526 Speisefette und -öle. B. Chemische Untersuchungsverfahren. 1. Bestimmung der freien Fettsäuren (des Säuregrades) und des Neutralfettes. a) Bestimmung der freien Fettsäuren (des Säuregrades). „5—10 g (Butter-) Fett werden in 30—40 ccm einer säurefreien Mischung gleicher ßaumteile Alkohol und Äther gelöst und unter Verwendung von Phenolphthalein (in 1 °/ 0 -iger alkoholischer Lösung) als Indikator mit X i 10 Normal-Alkalilauge titriert. Die freien Fettsäuren werden in Säuregraden ausgedrückt. Unter Säuregrad eines Fettes versteht man die Anzahl Kubikzentimeter Nor mal-Alkali, die zur Sättigung von 100 g Fett erforderlich sind.“ (Margarine-Gesetz.) Palls sich während der Titration ein Teil des Fettes unlöslich ausscheidet, so setzt man neue Mengen des Lösungsgemisches hinzu und führt darauf die Titration zu Ende. Vielfach berechnet man den Gehalt an freien Fettsäuren auch auf Ölsäure. 1 ccm 1 / 10 Normal-Alkalilauge entspricht 0,0282 g Ölsäure. Enthält ein Öl noch von der Reinigung her etwa freie Mineralsäureu, so lassen sich dieselben bestimmen, indem man das Öl mit Wasser ausschüttelt, die wässerige Schicht von dem Öl trennt und titriert. h) Bestimmung des Neutralfettes. Man neutralisiert, wie vorhin an gegeben, in der alkoholischen Lösung von 1—2 g Fett durch Titration die freien Fettsäuren, verdünnt mit dem gleichen Volumen Wasser und schüttelt wiederholt mit Petroläther aus. Der nach dem Abdestillieren des Petroläthers verbleibende Rückstand wird als Neutralfett gewogen. 2. Bestimmung der Verseifungszahl (der Köttstorferschen Zahl). Die Verseifungszahl gibt an, wieviel Milligramm Kaliumhydroxyd zur Verseifung von 1 g Fett erforderlich sind. „Man wägt 1—2 g (Butter-) Fett in einem Kölbchen aus Jenaer Glas von 150 ccm Inhalt ab, setzt 25 ccm einer annähernd 1 / 2 normalen alkoholischen Kali lauge hinzu, verschließt das Kölbchen mit einem durchbohrten Korke, durch dessen Öffnung ein 76 cm langes Kühlrohr aus Kaliglas führt. Man erhitzt die Mischung auf dem kochenden Wasserbade 15 Minuten lang zum schwachen Sieden. Um die Verseifung zu vervollständigen, ist der Kolbeninhalt durch öfteres Uraschwenken, jedoch unter Vermeidung des Verspritzens an den Kühlrohrverschluß, zu mischen. Das Ende der Verseifung ist daran zu erkennen, daß der Kolbeninhalt eine gleich mäßige, vollkommen klare Flüssigkeit darstellt, in der keine Fetttröpfchen mehr sichtbar sind. Man versetzt die vom Wasserbade genommene Lösung mit einigen Tropfen alkoholischer Phenolphthaleinlösung und titriert die noch heiße Seifen lösung sofort mit 1 / 2 Normalsalzsäure zurück. Die Grenze der Neutralisation ist sehr scharf; die Flüssigkeit wird beim Übergang in die saure Reaktion rein gelb gefärbt. Bei jeder Versuchsreihe sind mehrere blinde Versuche in gleicher Weise, aber ohne Anwendung von Fett auszuführen, um den Wirkungswert der alkoholischen Kalilauge gegenüber der 1 / 2 normalen Salzsäure festzustellen. Aus den Versuchsergebnissen berechnet man, wieviel Milligramm Kalium hydroxyd erforderlich sind, um genau 1 g des Butterfettes zu verseifen. Dies ist die Verseifungszahl oder Köttstorfersche Zahl des (Butter-) Fettes.“ (Margarine- Gesetz.) Beispiel; Angenommen, es seien angewendet 1,7955 g Butterfett, die zur Verseifung zugesetzten 25,0 ccm Kalilauge entsprächen 23,5 ccm Salzsäure, 1 ccm Salzsäure neutralisiere genau 28,1 mg Kaliumhydroxyd und es seien 8,9 com Salzsäure zur Neutralisation des nach der Verseifung noch vorhandenen freien Kaliumhydroxyds erforderlich gewesen.