Darstellung der Lösungen der Reagenzien. 961 3. Lackmustinktur. Zur Bereitung einer empfindlichen Lackmustinktur ver fährt Fr. Mohr 1 ) wie folgt: Der Lackmus wird mit heißem destilliertem Wasser erschöpft, die filtrierte Lösung verdampft, mit Essigsäure übersättigt (wobei sich Kohlensäure entwickelt), sodann weiter bis zur Konsistenz eines dicken Extraktes eingedampft. Man bringt die Masse in eine Flasche und übergießt sie mit einer größeren Menge 90°/ o -igen Alkohols. Der blaue Farbstoff wird gefällt, ein roter Farbstoff und essigsaures Kalium lösen sich. Man filtriert, wäscht mit Weingeist aus, löst den zurück bleibenden Farbstoff in warmem Wasser und filtriert. — Auch wird empfohlen, um die Lackmuslösung haltbarer zu machen, den Rückstand in wenig Glyzerin zu lösen. Die Lackmuslösung muß in offenen, bloß mit Baumwollepfropf bedeckten Gefäßen aufbewahrt werden, da sie sich in verschlossenen Gläsern bald entfärbt. Man prüft sie, indem man etwa 100 ccm Wasser damit deutlich blau färbt, die Lösung in zwei Teile teilt und zu dem einen Teil eine sehr geringe Menge einer verdünnten Säure, zum anderen eine Spur Natronlauge setzt. Färbt sich jene Hälfte deutlich rot, diese deutlich blau, so ist die Lackmustinktur brauchbar. Es darf also weder Säure noch Alkali vorwalten. Man kann sich aber auch nach dem Vorschläge von Halenke und Möslinger der Azolitminsäure bedienen (vergl. S. 763). 4. Cochenilletinktur und Kongorot, a) Cochenilletinktur: Dieser von Luckow empfohlene Indikator wird bereitet, indem man etwa 6 g gepulverte gute Cochenille mit 1 / 2 1 eines Gemenges von 300 ccm destilliertem Wasser und 200 ccm Alkohol bei gewöhnlicher Temperatur einige Stunden unter häufigem Um- schütteln behandelt und sodann durch schwedisches Filtrierpapier filtriert. Die Lösung hält sich in verschlossenen Flaschen sehr gut. Mit Säuren gibt sie gelbrote, mit Alkalien violett-karminrote Färbung. Anwesenheit von Kohlensäure in der zu titrierenden Flüssigkeit wirkt nicht so störend als bei Lackmus. Bei Anwesenheit von essigsauren Salzen, von Eisen- und Tonerdesalzen ist dieselbe jedoch nicht zu verwenden. b) Kongorot: Statt der Cochenille wird neuerdings vielfach auch Kongorot als Indikator für saure und alkalische Flüssigkeiten angewendet. Man löst für den Zweck 1,0 g Kongo rot in 1 1 50°/ o -igem Alkohol. Im freien Zustande ist der Farbstoff blau, seine Alkalisalze sind scharlach rot. Die rote Lösung des Indikators wird daher durch Säuren, selbst in geringer Menge, blau gefärbt, durch Zusatz von Alkali wieder in Rot uragewandelt. Freie Kohlensäure färbt die blaue Lösung blauviolett. Da Alaun ohne Einfluß auf den Farbstoff ist, so kann die Lösung nach Herzfeld auch zur Prüfung des Papiers auf freie Säure verwendet werden. 5. Phenolphthalein. Man löst 1 Teil Phenolphthalein in 30 Teilen Alkohol von etwa 90 Volumprozent und fügt auf etwa 100 ccm einer zu titrierenden Flüssig keit 1 bis 2 Tropfen dieses Indikators zu. Durch Alkali erhält man eine rote Flüssigkeit, während durch Säuren Farb losigkeit eintritt. Phenophthalein-Lösung ist bei Gegenwart von Ammoniumsalzen, also zur Titration bei den üblichen Stickstoffbestimmungen nicht geeignet. 6. Bosolsäure. 1 Teil reine Rosolsäure wird in 500 Teilen 80°/ 0 -igem Al kohol gelöst und mit etwas Ätzbaryt bis zur beginnenden rötlichen Färbung versetzt. l ) Journ. f. prakt. Chemie 84, 424, — Zeitschr. f. anal. Chemie 1861, 1, 386. Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage. 61