960 Anhang. Selbstverständlich muß das zum Verdünnen benutzte destillierte Wasser kohlensäurefrei sein. 1 ) Falls dasselbe mit Barytwasser eine Trübung gibt, wird es gekocht und in einer mit einem Natronkalk- oder Kalihydratstüeke enthaltenden Rohre verschlossenen Flasche erkalten-gelassen. Man verwendet für die Stickstoff- Bestimmungen zweckmäßig 1 / 4 Normallauge. Wenn die Lauge vorwiegend oder nur zu Stickstoff-Bestimmungen dient, so ist es, wie gesagt, nicht notwendig, daß dieselbe genau normal bezw. genau 1 / 4 normal ist. Es erspart Zeit, wenn man eine annähernd genaue 1 j A Normallauge bereitet, deren Titer man genau gegen die Säure von bekanntem Gehalt feststellt und von der man jedesmal den Stickstoff-Faktor berechnet. Zur direkten Titerstellung der Alkalilauge kann man sich nach A. Born- träger 2 ) des reinen Kaliumbitartrats bedienen. Reines Kaliumbitartrat wird zur weiteren Reinigung mit 1 Teil Wasser und 1 / 10 Teil Salzsäure von 1,13 spezifischem Gewicht erhitzt, erkalten und kristallisieren gelassen, der Niederschlag ausgewaschen, noch einmal aus Wasser umkristallisiert und bei 100° getrocknet; 1,8819 g dieses Salzes entsprechen 10 ccm Normalalkali oder Normalsäure. Zur Titerstellung der Säure wird vorstehende Menge des Salzes oder die 2-fache Menge vorsichtig verascht (verkohlt), die Kohle mit Wasser ausgezogen und wie vorstehend S. 957 gegen die Säure eingestellt. Das Einfüllen der Lauge in die unten mit einem Glasröhrchenansatz versehene Bürette geschieht zweckmäßig wie bei der Säureflüssigkeit mittels eines Heberrohres; indes werden hier die Bürette und Vorratsflasche behufs Luftein- und -austrittes mit einem mit Natronkalk beschickten Glasrohr verschlossen, um jegliche Kohlensäure der Luft fern zu halten. b) Barytlauge. Wenn die Stickstoffbestimmungen nach dem Natronkalk verfahren — was indes wohl kaum mehr geschieht — ausgeführt werden, so empfiehlt sich unter allen Umständen die Anwendung von Barytlauge, weil das sich bildende Baryumsulfat wegen seiner weißen Farbe und weil es Farbstoffe mit niederreißt, den Farbenübergang bei den stark gefärbten Flüssigkeiten besser erkennen läßt. Aus demselben Grunde eignet sich die Barytlauge besser als Natronlauge zur Be stimmung der Säure im Rotwein oder in stark gefärbten Pflanzenauszügen, zumal wenn man diese vorher, um die Menge des Baryumsulfates zu erhöhen, ein be stimmtes Volumen (10 ccm) titrierte Schwefelsäure zusetzt. 8 ) Auch bei Bestimmung der flüchtigen Säuren in der Butter (S. 527) und zu sonstigen Säure-Titrationen wird vielfach Barytlauge vorgezogen. Man bereitet eine annähernd gesättigte Lösung, indem man auf je 1 I Wasser 35 g Barythydrat, nötigenfalls unter Zusatz von 5 g Chlorbaryum, also auf 10 1 350—400 g Baryt hydrat usw. abwägt, längere Zeit digeriert und unter tunlichster Abhaltung von Luft filtriert. Die stets schwach trübe Flüssigkeit bleibt stehen, bis sie klar ge worden ist, d. h. bis sich alles kohlensaure Baryum zu Boden gesetzt hat. Die klare Lauge wird alsdann genau gegen die Säure eingestellt und wie bei Natron lauge vollständig vor Kohlensäurezutritt geschützt. Der Titer muß indes von Zeit zu Zeit und öfter wie bei Natronlauge kontrolliert werden. 9 Man kann daher auch 700—800 g Natronhydrat gleich in 50 1 Wasser (in einem Ballon) lösen, hierzu erst genügend Barythydrat und darauf Natriumsulfat zusetzen, absitzen lassen, die Flüssigkeit vor Kohlensäure-Zutritt schützen und diese direkt verwenden. 2 ) Zeitschr. f. analyt. Chemie 1892, 31, 43. 3 ) Selbstverständlich muß man dann die den 10 ccm Schwefelsäure entsprechenden ccm Barytlauge in Abzug bringen.