76 Untersuchung von Boden. im Boden gelösten Phosphorsäure für viele Jahre ausreicht. Ferner hat Th. Schlößing noch 0,01 und 0,1 °/ 0 -ige Salpetersäure als Lösungsmittel benutzt. Sigmund 1 ) wendet ebenfalls Lösungen von 0,1—0,2 °/ 0 -igem Salpetersäureanhydrid (N a 0 6 ) an und glaubt auf Grund von gleichzeitigen Anhauversuchen schließen zu dürfen, daß calciumkarbonatreiche Böden ein Bedürfnis nach Phosphorsäure haben, wenn sie weniger als 0,04 °/ 0 , caloium- karbonatarme Böden dagegen ein Bedürfnis nach Phosphorsäure haben, wenn sie weniger als 0,025°/ 0 in obiger Salpetersäure lösliche Phosphorsäure enthalten. B. Sjollema * 2 ) kommt indes zu dem Schluß, daß alle diese Verfahren, hei denen der Boden mit einer schwachen Säure oder einem Salz behandelt wird, in chemischem Sinne eine wissenschaftliche Grundlage nicht besitzen. Das ist gewiß richtig und ist auch wohl von keiner Seite behauptet worden; wir haben es im Boden nicht mit rein chemischen, sondern mit chemisch physiologischen Vorgängen zu tun, und diese letzteren lassen sich kaum in eine chemische Eeaktionsformel bringen. Ich führe die verschiedenen Versuchsergehnisse hier nur an, um zu zeigen, daß es doch nicht unmöglich erscheint, auf dem einen oder anderen Wege zu für die Praxis genügenden Anhaltspunkten zu gelangen; heute ist es allerdings noch nicht möglich, auf Grund der chemischen Untersuchung des Bodens bestimmte Düngungsvor schriften zu geben. 5. Bestimmung der im adsorbierten Zustande in der Ackererde vorhandenen Nährstoffe, Kali, Kalk, Magnesia. 0. Kellner 3 ) hat gefunden, daß eine gesättigte Salmiaklösung das im Boden vorhandene, adsorptiv gebundene Kali (und auch Kalk) in Lösung bringt, dagegen das in anderer Form vorhandene Kali nicht angreift. Er sättigte verschiedene Böden mit Kali und ließ dann Salmiaklösung darauf ein wirken; die dadurch gelösten Kalimengen waren gleich den vorher adsorbierten -j- den Mengen, welche der Boden im ursprünglichen Zustande ohne adsorptiv zugeführtes Kali an die Salmiaklösung abgah. Kellner verfährt wie folgt: 20 g Boden werden in eine geräumige Platinsohale gebracht und mit 50 ccm einer in der Kälte gesättigten Lösung reinen Salmiaks ! / 2 Stunde lang auf dem Wasserbade unter häufigem Umrühren mit einem Platinspatel behandelt. Nach dem Absetzen des Bodens wird die überstehende Lösung durch ein kleines Filter gegossen und mit heißem Wasser nachgespült. Sodann wird die Behandlung von neuem mit 50 ccm Salmiaklösung in derselben Weise wiederholt, bis ein Teil des Filtrats heim Abdampfen über der Flamme keinen Eückstand mehr hinterläßt. Dieses wird nach 15—20-maligem Ausziehen erreicht; die Filtrate werden in einer Literflasche gesammelt, bis zur Marke verdünnt und in einem aliquoten Teil Kali, Kalk und Magnesia bestimmt. Kellner hat sodann in einem Boden tunlichst viele Pflanzen (Erbsen) gezogen und die im Boden adsorptiv gebundenen Basen Kali, Kalk und Magnesia vor und nach dem Wachstum nach vorstehendem Verfahren bestimmt; er findet, daß die von den Pflanzen aufgenommenen Mengen Kali und Kalk (für Magnesia traf dieses nicht zu) den nach der Entwicklung noch vorhandenen Mengen Kali und Kalk gleich waren den Mengen Kali und Kalk, welche vor dem Wachstum der Pflanzen im Boden im adsorptiv gebundenen Zustande vorhanden waren. Kellner schließt hieraus, daß Kali und Kalk nur im adsorptiv gebundenen oder gelösten Zustande zur Ernährung der Pflanzen dienen, daß sie dagegen aus schwer löslichen Verbindungen (wasserfreien Silikaten usw.) von den Wurzeln nicht aufgenommen werden. Wenn sich diese Beobachtung auch auf anderen Bodenarten allgemein bestätigt, so ist dieses Verfahren ein wesentlicher Fortschritt in der Bodenuntersuchung. Die Untersuchungen von D. Meyer 4 * ) über die Kalkverbindungen der Ackererde und deren Löslichkeit in 10°/ 0 Chlorämmoniumlösung sprechen für die angeführten Ergebnisse Kellners. A. Eümpler 6 ) glaubt im Kalkwasser (oder in einer 2%-igen Chloroalcium- lösung) ein Lösungsmittel für die Bestimmung des leicht löslichen bezw. in Zeolithform D Wiener Landw. Ztg. 1902, 42, 362. 2 ) Chem.-Zeitung, 1901. 25. 311. 3 ) Landw. Versuchs-Stationen 1887, 33, 359. 4 ) Landw. Jahrbücher 1900, 29, 913. 6 ) Landw. Versuchs-Stationen 1901, 55, 149 u. Die deutsche Zuckerindustrie 1901-