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        <title>Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe</title>
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            <forname>Joseph</forname>
            <surname>König</surname>
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            <idno>883823179</idno>
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      <div>374 
Futtermittel. 
Bei Gegenwart von Weizenmehl werden ferner die großen konzentrischen 
Körner sich verraten. Ist Eoggenmehl zugesetzt, so gibt sich dieses durch die in 
der Mehrzahl strahlig zerklüfteten großen Stärkekörner zu erkennen. Ebenso 
verrät sich die Stärke der Leguminosen durch ihre bohnenartige Form mit den 
kennzeichnenden Längsrissen (vergl. Linsenstärke, Fig. 99, S. 328). 
Andere einheimische Mehle und Stärkearten, welche dem Kartoffelmehl bei 
gemengt werden könnten, bestehen zum größten Teil aus zusammengesetzten und 
eckigen Körnern, während Kartoffelstärke überhaupt wenig kleine Körner enthält 
und diese fast kugelig sind. 
Fig. 143, S. 373, zeigt eine Flächenansicht der Korkschicht der Kartoffel 
schale in einem mit verdünnter Salpetersäure und verdünnter Kalilauge hergestellten 
Präparate. Die Zellwände erscheinen meist noch braun und fallen durch ihre große 
und trotz der Dünnwandigkeit der Zellen meist noch scharf polygonale Form auf. 
Fig. 144, S. 373, zeigt ein Stück des Mehlkörpers der Kartoffel aus 
Kartoffelpülpe mit den großen, inhaltlosen Zellen mit dünnen Zellwänden, die 
im Gegensatz zur Korkschicht hier vielfach in der verschiedensten Weise zerrissen 
oder ineinandergeknickt erscheinen. 
In Melassefuttermitteln erkennt man die Kartoffelpülpe vorwiegend an 
der eigenartigen Korkschicht der Schale (Fig. 143), sowie den großen inhaltlosen, 
dünnwandigen Zellen des Mehlkörpers (Fig. 144, S. 373). 
d) Getrocknete Rüben und Etlhenschnitzel. In letzter Zeit hat man 
versucht, die Zuckerrüben ebenso wie die Kartoffeln künstlich zu trocknen, weil sie 
ebenfalls in übergroßer Menge angehaut werden und sich noch weniger verlustlos 
aufbewahren lassen, als die Kartoffeln. In bedeutend größerem Umfange und schon 
länger ist das Trocknungsverfahren bei den Diffusionsschnitzeln in Gebrauch. Nach 
dem Verfahren von Büttner und Meyer in Ürdingen werden die nassen Schnitzel 
mit den in einer besonderen Feuerung erzeugten Feuerungsgasen in direkte Berührung 
gebracht; der hohe Wassergehalt der Schnitzel schützt sie vor einer Erhitzung 
über 100°. Das Verfahren von Petry und Hecking in Dortmund unterscheidet 
sich von dem ersteren nur dadurch, daß die mit Wasserdämpfen gesättigten Heiz 
gase den Apparat schon in der vorletzten Trockenkammer verlassen, so daß die 
letzte Trockenkammer nur von außen geheizt wird. Hierdurch soll ein Anbrennen 
der Trockenschnitzel vermieden und die Wärme besser ausgenutzt werden. 1 ) 
Neben den Trockenschnitzeln aus gewöhnlichen Diffusionsschnitzeln sind 
neuerdings auch sog. „Zuckerschnitzel“ zu unterscheiden. Letztere werden nach dem 
Verfahren von K. Steffen erhalten; 2 ) darnach werden die Rübenschnitzel nicht mit 
Wasser, sondern 2 Minuten lang mit bereits gewonnenem, auf 96—100° angewärmtem 
Eühensaft behandelt, der Brühsaft abgezogen, die zurückbleibenden noch heißen 
Schnitzel in den gebräuchlichen Pressen abgepreßt und dann in den gewöhnlichen 
Schnitzeltrockenapparaten getrocknet. Ihr höherer Gehalt an Zucker rechtfertigt 
die Bezeichnung „Zuckerschnitzel“. Die Zusammensetzung dieser Erzeugnisse erhellt 
im Mittel mehrerer Untersuchungen aus folgenden Zahlen: 
Getrocknete: 
Wasser 
°/o 
Stickstoff- 
Substanz 
»/„ 
Fett 
«/„ 
Zucker 
°/o 
Stickstoff- 
freie 
Extrakt- 
stolfe 
°/o 
Rolifaser 
°/ 0 
Asche 
°/ 0 
Ganze Zuckerrüben . . 
8,10 
6,01 
0,25 
63,32 
10,84 
6,59 
4,89 
Diffusionssohnitzel . , 
11,90 
8,24 
0,60 
7,60 
49,86 
17,46 
4,45 
Zuckerschnitzel (sog.) . 
7,15 
7,05 
0.33 
34,55 
33,97 
13,10 
3,85 
') Vergl. M. Schmöger, Landw. Versuchs-Stationen 1904, 59, 83. 
3 ) Vergl. J. Hansen, Landw. Jahrbücher 1903, 32, 337.</div>
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