<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Joseph</forname>
            <surname>König</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>883823179</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>Mikroskopische  Untersuchung.  Leinsamen.

333

schwankten  die  Verunreinigungen  in  russischer,  durchweg  von  Königsberg  aus
vertriebener  Saat  zwischen  6,62—55,09  °/ 0 ,  in  Leinsaat  aus  Südamerika  fand  er
3,35  °/ 0 ,  in  solcher  aus  Ostindien  0,86  und  in  solcher  aus  Mecklenburg  nur  0,46  °/ 0
Verunreinigungen.  Unter  diesen  Umständen  findet  man  in  den  Leinkuchen  bezw.
Mehlen  stets  mehr  oder  weniger  fremde  Bestandteile,  ohne  daß  man  gleich  auf  eine
absichtliche  Verfälschung  schließen  darf.  Zu  den  gewöhnlichen  Verunreinigungen
gehören  die  Samen  von  z.  B.  Brassica-,  Sinapis-,  Polygonum-Arten,  Spörgel,  Kornrade, ­
  Spitzwegerich,  auch  vereinzelt  Leindotter,  Grassamen  aller  Art  (Leinlolch,
Lolium  linicolum,  Setaria,  Hirse)  usw.
Aus  dem  Grunde  gilt  nach  der  Angabe  von  E.  Haselhoff  eine  Leinsaat  mit
4  °/ 0  Unkrautsamen  und  wenn  diese  zu  den  Ölsämereien  (Brassica-  und  Sinapis-Arten,
Leindotter  u.  a.)  gehören,  noch  mit  8  °/ 0  Unkrautsamen  als  börsenmäßig  lieferbar.
Nach  der  Ermittelung  der  Versuchs-Station  Wageningen  *)  gehen  von  den  häufig  im
Leinsamen  vorkommenden  Unkrautsamen  auf  je  0,05  g:
Camelina  sativa  Polygonum  lapathifolium  Pol.  Convolvulus  Galium  Aparine
Stück  Samen  46  16  13  4
oder  sie  betragen,  wenn  so  viel  in  6  g  Leinsaat  gefunden  werden,  1  °/ 0 .
Die  Anzahl  der  in  5  g  Leinsaat  vorhandenen  Unkrautsamen  wird  nach  Punkten
ausgedrückt,  nämlich:
Camelina  sativa  Polygonum  lapathifolium  Pol.  Convolvulus  Galium  Aparine
Punkte  .  .  2  6  8  26
und  wenn  die  Summe  der  so  erhaltenen  Punkte  100  überschreitet,  soll  der  Leinsamen
nicht  mehr  als  rein  bezeichnet  werden  können.
Je  nach  dem  Gehalt  einer  Leinsaat  an  Unkrautsamen  bezw.  je  nach  dem  Grade
der  Reinigung  unterscheidet  man  sehr  verschiedene  Marken  (1.,  2.  bis  gar  25.  Qualität)
und  kommt  es  wesentlich  auf  die  Art  und  Menge  der  Verunreinigungen  an,  ob
ein  Leinkuchen  bezw.  Mehl  als  rein,  verunreinigt  oder  verfälscht  zu  bezeichnen  ist.
Vielfach  dient  auch  die  Schleimbildung  mit  Wasser  zur  Beurteilung  der
Güte  eines  Leinkuchens  bezw.  Mehles;  man  rührt  5  g  der  Ware  mit  100  ccm
kochenden  Wassers  in  einem  Becherglase  zu  einem  Brei  an  und  beurteilt  durch
Vergleich  der  schleimigen  Beschaffenheit  dieses  Breies  mit  der  eines  Breies  aus  5  g
von  einer  sicher  reinen  Ware  die  Güte  der  fraglichen  Probe.  Auch  soll  sich
dieser  Brei  nach  dem  Erkalten  auf  Zusatz  von  Jodlösung  nicht  deutlich  blau  färben;
deutliche  und  allgemeine  Blaufärbung  läßt  auf  Zusatz  stärkereicher  Abfälle  schließen.
Sicher  aber  läßt  sich  die  Art  und  annähernde  Menge  der  Verunreinigung  nur  durch
eine  eingehende  mikroskopische  Untersuchung  nachweisen.
Für  die  mikroskopische  Untersuchung  teilt  man  das  Mehl  bezw.  den  gemahlenen
Kuchen  durch  Sieben  wie  oben  S.  286  u.  f.  zweckmäßig  in  zwei  Teile,  untersucht  den
abgesiebten  Teil  auf  Stärke,  den  gröberen  Siebrückstand  nach  Behandeln  mit  Säure
und  Alkali  auf  fremde  Schalenteile.  Die  Natur  einiger  Fragmente  läßt  sich  auch
schon  im  Abgesiebten  oder  im  Schlämmrüokstand  mit  Hilfe  der  Lupe  feststellen.
Bei  der  Behandlung  des  Siebrückstandes  mit  Säuren  und  Alkali  wird  das
zartwandige  Parenchym  der  Samenkerne  zerstört;  wenn  hierauf  wie  bei  etwa  vorkommenden ­
  großen  Mengen  fremder  Stärke  nach  der  Vorprüfung  mit  Jod  Rücksicht
genommen  werden  muß,  kann  man  nach  G.  Böhmer  eine  Probe  des  Leinmehles  mit
absol.  Alkohol  in  einem  Reagenzglase  oder  Zylinder  durchschütteln  und  stehen
lassen.  Es  scheiden  sich  die  schweren  Schalentrümmer  zuerst  ab,  während  sich  das
Parenchymgewehe  auf  diesen  ansammelt;  es  kann  abgehoben  und  nach  Verdunstung
des  Alkohols  für  sich  unter  dem  Mikroskop  untersucht  werden.

’)  Landw.  Versuchs-Stationen  1892,  41,  90.</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
