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuche!  gerichtet  ist,  der  zweite
von  dieser  Firma  an  den  Vater  Morgenstern  und  der  dritte  von  derselben  Absenderin ­
  an  den  Sohn  August.  Die  Briese  haben  folgenden  Wortlaut:
I.  Schreiben  vom  30.  Dezember  an  die  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuchet.
„Hochverehrte  Herren  und  Freunde,  da  es  für  mich  und  meinen  Sohn  das  größte  Glück  war,
daß  erunterIhrerLeitung  seine  kaufmännische  Laufbahn  begonnen  undSieihn  mit  so  vieler  Nachsicht ­
  und  Liebe  behandelt  haben,so  kann  ich  Ihnen  nicht  genugsam  danken,so  wie  es  meinem  Sohn
gewiß  auch  in  jeder  Lage  des  Lebens  unvergeßlich  sein  wird,  welchen  Dank  er  Ihnen  schuldet.  Er
wird  sich  auch  fernerbemühen,  durch  treue  Erfüllung  seinerPflichtIhrVertrauen  zurechtfertigen.
Nur  bitte  ich  Sie  inständig,ihn  noch  wenigstens  ein  Jahr  zu  behalten,damit  er  womöglich  auch  in
anderen  Fächern,  worin  er  noch  nicht  arbeitete,  seine  Kenntnisse  erweitern  kann.  Hierin  hoffe  ich
keine  Fehlbitte  zu  tun.  —  Wenn  es  anders  mit  Ihren  Ansichten  übereinstimmt,  so  wünsche  ich,
daß  Sie  gestatten,  daß  mein  Sohn  mit  diesem  neuen  Jahre  dem  Namen  nach  seine  Lehre  beendet,
was  aber  seine  Stellung  durchaus  nicht  verändern  soll.  Ich  hoffe,daß  diese  Begünstigung,  dieSie
ihm  angedeihen  lassen,  ein  Sporn  für  ihn  sein  wird,  sich  die  vielen  ihm  noch  mangelnden  Kenntnisse
anzueignen.  —  Erlauben  Sie,  daß  ich  so  frei  bin,  Ihnen  hierbei  den  letzten  Teil  des  schuldigen
Lehrgeldes  (400  Rth.)  mit  200  Nth.  zu  überreichen.  —  Nochmals  bitte  ich  Sie,  Ihre  Liebe
meinem  Sohne  angedeihen  zu  lassen  und  mir  Ihre  Gewogenheit  und  Freundschaft  zu  erhalten."
II.  Antwort  der  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuche!  an  August  Morgenstern.
Sehr  würdiger  Herr  und  hochverehrter  Freund!  Sie  sprechen  sich  in  Ihrer  geehrten  Zuschrift
vom  gestrigen  Tage  auf  eine  für  uns  so  schmeichelhafte  Weise  aus,  daß  wir  es  nicht  wagen
dürfen  das  Lob  .  ..  anzunehmen.  Beruhigend  aber  ist  es  für  uns,  zu  wissen,  daß  Sie  Ihren
Sohn  auch  für  die  Dauer  gern  bei  uns  sehen.  Wir  kommen  daher  mit  Bereitwilligkeit  Ihren
Wünschen  nach,  Ihren  Sohn  noch  bei  uns  zu  behalten,  und  überlassen  es  ganz  Ihrem  Ermessen,
für  wie  lange  Zeit  das  geschehen  soll.  Sehr  gern  lassen  wir  Ihren  Sohn  mit  Ablauf  dieses
Jahres  das  Ende  seiner  Lehrzeit  erreichen.  Wir  hatten  uns  schon  vorgenommen,  ihm  dies  morgen
anzuzeigen.  Da  ein  neuer  Lehrling  eintritt,  so  übernimmt  Ihr  Sohn  auch  zugleich  andere
Arbeiten,  wie  es  denn  überhaupt  unsere  aufrichtige  Sorge  sein  wird,  ihn  so  zu  beschäftigen,  daß
der  längere  Aufenthalt  in  unserem  Hause  für  ihn  nur  nützlich  sein  kann.  Wir  sind  jede  Aufmerksamkeit ­
  und  Sorge  nicht  nur  Ihnen,  als  einein  so  würdigen  Manne  und  hochgeschätzten
Freunde  schuldig,  sondern  fühlen  uns  auch  aus  Liebe  zu  Ihrem  Sohne  selbst  dazu  angetrieben,
indem  er  sich  immer  so  gut  betragen  und  besonders  in  dem  letzten  Jahre  so  gute  Fortschritte
gemacht  hat,  daß  wir  ihn  mit  dem  größten  Vergnügen  noch  länger  unter  unserer  Leitung  wissen."
        <pb n="111" />
        III.  Schreiben  der  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuche!  an  ihren  Lehrling
August  Morgenstern  jun.
„Lieber  Morgenstern!  Am  21.  ds.  Mts.  werden  es  drei  Jahr,  daß  Sie  in  unserem  Lause
sind.  Bei  Ihrem  Eintritt  wurde  über  die  Dauer  der  Lehrzeit  nichts  fest  abgeschlossen.  Wir
machen  uns  aber  ein  Vergnügen  daraus,  Ihnen  zu  sagen,  daß  sie  mit  Ablauf  dieses  Jahres
ihr  Ende  erreicht  haben  soll,  so  daß  Sie  von  heute  an  als  Kommis  bei  uns  servieren.  —  Wir
glauben  Ihnen  hiermit  einen  Beweis  dafür  zu  geben,  daß  wir  Ihr  gutes  Betragen,  Ihren  Fleiß
und  Ihre  guten  Fortschritte  nicht  mit  Gleichgültigkeit  beobachtet  haben,  daß  es  vielmehr  unser
besterLohn  ist,wenn  die  uns  anvertrauten  jungenLeute  so  aus  unserem  Lause  scheiden,  daß  sie  sich
sowohl  in  moralischer  Linsicht  als  auch  in  Rücksicht  ihres  Berufes  vor  der  Welt  einer  ungeteilten
Achtung  erfreuen  dürfen.  Unbemerkt,  lieber  Morgenstern,  dürfen  wir  aber  nicht  lassen,  daß  mit
Beendigung  der  Lehrjahre  nicht  etwa  auch  das  Lernen  vorüber  sein  darf.  Sie  werden  dies  selbst
genugsam  einsehen,  und  je  mehr  Sie  in  das  merkantilistische  Fach  eindringen,  desto  mehr  werden
Sie  sich  überzeugen,  daß  noch  viel  zu  lernen  übrig  bleibt.  Benutzen  Sie  daher  auch  ferner  die  Zeit
gut;  wir  werden  dafür  sorgen,  daß  Sie  neue,  zweckmäßige  Beschäftigung  bekommen;  da  morgen
der  neue  Lehrling  Laue  eintritt,so  wollen  Sie  auch  gleich  einenPlatz  in  dein  Zimmer,  wo  LerrB.
sitzt,  einnehmen.  Allein,  da  Sie  in  einem  so  ausgebreiteten  Geschäfte  nicht  alle  Arbeiten  praktisch
durchmachen  können,  so  muß  das  übrige  Ihrer  aufmerksamen  Beobachtung,  Ihrem  eigenen
Nachdenken  und  Ihrem  Nachforschen  überlassen  bleiben.  Unterlassen  Sie  daher  nicht,  über
Gegenstände,  die  Ihnen  nicht  ganz  klar  sind,  von  uns  selbst  oder  von  Lerrn  B.  Erläuterung
einzuholen,  und  taffen  Sie  nichts  vorübergehen,  wovon  Sie  nicht  eine  klare  Vorstellung  gewonnen
haben.  Auf  diese  Weise  verschaffen  Sie  sich  Gediegenheit  sowie  Gründlichkeit  des  eigenen
Arteils  und  das  Vermögen  eigener  Disposition.  Sie  wissen  es  ja  selbst,  welcher  Bestimmung
Sie  entgegengehen.  Sie  haben  vor  hundert  anderen  Leuten  viel  voraus,  aber  um  so  mehr  auch
ist  es  Ihre  Pssicht,  sich  dieses  Glückes  dadurch  würdig  zu  erzeigen,  daß  Sie  sich  mehr  und  mehr
bemühen,  Ihrem  Lerrn  Vater  ähnlich  zu  werden."  —
August  Morgenstern  jiln.  wurde  durch  die  Fürsorge  seines  Vaters  zu  einen:
vorzüglichen  Kaufmann  ausgebildet,  durch  viele  Reisen  auf  das  sorgfältigste
mit  deu  geschäftlichen  Verhältnissen  des  Auslandes  bekannt  gemacht,  von  seinem
Vater  und  seinem  Schwager  Deneke  ins  Morgensternsche  Geschäft  eingefiihrt,
und  bewährte  sich  als  Kaufmann  glänzend,  wie  er  denn  die  Fa.  Morgenstern
&amp;amp;  Co.  selbst  durch  schwere  Zeiten  allgemeiner  wirtschaftlicher  Krisen  glücklich
hindurchführte.  Dreiundzwanzig  Jahre  lang  führte  August  Morgenstern  jun.
das  Geschäft,  erst  zusammen  mit  seinem  Schwager,  dann  allein,  und  manche
Leiden  waren  ihm  beschieden.  Vor  allen:  erwies  sich  sein  Körper  als  nicht  sehr
kräftig.  Als  21.  Morgenstern  jun.  am  1.  Juni  1867  verschied,  schrieb  Carl
Deneke  darüber  an  seine  Frau:
„Daß  Dickel  August  Morgenstern  ain  1.  Juni  von  seinen  schweren  und  langen  Leiden  erlöst
worden  ist,  hast  Du  wohl  von  Toni  Schneider  erfahren.  Der  arme  Mensch  hat  viel  ausstehen
müssen.  So  ist  es  ihn:  allerdings  zu  wünschen  gewesen,  daß  er  endlich  zur  Ruhe  kam.  Auch
seine  Amgebung,  namentlich  feine  prächtige  Frau,  haben  viel  Lerzensangst  gelitten."  .  .  .
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        118

III.  Walter  Morgenstern.
Nach  dem  frühen  Tode  August  Morgensterns  führten  die  Erben  das  Geschäft
so  lange  weiter,  bis  der  älteste  Sohn,  Walter,  es  übernehmen  konnte.  —  Walter
Morgenstern  gab  im  Jahre  1890  den  Indigo--  und  Farbwarenhandel  zugunsten
des  Bankgeschäftes  aus.  —  Was  seine  ehrenamtliche  Tätigkeit  anlangt,  so  ist  er
seit  1894  Stadtverordneter,  seit  1905  Stadtrat.  Zn  das  Ältesten-Kollegium
wurde  er  1885  gewählt.  Seit  dem  6.  Januar  1902  ist  er  dritter  Vorsteher  der
Handelskammer.  —  Zur  Jahrhundertfeier  seiner  Firma  überreichte  ihm  die
Handelskammer  folgende  Adresse:
„Liebwertester.  £&amp;gt;m  Kollege!  Am  1.  Mai  1797  wurde  die  Firma  Morgenstern  &amp;amp;  Co.  von
Ihrem  Großvater,  deni  Königlich  Bayerischen  Konsul  Kerrn  Friedrich  August  Morgenstern,
in  Gemeinschaft  mit  Kerrn  Paul  Weber  zu  Magdeburg  gegründet.  Sie  feiert  somit  am  heutigen
Tage  das  Jubiläum  ihres  hundertjährigen  Bestehens!
Mit  Freude  und  Stolz  können  Sie,  als  Inhaber  der  Firma,  aus  die  verflossene  Zeit  zurückblicken, ­
  in  der  Ihr  Kaus  auf  den  verschiedenen  Gebieten  des  Kandels  kraftvoll  und  erfolgreich
im  wohl  berechneten  Einklänge  mit  der  Entwickelung  der  Magdeburger  Kandelsverhältniffe
und  mit  den  besonderen  Fähigkeiten  und  Neigungen  der  Chefs  sich  betätigte.  Wir  erinnern
nur  daran,  daß  Ihr  Großvater  zunächst  ein  Speditions-  und  Kommissions-Geschäft  betrieb,
sich  später  dem  Farbwaren-  und  Jndigohandel  zuwandte  und  daneben  auch  an  der  Weinhandlung ­
  von  Gneist  &amp;amp;  Coqui,  sowie  der  Zuckerfabrik  von  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuchet  beteiligt  war.
Ihr  Vater,  Kerr  Stadtrat  Theodor  August  Morgenstern,  fügte  dem  Geschäft  durch  Übernahme ­
  der  Generalagentur  der  Schlesischen  Feuer-Versicherungs-Gesellschast  einen  neuenZweig
hinzu.  Nachdem  nun  Ihre  Mutter,  Frau  Stadtrat  Agnes  Morgenstern,  als  Firmeninhaberin,
Ihnen,  ihrem  ältesten  Sohne,  am  1.  Mai  1874  das  Geschäft  übertragen  hatte,  waren  Sie
besonders  bestrebt,  unter  Ausgabe  des  Warengeschäfts  einen  Zweig,  welchen  die  Firmen  zwar
schon  seit  Jahrzehnten,  aber  nur  in  bescheidenem  Amsange  betrieben  hatte,  mehr  und  mehr  zu
erweitern:  das  Bankgeschäft.  Für  unsere  Korporation  ist  Ihre  Firma  von  besonderer  Bedeutung, ­
  weil  Kerr  Friedrich  August  Morgenstern  im  Jahre  1825  bei  der  Organisation  der
Kaufmannschaft  tätig  war.  Von  seinem  erfolgreichen  Wirken  als  Kaufmann  zeugt,  daß  er
durch  das  Vertrauen  der  Wählerschaft  gleich  bei  der  Gründung  der  Kaufmannschaft  in  das
Ältestenkollegium  gewählt  wurde,  dem  er  alsdann  viele  Jahre  hindurch  angehörte.  Wie  dieser
Begründer  Ihrer  Firma  haben  auch  die  nachfolgenden  Inhaber  in  den  engsten  Beziehungen
zn  unserer  Korporation  gestanden.  Sie  selber  traten  gleich  nach  der  Übernahme  des  Geschäfts
im  Aug.  1874  in  die  Korporation  ein  und  gehören  unserem  Kollegium  seit  dem  30.  Dez.  1885  an.
Ans,  den  Vertretern  von  Kandel,  Industrie  und  Schiffahrt  Magdeburgs,  gereicht  es  zu  besonderer ­
  Freude,  dem  Kaufe  Morgenstern  &amp;amp;  Co.,  dessen  gegenwärtiger  Chef  seit  12  Jahren  uns
ein  hochverehrter  und  lieber  Kollege  ist,  zu  dem  heutigen  Ehrentage  unsere  herzlichsten  Glückwünsche ­
  auszusprechen  und  der  Koffnung  Ausdruck  zu  geben,  daß  Ihre  Firma,  wie  schon  hundert
Jahre  hindurch  so  auch  in  Zukunft,  wachsen  und  gedeihen  möge,  und  daß  Sie  selbst  noch  viele
Jahre  in  körperlicher  und  geistiger  Jugendsrische  sich  Ihrer  umfangreichen  Tätigkeit  mit  Erfolg
widmen  und  uns,  dem  Kollegium,  mit  Ihrem  bewährten  Rat  dauernd  zur  Seite  stehen  mögen."
        <pb n="113" />
        119

Rudolf  Zwicker.  Dr.  Nans  Latschek.

Geschäftsführende  Beamte.
Die  Zahl  der  geschäftsführenden  Beamten  der  Kaufmannschaft  ist  fast  der  Zahl  der  Ersten
Vorsteher  gleich.  Die  ersten  Rendailten  waren  freilich  mehr  Silbalternbeamte  der  Syndici,  und
erst  der  frühere  Kanzleirat  Zwicker,  der  eine  vorzügliche  volkswirtschaftliche  Bildung  besaß,
wußte,  dem  ihm  bei  seiner  Anstellung  gegebenen  Aufträge  entsprechend,  die  Geschäftsführung
mehr  von  der  juristischen  Bearbeitung  einzelner  Fragen  durch  die  Syildici  loszulösen  und  selbstständig ­
  zu  gestalteil.  Justizrat  Costenoble,  Syndikus,  später,  als  Or.KatschekdenTitelSyndikus
erhielt,  „Justiziar"  genannt,  beschränkte  sich  schließlich  darauf,  den  Verhandlungen  des  Kollegiums ­
  beizuwohnen  lind  in  seiner  freundlichen  Art  Auskunft  zu  geben,  falls  der  Vorsitzende
Auskunft  von  ihm  wünschte.  Der  Verfasser  dieser  Schrift  schuldet  dem  trefflichen  Manne,
dessen  „Einfachheit  und  Gradheit  des  Charakters"  in  seinem  Nachrufe  von  den  Ältesten  der
Kausinallnschast  mit  vollem  Rechte  gerühiilt  werden,  auch  persönlich  für  die  Aneigennühigkeit,
mit  der  er  ihm  mit  seiner  reichen  Erfahrung  zur  Seite  trat,  von  Kerzen  respektvollen  Dank!
Lerr  Kanzleirat  Rud.  Zwicker—über  seine  Vorgänger  Koch  (1825—1837),
Schwager  (1837—1842),  Fehr  (1842—1857)  wissen  wir  nichts  zu  berichten  —
war  Sekretär,  später  „Erster  Sekretär"  der  Kammer  vom  November  1857  bis
Februar  1888.  Ihm  werden  „große  Arbeitskraft,  gepaart  mit  seltener  Pflichttreue" ­
  und  „umfassende  Kenntnisse  aus  merkantilem  und  volkswirtschaftlichem
Gebiete"  nachgerühmt.  Die  bekanntesten  Werke  seiner  Feder  sind  sein  Beitrag
zur  „Festschrift  für  die  Mitglieder  der  57.  Versammlung  Deutscher  Natur ­
        <pb n="114" />
        120

forscher  und  Ärzte",  Kap.  I  V.  „der  Landet  Magdeburgs",  eine  historische  Skizze,
die  mit  dem  Jahre  1825  schließt;  und  seine  den  Ältesten  der  Kaufmannschaft
gewidmete  Festschrift:  „Fünfzig  Jahre  der  Magdeburger  Kaufmannschaft,
1825—1875".  Rudolf  Zwicker,  dessen  Andenken  bei  älteren  Mitgliedern  noch
bis  heute  treu  erhalten  blieb,  starb  am  22.  Februar  1888.
Dr.  Laus  Latschek,  aus  Reichenberg  i.  Böhmen  kommend,  nahm  den  Platz
ein,  den  Zwicker  verlassen  hatte;  er  erhielt,  als  Jurist,  die  Erlaubnis,  zugleich
irr  die  Rechte  eures  Syndikus,  sorveit  sie  nicht  die  Generalversammlungen  betrafen ­
  (diese  Rechte  wurden  erst  dem  Schreiber  dieser  Zeilerr  nach  dem  Tode
des  Lerrn  Justizrat  Costenoble  übertragen),  einzutreten.  Latschek  rvar  eine  feinfühlige, ­
  vornehme  Natur,  die  sich  von  allem  Gewöhnlichen  rveit  entfernt  hielt.
Jüngeren  Kollegen,  rvie  seirreur  Nachfolger  ebnete  er  mit  vollendeter  Selbstlosigkeit ­
  die  Wege.  Das  Wort:  Ie5  amis  de  mes  amis  sont  mes  amis  war  er
stets  bereit  seinerseits  zrr  betätigen,  wie  er  denn  überhaupt  ein  Lerz  hatte,  mit
allen,  die  ihm  nahe  standen,  mitfiihlend  und  mitempfindend.  Selbst  fremdes
Anglück  pochte  niemals  vergeblich  an  seine  Türe.  —Nach  getaner  Arbeit  war
Latschek  bis  in  die  Tage  schweren  Leidens  hinein  ein  gutgelaunter,  allzeit  heiterer ­
  Genosse,  der  keine  Fröhlichkeit  verscheuchte.  Aber  fein  Beruf,  dem  er  mit
ganzem  Lerzen  ergeben  war,  zwang  ihn  zeitweise  zu  fast  übermäßigen  Anstrengungen. ­
  Mit  einem  geringen  Bruchteil  der  jetzt  im  Sekretariat  und  im
Bureau  Beschäftigten  hat  Dr.  Latschek  Arbeiten  des  Kollegiums  vorbereitet
und  selbst  Arbeiten  geleistet,  die  berechtigtes  Aussehen  machten.  Wir  nennen
nur  seine  Schrift  über  die  Wohnungsversorgung,  den  Entwurf  eines  Binnenschiffahrtgesetzes, ­
  seine  Schrift  über  das  Binnenschiffahrtgesetz  und  die  Denkschrift ­
  des  Ältesten-Kollegiums  über  die  Enquete  der  Börsenkommission,  die
von  ihm  entworfen  ist.  Als  Latschek  Ende  1895  Magdeburg  zeitweise  und  zum
1.Jan.  1896  ganz  verließ,  um  in  Frankfurt  a.Main  einen  größeren  Wirkungskreis ­
  zu  suchen  und  zu  finden,  da  war  er  kein  ganz  gesunder  Mensch  mehr,  und
die  ungewöhnlich  große  Last  von  Ämtern,  die  er  dort  aus  sich  nahm,  hat  seine
Kräfte  schneller,  als  nötig  war,  ausgebraucht.  Er  starb  am  2.  Oktober  1904
im  Alter  von  nur  45  Lebensjahren.  Die  Landelskammer  zu  Magdeburg  ließ
einen  Kranz  an  den:  Sarge  ihres  einstigen  Syndikus  niederlegen  und  ries  ihm
die  Worte  nach:
„Der  Verstorbene,  der  in  den  Jahren  1888-1895  der  geschästssührende  Syndikus  der
Kaufmannschaft  zu  Magdeburg  war,  hat  in  dieser  Zeit  mit  voller  Eingebung  seine  reichen
Kenntnisse  in  den  Dienst  der  uns  obliegenden  "Arbeiten  gestellt.  Gern  erinnern  wir  uns  dieses
ehrenhaften,  trefflichen  Charakters,  dieser  liebenswürdigen,  gewinnenden  Persönlichkeit.
Wir  werden  sein  Gedächtnis  allzeit  dankbar  in  Ehren  halten."
        <pb n="115" />
        121

Peter  Kociiit.

Johann  Laspar  (Soflui.

Alterleute  der  Kaufleute  Brüderschaft.
Als  „Alterleute"  und  „Kämmerer"  der  Kaufleute  Brüderschaft  und  der  Seidenkramerinnung,
d.h.  der  Innung,  die  als  eigentliche  Vorgängerin  der  Handelskammer  gelten  mag,und  derjenigen,
deren  .Haus  am  Alten  Markt  5  die  .Handelskammer  noch  heute  besitzt,werden  nach  den  Akten  der
Handelskammer  und  nach  Berghauer  genannt:  Ioh.  Joachim  Fritze,  Nicolaus  Fritze,  Christian
Gottlieb  Schmager,  Jean  Jacques  Cuny  (der  Ältere!),  E.  Kildebrand,  Coqui,  Fälsche,  Ioh.
Jac.  Gustädt  u.  a.  mehr.  Aus  der  langen  Reihe  der  Alterleute  und  Mitglieder  führen  wir  außerdem ­
  noch  folgende  bekannteren  Namen  an:  Andrä,Bodenstein,  Costenoble,  Descours,  Georgy,
.Helle,  .Heyroth,  Kayser,  Laubel,  Leidloff,  Leekeny,  Lindau,  Lindemann,  Listemann,  Lüdecke,
Maquet,  Morgenstern,  Nathusius,  Pullis  (Palis),  Pieschel,  Pinckernelle,  Robrahn,  Roch,
Rumpfs,  Schmidt,  Schmitz,  Schräder,  Schramm,  Schrop,  Schubart,  Schütze,  Schwartz,Tieding,
Walstab,  Weiß  (Weiße),  Wurhler  und  Zuckschwerdt.  —  Von  den  hier  genannten  Familien  sind
nur  noch  wenige,  die  in  der  Magdeburger  Kaufmannschaft  eine  führende  Rolle  spielen.  Der
Name  Pieschel  ist  z.  B.  in  Magdeburg  überhaupt  nicht  mehr  vertreten.  Dagegen  ist  Landrat
v.  Pieschel  in  Burg  ein  direkter  Nachkomme  der  Magdeburger  Familie.  Allerdings  kennt  ganz
Magdeburg  das  stattliche  Pieschelsche.Haus  am  Breitenweg,  und  noch  heute  wird  erzählt,  daß
einst  ein  Pieschel  (der  letzte  uns  bekannte  Kaufmann  dieses  Namens,  Carl  Friedrich  Pieschel,
gest.  am  31.  Jan.  1855,  war  vom  5.  Aug.  1825  bis  15.  Jan.  1840  im  Ältesten-Kollegium  der
Kaufmannschaft)  der  einzige  Magdeburger  Kaufmann  war,  der  vierspännig  fuhr,  eine  Sache,
die  damals  etwas  zu  bedeuten  hatte.  Die  Schwiegermutter  CarlDenekes  war  eine  geb.  Pieschel.
Dies  gab  uns  das  —  wenn  auch  etwas  weit  hergeholte  so  doch  gern  geübte  —  Recht,....  Pie)chel
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        122

und  seine  Frau  in  der  seltsamen  Tracht  ihrer  Zeit  abzubilden  (siehe  Seite  33).  —  Verschwunden,
zumindest  verschwunden  aus  derReihe  der  Firmen,  die  zur  Handelskammer  gehören,  sind  die  alten
Magdeb.  Kausmannsfainilien:  Gustädt,  Leekeny,Pinckernelle,  Schubart,  Tieding,Walstab  usw.
(ÄberWalstabärCv.  siehe  den  Anhang  zu  OttoÄubbe.)  —  Eine  besondereBehandlung  verdiente
wohl  die  Familie  Nathusius,  deren  Magdeburger  Zweig  leider  kürzlich  seinen  Seirior  verlor;  doch
gewann  diese  Familie,  deren  Name  in  Deutschland  zu  den  bekanntesten  gehört,  ihren  Ruhm,  wenn
auch  von  Magdeburg  ausgehend,  hauptsächlich  außerhalb  unsers  Bezirks,  in  Äundisburg!  —
Von  der  Familie  Cuny  haben  wir  Mitteilungen  im  Anschluß  an  das  kurze  Lebensbild  gebracht,
das  wir  von  Jean  Jacques  Cuny  (II)  entwerfen  durften.  Das  gleiche  gilt  für  die  Familie
Morgenstern,  deren  Geschichte  wir  skizzierten,  uin  zu  zeigen,  welches  die  Vorfahren  des  gegenwärtig ­
  dritten  Vorstehers  der  Handelskammer  waren?  —  So  sind  es  denn  schließlich  nur  noch
wenige  Namen,  die  wir  hier  als  die  von  Alterleuten  der  Kaufleute  Brüderschaft  nennen  können.
Coffui.  Von  dem  Negierungsbaumeister  Coqui  in  Magdeburg  wird  mir
geschrieben:  „Der  Kaufmann  Johann  Caspar  Coqni  wurde  im  Jahre  1747  geboren. ­
  Er  war  Weinhändler  und  Zucker-Raffineur,  Presbyter  der  wallonischreformierten ­
  Gemeinde,  Bürgermeister  der  Pfälzer  &amp;gt;Kolonie  sowie  unter  der
westfälischen  Regierung,  als  einer  der  5  Deputierten  Magdeburgs,  Mitglied
der  Reichsstände.  Johann  Caspar  Coqni  starb  im  Jahre  1824.  Rach  ihm  ist
das  von  seiner  Witwe  1858  in  Buckau  errichtete  Stift  benannt."
Als  Mitglied  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  wird  noch  ausgeführt
Peter  Coqni  (erster  Wahltermin  1825,  letzter  1842).  —Die  Bilder  dieser  beiden
Personen  konnten  nur  hier  reproduzieren.  —  Das  Bild  Gustav  Coqnis  (erster
Wahltermin  1842,  letzter  1845),  deffen  im  Lebensbilde  Denekes  Erwähnung
geschieht,  befindet  sich  aus  dem  Bilde  des  Auffichtsrats  der  Privatbank  (rechts).
Echmager.  Der  Inhaber  des  Agentur-  und  Kommissionsgeschäftes  von
August  Schmager  teilte  mir  freundlichst  mit,  daß  Christian  Gottlieb  Schmager
(sein  Großonkel)  etwa  um  1800  Inhaber  der  Weingroßhandlung  war,  die  jetzt
unter  der  Firma  Dankworth  &amp;amp;  Richters  betrieben  wird.
Der  Inhaber  der  Firma  „Robrahn  &amp;amp;  Co.",  Chromolithograph.Anstalt,Magdeburg-Sudenburg,
  gegründ.  1823,  äußerte  sich  über  seine
Vorfahren  lvie  folgt:  „Eduard  Robrahn  erwarb  1823  ein  Papiergeschäft  nebst
Druckerei  von  David  Cuny.  Das  Geschäft  wurde  nach  des  Vaters  Tode  (in:
Jahre  1856)  von  deffen  Söhnen  Rudolph  und  Eduard  fortgeführt.  1871  starb
Eduard  Robrahn.  Im  Jahre  1889  trat  Rudolph  Robrahn  jun.  als  Mitinhaber
ein."  Herr  Rud.  Robrahn  bemerkt  ferner,  daß  der  vor  1823  in  Magdeburg
lebende  Kaufmann  Robrahn,  sein  Argroßvater,  nach  Stettin  und  später  nach
Frankfurt  a.  M.  übergesiedelt  sei.  —  Aber  die  Firma  Robrahn  &amp;amp;  Lildebrand
konnten  wir  nichts  in  Erfahrung  bringen.
        <pb n="117" />
        123

Tobias  G.LUdebrand.  Tobias  EdUldebrand.
Ein  Fräulein  Friederike  Lildebrand  schreibt:  Von  meinem
Großvater  zeugt  die  Grabschrift  an  der  Südseite  der  Alrichskirche,  lautend:
„Der  Erde  kühler  Schoß  deckt  hier  eines  Biedermanns  sterbliche  Lülle,  des
Kaufmanns  Tobias  Gottfried  Lildebrand,  geb.  den  26.  Februar  1740,  gest.  am
4.  Februar  1826."  In  dem  seltenen  Alter  von  86  Jahren  hat  demnach  dieser
Mann  sein  Erdendasein  abgeschlossen.  Ihm  zur  Seite  ruht  seine  Gattin  Caroline
Friederike  geb.  Drewes,  die  ob  ihrer  Wohltätigkeit  den  Louisenorden  erhalten
hat.  —  Der  Sohn  von  Tobias  Gottfried  namens  Tobias  E.  Lildebrand,  geb.
am  11.  April  1790,  übernahm  von  seinem  Vater  eine  blühende  Kolonialwaren--Großhandlung
  unter  der  Firma  „Tobias  Lildebrand  seniors  Sohn".  Tobias
Lildebrand  der  Jüngere,  der  den  Wunsch  hatte,  das  Baufach  zu  studieren,
fügte  sich  nur  ungern  dem  Willen  des  Vaters,  der  ihn  zwang,  Kaufmann  zu
werden.  Dann  aber  betätigte  er  sich  vielleicht  mit  zu  viel  Temperament  und
Anruhe.  Kaum  zwanzigjährig,  finden  wir  it&amp;gt;n  im  Austrage  seines  Vaters  in
Galizien,  um  das  Geschäft  mit  russischem  Talg  und  mit  Läuten  und  Fellen
kennen  zu  lernen.  Nachdem  er,  zurückgekehrt,  mit  einem  Weinhandelgeschäft
in  der  Sudenburg  schlechte  Geschäfte  gemacht  hatte,  wurde  er  in  den  vierziger
Jahren  in  den  Strudel  der  politischen  Bewegung  gezogen.  In  dein  Wunsche,
vorwärts  zu  kommen,  wanderte  er  mit  seiner  Frau  und  seinen  jungen  Kindern
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        124

zweiter  Ehe  nach  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  aus,  und  zwar  nach
New-Orleans.  Nachdem  er  seiner  Familie  auf  einer  angekauften  Plantage
eine  Unterkunft  verschafft  hatte,  reiste  er  nach  New-Pork  und  von  dort  weiter
nach  Norden  zu  den  Niagara-Fällen.  Bei  seiner  Rückkehr  nach  New-Orleans,
die  sich  etwas  länger  als  beabsichtigt  hingezögert  hatte,  wirkte  die  inzwischen  eingetretene ­
  tropische  Litze  so  nachteilig  aus  seiue  ^Gesundheit,  daß  er  dem  gelben
Fieber  keinen  ausreichenden  Widerstand  51t  leisten  vermochte  und  aus  dem  Leben
schied.  Von  seinen  Söhnen  ist  der  älteste  nach  Deutschland  zurückgekommen  und
als  Amtsrat  im  70.Lebensjahre  gestorben.  Der  zweite  ist  in  Louisiana  verstorben;
der  dritte  wurde  Kapitän,  lebt  aber  jetzt  als  Direktor  der  Spiritussabrik  in
Quedlinburg.  Die  einzige  verheirateteTochterTobiasLildebrands  des  Jüngeren
war  die  Gemahlin  des  im  Jahre  1895  verstorbenen  Stadtältesten  Baensch.
Fölsche.  Von  Lerrn  Carl  Christoph  Leinrich  Fölsche,  dein  Seniorches  der
Magdeburger  Zuckerrassinerie  von  Fölsche  &amp;amp;  Co.,  geht  mir  eiue  Geschichte
der  Firma  Fölsche  &amp;amp;  Co.  zu,  die  hier  ihren  Platz  finden  mag,  weil  sie  recht
bemerkenswerte  Angaben  über  Pachtpreise  und  die  Anfänge  der  Zichoriennnd
  der  Zuckerfabrikation  enthält.  Zugleich  geben  die  Auszeichnungen  ein  Bild
davon,  wie  schwierig  es  war,  über  vergangene  Zeiten  volle  Klarheit  zu  gewinnen, ­
  weil  die  ganzen  Vermögens-  und  Geschästsverhältniffe  früher  gleichsam ­
  als  Familienangelegenheit  betrachtet  wurden.  Zum  besseren  Verständnis
der  nachfolgenden  Darstellung  trägt  es  bei,  wenn  man  folgendes  im  Gedächtnis
bewahrt:  Johann  Christian  Fölsche,  geboren  imIahre1751  (Sohn  des  Johann
Andreas  Fölsche),  hatte  zwei  Töchter  und  zwei  Söhne.  Die  Töchter  waren
verheiratet  an  die  Kaufleute  Ioh.  Chr.  Burchardt  und  Friedr.  Will).  Loeinpke.
Die  Söhne  hießen  Julius  Christoph  und  Johann  Carl.  Von  Julius  Christoph
stammen  in  gerader  Linie  die  gegenwärtigen  Inhaber  Leinrich  und  Carl  Fölsche
ab.  Damit  geben  wir  Lerrn  Fölsche  selbst  das  Wort.  Er  schreibt:  Johann
Christoph  Fölsche,  geb.  am  2.  Februar  1751  als  Sohn  des  Lalbspänners
Johann  Andreas  Fölsche  in  Altenweddingen,  erwarb,  nachdem  er  1782  als
gewesener  Cnroüierter  vom  Kalksteinschen  Regimente  abgegangen  war,  das
Bürgerrecht  der  Sudenburg.  Daraus  pachtete  er  mitVertrag  vom  16.Febr.  1794
für  Michaelis  1796  in  Erbpacht  4  Morgen  Ackerland  vom  Lospital  St.  Georgii
vor  der  Sudenburg  in  der  Nähe  des  Laasschen  Gartens.  Dort  ballte  er  Zichorien
lnld  legte  eine  Zichoriendarre  und  Zichorienbrennerei  ml.  Die  Jahrespacht  war
auf  „30  Taler  Gold,  5  Taler  Condemium  (?)  und  20  Taler  Coron"(?)  für  Lut
und  Triftgeldentfchädigung  festgesetzt.  Dieser  Pachtvertrag  sollte  voll  12  zu
12  Jahren  erneuert  und  dabei  als  Pachtsumme  die  höchste  Ackerpacht  in  Ansatz
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        125

gebracht  werden,  die!  das  Hospital  St.  Georgii  zurzeit  der  Erneuerung  der
Pacht  erhalte.  In  der  zweiten  Pachtperiode  (1808—1820)  wird  die  Pachtsumme
  dementsprechend  auf  60  Taler  Gold  erhöht.  Dabei  treten  (der  Vertrag
datiert  vom  23.  März  1809)  als  Vertragschließende  die  Erben  des  1800  verstorbenen ­
  Ioh.  Christoph  Fölsche  auf  darunter  Johann  Christoph  Burchardt,
40  Jahre  alt,  wohnhaft  in  der  Sudenburg  Nr.  1657,  der  Vorfahr  der  Magdeburger ­
  Kausmannssamilie  Burchardt.  —  Bei  der  nächsten  Pachtperiode  (1820
bis  1832,  Vertrag  mit  dem  Stift  St.  Georgii  vom  16.  März  1821)  schließt
Johann  Christoph  Burchardt  im  Namen  per  übrigen  Fölscheschen  Erben  ab,
dabei  wird  die  Pacht  aus  52  Taler  Gold  herabgesetzt.  Im  Jahre  1826  wird
ein  Regreß  iiber  die  einteile  der  Erben  ausgenommen.  Danach  steht  den  Söhnen
Johann  Christoph  Fölsches,  mit  Namen  Julius  Christoph  und  Johann  Carl,
mit  ihrem  Schwager  Burchardt  zusammen  das  Eigentumsrecht  am  Erbpachtgrundstück,
  sowie  au  einem  dazu  erworbenen  kleineren  Grundstücke  zu,  während
die  Töchter  ausscheiden.  Am  1.  Oktober  1827  wird  ein  schon  vom  1.  Mai  1826
ab  giiltiger  Vertrag  zwischen  der  Firma  Fölsche  &amp;amp;  Burchardt  und  einer  neugebildeten ­
  Firma  Burchardt  &amp;amp;  Co.  geschloffen,  wonach  die  ältere  Firma  der
jüngeren  die  aus  ihrem  Grundstücke  erbauten  Gebäude  und  Geräte  zum  Betriebe
der  Zuckerrasfinerie  zurVersügung  stellt,  lind  dieLieserung  gewifferMaterialien,
sowie  bestimmte  Leistungen  für  ein  Aversum  von  1440  Taler  Preuß.  Kurant,
aus  das  Jahr  berechnet  (und  für  die  Überlassung  der  Kisten!),  übernimmt.  Die
Inhaber  der  Firma  Burchardt  &amp;amp;  Co.  sind  die  beiden  Söhne  und  die  beiden
Schwiegersöhne  Johann  Christ.  Fölsches.  Der  Vertrag  läuft  dann  weiter,  nur
daß  sür  den  Schwager  Burchardt  dessen  Sohn  Christoph  Wilhelm  eintritt.  —
Im  Jahre  1835  nimmt  die  Firma  die  Verstellung  des  Zuckers  aus  Rüben  aus,
behält  aber  die  Rasstnation  aus  indischem  Zucker  bei.—Im  Jahre  1845  scheidet
die  Familie  Burchardt  aus,  und  Johann  Carl  und  Julius  Christoph  Fölsche
sichren  von  da  ab  die  Zichoriensabrik  und  die  Zuckerfabrik  unter  der  Firma
Fölsche  &amp;amp;  Co.  —  Dem  am  2.  Mai  1848  gestorbenen  Julius  Christoph  Fölsche
folgte  sein  Sohn  Leinrich  Julius  Fölsche  als  Firmenmitinhaber  und  diesem  —
ilachdenl  vorübergehend  (1867—1876)  wieder  ein  Burchardt  (Christ.  Robert)
Teilhaber  gewesen  war,  und  nachdem  ferner  die  NachkonlUlen  Johann  Carl
Fölsches  ausgeschieden  waren  —  Carl  Christoph  Heinrich  Fölsche,  der  heute
mit  seinem  Bruder  Ernst  Carl  Fölsche  Inhaber  der  Firma  ist.  —  Im  Jahre
1850  ist  die  Erbpacht  durch  Kapitalzahlung  abgelöst  und  das  ganze  Grundstiick
  der  Fa.  Fölsche  &amp;amp;  Co.  übertragen  worden.  1874  wurde  die  Fabrik,  derart
umgestaltet,  daß  sie  seither  ausschließlich  als  Rübenzucker-Raffinerie  arbeitet.
        <pb n="120" />
        127

AriHe.  Die  nachstehenden  Erinnerungen  schrieb  Kommerzienrat  Werner
Fritze,  Mitglied  des  Ältesten-Kollegiums,  jetzt  der  Handelskammer,  im  Jahre
1897  „zum  150jährigen  Geschäftsjubiläum  der  Firma  Friedr.  Fritze  &amp;amp;  Sohn"
nieder.  Wir  haben  aber  darin  einige  Ausführungen,  die  sich,  weil  sie  für  jenen
speziellen  Zweck  berechnet  waren,  unserer  Darstellung  nicht  einfügen  wollten,
gekürzt  oder  weggelaffen.  An  andren  Stellen  haben  wir  Einfügungen  gemacht.
Wir  haben  also  nicht  verbeffern,  sondern  nur  anpassen  tntb  ergänzen  wollen.
Damit  geben  wir  Lerrn  Werner  Fritze  das  Wort:
„Meine  Familie  stammt  von  dem  Ackergutsbesitzer  und  Gerichtsschöppen  Matthias  Fritze
in  Schleibnih  bei  Wanzleben  ab,  der  ain  25.  August  1727,  einige  Monate  nachdem  er  durch
eine  große  Feuersbrunst  Laus  und  Los  verloren  hatte,  starb.  Zwei  seiner  Söhne,  Andreas
Fritze,  geb.  am  20.  Oktober  1703,  und  Nicolaus  Fritze,  geb.  am  20.  Oktober  1720,  zogen  nach
Magdeburg,  wo  sich  zunächst  Andreas  Fritze,  der  ältere  Bruder,  der  bei  Paul  Wilhelm
Schmager  1718  —  1729  gelernt  und  gedient  hatte,  mit  500  Talern  in  dem  Lause  Breiteweg
155  („Goldene  Laterne",  „jetzt  Preußischer  Los")  etablierte.  Er  hatte  in  seinem  Geschäfte  sehr
guten  Erfolg,  wurde  Altermann  und  Kämmerer  (Befreiung  von  Losschlettgeldern)  der  Kaufleute ­
  Brüderschaft  (August  1766  Erster  Altermann!),  Mitglied  der  Seidenkramer-Innung,
Vorsteher  des  Lospitals  St.  Georgii  usw.  unp  hinterließ,  als  er  am  21.  Februar  1771  starb,
das  für  die  damalige  Zeit  bedeutende  Vermögen  von  69000  Talern.  Ein  Sohn  von  ihm,
Natanael  Fritze,  war  Ratsherr  in  Magdeburg  lind  machte  sich  um  die  Stadt  durch  Einführung
der  ersten  öffentlichen  Straßenbeleuchtung  verdient.  Er  war  auch  bei  der  Gründung  des  ersten
Magdeburger  Stadttheaters  an  der  Ecke  des  Breitenweges  und  der  Dreiengelstraße  beteiligt.
Nicolaus  Fritze,  mein  Urgroßvater,  geboren  am  20.  Oktober  1720,  gestorben  am  14.  September
1799,  erlernte  die  Handlung  bei  seinem  Bruder  Andreas  Fritze,  der  ihm  später,  um  ihn  selbstständig ­
  zu  machen,  in  dem  Lause  Breiteweg  141  (Zum  Lindwurm),  dem  Lause  der  Kaufleute
Brüderschaft,  einen  Laden  (Kolonialwaren  und  Sämereien)  nebst  kleiner  Brauerei  in  dem  Lofgebäude
  auf  6  Jahre  für  161  Taler  mietete.  Das  Geschäft  wurde  am  30.  Oktober  1747
eröffnet.  In  den  Akten  der  Kaufleute  Brüderschaft  heißt  es  dazu:  „Anno  1747  Michaelis  ist
das  Laus  zum  Lindwurm  an  Äerrn  Nicolaus  Fritzen  auf  6  Jahre  wieder  vermietet  worden,
und  zahlt  derselbe  laut  Contract  vor  die  Bauwohnung  init  allem  Zubehörigen  überhaupt
161  Thlr.  Die  Miethe  wird  alle  halbe  Jahr  Termine  Ostern  und  Michaelis  bezahlet  mit
80,17  Rth.  Vordem  hatte  das  Laus  Lieronymus  Stilken  für  175  Thlr.  gemiethet.
In  den  Belegen  der  Kaufleute  Brüderschaft  —  Rechnung  de  anno  1748  —  50  befinden  sich
noch  von  Nicolaus  Fritze  eigenhändig  geschriebene  und  unterschriebene  Rechnungen.
Anno  1752,  den  3.  May,  ist  laut  Protokoll  der  Pachtcontract  von  Michaelis  1753  bis
dahin  1759  also  auf  6  Jahre  wieder  prolongiert  worden.
Von  Ostern  1758  an  war  das  Kalls  an  Lerrn  Johann  Wilhelm  Laagen  für  einen  jährlichen ­
  Zins  vo,l  110  Rth.  vermietet.  Später  wurde  die  Miete  auf  130  Rth.  erhöht,  jedoch
ist,  da  die  Bauwohnung  ganz  m  Verfall  geraten,  daß  davoil  wenig  oder  gar  keiile  Revenuen
zu  erwarten,  so  ist  Lerrn  Laagen  in  Anbetracht  dieser  Umstände  laut  Protokoll  vom  16.  Januar
1772  an  der  Miethe  jährlich  30  Rth.  erlaffeil.  Am  19.  April  1774  wurde  Nicolaus  Fritze
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        128

zum  III.  Altermann  gewählt.  Am  15.  April  1784  legt  er  aus  Gesundheitsrücksichten  sein  Amt
als  Altermann  nieder.  Er  wird  zuletzt  zum  Juli  1791  im  Protokoll  erwähnt  (gestorben  1799).
Er  ersteht  „zwei  Assecuranz-Aktien,  so  der  Altermann  Lerr  Nicolaus  Fritze,  besage  der
Rechnung  von  Ostern  1776  bis  dahin  1778  pag.  32  aus  der  Verlafsenschast  seel.  Lerrn  Andreas ­
  Fritze  zu  Rathhanse  für  die  löbliche  Kaufleute  Brüderschaft  für  Louis  d'ors  100  Rth."
Am  29.  Juni  1756  wurde  das  Geschäft  nach  dein  Lause  Breiteweg  71/72,  in  welchem  es  sich
jetzt  noch  befindet,  verlegt.  Dies  erwarb  mein  Argroßvater  aus  seinem  Geschäftsverdienst  für
3500  Taler.  Nicolaus  Fritze  wurde  im  Jahre  1774  zum  „Altermann  der  Kaufleute  Brüderschaft" ­
  gewählt,  ein  Amt,  das  er  aus  Gesundheitsrücksichten,  obwohl  er  die  Versammlungen
der  Kaufleute-Brüderschaft  auch  noch  ferner  besuchte,  im  Jahre  1784  niederlegte.
Nach  dem  am  14.  September  1799  erfolgten  Tode  meines  Argroßvaters  wurde  sein  Sohn
Johann  Friedrich  Fritze  Inhaber  des  Geschäftes.  Er  bekleidete  in  der  Kaufleute  Brüderschaft
bis  zu  ihrer  Auflösung  (1808)  das  Amt  eines  „Kämmerers"  und  hatte  in  dem  der  Innung
folgenden  „Kaufmännischen  Vereine"  die  Rechte  eines  Bankherren.  Nur  wer  diesem  mit
amtlichen  Befugnissen  ausgestatteten  Vereine  angehörte,  hatte  das  Recht  auf  ein  eigenes
Packhofs-Konto  und  auf  die  Benutzung  der  Packhofräume  für  Speditions--  und  Riederlage-Geschäfte.
  Bei  der.Gründung  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  erhielt  Johann  Friedrich
Fritze  das  Amt  eines  Ältesten,  das  er  dann  noch  6  Jahre  bekleidete.  Er  war  verheiratet  mit
Dorothea  Baumann,  Stiefschwester  der  Frau  Kämmerer  Nathanael  Fritze,  geborenen  Lücke.  —
Die  Zeiten  der  Fremdherrschaft  brachten  dem  Lause  Fritze  mancherlei  schwere  Schädigungen.
So  erwuchs  dem  Geschäfte,  weil  Johann  Friedrich  Fritze  es  verschmähte,  sich,  wie  es  sonst
wohl  geschah,  durch  Bestechung  der  Beamten  Erleichterungen  zu  verschaffen,  allein  durch  die
von  Napoleon  1806  verhängte  sogen.  „Kontinentalsperre",  das  heißt  durch  die  Aussperrung
speziell  der  englischen  und  der  Kolonial-Waren  vom  Kontinent  ein  Verlust  von  10000  Talern.
Weitere  Verluste  entstanden  dem  Geschäfte  durch  die  Kriegskontributionen  und  später  durch
die  westfälischen  Zwangsanleihen,  die  von  der  preußischen  Regierung  nicht  eingelöst  wurden.
Johann  Friedrich  Frihes  Anterschrift  steht  unter  dem  Auflösungsprotokoll  der  Kaufleute
Brüderschaft  d.  d.  Magdeburg,  16.  Dezember  1808.  Er  ist  sodann  Mitglied  des  „kaufmännischen ­
  Vereins  (Protokoll  vom  4.  Februar  1824)  lind  wurde  aus  der  Mittelklasse  der
Besteuerten  unterm  29.  Oktober  1824  zum  Bankherrn  gewählt.  Er  wohnte  der  letzten  Sitzung
auch  dieses  Vereins  ain  6.  Juni  1825  bei.
Fr.  Wilhelnl  Nie.  Fritze,  der  Sohn  Johann  Friedrich  Fritzes,  trat  bei  seinem  Vater  in
die  Lehre  uild  empfing  nach  beendeter  Lehrzeit  von  ihm  ein  Gehalt  von  60  Talern  bei  freier
Station.  Im  Jahre  1813  nahm  er  eine  Kommisstelle  in  den:  Bankgeschäfte  Susmann  Leinemann ­
  in  Lalberstadt,  zunächst  ohne  Gehalt  nur  bei  freier  Station,  an;  dann  ging  er  in  das
Magdeburger  Bankgeschäft  dieser  Firma  über  mit  einem  Gehalte  von  200  Talern.  Nach
der  Rückkehr  Napoleons  voll  Elba  trat  mein  Vater  als  freiwilliger  Jäger  in  die  preußische
Armee  ein,  riickte  im  Juli  1815  nach  Frankreich  aus  und  ging  nach  Beendigung  des  Krieges
nach  Braunschweig,  dairn  nach  Lamburg,  &amp;gt;vo  er  Gelegenheit  hatte,  das  Importgeschäft  dieses
großen  Seehafens  kennen  zu  lernen.  Im  Jahre  1817  trat  Friedrich  Wilhelm  Nicolaus  Fritze
in  das  Geschäft  meines  Großvaters  ein  llnd  wurde  an:  1.  März  1820  Associe,  bei  welcher
Veranlassung  die  bisherige  Firiila  „Johann  Friedrich  Fritze"  in  „Friedrich  Fritze  &amp;amp;  Sohn"
umgeändert  wurde.  Günstige  Konjunkturen  wechselten  mit  recht  ungünstigen  Jahren  ab.  Meiil
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        129

Großvater  übergab  wegen  zunehmender  Kränklichkeit  meinem  Vater  unter  dem  18.  Oktober
1833  die  beiden  Grundstücke.  Das  Geschäft  ging  ans  ihn  als  alleinigen  Inhaber  über,  nachdem ­
  mein  Großvater  am  27.  September  1839  verstorben  war.  Die  ersten  Jahre  warerOsür
meinen  Vater  voll  schwerer  Sorgen;  denn  das  Erbteil,  das  auf  Friedrich  Wilhelm  Nicolaus
Fritze  entfiel,  war  nach  den  Zeiten  großer  Verluste,  wenn  man  noch  bedenkt,  daß  der  Vateracht
  Kinder  hinterließ,  äußerst  bescheiden.  So  konnte  er  das  Geschäft  nur  in  sehr  kleinem
Umfange  betreiben  und  mußte  sich  erst  nach  und  nach  durch  Fleiß  und  Sparsamkeit  und  drirch
zweckmäßige  Umbauten  des  Grundstückes,  das  nach  und  nach  erhöhte  Mietseinnahmen  brachte,
langsam  aber  sicher  wieder  herausarbeiten.  Treu  stand  ihm  seit  dem  Jahre  1846  Derr  Wilhelm
Jäckel  zur  Seite,  der  bis  Ende  des  Jahres  1896  als  Prokurist  in  der  Firma  tätig  blieb.
Mein  Vater  hatte  mich  (Werner  Fritze),  indem  er  mir  nahezu  sein  ganzes  im  Geschäft
steckendes  Kapital  gegen  eine  inäßige  Verzinsung  überwies,  in  ben  Stand  gesetzt,  das  Geschäft
entsprechend  zu  erweitern.  Wenn  er  auch  aus  dem  Geschäfte  ausgeschieden  war,  so  nahm  er
doch  noch  den  lebhaftesten  Anteil  daran;  er  starb  am  31.  Januar  1871.
Wir  fügen  hier  einige  Angaben  über  Werner  Fritze  fen.  eilt:
Werner  Fritze  ist  am  23.  Dezember  1836  in  Magdeburg  als  einziger  Sohn  seiner  Eltern
geboren.  Nach  dein  Besuche  des  Domgymnasiums  trat  er  am  5.  April  1853  in  das  Produktengeschäft
  von  Riemann  &amp;amp;  Bookmann  in  die  Lehre.  Nach  einer  Lehrzeit  von  vier  Jahren
nahm  er  eine  Stelle  in  dem  Fettwaren-  und  Äeringsgeschäft  von  Fraucke  &amp;amp;  Sprung  in
Äarburg  a.  E.  an.  Im  April  1859  stellte  er  sich  in  Magdeburg  zum  Militärdienst,sivurde  aber
wegen  eines  Fehlers  im  Schultergelenke,  den  er  sich  als  Kind  durch  einen  unglücklichen  Fall
zugezogen  hatte,  nicht  genommen.  Nach  einigen  Jahren  der  Tätigkeit  im  väterlichen  Geschäfte
erhielt  Werner  Fritze  eine  Stellung  in  dem  Kolonialwarengeschäfte  von  Friedr.  Sternberg
(jetzt  C.  W.  Vogel),  die  er  drei  Semester  lang  bekleidete.  Dann  wurde  er  im  väterlichen  Geschäfte ­
  Reisender,  seit  dem  1.  Januar  1867,  nachdem  er  sich  am  25.  Mai  des  Jahres  zuvor
init  der  Tochter  des  Lederfabrikanten  Adolf  Aßmann  verheiratet  hatte,  Inhaber  der  Firma
Friedr.  Fritze  &amp;amp;  Sohn.  Lerr  Kommerzienrat  Werner  Fritze  bemerkt  hierzu:
„Gott  hat  während  der  30  Jahre,  daß  ich  Inhaber  der  Firma  bin,  auch  meine  Arbeit  gesegnet. ­
  Es  ist  mir  ebenfalls  möglich  gewesen,  mein  Grundstück  durch  zweckmäßige  Bauten  zu
verbessern  lind  meine  Firma  vorwärts  zu  bringen!  Im  Jahre  1878  habe  ich  die  sehr  ungenügenden ­
  und  unpraktischen  Lagerräume  durch  einen  Neubau  vergrößert,  auch  wurde  im
Jahre  1883  ein  umfassender  Umbau  des  Wohnhauses  vorgenommen.  Nachdem  dieses  Laus
in,  Jahre  1886  teilweise  abgebrannt,  in,  übrigen  aber  durch  die  zum  Löschen  des  Brandes
aufgewandten  Wassermassen  stark  beschädigt  worden  war,  errichtete  ich  an  seiner  Stelle  einen
Neubau.  Glücklicherweise  wurden  meine  Speicherräume  von  den,  Brande  nicht  berührt,  doch
konnte  ich  bei  dem  Neubau  auch  aus  die  Vergrößerung  der  Geschäftsräume  der  Firma  Friedr.
Fritze  &amp;amp;  Sohn  Rücksicht  nehmen.  Das  mit  dem  Engros-Geschäfte  verbundene  Detail-Geschäft
ging  im  Jahre  1866  auf  Lerrn  Friedrich  Mittler  über,  der  im  Jahre  1883  auszog.  Seit
August  1892  ist  mein  Sohn  Friedrich  in,  Geschäfte  tätig.  Auf  ihn  und  seinen  Bruder  Wernerist
  die  Firma  inzwischen  übergegangen.  Möge  Gottes  Segen  dereinst  auch  ihre  geschäftlichen
Unternehmungen  begleiten!"
        <pb n="123" />
        131

RI

=ca

Persönliches  aus  den  letzten  zehn  Jahren.
Wir  haben  in  den  vorhergehenden  Blättern  mancherlei  vorgebracht,  was  Freudiges  und
Erhebendes  geschah.  Von  kaufmännischen  Erfolgen  ist  dort  viel  die  Rede,  und  in  dem  Lebens--bilde
  der  Familie  Morgenstern  find  sie  für  den  Gründer  der  Magdeburger  Firma  Morgenstern ­
  &amp;amp;  Co.  sogar  in  Zahlen  festgelegt.  So  darf  denn  in  diesem  vorliegenden  Kapitel  auch
der  Gedanke  vorherrschen,  zu  zeigen,  wen  die  Magdeburger  Kaufmannschaft  in  den  letzten
Jahren  verloren  hat.  Bei  einer  Feier,  wie  der  Einweihung  des  Laufes  der  Landelskammer,
darf  man  derer  nicht  vergessen,  die  noch  über  die  Fragen  der  Amwandlung  der  Korporation  in
eine  Landelskammer  beraten  und  meist  sogar  noch  an  den  seit  Jahren  gepssogenen  Erörterungen
über  die  Pläne  zum  Ban  teilgenommen  haben.  Wir  nennen  hier  die  Namen  derjenigen,  die
uns  in  den  letzten  10  Jahren  entrissen  wurden;  es  sind  das:

Louis  Schieß
Emil  Andreae
Anton  Fricker
Robert  Tschmarke
Carl  Schräder
August  Neubauer
Wilh.  Lauswaldt

am  16.  September  1896
„  5.  991  ärj  1898
„  25.  März  1898
19.  März  1899
21.  Dezember  1899
17.  Februar  1900
14.  November  1900

Peter  Schmidt
Gustav  Schmidt
Ernst  Schnitze
Carl  Raindohr
Paul  Lennige
Otto  Lubbe
Carl  Anlucht

am  19.  Oktober  1901
„  13.  November  1901

29.  März
28.  Mai
22.  Juli
24.  Oktober
3.  März

1901
1903
1903
1904
1906

Anter  ihnen  sind  drei  Vorsteher,  von  deren  Leben  und  Familie  wir  bereits  sprachen.  Der
übrigen  elf  Äerren  wollen  wir  gedenken,  und  zwar,  soweit  anderes  Material  uns  nicht  geliefert
wurde,  indem  wir  ihr  Bild  wiedergeben  und  ohne  Zusah  den  Nachruf  wiederholen,  den  die
Ältesten  der  Kaufmannschaft  oder  die  Landelskammer  den  Verstorbenen  widmete.
£?OUi$  „Leute  morgen  verschied  unser  Kollege,  Lerr  Louis  Schieß,  seit  dem
30.  Dez.  1873  Mitglied  des  Ältesten-Kollegiums  der  Kaufmannschaft.  Der  Entschlafene  war
unermüdlich  fiir  die  wirtschaftliche  Lebung  Magdeburgs  tätig,  sein  vielseitiger,  mit  Scharfblick
gepaarter  Anternehmungssinn  wirkte  befruchtend  auf  Lande!  und  Industrie.  Im  Kollegium
trug  er,  indem  er  den  reichen  Schatz  seiner  Erfahrungen  willig  erschloß  und  den  kaufmännischen
Interessen  dienstbar  machte,  sehr  zur  Förderung  der  Beratungen  bei.  Seine  herzgewinnende
Liebenswürdigkeit  und  sein  heiteres,  kollegiales  Wesen  erwarben  ihm  die  aufrichtige  Zuneigung
aller  Mitglieder  des  Kollegiums  und  sichern  ihm  allzeit  bei  ihnen  ein  ehrenvolles  Gedenken!"
„Leute  vormittag  verstarb  der  Schiffsherr  Lerr  Emil  Andreae,
der  30  Jahre  hindurch,  bis  Ende  des  vorigen  Jahres,  Mitglied  des  Ältesten-Kollegiums  der
Kaufmannschaft  zu  Magdeburg  war.  So  lange  der  Verblichene  unter  uns  weilte,  war  er  unermüdlich ­
  für  Magdeburgs  wirtschaftliche  Entwicklung  tätig.  Trefflich  verstand  er  es,  die  Interessen ­
  der  Schiffahrt  energisch  zu  vertreten  und  dabei  das  Wohl  der  Gesamtheit  niemals  ans
dein  Auge  zu  verlieren.  In  seiner  Selbstlosigkeiten  seinem  unerschütterlichen,  vornehmen  Gerechtigkeitsgefühl ­
  sich  und  anderen  gegenüber  wird  er  uns  stets  vorbildlich  bleiben.  Sein  schlichtes
lind  rechtliches  Wesen  erwarb  ihin  in  weiten  Kreisei:  hohe  Achtung  und  bei  den  ihn:  näher
Stehenden  aufrichtige  Verehrung.  Mit  tiefen:  Schmerze  erfüllt  uns  die  Kunde  von  den:  Linscheiden
  dieses  vortrefflichen  Mannes.  Alle  Zeit  werden  wir,  die  wir  die  Ehre  hatten,  ihn  den
Anseren  zu  nennen,  sein  Angedenken  hochhalten."

■2==B
        <pb n="124" />
        132

hinfort  ^yricfer.  „Gestern  abend  verschied  der  Kaufmann  Äerr  Anton  Fricker,  seit
3  Jahren  Mitglied  des  Ältesten-Kollegiums  der  Kaufmannschaft  zu  Magdeburg.  Wir  verlieren
zu  unseren  großem  Schmerze  in  dem  zu  früh  seiner  vielseitigen  Tätigkeit  Entrissenen  einen  für
die  mannigfachen  Pflichten  des  Kollegiums  stets  willigen,  treuen  und  erfolgreichen  Mitarbeiter,
der  sich  namentlich  der  Llnterstützungsangelegenheiten  mit  alle  Zeit  hilfsbereitem  Äerzen  aufopfernd
  angenommen  hat.  Die  Lauterkeit  und  Liebenswürdigkeit  seines  Charakters  erwarben
ihm  unserer  aller  aufrichtige  Zuneigting  und  Liebe.  Ehre  seinem  Angedenken!"

Carl  Schräder.

Robert  Tschmarke.

„Der  Generaldirektor  der  Magdeburger  Feuerversicherungsgesellschaft, ­
  Derr  Kommerzienrat  Robert  Tschmarke,  ist  in  der  Nacht  voin  19.  zum  20.  d.  Mts.
vom  Tode  dahingerafft  worden.  Der  Entschlafene  gehörte  dem  Kollegium  der  Kaufmannschaft
seit  dem  29.  Dezember  1897  und  der  Handelskammer  seit  deren  Bestehen  an.  Wie  er  aber  seine
hochbedeutende  Stellung  als  Generaldirektor  der  Magdeburger  Feuer-Versicherungsgesellschaft
der  eigenen  Geistes-  tiitd  Tatkraft  und  der  Trefflichkeit  seines  Charakters  verdankte,  so  wurde
ihm  in  unserem  Kollegium  um  seiner  Persönlichkeit  willen  schon  nach  kurzer  Tätigkeit  unsere
Verehrung  und  imfere  Liebe  in  einein  Maße  zuteil,  wie  es  sonst  nur  im  längeren  Zusammenarbeiten ­
  erworben  zu  werden  pflegt.  Die  auf  dem  Gebiete  des  Versicherungswesens  gerade
in  diesen  Tagen  befürworteten  gesetzgeberischen  Neuerungen  fanden  an  ihm  einen  der  sachverständigsten ­
  und  objektivsten  Beurteiler,  dessen  Beirat  uns  vom  größten  Werte  war.  Wir
verlieren  au  dem  Dahingeschiedenen  ein  besonders  befähigtes,  besonders  kenntnisreiches  und
liebenswürdiges  Mitglied.  Ehre  seinem  Andenken!"
        <pb n="125" />
        133

(£arl  3cf)VCtbCV*  „Gestern  abend  verschied  der  Kommerzienrat  und  Major  a.D.Lerr
Carl  Schräder,  der  36  Jahre  hindurch,  bis  er  im  Lerbste  1897  aus  Gesundheitsrücksichten  eine
Wiederwahl  ablehnte,  Mitglied  des  früheren  Ältesten-Kollegiums  der  Kaufmannschaft  zu
Magdeburg  war.  Während  dieser  langen  Zeit  hat  er  sich  durch  unermüdliche  und  erfolgreiche
Tätigkeit  auf  den  verschiedensten  Gebieten  um  die  wirtschaftliche  Lebung  Magdeburgs  bleibende
Verdienste  erworben.  An  den  Ausgaben  des  Kollegiums  der  Kaufmannschaft  hat  er  mit  regem
Eifer  teilgenommen  und  durch  seine  Sachkenntnis  und  den  reichen  Schah  seiner  Erfahrungen
wesentlich  zur  Förderung  der  Beratungen  beigetragen.  Seine  gewinnende  Freundlichkeit  und
sein  kollegiales  Wesen  erwarben  ihm  die  aufrichtigste  Zuneigung  aller  Mitglieder  des  Kollegiums
und  sichern  ihm  allzeit  ein  ehrenvolles  Gedenken."
0&amp;gt;d)JTltbt*  Von  der  Familie  Peter  Schmidt  auf  der  Eych,  die  ans  Wermelskirchen ­
  stammt,  bringen  wir  im  Anhange  einen  Stammbaum,  auf  den  wir  hier  Hinweisen  möchten.
Danach  ist  ein  Lermann  Schmidt,  geboren  im  April  1624  in  Wermelskirchen,  der  älteste  nachweisbare ­
  Vorfahr.  Sein  Arenkel  Peter  Schmidt  hatte  zwei  Söhne,  Peter  und  Johannes.
Während  der  ältere  in  Wermelskirchen  blieb,  zog  der  jüngere  nach  Braunschweig,  wo  er  am
14.März1794  die  Firma  Pfeiffers  Schmidt  gründete.  Da  der  Sohn  dieses  Johannes  Schmidt,
ebenfalls  Johannes  benannt,  früh  starb,  trat  in  die  Braunschweiger  Firma  ein  Sohn  des  in
Wermelskirchen  verbliebenen  Peter  Schmidt  ein,  wieder  namens  Peter,  geb.  am  28.Febr.  1800
in  Wermelskirchen.  Er  wurde  Lerzogl.  Braunschw.  Kommerzienrat  und  starb  int  Februar
1874.  Ihm  folgten  in  Braunschweig  seine  Söhne  Gustav  Adolf  und  Friedrich  Wilhelm.  Was
die  Magdeburger  Fa.  Pfeiffer  &amp;amp;  Schmidt  anlangt,  so  wurde  sie  von  Friedrich  Schmidt,  einem
jüngeren  Bruder  des  Lerzogl.  Braunschw.Kommerzienrats  Peter  Schmidt,  am  17.Febr.  1828
begründet.  Er  war  in  zweiter  Ehe  mit  Wilhelmine  Schütze  aus  Magdeburg  verheiratet,  wurde
Kgl.  Preuß.  Kommerzienrat  und  starb  im  April  1878.  Von  seinen  10  Kindern  zweiter  Ehe  sind
das  fünfte  und  neunte  Kind  die  beiden  Brüder  Peter  und  Eduard.  Der  letztere  ist  gegenwärtig,
nachdem  die  Firma  in  eine  Aktiengesellschaft  umgewandelt  wurde,  Vorsitzender  des  Aufsichtsrates; ­
  der  erstere  war  früher  mit  seinem  jüngeren  Bruder  zusammen  Inhaber  der  Firma  Pfeiffer
&amp;amp;  Schmidt.  Dieser  Peter  Schmidt,  geb.  am  3.  Juni  1844,  König!.  Kommerzienrat  seit  1891,
gehörte  dem  Kollegium  der  Kaufmannschaft  seit  dem  Jahre  1889  an.  Er  starb  am  20.  Oktober
1901.  Im  Nachruf  heißt  es  von  ihm:
„Nach  längerem,schwerem  Leiden  verschied  zu  unserer  liefen  Betrübnis  ain  Sonntagmorgen
unser  Mitglied  Lerr  Kommerzienrat  Peter  Schmidt  im  Alter  von  57  Jahren.  Der  Entschlafene
hatte  im  Jahre  1878  das  Geschäft  seines  Vaters,  eine  Garnhandlung,  Zwirnerei  und  Färberei,
übernommen,  blieb  der  Chef  der  Firma  bis  zu  der  1898  erfolgte,:  Amwandlung  des  Laufes  in
eine  Aktiengesellschaft  und  war  von  da  ab  Vorsitzender  des  Aussichtsrats.  Er  hat  es  verstanden,  die
Fabrik,die  anfangs  nur  eine  Filiale  des  inBraunschweig  ansässigen  Laufes  Pfeiffer  &amp;amp;  Schmidt
war,  durch  Spezialisierung  der  Erzeugnisse  und  durch  Linzunahme  anderer  Zweige,  wie  namentlich ­
  der  Weberei,  zu  einem  Anternehmen  zu  entwickeln,  das  innerhalb  dieses  Geschäftszweiges
in  Deutschland  hoch  angesehen.dasteht.  Als  Vertreter  der  Textilindustrie  wurde  ,der  Verstorbene
im  Jahre  1889  in  das  Ältesten-Kollegium  der  Kaufmannschaft  gewählt  und  gehörte  dann  der
Landelskammer  an.  Im  Kreise  seiner  Kollegen,  welche  seinen  sachverständigen  Rat  zu  schätzen
wußten,  erwarb  er  sich  durch  seine  liebenswürdigen  Charaktereigenschaften  herzliche  Zuneigung.
Sein  Andenken  wird  von  uns  stets  in  Ehren  gehalten  werden."
        <pb n="126" />
        134

©UftCtt)  (5cf)lTlibf*  Der  Großvater  von  Gustav  Schmidt,  der  Bergfaktor  und  Bergkommifsarius
  F.  Schmidt  aus  Sorge,  gehörte  dem  Kaufmännischen  Verein  an,  der  der  Korporation ­
  der  Kaufmannschaft  vorausging.  Er  war  auch  Logenbruder  und  führte  als  solcher  in
der  Sitzung  voin  2.  Dezember  1806,  also  wenige  Monate  nach  Ausbruch  des  Krieges  ein
Protokoll  (Funk:  Geschichte  der  Loge  „Ferdinand  zur  Glückseligkeit"  Magdeburg  1861,  S.78),
das  seinen  Schmerz  um  die  Niederlage  des  Vaterlandes  klar  erkennen  läßt.  F.  Schmidt  starb
iin  Jahre  1823  (siehe  den  iin  Anhang  wiedergegebenen  Stammbauin  der  Familie  Schmidt
aus  Sorge),  so  daß  sein  Äaus  in  der  Korporation  nicht  gleich  bei  deren  Konstituierung  vertreten
  war.  Im  Jahre  1826  aber  trat  der  älteste  Sohn  des  Genannten,  als  Mitinhaber  der
Firma  Schmidt  &amp;amp;  Rolosf,  der  Korporation  bei.  Zwölf  Jahre  später  gründete  dieser  Albert
Schmidt  zusammen  mit  seinem  Bruder  Kerrmann  und  Kenry  Coqui  eine  Zuckerfabrik  in  Westerhüsen, ­
  die  im  Jahre  1888  ihr  fünfzigjähriges  Bestehen  feierte.  Im  Jahre  1853  wurde  der
Name  der  Firma  nach  Ausscheiden  des  Mitinhabers  Coqui  in  Alb.  &amp;amp;  Kernn.  Schmidt  umgeändert. ­
  Als  dieser  Name  50  Jahre  unverändert  einen  guten  Klang  behalten  hatte,  richtete
die  Magdeburger  Handelskammer  an  die  Firma,  die  stets  treu  zur  Magdeburger  Kandelsvertretung ­
  gehalten  hat,  folgendes  Anschreiben:
„Sehr  verehrte  Kerren!  Im  Jahre  1888  haben  wir  —  als  Älteste  der  Kaufmannschaft  zu
Magdeburg  —  Ihnen  zum  fünfzigjährigen  Bestehen  Ihrer  Zuckerfabrik  unsere  Glückwünsche
dargebracht.  Mit  jener  schönen  Feier  läßt  sich  der  heutige  Tag,  der  gleichsam  nur  ein  Namenssest
  ist,  nicht  vergleichen.  Immerhin  ist  es  uns,  als  der  berufenen  amtlichen  Kandelsvertretung,
die  an  der  Erhaltung  der  alten  angesehenen  Firmen  unseres  Bezirkes  regen  Anteil  nimmt,  eine
Freude,  daraus  hinzuweisen,  daß  Ihre  Firma:  Alb.  &amp;amp;  Kerrmann  Schmidt,  die  nach  dein  Tode
des  Mitbegründers  der  Firma  des  Kerrn  Kenry  Coqui  aus  der  alten  Firma  „Gebr.  Schmidt
&amp;amp;  Kenry  Coqui"  hervorgegangen  ist,  heute  50  Jahre  unverändert  besteht.  Biel  Arbeit  und
Miihe  umschließt  diese  Spanne  Zeit  von  65  Jahren  in  der  Geschichte  eines  Betriebes,  wie  es
der  Ihrige  ist.  Zwar  lassen  sich  die  ersten  Anfänge  der  Rübenzuckerfabrikation  im  Regierungsbezirke ­
  Magdeburg  bis  aus  das  Jahr  181?  zurück  verfolgen,  aber  sie  hatten  meist  keinen  Bestand, ­
  und  noch  Ende  der  dreißiger  Jahre  vorigen  Jahrhunderts  ließ  sich  die  kommende  Entwickelung ­
  der  Zuckerindustrie  keineswegs  sicher  voraussagen,  so  daß  man  mit  Fug  und  Recht
den  Begründern  Ihres  Betriebes  einen  weiten  Blick  und  echten  kaufmännischen  Wagemut  nachrühmen ­
  darf.  And  nicht  geringere  Anforderungen  stellten  die  folgenden  Jahre  und  Jahrzehnte
an  die  Inhaber  Ihrer  Firma;  denn  es  hieß  für  sie,  sich  den  stets  wechselnden  Verhältnissen  anzupassen! ­
  Anker  Benutzung  einer  Denkschrift  der  Kaufmannschaft  vom  Jahre  1851  führen  wir
hierfür  an,  daß  z.  B.  im  Jahre  1834  mit  der  deutschen  Rübenzuckerproduktion  überhaupt  noch
nicht  gerechnet  wurde,  während  rund  560000  Ztr.  Zucker  (fast  ausschließlich  in  der  Form  von
Rohzucker)  eingeführt  wurden,  daß  aber  bereits  fiir  das  Jahr  1849  eine  deutsche  Rübenzuckerfabrikation
  von  annähernd  660000  Ztr.  verzeichnet  wird,  bei  gleichzeitigem  Steigen  der  Zucker-Einsuhr
  auf  mehr  als  1  Million  Ztr.  Keule  ist  die  Einfuhr  seit  Jahren  durch  die  einheimische
Produktion  verdrängt;  Deutschland  erzeugt  über  43  Millionen  Ztr.  Rohzucker,  wovon  rund
10  Millionen  Ztr.  als  Rohzucker  und  rund  14  Millionen  Ztr.  in  der  Form  raffinierten  Zuckers,
zusammen  rund  24  Millionen  Ztr.  Zucker,  roh  ins  Ausland  gehen.  Ferner  find  die  Preise  für
Raffinade  von  1822:  102  Mk.,  1832:  79,50  Mk.,  1849:  noch  57,50  Mk.,  gegenwärtig  auf
28,73  Mk.  inclusive  Verbrauchsabgabe  für  den  Zucker  herabgegangen  und  der  Verbrauch,  der
        <pb n="127" />
        135

1822  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  noch  nicht  1  kg  betrug,  ist  in  Deutschland  auf  mehr  als
12  kg  gewachsen.  Wer  in  diesen  wenige::  Zahlen  zu  lesen  versteht,  wer  sich  außerdem  vergegenwärtigt,
  daß  seit  Ende  der  dreißiger  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts  sowohl  in  der  Technik
der  Fabrikation  und  deren  Lilssmitteln,  als  auch  in  der  deutschen  Zuckersteuer--Gesetzgebung
und  Politik  nicht  stets  überall  zum  besten  dieses  deutschen  Gewerbzweiges  ein  fortwährender
Wechsel  stattgefunden  hat,  der  wird  anerkennen  müssen,  daß  gleichwertig  neben  den:  Llnternehmungsgeist
  der  Gründer  Ihres  Betriebes  eine  allzeit  treue  und  hingebende  Arbeit  der
Nachfolger  treten  mußte,  um  das  Westerhüser  Unternehmen  sorgsam  an  allen  Klippen  vorbeizu
  steuern  und  in  den  Bahnen  gesunder  Entwickelung  zu  halten.
Ihrem  verstorbenen  Bruder,  Lerrn  Kommerzienrat  Gustav  Schmidt,  und  Ihnen,  verehrte
Lerren,  ist  es  gelungen,  in  diesem  Sinne  zu  wirken.  —  Ihr  in  inniger  Verbindung  mit  der
Landwirtschaft  stehendes  Unternehmen,  das  übrigens  Ende  der  80er  Jahre  durch  den  Bau  einer
Zichoriendarre  noch  erweitert  worden  ist,  erfreut  sich  nach  wie  vor  in  weiten  Kreisen  der  Kaufmannschaft ­
  des  besten  Rufes  und  seine  Inhaber  der  größten  Lochachtung.  Gern  nehmen  wir
heute  Gelegenheit,  es  rühmend"anzuerkennen,  daß  dabei  Ihre  Firina  zu  allen  Zeiten  treu  zu
der  amtlichen  Landelsvertretung  Magdeburgs  gestanden  hat.
Wie  schon  am  20.  Januar  1826  Ihr  Vater,  der  Kaufmann  Friedrich  Albert  Schmidt,  Mitinhaber ­
  der  Firma  Schmidt  &amp;amp;  Rolofs,  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  alsMitglied  beitrat,
so  haben  vv:nIahrel839  ab  auch  dieLerrenLerrmann  Schmidt  und  Lenry  Coqui  dieserKörperschaft
  angehört.  Endlich  war  Ihr  Bruder  Gustav  Schmidt  seit  1887  ein  treues  Mitglied  des
Ältesten-Kollegiums  und  der  Landelskammer,  und  es  war  uns  eine  besondere  Freude,  daß  das
Vertrauen  der  Wählerschaft,  nachdem  wir  ihn  durch  den  Tod  verloren  hatten,  wiederum  einen
Mitinhaber  der  Firma  Alb.  &amp;amp;  Lernn.  Schmidt  in  unser  Kollegin:::  berief.
Möge  auch  die  Zukunft  Ihren:  Unternehmen  günstig  sein  und  möge,  das  wünschen  wirIhnen
von  Lerzen,  Ihre  Firma  in  der  treuen  Lut  Ihrer  Familie  zu  neuen  Erfolgen  vorschreiten."
Wie  aus  dieserAdresse  hervorgeht,  ist  Gustav  Schmidt  vom  28.  Dezember  1887  bis  zu  seinem
Tode  am  13.  November  1901  Mitglied  des  Ältesten-Kollegiums  und  der  Landelskammer  gewesen. ­
  Er  war  ferner  Stadtverordneter,  in:  Vorstande  der  Zucker-Berufsgenossenschaft  und  in:
Direktoriun:  des  Vereins  der  deutschen  Zuckerindustrie  usw.  Wegen  seiner  Verdienste  uin  die
deutsche  Zuckerindustrie  wurde  er  in:  Jahre  1899  zum  Königl.Kommerzienrat  ernannt.  Gustav
Schmidt  war  verheiratet  mit  Jenny  Neuschaeser,  einer  Tochter  des  Kaufmanns  Franz  Neuschaefer
  zu  Magdeburg.  Aus  dieser  Ehe  entsprangen  fünf  Kinder.  Zun:  großen  Schmerze  der
Eltern  starb  ihnen  der  einzige  Sohn.  Die  vier  Töchter  sind:  Lucie,  geb.  am  5.  März  1871,  verh.
mit  August  Kalkow,  dem  ältesten  Sohne  des  Stadtrats  und  Stadtältesten  Kalkow,  Magdalene,
geb.  am  21.  Juni  1872,  Edith,  geb.  an:  19.  Juli  1875,  verh.  mit  den:  Verfasser  dieser  Schrift,  und
Gertrud,  geb.  am  12.  April  1883,  verh.  mit  Curt  Ramdohr,  Mitinhaber  der  Firma  Peter  Georg
Palis,  zweitem  Sohne  von  Carl  Ramdohr.  —  Als  Gustav  Schmidt  unerwartet  an  den  Folgen
einer  Operation  verstarb,  widmete  ihn:  die  Landelskammer  folgenden  Nachruf:
„Am  Mittivoch,  den  13.  d.  Mts.,  verschied  nach  kurzem,  schwerem  Leiden  unser  Mitglied,
der  Königliche  Kommerzienrat  Lerr  Gustav  Schmidt  in:  58.  Lebensjahre.  Der  Entschlafene
hat  unserem  Kollegium  als  Vertreter  der  Rohzuckerfabrikation  seit  dem  Jahre  1887  ununterbrochen ­
  angehört.  Sein  scharfer  Blick  für  wirtschaftliche  Vorgänge  sicherte  seinem  Urteile
bei  unseren  Beratungen  größte  Anerkennung  auch  da,  wo  er,  männlich  und  fest  in  der  Sache,
        <pb n="128" />
        136

EF

1

Paul  Lennige.

\  .  ^  H

Gustav  Schmidt.

freundlich  und  milde  in  der  Form,  eine  Auffassung  vertrat,  die  von  der  der  Mehrheit  abwich.
Ein  Mann  von  großer  Arbeitskraft  und  eisernem  Pflichtgefühl,  stellte  er  jeine  reichen  Fähigkeiten, ­
  soweit  er  konnte,  in  den  Dienst  der  Allgemeinheit.  Allseitiges  Vertrauen  berief  ihn
dafür  wie  in  unser  Kollegium  so  auch  in  andere  Ehrenämter,  darunter  die  der  Deutschen  Zuckerindustrie ­
  und  der  Stadt  Magdeburg.  Feinsinnig,  gütigen,  fürsorglichen  Lerzens,  hilfsbereit,
sich  und  anderen  treu,  genoß  er  bei  allen,  die  mit  ihm  zusammengeführt  wurden,  herzliche
Zuneigung  und  Liebe.  Mit  tiefer  Betrübnis  erfüllt  uns  die  Kunde  von  dem  Leimgange  dieses
trefflichen,  lieben  Kollegen.  Sein  Andenken  werden  wir  allzeit  in  hohen  Ehren  halten."
Mennige*  über  die  Geschichte  der  Familie  Lennige  gibt,  soweit  wenigstens
dabei  ihre  geschäftlichen  Beziehungen  in  Frage  kommen,  folgendes  Schreiben  der  Handelskammer, ­
  datiert  vom  31.  März  1902,  Auskunft:
„Leute  sind  es  50  Jahre,  daß  die  Firma  Jacob  Leimige  besteht;  auf  mehr  als  75  Jahre
blickt  Ihr  Geschäft  zurück.  Im  Jahre  1826  wurde  es  unter  der  Firma  „Lennige  L  Wiese"
begründet,  und  aiii  31.  März  1852  erfolgte  die  Änderung  des  Nameiis  iii  die  gegeiiwärtige
Firma  „Jacob  Lennige".  War  auch  dieser  Namenswechsel  für  die  wirtschaftliche  Machtentfaltung ­
  des  Laufes  weniger  bedeutungsvoll,  so  nehiiien  wir  doch  gern  Gelegenheit,  Ihnen,
als  den  gegenwärtigen  Inhabern,  zum  50jährigen  Iubeltage  der  Firma  Jacob  Lennige  unsere
herzlichen  Glückwünsche  darzubringen.  Wir  tun  dies  mit  um  so  größerer  Freiide,  als  die  Inhaber ­
  des  Geschäftes  von  Ansang  an  zu  uns  iiiid  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  in  engen
Beziehungen  gestaiiden  haben;  wir  tun  es  in  dankbarer  Anerkennung  des  Nutzens,  den  uns
die  Mitarbeit  so  vortrefflicher  Männer  wie  die  des  Lerrn  Kommerzienrates  Freise  und  des

■J
        <pb n="129" />
        137

Lerrn  Kommerzienrats  Paul  Leimige  bei  den  Beratungen  unseres  Kollegiums  brachte;  wir
tun  es  endlich  in  Rücksicht  aus  die  Verdienste,  die  sich  die  Inhaber  Ihrer  Firma  durch  Ihre
Beschäftigung  außerhalb  des  Geschäftslebens  im  Dienst  der  Öffentlichkeit  erworben  haben.
Aus  der  reichen  Geschichte  Ihres  Laufes  wollen  wir  bei  dieser  feierlichen  Gelegenheit  nur
hervorheben,  daß  die  Rübenzuckerfabrik  im  Jahre  1838  als  Zweig  des  ursprünglichen  Landesproduktengeschäftes
  gegründet  wurde.  Im  Jahre  1856  wurde  die  Fabrik  durch  Verschmelzung
mit  der  Zuckerfabrik  Iaehnigen,  Freise  &amp;amp;  Co.  bedeutend  vergrößert.  Diese  Vereinigung  der
Betriebe  führte  der  Fabrik  zugleich  die  hervorragenden  Kräfte  und  Fähigkeiten  der  Familie
Freise  zu,  die  von  da  ab  gleichberechtigte  Mitinhaber  wurden  und  es  noch  heute  sind.
Das  Landesproduktengeschäft  war  bereits  aufgegeben  worden,  und  bald  entwickelte  sich  durch
Konzentration  der  Kräfte  die  Zuckerfabrik,  die  sich  seit  der  Kampagne  1870/71  auf  den  Raffinationsprozeß
  beschränkte,  zu  immer  größerer  Leistungssähigkeit,  so  daß  sie  gegenwärtig  jährlich
etwa  900000  Zentner  Rohzucker  verarbeitet.  Seit  1864  haben  Sie,  hochverehrter  Lerr  Kommerzienrat ­
  Paul  Lennige,  den  wir  mit  Freude  den  unsrigen  nennen,  zuerst  in  Gemeinschaft  mit
dem  um  das  Blühen  Ihres  Betriebes  hochverdienten  Kommerzienrat  Bernhard  Freise,  der
ebensalls  unserm  Kollegium  angehört  hat,  dann  im  Verein  mit  dessen  Sohn  Philipp  Freise
die  Fabrik  geleitet.  Im  Jahre  1890  trat  als  jüngster  Chef  Lerr  Paul  Lennige  jun.  als  Inhaber
hinzu,  wie  seine  Vorfahren  ein  Bürge  für  den  unantastbaren  Namen  der  Firma!
Die  Erzeugnisse  Ihrer  Fabrik  genießen  seit  jeher  den  Nus  besonderer  Güte  und  Vortrefflichkeit. ­
  Mit  Freuden  heben  wir  noch  hervor,  daß  Sie,  meine  Lerren,  auch  das  Verhältnis  zu
Ihrer  Arbeiterschaft  durch  Werke  der  Fürsorge  stets  freundlich  zu  gestalten  wußten.  Mögen
auch  ferner  über  dem  stolzen  Bau  Ihres  Betriebes  freundliche  Sterne  strahlen!  Als  amtliche
Vertretung  von  Industrie,  Lande!  und  Schiffahrt  unseres  Bezirkes  sprechen  wir  Ihnen  für
Ihr  persönliches  Wohl,  für  das  künftige  Gedeihen  Ihrer  Firma  unsere  besten  Wünsche  aus."
Als  das  Mitglied  der  Landelskammer,  Lerr  Königlicher  Kommerzienrat  Paul  Lennige,
am  22.  Juli  1903,  im  Alter  von  64  Jahren  verschied,  rief  ihm  die  Landelskammer  die  Worte
nach:  „Der  Entschlafene  war  uns  bei  unseren  Verhandlungen  ein  wertvoller  Beirat,  der  das
Gewicht  seiner  Meinung  zur  gegebenen  Zeit  voll  in  die  Wagschale  zu  werfen  wußte.  Dabei
waren  seine  Anschauungen  getragen  von  einer  vornehmen  Auffassung  von  den  Pflichten  des
Kaufmannstandes.  Iin  Einklang  hiermit  stand  das  feine  Verständnis,  das  der  Verblichene  der
Natur  und  der  Kunst,  namentlich  dein  Kunstgewerbe  der  Vergangenheit,  entgegenbrachte.  Die
Forderungen  der  Nächstenliebe,  die  zu  seinen:  Ohre  drangen,  öffneten  seine  allezeit  willige
und  mildtätige  Land.  Ans  allen  aber  war  er  in  der  Freundlichkeit  seines  Wesens,  die  einem
gütigen  Lerzen  entsprang,  ein  lieber  Kollege  und  treuer  Freund.  Ehre  seinem  Angedenken!"
Otto  Lubbe,  Wilhelm  Lauswaldt  und  Paul  Lennige  wurden  schon  als  junge  Kaufleute  die
Magdeburger  „drei  großen  L"  genannt,  und  sie  hielten,  was  man  von  ihnen  erwartet  hatte.
Ihre  Namen  werden  in  der  Landelskammer  dauernd  fortleben.  Zu  Ehren  der  beiden  Erstgenannten ­
  haben  bei  ihrem  Tode  die  Erben  je  eine  Stiftung  der  Landelskammer  zur  Verwaltung ­
  überwiesen;  es  sind  das  die  Otto  Lubbe-Stiftung  und  die  Wilhelm  Lauswaldt-Stiftung.
  Zur  Einweihung  des  Laufes  der  Landelskammer  hat  uns  zu  unserer  großen  Freude
der  Sohn  Kommerzienrats  Lennige,  Paul  Lennige,  Mitinhaber  der  Firma  Jacob  Lennige
ein  Kapital  zum  Gedächtnis  seines  Vaters  gestiftet,  das  als  Paul-Lennige-Stiftung  verwaltet
werden  wird.
        <pb n="130" />
        138

Ernst  Schnitze.  Carl  Antucht.
(3(J)Ul^C»  „Gestern  Nacht  entschlief  sanft  nach  längerem  Leiden  unser  lieber
Kollege,  Herr  Ernst  Schnitze,  Mitglied  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  seit  1863,  des
Ältesten-Kollegiums  seit  1881  und  der  Handelskammer  seit  deren  Bestehen  (1899).
Der  Entschlafene  hat  es  verstanden,  sei»:  Landesprodukten--Geschäft  durch  eisernen  Fleiß
aus  den  bescheidensten  Änfängen  zu  einer  großen  sehr  geachteten  Firma  zu  entwickeln.  So  in:
geschäftlichen  Leben  gestählt,  stellte  er  an  andere  hohe  Anforderungen,  die  höchsten  aber  an  sich
selbst  und  seine  Arbeitskraft.  Rastlos  war  sein  Schaffenstrieb,  unermüdlich  seine  Arbeitslust!
Mit  großer  Liebe  und  eingehendem  Verständnis  widmete  er  sich  in  den  vergossenen  20  Jahren
unseren  gemeinsamen  Arbeiten,  hierbei  kamen  ihm  sein  ganz  vorzügliches  Gedächtnis,  seine
erstaunliche  Personenkenntnis,  sowie  endlich  seine  reichen  Geschäftserfahrungen  aufs  beste
zu  Hilfe.  Selbst  in  den  letzten  Monaten,  als  schon  die  Krankheit  an  seinen  Körperkräften  zehrte,
ließ  er  ich  der  vollen  Ausübung  seiner  Ehrenämter,  insbesondere  als  Mitglied  der  Handelskammer ­
  und  als  Handelsrichter  nicht  nach."
ilntutyt.  Über  Carl  Llntncht,  sein  industrielles  Unternehmen,  die  Spritfabrik
von  Llntucht  &amp;amp;  Co.,  gibt  folgendes  Schreiben  kurze  Auskunft,  das  die  Handelskammer  zum
silbernen  Jubiläum  der  Firma  an  ihr  Mitglied  richtete:
„hochverehrter  lieber  Herr  Kollege!  Am  1.  Juli  des  Jahres  1876  haben  Sie  in  Gemeinschaft ­
  mit  der  Firina  I.  Aders  die  Firma  Carl  Llntncht  &amp;amp;  Co.  zu  Magdeburg  begründet.
Seitdem  sind  25  Jahre  verstrichen,  die  bei  rastloser  Tätigkeit  zu  der  allgemein  anerkannten
Bedeutung  Ihres  Geschäftes,  der  Spiritusbrennerei  und  des  Handels  mit  Rohspiritus  und
verwandten  Artikeln,  geführt  und  dem  Namen  der  Firina  in  der  Magdeburger  Kaufmannschaft
  hohe  Achtung  eingetragen  haben.  Es  sind  nunmehr  auch  beinahe  30  Jahre  vergangen,
        <pb n="131" />
        139

seitdem  Sie,  liebwerter  Kerr  Kollege,  in  das  Kollegium  der  Ältesten  der  Kaufmannschaft  eingetreten ­
  sind,  und  während  deren  Sie  mit  uns  für  das  Wohl  von  Industrie,  Kandel  und  Schifffahrt ­
  in  unsrer  alten  Kausmannstadt  gewirkt  haben.  Wenn  wir  Sie  an  'dem  heutigen  Iubeltage
Ihrer  Firma  beglückwünschen,  so  geschieht  dies  aber  hauptsächlich  noch  deshalb,  weil  gleichzeitig ­
  Sie  persönlich  aus  ein  HalbesJahrhundert  der  Tätigkeit  als  Kaufmann  zurücksehen  können,
aufein  reiches  arbeitsames  Leben,  dem  dieErfolge  nicht  versagt  geblieben  sind.  Ans,  der  amtlichen
Vertretung  von  Kandel,  Industrie  und  Schiffahrt  Magdeburgs,  ist  es  ein  Bedürfnis,  Ihnen,
unserem  Kollegen,  am  heutigen  Tage  unsere  wärmsten  Glückwünsche  darzubringen  und  zugleich
die  Koffnung  auszusprechen,  daß  es  Ihnen  noch  lange  Jahre  hindurch  vergönnt  sein  möge,  sich
Ihrer  beruflichen  Tätigkeit  mit  Erfolg  zu  widmen,  und  uns  als  Mitglied  unseres  Kollegiums
mit  Ihrem  bewährten  Rat  zur  Seite  zu  stehen."  Carl  Anlucht  sen.  starb  am  3.  März  1906.
DlCtUlboJ)^  geboren  am  29.
März  1841  zu  Braunschweig  als  zweiter
Sohn  des  Stadtrats  und  Kunstverlagshändlers ­
  Carl  Wilhelm  Ramdohr  und  seiner  Ehefrau ­
  Alwine  geb.  Schulz,  beide  zu  Braunschweig, ­
  war  1861  bis  1865  bei  Ioh.  Gottl.
Kauswaldt  in  Neustadt-Magdeburg  Buchhalter. ­
  Im  Jahre  1867  wurde  er  Inhaber  der
alten  Firma  Peter  Georg  Palis,  Leinenhandlung ­
  und  Wäschefabrik.  Am  1.  September
1902  übergab  er  sein  Geschäft  an  seine  Söhne,
Walter  und  Curt  Ramdohr.  Zum  1.  Januar
1899  in  die  Kandelskammer  gewählt,  schied
er  durch  die  Abgabe  des  Geschäftes  an  seine
Söhne  aus,  wurde  aber  vom  Kollegium  der
Kandelskammer  zugewählt  (kooptiert).  Erstarb ­
  am  28.Mai  1903.  DieKandelskammer
widmete  ihm  folgenden  Nachruf:
„Keute  morgen  unr  3  Ahr  verschied  sanft
nach  kurzemKrankenlager  unserMitgliedKerr
Carl  Ramdohr  im  Alter  von  62  Jahren,  bis
vor  kurzem  Inhaber  der  Firma  Peter  Georg
Palis,  die  er,  um  sich  eine  wohlverdiente  Zeit  der  Ruhe  zu  schaffen,  nach  sünsunddreißigjähriger
erfolgreicher  Tätigkeit  auf  seine  Söhne  übertragen  hatte.  Der  Verblichene  gehörte  jenen  Kaufleuten ­
  zu,  die  mit  Fleiß  und  allzeit  gleicher  Pflichttreue  dahin  strebten,  durch  ihr  Wirken  nicht
nur  dem  eigenen  Besten,  sondern  auch  der  Allgemeinheit  zu  nutzen.  Er  verstand  es,  bei  unverbrüchlichem ­
  Festhalten  an  den  alten  strengen  Geschästsprinzipien,  seinem  Geschäft  auch  unter
den  veränderten,  modernen  wirtschaftlichen  Bedingungen  seinen  Platz  unter  den  allerersten  und
höchstgeschätzten  Firmen  dieses  Geschäftszweiges  zu  sichern.  Bei  unseren  Arbeiten  durften  wir
uns  stets  auf  die  gründlichen  Kenntnisse,  die  große  Arbeitsfreudigkeit  und  die  peinliche  Gewissenhaftigkeit ­
  des  Verstorbenen  verlassen.  Sein  gütiger,  gerechter  Charakter  machte  ihn  uns
zum  Freunde.  Wir  werden  Kerrn  Carl  Ramdohr  allzeit  ein  treues  Gedenken  bewahren."
        <pb n="132" />
        140

EF

ra

Stiftungen,
verwaltet  von  der  Handelskammer.
Vom  Tage  der  Einweihung  ihres  Hauses  ab  wird  die  Handelskammer  die  gern  erfüllte
Pflicht  haben,  sechzehn  Stiftungen  im  Gesamtbeträge  von  303000  Mk.  zu  verwalten.  Über
den  Zweck  dieser  Stiftungen  gibt  die  Festschrift  über  die  Handelskammer  1876—1906  Ausschluss. ­
  Hier  sollen  uns  nur  die  Personen  kümmern.  Sehen  wir  von  der  Sammelstiftung  ab,
die  übrigens  von  einem  Herrn  Zuckschwerdt,  einem  Nachkommen  des  Georg  Zuckschwerdt
stammt,  so  sind  15  Namen  als  Stifter  oder  wenigstens  als  Personen,  in  deren-  Namen  die
Stiftung  gemacht  wurde,  zu  nennen,  nämlich,  nach  der  Jahreszahl  der  Grundstiftungen  geordnet:
1.1868  Zuckschwerdt,  Hermann  ....  Zuckschwerdt  L  Beuchel-Stiftung.
2.1880  Neubauer  sein,  August  ....  F.  A.  Neubauer-Stiftung.
3.1890Hubbe,  Otto  Gustav  Hubbe-Stistung.
4.1891  Porse,  Wilhelm  Will).  Porse-Stiftung.
5.1897  Morgenstern,  Walter  Morgenstern  L  Co.-Zentenar-Stiftung.
6.1898  Wolf,  Rudolf  R.  Wolf-Stiftung.
7.1899  Tonne,  Gustav,  jun  Gustav  Tonne  sen.-Stiftung.
8.1900  Zuckschwerdt,  Wilhelm  ....  Zuckschwerdt  L  Beuchel-Stiftung  (Erweiterung).
9.1901  Brunner,  Ioh  Johannes  Brunner-Stiftung.
10.1901  Hauswaldt,  Frau,  und  Nachkommen  Wilhelm  Hauswaldt-Stiftung.
11.1902  Schwanert,  Frau  Otto  Schwanert-Stiftung.
12.1905  Hubbe,  Frau  und  Nachkommen  .  OttosHnbbe-Stiftung.
13.1906  Jacoby,  O  Oscar  Jacoby-Stistung.
14.1906  Wernecke,  G  Gustav  Wernecke-Stiftung.
15.1906  Herwige,  Paul  jun  Paul  Herwige  sen.-Stiftung.
Von  deir  hier  genannten  Persönlichkeiten  haben  rvir  die  folgenden  bereits  in  dieser  Schrift
erwähnt:  Hermann  Zuckschwerdt,  Gustav  Hubbe,  Walter  Morgeirstern,  Wilhelm  Zuckschwerdt,
Wilhelm  Hauswaldt  rrnd  Otto  Hubbe.  Von  deir  Stiftungen  von  Parrl  Hennige  jun.,  dem  Airdenken ­
  seines  Vaters,  des  Kommerzienrats  Paul  Hennige  sen.,  M.  d.  H.,  gewidmet  und  von
Gustav  Wernecke  erfahren  wir  soeben  erst.  So  haben  wir  ein  Wort  des  Dankes  an  sie  zu
richten,  die  das  Fest  der  Handelskammer  verschönen.  Ebenso  gilt  unser  Dank  noch  den  übrigen
6  Männern,  die  ihren  Namen  oder  den  ihres  Vaters  durch  eine  Schenkung  inr  Gedächtnisse  der
Nachwelt  zu  erhalten  wünschten.  Es  sind  das  2  Männer,  die  nicht  der  Handelskammer
angehörten,  Porse  und  Schwanert,  und  4  Herren,  die  als  Mitglieder  den  Handelskammer
unter  uns  weilen:  G.  Tonne  und  O.  Jacoby,  I.  Brunner  uird  R.  Wolf.
Wilhelm  Porse,  geb.  am  1.  März  1813,  entstammt  einer  Pastorenfamilie. ­
  Er  war  der  (fünfte)  Sohn  des  Pastors  Porse  zu  Niemegk.  Als  vierzehnjähriger
Waisenknabe  kam  er  nach  Belzig  in  die  Lehre,  als  achtzehnjähriger  Jüngling  nach  Magdeburg
zu  Cuny  Sohn  &amp;amp;  Co.,  wo  er  10  Jahre  lang  „servierte".  Am  1.  April  1841  machte  er  sich,  zusammen ­
  mit  F.  A.  Neubauer  (siehe  daselbst)  selbständig;  doch  zog  er  sich  schon  am  1.  April  1869
aus  dem  Geschästsleben  zurück.  Er  starb  am  10.  März  1891.—  Dies  ist  alles,  was  wir  von

-üt
        <pb n="133" />
        141

Wilhelni  Porse.  Otto  Schwanert.
einem  Manne  wissen,  der  laut  Testament  der  Magdeburger  amtlichen  Handelsvertretung  eine
Stiftung  von  50000  Mk.  vermachte,  aus  deren  Zinsen  jährlich:  1.  fünf  arme  Kaufmannslehrlinge ­
  mit  zusammen  750  Mk.,  2.  fünf  hilfsbedürftige  Kaufleute  mit  zusammen  1000  Mk.  unterstützt ­
  werden.  Werden  die  1000  Mk.  jährlich  wie  die  Zinsen  auch  anderer  Stiftungen  vergeben,
so  ist  es  uns  eine  ganz  besondere  Freude,  jährlich  5  jungen,  fleißigen  und  tüchtigen,  wenn  auch
aus  weniger  bemittelten  Kreisen  stammenden  Kaufmannslehrlingen  je  ein  Sparkassenbuch  über
150  Mk.  übergeben  zu  können.  Am  I.März  geschieht  das,  ain  Geburtstage  des  Stifters,  fein
letzter  Wille  wird  verlesen,  die  jungen  Augen  leuchten  vor  Freude  und  sie  gehen  sicher  mit  dem
Vorsatze  fort  —  der  ihnen  nahe  gelegt  wird  —,  falls  sie  selbst  einmal  zum  Wohlstand  kommen
sollten,  ihrer  bedürftigen  Standesgenossen  nicht  zu  vergessen!  —  Vielleicht,  daß  die  Äandelskammer
  einst  erfährt,  von  den  Samenkörnern,  die  Wilhelm  Porse  noch  nach  seinem  Tode  ausstreuen ­
  läßt,  ist  eines  oder  das  andere  auf  fruchtbaren  Boden  gefallen  und  ausgegangen  und
schließlich  kamen  reife  Früchte  zur  ersehnten  Ernte.
Otto  Schwanert,  geb.  8.  Jan.  1826,  stammt  aus  Braunschweig.
Seine  kaufmännische  Laufbahn  begann  erdort  in  dem  Geschäft  des  Perrn  Lefeld.  Alsdann
„konditionierte"  er  in  der  Produkten-Großhandlung  von  Franz  Overlach  in  Magdeburg  und  im
Speditions-  und  Bankgeschäft  von  C.  G.  Ottens  in  Leipzig,  wo  er  fünf  Jahre  verblieb.  Nach
Magdeburg  zurückgekehrt,  nahm  er  zuerst  wieder  Stellung  bei  Overlach,  dann  als  Prokurist  und
kaufmännischer  Leiter  der  Loburger  Landesprodnkten-Fabrik  des  löerrn  Geh.  Kommerzienrats
Knoblauch.  —  Als  Geheimrat  Knoblauch  in  Magdeburg  eine  Bank  zu  errichten  wünschte,  die
anfangs  gleichzeitig  als  eine  Art  Sparkasse  gedacht  war,  stellte  er  Otto  Schwanert  und  einen
Äerrn  Lange  als  Direktoren  an,  während  er  selbst  die  Oberleitung  behielt.  Als  Äerr  Lange
        <pb n="134" />
        142

Johannes  Brunner.

Rudolf  Wolf.
        <pb n="135" />
        143

ausgeschieden  war,  wurde  ein  Kerr  Klinksieck  aus  Paris  engagiert,  worauf  das  Geschäft  den
Namen:  Magdeburger  Bankverein,  Klinksieck,  Schwanert  6r  Co.  erhielt,  den  es  viele  Jahre  trug.
—  Klinksieck  starb,  und  an  seine  Stelle  trat  Kerr  Gilbert  Voegt.  Mit  ihm  zusammen  führte
Schwanert  das  Bankhaus,  das  sich  zu  einem  bedeutenden  Unternehmen  entwickelte,  bis  er  von
einem  Schlaganfall  betroffen  wurde.  —  Einige  Jahre  lebte  Otto  Schwanert  noch,  am  Arm  und
am  Fuß  gelähmt,  aber  regen  Geistes,  dann  ereilte  ihn  am  18.  Juni  1900  im  Bade  Nauheim  der
Tod.  —  Schwanert  wird  als  eine  geistig  begabte,  in  Gesellschaft  heitere  und  witzige,  sonst  aber
etwas  verschlossene  Natur  geschildert.  Seine  Familie  unterstützte  er  bei  Lebzeiten  reichlich,  so  daß
alle  ihr  gutes  Auskommen  hatten.  Zwei  seiner  Brüder  errangen  hochgeachtete  Stellungen  als
Aniversitäts-Profefforen.  Die  Otto  Schwanert-Stistung  in  Äöhe  von  80000  Mk.,  die  ihr  von
Frau  Schwanert,  geb.  Raßmann  (1828—1902),  überwiesen  wurde,  ist  die  größte  Stiftung  der
Handelskammer.  Sie  dient,  soweit  ihreZinsen  nicht  zur  Erhaltung  der  Gräber  verwendet  werden,
dazu:  1.  Kaufleuten  (Bankiers),  die  die  Kandelssachschule  besuchen  wollen,  Studienbeiträge,
2.Bankier-Lehrlingen  Unterstützungen  zu  geben.  Der  Rest  darf  von  der  Kammer  nach  freiem
Ermessen  zu  wohltätigen  Zwecken  verwendet  werden.  Die  Otto  Schwanert-Stistung  ist  ein  Stolz
der  Handelskammer,  die  allen  Anlaß  hat,  den  Namen  dieses  Mannes  in  hohen  Ehren  zu  halten.
Oscar  Zaeoby,  Gustav  Tonne  und  Johannes  Brunner.
Über  die  Äerren  Jacoby,  Tonne  und  Brunner,  die  alle  drei  zu  den  eifrigsten  Mitgliedern  der
Magdeburger  Handelskammer  gehören,  muß  der  Bersafser,  den  für  diese  Schrift  geltenden  Grundsätzen ­
  getreu,  schweigen.  —  Eine  Ausnahme  von  der  Regel,  daß  hier  die  lebenden  Mitglieder  der
Handelskammer  nicht  „besprochen"  werden  dürfen,  läßt  sich  aber  doch  für  ein  Kandelskammer-Mitglied
  (von  den  Vorstehern  abgesehen)  konstruieren  für  Äerrn  Rudolf  Wolf,  und  dafiir  trifft
ihn  selbst  die  Verantwortung;  denn  er  ließ  eine  Festrede  drucken,  die  Erinnerungen  aus  seinem
Leben  enthält,  und,  was  gedruckt  ist,  kann  hier  wiederholt  werden.  So  sei  es  drum!
'iH.  26o!st  Zu  seinem  fünfzigjährigen  Berussjubiläum  hielt  Rudolf  Wolf,  der  Begründer ­
  der  weltbekannten  Lokomobilenfabrik  R.  Wolf,  seinen  Mitarbeitern  folgende  Rede,
die  wir  wörtlich  zum  Abdruck  bringen:  „Verehrte  Festteilnehmer!  üm  meinen  Toast  etwas  zu
illustrieren,  möchte  ich  Ihnen  einiges  aus  den  50  Jahren,  die  ich  als  Maschinenbauer  erlebt  habe,
erzählen.  Iin  Winter  1846/47  war  ich  noch  auf  dem  Domgymnasium  zu  Magdeburg  und  hatte
heftige  Kämpfe  mit  dem  Griechischen  und  Lateinischen;  meine  korrigierten  Extemporalien  sahen
rot  aus,  wie  blutige  Schlachtfelder,  und  mein  Vater  sah  sie  kopfschüttelnd  an  und  sagte  zu  mir,
wenn  ich  mir  in  jetten  Fächern  nicht  größere  Mühe  gebe,  so  würde  ich  nicht  studieren  können.
„Das  will  ich  gar  nicht,  ich  will  Maschinenbauer  werden,"  antwortete  ich.  Meiit  Vater  war
ganz  paff  über  diese  Antwort,  und  er  und  meine  Mutter  konnten  einige  Wochen  gar  nicht  zur
Rtihe  kommen,  aber  es  wurde  daraufhin  doch  beschlossen,  daß  mein  Vater  mit  mir  einige
Maschinenfabriken  ansehen  sollte,  namentlich  die  von  Schöttler  in  der  Sudenburg  und  die
Maschinenfabrik  Buckau,  dainals  genannt:  Maschinenfabrik  der  vereinigten  Magdeburg-Äamburger
  Dampfschiffahrtskompagnie.  Die  Maschinenfabrik  Buckau  machte  auf  mich  einen
derartigen  Eindruck,  daß  ich  bett  Wunsch  hatte,  dort  in  die  Lehre  zu  kommen.  Mein  Vater
bewarb  sich  für  mich  bei  dem  damaligen  Direktor  Tischbeiit,  der  mich  zu  Ostern  1847  als  Lehrling ­
  annahm.  Er  sagte,  er  sei  zu  dieser  Zeit  nicht  zu  Kaufe,  wenn  ich  jedoch  eintreten  wollte,
sollte  ich  mich  an  den  Werkstattsingenieur  Kux  wenden.
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        144

Da  ich  den  dringenden  Wunsch  hegte,  so  bald  als  möglich  in  die  Lehre  zu  kommen,  so  wurde
mein  Eintritt  zu  Ostern  beschlossen.  Meine  Eltern  hatten  aber  immer  noch  große  Sorge,  ob  ich
auch  den  richtigen  Beruf  gewählt  hätte  und  ob  die  Maschinenfabrik  Buckau  die  richtige  Lehrwerkstatt ­
  für  mich  sei.  Sie  erinnerten  sich,  daß  der  Sohn  einer  uns  bekannten  Familie  als  Kleinmechaniker ­
  auch  in  Buckau  gearbeitet  hätte,  und  baten  ihn  zu  uns,  um  ihn  auszufragen.  Ob  die
Wahl  des  Maschinenbauerberuss  die  richtige  wäre,  wagte  Cuny  —  so  hieß  der  junge  Mann  —
nicht  zu  entscheiden,  aber  da  er  auf  der  Maschinenfabrik  Buckau  nicht  immer  mit  Finzelkram
beschäftigt  worden  war,  so  schimpfte  er  kolossal  auf  die  dortige  Arbeit  und  warnte  mich  dringend
davor,  bei  der  Maschinenfabrik  Buckau  in  die  Lehre  zu  treten.  Meine  Eltern  waren  durch  diese
Auskunft  wie  vor  den  Kopf  geschlagen,  meine  liebe  Mntter  weinte  und  schlug  mir  alles  mögliche
vor,  was  ich  werden  könnte.  Zum  Glück  blieb  ich  fest  und  bat  dringend,  in  Buckau  in  die  Lehre
treten  zu  dürfen,  und  mein  Bitten  fand  Gehör.  Also  wanderte  ich  denn  am  12.  April  1847  mit
einem  Pack  Arbeitszeug  unter  dem  Arm  nach  Buckau  und  klinkte  an  der  Eingangstür  der
Maschinenfabrik.  Der  Portier  machte  mir  aus  und  blaffte  mich  an:  „Was  willst  Du?"  Ich
antwortete  ganz  eingeschüchtert,  daß  ich  heute  in  die  Lehre  kommen  sollte;  da  bestimmt  worden
war,  ich  sollte  um  8  Ahr  antreten,  und  ich  etwas  früher  gekommen  war,  so  ranzte  mich  der  Portier
an:  „Warte  hier  nur!"  Endlich  läutete  es  8  Llhr  und  die  Arbeiter  gingen  zum  Frühstück,  auch
„Onkel  Kur"  —  so  wurde  jener  Kerr  aus  der  Fabrik  genannt  —  kam;  zu  ihm  trat  mein  Freund
Portier  und  sagte:  „Kerr  Kux,  hier  sind  zwei  Iungens!"  (Es  wartete  nämlich  außer  mir  noch
ein  junger  Mensch  —  ich  weiß  nicht,  ob  es  Meister  Schäfer  war,  der  mit  mir  zugleich  in  die
Lehre  gekommen  ist.)  Ich  wollte  mich  vorstellen,  Kux  sah  mich  aber  gar  nicht  an  und  rief  einen
Lehrling,  indem  er  ihm  die  Order  gab:  „Bringe  den  da  zum  Meister  Leroux."  Der  Lehrling ­
  brachte  mich  eine  Treppe  hoch  in  eine  Werkstatt,  wie  unsere  kleine  Dreherei.  Sowie  dies
geschehen,  lief  der  Junge  davon,  und  ich  stand  mutterseelen  allein!  Da  kam  ein  Perr—nachträglich ­
  hörte  ich,  es  sei  ein  Ingenieur  mit  dem  Spitznamen  „Professor  Keubler"  gewesen  —,  an
den  trat  ich  vertrauensvoll  heran  und  sagte  ihm,  ich  sollte  als  Eleve  in  die  Lehre  treten,  aber  ich
suchte  den  Meister  Leroux.  Sehr  freundlich  führte  er  mich  in  die  Meisterstube  und  übergab  mich
mit  einer  erklärenden  Bemerkung  dein  Meister  Leroux.  Derselbe  kratzte  sich  hinter  den  Ohren,
wie  es  auch  bei  uns  geschehen  mag  beim  Erscheinen  eines  neuen  Eleven,  und  brachte  mich  zu
einem  Messingdreher  Rademacher.  Ehe  ich  in  meine  neue  Würde  eintrat,  zog  ich  mein  Arbeitszeug ­
  an,  das  nach  dem  Anraten  meines  Vaters  in  einem  langen,  grauen  Staubkittel  bestand,
und  geschah  dies  unter  schallendem  Gelächter  der  Arbeiter.
Rademacher  war  wohl  freundlich  zu  mir,  aber  er  bekümmerte  sich  um  mich  gar  nicht,  denn
er  mußte  viel  Wafferstandshähne  drehen,  um  Geld  zu  verdienen.  Der  Meister,  der  mir  vorgesetzt ­
  war,  interessierte  sich  ebenfalls  nicht  für  mich,  ich  mußte  mir  daher  selbst  helfen.  Ich
ging  zu  einem  Schlosser  Laaß,  indem  ich  denselben  um  Arbeit  bat,  und  so  lernte  ich  ohne  Anweisung. ­
  Daß  ich  schließlich  faul  wurde,  kam  daher,  daß  ich  als  ganz  junger  Mensch  ohne
Aufsicht  arbeiten  mußte.—  Nach  21/2  Jahren,  in  welcher  Zeit  ich  täglich  in  der  Fabrik  herumgelaufen ­
  war  und  geguckt  hatte  und  Kerr  Iörning  mein  Meister  gewesen  war,  der  sich  sehr
ärgerte,  wie  beharrlich  ich  bummelte,  mir  aber,  wie  er  meinte,  nichts  sagen  konnte  —ich  sage,
nach  21/2  Jahren  fühlte  ich,  daß  ich  genügend  praktisch  gearbeitet,  oder  soll  ich  sagen,  fast  untätig
gewesen  war  und  schlug  meinem  Vater  vor,  ich  würde  zum  Oktober  1850  in  die  Provinzial-Gewerbeschule
  in  Kalberstadt  gehen.  Ich  denke  noch  mit  Dankbarkeit  an  die  Zeit  zuriick,  die
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        145

ich  während  zweier  Jahre  dort  verlebte;  der  leider  jetzt  verstorbene  Direktor  Crampe  lehrte
uns  arbeiten,  und  ich  habe  mir  unter  ihm  ein  gutes  Fundament  von  Wissen  angeschafft,  was
ich  nie  vergessen  werde.  Außerdem  lernte  ich  verschiedene  junge  Leute  kennen,  die  ich,  wie  den
lieben  Lüders,  der  unter  uns  weilt,  noch  heute  meine  Freunde  nenne.  —
Mein  Vater  war  befreundet  mit  dem  Vater  des  verstorbenen  Geh.  Kommerzienrat  Gruson,
welch  letzterer  s.  Zt.  technischer  Direktor  der  Wöhlertschen  Maschinenfabrik  in  Berlin  war,
und  bat  den  alten  Kerrn,  sich  bei  seinem  Sohne  für  mich  zu  verwenden,  damit  ich  nach  Absolvierung ­
  der  Kalberstädter  Schule  und  ohne  das  Gewerbe-Institut  zu  besuchen,  eine  Stelle
in  dem  Wöhlertschen  technischen  Bureau  bekäme.  Nach  einiger  Zeit  kam  die  frohe  Kunde,
daß  ich  zum  Oktober  1852  in  die  Wöhlertsche  Maschinenfabrik  würde  eintreten  können.  Ich
kam  dort  in  die  Abteilung  des  technischen  Bureaus,  in  welcher  Lokomotiven,  Eisenbahnbedarfsgegenstände,
  Kranen,  Dampfhämmer  und  Dainpfgatter  konstruiert  wurden.  Die  Konstruktion ­
  einer  Lokomotive  lernte  ich  unter  der  famosen  Grusonschen  Leitung  bald,  aber  Dampfmaschinen ­
  und  Dampfkessel  lernte  ich  nur  durch  Anschauungen  von  Zeichnungen  und  der  der
ausgeführten  Maschinen  sowie  der  Kessel  kennen.  —  Etwa  einen  Monat  nach  meinem  Eintritt
in  die  Wöhlertsche  Fabrik  war  die  erste  Lokomotive  fertig  —und  ich  hatte  die  Konzessionszeichnungen ­
  gemacht.  Die  Maschine  wurde  durch  einen  Extrazug  nach  Eberswalde  mit  geladenen ­
  Gästen  eingeweiht.  Wir  Lokomotivtechniker  wurden  auch  mitgenommen,  und  aus  dem
Bahnhof  wurde  auf  Rechnung  unseres  Chefs  gehörig  gefriihstückt;  dieses  Frühstück  gab  die
Veranlassung,  daß  wir  Techniker  mehr  oder  weniger  befreundet  wurden.
Ich  war  in  dem  Gedanken  in  die  Fabrik  eingetreten,  daß  ich  als  Volontär  zu  arbeiten
hätte,  nach  jenem  Feste  kam  aber  Gruson  zu  mir,  klopfte  mich  auf  die  Schulter  und  sagte,
daß  ich  mal  nach  dem  Kontor  gehen  sollte.  Kerzpochend  ging  ich  hin,  da  legte  mir  der  Kassierer
einen  Zettel  zur  Unterschrift  vor,  auf  dem  stand:  16  Taler  für  Monat  Oktober  empfangen  zu
haben  usw.  Als  ich  neben  dem  Zettel  16  blanke  Taler  sah,  wurde  ich  so  erregt,  daß  ich  auf  die
Quittung  kaum  meinen  Namen  schreiben  konnte.—  Nun,  es  war  das  erste  Geld,  das  ich  verdienthatte! ­
  In  zwei  Jahren  schwang  ich  mich  dann  bis  zu  25  Taler,  p.  Monat  aus,  und  von  jener
Summe  konnte  ich  mich  damals  in  Berlin  nicht  nur  vollständig  erhalten,  sondern  ich  kaufte  mir
sogar  aus  meinen  Ersparnissen  eine  Taschenuhr  —  die  mir  leider  in  Buckau  verloren  gegangen  ist.
An  den  Lokomotiven  wurde  nichts  verdient,  man  war  deshalb  Gruson  gram  und  hegte  den
Wunsch,  ihn  trotz  seines  festen  Kontraktes  loszuwerden;  u.  a.  wurde  es  mir  und  einem  meiner
Freunde  nahe  gelegt,  Gruson  und  den  Oberingenieur  durch  unser  Betragen  wegzugraulen,  um
nachher  ihre  Stellen  einzunehmen.  Dies  Ansinnen  lehnte  ich  entrüstet  in  dein  Gefühl  ab,  daß  seine
Erfüllung  sich  nicht  mit  meiner  Ehre  vertragen  hätte,  denn  das,  was  ich  itt  konstruktiver  Kinsicht
wußte,  hatte  ich  nur  der  liebenswürdigen  Leitung  des  Kerrn  Gruson  zu  verdanken;  ich  hatte  daher
die  Empfindung,  daß  es  wohl  Zeit  sei,  die  Fabrik  zu  verlassen.  Aber  ehe  dies  geschah,  wurde  allen
Technikern,  die  durch  Gruson  in  die  Wöhlertsche  Fabrik  eingetreten  waren,  gekündigt,  wohl  um
ihn  nwralisch  zu  zwingen,  ebenfalls  zu  gehen.  Er  ging  auch  nach  sechs  Wochen,  und  ich  kehrte  zu
meinen  Eltern  nach  Magdeburg  zurück  mit  dem  Wunsche,  mich  von  irgend  einem  westfälischen
Walzwerk  engagieren  zu  lassen.  —  Aber  nach  etwa  14  Tagen  suchte  mich  ein  Gepäckträger  der
Eisenbahn  aus  mit  einer  Karte,  auf  der  G.  Kuhn,  Stuttgart-Berg  stand,  lind  dem  Aufträge,
letzterer  Kerr  möchte  mich  in  der  Eisenbahnrestauration  sprechen.  Jenen  Kerrn  kannte  ich  gar
nicht,  aber  als  ich  in  die  Restauration  eintrat  und  einen  starken  Mann,  Beefsteak  essend,  da  fitzen
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sah,  dachte  ich,  das  wird  wohl  der  richtige  sein,  und  sprach  ihn  infolgedessen  an  —und  ich  hatte
richtig  geraten—Mein  späterer  langjähriger  Chef  engagierte  mich  ausEmpfehlung  desWöhlertschen
  Oberingenieurs  für  die  gleiche  Stellung,  und  ich  trat  1855  als  solcher  in  die  Stuttgarter
Maschinenfabrik  ein.  Es  war  kühn,  dieses  Engagement  anzunehmen,  da  ich  all  die  Maschinen
usw.,  die  bei  Kuhn  fabriziert  wurden,  niemals  in  dem  technischen  Bureau  zu  Berlin  konstruktiv
unter  die  Finger  bekommen  hatte,  sondern  nur  durch  meinen  Privatfleiß  einigermaßen  wußte,  wie
eine  Dampfmaschine  oder  ein  Dampfkessel  gemacht  werden  müßte;  doch  ich,  ein  noch  ganz  junger
Kerl,  dachte  mir,  na,  wenn  es  geht,  ist  es  gut,  wenn  es  nicht  geht,  gehe  ich.  Lind,  Gott  sei  Dank,
es  ging!  Das  Vertrauen  meines  verehrten  Chefs  in  der  Stuttgarter  Fabrik  erlangte  ich  sofort
dadurch,  daß  gleich  nach  meinem  Antritt  eine  Fördermaschine  von  der  Württemberger  Salinen-Verwaltung
  bestellt  wurde  und  eine  im  Modell  vorhandene  Dampfmaschine  mit  Umsteuerung
versehen  werden  sollte.  Bon  Wöhlert  her  lag  mir  von  den  Lokomotiven  die  Amsteueruugskonstruktion
  imKopf  und  in  den  Fingern  wie  gar  nichts,  und  die  Maschine  fiel  zur  Zufriedenheit  aus.
Die  Kuhnsche  Fabrik  entwickelte  sich  zusehends,  und  ich  hatte  kolossal  zn  tun,  denn  wir  bauten
Dampfmaschinen,  Kessel-  und  Transmissionen,  Schneidemühlen  lind  Dampfbrauereien,  überhaupt ­
  alles,  was  die  Leute  wollten.  So  war  der  Sommer  1861  herangekommen,  und  ich  wollte
gern  die  Schweiz  mal  sehen.  Mein  Chef  gab  mir,  nachdem  ich  fünf  Jahre  nicht  ans  der  Fabrik
herausgekommen  war,  nicht  sehr  freundlich  den  erbetenen  Arlaub,  aber  der  Topf  verlor  den
Boden,  als  ich  statt  14  Tage  16  Tage  ausgeblieben  war  und  mein  Chef  meine  Meldung  mit  den
Worten  entgegennahm:  „Ich  glaubte,  Sie  wollten  gar  nicht  mehr  wiederkommen!"  Wenn  nun
auch  diese  Bemerkung  ihre  Erklärung  fand  in  den  damaligen  Zeitverhältniffen,  unter  welchen  es
noch  nicht  so  leicht  war,  Arlaub  zu  erhalten,  wie  heute,  so  fühlte  ich  mich  doch  begreiflicherweise
dadurch  verletzt,  weil  ich  mir  bewußt  war,  einen  solchen  Empfang  nicht  verdient  zu  haben.  Leute
freilich  ist  meine  damalige  Verstimmung  längst  dem  Gefühl  der  Dankbarkeit  gegen  das  Geschick,
welches  durch  diesen  Zwischenfall  die  Gründung  meiner  eigenen  Fabrik  herbeigeführt  hatte,  gewichen. ­
  Ich  setzte  mich  nämlich  sofort  zu  Lause  hin  und  schrieb  einen  Kündigungsbrief  mit  dem
Gedanken,  nach  Magdeburg  zu  gehen,  um  mich  dort  zu  etablieren.  Mein  Chef  wollte  mich  aber
gar  nicht  gehen  lassen  und  versprach  mir  goldene  Berge,  wenn  ich  bliebe.  Ich  beharrte  jedoch  fest
bei  meinem  Entschluß,  nur  plagte  mich  der  Gedanke,  was  ich  wohl  eigentlich  inMagdeburg  bauen
sollte.  Da  fuhr  es  wie  ein  Blitz  in  mich,  den  Lokomobilbau  als  Spezialität  zu  betreiben,  und  so
ist  es  ja  auch  geworden  und  geblieben.  Daß  ich  Buckau  wählte,  die  Fabrik  zu  errichten,  lag  bei  mir
in  der  Idee,daß  dieMaschinenfabrickBuckau  denOrt  schon  lange  als  Maschinenbauplah  bekannt
gemacht  hatte,  obgleich  ich,  als  ich  die  Lehre  beendet  hatte,  mir  sagte:  „nach  Buckau  gehst  Du  nicht
wieder",  weil  ich  ein  unangenehmes  Quartier  gehabt  hatte  und  das  Dorf  selbst  fchmutzstarrend
war.  —  Als  ich  in  der  Feldstraße  neu  gebaut  hatte,  wollte  ich  natürlich  Arbeit  heranschaffen  und
reiste  in  der  Amgegend  herum,  aber  ich  kam  fast  immer  mit  dem  mir  überall  gegebenen  Trost
zurück,  „man  wolle  an  mich  denken!"  —  Der  erste,  der  infolge  meines  herumgesandten  Zirkulars ­
  zu  mir  kam,  war  der  Lerr  Amtsrat  Fischer  aus  Calbe  a.  d.  S.;  ich  zeigte  ihm  die  Konstruktion ­
  meiner  Lokomobilen,  und  er  bedauerte  sehr,  einige  Zeit,  ehe  er  bei  mir  war,  anderweitig
eine  Lokomobile  gekauft  zu  haben.  Das  war  ein  schöner  Trost,  aber  jener  Besuch  trug  doch
Früchte,  denn  acht  Tage  später  kam  der  Sohn  des  Amtsrat  Bennecke  aus  Athensleben,  Lerr
Dr.  Bennecke,  zu  mir  und  sagte,  da  sein  Vater  eine  achtpferdige  Lokomobile  kaufen  wollte,
hätte  der  Amtsrat  Fischer  mich  für  die  Lieferung  empfohlen.  Nachdem  ich  demselben  meine
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Lokomobilenkonstruktion  gezeigt  und  er  damit  zufrieden  war,  versprach  er  mir,  meine  Lokomobilen
seinem  Vater  zu  empfehlen.  Sie  können  sich  denken,  wie  groß  meine  Freude  war,  als  die  Bestellung ­
  kam,  und  nun  ging  es  ans  Fabrizieren.  Nun,  da  der  Anfang  gemacht  war,  ging  es  flott
weiter,  namentlich  da  der  jetzige  Äerr  Amtsrat  Dr.Bennecke  mich  empfahl;  aber  die  polnischen
Llnruhen,  der  Schleswig-Äolsteinische  und  vor  allem  der  Österreichische  Krieg  kamen  dazwischen,
und  es  ßng  an  zu  stocken.  Zu  jener  Zeit  hatte  ich  mit  Widerwärtigkeiten  aller  Art  zu  kämpfen,
es  war  zum  Verzweifeln,  ich  ließ  mich  aber  nicht  unterkriegen,  und  darauf  bin  ich  heute  noch
stolz!  —  Ich  könnte  Ihnen  nun  weiter  erzählen,  wie  es  mir  und  der  Fabrik  bis  zur  Beendigung
des  französischen,Krieges  ergangen  ist,  aber  dies  würde  zu  viel  Zeit  fortnehmen,  und  baittt  haben
Sie  ja  Jubilare  unter  sich,  die  es  Ihnen  berichten  können;  aber  nach  jenem  Kriege  und  der
Einigung  Deutschlands  entwickelte  sich  zu  meiner  Freude  und  mit  Ihrer  Äilfe,  meine  lieben
Mitarbeiter,  die  Fabrik,  und  ist  sie  nun  herangewachsen  so  zwar,  daß  man  in  der  ganzen  Welt
R.  Wolf'sche  Lokomobilen  mit  ausziehbaren  Röhrenkefseln  kennt.  Lind  daß  dies  geschehen  ist,
das  führe  ich  zurück  aus  den  Spruch,  den  unsere  Fahne,  desgleichen  auch  jene  Säule,  die
vorher  mir  geschenkt  worden  ist,  und  ebenso  die  Gedenkmedaille  trägt:
„Vereinter  Kraft  gar  oft  gelingt.
Was  einer  nicht  zu  Stande  bringt!"
Lim  meinen  Dank  zu  besiegeln  für  die  Entwickelung  der  Fabrik,  teile  ich  Ihnen  mit,  daß  ich
50000  Mark  zu  Wohlfahrtseinrichtungen  der  Fabrik  gestiftet  habe,  außerdem  erhebe  ich  mein
Glas  und  rufe:  Es  leben  alle  meine  lieben  Mitarbeiter,  Loch,  Loch,  Loch!"
QßctTtCtf  C»  Wie  wir  schon  oben  andeuteten,  erfuhren  wir  noch  in  letzter
Stunde,daß  Äerr  Gustav  Wernecke,  Erster  Vorstand  —und  wohl  auch  der  eigentliche  Besitzer—
der  Aktien-Brauerei  Neustadt-Magdeburg,  der  Handelskammer  den  Betrag  von  15000  Mk.
zur  Verfügung  stellt,  deren  Zinsen  alljährlich  nach  seinen  noch  zu  erlassenden  Statuten  ausgeteilt ­
  werden  sollen.  Es  war  uns  leider  nicht  inehr  möglich,  sein  Bild  —  ebensowenig  wie  das
von  Herrn  Paul  Hennige  jun.  —  hier  wiederzugeben.  —
Bezüglich  der  Stiftungen  der  Handelskammer  aber,  die  in  10  Jahren  von  70000  Mk.  aus
300000  Mk.  gewachsen  sind,  rufen  wir  ein  kräftiges:  vivant  sequentea!—
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        149

Anhang
zu  den  einzelnen  Abschnitten  des  Buches:  Magdeburger  Großkaufleute.

lzu  Seite  7]  Die  Ältesten  der  Kaufmannschaft.
Das  Privatbankbild  S.39stellt  dar:  ObereReihe:  Carl  Schräder,  K.-R.Bennewiy,  Ad.  Salome,  M.S.Meyer
und  Iustizrat  Dürre;  untere  Reihe:  Iul.Alenfeld,  Dir.  de'la  Croix,  Alb.  Fabricius,  F.Loffmann  und  Sattler.
Über  den  Kaufmännischen  Verein,  der  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  vorausging,  sagt  der  „Erste
Versuch  eines  Magdeb.Adreßb."  vom  Jahre  1817  folgendes:  „S.  105.  Nach  Aufhebung  der  Innungen  bildete
unter  Autorisation  des  Staates  der  größte  Teil  der  Mitglieder  der  vorher  bestandenen  hiesigen  Sandlungs-Innungenj
  eine  Gesellschaft,  welcher  das  Recht  der  eigenen  Packhofskonten  und  Niederlegungsrecht,  behufs  des
Speditions-  und  Kommissionshandels,  verblieb,  und  die  sich  ihre  Vorsteher  unter  dem  Namen  Repräsentanten,
sowie  ihren  Syndikus  und  Mitglieder  eines  besonderen  Komitees  unter  dem  Titel  von  „Vankherrn"  erwählte."

[ju  Seite  8]  Das  Ältesten-Kollegium  vom  Jahre  1825.
(Den  Namen  sind  die  Vornamen,  die  Firmen  und  die  Geschästsadressen  hinzugefügt.)

Vorsteher:
I.  Schultze,  Carl,  I.C.  Weisse  &amp;amp;  Co.,  und  Schnitze  &amp;amp;
Eichel,  Domplatz  7.
II.  Walwer,  Johann  August,  Walwer  &amp;amp;  Falkenberg,
Spiegelbrücke  1.
III.  Buhlers  sen.,  Peter  Andreas,  Gebr.  Buhlers,
Breiterweg  195.
Mitglieder:
Morgenstern,  August,  Morgenstern  &amp;amp;  Co.,  Knochenhauerufer ­
  13.
Schartow,  Johann  Friedrich  Wilhelm,
F.W.Schartow,  Breiterweg  173.
Coqui,  Peter  August,  Maquet  &amp;amp;  Coqui,  Petersstr.26.
Fritze  sen.,  Johann  Friedrich,  Fried.  Fritze!  &amp;amp;  Sohn,
Breiterweg  71/72.
Loempke  sen.,  Friedrich  Benjamin,  Fr.  Ioh.  Leinr.
Leekeny,  und  Burchardt  &amp;amp;  Co.,  Katzensprung  10.
Cuny,  David,  Cuny  Sohn  &amp;amp;  Comp.,  Alter  Markt  19.
Leidloss,  Friedrich  Wilhelm,  F.W.Leidloff,
Breiterweg  151.

Lildebrand,  Theodor  (Tobias)  Eduard  (Erdmann),
T.E.Äildebrand  sen.  Sohn,  Breiterweg  213.
Weichsel,  August,  Müller  &amp;amp;  Weichsel,  Äolzhos  1.
Drenckmann  sen.,  Christoph  Jakob,
Drenckman»  &amp;amp;  Saßfurth,  Große  Münzstraße  11.
Selling,  Carl  Seinrich,  Neubaur  &amp;amp;  Selling,
Thränsberg  37.
Salome,  Johann  David,  I.D.  Salome,
Breiterweg  167.
Stellvertreter:
Pieschel,  Carl  Friedrich,  Pieschel  S-Co.,  Breiterweg  12.
Schütze,  Gottlieb,  Schütze  &amp;amp;  Co.,  Alter  Markt  12.
Rademacher,  Friedrich  Wilhelm  August,
Sarder  &amp;amp;  Co.,  Breiterweg  146.
Seite,  Ernst  Christian,  Reichardt  &amp;amp;  Lelle,
Knochenhauerufer  38/39.
Weigel,  Christian  Friedrich,  Gebr.  Weigel,
Alter  Markt  11.
Pinckernelle,  Johann  Daniel,  I.D.Pinckernelle,
Werftstraße  4.

21nmerkung.  Nicht  nur  über  die  Familie  Bonte,  sondern  auch  über  die  ihr  verschwägerten  Familien  gibt  das
Werk:  „Stamm-Register  und  Geschichte  der  Familie  Bonte,  Magdeburg  1844"  Auskunft.  Wir  finden  darin
Angaben  über  die  Familien  Iockusch,  Gruson,  Schwartz,  Rumpf,  Tonne,  Laborde,  Eckardt,  Wild  (Sauvage),
Salome,  Maquet,  Bodenstein,  Favreau,  Costenoble,  Bourzutschky,  Buhtz,  Mathe,  Duvigneau,  Schwenckert,
Prevot,  Seyffert,  Sintenis,  Jordan  u.a.m.
        <pb n="141" />
        150

[gu  Gelte  22]  Aus  dem  Stammbaum  der  Familie  Cuny.

Samuel  Cuny
geb.  zu  Nettencourt  in  der  Champagne  etwa  1610
Kaufmann,  gest.  etwa  1685
I
Daniel  Cuny
geb.  zu  Bar  le  Duc  am  5.5.1657,  gest.  zu  Berlin  am  16.7.1713

Jacques  Cuny
geb.  zu  Bar  le  Duc  am  23.2.1699
'  wanderte  als  Lugenotte  aus;
gest.  in  Magdeburg  am  7.9.1760

Jean  Jacques  Cunyl*
geb.  in  Magdeburg  am  8.8.1736
verh.  mit  Marguerite  Duzal
gest.  in  Magdeburg  am  11.6.1817.
Er  hatte  16  Kinder,  darunter:

David  Cuny

Louis  Cuny
geb.  am  3.9.1770
I
Jean  Jacques  Cuny  II
geb.in  Altona  am  3.9.1770
verm.in  Magdeburg  mit
Caroline  Arsinus
gest.  am  29.12.1843
Erster  Vorsteher  der
Kaufmannschaft  1837—1843

Jacques  Christoph  v.Cuuy
geb.am  21.12.1779
geadelt  als  Rgs.-Präsident
zu  Aachen  am  15.10.1840
gest.  am  6.12.1848
!
Louis  Jacob  v.  Cuny
Appellationsgerichtsrat

Eduard  Cuny
geb.  zu  Magdeburg  1825,
Bes.einer  Braunk.-Grube  in  Anhalt;
lebt  als  Rentier  in  Dresden

1.  Jean  Jacques  Cuny  IV
Rittm.d.L.u.  Vertreter  der  Norddeutschen ­
  Lagelvers.-Ges.  in  Oppeln
2.  Eduard  Cuny
Regierungsrat  bei  der  Kgl.  Regierung
in  Magdeburg
3.  Alexander  Cuny
Major  z.  D.  u.  Bezirks-Offizier  in  Leipzig
4.  Georg  Cuny
Geh.Reg.-Rat  und  vortragender  Rat
im  Min.  d.  öff.  Arb.  in  Berlin

Jean  Jacques  Cuny  III
Gutsbes.bei  Nordhausen;
starb  in  Wernigerode
I
Äauptmann  Cuny
bis  Ostern  1905  Ltnt.  bei  der  Fußart.
in  Magdeburg;  jetzt  Lauptmann
in  Pillau

Anmerkung.  Über  die  Tätigkeit  Jean  Jacques  Cunys  (I)  im  Kuratorium  der  Kellerschen  Landlungsschule
vergl.Berghauer,  „Magdeburg  und  die  umliegende  Gegend",  Magdeburg  1800/1801.
*)  Ein  älterer  Bruder  von  Jean  Jacques  Cuny  war  Pierre  Cuny,dessen  Sohn  Frederic,  geb.  in  Magdeburg
am  4.12.1732,  ein  angesehener  Kaufmann  und  „Altermann"  gewesen  sein  soll.
        <pb n="142" />
        [ju  Seite  27]  Aus  dem  Stammbaum  der  Familie  Deneke.

151

Johann  Leinrich  Deneke
Pastor  zu  ölper  und  Watenbüttel
geb.  ?,  verh.  am  7.  Mai  1771  mit  Christine  Friederike  Bremer
(geb.  7.8.1750)  Tochter  des  Buchbinders  Bremer  in  Braunschweig
I
Johannn  Friedrich  Deneke
(das  älteste  Kind  von  sieben)
Kaufmann,  geb.  am  5.Febr.  1778,  verh.  mit  Luise  Pabst  aus  Braunschweig
gest.  am  3.  April  1860

i.
Leinr.Wilhelm
geb.amO.  10.1801
verh.  m.n)  Therese
Morgenstern
b)  Mathilde
Morgenstern
(aus  erster  Ehe  4,  aus
zweiter  Ehe  6  Kinder)

2.
Carl  Eduard
geb.atn27J.1803
gest.am  1.7.1877
verh.mitJdi
Dorothea  Iaeger
(geb.am
14.4.1812)

3.
Joh.  Friedrich
geb.8.10.1804
gest.28.3.1846
verh.mit  Marie
Morgenstern
—  6  Kinder  —

4.
Bertha
geb.22.8.1806
gest.5.4.1855

5.
Emma
geb.28.2.1809
gest.15.1.1837

6.
Betty
geb.13.9.1810
gest.17.11.1875

1.

2.

3.

4.

5.

Bertha

Eduard

Ida

Elise

Clara

geb.  am

geb.  am

geb.  am

geb.  am

geb.  am

20.7.1835

21.9.1836

13.3.1838

23.6.1840

16.2.1842

verh.  mit

verh.  mit

verh.  mit

gest.  am

gest.  am

E.C.

Äelene

GustavLücke

10.12.1863

26.6.1848

Schubart

Bartels

verh.  mit

gest.

CarlBogt

18.12.1873

6.

7.

8.

9.

10.

Johanne

Paul

Johanna

Ernst

Carl

geb.  am

geb.  am

geb.  am

geb.  am

geb.  am

3.5.1843
gest.  am
7.2.1846

10.8.1845
gest.  am
15.10.1870

6.1.1847

27.6.1840
verh.  mit
Emma
Frank
gest.  am
27.10.1855

22.2.1850

Anmerkungen!  Die  zweite  Schwester  Carl  Denekes,  namens  Emma,  heiratete  einen  Äerrn  Lumbert  in
Berlin.  Emma  Lumbert  starb  1837.  Der  jüngste  Bruder  Carl  Denekes,  namens  Fritz,  starb  am  28.  März  1847.
Bon  der  Mutter  Carl  Denekes  ist  nur  das  Geburtsjahr  (1778)  bekannt.  Der  silberne  Tafelaufsatz,  den  Carl
Deneke  zum  30.Oktober  1865  erhielt,  und  das  Glas  der  Kaufleute  Brüderschaft  vom  Jahre  1712  sind  im  Besitze
von  Fräulein  Johanna  Deneke,  die  uns  bei  unseren  Arbeiten  zu  diesem  Werke  selbstlos  und  aufopfernd  unterstützt ­
  hat.
I.  Ehrenämter  Carl  Denekes:  Korporiert  am  13.  August  1828,  Stellvertretender  Ältester  am  11.  Januar  1836,
Ältester  am  30.  Oktober  1840,3.  Vorsteher  am  8.  Januar  1844,1.  Vorsteher  7.  Januar  1848,  Vergleichs-Deputierter
am  1.  August  1840,  Vorsitzender  der  Vergleichs-Deputation  am  21.  Dezember  1843,  Ausschuß  des  Deutschen
Landelstages  im  September  1865,Stadtverordneter  am  1.  Januar  1838,  später  wurde  erVorsitzender  derStadtverordneten-Versammlung,
  Mitglied  des  Abgeordnetenhauses  1852—1855,  Roten  Adlerorden  IV.Kl.  am
27.  Oktober  1861,  Kriegdenkmünze  von  Stahl  am  18.  Aug.  1872,  Kronenorden  III.  Kl.  am  9.  April  1875,  Kommerzienrat ­
  am  15.  Januar  1857,  Geheimer  Kommerzienrat  am  7.  Januar  1873,  Ehrenbürger  Magdeburgs  am
7.  Januar  1873.  —  II.  Nachrichten  über  die  Firma  Carl  Denekes  (Auszug  aus  dem  Gesellschafts-Register  I):
1)  1864.  Aufnahme  von  CarlWilhem  Theodor  Moevius  als  Gesellschafter.  2)  6.  Februar  1872.  Ausscheiden  von
C.W.TH.Moevius  und  Eintritt  von  Carl  Eduard  Deneke  jun.  3)  2.  August  1877.  Nach  dem  Tode  von  Lerrn  Geh.
Kommerzienrat  Deneke  Amwandlung  in  eine  Kommanditgesellschaft.  Persönlich  hastende  Gesellschafter  sind  die
Witwe  und  Carl  Eduard  Deneke  jun.  (zur  Zeichnung  allein  berechtigt),  Gesellschafter  Wilhelm  Deneke  mit  einer
Einlage  von  60000  Mark.  4)  30.Ianuar  1884.  Ausscheiden  des  s  Wilhelm  Deneke  und  seiner  Erben.  Gründung
einer  offenen  Handelsgesellschaft.  5)  7.  April  1886.  Ausscheiden  der  Frau  Geheimen  Kommerzienrat  Deneke.
        <pb n="143" />
        [ju  Seife  45]  Aus  dem  Stammbaum  der  Familie  Coste.

152

Abel  Coste
geb.  zu  St.  Antonin  b.  Montauban  in  der  Rovergne
!
Dominique  Coste
geb.  in  St.  Antonin  1699
•  gest.  in  Magdeburg  am  8.2.1772
I  '
Abraham  David  Coste
geb.  am  21.6.1747,  gest.  am  2.12.1815
I
Samuel  David  Coste
(von  fünf  Kindern  das  dritte)
geb.  am  6.8.1783,  verh.mit  Wilhelmine  Graul,  gest.  29.8.1835
I
Johann  David  Coste  (I.  Vorsteher)
(von  vier  Kindern  das  erste)
geb.am  24.y.  1820,  verh.mit  Bertha  Schmidt,
(s.  Stammbaum  Schmidt-Sorge)
gest.  am  29.5.1880

2.  3.  4.  5.  6.
Albert  Adolf  David  Coste  Elisabeth  Marta  Minna  Marianne
Kommerzienrat  in  Biere  geb.M.5.1854  geb.I7.b.  18S7  geb.  14.12.1888  geb.Ik.I1.I8S5
geb.  am  4.2.1853  (verh.  mit  Kaufm.  (verh.mit  Kauft».  (verh.mit  Kaufm.  (verh.mit  Kauft»,
verh.mit  Therese  Schneider,  Iohann.Brunner)  Max  Burchardt)  Paul  Burchardt)  vr.Lans
Tochter  d.Geh.K.Rat.Schneider  gest.4.3.I878  gest.S.9.I882  Bennewitz)
aus  Magdeburg
L
I.  Fanny  2.  Johann  David  3.  Gustav  David  4.  Walter  David  5.  Erika
Anmerkung:  1829—1835Gewerbe-  und  Handelsschule,Michaelis  aus  der  erstenKlaffe  abgegangen.  1835bis:
1844  Eichel  &amp;amp;  Schmidt,  nach  37-Jahr  Lehrzeit  als  Lehrling  entlassen,  von  1839  ab  gereist.  1844—1848  L.Jacobs,
Potsdam.  1845  500  Mk.Gehalt  und  Reisespesen  6stz  Mk.  per  Tag,  es  genügen  bei  sparsamem  Leben  5  73  Mk.;
bei  Jacobs  700  Mk.  und  6&amp;gt;/z  Mk.  Spesen,  Extrapost  oder  eigene  Pferde.  1848  etabliert.  Seit  1853  Stadtverordneter. ­
  Seit  1868  stellvertretender  Vorsitzender.  1855  Ältestenkollegium.  Oktober  1869  Kommerzienrat.
1895  Rothen  Adlerorden.  2.  Mai  1850  verheiratet.
(zu  Seite  51)  AUHUst  ’^ZCUbCtttCf  wurde  im  Jahre  1876  Kommerzienrat,  1885  Geheimer  Kommerzienrat. ­
  Im  Jahre  1895  erhielt  er  den  Kronenorden  II.  Klasse.  1880  überwies  er  der  Korporation  der  Kauf-Mannschaft
  die  Summe  von  10000  Mk.  als  Stiftung,  aus  deren  Zinsen  junge  Kaufleute,  die  ins  Ausland  gehen,
unterstützt  werden.  In  seinem  Testament  vermachte  Reubauer  derStadtMagdeburg  für  die  Armen  100  000  Mk.
(zu  Seite  57]  öftO  .S^ttbbC.  I.  Gustav  Lubbe.  Gustav  Lubbe  wurde  geboren  am  14.  Okt.  1812  zu  Althaldensleben. ­
  Am  2.Ianuar1851  erhielt  Fr.  Mew  es  Prokura.  Erstarb  am  II.  September  1889.  Am22.Ianuar
1840  wurde  Gustav  Lubbe  in  die  Korporation  der  Kaufmannschaft  aufgenommen.  Am  29.  Dezember  1863
wurde  er  Mitglied  des  Ältestenkollegiums.  Am  6.  März  1865  erhielten  die  Söhne  Gustav  Lübbes,  Friedrich
Wilhelm  und  Christian  Wilhelm  Otto,  Prokura.  Am  19.  Oktober  1866  wurde  er  III.  Vorsteher.  Am  20.  April
1871  starb  Gustav  Lubbe.  II.  Fritz  Lubbe.  Am  29.  Dezember  1877  wurde  Fritz  Lubbe  zum  Ältesten  der  Kaufmannschaft ­
  gewählt.  Am  27.  April  1878  starb  Fritz  Lübbe.  III.  Otto  Lubbe,  geb.  20.  August  1842,  wurde  am
6.  März  1865  Prokurist  der  Firma  Gustav  Lubbe.  Am  28.  Dezember  1878  zum  Ältesten  der  Kaufmannschaft

i.
Therese
Moebius
verw.  Albert
Burchardt
geb.21.7.I8Sl
        <pb n="144" />
        153

gewählt.  Am  2.  April  1880  erhielt  L  ermann  Zarges  Prokura,  der  feit  dem  1.  Dezember  1862  im  Lause  Gustav
Lubbe  tätig  war  und  noch  heute  als  Prokurist  wirkt  (1906).  Anfang  Januar  1881  wurde  Otto  Lubbe  Stadtverordneter. ­
  1882—1888  Landelsrichter.  Am  5.  Jan.  1886  stellv.  Vorsitzender  der  Stadtverordn.-Versamml.
Am  17.  März  1887II.  Vorsteher  der  Kaufmannschaft.  Am  20.  Oktober  1887  Stadtrat.  1888  Roter  Adlerorden.
Am  25.  Aug.  1889  I.  Vorsteher  der  Kaufmannschaft,  später  (vom  Januar  1899  ab)  der  Landelskammer  bis  zu
seinem  Tode.  1891  Kommerzienrat.  1901  Geh.  Kommerzienrat.  1903  Kronenorden  III.  Klaffe.  Am  24.  Oktober
1904  starb  Otto  Lubbe.
IV.  Die  Firma  Walstab  &amp;amp;  Co.  ist,  wie  aus  einem  noch  erhaltenen  Geschäftsbriefe  vom  19.Dezember  1789  erhellt, ­
  aus  der  Firma  C.W.  Blumenthal  hervorgegangen.  Sie  handelte  mit  Kolonialwaren,  Indigo,  Kaffee  und
amerikanischen  Läuten  und  betrieb  Spedition.  Am  1.  September  1790  war  Carl  Wilhelm  Walstab  in  dieFirma
eingetreten,  die  den  Namen  Blumenthal  &amp;amp;  Walslab  erhielt.  Etwa  im  Jahre  1794  ist  Johann  Friedrich  Jacob
Listemann  zum  Ersah  für  C.W.Blumenthal,  der  die  Firma  verließ,  bis  zum  28.Februar  1800  Mitinhaber  des
Geschäfts  gewesen.  Von  da  ab  führte  Carl  Wilhelm  Walslab  die  Firma  bis  zu  seinem  Tode  allein,  während
unterm  12.April  1825  sein  Sohn  Robert  Walstab  das  Geschäft  in  Gemeinschaft  mit  einem  Rudolph  Schroeder
übernahm.  Am  18.  Oktober  1838  war  Robert  Walstab  gestorben,  so  daß  Gustav  Lubbe  das  Geschäft  von  dem
Alleininhaber  Rudolph  Schroeder  erwarb.  Gustav  Lubbe  übernahm  gleichzeitig  mit  der  Firma  Walstab  &amp;amp;  Co.
die  Pansasche  Buchdruckerei,  die  er  am  1.  Mai  1849  seinen  Faktoren  August  Giesau  und  Carl  Otto  abtrat.  Sie
ist  jetzt  im  Besitze  eines  Sohnes  von  Carl  Otto.
Feier  der  25  jährigen  Tätigkeit  des  Ersten  Vorstehers  der  Handelskammer,
Äerrn  Geheimen  Kommerzienrates  Otto  Lmbbe,  im  Kollegium.
Die  Landelskammer  feierte  am  4.  Januar  d.  Is.  das  Fest  der  25  jährigen  Mitgliedschaft  ihres  Ersten  Vorstehers, ­
  des  Geheimen  Kommerzienrates  Lubbe.  Vormittags  gegen  I  I  Ahr  fanden  sich  die  Mitglieder  und  der
Syndikus  der  Kammer  in  der  Wohnung  des  Jubilars  ein,  um  ihm  ihre  Glückwiinsche  darzubringen.  In  ihrem
Namen  hielt  Lerr  Kommerzienrat  Zuckschwerdt  folgende  Ansprache  an  den  Jubilar:
„Lochverehrter  Lerr  Erster  Vorsteher,  lieber  Freund  und  Kollege!  Der  heutige  Tag,  an  dem  Sie  vor  25  Jahren ­
  in  unsere  Gemeinschaft  eingetreten  sind,  ist  für  uns  alle  ein  Festtag.  Bietet  er  uns  doch  die  Gelegenheit,  Ihnen
zu  zeigen,  wie  sehr  wir  Ihre  Tätigkeit  schätzen,  Ihre  Arbeitskraft  bewundern  und  Ihre  Persönlichkeit  lieben.
Immer  sind  Sie  uns  als  leuchtendes  Vorbild  des  emsigen  Schaffens,  des  zielbewußten  Strebens,  des  vornehmen
Denkens  vorangeschritten.  Die  Ehren,  welche  Ihnen  im  Lause  dieser  Jahre  zuteil  wurden,  sind  die  Anerkennung
gewesen  für  Ihr  persönliches  Wirken  und  für  die  Leistungen  der  von  Ihnen  geleiteten  Landelskammer.  Das
Ansehen  unserer  Körperschaft  ist  unter  Ihrer  Führung  stetig  gewachsen,  ihr  Wirkungskreis  hat  sich  fortdauernd
erweitert.  Auch  durch  die  uns  in  diesen  Tagen  überwiesenen  10000  Mk.  zur  Erhöhung  Ihrer  uns  früher  anvertrauten ­
  hochherzigen  Stiftung  haben  Sie  einen  neuen  Beitrag  zur  Stärkung  unseres  Einflusses  dargebracht.  Wir
sind  Ihnen  für  alles  dieses  großen  Dank  schuldig,  und  zum  Zeichen,  daß  wir  solchen  Dank  im  innersten  Lerzen
empfinden,  erlauben  wir  uns  Ihnen  diesen  Pokal  zu  widmen.  Er  wird  gekrönt  durch  dasselbe  Bild  des  Ritters
Georg,  welches  die  Stätte  Ihrer  amtlichen  Tätigkeit  schmückt.  Laben  Sie  auch  nicht  mit  Lanze  und  Schwert  gestritten, ­
  so  haben  Sie  doch  mannhaft  gekämpft  für  Magdeburgs  wirtschaftliche  Entwickelung  und  die  Ehre  Ihres
Standes.  Möchte  dieser  Pokal  Ihnen  zeigen,  wie  dankbar  Ihre  Kollegen  Ihr  Streben  und  Schaffen  und  Ihre
liebenswürdige  Leitung  anerkennen,  und  möchte  sein  Anblick  in  Ihren  Nachkommen  den  Stolz  wacherhalten,
Kinder  eines  echten  Magdeburger  Kaufmanns  zu  sein."
Lerr  Geheimrat  Lubbe  dankte  für  die  ihm  zuteil  gewordene  Ehrung  und  betonte,  daß  er  das,  was  ihm  zu
leisten  gelungen  sei,  nicht  hätte  vollbringen  können  ohne  die  selbstlose  und  aufopfernde  Mitarbeit  der  Mitglieder
des  Kollegiums.  Lerr  Morgenstern  überreichte  der  Frau  Geheimrat  Lubbe  im  Namen  der  Landelskammer
einen  Blumenstrauß.  Ferner  waren  zur  Beglückwünschung  Vertreter  des  Kaufmännischen  Vereins,  die  dem
Jubilar  die  Ehrenmitgliedschaft  des  Vereins  überbrachten,  und  viele  Spitzen  der  städtischen  und  staatlichen  Behörden ­
  erschienen.  Am  Abend  fand  in  den  Rämnen  der  Landelskammer  ein  Festmahl  zu  Ehren  des  Lerrn  Geheimrats ­
  Lubbe  statt,  an  dem  sich  über  100  Personen  beteiligten.  Anter  den  Ehrengästen  befanden  sich  Oberpräsident
v.  Boetticher,  kommandierender  General  v.  Beneckendorff  und  v.  Lindenburg,  Wirkl.Geh.  Oberfinanzrat  Girth,
Regierungspräsident  IR.Baltz,  Eisenbahndirektionspräsident  Graas,  Oberbürgermeister  Schneider,  Reichsbankdirektor
  Polzin  usw.  Nachdem  Lerr  Geheimrat  Lubbe  ein  Loch  auf  den  Kaiser  ausgebracht  hatte,  nahm  Lerr
Kommerzienrat  Zuckschwerdt  das  Wort,  um  der  vielseitigen  und  erfolgreichen  Tätigkeit  des  Jubilars  in  dem
Ältestenkollegium  und  der  Landelskammer  zu  gedenken.  ErschloßmitdemWunsche,  daß  es  dem  Jubilar  beschieden
        <pb n="145" />
        154

sein  möge,  noch  lange  an  der  Spitze  der  Kandelskammer  zu  stehen,  und  brachte  ihm  ein  mit  Begeisterung  aufgenommenes ­
  Loch.  KerrGeheimratLubbe  dankte  bewegt  für  die  ihm  in  so  reichem  Maße  dargebrachten  Ehrungen
und  schloß  mit  einem  Loch  auf  das  Blühen  und  Gedeihen  von  Kandel,  Industrie  und  Schiffahrt.  Kieraufbegrüßte
Lerr  Kommerzienrat  Fritze  die  Ehrengäste.  Der  Oberpräsident  Exzellenz  v.Boetticher  dankte  für  die  Einladung,
hob  hervor,  daß  Anregungen  der  Regierung  beim  Jubilar  und  dem  Kollegium  stets  verständnisvolles  Entgegenkommen ­
  gefunden  hätten,  und  schloß  mit  dem  Wunsche,  daß  die  Kandelskammer  noch  lange  unter  der  Leitung
ihres  bewährten  Ersten  Vorstehers,  des  Kerrn  Geheimrats  Kubbe,  für  das  Wohl  von  Kandel,  Industrie  und
Schiffahrt  tätig  sein  möge.  Kerr  Morgenstern  feierte  die  Gattin  und  die  Familie  des  Jubilars.  Kieraus  folgte
noch  eine  Reihe  inoffizieller  Toaste.
22.  Stadtverordnetensitzung  vom  27.  Oktober  1904.
Am  Magistratstisch  Bürgermeister  Fischer,  die  Mehrheit  der  besoldeten  Stadträte  und  der  unbesoldete
Stadtrat  Sombart.  Stadtverordnetenvorsteher  Fritze  eröffnet  die  Sitzung  um  4  V«  Uhr  mit  folgendem  Nachruf
für  den  Stadtrat  und  Geh.  Kommerzienrat  Kubbe:  „Ties  erschüttert  und  schmerzlich  bewegt  hat  uns  die  Kunde,
daß  unser  einstiges  Mitglied  und  unser  früherer  stellvertretender  Vorsitzender,  der  Stadtrat  Geheimer  Kommerzienrat ­
  Kubbe  seinen  langen  Leiden  erlegen  ist.  Mit  uns  trauern  auch  viele  andere  Kreise.  Allen  voran  die
Magdeburger  Kaufmannschaft,  für  die  der  Dahingeschiedene  den  besten  Teil  seiner  Kräfte  und  seiner  reichen
Gaben  eingesetzt  hat.  Wohl  nie  ist  in  unsererBürgerschaft  eineKrankheit  mit  so  großer  Teilnahme  verfolgt,  und
jede  zeitweilige  Besserung,  welche  neue  Koffnung  auf  Genesung  des  Kranken  erweckte,  mit  so  inniger  Freude  begrüßt ­
  worden.  And  fürwahr  unsere  Stadt  hat  in  ihm  einen'ihrer  treuesten  Söhne,  aber  auch  einen  ihrer  hervorragendsten ­
  Bürger  verloren.  Kerr  Kubbe  entstammte  einer  angesehenen  Magdeburger  Kaufmannsfamilie  und
übernahm  das  von  seinem  Vater  geführte  Fettwarengeschäft  zunächst  in  Gemeinschaft  mit  seinem  Bruder,  und
als  dieser  starb,  für  alleinige  Rechnung.  Er  hatte  bald  erkannt,  daß  es  nicht  mehr  zeitgemäß  war,  die  fertige
Ware  zu  kaufen,  vielmehr  richtiger,  die  Rohstoffe  der  einzelnen  Artikel  zu  beziehen  und  sie  selbst  verarbeiten  zu
lassen.  Sohater  in  unsererStadt  eine  »eueIndustrie  geschaffen,  welche  dank  seinemFleiße  und  seiner  Intelligenz
zu  immer  größerer  Ausdehnung  und  Blüte  gelangte,  namentlich  als  die  Fabrik  nach  dem  Brande  vom  Werder
nach  der  Berliner  Chaussee  verlegt  werden  mußte.  Ein  solcher  Mann  gehörte  naturgemäß  in  die  Vertretung
der  Kaufmannschaft,  und  er  wurde  vor  etwa  26  Jahren  in  das  damalige  Ältesten-Kollegium  berufen,  wo  er
Kervorragendes  geleistet  hat.  Wenige  Jahre  nach  seinem  Eintritt  wählte  ihn  das  Kollegium  zu  seinem  zweiten
Vorsteher  und  übertrug  ihm  später  den  Posten  des  ersten,  nachdem  dieser  frei  geworden.  Er  hat  es  verstanden,
die  Sitzungen  mit  Geschick  und  Amsicht  zu  leiten,  und  ist  auch  bestrebt  gewesen,  dem  Kollegium  immer  größeren
Einfluß  nach  außen  hin  zu  verschaffen.  Er  mußte  sich  aber  sagen,  daß  es  nur  dann  größeren  Aufgaben  gerecht
werden  könnte^  wenn  es  einen  größeren  Kreis  der  Magdeburger  Kaufmannschaft  zu  vertreten  hätte,  als  den
engeren  der  Korporation,  mochte  diese  auch  eine  noch  so  alte  und  ehrwürdige  Einrichtung  sein.  Es  ist  seinem  Einflüsse ­
  in  erster  Linie  zuzuschreiben,  daß  die  Korporation  in  einem  Kandelskammerbezirk  aufging  und  dasÄltesten-Kollegium
  in  eine  Kandelskammer  umgewandelt  wurde.  Selbstverständlich  wurde  er  auch  hier,  in  der  Kandelskammer,
  wieder  zum  Präsidenten  gewählt.  Eine  seiner  ersten  Aufgaben  als  solcher  war  es,  mit  andern  Kandelskammern ­
  in  engere  Beziehungen  zu  treten,  wodurch  die  Gründung  eines  Verbandes  von  Kandelskammern  möglich
wurde.  Dieser  Verband  hat  zum  ersten  Male  in  Magdeburg  getagt;  er  tritt  ein-  auch  zweimal  im  Jahre  zusammen, ­
  und  es  werden  bei  seinen  Zusammenkünften  Fragen,  die  den  Kandel  und  Gesetzgebung  betreffen,  verhandelt. ­
  Lerr  Kubbe  hat  die  Landelskammer  stets  in  vortrefflicher  Weise  zu  vertreten  gewußt,  und  sein  Name
wird  mit  der  Geschichte  des  Magdeburgischen  Kandels  stets  eng  verknüpft  bleiben.  Kandel  und  Stadt  habe»  von
jeher  enge  Beziehungen  gehabt,  und  es  ist  ein  altes  Lerkommen,  daß  Mitglieder  der  Kandelsvertretung  auch
vielfach  zu  Mitgliedern  der  städtischen  Behörden  gewählt  werden.  Daher  verhielt  sich  Kerr  Kubbe  auch  nicht
ablehnend,  als  vor  nahezu  24  Jahren  der  Ruf  an  ihn  erging,  in  die  Stadtverordnetenversammlung  zu  treten.
Während  der  ersten  Zeit  seiner  Wirksamkeit  in  ihr  gingen  hier  die  Wogen  recht  hoch;  er  nahm  in  den  streitigen
Fragen  stets  eine  vermittelnde,  objektive  Stellung  ein,  und  seinen  ruhigen  und  sachlichen  Ausführungen  war  es
zu  danken,  daß  die  Gegensätze  schließlich  einen  Ausgleich  fanden.  In  den  meisten  Ausschüssen  war  er  beschäftigt,
und  wichtige  Referate  wurden  ihm  anvertraut,  so  der  Bericht  über  die  Einverleibung  derNeustadtindieAltstadt,
Es  gelang  ihm  in  Gemeinschaft  mit  dem  zweiten  Berichterstatter  Lerrn  Iaensch,  trotz  lebhaften  Widerspruchs
die  Vorlage  mit  ziemlicher  Mehrheit  durchzubringen.  In  Anerkennung  seiner  treuen  Dienste  wählte  ihn  die
Versammlung  später  zu  ihrem  stellvertretenden  Vorsitzenden.  Da  ihn  diese  Stellung  und  der  damit  verbundene
Vorsitz  in  verschiedenen  Kommissionen  überaus  stark  in  Anspruch  nahmen,  so  schied  er  aus  der  Stadtverordneten-
        <pb n="146" />
        155

Versammlung  aus  und  trat  in  den  Magistrat  über.  Daß  er  auch  dort  in  vollstem  Maße  seine  Schuldigkeit  getan
hat,  bedarf  kaum  einer  Erwähnung.  Aber  die  Arbeitskraft  des  Lerrn  Lmbbe  wurde  noch  vielfach  anderweitig
begehrt.  Ich  verweise  aus  seine  Tätigkeit  im  Gemeindekirchenrat  von  St.  Johannis  und  in  verschiedenen  Vereinen, ­
  die  auf  dem  Gebiete  der  christlichen  Nächstenliebe  tätig  sind,  und  in  anderen  gemeinnützigen  Anstalten,  die
ihm  nicht  nur  seinen  Rat  und  seine  Mitarbeit,  sondern  auch  viele  reichen  Spenden  zu  danken  haben,  wie  auch  so
manche  Stiftung  seinen  Namen  trägt.  Aber  auch  jedermann,  der  seinen  Rat  und  seine  Lilfe  begehrte,  fand  bei
ihm  ein  offenes,  williges  Ohr.  Er  war  eine  aufrichtige,  gerade  Natur.  Wenn  ihm  auch  feine  Standesehre  und
sein  Standesbewußsein  über  alles  gingen,  so  blieb  er  doch  für  seine  Person  frei  von  Äberhebung  und  Stolz  trotz
seiner  großen  Erfolge  im  Leben.  And  deshalb  erfreute  er  sich  auch  allgemein  der  allergrößten  Verehrung  und
Beliebtheit,  die  bei  der  Feier  seiner  25  jährigen  Zugehörigkeit  zur  Handelskammer  und  zum  Ältesten-Kollegium
derKausmannschaftAnfang  dieses  Jahres  so  recht  zum  Ausdruck  kamen.  Es  mag  dies  ziemlich  der  letzte  Lichtblick
in  seinem  Leben  gewesen  sein.  Wenige  Wochen  nachher  befiel  ihn  die  Krankheit,  von  der  er  sich  nicht  wieder  erheben ­
  sollte.  Nun  ruht  der  so  arbeitsame  Mann  aus  von  der  Arbeit  seines  Lebens.  Sein  Andenken  aber  wird  in
Segen  weiter  leben  in  unserer  guten  alten  Stadt."  Auf  Ersuchen  des  Vorstehers  ehrte  die  Versammlung  das
Andenken  des  Dahingeschiedenen  durch  Erheben  von  den  Plätzen.
Aus  dem  Stammbaum  der  Familie  Hubbe.
Andreas  Albertus  Äubbe
geb.zu  Althaldensleben  vor  1700;  gest.am  16.11.1756
Johann  Joachim  Äubbe
geb.  am  14.10.1731,  gest.  am  29.8.1791
Joachim  Äeinrich  Äubbe
geb.am  13.1.1760,  gest.am  14.3.1814
Johann  Äeinrich  Christoph  Äubbe
geb.am  I2.4.I787,  gest.am  16.3.1828
Philipp  Wilhelm  Gustav  Äubbe
(Ältestes  von  6  Kindern)
geb.am  14.10.1812
Siedelte  nach  Magdeburg  über  (am  1.4.1828)
verh.mit  Ida  Andreae  aus  Magdeburg  (1818—1881)  am  1.4.1840;
gest.  am  20.4.1871

(als  älteste  Söhne  von  9  Kindern)
Friedrich  Wilhelm  Gustav  Äubbe  Wilhelm  Christoph  Otto  Äubbe
geb.am  6.3.1841  geb.am  20.8.1842
gest.  am  27.4.1887  verh.  mit  Ida  Mangold  (geb.  9.1.1849)
aus  Frankfurt  a.  M.  am  16.5.1867;
gest.24.10.1904

I.  2.  3.  4.  5.  6.
Äermann  f  Martha  Elisabeth  f  Gustav  Otto  Julius  Marianne  Edith
geb  27.1.1869  geb.  24.5.1873  geb.1.9.1878  geb.I2.11.1882
verh.  m.  verh.  am  12.4.1901  verh.m.  verh.  m.
Rob.Loehr  m.Marg.Leidloff  vr.Rob.Faber  Lt.v.Doemming
(Nitterg.Poethen)

Gustav  Äerbert
geb.  13.1.1902  geb.25.5.I904
        <pb n="147" />
        tau  Seite  65]  Aus  bem  Stammbaum  der  Familie  Zuckschwerdt.

156

Berenhard  Zuckschwerdt
geb.  12.4.1604  in  Kronberg
gest.  1674
(Frau  Lucia  Kannegießern  gest.  1673  in  Braunschweig)
l
Bernhart  Zuckschwerdt
geb.  14.10.1666,  gest.  17.11.1728
(Frau  geb.  Boden)
&amp;gt;
Barthold  Julius  Zuckschwerdt
(II.Kind  von  12)
geb.  26.10.1713,  gest.  19.3.1786
(Frau  geb.Oedinger)

Julius  Carl  Zuckschwerdt
(5.  Kind  von  11)
geb.  10.10.1747,  gest.  8.3.1806
Pastor  in  Flechtdorf,  zuletzt  in  Barum  b.Braunschw.
(Frau  1.  geb.  Westermeyer
2.  geb.  Äamann)
I
Ludwig  Elias  Christian  Zuckschwerdt
(6.  Kind  von  9;  aus  zweiter  Ehe)
geb.  1.4.1701,  gest.  11.  I  I.  1848
Gründer  der  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuchet
Frau  geb.  Kap-Herr
'  I
Äermann  Ludwig  Alexander  Zuckschwerdt
(2.  Kind  von  4)
geb.  10.1.1826,  gest.  30.12.1873
(Frau  geb.  Koch  aus  Kassel)
I
Wilhelm  Zuckschwerdt
(l.Kind  von  3)
geb.  24.  Juli  1852
(Frau  geb.  Schneider)
I
Äermann  Zuckschwerdt
geb.  am  12.6.1877
(verh.am  26.8.1905  mit  Margarete  geb.  Arnold,
Tochter  des  Kommerzienrats  O.  Arnold)

Georg  Friedrich  Zuckschwerdt
(6.  Kind  von  I  I)
geb.3.8.1749,  gest.24.4.1819
Kaufmann  und  Seidenfabrikant  in  Magdeburg
(Frau  geb.Zuckschwerdt)
I
Carl  Georg  Friedrich  Zuckschwerdt
geb.  12.7.1786,  gest.  12.1.1861
Mitql.  der  Korp.  d.  K.  zu  Magdeburg
v.  16.9.1825—1.7.1845
(Frau  geb.  Braune)
'  I
Carl  Äermann  Zuckschwerdt
(8.  Kind  von  8)
(Oberamtmann)
geb.  2.9.1825,  gest.  1.3.1884
(Frau  1.  geb.Riecke  2.  geb.  Schaarschmidt)
r
Carl  Äermann  (3.Kind)  Georg  Ernst  (4.  Kind  von  10)

Anmerkung:  I.  Treue  Mitarbeiter  geben  dem  gegenwärtigen  Inhaber  der  Firma  Zuckschwerdt  6-Beuche!,
Äerrn  Kommerzienrat  Wilh.  Zuckschwerdt,  freiere  Bewegung,  so  daß  er  seine  Kräfte  in  weitem  Amsange  der
Handelskammer  und  der  Politik  widmen  sann.  Die  Firma  hat  gegenwärtig  3  Einzelprokuristen,  2  Kollektivprokuristen ­
  und  20  sonstige  Landlungs-Angestellte.  Bon  früheren  Angestellten  der  Firma,  deren  Zahl  seit  1819
bereits  406  (darunter  178Lehrlinge)  beträgt,  nennen  wir:  Wilhelm  Brockmann,  I.F.C.  Zuckschwerdt  aus  Braunschweig, ­
  M.Nathusius,  Äundrich  aus  Burg,  August  Morgenstern,  Gustav  Laue,  G.T.Lüttge  aus  Braunschweig,
Karl  Pieschel,  I.  G.  Seit),  Äugo  Kramsta,  G.  Lingner,  Robert  Weichsel  (K.-R.),  Ed.  Schlick,  Aug.  Tummeley
        <pb n="148" />
        157

aus  Potsdam,  Gustav  Everth,  Albert  Mayer,  Fritz  Schieß,  Th.  Dzschenfzig,  Otto  Pilet,  Max  Iaensch,
Richard  Boncke,  Eduard  Jordan  (K.-R.)  aus  Parchim,  Georg  Lilienfeld  und  Kaesemacher  (Dir.),  jetzt  Stettin.
Wer  im  kaufmännischen  Leben  steht,  wird  wissen,  daß  diese  Ramen,  die  nur  eine  beschränkte  und,  wie  wir
gern  zugeben,  willkürliche  Auswahl  aus  der  Zahl  der  früheren  Angestellten  der  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuche!
bilden,  einen  guten  Klang  haben.
Betreffs  derPerson  von  Wilhelm  Zuckschwerdt  müssen  wir  uns  begnügen,eineZusammenftellung  der  Ehrenämter ­
  zu  geben,  die  er  bekleidete,von  privaten  Ämtern  wie  den  Aussichtsratstellen  usw.abgesehen.
II.  Wilhelm  Zuckschwerdt  ist:  Börsen-Kommissar  seitdem  4.  Januar  1886;  Landelsrichter  vom  16.  März  1888
bis  zum  25.März  1901;  Mitglied  des  preußischen  Abgeordnetenhauses  seit  1900;  Ältester  der  Kaufmannschaft;
dannMitglied  derK&amp;gt;andelskammervom29.Dez.  1890;  zweiter  Vorsteher  der  Handelskammer  vom  3.  Januar  1899
bis  9.  Dezember  1904;  erster  Vorsteher  der  Handelskammer  seit  dem  9.  Dezember  1904.
III.  Titel,Orden  und  Ehrenzeichen:  Ernennung  zum  König!.  Kommerzienrat  am  29.April1898;  Roter  Adlerorden ­
  IV.Klasse  am  25.März  1901;  Rote  Kreuzmedaille  III.Klasse  am  27.  Januar  1904;  Kronenorden  III.  Klasse
am  18.  Januar  1905.
IV.  Die  Firma  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Schneider  ging  im  Jahre  1825  in  den  Besitz  der  Familie  Schneider  über.  Die
Aktendes  Registergerichtes  zuMagdeburg  enthalten  darüber  solgende  zweiArkunden:  „Zufolge  früher  getroffenen
freundschaftlichen  Übereinkunft,  sind  die  unterzeichneten  Erben  des  vor  fünf  Jahren  verstorbenen  Herrn  Georg
Friedrich  Zuckschwerdt  aus  her  Hierselbst  unter  der  Firma  von  Zuckschwerdt  &amp;amp;  Schneider  bestehende  Fabrique
und  Handlung  jetzt  ausgeschieden.  Der  mitunterzeichnete  Carl  Schneider  hatselbige  mit  allen  Activis  undPassivis
übernommen,  und  setzt  solche  für  seine  alleinige  Rechnung  unter  der  seitherigen  Firma  fort.  Wir  zeigen  dieses
hierdurch  ergebenst  an.  Magdeburg,  am  1.  April  1825.
Carl  Schneider.  D.L.Zuckschwerdt  Ww.,geborene  Zuckschwerdt.  Der  Ober-Amtmann  Zuckschwerdt.
Nach  dem  Tode  unsers  Ao.  1819  verstorbenen  Associe  des  Herrn  Georg  Friedrich  Zuckschwerdt,  verblieben  die
Erben  desselben  Teilnehmer  an  unserer  Fabrique  und  Handlung.  Der  frühern  sreundschafilichen  Übereinkunft
zufolge,  sind  dieselben  jetzt  ausgeschieden,  und  unser  Carl  Schneider,  der  die  Geschäfte  seit  fünf  Jahren  allein
leitete,  hat  die  Fabrique  und  Handlung  mit  allen  Activis  und  Passivis  übernommen,  um  selbige  für  seine  alleinige
Rechnung  fortzusetzen.  Das  Geschäft  selbst  erleidet  hierbei  keine  Veränderung,  auch  die  seitherige  Handlungs-Firma
  wird  CarlSchneider  beibehalten,  dessenIhnen  bekannte  Unterschrift  Sie,  wie  seit  jenem  Todesfall,  als  die
allein  gültige  betrachten  wollen.  Wenn  wir  Ihnen  hiervon  Kenntnis  geben,  so  verfehlen  wirzugleich  nicht,Ihnen
für  das  uns  seither  geschenkte  Vertrauen  verbindlichst  zu  danken,  und  bitten  Sie,  uns  dasselbe  auch  fernerhin  zu
erhalten.  Achtungsvoll  und  ergebenst  zeichnen  Magdeburg,  am  1.  April  1829.
Zuckschwerdt  -^Schneider."
V.  Im  Jahre  1835  wurden  von  Ludwig  Zuckschwerdt  mehrfach  Reisen  geplant  nach  dem  Süden  und  auch  nach
dem  Norden,  nach  Petersburg.  Hierzu  warb  der  Auditeur  Fritz  Dommerich  den  Braunschweiger  Lauswaldt
zum  Reisegefährten  für  Zuckschwerdt.  Darüber  schreibt  er:  „Lauswaldt  habe  ich  deinen  Antrag  bekannt  gemacht
und  er  schrieb  mir  darauf  vor  einigen  Tagen  seinen  Reiseplan.  Wilhelm  meint  freilich,  einen  penibleren  Menschen
als  Lauswaldt  gäbe  es  nicht;  darin  inag  er  Recht  haben.  Von  Dir  habe  ich  ihm  das  Nötige  in  Bezug  deiner
Reisequalität  mitgeteilt.  Damit  Du  Dein  Tagebuch  nötigenfalls  wieder  vorher  schreiben  könntest,  wenn  Du  mit
ihm  reisest,  habe  ich  ihm  gesagt,  er  solle  Dir  die  nötigen  Reisebücher  vorher  schicken.  Du  wirst  dich  erinnern,  daß
du  in  Rom  schon  vor  der  Rückreise  dein  Tagebuch  der  Reise  bis  Mailand  fertig  schriebst.  So  etwas  können
wenige....  (folgt  ein  Kunstausdruck)  und  du  kannst  dir  damit  bei  vielen  einen  berühmten  Namen  machen.  Auch
vermag  das  nur  der,welcher  eine  ungeheure  Phantasie  besitzt,  und  daß  Du  diese  hast,zeigtest  Du  ja  als  wir  zum
ersten  Mal  das  Forum  vom  alten  Tarpejischen  Felsen  herab  erblickten  und  Du  ausriefest:  „so  habe  ich  es  mir
gedacht!"  obgleich  Du  unterwegs  vom  alten  und  neuen  Rom  nichts  wußtest.  Auch  habe  ich  Lauswaldt  schon
gewarnt  und  ermahnt,  die  Reiseroute  so  zu  beftimmen,daß  darüber  kein  Zweifel  entstehen  möchte,ob  ihr  zuLande
oder  zu  Wasser  reisen  wollt,  denn  zuweilen  fiele  es  Dir  ein,  von  einem  Orte,  der  mitten  im  Lande  liegt,  zu  Wasser
wegreisen  zu  wollen  (siehe  Florenz!)  Von  Lauswaldt  ist  viel  zu  lernen."  ...
Durch  die  Verehelichung  Wilhelm  Zuckschwerdts  mit  Fanny  Schneider,  Tochter  des  LerrnjGeh.  Komm.-  Rats
Schneider,und  den  Eintritt  des  jungen  Herrn  Conrad  Schneider  in  die  Fa.  Zuckschwerdt  6-Beuche!  fand  gleichsam
eine  geschäftliche  Einigung  der  beidenZweigeZuckschwerdtscherÜnternehmungen  in  Magdeburg,  des  Geschäftes
von  Georg  Zuckschwerdt  und  von  Ludwig  Zuckschwerdt,  statt.
        <pb n="149" />
        158

[ju  Seite  92]  Aus  dem  Stammbaum  von  Robert  Weichsel.
Fritz  Weichsel
geb.  12.3.1791
Justiz  -  Kommissarius  zu  Magdeburg
verh.  mit  Wilhelmine  geb.  Morgenstern  (1801  -1856)

Robert  Weichsel
(das  4.  von  10  Kindern)
geb.  24.3.1826
verh.  mit  Lermine  geb.  Kaempf  (geb.  1836)
gest.  7.  6.1887

1.  2.  3.  4.  5.  6.  7.  8.  9.
Robert  Lermine  Ferdinand  Albrecht  Therese  Angel.  Tochter  Mathilde  Agnes  Emilie
geb.  geb.I3.9.1857  geb.24.3,  geb.  geb.  geb.  geb.1.5.1868  geb.13.9.1879
14.3.1856  verh.m.  Erst.  gest.  3.7.1869  28.2.1862  3.6.1865  verh.m.Gutsbes.  verh.m.
Staatsanw.  12.5.1858  verh.m.  verh.m.  Boetticher  Sauptmann
Borchert  f  Kommerzr.  Iustizrat  i.  Theeffen  Baensch  i.
Baensch  i.  Lecht  b.  Burg  Freiburg  i.  Bad.
Magdeburg  i.Lanau  b.  Magdeburg
Anmerkung:  Robert  Weichsel  war  vom  5.  Januar  1874  bis  3.  Oktober  1877III.  Vorsteher  der  Kaufmannschaftz
1876  Kgl.  Kommerzienratz  3.  Oktober  1877  bis  Juni  1887II.Vorsteher  der  Kausmannschastz  1880  Kronenorden,
gest.  7.  Juni  1887.
(zu  Seite  102]  Aus  dem  Stammbaum  von  Otto  Pilet.
Pierre  Pilet
Kaufmann  in  Castres,  Languedoc,  Dep.Tarne
David  Pilet
geb.  1683  in  Castres,  gest.  in  Berlin  als  Kaufmann  10.4.1753
Jean  Pilet
geb.  in  Castres  1.6.1715
verh.  mit  Anna  Perrin  aus  Magdeburg,
gest.  in  Berlin  als  Kaufmann  2.7.1788
David  Pilet
geb.  14.7.1741  in  Berlin.  Kaufmann,
dann  Akzise-Direktions-Kalkulator  in  Cüstrin,
gest.  in  Cüstrin  27.11.1702

Johann  Carl  Philipp  August  Pilet
geb.  in  Cüstrin  31.10.1782
verh.mit  Louise  Wilhelmine  Prin,
Iustizkommissarius  und  Stadtsyndikus  in  Burg,
gest.  7.8.1837

Otto  Ernst  Ferdinand  Pilet
geb.in  Burg  2.II.1833
Kaufmann  in  Magdeburg,  verh.  mit  Lermine  Lartje.
Mitglied  der  Landelskammer

I.Ottoch  2.  Moritz  ch  3.  Sophie  4.  Karl
verh.  mit  Gerichtsassessor
Kgl.  Baurat  und  in  Burg
Stadtbaurat  Peters
        <pb n="150" />
        tau  Seite  95]  Aus  dem  Stammbaum  der  Familie  Hauswaldt.

159

Johann  Georg  Lauswaldt
wahrscheinlich  aus  Salzburg  nach  Torgau  eingewanderk
gest.  Ende  Dezember  lbS8

Johann  Christian  Äauswaldt
getauft  14.2.1663,  begr.14.8.1716
Rats-,  Gerichts-  und  Stadtschreiber

Carl  Gottfried  Lauswaldt
gekauft  2.11.17V8  in  Torgau,
am  15.5.1739  Bürger  in  Braunschweig,  gest.7.12.1770

Joh.  Gottl.  Lauswaldt
geb.  1.11.1752,  gest.I8.5.1810
Kaufmann  in  Braunschweig

Joh.  Christian  Lauswaldt
geb.  31.10.1785,  gest.  24.4.1844
Kaustnann  in  Braunschweig  und  Magdeburg

1.  Joh.  Wilh.  Äerm.  Lauswaldt
geb.18.2.1817,  gest.  26.2.1869
Fabrikbesitzer  in  Braunschweig
Seine  Nachkommen  sind  Besitzer  der
Braunschweiger  Fabriken  und  der  Braunschweiger ­
  Firma  Joh.  Gottl.  Lauswaldt

2.  Albert  Lauswaldt
geb.  in  Braunschweig  16.5.1815
gest.  in  Magdeburg  24.11.3  887
Fabrikbesitzer

Die  Nachkommen  dieser  beiden  Brüder
sind  die  Inhaber  der  Magdeburger  Firina
Joh.  Gottl.  Lauswaldt.

Johann  Georg  Äanswaldt
geb.in  Braunschweig  17.5.1813
gest.  in  Magdeburg  18.12.1872
Fabrikbesitzer

1.  2.  3.  4.
Margarethe  Martha  Albert  Äelene
geb.20.11.1863  verh.mit  geb.4.3.1855
verh.m.  Kaufm.  L.  v.  Santen  verh.mit
u.  Skadtrat  I.L.Bertog
Leinr.  Strauß  II.  Ebmeyer
III.  Kaufm.  Max
Burchardt

5.
Äans
geb.20.6.I85I
6r.  phil.  hon.  c.
Kommerztenr.
verh.  mit
Elisabeth
geb.Duvigneau

Marie
geb.  24.1.1850
verh.mit
Eduard
Reitzenstein
Eisenbahn-Dir.-Prasidcnt


7.  8.
Bertha  Louise
geb.  24.8.1847  geb.  13.6.1846
verh.mit  verh.  mit  Kaufm.
Kaufmann  u.Kommerzienr.
Carl  Andreas  Peter  Schmidt
Inh.  d.Spinnerei
PfeifferS-Schmidt

^Johann  Georg  Äauswaldt^

1.  Elise
geb.30.4.1856
verh.mit
Kaufmann  Paul  Menzel

2.  Olga  3.  Wilhelm
geb.4.11.1850  geb.  28.8.1846
verh.  mit  Kommerzienrat
Kaufmann  Lernt.  Goedicke  verh.mit  Marianne  Koehne
gest.14.II.I900

4.  Anna
geb.  13.2.1843
verh.mit
I.  Adolf  Michaelis
II.  Ferdinand  voof

1.  Elisabeth  2.  Georg  3.  Gerttud
geb.10.3.1878  geb.13.8.1874  geb.2.8.1871
verh.mit  Lerrn  v.Bahl  verh.  mit  Lelene  Siebel  verh.  mit  dem  Fabrikbesitzer
Paul  Lennige,  geb.  19.5.1864
Anmerkung:  Wilhelm  Kauswaldt,  geb.  am  28.  August  1846,  gest.  am  14.  November  1900;  Eintritt  in  die
Korporation  am  27.  März  1873;  Stadtverordneter  der  Neustadt  seit  dem  28.  Juli  1873;  Stadtverordneten-Vorsteher ­
  daselbst  seit  dem  17.  Januar  1878;  Kandelsrichter  vom  1.  Oktober  1879  bis  30.September  1885;  Stadtrat
in  Magdeburg  seit  dem  11.  März  1886;  Eintritt  in  das  Ältesten-Kollegium  am  29.Dezember  1879;  II.  Vorsteher
vom  25.  September  1889  bis  Ende  Dezember  1898;  verh.  I  I.  Oktober  1870  mit  Marianne  geb.  Köhne  (geb.
18.  Oktober  1852,  gest.  1905);  König!.  Kommerzienrat  1890.  Nach  seinem  Tode  erhielt  die  Kandelskammer  die
Verwaltung  der  Wilhelm  Lauswaldt-Stiftung  (Kapital  20000  Mk.).
        <pb n="151" />
        160

[ju  Seite  106]  öffO  ^ItTlOlb.  Otto  Arnold  entstammt  einer  fränkischen  Patrizier-Familie,  welche  im
siebzehnten  Jahrhundert  nach  Chursachsen  auswanderte.  Er  war  Ende  1870  und  im  Jahre  1871  während  des
Krieges  als  Vizefeldwebel  (später  als  Leutnant)  Adjutant  des  Majors  v.  Wietersheim  bei  der  Gefangeneninspektion. ­
  Am  28.  Mai  1873  wurde  Arnold  in  die  Korporation  der  Kaufmannschaft  aufgenommen.
1874  oder  1875  wurde  O.  Arnold  Stadtverordneter  in  Buckau;  später  Stadtrat  in  Buckau  bis  1877.
1878  reiste  Arnold  nach  New-Pork  und  leitete  das  dortige  Geschäft  der  Firma  Schäffer  &amp;amp;  Budenberg  in
breitere  Bahnen  ein.  1883  und  1893  O.  Arnolds  zweite  und  dritte  Geschäftsreise  nach  Amerika.
1887  (bei  der  Eingemeindung  Buckaus  in  Magdeburg)  verzichtete  O.Arnold  freiwillig,  Stadtrat  inMagdeburg
  zu  werden,  weil  ihn  die  Leitung  der  Firma  Schäffer  &amp;amp;  Budenberg  zu  stark  in  Anspruch  nahm.
1893  wurde  O.Arnold,  nachdem  dieFirma  für  seine  Vertretung  gesorgt  hatte,  Stadtrat  in  Magdeburg.  1897
erfolgte  Arnolds  Ernennung  zum  Königl.  Kommerzienrat.  Am  1.Ianuar1899  trat  Otto  Arnold  in  die  Handelskammer ­
  ein,  vom  4.Ianuar1901  —  6.Januar  1902  zweiter  Stellvertreter  des  Vorstehers  der  Handelskammer,
seit  dem  9.  Dezember  1904  erster  Stellvertreter  des  Vorstehers  der  Landelskammer.
jzu  Seite  108]  QiööttCV  I.  Die  hier  Seite  162—164  im  Auszuge  wiedergegebenen
Bilanzen  der  Firma  Morgenstern  8-Co.  zerfallen  in  Periode  I.  von  1799  bis  1811;  II.  von  1812  bis  1828;  und
III.  von  1829  bis  1842.  —  Schon  in  der  I.  Periode  tritt  uns,  wie  Lerr  Dr.  Müller,  der  sorgsame  Bearbeiter  dieser
alten  Dokumente,  schreibt,  eine  wahrhast  imposante  Vermögenszunahme  Morgensterns  entgegen,  die  nicht  nur
durch  gute  Konjunkturen,  durch  „Glück"  erklärt  werden  kann,  sondern  angesichts  ihrer  Dauer  auf  eine  große
kaufmännische  Begabung  des  eigentlichen  Geschäftsleiters,  als  den  wir  August  Morgenstern  sen.  leicht  erkennen,
schließen  läßt.  Selbst  die  Kriegszeiten  hinterlaffen  bei  der  Firma  Morgenstern  &amp;amp;  Co.  keine  Spuren  der  argen
Geschäftsstörungen,  von  denen  Paul  Weber  bei  seinem  Ausscheiden  im  Jahre  1811  spricht.
Während  der  II.und  III.  Geschäftsperiode  fällt  die  große  Vorsicht  in  der  noch  heute  oft  versäumten  oder  unzulänglichen ­
  Bildung  von  „Dubiosen-Reserven"  angenehm  auf.  Der  Ordnung  halber  erwähnen  wir,  daß  der
Begriffder„Dubiosen-Reserve"  die  in  der  Tabelle  darunter  verzeichneten  Zahlen  nicht  völlig  deckt,  weil  sich  diese,
wie  es  in  den  Bilanzen  heißt,  auf  „Rückstellungen  für  etwa  noch  kommen  könnende  böse  Schulden,  sowie  aufAgio-Verluste
  auf  die  ausstehenden  Gelder"  beziehen.  Jedenfalls  beweisen  namentlich  die  Ziffern  der  dritten  Geschäftsperiode,daß
  der  tatsächlich  erfolgte  Ausfall  regelmäßig  hinter  der  Äöhe  der  zur  Deckung  bereit  gestellten  Summen
zurückbleibt.  Als  interessantes  Beispiel  dafür,  wie  Morgenstern  die  mit  der  Zahl  seiner  Familienglieder  und  der
Größe  ihrer  Lebensansprüche  wachsenden  Ausgaben  der  Vermögenslage  anzupassen  verstand,  dürfen  wohl  die
für  die  erste  Periode  dem  Morgensternschen  Privatkonto  entlehnten  Daten  gelten.  Die  für  denselben  Zeitraum
dem  Morgensternschen  Kapitalkonto  belasteten  Landlungsunkosten  bleiben  dahinter  in  stark  zunehmendem  Abstande ­
  zurück,  sie  lassen  sich  jedoch  in  Beziehung  zu  der  gleichfalls  ermittelten  Zahl  der  Angestellten  setzen,  deren
Ansprüche  aus  Gehalt  und  Unterhalt  den  weitaus  überwiegenden  Teil  der  dem  Morgensternschen  Kapitalkonto
zur  Last  gesetzten  Landlungsunkosten  bildeten.  Die  im  Geschäfte  tätigen  und  außerdem  gleichzeitig  mit  Kapital
daran  beteiligten  Personen  kennen  wir.  Sonstige  geschäftlichjverwertete  Kapitaleinlagen,  deren  Besitzer  dem
Unternehmen  ihre  Arbeitskraft  nicht  widmen,  die  inithin  bloßen  Darlehnscharakter  tragen,  gelten  als  „fremde
Kapitalien"  schlechthin,  unabhängig  davon,  ob  Darlehns-Gläubiger  und  Schuldner  etwa  in  verwandtschaftlichen
Beziehungen  zu  einander  stehen.  Im  vorliegenden  Falle  nimmtdieVerwandtschaftdes  Gründers  von  der  zweiten
Bilanzperiode  an  wachsenden  Anteil  am  Konto  „fremdes  Kapital".  Seit  dem  Jahre  1835  erscheinen  in  den  Bilanzen ­
  nur  noch  die  Gemahlin,  die  Töchter  und  der  Sohn  August  als  Dahrlehnsgläubiger.  August  Morgenstern
sen.  hatte  den  Kindern  laufend  Beträge  aus  den  Mitteln  der  Landlung  zu  Eigentum  überwiesen,  diese  Summen
verblieben  dem  Geschäfte  als  werbendes  „fremdes  Vermögen"  und  hatten  Anspruch  aufGutschrift  des  jährlichen
Zinszuwachses.  Besonderen  Linweises  wert  sind  in  diesem  Zusammenhange  die  aus  dem  Morgensternschen
Privatkonto  des  dritten  Geschäftsabschnittes  ersichtlichen  Mitgiftbeträge  und  das  auf  dem  Denekeschen  Kapitalkonto ­
  genannte,  von  Fräulein  Mathilde  Morgenstern  eingebrachte  Vermögen.  Vom  Jahre  1801  an  (wo  zum
ersten  Male  fremde  Vermögensbestandteile  in  den  Bilanzen  deutlich  erkennbar  werden)  bis  zum  Schluffe  der
hier  in  Rücksicht  gezogenen  Epoche  (d.h.bis  1842)  erhielten  die  Dahrlehnsgläubiger  fünf  ProzentIahreszinsen.
Ein  Recht  auf  Anteil  am  Ertrage  der  Unternehmung  bestand  für  sie  nicht.  Solcher  Anspruch  auf  Bonus
stand  aber  den  drei  neben  ihrer  kapitalistischen  Beteiligung  im  Geschäfte  tätigen  Lerren:  Marter,  Gneist  und
Deneke  zu;  ihnen  wurde,  außer  einer  ebenfalls  fünfprozentigen  Verzinsung  ihrer  Einlagen,  Anteil  am  Reingewinne ­
  gewährt.  Der  Modus  der  Gewinnverteilung  war  folgender.  Für  Marter  zeigen  die  Bilanzen  während
        <pb n="152" />
        161

der  Jahre  1812  bis  1817  keine  kapitalistische  Beteiligung.  Trotzdem  erhielt  er,  wie  unsere  Tabellen  zeigen,  achtbare ­
  GewinnquotensowohlvomWeinhandelalsauchvonsonstigen  Betrieben  der  Unternehmung.  FürdieIahre
1812  bis  1814  sind  diese  Gewinnbeteiligungsziffern  auf  dem  Landlungsunkosten-,  danach  auf  dem  Marterschen
Kapitalkonto  verbucht.  Dieses  hatte  offenbar  die  Gewinnzuwendungen  zur  Grundlage,  die  Lerr  Kommerzienrat
Morgenstern  seinem  Prokuristen  als  Zeichen  der  Anerkennung  in  den  Jahren  1812  bis  1817  überwies.  Daß  die
ersten  Zuwendungen  dieser  Art  über  das  Landlungsunkostenkonto  verbucht  wurden,  läßt  deutlich  ihren,  von  jeder
Kapitalverquickung  freien  Gehaltscharakter  erkennen.  Die  Tatsache,  daß  die  Gewinnbeteiligungen  später  ausschließlich ­
  und  ausdrücklich  dem  Kapitalkonto  belastet  wurden,  zwingt,  vom  buchhalterischen  Standpunkte  betrachtet, ­
  zu  der  Annahme,  sie  als  bloße  Rentabilitätsposten,  alsofrei  vonjeder  Verschmelzung  mit  Gehaltssorderungen,zubetrachten.
  Eine  gewisse  Rentabilität  seines  Kapitalanteils  war  Marter  auch  in  Verlustjahren  gesichert,
denn  sein  Prinzipal  trug  die  Verluste  in  den  Jahren  1819  und  1821  allein,  während  Marter  neben  der  fünfprozentigen ­
  Verzinsung  noch  kleine  Vergütungen  bezog,  die,  falls  sie  nicht'  als  weitere  Kapitalverzinsung  gelten
sollten,  allerdings  als  Bonus  angesehen  werden  müßten.  Der  von  1815  bis  1829  für  Gneist  feststellbaren  Beteiligung ­
  am  Weingeschäfte  stehen  Gewinnposten  für  den  gleichen  Zeitraum  gegenüber;  auch  an  den  Verlusten
der  Jahrel826  und  1828  nahm  Gneist  Teil.  Die  die  Teilhaberschaft  am  Weingeschäfte  betreffenden  Zahlen  liefen
von  vornherein  über  das  Gneistsche  Kapitalkonto.  Die  in  der  dokumentarischen  Auseinandersetzung  mit  Gneist
vom  26.  Januar  1829  enthaltene  Bemerkung,  Gneist  wäre  seit  1812  am  Gewinn  und  Verlust  beim  Weinhandel
der  Firma  Morgensterns-Co.  beteiligt  gewesen,  während  sich  diese  Beteiligung  aus  den  Bilanzen  erst  für  1815
nachweisen  läßt,  legt  die  Vermutung  nahe,  es  habe  sich  dabei  nur  um  eine  Art  von  Tantieme  gehandelt,  aus
deren  Aufsparung  erst  —  ähnlich  wie  bei  Marter  —  die  in  der  Statistik  angegebene  Kapitalbeteiligung  ermöglicht
wurde.  (NB.:  Der  Ordnung  halber  möge  daran  erinnert  werden,  daß  Landlungsunkosten-,  Zinsen-,  Gehalte-Konten
  u.a.  in  den  modernen  Bilanzen  nicht  vorkommen,  weil  sie  als  Konten  des  reinen  Vermögens,  d.h.  als
Ertragskonten,  nicht  also  als  Konten  der  Vermögensbestandteile!,  gelten  und  als  solche  Unterabteilungen  des
Verlust-  und  Gewinn-Kontos  bilden,  mittels  dessen  sie  abgeschlossen  werden  müssen.  Auf  dem  Bilanzkonto  der
Gewinnbilanzen  erscheintdann  nurderSaldo  des  Verlust-  und  Gewinnkontos  als  Gewinn  oderVerlust,  auf  dem
der  Vermögensbilanzen  läuft  dieser  Saldo  über  das  Kapitalkonto,  und  erst  dessen  Saldo  erscheint  in  der  Bilanz.)
Am  in  unserer  Tabelle  die  Rentabilitätsverhältnisse  hell  zu  beleuchten,  haben  wir  die  Gewinne  den  Kapitalbeträgen, ­
  mit  deren  Lilfe  sie  verdient  werden  konnten,  gegenüber  gestellt  und  daraus  die  Relationen  prozentual
berechnet.  Auf  diese  Weise  ergibt  sich  die  Gesamtverzinsung  des  jeweiligen  werbenden  Iahresvermögens,  wenn
man  den  Resultaten  stets  5%  für  die  neben  den  Gewinnen  lausende  landesübliche  Verzinsung  hinzuschlägt.  Für
die  „fremden  Kapitalien"  kann  das  Gesamtresultat,  nach  dem  oben  Mitgeteilten,  von  Anfang  bis  zu  Ende  nur
immer  eine  Verzinsung  von  5°/o  sein.  (Streng  genommen  wurde  allerdings  weder  die  landesübliche,  noch  die
Verzinsung  durch  den  Reingewinn  mit  Lilse  des  ultimo  Dezember  bilanzierten  Kapitalsaldos  erzielt;  doch  bietet
dieser  Saldo  den  einzigen  halbwegs  greifbaren  Maßstab  für  die  Rentabilitätsberechnungen.)  Mit  Bezug  auf
die  Lerrn  Kommerzienrat  Morgenstern  gehörigen  Kapitalien  ergibt  sich,  wenn  man  für  die  drei  Lebensabschnitte
der  Unternehmung  aus  den  Rentabilitätsberechnungen  das  arithmetische  Mittel  zieht,  für  die  erste  Periode  eine
durchschnittliche  Gesamtverzinsung  von  21  °/o,  für  die  zweite  von  16  %  und  für  die  dritte  von  7,56  %.  Eine  treffliche ­
  Illustration  zu  der  allgemein  zu  beobachtenden  Erfahrung,  daß  mit  zunehmender  Kapitalinvestierung  die
Rentabilität  relativ  abnimmt.  Auch  bei  den  Kapitalien  der  Lerren  Marter,  Gneist  und  Deneke  läßt  sich  die
gleiche  Tendenz  konstatieren.  —  Daß  die  Rentabilitätszahlen  auch  in  den  Verlustjahren  positiv,  also  aus  Gewinn,
lauten,  ist  ein  Beweis  dafür,  daß  der  Verlust  —  prozentual  zum  werbenden  Vermögen  —an  Größe  hinter  der
landesüblichen  Verzinsung  zurückblieb.  Rur  im  Jahre  1829  überschritt  der  Verlust  am  Weingeschäfte  die  Löhe
der  landesüblichen  Verzinsung.  Die  aus  den  Zahlen  ersichtliche,  von  Mitte  der  zwanziger  Jahre  an  sich  immer
ungünstigergestaltendeLage  des  Weingeschäftes  mochteLerrn  Kommerzienrat  Morgenstern  auch  wohl  bestimmt
haben,  diesen  Zweig  der  Anternehmung  fallen  zu  lassen.  Wie  viel  günstiger  als  der  eigentliche  Geschäftsinhaber
die  Teilhaber  ihr  Geld  verzinsten,  erweisen  ebenfalls  unsere  Berechnungen.
        <pb n="153" />
        Auszüge  aus  den  Bilanzen  der  Firma  Morgenstern  &amp;amp;  Co.,  Magdeburg,
für  die  Fahre  1799/1842.  (I.Periode.)

Jahr

Werbendes
Geschäftsvermögen  des
löerrn  August  Morgenstern
mit  Anspruch  auf  5  &amp;lt;&amp;gt;/o  Zinsen
und  den  diese
überschreitenden  &amp;gt;/-  Gewinn

Fremde
Kapitalien
mit  bloßem
Anspruch  auf
5°/o  Zinsen

Don  löerrn
A.  Morgenstern
getragene
Landlungsklnkosten


Jahres-Debet-Saldo

des  A.Morgensternschen

Privat-Kontos

1/2  Anteil
am  Jahres-Reingewinn

für  Lerrn
A.  Morgenstern

Zahl
der
Angestellten


Proze
Renkab
A.
Morgensternschen

Kapi

nkuale
lität  des
fremden
tals*

1799

Bestand  am  1.  Januar  1799:
7749.  8.  6

Nur  für  zwei

656.12.-Rur

  für

6

1800

Don  hier  ab  bis  zu  Ende:
slltimo-Saldi:
13991.16.

Jahre
1799  und  1800
bestimmbar:
1184.  1.-1437.16.-



  und  1800
gemeinsam
feststellbar:
6600.  -.  -

6

Nicht
sicher  zu
berechnen

1801

s  Wohnhaus
19707.  3.  —  &amp;lt;  Mit  8575.  -.  -

11305.-.-l



1055.  5.-3250.-.-





21,5

5

1802

[  übernommen
25043.14.-11305.-.-











25,9

5

1803

36703.12.-13305.-.-



  2.-1980.

  4.-10210.-.-





32,8

5

1804

39971.  1.-13305.-.-





  1.-5275.-.-





18,2

5

1805

45659.  6.-13305.-.-



  8.-2810.14.-







19,2

5

1806

50607.16.-14305.-.-











14,9

5

1807

59569.20.-14305.-.-





  4.-10000.-.-





21,8

5

1808

61403.20.-14305.-.-











24,5

5

1809

67095.12.-14305.-.-











16,2

5

1810

74277.10.-14305.-.-



  8.-4172.21.-



  -.  -

12

15,8

5

1811

Die  Zahlen  für  dieses
Jahr  fehlen.

-

-

-

-

-

-

-

*  Das  Webersche  Kapital  ist  nicht  feststellbar.
Alles  in  „Gold-  (Louisd'or  bzw.  Reichs-  oder  Courant-)  Talern"  bis  zum  Jahre  1848,  für  die  letzten  3  Jahre  (1848  bis  1842)  verstehen
die  Zahlen  sich  in  .Preußischen  Courant-Talern".  Die  relativ  geringen  Rechnungsunterschiede  gelvinnen  bei  den  meisten,  hier  in  Frage
kommenden  Zahlenangaben  wohl  keine,  der  besonderen  Berücksichtigung  werte  Bedeutung.
        <pb n="154" />
        Auszüge  aus  den  Bilanzen  der  Firma  Morgenstern  &amp;amp;  (£o v  Magdeburg,  für  die  Jahre  1799/1842.  (II.Periode.)

Gewinn

Ab-Rentabilität

  der  Kapitalien

Gewinn  des

des  Lerrn

schretbungen

beim

Lerrn  G.  Marter

Ferd.

auf

(ausschließlich

Gneist

erwartete

Wa-Wein-










am

(ausschl.

Dubiosen  —

renren-










am

Dubiosen-Reserven


Handel

Handel

Handel
G.

Handel
Wilh.

Handel
Fr.

Handel
Sonstige ­

Gläu-Waren-







  —  Waren

A.  Morgen-Mar-







geschäst

geschäst

geschäst

We.—  Wein

stern

ter

neke

biger

Wa.  u.We.

1155.-.-Auf



-

1604.  8.4

45,3

-

-

-

5

Landlungs-


  beide

Unkosten- ­




Jahre:

Konto

3170.-.-belastet



}  2540.16.8

33,5

Von  hier  an
auf  Kapitalkonto

1

5

verbucht

Wa.2S86.  1.10
We.  608.23.-2100.



3200.-.-19,1



28,7

-

-

76,1

5

2625.-.-860.-.-





  3759.  2.-We.
  641.  5.-18,9



29,8

-

-

68,2

5

3000.-.-1100.-.-





  4.  7
We.  243.11.  8

18,9

29,4

47,3

-

59,5

5

5321.8.-700.-.-





  7.-We.
  581.22.-27,4



17,00

48,6

-

26,7

5

1200.-.-440.-.-





  3462.22.-We.
  511.  6.-1,3



11,5

13,1

-

12,6

5

1200.-.-430.-.-





  8
We  346.13.-7,00



10,3

14,2

-

11,9

5

1200.-.-300.-.-





  2811.20.-28e.
  463.19.-4,2



8,6

12,9

-

10,1

5

Die  vom
Jahre  1828  an
verzeichneten,  am

1600.-.-26a.

  2162.  I.-We.
  511.18.-8,7



7,6

-

-

10,4

5

Warengeschäfte
gemachten

3200.-.-Wa.

  1876.  1.  -
We.  516.12.-3.3



9,9

-

-

15,3

5

Gewinne  be-1400.-.-



  8

11,9

7,2

9.9

ziehen  sich  auf

We.  909.15.-die

  Beteiligung

6.5
2,7

des
Wilh.
3800.-.-zerrn


Deneke

400.-.-Verl.1826

600.-.-We.

  709.19.-26a.
  4123.  5.-We.
  792.19.-11,8


10,2

5.7
3,9

-

—

5
5

3300.-.--



1300.-.-Wa.

  5038.11.-We.
  915.19.-8,9



8,1

-

240,7

10,3

5

Verl.  1828

26  a.  5621.18.-We.
  987.14.-Verl.



Verl.

5250.-.-1873.8.-





0,39

-

192,5

2,6

5

Jahr

Werbendes  Geschäftsvermögen ­
  des  Lerrn
August  Morgenstern
mit  Zins-  und
Gewinn-Ansprüchen

Waren

Wein

Kapital
des
Lerrn
8.  Marter

Kapital
des  Lerrn
Fcrd.
Gneist

mit  Zins-  und
Gewinn-Ansprüchen

Waren

Wein

Sonstige
ftemde
Kapitalien
mit  bloßem
Anspruch
auf  5o/o
Zinsen.
Nur  am
Warengeschäft ­

beteiligt

Gewinn  des  Lerrn
A.  Morgenstern
(ausschließlich
Zinsen)
am

Warengeschäst


Weingeschäft


Iahres-Verluste

des
Lerrn
A.
Morgenstern ­


1812
1813
1814
1815
1816
1817
1818
1819
1820
1821
1822
1823
1824
1825
1826
1827
1828

46871.16.6

\  Für1813  fehlt  Angabe
Ultimo
I  1814:
77332.8.-88714.17.-
  27006.22.-100800.14.-
  34650.  8.-114574.23.-
  44990.  2.-131518.21.
  -  58332.14.-162066.
  4.-  68102.  5.-157587.
  5.-  75754.17.-163932.15
  -  83619.13.-165479.22.
  -  90558.22.-176293.16.
  -  97183.16  -
188824.18.-  94586.12.-218943.
  5  -  87101.14.-218397.
  4.-  79487.21.-253961.
  4.-  63841.13.-274748.17.
  -  52111.13.-9684.13.-





  6.-An
  Stelle
des  Lerrn
G.  Marter
iftvon1826
an  Lerr
Wilh.
Denekeam
Warengeschäfte ­

beteil.  mit:
nicht  feststellbar ­

1421.11.-2793.21.-


  -
6807.  2.-10105.
  2.-16114.11-


  2.-29332.
  6.-29763.20.-

  5-28219.19
  -
27303.19.-25909.22
  -
24378.14.-24620.
  7.-90141.-.-


  feststellbar, ­
  da
diese  Bilanz ­
  auf
1813  u.  1814
bezogen
wurde
65402.21  .-74089.13
  -
86887.  5.-119274.17-

  1  -
117738.13-79405.
  2.-83145.
  8.-39651.12
  -
42075.17.-44070.12.-

  4.-77429.
  5.-80707.
  2.-85719.21
  -

18900.-sür

  beide
Jahre:
22000.-.-12500.-


  -
15900.-.-29420.16-


3170.-.-Verlust

6200.-.-Verluft

13000.  -  .-15000.-.-


  -  .-15750.-.-







4000.-3000.-


4800.-2100.-


Verlust
1950.-.-Verlust


Die
fünfprozentige ­

Verzinsung ­

läuft
aber
auch
in  den
Verlustjahren

fort.

Waren
1819:
6050.-.-Waren


1821:
1400.-.-Waren

1823:
3000.-.-Wein


1826:
900.-.-Wein

1828:
2810.-.-Vom

  werbenden  Geschäftsvermögen  des  Lerrn  August  Morgenstern  wurden  vom  Wein-  an  das  Warengeschäft  überwiesen:
1824  —  12000.  -  1825  —  14000.-.-;  1826  —  12000.-.-;  1827  =  18000.-.-;  1828  =  16500.-.-,  exkl.  12135.7.-  Baukosten.
Ende  1828  übernimmt  Lerr  Gneist  das  Weingeschäft  und  schuldet  —  nach  gegenseitiger  Verrechnung  —  Lerrn  Morgenstern  dafür  29400.-
        <pb n="155" />
        Auszüge  aus  den  Bilanzen  der  Firma  Morgenstern  &amp;amp;  Co.,  Magdeburg,  für  die  Jahre  1799/1842.  (III.Periode.)

Werbendes

Kapital

Sonstige

Jahres-Gewinn



I.
Abschreibungen

Rentabilität
der  Kapitalien,
abgerundet  in  Prozenten,

Jahr

Geschäftsvermögen
des  Lerrn

des
Lerrn  Wtlh.  Deneke

fremde  Kapitalien
mit

Debet-Saldo
des

lausschließlich  Zinsen)
des  Lerrn

auf  erwartete
Dubiosen.

August  Morgenstern

mit  Zinsbloßem

  Anspruch

August

August

II.

A.

sonstige
Gläubiger ­


mit  Zins-  und

und

auf

Morgensternschen

Wilh.

Geschätzter

Will).

Gewinn-Ansprüchen

Gewinn-Ansprüchen

5  o/o  Zinsen

Privat-Kontos

stern

Deneke

Dubiosen-Iahres-Saldo


stern

Deneke

1829

343452.22.-5909.14.-



  -

Richt  feststellbar

7200.-.-2400.-.-




  feststellbar

7,1

45,7

5

1830

342399.  2.-6359.12.-



  6

7572.  7.-16500.-.-










90,9

5

1831

418226.  5.-11561.

  3.-119680.11.-



  -

12000.-.-4000.-.-



  5.11
5260.  -.  -

7,9

39,5

5

Auch  für  Lerrn
Aug.  Morgenstern  jr.

r

33298.14.-1



ist  die

Einschließl.  Kapital

16500.-.-5500.-.-



  1
4152.11.-8,7



21,5

auf  das  Jahr  1841

1832

44116O.I4.il

seiner  verstorbenen
Gemahlin  in  Löhe

|  70711.  2.-13841.

  1.  1

5

entfallende  Eewinnbzw.Verlust-Quote


1833

460991.-.  9

von  19915.15.—
37732.  4.  3

^  s
52864.14.-  1

10326.  6.  2
und  Mitgifi  für
Marie  Deneke

116500.  —  .—

5500.  -.  -

7986.13.  5
2987.12.-8.6



19,6

5

nicht  mit  Sicherheit
feststellbar.

1

10000.-.-J



Vom  fremden

1834

491954.10.-40849.13.-





  6

10500.-.-3500.-.-



  6.  2
2195.-.-8562.21.
  -
2015.-.-7,1



13,6

5

Kapital
des  Jahres  1841
gehören  Lerrn

1835

518010.14.  7

43429.10.  9

52599.  5.-12261.

  2.  5

12000.-.-4000.

  -.  -

7,3

14,2

5

Aug.  Morgenstern  jr.

26000.-.  6.

1836

546128.14.-46140.-.

  4

54677.19.-13412.15.

  7

10500.-.-3500.-.-



  8
4975.  -.  -

6,9

12,6

5

Lerr  Morgenstern  jr.

1837

563046.  1.  4  |

Einschließl.  Kapital
seiner  Gemahlin
Mathilde  in  Löhe
V0N  22522.22.3
70867.  2.  8

|  45181.  8.  6  |

12787.11.  2
und  Mitgift  für
Mathilde  Deneke
10000.-.-1

  Weder
1  Gewinn
f  noch
&amp;gt;  Verlust

Weder
Gewinn
noch
Verlust

7457.22.11
6644.-.—

-

-

5

wird  seit  1841  auch
am  Gewinn  und
Verlust  beteiligt  und
erhält  vom
12Mü.-.-1838



581779.11.-70118.11.-





  2.  4

16500.-.-5500.-.-



  1
6194.-.-7,8



12,8

5

betragenden  Gewinn

des  Jahres  1842

2000.-.-.

1839

612971.23,-75468.17.-



  2.-11800.24.

  1

12000.-.-4000.-.-



  2.-12292.-.-




10,3

5

Sein  Kapital-Anteil
für  1842

r

31745.-.-7067.21.-




  sich  aus

1840

627187.21.-79676.

  9.  6

34472.11.-  |

Einschließlich
Baugeld

[  10000.-.-J
  Gewinn-5000.-.-






11,3

5

25579,  4.  -
&amp;lt;per  ultimo
Dezember).

r

26492.21.  1

1  Verkeilung

Verteilung

Richt  genau

?

?

1841

629426.17.11

81634.15.  5

47863.12.  6  •

Einschließl.  innere

ist  nicht

ist  nicht

feststellbar

5

1

Einrichtung

J  sicher

sicher

8775.-.-1842



641431.-.  3

79894.-.  1

Rur  noch  Frau
Konsul  M.  mit

16506.24.  3

feststellbar
6000.-.-feststellbar


4000.-.-9087.23.

  3
8872.  -.  -

5,9

10.00

5

22956.17.-  beteiligt

Von  1834  an  wird  Lerr  Morgenstern  als  Konsul  geführt.
        <pb n="156" />
        165

Aus  dem  Stammbaum  der  Familie  Morgenstern.
Simon  Morgenstern
Pfarrherr  zu  Eyle  in  Böhmen,
flüchtete,  von  den  Katholiken,  weil  er  am  evangelischen  Glauben  festhielt,  verfolgt,  nach  Dresden,  -
woher  seine  Frau  Margarethe,  des  Kunstdrechslers  Lucas  Langes  Tochter,  stammt.

Ionas  Morgenstern
geb.zu  Eyle  am  4-9-1623
Zinngießermeister  zu  Dippoldiswalde  1648,  seit  1654  in  Pirna-Gest-
  am  14-  6-  l  685  auf  der  Reise  in  Altenburg

Simon  Morgenstern
geb-am4-  6-1651,
Zinngictzermeister,  zieht  nach  Lalle,  gest-  am  22-12-1699

OrFur.  Simon  Morgenstern
geb-am  6-2-1688
Syndikus  der  Stadt  Lalle  (1718),  Iustiziarius  des  Amtes  Giebichenstein,
Fürst!-Anhalk-Bernburgischer  Lofrat-  Spater  Wirkt-Regierungsrat  zu  Magdeburg-Starb
  auf  einer  Dienstreise  in  Stettin  am  9-1-1747

Or.  me6.  Friedrich  Simon  Morgenstern
geb-am  31-1-1727
Praktischer  Arzt  in  Zerbst  (1750);  dann  (1754)  nach  Magdeburg-  StadtphysikuS-Mttglied
  mehrerer  auswärk-  wiffensch-  Akademien-  Gest-am  21.8.1782

1.  Or.  pbil.  Johann  Carl  Simon  Morgenstern
geb-am  28-8-1770-  Prof-der  Philologie  und  Philosophie-Bibliothekar
  der  Universität  zu  Dorpat,
deren  Mitbegründer  er  war-Gest-
  am  16-9-1852.
Gedächtnisrede  von  Dr.  L-  Merckltn,  Dorpat,
Leinr.  Laakmann  1853

2.  Friedrich  August  Simon  Morgenstern
geb-  am  2-12-1772-  Kaufmann  zu  Magdeburg,
gründete  1797  die  Firma  Morgenstern  6-  Co-1797
  Mitglied  des  Munizipalrates-7
  Jahre  lang  Vorstand  und  Altermann  der  Kaufmannschaft-Bayr-
  Konsul-  Kgl-  Preuß-  Kommerzienrat-Verh.am
  28.12.1800  mit  Dorothee  Rüdiger
(später  mit  Louise  Stosch).  Gest-  am  5-4.1844

3-  4-  5.
Therese  Marie
verh-m-d-Kaufm-  verh-m-d-Kaufm.
Wilhelm  Deneke  Joh-  Friedr.  Deneke  jun-5.

  August  Theodor  Morgenstern
geb-amI2-1-I815-Berh-I-
  am  7.3.1843  mit  Marie  geb-Beuchel-  Verh.  II.  mit  Agnes  geb.  Wachsmuth-Inhaber
  der  Firma  Morgenstern  8-  Co-,  gest-  am  1-  6-1867

l.
Minna
verh-M-d-Iustizkom-Weichsel


2.
Emilie
verh-m-d-Kausm-Augustin
  Weichsel

Mathilde
verh-(zweite  Frau)
mit  Wilh-Deneke

(Kinder  I.EHe.)
1.  Wilhelm  August  Walter  Morgenstern  2.  Gustav  Alexander  Richard
geb-am  21-7-1850-  '  20.7.1854
Verh-  in-  Magdalene  geb-Palis  (gest-8.8.88)
Ist  Inhaber  der  Firma  Morgenstern  L-  Co.
Stadtrat.
Dritter  Vorsteher  der  Landelskammer

Elisabeth
geb.  am  25.8.1875
verh.  m.  Landwirt
Rud.  Klusemann

2.
Gertrud
geb.  am  30.4.1877

3.  4.
Magdalene  Simon  August  Carl
geb.am23.9.1879  geb.am  2.9.1884
verh.  m.  Kaufmann  (Dir.)  wird  Kaufmann
Carl  Otto  in  Berlin
        <pb n="157" />
        166

[ju  Seite  119]  (ÖCfci)Ciff2&amp;gt;fÜl)t‘£ttbC  Q3ßCUTttC,  a)  II.  Sekretäre  waren:  Dr.  Lager,  Eugen,
Dr.  Schoene,  b)  Sekretariats-Assistenten  waren:  Fechner,  W.,  jetzt  Sekretär  der  Landelskammer  zu  Cottbus,
Memmert,  C.,  Referendar,  später  Sekretär  der  Landelskammer  zu  Mülheim  am  Rhein,  gestorben  in  Krefeld,
Dr.  Jüngst  vom  I.  Sept.  1899  bis  Dez.  1900,  jetzt  im  Verein  für  die  Interessen  des  Bergbaues  zu  Esse»,
Dr.  Freymark,  jetzt  Volkswirtschaftlicher  Syndikus  der  Landelskammer  zu  Breslau,  Dr.  Rausch  vom  1.Januar
1901  bis  Oktober  1901,  später  Syndikus  der  Landelskammer  zu  Graudenz,  jetzt  der  Landelskammer  für  das
Lerzogtum  Anhalt  zu  Dessau,  Dr.  Recke  vom  1.Januar  1901  bis  September  1901,  jetzt  in  der  Zentralstelle  fiir
Arbeiter-Wohlsahrtseinrichtungen,  Dr.  Bartens  vom  1.  September  1901  bis  1.  Oktober  1903,  jetzt  Geschäftsführer ­
  der  Zeitung:  „Deutsche  Zucker-Industrie",  Dr.  Etzold,  vom  1.Januar  1902  bis  31.  Dezember  1905,  jetzt
Syndikus  der  Landelskammer  zu  Graudenz,  Dr.Voye  vom  September  1902  bis  März  1903,jetzt  Sekretariats-Assistent
  in  Lagen  i.W.,  Dr.  Leonhard  vom  1.Oktober  1903,  jetzt  1.Assistent,  Dr.  Gehrig  vom  1.Oktober  1905  bis
1.  April  1906,  jetzt  wiss.  Lilssarbeiter  im  Kaiser!.  Statistischen  Amt,  Dr.  Müller  vom  2.  Januar  1906,  jetzt
2.  Assistent,  Dr.  Lübener  vom  1.  April  1906,  jetzt  3.  Assistent.  Außerdem  waren  kürzere  Zeit  tätig:  Assessor  Dr.
Witte,  jetzt  Amtsrichter,  Dr.  Bernh.  Rost,  jetzt  Privatgelehrter,  Dr.  Grunow,  jetzt  Syndikus  der  Detaillisten-Kammer
  in  Lamburg,  und  Regierungsassessor  Dr.  Loerr-Darmstadt,  jetzt  Rechtsanwalt  in  Darmstadt.
Aus  dem  Stammbaum  der  Familien  Fälsche  und  Burchardt.
szu  Seite  124]  Johann  Andreas  Fölsche
in  Altenweddingen

Johann  Christoph  Fölsche
geb.2.2.1751
Magdeburger  Bürger  1782
verh.mit  Anna  Marie  geb.  Settel;
gest.  1800

2.  Charlotte  3.  Julius  Christoph  4.  Johann  Carl  5.  —  ?  —
verh.mit  gest.  2.5.1848  gest.  17.10.1857
Friede.  Wilh.  Loempke
Peinrich

Carl  Christoph  Heinrich  Fölsche  Ernst  Carl  Fölsche
gegenw.  Inhaber  von  gegenw.  Inhaber  von
Fölsche  &amp;amp;  Co.  Fölsche  &amp;amp;  Co.
[3ofo.  Christi  Burchardtj
Wilhelm  Permann  Julius  Gustav  Louise
gest.  gest.  geb.  16.1.1812  gest.  verh.mit  Wilhelm
(war  früher  (früher  Lermann  &amp;amp;  gest.  14.4.1887  (früher  Burchardt  Pazschke,  hier
Weinhändler)  Julius  Burchardt)  verh.mit  s-Schulze)  gest.
Auguste  Falkenberg
Johanna  Albert  Max  Paul
verh.mit  geb.2.10.1846  geb.  17.4.1848  geb.  2.  7.1851
Otto  vonLympius  gest.  17.6.1894  verh.mit  verh.mit
verh.mit  Therese  geb.Coste,  l.Marta  Coste  Minna  Coste
jetzt  Frau  Gehr.  Moebius  2.  Lelene  Lauswaldt
szu  Seite  127]  Fl^Hs»  Wir  geben  hierunter  einige  Ehrenämter,  Auszeichnungen  usw.,  die  Werner  Fritze
erhielt,  wieder:  1868  8.  Juni  Mitglied  der  Korporation  der  Kaufmannschaft.  1871  Mitglied  des  Kirchenrates
St.  Katharinen.  1873  Mitglied  der  Armendirektion.  1879  am  29.  Dezember  in  das  Ältesten-Kollegium,  später  in
die  Landelskammer  gewählt.  Kooptiert  am  7.  Mai  1904.  1881  Stadtverordneter.  1887  stellvertr.  Stadtverordneten-Vorsteher,
  später  (nach  dem  Tode  von  Listemann)  1.  Stadtverordneten-Vorsteher.  1899,23.Februar,
König!.  Kommerzienrat.  Kronen-  und  roten  Adlerorden  IV.  Klasse.

Julius  Fölsche

1.  Louise
geb.  12.4.1784
gest.  17.1.1859
verh.mit
Ioh.  Christ.  Burchardt
geb.  5.11.1768
gest.  5.5.1829
        <pb n="158" />
        167

Aus  dem  Stammbaum  der  Familie  Schmidt  auf  der  Eych
tau  Seite  133]  in  Wermelskirchen.

Quelle:  Geschlechtsregister,  zusammengestellt  von  Gustav  Adolf  Schmidt  in  Viersen,  am  1.7.1875.
(als  Manuskript  gedruckt)
Lermann  Schmidt

gest  18.Iprit  1685  } in  Wermelskirchen

Peter  Schmidt
(ältestes  von  10  Kindern)
geb.  6.  Januar  1640
gest.—?—

Peter  Schmidt
(ältestes  von  4  Kindern)
gest^Septb.  1736  } ,n  Wermelskirchen
I
Johannes  Peter  Schmidt
geb..20.Ianuar  1719  J  in  Wermelskirchen

Peter  Schmidt

geb.  11.  August  1768)
gest.  2.  Juni  1817  /

in  Wermelskirchen

Johannes  Schmidt
geb.1L  Juli  1778  in  Wermelskirchen
gründete  am  14.  März  1794  die  Firma
Pfeiffer  &amp;amp;  Schmidt  in  Braunschweig
Er  starb  14.  Juni  1848  (Er  hatte  drei  Töchter;
sein  Sohn  Johannes  starb  früh)

(von  5  Kindern  das  2.und  3.)  Friedrich  Schmidt

Peter  Schmidt
geb.  28.  Febr.  l800  in  Wermelskirchen
Lzgl.  Komnierzienrat
i.  Fa.  Pfeiffer  &amp;amp;  Schmidt  in  Braunschweig
gest.  12.  Febr.  1874  in  Braunschweig

Gustav  Adolf  Friedrich  Wilhelm
geb.  13.  April  1829  geb.2.Mai  1830
in  Wermelskirchen  in  Braunschweig

geb.I.Rov.1881  in  Wermelskirchen
Kgl.  Geh.  Kommerzienrat
gründete  im  Aufträge  seines  älteren  Bruders  die  Firma
Pfeiffer  &amp;amp;  Schmidt  in  Magdeburg
am  17.  Febr.  1828
verh.  (I  I.)  mit  Marie  Wilhelmine  Schütze
aus  Magdeburg  (25.Oktb.l820  —  25.  März  1866)
er  starb  27.  April  1878  in  Magdeburg

(von  10  Kindern  II.  Ehe  das  5.  und  9.  Kind)

Peter  Friedrich  Johannes  Schmidt
geb.  3.  Juni  1844  zu  Magdeburg;  Mitinh.  der  Firma
Pfeiffer  8-  Schmidt;  verh.  am  9.  Januar  1867
mit  Louise  Lauswaldt  (geb.  13.  Juni  1845)
gest.  20.  Oktb.  1991

Fr.  Eduard  Ioh.  Schmidt
geb.  8.  Dezb.  1854  in  Magdeburg
Mitinh.  der  FirmaPfeiffer  &amp;amp;  Schmidt
verh.  am  I  I  .  Jan.  1881  mit  Mathilde  v.  Lingelsheim
(geb.3I.  Juli  18S9  in  Wildungen)

1.  Marie  2.  Kelene  t  2.  3.  4.  5.  6.
v.Stiinzner  v.  Brünneck  Friedrich  Annemarie  Eduard  Anneliese  Joachim  Peter  Rosemarie
        <pb n="159" />
        168

Aus  dem  Stammbaum  der  Familie  Schmidt  aus  Sorge.

tzu  Seite  134]  Johann  Georg  Schmidt
geb.  in  Sorge  1746
verh.  1767  mit  Johanna  Justin«  Braun
Schreiber  am  Bergamt  in  Sorge

Heinrich  Christian  Ferdinand  Schmidt

geb.  in  Sorge  18.  März  1768,  Bergkommiffarius
verh.  (1802)  mit  Wilhelmine  geb.  Ebers  (1770-1828)
gest.  23.  März  1825

1.  Friedrich  Albert  Schmidt  2.HerrmannSchmidt  3.  Emma
in  Firma  Schmidt  8-  Rolosf,  gest.  1868  verh.  mit
dann  Gebr.  Schmidt  &amp;amp;  Lenry  Coqui,  Geh.-Rat  Dr.  raed.  Trüftedt
später  Albert  8-  Lerrmann  Schmidt  gest.  r.  6.1878
geb.  in  Sorge  20.  März  1802
verh.  I.  mit  Therese  geb.  Weber
(Vater  Mitinhab.  von  Morgenstern  8-  Co.)
II.  mit  Rosalie  geb.  Dennhardt
gest.  in  Magdeburg  II.  September  1881

4.  Theodor  Schmidt
Amtsrat  in  Mose
gest.  1891
I
Amtsrat  Schmidt
in  Löhne

Erster  Ehe:

Zweiter  Ehe:

I.  Bertha  2.  Frd.  Gust.  Schmidt  3.  Robert  Schmidt  4.  Paul  Schmidt
geb  24.  September  1832  geb.  12.  August  1844  geb.  19.  Dezember  1849  geb.  24.  Mai  1856
verh.  mit  Geh.  Kommerzienrat  inFirmaAlbb-Lerrm.Schmidt  inFirma  Alb.ö-Lerrm.Schmidt  inFirma  Alb.ö-Lerrm.Schmidt
David  Coste  M.  d.  $&amp;gt;.  verh.  mit  Margarethe  verh.  mit  Louise  geb.  Riemann
lebt  in  Magdeburg  verh.am17.Mai1879  geb.  Schwartz  M.d.L.  M.d.R.
(Kind  ersteh.StammbaumCoste)  mitJennygeb.Neuschaefer  &amp;gt;  I
gest.  13.  November  1901

1.
Lucie
geb.5.3.I87I
verh.  mit
Aug.  Kalkow
(Dresden)

2.
Magdalena
geb.21.6.1872

Edith
geb.  19.7.1875
verh.  mit
Dr.  Behrend
Syndikus  der
Handelskammer
zu  Magdeburg

4.
Gertrud
geb.12.4.1883
verh.  mit
Curt  Ramdohr
in  Firma  Peter
Georg  Palis
Inh.  Carl
RamdohrSöhne

1.  Richard
verh.  mit  Gertrud  Aue

2.  Philipp

1.  Rose
verh.  mit  Georg  Maquek
2.  Susanne
3.  Irene
4.  Werner
5.  Maria
        <pb n="160" />
        169

Seite
Aders,I  138
Albrecht,  &amp;lt;s.,  Leipzig  51
Alenfeld,Iul  39  Bild,  149
Alterleute  7,121-130

Älteste  der  Kaufmannschaft  7-13,25,
40,87,131,134,149

Andrä  121
Andreae  9,12,130Bild,131,155,159
Andreae,Bernh.,L  Söhne  ...  36
Arendt,  Rud  12,14
Arnold  9-14,90,106  Bild,  107,108,
156,160
Arnsberg,  Finanz-Dir  83
Aßmann,  Adolf  129
Baensch,  Stadtv.  u.  Stadtältester41,
44,124
Baensch,  K.°R,Em  92,158
Baensch,  Freiburg  158
vr.Baltz  153
Banck,Äeinr.L  12
Bandau,Carl  88
Bartels  69,74,85,151
vr.Bartens  166
Bassermann  35
Baumann  24,128
Behrend,  Theodor,  K.-R.,  Danzig  6
Or.Behrend,M.  .  6,11,14,135,168
Behrends,  Bürgermeister.  10  Bild
Belsch,  Gustav  88
v.Beneckendorff  und  v.Lindenburg
153

Bennecke  146
Bennewitz  39,48,149,152
Bennewitz,  C.,Coste  ä-  Comp.  .  .  48
Berghauer  24,121,150
Beringuier,  Richard  22
Bertog,L  159
Bette,  Clara  85
Beuche!  11,12,67-75,90,91Bild,165
Beuchel,D.,Z.L  70
Beuchel,ZuckschwerdtL.  65,67,85
Bieberstein,  0  12
Biemann,Karl  12
Blum  37

Namenregister.

Seite
Blumenthal,  C.W  153
Blumenthal  L  Walstab  ....  153
Bode,F.A  12
Boden,  geb  156
Bodenstein  9,121
Bodenstein,  Familie  149
Boetticher,Gutsb.,Theeßen  .  158
O&amp;gt;-.  v.  Boetticher,  O.-Pr  153
Boncke,  Richard  157
Bonsak,  General  10  Bild
Bonte  23
Bonte,  Familie  149
Bonte,  Cuny  L  23
Bookmann,  Niemann  L....  129
Borchert,  Staats-A  158
Bore  10  Bild
Bourzutschky,  Familie  149
Bouvier,  Emilie  97
Bönckendors,  Braunschweig  .  .  71
Bötticher,  O.-B  41
Brandt,  Robert  93
Brandt  &amp;amp;  Placke  93
Braun,Iohanna  Christina  .  .  168
Braune,  geb  156
Brauns  12,30
Bremer,  Christine  Friederike  .  115
Brockmann,  Wilhelm  166
Brunner,  Ioh  12,14,19,140,
142  Bild,  143,152
Brückner,  I.L  12
Or.  Brüggemann  71
v.  Brünneck  167
Budenberg,  Schaeffer  L.  .  .  .  160
Buhlers  8-12,82,90,95,149
Buhtz,  Familie  149
Buhlers,  Gebr  149
Burchardt  .  .  88,124,125,152,159
Burchardt,  Familie  166
Burchardt,  Fölsche  Li  Co.  .125,149
Burchardt  &amp;amp;  So  125,149
Burchardt  Lr  Schulze  166
Buschesche  Kurie  92
Bühler  29
Camphausen  37

Seite
Carnot  17
Castellane  Söhne  &amp;amp;  Co.,  Liverpool  80
Clemens,  Bürgerm.(Neust.)  10  Bild
Coqui  .  .  8,9,12,32,39  Bild,44,82
121  Bilder,  122,135,149
Coqui,  Maquet  6-  149
Coqui,Lenry,Gebr.  Schmidt  6-  168
Coste  9-12,40-50,46  (Bild),  166,168
Coste,  Familie  152
Coste  Li  Lippert  45,48
Coste,  Schulze  &amp;amp;  Diesing  .  .  .  45,48
Coste  &amp;amp;  Comp.,  Bennewitz  ...  48
Costenoble  9,11,119,121
Costenoble,  Familie  149
Crampe,  Direktor  145
de  la  Croix,  Direktor.  39  Bild,  149
Cuny  7,9,12,21  Bild,22-26,
23Bild,82,121,140,144,149
Cuny,  Familie  150
Cuny  Sohn,David,L  Co.  22,140,149
Cuny  &amp;amp;  Bonte  23
Czarnikow,C  86
Czarnikow  &amp;amp;  Newton  86
Dahlmann  36
Dankwart,  Stadtrat  ....  10  Bild
Dankwarth  &amp;amp;  Richters  ....  122
Defoy,  Friedr  12,26,90
Desoy,  Schubart  &amp;amp;  48
Degener,  Julius,  Braunschweig  71
Demissy,  Labes  &amp;amp;  23
Deneke  9,1  OBild,  11,12,27,28  Bild,
29-44,30Bild,31Bild,90,l  13,114,
117,121,160,163-165
Deneke,  Familie  151
Dennhardt,  Rosalie  168
Des  ca,  Prediger  24
Descours  121
Diesing  48
Diesing,  Coste,  Schulze  L  .  .  45,48
Dihm,  F.  W  9,12,90
v.Doemming  155
Dommerich  65-71,81,83
Dommerich  &amp;amp;  Comp  69
Dommerich,  Zuckschw.  L  Beuche!  70
        <pb n="161" />
        170

Seite

Seite

Dousal,  M  24,26
Dremel  112
D  renkmann  8,12,149
Drenkmann  &amp;amp;  Laßfurth  ....  149
Dresel,  Fritz  107
Drewes,  Caroline  Friederike  .  123
Dulon,  Max  12,14
Duvigneau  159
Duvigneau,  Familie  149
Duzal,  Marguärtte  150
Dürre,  Iustiz.-R.  .  11,39  Bild,  149
Or.  Dürre,  Max  12
Dzschenfzig,  Th  157
Ebmeyer  159
Eckardt,  Familie  149
Eggerts,  Quedlinburg  83
Eichel,  F.C  12,82
Eichel,  Schultze  &amp;amp;  17,149
Eichel  L-  Schmidt  47,107
Eisenmann  37
Ende,  Baumeister  88
Engel  10  Bild
Engelke  &amp;amp;  Liebau,  Lalle  51
Vs.  Etzold  166
Evers,  Wilhelmine  168
Everth,  G  12,157
Faber,  Sup.-Int  94
Dr.  Fab  er,  Rob  155
Fabricius,  Alb.  .  .  12,39Bild,  149
Faehndrich,  L  12
Fahrenholtz,  B.  12,14
Falkenberg,  Auguste  166
Falkenberg,  Walwer  &amp;lt;K  ....  149
Faulwasser,  Ioh.Wilh  109
Favreau,  Familie  149
Fechner,  W  166
Fehr  11,36,119
Fischer,  Amtsrat,  Calbe.  .  .  .  146
Fischer,  Bürgermeister  ....  154
Fischer,  Karl  12
Flemming,  Ad  12,14
Focke,  Karl  12
Fälsche  9,121,124,125
Fälsche,  Familie  166
Fälsche  &amp;amp;  Burchardt  125
Fälsche  &amp;lt;5  Co  124
Francke  8,19,34
Francke  L  Sprung,  Larburg  .  129
Frank,  Emma  151
Franke  37
Freise  12,136,137
Fresse  &amp;amp;  Co.,  Iaehnigen....  137

Freund,  Carl,  Erfurt  100
Dn  Freymark  166
Fricker,  Anton  .  .  12,130  Bild,  132

Friedeberg,  F  12
Fritze  7,8,12,14,61,121,126Bilder,
127-129,149,154,166

Fritze,  Friede.,  L  Sohn  127,128,149

Funk  10  Bild,  134

Gaertner

.  .  .  12

v.Gagern

...  35

Kaiser  &amp;amp;  Co.,  Larburg  .  .

.  .  .  57

vr.Gehrig

.  .  166

Gensler,  Ratm.  (Neustadt)

10  Bild

Georgy

.  .  121

Georgy,  Ioh.Andr.Ioach.

.  .  .  .7

v.  Gerhardt,  Landrat....

10  Bild

Giesau,  August

.  .  153

Girost,  Jean

...  23

Girth,  Wirkl.  Geh.  Ob.-Fnz.-R.  153

Gneist  32,113,160,163

Gneist  &amp;amp;  Coqui

.  .  118

Gneist  &amp;amp;  Deneke

...  32

Goedekensche  Schule....

...  27

Goedicke,  Lerm

.  .  159

Goerne  &amp;amp;  Co.,  A.  W.,  Lamburg  85

Golden

...  82

Göcking

10  Bild

Graaf

.  .  153

vr.Graefe,  Geheimrat,  Berlin  .  71

Grauenhorst

...  14

Graul,  Wilhelmine  .  .  .  .

.  .  152

©reiner,  Berth

...  12

Gruson  12,14,145

Gruson,  Familie

.  .  149

Gruson,  Major

10  Bild

vr.Grunow.  .

.  .  166

Gustaedt,Ioh.Iak

.  7,121

Laagen,  Ioh.Wilh

.  .  127

vr.  Lager,  Eugen

.  .  166

vr.Lahn,Ferd

.  12,14

Lamann,geb

.  .  156

Landelskammer55,63,89,98,99,103,

107,118,131-139

Larder

...  .7

Larder  &amp;amp;  So

.  .  149

Larlan

...  25

Larte  10  Bild,  26

Lartje,Lermine

.  .  158

Lasenkamp,  M.G.  Ad..  .  .

...  12

Laffelbach

.  41,90

Laßfurth,  Drenckmann  L  .

.  .  149

vr.Latschek,Lans  11,119  Bild,  120

Seite
Lauswaldt9,l  2,90,95,96  Bilder,  97,
98  Bild,  99,  131,137,157,166,167
Lauswaldt,  Familie  159
Lecht  12,158
Lecht  &amp;amp;  Schräder  100
Leckscher  37
Leidenreich  10  Bild
Leinemann,  Susmann,  Lalberstadt
  128
Lelbig  14
Leld,Alb  12
Lelle  8,9,12,85,121,149
Lelle,Reichardt  6-  149
Lelling  8,12,149
Lelling,Neubaur  L  149
Lennigel2,131,136Bild,137,147,159
Leimige  &amp;amp;  Wiese  136
Lercynia,Kaliwerk  55
v.Lermann,Minist.-R.  .  .  .  36,37
v.Lertzberg,  Gutsb.b.Bromberg  83
Leydenreich,  G  12,14
Leyroth  9,121
Lildebrand7,8,12,121,123Bild,  149
Lildebrand,F.E.,sen.Sohn.  .  149
Lildebrand,  Tobias  sen.  Sohn  123
Lildebrandt  82
Lildebrandt,  Pfarrer  43
Lildebrandt,  Robrahn  &amp;amp;  ....  68
vr.Loerr  166
Loffmann,F  39  Bild,  149
Loltzapfel.  9,11,12,82,90,91  Bild
Lubbe.  9,11,12,56  Bild,  58  Bilder,
57-63,90,97,131,137,140,152-155
Lubbe,  Familie  155
Lumbert,  Berlin  151
Lundrich  156
Luth  &amp;amp;  Co.,  Fredk  86
vr.Lübener  14,166
Illiger,  Braunschweig  66
Jacobs,  L.,  Potsdam  47
Iacoby  .  12,14,140,142  Bild,  143
Iaeckel,Wilh  129
Iaeger  32,33  Bild
Iaehnigen,  Freise  üt  Co  137
Iaensch,Max  157
Iockusch,  Familie  149
Jordan,  Berlin  37
Jordan,  Ed.,  Parchim  157
Jordan,  Familie  149
Iörning  144
Dr.  Jüngst  166
KaempssLermine  94,158
        <pb n="162" />
        171

Seite

Seite

Seite

Kaesemacher,Dir.  .  .  .

.  .  .  .  157

Leroux

.  .  .  144

Morgenstern  8-14,26,82,90,92,106

Kalisky,Aug

12,113,115

Lichnowsky

.  ...  37

Bild,108Bild,109Bild,110-118,



Kalkow  27,44,135,168

Lilienfeld,  Georg

.  .  .  157

121,  140,  149,  151,  153,  156,

158,

Kalm  s-  Sohn,Braunschweig.  .  71

Lindau

.  .  9,121

160-165

Kannegießern,  Lucia.  .

.  .  .  .  156

Lindemann  9,10  Bild,  121

Morgenstern  SrCo.68,71,108,131,149

Kap-Herr  .  .  .  ,  70  Bild,  71-75,156

Lindenau,  Altenburg.  .  .

.  ...  37

Möllenberg  10  Bild

Kaufleute-Brüderschaft

.  4  Bild,  7,

v.  Lingelsheim,  Mathilde

.  .  .  167

Möring,Ä.E

.  86

41,121-130,151

Lingner,G

.  .  .  156

Müller

.  30

Kaufmännischer  Verein

Lionel,  Pastor

.  ...  17

Or.  Müller  14,108,160,166

(3-1808-1825)  .  .  .  .

.  .  .  7,149

Lippert

13,14,48

Müllers-Weichsel

149

Kayser

.  9,12,121

LippertzCosteSr

.  .  45,48

Münnich

.  26

Kämmerer

7

Listemann  9,41,49,121,153

Nathusius  9,121,156

Kellersche  Handelsschule

.  .  24,150

Loempke  8,13,124,149,166

Neubauer  9,11,13,51,52  (Bild)

-55,

v.  Kemnitz

25

Loesener,F.L

...  13

131,140,152

Kette,  Iust.-Rat  ....

11

Loesener  6  Schoch  ....

...  60

NeubauerS-Porse.  .  .  .51,53

,107

Keubler

.  .  .  .  144

Loos,  Ferdinand

.  .  .  159

NeubaurS-Helling

149

v.  Klausbruch

17

Lücke

.  128,151

Neukranz

.  95

Klinksieck

.  .  .  .  143

Lüdecke(Lüddecke)

.  .  9,121

Neumann  L  Sohn,  Berlin.  .  .

106

Klinksieck,  Schwanert  &amp;amp;  Co.,

Lüders

.  .  .  145

Neuschaeser  135,168

Magdeburger  Bankverein  .  143

Lüttge,G.T

.  .  .  156

Niemann  &amp;amp;  Bookmann

129

Klusemann,

10  Bild,  165

v.Lympius,Otto

.  .  166

Nitze,  Notar

111

Knabe,  Rob

12

Magdeb.  Bank».,  Klinksieck,

Oedinger,geb

156

Knaufs

77

SchwanertLCo

.  .  .  143

Oelper

.  30

Knoblauch

.  .  12,141

Magdeb.  Bergw.-G-,  Zeche

Oeltze,G  13,82

Koch

.  11,42,119

Königsgrube

...  85

Ottens,  C.  G.,  Leipzig

141

Koch,  Ernestine,  Cassel.

86  Bild,  88,

Magdeb.  Privatbank  .  .

.  .  39,40

Otto,  Carl,

153

156

Magdeb.  Zeitg  22,25,43,87

Otto,Carl,  Berlin

165

Koehne,  Marianne.  .  .

.  .  .  .  159

Magistrat

...  25

Overlach,  Franz

141

Korporation  der  Kaufmannschaft

Mangold,  Ida,  Frankfurt

.  95,155

Öff.  kausm.  Schul-  u.  Erz.-Anst.

.  24

9,20,34,44

Maquet

9,13,121

Pabitzky

.  69

Kramsta,Äugo

.  .  .  .  156

Maquet,  Familie

.  .  149

Pabst,  Luise,  Braunschweig.  .

151

Kricheldorff,H

.  .  .  12,82

MaquetLCoqui

.  .  .  149

Paesel

.  14

Krummacher,Äofpred.,  Berlin  106

Marter  11,13,90,91  Bild,

113,115,

Pallis  (Palis)  .9,121,139,165,168

Kuhn,  G,  Stuttgart-Berg.  .  .  145

160,163

Pansasche  Buchdruckerei  .  .  .

153

Kummer

19

Maschinenfabrik  Buckau.

.  .  .  143

Pazschke,Wilh

166

Kux,  Ingenieur

.  .  143,144

Mathe,  Familie

.  .  149

Paulig

.  14

Kühne

14

Maybach,Minister.  .  .  .

...  54

Peja

.  14

Laakmann,  Äeinr.  .  .  .

.  .  .  .  165

Mayer,  Albert

.  .  157

Perrin,Anna

158

Laaß

.  .  .  .  144

Memmert,C

.  .  166

Perschmann,G

.  13

Labes  L-Demiffy  .  .  .  .

23

Menzel,  Paul

.  .  159

Peters,  Baurat

158

Laborde,  Familie....

.  .  .  .  149

l)r.  Mercklin,  L.,  Dorpat  .

.  .  165

Pfanne,  A

.  13

Lange  10Bild,141,165

Mewes

.  88,152

Pfeffers-  Weißenfels  Nchf.  102,103

Lattey,  Oskar

.  .  .  12,14

Meyer  7,39  Bild,  149

Pfeiffer  &amp;amp;  Schmidt

159

Laubel,Ioh.KasP.  .  .  .

.  .  .  7,121

Michaelis,Adolf

.  .  159

Pieau,C.F

.  13

Lau«

.  .  .  .  117

Michahellis,  Hamburg.  .

...  71

Pieschel8,9,13,32,33Bild,  109,113,

Laue,Gust

.  .  .  .  156

Mirbach

10  Bild

121,149,156

Leekeny

9,121,149

Mittelland-Kanal  ....

...  62

Pieschel,Aug.u.  Will)

109

Leseld,  Braunschweig  .

.  .  .  .  141

Moebius,  Th.,  geb.  Coste.

.  .  166

Pieschel,  Wilhelm  s-  Comp.  .  .

149

Leidloff.  .  .  8,9,12,13,121,149,155

Moevius

34,151

Pieschels-Co

149

Leißner,Wilh

88

Molinari,  Breslau.  .  .  .

.  .  .103

Pilet....  11-14,90,97,101  Bild,

Lentze,Melch

40

Moltke

.  19,42

102-105,157

vr.  Leonhard

.  .  .14,166

Morgenstern,  Familie.  .

.  .  165

Pilet,  Familie

158
        <pb n="163" />
        172

Seite
Pinkernelle  (ck)  .  .8,9,13,121,149
Placke  93
Placke,  Brandts-  93
Polzin,Reichsb.-Dir  153
Porse  7,140,141  Bild
Porse,  NeubauerS-  51
PrävSt,  Familie  149
Prin,  Louise  Wilhelmine  ...  158
Privatbank  39  Bild,  122
Quistorp,  Stettin  34
Rabe,L  13
Rademacher  8,13,144,149
Rahm,  Stettin  36
Ramdohr  13,131,135,139Bild,  168
Ramdohr,  Carl,  Söhne  ....  168
Ranke,  Dir.,  Berlin  106
Raßbach,W  13,14
Raßmann,  geb  143
vr.  Rausch  166
vr.  Recke  166
Resardt,Äamburg  36
Reichardt  11-14,75,90,100,
101  Bild,  102
ReichardtS-Lelle  149
ReichardtS-Schneidewin  ...  100
Reichardt  S-Tübner  100
vr.  Reiche  71
Reihenstein,  Ed  159
Richter  107
Riebe  13,14
Riecke  13,156
Niemann,  Louise  168
Robrahn  9,112,121,122
Robrahn  S-Co  122
Robrahn  Sr  Äildebrandt  .  .  .68,122
Roch  9,121
Rogge  41
Roloff  10  Bild,  13
Roloff,EchmidtS-  168
vr.Rost,Bernh  166
Rudolph  41
Ruhe  14
Rumpf,  Familie  149
Rumpfs  9,121
Rüdiger,  Dorothea  165
Salomon  83
Salome.  .  .  8,13,39Bild,103,149
Salome,  Familie  149
S  and  ers,  Ä  amburg  36
v.S  anten,  Ä  159

Sette
Schaarschmidt,  geb  156
Schaeffer  Sr  Budenberg  106,107,160
Echartow  .  .  .  8,10  Bild,  13,82,149
Schäfer  144
Scheller  19,35
Schernbeck  14
Schieß.  .  .  13,90,130Bild,  131,157
Schlawitz  10  Bild
Schlick,  Ed  156
Schmager.  .  .  .  7,11,119-122,127
Schmerling  37
Schmidt  9,121
Schmidtaufder  Eych,  Familie.  167
Schmidt,  Peter,!  3,130Bild,  131,133,
159
Schmidt,  Pfeiffer  Lr  .  133,159,167
Schmidt-Sorge,  Familie.  ...  168
Schmidt,Gustav  13,14,50,134,135,
136  Bild,  152
Schmidts-Roloff  134,168
Schmidt,  Gebr.,Lr  Äenry  Co  qui
135,168
Schmidt,  Albert  u.  Äerrmann.  168
Schmidt,  Eichel  ö-  47
Schmitz  7,121
Schneider  117,152,157
Schneider,  Oberbürgermeister  153
Schneider,  geb  156
Schneider,  Familie  157
Schneider,Zuckschwerdt  &amp;amp;....  65
Schneidewin,  Reichardt  S-.  .  .  100
Schnepfe,L  13,14
Schoch,  F.C  13
Schoch,  LoefenerSr  60
Schochs-  Sohn,  vorm.  Loesener  S-Schoch
  97
vr.  Schoene  166
Schüttler  143
Schwenftedt,  0  13
Schräder  .  .  9,13,39Bild,121,131
132Bild,133,149
Schräder,  LechtS-  100
S  ch  ramm,  I  oh.  Christ  7,121
Schroecker,Pastor  19
Schroeder  13,57,153
Schrop  121
Schropp,  Friedrich  Karl  7
Schubart  9,121,151
Schubart  S-Defoy  48
Echulhe,Carl  .  8,9,13,16  Bild,
17-20,149

Seite
Schultze,  Burchardt  S-  166
Schultze,  Schuldirektor  .  .  .  17,45
Schultze  S-Eichel  17,149
Schulz,  Alwine  139
Schulze,  Fr.,  Gutsbesitzer  ....  48
Schulze  L-Diesing,Coste  .  .  .  45,48
Schütze  .  8,9,13,57,90,91  Bild,  121,
133,149,167
SchüheSiCo  29,149
Schwanert  7,140,141  Bild
SchwanertS-Co.,Magd.Bankv.,
Klinksieck  143
Schwartz  9,121,168
Schwartz,  Familie  149
v.  Schwedt  23
Schwenckert  23
Schwenckert,  Familie  149
Sechehaye,  Marie  23
Seih  41,156
Sellentin  10  Bild
Settel,  Marie  166
Seyffert,  Familie  149
Siebel,L&amp;gt;elene  159
Simon  37,38
Simson  35
Sombart  154
Spier  82
Sprung,  Francke  S-,Larburg  .  129
Staebe  30
Stedmann  37
Steffens  10  Bild,  13
Steinmeyer  79
Stellzer,Ober.-Reg-R  35
Sternberg,  Friedr  129
Stilken,  Lieronymus  127
Stosch,  Louise  165
Strauß,  Leinr  159
V.Stünzner  167
Thuringia,  Erfurter  Ges.  ....  34
Tieding,Ioh.  Christ  7,121
Tischbein,  Direktor  143
Tonne,  Gustav  13,14,140,142  Bild,
143
Tonne,  Familie  149
Treuding,  Pros  17,19
vr-.  meck.  Trüstedt,  Geh.  R.  .  .  .  168
Tschmarke,R.  .  .  13,131,132  Bild
Tummeley,  Potsdam  156
Tübner,Otto  100
Tübner,  Reichardt  S-  100
v.  Anruh  87
Antucht,Carl  13,131,138

Eattler,A  13,39  Bild,  149
Sauvage  (Wild),Familie  .  .  .  149  &amp;gt;  Schultze,  Ernst  .  .  13,131,138Bild
        <pb n="164" />
        173

Seite
Antucht  Li  Co  138
Arsinus  13,25,150
v.Vahl  159
».Varges  10  Bild
Bester,  F  13,42
Vincke  37
Voegt,  Albert  143
Vogel,  C.W  129
Vogt,  Carl  151
Dr.  Voigtei  jun  71
IR.Voye  166
Wachsmuth,  Agnes  165
Wall,Ieannette  24
Walwer  8,9,13,82,90,149
Walwer  &amp;amp;  Falkenberg  ....  149
Walstab  9,21
Walstab  6-  Co  57,153
Walstab,  Blumenthal  &amp;lt;L....  153
Weber  109,118,160,168

Seite
Weichsel  8-13,90-94,92  Bild,  149,
156,165
Weichsel,  Familie  158
Weichsel,  R.K  Co  92
Weichsel,  Müller  L  149
Weigel  8,13,149
Weigel,  Gebr  149
Dr.  Weinholz  81
Weiß  (Meiste)  9,123
Weisse,I.C.,LCo  9,17,149
Wenzel  14
Wernecke,  G  140,147
Westermeyer,  geb  156
v.  Wietersheim  160
Wild  (Sauvage),  Familie  .  .  .  149
van  der  Willgen,S  107
Winter  69
Winterstein  10  Bild
Dr.  Witte  166

Seite
Mittler,  Friedrich  129
Wodick  10  Bild,41
Wolf,  Rudolph  13,14,140,
142  Bild,  143
WöhlertscheMasch.-F.,Berlin  145
Wrede  42
Wurtzler  9,121
Zarges,L&amp;gt;ermann  153
Zerenner  27
Zuckschwerdt  9-14,35,37,64  (Bild),
70  Bild,  85  Bild,  86  Bild,  64-89,
90,123,140,153
Zuckschwerdt,Familie  27,35,67,156
Zuckschwerdt  L  Beuche!  .  65,67,85,
116,118
Zuckschwerdt  &amp;amp;  Beuchet,
Dommerich  70
Zwicker  .  .  .  7,11,81,82,119  Bild
        <pb n="165" />
        206$08167168
        <pb n="166" />
        127

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AriHe.  Die  nachstehenden  Erinnerungen  schrieb  Kommerzienrat  Werner
Fritze,  Mitglied  des  Ältesten-Kollegiums,  jetzt  der  Handelskammer,  im  Jahre
1897  „zum  150jährigen  Geschäftsjubiläum  der  Firma  Friedr.  Fritze  &amp;amp;  Sohn"
nieder.  Wir  haben  aber  darin  einige  Ausführungen,  die  sich,  weil  sie  fiir  jenen
speziellen  Zweck  berechnet  waren,  unserer  Darstellung  nicht  einstigen  wollten,
gekürzt  oder  weggelassen.  An  andren  Stellen  haben  wir  Einfügungen  gemacht.
Wir  haben  alfo  nicht  verbessern,  sondern  nur  anpassen  und  ergänzen  wollen.
Damit  geben  wir  Lerrn  Werner  Fritze  das  Wort:
„Meine  Familie  stammt  von  dem  Ackergutsbesitzer  und  Gerichtsschöppen  Matthias  Fritze
in  Schleibnitz  bei  Wanzleben  ab,  der  am  25.  August  1727,  einige  Monate  nachdem  er  durch
eine  große  Feuersbrunst  Laus  und  Los  verloren  hatte,  starb.  Zwei  seiner  Söhne,  Andreas
Fritze,  geb.  am  20.  Oktober  1703,  und  Nicolaus  Fritze,  geb.  am  20.  Oktober  1720,  zogen  nach
Magdeburg,  wo  sich  zunächst  Andreas  Fritze,  der  ältere  Bruder,  der  bei  Paul  Wilhelm
Schwager  1718  —  1729  gelernt  und  gedient  hatte,  mit  500  Talern  in  dem  Lause  Breiteweg
155  („Goldene  Laterne",  „jetzt  Preußischer  Los")  etablierte.  Er  hatte  in  seinem  Geschäfte  sehrguten
  Erfolg,  wurde  Allermann  und  Kämmerer  (Befreiung  von  Losschlettgeldern)  der  Kaufleute ­
  Brüderschaft  (August  1766  Erster  Altermann!),  Mitglied  der  Seidenkramer-Innung,
Vorsteher  des  Lospitals  St.  Georgii  usw.  unp  hinterließ,  als  er  am  21.  Februar  1771  starb,
das  für  die  damalige  Zeit  bedeutende  Vermögen  von  69000  Talern.  Ein  Sohn  von  ihm,
Natanael  Fritze,  war  Ratsherr  in  Magdeburg  und  machte  sich  um  die  Stadt  durch  Einführung
der  ersten  öffentlichen  Straßenbeleuchtung  verdient.  Er  war  auch  bei  der  Gründung  des  ersten
Magdeburger  Stadttheaters  an  der  Ecke  des  Breitenweges  und  der  Dreiengelstraße  beteiligt.
Nicolans  Fritze,  mein  Urgroßvater,  geboren  am  20.  Oktober  1720,  gestorben  am  14.  September
1799,  erlernte  dieLandlung  bei  feinem  Bruder  Andreas  Fritze,  der  ihm  später,  um  ihn  selbst-  !
ständig  zu  machen,  in  dem  Lause  Breiteweg  141  (Zum  Lindwurm),  dem  Lause  der  Kaufleute
Brüderschaft,  einen  Laden  (Kolonialwaren  und  Sämereien)  nebst  kleiner  Brauerei  in  dem  Losgebäude
  aus  6  Jahre  für  161  Taler  inietete.  Das  Geschäft  wurde  am  30.  Oktober  1747
eröffnet.  In  den  Akten  der  Kaufleute  Brüderschaft  heißt  es  dazu:  „Anno  1747  Michaelis  ist
das  Laus  zum  Lindwurm  an  Lerrn  Nicolaus  Fritzen  auf  6  Jahre  wieder  vermietet  worden,
und  zahlt  derselbe  laut  Contract  vor  die  Bauwohnung  mit  allem  Zubehörigen  überhaupt
161  Thlr.  Die  Miethe  wird  alle  halbe  Jahr  Termins  Ostern  und  Michaelis  bezahlet  mit
80,17  Rth.  Vordem  hatte  das  Laus  Lieronymus  Stillen  für  175  Thlr.  gemiethet.
In  den  Belegen  der  Kaufleute  Brüderschaft  —  Rechnung  cke  anno  1748  —  50  befinden  sich
noch  von  Nicolaus  Fritze  eigenhändig  geschriebene  und  unterschriebene  Rechnungen.
Anno  1752,  den  3.  May,  ist  laut  Protokoll  der  Pachtcontract  von  Michaelis  1753  bis
dahin  1759  also  auf  6  Jahre  wieder  prolongiert  worden.
Von  Ostern  1758  an  war  das  Laus  an  Lerrn  Johann  Wilhelm  Laagen  für  einen  jährlichen ­
  Zins  von  110  Rth.  vermietet.  Später  wurde  die  Miete  auf  130  Rth.  erhöht,  jedoch
ist,  da  die  Bauwohnung  ganz  in  Verfall  geraten,  daß  davon  wenig  oder  gar  keine  Revenuen
zu  erwarten,  so  ist  Lerrn  Laagen  in  Anbetracht  dieser  Umstände  laut  Protokoll  vom  16.  Januar
1772  an  der  Miethe  jährlich  30  Rth.  erlassen.  Am  19.  April  1774  wurde  Nicolaus  Fritze
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