336 Futtermittel. Verfälschung soll nach Crispo darin bestehen, daß man dunkelgefärbten Ölrück ständen dieser Art durch Zusatz von Kalk wieder eine schöne grüne Farbe erteilt. Verschimmelten bezw. verdorbenen Raps- und Eübkuchen sucht man unter Umständen durch Zusatz von Gewürzsamen bezw. deren Abfällen wieder den würzigen Geruch des echten, frischen Raps- bezw. Rühsenkuchens zu geben. Mitunter wird durch Pressen von Raps- und Rizinussamen ein Gemisch von Raps-Rizinusöl herge stellt. Derartige Preßrückstände gelten als giftig und sind nur zur Düngung geeignet. Die mikroskopische Unterscheidung der Brassica- und Sinapis-Arten von anderen Samenarten ist nicht schwer, um so schwieriger aber ist die Unter scheidung der Brassica- und Sinapis-Arten unter sich. Von den 6 Schichten dieser Samenarten, nämlich: 1. Epidermiszellen, 2. äußerem Parenchym, 3. Palissaden-, Becher-, Stäbchen-Zellen oder Skiereiden, 4. Farbstoffzellen, 5. Aleuron- oder Protein zellen, 6. dem unter den Proteinzellen liegenden Innenparenchym des Nährgewehes sind nur die 3 ersten Zellschichten und darunter besonders die Epidermis- und Palissadenschicht zur Unterscheidung geeignet. Die vieleckigen, in der Flächenansicht meist 5- bis 6-seitigen Epidermiszellen gelatinieren zum Teil in Wasser und in verdünnter Alkalilauge bei den einzelnen Brassica- und Sinapis- Arten in sehr verschiedenem Grade und bilden oft große Mengen Schleim; in anderen Fällen ist die Epidermis gar nicht quellhar. Die darunter liegende äußere Parenchymschicht mit inhaltleeren Zellen fehlt bei einigen Arten ganz und bietet sonst wenig kennzeichnende Unterschiede. Dagegen sind die nach innen folgenden, radial gestreckten, meist gelb oder braun gefärbten Palissadenzellon für die Unterscheidung um so wichtiger. Sie besitzen, wie C. Böhmer (1. c. S. 412) ausführt, das Eigentümliche, daß im Querschnitt die Verdickungen je zweier Nach barzellen zusammen eine radial gestreckte, im oberen Teil nach dem Zelllumen zu beiderseits schräg-dachförmig absetzende Palissade bilden, die bei einzelnen Samen arten in ungleicher Höhe absetzt und in verschiedenem Dickenverhältnis zur Weite des Lumens steht. Der obere Teil der Palissade ist also hei den meisten Samen unverdickt und fadendünn; zugleich folgen, wie bei Brassica dissecta und Brassica nigra Koch zu ersehen ist, bei ein und derselben Samenart lange und kurze Palissaden alternierend aufeinander. Da die peripherischen Schichten kollabiert darüber liegen, so bekommt die Oberfläche der verschiedenen Samenarten dadurch einen welligen, netzig-grubigen Verlauf. Ist der obere, unverdickte seitliche Teil der Palissaden lang, so löst sich beim Präparieren der ganze obere Zellverband als feines Faden- netz leicht ab; sind bei anderen Kruziferenarten die unverdickten Zellwände kurz, so kann man in der Fläche ein Fadennetz nur mit Schwierigkeit erkennen, und reicht die seitliche Verdickung bis zum oberen Zellrand, so ist ein Fadennetz über haupt nicht vorhanden. C. Böhmer empfiehlt daher die Ölkuchenmehle dieser Art in Wasser auf zuweichen, mit verdünnter Alkalilauge aufzukochen, das zarte leichte Keimparenchym wiederholt mit Wasser abzuschlämmen, die abgeschlämmten Schalen für sich auf einer Glasplatte mit einer Unterlage von weißem Papier auszubreiten und zunächst mittels einer Lupe zu untersuchen, ob sie gequollen oder stark verschleimt sind, ob sie eine erkennbare oder gar sehr deutliche Maschenzeichnung aufweisen und welche Farbe sie besitzen. Bei denjenigen Kruziferensamen, welche, wie z. B. dem Raps, keine quellbare Epidermis besitzen, gelingt das Abschlämmen leichter als bei den mit quellbarer Epidermis versehenen Kruziferensamen. C. Böhmer gibt dann, anlehnend an die Gruppeneinteilung von O.Burchard, 1 ) folgende Gruppenübersicht zur Unterscheidung der einzelnen Kruziferensamen: ') Journal f. Landwirtschaft 1896, 44, 340.