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        <title>Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe</title>
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            <forname>Joseph</forname>
            <surname>König</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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          <msIdentifier>
            <idno>883823179</idno>
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*	. s

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        ﻿Die Untersuchung

landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Me.
        <pb n="4" />
        ﻿Die Untersuchung

landwirtschaftlich und gewerblich

wichtiger Stoffe.

Praktisches Handbuch

von

Dr. J. König,

Geh. Reg.-Eat o. Prof, an der Kgl. Universität und Vorsteher der landwirtschaftlichen
Versuchs-Station in Münster 1. W.

Dritte, neubearbeitete Auflage.

Mit 352 Textabbildungen und einer farbigen Tafel.

BERLIN.

Verlagsbuchhandlung Paul Parey.

Verlag für Landwirtschaft. Gartenbau und Forstwesen.

SW., Hedemannstrasse 10.

'S*.
        <pb n="5" />
        ﻿Alle Rechte, auch das der Übersetzung, Vorbehalten.





-
        <pb n="6" />
        ﻿Vorrede zur dritten Auflage.

Der Inhalt der dritten Auflage hält sich innerhalb der vorgesteckten
Grenzen, nämlich eines Handbuches für die Untersuchung der für die ein-
heimische Landwirtschaft wichtigen Steife, also einerseits der für sie be-
sonders notwendigen Hilfsstolfe, andererseits der von ihr verarbeiteten
Rohstoffe. In letzter Hinsicht ist das Handbuch um zwei kleine Abschnitte,
nämlich „Rohstoffe und Erzeugnisse der Stärkefabrikation“ sowie „Obst-
erzeugnisse“, vermehrt worden. Wenn trotz dieser Beschränkung in der
Behandlung des Stoffes das Buch doch wieder eine wesentliche Erweiterung
erfahren hat, so hat das seinen Grund in der fleißigen Bearbeitung des
Gebietes, welche eine wesentliche Vervollkommnung der Untersuchungs-
Verfahren, insonderheit z. B. für die mikroskopische Untersuchung der
Futtermittel zur Folge gehabt hat und eine eingehende Berücksichtigung
verdiente. Dabei haben die bisher beschlossenen Vereinbarungen des
„Verbandes landwirtschaftlicher Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche“,
die der deutschen Nahrungsmittelchemiker und sonstiger Verbände, ferner
auch die zolltechuischeu Vorschriften für die Untersuchung gewerblich
wichtiger Stoffe Aufnahme finden müssen, um dem Buche die Eigenschaft
eines praktischen Handbuches für die Laboratorien der Agrikultur- uud
angewandten Chemie zu wahren. Wie früher, so bin ich auch jetzt durch
meine Mitarbeiter tatkräftigst unterstützt worden. Der Privatdozent
Dr. E. Haselhoff, jetzt Vorsteher der landw. Versuchsstation in Marburg,
bearbeitete die Abschnitte Boden, Gesteine, Stallmist uud künstliche Dünge-
mittel, die Beamten der hiesigen Versuchsstation: Privatdozent Dr. A. Börner
die Abschnitte Milch, Milcherzeugnisse, Fette, Bienenwachs und Schmier-
öle, der Bakteriologe Dr. A. Spieckermann die Abschnitte Pilze der
Futtermittel, Hefe, sowie die mikroskopische und biologische Untersuchung
von Trink- und Schmutzwasser, während Oberassistent Dr. E. Hasen-
        <pb n="7" />
        ﻿VI

Vorrede.

bäumer die Bearbeitung des alphabetischen Inhaltsverzeichnisses übernahm.
Ihnen allen und auch den Fachgenossen, die mir neue Beiträge geliefert
oder mich auf Mängel und Fehler der früheren Auflage aufmerksam gemacht
haben, spreche ich an dieser Stelle aufrichtigen Dank aus. Trotz dieser
wesentlichen Unterstützung war es dem Verfasser wegen sonstiger viel-
fachen Aufgaben nicht möglich, die schon lange vergriffene 2. Auflage
früher als jetzt durch die neue zu ersetzen. Mögen aber Inhalt und Aus-
stattung der neuen Auflage die Freunde des Buches mit der Verzögerung
versöhnen.

Münster i. W., im Januar 1906.

Der Verfasser.
        <pb n="8" />
        ﻿Inhalt.

Seite

Boden........................................................................... 1

A. Untersuchung der Mineralböden .............................................. I

Vorarbeiten für die Bodenuntersuchung..................................... I

Die mechanische Untersuchung des Bodens .................................. 5

.................. 6

.................. 6

.................. 6

.................... 7

.................. 8

..................11

I.	Körnung mit dem Siebe.......................................

II.	Schlämmanalyse.............................................

1.	Der Kühnsohe Schlämmzylinder.............................

2.	Der Kühn-Wagnersche Sohlämmzylinder......................

3.	Der Schönesche Schlämmapparat...........................

Die chemische Untersuchung des Bodens ..............................

I.	Bestimmung der Boden-Konstituenten................................12

1.	Bestimmung des hygroskopischen oder mechanisch absorbierten Wassers 12

2.	Bestimmung des chemisch gebundenen Wassers (bezw. Glühverlustes) 13

3.	Bestimmung des Humus ...................................

a)	Bestimmung des Humus durch Elementaranalyse.................

b)	Bestimmung des Humus durch Oxydation mit Chromsäure bezw

saurem chromsaurem Kalium...................................

4.	Bestimmung der kohlensauren Erden.............................

a)	Bestimmung der Kohlensäure.................................

h) Bestimmung der kohlensauren Erden durch Auskochen mit

Ammoniumnitrat........................................

c)	Desgleichen mit Ammoniumchlorid, Nachträge...........

5.	Bestimmung des Gipses...................................

6.	Bestimmung der aufgeschlossenen Silikatbasen ...........

7.	Bestimmung des Tones....................................

a)	Durch mechanische Untersuchung.......................

b)	Durch chemische Untersuchung.........................

8.	Bestimmung des Sandes (Quarz Silikate)..................

a)	Bestimmung des Gesamtgehaltes........................

b)	Petrographische Bestimmung der gröberen Gemengteile des Sandes 21

II.	Die Bestimmung der einzelnen chemischen Elemente bezw. der Pllanzen-

nährstoffe • .....................................................

1.	Behandlung des Bodens mit schwachen Säuren.....................

a)	Mit kohlensäurehaltigem Wasser.............................

b)	Behandlung des Bodens mit kalter konzentrierter Salzsäure • ■ •

c)	Behandlung des Bodens mit heißer konzentrierter Salzsäure • ■ •

Untersuchung der sauren Lösungen............................

«) Bestimmung der gelösten Kieselsäure .....................

ß) Bestimmung des Eisenoxyds, der Tonerde und Phosphorsäure •

y) Bestimmung des Mangans...................................

d)	Bestimmung des Kalkes ......................................

f) Bestimmung der Magnesia..................................28

5)	Bestimmung der Schwefelsäure und der Alkalien	29

2.	Aufsohließung des Rückstandes von der Behandlung mit heißer kon-
zentrierter Salzsäure durch konzentrierte Schwefelsäure..30

a)	Bestimmung der aufgeschlossenen Kieselsäure................31

b)	Bestimmung der aufgeschlossenen Basen................

13

13

14

15

15

16
1056

16

16

18

18

19

20
20

21

22

22

23

23

24
24
24
26
27

32
        <pb n="9" />
        ﻿YIII

Inhalt.

Seite

3.	Aufsohließung des von der Behandlung mit Schwefelsäure und Natrium-
karbonat verbleibenden Rückstandes durch Flußsäure................. 32

4.	Bestimmung des Quarzes........................................ 35

III,	Bestimmung einzelner Bestandteile des Bodens......................... 35

1.	Bestimmung	des	Humus.............................................. 35

2.	Bestimmung	der	Kohlensäure........................................ 36

3.	Bestimmung	der	Gesamtmenge des Stickstoffs ....................... 37

4.	Bestimmung	des	Ammoniaks.......................................... 38

5.	Bestimmung	der	Salpetersäure...................................... 39

6.	Bestimmung	des	Chlors bezw. Kochsalzes............................ 39

7.	Bestimmung	des	Schwefels.......................................... 39

8.	Bestimmung	des	Eisenoxyduls ....................................   41

9.	Bestimmung	von	Kupfer und Blei...................................  42

10.	Bestimmung	von	Zink..............................................  42

IY. Bestimmung der physikalischen Eigenschaften des Bodens................. 43

1.	Bestimmung	des	spezifischen Gewichtes des Bodens.................. 43

2.	Bestimmung	des	absoluten oder Volumengewichtes	des Bodens • ■ • •	44

3.	Bestimmung	des	scheinbaren spezifischen Gewichtes des Bodens ■ • ■	45

4.	Bestimmung	der	Porosität des Bodens............................... 45

5.	Bestimmung der Absorptionsgröße des Bodens gegen 1/10 bezw. 1/ioo

Normallösungen der wichtigeren Pflanzennährstoffe.................. 46

6.	Bestimmung des Absorptions-Koeffizienten nach Knop................ 49

7.	Bestimmung der wasserfassenden Kraft oder der Wasser-Kapazität des

Bodens............................................................... 49

8.	Bestimmung des Wasser-Aufsaugungsvermögens, der Kapillar-Anziehung

des Bodens..........................................................  64

9.	Bestimmung der Yerdunstungsfähigkeit des Bodens • • • ............ 66

10.	Bestimmung der Piltrationsfäbigkeit des Bodens.................... 57

11.	Bestimmung der Absorptionsfähigkeit des Bodens für Wasserdampf • •	58

12.	Bestimmung der Absorptionsfähigkeit des Bodens für Sauerstoff der

atmosphärischen Luft................................................  61

13.	Bestimmung der Luftdurchlässigkeit des Bodens..................... 61

14.	Bestimmung der Wärmeabsorption des Bodens......................... 62

16.	Bestimmung des Wärmeleitungsvermögens	des Bodens................. 62

16.	Bestimmung der Kohäsion und Adhäsion des Bodens................... 63

17.	Bestimmung der Benetzungswärme des Bodens nach Mitscherlich	•	■	64

18.	Bestimmung der Hygroskopizität der Bodenarten nach demselben •	•	•	67

Y. Zusammenstellung der Ergebnisse der Boden-Untersuchung................. 70

VI. Anhaltspunkte für die Beurteilung der Güte eines Bodens nach den Ergeb-
nissen der Untersuchung...................................................... 71

1.	Das	Verhalten	des Bodens gegen Ammoniak............................ 72

2.	Der	Gehalt	des Bodens an Humus und dessen	Beschaffenheit........... 73

3.	Der	Gehalt	an	kohlensauren Erden................................... 73

4.	Der	Gehalt	an	Stickstoff, Phosphorsäure und	Kali................... 73

5.	Bestimmung der im absorbierten Zustande in der Ackererde vorhandenen

Nährstoffe: Kali, Kalk, Magnesia....................................  76

6.	Die wasserhaltende Kraft (oder die Wasserkapazität) des Bodens •	•	•	77

7.	Das Wasseraufsaugungsvermögen (die Kapillaranziehung) des Bodens	•	77

8.	Die Benetzungswärme bezw. Hygroskopizität des Bodens................ 77

9.	Bestimmung der organischen Substanz der „matiere noire“........... 77

10.	Ermittelung der aufnehrabaren Nährstoffe (der Fruchtbarkeit) des Bodens

aus dem Gehalt der in ihm gewachsenen Pflanzen an Nährstoffen	■	•	78

11.	Schädliche Bestandteile des Bodens................................. 81

B.	Untersuchung der Moorböden.................................................. 82

I.	Probenahme............................................................. 83

Anweisung zur Entnahme von Moorboden-Proben behufs chemischer und

physikalischer Untersuchung....................................... 83

II.	Vorbereitung zur Untersuchung und	physikalische Untersuchung........... 85

III.	Chemische Untersuchung................................................. 88
        <pb n="10" />
        ﻿Inhalt.

IX

Seite

1.	Trockensubstanzbestimmung..........................................

2.	Veraschung.........................................................

3.	Bestimmung einzelner Bestandteile..................................

a)	Stickstoff.......................................................

b)	Schwefel und Phosphor............................................

c)	Pflanzenschädliche Stoffe........................................

d)	Bestimmung der Absorption wichtiger Pflanzennährstoffe durch den

Moorboden .........................................................

e)	Bestimmung der freien Humussäuren im Moorboden...................

IV.	Berechnung der Untersuchung und ihre Verwertung zur Beurteilung der

Güte eines Moorbodens..................................................

V.	Untersuchung der Materialien zur Bedeckung des Moorbodens bei der An-
lage von Deckkulturen nach Eimpaus System („Dammkultur“)..................

a)	Qualitativer Nachweis der pflanzenschädliohen Stoffe...............

b)	Quantitative Bestimmung der pflanzenschädlichen Stoffe ............

Untersuchung von Gesteinen und derdn Verwitterungs-Erzeugnissen • • • ■

1.	Aufsohließung mit kohlensaurem Kalium-Natrium..........................

2.	Aufschließung mit Plußsäure............................................

3.	Aufschließung mit kohlensaurem Baryum oder Baryumhydroxyd, Salzsäure usw.

4.	Aufsohließung mit Borsäure ............................................

5.	Bestimmung des Quarzgehaltes...........................................

6.	Bestimmung der kohlensauren Verbindungen...............................

7.	Bestimmung der Schwefelverbindungen....................................

8.	Bestimmung des Eisenoxyduls............................................

9.	Bestimmung der Verwitterbarkeit........................................

Kalksteine, Mergel bezw. Kalkdüngemittel......................................

Strontianit...................................................................

Tone..........................................................................

1.	Der Kaolin oder die Porzellanerde......................................

2.	Die plastischen Tone...................................................

3.	Die Ziegelerde.........................................................

Kalk, Zement..................................................................

Gebrannter Kalk............................................................

Kalkmörtel.................................................................

Zement und Wasserkalk......................................................

1.	Puzzolan-Zemente ..................................................

2.	Koman-Zemente ................................................. ■ ■ •

3.	Portland-Zement....................................................

4.	Gemischte Zemente..................................................

Tierische Entleerungen und Stallmist.............................................

Tierische Entleerungen in frischem Zustande...................................

I.	Ham....................................................................

II.	Kot...................................................................

Stallmist ............................................. ......................

A.	Untersuchung der wässerigen Plüssigkeit • ,...........................

B.	Untersuchung des festen Anteiles.................._...................

C.	Berechnung der Ergebnisse auf ursprünglichen Stallmist................

D.	Jauche • .............................................................

Einstreu- und Frischhaltungsmittel für Stallmist..............................

I.	Einstreumittel; Stroh, Torfstreu usw...................................

A.	Untersuchung der Einstreumittel....................................

B.	Beurteilung der Einstreumittel.....................................

II.	Bindungsmittel für Stallmist..........................................

Künstliche Düngemittel...........................................................

Allgemeine Untersuchungs-Verfahren............................................

A.	Bestimmung des Wassers................................................

B.	Bestimmung des Stickstoffs............................................

I.	Gesamt-Stickstoff nach Kjeldahl..................................

1.	Pür salpetersäurefreie oder salpetersäurearme Stoffe...........

2.	Pür salpeterhaltige Stoffe bezw. Salpeter......................

88

88

89

89

89

90

90

90

91

94

96

97

97

98
98

98

99
99

100

100

100

100

101

106

107

108
108
110
112
112
113

113

114
114
116

117

118
118
118

123

124

127

128
129

131

132
132
132
134
134
136
136
136
136
136
.136
141
        <pb n="11" />
        ﻿X

Inhalt.

Seite

II.	Ammoniak-Stickstoff.................................................142

III.	Salpeter-Stickstoff................................................144

1.	Reduktion der Salpetersäure zu Stickoxyd nach Schlösing-Wagner 144

2.	Reduktion der Salpetersäure	zu	Ammoniak..........................146

3.	Bestimmung der Salpetersäure	mit	dem	Nitrometer..................147

4.	Bestimmung des Salpetersäure-Stickstoffs neben organischem Stickstoff 147

C.	Bestimmung der Phosphorsäure............................................148

1.	Freie Phosphorsäure..............................................148

al Maßanalytisches Verfahren......................................148

b) Gewichtsanalytisches Verfahren.................................149

2.	Wasserlösliche und Gesamt-Phosphorsäure..........................149

a)	Maßanalytisches Verfahren.....................................149

b)	Gewichtsanalytisohes Verfahren................................150

«) Molybdänverfahren ...........................................160

ß) Zitratverfahren..............................................152

3.	Zitronensäurelösliche Phosphorsäure..............................154

4.	Zitratlösliohe Phosphorsäure.....................................156

D.	Bestimmung des Kalis....................................................157

1.	Bestimmung des Kalis als Kaliumplatinchlorid, bezw. in Form des

hieraus abgeschiedenen Platins....................................157

2.	Bestimmung des Kalis als überchlorsaures Kalium..................159

E.	Bestimmung von Eisenoxyd, Tonerde, Mangan, Kalk und Magnesia ■ ■ ■ ■ 159

1.	Verfahren von E. Glaser zur Bestimmung von Eisenoxyd, Tonerde

und Kalk..........................................................160

2.	Verfahren von R. Jones zur BestimmungvonEisenoxyd,Tonerdeu.Kalk 160

3.	Verfahren von H. Lasne zur Bestimmung der Tonerde................161

4.	Verfahren von Hollemann zur Bestimmung des Kalkes................161

5.	Bestimmung des Mangans...........................................162

F.	Bestimmung von Kieselsäure, Kohlensäure, Schwefelsäure, Chlor, Jod und Fluor 162

1.	Bestimmung der Kieselsäure.......................................162

2.	Bestimmung der Kohlensäure.......................................162

3.	Bestimmung der Schwefelsäure und des Schwefels...................162

4.	Bestimmung des Chlors, Jods und Fluors...........................162

Besondere Vorschriften für die Untersuchung der einzelnen Düngemittel ■ ■	163

Die Vorbereitung der Proben im Laboratorium.................................163

Untersuchung der einzelnen Düngemittel......................................165

I.	Blutmehl, Ledermehl, Wolle, Wollstaub, Haare, Hornmehl, Fleisohdünge-

mehl, Fischguano.......................................................165

1.	Stickstoff S. 165. — 2. Phosphorsäure S. 165. — 3. Asche, Sand
und Feuchtigkeit S. 166. — 4. Nachweis von Blut in Blutdünger,
Blutmelasse S. 166.

II. Knochenmehl...........................................................167

1.	Stickstoff S. 167. — 2. Asche und Sand S. 167. — 3. Phosphor-
säure S. 167. — 4. Feuchtigkeit S. 167. — 5. Haut- und hornartige
Stoffe S, 167. — 6. Fett S. 168. — 7. Feinheit S. 168. — 8. Was ist
Knochenmehl? S. 168. — 9. Verfälschungen des Knochenmehles S. 168.

III.	Peruguano............................................................169

a)	Roher Peruguano...................................................169

1.	Gesamt-Stickstoff S. 169. — 2. Ammoniak-Stickstoff S. 169. — 3. Sal-
petersäure-Stickstoff S. 169. — 4. Phosphorsäure S. 169. — 5. Kali

S.	170. — 6. Oxalsäure S. 170. — 7. Feuchtigkeit S. 170. —- 8. Asche
und Sand S. 170. — 9. Prüfung auf Echtheit S. 170.

b)	Aufgeschlossener Peruguano........................................171

1.	Stickstoff S. 171. — 2. Lösliche Phosphorsäure S. 171. — 3. Kali
und sonstige Bestandteile S. 171.

IV.	Baker-, Maiden-, Mejillones-Guano....................................172

1.	Stickstoff S. 172. — 2. Phosphorsäure S. 172. — 3. Asche, Sand
und Feuchtigkeit S. 172.

V.	Knochenkohle, Knochenasche usw.......................................172

1.	Phosphorsäure S. 172. — 2. Feuchtigkeit S. 172. — 3. Kohlensäure

und Ätzkalk S. 172. — 4. Schwefelsäure und Chlor S. 172.
        <pb n="12" />
        ﻿Inhalt.

XI

VI.	Thomasphosphatmehl...................................................

1. Gesamt-Phosphorsäure S. 172. — 2. Zitronensäurelösliche Phosphor-
säure S. 173. — 3. Spezifisches Gewicht S. 176 — 4. Peinmehl

S.	176. — 6. Nachweis von Verfälschungen des Thomasphosphatmehles

S.	176.

VII.	Phosphorite, Apatite, Koprolithe usw.................................

1. Phosphorsäure S. 177. — 2. Kohlensäure S. 178, — 3. Feuchtig-
keit S. 178.

VIII.	Präzipitierte Phosphate.............................................

1. Gesamtphosphorsäure S. 178. — 2. Zitratlösliche Phosphorsäure

S.	178 — 3. Eisenoxyd, Tonerde, Kalk usw. S. 178. — 4. Arsengehalt
in für Fütterungszwecke bestimmtem Präzipitat S. 178.

IX.	Superphosphate.......................................................

1. Stickstoff S. 180. — 2. Wasserlösliche Phosphorsäure S. 180. —

3.	Zitratlösliche Phosphorsäure S. 181. — 4. Gesamtphosphorsäure

S.	182. — 5. Fluor S. 182. — 6. Feuchtigkeit S. 182.

X.	Salpeter............................................................

a)	Chilisalpeter (Natronsalpeter)...................................

1. Stickstoff S. 182. — 2. Feuchtigkeit S. 182, — 3. Sand und organische
Stoffe S. 182. — 4. Schwefelsäure S. 182. — 5. Chlor S. 183. — 6. Kalk
und Magnesia S. 183. —• 7. Natron S. 183. — 8. Nachweis und Be-
stimmung von Perchlorat im Salpeter S. 183.

b)	Kalisalpeter.....................................................

XI.	Ammoniaksalz (Schwefelsaures Ammon)..................................

1. Stickstoff S. 185. — 2. Feuchtigkeit S. 186, — 3. Prüfung auf
Rhodanverbindungen S. 185.

XII.	Superphosphatgips, Phosphatgips und Gips.............................

1. Freie Phosphorsäure S. 186. — 2. Wasserlösliche Phosphorsäure
S. 186. — 3. Gesamtphosphorsäure S. 186. — 4. Schwefelsäure, Kalk
und Magnesia S. 186. — 6. Sand und Unlösliches S. 186. — 6. Feuchtig-
keit S. 186.

XIII.	Kalisalze, Kochsalz und Viehsalz....................................

1. Feuchtigkeit S. 186. — 2. Alkalien (Kali und Natron) S. 187. —

3.	Schwefelsäure S. 187. — 4. Chlor S. 187. — 5. In Säure un-
löslicher Rückstand S. 187. — 6. Kalk und Magnesia S. 188.

XIV.	Düngergemische .....................................................

1. Stickstoff S. 188. — 2. Phosphorsäure S. 188. — 3. Kali S. 188. —

4.	Feuchtigkeit S. 189.

Berechnung des Mindergeldwertes der Düngemittel bei Mindergehalt • ■ • •

Maßregeln für die Düngerkontrolle .........................................

Asche von Pflanzen, tierischen Stoffen und Brennstoffen...........................

I.	Pflanzenasche.........................................................

1.	Vorbereitung........................................................

2.	Veraschen...........................................................

3.	Bestimmung der einzelnen Bestandteile der Asche.....................

a)	In der ohne jeglichen Zusatz dargestellten Asche..................

b)	Bestimmung der Säuren in der unter Zusätzen dargestellten Asche •

4.	Berechnung und Zusammenstellung der Ergebnisse der Asche............

II.	Asche tierischer Stoffe...............................................

III.	Asche der Brennstoffe.................................................

Futtermittel......................................................................

A.	Allgemeine Untersuchungsverfahren............................................

I. Vorbereitung zur Untersuchung..........................................

II. Bestimmung des Wassers bezw. der Trockensubstanz.......................

III.	Bestimmung der stickstoffhaltigen Substanzen..........................

1.	Rohprotein .........................................................

2.	Reinprotein.........................................................

3.	Albumosen und Peptone.......................................... ' ' ' '

4.	Trennung und Bestimmung der nichteiweißartigen Stickstoff-Verbindungen

Seite

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        <pb n="13" />
        ﻿XII

Inhalt.

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5.	Salpetersäure........................................................218

6.	Verdauliche Stickstoff-Substanz bezw. unverdauliches Nuklein.........219

IV.	Bestimmung des Fettes.................................................220

1.	Bestimmung des Bohfettes (bezw. Ätherauszuges).......................220

2.	Bestimmung der freien Fettsäuren des Fettes..........................223

V.	Bestimmung der Stickstofffreien Extraktstoffe bezw. der Kohlenhydrate • • 224

1.	Bestimmung der Gesamtmenge der in Wasser löslichen Stoffe............224

2.	Bestimmung einzelner Bestandteile des wässerigen Auszuges............226

3.	Bestimmung und Trennung der löslichen Kohlenhydrate..................226

a)	Trennung der Dextrine von den Zuckerarten.........................226

b)	Bestimmung der einzelnen Zuckerarten..............................227

a) Auf chemischem Wege..............................................227

ß) Durch Polarisation.............................................. 233

c)	Bestimmung der Dextrine...........................................232

4.	Bestimmung der Stärke................................................238

5.	Bestimmung der verdaulichen Kohlenhydrate............................242

6.	Bestimmung der Pentosane S. 243 und Nachträge S. 1056.

VI.	Bestimmung der Bohfaser S. 245 (bezw. der Zellulose, des Lignins und Kutins:
Nachträge S. 1067).

VII.	Bestimmung der Asche....................................................261

VIII.	Bestimmung des Sandes in den Futtermitteln............................252

IX.	Prüfung der Futtermittel auf ihre Neigung zu Schimmelbildung oder Fäulnis

von A. Emmerling.........................................................253

B.	Untersuchung der Futtermittel im besonderen..................................254

Chemische Untersuchung	der Futtermittel..................................254

I. Grün- und Bauhfutter.....................................................254

1. Probenahme S. 254. — 2. Zerkleinerung und Wasserbestimmung

S.	254. — 3. Die Bestimmung der einzelnen Bestandteile S. 265.

II.	Sauerfutter, Preßfutter (Ensilage),	Schnitzel.......................... 256

1. Gesamtstickstoff S. 267. — 2. Freie Säuren S. 258. — 3. Fett S. 258.

III.	Schlempe, Pülpe, Treber,	Trester ......................................258

1. Wasser S. 258. — 2. Stickstoff S. 259. — 3. Fett S. 269. — 4. Freie
Säuren S. 259. — 5. Zucker, Dextrin S. 269. — 6. Bohfaser S. 260. —

7.	Asche S, 260. — 8. Alkohol S. 260. — 9. Glyzerin S. 260.

IV.	Melasse und	Melassemischfutter.........................................261

1. Wasser S. 262. — 2. Stickstoff S. 262. — 3. Fett S. 262. — 4. Zucker

S.	263. — 5. Bohfaser S. 263. — 6. Asche S. 263. — 7. Nachweis
der Natur des Melasseträgers S. 263. — 8. Nachweis von Blut in sog.
Blutmelasse S. 263, — 9. Gehalt an Melasse bezw. Meiasseträger in
Melassemischfutter S. 263. — 10. Garantien im Handel mit Melasse-
futter S. 265. — 11. Wertschätzung der Melassefuttermittel S. 265.

V.	Peptonfutter............................................................266

VI.	Wurzelgewächse:	Kartoffeln	und Buben usw................................266

1. Probenahme S. 266. — 2. Bestimmung des Wassers S. 267. — 3. Be-
stimmung der übrigen Bestandteile S. 267. — 4. Spezifisches Ge-
wicht S. 268.

VII.	Ölsamen.................................................................268

1. Bestimmung des Fettes S. 268 und Nachträge S. 1068. — 2. Be-
stimmung der Eanzigkeit der Fette S. 268. — 3. Bestimmung der Boh-
faser, der Stärke und der in Wasser löslichen Stoffe S. 268. — 4. Be-
stimmung des Senfölgehaltes in den Cruoiferensamen S. 269.

VIII.	Körner und Mehle der Getreidearten und Hülsenfrüchte..................270

1. Nachweis von Unkrautsamen S. 271. — 2. Nachweis von Mutterkorn

5.	272. — 3. Bestimmung des Klebers und der Backfähigkeit eines

Mehles S. 272. — 4. Bestimmung der wasserbindenden Kraft (Teig-
prohe) des Mehles S. 278. — 6. Verkleisterungsprobe S. 278. ______

6.	Diastatische Probe S. 278. — 7. Bamihlsche Probe 8. 278. —

8.	Milbenprobe S. 278. — 9. Nachweis und Bestimmung von Alaun.
        <pb n="14" />
        ﻿Inhalt.

XIII

Seite

Kupfer, Zink, Blei S. 278. — 10. Nachweis des Ölens des Weizens
S. 279. — li. Bestimmung des Yolumgewichtes S. 280. — 12. Zoll-
technische Prüfung des Mehles S. 280.	—	13. Bestimmung des

Alkaloidgehaltes der Lupinen, bezw. des giftigen Stoffes darin S. 281.

IX.	Ölkuchen, Kleie und ähnliche gewerbliche Abfälle.......................

X,	Knochenfuttermehl oder Futterkalkphosphat • • ..........................

Mikroskopische Untersuchung der Futtermittel..................................

I. Die Getreidearten und ähnliche stärkereiche Futtermittel................

Roggen S. 290, — Weizen, Nacktweizen S. 291. — Mahl-und sonstige
Abgänge von Roggen und Weizen S. 295. — Spelz weizen S. 299. —
Gerste S. 304. — Hafer S. 309. — Reis S. 311. — Mais S. 314. —
Hirse S. 317. — Buchweizen S. 322.

II.	Hülsenfrüchte...........................................................

Erbsen S. 325. — Sau- und Feldbohne S. 326. — Linse S. 327. —
Lupine S. 328. — Sandwicke S. 330. — Sojabohne S. 330.

III,	Rückstände der Ölbereitung.............................................

Leinsamen S. 332. — Raps- und Rübsen S. 335. — Winterraps S. 338.
— Sommerrübsen S. 339. — Kohlsaat S, 339. — Erdnuß S. 339. —
Baumwollesameu S. 344. •— Sesamsamen S. 348. — Palmkerne S. 350.
— Kokosnuß S. 352. •— Mohnsamen S. 353. — Sonnenblumenkerne
S. 355.	—	Hanfsamen	S. 357. — Candlenuß S. 359. — Nigersamen

S. 359.	—	Ölmadie	S.	361. — Leindottersamen S. 362. — Buohnuß

S. 363.	—	Walnuß	S.	364. — Anis S. 365. — Fenchel S. 366. —

Kümmel S.	367, —	Olivenkeme S. 367. — Rizinussamen S. 368.

IV.	Künstlich getrocknete Futtermittel.....................................

Getrocknete Treber S. 370. •— Getrocknete Schlempen S. 371. — Ge-
trocknete Kartoffeln S. 372. — Getrocknete Rüben und -Schnitzel S. 374.

V,	Fleischfuttermehl, Fisohfuttermehl, Kadavermehl.........................

VI.	Unkrautsamen und Verfälschnngsmittel...................................

Unkrautsamen von Gräserarten..........................................

Lolch und Trespe S. 379. — Flughafer, Quecke, Borstengras, Hühner-
fennich S. 380.

Unkrautsamen von Cruciferen und anderen Pflanzen......................

Ostindische Rapssaat S. 382. •— Europäischer Raps S. 383. —■ Russischer
Sareptasenf S. 383. — Raute und Schotendotterhederich S. 384. — Hede-
riohsamen S. 384. — Ackersenf 385. — Schwarzer und weißer Senf
S. 386. — Hirtentäschohen S. 387, — Feld-Pfennigkraut S. 388. —
Kresse S. 389.,— Kornrade S. 389. — Vogelmiere S. 390. — Wege-
rich S. 391. — Gemeiner Sauerampfer S. 391. — Ampferblätteriger
Knöterich S. 392. — Wachtelweizen S. 392. — Windenknöterich S. 393.
— Gänsefuß S. 394. — Ackerspörgel S. 394. — Steinnuß S. 395. —-
Sägemehl S. 395. — Moostorf S. 397. — Kaffeesamenschale S. 397.
Die Pilze der Futtermittel....................................................

1.	Pilze, die von Getreidearten und Futtergräsern stammen...............

Brandpilze S. 398. — Rostpilze S, 400. — Meltaüpilz S. 401. •— Mutter-
kornpilz S. 401. — Schwärzepilze S. 402. — Getreideblattpilze S. 404.
— Der in den Samen der Lolium-Arten enthaltene Pilz S. 405.

2.	Pilze an den Rühen...................................................

Blattpilze S. 406. —- Pilze der Eübenwurzel S. 406.

3.	Pilze an den Kartoffeln..............................................

Kartoffelpilz S. 407. — Erreger der Kartoffelfäule S. 407. — Schorf
der Kartoffeln S. 410. — Eisenfleokigkeit der Kartoffeln S. 410.

4.	Pilze an den Leguminosen.............................................

Rostpilze S. 410. — Meltaupilze S. 411. — Blattfleckenpilze des Klees

S.	411. — Fleckenkrankheit der Bohne und Erbse S. 411.

5.	Pilze an den Cruciferen ■ ...........................................

Plasmodiophora Brassicae (Kohlhemie) S. 412. — Peronospora para-
sitica S. 413. — Sporidesmium exitiosum S. 413.

Die Beurteilung von Futtermitteln, die von parasitären Pilzen befallen sind

6.	Die in Futtermitteln vorkommenden saprophytischen Pilze..............

Eumyceten S. 414. — Sohizomyceten S. 418.

282

283

284
288

324

331

369

376

378

378

382 ,

398

398

405

407

410

412

413

414
        <pb n="15" />
        ﻿xiy

Inhalt.

Seite

Nachweis der saprophytischen Pilze....................................419

Beurteilung der saprophytischen Pilze in Futtermitteln................420

Einige tierische Schmarotzer in den Futtermitteln..............................421

Nematoden S. 421. — Milhenarten S. 422. — Kornwurm S. 422. —
Mehlkäfer S. 428. — Erbsen- und Bohnenkäfer S. 423.

Allgemeine Grundsätze für den Handel mit käuflichen Futtermitteln ■ ■ • 424
Geldwertsberechnung der Futtermittel und Minderwertsberechnung bei
Mindergehalt.............................................................427

Sämereien..........................................................................430

Vorschriften für die technische Untersuchung der Sämereien..................430

1.	Einzufordernde Samenmenge S. 430. — 2. Probeziehung S. 430. —

3.	Engere Mittelprobe S. 431. — 4. Echtheit S. 431. — 5. Reinheit
S. 431. — 6. Absolutes Gewicht S. 432. — 7. Volumgewicht S. 432.

—	8. Mehligkeit S. 432. — 9. Keimkraft S. 432. — 10. Wertbe-
stimmung von Grassamen S. 434. —■ 11. Wertbestimmung von Beta
S. 434. — 12. Latitüde S. 435. — 13. Rechtsgültige Aufstellung des
Untersuchungsberichtes S. 435. — 14. Schiedsprüfungen S. 435.

Art der Ausführung der Vorschriften	für die Untersuchung...................435

1.	Entnahme der Mittelprobe S. 436. — 2. Herstellung einer engeren
Mittelprobe S. 437. — 3. Bestimmung der Echtheit des Samens S. 437.

—	4. Ermittelung der Reinheit S. 438. — 5. Ermittelung der Keim-
fähigkeit S. 438. — 6. Sonstige Bestimmungen S. 443. — 7. Gehalts-
spielraum S. 445.

Milch- und Molkerei-Erzeugnisse....................................................446

I.	Vollmilch..................................................................446

Vorbemerkungen...........................................................446

Untersuchungsverfahren...................................................448

1.	Bestimmung des	spezifischen Gewichtes...............................448

2.	Bestimmung des	Fettes...............................................451

a)	Gewichtsanalytische Verfahren (nach Adams mit Sand-Gips, nach

Th. Dietrich, Röse-Gottlieb u. a.)................................452

b)	Das aräometrische Fettbestimmungsverfahren von Fr. Soxhlet • • • 465

c)	Die Zentrifugalverfahren..........................................459

d)	Die refraktometrische Fettbestimmung nach Wollny..................463

e)	Verfahren zur	annähernden Bestimmung des	Fettes.......466

3.	Bestimmung der	Trockensubstanz bezw.	des	Wassers...................469

4.	Bestimmung des	Stickstoffs und der Stickstoffverbindungen..........470

5.	Bestimmung des	Milchzuckers........................................470

6.	Bestimmung der	Mineralstoffe.......................................471

7.	Bestimmung des	Säuregehaltes.......................................472

8.	Bestimmung der	Haltbarkeit.........................................473

9.	Bestimmung des	Sohmutzgehaltes.....................................476

10.	Bakteriologische Untersuchung.......................................476

11.	Unterscheidung von erhitzter und nicht erhitzter	Milch..............476

12.	Nachweis von Frischhaltungsmitteln..................................478

13.	Nachweis fremder Farbstoffe.........................................484

14.	Nachweis von Salpetersäure in der Milch.............................485

15.	Untersuchung des Milchserums........................................486

16.	Beziehungen zwischen spezifischem Gewicht, Trockensubstanz und Fett 488

17.	Berechnung des spezifischen Gewichtes der Trockensubstanz, des Gehaltes

an fettfreier Trockensubstanz.........................................489

Anhaltspunkte für die Beurteilung der	Milch........................490

1.	Nachweis von Milchfälsohungen........................................490

2.	Stallprobe..........................................................491

3.	Berechnung der zugesetzten Wassermenge	und	der entzogenen Fettmenge 492

4.	Marktkontrolle......................................................494

6.	Allgemeine Maßregeln für den Milohhandel............................494

II.	Rahm, Magermilch, Buttermilch, Molken.....................................497

Untersuchungsverfahren.................................................  498
        <pb n="16" />
        ﻿Inhalt.

XV

III. Milchdauerwaren.......................................................... ■

1.	Pasteurisierte, sterilisierte und homogenisierte Milch.............

2.	Eingedickte Milch, Milchtafeln und -pulver.........................

Untersuchung S. 500. — Beurteilung S. 503.

IY. Käse......................................................................

Käsefehler................................................................

Verfälschungen und Verunreinigungen des Käses.............................

Die chemische Untersuchung des Käses......................................

Probenahme und Vorbereitung der Käseprohen S. 506. — Gesichts-
punkte für die chemische Untersuchung S. 606. — 1. Bestimmung des
Wassers S. 606. — 2. Bestimmung des Fettes S. 607. — 3. Be-
stimmung des Stickstoffs und der löslichen Stickstoff-Verbindungen

S.	508. — 4. Bestimmung des Milchzuckers S. 509. — 5. Bestimmung
der freien Säure (Milchsäure) S. 609. — 6. Bestimmung der Mineral-
stoffe S. 509. — 7. Untersuchung des Käsefettes auf Reinheit S. 609. —
8. Nachweis von sonstigen Beimengungen S. 511. — 9. Bakterio-
logisch-mikroskopische Untersuchung (Nachweis von Käsefehlern)
S. 512.

Anhaltspunkte für die Beurteilung des Käses...............................

V. Labpräparate..............................................................

Speisefette und -öle ...........................................................

Allgemeine Verfahren der Fettuntersuchung....................................

A.	Physikalische Untersuchungsverfahren.................................

1.	Bestimmung des spezifischen Gewichtes..............................

2.	Bestimmung des Schmelz- und Erstarrungspunktes.....................

3.	Bestimmung des Brechungsindex (Refraktometergrades)................

4.	Bestimmung der Polarisation........................................

B.	Chemische Untersuchungsverfahren.....................................

1.	Bestimmung der freien Fettsäuren und des Neutralfettes.............

2.	Bestimmung der Verseifungszahl (Köttstorfersehen Zahl).............

3.	Bestimmung der Reichert-Meißlschen Zahl............................

4.	Bestimmung der wasserunlöslichen und -löslichen Fettsäuren, sowie ihrer
mittleren Molekulargewichte; Trennung der flüssigen und festen Fettsäuren

5.	Bestimmung der Jodzahl.............................................

.. 6. Phytosterin- und Phytosterinacetat-Prohe nach A. Börner............

Ubersichtstahelle analytischer Konstanten von Fetten und Ölen......... 542-

Untersuchung und Beurteilung der verschiedenen Speisefette und -öle • ■ •

I. Butter und Butterschmalz (Begriff, Verfälschungen)....................

Probenahme............................................................

A.	Untersuchung der natürlichen — nicht ausgelassenen — Butter ■ ■ • •

1. Bestimmung des Wassers S. 548. — 2. Bestimmung des wasserfreien
Nichtfettes S. 548. —• 3. Bestimmung des Fettes S. 549. — 4. Nach-
weis von Getreidemehl, Kartoffelbrei usw. S. 550. — 5. Nachweis von
Frischhaltungsmitteln S. 550. — 6. Untersuchung auf Verdorbenheit

S.	554. — 7. Erkennung von wiederaufgefrischter Butter S. 655.

B.	Untersuchung des Butterfettes.....................................

1. Untersuchung auf fremde Fette S. 666. — 2. Untersuchung auf
fremde Farbstoffe S. 562.

C.	Anhaltspunkte für die Beurteilung von Butter und Butterschmalz • ■ •

II.	Margarine............................................................

1. Herstellung und Zusammensetzung S. 569. — 2. Gesetzliche Vor-
schriften und Verfälschungen S. 570. — 3. Untersuchungsverfahren
S. 572. — 4. Anhaltspunkte für die Beurteilung der Margarine S. 572.

III.	Schweinefett........................................................

1. Herstellung und Zusammensetzung S. 573. — 2. Verfälschungen
des Schweinefettes und gesetzliche Bestimmungen S. 674. — 3. Unter-
suohungsverfahren S. 674. — 4. Anhaltspunkte für die Beurteilung
von Schweinefett S, 677.

IV.	Rindsfett und Hammelfett ...........................................

V.	Gänsefett ..........................................................

Seite

499

499

500

603

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606

606

512

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517

518
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525
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526
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556

566

569

573

579

581
        <pb n="17" />
        ﻿XVI

Inhalt.

Seite

VI.	Pflanzliche Speisefette und -öle .....................................581

1.	Olivenöl..............................................................582

Bestandteile, Gewinnung und	Verfälschungen..............................682

Untersuchungsverfahren und	Beurteilung..................................582

2.	Erdnußöl (Araohisöl)..................................................583

3.	Sesamöl...............................................................585

4.	Baumwollsamenöl (Kottonöl)............................................586

5.	Rüböl (Rapsöl, Kolzaöi)...............................................587

6.	Sonstige Pflanzenöle..................................................587

7.	Kokosfett (Kokosnußhutter)............................................588

Bienenhonig (Begriff und Zusammensetzung)...........................................589

1. Wasser S. 590. — 2. Spezifisches Gewicht S. 590. ■— 3. Polarisation
S. 691. — 4. Invertzucker und Saccharose S. 591. — 5. Glukose und
Eruktose S. 591. — 6. Honigdextrine S. 591. — 7. Stickstoff
S. 592. — 8. Säure S. 692. — 9. Pollen und Wachs S. 692. — 10. Asche
S. 592. — 11. Nachweis von Verfälschungen, insbesondere von Stärke-
sirup und -zuoker S. 593.

Anhaltspunkte für die Beurteilung.......................................696

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikatiou...................................697

I. Wasser..................................................................597

II.	Zuckerrübe..............................................................597

1.	Bestimmung des Zuckers in der Rübe..................................697

a) Alkoholverfahren S. 698. — b) Wasserverfahren S. 601.

2.	Untersuchung des Saftes ■ •	.......................................602

3.	Bestimmung des Wassers................................................604

4.	Bestimmung des Mark- bezw. Saftgehaltes.............................604

III.	Dünnsaft. Dicksaft, Sirupe, Melassen, Füllmassen, Rohzucker, Absüßwasser

und Abfalllauge...........................................................605

1. Bestimmung des Zuckers S. 606. — 2. Bestimmung der Saccharose
neben Invertzucker usw. S. 606. — 3. Bestimmung der Raffinose

S.	608. — 4. Bestimmung des Wassers S. 610. — 5. Bestimmung der
Asche S. 610. — 6. Bestimmung der Farbe S. 610. — 7. Bestimmung
der Reinheit bezw. des Rendements oder der Ausbeute S. 613.

IV.	Melassekalk. Kalksaccharat und Strontiansaccharat.......................613

1. Bestimmung des spezifischen Gewichtes S. 613. — 2. Bestimmung
des Zuckers S. 613. — 3. Bestimmung des Kalkes und Strontians
S. 614. — 4. Bestimmung der Reinheit S. 614.

V.	Scheidesohlamm, Preßschlamm.............................................614

VI.	Ausgelaugte Schnitzel, Preßlinge usw....................................615

VII.	Schlempekohle und Abfalllauge (als Düngemittel	usw.)....................616

a) Schlempekohle S. 616. — b) Abfalllauge S. 617.

VIII.	Hilfsstoffe.............................................................617

a)	Knochenkohle..........................................................617

1. Wasser S. 617. — 2. Schwefelsäure und Schwefel S. 617. —

3.	Kohlenstoff, Sand und Ton S. 617. — 4. Entfärbungskraft S. 618.

— 5. Kohlensäure S. 619. — 6. Zuckergehalt in der Knochenkohle S. 619.

b)	Saturationsgas........................................................619

1. Bestimmung der Kohlensäure S. 619. — 2. Prüfung auf schweflige
Säure S. 619. — 3. Prüfung auf Schwefelwasserstoff S. 619.

IX.	Rohrzucker (Rübenzucker)................................................619

1. Wasser S. 619. — 2. Zucker S. 619. — 3. Invertzucker S. 620. —

4.	Raffinose S. 620. — 6. Asche S. 620. — 6. Verunreinigungen S. 620.

X.	Ausführungs-Bestimmungen (vom 18. Juni 1903) zum Zuckersteuergesetz

(vom 6. Januar 19031 .................................................... 621

Anlage A. Anleitung für die Steuerstellen zur Untersuchung der Zucker-
abläufe auf Invertzuokergehalt usw......................................622

Anlage B. Anleitung für die Chemiker zur Feststellung des Quotienten
der Zuokerabläufe und zur Ermittelung	des	Raffinosegehaltes .... 628

Anlage C. Anleitung zur Bestimmung	der	Polarisation................634

Anlage D. Bestimmungen über Steuervergütung	und	Steuerbefreiung ■ 637
        <pb n="18" />
        ﻿Inhalt.

XYII

Seite

Anlage E. Anleitung zur Ermittelung des Zuckergehaltes von zucker-
haltigen Waren...........................................................640

Rohstoffe und Erzeugnisse der Stärkefabrikation.....................................647

I.	Wasser ....................................................................647

II.	Stärkemehlhaltige Rohstoffe................................................647

1. Kartoffeln S. 647. — 2. Getreidearten S. 650.

III.	Chemische Hilfsstoffe......................................................651

IV.	Stärke.....................................................................651

1. Stärkemilch S. 651. — 2. Feuchte Stärke S. 661. — 3. Trockne
Stärke S. 652.

V.	Abfälle der Stärkefabrikation...........................................655

Stärkezucker und Stärkesirup....................................................656

1. Wasser S. 655. — 2. Glukose und Dextrin S. 656. — 3. Bestimmung
der vergärbaren Stoffe S. 657. — 4. Asche S. 659. — 5. In Wasser
unlösliche Stoffe S. 669. — 6. Viskosität S. 659. — 7. Säure-Gehalt

S.	659. -— 8. Grädigkeit S. 659.

Zuckercouleur.................................................................. 659

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation...................................661

A.	Rohstoffe...................................................................661

I. Wasser • ..............................................................661

II.	Stärkemehlhaltige Rohstoffe...........................................661

1. Kartoffeln S, 661. —• 2. Getreidearten S. 661.

III.	Zuckerhaltige Rohstoffe................................................661

IV.	Malz und V. Hefe.......................................................662

VI.	Untersuchung der süßen Maische.........................................662

a) Qualitative Prüfung.................................................662

1. Ermittelung des Verlaufes der Zuckerbildung S. 662. — 2. Prüfung
auf unaufgeschlossene Stärke S. 663.

h) Quantitative Untersuchung...........................................663

1. Bestimmung der unaufgeschlossenen Stärke S. 663. — 2. Bestimmung
der Saccharometergrade, der Maltose und des Dextrins S. 663. —• 3. Be-
rechnung des Reinheitsquotienten S. 665. — 4. Berechnung des Treher-
volumens, der aufgeschlossenen und nicht aufgeschlossenen Stärke S. 666.

VII.	Untersuchung	der	vergorenen Maische..................................665

1. Prüfung auf Diastase S. 666. — 2. Bestimmung der Maltose S. 666.

— 3. Bestimmung des Dextrins S. 666. — 4. Saccharometrische Prüfung;
Bestimmung des Vergärungsgrades S. 666. — 5. Bestimmung der Säure

5.	667. — 6. Bestimmung des Alkohols in der vergorenen Maische 8. 668.

VHI. Untersuchung	der	Schlempe.........................................    669

IX. Anhaltspunkte zur Beurteilung des Brennereibetriehes................. • 671

B.	Spiritus, Branntweine und Liköre............................................671

1. Bestimmung des spezifischen Gewichtes S. 671. — 2. Bestimmung
des Alkohols S. 672. •— 3. Bestimmung des Fuselöles S. 676. — 4. Be-
stimmung der Nebenerzeugnisse der Gärung und Destillation in Brannt-
weinen S. 682. — 5. Denaturierungsmittel des Spiritus S. 682. —

6.	Nachweis von Denaturierungsmitteln im Spiritus und Branntwein
S. 684. — 7. Nachweis von Aldehyd S. 685. — 8. Prüfung auf Furfurol
S. 687. — 9. Bestimmung der freien Säuren S. 687. — 10. Bestimmung
der Esterarten S. 690. — 11. Bestimmung der ätherischen Öle S. 691.

-— 12. Bestimmung der wohlriechenden Essenzen S. 691. — 13. Be-
stimmung des Extraktes und der Mineralstoffe S. 691. — 14. Bestimmung
des Zuckers und Pflauzenextrakts S. 692. — 15. Bestimmung der Farb-
stoffe S. 692. — 16. Nachweis der Bitterstoffe S. 693. — 17. Nachweis
von Metallen S. 694. — 18. Anhaltspunkte zur Beurteilung der Brannt-
weine S. 694.

C. Essig...........................................................................699

1. Bestimmung des spezifischen Gewichts S. 699. — 2. Bestimmung
des Extrakts und der Miueralstoffe S. 699. •— 3. Bestimmung des Bssig-
säuregehalts 8. 700. — 4. Bestimmung von Alkohol S. 701. — 6. Prüfung
auf Aldehyd S. 701. — 6. Prüfung auf freie Mineralsäuren 8. 701. —

II
        <pb n="19" />
        ﻿XVIII

Inhalt.

Seite

7.	Fremde, freie organische Säuren S. 702, — 8. Scharfe Pflanzenstoffe

5.	703. — 9. Nachweis von Metallen S. 703. — 10. Nachweis von
Farbstoffen S. 703. — 11. Nachweis von Frisohhaltungsmitteln S. 703.

—	12. Unterscheidung der einzelnen Bssigsorten S. 703. — 13. An-
haltspunkte zur Beurteilung des Essigs S. 706.

Bier und seine Rohstoffe.........................................................706

A.	Rohstoffe......................................................................706

I.	Wasser .................................................................706

II.	Gerste..................................................................707

1. Farbe S. 707. — 2. Geruch S. 707. — 3. Korngröße S. 707. —

4.	Hektoliter-Gewicht S, 707. — 5. Spelzenbeschaffenheit S. 709. —

6.	Keimfähigkeit und Keimuugsenergie S. 709. — 7. Beschaffenheit des
Mehlkörpers (Schnittprohe) S. 709. — 8. Schimmelige Beschaffenheit

5.	709. — 9. Chemische Zusammensetzung S. 709.

III.	Malz....................................................................710

1. Probenahme S. 710. — 2. Größe und Verpackung der Probe S. 710.

—	3. Nähere Angaben S. 710. — 4. Untersuchung S. 710. — A. Me-
chanische Untersuchung S. 710. — B. Chemische Untersuchung S. 711.

IV.	Hopfen..........................................................• 714

1. Wasser S. 715. — 2. Asche S. 715. — 3. Gerbstoff S. 715. — 4. Äther-
und Petrolätherauszug S. 716. — 5. Alkoholauszug S. 716. — 6. Wasser-
auszug S. 717. — 7. Mechanisch-botanische Untersuchung S, 717, —

8.	Prüfung auf Schwefelung S. 717. — 9. Wertschätzung des Hopfens
S. 717.

V.	Würze....................................................................718

1. Bxtraktgehalt S. 718. — 2. Maltose S. 718. — 3. Dextrin S. 718.

—	4. Stickstoffsubstanz S. 718. — 5. Säure S. 718. — 6. Asche S. 719.

—	7. Farbentiefe S. 719.

VI.	Hefe ...................................................................719

1. Grundzüge der Hefenuntersuohung S. 719. — 2. Die Entnahme und
Versendung der Hefenprohe S. 721. — 3. Ausführung der biologischen
Hefenanalyse S. 722. — 4. Biologische Untersuchung der Preßhefe

5.	724.

B.	Bier...........................................................................728

I.	Ersatzstoffe und Verfälschungen	des	Bieres..............................729

II.	Bierkrankheiten.........................................................730

III.	Untersuchung des Bieres................................................ 731

A.	Probeentnahme ...................................................... 731

B.	Chemische Untersuchung	des	Bieres..................................731

1. Bestimmung des spezifischen Gewichtes S. 732. -—■ 2. Bestimmung
des Alkohols und Extrakts S. 732. — 3. Extraktgehalt der Stamm-
würze und Vergärungsgrad S. 733. — 4. Bestimmung des Zuckers
(Rohmaltose) S. 733. — 5. Bestimmung des Dextrins S. 733. —

6.	Bestimmung des Stickstoffs S. 734. — 7. Bestimmung der Säure
S. 734. — 8. Bestimmung des Glyzerins S. 736. — 9. Bestimmung
der Mineralstoffe S. 736. —• 10. Bestimmung der Farbentiefe S. 736.

—	11. Bestimmung der Viskosität oder Vollmundigkeit S. 736. —

12.	Nachweis von Frisohhaltungsmitteln S. 736. — 13. Nachweis von
Neutralisationsmitteln S. 738. — 14, Nachweis von Zuckercouleur und
organischen Farbstoffen S. 738. — 16. Nachweis von Saccharin S. 738. —

16. Prüfung auf Bitterstoffe und Alkaloide S. 739. — 17. Mikroskopische
Untersuchung S. 740.

IV.	Anhaltspunkte für die Beurteilung.......................................740

Obst- und Beerenfrüehte sowie deren Erzeugnisse....................................742

A.	Weintrauben, Obst- und Beerenfrüchte...........................................742

B.	Obsterzeugnisse................................................................743

I. Obstkraut, Rübenkraut und Malzkraut (oder sog. Maltose)................743

1. Wasser S. 743. — 2. Optisches Verhalten S. 743. — 3. Zuckerarten
S. 743. — 4. Säure S. 744. — 5. Stickstoff S. 744. — 6. Mineralstoffe
        <pb n="20" />
        ﻿Inhalt.

XIX

Seite

S. 744. — 7. Zink und Kupfer S. 745. — 8. Schweflige Säure S. 745. —

9.	Salizylsäure S. 746. — 10. Plußsäure S. 747. — 11. Ameisen-
säure S. 747.

II.	Pruchtsirupe, Fruchtgelees............................................

1. Wasser S. 748. — 2. Extrakt und Alkohol S. 748. — 3. Optisches
Verhalten und Bestimmung des Gehaltes an Stärkesirup S. 748. _—

4.	Zuckerarten S. 749. — 5. Alkalität der Asche S. 749. — 6. Schweflige
Säure S. 749. — 7. Farbstoffe 8. 750.

III.	Marmeladen, Jams oder Muse............................................

1. Wasser S. 760. — 2. Löslicher und unlöslicher Anteil S. 760. —

3.	Optisches Verhalten nach der Inversion S. 751. — 4. Gesamt-Zucker

5.	751. —■ 6. Gesamt-Säure S. 751. — 6. Stärkesirup S. 752. —

7.	Mineralstoffe S. 762. —■ 8. Prischhaltungsmittel S. 762. — 9. An-
haltspunkte für die Beurteilung der Obsterzeugnisse S. 752.

C.	Wein und dessen Hilfsstoffe.................................................

I. Most ..................................................................

1. Bestimmung des Zuckers S. 753. — 2. Bestimmung der Säure S. 754.
Anleitung für die zollamtliche Untersuchung von Verschnitt-Weinen

und Most..........................................................

II.	Wein..................................................................

A.	Amtliche Anweisung zur chemischen Untersuchung des Weines ■ • • •

B.	Ausführung der Untersuchungen......................................

1. Bestimmung des spezifischen Gewichtes S. 768. — 2. Bestimmung
des Alkohols S. 759. — 3. Bestimmung des Extraktes S. 760. —■

4.	Bestimmung der Mineralbestandteile S. 762. — 6. Bestimmung der
Schwefelsäure in Eotweinen S. 762. — 6. Bestimmung der freien
Säuren S. 763. — 7. Bestimmung der flüchtigen Säuren S. 763. •—

8.	Bestimmung der niohtflüohtigen Säuren S. 764. — (Milchsäure,
Apfelsäure, Bernsteinsäure, Zitronensäure, Säurerest S. 765.) — 9. Be-
stimmung des Glyzerins S. 766. — 10. Bestimmung des Zuckers S. 767.

—	11. Polarisation S. 769. — 12. Nachweis des unreinen Stärkezuckers

5.	770. — 13. Nachweis fremder Farbstoffe in Eotweinen S. 771. —
Desgl. Weißweinen S. 773. — 14. Bestimmung der Gesamtweinstein-
säure, der freien Weinsteinsäure, des Weinsteins und der an alkalische
Erden gebundenen Weinsteinsäure S. 773. — 16. Bestimmung der
Schwefelsäure in Weißweinen S. 776. — 16. Bestimmung der schwefligen
Säure S. 775. —• 17. Bestimmung des Saccharins und Dulcins S. 776.

—	18. Nachweis der Salizylsäure S. 777. — 19, Nachweis von arabischem
Gummi und Dextrin S. 777. — 20. Bestimmung des Gerbstoffes S. 778.

—	21. Bestimmung des Chlors S. 779. — 22. Bestimmung der Phos-
phorsäure S. 780. ■— 23. Nachweis der Salpetersäure S. 780. — 24. und
26. Nachweis von Baryum und Strontium S. 781. •— 26. Bestimmung
des Kupfers S. 781.

0. Sonstige Bestimmungen • ■ ■ • ......................................

D.	Anhaltspunkte für die Beurteilung des Weines.......................

1.	Beurteilung des Weines nach Maßgabe des Weingesetzes .....

2.	Unerlaubte bezw. verbotene Herstellungsverfahren für Traubenweine

3.	Verbotene Zusätze................................................

4.	Beurteilung des Weines nach Maßgabe des Nahrungsmittelgesetzes ■

III.	Süßweine..............................................................

IV.	Obst- und Beerenweine (einschl. Süß- und Schaumweine).................

V.	Alkoholfreie Getränke.................................................

VI.	Schaumweine...........................................................

VII.	Hilfsstoffe bei der Weinerzeugung...................................... •

1. Hilfsstoffe für die Bekämpfung von Eebkrankeiten S. 793. — 2. Hilfs-
stoffe bei der Gärung S. 793.

VIII.	Hilfsstoffe bei der Kellerbehandlung .................................

1. Schönungsmittel S. 794. — 2. Sonstige Hilfsstoffe 794.

IX.	Abfälle von der Weinbereitung.........................................

1. Weingeläger S. 795. — 2. Wein- und Obsttrester S. 796.

II*

747

760

763

753

755

767

757

758

781

782
782

784

785
787
790

790

791

792
792

794

796
        <pb n="21" />
        ﻿Inhalt.

Seite

Trink- (bezw. Gebrauchs-) und Schmutzwasser...................................797

A. Untersuchung von Trink- und häuslichem Gebrauchswasser ....................797

I.	Örtliche Voruntersuchung und Probenahme.............................797

1. Untersuchung der örtlichen Verhältnisse S. 797. — 2. Unter-
suchung des Wassers an Ort und Stelle S. 799. — 3. Chemische
Untersuchungen an Ort und Stelle S. 803. — 4. Direkter Nachweis
von verunreinigenden Zuflüssen S. 803.

Gesichtspunkte für die Untersuchung des Wassers.....................804

II.	Ausführung der Untersuchungen......................................806

a) Physikalische und chemische Untersuchung.........................805

1. Schwebestoffe S, 805. — 2. Abdampfrückstand S. 806. — 3. Glüh-
verlust S. 806. — 4. Oxydierbarkeit (organische Stoffe) S. 806. —
5. Ammoniak S. 808. — 6. Salpetrige Säure S. 810. — 7. Salpeter-
säure S. 814. — 8. Chlor S, 818, — 9. Schwefelsäure S. 818. —

10.	Kohlensäure S. 818. — 11. Schwefelwasserstoff S. 821. — 12. Phos-
phorsäure S. 821. — 13. Kieselsäure S. 821. — 14, Eisen und Ton-
erde S. 822. — 15. Mangan S. 823. — 16. Kalk und Magnesia S. 824. —

17. Kali, Natron (Natriumkarbonat) S. 824, — 18. Blei, Kupfer und
Zink S. 825. — 19. Härte S. 825. ■— 20. Kesselsteinbildner S. 827. —

21. Bestimmung des gelösten Sauerstoffs S. 828. — 22. Nachweis von
Auswurfstoffen in einem Wasser S. 830. — 23. Nachweis von Leuchtgas-
Bestandteilen im Wasser S. 831.

b) Mikroskopische und biologische Untersuchung des Wassers.............832

1. Bestimmung der Zahl der Bakterien S. 834. — 2. Bestimmung
der Bakterienarten S. 838. — 3. Bestimmung der auf Gelatine-
und Agarplatten wachsenden höheren Pilze S. 839. — 4. Mikro-
skopische Untersuchung S. 839. — 5. Die in Trink- und Gebrauchs-
wässern vorkommenden Lebewesen und unbelebten Stoffe und die
Beurteilung der Wässer nach ihnen S. 840.

III.	Anforderungen an ein Trinkwasser	und	Anhaltspunkte zur Beurteilung • ■ 847

A.	In physikalischer und chemischer	Hinsicht..............................847

B.	In mikroskopischer Hinsicht............................................851

C.	In bakteriologischer Hinsicht..........................................861

D.	Gesamtbeurteilung auf Grund des chemischen und bakteriologischen

Befundes...............................................................852

Anhang (Anlage eines Brunnens).........................................852

B.	Untersuchung von Schmutzwässern...............................................853

I. Probenahme................................................................ 854

1. Probenahme eines Schmutzwassers selbst S. 854. — 2. Probenahme
des verunreinigten Wassers S. 856. — 3. Vorprüfungen an Ort und
Stelle S. 867.

II.	Chemische Untersuchung...................................................858

1,	Gesamte gelöste organische und unorganische Stoffe S. 869. —

2.	Trtibungs- bezw. Durchsichtigkeitsgrad S. 860. — 3. Alkalität

S.	864. — 4. Freie Säuren S. 864. — 6. Verbrauch von Kalium-
permanganat bezw. Oxydierbarkeit S. 864. — 6. Organischer Kohlen-

stoff S. 865. — 7. Schwefelwasserstoff S. 868. — 8. Ammoniak
S. 869. -- 9. Suspendierter und gelöster organischer Stickstoff und
Ammoniak S. 869, — 10. Bestimmung des organisch gebundenen
Stickstoffs (bezw. des sogenannten Albuminoid-Ammoniaks) 8. 869. —

11. Salpetersäure S. 870. — 12. Salpetrige Säure S. 870. — 13. Eiweiß-
Verbindungen, Zucker, Stärke usw, S. 870. — 14. Chloride S. 870. —

15. Freies Chlor S. 870, — 16. Freie Salzsäure und Schwefelsäure
S. 871. — 17. Sonstige Mineralstoffe S. 871. — 18. Prüfung auf
Haltbarkeit bezw. Gärversuohe mit den Abwässern S. 872.

III. Mikroskopische und biologische Untersuchung der Schmutzwässer.........873

1.	Probenahme für die mikroskopische Untersuchung S. 873. —

2.	Lebewesen der Schmutzwässer S. 874. — 3. Unorganische Stoffe
der Abwässer S. 882,
        <pb n="22" />
        ﻿Inhalt.

XXI

Seite

C.	Die Verunreinigung der Gewässer, deren Schädlichkeit und Nachweisung • • 882

1. Schädlichkeit für die Fischzucht S. 883. — 2. Schädlichkeit für die
Viehzucht S. 889. — 3. Schädlichkeit für gewerbliche Zwecke S. 889. —

4.	Schädlichkeit für den Boden S. 890. — 5. Schädlichkeit für die
Pflanzen S. 891. — 6. Schädlichkeit für das Grund- bezw. Brunnen-
wasser S. 892.

Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und	Staub.........................894

A.	Nachweis von Beschädigungen durch gasige und saure Bestandteile des

Rauches.......................................................................894

I.	Vorprüfung und Ortshesiohtigung..........................................895

1.	Richtige Zeit der Besichtigung und Probenahme S. 896. —

2.	Herrschende Windverhältnisse der Gegend S. 896. — 3. Äußere
sowie innere Merkmale und Erscheinungen an den Pflanzen und
Bäumen S. 896. — a) Äußere Erscheinungen S, 897. — b) Innere
Merkmale S. 898. — c) Innere Veränderungen der Stammorgane S. 905.

—	4. Verschiedener Grad der Erkrankung der einzelnen Baum-
gattungen und Eeldfrüchte S. 906. — 6. Grad der Erkrankung je
nach der Entfernung von der Eauohquelle S. 908.

II.	Probenahme..............................................................909

III,	Chemische Untersuchung der entnommenen Pflanzenteile....................910

1.	Bei Beschädigung durch Schwefelsäure und schweflige Säure S. 910. —-

2.	Bei Beschädigung durch Salzsäure bezw. Chlor S. 914. — 3. Unter-
suchung auf Arsen 8. 914. — 4. Beschädigung durch Stiokstoffsäuren

5,	914. — 5. Beschädigung durch Ammoniak S. 915. — 6. Beschädi-
gung durch Plußsäure S. 915. — 7, Beschädigung durch Asphalt-
dämpfe S. 918. — 8. Beschädigungen durch sonstige Dämpfe und Gase
S. 918.

IV.	Untersuchung	des Bodens................................................919

B.	Untersuchung der	Rauchgase und Brennstoffe.................................920

1. Untersuchung der Rauchgase S. 920. — 2. Bestimmung des Schwefels
in den Brennstoffen S. 923.

C.	Nachweis der Beschädigung durch Staub .................................... • 924

Untersuchung der Schafwolle........................................................927

1. Probenahme am Tier S. 927. — 2. Herstellung einer Durohsohnitts-
probe für die Untersuchung S. 927. — 3. Feuchtigkeit S. 927. —

4.	Wollfett (in Äther löslich) S. 928. —- 5. Wollsohweiß (in Wasser
löslich) S. 928. — 6. In Alkohol lösliche und sohwerlösliche Seifen

5.	929. — 7. Reine Wollfaser und Schmutz S. 929.

Bienenwachs........................................................................931

1. Bestimmung des Abganges; Prüfung auf Wasser, mineralische Bei-
mengungen usw. S. 932. — 2, Bestimmung des spezifischen Gewichtes
S, 933. — 3. Bestimmung des Schmelzpunktes S. 933. — 4. Bestimmung
der Refraktion S. 933. ■— 5. Bestimmung der Jodzahl S. 934. — 6. Be-
stimmung der Säure-, Ester- und Verseifungszahl S, 934. — 7. Be-
stimmung der Buchnersohen Säurezahl S. 936. — 8. Nachweis und
Bestimmung von Paraffin und Ceresin S. 936. — 9. Nachweis von
Glyzeriden (Talg usw.) S. 937. — 10. Nachweis von Stearinsäure
S. 938. — 11. Nachweis von Harz (Colophonium) S. 938. — 12. Nach-
weis von Pflanzenwaohs (Karnaubawachs und Japanwaohs), Wollwachs
und Insektenwachs S. 938.

Schmiermittel..................................................................940

I. Schmieröle............................................................941

1. Prüfung der Konsistenz von Zylinderölen und ähnlichen dickflüssigen
Ölen bei gewöhnlicher Temperatur S. 941. — 2. Bestimmung des
Flüssigkeitsgrades (Viskosität) S. 942. — 3. Untersuchung des Ver- '
haltens der Schmieröle in der Kälte S. 943. — 4. Bestimmung des
Flammpunktes, des Brennpunktes und der Verdampfungsmenge S. 945.

—	6. Bestimmung des Säuregehaltes S. 948. — 6. Bestimmung des
Asphaltgehaltes S. 948. — 7. Bestimmung des Gehaltes an leichten
Ölen und Paraffin S. 949. — 8. Bestimmung von Wasser und Äsche
S. 950. — 9. Analytische Konstanten der Schmieröle und ihrer Ver-
        <pb n="23" />
        ﻿XXII

Inhalt.

Seite

fälschungsmittel S. 960. —• 10. Nachweis von Harz und Harzöl im
Mineralöl S. 950. — 11. Nachweis und Bestimmung von fettem Öl in
Mineralöl und von solchem in fetten Ölen S. 952. — 12. Sonstige
Untersuchungen S. 954.

11.	Konsistente Schmierfette...............................................954

1. Bestimmung der freien Säure S. 955. — 2. Bestimmung des Gehaltes
an Seife S. 955. — 3. Bestimmung des unverseiften und unverseif-
baren Fettes S. 955. — 4. Bestimmung des Wassers S. 956. — 5. Prüfung
auf freien Kalk S. 956. — 6. Bestimmung der Mineralstoffe und
anorganischen Füllmittel S. 955.

Darstellung der lösungen der Reagenzien	..................956

1. Normal-Schwefelsäure bezw. Normal-Salzsäure S. 956. — 2. Normal-Alkali
S. 959. — a) Natronlauge S. 959. — b) Barytlauge S. 960. —• 3. Lackmus-
tinktur S. 961. — 4. Cochenilletinktur und Kongorot S. 961. — 5. Phenol-
phthalein S. 961. — 6. Eosolsäure S. 961. — 7. Uranlösung S. 962. —- 8. Lösung
von essigsaurem Ammon (oder essigsaurem Natrium) und Ferrooyankalium
S. 963. — 9. Molyhdänlösung S. 963. — 10. Verdünnte Molybdänlösung zum
Auswaschen 8. 963. — 11. Ammonnitratlösung zum Auswaschen S. 963. —

12.	Zitronensäure und Ammoniumzitratlösung zum Fällen der Phosphorsäure
S. 963. — 13. Zitronensäure und Ammoniumzitratlösung zum Lösen von Phos-
phorsäure S. 964. — 14. Magnesiamixtur S. 964. — 15. Ammoniakflüssigkeit
(zum Auswaschen) S. 965. — 16. Bereitung von haltbarem Kupferoxydhydrat
nach Stutzer S. 965. — 17. Bereitung der Verdauuhgsflüssigkeit nach Stutzer
S. 966. — 18. Darstellung der Fehlingschen Lösung nach Soxhlet S. 966. —

19.	Sachssesche Queoksilberlösung zur Bestimmung der Zuckerarten S. 966. —

20.	Knappsche Quecksilberlösung zur Bestimmung der Zuokerarten S. 966. —

21.	Darstellung der Diastase und des Invertins S. 966. — 22. 1/100 Normal-
Kaliumpermanganat- und 1/100 Normal-Oxalsäurelösung für die Bestimmung der
organischen Substanz in Wasser S. 968. — 23. Natriumphosphorwolframatlösung
S. 968. — 24. Zinkjodidstärkelösung und einfache Stärkelösung S. 969. — 26.
Neßlers Reagens S. 969. — 26. Seifenlösung zur Bestimmung der Härte des
Wassers S. 969. — 27. Verdünnte Schwefelsäure S. 970. — 28. Kalilauge und
Natronlauge 8. 970. — 29. Kalkmilch und Kalkwasser S. 970. — 30. Königs-
wasser S. 970. — 31. Natriumkarbonatlösung S, 970. — 32. Natriumphosphat-
lösung S. 970. — 33. Ammoniumkarbonatlösung S, 970. — 34. Chlorammonium-
lösung S. 970, — 35. Ammoniumoxalatlösung S. 970. — 36. Chlorbaryumlösung
S. 970. — 37. Bleiessig S. 970. — 38. Sibernitratlösung S. 971. — 39. Platin-
chloridlösung S. 971. — 40. Ferricyankaliumlösung S. 971. — 41. Ferrooyan-
kaliumlösung S. 971. — 42. Chlorcalciumlösung S. 971. — 43. Rhodankalium-
lösung S. 971. — 44. Eisenchloridlösung S. 971. — 46. Bleiaoetatlösung S. 971.

—	46. Natriumacetatlösung S. 971. — 47. Neutrales zitronensaures Ammoniak
S. 971. — 48. Lösung von Diphenylamin zur Prüfung auf Salpetersäure S. 971.

—	49, Lösung von Metaphenylendiamin zur Prüfung auf salpetrige Säure S. 971.

—	50. Indigolösung zur Prüfung auf Salpetersäure S. 971. — 51. Darstellung
des Naphtholreagenzes zur Prüfung auf salpetrige Säure S. 971. — 52. Milions

Reagens S. 972. ■— 53. Quecksilberjodid-Jodkalium (Brückes Reagens) S. 972.

Bereitung der Lösungen der Reagenzien	nach Blochmann......................972

1. Konzentrierte Säuren S. 972. — 2. Normallösungen S. 973. — 3. Oxydierend
und reduzierend wirkende Reagenzien S. 974. •— 4. Gesättigte Lösungen 8. 974.

Aufarbeitung einiger Rückstände...................................................975

1. Platinrückstände S. 976. — 2. Silberrüokstände S. 975. — 3. Uranrück-
stände S. 976. — 4. Molybdänrückstände S. 977. — 5. Jodrückstände S. 977.
Tabellen:

la. u. Ib. Berechnung der Kohlensäure für den Scheiblerschen Apparat............981

II. Absorption des Stickstoffgases und Gewichte eines Kubikcentimeters Stick-
stoff nach Dietrich.......................................................982

III.	Umrechnung	des	gewogenen Kupferoxyds nach	A.	Fern au................984

IV.	Bestimmung	der	Glukose nach	Allihn-Meißl..............................986

Va.	Bestimmung	des	Invertzuckers	nach E. Meißl.........................  ggg

Vb.	Bestimmung	des	Invertzuckers	im Rübenzucker	nach	A.	Herzfeld ■	• 989
        <pb n="24" />
        ﻿Inhalt.

XXIII

Seite

VI.	Bestimmung	der	Maltose nach	E. Wein ................................ 991

VII.	Bestimmung	der	Stärke bezw.	des Dextrins	nach	B.	Wein..... 992

VIII.	Bestimmung	der	Laktose nach	Pr. Soxhlet............................ 994

IX.	Bestimmung	der	einzelnen Zuckerarten mit	Fehlingscher Lösung nach

J.	Kjeldahl................................................._■ • • •	995

Xa. Bestimmung der Pentosen und Pentosane aus dem Phlorogluzid nach

Tollens und Kröber ...................................................1002

X b. Bestimmung der Methylpentosane (Rhamnose) aus dem Phlorogluzid nach

Tollens und Eilet.....................................................1007

XI,	Korrektionstabelle der Laktodensimetergrade;

1.	Für ganze (nicht abgerahmte) Milch................................1008

2.	Für abgerahmte Milch ....................................„• • • 1008

XII a. Fettgehalt in Gewichtsprozenten nach dem spezifischen Gewicht der Äther-
fettlösung der ganzen Milch bei 17,5° nach Soxhlet...............1010

Desgleichen für Magermilch............................................1011

Xllb. Umrechnung der Skalenteile des Zeiß sehen Milchfettrefraktometers in Fett-
prozente nach Naumann.......................................................1012

XIIc. Pettbestimmung in der Milch mit Marchands Laktobutyrometer nach

B. Tollens und Fr. Schmidt............................................1013

XIII.	Reduktion der spez. Gewichte auf Saccharometer-Prozente nach Balling 1014

XIV.	Vergleichende Angaben zwischen spezifischem Gewicht, Graden Brix und

Graden Beaumö.........................................................1018

XV.	Ermittelung des Extraktgehaltes klarer Dekoktions- und Infusionswürzen

und entalkoholter Bierextraktlösungen nach Schulze-Ostermann • ■ ■ 1025

XVI.	Bestimmung des prozent. Trocken- und Stärkemehlgehaltes der Kartoffeln

aus dem spez. Gewicht nach M. Maercker, P. Behrend und A. Morgen 1030

XVII.	Bestimmung des Alkohols in Gewichts- und Volum-Prozenten aus dem

spezifischen Gewicht nach 0. Hehner (bei	15,5°)............1031

XVIII. Bestimmung des Alkoholgehaltes aus dem spez. Gewicht nach K. Windisch 1037
XIX. Bxtraktgehalt des Weines nach den Angaben der Kaiserlichen Normal-

Eichungs-Kommission, berechnet im Kaiserlichen Gesundheitsamt • ■ • • 1039

XX. Zusammenstellung der Angaben verschiedener	Mostwagen..................1045

XXL Berechnung des Gehaltes der Düngemittel an Phosphorsäure bei Anwendung

von 0,5 g Substanz nach B. Haselhoff..................................1046

Atomgewichte der chemischen Elemente...............................1051

Faktoren zur Berechnung der gesuchten	Substanz...........1051

Nachträge. Berichtigungen und Ergänzungen.......................................1056

Sachregister ...................................................................1059
        <pb n="25" />
        ﻿Untersuchung von Boden

Unter „Boden“ im weiteren Sinne versteht man die oberste lockere Schicht
der Erdrinde, soweit dieselbe als Standort und Nährquelle für Pflanzen irgend welcher
Art zu dienen imstande ist. Die in landwirtschaftlicher Hinsicht wichtigen Bodenarten
lassen sich in zwei Hauptgruppen, in Mineral- und Moorböden scheiden; erstere
sind vorwiegend durch einen Gehalt an mineralischen Bestandteilen, letztere durch
einen solchen an organischen Stoffen ausgezeichnet.

Beide Arten Böden sind nicht nur nach ihrer Entstehungsweise, Beschaffen-
heit und landwirtschaftlichen Behandlung sehr verschieden, sondern bedürfen auch
behufs Ermittelung ihrer Eigenschaften für den Pflanzenanbau einer verschiedenen
Untersuchungsweise, weshalb sie hier getrennt zu behandeln sind.

A. Untersuchung der Mineralböden.

Die Mineralböden lassen sich ebenfalls wieder in zwei Hauptgruppen zerlegen,
nämlich in Primitiv-Böden (Ur- „oder ursprüngliche Böden), d, h. solche, welche
direkt aus dem anstehenden Gestein durch Verwitterung hervorgegangen sind, und
Derivat- oder Schwemm- (abgeleitete oder umgelagerte) Böden, welche durch
Wasser in flüssiger oder fester Form oder durch Wind von ihrer ursprünglichen
Bildungsstelle fortgetragen worden sind.

Für letztere unterscheidet man je nach der Menge der vorhandenen Haupt-
Konstituenten (Sand, Ton, Kalk und Humus) wieder verschiedene Klassen: 1. Ton-
böden, 2. Lehmböden, 3. Kalk- oder Mergelböden, 4. Sandböden (einschl. Kiesböden),
5. Schüttböden (Geröll-, Schotter-, Grand- oder Grusböden), 6. Humusböden.

M. Fesoa1) gibt für die ersten 5 Boden-Typen der Schwemmböden folgende
Unterscheidungsmerkmale:

Schwemmböden.

I Tonböden ■	/ zä^e 0(^er maSer (sandig), kalkhaltig und mergelig (Tonmergel) oder

| kalkfrei, humusreich oder humusarm.

l) M. Fesoa: Die agronomische Bodenuntersuchung usw. Berlin 1879. S. 90.
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	^
        <pb n="26" />
        ﻿2

Untersuchung von Boden.

II. Lehmböden;

III. Kalkböden:

IV. Sandböden
(einschl. Kies-
böden):

V. Schüttböden;

( ungleich-körnig oder gleich- (und fein-) körnig,
I gemeiner Lehm, Löß, kalkreich und mergelig
| (Lehm- bezw. Lößmergel) oder kalkfrei, humus-
I reich (z. B. Hasselboden) oder humusarm.

I eigentliche Kalkböden oder Mergelböden (Kalk-
ig mergel, tonhaltig).

i Kieaböden, grober oder mittelkörniger oder feiner
J Sand (gleichkörnige Art; Perlsand), nährstoffreich
1 oder nährstoffarm, kalkhaltig oder kalkfrei, humus-
[ frei oder humusarm.

/ Geröllböden, eigentliche Geröllböden oder lehmige
"( Geröllböden (z. B. heroynischer Schotter).

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Bei jedem landwirtschaftlichen Kulturboden unterscheidet man zwischen
Oberkrurae (oder Ackerkrume oder weniger richtig „Obergrund“) und Unter-
grund. Unter ersterer versteht man die oberste Bodenschicht, in welcher vor-
wiegend die Pflanzenwurzeln sich entwickeln, und welche, vom Pfluge umgebrochen,
durch einen, sei es von verwesenden Pflanzenresten oder von tierischem Dünger
herrührenden Humusgehalt ausgezeichnet ist, unter Untergrund dagegen die unter
dieser liegenden Bodenschichten, welche sich meistens durch eine hellere Farbe von
der Oberkrume unterscheiden.

Die Bodenuntersuchung verfolgt drei Hauptaufgaben:

1.	Ermittelung der Bodenkonsfrftuenten (Sand, Ton, Humus, Kalk usw.)
durch die mechanische und durch die chemische Bodenuntersuchung;

2.	Ermittelung des Gehaltes an Pflanzennährstoff en durch die chemische
Untersuchung;

3.	Ermittelung der physikalischen Eigenschaften durch Bestimmung der
Absorptions-Koeffizienten, der wasserhaltenden Kraft, des Wärmeleitungs-
vermögens usw. usw.

Zu diesen Untersuchungsverfahren, welche mehr oder weniger nur rein land-
wirtschaftliche Nutzungszwecke verfolgen, gesellt sich noch die geognostische
Untersuchung des Bodens, welcher die Ermittelung der petrographischen Zusammen-
setzung, der Beziehungen des Bodens zum Muttergestein, des Ganges der Ver-
witterung usw. zufällt.

Seit einiger Zeit wird angestrebt, die so gewonnenen Ergebnisse kartographisch
darzustellen.

Die vorliegende Anleitung muß sich indes darauf beschränken, die ersten
Untersuchungsverfahren kurz zu beschreiben; bezüglich der kartographischen Dar-
stellung der Bodenuntersuchung sei verwiesen auf:

H. Orth, Rüdersdorf und Umgegend, auf geognotisoher Grundlage agronomisch
bearbeitet. Berlin 1877,

G. Berendt, Die Umgegend von Berlin, in mehreren Heften. Berlin.

M. Fes ca, Die agronom. Bodenuntersuchung und Kartierung auf naturwissenschaft-
licher Grundlage. Berlin 1880.

M. Fesca, Beiträge zur agronom. Bodenuntersuchung und Kartierung. Berlin 1882.

J. Hazard, Die geologisch-agronomische Kartierung als Grundlage einer allgemeinen
Bonitierung des Bodens. Landw. Jahrbücher 1900, 29, 805.
        <pb n="27" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

3

Um indes eine kurze Erläuterung solcher Darstellungen zu geben, mögen hier
nach der Schrift von EL Orth 3 typische Bodenprofile (Fig. 1) wiedergegeben werden:

Lehmiger Sand.
Lehm (sandiger).
Mergel (sandiger).

Sand (Diluvial).

Fig. 1. Typische Bodenprofile.

Auf einer gleichzeitig beigefügten farbigen Flächenkarte der betreffenden
Gegend sind dann die Buchstaben für die einzelnen Bodenschichten, z. B.

s = Sand 1s = lehmiger Sand m = Mergel
1 = Lehm sl = sandiger Lehm	usw.

eingetragen, ferner Zahlen, welche die Mächtigkeit der einzelnen Schichten in
Dezimetern angeben.

Auf diese Weise erhält man ein äußerst klares und übersichtliches Bild,
nicht nur von der geognostischen Eigenart der Oberflächenschichten, sondern auch von
der der Untergrundschichten, welche letztere für die Beurteilung eines Bodens zu
landwirtschaftlichen Nutzungszwecken vielfach von nicht minder großer Bedeutung
sind, als die Oberflächenschichten.

1	Lehmiger Sand.	r
	Lehm (Diluvial).	UM |
m	J Verwittert.	■—
	Muschelkalk.	.
* ^	W. 0. Streichen der Schichten. 12—20° N. Fallen der Schichten.	

Fig. 2. Profil des oberen Diluvialmergels.

a)	Humoser lehmiger Sand: Ackerkrume J Oberkrume.

b)	Lehmiger Sand: Urkrume	»

c)	Lehm und d) Mergel als Untergrund.

G. Berendt stellt wie sonst die „Oberkrume“ als Verwitterungsrinde einer
geognostisch bezw. petrographisch unterscheidbaren Schicht dem „Untergrund“ gegen-
über, als welchen er den unter dem Einfluß der Verwitterung entweder gar nicht
oder weit weniger veränderten nächsten Teil dieser Gesteinsschicht bezeichnet; er
zerlegt die „Oberkrume“ aber noch wieder in 2 Schichten, nämlich in „Ackerkrume“,
welche durch künstliche Mengung und Lockerung von Menschenhand wesentlich
verändert ist, und in „Ackerboden“ oder „Urkrume“, welche den unbearbeiteten

1*
        <pb n="28" />
        ﻿4

Untersuchung von Boden.

Teil der „Oberkrume“ darstellt. Vorstehendes Profil (Fig. 2) von dem nördlich und
südlich von Berlin vielfach als bodenbildend auftretenden Geschiebemergel mag diese
Unterscheidung Berendts veranschaulichen.

M. Fes ca hat aber (1. c.) die Unterscheidung Berendts, als der in der
Praxis gebräuchlichen Bezeichnungsweise nicht entsprechend, bekämpft. Im nach-
stehenden sind daher, wie es allgemein üblich ist, „Oberkrume“ und „Ackerkrume“
als gleichwertig betrachtet.

Im allgemeinen ist die Bodenuntersuchung von der Agrikulturchemie gegen-
über anderen Gebieten in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt worden; erst in
neuerer Zeit hat man sich derselben wieder mehr zugewendet. Infolgedessen ge-
währt die Bodenuntersuchung dem Landwirt zur Zeit durchweg noch nicht den Nutzen,
den er von ihr erwartet. Besonders kann die häufig gestellte Frage, in welcher
Weise und wie stark ein Boden gedüngt werden muß, um die größtmöglichen
Ernten zu liefern, durch die Bodenuntersuchung bis jetzt nur eine beschränkte Beant-
wortung finden. Inwieweit dieses zur Zeit möglich ist und welche Anhaltspunkte
die Bodenuntersuchung für die Bonitierung und Beurteilung der Fruchtbarkeit des
Bodens liefert, wird am Schlüsse dieses Abschnittes in „Anhaltspunkte für die Be-
urteilung der Güte eines Bodens nach den Ergebnissen der Untersuchung“ besonders
auseinandergesetzt werden. Hier sei nur hervorgehoben, daß, wenn die Bodenunter-
suchung allgemeinen Nutzen gewähren soll, unbedingt erforderlich ist, daß sie ein-
heitlich nach vereinbarten Verfahren ausgeführt wird. Es werden deshalb
bei den nachfolgenden Ausführungen die vom Verbände landwirtschaftlicher
Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche vereinbarten Verfahren in erster
Linie Berücksichtigung finden.

Vorarbeiten für die Bodenuntersuchung.

1.	Probenahme. Die Entnahme von Bodenproben erfolgt nach den von
dem Verbände landwirtschaftlicher Versuchs-Stationen im Deutschen

E.eiche getroffenen Vereinbarungen in folgender Weise1):

„Die Aufnahme der Bodenproben geschieht je nach der Größe der Fläche
(eine möglichst gleichmäßige Bodenbeschaffenheit vorausgesetzt) an 3, 5, 9, 12 oder
mehr verschiedenen, in gleicher Entfernung voneinander gelegenen Stellen. Die
Proben werden durch senkrechten, gleichtiefen Abstich bis zur Pflugtiefe genommen,
für etwaige Untersuchung des Untergrundes bis zu 60 bezw. 90 cm Tiefe. Die
Einzelproben werden entweder getrennt untersucht oder, wenn es sich um Fest-
stellung eines Durchschnittswertes handelt, sorgfältig gemischt und von der Mischung
eine geeignete Menge zur Untersuchung verwendet.“

Hierzu ist zu bemerken, daß die einzelnen Bodenproben nur dann zusammengegeben
und vermischt werden dürfen, wenn sie sich nach dem äußeren Aussehen und nach der
vorläufigen örtlichen Prüfung auf kohlensaures Calcium mit Salzsäure als gleich erweisen.
Zeigen sich die einzelnen Proben der Fläche verschieden, so nimmt man so viel Misch-
proben, als Verschiedenheiten vorhanden sind. Die Proben des senkrecht abgestochenen
Obergrundes oder der Obergrundproben werden für sich und die des Untergrundes oder
der Untergrnndproben ebenfalls für sich in einen trockenen, sauberen Kasten, bezw. in Kästen
gegeben, jede für sich innigst gemischt und von dieser Misohprobe die für die Untersuchung
erforderliche Menge entnommen. Statt des Spatens bedient man sich auch zweckmäßig

x) Landw. Versuchs-Stationen 1890, 38, 293.
        <pb n="29" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

5

des Schnecken- oder amerikanischen Tellerbohrers1) (yergl. Fig. 3), der nach
jedesmaligem Einbohren auf 20 cm herausgehohen und entleert wird.

2.	Behufs vollständiger Untersuchung müssen wenigstens 4 bis 5 kg des
Bodens zur Verfügung stehen. Die Masse läßt man an der Luft austrocknen
(d. h. im Sommer hei gewöhnlicher Temperatur, zur Zeit des Winters in einem
geheizten Zimmer oder in einem mäßig warmen Trockenschrank hei 30—40°
stets gegen Stauh usw. sorgfältig geschützt).

3.	Es sind möglichst sorgfältige Vermerke zu sammeln über:

a) den geognostischen. Ursprung des Bodens;

h) die Tiefe der Ackerkrume und über den Zustand des zunächst unter der Acker-
krume liegenden Untergrundes, sowie über die Beschaffenheit der tieferen
Schichten, wenigstens bis zu einer Tiefe von 1—2 m (Profil
oder Querdurchschnitt der Oberkrume und des Untergrundes);

c)	die klimatischen Verhältnisse — nach allgemeiner Er-
fahrung, wenn nicht sorgfältige und langjährige Beob-
achtungen vorliegen — namentlich auch die Lage des Feldes
über dem Meeresspiegel;

d)	die Art der Bestellung und Fruchtfolge in den vorher-
gehenden Jahren;

e)	die Art und Menge der stattgehabten Düngung;

f)	die in den zunächst vorausgehenden Jahren wirklich-er-
zielten Ernteerträge und womöglich auch über die Durch-
schnittserträge des betreffenden Feldes bei dem Anbau der
wichtigeren Kulturpflanzen;

g)	die praktische Beurteilung des Bodens, d. h. über die Art
und Weise, wie derselbe von dem erfahrenen, in der Gegend
ansässigen Landwirte, von seinem Standpunkte aus, hinsicht-
lich der Güte und Ertragsfähigkeit im allgemeinen beurteilt
wird, auch darüber, ob vielleicht besondere Eigentümlich-
keiten vorhanden sind;

h)	den Grundwasserstand;

i)	die Neigung des Bodens.

4. Die größeren Steine und Steinchen werden aus dem Boden ausgelesen
oder von demselben abgesiebt, mit Wasser gut abgespült und deren mineralogische
Beschaffenheit, Gewicht und ungefähre Größe (Faustgroße und darüber, Eigröße,
Walnußgroße, Haselnußgröße, Erbsengroße) ermittelt.

Die mechanische Untersuchung des Bodens.

Die mechanische Bodenuntersuchung bezweckt die quantitative Er-
mittelung des Mengenverhältnisses der den Boden zusammensetzenden gröberen und
feineren Bestandteile. Zur Feststellung derselben zerlegt man den Boden durch
Siebe in verschiedene Korngrößen und trennt schließlich in der sogenannten Fein-
erde Sand und ahschlämmhare Bestandteile durch Aufschlämmen mit Wasser.

1) Derselbe kann von der Maschinenfabrik Be ermann, Berlin W., Leipzigerstr. 127,
zu 16 M. bezogen werden. Gute, bei langjährigen Versuchen der Versuchs-Station
Münster i. W. erprobte Erdbohrer liefert auch der Schlossermeister Böhmer in Münster i. W.,
Krummestr. Preis 13 Mark.
        <pb n="30" />
        ﻿6

Untersuchung von Boden.

Der Verband landwirtschaftlicher Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche hat
für die Ausführung der mechanischen Untersuchung des Bodens sich im wesentlichen
einem Verschlage von J. K ti hn angeschlossen und nachfolgende Vereinbarung getroffen:x)

a)	Die zu untersuchende Bodenprobe wird in möglichst frischem Zustande soweit
zerkleinert, daß bei dem späteren Sieben auf einem 5 mm-Siebe nur Steine
Zurückbleiben. Sie wird dann gleichmäßig an einem vor Staub geschützten
Orte ausgebreitet, bis sie lufttrocken geworden ist. Hierauf wird sie gewogen
und durch ein 5 mm-Sieb getrennt. Die auf dem Siebe verbleibenden Steine
(&gt; 5 mm) werden durch aufgegebenes Wasser von anhängenden Erdteilen
gereinigt und in lufttrockenem Zustande gewogen. Das Gewicht derselben
wird in Prozenten des Gesamtbodens ausgedrUckt.

b)	Der durch das 5 mm-Sieb gefallene Boden besteht aus gröberen Gesteins-
trümmern und aus der Feinerde « 2 mm). Die ersteren werden bei
Schwemmlandsböden als Kies, bei Verwitterungsböden als Grus bezeichnet
und zwar;

a) Korngröße.
Durchmesser in mm:
Über 5
„	5-2

2—1
1—0,5

Feinende \	„	0,5—0,2

Unter 0,2

b) Bezeichnung.* 2)

als Steine (Grus, Kies).

„ Grand.

„ sehr grober Sand.

„ grober Sand.

„ mittelkörniger Sand.
„ feiner Sand.

Abschlämmbare Teile (sehr feiner Sand, Mineralstaub, Ton usw.

Die abschlämmbaren Teile sind durch das Mikroskop auf ihren Gehalt
an größeren und kleineren Quarzstaubkörnchen, Glimmer, Tonteilen usw. zu
untersuchen.

c)	Zur Ausführung der Untersuchung werden von dem durch das 5 mm-Sieb ge-
fallenen steinfreien Boden bei feinerdigerer Beschaffenheit desselben
50 g, bei kies- oder grus reicherem Boden 100 g verwendet und zunächst in einer
Porzellanschale mit einem halben Liter Wasser unter häufigem Umrilhren mittels
eines Spatels so lange in gelindem Sieden erhalten, bis alle Bodenteilchen
völlig zerkocht sind. Nach genügendem Erkalten gibt man die zerkochte
Bodenmasse durch ein 2 mm-Sieb in einen Kühnschen Schlämmzylinder
ursprünglicher Konstruktion (Fig. 4, S. 7) (Höhe 30 cm, lichte Weite 8,5 cm, Ent-
fernung des 1,5 cm weiten Tubus vom Boden = 5 cm). Der auf dem Siebe zurück-
bleibende Rückstand wird Uber dem Zylinder sorgfältig mit der Spritzflasche
abgespült und dann an der Luft getrocknet. Durch ein 3 mm-Sieb wird der-

') Landw. Versuchs-Stationen 1892, 42, 154; 1893, 43, 335.

2) J. Kühn hatte folgende Vorschläge gemacht, die aber vom Verbände in obiger
Weise abgeändert worden sind:

Korngröße: mm Durchmesser.	Bezeichnung.

Über 5	. . . . Steine.
„	5-3	.	.	.	.	. grober Kies oder Grus.
„	3-2	.	.	. .	. feiner Kies oder Grus.
2-1 .	. .	. . sehr grober Sand (Grand).
„	1-0,5 .	. . .	. grober Sand.
„	0,5—0,25	. .	.	. feiner Sand.
Unter 0,25	.	.	.	. sehr feiner Sand.

Abschlämmbare Bestandteile (Quarzstaubkörnchen, Glimmer, Tonteilchen usw.).
        <pb n="31" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

7

✓

selbe in groben Kies oder Grus (5—3 mm) und in feinen Kies oder
Grus (3—2 mm) getrennt und jeder Teil für sich gewogen.

d)	Zu der in den Zylinder gelegten, ausschließlich aus Peinerde « 2 mm) bestehenden

Masse gibt man so viel Wasser zu, daß dasselbe bis zu der 2 cm unter dem Baude des
Zylinders angebrachten Marke	reicht,	und	rührt	mit einem glatten Holzstab etwa

1 Minute lang gründlich um.	Dann	zieht	man	den Bührstab schnell heraus und

läßt das von ihm abfiießende Wasser in den Zylinder tropfen. Diesen läßt man
10 Minuten lang ruhig stehen,	zieht	dann	den Stopfen aus dem Tubus und läßt das

trübe Wasser ablaufen, wobei	man	eine Probe	in einem Beagenzglase auffängt.

Letzteres wiederholt man bei jedem folgenden Aufschlämmen und vereinigt die gleich-
großen Proben in einem Becherglase. Nach Beendigung des Schlämmens wird der
Inhalt des letzteren abfiltriert, die auf dem Filter bleibende Masse innig gemischt
und zur mikroskopischen Untersuchung verwendet.

Nach jedem Absohlämmen schließt man den Tubus wieder,
wobei man stets sorgfältig darauf achtet, daß der Stopfen genau
mit der inneren Wand des Zylinders absohneidet. Daun füllt
man bis zur Marke, rührt um und läßt auch bei jedem folgenden
Abschlämmen 10 Minuten lang ruhig stehen, um dann ablaufen
zu lassen, wieder aufzufüllen und so lange damit fortzufahren, bis
nach 10 Minuten langem Stehen über dem Tubus keine schwebenden
Bodenteilohen mehr wahrzunehmen sind.

e)	Der im Sohlämmzylinder zurüokbleibende Sand wird mit Hilfe
der Spritzflasche in eine Porzellanschale gebracht und auf dem
Wasserbade zur völligen Trockne eingedampft. Damit der Sand
die Luftfeuchtigkeit wieder anzieht, läßt man die Schale etwa
24 Stunden an einem vor Staub geschützten Orte stehen und
wägt dann zunächst den gesamten Sand. Hierauf siebt man erst
durch das 1 mm-Sieb, dann durch das 0,5 mm-Sieb und das
0,26 mm-Sieb, um so das Gewicht des sehr groben Sandes *■ kuünscher
oder Grandes (2-1 mm), des groben Sandes (1-0,5). des Sohlammzylmder.
feinen Sandes (0,5—0,25) und des sehr feinen Sandes

«0,26) zu erhalten. Es sind hierbei ausschließlich Eundlochsiebe zu verwenden.
Eine bei dem Vergleiche mit dom Gesamtgewicht des Sandes durch Verstäuben beim
Sieben sich ergebende Differenz ist dem „sehr feinen Sande“ zuzurechnen. Die ge-
fundenen Gewichtsmengen von Kies oder Grus und Sand sind in Prozenten des
steinfreien lufttrockenen Bodens auszudrüoken. Die Menge der ab-
schlämmbaren Teile ergibt sich aus der Differenz zwischen dem ursprünglichen
Gewichte des zur Untersuchung verwendeten steinfreien lufttrocknen Bodens (50 oder
100 g) und dem Gewicht von Kies oder Grus und Sand. —■ Dem Ergebnis der Schlämm-
analyse ist immer das Ergebnis der mikroskopischen Untersuchung hinzuzufügen.
Findet eine eingehendere Feststellung der mineralogischen Beschaffenheit der Fein-
erde nicht statt, so ist doch stets schätzungsweise anzugeben, in welchem Ver-
hältnis größere Quarzstaubkörnchen im Vergleich zu den feineren
Gemengteilen in den abschlämmbaren Teilen der untersuchten Boden-
probe vorhanden sind.

Neben dem Kühnschen Schlämmzylinder wird auch der Wagner sehe Sehlamm-
zylinder (Mg. 5, S. 8), welcher eine Modifikation des Kühnschen Schlämmzylinders ist,
empfohlen. Derselbe besteht aus einem Glaszylinder von 8 cm Weite und 30 cm
Höhe, welcher mit einer Messingklappe verschlossen ist. Durch diese Messingklappe
führt ein Heberrohr von Messing und ein Anblasrohr.

Bei dem Gebrauche werden 50 g Feinerde (vergl. S. 6) in den Zylinder gebracht,
der Zylinder bis zur Marke mit Wasser gefüllt, eingesohüttelt und 30 Minuten stehen ge-
lassen. Hierauf wird der Messingdeckel mit Heber und Anblasrohr aufgesetzt, das Heber-
rohr bis oben auf den Absatz eingetaucht, durch Anblasen gefüllt und die über dem Nieder-
        <pb n="32" />
        ﻿8

Untersuchung von Boden.

schlag stehende Flüssigkeit abiließen gelassen.. Das Füllen des Apparates mit Wasser,
Durchsohütteln und Ahfließenlassen wird so oft wiederholt, bis die ablaufende Flüssigkeit
fast klar erscheint. Der im Zylinder verbleibende Rückstand (Staubsaud) wird in eine
Porzellanschale gespült, getrocknet und gewogen.

Neben diesen beiden Schlämmapparaten gibt es noch eine große Reihe anderer,
welche entweder, wie der Kühnsche und Wagner sehe Apparat, auf dem Grundsätze
beruhen, die gröberen Teile von den feineren durch ihre verschiedene Fall-
geschwindigkeit im ruhenden Wasser zu trennen
(Sedimentier- und Dekantierapparate) oder die
Trennung durch einen auf steigenden Wasserstrom
zu bewirken (Spül- oder Sohlämmapparate). Zu den
Apparaten ersterer Art gehören außer den genannten:
die Schlämmflasche von v. Benningsen, der Sedi-
mentier- oder Schlämmzylinder von Knop, der
Apparat von Appiani1) und derjenige von Fadejeff
bezw. William.* 2) Zu, der Gruppe der Spül-
apparate gehören die Apparate von Nobel,
Fr. Schulze, Schöne und Hilgard.

Außer dem Kühnschen und Wagnerschen
Apparat ist in Deutschland wohl nur noch der
Schöne sehe Sohlämmapparat vorwiegend in Gebrauch,
und soll daher dieser auch hier nur noch eingehender
beschrieben werden. Bezüglich der übrigen Schlämm-
apparate verweise ich auf F. Wahnschaffes An-
leitung zur wissenschaftlichen Bodenuntersuchung,
Berlin 1903, 2. Auflage, bezw. auf die sonst an-
gegebene Literatur.

Der Scliönesche Schlämmapparat wird zweckmäßig in folgender Weise
zusammengestellt:

1.	Aus einem möglichst flachen, 30—40 1 fassenden Wasserkasten A (Fig. 6, S. 9),
der in einer Höhe von etwa 2—3 m über dem Sohlämmapparat angebracht sein muß;

2.	aus einem Tisch B von Vs m Höhe, mit .2 Öffnungen zur Aufnahme für die beiden
Schlämmtrichter;

3.	aus einem 6—8 1 fassenden starkwandigen Standglase C;

4.	aus dem eigentlichen Schlämmapparate mit den beiden Schlämmtrichtern E und D,
dem Piezometer F und der Verbindungsröhre G. Die beiden Trichter E und D sind konisch
geformte Glasgefäße, deren unterer Teil halbkreisförmig gebogen in aufwärts geführte
Röhren a, und a -sich fortsetzt. Das Schnabelrohr des kleinen Trichters wird mit dem
Wasserkasten durch einen Kautschukschlauch verbunden, indem ein Glasrohr b eingeschaltet
wird. Die Verbindung der beiden Trichter wird hergestellt durch eine halbkreisförmig
gebogene Glasröhre, welche auf der einen Seite einen in den Hals des kleinen Trichters
passenden Pfropfen, auf der anderen Seite einen kurzen Kautschuksohlauch zur Verbindung
mit Trichter E trägt. Kurz unter dom Hals des großen Trichters befindet sich der voll-
kommen zylindrische Teil f e, der eigentliche Schlämmraum, Derselbe ist 10 cm lang und
möglichst genau 5 cm im Durchmesser.

In den Hals des Schlämmtrichters B ist mittels eines Korkes die Piezometerröhre F
eingeschoben. Letztere ist eine etwa 1 m lange Barometerröhre, welche an ihrem unteren
Ende bei d und g zweimal knieförmig unter einem Winkel von 40—46° gebogen ist. Die

') Wollny: Forschungen auf dem Gebiete der Agrikultur-Physik 1894, 17, 291.

21 Ebenda 1895, 18. 225,

I'ig. 5. Wagnerscher
Sohlämmzylinder.
        <pb n="33" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

9

Flg. 6. Scliönesclier Schlämmapparat.

Wassersäule im Piezometer steht. Zur Bestimmung der Geschwindigkeit des Wassers in
f—e ermittelt man zuerst den Rauminhalt des zylindrischen Teiles, indem man den Trichter
bis e mit Wasser füllt, diese Stelle genau durch eine Marke festlegt und nun eine bestimmte
Menge Wasser, etwa 60 ccm, hinzulaufeu läßt. Durch Messen der 50 ccm-Wassersäule
mit einem Maßstahe you der eingezeichneten Marke bis zum Niveau der Flüssigkeit erfährt
man die Höhe derselben. Durch Division des Rauminhaltes, also 50 com, durch die Höhe

erfährt man den Querschnitt des Schlämmraumes.

Zur Bestimmung der Schlämmgeschwindigkeit, also des Auftriebes, den jedes Wasser-
teilchen für eine Sekunde im Schlämmraum erfährt, setzt man den Apparat zusammen, öffnet
bei b den Hahn so weit, daß aus der Öffnung g das Wasser nur in schnell aufeinander
folgenden Tropfen ausfließt, und läßt nun, nachdem alle Luftblasen aus dem Apparat ent-

Biegung muß kurz sein, ohne daß das Innere der Röhre verengt ist. Die lichte Weite
der Röhre soll möglichst genau 3 mm betragen. Bei g befindet sich als Ausflußöffnung
eine kreisrunde Öffnung von 1,6 mm Durchmesser so angebracht, dass der Ausflußstrahl
schräg nach unten gerichtet ist.

Der Schenkel g P, etwa 1 m lang, dient zum Messen des Druckes, unter dem das
Wasser bei g ausfließt, und ist mit einer Skala versehen, deren Nullpunkt am Boden der
Röhre liegt. Die Piezometerröhre ist auf den ersten 10 cm in mm, von 10—60 in '/2 cm
und darüber in ganze cm eingeteilt.

Vor der Benutzung des Apparates muß man ermitteln, in welcher Beziehung die
Geschwindigkeit des Wassers in dem Schlämmraume f—e zu der entsprechenden Höhe der
        <pb n="34" />
        ﻿10

Untersuchung von Boden.

lernt sind, das austropfende Wasser in einen untergestellten Meßkolben ausfließen. Aus
der Zeit t, welche erforderlich ist, bis sich das Meßgefäß füllt, und dem Querschnitt Q des
Schlämmraumes wird die Stromgeschwindigkeit c = mm für eine Sekunde nach folgender
Formel berechnet:

m \ d. h. man dividiert die ausgeflossene Wassermenge m in ccm durch
t &gt; die verbrauchte Zeit t in Sekunden und dividiert diesen Quotienten

0 = Q j	durch Q, den Querschnitt des Schlämmraumes, in qmm.

Da man bei Schlämmversuchen eine ganz bestimmte Schlämmgesohwindigkeit zu
haben wünscht, so berechnet man aus 2 Versuchen bei verschieden starker Ausflußmenge
die Geschwindigkeit und sieht nun, welche sich der gewünschten Geschwindigkeit nähert.
Durch weitere Ermittelungen erfährt man aus 3—4 Versuchen die bei den Schlämmver-
suchen anzuwendende Geschwindigkeit.

Da man bei Schlämmanalysen meist zwei oder drei Geschwindigkeiten anzuwenden
wünscht, so hat man den Versuch hei den entsprechenden größeren Druokhöhen zu
wiederholen.

Hat man durch Versuche die gewünschte Schlämmgeschwindigkeit gefunden, so liest
man den Wasserstand am Piezometer ab, verzeichnet die Höhe desselben, auf welche später
beim eigentlichen Schlämmversuoh wieder einzustelien ist.

Da geringe Unterschiede in der Konstruktion der Apparate wesentlichen Einfluß
auf Ausflußgesohwindigkeit, Wasserstand im Piezometer und Schlämmgeschwindigkeit haben,
so lassen sich keine bestimmten Zahlen für die Höhen der Wassersäule im Piezometer für
die bezüglichen Schlämmgeschwindigkeiten angeben, sondern es bedarf jeder Apparat einer
Einstellung, die dann für alle späteren Versuche maßgebend ist.

Außer dieser empirischen Einstellung läßt sich die Schlämmgeschwindigkeit berechnen
nach dem Gesetze der Ausflußgesohwindigkeit unter Berücksichtigung der Reibungswider-
stände und der Kapillarattraktion. Die entsprechenden Formeln sind in Wahnsohaffes
Anleitung für Bodenuntersuohungen, Berlin 1903, S. 35—37, angegeben.

Zur Ausführung des eigentlichen Schlämmversuches werden 60 g durch ein Sieb
von 2 mm Maschenweite gesiebte Erde bis zur vollständigen Zerteilung mit 300 ccm Wasser
gekocht; die breiartige Masse läßt man bis zum Erkalten absitzen, gießt den schwebenden
Schlamm mit der größten Monge des Wassers in den großen Trichter E, während der
gröbere Bodensatz in den kleinen Trichter D gespült wird. Während des Einspülens der
Probe läßt man durch geringes Öffnen des Hahnes b Wasser zufließen, um ein Festsetzen
der Körner in dem engen Teile des Trichters zu verhindern. Hat man die ganze Masse
in die Trichter hineingebraoht, so werden letztere mit Wasser vollkommen gefüllt, wobei
zu vermeiden ist, daß Luftblasen Zurückbleiben; alsdann wird der Apparat zusammengesetzt.
Man öffnet alsdann den Zuflußhahn b so, daß die für die erste gewünschte Geschwindigkeit
gefundene Höhe im Piezometer erreicht ist. Das aus der Öffnung g herausfließende bezw.
austropfende Wasser wird je nach der Menge der im Boden enthaltenen Tonmenge längere
oder kürzere Zeit gebrauchen, bis die feinsten Teilchen fortgewaschen sind, wozu zuweilen
8 1 Wasser und darüber erforderlich sind.

Sobald Klärung in dem oberen Teil des großen Trichters eingetreten ist, wird das
untergestellte Beoherglas mit dem ersten Sohlämmerzeugnis beiseite gestellt, ein anderes
Becherglas untergeschoben und nun auf die zweite gewünschte Geschwindigkeit eingestellt.
Man erhält so in den verschiedenen, der Reihe nach untergestellten Beohergläsern die ge-
wünschte Anzahl Sohlämmerzeugnisse von bestimmter Korngröße. Nach einigen Stunden haben
sich die Teilchen so weit gesetzt, daß man, ohne Verluste zu erleiden, den größten Teil
des Wassers abgießen kann. Die Reste, wie auch die in den Schlämmtrichtern zurückge-
bliebenen gröberen Teile spült man in gewogene Porzellanschalen, verdampft das Wasser auf
dem Wasserbade und bringt durch 6-stündiges Stehen an der Luft die einzelnen Erzeugnisse
auf den lufttrocknen Zustand, worauf durch Wägen derselben ihre Menge festgestellt wird.
Die feinsten abgeschlämmten Teilchen bestimmt man, da ihr völliges Absetzen oder die
Verdampfung der gesamten Wassermenge zu lange dauert, aus der Differenz.

Bei der ersten Stromgeschwindigkeit von 0,2 mm in der Sekunde werden die
feinsten Teilchen bis 0,01 mm Korngröße ahgeschlämmt.
        <pb n="35" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

11

Eine Stromgeschwindigkeit von 0,5 mm in der Sekunde gibt staubfeine Teilchen
von 0,01—0,02 mm Korngröße.

Eine Stromgeschwindigkeit von 2,0 mm in der Sekunde liefert Staubsand von
0,02—0,05 mm Korngröße.

Der im großen Trichter verbliebene Rückstand ist Feinsand von 0,05—0,1 mm
Korngröße.

Der Rückstand aus dem kleinen Trichter enthält Grobsand von 0,1—0,2 mm
Korngröße oder auch spezifisch schwere Metallteilohen, welche zuweilen im Boden
angetroffen werden. Bodenteile, wie Kies und Steinchen von über 0,2 mm Korn-
größe sind durch die entsprechenden Siebe abgeschieden und werden ebenfalls durch
Wägung bestimmt.

Will man die einzelnen Schlämmerzeugnisse chemisch untersuchen, so empfiehlt
es sich, zum Schlämmen destilliertes Wasser zu verwenden.

Um das Schlämmen mit destilliertem Wasser bei gleichbleibendem Druck aus-
zuführen, hat F. Wahnschaffe in seiner Anleitung zur wissenschaftlichen Boden-
untersuchung 1903, S. 40, einen zweckmäßigen Apparat angegeben, auf welchen
hier verwiesen sei.

A. Mayer1) hat den Apparat von Schöne in der Weise abgeändert, daß
er das Piezometer durch eine einfache Glasröhre von 3—4 mm lichter Weite, die
in Zentimeter eingeteilt ist, ersetzt und daneben in dieselbe Tubulatur eingesetzt
eine gewöhnliche, ungefähr in einem halben rechten Winkel nach abwärts geneigte
Ausflußrohre anbringt; ferner wird der Schlämmapparat unten durch einen Glas-
halm abgeschlossen.

E. W. Hilgard2) hat einen neuen, von den bisherigen Schlämmapparaten
grundsätzlich verschiedenen Apparat für die Schlämmanalyse des Bodens vor-
geschlagen, dessen Einrichtung auf dem Aneinanderhaften kleiner Teilchen, der
sogenannten Flockenbildung in schlammartigen Massen, unter bestimmten Umständen
beruht. Da die Erfahrungen mit diesem Verfahren noch nicht abgeschlossen sind,
so muß ich mich auf eine Erwähnung desselben [vergl. die Kritik von A. Mayer,8)
wo sich auch eine Abbildung des Apparates befindet, und die Gegenäußerung von
E. Hilgard4)] beschränken.5 6)

H. Puchner0) hat vergleichende Untersuchungen nach den Verfahren von
J. Kühn, A. Mayer, Hilgard und Fadejeff-Williams mit Porzellan-, Ziegel-
und Quarzerde ausgeführt und gefunden, daß das von A. Mayer am meisten, das
von Hilgard am wenigsten abschlämmbare Teile liefert, während im allgemeinen
in absteigender Reihenfolge die nach den Verfahren von J. Kühn und von Fadejeff-
Williams erhaltenen Ergebnisse in der Mitte liegen.

Die chemische Untersuchung des Bodens.

Die für die chemische Untersuchung des Bodens getroffenen Ver-
einbarungen des Verbandes landwirtschaftlicher Versuchs-Stationen
im Deutschen Reiche lauten wie folgt:7)

4)	Wollny: Forschungen auf dem Gebiete der Agrikultur-Physik 1882, 5, 228.

2)	Ebenda 1879, 21, 441.

3)	Ebenda 1896, 19, 193.

l)	Ebenda 1896, 19, 402.

5)	Für etwaige Versuche nach diesem Verfahren empfiehlt es sich, den Appaiat
selbst durch Herrn Professor Dr. E. W. Hilgard in Berkeley (Kalifornien) zu beziehen.

6)	Landw. Versuchs-Stationen 1901, 56, 141.

7)	Ebenda 1890, 38, 292; 1892, 42, 166 u. 1893, 43, 339.
        <pb n="36" />
        ﻿12

Untersuchung von Boden.

„Zur chemischen Untersuchung nimmt man die durch trockenes Ahsiehen mittels
des 2mm-Siebes erhaltene Feinerde und zwar in lufttrockener, nicht durch vor-
heriges Erhitzen veränderter Form. Die gröberen Bodenteilchen und Steinchen
sind nach dem Abspülen mit Wasser ihrer Menge und mineralogischen Beschaffenheit
nach möglichst genau zu bestimmen, ebenso die Gemengteile des Feinbodens mit
der Lupe zu untersuchen.

Bei gewöhnlicher, möglichst rasch auszuführender Bodenuntersuchung wird
Wassergehalt, Glühverlust, Stickstoff- und Humusgehalt bestimmt und außerdem nur
der nach unten angegebener Vorschrift erhaltene Auszug auf seine Bestandteile
untersucht.

Sämtliche Untersuchungs-Ergebnisse sind auf (hei 100°) getrockneten Boden zu
berechnen.

Zur Bestimmung des Glühverlustes wird der Boden bei 140° getrocknet,
geglüht, mit kohlensaurem Ammoniak befeuchtet und wieder schwach (bis zur Rot-
glut) geglüht.

Bei Moorboden und stark humosem Boden ist das letztere Verfahren nicht
zulässig.

Der Humusgehalt ist nach dem von G. Loges beschriebenen Verfahren zu
ermitteln (vergl. S. 13).

Zur Bereitung des sauren Bodenauszuges wird vorgeschlagen:
a) auf 1 Gewichtsteil Boden 2 Volumteile 25 °/0iger Salzsäure (unter Berück-
sichtigung der Karbonate des Bodens) unter öfterem Umschütteln 48 Stunden
bei Zimmertemperatur, oder

h) auf 1 Gewiohtsteil Boden 2 Volumteile 10°/oiger Salzsäure (unter Berück-
sichtigung der Karbonate des Bodens) unter häufigem Umschütteln 3 Stunden
lang auf dem Wasserbade ein wirken zu lassen.

Die bei der quantitativen Bestimmung der einzelnen Bestandteile des Auszuges
anzuwendenden Verfahren sind im allgemeinen bekannt und können wenigstens vor-
läufig dem Ermessen eines jeden überlassen bleiben. Dagegen ist es wünschens-
wert, daß auch bei gewöhnlichen, rasch auszuführenden Bodenuntersuchungen die
physikalische Beschaffenheit einige Berücksichtigung findet, und zwar ebenso, wie die
mechanische Beschaffenheit des Bodens unter Anwendung möglichst einfacher
Verfahren ermittelt wird, insbesondere die Wasserkapazität und Kapillarität des
Bodens.“

Bei der weiteren Untersuchung des Bodens kommen folgende Verfahren in
Betracht:

I.	Bestimmung der Boden-Konstituenten.

Unter „Boden-Konstituenten“ sind die einzelnen, chemisch und physikalisch
unterschiedlichen Bestandteile (Gemengteile) des Bodens, nämlich außer Wasser:
Humus, Karbonate, Sulfate, aufgeschlossene Silikathasen, Ton, Silikate und Sand
zu verstehen.

1.	Bestimmung des hygroskopischen oder mechanisch absorbierten Wassers.

10—20 g Boden werden in Trockenkölbchen im Luft- oder Dampfbade bei
100° bis zur Unveränderlichkeit des Gewichtes getrocknet.

Zur Kontrolle kann man auch 5 g Boden 2—3 Tage lang bei gewöhnlicher
Temperatur im Exsikkator über konzentrierter Schwefelsäure austrocknen lassen.
        <pb n="37" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

13

H. Pucbner1) kommt auf Grund seiner Untersuchungen zu dem Schluß, daß
es nach dem gewöhnlichen Trockenverfahren durch Erhitzen auf 105° nicht möglich
ist, den Feuchtigkeitsgehalt von Bodenproben ganz genau zu bestimmen; er empfiehlt,
bei fortgesetztem Trocknen die gelüfteten Trockengefäöe erst dann in den Trocken-
schrank zu stellen, wenn derselbe die Temperatur von 106° angenommen hat, die
Trockengefäße nur im verschlossenen Zustande unter dem. Exsikkator erkalten zu
lassen und vor dem Wägen ganz kurz zu lüften; ferner soll die Trocknung in
einem möglichst gut ventilierten Raume ausgeftihrt werden, um die Anhäufung von
Heizgasen einzuschränken oder zu vermeiden.

2.	Bestimmung des chemisch gebundenen Wassers (bezw. Glühverlustes).

Jeder Boden enthält außer dem mechanisch absorbierten Wasser noch chemisch
gebundenes Wasser in den Hydroxyden, Gips, Ton etc., welches bei 100° und
selbst bei 125—150° nicht verflüchtigt wird. Dieses läßt sich auf direkte
Weise nicht bestimmen, da durch Glühen des Bodens auch der Humus zerstört
und neben dem chemisch gebundenen Wasser auch ein Teil des Humus mitbestimmt
wird. Das chemisch gebundene Wasser läßt sich daher nur in der Weise er-
mitteln, daß man den Gesamt-Glühverlust des Bodens bestimmt und hiervon die
unter 1. gefundene Menge hygroskopischen Wassers und die unter 3. gefundene
Menge Humus abzieht; die Differenz gibt dann wenigstens ziemlich annähernd die
Menge des chemisch gebundenen Wassers.

Die Bestimmung des Gesamt-Glühverlustes erfolgt entweder in der

S.	12 angegebenen Weise oder auch derart, daß man etwa 10 g des Bodens möglichst
schwach glüht, bis aller Humus zerstört und verbrannt ist. Darauf wird der Glüh-
rüokstand wiederholt mit kühlensaurem Ammon befeuchtet, auf dem Wasserbade
eingetrocknet, zur Verflüchtigung des kohlensauren Ammons schwach geglüht und
diese Behandlung so oft wiederholt, bis keine Gewichtsveränderung mehr eintritt.* 2 3)

Knop bestimmt den Gesamt-Glühverlust in der Weise, daß er 2 g Boden,
d. h. Feinerde vorsichtig glüht, bis alles Organische eben verbrannt ist, sodann den
Boden mit dem gleichen Volumen vorher fein geriebener reiner Oxalsäure bis zum
Schmelzen derselben und darauf weiter erhitzt, bis die Oxalsäure eben zersetzt ist,
Hierauf läßt man erkalten und wägt, vermischt nochmals mit der Hälfte der Oxal-
säure, glüht und wägt wieder und so fort, bis das Gewicht unveränderlich geworden ist.

3.	Bestimmung des Humus.

a) Durch Elementaranalyse. Eine sehr genaue Bestimmung des Kohlen-
stoff- (bezw. Humus-) Gehaltes erfolgt nach G. Loges8) durch die Verbrennung dos
Bodens mit Kupferoxyd nach der Elementaranalyse.

5—10 g Boden werden, um die fertig gebildete Kohlensäure auszutreiben, in
Hofmeisterschen Glasschälchen mit verdünnter Phosphorsäurelösung — die von

V) Landw. Versuchs-Stationen 1901, 55, 309.

2)	Bei hohem Gehalt des Bodens an kohlensauren Erden kann auch so noch leicht
Kohlensäure mit verflüchtigt werden. Man muß alsdann die Menge dieses Verlustes nötigen-
falls durch eine Bestimmung der Kohlensäure in dem Boden vor und nach dem Glühen
kontrollieren und darnach den Gesamt-Glühverlust korrigieren.

Umgekehrt findet man bei vorhandenen größeren Mengen Eisenoxydul, welches
beim Glühen in Oxyd übergeht, etwas zu wenig Glühverlust. Dieser Fehler ist nötigen-
falls durch Bestimmung des Eisenoxyduls und Abziehen des demselben entsprechenden
Oxyd-Sauerstoffs vom Gesamt-Glühverlust zu korrigieren.

3)	Landw. Versuchs-Stationen 1883, 28, 229.
        <pb n="38" />
        ﻿14

Untersuchung von Boden.

einigen Seiten vorgeschlagene schweflige Säure ist nicht so empfehlenswert — auf
dem Wasserbade zur Trockne verdampft, der eingetrocknete Boden samt Glas-
schälchen mit pulverigem Kupferoxyd vermischt und in eine 60 cm lange Yer-
hrennungsröhre gefüllt; an die mit Boden vermischte feinpulverige Kupferoxydschicht
schließt sich — durch Asbestpfropfen ahgetrennt — eine 20 cm lange Schicht von
grobem Kupferoxyd, hieran zur Reduktion des entstehenden Stickoxyds eine 10 bis
12 cm lange Kupferdrahtspirale — oder auch eine ebenso lange Schicht von ganz
feinem Silberdraht, welcher neben Reduktion des Stickoxyds auch Chlor zurück-
hält —; man verbindet die Verbrennungsröhre in üblicher Weise zunächst mit
einem Chlorcalciumrohr, dieses mit einem Kaliapparat und verfährt im übrigen
genau wie hei einer Elementaranalyse. Die Gewichtszunahme des vorher ge-
wogenen Kaliapparates ergibt die aus dem Humus gebildete Menge Kohlensäure.

Hat man die fertig gebildete Kohlensäure des Bodens nicht vorher durch
Phosphorsäure ausgetrieben, sondern den Boden direkt verwendet, so muß man
erstere für sich bestimmen und von der Gesamtmenge Kohlensäure abziehen. ,

b) Durch Oxydation mit Chromsäure bezw. saurem chromsaurem Kalium.
Weniger genauere Ergebnisse liefert die Bestimmung des Humus durch Oxydation
mit Chromsäure, wodurch einige Humusverbindungen nicht vollständig oxydiert werden.

5—10 g Boden werden in einem Kochfläschchen mit 20 ccm Wasser und
30 ccm konzentrierter Schwefelsäure übergossen, vorsichtig umgeschüttelt, unter
mehrmaligem Ausziehen der Luft aus dem Fläschchen stehen gelassen, bis das Ge-
misch erkaltet und die im Boden vorhandene, fertig gebildete Kohlensäure vollständig
entfernt ist. Darauf gibt man 5 g reine Chromsäure — auf 1 Teil vermutlich
vorhandener organischer Substanz 15—20 g freie Chromsäure, von Kaliumbichromat
entsprechend etwa 1/8 mehr, also 7—8 g für 5—10 g Boden, oder etwa 25—30 g für
1 Teil organischer Substanz1) — in das Fläschchen, verbindet dieses rasch mit einem
Apparat,* 2) welcher zunächst Waschflaschen mit konzentrierter Schwefelsäure und
einem Chlorcalciumrohr für die Absorption des mitgerissenen Wassers enthält, und
daran anschließend einen vorher gewogenen Geißler sehen Kaliapparat zur Ab-
sorption der Kohlensäure. Der Kaliapparat enthält Kalilauge, welche durch Lösung
von 1 Teil Kalihydrat in 1 Teil Wasser hergestellt ist.

Nach erfolgter Zusammenstellung des Apparates erwärmt man die Mischung
im Kölbchen anfangs nur sehr schwach, zuletzt aber bis auf 90—95°, erhält die
Flüssigkeit eine Zeitlang auf dieser Temperatur, entfernt alsdann die Lampe, leitet
einige Zeit kohlensäurefreie Luft durch den ganzen Apparat und ermittelt die
Gewichtszunahme des Kaliapparates.

Die Kohlensäure-Bestimmung wird wenigstens 1 mal wiederholt; wenn die
erhaltenen Ergebnisse nur wenig voneinander abweichen, nimmt man aus denselben
das Mittel.

Um aus dem Kohlenstoffgehalt des Bodens die Menge der wasser- und
stickstofffreien Humussubstanz wenigstens annähernd zu berechnen, pflegt
man in dem Humus 58 °/0 C anzunehmen und demnach die gefundene Kohlensäure
mit 0,471 oder den aus letzterer berechneten Kohlenstoff mit 1,724 zu multiplizieren.

*) Ich habe gefunden, daß auch hier, ähnlich wie bei der Bestimmung des Stick-
stoffs nach Kjeldahl, die Oxydation regelmäßiger und vollständiger verläuft, wenn man
etwa 2 g Merkurisulfat zusetzt. Man löst 20 g Queoksilberoxyd in 100 ccm verdünnter
(1: 3) Schwefelsäure und verwendet hiervon 10 ccm.

2) Als solcher kann zweckmäßig der Kohlensäure-Bestimmungs-Apparat von
R. Pinkener dienen.
        <pb n="39" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

15

Die Differenz im Gewichte des so berechneten Humus (+ dem direkt bestimmten
Gesamt-Stickstoff im Boden) und des Glühverlustes des bei 100° getrockneten
Bodens ist als chemisch oder überhaupt als fest gebundenes Wasser zu be-
zeichnen. welches bei 100° nicht flüchtig ist.

4.	Bestimmung der kohlensauren Erden.

Die kohlensauren Erden spielen seihst in geringen Mengen als Boden-
Konstituenten eine bedeutsame Rolle. Bei geringen Mengen vorhandener Kohlen-
säure kann letztere ausschließlich als an Kalk gebunden angesehen und die Menge
des vorhandenen kohlensauren Kalkes durch eine einfache Kohlensäure-Bestimmung
berechnet werden.

a)	Bestimmung der Kohlensäure, a) Aus dem Gewichtsverlust. Das
Verfahren beruht darauf, daß man in einem vorher beschickten und gewogenen
Kohlensäure-Bestimmungsapparat, z. B. dem von Mohr usw., die Kohlensäure durch
verdünnte Salzsäure (1:10) und schwaches Erwärmen austreibt, nach dem Erkalten
den Rest der im Apparat noch vorhandenen Kohlensäure entweder durch Evakuieren
oder Durchleiten von Luft mittels eines Aspirators entfernt, dann den Apparat
wieder wägt und den Gehalt an Kohlensäure aus dem Gewichtsverlust berechnet.

Man wägt von dem Boden je nach dem Gehalt an Kohlensäure 1—5 g ab,
trocknet diese Menge erst eine Stunde lang im Trockenschrank und bringt sie als-
dann in einen Kohlensäure-Bestimmungsapparat.

ß) Durch direkte Wägung. Handelt es sich um eine möglichst genaue
Bestimmung der Kohlensäure, so werden 1—5 g der vorher 1 Stunde bei 100°
getrockneten Erde in ein mit doppelt durchbohrtem Kork versehenes Kölbchen ge-
bracht; durch die eine Öffnung des Korkes führt ein Trichterrohr bis auf den Boden
des Kölbchens, durch die- andere ein Ableitungsrohr. Letzteres wird mit Wasch-
apparaten, die konzentrierte Schwefelsäure und Chlorcalcium zur Absorption des
mitgerissenen Wassers enthalten, verbunden und daran schließt sich ein Geißler scher
Kaliapparat, der vorher gewogen worden ist.

Nachdem man den Boden in das Entwickelungs-Kölbchen gegeben hat, wird
der Apparat geschlossen, durch das Triohterrohr verdünnte Salzsäure zugegeben,
zum schwachen Sieden erwärmt, schließlich kohlensäurefreie Luft durchgeleitet und
der vorgelegte Kaliapparat wieder gewogen. Die Gewichtszunahme ergibt die Menge
Kohlensäure.

Über die volumetrische Bestimmung der Kohlensäure in kalkreichen Böden
vergl. unter „Mergel“ bezw. „Kalkstein“.

H. Immendorff1) weist darauf hin, daß die Anwendung von Salzsäure bei
diesem \ erfahren zu unrichtigen Ergebnissen führen muß, wenn der Boden Mangan-
oxyde enthält; daß sich aber die oxydierende Wirkung eines solchen Gemisches auf
die im Boden stets vorhandenen Humussubstanzen und auch die Entwickelung von
Chlor durch Zufügung von Zinnchlorür leicht vermeiden läßt. Weiter aber haben
die Humusstoffe die Eigenschaft, beim Erhitzen mit Wasser oder verdünnter Salz-
säure in Gegenwart von Sauerstoff und selbst in einer WTasserstoffatmbsphäre
Kohlensäure, wenn auch in geringen Mengen, abznspalten; da wir im Ackerboden
stets mit humosen Substanzen zu rechnen haben, so kann nach diesem Verfahren
durch Erhitzen mehr Kohlensäure (und daraus berechnet auch mehr kohlensaurer
Kalk) gefunden werden, als in Wirklichkeit vorhanden ist, was um so mehr ins Ge-
wicht fällt, je geringer der Gehalt des Bodens an Karbonaten ist. H. Immendorff

B Zeitscbr. f. augew. Chemie 1900, 1177.
        <pb n="40" />
        ﻿16

Untersuchung von Boden.

empfiehlt deshalb, die Bestimmung der Kohlensäure in solchen Fällen bei Zimmer-
temperatur zu Ende zu führen; bei genügend langer Einwirkung (etwa 3 Stunden)
ist bei der feinen Verteilung im Erdboden auch eine Zersetzung des etwa vor-
handenen dolomitischen Materials zu erreichen.

b)	Bestimmung der kohlensauren Erden durch Auskochen mit Ammonium-
nitrat. Ist neben erheblicheren Mengen Calciumkarbonat auch Magnesiumkarbonat
anzunehmen und zu bestimmen, so benutzt man hierzu die Eigenschaft des Ammonium-
nitrats, sich mit den kohlensauren Erden in kohlensaures Ammon und salpetersaure
Erden umzusetzen.

1—2 g des möglichst fein gepulverten und bei 100° getrockneten Bodens
werden in eine Porzellanschale gegeben, mit 20 ccm einer konzentrierten Ammonium-
nitratlösung unter Bedecken mit einem Uhrglase 1/2 Stunde lang gekocht, indem
man zum Schluß das verdunstete Wasser durch Zusatz von heißem Wasser ersetzt,
um eine Abscheidung von Ammoniumnitrat zu vermeiden. Nachdem sich der Boden
abgesetzt hat, dekantiert man die heiße Lösung durch ein Filter in einem Heiß-
wasser-Trichter, wiederholt das Auskochen noch 2-mal und wäscht mit einer etwas
verdünnteren heißen Lösung von Ammoniumnitrat aus. Das mit Wasser stark
verdünnte Filtrat wird bis zum Kochen erhitzt, mit einigen Tropfen Ammoniak
versetzt, der Kalk in bekannter Weise mit Ammoniumoxalat gefällt und nach dem
Trocknen und Glühen als CaO gewogen.

Das Filtrat vom Kalkniederschlage wird in einer Porzellanschale auf etwa
die Hälfte eingedampft, mit einer Lösung von Natriumphosphat und darauf mit
Ammoniak — bis zu 1/3 der ganzen Lösung — versetzt. Nach 12—24-stündigem
Stehen wird das ausgesohiedene phosphorsaure Ammon-Magnesium abfiltriert und
in bekannter Weise als Magnesiumpyrophosphat gewogen.

c)	Bei Böden, welche größere Mengen an Karbonaten der alkalischen Erden
enthalten, kann nach H. Immendorff1) auch die Alkalitätsbestimmung (vergl.
unter Kalkstein usw.) mit gutem Erfolge zur Ermittelung des kohlensauren Kalkes und
der kohlensauren Magnesia verwendet werden.

5.	Bestimmung des Gipses.

Knop rechnet zu den Bodenkonstituenten auch den Gips, welcher wasser-
haltig als Gips oder Marienglas, wasserfrei als Anhydrit oder Karstenit in der
Natur vorkommt. Für gewöhnlich jedoch ist der Gips in der Ackererde nur in
sehr geringer Menge vorhanden und kann deshalb als Bodenkonstituent von unter-
geordneter Bedeutung vernachlässigt werden. Wo seine Ermittelung notwendig
erscheint, bestimmt man im salzsauren Auszuge des Bodens die Schwefelsäure und
berechnet aus dieser den Gipsgehalt (vergl. weiter unten S. 29). Knop kocht eine
entsprechende Menge Erde (2 g) mit einer Lösung von schwefelsäurefreiem Natrium-
karbonat (20 g), womit sich der Gips in Natriumsulfat und Calciumkarbonat um-
setzt, und bestimmt die Schwefelsäure im Filtrat.

Ö. Bestimmung der aufgeschlossenen Silikatbasen.

Hierunter versteht man die durch Verwitterung aus den tonliefernden Sili-
katen ausgeschiedenen Mono- und Sesquioxyde (Aluminiumhydroxyd und Ferrihy-
droxyd); die Menge derselben gibt uns daher den Grad der Verwitterung eines

') Zeitschr. f. angew. Chemie 1900, 1177.
        <pb n="41" />
        ﻿Untersuchung der Mineralboden.

17

amP eines Bodens im geraden Ver-
Bodens an und steht im allgemeinen die	.	Leider besitzen wir kein

hältnis zu dem Gehalt an aufgeschlossenen di 1 a	nuantitativ zu bestimmen.

Mittel, die Menge der aufgeschlossenen Silikathasen ge	q.	^	^ Die Menge

Verdünnte Säuren greifen auch einzelne unverwi	pat man durch wein-

Sesquioxyde, welche in einer Ackererde frei en a	indes hat sich heraus-
saures Ammonium auszuziehen und zu bestimmen ve ’	Silikate angreift,

gestellt, daß dieses Lösungsmittel ebenfalls 110	ien Feinerde, in dem so-

Knop ermittelt daher1) in der humus- un	^ kohlensauren Erden vor-
genannten Feinhoden, die neben Calciumsulh	Monoxyden, ferner den

handene Gesamtmenge an Kieselsäure, Sesquioxy 6	., Salzsäure unlöslichen

Gehalt an „Kieselsäure-Ton“, worunter er den m ve	^geschlossenen Basen

humusfreien Rückstand versteht, und erhält die i	Silikaten,

durch Subtraktion der Menge des „Kieselsäure-, ons	^ man p g des

Das Aufschlieöen der Silikate geschieht in	achten Feinhodens mit 10 g

vorher mit Oxalsäure auf ein gleichhleihendes Gewi	'	nimmt die Schmelze aus

kohlensaurem Kalium-Natrium zusammenschmi z .	‘	^dampfschale, fügt

dem Tiegel, reinigt den letzteren, spült seinen inna	1BQ ccm Wasser. Bei

die zerkleinerte Schmelze hinzu und ul3e^gie ™ vollständig erweicht. Hierauf
mäßigem Erwärmen ist die Masse binnen -	Kieselsäure, sowie

wird mit Salzsäure übersättigt, zur Trockne ver a	ppe Monoxyde findet

im Filtrat die Sesquioxyde in bekannter	eise i	Karbonate von Calcium und

man aus der Differenz; man addiert Calciumsul a &gt;	und sup,trahiert von 100

Magnesium, sowie Kieselsäure und Sesquioxyde zusa	viouoxvde sehr wenig genau

Feinboden. Natürlich kann eine solche Bestimmung:	1 Bezüglich der Sesqui-

sein, da darauf alle Fehler der Untersuchung zusarni GesamtmeI1ge, sondern auch
oxyde ist es sehr wünschenswert, daß nicht allem

Eisenoxyd und Tonerde einzeln für sich bestimm w	,. kohlen-

Zu. Bestimmung des IU..U.

sauren Erden vorher bestimmt sind, genau	qai7säure welche genau 5°/0

2 g Feinerde werden mit 50 com ven imn e pr0Zent von kohlensaurem
Chlorwasserstoff enthält, übergossen, dann ür 3®	Calcium 0,73 g HCl

Magnesium, 0,87 g HCl und für jedes Prozent von	übergießt man den Rück-
mehr hinzugefügt und zur Trockne verdunste .	t p 2 g kristallisierter

stand mit 100 ccm Wasser, fügt je nach dem. U ,.g ^er Humus zerstört ist, ent-
Chromsäure hinzu, erhitzt, ohne gerade zu oc en,	Salzsäure hinzu, mischt,

lernt vom Feuer, gießt 20 ccm gewöhnlicher i	, aus pqs die Flüssigkeit

bringt das Ganze auf das Filter und wäscht den	4drd mit verbrannt,

absolut farblos abläuft, trocknet, glüht und wag ’ Lhrt. die Differenz zwischen
Dieser Rückstand wird als „Kieselsäure- on.	’pep an aufgeschlossenen

demselben und der Gesamtmenge der Silikate zeig &gt; &gt;

Basen vorhanden ist.

, a» 1873 und Landw. Versuchs-Stationen

1)	Knop; Die Bonitierung der Ackereide,

1874. 17, 70.	. , „ «toffe verbrannt sind und keine

2)	Der Boden wird geglüht, bis alle	vemigoht man den Glührückstan

kohlige Färbung im Rückstände vorhanden ist,	erhitzt, bis die Oxalsäure

genau mit dem gleichen Volumen feingeriehener	nochmals mit etwa der Hälfte

eben zersetzt, läßt erkalten und Wägt. Man m«cht nochmals

Oxalsäure und fährt so fort, bis das Gewicht gm	2

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.
        <pb n="42" />
        ﻿18

Untersuchung von Boden.

Das Schema, welches Knop den Bodenuntersuchungen gibt, ist hiernach
z. B. folgendes:

In 100 Teilen Peinerde:

(	Hygroskopisches Wasser	(Feuchtigkeit)..................10,2	%

Glühverlust &lt;	Gebundenes Wasser........................................1,0	„

(	Humus...................................................6,0	„

Feinboden

17,2 %

..................................... 82,8 „

100 o/o

In 100 Teilen Feinboden:

Sulfat von Calcium ....

_ ,	,	( von Calcium

Karbonat |	_ Magnesium

r Kieselsäure .	.

Silikat &lt; Sesquioxyde .	.

I. Monoxyde .	.

Kieselsäure-Ton.............

Aufgeschlossene Basen .	.	.

Absorption (vergl. weiter unten)

0,2 o/o

6,6 o/o

1,2 „

7.8 o/o

77,0 o/0
13,5 „

1,5 ,.

92,0 °/o
82,7 „

9,3 „
134,0 „

7.	Bestimmung des Tones.

a) Durch mechanische Untersuchung. Bei einer Schlämmgeschwindigkeit von
0,2 mm im Schöneschen Schlämmtrichter erhält man fast reinen Ton und die größte
Menge desselben, bei einer Schlämmgeschwindigkeit von 2,0 mm sämtlichen im
Boden enthaltenen Ton neben Feinsand.

Knop verfährt zur mechanischen Trennung des Tones vom Sand der Fein-
erde wie folgt: 5 g Feinerde werden zur Entfernung der kohlensauren Erden erst
mit Salzsäure ausgelaugt, darauf zur Zerstörung des Humus mit 1—2 g Chromsäure
gekocht, wieder mit einer reichlichen Menge Salzsäure in der Siedehitze behandelt,
dekantiert und mit Wasser durch Dekantation ausgewaschen.

Zur weiteren Behandlung bereitet man sich eine Auflösung von 50 g Seife
in 1 1 schwachem Spiritus, so daß die Mischung etwa 50 °/0 Alkohol enthält. Diese
Lösung erstarrt beim Erkalten, wird aber in gelinder Wärme leicht wieder flüssig-
Den mit Salzsäure und Chromsäure behandelten Bodenrückstand tibergießt man
erst mit 100 ccm destilliertem Wasser, setzt etwa 100 ccm Seifenlösung hinzu und
kocht einige Zeit; die tonigen Teile werden in der Seifenlösung schwebend er-
halten; darauf gießt man den Inhalt der Schale in eine größere Schale von etwa
1 1 Inhalt, in welche man vorher ein halbes Liter destilliertes Wasser und etwas
Seifenlösung gegossen hat. Der Inhalt der kleinen Schale wird in der größeren
ausgewaschen, das Ganze absitzen gelassen und der Rückstand mit Seifenwasser so
lange nachgewaschen, bis alle tonigen Teile entfernt sind. Der Rückstand wird
getrocknet und als Quarzsand gewogen.

Hat man eine 2te Probe von 5 g Peinerde nur mit Salzsäure und Chromsäure
behandelt, getrocknet und gewogen, so erhält man die Gesamtmenge von Ton und
Quarzsand und nach Abzug des letzteren die Menge Ton.

Diese Bestimmung des Tones (bezw. Sandes) ist aber nach Knop nur eine
annähernde, weil der durch Seifenlösung schwebend gehaltene Ton auch noch feinste
Quarzteilchen und etwas Alkali von der Seife einschließt.
        <pb n="43" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

19

b) Durch chemische Untersuchung. Will man in den hei 0,2 und _. mm

Geschwindigkeit getrennten Schlämmerzeugnissen eine besondere Tonhestimmung urc i
chemische Untersuchung ausführen, so werden sie nach dem Trocknen und Wagen
wieder vereinigt und gut gemischt. Von den gemischten tonreichen Schlämm-
erzcugnissen — feine Tone, Löß- und Mergelsande können nach der Pulverung im
Achatmörser direkt verwendet werden — werden 1—2 g in einem Wageröhrchen
erst anhaltend bei 100° getrocknet, darauf in ein weiteres etwa 40 cm langes,
unten zugeschmolzenes Kaliglasrohr gebracht und mit 20 ccm verdünnter c ve e
säure (1 Vol. konz. Schwefelsäure und 5 Yol. Wasser) versetzt. Enthält die tomge
Masse kolensaures Calcium, so setzt man das Kohr vorher in heißes v asser, is
alle Kohlensäure ausgetrieben ist. Alsdann wird das Kaliglasrohr oben an ein
oberen Teil des Eohres darf nichts von der Tonmasse hängen — zugeschmolzen
und in einem Schieß- oder Köhrenofen 6 Stunden lang bei 120° erhitzt, JNach
dem Erkalten wird der obere Teil der Eöhre abgesprengt, indem man mit dem
Diamanten ringsum einen Eing zieht und einen glühenden Glasstab dagegen
hält. Der Inhalt der Eöhre wird unter Nachspülen mit destilliertem W asser
in ein Becherglas entleert, bei Gegenwart von viel Gips mit etwas Salzsäure ver-
setzt, erwärmt, filtriert und ausgewaschen.

Enthält die aufzuschließende Tonsubstanz bezw. der Boden noch Humus, so be-
wirkt man die Aufschließung am zweckmäßigsten — wenn auch mit nicht
gleichmäßigen Ergebnissen — in der Weise, daß man etwa 5 g Boden in einer
Dlatinschale mit konz Schwefelsäure zu einem Brei anrührt, die Schwefelsäure in
einem Sandbade oder auf einer Asbestplatte bei ganz kleiner Flamme verjagt und
diese Behandlung zum 2 und B. Male wiederholt. Der von Schwefelsäure tunlichst
befreite Eückstand wird mit Salzsäure im Wasserbade zur Trockne verdampft, m
Luftbade erwärmt, darauf mit salzsäurehaltigem Wasser gekocht, filtriert und aus-
gewaschen. Das Filtrat wird auf ein bestimmtes Volumen (250 oder 500 ccm) ge-
bracht und in einem aliquoten Teil (100 oder 150 ccm) nach der Oxydation des Eisen-
oxyduls mittels Bromwasser durch Zusatz von Ammoniak bis zu eben eintretender
alkalischer Eeaktion Tonerde und Eisenoxydhydrat gefällt, filtriert, ausgewaschen,
nach dem Trocknen geglüht und gewogen.

Ein zweiter aliquoter Teil der Lösung wird in derselben Weise gefallt,
filtriert, ausgewaschen, der Niederschlag in verdünnter Schwefelsäure gelost in
einem Kolben mit Bunsenschem Ventil durch chemisch reines Zink oder Zink-Kupier )
oder ein mit Platindraht umwickeltes amalgamiertes Stück Zink reduziert und
das Eisenoxydul mit Kaliumpermanganat in bekannter Weise titriert. n em man
die ans dem gefundenen Eisenoxydul berechnete Menge Eisenoxyd von o»bei^e
wogenen Fällung: Tonerde + Eisenoxyd abzieht, erhält man die Menge oncra
Letztere wird nach der Forchhammerschen Formel A12SL07 + H„0 mit
multipliziert, um die vorhandene Gesamtmenge Ton zu berechnen.

Dieses Verfahren ist aber nicht genau; denn zunächst rührt ein Teil der .uif
vorstehende Weise gefundenen Menge der in Salzsäure löslichen lonerde nicni
vom Ton als solchem her; ferner aber auch ist das Verhältnis von onercc

kurze Zeit lc. wird dadurch erhalten, daß man das zu verwendende reinste Zinkpulver
nachdem s' h*11 eln®r Lösung von Kupfersulfat in Berührung bringt und letztere abgießt,
Zink in pi.'*- 1 aS	mit Kupfer überzogen hat. Das Zink-Kupfer bezw. amalgamiertes

Zi„], ftIn . fhtspirale vollziehen die vollständige Eeduktion des Eisenoxyds viel schneller,

als Zink für

sich allein.

2*
        <pb n="44" />
        ﻿20

Untersuchung von Boden.

Kieselsäure nicht stets gleichmäßig, sondern schwankt in den einzelnen Tonen
innerhalb gewisser Grenzen.

Für genaue Untersuchungen empfiehlt es sich daher, die Tonmasse bezw.
den Boden vorher mit Salzsäure anszukochen, darauf mit Schwefelsäure aufzu-
schließen und weiter den von der Aufschließung verbleibenden Rückstand zur
Bestimmung der im Ton vorhandenen Kieselsäure mit einer Lösung von Natrium-
karbonat und etwas Natronlauge auszukochen, das Filtrat nebst Waschwasser mit
überschüssiger Salzsäure einzudampfen, die ausgeschiedene Kieselsäure zu sammeln
und zu wägen (vergl. weiter unten S. 31 u. f.).

L. Grandeau verfährt in folgender Weise: 10 g Feinerde werden mit
Wasser zu einem steifen Teig angerührt, dieser Teig darauf allmählich durch
größeren Wasserzusatz vollständig zerteilt; die Flüssigkeit wird nach und nach
unter Zusatz von destilliertem Wasser dekantiert, bis die ganze Menge Erde
geteilt und abgeschlämmt ist; die Gesamtmenge der Flüssigkeit darf x/5 oder x/4 1
nicht übersteigen. Darauf setzt man tropfenweise Salzsäure oder Salpetersäure
zu, bis das kohlensaure Calcium vollständig aufgelöst ist (bei stark kalkhaltigen
Böden unter Erwärmen), läßt absitzen, dekantiert, bringt schließlich den ganzen
Rückstand auf ein Filter und wäscht mit Wasser aus, bis das Filtrat keine
Kalkreaktion mehr zeigt. Der Rückstand wird in einem Becherglase mit 0,5 g
Ätzkali oder 2—3 ccm Ammoniak versetzt und unter öfterem Umrühren 4— 5
Stunden zur Lösung der dem Tone anhaftenden Humussubstanzen stehen ge-
lassen; sodann wird das 250 ccm fassende Becherglas mit Wasser gefüllt, um-
gerührt und nach 24-stündigem Stehen die Flüssigkeit in ein l1/^ 1 fassendes
Becher glas gehebert, darauf die abgezogene Flüssigkeit durch Wasser ersetzt und
diese Behandlung 4—6-mal wiederholt, bis die überstehende Flüssigkeit vollkommen
klar ist. In dem größeren Becherglase befindet sich der gesamte Ton und die im
Alkali gelöste Humussubstanz. Setzt man dazu noch 5—10 g Chlorkalium, so setzt
sich der Ton auf dem Boden ab. Nachdem sich die Flüssigkeit geklärt hat, hebert
man den größten Teil derselben ab, dekantiert durch ein Filter, bringt schließlich
die gesamte Tonmenge auf dasselbe und wäscht mit destilliertem Wasser so lange aus,
bis die aufgebrachte Flüssigkeit nur langsam zu filtrieren beginnt, ein Beweis dafür,
daß der Ton infolge der Abwesenheit eines in Lösung befindlichen Salzes seinen
früheren Zustand wieder angenommen hat. Nach dem Trocknen des Filters bringt
man den Rückstand in eine gewogene Platinschale und trocknet bei 150°, fügt den
durch Verbrennen des Filters erhaltenen Rest des auf dem Filter verbliebenen
Tones hinzu und erhält so das Gewicht des wasserfreien Tones.

8.	Bestimmung des Sandes (Quarz -j- Silikate).

a) Bestimmung des Gesamtgehaltes. Den Anteil an gröberem Sand (d. h.
Quarz + Silikate) erfährt man durch Absieben mittels eines Siebes von 3 bezw. 2 mm
Lochweite, den Anteil an feinerem Sand dagegen durch die Schlämmuntersuchung;
bei einer Schlämmgeschwindigkeit von 2 mm in der Sekunde wird die tonige Masse
des Bodens ziemlich vollständig abgetrennt, und man erfährt den Gehalt an Sand
und die Körnung desselben, wie oben S. 6 und 12 beschrieben ist.

Auch kann zur annähernden Bestimmung des Sandgehaltes das unter 7 a (S. 18)
beschriebene Verfahren von Knop dienen, ferner das Verfahren von A. Müller mit
Phosphorsäure (vergl. unter „Untersuchung von Gesteinen und deren Verwitterungs-
erzeugnisse). Eine genaue Bestimmung des Sandgehaltes, sowie eine Trennung"
des Quarzsandes von den Silikaten ist jedoch nur durch die chemische Untersuchung
möglich. Vergl. S. 31 u. f.
        <pb n="45" />
        ﻿Untersuchung der Miueralböden.

21

b) Petrographisehe Bestimmung der gröberen Gemengteile des Sandes.

Die mechanisch abgetrennten gröberen Gemengteile eines Sandes schließen außer
Quarzsand mitunter sehr verschiedenartige Bestandteile (Feldspat und Silikate
aller Art usw.) ein, deren petrographisehe Bestimmung sowohl in geologischer
Hinsicht für Herkunft und Bildung eines Bodens, wie auch in agronomischer Be-
ziehung für die Beurteilung des Bodens als Pflanzennährmittel von Bedeutung ist.
Einen gewissen Aufschluß über die Natur dieser Gemengteile erhält man, wenn
man den ahgesiebten bezw. abgeschlämmten Sand anfeuchtet, mit Hilfe einer Lupe
und Pinzette die gleichartigen Bestandteile ausliest und sie auf Farbe, Glanz und
Härte — am besten nach der Mohssehen Härteskala — auf Spaltbarkeit, Schmelz-
barkeit und auf magnetische Eigenschaft prüft; kleine Kalksteinchen geben sich
dadurch zu erkennen, daß sie mit verdünnter Salzsäure Kohlensäure entwickeln.

Eine weitere Trennung kann dadurch bewirkt werden, daß die Gemengteile
in spezifisch sehr schwere Flüssigkeiten gebracht werden. Thoulet stellt
zu dem Zweck durch abwechselndes Einträgen von Quecksilberjodid und Jodkalium
in Wasser eine Lösung von 2,77 spezifischem Gewicht (bei 11—15°) her und be-
wirkt durch diese eine Absoheidung aller Körper von höherem spezifischen Gewicht;
durch Verdünnen der Lösung lassen sich auch die Körper von geringerem spezifischen
Gewicht von einander trennen. Goldschmidt löst 210 g Jodkalium und 280 g Queck-
silberjodid in 25 ccm destilliertem Wasser und erzielt eine Lösung von 3,196 spezifischem
Gewicht, auf welcher z. B. Flußspat (von 3,1—3,2 spezifischem Gewicht) schwimmt,
Eohrbach nimmt 100 Teile Jodbaryum und 130 Teile Jodquecksilber auf 20 ccm
Wasser, erhitzt im Ölbade auf 150—200° und filtriert; die Lösung hat ein spezifisches
Gewicht von 3,39, auf welcher Topas schwimmt. Von Klein ist zu dem Zweck
Cadmiumborowolframat vorgeschlagen, welches bei 75° in seinem Kristallwasser
schmilzt und eine Lösung von 3,3—3,6 spezifischem Gewicht liefert, indes Karbonate
und Sulfate angreift.

Mit Hilfe derartiger Lösungen1) unter Berücksichtigung der nachstehenden
spezifischen Gewichte lassen sich die besonderen Gemongteile des abgesiebten bezw.
abgeschlämmten Sandes trennen und bestimmen. Die spezifischen Gewichte sind
z. B. felgende:

Gips		. 2,20-2,40	Augit		2.88—3,60
Orthoklas....	. 2,53—2,68	Turmalin		2,94—3.24
Albit		. 2,62—2.67	Hornblende ....	2,90—3,30
Oligoklas ....	. 2,63-2,68	Flußspat		3,10—3,20
Quarz		. 2,65	Rutil		4,20—4,30
Kalkspat ....	. 2.65—2,80	Schwerspat ....	4,30—4,70
Anorthit ....	. 2,67—2,76	Pyrit (Schwefelkies) .	4,90—6,20
Magnesiaglimmer . Kaliglimmer. . .	. 2,74—3,13 . 2,76—3,10	Magneteisenerz.	.	.	4,90—5,20

II. Die Bestimmung der einzelnen chemischen Elemente
bezw. Pflanzennährstoffe.

Bei einem gleichmäßig beschaffenen Boden könnte man die Menge der einzelnen
chemischen Bestandteile am schnellsten in der Weise bestimmen, daß man den Boden
einerseits mit Natriumkarbonat (auf 1—2 g Boden die 5—6-fache Menge von wasser-

') Thoulet und Brögger haben für diese Art Untersuchungen besondere Soheide-
apparate bezw. Scheidetrichter (vergl. Wahnsohaffe; Anleitung zur wissenschaftlichen
Bodenuntersuchung, Berlin 1903, S. 87—90) angefertigt.
        <pb n="46" />
        ﻿22

Untersuchung von Boden.

freiem Natriumkarbonat) zur Bestimmung von Kieselsäure, Tonerde, Eisenoxyd,
Mangan, Kalk, Magnesia aufscbließt, andererseits den Boden (nach dem Glühen)
zur Bestimmung der Alkalien (Kali und Natron) mit Elußsäure behandelt. Auf
diese Weise erhält man aber kein klares Bild darüber, in welcher Form die ein-
zelnen Elemente in dem Boden enthalten sind.

Zur besseren Beurteilung der chemischen Konstitution eines Bodens wird
derselbe daher einer stufenweisen Behandlung unterworfen:

1.	mit schwächeren Säuren (Salzsäure),

2.	„ konz. Schwefelsäure,

3.	„ Flußsäure.

Als schwächere Säuren verwendet man neben der Salzsäure (kalt und in der
Siedehitze) auch wohl kohlensäure- oder essigsäure- oder zitronensäurehaltiges
Wasser, welche letztere Lösungsmittel einen Anhaltspunkt darüber geben sollen, wie
viel von den mineralischen Nährstoffen des Bodens in leicht aufnehmharer Form für die
Pflanzen vorhanden sind. Wenngleich dieses nicht der Fall ist und sein kann, da hei der
Lösung der Nährstoffe des Bodens nicht das kohlensäure- oder humussäurehaltige
Wasser des Bodens allein in Betracht kommt, sondern die Wechselwirkung zwischen
Pflanzenwurzeln bezw. deren Ausscheidungen und den Boden-Agentien, so kann die
Behandlung mit verschieden starken Lösungsmitteln doch zur Kennzeichnung des
Bodens mit beitragen, und möge hier die Behandlung des Bodens mit verschieden
schwachen Säuren beschrieben werden.

1.	Behandlung des Bodens mit schwachen Säuren.

a) Mit kohlensäurehaltigem Wasser. 1500 g lufttrookner Boden werden
mit 6000 ccm des mit Kohlensäure zu 1/4 gesättigten Wassers — abzüglich der
schon vorhandenen und bei 100° sich verflüchtigenden Menge Wasser ■— in einer
gut verschließbaren Flasche übergossen und durchgeschüttelt. Das 1/4 gesättigte
kohlensäurehaltige Wasser bereitet man in der Weise, daß man 1500 ccm Wasser
bei gewöhnlicher Temperatur und mittlerem Luftdruck vollständig mit Kohlensäure
sättigt und darauf mit 4500 ccm Wasser verdünnt. Der Boden bleibt mit dem
Wasser 3 Tage lang unter häufigem und regelmäßig wiederholtem Bollen der Flasche
auf einer weichen Unterlage in Berührung; darauf werden 2/ä der Flüssigkeit,
nämlich 4000 ccm — entsprechend 1000 g Boden — möglichst klar abgegossen
oder mittels eines Hebers abgezogen, dieselben in einer luftdicht verschlossenen
Flasche noch etwa 24 Stunden lang ruhig stehen gelassen und durch ein doppeltes
Filter unter Bedecken des Trichters abfiltriert. Ist das Filtrat nicht klar, so dampft
man dasselbe unter Zusatz von Salzsäure auf etwa 300—400 ccm ein, filtriert von
dem abgeschiedenen Ton ab und bringt das Filtrat einschl. Waschwasser auf 500 ccm.
Soll der Boden mehrmals mit kohlensäurehaltigem Wasser1) behandelt werden, so
ersetzt man die abgegossenen 4000 ccm durch eine gleiche Menge reinen, mit Kohlen-
säure zu 1ji gesättigten Wassers, läßt wiederum 3 Tage unter häufigem Bollen des

’) Ulbricht (Landw. Versuchs-Stationen 5, 200), sowie W. Wolf und Jani
(Landw. Jahrbücher 1873, 3, 392) haben gefunden, daß der erste Auszug mit (XL-haltigem
Wasser zwar mehr Pflanzennährstoffe enthält als die späteren Auszüge, daß jedoch mit
dem zweiten und dritten Auszuge bei Anwendung stets gleicher Wassermengen hinsicht-
lich der Menge der gelösten Stoffe eine beinahe unveränderliche Größe erreicht wird, welche
mit der chemischen Konstitution des Bodens und seinem Gehalt an adsorbierten Nährstoffen,
sowie mit der länger anhaltenden Fruchtbarkeit desselben im Zusammenhang zu stehen
scheint.
        <pb n="47" />
        ﻿Untersuchung der Mineralhöden.

23

Gefäßes stehen, gießt nach Verlauf dieser Zeit abermals 4000 ccm ab und wiederholt
diese Behandlung zum 3. und 4. Male oder nach Umständen noch öfter.

Von dem Filtrat dient ein aliquoter Teil, etwa 1000 ccm = 250 g Boden, zur
Bestimmung der einzelnen Bestandteile, wie sie weiter unten für die salzsauren
Auszüge beschrieben ist.

Erscheint auch die Bestimmung der in essigsäurehaltigem Wasser lös-
lichen Bodenbestandteile erwünscht, so werden ebenfalls 1500 g Boden mit 6000 ccm
Wasser von 1, 2 oder 5 °/0 Essigsäuregehalt behandelt, hiervon ebenfalls 4000 ccm
abfiltriert und je nach dem Gehalt 500 ccm oder 1000 ccm zur Bestimmung der
einzelnen Bestandteile verwendet.

Vielfach werden jetzt auch zur Bestimmung der leichtlöslichen Bodennährstoffe
1 %- oder 2°/0-ige Zitronensäure und andere Lösungsmittel angewendet (vergl. weiter
unten unter Abschnitt VI Anhaltspunkte zur Beurteilung der Güte eines Bodens).

b)	Behandlung des Bodens mit kalter konzentrierter Salzsäure. 460 g
lufttrockner Boden werden in einer mit Glasstöpsel versehenen, hinreichend ge-
räumigen Flasche mit 1600 ccm konzentrierter reiner Salzsäure von 1,15 spezifischem
Gewicht übergossen und damit unter häufigem Umschütteln 48 Stunden1) lang bei
gewöhnlicher Temperatur (14—18°) in Berührung gelassen. Hierauf werden von
der Flüssigkeit 1000 ccm entsprechend 300 g Boden abfiltriert und aliquote
Teile des Filtrats (je 200 ccm entsprechend 60 g Boden, oder für die Bestimmung
der Phosphorsäure, Schwefelsäure und Alkalien auch die doppelte Menge* 2)) zur Be-
stimmung der einzelnen Bestandteile verwendet.

c)	Behandlung des Bodens mit heisser konzentrierter Salzsäure. 160 g
lufttrockner Boden3) werden in einem geräumigen Glaskolben mit 300 ccm konzen-
trierter reiner Salzsäure von 1,15 spezifischem Gewicht übergossen, unter häufigem
Umschütteln der ganzen Masse bis zum Kochen erhitzt, genau eine Stunde lang im
Kochen erhalten, hierauf mit etwa dem doppelten Volumen heißen Wassers verdünnt
und nach kurzem Stehen durch ein hinreichend großes, in seinem unteren Teile
doppeltes Filter filtriert. Der ungelöste Rückstand wird im Kolben noch 3-mal mit
heißem Wasser behandelt, dann unter Umschütteln, so daß auch die gröberen Teile
gleichzeitig mit aus dem Kolben gespült werden, aufs Filter1) gebracht und noch
weiter bis zum Verschwinden der Chlor-Reaktion mit heißem Wasser behandelt.

Um das Abscheiden von schleimiger organischer Substanz im Filtrat zu ver-
meiden, setzt man gleich anfangs zu der Salzsäure zweckmäßig etwas Salpetersäure.

Das Gesamtfiltrat (salzsaure Lösung und Waschwasser) wird unter Zusatz
von etwas Salpetersäure eingedunstet und auf 1000 ccm gebracht. Hiervon dienen
200 ccm = 30 g Boden (oder für die Bestimmung der Phosphorsäure, Schwefelsäure
und Alkalien auch die doppelte Menge) zur Bestimmung der einzelnen Bestandteile.

&gt;) F. Wohltmann empfiehlt (Journ. f. Landw. 1896, 44, 211), in den ersten 12 Stunden
stündlich umzuschütteln, 12 Stunden stehen zu lassen, dann wiederum 12 Stunden stund
umzuschütteln, abermals 12 Stunden stehen zu lassen und dann wie o en zu i noien ■ •
.*) Bei kalkreichen Böden nimmt man zur quantitativen Bestimmung des Kalkes

entsprechend weniger.	, .	, ■D««irafonfl

3) Bei kalkreichen Bodenarten und Gesteinen verwendet man hierzu B „
von der Behandlung mit kalter Salzsäure; in diesem Falle wird die ganze kalt	•_

Flüssigkeit ahfiltriert, der Rückstand ausgewaschen und mit heißer balzsaure weiter b d •
«) Zur Beschleunigung der Filtration kann man auch die feinsten_ Teile des Rü&lt;*
Standes mit heißem Wasser abschlämmen, den gröberen Sand erst aufs I ilter br -
auf diesen die feinsten Teile gießen.
        <pb n="48" />
        ﻿24

Untersuchung Ton Boden.

Untersuchung der saueren Lösungen.

Die Untersuchung der vorstehenden Lösungen (mit kohlensäurehaltigem Wasser,
mit kalter und heilier Salzsäure) auf die einzelnen Bestandteile erfolgt überein-
stimmend nach folgenden empfehlenswerten Verfahren:

a)	Bestimmung der gelösten Kieselsäure (und Zerstörung des
Humus). Die obigen salzsauren oder salzsauer gemachten Lösungen werden auf
dem Wasserbade in einer glasierten Porzellanschale zur Trockne verdampft, indem
man gegen Ende etwas konz. Salpetersäure zusetzt, um die organischen Substanzen
sowie Eisenoxydul zu oxydieren. Den trockenen Rückstand feuchtet man nochmals
mit konzentrierter Salpetersäure an und dampft abermals zur Trockne ein. Zur
Vertagung der Salpetersäure feuchtet man wieder mit Salzsäure an, verdunstet
diese erst auf dem Wasserbade, erwärmt den Trockenrückstand eine Zeit lang im
Luftbade und nimmt schließlich mit heißem salzsäurehaltigen Wasser auf. Die
unlöslich gewordene Kieselsäure wird abfiltriert, ausgewaschen, geglüht und gewogen.
Das Filtrat wird zur Bestimmung der sonstigen Bestandteile verwendet.1)

ß) Bestimmung des Eisenoxyds, der Tonerde und Phosphorsäure.

1.	Bestimmung der Gesamtmenge derselben. Die von der Kieselsäure ab-
filtrierte Flüssigkeit entsprechend 30 oder 60 oder 250 g Boden wird nach und nach mit
kleinen Mengen von kohlensaurem Natrium annähernd neutralisiert, bis eine schwache
Trübung entsteht, dann macht man die Lösung unter Umrühren durch einige Tropfen
Salzsäure wieder klar, erhitzt bis zum Kochen, fügt einen Überschuß von essig-
saurem Natrium hinzu und setzt das Kochen eine Zeit lang fort, um die ganze Menge
des Eisenoxyds und der Tonerde als basisch-essigsaure Salze bezw. Phosphate ab-
zuscheiden.

Um jede Spur Mangan von dem Eisenoxyd usw. zu trennen, löst man den abfiltrierten
Niederschlag in Salzsäure wieder auf und fällt nochmals wie vorhin mit essigsaurem
Natrium, filtriert, wäscht gut aus und vereinigt beide Filtrate, sowie die Waschwässer.

Der abfiltrierte und ausgewaschene Niederschlag wird noch feucht in Schwefel-
säure gelöst und die Lösung in 2 Teile geteilt; die eine Hälfte wird mit Ammoniak
gefällt, der Niederschlag abfiltriert und als Fe203 + A1„08 -j- P205 gewogen.

F.	Wohltmaün2) verfährt nach dem Glas er sehen Verfahren, wie es später
unter „Untersuchung von Düngemitteln“ angegeben wird.

2. Bestimmung des Eisenoxyds. Man bringt die schwefelsaure Lösung
in einen Glaskolben, leitet einige Zeit Kohlensäure über die Flüssigkeit, um die
Luft zu verdrängen, und reduziert8) das Eisenoxyd unter Zusatz von schweflig-

J) Da bei sehr humusreichen Bodenarten die organischen Substanzen durch das Ab-
dampfen mit Königswasser nur unvollkommen zerstört werden, die letzteren aber die Fällung
der Hydrate, wie auch der Phosphate des Eisenoxyds und der Tonerde beeinträchtigen,
so wird die zur Verwendung kommende Lösung in einer Platinschale fast zur Trockne
gebracht, dann mit reiner Kalilauge bis zum starken Yorwalten versetzt, das Ganze unter
Zusatz von etwas kohlensaurem Natrium und Salpeter zur Trockne verdampft und bis zur
Zerstörung der organischen Substanzen geglüht. Der Rückstand wird mit Wasser auf-
geweioht, die Lösung in einen Kolben abgegossen, das in Wasser Unlösliche — nachdem
man es in ein Glas- oder Porzellangefäß gebracht hat — mit Salzsäure bis zur Lösung
erwärmt und beide Lösungen vereinigt. Man bestimmt in der einen Hälfte Eisenoxyd,
Tonerde, Mangan, Kalk und Magnesia, in der anderen Hälfte die Phosphorsäure. Schwefel-
säure und Alkalien werden in der nach oben unter a vorbereiteten Lösung bestimmt.

2)	Journ. f. Landwirtschaft 1896, 44, 211.

3)	In der Flüssigkeit darf hierbei keine Spur von Salpetersäure zugegen sein (Zeitschr.
f. analyt. Chemie 1867, 6, 116).
        <pb n="49" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

25

saurem Natrium oder besser mit reinem Zink bezw. Zink-Kupfer usw. (vergl. S. 19) zu
Oxydul, welches nach dem Erkalten der Flüssigkeit mit titrierter 1/10 Kalium-
permanganatlösung bestimmt wird.

Bei Anwendung von schwefligsaurem Natrium muß, nach erfolgter Reduktion des
Eisenoxyds, die Flüssigkeit so lange gekocht werden, bis der Überschuß der schwefligen
Säure vollständig entfernt ist, bevor der Eisengehalt mittels der titrierten Kalium-
permanganatlösung bestimmt werden kann. — Die reduzierte Lösung darf keine Reaktion
mit Rhodankalium geben.

Um den Titer der Kaliumpermanganatlösung festzustellen, löst man entweder 1 g feinen,
mit Schmirgelpapier blank geputzten weichen Eisendraht in verdünnter Schwefelsäure oder
auch eine entsprechende Menge von Mohrsohem Salz (kristallisiertes schwefolsaures Ferro-
Ammonium, welches genau 1/7 seines Gewichtes an metallischem Eisen enthält) in Wasser unter
Zusatz von etwas Schwefelsäure auf, wobei man durch einen Strom von Kohlensäuregas
den Zutritt der atmosphärischen Luft abhält..

Bei den wässerigen Auszügen bezw. den mit kohlensäurehaltigem Wasser
erhaltenen Auszügen wird nicht direkt Foä03 -f- Al203 + P206 zusammen gefällt, wie
(in ß 1) beschrieben, sondern man versetzt mit einem kleinen Volumen von sehr ver-
dünnter, genau titrierter Eisenchloridlösung, erwärmt dann und fällt durch schwache
Übersättigung mit Ammoniak. Der Niederschlag wird nach dem Auswaschen auf dem
Filter sofort wieder in verdünnter Salzsäure gelöst und mit Ammoniak abermals aus
dieser Lösung ausgeschieden, gut ausgewaschen, nach dem Trocknen und Glühen gewogen.
Die Menge des in Form von Eisenchlorid zugesetzten Eisenoxyds wird in Abzug gebracht.
Der gewogene Rückstand wird in rauchender Salzsäure gelöst, die Lösung vorsichtig zur
Trockne verdampft, die trockne Masse bis zum Verschwinden des Chlorgeruches mit
Salpetersäure behandelt und zur Bestimmung der Phosphorsäure unter Anwendung von
molybdänsaurem Ammon (nach ß 3) benutzt.

Die Menge des im wässerigen Auszug der Ackererde enthaltenen Eisenoxyds und
der Tonerde ist meist so unbedeutend, daß es kaum nötig sein dürfte, diese Stoffe quan-
titativ zu ermitteln (ausgenommen jedoch, wenn der zu untersuchende Boden eine saure
und stark humose Beschaffenheit besitzt oder sonstwie Eisenoxydulverbindungen vermutet
werden); man wird daher häufig den Ammoniak-Niederschlag nicht zu glühen und zu
wägen brauchen, sondern ihn sofort in Salpetersäure auflösen und zur Bestimmung der Phos-
phorsäure verwenden können. Der Zusatz von Eisenchlorid zu der betreffenden Flüssigkeit
erfolgt, um sicher zu sein, daß die ganze Menge der etwa vorhandenen Phosphorsäure in
den Ammoniak-Niederschlag übergeht; sollte in einzelnen Fällen schon durch Wasser eine
nicht unbedeutende Menge Eisen aus dem Boden gelöst worden sein, dann ist ein weiterer
Zusatz von Bisen unnötig. Eine wiederholte Auflösung des Ammoniak-Niederschlages in
Salzsäure muß vorgenommen werden, weil der erst entstehende Niederschlag leicht eine
kleine Menge von Schwefelsäure und namentlich von kohlensaurem Calcium enthalten kann,
ein Zusatz von Essigsäure aber bezüglich der später in derselben Flüssigkeit vorzunehmenden
Alkali-Bestimmung mit Unbequemlichkeiten verbunden ist.

R. Sachße und A. Becker schlagen zur Bestimmung des freien Eisenoxyds
im Boden folgendes Verfahren1) vor; Die Substanz wird mit 100 ccm Wasser auf-
gesohlämmt, mit 3 g Cyankalium versetzt und dann Schwefelwasserstoff eingeleitet;
das gebildete Schwefeleisen setzt sich mit Cyankalium in Ferrocyankalium um.
Nach dem Erwärmen auf dem Wasserbade (zur Verjagung des überschüssigen
Schwefelwasserstoffes) wird filtriert, das Filtrat mit Schwefelsäure stark ungesäuert,
in einer Platinschale eingedampft und geglüht. Der Rückstand wird wieder gelöst
und wie üblich das Eisen mit Kaliumpermanganatlösung titriert.

3.	Bestimmung der Phosphorsäure. Eine gleichgroße, 30 oder 60
oder 250 g Boden entsprechende Menge der ursprünglichen Lösung wird, wie unter

') Landw. Versuchs-Stationen 1896, 45, 419.
        <pb n="50" />
        ﻿26

Untersuchung von Boden.

a angegeben ist, behandelt und die nach dem Abscheiden der Kieselsäure erhaltene
salzsaure Lösung eingedampft, mit Salpetersäure aufgenommen und wieder ein-
gedampft und diese Behandlung noch 2-mal wiederholt; schließlich wird der Rückstand
mit Salpetersäure aufgenommen und die Phosphorsäure mit molybdänsaurem Ammon
gefällt. Man läßt 6—12 Stunden lang bei einer Temperatur von 40—60° stehen
und verfährt dann weiter, wie bei Düngemitteln (weiter unten) angegeben ist.

Indem man von der Gewichtsmenge unter ß 1 das unter ß 2 bestimmte
Eisenoxyd (Fe203), sowie die Hälfte der hier unter ß 3 bestimmten Phosphorsäure
(P30B) abzieht, erhält man die Menge der Tonerde (A1203).

Man kann auch die von der Kieselsäure befreite Lösung vor der Phosphorsäure-
fällung von den Hauptmengen des Eisens befreien, indem man die salzsaure Lösung in
einen Glaskolben bis zum Kochen erhitzt, dann die Flamme entfernt und so lange eine
Lösung von schwefligsaurem Natrium zusetzt, bis diese Flüssigkeit fast ganz entfärbt ist.
Hierauf wird gekocht, bis der Geruch nach Schwefliger Säure verschwunden ist, die noch
vorhandene freie Salzsäure mit kohlensaurem Natrium beinahe gesättigt, kurz aufgekocht,
sodann einige Tropfen Chlorwasser zugesetzt und mit essigsaurem Natrium gefällt. Der
dadurch gebildete Niederschlag enthält sehr wenig Eisenoxyd, dagegen Tonerde und die
ganze Menge der vorhandenen Phosphorsäure. Dieser Niederschlag wird dann in wenig
Salpetersäure gelöst und weiter wie oben behandelt.

Die vorherige Abscheidung des Eisenoxyds ist unter Umständen zu empfehlen, weil
große Mengen Eisenoxyd neben geringen Mengen Phosphorsäure die Fällung der letzteren
mit Molybdänlösung beeinträchtigen.

M. Märcker wendet folgendes einfache und schnelle Verfahren zur Be-
stimmung der Phosphorsäure an, wenn es sich um Ermittelung dieser allein
handelt:

25 g Boden werden mit 20 ccm rauchender Salpetersäure und 50 ccm kon-
zentrierter Schwefelsäure 1/2 Stunde gekocht, die Lösung wird nach dem Erkalten auf
500 ccm auf gefüllt und hiervon werden 100 ccm = 5 g Boden zur Fällung verwendet;
dieselben werden mit Ammoniak übersättigt, wieder schwach angesäuert, nach dem
Erkalten mit 50 ccm Zitratlösung (vergl. unter „Lösungen“ No. 12 am Schluß) und
25 ccm Magnesiamixtur versetzt, 1/2 Stunde mittels Rührapparates umgerührt und
erst nach 24—48-ständigem Stehen abfiltriert.

y) Bestimmung des Mangans. In der von dem Eisenoxyd-Tonerde-
Niederschlage abfiltrierten schwach essigsauren Flüssigkeit wird, nachdem dieselbe
etwas, aber nicht zu stark eingedampft worden ist, das etwa vorhandene Mangan
ermittelt, indem man unter gelindem Erwärmen entweder unterchlorigsaures Natrium
oder Bromlauge zusetzt oder Chlorgas oder Bromgas durch die auf 60—70° erhitzte
Flüssigkeit bis zur Sättigung derselben hindurchleitet.

Die Flüssigkeit darf bei Anwendung von Chlor- oder Bromgas natürlich keine Spur
von Ammonsalz enthalten (wegen Bildung von Chlor- bezw. Bromstickstoffl). Wendet man
unterchlorigsaures Natrium oder auch eine Auflösung von Brom in Natronlauge (Brom-
lauge) an, so kann durch den Zusatz eine Neutralisation der Säure stattfinden; es ist
alsdann ein weiterer Zusatz von Essigsäure erforderlich und zu beachten, daß die Flüssigkeit
stets schwach sauer bleibt.

Das Mangan wird durch Chlor usw. als voluminöses, braunschwarzes Superoxyd
(Mn02. H20) ausgeschieden; man filtriert dasselbe ab, wäscht gut aus, löst es nach dem
Trocknen möglichst vollständig von dem Filter ab, verbrennt das letztere und be-
handelt das Ganze mit Salzsäure. Die so dargestellte Lösung wird, nachdem die
Salzsäure größtenteils verdampft worden ist, mit Wasser verdünnt und mit kohlen-
saurem Ammon schwach übersättigt, sodann 12 Stunden lang an einem warmen
Orte stehen gelassen, hierauf das ausgefällte kohlensaure Mangan ahfiltriert, mit
        <pb n="51" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.	27

heißem Wasser ausgewaschen, nach dem Verbrennen des Filters bis zum gleichbleibenden
Gewicht des Rückstandes geglüht und dieser als Manganoxyduloxyd (Mn304) in
Rechnung gebracht.

Bei Anwendung von kohlensaurem Natrium anstatt des kohlensauren Ammons muß
man Filtrat und Waschflüssigkeit zur Trockne eindampfen, den Rückstand mit Wasser
aufnehmen und die hierbei ungelöst bleibenden Flocken von Manganoxyd auf einem be-
sonderen Filter sammeln, auswasohen und mit dem Hauptniederschlag glühen; die geglühte
Masse ist dann noch mit siedendem Wasser wiederholt auszuziehen, auf einem kleinen
Filter auszuwaschen und wiederum zu glühen, bis das Gewicht unveränderlich hleibh

Am bequemsten fällt man das Mangan mit Br omluft.1) Ein durch ein Wasser-
trommelgehläse erzeugter Luftstrom geht durch eine Bromwasser enthaltende Wasch-
flasche, auf deren Boden sich Brom befindet, tritt dann mit Bromdampf geschwängert
durch eine möglichst kurze Gummisohlauchverbindung und durch eine in doppelt
durchbohrtem Kautschukstöpsel steckende Glasröhre in die sehr stark ammo-
niakalisch2) gemachte, nicht eingedampfte Manganlösung, die sich in einem großen
Erlenmeyer-Kolben befindet. Die abgehenden Dämpfe gelangen mittels einer
Rohrleitung ins Freie. Wenn die sohwarzbraunen Flocken des Mangannieder-
schlages sich scharf abgeschieden in der Flüssigkeit zeigen und letztere bei durch-
fallendem Lichte nur noch bräunlich bis gelblich von sehr fein verteiltem Nieder-
schlage erscheint, so ist die Fällung beendet. Die Flüssigkeit muß nach der
Fällung noch ammoniakalisch sein; man setze deshalb vor derselben einen ziemlichen
Uberschuß von Ammoniak hinzu; dann hat man weder die Bildung von Bromstick-
stoff noch eine unvollständige Fällung zu befürchten. In der Regel genügt zur
Fällung von schon ziemlich bedeutenden Mengen Mangan ein etwa 15—20 Minuten
langes Durchleiten. Nach beendeter Fällung vertauscht man die Bromflasche mit
einer solchen, die ammoniakalisches Wasser enthält, und läßt etwa 15 Minuten lang
einen lebhaften Luftstrom durch die Flüssigkeit streichen, welcher zurückgehaltenes
Brom austreibt; auch wird hierdurch der Niederschlag sehr feinflockig und setzt
sich gut ab. Man filtriert dann, wäscht mit kaltem Wasser aus und verfährt mit
dem Mangansuperoxyd weiter, wie oben angegeben ist.

Auch kann man das Mangan in ammoniakalischer Lösung durch Wasser-
stoffsuperoxyd fällen.

ä) Bestimmung des Kalkes. Die von dem Mangansuperoxyd ahfiltrierte
Flüssigkeit erhitzt man bis zum Sieden, neutralisiert (wenn das Mangan aus sauerer
Lösung gefällt worden ist) mit Ammoniak und fällt den Kalk mit oxalsaurem Ammon
in der Siedehitze, läßt 12 Stunden stehen, filtriert, wäscht mit heißem Wasser aus
und wägt denselben entweder:

1.	als kohlensaures Calcium (CaC03), indem man das oxalsaure Calcium
Uber einem gewöhnlichen Bunsensehen Brenner verbrennt. Das so gebildete kohlen-
saure Calcium verliert beim schwachen Glühen keine Kohlensäure. Zur Sicherheit
wird dasselbe jedoch mit kohlensaurem Ammon behandelt, indem man kleine Stückchen
davon in den Tiegel wirft und bei aufgelegtem Deckel erhitzt, bis das Gewicht des
kohlensauren Calciums nach wiederholter Behandlung unverändert bleibt; oder

2.	als schwefelsaures Calcium (CaS04). Man setzt zweckmäßig schon zu
dem oxalsauren Calcium die Schwefelsäure zu und glüht dann nach dem Verbrennen
des Filters den Rückstand, setzt nochmals etwas Schwefelsäure zu und glüht aber-

]) Zeitschr. f. anal. Chemie 1883, 22, B20.

2) Das hierzu verwendete Ammon muß vollständig kohlensäurefrei sein.
        <pb n="52" />
        ﻿28

Untersuchung von Boden.

mals. Auch läßt sich das kohlensaure Calcium durch Erhitzen mit schwefelsaurem
Ammon bequem in das Sulfat um wandeln; oder am einfachsten

3.	als Calciumoxyd (CaO). Man glüht einfach das oxalsaure Calcium im
bedeckten Tiegel auf dem Gebläse bis zum gleiohbleibenden Gewicht, je nach der
Menge 15—30 Minuten.

Wenn neben dem Kalk ziemlich viel Magnesia zugegen ist, so muß man das oxal-
saure Calcium auf dem Filter in Salzsäure lösen und aus dieser Lösung unter Zusatz von
etwas oxalsaurem Ammon durch Übersättigen mit Ammoniak nochmals fällen;1) die Filtrate
von beiden Fällungen werden sodann miteinander vereinigt.

E. Wohltmann* 2) bestimmt den Kalk als Calciumsulfat; 50 ccm des salzsauren
Filtrates = 15 g Boden werden in ein Becherglas gebracht, 25 com konz. Schwefel-
säure unter Umrühren zugesetzt, nach dem Erkalten der Flüssigkeit 150 com
95 °/0-iger Alkohol zugegeben, umgerührt, 24 Stunden stehen gelassen und das aus-
gefällte Calciumsulfat in gewohnter Weise zur Wägung gebracht.

s) Bestimmung der Magnesia. Das Filtrat von oxalsaurem Calcium wird,
wenn nötig, etwas eingeengt, sodann in der erkalteten Lösung die Magnesia mit
phosphorsaurem Natrium oder nach Mohr3) besser mit phosphorsaurem Natrium-
Ammonium gefällt. Durch tüchtiges Umrühren beschleunigt man die Fällung, setzt
dann noch 1/8 des Volumens Ammoniak von 0,96 spezifischem Gewicht hinzu und
läßt 12 Stunden an einem kühlen Orte stehen. Sodann wird filtriert, mit ammoniak-
haltigem Wasser (1 Teil Ammoniak von 0,96 spezifischen Gewichts und 3 Teile
Wasser) ausgewaschen, getrocknet, erst über gewöhnlicher Flamme das Filter weiß
gebrannt, dann 5 Minuten im Gebläse geglüht und als pyrophosphorsaures Magnesium
(Mg2Po07) gewogen.

Wenn in dem geglühten pyrophosphorsauren Magnesium noch kohlige Teilchen vor-
handen sind, so können diese unter Anwendung von etwas Salpetersäure oder salpetersaurem
Ammon entfernt werden, wobei man aber anfangs sehr gelinde und vorsichtig erhitzen muß.

Bei den wässerigen Bodenauszügen werden, wenn in der Gesamtlösung alle
Bestandteile bestimmt werden sollen, die Filtrate des Ammoniak-Niederschlags (Fe203,
A1203, P„06) nebst Waschwasser vereinigt und daraus unter Erwärmen der Flüssigkeit in
der Siedehitze der Kalk mit reinem oxalsauren Ammon ausgetällt. Nach der Absoheidung
des Kalkes wird die Flüssigkeit durch Eindampfen auf ein kleineres Volumen gebracht,
hierauf mit Salzsäure schwach angesäuert und durch Chlorbaryumlösung die vorhandene
Schwefelsäure kochend gefällt, der Niederschlag jedoch erst nach dem Erkalten der Flüssig-
keit abfiltriert und ausgewaschen. Das Filtrat sättigt man mit Ammoniak und versetzt mit
kohlensaurem Ammon, erwärmt mäßig, entfernt den gebildeten Niederschlag, dampft das
Filtrat zur Trockne ein und behandelt den Rückstand behufs Trennung der Magnesia von
den Alkalien, wie unter £ 2 angegeben ist.

Die nach der Behandlung des schwach geglühten Rückstandes mit Oxalsäure usw.
erhaltene, durch Wasser nicht gelöste Substanz wird mit Salzsäure behandelt, aus der
Lösung die noch vorhandenen kleinen Mengen von Baryt mit Schwefelsäure abgeschieden,
dann mit Ammoniak übersättigt (vielleicht Spuren von Tonerde), mit ein wenig oxalsaurem
Ammon versetzt (vielleicht Spuren von Kalk) und endlich durch phosphorsaures Natrium
die vorhandene Magnesia gefällt.

Aus dem letzten Niederschlag berechnet man, nach dem Auswaschen desselben mit
ammoniakhaltigem Wasser, Glühen und Wägen, die Menge der Magnesia. Der durch
kohlensaures Ammon gebildete Niederschlag ist ebenfalls nach Auflösen in Salzsäure, Ab-
scheiden des Baryts mit Schwefelsäure usw. auf Magnesia zu prüfen.

') Zeitschr. f. anal. Chemie 1868, 7, 310.

2) Journ. f. Landw. 1896, 44, 211.

8)	Zeitschr. f. anal. Chemie 1873, 12, 36.
        <pb n="53" />
        ﻿29

Untersuchung der Mineralböden.

£). Bestimmung der Schwefelsäure und der Alkalien. Hierzu nimmt
man einen 3.ten Anteil der ursprünglichen Lösung, welche zunächst wie unter cc be-
handelt wird. Die nach Filtration der abgeschiedenen Kieselsäure erhaltene salz-
saure Lösung dient;

1.	Zur Bestimmung der Schwefelsäure. Man macht die Lösung zuerst
ammoniakalisch. sodann wieder salzsauer (Anwesenheit von Clorammonium begünstigt
das rasche Absetzen des schwefelsauren Baryums), erhitzt zum Sieden und fällt die
Schwefelsäure mit heißer Chlorbaryumlösung, erhält noch einige Zeit im Kochen
und läßt 12—24 Stunden1) in der Wärme stehen, filtriert, wäscht anfangs mit
warmem salzsäurehaltigen Wasser, dann bloß mit warmem destillierten Wasser
gut aus, trocknet, glüht und wägt.

Das schwefelsaure Baryum (das Filter ist für sich zu verbrennen) wird nach
dem Glühen mit Salpetersäure angefeuchtet und nach dem Verdunsten derselben
nochmals geglüht. Der Rückstand darf nicht alkalisch reagieren; ist dieses der Fall,
so wird er mit verdünnter Salzsäure behandelt, der salzsaure Auszug fast bis zur
Trockne eingedampft und daraus nach Zusatz von Wasser durch Zusatz von Chlor-
baryum noch kleine Mengen von schwefelsaurem Baryum abgeschieden.2)

2.	Zur Bestimmung der Alkalien. Die von dem schwefelsauren Baryum
abfiltrierte Flüssigkeit fällt man unter Erwärmen mit Ammoniak und kohlensaurem
Ammon,8) erwärmt längere Zeit, filtriert und wäscht den Niederschlag mit heißem
Wasser bis zum Verschwinden der Chlorreaktion aus. Das Filtrat bringt man ent-
weder am besten in eine große Platinschale oder, wenn diese nicht vorhanden, in
eine glasierte Porzellanschale und dampft auf dem Wasserbade zur Trockne ein;
die trockene Masse wird in letzterem Falle mittels eines Platinspatels in
eine kleinere Platinschale gebracht und Uber freier Flamme vorsichtig geglüht.
Man läßt die Platinschale erkalten, spült mit heißem Wasser die noch in der
Porzellanschale verbliebenen Reste in erstere hinein, setzt etwas kalifreie Oxal-
säure zu und verdampft auf dem Wasserbade zur Trockne. Der gut getrocknete
Rückstand wird vorsichtig und anhaltend geglüht, um die überschüssige freie Oxal-
säure zu verjagen, sowie die oxalsauren Salze in Karbonate überzuführen. Auf
diese Weise werden die Magnesia, sowie die noch vorhandenen kleinen Mengen von
Kalk, Baryt und Mangan, Tonerde usw. von den Alkalien getrennt. Der Gltih-
rückstand wird mit wenig heißem Wasser aufgenommen, filtriert, quantitativ aus-
gewaschen, das Filtrat nochmals mit Oxalsäure in der Platinschale eingedampft,
hinreichend geglüht, wieder mit wenig heißem Wasser auf genommen, filtriert und aus-
gewaschen. Darauf wird das Filtrat mit einigen Tropfen Salzsäure angesäuert, in einer
vorher gereinigten, ausgeglühten und gewogenen Platinschale zur Trockne verdampft,
der Rückstand vorsichtig schwach geglüht und als Gesamt-Chloralkalien gewogen,

*) Bei geringen Mengen Schwefelsäure in Böden bedarf es langer Zeit zur Abscheidung
des ßaryumsulfats. Bei eisenreichen Böden empfiehlt sich, das Eisenoxyd erst durch
Ammoniak abzuscheiden und aus dem mit Salzsäure wieder angesäuerten Filtrat die Schwefel-
säure zu fällen.

a) Zeitschr, f. analyt. Chemie 1870, 9, 62.

3) Dieser Niederschlag kann in Salzsäure gelöst und zur Wiederholung der P2O5-
Bestimmung benutzt werden. Wenn größere Mengen Kalk vorhanden sind, so fällt man
zunächst nur mit Ammoniak in geringem Überschuß und verwendet den dadurch gebildeten
Niederschlag zur Wiederholung der Phosphorsäurebestimmung, während alsdann erst in
dem Filtrat hiervon unter Erwärmen desselben Kalk und Baryt durch kohlensaures Ammon,
unter Zusatz von etwas oxalsaurom Ammon, abgeschieden werden.
        <pb n="54" />
        ﻿30

Untersuchung von Boden.

Statt der freien Oxalsäure kann man auch oxalsaures Ammon verwenden. Seibst-
verständlich muß die Oxalsäure chemisch rein und frei von Alkalien sein. Zur Gewinnung
solcher Oxalsäure läßt man die heiß gesättigte wässerige Lösung der im Handel vorkommen-
den Oxalsäure, die häufig Kali enthält, unter fortwährendem Umrühren erkalten und das
so erhaltene feinkörnige Kristallpulver zwischen Fließpapier schnell abtrocknen.1)

Noch sicherer wird nach Stolba jede Spur von Alkali entfernt, wenn man die
Oxalsäure in 10—lö-prozentiger siedender Salzsäure löst, die Flüssigkeit unter Umrühren
erkalten läßt, die ausgeschiedenen kleinen Kristalle mit wenig Wasser auswäscht und aus
reinem Wasser umkristallisiert.

Nach dem Wägen der Chloralkalien werden diese in Wasser gelöst, falls
die Lösung schwach trübe ist, filtriert, mit genügend Platinchlorid versetzt und im
Wasserhade bis zur Trockne verdampft. Der trockene Rückstand darf nicht mehr
nach Salzsäuregas riechen. Man gibt 1—2 Tropfen destilliertes Wasser hinzu, über-
gießt mit Äther-Alkohol (1: 3) und filtriert die Flüssigkeit, welche deutlich gefärbt
sein muß, durch ein ausgewaschenes, vorher bei 130° getrocknetes Filter, wäscht
mit Äther-Alkohol aus, bis der Äther-Alkohöl nicht mehr gelblich, sondern farblos
ahläuft, läßt dann den Äther-Alkohol des Filters an der Luft verdunsten, trocknet
hei 130° und wägt.

Das Kaliumplatinchlorid kann anstatt auf einem gewogenen Filter auch im
Goochschen Tiegel nach Neubauer gesammelt und gewogen werden; indem man
nachher das Kaliumplatinchlorid mit heißem Wasser auswäscht und den Tiegel nach
dem Trocknen zurückwägt, erhält man das vorhanden gewesene Kaliumplatinchlorid.

Aus dem gewogenen Kaliumplatinchlorid wird durch Multiplikation mit 0,306
das Chlorkalium berechnet, dieses von den Gesamt-Chloralkalien abgezogen und so das
vorhandene Chlornatrium und daraus durch Multiplikation mit 0,531 das Natron
(Na^O) gefunden, Kaliumplatinchlorid x 0,194 — Kali (K20). Soll das Natrium
nicht bestimmt werden, sondern nur das Kalium, so wird die nach dem Glühen
mit Oxalsäure erhaltene wässerige Lösung nicht erst in einer Platinschale zur
Trockne verdampft, sondern direkt mit Platinchlorid oder Uberchlorsäure (vergl.
unter Düngemittel) versetzt und dann (wie vorgeschrieben) weiter behandelt.

In letzterem Falle, und wenn der Boden nur geringe Mengen Schwefelsäure
enthält, kann man nach dem Vorschläge von J. Hasenbäumer* 2) auch in
folgender Weise verfahren:

Die salzsaure Lösung des Bodens wird in einer Porzellanschale eingedampft,
mit Wasser aufgenomraen und in eine Platinschale gebracht. Man setzt etwas
Ammoniak und Ammoniumkarbonat zu und verdampft zur Trockne. Den Trocken-
rückstand erhitzt man Uber einem Pilzbrenner ganz schwach, bis die Ammonium-
salze verjagt und die organischen Stoffe zerstört sind. Der Glührüokstand wird
einige Zeit mit heißem Wasser behandelt, filtriert und das Filtrat nach dem
Ansäuern mit Salzsäure direkt mit Uberchlorsäure oder mit Platinchlorid gefällt.

Anmerkung. Das Verfahren beruht darauf, daß das Ferrihydroxyd, wenn es schwach
geglüht bezw. bis auf 200° erhitzt wird, kein Kali mehr festhält (adsorbiert), also alsdann
sehr leicht mit wenig Wasser sich auswaschen läßt.

2. Aufschließung des Rückstandes von der Behandlung mit heißer konzentrierter
Salzsäure durch konzentrierte Schwefelsäure.

Der Rückstand von der Behandlung mit heißer konzentrierter Salzsäure wird
an der Luft unter Bedecken mit Filtrierpapier trocknen gelassen, darauf tunlichst

J) Zeitschr. f. analyt. Chemie 1874, 13, 50.

2) Chem.-Zeitung 1904, 28, 210.
        <pb n="55" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

31

vollständig vom Filter ahgetrennt, das letztere für sich verbrannt, die Asche zu dem
lufttrocknen Rückstände gegeben und das Ganze gewogen. Darauf wird sorgfältig
gemischt und liiervon 1j6 zur Aufschließung mit konzentrierter Schwefelsäure ab-
gewogen.

Angenommen, die angewendeten 150 g ursprünglichen lufttrocknen Bodens
hätten 141,25 g in heißer Salzsäure unlöslichen lufttrocknen Rückstand ergeben,
so werden hiervon 28,25 g abgewogen; diese entsprechen dann 30 g des ursprüng-
lichen Bodens. Berechnet man jetzt die untersuchten Ergebnisse der Schwefelsäure-
Aufschließung nicht für 28,25 g, sondern für 30 g, so erhält man die Ergebnisse
direkt in Prozenten des ursprünglichen Bodens.1)

Vorstehende Menge wird in einer hinreichend großen Platinschale durch
einen Platinspatel mit konzentrierter Schwefelsäure zu einem dünnen Brei an-
gerührt, die Schwefelsäure, wie bereits S. 19 unter 7 b angegeben ist, in einem Sand-
bade oder auf einer Asbestplatte bei ganz kleiner Flamme verjagt, so daß das Ver-
dampfen etwa 6 Stunden in Anspruch nimmt und bis der Rückstand die Form
eines trocknen und lockeren Pulvers angenommen hat; die Behandlung wird bei ton-
reichen Böden zum 2. und ,3. ten Male wiederholt. Der von Schwefelsäure tunlichst
befreite Rückstand wird mit Salzsäure im Wasserbade zur Trockne verdampft,
einige Zeit im Luftbade erwärmt, mit salzsäurehaltigem Wasser aufgenommen, ge-
kocht, filtriert, ausgewaschen und auf 500 ccm gebracht. Im Rückstände befinden
sich die aus Ton abgeschiedene Kieselsäure + Sand und Silikate, in Lösung die
aufgeschlossenen Basen (Tonerde, Kalk, Kali usw.).

a) Bestimmung der aufgeschlossenen Kieselsäure. Die durch konzentrierte
Schwefelsäure aufgeschlossene Kieselsäure des Tones läßt sich auf zweierlei Weise,
nämlich indirekt und direkt bestimmen.

a) Indirekte Bestimmung. Der ausgewaschene Rückstand wird getrocknet,
geglüht und gewogen, darauf in eine geräumige, glasierte Porzellanschale (oder besser
große Platinschale) gebracht, mit einer hinreichenden Menge von Natriumkarbonat
unter Zusatz von etwas Natronlauge 2 Stunden ausgekocht, mit warmem Wasser
verdünnt, absitzen gelassen, filtriert, ausgewaschen,3) getrocknet, geglüht und wieder
gewogen. Die Differenz zwischen der ersten und letzten Wägung gibt die Menge
der aufgeschlossenen Kieselsäure des Tones,3) der Rückstand die Menge Quarzsand
und Silikate.

*) Auf diese Weise umgeht man die lästige Umrechnung, welche erfolgen muß,
wenn man die gefundenen Ergebnisse erst in Prozenten des Salzsäurerückstandes berechnet;
es muß alsdann in dem letzteren sowohl eine Bestimmung des Wassers wie Glühverlustes
vorgenommen werden, um die wirkliche, durch Salzsäure gelöste Menge Stoffe zu erhalten
nnd darnach die für die Schwefelsäure-Aufschließung gefundenen Ergebnisse auf ursprüng-
lichen Boden umzureohnen.

2)	Es empfiehlt sich, nach vollständigem Auswaschen des Alkalis, das Filter einmal
mit verdünnter warmer Salzsäure zu füllen und darauf noch einige Male mit Wasser
nachzuwaschen.

3)	Diese Menge schließt auch noch die durch heiße konzentrierte Salzsäure vorher
löslich gemachte Kieselsäure mit ein; in den meisten Fällen ist letztere nur gering und
beträgt etwa 0,1—0,3%, so daß sie vernachlässigt und der Kieselsäure des Tones ohne
erheblichen Fehler zugereohnet werden kann. Soll aber eine ganz genaue Bestimmung
des Tones bezw. der" Ton-Kieselsäure ausgeführt werden, so werden die abgewogenen
28,25 g des Salzsäure-Rückstandes erst mit einer Lösung von Natriumkarbonat ausgekocht,
ausgewaschen und der Rückstand hiervon mit Schwefelsäure aufgeschlossen. Zur Be-
stimmung der gelösten Kieselsäure wird wie unter a ß verfahren uud diese Menge Kiesel-
säure für sich aufgeführt.
        <pb n="56" />
        ﻿32

Untersuchung von Boden.

ß) Direkte Bestimmung. Der ausgewaschene Eückstand wird direkt in
eine geräumige, glasierte Porzellanschale (oder besser große Platinschale) ge-
bracht, mit einer hinreichenden Menge von Natriumkarbonatlösung unter Zusatz
von etwas Natronlauge 2 Stunden ausgekocht, filtriert und ausgewaschen; das Filtrat
wird darauf mit Salzsäure übersättigt, im Wasserbade zur Trockne verdampft, einige
Zeit im Luftbade erhitzt, der Eückstand mit salzsäurehaltigem Wasser auf-
genommen, filtriert, ausgewaschen und die auf dem Filter gesammelte Kieselsäure
nach dem Trocknen und Glühen gewogen.

Der Eückstand vom Auskochen mit der Lösung von Natriumkarbonat dagegen
wird für sich getrocknet, geglüht und gewogen; er wird aufgehoben und dient zur
weiteren Untersuchung auf Silikate durch Aufschließen mit Flußsäure (vergl. unter
3 S. 33).

b) Bestimmung der aufgeschlossenen Basen, a) Der Tonerde (und der
Eisenoxyde). 100 ccm der obigen Lösung werden, nachdem etwa vorhandenes
Eisenoxydul durch Kochen mit einigen Körnchen von chlorsaurem Kalium in Oxyd
Ubergeführt ist, bis zu eben eintretender alkalischer Eeaktion mit Ammoniak ver-
setzt, zum Sieden erhitzt, filtriert, ausgewaschen und der Niederschlag nach dem
Trocknen geglüht und gewogen. In den meisten Fällen besteht derselbe, wenn der
Boden vorher mit heißer konzentrierter Salzsäure behandelt wurde, aus fast reiner
Tonerde und kann als solche in Eechnung gestellt werden.

Ist jedoch eine besondere Bestimmung des Eisenoxyds wünschenswert, so
werden weitere 100 ccm der Lösung in derselben Weise behandelt, der Nieder-
schlag in verdünnter Schwefelsäure gelöst und in der Lösung nach der Eeduktion
mit chemisch reinem Zink bezw. Zink-Kupfer usw. das Eisenoxydul wie oben
S. 20 u. 26 bestimmt.

ß) Bestimmung von Kalk und Magnesia. In dem Filtrat von der
Ammoniak-Fällung wird der Kalk in bekannter Weise durch oxalsaures Ammon
und im Filtrat hiervon die Magnesia mit Dinatriumphoshat gefällt. Die Menge
an Kalk und Magnesia im Ton ist meistens nur gering.

y) Bestimmung der Alkalien bezw. des Kalis. Da die Tone durchweg
mehr oder weniger Alkalien, besonders Kali enthalten, so werden 200 ccm der
obigen Lösung zum Kochen erhitzt und mit einer hinreichenden Menge von Chlor-
baryum gefällt; man läßt absitzen und vollständig erkalten, versetzt dann gleich
mit Ammoniak und kohlensaurem Ammon,1) filtriert und verfährt zur Bestimmung
der Alkalien, wie S. 30 angegeben ist. Für gewöhnlich genügt es, nur das Kali
zu bestimmen. Die Gesamtmenge der gefundenen Bestandteile, also von aufgeschlossener
Kieselsäure + Tonerde und Eisenoxyd + Kalk + Magnesia + Alkalien wird als Ton
in Ansatz gebracht.

3.	Aufschließung des von der Behandlung mit Schwefelsäure und Natriumkarbonat
verbleibenden Rückstandes durch Flußsäure.

Der von der Behandlung mit konzentrierter Schwefelsäure verbleibende und durch
Kochen mit kohlensaurem Natrium von aufgeschlossener Kieselsäure befreite Eück-
stand (vergl. unter 2 a, S. 31) besteht fast ausschließlich aus Quarzsand und Silikaten;
derselbe wird nach dem Trocknen und Einäschern des Filters geglüht, gewogen und
darauf im Achatmörser fein zerrieben. Von dem gewogenen und fein zerriebenen Rück-

') In der Kälte tritt zwischen sohwefelsaurem Baryum und kohlensaurem Ammon;
wenn die Flüssigkeit nur kurze Zeit steht, keine Wechselzersetzung ein.
        <pb n="57" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

33

stände dient 1/10 oder, wenn der Boden reich an in Salzsäure und Schwefelsäure
löslichen Bestandteilen ist und verhältnismäßig nur wenig Quarzsand + Silikate hezw.
Silikate enthält, 1/5 desselben zur Aufschließung mit Flußsäure.

Angenommen, die zum Aufschließen mit Schwefelsäure verwendeten 28,25 g
(entsprechend 30 g des ursprünglichen Bodens) hinterlassen 24,3476 g Rückstand
(Quarzsand + Silikate), so wägt man hiervon nach dem Zerreiben 2,4348 g ah.
Da zum Aufschließen mit Schwefelsäure 1/5 des Salzsäure-Rückstandes, zum Auf-
schließen mit Flußsäure 1/10 des Schwefelsäure-Rückstandes verwendet wurde, so ent-
. , 111
spricht die für den Flußsäure-Auf Schluß angewendete Substanzmenge X ]() —

150

der ursprünglich abgewogenen Bodenmenge von 150 g = —= 3 g Boden. Berechnet

man wie unter 2 (S. 31) die gefundenen Ergebnisse, d. h. den Gehalt an Kali hezw.
Feldspat nicht für die abgewogenen 2,4848 g, sondern für 3 g, so erhält man
den Gehalt direkt in Prozenten des ursprünglichen Bodens und umgeht die lästige
Umrechnung.

Das Aufsehließen mit Flußsäure wird am besten mit flüssiger, d. h.
gelöster Flußsäure oder mit einem Gemisch von Fluorammonium und Schwefelsäure
ausgeführt, kann aber auch mit gasförmiger Flußsäure geschehen.

Im ersteren Falle bringt man obigen Rückstand in eine Platinschale, feuchtet
ihn mit Wasser an und übergießt mit starker Flußsäure. Darauf bedeckt man
die Schale und läßt unter öfterem Umrühren mit einem Platinspatel 2—3 Tage
stehen, bis die Masse breiartig zergangen ist. Darauf wird zur Austreibung der
gebildeten Kieselfluorwasserstoffsäure unter mehrfachem Umrühren auf dem Wasser-
bade zur Trockne verdampft, der Rückstand mit konzentrierter Schwefelsäure be-
feuchtet und letztere durch Erhitzen der Schale, indem man eine ganz kleine
Flamme vom Rande aus einwirken läßt, verjagt. Die von überschüssiger
Schwefelsäure befreite trockne Masse wird mit warmem, salzsäurehaltigem Wasser
aus der Schale aufgenommen, in ein Becherglas gespült und gekocht. Falls sich
nicht alles löst, wird filtriert, der Rückstand in derselben Weise zum 2. oder 3.ten Male
mit Flußsäure behandelt und die salzsaure Lösung zu der ersten gegeben.

Die Aulschließung mit gasförmiger Flußsäure erfolgt in der Weise, daß
der obige Rückstand in einer Platinschale flach ausgebreitet, mit verdünnter Schwefel-
säure angefeuchtet und in besonders für diesen Zweck hergestellte Bleikästen (mit
doppeltem Rand und Deckel) gestellt wird, auf deren Boden sich gepulverter, mit
konzentrierter Schwefelsäure angerührter Flußspat befindet. Der bedeckte, gut
schließende Bleikasten wird einige Tage — meistens genügen 2 bis 3 Tage zur Auf-
schließung von 3 bis 4 g — auf einer Temperatur von 50—70° gehalten, zeitweise
geöffnet und dafür Sorge getragen, daß eine beständige Entwickelung von Flußsäure
stattfindet. Nach 2—3 Tagen nimmt man die Platinschale heraus, verdampft vor-
sichtig die überschüssige Schwefelsäure und nimmt mit salzsäurehaltigem Wasser
auf; falls Substanz ungelöst bleibt, wird dieselbe abfiltriert, nach dem Trocknen und
Glühen in derselben Weise zum 2. und nötigenfalls zum 3.ten Male behandelt.

Die salzsaure Lösung enthält die in den Feldspaten und sonstigen Silikaten
vorhandenen Basen, nämlich: Tonerde (unter Umständen auch etwas Eisenoxydul und
Manganoxydul), Kalk, Magnesia, Kali und Natron. In den meisten Fällen kommen
nur Tonerde, Kali und Natron in Betracht, während die anderen Basen nur in sehr
geringer Menge vorhanden sind und nicht bestimmt zu werden brauchen. Die Be-
stimmung der Basen erfolgt nach den unter 2b« und 2 b y (S. 32) angegebenen
Verfahren. Ist Kalk und Magnesia in größerer Menge vorhanden, so werden auch
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.
        <pb n="58" />
        ﻿34

Untersuchung von Boden.

diese quantitativ bestimmt, und ist in der Berechnung neben Kali- und Natron-
feldspat auch auf Kalkfeldspat bezw. Magnesiaglimmer Rücksicht zu nehmen.

Man berechnet nämlich den gefundenen Gehalt an Kali auf Orthoklas bezw.
Kalifeldspat nach dessen Konstitutionsformel, den gefundenen Gehalt an Natron,
wenn derselbe mehr als 1/10 des Kalis beträgt, desgl. auf Natronfeldspat (Älbit),
den Gehalt an Kalk und Magnesia, wenn er mehr als 1/20 vom Gehalt an Kali
und Natron beträgt,1) auf Kalkfeldspat bezw. Magnesiaglimmer.

Bei der Umrechnung können folgende Formeln und folgende prozentigen
Gehalte als Grundlage dienen:

Kalifeldspat,
Orthoklas
(K2Al2Si0O,6) =
K20 A1203 (Si02)6
K20 = 16,89 o/„
A1203= 18,43 „
Si02 =64,68 „

Magnesia-
glimmer
Mgj Al6 Si6 027 =
(Mg0)6(Al208)8(Si02)6
MgO = 29,80 o/0
A1208 = 25,60 „
SiOa

Magnesia
3,355,

Natronfeldspat,	Kalkfeldspat,

Albit	Anorthit

(Na2Al2SicO,6) =	CaAl2Si208 =

Na2 0 Al2 03 (Si02)6	Ca0Al203(Si02)2

Na20 = 11,82%	CaO =20,10%

A1203 = 19,56 „	A1203 = 36,82 „

Si02 =68,62 „	Si02 =43,08 „	Si02 =44,70

Man multipliziert daher den gefundenen Gehalt
von	Kali	Natron	Kalk

mit	6,921	8,460	4,975

um die entsprechenden Silikate zu erhalten.

Für gewöhnlich hat man es nur mit Kali- und Natronfeldspat in den Böden
zu tun. Ist statt des Kalifeldspats Kaliglimmer anzunehmen, so ist zu berück-
sichtigen, daß dieser in reinem Zustande 13,0% Kali, 38,2 % Tonerde, 44,6%
Kieselsäure und 4,2 % Wasser zu enthalten pflegt, folglich der Gehalt an Kali mit
7,692 multipliziert werden muß, um die Menge Kaliglimmer zu finden.

Sind neben größeren Mengen Kalk, Magnesia auch bedeutendere Mengen
Eisenoxyd (als' Eisenoxydul) gefunden worden, so können diese von Augit und
Hornblende herrühren, und ist gegebenenfalls eine Umrechnung auf diese vor-
zunehmen; hierbei kann folgende prozentige Zusammensetzung dieser Silikate
zugrunde gelegt werden:

CaO	MgO	PeO	A1203	Si02

Augit . . 21,9%	14,5%	9,8%	4,2%	49,6%.

Hornblende 13,0 „	13,2 „	17,0 „	5,8 „	51,0 „

Wenn die Aufschiebung des Tones mit Schwefelsäure eine vollständige
gewesen ist, so wird in dem mit Flußsäure aufgeschlossenen Rückstände nicht
mehr Tonerde gefunden, als der aus dem Gehalt an Kali, Natron oder Kalk und
Magnesia berechneten Menge Silikate entspricht. Verbleibt aber ein größerer
Überschuß von Tonerde, so ist dieser mit der entsprechenden Menge Kieselsäure
als „tonige Substanz“ anzusehen, welche sich der aufschließenden Wirkung
der Schwefelsäure entzogen hat; in diesem Falle nimmt man für den wasserfreien
Ton Al.2Si207 «= 46,1 % Tonerde und 53,9 % Kieselsäure an und berechnet darnach
aus dem Überschuß an Tonerde durch Multiplikation mit 2,169 die Menge „tonige
Substanz“, welche der durch Schwefelsäure gefundenen Tonmenge hinzuzuzählen ist.

Die Aufschließung der Silikate kann nach den Vorschlägen von

G.	Jannasch und 0. Heidenreich2) auch mittels Borsäure geschehen.

J) Geringere Mengen als 1/10 vom Kali an Natron, bezw. %„ vom Kali oder Natron
an Kalk und Magnesia können als Bestandteile von Kali- bezw. Natronfeldapat herrührend
angesehen werden.

2) Zeitschr. f. anorg. Chemie 1896, 12, 208.
        <pb n="59" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

35

Erforderlich dazu ist eine alkalifreie Borsäure, die durch sorgfältiges 2—3-maliges
Umkrystallisieren eines guten Handelspräparates erhalten, dann durch Glühen in kleinen
Mengen (2—3 g) im Platintiegel entwässert und gepulvert wird. Von solcher Borsäure
benutzt man auf je 1 g Silikat 3—4 g für leicht aufschließbare, 5—6 g für schwerer auf-
schließbare Silikate und 8 g für Feldspat. Man glüht ö—10 Minuten mit kleiner Flamme
zur Vertreibung des vorhandenen Wassers und dann erst mit voller Flamme. Sobald die
Masse ruhig fließt, glüht man noch einige Zeit mit gewöhnlichem Brenner und zuletzt, auf
dem Gebläse. Nach beendigter Aufsohließung setzt man den bedeckten, glühend heißen
Tiegel in ein mit kaltem Wasser umgebenes Tondreieck, bringt die sich leicht ablösende
Schmelze in eine geräumige Platinschale und zersetzt die Schmelzmasse unter schwachem
Erhitzen mit kochend heißem Wasser und Salzsäure.

Ist die Aufschließung vollständig gewesen, so lassen sich auf dem Boden der Platin-
schale nicht die geringsten harten Teilchen fühlen. Die Lösung wird auf dem Wasser-
bade eingedampft, wobei die Flüssigkeit nach einiger Zeit infolge Ausscheidung von
Siliciumhydroxyd gelatiniert; von da an muß bis zur vollständigen Trockne häufig umge-
rührt werden.

Die Entfernung der Borsäure geschieht mittels Salzsäuremethyläthers, den man
dadurch erhält, daß man in eine mit einem geschliffenen Eöhreneinsatz versehene dünn-
strahlige Spritzflasohe 250 ccm Methylalkohol gibt und durch das Spritzrohr unter Ab-
kühlung 2—3 Stunden einen lebhaften Strom von Salzsäuregas leitet, welches vorher durch
Wasch- bezw. Trockenflaschen mit konzentrierter Schwefelsäure und Chlorcalcium ge-
gangen ist.

Mit der so erhaltenen Flüssigkeit übergießt man in Mengen von 60—70 ccm den
Schmelzrückstand, erwärmt im Wasserbade, bis der Alkohol verjagt ist, und wiederholt
dieses 3—4-mal, um alle Borsäure auszutreiben.

Die verbleibende Salzmasse wird nach dem vollständigen Trockenrühren mit dem
Platinspatel 1 Stunde bei 110° getrocknet, der Trockenrückstand mit 5 ccm konzentrierter
Salzsäure durchfeuchtet, 10 Minuten lang stehen gelassen, darauf mit 75 ccm Wasser ver-
setzt, 16 Minuten auf dem Wasserbade erhitzt, die unlösliche Kieselsäure abfiltriert und
mit kochendem Wasser, dem man anfänglich auf dem Trichter verdünnte Salzsäure zu-
tröpfelt, gründlich ausgewaschen. Das Filtrat muß nochmals eingedampft und in gleicher
Weise behandelt werden, da 0,5—2,0 e/0 Kieselsäure gelöst bleiben können, welche sonst
später mit Tonerde und Eisen zusammen ausfallen würden.

Nach einigen Versuchen hierseihst scheint das Verfahren auch bei Böden
trotz des hohen Gehaltes an Sand anwendbar zu sein, wenn man genügend große
Mengen Borsäure anwendet.

4.	Bestimmung des Quarzes.

Die Menge des Quarzes in dem Boden ergibt sich drfrch Differenz-Berechnung.
Man addiert die in dem mit Flußsäure aufgeschlossenen Eückstande gefundene
Menge von Tonerde, Kali, Natron usw., berechnet aus diesen nach vorstehenden An-
gaben die entsprechende Menge Kieselsäure, addiert diese ebenfalls hinzu und zieht
die Summe von der zum Aufsohließen verwendeten Menge Sand + Silikate ah; der
Rest ist als „reiner Quarzsand“ anzusehen und in Rechnung zu stellen.

III.	Bestimmung einzelner Bestandteile des Bodens.

1. Bestimmung des Humus. Dieselbe ist bereits S. 13 beschrieben. Es erübrigt,
hier noch einige Verfahren zur Ermittelung der Beschaffenheit des Humus
mitzuteilen. Dieselbe ergibt sich zum Teil schon aus dem Verhältnis, in welchem der
Kohlenstoff zum Stickstoff steht; je enger bei mittlerem Humusgehalt (3—4 °/0) das
Verhältnis ist, um so günstiger ist dies im allgemeinen. Das Verhältnis von organisch
gebundenem Stickstoff zum Kohlenstoff kann von 1:5 bis 1:20 und selbst bis

3*
        <pb n="60" />
        ﻿36

Untersuchung yon Boden.

1	: 40 schwanken; die weitesten Verhältnisse kommen meist nur bei einem sehr
hohen Gehalt des Bodens an Humussubstanz, die engsten bei sehr geringer absoluter
Menge derselben vor. Zu weiterer Kennzeichnung der Humussubstanz kann dienen:

a)	Die mikroskopische Untersuchung der einzelnen Schlämmerzeugnisse,
die Ermittelung des Glühverlustes der letzteren; hierdurch erhält man Aufschluß
über den Grad der Zerteilung und Vermoderung des Humus.

b)	Die Reaktion der Humussubstanz und des Bodens überhaupt. Man
legt ein mäßig feuchtes Klümpchen Erde auf empfindliches blaues und rotes oder
auch neutrales Lackmuspapier und beobachtet, ob im nächsten Umkreise der
Erdprobe eine Farbenveränderung eintritt. Da aber die im Boden vorhandene
freie Kohlensäure eine Rötung des Lackmuspapiers bewirken kann, so muß man
das Lackmuspapier trocknen und sehen, ob die Rötung auch noch nach dem
Trocknen sichtbar bleibt.

Eine saure Beschaffenheit des Humus deutet auf einen mangelhaften Luft-
zutritt zum Boden hin und ist stets als eine ungünstige Eigenschaft zu bezeichnen.

c)	Zur Bestimmung freier Humussäure schüttelt Knop1) 100 g Erde mit
200 ccm einer ammoniakalischen Lösung von salpetersaurem Calcium, welche so
bereitet und titriert ist, daß sie in dieser Menge 1 g CaO und die der Salpeter-
säure äquivalente Menge Ammoniak enthält. Nach öfterem Umschütteln im Ver-
lauf yon 24 Stunden filtriert man, mißt einen Teil der ammoniakalischen Flüssig-
keit ab und bestimmt darin den noch vorhandenen Kalk. Der fehlende Kalk ist,
wie Knop bemerkt, fast ganz von der Humussubstanz des Bodens gebunden* 2 3 *) und
drückt teils die vorhandene Menge, teils auch gewisse Eigenschaften desselben aus.8)

d)	Über das Verhalten des Humus gegen Sauerstoff und Bildung von
Kohlensäure aus demselben vergl. unter „Bestimmung der physikalischen Eigen-
schaften des Bodens“ No. 12 S. 62.

e)	Über die Menge der an Kalk gebundenen Humussubstanz erhält man
annähernden Aufschluß, wenn man die Kohlensäure im ungeglühten und geglühten
Boden bestimmt; dabei muß nach dem Glühen den Boden wiederholt mit kohlen-
saurem Ammon angefeuchtet und schwach geglüht werden bis zum Gleichbleiben des
Gewichtes. Die Differenz im Kohlensäure-Gehalt vor und nach dem möglichst
schwachen Glühen gibt annähernd die Menge des in humusartiger Verbindung ur-
sprünglich vorhandenen Kalkes an.

2. Bestimmung der Kohlensäure. Uber die Bestimmung der gebundenen
Kohlensäure vergl. S. 15. Unter Umständen ist es auch — besonders für hygienische
Untersuchungen — von Belang, die in der Bodenluft gasförmig vorhandene
Menge Kohlensäure zu bestimmen, weil sie uns einen gewissen Maßstab für die
Menge der organischen Stoffe im Boden und für die Größe der Zersetzungsvorgänge
angibt. Man treibt für den Zweck in den Boden ein größeres zylinderförmiges
Loch, versenkt darin mehrere Glas- oder Bleirohre von verschiedener Länge bis
zur gewünschten Tiefe, läßt das Loch, wie es meistens geschieht, sich von selbst
wieder zuziehen oder füllt dasselbe besser mit derselben ausgehobenen Erde
wieder an und wartet einige Tage, bis sich alles ordentlich gesetzt hat. Dann
verbindet man das Ende der etwa 15 cm über der Bodenfläche befindlichen

J) Landw. Versuchs-Stationen 1866, 8, 40.

2)	Jedoch sind hierbei auch Ton und Eisenoxyd, sowie überhaupt diejenigen Stoffe,
yon denen die Absorptionsfähigkeit des Bodens abhängt, mehr oder weniger mit maßgebend-

3)	Über die Bestimmung freier Humussäure vergl. auch unter „Untersuchung von

Moorboden“.
        <pb n="61" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

37

Röhre (bezw. Röhren) mit einer, Gasreinigungsflasche, v , lkoferschen Ab-
Schwefelsäure befindet, und letztere weiter mit einer v-	gefüllt ist.

sorptionsröhre von 120 ccm Inhalt, welche mit titrier er aryp	un(j

Vor Beginn des Versuches wird etwa 1 1 Luft mittels spirf^.eingestellt daß
dann erst die Absorptionsröhre eingeschaltet. Die Baryt äuge \m	, welche

30 ccm derselben von 20 ccm einer Oxalsäurelösung neu ra 181 ,. t 8suno- ent-
in 1 1 2,8636 g kristallisierte reine Oxalsäure enthält; 1 ccm di r®h°-esaugt
spricht genau 1 mg Kohlensäure Wenn eine hinreichende i on| 50 ccm Inhalt
ist, wird der Inhalt der Absorptionsröhre in eine Flasche von _	-	(lcr ge.

gegeben, dort das kohlensaure Baryum vollständig absitzen ge as. ,	inem

klärten Flüssigkeit werden mittels einer Pipette 30 ccm a ge io ^	titriert.

Kölbchen unter Anwendung von Rosolsäure als Indikator mi er * '	,	„

Wenn a = Kchlensäuremenge in Gramm, s=spezif. Gewicht der Kcihlemsanre
bei 0° und 760 mm Barometerstand, nämlich — 0,001971, is , so

Kohlensäure ein Volumen (v) ein von—, oder bei t° und b mm D

a ,. | , s 760
y = __ (t + tx) —,

s	b

worin x = Ausdehnungs-Koeffizient der Luft = 0,003665 für je 10 Temperatur-
erhöhung ist; ist die Anzahl der durchgesaugten Liter Luft = 1, so berechnet sich
Volumen Kohlensäure (v) für 1000 Volumen Luft nach der Formel:

a (t + t. 0,003665). 760
s.b.l

Man kann die Kohlensäure der Bodenluft selbstverständlich auch anstatt durch
Titration gewichtsanalytisch bestimmen, indem man die von Wasser befreite Boden-
luft durch einen vorher gewogenen Kaliapparat saugt und diesen nach dem
Versuch zurückwägt. Alsdann muß jedoch der Kaliapparat an beiden Seiten von
Chlorcalciumrohren eingeschlossen werden, um Zutritt von Wasser auszuschlieüe n.

3. Bestimmung der Gesamtmenge des Stickstoffs. Um unter allen Umständen
sicher zu gehen und bei
haben, verfährt
fahrens.

etwa größerer Menge Salpetersäure keinen Verlust zu
man nach der Jodlbaurschen Abänderung des Kjeldahl-Ver-

Man wendet die Substanz lufttrocken an, und zwar von Humus- und I oi f-
böden 1—2 g, von humosen Sandböden, Sandschlick 2—5 g, von gewöhnlichen
Ackerböden 5—10 g in fein gepulvertem Zustande, fügt 20 ccm der Phenolschwefel-
säure, wie unter Düngemittel angegeben ist, 1 Tropfen metallisches Quecksilber
hinzu und verbrennt.

Um ein Stoßen bei der Destillation des Ammoniaks zu vermeiden, verdünnt
man nach der Verbrennung mit wenig Wasser und gießt vorsichtig quantitativ
von dem zurückbleibenden Sande ab. Dann spült man noch etwa 3-mal mit wenig
Wasser den Kolben aus und gießt jedesmal von dem Sande vorsichtig ab. Die auf diese
Weise vom Sande befreite Lösung des schwefelsauren Amnions wird wie gewöhnlich
der Destillation unterworfen (siehe unter Düngemittel).

Man kann auch in der Weise dem besprochenen Stoßen verbeugen, daß man
oO g Boden mit 100 ccm oder 150 ccm Phenolschwefelsäure in einer Porzellanschale
Ubergießt und unter häufigem Umrühren so lange auf dem Wasserbade behan e ,
bis alle organische Substanz gelöst ist. Sodann bringt man das Ganze in einen
250 ccm fassenden Kolben, spült mit konzentrierter Schwefelsäure quantitativ nac i
        <pb n="62" />
        ﻿38

Untersuchung von Boden.

und füllt mit letzterer, nachdem vorher gekühlt worden ist, zur Marke auf, mischt
gehörig durch Umschütteln und läßt den Sand ahsitzen. Von der überstellenden
Flüssigkeit mißt man 25 ccm ab und benutzt diese zur Verbrennung. Das
Verfahren ist nicht völlig genau, da das vom Sande eingenommene Volumen unbe-
rücksichtigt gelassen wird. Dieser Fehler dürfte jedoch dadurch ausgeglichen werden,
daß es bei Anwendung solcher großen Mengen Boden besser gelingt, eine ordentliche
Durchschnittsprobe zu erhalten.

4. Bestimmung des Ammoniaks, a) Völlig zuverlässig und bei humusreichen
Böden allein anwendbar ist folgendes Verfahren;

Man bringt eine 100 g bei 125° getrockneter Feinerde entsprechende Menge
lufttrockner Feinerde in eine gewogene 1—2 1 fassende Kochflasohe, setzt, ohne zu
erwärmen, 50 com verdünnte Salzsäure1) (1 Vol. konz. Salzsäure + 4 Vol. Wasser)
zu, nach dem Entweichen von Kohlensäure nochmals 50 ccm und nötigenfalls noch
weitere 50 ccm, bis die Salzsäure auch nach wiederholtem Umschütteln ganz un-
verkennbar vorwaltet. Man fügt jetzt ammoniakfreies Wasser zu, so daß man im
ganzen etwa 400 ccm Flüssigkeit hat, mischt gleichmäßig, wägt den Kolben, läßt
ihn stehen, bis die über dem Boden stehende Flüssigkeit klar geworden ist, zieht
diese mittels eines mit Quetschhahn versehenen Hebers vorsichtig ab und bestimmt
die Menge der dekantierten Flüssigkeit durch Zurückwägen des Kolbens.

Um zu erfahren, welchen Teil der im ganzen vorhandenen Flüssigkeit man
herausgenommen hat, filtriert man den ungelösten Rückstand ab, wäscht ihn aus,
trocknet ihn bei 126° und zieht sein Gewicht von dem des anfänglichen Gesamt-
inhaltes der Kochflasche ab. In der dekantierten Lösung bestimmt man den Gehalt
an Ammoniak, indem man den salzsauren Bodenauszug mit genügend frisch geglühter
Magnesia destilliert, dabei das überdestillierende Ammoniakgas möglichst vor jeder
Berührung mit Kork oder Kautschuk schützt, durch titrierte Schwefelsäure absorbieren
läßt und den Überschuß an Schwefelsäure zurücktitriert.

Nach A. Baumann* 2 3) soll — namentlich bei Anwendung gläserner Kühl-
röhren — der Ammoniakgehalt des Destillates azotometrisch (vergl. unter Dünge-
mittel) bestimmt werden. Die gefundene Menge Ammoniak wird dann auf die
Gesamtlösung und somit auf 100 g bei 126° getrocknete Peinerde berechnet. Das
azotometrische Verfahren ist für die Bodenuntersuchung in der von Knop an-
gegebenen Form nach A. Baumann unbrauchbar,

b)	Bei humusarmen Böden kann man durch direkte Destillation mit MgO ein
annäherndes Ergebnis erhalten.

c)	Ebenso liefert bei humusarmen Böden das Schlösingsche Verfahren ziem-
lich annähernde Ergebnisse, jedoch darf man die Natronlauge auf keinen Fall länger
als 48 Stunden8) einwirken lassen. Es werden 50 g des lufttrockenen Bodens auf
ein großes Uhrglas flach ausgebreitet, mit 40 ccm kalter, aber völlig konzentrierter
Natronlauge gleichmäßig angefeuchtet, dann schnell ein gläserner Dreifuß mit einem
Schälchen,, worin ein gemessenes Volumen von titrierter Schwefelsäure enthalten
ist, in die Erde hineingestellt und das Ganze unter eine mit Quecksilber abgesperrte
oder sonstwie luftdicht verschließbare Glasglocke gebracht. Nach 48 Stunden wird
durch Zurücktitrieren der Schwefelsäure mit Natronlauge das Ammoniak bestimmt.

!) Die verdünnte Salzsäure ist auf einen etwaigen Ammoniakgehalt zu prüfen und
dieser bei der Bestimmung in Abzug zu bringen.

2)	Landw. Versuchs-Stationen 1887, 33, 255.

3)	A. Baumann, ebenda 247.
        <pb n="63" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

39

Al-m übereießt 1000 g des lufttrocknen
5. Bestimmung der Salpetersäure. Mai - mit der im Boden schon

Bodens mit so viel Wasser, daß die Menge des ^ Umschütteln läßt man
vorhandenen Feuchtigkeit 2000 ccm betragt. 1	^Jlichst klar ab und engt

48 Stunden lang stehen,. filtriert dann A°?°	. t furch Eindampfen auf dem

diese Flüssigkeit unter Zusatz von etwas Matrox ^	ziemlich beträchtlicher

Wasserbade auf ein kleines Volumen ein. ^el ^ g .„n Aufkochen der Flüssigkeit
Mengen von löslicher Humussubstanz wird diese i nie -	durch Einleiten

«i« Knilch .,„1 nach ,1« Filtriere» der	***£ mt „

von Kohlensäure ausgefällt. Die wiederum &lt;	'	, p-ieichem oder ver-

alsdann, um die Salpetersäurebestimmung 2-mal en we e	können, in zwei

schiedenem Verfahren - siehe unter Düngemittel -'	^ttrocUnenBodens.

gleiche Teile. Jeder Teil entspricht also einer Menge -	200 g Boden in

(i. Bestimmung des Chlors hezw. Kochsalzes. E	unter hilufigem

einem Literkolben mit destilliertem W asser bis zu &lt; ocm abfiitriert und das
Umschütteln 48 Stunden lang stehen gelassen, s°	, . f etwa 100 ccm

Filtrat unter Zusatz von ein wenig kohlensaurem Natrium^ bis au ^ etwas

eingedampft, wenn viel organische Substanz	S_ versetzt, gekocht, wieder

Kaliumpermanganatlösung — aber nicht im	. i „ Qklor mit salpeter-

filtriert, die Flüssigkeit mit Salpetersäure übersättigt, ^"^ührend und so
saurem Silber ausgefällt, indem man du koch	hlaggsich zusammenhallt und

lange mit einem Glasstahe umrührt, bis de *	^ chlorsilber muß sofort

die Flüssigkeit sich vollständig klart. Da. s	Dunkeln hei 100°

und rasch abfiltriert, mit heißem Wasser aüsgewa	.	, Chlorsilber vom

getrocknet werden, M„n trennt nbd.nn so "e	“„7p.rrelk.n-

Filter nnd verbrennt letzteres für sich in einem g1 g n i	gebliebenen Teile

tlegel. Da durch die Fil.erkold. die ...	l.n die“ dtemehe

zum Teil zu Silber reduziert worden sind, so n	Silber zu lösen, und

mit einem Tropfen Salpetersäure, erwärmt etwas, um	, vorsichtiges Er-

fügt dann einen Tropfen Salzsäure hinzu. Nachdem man durch vorsicmg^ ^

wärmen die überschüssige Säure verjagt hat, gi b man a ^ ^ Chlorsilber zu
Chlorsilbers in den Porzellantiegel und glüht nun s° &gt; ,m Exsikkator er-
einem Regulus zusaminengeschmolzen ist. Man la

kalten und wägt das Chlorsilber.	,	q.t, wefelsäure

Zweckmäßig ist es jedoch, vorher die in der. ^’SU"dg '"^erhaltene Schwefelsäure
durch chlorfreies salpetersaures Baryum auszuscheiden,	Glühen und nachdem

Baryum muß, wenn es quantitativ bestimmt werden soll, na	worclen ist, mit ver-

es mit Salpetersäure angefeuchtet und nochmals schwao geg	woo.en werden,

dünnter Salzsäure ausgekocht und nacii dem Filtrieren und Glühen g	lufttrocknen

7. Bestimmung des Schwefels, a) Man	“ T « L VOn salpetersaurem

Feinerde in einer Platinschale mit einer konzentne	' B Glühen. Nach dem

Kalium und Kalilauge, trocknet ein und erhitzt ns	von etwas

Erkalten kocht man die Masse mit verdünnter fea zs* ur	zur Trockne,

Salpetersäure aus, verdampft behufs A^cteidung “	Von der so ge-

nimmt mit verdünnter Salzsäure auf und fallt i _	welche in dem mit

fundenen Schwefelsäure bringt man diejenige Menge m A' .J entspricht den
heißer Salzsäure bereiteten Auszug gefunden wurde. Die Differenz 1
anorganischen oder organischen Schwefelverhindungen	,	20 ccm

b) 6-10 gi) des feingepulverten lufttrocknen Bodens werden
destilliertem Wasser und 5 ccm reinem, schwefelsäurefreiem B

x) Wahnschaffe, Anleitung zur Bodenuntersuchung, 1903, 14.).
        <pb n="64" />
        ﻿40

Untersuchung von Boden.

Glasröhre eingeschmolzen und in einem Wasserhade allmählich unter häufigem
Umschütteln bis auf 70° erhitzt. Die Eöhre wird durch Anfeilen und Absprengen
der Spitze geöffnet, ihr Inhalt in ein Becherglas gespült, mit Wasser verdünnt und
so lange erhitzt, bis kein Bromgeruch mehr wahrnehmbar ist. Darauf filtriert man
den Boden ab und fällt die Schwefelsäure im Filtrat in gewöhnlicher Weise mit
Chlorbaryum, nachdem man vorher salzsauer gemacht hat. Berechnung des Schwefels
wie unter a.

c)	20 g des mit Wasser ausgezogenen und getrockneten Feinbodens werden
nach M. Fleischer1) in einem aus böhmischem Glase bestehenden Bohre im Luft-
strome geglüht, wobei etwa vorhandene Schwefelverbindungen zersetzt und der
Schwefel in Schwefelsäure und schweflige Säure übergeführt wird.

Man schiebt zuerst in das Bohr A (Fig. 7) einen Glaswollepfropfen hinein, schüttet
dann die Substanz lose darauf und fügt einen zweiten Glaswollepfropfen hinzu.
Das hintere Ende der Bohre A verbindet man mit einer Wasser enthaltenden Gas-
waschllasche C, um den durchzusaugenden Luftstrom kontrollieren zu können.
Das vordere Ende verbindet man mit einer Pelligotschen U-röhre B, welche

Fig. 7. Apparat zur Schwefelbestinimung nach M. Fleischer.

schwefelsäurefreie Kalilauge enthält; auf das andere Ende der Pelligotsehen Eöhre
setzt man ein sogenanntes Chlorcalciumrohr auf, welches jedoch anstatt Chlorcalcium
mit Kalilauge befeuchtete Glasperlen enthält, verbindet letzteres mit einem Aspirator
und zwar zweckmäßig mittels einer rechtwinklig gebogenen Glasröhre, welche am
horizontalen Arme zu einer Kugel ausgeblasen ist, in welche man etwas neutra-
lisierte Lackmuslösung bringt, welche während der Behandlung ihre Farbe nicht
ändern darf. Das Kohr wird so beschickt in einen Verbrennungsofen eingelegt
und, während ein beständiger Luftstrom hindurchstreicht, von hinten nach vorne
fortschreitend bis zur Rotglut erhitzt. Durch vorsichtiges Erhitzen treibt man
auch die sich am vorderen Ende verdichtenden Destillationserzeugnisse in die Vorlage.
Die Kalilauge wird dann mit Salzsäure übersättigt, mit Brom versetzt, um die
Schweflige Säure in Schwefelsäure überzuführen, und das Brom durch Kochen ent-
fernt. Darauf fällt man die Schwefelsäure mit Chlorbaryum, filtriert, trocknet und
glüht. Da jedoch leicht etwas konzentrierte Salzlösung mitgerissen wird, so wäscht
man vor dem Wägen das schwefelsaure Baryum nochmals durch Erwärmen auf

') Walinschaffe, Anleitung zur Bodenuntersuchung, 1903, 147.
        <pb n="65" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

41

dem Wasserbade mit verdünnter Salzsäure aus und wägt dasselbe erst, nachdem
es abermals filtriert, gut ausgewaschen und geglüht worden ist.

Fleischer berechnet die in pflanzenschädlicher Form vorhandene Schwefel-
säure folgendermaßen;

1.	Als freie Schwefelsäure (der Schwefelsäurerest, welcher nach Verrechnung
auf die Basen des Wasserauszuges übrig bleibt).

2.	Als Schwefelsäure, in Eisenvitriol enthalten (berechnet aus dem Eisenoxydul-
gehalt des Wasserauszuges).

3.	Als Schwefelsäure, welche .aus Schwefeleisen entstehen kann (durch Glühen

des mit Wasser ausgezogenen Bodens erhalten).	t

d)	Vergl. Uber „Schwefelbestimmung“ auch unter „Untersuchung von Asche“.

8. Bestimmung des Eisenoxyduls, a) Man übergießt etwa 30 g Erde in
einer passenden Kochflasche (mit aufgesetztem engeren Glasrohr) mit 60 ccm heißer
konz. Salzsäure, nachdem man vorher einige Sodakristalle oder. Stückchen von
reinem Marmor in die Flasche geworfen hat, und kocht eine Zeitlang. Hieraut
verdünnt man stark mit kochend keißem Wasser, neutralisiert die Flüssigkeit, ohne
zu filtrieren, mit Natron oder Ammoniak (bei Gegenwart von viel Chlornatrium
oder Chlorammonium wird die Umwandlung des Eisenoxyduls in Eisenoxy wesen
lieh verlangsamt),1) löst den entstandenen Niederschlag durch einige Trop en a z
säure wieder auf und fällt mit möglichst wenig essigsaurem Natrium (S. 24 ß )■
Sodann bringt man den ganzen noch heißen Inhalt der Kochflasche rasch auf ein
hinreichend großes Filtef* und wäscht mehrmals mit kochendem Wasser aus. Bas
Filtrat erhitzt man zum Sieden, fügt etwas Salzsäure hinzu, oxydiert das. Eisen-
oxydul durch einige Stückchen chlorsaures Kalium, entfernt die Flüssigkeit \om
Feuer und fällt von neuem mit essigsaurem Natrium. Der Niederschlag wird nac i
dem Auswaschen in Schwefelsäure oder nach dem Glühen durch Zusammenschme zen
der fein gepulverten Masse mit saurem schwefelsauren Kalium gelöst und in der
Lösung das Eisen durch Kaliumpermanganatlösung titriert (S. 24 ß 2).

Die Gegenwart von organischer Substanz in der Bodenlösung läßt überall nur eine
annähernd richtige Bestimmung des Eisenoxyduls erwarten. Audi zeigt bekanntlich das
Eiseuoxydul ein sehr verschiedenes Verhalten zum Wachstum der Kulturpflanzen, je nach-
dem dasselbe an Kieselsäure, Kohlensäure, Schwefelsäure oder an Humussubstanzen im
Boden gebunden ist. Um hierüber einigen Aufschluß zu erhalten, muß man den Boden
unter geeigneten Vorsichtsmaßregeln (in einer Kohlensäure-Atmosphäre usw.) mit ver-
schiedenen Lösungsmitteln, mit Wasser, verdünnter Essigsäure, neutralen wemsauren
Salzen, mit kalter und heißer Salzsäure, Schwefelsäure usw. behandeln und diese ver-
schiedenen Auszüge wenigstens qualitativ auf die Gegenwart größerer oder geringerer
Mengen von Eisenoxydul prüfen. Der Rückstand von der Behandlung des Bodens mit
konz. Schwefelsäure (S. 32) enthält selten irgendwie beträchtliche Mengen von Eisenoxydul
Sollte jedoch letzteres der Fall sein und die Bestimmung des Eisenoxyduls wünschenswert
erscheinen, so läßt sich dieses mit Kaliumpermanganatlösung bestimmen, nachdem man das Aut-
schließen der Substanz im Kohlensäurestrome nach Cooke2) mittels Plußsäure oder nach
Wilbur und Whittlesen3) durch eisenfreies Flußspat- oder Kryolithpulver bewirkt hat.

b) Wir bestimmen bei mäßig bumushaltigen Böden das Eisenoxydul wie folgt:

10 g des lufttrockenen Bodens werden in einen 250 ccm oder 500 ccm
fassenden Kolben gebracht, mit etwa 100 ccm verdünnter (1; 3) Schwefelsäure

*) Über die Bestimmung des schwefelsauren Eisenoxyduls und freier Schwefelsäure
vergl. auch unter „Untersuchung von Moorboden“.

2) Zeitschr. f. anal. Chemie 1868, 7, 98.

8) Ebenda 1871, 10, 98.
        <pb n="66" />
        ﻿42

Untersuchung von Boden.

übergossen, nachdem man die überstellende Luft durch Einleiten von Kohlensäure
vertrieben bezw. durch letztere ersetzt hat; der Kolben wird alsdann mit einem
B unsen sehen Ventil verschlossen. Man behandelt jetzt unter öfterem Umschwenken auf
dem Wasserbade ungefähr 2 Stunden, läßt erkalten, füllt mit ausgekochtem destillierten
Wasser, dem man noch etwas verdünnte Schwefelsäure zusetzt, damit die Flüssig-
keit sehr stark sauer ist, zur Marke auf und mischt den Inhalt. Man läßt den Kolben
verschlossen stehen, bis sich der ungelöste Boden vollständig gesetzt hat, hebt einen
aliquoten Teil der klaren Flüssigkeit ab und titriert diese mit 1/io Normal-Kalium-
permanganat (S. 24 ß 2), indem man die erste, einige Sekunden anhaltende Rötung
der Lösung als Endreaktion annimmt. Bei humusreichen Böden liefert dieses Ver-
fahren indes leicht zu hohe Ergebnisse, weil auch die gelöste organische Substanz
schon in der Kälte reduzierend auf Kaliumpermanganat wirkt.

9.	Bestimmung von Kupfer und Blei, Kupfer und Blei finden sich mitunter
im natürlichen Boden oder können durch Fabrikabgänge oder durch Düngung mit
Straßenkehricht bezw. Hausabfällen in den Boden gelangen. Zu ihrer Bestimmung
wird in die erwärmte salzsaure Bodenlösung Schwefelwasserstoff geleitet; ist gleich-
zeitig auch auf Zink Rücksicht zu nehmen, so muß man stärker salzsauer machen,
da nach verschiedenen Beobachtungen sonst das Zink teilweise mitgefällt wird.
Nach den Versuchen von R. Grundmann1) setzt man auf etwa 250 ccm Lösung
30 ccm Salzsäure von 1,1 spezifischem Gewicht zu und leitet bei etwa 70° Schwefel-
wasserstoff ein bis zum starken Vorwalten, filtriert, ehe der Schwefelwasserstoff-
überschuß entwichen oder zersetzt ist, wäscht mit schwefelwasserstoffhaltigem Wasser
aus, trocknet, röstet, löst wieder in Königwasser, verdampft zur Trockne, setzt
Wasser und Salzsäure zu, wie oben, und fällt nochmals mit Schwefelwasserstoff-
Der so zinkfreie Niederschlag wird wieder filtriert, ausgewaschen, in Salpetersäure
gelöst, mit destilliertem Wasser verdünnt und filtriert. Das Filtrat versetzt man
mit reiner Schwefelsäure in nicht zu geringem Überschuß, verdampft, bis das
Schwefelsäurehydrat anfängt sich zu verflüchtigen,* 2) läßt erkalten, fügt Wasser
zu und filtriert ohne Säumen das ungelöst bleibende schwefelsaure Blei ab. Sollte
der Rückstand nicht mehr genug freie Schwefelsäure enthalten, so fügt man zu
demselben verdünnte Schwefelsäure, bevor man Wasser zusetzt. Den Niederschlag
wäscht man mit schwefelsäurehaltigem Wasser aus, verdrängt dieses zuletzt durch
Weingeist, trocknet, glüht im Porzellantiegel und wägt als schwefelsaures Blei
(PbS04). Im Filtrat vom schwefelsauren Blei wird das Kupfer bestimmt, indem man
die Flüssigkeit zum Sieden erhitzt und mit Kalilauge versetzt. Das gefällte
Kupferoxydhydrat wird abfiltriert, heiß ausgewaschen, getrocknet, im Porzellan-
tiegel geglüht und als Kupferoxyd (CuO) gewogen. Auch läßt sich das Kupfer
elektrolytisch abscheiden und bestimmen.

In den beiden vereinigten Filtraten vom Schwefelwasserstoffniederschlage
wird zuerst durch Kochen der überschüssige Schwefelwasserstoff verjagt und das
Zink wie folgt bestimmt:

10.	Bestimmung von Zink. Da man gewöhnlich große Mengen von Eisen
in den Bodenlösungen hat, so scheidet man am besten letzteres zuerst durch essig'
saures Natrium ab (S.,24 ß 1), filtriert und bestimmt in der essigsauren Lösung
das Zink, indem man in die warme Lösung Schwefelwasserstoff bis zum starken
Vorwalten einleitet. Man läßt zweckmäßig bedeckt etwa 12 Stunden an eine»
warmen Orte stehen, filtriert und wäscht mit schwefelwasserstoffhaltigem Wasser

&gt;) Joum. f prakt. Chemie, 78, 241.

2) Man muß so weit erwärmen, bis alle Salpetersäure entfernt ist.
        <pb n="67" />
        ﻿Untersuchung: der Mineralböden.	43

aus. Um noch etwaige Spuren von Eisen, die in dem Schwefelzink-Meder schlage
enthalten sein können, abzuscheiden, wird das Schwefelzink in heißer verdünnter
Salzsäure gelöst und nach dem Kochen mit etwas chlorsaurem Kalium mit Ammoniak
übersättigt. Das Eisen fällt aus, während das Zink in der ammoniakalischen Flüssig-
keit gelöst bleibt. Man filtriert das Eisenoxydhydrat ah, macht das Filtrat essigsauer
und leitet in die warme essigsaure Lösung wieder Schwefelwasserstoff, läßt 12 Stunden
stehen, filtriert, wäscht wie oben aus, löst wieder in Salzsäure, oxydiert wie vorhin
und fällt aus der salzsauren Lösung in der Siedehitze, nachdem man an nähern mit
Natronlauge neutralisiert hat, mit kohlensaurem Natrium das Zink als Zinkkarbonat.
Es wird alsdann so lange gekocht, bis alle freie Kohlensäure entwichen ist. So-
dann filtriert man ab, wäscht mit heißem destillierten Wasser gut aus, trocknet,
glüht im Platintiegel und wägt das Zink als Zinkoxyd (ZnO).

Im Filtrat von Schwefelzink kann Kalk und Magnesia nach den bekannten
Verfahren S. 27 u. 28 bestimmt werden.

IV.	Bestimmung der physikalischen Eigenschaften des Bodens.

1.	Bestimmung des spezifischen Gewichtes des Bodens. Uas spezifische Ge
wicht des Bodens findet man bekanntlich in der Weise, daß man das Gewicht einer
bestimmten Menge Boden durch den Gewichtsverlust, welchen dieselbe hei dem
Wägen in reinem Wasser erleidet, dividiert, oder indem man das Gewicht des Bodens
durch das Gewicht des Wassers, welches durch die betreffende Menge des ersteren
aus einem Gefäß verdrängt wird, dividiert. Es kommt also nur darauf an, dieses
Wasser dem Gewicht oder dem Volumen nach genau zu ermitteln.

a)	Das gewöhnliche Verfahren besteht darin, daß man ein Pyknometer
(vergl. unter „Milch“) mit destilliertem Wasser von 15° anfüllt und das Gewicht
des letzteren genau bestimmt. Es wird dann eine kleine Menge Boden (10—15 g),
deren Feuchtigkeitsgehalt durch Trocknen hei 100° bestimmt worden ist, mit
wenig Wasser aufgekocht, das Ganze in das Fläschchen gespült, das letztere nach dem
Erkalten mit Wasser von derselben Temperatur wie oben wieder ganz angefüllt und
gewogen. Addiert man das Gewicht des angewendeten Bodens minus dem Gewicht
der entsprechenden Menge Wasser, die bei 100° ausgetrieben wurde, zu dem Ge-
wichte des mit Wasser gefüllten Kölbchens und zieht hiervon das Gewicht des mit
Wasser + Boden gefüllten Kölbchens ab, so drückt die Differenz das Gewicht des
Volumens Wasser aus, welches demjenigen der angewendeten Bodenmenge gleich ist.

b)	Das von einer gewogenen Menge Boden verdrängte Wasser läßt sich
auch dem Volumen nach ermitteln. Wo es nicht auf große Genauigkeit ankommt,
bringt man einfach 200 g Boden in einen 300 oder 500 ccm-Kolben, füllt den
letzteren mittels eines 100 ccm-Kolbens mit Wasser bis zur Marke an und mißt
den im 100 ccm-Kolben bleibenden Best im graduierten Zylinder (Knop).1) Auch
kann man in der Weise verfahren, daß man eine abgewogene Menge des Bodens
(etwa 30 g) in einer genau graduierten Glasröhre mit 50 ccm W asser stark schüttelt,
um die Luft auszutreiben, und dann ahliest, um wieviel das ursprüngliche Volumen
der Flüssigkeit durch die Gegenwart des Bodens vermehrt worden ist. (Vergl.
Schumanns Pyknometer unter „Zement“.)

Der Humus bildet stets den spezifisch leichtesten, der etwas grobkörnige
Quarzsand gewöhnlich den schwersten Bestandteil des Bodens. Dagegen ist der
überaus feinkörnige, mehlartige und gleichsam tonige Sand, wie er in manchen

') Landw. Versuchs-Stationen 1869, 8, 40.
        <pb n="68" />
        ﻿44

Untersuchuug von Boden.

Verwitterungshöden vorkommt, oft spezifisch leichter als der reine Ton; ein zäher,
humusarmer Tonhoden kann daher nicht selten ein höheres spezifisches Gewicht
zeigen als ein lehmiger Sandboden, wie E. Wolff z. B. bezüglich der folgenden
6 Bodenarten nachgewiesen hat. Die Zahlen beziehen sich überall auf den bei
125° getrockneten Boden.

Gehalt an

	Spezif.  Gewicht	Humus	Ton	Sand	Köhlens.  Calcium	Eisen-  oxyd
1. Boden	2.5445	°/o  6.87	%  18,17	0;o  48.38	°/o  16,79	%  3.85
2.	2,6315	0,88	15,74	77,32	0,18	2,91
3* l	2,6508	2,19	29,76	53.04	2,28	6,27
4.	2,6400	1,40	15,96	75,94	0,52	3.29
5.	„	2,7325	0.66	42,46	30,19	12,81	7,31
6. „	2,6603	0,92	26,93	62,15	0,84	5,68

Die prozentigen Mengenverhältnisse sind auf chemischem Wege ermittelt, der Humus
aus dem direkt bestimmten organisch gebundenen Kohlenstoff berechnet, der Ton ist reines
Aluminiumsilikat und der Sand die in Salzsäure oder Schwefelsäure unlösliche Masse des
Bodens. Im allgemeinen also kann man aus dem spezifischen Gewicht keinen sicheren
Schluss auf die chemische oder mechanische Beschaffenheit des Bodens ziehen.

2. Bestimmung des absoluten oder Volumengewichtes des Bodens. Das ab-
solute Gewicht des Bodens findet man, wenn man den letzteren im lufttrocknen,
möglichst feinpulverigen Zustande in ein passendes Gläschen von bekanntem Inhalt
unter gelindem Bütteln und Aufstoßen anteilweise und gleichmäßig fest einfüllt,
bis nach längerem Aufstoßen keine Yolumabnahme mehr stattfindet, und sodann die
eingefüllte Erde dem Gewichte nach ermittelt. Das absolute Gewicht wird auf ein
bestimmtes Volumen (1 cbm, 1 1 usw.) berechnet.

Von einer besonderen Probe wird zu gleicher Zeit das bei 100° entweichende
hygroskopische Wasser bestimmt und das durch Wägung ermittelte Volumgewicht
stets auf bei 100° getrocknete Substanz bezogen,

Heinrich1) verfährt in folgender Weise:

Eine 100 g Trockensubstanz entsprechende Bodenmenge (Feinerde) wird in eine
bürettenartig graduierte Köhre eingefüllt und durch Aufgießen von Wasser eingeschwemmt.
Nachdem das überschüssige Wasser abgetropft ist, wird das Volumen abgelesen.

Zur Volumen-Bestimmung läßt sich eine einfache Bürette benutzen, in welcher man
den unteren nicht graduierten Teil mit weißem Sand anfüllt. Der darauf zu schüttende
und einzuschwemmende Boden markiert sich dann mit scharfer Grenze.

Es wird hieraus berechnet das Gewicht der in 1 1 enthaltenen Trockensubstanz
und das Gewicht des in 1 1 enthaltenen, vollständig mit Wasser gesättigten Bodens (durch
Messung des aufgegossenen und abgetropften Wassers).

Es sei bemerkt, dass die gewöhnlichen Ackerböden, nachdem man sie in der Glas-
röhre fest eingeschüttelt hat, durch das Einschwemmen ihr Volumen — trotz der Wasser-
aufnahme — noch weiter vermindern. Humose Böden erhöhen ihr Volumen bei dem
B inschwemmen.

Für die Humusböden (Torf- und Moorböden) ist das von der Moor-Versuohs-Station
Bremen angewendete Verfahren zweckmäßig beizubehalten (vergl. weiter unten).

Br. Tacke* 2) hat für die Ermittelung des Volumens größerer Proben, be-
sonders von Bodenproben, ein Volumenometer eingerichtet, worauf hier nur ver-
wiesen werden mag.

&gt;) Landw. Versuchs-Stationen 1893, 43, 341.

2) Zeitsohr. f. angew. Chemie 1893, 39.
        <pb n="69" />
        ﻿Untersuchung der Mineralhöden.

45

3.	Bestimmung des scheinbaren spezifischen (xevtic es Volnrnffcwielit
scheinbare spezifische Gewicht des Bodens erhält man, wenn man (&lt; s	*

durch das Gewicht des gleichen Volumens Wasser dividiert..	, n

Für oben genannte 6 Bodenarten wurden folgende scheinbaren spezi
Wichte gefunden;

1.	2.	3.	4.	5,	6.

Lufttrockne Erde . .	1,094	1,171	1,357	1,281	1,406	1,273

Bei 125° getrocknet.	1,099	1,177	1,375	1,291	1,464	1,285

Bei der Berechnung des scheinbaren speziliscliien GewichdeSlS
Bodens ist angenommen worden, daß die Feuchtigkeit m e	, zuo-eo-en gewesen

Baum einnimmt, wie das Wasser, wenn « ta.	WBÄbnden

wäre. Das Volumen dieses Wassers wurde daher i	den aufgeführten

Verhältnisses von dem Inhalt des Gefäßes abgezogen.	sandigen Bodenarten

Zahlen, daß nächst dem humusreichen Boden (1) die feinkörnig «en	die

(2 und 4) als die absolut leichteren, die tonigeren Boden (3, 6 und namentlicn ,
absolut schwereren sich ergeben haben.

4. Bestimmung der Porosität des Bodens. Ihe ^‘'^‘L^^ode^Feuchtigkeit
Volumen de? festen Bodenteilchen, sowie a^er®°f scheinbare durch das wirkliche
angefüllten Poren wird gefunden, indem man das s

spezifische Gewicht des Bodens dividiert.

a) Hat man das scheinbare spezifische Gewicht^ de^ fempnlvengen,
VöBig lufttrocknen Bodens bestimmt und daraus i	( nach der Gieiclunig

trockneten Boden berechnet, so findet man z. B.

2,5445 ; 1,099 = 100 : x (= 43,2) usw.

Für die obigen 6 Bodenarten:	„	3	4.	5-	6-

'	,.'n	q 48,9	53,6	48,3

Volumen der festen Erdteile .	. 43,2	44,7	&gt;	,	434	517

Volumen der Poren.............. 56,8	55,3	48,1 ol,i

b) Für die Porosität des Bodens in seiner natürlichen Lage auf dem Felde u 1 .
- wenn man also ein bestimmtes, auf 1 ccm zu berechnendes Volumen dfs Bodens
mit einem Erdbohrer oder hierzu passend eingerichtetem Stecheisen aushebt, aas
Gewicht der ganzen Bodenmasse und in einem Teil derselben die Trockensubstanz
ermittelt — werden wiederum andere und zwar, je nach der mechanischen Be-
arbeitung des Bodens, nach der Düngungsweise usw. verschiedene Zahlen gefunden
werden.

Es kann auch von Interesse sein, das Volumen zu bestimmen, welches
der Boden in einem mit Wasser völlig aufgeschlämmten Zustande ein-
nimmt. Man benutzt dazu den Boden, dessen Volumen im lufttrocknen fempnlvengen
Zustande ermittelt worden ist jedoch nur 25 oder 30 g, schüttelt dieselben in
einem graduierten Glasrohr anhaltend mit Wasser, welches l°/0 Chlorammonium
aufgelöst enthält, und läßt dann ruhig absitzen. Nach Verlauf von 24 Stunden
nimmt, nach E. Wolffs Beobachtungen, das Volumen des abgesetzten Bodens durcb
längeres Stehen nicht mehr ab; der Boden ist alsdann von der darüber stehenden
völlig klaren Flüssigkeit scharf getrennt. Das Volumen des Bodens in diesem mi
Wasser aufgeschlämmten Zustande vergleicht man mit demjenigen Volumen, weiches
dieselbe Menge Boden als feinpulverige lufttrockne Masse einnimmt, indem man aas
letztere Volumen als Einheit der Rechnung zugrunde legt.

Auf diese Weise ergab sich für die obigen 6 Bodenarten das folgende Verhältnis.

1.	2.	3.	4.	5.	6.

1:1,433	0,962	1,418	1,144	2,139	1,360
        <pb n="70" />
        ﻿46

Untersuchung von Boden.

Es ist zu bemerken, daß der Boden No. 2 als feinpulverige lufttrockne Masse ein
etwas größeres Volumen einnahm, als wenn dieselbe mit Wasser aufgeschlämmt worden
war und aus der Flüssigkeit sich wiederum abgesetzt hatte. Im übrigen nimmt mit dem
größeren Humus- und namentlich Tongehalte das Volumen des Bodens im aufgeschlämmten
Zustande deutlich zu; indes gestatten die betreffenden Verhältniszahlen auch allerlei
bemerkenswerte Schlußfolgerungen bezüglich des mechanischen oder physikalischen Zustandes
der im Boden vorhandenen Humus- und Tonsubstanz.

Durch einfache Rechnung läßt sich auch die Menge des Wassers ermitteln, welche
in dem aufgeschlämmten und aus dem Wasser wieder abgesetzten Boden enthalten ist, und
damit die verhältnismäßig höchste (vergl. 7 a) Wasserkapazität des Bodens feststellen. Wenn
man diese Wassermenge auf den bei 125° getrockneten Boden bezieht und in Prozenten
des letzteren ausdrückt, so ergeben sich z. B. für obige Bodenarten folgende Zahlen;

1.	2.	3.	4.	5.	6.

Höchste Wasserkapazität . . 91,1	43,8	65,4	50,7	109,5	68,3 u/0.

5.	Bestimmung- der Absorptiousgröße des Bodens gegen 1/10 bezw. ’/ioo Normal-
Lösungen der wichtigeren Pflanzennährstoffe. Es werden zu diesen Absorptions-
versuchen zweckmäßig Lösungen von Chlorammonium, Kaliumnitrat, Calcium-
nitrat, Magnesiumsulfat und Monocalciumphosphat (saures phosphorsaures
Calcium) verwendet, indem man 1/10 bezw. 1/100 des Molekulargewichtes in Grammen
ausgedrückt (also bei 1/10 Molekulargewicht 5,36 g NH4C1, 10,11 g KNOs, 16,40 g
Ca(N08)„, 24,60 g MgS04 + 7Ho0, 24,2 g CaH4(P04)2. H20) in 1 1 Wasser von
16° löst.

Chlorammonium, Kaliumnitrat und Magnesiumsulfat lassen sich leicht als
chemisch reine wasserfreie Salze abwägen.

Calciumnitrat ist sehr zerfließlich, es kann daher nicht, als solches genau ge-
wogen werden. In diesem Falle stellt man sich eine konzentriertere Lösung
her und bestimmt in etwa 20 oder 25 ccm den Kalk- oder Salpetersäuregehalt,
indem man aus zwei gut übereinstimmenden Bestimmungen das Mittel nimmt, die
für 1 1 1/10 bezw. 1/100 Normal-Lösung nötige Menge berechnet und diese zu 1 1
verdünnt.

Zur Bestimmung der Phosphorsäureabsorption soll nach Fescas1) Vorschläge
Monocalciumphosphat verwendet werden.

Dieses Salz wird in folgender Weise dargestellt: Eine Lösung von phosphor-
saurem Natrium wird mit Eisessig versetzt, darauf mit einer Chlorcaloiumlösung
ausgefällt und der Niederschlag so lange durch Dekantieren mit Wasser ausge-
waschen, bis sich keine Chlorreaktion mehr zeigt. Der frische Niederschlag wird in
kalter offizineller Phosphorsäure bis zu deren Sättigung gelöst. Nach dem Filtrieren
kristallisiert das Monocalciumphosphat, nachdem die Lösung im geheizten Zimmer
in Kristallisierschalen 2—3 Wochen gestanden hat, aus. Die- Mutterlauge wird
zunächst durch Pressen zwischen Fließpapier entfernt, das Salz über Schwefelsäure
getrocknet und die letzten Reste anhaftender Phosphorsäure durch Auswaschen mit
wasserfreiem Äther auf dem Scheidetrichter entfernt.

Da dieses Salz nur in sehr verdünnter Lösung ohne Zersetzung löslich ist,
so führt man die Absorptionsversuche mit einer 1/100 Normal-Lösung (2,43 g
CaH4(P04)2 . H20 entsprechend 1,42 g P205) aus.

In 25 ccm dieser Lösung wird nach dem Molybdänverfahren (siehe Dünge-
mittel) die Phosphorsäure bestimmt.

Die Absorptionsversuche werden mit lufttrocknem Boden ausgeführt, welcher
durch ein Eundlochsieb von 0,6 mm Lochweite geschlagen wird.

’) M. Feaca, Beiträge zur agronomischen Bodenuntersuclmng, 1882, S. 31.

,
        <pb n="71" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

47

Bei der Bestimmung werden 50 g des .f ^cr srtite^en Kolben unter
der Vio IJezw. xlm) Normallösung 48 Stunden ™	4	,	dann wird möglichst

wiederholtem ümschiltteln bei Zimmertemperatur .	n	Her herelas abfiltriert,

schnell durch ein lufttrocknes Faltenfüter irr ern trectoe Bechergms
während des Filtrierens Trichter und Glas bedeckt

jenige Bestandteil bestimmt, dessen absorbierte Menge um	l3e7eichnet werden;

Nach vw&gt; Vorschlag, soll als Ahsorpttohstett»«*
die Menge des absorbierten Bestandteiles, in Mrllrgramn i

die Einheit 100 g Boden.	.	hP7ü&lt;rlich einer

Manchmal ist es von Interesse, die Absorptionsv ei a	eine Flüssigkeit

vollständigen Nährstofflösung zu ermitteln; als so c ®
ansehen, welche gleichzeitig Kaliumnitrat, Calciumm ra &gt;
saures Magnesium und saures phosphorsaures Ka mm 1	2 r

und zwar von jedem Salze die einer 4/50 NormaUosung ent-
sprechende Menge enthält. Man schüttelt 500 ccm dies
lösungen im Verlaufe von 24 Stunden oftmals mr -0	.

treffenden Bodens, filtriert sodann 300 oder ccm	eile

keit ab und bestimmt darin die Mengen der sämthchenB	-

Zu dem Absorptionsverhalten des Bodens ist im allgemeinen
noch zu bemerken, daß nach den Beobachtangen
mann2) die Absorption des Kalis durch Brhotaug der _Te*
peratur bis zur Kochhitze sich nicht wesentlich	’ der

gegen diejenige der Phosphorsäure schon durch E^h : J? ^

Temperatur um wenige Grade (z. B. von 1	hen

Doppelte und Dreifache und durch Erhitzen bis	,

noch weiter gesteigert wird. Um daher bezüg ic * er
säure vergleichbare Ergebnisse zu gewinnen, mu
ganz bestimmte Temperatur innegehalten werden, a s w
mittlere = 17° sich eignet.	v ,, A

Nach W. Pillitz8) gibt es für die Absorption von K. &gt;

moniak und Phosphorsäure einen Aussättigungspun ,	yig. s.

hin», eine weitere Antatae nicht «ehr	afsJ »fftSSSt

Sättigung ist eine gewisse geringste Konzentration der flüssig

keit erforderlich; Kali und Ammoniak werden in aq	. Basen und der

Mengen absorbiert; Beziehungen zwischen der Absorptionsgroße der Ba

Phosphorsäure lassen sich nicht erkennen.	Verfahren (nämlich

W. Pillitz wie N. Zalomanoff4) verwerfen d^ ^	FSltrier-

Schütteln des Bodens mit der Lösung in einem 0 )e44) Verhältnissen entspricht,
Verfahren, weil es einerseits mehr den^ natürhchen ™™off bediente sieh

andererseits übereinstimmendere Ergebnisse liefern s ■

zu den Absorptionsversuchen des vorstehenden ppaia es.	Zvlinder ist in ccm

Zwei Zylinder sind vertikal aufeinander gestellt; £	und b ver-
eingeteilt, der obere an beiden Enden mit durc 1 0 n	Innerhalb des Zylinders A

schlossen, durch deren Öffnungen Glasröhren c und &lt; ge»	Stück schwedischen Filtrier-

wird die Öffnung des Eöhrchens d mit einem rund geschnittenen Stuck

’) Beiträge zur agronomischen Bodenuntersuchung und Kaitierur g,

2)	Landw. Versuchs-Stationen 1869, 11, 1 und öi9

3)	Zeitschr. f. anal. Chemie 1875, 14-, 55 ul'c *1 ' q, i ggO S. 40.

«) Jul. Kühn, Berichte des landw. Instituts Halle a. S.
        <pb n="72" />
        ﻿48

Untersuchung von Boden.

papiers verdeckt. Der untere Teil des Röhrchens d ist mittels eines Kautschukschlauches,
welcher einen Quetschhahn C trägt, mit einem anderen Röhrchen e verbunden, welches
durch den Pfropfen f geht — statt dessen kann man sich auch eines einzigen, mit Glas-
hahn versehenen Glasrohres bedienen.

Bei der Ausführung der Versuche wird in den oberen Zylinder die abgewogene Menge
des zu untersuchenden und wie oben vorbereiteten Bodens geschüttet, darauf die abgemessene

Menge der auzuwendenden Salzlösung hinzu-
gegeben und der Zylinder geschlossen. Man öffnet
den Hahn C, läßt ein bestimmtes Volumen Lösung
— aber nicht alles — tropfenweise durch den
Boden filtrieren und schließt darauf den Hahn.
Man rührt die durchfiltrierte, im unteren Zylinder
und auch die im oberen Zylinder übriggebliebene
Flüssigkeit um, bestimmt in beiden Flüssigkeiten
die Menge vorhandener Bestandteile und erhält
aus der Differenz die absorbierte Menge, M. F e s c a
glaubt jedoch (1. c.) diesem Verfahren der
Bestimmung der Absorptionsgröße keine be-
sonderen Vorzüge vor dem alten Verfahren,
dem Schütteln in einem Kolben, zuschreiben zu
können.

Hiesige Versuche haben annähernd über-
einstimmende Ergebnisse nach diesem und dem
älteren Verfahren des Schütteins geliefert.

M. Müller1) empfiehlt, besonders für
Vorlesungen, um die Absorptionsfähigkeit
des Bodens zu zeigen, die Lösungen der
Salze von unten nach oben durch den
Boden steigen zu lassen.

Ein ungefähr 0,75 in langes und 4—5 cm
weites, starkwandiges Glasrohr A ist oben
und unten durch Gummikorke mit einfacher
Durchbohrung, in welche rechtwinklig gebogene
Glasröhren eingeführt werden, verschlossen.
Das Rohr A ist zur Aufnahme des für den
Versuch geeigneten Bodens bestimmt. Ehe der-
selbe eingefüllt wird, gibt man erst unten
eine Lage Glasscherben, Glasperlen oder kleiner
Glaskugeln und darüber eine etwa 1 cm hohe
Schicht grober Glaswolle, um zu verhüten, daß
das untere rechtwinklig gebogene Glasröhrohen
verstopft wird. Sodann wird die Erde einge-
sohüttet und zweckmässig oben ebenfalls mit
Glaswolle bedeckt. Rohr A steht durch einen
Gummischlauch mit der entsprechend höher
stehenden Druckflasche B von 2 1 Inhalt in Ver-
bindung. Dieselbe wird mit einer dünnen Lösung
desjenigen Stoffes gefüllt, dessen Absorption durch die Erde man zeigen will. In.
den Gummischlauoh ist kurz vor dem unteren rechtwinklig gebogenen Röhrchen, bei c,
ein gläsernes T-Stück eingeschaltet, dessen einer Schenkel mit einem kurzen Ende Gummi-
schlauch, welcher durch einen Quetschhahn verschlossen werden kann, versehen ist. Bei
c ist ein Schraubenquetschhahn angebracht, der den Zufluß der Lösung von B nach A
regelt bezw. ganz absohließt. Öffnet man den Schraubenquetschhahn, nachdem die

Kg 9. Absorptionsapparat von M. Müller.

*) Zeitschr. f. angew. Chemie 1889. 501.
        <pb n="73" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

49

Druckflasche B mit Flüssigkeit gefüllt ist so tritt die letztere i langsam oder schnen in
dann durch Stellen der Schraube ganz in der Gewal , l	» durch f in ein darunter

dem Boden emporsteigen zu lassen. Schließlich me	, kurzen Schlauch kann

gestelltes Glas b ab. Durch Offnen des Quetschbahnes ei	dann mit den Anteilen

man eine Probe der ursprünglichen Flüssigkeit nehmen	-n Bernhrung gekommen

vergleichen, welche bei b abtröpfeln, also innig nu &lt; cm	Boden absorbiert wird, so

sind. Will man zeigen, daß z. B. Kaliumkarbona v	('iVirchen mit rotem Lackmus-
füllt man die beiden Kugeln der rechtwinklig g^gen	^ während es oben seine

papier; dasselbe wird in der unteren Kugel sofort g	&gt; d die afhalische

rote Farbe behält, da die Flüssigkeit durch die Beruhrungnntdem *	etwas

Reaktion verliert Für Vorlesungsversuche eigne 81«h J“ R	ebt wird. Die an-
lehmiger Sandboden, der an der Luft vorgetrocknet un '	15 g Kaliumkarbonat,

zuwendenden Lösungen sollen sehr verdünnt sein, z. .	’

1,5	g kristallisiertes Natriumphosphat usw. enthalten.	_	(Verhalten des

0. Bestimmung des Absorptions-Koeffizienten uao	gwecke der Boden-

Bodens gegen eine Lösung von Chlorammonium.)	zu bestimmen, verfährt

Bonitierung den „Absorptions-Koeffizienten- mög• nachdem man den Versuch
man nach Knop1) in folgender Weise: Man m ^ , J	Kreidepulver und

mit 50 oder 100 g Feinerde2) anstellt mlt 0 ° onsalzlösung von bekanntem
dem doppelten Gewicht (100 oder 200 ccm) em ^orammoninm und bereitet davon
Ammongehalt. Als Ammonsalz wählt man d	Ammoniak bei seiner Zer-

eine Lösung genau von der Konzentration, a	d b. man löst in je

Setzung für jedes ccm Flüssigkeit gerade 1 eem 1C	welche bei 0° und

208 ccm Wasser 1 g Chlorammonium auf (	° .öfterem xjmschütteln die Böden

760 mm Luftdruck 208 ccm einnehmen). Man lab	man den Boden sich

48 Stunden mit dieser Lösung in Berührung.	, ebl trocknes Filter,

absitzen und gießt die überstehende klare Flüssig ^ oder 40 ccnl! bestimmt
Aus dem Filtrat entnimmt man schnell mit der	und bereclmet darnach

den Stickstoff (siehe unter Düngemittel, Stocks 0 i ^	ccm') Flüssigkeit bei

den Verlust an Stickstoff, den die ganze eng “ Menge Stickstoff, in
Berührung mit 100 g Feinerde erlitten hat. ie	^ Absorptionsgröße oder

Kubikzentimeter angegeben, nennt man ohne	biSß4- ais Absorptions-

«»rpti.n, während, «ie bereite erwähnt, Vesc» "““g-B
Koeffizienten die Menge des adsorbierten Stickstolls in

100 g Boden, auszudrüoken.	der Hasser-Kapazität des

7. Bestimmung der wasserfasseiiden Kran	kapazität (wasserfassenden

Bodens. Für die Zwecke der Bestimmung ce	Fähigkeit, eine gewisse

oder wasserhaltenden Kraft) des Bodens, t ■	•	■ folgende Verfahren

Menge von flüssigem Wasser in seine Poren aufzunehmen, seien

erwähnt:	„p«f.v,ah. diese Eigenschaft durch

a) Wenn man, wie es “ mrSenf ifSem Achter mit Wasser,
Sättigung einer gewissen Menge des t	unzuverlässige und ganz ver-

Abtropfenlassen usw. bestimmt, so erha •	Boden nicht selten von 30 bis

schiedene, bei einem und demselben, na“®n . Versuche eine größere oder geringere
90°/o wechselnde Ergebnisse, je nachdem z	7413101

■) Landw. Versuchs-Stationen 1874,17,86; auchinZeitscto.Lanal^ durch ein

2) Unter Feinerde versteht Knop denjen»	)t; gin golches würde einem Bund-

Drahtnetz mit 400 Öffnungen für 1 flcni 1 ^	- dgr goden 8ebr bindig ist, koc

lochsiebe von 0,5 mm Lochweite entsprecieu' . scbaft-bcben Bodenuntersuchung, L ,
man ihn (nach Wahnschaffe, Anleitung zur	ateifen Pinsels durch das sieb,

S. 157) mit Wasser auf und gibt ihn mit Hü	4

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.
        <pb n="74" />
        ﻿50

Untersuchung von Boden.

Menge des Bodens genommen wird und der letztere in einem mehr oder weniger
aufgelockerten oder gar mit Wasser völlig aufgeschlämmten Zustande sich befindet.
Um auf diese Weise einigermaßen vergleichbare, obgleich auf die natürlichen Ver-
hältnisse durchaus nicht zu beziehende Ergebnisse zu erhalten, muß man stets eine
gleiche Menge, etwa 100 g des Bodens abwägen, die Substanz in einer Schale mit
überschüssigem Wasser anrühren und sodann das Ganze auf einen vorher gewogenen
Trichter bringen, dessen Spitze mit einem kleinen Filter verschlossen ist. Der
Trichter wird mit einer Glasplatte bedeckt und wenn kein Abtropfen mehr statt-
findet, das Gewicht des von dem Boden aufgenommenen Wassers durch Wägen
des ganzen Apparates ermittelt. Die Menge des vom Boden zurückgehaltenen
Wassers hat man, wie es bei allen Eigenschaften des Bodens geschieht, die sich auf
sein Verhalten zum Wasser beziehen, teils auf den völlig lufttrocknen, teils auf
den wasserfreien oder vielmehr auf den bei 100° getrockneten Zustand des Bodens
zu berechnen.

Nach dem angegebenen Verfahren findet man die Wasserkapazität des Bodens, weil der
letztere in dem Zustande der relativ höchsten Auflockerung vorhanden ist, stets
verhältnismäßig sehr hoch, und zwar bei tonigen Bodenarten absolut und relativ weit
höher als bei mehr sandigen Böden. Man kann die so bestimmte Wassermenge als
größte oder volle WTasserkapazität bezeichnen. Bin großer Übelstand hierbei ist,
daß der Boden, wenn er in den Trichter gleichsam hineingesohlämmt worden ist, das
überschüssige Wasser oft fast gar nicht abtropfen läßt, so daß man genötigt ist, das Wasser
nach einiger Zeit von der Oberfläche des Bodens mittels einer Pipette zu entfernen.
Außerdem hört das Abtropfen des Wassers bei einem tonigen Boden schon vollständig
auf, wenn er sich noch in einem breiigen, sogar halbflüssigen Zustande befindet. Noch
weniger vergleichbare Ergebnisse erhält man, wenn man den Boden trocken und in
Pulverform einfach in den Trichter einsohüttet und sodann mit Wasser übersättigt, weil
man alsdann durchaus kein sicheres Maß dafür hat, daß der Boden stets im Zustande
relativ gleicher Auflockerung dem Versuche unterworfen wird. Es muß der Boden hin-
sichtlich seiner Wasserkapazität notwendig unter Verhältnissen geprüft werden, welche
seinem natürlichen Zustande auf dem Felde, besonders in den tieferen Schichten der
Ackerkrume, möglichst ähnlich sind und auch bei der Untersuchung verschiedener Boden-
arten leicht in der nötigen Übereinstimmung hergestellt werden können. Es wird dann
zweckmäßig folgendes Verfahren angewendet:

ß) Ein zylindrisches Eöhrohen1) von Zinkblech, das genau 16 cm hoch ist und
einen lichten Durchmesser von 4 cm besitzt (Rauminhalt 201,06 ccm), ist am Boden
mit einem feinen Nickel-Drahtnetz versehen. Unten ist ein Stück Zinkrohr darüber
gelötet, welches an der Seite durchlöchert ist. Vor dem Gebrauch legt man feine
angefeuchtete Leinwand auf den Drahtnetzboden des Zylinders, • überbindet ihn
unten mit einem Stück Kautschuk und füllt zunächst den unteren Teil des Zylinders
bis zum Siebboden mit Wasser. Darauf gießt man 200 ccm Wasser von 16°.
in den Zylinder hinein und bringt genau über dem Wasserspiegel eine Marke
an. Der Uber der Marke stehende Blechrand wird abgefeilt, so daß der
Zylinder mit Leinwandlappen genau 200 ccm Rauminhalt besitzt und zu gleicher
Zeit zur Bestimmung des Volumgewichtes des Bodens benutzt werden kann. Dieses
Gefäß wird bei dem eigentlichen Versuch, nachdem zuvor das feuchte Leinwand-
läppchen hineingelegt worden ist, gewogen und darauf mit dem Boden gefüllt.
Derselbe (die Feinerde desselben, s. oben S. 6 u. 12) muß vollständig lufttrocken sein
(bei einem größeren Wassergehalt erhält man ganz andere, zu hohe Ergebnisse, weil
dann die Teilchen des Bodens sich nicht so dicht nebeneinander legen, die Zwischen-

') Früher wurden von E. Wolff viereckige Kästchen vorgeschlagen; die Zylinder-
Röhren (nach Wahnschaffe) scheinen jedoch zweckmäßiger zu sein.
        <pb n="75" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

51

räume oder Poren also mehr W asser aufzune imelV gleichförmig zerrieben, als
Reihschale vorher unter gelindem Druck so e1^	zu zerstoßen. Die Erde

möglich ist, ohne die etwa vorhandenen kleinen	o-eschüttet und jedesmal

wird sodann in kleinen Mengen in den Zi ^	^ Unterlage ein dichtes

durch gelindes AuMopfen des Zylinderchens au	Bewirkt bis zuletzt der

und gleichförmiges Zusammensetzen der Rot en u c i .	mit Boden gefüllten

ganze Zylinder mit Erde angefüllt ist. Man stellt i	Glaswanne in Wasser,

Zylinder, nachdem er gewogen worden ist, so i	steilt eine Glasglocke

daß der Siebboden 5—10 mm in das Wasser ^ imtenher sich mit Wasser
darüber, um die Luft abzuhalten, und laßt die	Beschaffenheit des Bodens m

vollsaugen. Die Feuchtigkeit erscheint je nach	läßt den Apparat

kürzerer oder längerer Zeit an der Bodeno er ac ,	llöchst unbedeutende

im Wasser stehen, bis nach wiederholtem ag6“	te Gewichtszunahme ergibt

Gewichtsveränderungen zu bemerken sind. D S

die Menge des absorbierten Wassers.	vuiisnmrfiii des lufttrocknen,

Fast ganz dieselben Ergebnisse wie bei	Vollsaugen ^ ^ ^

feinpulverigen Bodens von untenher erhält man,	. rrohr versehenes Zink-

Schicht der Erde (16-17 cm) in ein ähnliches, mit Tnchterrohr

Fig. 10.

Zinkzylinder zur Bestimmung der Wasserkapazität.

• füllt sodann von oben mit
zylinderchen unter ganz gleichen Verhältnissen el”wJ,serg durch das Trichter-
Wasser vorsichtig übersättigt und den Übeisc	•	üher die Wasser-
rohr abtropfen läßt. Hierbei muß, wie ei a	^er Erhöhung der letzteren

kapazität, die Temperatur beobachtet werden, wei

die erstere mehr oder weniger sich vermin. er . ) ,„sonders wichtig, diese Bigen-

Bei der Bestimmung der Wasserkapazi a i Berechnen, weil die prozentigen	er

schaft auf den lufttrocknen Zustand des Bo ens z	deutliche Übersicht gew‘l ’

hältnisse der Wasseraufnahme nur in diesem „„„„„ujedener Bodenarten sich 0
dagegen hei der bezüglichen Vergleichung 86 r	,jas Q.ewicht des bei 1 e

vollständig ausgleichen oder sogar umkehren, we	,gt nämijcli die Wasserkapazi a ,

trockneten Bodens der Rechnung zugrunde eg • J , 0^eu angedeuteten yerul
auf den lufttrooknen Zustand des Bodens bezogen,	. , &amp; geringere als für eben a s

nissen für tonige, humusarme Bodenarten ®lne	, . „„öfterem Humusgehalt ü era

humusarme, lehmige und sandige Bodenarten, wa	des absorbierten Wassers den ic

die Porosität des Bodens und damit zugleich die Menge des a«_	tQnige Boden-

zunimmt. Ein sehr toniger Boden vermochte z. •	:	von sehr feinem Ko111

arten 30,5, 30,6 und 31,4% zwei sandig-lehmige “f^^^dcn 41,2% Wasser
33,0 und 36,4 "/ und ein schwarzer, Humusreiche ,	» talteten sich diese Zahlen,

über den lufttrocknen Zustand hinaus aufzuneh _&gt;	® ® der Rechnung zugrunde g .

wenn man überall das Gewicht des ganz wasserfreien Bodens der	Zahlenverhältn.Bse

in derselben Reihenfolge: 36,7 , 37,4-361-37,3	36^0-39.0	^/0,	^	den lieh

welche die Eigenartigkeiten der verschiedenen	man die Wasserkapa.

hervortreten lassen. Richtiger aber ist es, i)

i) Haberlandt in „Landw. Versuchs-Stationen“ 1866, 8, 4o8.	4*
        <pb n="76" />
        ﻿52

Untersuchung you Boden.

überhaupt gar nicht auf das Gewicht des Bodens, sondern stets auf sein
Volumen berechnet.

y) In Wirklichkeit, d. h. bei ganz natürlicher Lage des Bodens ist die Wasser-
kapazität des letzteren meistens eine noch geringere, als nach dem soeben ange-
deuteten Bestimmungsverfahren gefunden wird; denn man hat es dann mit noch weit
tieferen Säulen der porösen Böden zu tun, und es ist leicht verständlich, daß
unter solchen Umständen nur die feinen Kapillarräume mit Wasser gefüllt bleiben,
während die größeren Zwischenräume nur vorübergehend das Wasser aufnehmen,
bei dem Versinken des letzteren aber die Luft wieder eindringen lassen — einerlei,
ob das Wasser von der Oberfläche aus eindringt oder aus der Tiefe aufsteigt, so-
bald nur in beiden Fällen nach kürzerer oder längerer Zeit die Bewegung des
Wassers im Boden auf gehört hat und also hinsichtlich des Feuchtigkeitsgehaltes ein
Gleichgewicht zwischen den oberen und tieferen Schichten eingetreten ist.

Nach fast 14-tägigem, meist sehr starkem und anhaltendem Regen, also im voll-
ständig durchnäßten Zustande fand E. Wolff in Proben, welche in einer Tiefe von 2 bis
zu 30 cm entnommen und direkt vom Felde auf ihren Wassergehalt geprüft wurden,
hei den oben erwähnten ziemlich tonigen Bodenarten durchschnittlich nur 21,8%, in den
feinsandigen Bodenarten 24,4 %, gegenüber von beziehungsweise 30,8 und 34,7 °/0 (nach
Methode ß bestimmt), überall auf den lufttrocknen Zustand des Bodens berechnet.

Um den natürlichen Verhältnissen möglichst nahe entsprechende Ergebnisse zu
erzielen, verfährt man nach A. Mayer1) auf folgende Weise: Eine Glasröhre von
1,5—2 cm Weite wird unten mit Leinwand zugebunden und mit dem lufttrocknen
Bodenpulver unter mäßigem Aufstoßen auf eine weiche Unterlage 1 m hoch an-
gefüllt. Die Glasröhre besteht aus 2 Stücken, welche mit einem kurzen Kautschuk-
rohr aneinander befestigt sind. Das untere Stück ist nahezu 0,76 m lang, so daß
noch 0,25 m des oberen Stückes mit dem Boden ungefüllt werden. So vorbereitet
wird rasch so viel Wasser oben aufgegossen, daß vorübergehend die volle oder Gesamt-
Wasserkapazität des ganzen Bodens in Anspruch genommen wird. Dabei findet
während des Abwärtssinkens des Wassers eine Anfeuchtung der Hohlräume vor
ihrer Anfüllung mit Wasser statt. Hierauf wartet man, bis das überschüssige
Wasser vollständig abgeflossen ist, öffnet dann sogleich den Kautschukverband,
nimmt an dieser Stelle eine genügende Menge des feuchten Bodens heraus, wägt
und bestimmt den Gewichtsverlust durch Trocknen bei 100°. Die so dem Gewichte
nach sich ergebende Wasserkapazität wird mit Hilfe des „scheinbaren spezifischen
Gewichtes“ (siehe unter 3, S. 45) des Bodens auf die Volumeinheit umgerechnet.

Die auf solche Weise erhaltene Zahl kann man als die kleinste (nach Mayer auch
absolute) Wasserkapazität bezeichnen; sie fällt für die verschiedenen Bodenarten, je nach
der Feinheit und Porosität der Gemengteile, sehr verschieden aus; die Unterschiede sind,
entsprechend den natürlichen Verhältnissen, weit größer als bezüglich der „vollen“ Wasser-
kapazität, deren Bestimmung von keinem praktischen Werte ist. Bei sehr tonigen Boden-
arten ist das angegebene Verfahren ein unbequemes, weil das Wasser durch eine so tiefe
Schicht überaus langsam hindurchfließt. In solchen Fällen aber kann man auch kürzere
Bohren oder die unter ß beschriebenen Zinkgefäße anwenden, weil bei sehr tonigen
Bodenarten die nach Verfahren ß und y ermittelten Zahlen ziemlich zusammenfallen, voraus-
gesetzt, dass überall gleiche Porositätsverhältnisse vorhanden sind. Wollny2) verwirft
jedoch auch in diesem Falle das Verfahren ß sowie das später von A. Mayer3) abgeänderte

1)	Landw. Jahrbücher 1874, 3, 771 und Wollny, Forschungen auf dem Gebiete der
Agrikultur-Physik, 1880, 3, 150.

2)	Wollny, Forschungen auf dem Gebiete der Agrikultur-Physik, 1885, 8, 204.

3)	Ebenda 1880, 3, 150.
        <pb n="77" />
        ﻿Untersuchung der Mineralbödeu.

53

untersucuuiig uw -------

. ,	,	\ May ersehen Verfahren das

Verfahren, und redet auch hier dem von ihm ^geänderten	nach verschiedenen

Wort. Nachdem er das von A. Mayer	§	Bestimmung der kleinsten

Richtungen geprüft hat,») schlägt er folgendes Verfahren

Wasserkapazität vor:	.	Durchmesser 4 cm mißt,

Eine 90 cm lange Zinkhlechröhre, deren nme	nförmige Erweiterung,

trägt an beiden Enden rechtwinklig zui	cmse	ßr grobmaschiger Lein-

1,5	cm breit. Das untere Ende wird mit sta ’	eige eingefiillt und mit

wand zugebunden und der zu untersuchende o e	noch 2 je 10 cm lange,

einem Stößel festgestampft. Auf das obere n e	^ gnden mit aulgekitteten

ebenfalls 4 cm weite Glasröhren gesetzt. Diese sin	Achse des Köhrenstückes

Messingzylindern versehen, die sich auch rec wm i ^re^en platten erweitern,
zu kreisrunden, vollständig eben geschliffenen,	aneinanderstoßenden

Diese Platten werden eingefettet, aufeinanc erge eg {einan(lergepreßt. Das mit
Platten vermittels je dreier hölzernen Klemmen	p0den gefüllt, während

der Blechröhre verbundene Glasrohr wird eben a .	-vvenn beim Anfeuchten

dies beim zweiten bloß im unteren Teil gesc 16 ’	’ nacbrutschen kann und

sich der Boden noch setzen sollte, etwas in ie eis	der noch freie Teil der

diese stets mit Boden vollgefüllt bleibt. s v&gt;	wiederholt, bis das Wasser

oberen Glasröhre mit Wasser gefüllt und dies so	findet sich in der Wand

unten angelangt ist. Dm dies beobachten zu	’ cm b0her, durch eine

des untersten Endes der Blechröhre ein( "	' ’m unteren Ende der Röhre

Glasplatte verdeckter Schlitz. Um die er u •	e^ne Glasplatte gestellt,

zu verhüten, wird sie mit dem verbreiterten	, wird das überschüssige

Sobald das Wasser am unteren Ende angel gt ,	mit einem Korke

Wasser von der Oberfläche abgehoben un as ‘g -tze ansgezogene Glasröhre
verschlossen, durch dessen Mitte eine oben	man noch 36 Stunden

führt, um eine Verdunstung zu vermeiden.	die einZelnen Röbrenstücke

stehen. Sodann werden nach Entfernung er .	beiden Enden der mit

mit einem Platinblech auseinandergeschnitten m	^ ,a^g bedeckt, um jede

der Blechröhre verbundenen Glasröhre mit je eia und aus dem Gewicht nach
Verdunstung zu verhindern. Es wird nun	ergibt sich das Gewicht

Abzug desjenigen des Röhrenstückes und der Diasp	ößere porzellanschale

des feuchten Bodens. Letzterer wird soJgaJS. n iäßt man ihn 24 Stunden an
gebracht und hei 100° getrocknet. Vor dem K . der Differenz zwischen
der Luft stehen, um ihn lufttrocken zu ma°IT ' -bt sich der Wassergehalt,
dem Gewicht des feuchten und des trocknen °	^ des Glasröhrenstückes wird

welcher volumprozentig berechnet wird. as ° ermittelt.

vorher mit destilliertem Wasser bei 17,5 genau	kleinste oder absolute

Die nach dem zuletzt erwähnten Aer a re	^ Volumprozenten noch an

Wasserkapazität läßt zugleich erkennen, wie V1	. t. man braucht nur das

Luft in dem mit Wasser gesättigten Boden vorna	&gt;	Verhältnissen

A7olumen des auf genommenen Wassers mit er _	^ vergleichen,

ermittelten Gesamt-Porosität des Bodens (s. o. ’	‘	(]er Lagerung des be-

Da der Einfluß des Untergrundes, des yu	. . , „’eT)rjift werden kann, so

treffenden Bodens zur Umgebung im Laboia on	.anazität auf freiem Felde

empfiehlt R. Heinrich, die Bestimmung ei	, jedenfalls nur selten zur

vorzunehmen.2) Jedoch sei auf dieses Verfahren, welches jede
Anwendung kommen dürfte, nur verwiesen.	^	g 177 u g

1)	Wollny, Forschungen auf dem Gebiete ^-f^f^Wollny, Forschungen auf

2)	R. Heinrich, Über Prüfung der Wasserkapazität.

dem Gebiete der Agrikultur-Physik, 1886, 9,
        <pb n="78" />
        ﻿54

Untersuchung von Boden.

8. Bestimmung des Wasser* Aufsaugung» Vermögens, der Kapillar-Anziehung
des Bodens. Das Aufsaugungsvermögen (Käpillaranzichung) des Bodens für Wasser,
wenn das letztere von untenher in den Boden anfsteigen famß, wird in der Weise
bestimmt, daß man in Zentimeter eingeteilte Glasröhren von 80 cm Hohe und 1,6
bis 2 cm Durchmesser am unteren Ende mit feiner Leinwand verschließt, die mit
einem Kautschukring befestigt wird und unter gelindem Aufklopfen nach und
nach mit dem feinpulverigen Boden anfüllt, dann mit dem unteren Ende 1—2 cm
tief in Wasser stellt und ermittelt, wie lange Zeit erforderlich ist, bis die Feuchtig-
keit von untenher bis zu einer gewissen Höhe (30—50—70 cm) in dem Boden auf-
steigt oder auch wie hoch die erstere im Verlaufe einer gewissen Zeit (1—2—4
—8—16—24—48 usw. Stunden) sich erhebt.

Dieselben 6 Bodenarten, von denen schon mehrfach die Bede war, verhielten sich
hierbei in der Weise, daß die Feuchtigkeit innerhalb der angegebenen Zeit die folgende
Höhe erreichte:

		1.	2.	3.	4.	5.	6.	
Nach 24	Stunden	27,3	38,0	16,7	36,3	8,0	28,8	cm.
„	48	•&gt;1	35,9	50,8	24.5	49,2	11,9	40,5	• »
„	72	-n	41,5	59,5	30,0	57,9	15,2	49,1	
„	96		44,4	66,2	33,5	63,8	17,5	55,1	
„ 120	&gt;1	46,7	70,0	36,3	68,5	19.2	60,6	»

Man sieht hieraus sehr deutlich, daß ein größerer Tongehalt und teilweise auch
der Humus das Aufsteigen der Feuchtigkeit aus dem Untergründe in die oberen Schichten
des Bodens sehr verlangsamt. In der Tat hatte das Wasser die Höhe von 70 cm in dem
Boden No. 2 nach 5 Tagen erreicht, in No. 4 nach 6 Tagen, in No. 6 nach 8 Tagen, in
No. 3 dagegen erst nach 72 Tagen, in No. 1 nach etwa 100 und in No. 5 gar erst nach
175 Tagen.

Dieselben Apparate oder auch etwas kürzere, 40 cm lange Glasröhren kann
man benutzen, um zu beobachten, bis zu welcher Tiefe und wie schnell eine
gewisse Wassersäule (z. B. von 4 oder 8 cm) von obenher in die völlig luft-
trockne Erde eindringt. Bezüglich der Tiefe des Eindringens hat man zwei Be-
obachtungsumstände zu unterscheiden:

a)	den Augenblick, wo das flüssige Wasser von der Oberfläche des Bodens
verschwunden, also in ihn eingedrungen ist, und dann

b)	die Tiefe, bis zu welcher die Feuchtigkeit überhaupt in den Boden ein-
dringt, also den Zeitpunkt, wo ein Stillstand im weiteren Versinken des Wassers
eintritt, wenn nämlich die tieferen Schichten noch vollkommen lufttrocken sind.

Bei Versuchen mit den obigen sechs Bodenarten ergab sich, daß eine 4 cm hohe
Wassersäule in den lufttrocknen Boden einsickerte in

	Boden 1	2	3	4	5	6
	nach 4,3	1,8	10,3	3,0	21,0	4,3 Stunden,
und	zwar bis zu einer Tiefe von  a) 11.0	12,0	11,4		13,3	11,7	12,0 cm.
	b) 13,0	18,1	13.0	19,0	12,0	15,5 „
	Als abermals eine Wassersäule von 4		cm auf	den in den	oberen Schichten bereits
feuchten Boden gebracht wurde,		verschwand jetzt das		! Wasser von der Oberfläche erst in	
	1. 2.	3.	4.	5.	6.
	21,5	9,0	42,0	14,0	80,0	22,0 Stunden,
und	die Feuchtigkeit erstreckte	sich nun bis	zu einer	Tiefe von	
	a) 21,1	24,3	22,0	25,2	23,0	26,1 cm.
	b) 23,9	30,0	23,5	30,0	24,7	30,0 „
        <pb n="79" />
        ﻿Untersuchung der Mineralboden.

DO

. . ..	■	_ aarid- und Lehmboden nicht

Die Feuchtigkeit wird daher von einT fel , ,	bis zll der Yerhältnismaßig

allein am raschesten aufgenommen, sondern vertei t sic i (. ai	rocken und nicht "vielleicht

größten Tiefe, vorausgesetzt, daß der Boden vorher gan	. t war

in den tieferen Schichten teilweise oder ganz mit -assei B	gej gewöhnlicher

!). Bestimmung der Verdunstungsfilhigkeit des o en	gie in ziemlich

Zimmertemperatur im Schatten haben alle Bodenai ■_______wenigstens solange noch

dicken Schichten dem Versuch unterworfen wert en  	beinahe gleiches Ver-
eine reichliche Menge von Feuchtigkeit zugegen is	bestimmten Zeit ver-
dunstungsvermögen, d. h. die absolute Menge es in	Oberfläche des die

dunsteten Wassers ist fast nur bedingt durch die vo e	umgebenden Luft.

Feuchtigkeit ausdunstenden Bodens und durch ae -6ml' *	langsame. daß man

Außerdem ist die Verdunstung in diesem Falle eine so	6n Bodens in einer

Monate gebraucht, bis nur 100—15.0 g des mit	wieaer angenommen haben.

4—6 cm mächtigen Schicht den völlig lufttrocknen . • ■	und gandgehalt sehr ver-

Es wurden z. B. die obigen sechs in Onem m'oMBI und 150 g (C) und in Schichten
schiedenen Boden1) in Mengen von ungefähr 30 g (fA S ) gleicher Oberfläche, aber
von bezw. !&gt;/, 3 und 5b. cm Mächtigkeit (in	^“sättigt und während ihrer

verschiedener Tiefe)	mit	Wasser	gleichförmig	und	yollstand ^	«	7Al	Zeit	auf	ihre	durch

Aufbewahrung an einem zug- und sonnefreien az „ Im Verlaufe von 96 Stunden
Verdunstung des Wassers bewirkte Gewichtsabnahme g'l

waren verdunstet;

A
B

C

Ferner

1.

7,689

6,833

6,81

6854 4* 4» '‘h

jf6° 66;S’ IS ; :

in einer noehWelneren Menge reu nur M g d» Infltroeknen Beden..

1	2	3.	1 i[&gt;Q 1 Pi7R &lt;r Wasser.

24 Stunden 1,751	1,734	1,644	1,610	1,588	^ _	„

48 Stunden 3,609	3,731	3,411	3,. 9	,	itg die Übereinstimmung

Die Differenz in den sehr verschiedenartigen un	und g) tritt hier offenbar

bei den unter sich ziemlich gleichartigen Böden ( i ’

nicht scharf genug hervor.	_	möelichst nachahmt, indem

Nur wenn man die natürlichen A er a	im Freien dem wechseln-

man den Boden in hinreichend dicken Sc ic	dßg Schattens anssetzt,

den Einfluß des direkten Sonnenlichtes un	deutlich bemerkbar. Es

werden die Eigenartigkeiten der verschiedenen o en	schon früher in dieser

ist wünschenswert, daß hierbei immer eine 0 er	neu zu prüfenden Boden

Richtung untersuchte Bodenarten gleichzeitig mi	bessere Anhaltspunkte

zu dem Versuche benutzt werden, weil man au so c

zur Beurteilung der betreffenden Eigenschaft er a •	, ^riehenen Zinkzylinder,

Man benutzt zu derartigen Versuchen m o en	r mft Wasser sich

in welchen man den sorgfälltig eingefüllten Bo e	„^ge yon dicker Pappe

vollsaugen läßt, steckt jedes in eine eng ansc i u cm	t nebeneinander

und stellt hierauf die Kästchen mit den verschiedenen Bodenarte^^ ^ ^

in ein Holzkistchen, welches mit dem Dec e S®	verschlossen, welcher

kästchen hat. Das Holzkistchen wird mit einem iye	s0 daß) wenn

entsprechend dem Durchmesser der Zinkkästchen - n

v • Bodenarten findet inan
l) Die Ergebnisse der ausführlichen Untersucbnng xese^e Hohenheim«? Stuttgart
in der „Beschreibung der land- und forstwirtschaftlichen A
1863, S. 131 ff. zusammengestellt.
        <pb n="80" />
        ﻿56

Untersuchung von Boden.

das Ganze vor ein nach Süden ausgehendes Fenster oder auch ganz ins Freie gestellt
wird, die direkten Sonnenstrahlen nur auf die Oberfläche der Erden einwirken können.

Alle 24 Stunden (oder nach Umständen nur von 3 zu 3 Tagen) werden die
Zinkzylinderchen aus den Hülsen herausgenommen, der Gewichtsverlust ermittelt
und diese Wägungen je nach der Witterung 14 Tage bis 4 Wochen fortgesetzt,
auch mehrmals täglich die Temperatur der Luft in der Nähe des Apparates, der
Feuchtigkeitszustand der Luft, der jeweilige Barometerstand, sowie die Beschaffen-
heit des Himmels beobachtet. Anfangs wird man bemerken, daß die Verdunstung
bei allen mit Wasser völlig gesättigten Bodenarten auch in der heißen Sonne
eine ziemlich gleiche ist, bald aber wird die Schnelligkeit der Verdunstung bei den
ton- und humusreichen Bodenarten weit geringer als hei den sandigen, überhaupt
denjenigen Böden, welche eine große Kapillarkraft besitzen und die Feuchtigkeit
aus den tieferen Schichten rasch an die Oberfläche steigen lassen. Es tritt ein
Punkt ein, wo die Unterschiede in der Verdunstung am größten sind, von welchem
Punkt an sie wieder abnehmen, bis die verschiedenen Bodenarten unter gleichen
äußeren Verhältnissen eine Zeitlang ziemlich gleichviel Feuchtigkeit ausdunsten
und von diesem Punkte an abermalige Unterschiede sich einstellen, so aber, daß
von jetzt an die ton- und humusreichen Böden schneller ausdunsten als die Sand-
böden, weil die letzteren bereits fast bis auf den lufttrocknen Zustand ausgetrocknet
sind, die ersteren aber noch eine beträchtliche Menge Feuchtigkeit enthalten. Da
die Menge des Bodens und des ursprünglich aufgenommenen Wassers in jedem
Zylinderchen bekannt ist, so kann leicht die jedem Zeitpunkte entsprechende Menge
des verdunsteten Wassers in Prozenten des lufttrocknen Bodens oder der ursprüng-
lich vorhandenen Wassermenge berechnet werden.

Um den beschriebenen Verlauf der Verdunstung noch besser zu verdeutlichen, seien
hier die von E. Wolff bei einer derartigen Versuchsreihe mit 6 Bodenarten von sehr ver-
schiedener Zusammensetzung erhaltenen Ergebnisse kurz mitgeteilt. No. 1 ist ein schwarzer,
humusreicher und kalkhaltiger Lehmsandboden, die übrigen Bodenarten sind sämtlich
humusarm, und zwar No. 2 und 4 sehr feinkörnig, sandig-lehmig, No. 3 und 6 ziemlich
tonig, No. 5 sehr tonig. Es ist zu bemerken, daß die Böden am Tage bei heißem,
hellem Wetter 8 Stunden lang (1/28 Uhr morgens bis x/ä4 Uhr nachmittags) von dem
direkten Sonnenlichte (August 1862) getroffen wurden, während der übrigen Zeit des Tages
aber im Schatten, teils im Freien vor dem Fenster, teils im Zimmer standen.

	1.	2.	3.	4.	5.	6.
Lufttrockner Boden .	. .	166,9	181,8	192,5	194,7	207,7	196,8 g.
Absorbiertes Wasser.	.	.	68,71	66,13	60,64	64,31	66,68	69,95 „
»	„ in Pro-						
zenten des lufttr. Bodens	41,2	36,4	31,4	33,0	27,3	30,6 »/„.
Es verdunsteten von	dem Wasser:					
	1.	2.	3.	4.	6.	6.
1.— 3. Tage		16,18	19,58	17,97	19,46	15,78	21,52g.
4-— 6.	„			11,66	17,20	10.36	14.63	6,81	H,58„
7—12.	„			9,59	12,62	8,32	11,52	7,24	7,69 „
4. Periode ......	8,56	8,58	9,31	8,59	8.84	8,01 „
5. Periode		7,26	5,34	8,22	6,30	9,08	7,14 „
Also verdunsteten in	den ersten	12 Tagen	an Wasser:			
	37,43	49,24	36,65	45,61	30,01	39,59 g
oder in Prozenten des ursprünglich vorhandenen Wassers:						
	54,5	74,5	60,5	70,9	52,9	66,0
oder in Prozenten des lufttrocknen Bodens:						
	22,4	27,1	19,0	23,4	14,4	20,2
        <pb n="81" />
        ﻿Untersuchung der Mineralbbden.

57

Man wird also die Verdunstung vorzugsw	deutlich hervortritt, bis zu

Kennzeichen hei der Verdunstung in den einze neu	haben, und zwar wo mög-

dem Punkte, wo dasselbe wiederum verschwinde , zu v t- recht sandigen und einem
lieh stets im Vergleich mit zwei Normal-Bodenarten, einem recht

tonreichen Boden von mittlerem Humusgehalt.	bewirkt, wenn

Ein. bedeutend ».eher. Verd« der Feuetogtatwd ^^ ^

man zu den vergleichenden Versuchen nach V .	Werden unter gelindem Auf-
fertigte Würfel von 6 cm Durchmesser nimmt.	■	nachdem man vorher

klopfen nach und nach mit dem lufttrocknen *')( ul V'	. ig	entsprechend

den Boden und die inneren Seitenflächen des DrahtnetzwürfeD mt e^

großen Stücken von Filtrierpapier helegt tat, um , betreffenden Bodens, stellt
zu verhindern. Hierauf bestimmt man das G-cwic jpatilliertes Nasser und läßt
die untere Fläche des Würfels etwa 2 cm_ 16 ia	T)er Apparat wird dann

auf diese Weise den Boden mit Wasser sich vo _■ o •	der Gewichtsverlust

frei aufgehängt und unter Beobachtung der

nach einer bestimmten Zeit ermittelt.	_	,, ... TOft Wasser gesättigtem

Aus 6 verschiedenen Bodenarten, '"elc’1®0/in-.J”8ser enthielten, verdunsteten schon
Zustande je nach ihrer Beschaffenheit 47 bis	Feuchtigkeitsgehaltes.

im Verlaufe von 24 Stunden 22,7 bis 81,4»/, des gesamten	*

Es sei hier noch auf die Arbeit von • *ei _	pjm das Durchsickern

10. Bestimmung der Filtrationsfähig ei	assende Vermögen des Bodens

des Wassers durch den Boden oder das wasserdurclüassento Ve	^ und

der Menge nach zu bestimmen, wird ein vierec g ,	trichterförmigen

3 cm im Quadrat weites Zinkkästchen, we c ics un	. n Ende mit lockerer

Ansatz und engen Abflußrohr versehen ist, zuerst a	,, tr hindurchgeht

Baumwolle verschlossen, so daß die Baumwolle durch d	etwas grober Quarz-

und aus ihm noch ein wenig hervorragt. Hie .	. e Vertiefung des

sand auf die Baumwolle geschüttet und damit nie i	mwoUe mit Wasser an

Apparates ausgefüllt; man feuchtet den Sam um *	Aufklonfen lufttrocknen,

-	ta Appuk.. Dann füllt m»	S” «eCLtftel. vo« e.w«

feinpulverigen Boden hinein, bis die ganze Bo	,	• d -wieder gewogen,

16 cm erricht h.f, der Apj.rht «dt de«. I"“'»*?“	—..» &gt;h”h

um das Gewicht des eingefüllten Bodens zu ermit ’ sättigt Nach dem Ab-
vorsichtiges und allmähliches Ubergießen mit Wasse s Wägen des ganzen
tropfen des überschüssigen Wassers bestimm ma somit die Wasserkapazität
Apparates die Menge des auf genommenen 5 aS!,e^®	übereinstimmend findet

des Bodens, welche man nach diesem Verfahren	-\Vasser (s. 7./?, S. 50) er-

mit derjenigen, die durch Vollsaugen des Bo ® “ der Oberfläche aufzuwühlen,
mittelt wird. Man gießt nun vorsichtig, ohne den	„	Annarat 60 bis 70 g

8	cm hoch Wasser (welche Wassersäule in dem betreffend® Ap^ ^ ^ ^
wiegt) auf den nassen Boden und beobachtet, wie al* durch den Boden hindurch-
tropfen ganz aufhört oder auch bis genau 50 ccm &amp; Öffnung des Zinkkästchens
gesickert sind, während welcher Zeit man ie	beginnt augenblicklich

mit einer kleinen Glasplatte bedeckt hält ^ Feuchtigkeit gesättigten Boden
nach dem Auf gießen des Wassers auf den 1	... „fusche des Bodens voll-

und hört sofort auf, sobald die Flüssigkeit an i er	. drd fast immer

ständig verschwunden ist. Bei der Wiederholung des Versuches

l)	Landw. Jahrbücher, 1873, 2, 383.	o-rikultur-Physik, 1884. 7. 1.

*) Wollny, Forschungen auf dem Gebiete dei Agukultur
        <pb n="82" />
        ﻿58

Untersuchung von Boden.

mehr Zeit zum Durchsickern des Wassers erfordert, als das erste Mal. Man kann
daher den Versuch etwa dreimal wiederholen und aus den erhaltenen Ergebnissen
das Mittel ziehen.

Bei den oben genannten 6 Bodenarten dauerte z. B. das Durchsickern einer 8 cm
hohen Wassersäule durch eine 16 cm mächtige Erdschicht nach Stunden:

Boden	1	2-	3	. 4	5	6
1 mal .	.	23	19	163	22'1,	100	60 'U
2	30	20	193	26	143	77
3 „	. .	40	22	218	29	156	89
Mittel	31,0	20,3	188,0	25,8	133,0	75,8.

Die zum Versuche benutzten Bodenarten waren überaus feinkörnig und zum Ver-
schlammen sehr geneigt. Bei mehr grobkörnigen Erden und wenn das jedesmalige Auf-
gießen des Wassers mit äußerster Vorsicht geschieht, sind die Unterschiede bei der Wieder-
holung des Versuches weniger groß.

Wollny hat zu seinen Untersuchungen1) den Apparat von D. v. Welitsch-
kowsky2) (Fig. 11, S. 59) benutzt. Hier befindet sich der Versuchsboden in einem
zylindrischen Gefäß von 5 cm Durchmesser. Dasselbe ist unten mit einem aus feinem
Drahtnetz hergestellten Boden und oben mit einer Muffe versehen. Letztere dient
zur Aufnahme der Eöhre b und ist mit letzterer durch einen breiten Kautschukring
wasserdicht verbunden. Die Eöhre b, deren Boden gleichfalls aus einem feinen
Drahtnetz besteht, trägt an der einen Seite in Absätzen von je 10 zu 10 cm Tuben
von 1,5 cm Durchmesser, auf der entgegengesetzten Seite ein Wasserstandsrohr, an
welchem unten ein Hahn angebracht ist. Das mit Erde gefüllte Gefäß a ruht auf
einem Eing, der in dein Trichter c angebracht ist; letzterer ist mit einer durch
einen Hahn verschließbaren Abflußrohre versehen.

Bei der Ausführung des Versuches werden die seitlichen Ausflußöffnungen
bis auf eine mit Pfropfen verschlossen. An der frei bleibenden, einem bestimmten
Wasserdruck entsprechenden Öffnung wird eine Glasröhre d, an der ein Kautschuk-
schlauch e angebracht ist, wasserdicht angesetzt. Nunmehr wird durch die mit
der “Wasserleitung verbundene Glasröhre f Wasser, zunächst in einem langsamen
Strom, in den Apparat eingeleitet. Durch den Anstau steigt es bis zu d und fließt
dann durch e ab; durch Regelung des Wasserleitungshahnes ist es möglich, das
WTasser in b auf gleicher Höhe zu halten. Die durch den Boden des Gefäßes a
und durch die an dem Trichter c befindliche Eöhre abfließende Wassermenge wird
aufgefangen und gewogen. Da in der ersten Zeit nach der Zufuhr Schwankungen
auftreten, wird mit dem Abmessen so lange gewartet, bis die abfließenden Wasser-
mengen gleich sind. In den Versuchen über den Einfluß des Druckes auf die
den Boden durchsickernde Wassermenge wird mit Wassersäulen von verschiedener
Höhe gearbeitet.

11. Bestimmung der Absorptionsfähigkeit des Bodens für Wasserdampf (vergl.
hierzu das neue Verfahren von A. Mitscherlich: „Bestimmung der Hygrosko-
pizität“ No. 18 S. 67). Die Fähigkeit des Bodens, aus der umgebenden Luft Feuchtig-
keit zu absorbieren, Wrasserdampf in sich zu verdichten, kann nach 4 verschiedenen
Richtungen mit gegenseitig vergleichbaren Ergebnissen ermittelt werden.

a)	Die genau abgewogene Probe (10 bis 20 g) wird in einem flachen, quadrat-
förmigen Zinkkästchen Uber eine Fläche von 25 qcm gleichförmig ausgebreitet und

]) Wollny, Forschungen auf dem Gebiete der Agrikultur-Physik, 1891, 14, 1.

2)	Archiv f. Hygiene, 1884, 2, 499.
        <pb n="83" />
        ﻿Untersuchung der Mineralhöden.

59

iipr iedesmaligen Lufttemperatur
im Verlaufe von einigen Tagen unter Beohac i	' eranderungen ermittelt, bis

werden durch mehrfache Wägungen die etwaigen irei	Ueibt. Durch Trocknen

das Gewicht hei ziemlich gleicher Temperatur as oel V ;scbes oder mechanisch ah-
der Probe hei 100« erfährt man sodann, wievxel hygroskopi.
sortiertes Wasser der Boden im lufttrocknen
Zustande hei mittlerer Temperatur zurück-
zuhalten vermag. Von Interesse wird es
auch sein, das Verhalten des lufttrocknen
Bodens heim Trocknen über Schwefelsäure
(unter der Glasglocke), sowie hei mäßig
erhöhter Temperatur, unter dem Einfluß des
direkten Sonnenlichtes, öder besser auf die
Weise zu ermitteln, daß man die Gewichts- ,
abnahme bei künstlich erhöhter, aber gleich-
mäßig andauernder Lufttemperatur, z- B.
bei 20°, bei 30° und bei 40° genau beo-
bachtet.

Zu einem ähnlichen Ergebnis bei ver-
gleichenden Untersuchungen wird man ge-
langen, wenn man die abgewogene Boden-
probe in dem Zinkkästchen zunächst bei
100° oder über Schwefelsäure austrocknet
und dann die Gewichtszunahme beobachtet,
welche bei mittlerer Lufttemperatur durch
Absorption von Feuchtigkeit aus der um-
gebenden Luft bedingt ist.

Bei ziemlich "gleichem Humusgehalt
verschiedener Bodenarten steht die Menge es
absorbierten und von dem lufttrocknen B°( en
zurückgehaltenen Wassers im nahen Zu-
sammenhänge mit der Menge des vorhandenen
Tones. Durch Zunahme der Humussuhstanz
erhöht sich die in Bede stehende Eigenschat
des Bodens beträchtlich, so daß ein humus-
reicher Sandboden oft ebensoviel und mehr
Feuchtigkeit im lufttrocknen Zustande zurüc
hält, als ein humusarmer Tonboden. Die Mengen
der von verschiedenen Bodenarten hei gleio er
Lufttemperatur absorbierten oder zurückge-
haltenen Feuchtigkeit schwanken sehr bedeutend
und bewegen sich im allgemeinen in en
Grenzen von 0,6 und 7 °/0 des wasserfreien
Bodens. Beim Trocknen über Schwefelsäure bei
gewöhnlicher Temperatur bedarf es einer Zei
von 4-7 Tagen, bis ein gleiclihleihendes	rlust ist dann um 0,2—l,ö°/o Senng ’

wicht eintritt, und der stattgefundene Go	,	_

als wenn das Trocknen hei 100° vorgenommen	mit Wasserdampf gesättig

b)	Der lufttrockne Boden vermag m einem ^J^uchtigkeit aufzunehmen.
Baum bei gleicher mittlerer Temperatur n	lufttrockne Probe von a

Um hierüber Auskunft zu erhalten, wird	Boden mit Wasser

in dem flachen Zinkkästchen über ein e	luftdicht abgeschlossen. a

bedeckt ist. und das Ganze mittels einer Glasglocke

Fig. 11.

Apparat zur Bestimmung der Filtrations-
fähigkeit des Bodens.
        <pb n="84" />
        ﻿60

Untersuchung von Boden.

bestimmt alsdann drei- bis viermal nach jedesmal 24 Stunden die Gewichtszunahme
der Bodenprobe. Gleichzeitig muß man unter dieselbe Glasglocke auch ein leeres
Zinkkästchen von genau gleicher Größe stellen und beobachten, ob und wieviel
dieses an Gewicht zunimmt. Auch durch Hinstellen in einen feuchten Kellerraum
bei einer Temperatur von etwa 16° läßt sich die in ähnlicher Weise stattfindende
Gewichtszunahme des Bodens ermitteln.

Sandige und lehmige Bodenarten sättigen sich auf diese Weise schon im Verlaufe
der ersten 24 Stunden fast vollständig mit Feuchtigkeit und bleiben dann im Gewicht
unverändert oder nehmen nur überaus langsam noch weiter an Gewicht zu, wenn nicht
vielleicht ungewöhnlich große Mengen von leicht löslichen und zerfließlichen Salzen zu-
gegen sind, wodurch überhaupt die Eigenschaft des Bodens, Feuchtigkeit aus der Luft
zu absorbieren, sehr wesentlich verändert und erhöht wird. Sehr tonige und auch
humusreiche Bodenarten müssen aber, selbst in der kleinen, zu diesem Versuche zu ver-
wendenden Probe von etwa 40 g, wenigstens 3—4 Tage unter der Glasglocke stehen,
bis sie mit Feuchtigkeit ziemlich gesättigt sind. Natürlich ist stets auch die Temperatur
der mit Wasserdampf beladenen Luft im Apparate zu beobachten und zu vermerken. Die
Menge der von den völlig lufttrocknen Bodenarten absorbierten Feuchtigkeit ist wiederum
hauptsächlich durch deren Ton- und Humusgehalt bedingt, jedoch sind die Schwankungen
bei verschiedenen Bodenarten im allgemeinen nicht so beträchtlich, wie bezüglich der von
dem lufttrocknen Boden unter gewöhnlichen Verhältnissen zurückgehaltenen Feuchtigkeit;
sie bewegen sich meistens nur zwischen 0,2 und 2,6 % des wasserfreien Bodens (vergl. No, 18).

c)	Dieselben Zinkkästchen und dieselben Bodenproben wie in a und b kann
man auch benutzen zu Beobachtungen über die Absorption von Feuchtigkeit, wenn
man den Boden über Nacht im Freien dem Einfluß eines mehr oder weniger starken
Taufalles aussetzt. Man hat hierbei möglichst sorgfältige Vermerke zu sammeln
über die Stärke des Taufalles, die Lufttemperatur und über die Klarheit oder teil-
weise Bedeckung, überhaupt den Zustand des Himmels. Auch hat man das Ver-
halten des Bodens zu beobachten, indem man die Kästchen mit gleichen Gewichts-
mengen des Bodens und unter sonst ganz gleichen Verhältnissen teils auf eine freie,
pflanzenleere, dem frisch bestellten Acker ähnliche Fläche, teils aber auf einen
mit dichter Grasnarbe überzogenen Platz stellt.

d)	Endlich ist noch darauf aufmerksam zu machen, daß die Beobachtungen
in b und c hauptsächlich dann ein praktisches Interesse gewinnen, wenn man sie
nicht allein mit ganz kleinen und im Zustande der größten Auflockerung be-
findlichen Bodenproben anstellt, sondern die Versuche gleichzeitig ausdehnt auf
das Verhalten mehr oder weniger mächtiger Schichten des Bodens in mit
Wasserdampf gesättigtem Raume oder im Freien während der Nacht unter dem
Einfluss der atmosphärischen Abkühlung und der Tauniederschläge, Zu diesem
Zweck kann man Zinkkästchen von gleichem Durchmesser und gleicher Flächen-
ausdehnung wie in a, aber von größerer Tiefe benutzen, so daß die Bodenschicht
eine Dicke erhält in verschiedenen Kästchen von etwa 0,5, 1,5 bis 3 und 6 cm.
Der Boden muß überall im völlig lufttrocknen und in einem gleichförmig fein-
erdigen Zustande vorhanden sein; es wird genau ermittelt, teils wieviel Feuchtigkeit
von den verschieden dicken Bodenschichten innerhalb einer bestimmten Zeit auf-
genommen wird, teils wie tief die Feuchtigkeit in dem gleichen Zeitraum in den Boden
eindringt, teils endlich wie lange Zeit erforderlich ist (bei Beobachtungen in dem
mit Wasserdampf gesättigten Raum), um die verschieden dicken Bodenschichten mit
der unter den vorhandenen Verhältnissen zu absorbierenden Feuchtigkeit ziemlich
vollständig zu sättigen. Bemerkt sei hier, daß E. Heiden1) aus seinen Versuchen

J) E. Heiden, Denksclir. z. Feier d. 2ojähr. Bestehens d. agrik.-chem. Versuchs-Station
Pommritz, 4883, 164 und Wollny, Forschungen auf dem Gebiet der Agrikultur-Physik,
1884, 7, 324.
        <pb n="85" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

61

nu dem Ergebnis gelangt, daß das Kondensationsvermögen der Ackererden für
Wassergas fast gleich null ist.

12.	Bestimmung der Absorptionsfähigkeit des Bodens für Sauerstoff der

atmosphärischen Luft. Nach W. Wolf1) verschließt man o0	g ,	. '

trocknen Bodens in Gläser von genau bekanntem Luftinhalt (etwa 500 ccm) luttdicüt
unter Hinzufügung von so viel ccm destilliertem Wasser, daß der zu untersuchende
Boden einen Feuchtigkeitsgehalt von 20 °/0 besitzt. Nach etwa 8—14 lagen wird
die Luft auf Sauerstoff, Stickstoff und Kohlensäure untersucht und man er“ /
wieviel Sauerstoff verschwunden und wieviel Kohlensäure gebildet ist; der hticKston
der Luft verändert sein Volumen fast gar nicht.

Handelt es sich bloß um Bestimmung des Absorptions-Koeffizienten des Bodens

für Sauerstoffgas, so durchfeuchtet man etwa 25 g Boden nach Fr. Schu ze
ziemlich konzentrierter Kalilauge in einem Gläschen, verbindet letzteres luftdicht
mit einem Azotometer, in welchem ein bestimmtes Volumen atmosphärischer Luft
mit Quecksilber abgesperrt ist, und schüttelt während des Versuches wiederholt um
Die Verminderung des im ganzen Apparat enthaltenen Luftvolumens (nach 1-4 Tagen)
ergibt die Menge des absorbierten Sauerstoffs.	...	,

Es sei hier auf eine Arbeit von G. Ammon*) „Untersuchungen über das
Kondensationsvermögen der Bodenkonstituenten für Gase-1 verwiesen.

13.	Bestimmung der Luftdurchlässigkeit des Bodens «) Für dmsen Zweck ^ei
luer der von G. Ammon*) benutzte Apparat empfohlen, der auch ohne Zeichnung

verständlich ist, nämlich:	.	,	, •. ■ flhpr

In 2 Gasometern wird Luft komprimiert, für gewöhnlich dur&lt;* ‘^ ge-
stehende Wasser, wenn stärkerer Druck notwendig ist, durch eine Wassersäule
die sich in einer an das Einflußrohr angeschraubten Trichterrohre befindet
Köhren, durch welche die Luft aus dem Gasometer tritt, jede durch einen Hai
verschließbar, werden durch eine Glasröhre verkuppelt, welcher in er 1
winklig eine zur Ableitung der Luft bestimmte Glasröhre angesetzt is. i
Wendung zweier Gasometer macht es möglich, den Versuch in beliebiger Dauer
ununterbrochen fortzusetzen; während nämlich der eine in Tätigkeit ist, wird ü
Füllungswasser des anderen abgelassen. Die Ableitungsrohre stc i nu eii
uhr, die bis auf x/100 1 genau die durchgehenden Luftvolumina ung1 &gt;
hindung; die Hähne am Zu- und Ableitungsrohre der Gasuhr gestatten	&amp;

'ung des Druckes in sehr vollkommener Weise, Aus der asu g
Luft in eine mit Chlorcalcium gefüllte Trockenröhre, von hier aus in	^

flasche, die unten mit konzentrierter Schwefelsäure, m i	dieser in

durch Schwefelsäure getränkten Bimssteinstückchen gel i ^ &gt;_	Wasser von

den Kühl- bezw. Wärmeapparat, in welchem die Luft durch em von Wasser von
gleichbleibender Temperatur umgebenes 8 in langes Sch angenro	Diese

Aus letzterem wird die Luft in die eigentliche Versuchsrohre geleitet. Diese
besteht aus einer 1,25 m langen, 0,05 m im Durchmesser weiten, aufrecht 1 2 3 4

1)	Landw. Jahrbücher, 1873,' 2, 407.	1S7q „ .

2)	Wollny, Forschungen auf dem Gebiet der Agnku ur J &gt;	’	’

31 Es sei hier auf folgende Arbeite» verwiesen.	187q o 339

J. Renk, Wollny, Forschungen auf dem Gebiet der Agrikultur-Physik, 1879, 2,

G Ammon, ebenda 1880, 3, 218.

H.	Fleck,	„	1880, 3, 245.

R- Heinrich, „	1883, 4, 266 und 1886, 9, 271.

D- v. Welitschowskj7, ebenda 1888, 10, 202.

4) Ebenda 1880, 3, 218 und 1893, 16, 193.
        <pb n="86" />
        ﻿62	• Untersuchung von Boden.

stehenden Röhre aus Zinkblech, welche etwa 6 cm von ihrem oberen Ende ent-
fernt ein horizontal stehendes Ansatzröhrchen zur Aufnahme eines mit Wasser
gefüllten Manometers trägt. Das oben und unten offene Ende der Röhre wird
durch Gummistöpsel geschlossen, welche durchbohrt und mit Glasröhren zum Zu-
und Ahleiten der Luft versehen sind. Im Innern der Röhre befinden sich zwei,
an der Innern Wand derselben stark festzuklemmende, verschiebbare, aus feinstem
Messingdraht geflochtene Siebe, zwischen welchen der Versuchsboden derart ein-
geschlossen wird, daß eine Verschiebung nicht möglich ist. Die Versuchsröhre
ist mit einem 18 cm weiten und 1 m langen, unten geschlossenen Zinkzylinder
umgeben, der in gleichen Abständen mit 3 schief nach oben gehenden Ansatz-
röhren versehen ist, die zur Aufnahme von Thermometern bestimmt sind. Der
Zwischenraum zwischen der Versuchsröhre und dem Zylinder wird mit Wasser
ausgefüllt, dessen Temperatur durch Zu- und Abfluß warmen oder kalten Wassers
auf gleichbleibender Höhe erhalten wird.

Das Füllungsverfahren, die Druckstärke und die Höhe der Luft- und Boden-
temperatur muß bei jedem Versuch beobachtet und bei vergleichenden Versuchen
in gleicher Weise innegehalten werden.

Zur Prüfung der Luftdurchlässigkeit des Bodens in seiner natürlichen Lage, also
auf freiem Felde hat Heinrich1) Versuche ausgeführt und ein Verfahren2) aus-,
gearbeitet, worauf hier aber nur verwiesen sei.

14.	Bestimmung der Wärmeabsorptiou des Bodens, a) Ein würfelförmiges
Zinkkästchen, etwa 6 cm im Durchmesser, wird mit dem möglichst feinpulverigen,
lufttrocknen Boden angefüllt, dem Einfluß des direkten Sonnenlichtes bei einer recht
hohen, genau zu bezeichnenden Lufttemperatur (25—35° in der Sonne) einige
Stunden lang ausgesetzt und beobachtet, wie hoch die Temperatur an der Oberfläche,
in der obersten, 1 cm dicken Schicht des betreffenden Bodens sich erhebt. Die
Zinkkästchen werden hierbei passend mit Hülsen von dicker Pappe umkleidet und
in ein Holzkästchen gestellt, damit die Sonnenwärme nur von obenher auf den
Boden einwirkt.

Will man untersuchen, bis zu welcher Tiefe und in welchem Grade die an der
Oberfläche absorbierte Sonnenwärme in die Erde eindringt, so sind hierzu etwas größere
Mengen Boden und besonders entsprechend tiefere Gefäße erforderlich. Auch kann es
von Interesse sein, das Verhalten des Bodens gegen die Sonnenwärme zu beobachten, wenn
er sich in einem mehr oder weniger feuchten Zustande befindet, nämlich 5 oder 10
oder 20% Wasser enthält, außer der schon in dem lufttrocknen Boden enthaltenen Menge.

h) Ein anderes einfaches Verfahren besteht darin, daß man eine kleine Menge
des lufttrocknen Bodens, etwa 50 g, in einem Glaskölbchen dem heißen Sonnen-
lichte eine Zeit lang aussetzt und dann ermittelt, wie hoch die Temperatur des
Bodens steigt.

Gleichzeitig wird man hierbei auch den Gewichtsverlust bestimmen, welchen der
lufttrockne Boden in einer Menge von 50 g innerhalb einer gewissen Zeit, in %, 1,
2 usw. Stunden, erleidet, und wie rasch die verdunstete Feuchtigkeit an einem sonnenfreien
Orte und aus reiner mittelfeuchter Luft wieder aufgenommen wird.

15.	Bestimmung des Wärmeleitungsvermögeus des Bodens. Man kann das-
selbe teils unter dem Einfluß der direkten Sonnenstrahlen, teils in der Wreise er-
mitteln, daß man das oben erwähnte würfelförmige Zinkkästchen oder auch möglichst
kugelförmige, aus dünnem Glase bestehende Literkolben mit lufttrockner Erde
unter Aufstoßen auf eine weiche Unterlage anfüllt, .indem man gleichzeitig in den
Mittelpunkt des Gefäßes die Kugel eines Quecksilberthermometers bringt. Man stellt

’) Heinrich, Beurteilung der Ackerkrume, Wismar 1882, S. 222.

2) Wollny. Forschungen auf dem Gebiete der Agrikultur-Physik, 1886, 9, 273.
        <pb n="87" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

63

sodann das Gefäß in einen erwärmten Eaum und	’ Temperatur, z. B. 70

Ms der Boden im Mittelpunkt des Gefäßes eine bestimmte P

oder 80° angenommen hat.	„ , „a d;P angenommene Wärme mehr

Beohachtiingen liher die Fähigkeit des Bo &gt;	den unper 14. und 15. an-

oder weniger lange zurückzuhalten. lassen sic i cic i ermitteln, wieviel Zeit er-
gegebenen Versuchen verbinden. Man braucht nur zi	enthaltene und bis

forderlich ist, his sich der in den dort heschne tenei	ais0 der Boden in

auf 70 oder 80° erwärmte Boden an der Luft abgeKun ’ m£rebenden Luft zeigt
dem Mittelpunkte des Gefäßes gleiche Temperatur m

oder auch his auf genau 20 oder 25° erkaltet ist.	Wagner,1) sowie den

Es sei hier noch besonders auf die Arbeit von Fr. Wag ,
dort S. 7 erwähnten Apparat verwiesen.	_	, Die Festigkeit oder

16. Bestimmung der Kohäsion und Adhäsion es Zähigkeit und das Anhaften
Konsistenz des Bodens im trocknen Zustande, sowl	wichtige Eigenschaften,

des nassen Bodens an Holz und Eisen sind bekanntlich sehr wi^ ^^ ^ A(jker.
nach deren Gestaltung zunächst der Landwirt sc™, narten unterscheidet. Leider
Werkzeugen schwer und leicht zu hearhei en e)	„.„nau mit kleineren Mengen

können diese Eigenschaften his jetzt kaum ^nähernd genau

des Bodens ermittelt und in bestimmten a i en ■ ^	. iu{ttrocknen Zustande

a)	Um die Festigkeit und Konsistenz des	und formt mittels einer

zu bestimmen, knetet man den Boden mit &lt;'^1	^ cm Breite und Dicke

Schablone parallelepipedische Stücke von o cm '	^ Glasröhre Bodenzylinder,

oder nach Haherlandt2) mittels einer	oder Zylinder läßt man

deren Durchmesser im Lichten 2 cm beträgt,	Druck durch Auflegung von

an der Luft austrocknen und untersucht, bei	-p- durchschnitten werden.

Gewichten sie von einem stumpfen Messer o er eiser	einarmigen Wage kon-

Man bedient sich hierbei eines passend nac i

struierten Apparates.	daraus ein einigermaßen richtiges

Der Versuch muß sehr oft wiederholt werden, um	Bodens benutzt man auch,

Mittel zu finden. Dieselben oder ähnlich geformte btuc i	dem Austrockneu sein

um durch Messung zu ermitteln, in welchem Grade der Boden

Volum vermindert.	.	w Kohärenz des Bodens in feuchtem

h) Ein anderes Verfahren zur Bestimmung ‘ &lt;■	w(rd mit so viel Wasser

Zustande rührt von K. Heinrich8) her. er P 50°/n der höchsten Wasser-
gleichmäßig durchfeuchtet, daß derWasserge a g' arauf wird der Boden zwischen
kapazität des Laboratoriumsversuches betrag •	^ ,jer ^tte mit einem

2	Eisenbleche von 1 qdcm Größe gepreßt, deren ei	Bodenschicht soll 5 10 cm

Haken versehen ist. Die zwischen den Blechen 6 i	Messer scharf abgestrichen,

betragen. Der herausgequetschte Boden wir mi	^ befestigt an der unteren

Man hängt nun die obere Platte an einem a en	Mengen Sand einträgt, bis

ein kleines Körbchen, in welches man so lange m	Platte mit dem Körbchen

die Bodensäule zerreißt. Darauf wird die a igeri	der B;raft, welche nötig

und dem anhaftenden Boden gewogen. Ihr Gevuc i c	Querschnitt aufzuheben.

war, um den Zusammenhalt einer Bodenschich von	, t anzuwenden, bei

Dieses Verfahren ist natürlich nur bei “^.fT^oharenz des Bodens,
denen die Adhäsion an die Eisenplatte größer ist als	fl t

') Wollny, Forschungen auf dem Gebiete der '^^p^'physik 1878, 1, M8 ff-

2)	Wollny, Forschungen auf dem Gebiete^ d^r Ackerkrume in Beziehung auf

3)	R. Heinrich, Grundlagen zur Beurteilung uo
landwirtschaftliche Pflanzenproduktion. Wismar I
        <pb n="88" />
        ﻿64

Untersuchung von Boden.

c)	Um das Anhaften der feuchten Bodenarten an Holz und Eisen zu be-
stimmen, wird nach R. Heinrich (1. c.) die zu untersuchende Probe mit 50°/0
ihrer höchsten Wasserkapazität Wasser angefeuchtet und in ein größeres Gefäß
gebracht, in welchem man die Oberfläche des Bodens möglichst einehnet. Alsdann
wird eine Platte von Eisenblech oder Buchenholz von 1 qdcm Querschnitt fest auf-
gedrückt, so daß eine vollständige Berührung des Bodens mit dem Metall oder
Holz stattfindet. An dem in der Mitte der anderen Seite der Platte angebrachten
Haken ward ein Bindfaden befestigt, der über eine Rolle geleitet wird und an
welchen man ein Körbchen hängt. Letzteres wird so lange mit Sand belastet,
bis die Platte vom Boden abreifit. Die zur Überwindung der Adhäsion erforder-
liche Kraft entspricht dem Gewichte des Körbchens mit dem Teile des Bindfadens,
welcher bis zum Scheitelpunkte der Rolle reicht, abzüglich des Gewichtes der ab-
gerissenen Platte und dem anderen Ende des Bindfadens.

17. Bestimmung der Benetzungswärme des Bodens. Unter Benetzungs-
wärme eines Bodens oder „Bodenenergie“ versteht man diejenige Wärmemenge,
die der Boden hei seiner Benetzung mit Wasser entwickelt. Dieselbe ist von den
physikalischen Eigenschaften des Bodens, nämlich von der Größe und Form der Ober-
fläche desselben und von den spezifischen Adhäsionskonstanten der einzelnen Bestand-
teile abhängig. Das Maß für die Wärmemessungen ist die Kalorie. A. Mitscherlich1)
glaubt in der Benetzungswärme einen Maßstab für einen direkten Vergleich der Boden-
proben untereinander in bezug auf ihren physikalischen Wert gefunden zu haben.

Zur Bestimmung der Benetzungswärme bedient sich Mitscherlich des
Bunsenschen, von Schüller und Wartha sowie von ihm selbst verbesserten
hezw. abgeänderten Eiskalorimeters,2) dessen Anordnung aus Fig. 13 S. 66
ersichtlich ist.

Dasselbe besteht aus dem Probierglase C und dem zylindrisch-eiförmigen Glasgefäß B,
in welches oben das Probierglas eingeschmolzen ist, und welches unten in eine nach auf-
wärts umgebcgene Glasröhre endigt. Letztere ist an ihrem freien Ende erweitert und mit
einem doppelt durchbohrten Pfropfen versehen, durch dessen eine Durchbohrung ein Glas-
stab mit Griff bis in das Quecksilber reicht und in dessen andere Öffnung eine Kapillare
mit einer wagerecht liegenden. 40 cm langen Skala, die etwa 3 g Quecksilber faßt, ein-
gesetzt ist.3) Ursprünglich bediente sich Mitscherlich des von Schüller und Wartha
abgeänderten Biskalorimeters, bei welchem das kalibrierte Kapillarrohr durch ein ein-
faches Glasrohr ersetzt ist, welches in ein mit Quecksilber gefülltes Schälchen ausmündet.
Die bei der Benetzung des getrockneten Bodens entstehende Wärme bringt Eis zuffl
Schmelzen. Die durch das schmelzende Eis bewirkte Yolumenkontraktion wird in beiden
Fällen durch die eingesaugte Quecksilbermenge gemessen, welche in ersterem Falle durch
Ablesen an dem dem Volumen nach geeichten4) Kapillarrohre, in letzterem Falle durch Wägen
des Quecksilberschälchens vor und nach dem Versuch bestimmt werden; 1 kal. ist 0,01544 g
Quecksilber und wird für 1 g Boden ausgedrtickt. Der Glasstab hat den Zweck, den Queck-
silberfaden nach jedem Versuch, ohne an der Kapillare zu rühren, wieder auf den Nullpunkt

!) Jouru. f. Landw. 1898, 4(i, 256 und 1900, 48, 71; Landw. Jahrbücher 1901, 30,
361; 1902, 31, 577. Vergl. auch H. Rodewald, Zeitsclir. f. physikal. Chemie 1900, 33, 593.

2)	Das Eiskalorimeter wie auch die Apparate zu der nachfolgenden Bestimmung der
Hygroskopizität werden von der Firma Franz Hugershoff in Leipzig geliefert.

3)	Diese Einrichtung ist später (Landw. Jahrbücher 1902, 31, 577) von A. Mitscherlich
noch verbessert worden.

4)	Die Länge und Weite der dem Volumeninhalt nach geeichten Skala genügt für
fast alle kalorimetrischen Bodenuntersuchungen; nur bei strengen Moor-und Tonböden muß
das bequemere Ablesen des Queoksilberfadens durch das Wägen des QuecksilberschälohenS
ersetzt oder, wenn man dies vermeiden will, eine geringere Menge Boden zur Untersuchung
angewendet werden.
        <pb n="89" />
        ﻿Untersuchung der Mneralböden.

65

einzustellen und für den Fall, daß der Stempel ganz heruntergedrückt war, nach dem Ver-
legen von Quecksilber vor die Öffnung a solches wieder in das Kalorimeter einzusaugen.

Für die Ausführung des Verfahrens kommt das Trocknen der Probe und die
eigentliche Bestimmung der Benetzungswärme in Betracht.

a)	Das Trocknen des Bodens.1) Hierzu dient das in Fig. 14 S. 68 abgebildete
Glasgefäß und das S. 67 beschriebene Trocknungsverfahren. Besonders eingerichtete Gläschen
(Fig. 12) werden nach dem Wägen etwa 9 cm hoch mit Boden angefüllt, wieder gewogen und
daun in dem unten beschriebenen Vakuumexsikkator über konzentrierter Schwefelsäure bezw.
Phosphorpentoxyd getrocknet. Das Trocknen dauert 24—30 Tage; hierbei kann unter Um-
ständen eine Oxydation von Humus-
Substanzen stattfinden. Nach vollendetem
Trocknen wird der Deckel aufgesetzt, das
Gläschen selbst evakuiert und das Glasrohr
an der verdünnten Stelle abgeschmolzen.

Um Zeit und Eis im Kalorimeter zu
sparen, wird das geschlossene Gläschen
mit dem getrockneten Boden vorher etwa
1 Stunde in Wasser von 0° vorgekühlt,
ehe es in das Probierrohr (c) des Eis-
kalorimeters eingesenkt wird.

b)	Die Feststellung der Be-
netzungswärme. Es wird zunächst
destilliertes Wasser in einem Becherglase
ausgekocht,2) gleichzeitig bringt man
etwas Wasser in den ringförmigen Raum
des Zylinders D (Fig. 13, S. 66), welcher
ebenfalls im Sieden erhalten wird, um alle
Luft auszutreiben; alsdann taucht man das
Seitenrohr des Kalorimeters — nach vor-
heriger Entfernung des Stopfens mit dem
Glasstab und Kapillarrohr — in das Wasser
im Becherglase und entfernt die Flamme
unter dem Kalorimeter; das Wasser steigt
dann luftfrei in letzteres. Die etwa
zurückbleibende Dampfluftblase läßt man,
indem das Kalorimeter aufrecht gehalten
wird, in dem schmalen Schenkel auf-
steigen und füllt Quecksilber hinein,
wobei während des Abkühlens Sorge
getragen werden muß, daß das Seitenrohr
stets mit Quecksilber gefüllt bleibt;
schließlich läßt man durch Neigen des
Kalorimeters Wasser in das Seitenrohr
übertreten, das man durch Quecksilber
verdrängt, bis das Volumen des letzteren
mindestens Vio vom Volumen des Wassers beträgt.

Jetzt kommt es darauf an, um das Probierrohr C (Fig. 13, S. 66) herum in dem Zylinder-
gefäß eine Eisschicht zu erzeugen. Man setzt zu dem Zweck das Kalorimeter in Eis und
bringt, wenn es sich annähernd auf 0° abgekühlt hat, in das innere Probierrohr C eine Kälte-
mischung von Bis und Alkohol oder von Schnee und Chlorealoium, oder man bringt durch
das mit abgekochtem, destilliertem Wasser nahezu angefüllte Rohr C einen zu- und ab-

!) Landw. Jahrbücher 1902, 81, 577.

2)	Vergl. W. Ostwald und R. Luther, Hand- und Hülfsbuch zur Ausführung
physiko-chemischer Messungen. Leipzig 1902, 217.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	5

netznngswärme nacli A. Mitscherlich.
        <pb n="90" />
        ﻿66

Untersuchung von Boden.

fließenden Strom von tief abgekühltem Weingeist und wiederholt oder setzt diese Behand-
lungen so lange fort, bis das Probierrohr mit einem Mantel von Eis umgeben ist, der bis
nahe an die Wand des äußeren Zylindergefäßes reicht. Hierbei tritt ein großer Teil des
Quecksilbers wieder aus. Die Kältemischung wird darauf aus dem Probierrohre entfernt
und dieses zu etwa mit reinem Wasser gefüllt. Das so vorbereitete Kalorimeter
wird alsdann in ein mit Eismantel ausgekleidetes, mit destilliertem Wasser und reinem ge-
riebenen Eis gefülltes Glas- oder Porzellangefäß gestellt, welches der Größe des Kalori-
meters so angepaßt ist, daß es, in das Gefäß bis nahe zum oberen Ende des inneren Eohres
versenkt, oben mit einem entsprechenden Deckel bedeckt werden kann. Dieses Gefäß wird
wiederum in ein noch größeres Gefäß gestellt, welches vollständig mit Bis angefüllt wird;
das während des Versuches aus letzterem sich bildende überschüssige Wasser kann durch
einen unten am Außengefäß sich befindenden Hahn abgelassen werden.

Fig. 13.

Eiskalorimeter zur Bestimmung der Beuetzungswärme nach A. Mitscherlich.

Darauf wird das mit getrocknetem Boden beschickte evakuierte und verschlossene
Gläschen (Fig. 12, S. 65) in das Probierrohr C gesenkt, letzteres durch einen mit Hebelvorrichtung
versehenen Pfropfen geschlossen, das mit Quecksilber gefüllte Seitenrohr des Kalorimeters
ebenfalls geschlossen, in der geeichten Kapillare mittels des Glasstabes das Quecksilber
auf 0 eingestellt und dann so lange stehen gelassen, bis 'Temperaturausgleioh stattgefunden hat.

Alsdann wird der Gang des Kalorimeters, d, h. die von ihm in der Zeiteinheit
(einer Stunde) eingesaugte Quecksilbermenge festgestellt, was zweckmäßig während der
Nachtzeit geschieht. Der Nachtgang hält sich einige Tage nach dem Anfrieren sehr be-
ständig. Ist der Gang zu hoch, so kann man ihn durch Eingießen einer schwachen Salz-
lösung oder dergleichen in das Eisgefäß leicht herabdrücken; so bewirkt z. B. 1 ccm
96°/0igen Alkohols auf 15 1 Eiswasser einen Gangunterschied von—0,1800 g Quecksilber.
Wenn das Röhrchen mit dem Boden vorher 1 Stunde in Wasser von 0° vorgekühlt war,
so kann man schon eine Stunde nach dem Einlassen beginnen, die Beobachtung selbst nach
einer Stunde abschließen und braucht während der Bestimmungen den Gang des Kalori-
meters nicht zu kontrollieren.

Nach diesen Vorbereitungen beginnt der eigentliche Versuch. Die ausgezogene und mit
einem Glasmesser leicht eingeschuittene Spitze des Deckels wird mittels der Hebelvorrichtung
        <pb n="91" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

67

abgebrochen. Das Wasser dringt in das evakuierte Gläschen und die infolge der Benetzung
auftretende Wärme bringt Eis zum Schmelzen; hierdurch wird weiter das Volumen verringert
und dementsprechend Quecksilber eingesaugt. Wenn, wie vorstehend angegeben, gearbeitet
wird, kann nach einer Stunde die Beobachtung abgebrochen, die Menge eingesaugten Queck-
silbers entweder durch Ablesen an der geeichten Kapillare oder durch Zurüokwägen des Queck-
silberschälchens festgestellt werden; 0,01544 g eingesaugtes Quecksilber sind, wie schon oben
gesagt, gleich 1 kal. (g-kal.). Hiervon ist jedoch noch die Arbeit in Abzug zu bringen,
welche durch den Luftdruck beim Binströmen des Wassers in das evakuierte Gläschen

. .	(76 — x). 13,6. v. 0,01544

geleistet wird. Die hierauf bezügliche Korrektion beträgt ----------42 400---------' worm x

gleich dem in cm Quecksilber ausgedrückten, in dem evakuierten Gläschen herrschenden
Drucke und v gleich dem in dem Gläschen unausgefüllten Volumen (in ccm) ist. x wird durch
ein Queoksilbermanometer, welches an der zum Evakuieren benutzten Glocke angebracht
ist, v durch Wägen der bei der Benetzung einströmenden Wassermenge bestimmt. Eür
die meisten Bälle ist eine mittlere Korrektion = 0,00035 g Quecksilber für 1 ccm für die
Genauigkeit der Ergebnisse ausreichend.

Aus zahlreichen Untersuchungen gibt Mitscherlich folgende Übersichtsergebnisso
für die Benetzungswärme (g-kalorien für 1 g Boden):

Humusreiche

Sand

Sandboden

Lehmiger

Sandboden

Lehmboden
u, humoser
Sandboden

Ertragreiche Boden und ” ^ s
t/.	. ...	, m Humus- und

Kulturboden strenge Ten-	,

,Tonboden
boden

unter 0,5	0,5—1,0	1,0—1,3	1,3—1,8	1,8—4,5	4,5—10 über 10 kal.

Die Größe der Benetzungswärme bezw. Bodenoberfläche steht hiernach ohne Zweifel
in einem gewissen Verhältnis zur Ertragsfähigkeit des Bodens; aber diese Beziehungen hören
von einer gewissen untersten bis zu einer gewissen obersten Grenze auf; so kann die Beuetzuugs-
wärme des strengen Ton- und Humusbodens nicht mehr als günstig angesehen werden.

18.	Bestimmung der Hygroskopizität der Bodenarten usw. nach H. Eode-
wald und A. Mitscherlich.1) Zu denselben Ergebnissen wie das vorstehende Ver-
fahren führt auch die Bestimmung der Hygroskopizität des Bodens.

Unter „Hygroskopizität“ versteht man die Wassermenge, welche der
Boden enthält, wenn seine Oberfläche (d. i. die Summe der Oberfläche der einzelnen
Bodenpartikelchen) mit einer Molekülschicht Wrasser bedeckt ist, bezogen auf hundert
Gewichtsteile des trocknen Bodens. Die Hygroskopizität ist also eine der Boden-
oherfläche proportionale Größe. Die Bodenoherfläche selbst ist aber eine für den
einzelnen Boden typische und gleichhleihende Größe, durch welche alle landwirt-
schaftlich wichtigen physikalischen Eigenschaften des Bodens mitbedingt werden.

Zur Bestimmung der Hygroskopizität sind zwei Glasgefäße nach Art der
Exsikkatoren erforderlich, welche zweckmäßig so, wie Eig. 14 und 15 S. 68 zeigen,
beschaffen sein sollen.

Figur 14, S. 68. a ist ein gut gekühltes, annähernd halbkugelförmiges Glasgefäß, dessen
oberer Rand plan geschliffen ist; b ist ein gewölbter, am Rande plan geschliffener Messing-
deckel, an welchem sich eine Tube (c) befindet, durch welche die Luft aus dem Apparat
ausgepumpt werden kann. Um den Apparat zu verschließen, ist an der Tube ein dick-
wandiger Schlauch (d) aus Gummi von „bester Dampfqualität“ mit Fett aufgesetzt, welcher
nach dem Auspumpen der Luft aus dem Gefäße mit einem Glasstopfen verschlossen wird.
Die Dichtung zwischen Deckel und Gefäß geschieht derart, daß beide Teile an den abge-
sohliffenen Rändern schwach eingefettet werden und dann dazwischen ein etwa 0,8 mm
starker und etwa 1 cm breiter Ring aus Paragummi (Pig. 14 e) gelegt wird. Dies ist
erforderlich, da der Vakuumexsikkator in strömenden Dampf gebracht werden soll, ohne
daß dabei das Vakuum verloren geht. Der Boden des Gefäßes wird mit chemisch reinem

i)	Von den Verfassern selbst mitgeteilt; vergl. auch Landw. Jahrbücher 1902, 31,
675 und Landw. Versuchs-Stationen 1904, 59, 433.
        <pb n="92" />
        ﻿68

Untersuchung: von Boden.

Plg. 14.

Gefäß zum Trocknen des Bodens für die Bestimmung der
Hygroskopizität nach Eodewald und Mitscherlich.

Phosphorpeutoxyd (zu beziehen von E. Merk-Darmstadt) (f) beschickt. Hier hinein kommt
ein Glasdreifuß (g) und auf diesen zunächst eine runde Glasscheibe (k) von dem Durch-
messer des darüber befindlichen Glasschälchens (h), in welchem sich der zu trocknende Boden (i)
befindet. Die Glasscheibe dient dazu, etwaige Stäubchen von Phosphorsäure von dem
Schälchen (hi fernzuhalten. Das Schälchen selbst ist oben am Bande eben geschliffen, so daß
es durch eine eben geschliffene Glasscheibe bei den Wägungen luftdicht abgedeckt werden kann.

Figur 15. aisteinzylm-
d	drisches Kandgefäß, welches

mit einer einmal durchbohrten,
unten mattgeschliffenen Spiegel-
scheibe (b) versehen ist. Über
der Durchbohrung ist ein Glas-
tubus (c) aufgeschliffen und mit
Siegellack aufgekittet. Der
Tubus läßt sich durch einen
daran befindlichen Luftpumpen-
schlauch (d) mittels Quetsch-
hahnesverschließen. Der Exsik-
kator wird mit etwa 100 ccm
Schwefelsäure (f) von 10,0 °/0
H2S04-Gehalt beschickt. In
diesen kommt ein Glasdreifuß
(g), an dessen einem Fuße das
Manometer (e) mit Draht be-
festigt ist. Auf diesen Dreifuß
stellt man wiederum die flache
Glasschale h mit dem zu unter-
suchenden Boden i.

Das Trocknungs ver-
fahr en ist folgendes: Es wird
zunächst die flache Glas-
schale (h) mit dem plan-
geschliffenen Deckel gewogen.
Darauf beschickt man sie
mit etwa 30—50 g luft-
trocknem oder besser noch
trocknerem Boden (beimMoor-
hoden genügen 10—20 g)-
Man stellt die Schale mit
dem Boden in den mit
frischem Phosphorpentoxyd
versehenen Exsikkator (Fig-
14), evakuiert diesen mit der

Wasserstrahlluftpumpe und stellt oder hängt ihn vier Stunden in strömenden W’asser-
dampf (100°). Ein Kochtopf aus Blech mit annähernd schließendem Deckel eignet
sich zur Dampfentwickelung. Der Apparat wird dann aus dem Dampftopf heraus-
genommen, ahgetrocknet und ins Wägezimmer gestellt, wo er wenigstens 2 Stunden
verbleiben muß, damit die Schale mit dem Boden die Temperatur der Wage an-
nimmt. Darauf läßt man, nachdem man sich zuvor von dem Vorhandensein des
Vakuums durch Vorlegen eines Manometers überzeugt hat, langsam durch Schwefel-
säurewaschflaschen getrocknete Luft eintreten. Ist der Apparat mit Luft gefüllt,
so öffnet man ihn dadurch, daß man den Paragummiring zwischen Gefäß und Deckel
herauszieht. Darauf bedeckt man die den Boden enthaltende Schale möglichst schnell

Fig. 15.

Gefäß zum Wiedersättigen des getrockneten Bodens mit Wasser
für die Bestimmung der Hygroskopizität nach Rodewald und
Mitscherlich.
        <pb n="93" />
        ﻿Untersuchung der Miueralböden.

69

mit einem eben geschliffenen Glasdeckel, nimmt Schale und Deckel mittels einer
Zange aus dem Exsikkator und bestimmt durch Wägung die zur Untersuchung
herangezogene Menge an trocknem Boden. Schale mit Boden wird dann in den
Apparat (Big. 15) gestellt, und zwar über eine Schwefelsäure, welche ungefähr 10 °/0
H2S04 enthält. Macht man mehrere Versuche hintereinander, so nimmt man zweck-
mäßig die zum vorhergehenden Versuch benutzte Säure. Der Apparat wird evakuiert.
Nach etwa einem Tage ist langsam Luft einzulassen und dann die Schwefelsäure
durch 100 ccm einer Säure zu ersetzen, die genau 10°/0 H^SO^1) enthält; darauf
ist der Apparat von neuem zu evakuieren. Derselbe muß noch vier Tage stehen,
bis sich der Dampfspannungsausgleich vollzogen hat. Man stellt den evakuierten
Apparat (Fig. 15) am besten in einen dunklen Schrank im ungeheizten Zimmer auf,
um so Kondensationsfehler, welche durch starke Temperaturschwankungen entstehen
können, zu vermeiden. Nachdem die Dampfspannung ausgeglichen ist, läßt man
wiederum langsam Luft in den Apparat, und zwar am besten solche, welche vorher
durch zwei mit ungefähr zehnprozentiger Schwefelsäure beschickte Waschflaschen
hindurchgegangen war. Nach Öffnung des Apparates bedeckt man die Schale
möglichst schnell mit, ihrem Deckel und stellt dann das Gewicht von Schale + dem
Boden + dem aufgenommenen Wasser fest.

Es werden so im ganzen drei Wägungen für eine Analyse ausgeführt und zwar;

1.	Tara (= flache Glasschale mit auf geschliffenem Deckel).

2.	Tara + trockner Boden.

3.	Tara -\- trockner Boden + hygroskopisches Wasser.

Wägung 8 — 2 ergibt die aufgenommene Wassermenge. Diese wird mit 100
multipliziert und durch das Gewicht des trocknen Bodens (Wägung 2 — 1) dividiert.
Das Ergebnis ist die „Hygroskopizität“ des betreffenden Bodens.

Nach der Hygroskopizität lassen sich die Bodenarten in derselben Weise be-
urteilen, wie nach der Benetzungswärme; zwischen beiden Größen besteht die Be-
ziehung:

-n-+-1 =1.00 ±0,026,2)
wH

worin r0 die höchste Benetzungswärme, i die Arbeit, die zum Aufheben der Kohäsion
beim Benetzen erforderlich ist, und wh die Hygroskopizität bedeutet.

' Die Hygroskopizität einiger Bodenarten betrug z. B.:

Qarzsand	Kohlen-  saurer	Sand-  boden	Sand-  Lehm-	Milder  Lehm-	Wiesen-  boden	Kaolin	Strenger  Lehm-	Moor-  boden	Strenger  Ton-
	Kalk	(Krume)	boden	boden	I. Kl.		boden		boden
0,034	1,00	1,06	1,4-2,1	3,00	3,19	5,40	6,64	18,66	23,81

Anbauversuche8) auf verschiedenen Bodenarten ergaben, daß die Erträge im
Verhältnis zur gefundenen Hygroskopizität standen, d. h. im allgemeinen mit dieser
stiegen und fielen. Indes scheint auch hier wie bei der Benetzungswärme eine direkte
Proportionalität zwischen den beiden Größen nicht zu bestehen.

J) Bei Anwendung von nur Wasser würden Kondensationen eintreten; man muß
daher eine Lösung nehmen, deren Dampfspannung um etwas geringer ist als die des
Wassers. Die mit 10%-iger Schwefelsäure bestimmte Hygroskopizität liefert überein-
stimmende Werte für die Hygroskopizität, welche sich aus den Benetzungsgleichungen
berechnen.

a'l Vergl. Landw. Jahrbücher 1901, 30, 402.

3)	Ebenda 1903, 32, 773.
        <pb n="94" />
        ﻿70

Untersuchung von Boden.

V.	Zusammenstellung der Ergebnisse der Boden-Untersuchung.

Die Berechmmgsweise der Untersuchungs-Ergebnisse ist vorstehend S. 31, 33 u.
34 schon hinreichend auseinandergesetzt; ebenso ist S. 18 die Übersicht mitgeteilt,
wie Knop nach seinem Verfahren der Boden-Untersuchung die Ergebnisse zu-
sammenstellt.

Es erübrigt hier, zur Erläuterung die Zusammenstellung einer ausführlichen
Boden-Untersuchung nach Behandlung mit verschiedenen Säuren zu geben, wie wir
sie z. B. für einen sandigen Lehmboden ausgeführt haben.

Oberkrume			Untergrund
I. Mechanische Untersuchung:')	°/o		0/  Io
Mineralkörner über 0,10 mm		2,45		5,75
„	von 0,00—0,10 mm		28,35		26,63
„	„ 0,01-0,05 „			36,32		37,30
Mineralfeinerde bis zu 0,01 mm		32,88		30,32
II. Chemische Zusammensetzung:			
Hygroskopisches Wasser		2,19		1,74
Auf wasserfreien Boden berechnet:			
Chemisch gebundenes Wasser		2,421		1,765
Humus • ■ - 			1,945		0,319
Stickstoff		0,196		—
Ammoniak			0,0094		—
Salpetersäure 		0,0038		—
Chlor		0,0072		0,0045
GesamUGlühverlust		4,366	
A. In Salzsäure lösliche Bestandteile:			
Kieselsäure		0,210		0,130
Phosphorsäure		0,134		0.041
Schwefelsäure		0,051		0.027
Eisenoxydul		0,199		0,094
Eisenoxyd		2,975		2,696
Tonerde		0,954		0,897
Kalk	0,574		0,792	
oder kohlensaures Calcium		1,025		1,413
Magnesia	0,207		0,187	
oder kohlensaures Magnesium		0,434		0,393
Kali		0,123		0,098
Natron		0,051		0,038
Gesamtmenge		6,156	
B. Durch Schwefelsäure aufgeschlossen:			
Kieselsäure				10,856		9,444
Tonerde (-f- Eisenoxyd)		4,855		4,654
Kalk		0.214		0,201
Magnesia		0,220		0,221
Kali		0,377		0,457
Natron		0,262		0,671
Gesamtmenge (als Ton)		16,784	

0 Nach dem Schöneschen Verfahren ausgeführt.
        <pb n="95" />
        ﻿71

Untersuchung der Mineralböden.

Oberkrume

C. Durch Plußaäure aufgeschlossen:	°/0

Tonerde........................................ 1,666

Kalk............................................0,097

Kali........................................... 0,416

Natron..........................................0,282

Daraus berechnet sich;

Kalifeldspat................................

Natronfeldspat..............................

Quarzsand...................................

Gesamtmenge

III.	Wasserkapazität..............................31,36

IV.	Absorptions-Koeffizient nach Knop............45,02

Untergrund

°/o

0,829

0,179

0,439

0,349

2,457	2,599

2,385	2,962

67,862	71,090

100,000	1ÖÖ.00Ö

26,97

43,05

VI.	Anhaltspunkte für die Beurteilung der Güte eines Bodens
nach den Ergebnissen der Untersuchung.

Für die Beurteilung der Güte eines Bodens kann nie der eine oder andere Bestand-
teil, das eine oder andere Verhalten allein maßgebend sein; weder der Gehalt an Nähr-
stoffen in der günstigsten Löslichkeitsform, noch einzelne günstige physikalische Eigen-
schaften bedingen die Güte eines Bodens; es kommen für den Boden als Nährstoffquelle der
Pflanzenwurzeln eine Anzahl von Umständen in Betracht, welche uns noch vielfach ganz
unbekannt sind, oder für deren günstigste und ungünstigste Grenze wir noch keine festen
Anhaltspunkte besitzen. Auch kann das eine günstige- Verhalten durch ein anderes un-
günstiges herabgemindert werden. Dann auch entscheiden die chemischen und physikalischen
Eigenschaften der oberen Bodennährschioht an sich selbst allein nicht; es sind auch in hervor-
ragender Weise die Untergrundverhältnisse, besonders die Grundwasserverhältnisse mit zu
berücksichtigen. Ein Boden, dessen obere Schicht sich in chemischer und physikalischer
Hinsicht sehr günstig verhält, kann doch vielleicht für landwirtschaftliche Anbauzwecke
nicht den Erwartungen entsprechen, weil z. B. die Grundwasserverhältnisse ungünstig sind,
weil er an stauender Nässe leidet usw.

Inwieweit einige besondere Bestandteile einen an sich guten Boden unfruchtbar
machen können, ist schon vorstehend auseinandergesetzt; so wird ein Boden bei einem
höheren Gehalt an Chloriden, z. B. bei 0,1—0,25 °/0 Kochsalz, bei einem gewissen Gehalt
an Schwefel eisen, Eisen-und Zinkvitriol unfruchtbar; auch leicht lösliche Magnesium-
salze sind, ja selbst Magnesiumkarbonat in großer Menge ist schädlich, wenn dessen Menge
diejenige des gleichzeitig vorhandenen Calciumkarbonats überwiegt, während bei größerem
Gehalt des Bodens an letzterem auch der Gehalt an ersterem bedeutend gesteigert werden kann.

Die meist große Unfruchtbarkeit der Serpentinböden muß wohl auch auf den
schädlichen Einfluß der leicht zersetzbaren und wasserhaltigen Silikate des Magnesiums
zurückgeführt werden, besonders wenn der Boden sehr arm an Kalk ist und so ein für die
gedeihliche Entwickelung der Pflanze ungünstiges Verhältnis zwischen Kalk und Magnesia
im Boden entsteht. 0. Loew’) hat nämlich gefunden, daß die einzelnen Pflanzen Kalk
und Magnesia in einem verschiedenen Verhältnis zur vollsten Entwickelung notwendig
haben, nämlich CaO; MgO wie 3:1, 2:1, 1:1 usw. Niemals aber soll der Gehalt an

Magnesia höher sein als der an Kalk, oder der Kalkfaktor, d. h, -—je, soll niemals unter

’	MgO ’

eine gewisse Grenze (1) heruntergehen. Versuche an der Versuchs-Station Marburg2) u. a.
aber haben in Wasserkulturen auch noch bei einem Verhältnis von CaO ; MgO wie 0,4 :1,0
ein höchstes Erntegewicht ergeben und auch bei Böden konnten die Ergebnisse von 0. Loew
nicht bestätigt werden, sondern wurde gefunden, daß zur Erzielung höchster Erträge Kalk
und Magnesia nur in genügend absoluter Menge vorhanden sein müssen; es bedarf daher
die Ansicht 0. Loews noch einer weiteren Prüfung.

x) Landw. Versuchs-Stationen 1892, 41, 474 u. Landw. Jahrbücher 1902, 31, 661.

a) Vergl, Fr. Gössel, Chem.-Ztg. 1903, 27, 962.
        <pb n="96" />
        ﻿72

Untersuchung von Boden.

Manchmal finden sich Böden, welche bei großer Feinheit des Korns, beträchtlicher
Tiefe und anscheinend günstiger physikalischer Beschaffenheit dennoch trotz kräftiger
Düngung nur sehr geringe Ernteerträge liefern. Das ist z. B. der Fall bei einem Boden,
welcher fast ausschließlich aus feinem Quarzsand und feinpulverigem Humus unter
reichlich beigemengten kleinen Muschelschalen oder kohlensaurem Calcium besteht. Ein
ähnliches Verhalten der Unfruchtbarkeit zeigt sich bei dem sogenannten Moorkalk, einer
überaus lockeren und feinkörnigen Masse, welche fast ausschließlich aus kohlensaurem
Calcium oder aus einem Gemenge desselben mit feinem Qnarzsande gebildet ist.

Solche und andere Verhältnisse sind daher in erster Linie mit zu berücksichtigen,
um in der Beurteilung der Güte eines Bodens nicht fehl zu gehen. Geschieht dieses und
wird ein Boden, wie vorstehend beschrieben ist, nach den verschiedensten Richtungen ge-
prüft, wird derselbe also nicht allein auf die chemische Zusammensetzung, sondern auch auf
die mechanische Beschaffenheit und die wichtigsten physikalischen Eigenschaften untersucht,
so kann die Untersuchung des Bodens, so lückenhaft sie auch noch in mancher Hinsicht sein
mag, doch vielfach recht wichtige Anhaltspunkte einerseits für die Bonitierung, anderer-
seits für die größere oder geringere Fruchtbarkeit bezw. für die anzuwendende
Düngung und Bearbeitung geben.

Hier muß besonders auf die wertvollen Untersuchungen von G. Thoms ') hingewieseu
werden, welche erkennen lassen, daß nicht die Menge der leicht löslichen Nährstoffe ent-
scheidend ist, daß vielmehr ausgesprochene Beziehungen zwischen der Krumentiefe und dem
Gesamt-Gehalte der Ackererde an den unentbehrlichsten Pfianzennährstoffen Stickstoff,
Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia zu der Fruchtbarkeit des Bodens vorhanden sind.

Eine vollständige Boden-Dntersuchung nach den verschiedensten Richtungen ist aber
eine außerordentlich langwierige Arbeit; es ist daher von jeher dahin gestrebt worden, durch
einige wenige wesentliche' Bestimmungen rasch Aufschluß über die Güte eines
Bodens zu erhalten; es mögen hier diejenigen Bestimmungen und Eigenschaften, welche
für die Beurteilung eines Bodens bis jetzt als besonders wichtig und entscheidend angesehen
werden, noch Erwähnung finden.

Zu den wichtigsten Eigenschaften dieser Art werden gerechnet:

1. Das Verhalten des Bodens gegen Ammoniak bezw. das Absorptionsvermögen für
Ammoniak nach dem Verfahren von Knop, S. 49. Es wird Ammoniak gewählt, weil
die Absorption desselben vorzugsweise rasch und leicht ermittelt werden kann; auch ver-
hält sich die Absorption des Kalis im wesentlichen der des Ammoniaks gleich.

Die Absorptions-Koeffizienten Knops schwanken von 0—134. Die Höhe der Ab-
sorption richtet sich in erster Linie nach dem Gehalt des Bodens an wasserhaltigen Sili-
katen (zeolithartigen Verbindungen und feinem, leicht aufschließbarem Ton); sie ist aber
eine besonders große, wenn gleichzeitig Sesquioxydhydrate vorhanden sind, während letztere
für sich allein nur wenig adsorbieren. Diese beiden Gruppen lassen sich nicht einzeln
bestimmen, aber über die Summe beider erhält man Kenntnis durch die Bestimmung der
aufgeschlossenen Basen, zum Teil auch durch die Bestimmung des chemisch gebundenen
Wassers. Karbonate der alkalischen Erden und Gips adsorbieren kein Ammoniak, auch
nicht die wasserfreien Silikate oder Silikatgesteine, wenn diese ganz unverwittert und von
dichtem Korn sind, wohl aber bei erdartig weicher und poröser Beschaffenheit und als-
dann wiederum die „basischen“ (pyroxenischen, wie Basalt und Basalttuff) mehr als die
„sauren“ Silikatgesteine (trachytischen, wie die Feldspate usw.). Es ist daher auch auf
das Verhältnis der Kieselsäure zu den Sesquioxyden und Monoxyden in der Gesamtmenge
der Silikate zu achten. Im allgemeinen wird um so mehr Ammoniak adsorbiert, je mehr
der Boden im verwitterten Zustande sich befindet, und für den Grad seiner Verwitterung
hat man in der Menge der aufgeschlossenen Basen einen relativen Maßstab. Beides aber
ist auch für die Beurteilung der Güte und Fruchtbarkeit des Bodens von großem Wert.

Es gibt von dieser Regel jedoch auch Ausnahmen; so beträgt z. B. bei Lößmergeln
in Sachsen die Adsorption nur 25 bei einem Gehalt von nur 8,06 % aufgeschlossenen Basen

i) G. Thoms, Zur Wertschätzung der Ackererde. Mitt. I, Riga 1888; Mitt. II,
Dorpat 1892; Mitt. III, Riga 1900. Journal f. Landwirtschaft 1894, 42, 1.
        <pb n="97" />
        ﻿Untersuchung der Mineralböden.

73

und 9,71 °/0 Silikatbasen, und doch gehören diese Böden zu den fruchtbarsten, weil sie
eine gleichförmig lockere, dabei eigentümlich feine Beschaffenheit, sowie in der natürlichen
Lage eine große Tiefe besitzen.

2.	Der Gehalt des Bodens an Humus und dessen Beschaffenheit. Der Humus
bedingt die günstigsten Eigenschaften der Wasser- und Wärmeregelung des Bodens und
ist ferner eine anhaltende Quelle für die Stickstoffernährung der Pflanzen; gute Kultur-
boden enthalten 3—5°/o Humus; je enger im allgemeinen das Verhältnis von organisch
gebundenem Stickstoff zum Kohlenstoff ist, um so günstiger verhält sich die Fruchtbarkeit
des Bodens; eine saure Beschaffenheit des Humus ist unter allen Umständen ungünstig für
die Kultur eines Bodens. Vergl. S. 35.

3.	Der Gehalt an kohlensauren Erden. Die kohlensauren Salze von Kalk und
Magnesia üben eine günstige Wirkung auf die physikalische Beschaffenheit des Bodens
und auf die Zersetzungsvorgänge in demselben aus. Wenn Boden an Salzsäure nur

—0,2 °/0 Kalk und an kohlensäurehaltiges Wasser nur sehr wenig Kalk abgeben, so
kann man daraus schließen, daß eine Zufuhr von Kalk oder Mergel eine günstige Wirkung
ausüben wird. (Über das günstigste Verhältnis von Kalk: Magnesia vergl. vorstehend S. 71.)

Nach Knop kann man Tonböden mit einem Gehalt von 16—20°/0 an Sesquioxyden,
2—3°/0 an Monoxyden, 3—5°/0 an kohlensaurem Calcium, 0,5—1,5°/0 an kohlensaurem
Magnesium, 8—20 % an aufgeschlossenen Silikatbasen und mit einer Absorption von 60
bis 100 an Ammoniak unter allen Umständen als Böden erster Klasse und, wenn sie
noch 3—5°/0 Humus enthalten, auch als Kulturboden erster Klasse bezeichnen.

4.	Der Gehalt an Stickstoff, Phosphorsäure und Kali. Gerade bei diesen
drei wichtigsten Pflanzennährstoffen gibt uns bis jetzt die chemische Untersuchung noch
am wenigsten Aufschluß darüber, wieviel davon in einer für die Pflanzen leicht auf-
nehmbaren Form vorhanden ist. Nur für das Kali besitzen wir in der allmählichen Be-
handlung des Bodens mit kohlensäurehaltigem Wasser, mit kalter und heißer Salzsäure
ein Mittel, uns einigermaßen über den Grad der Löslichkeit des Kalis Rechenschaft zu
geben. E. Wolff fand bei Untersuchung verschiedener Böden, daß durch kalte konzen-
trierte Salzsäure 0,0148—0,1489°/0 Kali oder 0,8—9,6% des Gesamt-Kalis, durch heiße
konzentrierte Salzsäure 0,0490—0,787% oder 2,6—32,3% vom Gesamt-Kali gelöst wurden.
Nach E. Wolff ist für die Beurteilung der Löslichkeit des Kalis vorwiegend das Verhältnis
von Kali zu der gleichzeitig in Lösung gegangenen Tonerde von Belang; denn die
tonige Substanz ist gleichsam der Träger und das Bindemittel für das Kali, und dieses
wird um so leichter für die Pflanzen zugänglich, je mehr der Ton mit Kali beladen
ist. Je enger also das Verhältnis vom Kali zu der in der gleichen Lösung enthaltenen
Tonerde sich gestaltet, um so günstiger verhält sich die Löslichkeit des Kalis. Im all-
gemeinen schwankt das Verhältnis von Kali zur Tonerde in den Lösungen mit heißer
Salzsäure und Schwefelsäure wie 1:3 bis über 1:20 und beträgt im Mittel 1; 10.

E. W. Hilgard1) glaubt, daß man in der Bestimmung des Stickstoffgehaltes des
Bodenhumus (Matiere noire Grandeaus — vergl. S. 77) ein Mittel besitzt, um das Stick-
stoffbedürfnis eines Bodens zu bestimmen; darnach wird sich bei 2% Humusstickstoff stets
Stickstoffhunger im Boden zeigen, mag auch der Gesamtstiokstoff des Bodens außergewöhnlich
hoch sein. Ein Gehalt von 3 % Humusstickstoff schließt bei genügendem Kalkgehalt schon
Stickstoffhunger aus und bei 6% lohnt sich die Stiokstoffdüngung überhaupt nicht mehr.
Ad. Mayer hält Böden, welche unter 0,07% in Säuren lösliche Phosphorsäure, unter
0,2 % Kali, 0,1 % Kalk und unter 0,1 % Stickstoff enthalten, nicht mehr für den Rübenbau
geeignet. Dann haben B. Risler und E. Colomb-Pradel2) auf Grund zahlreicher Boden-
Untersuchungen noch bestimmtere Regeln für die Beurteilung des Düngebedtirfnisses
eines Bodens je nach seinem Gehalt an Stickstoff, Phosphorsäure und Kali
aufgestellt. Sie fordern, daß ein Boden — nicht die Peinerde, sondern der natürliche
Boden — mindestens je 1 für 1000 oder je 0,1% Stickstoff, Phosphorsäure

J) Deutsche Landw. Presse 1895, 490.

2)	Vergl. Em. v. Proskowetz, Inwieweit vermag die chemische Bodenuntersuchung

zur Bestimmung des Düugebedürfnisses des Bodens beizutragen? Wien 1888.
        <pb n="98" />
        ﻿74

Untersuchung von Boden.

und Kali — letztere löslich in Salpetersäure — enthalten soll. Enthält ein Boden
nur 0,1 °/o Stickstoff, sosoll man für eine Weizenernte etwa %—1/2 des in einer
starken Weizenernte enthaltenen Stickstoffs, also ungefähr 31—46 kg für 1 ha durch
Düngung zufügen; enthält der Boden weniger als 0,1 °/0 Stickstoff, so muß die Stick-
stoffgabe entsprechend auf 46 — 92 kg für 1 ha erhöht werden, während bei einem Gehalt
von weniger als 0,05 % Vorrats-Stickstoff eine Stickstoffdüngung keine lohnenden Weizen-
ernten mehr liefert und der Boden für forstliche Anbauzwecke verwendet werden soll.
Bei einem Gehalt von 0,1 °/0 Phosphorsäure empfiehlt Joulie etwa 37 kg Phosphor-
säure für 1 ha zuzuführen, hei einem Gehalt von 0,125 % nur 28 kg, bei einem
solchen von 0,05 % dagegen 66 kg. Enthält ein Boden 0,1 % in Salpetersäure lösliches
Kali, so genügen meistens die im Stallmist oder sonstwie zugeführten Kalimengen,
nämlich 50—60 kg für Weizen oder 70—80 kg für andere Früchte; weist der Boden dagegen
einen geringeren Bestand als 0,1 % in Salpetersäure lösliches Kali auf, so sollen auch noch
Kalisalze zugeführt werden.

Nach Liebscher1) deutet ein Kaligehalt von 0,16 °/0 oder weniger auf ein starkes
Kalibedürfnis des Bodens, ein Kaligehalt von 0,2—0,4 oder vielleicht bis 0,5 °/0 auf ein
mittleres Kalibedürfnis hin; ein Kaligehalt von 0,5 °/0 ist als hoch zu betrachten und läßt
eine Kalidüngung nicht als lohnend erscheinen. Bei der Phosphorsäure kommt es
mehr auf die Löslichkeit als auf den absoluten Gehalt im Boden an. Ein Gehalt von
0,07 °/0 oder weniger ist als gering zu bezeichnen, 0,07—0,086°/0 als mittelmäßig;
0,085—0,100 °/0 Phosphorsäure kann als befriedigend und 0,1—0,2 % als gut bezeichnet
werden. Die Löslichkeit der Phosphorsäure würde als sehr günstig zu bezeichnen sein,
wenn auf 1 Teil Phosphorsäure weniger als 40 Teile Eisenoxyd und Tonerde kommen, als
günstig bei einem Verhältnis von 1:40—60 und als wenig günstig bei einem solchen von
1: 60—90 und als sehr ungünstig bei einem solchen von 1 zu über 90.

Die Versuchsergebnisse von 0. Lemmermann* 2) gehen dahin, daß in einem Boden,
welcher 0,2351 % und weniger in 10 °/0- bezw. 16 %-iger Salzsäure lösliches Kali enthält, für
Roggen und Weizen eine Kalidüngung angebracht ist, daß für Hafer eine solche hei
0,2424 % Kali und mehr nicht am Platze ist.

B.	Dyer3) geht von der Azidität des Wurzelsaftes aus; derselbe hat die
Azidität der Wurzeln von etwa 100 aus 20 verschiedenen Klassen des natürlichen Systems
ausgewählten Pflanzen bestimmt und glaubt hierfür in der 1 °/0-igen Z i t r o n e n s ä u r e einen Aus-
druck gefunden zu haben; er kommt zu dem Schlüsse, daß ein Boden mit nur 0,01 % in 1 %il?er
Zitronensäure löslicher Phosphorsäure ein Bedürfnis nach Phosphorsäure und bei 0,005 °/o
in 1 °/0-iger Zitronensäure löslichem Kali ein solches nach Kali hat. B. Dyer hat die
Zitronensäurelösung 7 Tage lang auf den Boden einwirken lassen und während dieser Zeit
400-mal umgeschüttelt. Nach Versuchen von G. Berju4 *) wird es zur Bestimmung des in
1 %-iger Zitronensäure löslichen Kalkes und Kalis für praktische Zwecke wohl stets und
für die Phosphorsäure in den meisten Fällen genügen, den Boden mit dieser Lösung im
Wagner sehen Rotierapparat 6 Stunden hindurch und am folgenden Tage wieder 2 Stunden
zu schütteln; durch ein 8-stündiges Schütteln hintereinander würde nicht dieselbe Lösungs-
wirkung erreicht werden.

Auf die Arbeiten von M. Gerlach,6) welcher schon früher wie B. Dyer auf die
1 %- bezw. 2%-ige Zitronensäurelösung als Lösungsmittel für die Bodenphosphor-
säure hingewiesen hat, und auf die Veröffentlichungen Emmerlings6) über die verschiedenen
Formen der Phosphorsäure im Boden und deren Bestimmung sei hier nur verwiesen.

Bogdanow7) schlägt für die Bestimmung der verschiedenen Pflanzennährstoff6
vor: Zur Bestimmung des aufnehmbaren Stickstoffs den Boden in einem Thermostaten

7) Journ. f. Landwirtschaft 1895, 43, 49.

2)	Landw. Versuchs-Stationen 1898, 49, 287.

3)	Centralbl. f. Agrikultur-Chemie 1894, 23, 799.

4)	Landw. Versuchs-Stationen 1901, 55, 19.

6)	Ebenda 1896, 40, 202.

6)	Ebenda 1899, 52. 60.

7)	Exper. Stat. Reo. 1901, 12, 325.
        <pb n="99" />
        ﻿75

Untersuchung der Mineralböden.

48 Stunden lang auf 30° zu erwärmen und alsdann den Ammoniak- und Salpeter-
säuregehalt des Bodens zu bestimmen; zur Bestimmung der bodenlösliohen Phosphor-
säure den Boden 29 Stunden lang mit der 4-fachen Menge einer 2°/0-igen wässerigen
Essigsäurelösung zu behandeln; die übrigen in Betracht kommenden Nährstoffe in der
wässerigen Lösung, die durch 48-stündiges Schütteln von 1 Teil Boden mit 100 Teilen
Wasser erhalten wird, zu bestimmen. K. K. Gedroiz1) konnte aber weder durch An-
wendung einer 2 °/n-igen Essigsäure noch einer 2 °/0-igen Zitronensäure eine stetige Be-
ziehung zwischen dem Gehalt des Bodens an löslicher Phosphorsäure und der von den
Pflanzen wirklich aufgenommenen Menge Phosphorsäure finden.

Wir haben gefunden, daß von den in 2 °/0-iger Zitronensäure löslichen Menge Boden-
nährstoffen nur ein mehr oder weniger geringer Anteil von den Pflanzen aufgenommen
wird, daß dieser Prozentanteil naturgemäß bei den einzelnen Kulturpflanzen wie auch
einzelnen Böden verschieden ist. So wurden in Prozenten der in 2 °/0-iger Zitronensäure
löslichen Bodennährstoffe unter sonst gleichen Verhältnissen von den Pflanzen aufgenommen:

Nährstoffe löslich in
2 °/0-iger Zitronensäure

Kali................

Kalk................

Phosphorsäure. .	.

Künstliches Bodeugemlsoh
mit adsorptlv gebundenen
Nährstoffen

Hillsenfrüchte Gerste

30,73 o/0	33,88	°/0

0,54 „	0,14 „

3,80 „	4,31 „

Sandboden

Gerste

16,90 o/0
1,36 „
3,27 „

Lehmiger

Sandboden

Gerste
26,37 o/0
1,38 „
4,19 „

Lehmboden

Gerste

25.56 %.
0,79 „
4,82 „

Wenn somit die Menge der in 2 °/0-iger Zitronensäure löslichen Bodennährstoffe auch
bei weitem größer ist als die von den Pflanzen wirklich aufgenommene Menge Nährstoffe,
so würde die Anwendung einer 2 °/0-igen Zitronensäure doch dazu dienen können, die Menge
der in einem Boden vorhandenen aufnebmbaren Nährstoffe zu berechnen, wenn die Menge
der wirklich durch die Pflanzen aufgenommenen Nährstoffe in Prozenten der durch das
Lösungsmittel, gelösten Nährstoffe für die einzelnen Kulturpflanzen wie Bodenarten eine
annähernd gleiche wäre. Darüber müssen noch weitere Versuche entscheiden.

Hall und Plymen2) haben zur Bestimmung der unmittelbar wirksamen Pflanzen-
nährstoffe im Boden die Löslichkeit des Kalis und der Phosphorsäure in l°/0-iger
Zitronensäure, in äquivalenten Lösungen von Salzsäure und Essigsäure, in einer
gesättigten wässerigen Kohlensäurelösung und in ammoniakalischer Ammon-
zitratlösung geprüft. Die Löslichkeit von Kali und Phosphorsäure war in den verschiedenen
Lösungsmitteln nicht dieselbe; sie war am geringsten in dem kohlensäurehaltigen Wasser.
Die l°/0-ige Zitronensäure lieferte mit der Erfahrung am besten übereinstimmende Ergebnisse,
obgleich sich auch hierbei Abweichungen feststellen ließen. H. Seyder8) findet, daß weder
die Ausziehung mit Zitronensäure nach Dy er noch diejenige mit 1/s Normal-Salzsäure nach
Goß befriedigende Ergebnisse liefert, besonders nicht, wenn die Nährstoffe zumeist in
organischen Verbindungen vorhanden sind.

W. Maxwell4) sieht in den einfachen Kohlenstoffsäuren und Amidosäuren,
Reverlin und de la Harpe6) sehen in der Oxalsäure Lösungsmittel zur annähernden
Feststellung der wahrscheinlich aufnebmbaren Pflanzennährstoffe im Boden, da diese Säuren
den in der Natur stattfindenden Vorgängen ähnlich wirken.

Th. Schlößing6) hat Boden sehr oft mit Wasser geschüttelt und in der wässerigen
Lösung die Phosphorsäure bestimmt; er findet so in 300 g von 3 verschiedenen Bodenarten
33, 16 bezw. 10 mg lösliche Phosphorsäure und stellt fest, daß diese Menge unter Berück-
sichtigung der aus den Wurzeln und Stoppelresten, sowie aus dem bodenbildenden Gestein

x) Nach Journ. f. exper. Landwirtschaft 1903, 4, 432 in Centralbl. f. Agrikultur-
Chemie 1904, 33, 146.

2)	Proceedings Chem. Soc. 17, 239 und Centralbl. f. Agrik.-Chem. 1902, 31, 298.

3)	Minnesota Agrio. Exper. Stat. Rep. 1900, 67.

4)	Landw. Versuchs-Stationen 1898, 50, 331.

6) Vergl. Lemmermann, Landw. Versuchs-Stationen 1898, 49, 287.

6) Compt. rend. 127, 236, 327.
        <pb n="100" />
        ﻿76

Untersuchung von Boden.

im Boden gelösten Phosphorsäure für viele Jahre ausreicht. Ferner hat Th. Schlößing
noch 0,01 und 0,1 °/0-ige Salpetersäure als Lösungsmittel benutzt. Sigmund1) wendet
ebenfalls Lösungen von 0,1—0,2 °/0-igem Salpetersäureanhydrid (Na06) an und glaubt auf
Grund von gleichzeitigen Anhauversuchen schließen zu dürfen, daß calciumkarbonatreiche
Böden ein Bedürfnis nach Phosphorsäure haben, wenn sie weniger als 0,04 °/0, caloium-
karbonatarme Böden dagegen ein Bedürfnis nach Phosphorsäure haben, wenn sie weniger
als 0,025°/0 in obiger Salpetersäure lösliche Phosphorsäure enthalten. B. Sjollema* 2)
kommt indes zu dem Schluß, daß alle diese Verfahren, hei denen der Boden mit einer
schwachen Säure oder einem Salz behandelt wird, in chemischem Sinne eine wissenschaftliche
Grundlage nicht besitzen. Das ist gewiß richtig und ist auch wohl von keiner Seite behauptet
worden; wir haben es im Boden nicht mit rein chemischen, sondern mit chemisch-
physiologischen Vorgängen zu tun, und diese letzteren lassen sich kaum in eine chemische
Eeaktionsformel bringen. Ich führe die verschiedenen Versuchsergehnisse hier nur an, um
zu zeigen, daß es doch nicht unmöglich erscheint, auf dem einen oder anderen Wege zu
für die Praxis genügenden Anhaltspunkten zu gelangen; heute ist es allerdings noch nicht
möglich, auf Grund der chemischen Untersuchung des Bodens bestimmte Düngungsvor-
schriften zu geben.

5.	Bestimmung der im adsorbierten Zustande in der Ackererde vorhandenen
Nährstoffe, Kali, Kalk, Magnesia. 0. Kellner3) hat gefunden, daß eine gesättigte
Salmiaklösung das im Boden vorhandene, adsorptiv gebundene Kali (und auch Kalk) in
Lösung bringt, dagegen das in anderer Form vorhandene Kali nicht angreift. Er sättigte
verschiedene Böden mit Kali und ließ dann Salmiaklösung darauf ein wirken; die dadurch
gelösten Kalimengen waren gleich den vorher adsorbierten -j- den Mengen, welche der
Boden im ursprünglichen Zustande ohne adsorptiv zugeführtes Kali an die Salmiaklösung
abgah. Kellner verfährt wie folgt:

20 g Boden werden in eine geräumige Platinsohale gebracht und mit 50 ccm einer
in der Kälte gesättigten Lösung reinen Salmiaks !/2 Stunde lang auf dem Wasserbade
unter häufigem Umrühren mit einem Platinspatel behandelt. Nach dem Absetzen des
Bodens wird die überstehende Lösung durch ein kleines Filter gegossen und mit heißem
Wasser nachgespült. Sodann wird die Behandlung von neuem mit 50 ccm Salmiaklösung
in derselben Weise wiederholt, bis ein Teil des Filtrats heim Abdampfen über der Flamme
keinen Eückstand mehr hinterläßt. Dieses wird nach 15—20-maligem Ausziehen erreicht;
die Filtrate werden in einer Literflasche gesammelt, bis zur Marke verdünnt und in einem
aliquoten Teil Kali, Kalk und Magnesia bestimmt.

Kellner hat sodann in einem Boden tunlichst viele Pflanzen (Erbsen) gezogen
und die im Boden adsorptiv gebundenen Basen Kali, Kalk und Magnesia vor und nach
dem Wachstum nach vorstehendem Verfahren bestimmt; er findet, daß die von den Pflanzen
aufgenommenen Mengen Kali und Kalk (für Magnesia traf dieses nicht zu) den nach
der Entwicklung noch vorhandenen Mengen Kali und Kalk gleich waren den Mengen Kali
und Kalk, welche vor dem Wachstum der Pflanzen im Boden im adsorptiv gebundenen
Zustande vorhanden waren. Kellner schließt hieraus, daß Kali und Kalk nur im adsorptiv
gebundenen oder gelösten Zustande zur Ernährung der Pflanzen dienen, daß sie dagegen
aus schwer löslichen Verbindungen (wasserfreien Silikaten usw.) von den Wurzeln nicht
aufgenommen werden.

Wenn sich diese Beobachtung auch auf anderen Bodenarten allgemein bestätigt, so
ist dieses Verfahren ein wesentlicher Fortschritt in der Bodenuntersuchung. Die Untersuchungen
von D. Meyer4 *) über die Kalkverbindungen der Ackererde und deren Löslichkeit in
10°/0 Chlorämmoniumlösung sprechen für die angeführten Ergebnisse Kellners.

A. Eümpler6) glaubt im Kalkwasser (oder in einer 2%-igen Chloroalcium-
lösung) ein Lösungsmittel für die Bestimmung des leicht löslichen bezw. in Zeolithform

D Wiener Landw. Ztg. 1902, 42, 362.

2)	Chem.-Zeitung, 1901. 25. 311.

3)	Landw. Versuchs-Stationen 1887, 33, 359.

4)	Landw. Jahrbücher 1900, 29, 913.

6) Landw. Versuchs-Stationen 1901, 55, 149 u. Die deutsche Zuckerindustrie 1901-
        <pb n="101" />
        ﻿Untersuchung; der Mineralböden.

77

vorhandenen Kalis gefunden zu haben. 60 g Boden werden mit dem kalifreien Kalk-
waaser angerieben, der Brei auf einen mit Watte verstopften Trichter gebracht, darauf nach
und nach mit im ganzen 1200 ccm Kalkwasser ühergossen und im Filtrat das gelöste Kali
bestimmt. Dieselben Mengen Kali werden auch gelöst, wenn man 10 g Boden mit 200 ccm
einer 2 °/0-igen Chlorcaloiumlösuug auszieht.

6.	Die wasserhaltende Kraft (oder die Wasserkapazität) des Bodens. Im all-
gemeinen steigt und fällt die Wasserkapazität des Bodens (S. 49) mit dem Absorptions-
koeffizienten für Ammoniak; dieses ist aber nicht immer der Fall, weshalb eine jedesmalige
Ermittelung gerade dieser Eigenschaft von Belang ist. Eine Wasserkapazität von 25—35°/0
gilt im allgemeinen als günstig; niedrigere und wesentlich höhere Zahlen bedingen eine
weniger gute physikalische Eigenschaft des Bodens.

R. Heinrich legt neben der Wasserkapazität auch großen Wert auf die Bestimmung
der Luftdurchlässigkeit des Bodens (S. 61).

7.	Das Wasseraufsaugungsvermögen (die Kapillaranziehuug) des Bodens. Die
Fähigkeit der Wasserleitung aus den tieferen Schichten zur Oberfläche gilt ebenfalls als
wichtiger Maßstab für die Beurteilung der Güte eines Bodens. Bei sehr toniger, dichter
Beschaffenheit des Bodens steigt das Wasser (nach S, 64) in 24 Stunden nur um 5—10 cm,
hei geringerem Tongehalt um 10—20 cm und bei sehr günstiger physikalischer Beschaffen-
heit um 25—40 cm. Ein größerer Ton- und Humusgehalt vermindert die Schnelligkeit
und den Grad des Aufsteigens und ebenso ist das letztere ein verhältnismäßig geringes
bei sehr grobem Korn des Sandes.

8.	Die Benetzungswärme bezw. Hygroskopizität des Bodens. Über die Ver-
wertung dieser beiden Eigenschaften zur Beurteilung der Güte eines Bodens vergl. S. 64 u. 67.

Außer diesen als wesentlichst bezeichneten Anhaltspunkten zur Beurteilung der
Ackererden sind noch einige andere besondere Vorschläge gemacht, welche hier kurz
erwähnt werden mögen.

9.	Bestimmung der organischen Substanz der „mattere noire“ (Schwarzstoffes)
von L. Grandeau. L. Grandeau1) glaubte seinerzeit gefunden zu haben, daß die
Fruchtbarkeit der Ackererden in direkter Beziehung stehe zu der Menge der an organische
Substanz gebundenen, in Ammoniak löslichen Mineralstoffe (Phosphorsäure, Kali, Kalk), daß
der Fruchtbarkeits-Unterschied verschiedener Bodenarten besonders mehr durch den Phosphor-
säure-Gehalt des Ammoniak-Auszugs als durch den des Säure-Auszuges angezeigt wird. Be-
handelt man nämlich einen Boden mit verdünnter bezw. so viel Salzsäure, daß der vorhandene
Kalk eben gelöst wird, wäscht den Boden mit Wasser aus, trocknet ihn an der Luft und
fügt man dann zu dem von kohlensaurem Calcium befreiten Boden verdünntes Ammoniak
(Ammoniak und destill. Wasser zu gleichen Teilen), so löst das Ammoniak organische
Substanz und an diese gebundene Mineralstoffe, nämlich Phosphorsäure, Kali, Kalk auf,
welche nach dem Verdampfen und Glühen des Auszuges ermittelt werden können.

0. Titsch* 2) und A. Tuxen konnten indes derartige Beziehungen zwischen der
Menge der an organische Substanz gebundenen und inAmmoniak löslichen Mineralstoffe (bezw.
Phosphorsäure) und der Fruchtbarkeit bei den von ihnen untersuchten Böden nicht finden;
Tuxen glaubt vielmehr, „daß die Menge von Stoffen, welche die Salzsäure durch das
Freimachen des „Schwarzstoffes“ aus der Erde zieht, maßgebender ist, als die Bestimmung
des Schwarzstoffes und seiner Phosphorsäure“.

Im Anschluß hieran mag erwähnt sein, daß A. Petermann und Friedburg3) s. Z.
glaubten, in der Dialyse ein Mittel gefunden zu haben, die Güte eines Bodens zu bestimmen.
Wenn man Boden in einen mit Pergamentpapier verschlossenen Dialysator4) bringt und diesen

*) L. Grandeau, Eecherches expörim. sur le röle des matteres organ. du sol dans
la nutrition des plantes. Vergl. dessen Handbuch d. agrik.-chem. Analyse. Berlin 1879, S.

2)	Landw. Versuchs-Stationen 1881, 26, 1.	.

3)	Ebenda 1872, 15, 466 u. Bull, de l’Aoademie roy. de Belgicpie 1882, 3, No. 1 im

Centralbl. f. Agrik.-Chem. 1883, 22, 361.	.

4)	Das Pergamentpapier darf nicht mit Gummiring, sondern muß mit einem cm
breiten Platinband um den unteren, verdickten Glasrand befestigt werden; auch is' zu
berücksichtigen, daß das Pergamentpapier für sich allein Stoffe an destilliertes Wasser a
gibt, welche in Abzug gebracht werden müssen.
        <pb n="102" />
        ﻿78

Untersuchung von Boden.

in eine größere Schale mit destilliertem Wasser hängt, so gibt der Boden an das destillierte
Wasser mehr oder weniger ah: Kalk, Magnesia, Eisen, Kali, Natron, Kieselsäure, Chlor,
Phosphorsäure, Schwefelsäure und auch organ. Substanz, welche durch Pergamentpapier
diffundiert. Aus letzterem Verhalten glaubt Petermann, wie schon in den 50-er Jahren
Risler, schließen zu sollen, „daß die Pflanzen einen Teil ihres Kohlenstoffs den organischen
Substanzen des Bodens“ verdanken.

10.	Ermittelung der aufnehmbaren Nährstoffe (der Fruchtbarkeit) des Bodens
aus dem Gehalt der in ihm gewachsenen Pflanzen an Nährstoffen. Da es bis

jetzt nicht möglich ist, die Menge der aufnehmbaren Nährstoffe durch die chemische
Untersuchung direkt zu bestimmen — Mineralsäuren, Zitronensäure führen zu viel, kohlensäure-
haltiges Wasser zu wenig in Lösung —, so ist mehrfach der Versuch gemacht worden,
aus dem Gehalt der in dem Boden gewachsenen Pflanzen an Nährstoffen auf einen größeren
oder geringeren Gehalt des Bodens an aufnehmbaren Nährstoffen zu schließen.

Weinhold1) verglich die Aschen der verschiedenen Unkräuter miteinander; er er-
wartete eine Ähnlichkeit der Aschen der auf demselben Boden gewachsenen Unkräuter
und glaubte, daß sich auf einem Boden nur solche Unkräuter entwickeln würden, für deren
Gedeihen der Boden die günstigsten chemischen (und physikalischen) Bedingungen zeigt.
A. Emmerling2) untersuchte die Aschen von Heusorten, verglich ihre Zusammensetzung
mit der mittleren Zusammensetzung normalen Heus und glaubte aus der Verschieden-
heit zwischen beiden folgern zu dürfen, welche Nährstoffe in der fraglichen Wiese
in ungenügendem Verhältnisse vorhanden seien. Ä. Atterberg8) hat die Haferkörner
zum Ausgang seiner Untersuchungen genommen und konnte in mehreren Fällen aus dem
Gehalt des Hafers an Stickstoff und Phosphorsäure und dem Verhältnis dieser Nährstoffe zu-
einander schließen, daß dem Boden bald Phosphorsäure, bald Stickstoff fehlte. Das Verhältnis
von Stickstoff: Phosphorsäure schwankt in den Haferkörnern von 100:16 bis 100:83; das
günstigste Verhältnis für das Wachstum ist 100 N; 60—55 P205. Zeigen die Haferkörner
dieses letztere Verhältnis, dann befinden sich die beiden genannten Stoffe in richtigem
Verhältnis im Boden, und ist die Ernte dazu eine sehr große, so ist weder Düngung mit
dem einen noch mit dem anderen Stoff erforderlich; ist die Brntemenge aber eine geringe,
so fehlt es an beiden Stoffen. Ist das Verhältnis 100 N: 20 P206, so fehlt es dem Boden
an Phosphorsäure; ist das Verhältnis dagegen 100 N: 70 P2O5, so ist Stickstoffmangel vor-
handen.

Hellriegel4) förderte diese Frage auf einer anderen Grundlage; er zog Gersten-
pflanzen in einem nahezu kalifreien Quarzsande, dem er eine Nährstofflösung zusotzte,
in welcher nur der Kaligehalt schwankte. Der Kaligehalt des Strohes fiel je nach den
gegebenen Kalimengen von 6,43 auf 0,40 °/0 der Trockensubstanz; der letztere Gehalt
ist der durchschnittlich niedrigste an Kali für die betreffenden Organe der Gersten-
pflanze. In den Körnern fiel der Kaligehalt bis auf 0,18 u/0 der Trockensubstanz. Da sich
von dem gegebenen Kali 66—100 °/0 in der Ernte wiederfanden, glaubte Hellriegel auch
bei den Kulturpflanzen des Feldes aus diesem Verhältnis den Gehalt an aufnehmbareffl
Kali — wie überhaupt an aufnehmbaren Mineralstoffen — im Boden berechnen zu können-
Gegen letztere Annahme läßt sich indes geltend machen, daß das Kali im Ackerboden
sich in einer anderen Form, nämlich im adsorbierten, also schwerer löslichen Zustande als
im Quarzsande befindet, daher aus dem Verhalten der Pflanze gegen das im Quarzsande
dargereichte Kali nicht auf das Verhalten gegen das im Boden enthaltene Kali geschlossen
werden darf, wenngleich die- Pflanzen auch das adsorbierte Kali aufzunehmen vermögen-
Da ferner die einzelnen Organe der Pflanzen einen verschiedenen Gehalt an Mineralstoffen
aufweisen, so ist R. Heinrich5 6) der Ansicht, daß für besagten Zweck nicht die ganzen
Pflanzen, sondern nur die einzelnen Organe untersucht werden dürfen; er hält di0

4)	Landw. Versuchs-Stationen 1862, 4, 188 und 1864, 6, 50.

2) Landw. Wochenbl. f. Schleswig-Holstein 1875, No. 24 u. 25.

8) Landw. Jahrbücher 1886, 15, 415 und 1887, 16, 757.

4) Jahresbericht f. Agrikultur-Chemie 1867, 117.

6) R. Heinrich, Grundlagen zur Beurteilung der Ackerkrume. Wismar 1882, 49 u. #'•
        <pb n="103" />
        ﻿Untersuchung der Minerälböden.

79

Wurzeln der Pflanzen für das geeignetste Organ, weil sich in ihnen die Differenz
des Nährstoffgehaltes (zwischen „arm“ und „reich“) am meisten und deutlicher zeigt, als
in den höher gelegenen, jüngeren Pfianzenteileu. Als Kulturpflanze wählte er zunächst
den Hafer, weil er auf den verschiedenartigsten Böden wächst. Der Hafer wurde teils
auf sehr reichen, teils auf an aufnehmbarem Stickstoff sehr armen Böden gezogen; letztere
wurden dann durch einseitige Düngung mit Stickstoff und Kali bezw. Stickstoff und
Phosphorsäure erschöpft, um auch einen an Phosphorsäure bezw. Kali armen Boden zu
erhalten. Auf diese Weise wurden in der Trockensubstanz der Haferwurzeln gefunden
Mengen:

geringe mittlere	geringe mittlere

für Stickstoff . .	0,5 —0,6%	0,7—0,9 %	für	Kalk . . .	0,2—0,3%!)	0,3—0,4 %

„ Kali ....	0,08—0,1 „	0,2—0,4 „	„	Magnesia . .	0,1?	?

„ Phosphorsäure	0,08—0,2 „	0,2—0,3 „	„	Schwefelsäure 0,03?	?

Unter diesen Niedrigstgehalten in den Haferwurzeln kann kein günstiges Wachstum
mehr erwartet werden. Je weiter sich aber die Gehalte in den Haferwurzeln von den
Niedrigstzahlen entfernen, desto weniger wird die Zuführung von aufnehmbaren Nähr-
stoffen durch die künstliche Düngung erforderlich sein. Weist die Trockensubstanz einer
Haferwurzel z. B. folgende Gehalte auf;

1. Kall 2. Kall 3. Pall

Stickstoff.................  1,24	%	0,82	%	0,61	%

Kali.........................0,87	„	1,23	„	’	0,36	„

Phosphorsäure.................0,18	„	0,63	„	0,21	„

so ist im 1. Kall nur eine Düngung mit Phosphorsäure, im 2. und 3. Kall nur die mit
Stickstoff angezeigt. Je ärmer die Wurzeln an Nährstoffen sind, desto ärmer ist die be-
treffende Ackerkrume; je reichlicher die normalen Wurzeln Nährstoffe enthalten, desto
reicher muß auch der Boden sein, dem sie ihre Nährstoffe entzogen haben. Derjenige
Bestandteil, der in geringster Menge vorhanden ist, regelt die Erträge und bewirkt, daß
die Ernten gering oder mittelgut ausfallen. Die übrigen Nährstoffe können dann in viel
reichlicher als oben angegebener Menge vorhanden sein, ohne daß sie deshalb den Ertrag
zu steigern imstande wären.

Wenn die Pflanzenwurzeln einen hohen Gehalt an Nährstoffen aufweisen und der
Boden gleichzeitig eine hohe absolute Menge Nährstoffe enthält, dann kann der Landwirt
die weitere Aufschließuüg der Bodenbestandteile dem regelrechten Verlauf der Verwitterung
überlassen und braucht in dem vollen Ersatz der entzogenen Nährstoffe nicht ängstlich zu
sein. Ist der absolute Gehalt des Bodens ein hoher, der Gehalt der Pflanzenwurzeln aber
ein geringer, so kommt es nur darauf an, durch entsprechende Kulturen, durch Anwendung
von Stalldünger und indirekt wirkenden Düngemitteln (Gips, Kalk, Kochsalz) den Vorrat
aufzuschließen und in eine aufnehmbare Korm überzuführen.

A. v. Dikow2) hat die Versuche Heinrichs bei der Gerstenpflanze auf einem
mageren, mehrere Jahre nicht gedüngten Sandboden unter Anwendung steigender Dünger-
mengen nachgeprüft und schließt aus den Versuchen, daß das Gesetz des Minimums
von Heinrich als richtig anzusehen, das Gesetz des Maximums wahrscheinlich ist,
daß die Wurzeln der Pflanzen wohl das Düngerbedürfnis anzeigen, daß aber der Nähr-
stoffgehalt der Wurzeln nicht als Maßstab für die Menge der aufnehmbaren Nährstoffe
im Boden dienen kann; nur dann, wenn der Nährstoffgehalt der Wurzeln die Höchstmenge
erreicht, ist der Zweck der Düngung zur Erzeugung der größtmöglichen Menge organischer
Substanz als erreicht anzusehen.

Haeßner3) schließt aus seinen Versuchen, nach denen der Gehalt der gedüngten
Gerstenwurzeln an Stickstoff und Phosphorsäure mit dem Gehalt der Wurzeln von unge-

*) Diese Zahl drückt wahrscheinlich nicht die Niedrigstmenge aus, sondern muß vielleicht
noch weiter herabgesetzt werden.

2)	Journ. f. Landwirtschaft 1891, 39, 134.

3)	Haeßner, Untersuchungen über den Nährstoffgehalt in den Wurzeln und Körnern
der Gerste und Verhalten derselben zu den im Boden vorhandenen assimilierbaren Pflanzen-
nährstoffen, 1887.
        <pb n="104" />
        ﻿80

Untersuchung von Boden.

düngten Parzellen gleich war, die ünhaltharkeit der Ansicht Heinrichs; jedoch ist
nicht ausgeschlossen, daß der benutzte Boden noch hinreichend aufnehmbare Nährstoffe
enthielt.

A. Helmkampf1) hält die Wurzeln ebenfalls für keine geeignete üntersuohuugs-
masse, sondern glaubt, daß die Pflanzenuntersuchung in Verbindung mit einem Dfingungs-
versuch geeignet ist, die Düngungsbedürftigkeit eines Bodens anzugeben, und schlägt folgendes
Verfahren vor: „Soll der Nährstoffzustand eines Ackers geprüft werden, so ist zunächst die
Anstellung eines Düugungsversuches (mit Halmfrucht) erforderlich. Sodann wird zur Zeit
der Blüte einer jeden Parzelle ein Durchschnittsmuster der auf ihr gewachsenen Pflauzen-
masse entnommen und untersucht. Zeigt sich nun, daß der Gehalt der Pflanzen infolge
der Düngung mit einem Nährstoff an diesem eine Steigerung erfährt, so folgt daraus die
Düngungsbedürftigkeit für diesen Stoff; bleibt aber andererseits trotz Düngung der Gehalt
überall der gleiche, so ist auf genügenden Vorrat im Acker zu schließen.“

M. Stahl-Sohröder3) hat die Versuche Heinrichs wie Atterbergs eingehend
nachgeprüft; auch er verwirft die Wurzeln als Untersuchungsmasse für die Beurteilung des
Düngebedürfnisses des Bodens, weil sie sich einerseits nicht genügend quantitativ sammeln
lassen, andererseits Luxuskonsumtion treiben, d. h. einen Überschuß an Nährstoffen
aufnehmen und enthalten können, ohne daß dieser Mehrgehalt in einer Mehrernte zum
Ausdruck gelangt. Aus dem Grunde besteht auch das v. Dikowsche Gesetz des
Maximums nicht. Dagegen bietet der Vorschlag Atterbergs mehr Aussicht auf Erfolg-
Es müssen indes bei der Bestimmung des Verhältnisses von Stickstoff: Phosphorsäure mehr
die klimatischen und Witterungs Verhältnisse der Anbaugegend berücksichtigt werden.
Stahl-Schröder findet z. B. in den in Peterhof bei Riga geernteten Haferkörnern das
richtige und günstige Verhältnis von Stickstoff: Phosphorsäure wie 100 : 30—40; ist dasselbe
enger, dann liegt Stickstoff-Mangel oder Phosphorsäure-Überschuß vor; ist es weiter, dann
ist Phosphorsäure-Mangel oder Stickstoff-Überschuß vorhanden.

Weil aber das Bedürfnis der Pflanzen nach Stickstoff, Phosphorsäure, Kali usW-
verschieden ist, außerdem aber die einzelnen Kulturpflanzen sich bezüglich der Ausnutzung
der einzelnen Bodennährstoffe verschieden verhalten, so lassen sich aus der Untersuchung
der Haferkörner allein ohne Zweifel noch keine richtigen Düngungsregeln für die anderen
Kulturpflanzen ableiten.

H. Joulie3) sucht durch zahlreiche Untersuchungen zu ermitteln, was ein fruchtbarer
Boden enthalten muß, und benutzt die so gewonnenen Werte zur Beurteilung anderer Acker-
erden; ist dann der betreffende Pflanzen wuchs zur Zeit der Blüte und Reife ein befriedigender,
so war die Düngung eine richtige, ist aber der Erfolg ungünstig, so wird die Pflanz®
untersucht und aus der Zusammensetzung im Vergleich zur typischen Durchschnitts-Zu-
sammensetzung derselben Pflanze, welche durch die Untersuchung zahlreicher am besten
und vollkommensten ausgewachsener Einzelpflanzen gefunden ist, ermessen, was der ersteren
Pflanze fehlt.

Auch M. Märcker4) läßt eine Untersuchung des Bodens gleichsam durch die Pflanz®
ausführen, indem er ermittelt, wie große Mengen gewisser Nährstoffe —, zunächst der
Phosphorsäure — durch die Pflanzen aus Bodenarten von verschiedener Beschaffenbett
aufgenommen werden können. Dabei stellte sich heraus, daß die Aufnahme der Phosphor-
säure durch die Pflanze sich mit der Löslichkeit der Phosphorsäure im Boden steigert®,
daß die von der Pflanze aufgenommene Phosphorsäure in geradem Verhältnis zu der durch
Ammoniumzitrat (Petermann) aus dem Boden gelösten Phosphorsäure steht. Deshalb
glaubt M. Märcker in dem Ammoniumzitrat oder nach anderen Versuchen in einer 5 °/0-igeIJ
Zitronensäurelösung ein Mittel zur Bestimmung der bodenlöslichen, d. h. der jedesmal fdr
die Pflanze aufnehmbaren Phosphorsäure gefunden zu haben. (Vergl. hierzu vorstehend®
Ausführungen S. 75.)

4)	Journ. f. Landwirtschaft 1892, 40, 85.

2)	Ebenda 1904, 52, 31, soweit bis Schluß des Druckes dieses Bogens erschienen i^-

3)	Journ. d’agric. 1, No. 1086, 89.

4)	Jahrbuch der Versuchs-Station Halle 1890.
        <pb n="105" />
        ﻿Untersuchung der Mineralhöden.

81

11. Schädliche Bestandteile des Bodens. Wenn ein Boden neben saurem Humus
(S. 36) gleichzeitig mehr oder weniger Eisenoxydul enthält, so ist dieses ein Zeichen
mangelhafter Durchlüftung, die unter Umständen ein Wachstum sog. saurer Pflanzen (Sauer-
gräser, Moos usw.) zur Folge hat. Alsdann muß in erster Linie auf eine zweckmäßige Durch-
lüftung, sei es durch Entwässerung (Drainage) oder durch Aufbesserung der physikalischen
Eigenschaften der dicht geschlossenen Ackerkrume hingearbeitet werden. Auch ist die
Anwendung von gebranntem Kalk oder von diesem und einem Kalisalz oder von Mergel
oder von Holzasche angezeigt.

Als direkt sehr schädlich ist „Schwefelkies“ bezw. „Wasserkies“ in einem Boden
zu bezeichnen, weil er bei der Zersetzung die für Pflanzen giftige freie Schwefelsäure und
ferner ebenso giftiges Ferrosulfat liefert. Letzteres setzt sich im Boden allerdings bald
mit kohlensauren Salzen um, indem sich z. B. schwefelsaures Calcium und Ferrihydroxyd
bildet. Letzteres ist unschädlich,1) das schwefelsaure Calcium aber leichter löslich als
kohlensaures Calcium, und so kann für den Anfang das Ferrosulfat sogar eine günstige,
d. h. indirekt düngende Wirkung äußern. Das hält aber nur so lange an, als Vorrat an
kohlensauren Erdalkalien vorhanden ist.

Auch andere leicht zersetzliche Sohwefelverbindungen, wie Schwefel-
calcium, Zinkblende usw., sind schädlich im Boden. Schwefelcaloium gelangt z.B. mitunter
in den Abfällen der Soda- und Pottasche-Fabriken (nach Leblancs Verfahren), ferner in den
Abfällen von Gasfabriken als Gaskalk zur Anwendung; letzterer enthält gleichzeitig schäd-
liche unterschwefligsaure Salze, teerige Erzeugnisse und vor allem Bhodanammonium,
welches letztere schon in sehr geringen Mengen (0,5—1,0 g für 1 qm Boden bezw.
0,0025°/0 nach E. Haselhoff2) giftig auf die Pflanzen wirkt.

Zinkblende (Schwefelzink) zersetzt sich im Boden leicht zu schwefelsaurem Zink,
welches für sich in einer Menge von 5—10 mg für 1 1 Nährlösung schon Pflanzen zum
Absterben bringt. Unlösliche Zinkverbindungen, z. B. kohlensaures Zink, wirken nicht
oder nur dann schädlich, wenn sie infolge reichlicher Kohlensäurebildung und genügenden
Wassers in Lösung gebracht werden. Es kann daher mitunter zinksulfathaltiges Wasser
lange Zeit zur Berieselung von Wiesen benutzt werden, ohne daß eine schädliche Wirkung
zutage tritt, nämlich dann, wenn der Boden reich an kohlensauren Erden (und Humus)3)
ist, mit denen sich das schwefelsaure Zink zu schwefelsauren Erden (Kalk, Magnesia) und
zu unlöslichem, kohlensaurem Zink umsetzt. Dieser Umsetzungsvorgang hat aber zur
Folge, daß die schwefelsauren Salze, auch gebildetes sohwefelsaures Kalium als löslich
mit dem Rieselwasser aus dem Boden weggeführt werden, so daß letzterer an Pflanzen-
nährstoffen mehr und mehr verarmt, während sich das Zink in ihm anhäuft. Zu der
direkt schädlichen Wirkung des Zinksulfates gesellt sich dann die indirekt schädliche
Wirkung, welche die Böden nicht selten ganz ertraglos macht. Ebenso wie Schwefelkies
und Ferrosulfat, Zinkblende und Zinksulfat verhält sich Schwefelkupfer und Kupfer-
sulfat; nur scheint Kupfersulfat als solches nicht so giftig für Pflanzen wie Zinksulfat
zu sein; nach hiesigen Versuchen gedeihen Mais und Bohnen bei einem Gehalt von 10 mg
Kupfersulfat auf 1 1 Nährlösung ganz regelrecht, die schädliche Wirkung beginnt erst bei
15—20 mg auf 1 1.

Um derartig beschädigte Böden wieder aufzubessern, empfiehlt sich in erster Linie
unter Umbrechen derselben eine starke Kälkung oder Mergelung.

Als äußerst giftiger Bestandteil ist auch die arsenige Säure aufzuführen, welche
mitunter durch Abwasser aus Gerbereien, Färbereien und Farbefabriken usw. in den Boden
gelangen kann. Nach Fr. Nobbe bringt schon 1 mg arsenige Säure in 1 1 Nährlösung
meßbare Wachstumsstörungen hervor, während es nach des Verfassers Versuchen im Boden

1)	Das Ferrihydroxyd wird erst bei größeren Mengen schädlich, indem es die
Poren des Bodens verschließt, also die Luftdurohlässigkeit beeinträchtigt und dadurch ver-
sauernd wirkt.

2)	Zeitschr. f. Pflanzenkrankheiten 1904, 14, 1.

3)	Auch der Humus bildet mit dem Zinksulfat unlösliches humussaures Zink.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	ö
        <pb n="106" />
        ﻿82

Untersuchung von Boden.

— vielleicht infolge Verflüchtigung durch Bildung von Arsenwasserstoff — nicht so stark
schädlich zu wirken scheint; die nachteiligen Wirkungen machten sich jedoch im Boden
auch schon hei geringen Mengen, nämlich 0,025 °/(„ deutlich geltend. ‘

Zu den direkt schädlichen Bestandteilen der Ackererde gehören ferner lösliche
Salze in größerer Menge, so Chlornatrium, Chlorcalcium, Chlormagnesium,
wie sie mitunter durch Überschwemmungen mit Meerwasser oder durch Berieselung mit
Abwasser aus Steinkohlengruben, Salinen, Kalisalz-Bergwerken, Sodafabriken (nach dem
Ammoniak-Verfahren) im Boden auftreten können. Wie schon oben S. 71 bemerkt,
macht ein Gehalt von 0,1 °/0 und mehr	Kochsalz den Boden unfruchtbar.	Chlorcalcium

und Chlormagnesium scheinen an sich	nicht so stark schädlich	zu sein als	Chlor-
natrium. Bei hinreichender Feuchtigkeit	äußern die löslichen Salze	häufig	keine	schäd-

liche Wirkung, sondern erst beim Austrocknen des Bodens (im Sommer), wo die Boden-
lösung konzentrierter wird; denn die Pflanzen gedeihen regelrecht nur in Nährsalzlösungen
von 1 zu 1000, sind aber gegen eine einseitige Salzlösung noch empfindlicher. Gelangen
derartige salzhaltige Wässer wiederholt auf einen Boden, so lagern sich nach Ad. Mayer
die Tonteilohen dichter aneinander, der Boden wird „dicht geschlämmt“; ferner ent-
führen sie dem Boden durch Wechselzersetzung und auch durch ihre stärker lösende
Wirkung, gegenüber gewöhnlichem Wasser, wichtige Nährstoffe, besonders Kali (Chlor-
natrium löst auch Kalk und Magnesia), so daß infolgedessen die Erträge ebenfalls nach-
lassen. Diese lösende Wirkung äußern	die Salze schon deutlich,	wenn	sie in	einer

Menge von 0,5 g auf 1 1 vorhanden sind; die schädliche Wirkung kann durch einen
gleichzeitig vorhandenen, verhältnismäßig hohen Kaligehalt des Wassers zum Teil aus-
geglichen werden.

Bei Böden, welche durch Salze dieser Art, besonders durch Kochsalz verdorben sind,
wird Anbau solcher Pflanzen empfohlen, welche, wie Kohl, Kaps oder Gerste (wegen der
flachen Bewurzelung) verhältnismäßig viel Salz vertragen; bei den durch Überschwemmungen
mit Meerwasser beschädigten Böden hat sich nach Ad. Mayer auch eine Düngung mit
Stickstoff (Salpeter) als günstig erwiesen, ebenso der Anbau von bodenlockernden Gewächsen
(z. B. Klee und sonstigen tiefwurzeluden Pflanzen); dabei soll man den Boden vorWinter
in rauhe Furchen legen, damit der Frost auf ihn einwirken kann und die Salzteilchen den
Winter über besser in den Untergrund gewaschen werden.

Außer den Chloriden kommt mitunter auch kohlensaures Natrium im Boden als
schädliches Salz vor, so z. B. im Boden der ungarischen Pußta, wo es bei geringer Boden-
feuchtigkeit vorübergehende Unfruchtbarkeit hervorruft; Sprengel fand in einer un-
fruchtbaren Ackererde aus Portorico 0,66 °/0 kohlensaures Natrium.

Auf die Nachteile, welche Magnesiumsalze, auch sogar Magnesiumkarbonat
haben, wenn letzteres in größerer Menge als Calciumkarbonat vorhanden ist, habe ich
schon S. 71 hingewiesen.

Auf diese und andere außergewöhnliche Bestandteile ist unter Umständen ebenfalls
Kücksicht zu nehmen, wenn es sich um Beurteilung der Güte und Fruchtbarkeit eines
Bodens handelt. Wer sich eingehender darüber, wie die vorstehend aufgeführten außer-
gewöhnlichen Bestandteile nachteilig auf Boden und Pflanzen wirken, unterrichten will,
den verweise ich auf meine Schrift: „Verunreinigung der Gewässer, deren schädliche
Folgen usw.“. Berlin 1899.

B. Untersuchung der Moorböden.

Im allgemeinen gelten für die physikalische und chemische Untersuchung des
Moorbodens dieselben Regeln, wie für diejenige der mineralischen Bodenarten. Di®
Eigenartigkeit des erstgenannten macht jedoch im besonderen eine Menge von Ab-
änderungen notwendig, so daß es ratsam ist, die Untersuchung der Moorbodenarten
getrennt für sich zu behandeln.
        <pb n="107" />
        ﻿Untersuchung der Moorböden.

83

Im folgenden sollen die Verfahren beschrieben werden, die für die Unter-
suchung des Moorbodens von der Moor-Yersuchs-Station in Bremen ausgearbeitet
und augenblicklich dort in Gebrauch sind. Wenn diese Verfahren in der einen
oder anderen Richtung noch nicht die erwünschte Erweiterung und Vervollständigung
gefunden haben, so liegt das einmal an der Neuheit des Gegenstandes, für den fast
keine Vorarbeiten Vorlagen, dann an der Fülle anderer herantretenden wichtigen
Fragen, welche die Zeit und Arbeitskraft der Station in Anspruch nahmen.

Im großen und ganzen soll die Darstellung dem hei der Untersuchung von
Mineralböden eingehaltenen Gange folgen; es kann daher auf manches zurück-
verwiesen werden. Die Besonderheiten der Moorboden-Untersuchung werden dagegen
eingehende Besprechung finden.

I.	Probenahme.

Abgesehen von den für alle Bodenarten gleichmäßig geltenden Vorschriften
über die Probenahme zum Zwecke chemischer und physikalischer Untersuchung —
auch hier sei vor allem auf die Erlangung einer wahren Durchsohnittsprobe hin-
gewiesen — ist bei der Entnahme von Moorproben folgendes besonders zu beachten:
Wegen der häufig sehr verschiedenen Beschaffenheit der obersten, für die Pflanzen
zunächst in Betracht kommenden Schicht und der tieferen Moorschichten ist ein
Getrennthalten bei der Probenahme unerläßlich. Die Untersuchung der tieferen
Moorschichten, soweit sie durch die Entwässerungsgräben angeschnitten werden,
soll Auskunft darüber gehen, ob der Vorrat an Pflanzennährstoffen auf größere
Tiefe hin anhält, sowie notwendige Aufschlüsse über den Zersetzungszustand
und das Verhalten der tieferen Moorschichten bei Entwässerung und Durch-
lüftung liefern. Dann ist zu berücksichtigen, daß beim Ausheben der zahlreichen
Entwässerungsgräben nicht unerhebliche Mengen aus den unteren Moorlagen auf
die Oberfläche geschafft und über diese verteilt werden, die Beschaffenheit der
späteren Kulturschicht also wesentlich beeinflussen. Nicht selten finden sich zudem
in den tieferen Schichten pflanzenschädliche Stoffe, welche, auf die Oberfläche ge-
bracht, äußerst giftig auf das Pflanzenwachstum wirken. Der mineralische Untergrund,
falls er bei Mooren von geringer Mächtigkeit durch die Gräben angeschnitten wird,
ist ebenfalls auf pflanzenschädliche Substanzen zu untersuchen, dann, wenn z. B.
eine Sanddeckkultur geplant wird, bei welcher der Sand dem Untergründe ent-
nommen werden soll, auch auf seine Eignung als Bedeckungsmaterial in physikalischer
Hinsicht.

Alle diese Erwägungen haben zur Aufstellung einer Vorschrift für die Ent-
nahme von Bodenproben seitens der Moor-Versuchs-Station geführt, die im Wort-
laut hier folgt. Besonders sei noch hervorgehoben, daß die Moorproben in
ihrem natürlichen Zustand, also möglichst frisch, nicht etwa an der Luft vorge-
trocknet, zur Untersuchung gelangen müssen, da nur so, wie weiter unten ausge-
führt werden wird, richtige Anhaltspunkte für die Beurteilung der fraglichen Moor-
flächen gewonnen werden können.

Anweisung zur Entnahme von Moorboden-Proben behufs chemischer und
physikalischer Untersuchung.

Da die chemischen und physikalischen Eigenschaften der für die Kultivierung be-
stimmten Moore das Gedeihen der Kulturen wesentlich beeinflussen und sehr häufig für die
Art und Weise der Benutz»ng maßgebend sind, so ist es unerläßlich, vor der Inangriffnahme
irgend welcher Kultur auf Flächen, über deren Verwertbarkeit genügende Erfahrungen
noch nicht vorliegen — neben Feststellung der Wasserverhältnisse und sonstiger das Pflanzen-

6*
        <pb n="108" />
        ﻿84

Untersuchung von Boden.

Wachstum beeinflussenden Faktoren — den Boden auf seine chemische Zusammensetzung
und diejenigen physikalischen Eigenschaften zu prüfen, welche für das Plianzenwachstum
besonders wichtig sind.

Soll aber die Untersuchung einwurfsfreie Ergebnisse liefern, so ist es vor allem
geboten, bei der Entnahme der Proben die größte Sorgfalt und alle Vorsichtsmaßregeln zu
beachten, um ihnen den Charakter der Durchschnittsproben zu sichern.

Zu dem Zweck stellt man zunächst durch Beobachtung des augenblicklichen
Pfianzenwnohses und der äußeren Bodenbeschaffenheit fest, ob die in Betracht kommenden
Ländereien

a)	eine einheitliche Beschaffenheit besitzen,

b)	bedeutende Verschiedenheiten aufweisen.

Im Falle a verteilt mau die Probenahme gleichmäßig über die ganze Fläche in der
Weise, daß mau an möglichst vielen Stellen die lebende Bodennarbe möglichst flach
abschält und

1.	Proben von etwa 1—2 kg von der Oberfläche bis zu 20 cm Tiefe,

2.	Proben von etwa 1—2 kg von 20 cm Tiefe bis zur Sohlentiefe der vorhandenen
oder noch zu ziehenden Entwässerungsgräben aushebt.

3.	Für den Fall, daß die Gräben überall oder an einzelnen Stellen schon in den
mineralischen Untergrund einsohneiden, hält man den (ebenfalls einzusendenden)
mineralischen Teil (Probe 3) von dem moorigen Teil der Probe 2 gesondert.

Sämtliche Binzelprobeu aus der Oberflächenschicht (unter 1) werden auf das sorg-
fältigste durcheinandergemischt, daraus wird ein Durchschnittsmuster von mindestens 2-—3 kg
entnommen und in einen vorher mit unauslöschlicher Farbe benummerten reinen Beutel
verpackt. Ebenso gewinnt man je eine Durchschnittsprobe aus den tieferen Schichten
(unter 2 und 3).

Im Falle b verfährt man auf jeder einzelnen der untereinander verschiedenen
Flächen für sich genau wie auf Fläche a und entnimmt somit weitere Durchschnittsproben:
la, 2 a usw., 1b usw.

Ist der Moorstand geringer als 20 cm, so ist in der angegebenen Weise je eine
Durchsohnittsprobe aus der eigentlichen Moorsohicht und aus dem mineralischen Untergrund
zu nehmen.

Finden sich in der Nähe des Moores oder in erreichbarer Tiefe des Untergrundes
mineralische Bodenarten: Sand, Lehm, Mergel, Wiesenkalk und der gl., die möglicherweise
für die Meliorierung des Moorbodens Bedeutung gewinnen könnten, so sind auch hiervon
Durchschnitteproben von 1—l,/a kg zu entnehmen und mit einer genauen Beschreibung der
Lagerungsverhältnisse, des räumlichen Umfanges usw. zu versehen.

Die Proben sind in frischem Zustand, gut und jede für sich verpackt, zur
Untersuchung einzusenden.

Es ist wünschenswert, daß von jeder zu untersuchenden Fläche ein etwa 3 dm langes
und breites Stück der ursprünglichen Bodennarbe (Gras-, Heide-, Moosnarbe oder dergleichen)
mit den darauf befindlichen Pflanzen in unverletztem Zustand eingesandt wird. Die Aus-
wahl des Narbenstückes ist so zu treffen, daß dadurch eine einigermaßen richtige Vorstellung
von dem durchschnittlichen gegenwärtigen Pflanzenbestand der Moorfläche gewonnen werden
kann. Ist dieser Bestand sehr verschieden, so sollten, falls nicht überhaupt Fall b der
Probenahme Platz greift, mehrere Narbenproben von derselben Fläche eingesandt worden.
Die Narbenproben werden am zweckmäßigsten nach der Entnahme mit einer Bezeichnung
versehen, in besondere Kistchen verpackt und möglichst bald mit der Post abgeschiokt,
damit die Pflanzen in noch erkennbarem Zustande eintreffen.

Wenn die Anlage von Dauerweiden oder Wiesen beabsichtigt wird, so ist es von aller-
größter Wichtigkeit, mehrere derartige Narbenstücke von jeder Fläche einznsenden, und
zwar bei Unterschieden im Niveau der einzelnen Fläche mindestens je eines von dem
höheren und von dem tieferen Teile. Befinden sich in der Nähe auf demselben Boden
gute Dauerweiden oder Wiesen, so ist es sehr erwünscht, daß auch von diesen eine kenn-
zeichnende Narbenprobe oder eine etwa 1 kg große Durchschnittsprobe des Heus eing@'
reicht wird.
        <pb n="109" />
        ﻿Untersuchung der Moorböden.

85

Da durch die Herstellung der unter 1 genannten Misohprobe die natürliche Lagerung
und Struktur des Moorbodens unter Umständen stark geändert werden kann, so ist ferner noch
die Einsendung mindestens eines, besser mehrerer Bodenwürfel von 10 cm Kante aus der
Oberfläohenschicht des Moores bis 20 cm Tiefe, die die durchschnittliche Beschaffenheit der
Oberfläche in ungestörter Lagerung darstellen, anzuraten.

II.	Vorbereitung zur Untersuchung und physikalische Untersuchung.

Für die Beurteilung der Güte und Kulturfähigkeit eines Moorbodens ist es
sehr wesentlich, den Grad der Zersetzung zu bestimmen, in welchem sich die moor-
bildenden Pflanzen befinden. Es ist schwierig, hierfür bestimmte Vorschriften zu
geben; nur durch Vergleichungen einer großen Reihe der verschiedenartigsten Moor-
bildungen in den verschiedensten Zuständen der Mumifikation ist es möglich, Sicher-
heit in der Beurteilung des Zersetzungszustandes zu erlangen.

Im allgemeinen läßt sich folgendes sagen; Ist die Zersetzung der moorbilden-
den Pflanzenreste so weit vorgeschritten, daß ihre Struktur mit bloßem Auge
nicht mehr erkennbar ist und das ganze Bodenmuster erdig und mehr oder
weniger krümelig erscheint, so kann die Moorsubstanz als vorzüglich zersetzt be-
zeichnet werden. Von vornherein darf als wahrscheinlich, wenn auch nicht als
sicher angenommen werden, daß ein solcher Moorboden einen verhältnismäßig
großen Vorrat an Stickstoff und meistens auch an Kalk enthält. Bei weniger weit
vorgeschrittener Humifikation sind zahlreiche in ihrer Struktur noch erhaltene
Pflanzenreste erkennbar; der betreffende Moorboden wird als gut oder ziemlich gut
zersetzt zu bezeichnen sein. Sind fast alle Pflanzenteile noch vollkommen erhalten,
arm an erdigen Beimengungen, unter Umständen noch sperrig, so ist die Moor-
substanz mäßig oder schlecht humifiziert. Trotz vollkommener Erhaltung der
äußeren Struktur kann der Zerfall im Innern der Pflanzenreste so weit gediehen
sein, daß sie z. B. beim Zerreiben zwischen den Fingern vollständig erdig erscheinen.
Ein so beschaffenes Moor wird sich sehr schnell durch die Einwirkung der Atmo-
sphärilien vollkommen zersetzen, es ist als vorläufig noch mäßig zersetzt, aber als
leicht zersetzlich zu kennzeichnen. — In jedem Fall wird bei den Moorböden von
unvollkommenem Zersetzungszustand nach der Anlage der Entwässerungsgräben
eine mehr oder weniger beträchtliche Verdichtung und eine dadurch verursachte
Senkung der Mooroberfläche ein treten, worauf bei dem Vorschlag von Kultur-
maßregeln notwendigerweise hingewiesen werden muß.

"V or allem ist die Bestimmung der Pflanzen, aus denen das Moor entstanden
und mit denen es im natürlichen Zustande bestanden ist, äußerst wertvoll. Sie läßt
in den meisten Fällen sofort erkennen, ob wir es mit einem von Natur graswüchsigen
sog. Niederungsmoor oder mit einer vorwiegend aus Torfmoosen, Heide und Woll-
gräsern entstandenen Hochmoorbildung oder besser einem Heide-Moostorfmoore
zu tun haben. Durch zahlreiche Untersuchungen der Moor-Versuchs-Station ist dar-
getan, daß die erstgenannten bedeutend kalkreicher sind als die letzteren. Als
obere Grenze des Kalkgehaltes für die Hochmoore wurde 0,5°/0auf Trocken-
substanz berechnet, als untere Grenze für die ausgesprochen graswüchsigen
Moore 2,5 °/0, frei gedacht von zufälligen Bestandteilen, ebenfalls auf Trockensubstanz
berechnet, festgesetzt. Zwischen beiden finden sich selbstverständlich zahlreiche
Übergänge, auch können in demselben Moore durch eine Veränderung der Entstehungs-
bedingungen niederungsmoorartige und hochmoorartige Schichten in abwechselnder
Lagerung entstanden sein. Jedenfalls gibt die Erkenntnis, welche Art von Moor-
boden vorliegt, schon für die analytische Untersuchung, die Bestimmung der Zer-
        <pb n="110" />
        ﻿86

Untersuchung von Boden.

Setzungsfähigkeit u. dergl. wertvolle Winke. Aus diesen Gründen verlangt die
obenstehende Anweisung auch die Einsendung eines kennzeichnenden Narbenstückes
der betreffenden Moorflächen.

Die besprochenen Beobachtungen sind nur an der frischen Moorsubstanz mit
Sicherheit anzustellen und werden daher am besten vor jeder weiteren Verarbeitung
ausgeführt.

Der Wassergehalt der Moorprohen, soweit er sich von vornherein beurteilen
läßt, verdient ebenfalls Beachtung, da durch das Abzapfen des Wassers aus sehr
wasserreichen Mooren eine bedeutende Volumverminderung der Moormasse eintritt.

Im allgemeinen ist die Untersuchung der rein organischen und der mit
Mineralsubstanzen (Sand, Kalk, Ton) in größerer oder kleinerer Menge gemischten
sog. anmoorigen Böden gleich; vorteilhafterweise schenkt man jedoch diesen Ver-
hältnissen schon bei der Vorbereitung zur Untersuchung Beachtung, da man dadurch
wertvolle Anhaltspunkte für die Untersuchung selbst erhält.

Die analytische Untersuchung der Bodenproben liefert nur dann sichere An-
haltspunkte für den Vorschlag von Kultivierungsmaßnahmen, wenn es möglich ist,
die ermittelte Zusammensetzung mit derjenigen von Böden zu vergleichen, welche
schon in Kultur sind, deren Fruchtbarkeit bekannt und bei denen die Zweckmäßig-
keit der Meliorierung durch den Erfolg bewiesen ist. Bei der außerordentlichen
Verschiedenheit der Moorböden in bezug auf den Zersetzungszustand, den Gehalt
an Mineralstoffen, die Dichtigkeit der Lagerung können jedoch die prozentigen
Zahlen der Untersuchung nicht viel besagen. Enthält z. B. ein mit Sand gemischter
Moorboden A in Prozenten der Trockensubstanz 1,5 °/0 Stickstoff, ein von Sand
freier B dagegen	3°/0	Stickstoff, so würde	der Schluß,	daß	der	letztere der	an

diesem wichtigen	Pflanzennährstoff reichere	sei, durchaus	unsicher	sein, denn	da

1 cbm des natürlichen Bodens A z. B. 680 kg feste Stoffe (trocken gedacht), 1 cbm
des Bodens B dagegen nur 250 kg feste Stoffe enthalten kann, so ergibt sich, daß
auf einem Hektar bis zur Tiefe von 20 cm an Stickstoff vorhanden sind

im Moorboden A	20400 kg,

„	„ B	15000 „

daß also entgegen der durch die prozentigen Zahlen gewonnenen Anschauung der
Boden A der stickstoffreichere ist.

Daher ist es, um eine sichere Vorstellung über die den Pflanzen in einer
bestimmten Schicht zugängliche Nährstoffmenge zu erlangen, bei den Moorboden-
arten in noch viel höherem Maße als hei den mineralischen Böden notwendig, das
scheinbare spezifische Gewicht oder das Volumgewicht zu ermitteln.

Bei den unter Beachtung der oben gegebenen Anweisung entnommenen und
zur Untersuchung von auswärts eingeschickten Proben wird dieses nach dem an
der Moor-Versuchs-Station üblichen Verfahren in folgender Weise ausgeführt; Die
Moorprobe wird sorgfältig gemischt und mit den Händen so dicht zusammengepreßt,
als es ohne Aufbietung übermäßiger Kraft geht; nach Herstellung einer ebenen
Fläche wird aus dieser mit Hilfe einer vorher tarierten Blechform ein Würfel
von 10 oder 15 cm Höhe entsprechend 1000 hezw. 3375 com Inhalt ausgestochen,
gewogen, die Moorsubstanz auf Hürden flach ausgebreitet, im Trockenschrank hei
mäßiger Temperatur (90°) lufttrocken gemacht und nach dem Erkalten wieder
gewogen. Die Masse läßt sich dann leicht zerkleinern und mahlen. Hierzu
leistet eine Excelsiormühle für Hand- oder Maschinenbetrieb mit verstellbarer
Mahlscheibe vorzügliche Dienste,1) vergl. auch unter „Futtermittel“. Die so ge'

J) Zu beziehen von dem Grusonwerk Friedr. Krupp in Buckau-Magdeburg bez'tf-
Eisenwerk Gaggenau in Gaggenau (Baden).
        <pb n="111" />
        ﻿Untersuchung der Moorböden.

87

wonnene lufttrockne Probe dient auch zur chemischen Untersuchung; in ihr wird
(s. u.) eine Bestimmung der Trockensubstanz ausgeftlhrt; damit erhält man die
nötigen Unterlagen, um berechnen zu können, wie viel z. B. 1 cbm des natürlichen
Moores an frischer und trocken gedachter Substanz enthält; man kann dann leicht
mit Hilfe der prozentigen Zahlen der Untersuchung den absoluten Gehalt einer
beliebigen Bodenmenge an wertbestimmenden Stoffen ermitteln.

Das beschriebene Verfahren ist allerdings nicht vollkommen einwandfrei. Die
Veränderung im Wassergehalt und in der Lagerung der Moorteilchen bei der Probe-
nahme und dem Versand wird die Größe des Volumgewichts in gewissem Grade
beeinflussen. Bedenkt man aber einerseits, daß man bei dem beschriebenen Verfahren
fast nie die feste Lagerung der Moorteilchen wie im natürlichen Moore erreicht, also
jedenfalls die Bestimmung des Volumgewichtes und infolgedessen der in einem bestimmten
Bodeny olumen vorhandenen Nährstoff mengen eher etwas zu niedrig als zu hoch
ausfällt, — die vorzuschlagenden Kulturmaßnahmen werden hierdurch nicht beein-
flußt — und daß vor allem das Verfahren seit Jahren sich praktisch bewährt hat,,
zieht man andererseits in Erwägung, daß es sehr schwer ist, das Verfahren durch ein
anderes zu ersetzen, das ebenso einfach ist, ohne an die Einsicht und Geschick-
lichkeit der Einsender von Moorproben bei der Probenahme besondere Ansprüche
zu stellen, so wird man sich vorläufig wenigstens mit ihm begnügen können.

Die Bestimmung des Volumgewichtes ist natürlich frei von allen den Fehlern,
die durch die Veränderungen im Wassergehalt und in der Lagerung der Moor-
substanz bei der Probenahme, dem Versand u. dergl. verursacht werden, wenn
mit Hilfe der Blechform die Würfel an Ort und Stelle selbst ausgehoben werden.
Es ist das aus naheliegenden Gründen allerdings nur selten ausführbar. Am zweck-
mäßigsten läßt man sich hierfür eine Anzahl vollkommen gleich großer Blech-
würfel von den oben angegebenen Maßen mit gut schließendem, übergreifendem
Deckel hersteilen. Bei Bestimmungen des Volumgewichtes in der oberen Schicht, der
Ackerkrume, wird die Bodennarbe, falls sie vorhanden ist, flach abgeschält; handelt
es sich um die tieferen Schichten, so werden die oberen bis zur entsprechenden
Tiefe sorgfältig abgetragen, dann ein Würfel eingedrückt, ausgehoben, die über-
stellenden Teile mit einem scharfen Messer abgeschnitten und geglättet, der Würfel
mit dem zugehörigen Deckel verschlossen und die Fugen zur Verhinderung der
Wasserverdunstung mit gummierten Papier streifen verklebt.1) Auf die beschriebene
Art werden an verschiedenen Stellen der Moorfläche, nötigenfalls auch in verschiedenen
Schichten Würfel ausgestochen und dadurch die Sicherheit der Volumgewichts-
bestimmung vergrößert, aus einer gleichmäßig über die Fläche verteilten Anzahl
von Probelöchern zudem noch ein Durchschnittsmuster des Moorbodens gewonnen.
Für die Bestimmung des Volumens der festen Moorteile, des spezifischen Gewichtes
des Moorbodens und im Anschluß daran der Porosität des Moorbodens dient ein
besonders eingerichtetes Volumenometer.2)

Es hält sehr schwer, aus stark sandigen Mooren eine richtige Durchschnitts-
probe für die Untersuchung zu gewinnen, da nach dem Trocknen an un
sich leicht entmischen. Beide werden daher zweckmäßig voneman er Be

’) Die Würfelform hat am Boden ein kleines Loch, um beim Einpressen dei Mooi-
probe ein Entweichen der Luft aus der Form zu gestatten.

2) Br. Tacke, Zeitachr. f. angew. Chemie 1893, 39.
        <pb n="112" />
        ﻿88

Untersuchung von Boden.

Dieses wird an der Moor-Versuchs-Station in der Art ausgeftlhrt, daß die Moor-
prohe in hohen Zylindern mit nicht zu wenig Wasser vollkommen zerkleinert und
aufgerührt wird. Der Sand setzt sich ziemlich schnell in dichter Schicht ah, während
das leichte Moor ziemlich langsam niedersinkt und nur eine lockere Schicht bildet.
Etwa in letzterer noch vorhandener Sand fällt hei schwachen Eüttelbewegungen,
die man mit Hilfe eines Stahes in der Moorschicht hervorbringt, bald zu Boden.
Die Flüssigkeit mit der Moorsuhstanz wird dann vorsichtig ahgegossen und das
Verfahren so oft wiederholt, bis der Sand vollkommen frei von erkennbarer or-
ganischer Substanz erscheint. Die Flüssigkeit mit dem Moore wird in einer großen
Porzellanschale zur Trockne verdampft, der Sand ebenfalls getrocknet und beide
getrennt untersucht.

III.	Chemische Untersuchung.

Es sollen hier unter Hinweis auf die chemische Untersuchung der mineralischen
Bodenarten nur die Abweichungen von dem allgemein gebräuchlichen Verfahren
Besprechung finden, die durch den Reichtum der Moorboden an organischer Substanz
nötig werden.

1.	Die Trockensubstanzbestimmung. Eine völlig genaue Bestimmung des
Troekensubstanzgehaltes im Torf ist kaum möglich, da die organische Masse das
Wasser in verschiedenem Zustande des Gehundenseins enthält und mit wie ohne
Anwendung von Wärme beim Austrocknen bereits einen teilweisen Zerfall be-
stimmter organischer Bestandteile unter Abgabe von Wasser erleidet, ehe noch das
sog. hygroskopische Wasser entfernt ist. Jedoch liefern das Trocknen im Vakuum
über konzentrierter Schwefelsäure oder Phosphorsäureanhydrid bei gewöhnlicher
oder erhöhter Temperatur, das Trocknen im Luft- und Wasserstoff ström bei höherer
Temperatur unter teilweiser Evakuierung des Trockenraumes oder das Trocknen
bei höherer Temperatur und Erkaltenlassen der Substanz im Exsikkator in luftdicht
verschließbaren Gefäßen, die vor dem Wägen auf einen Augenblick zum Ausgleich
der Spannungsunterschiede gelüftet werden, im allgemeinen untereinander über-
einstimmende und genügend genaue Ergebnisse.1) Handelt es sich lediglich darum,
einen Moorboden auf seinen Vorrat an Pflanzennährstoffen zum Zwecke der
Empfehlung von Kultivierungsmaßnahmen zu untersuchen, so wird man sich meist
mit einer zwar etwas weniger genauen, aber einfacher und schneller auszuführenden
Wasserbestimmung begnügen dürfen. Hierbei werden zweckmäßig nicht zu geringe
Mengen (5—10 g) angewendet.

2.	Veraschung. Für die Untersuchung auf mineralische Bestandteile wird der
Moorboden gewöhnlich verascht. Die Untersuchungen, die darüber Auskunft liefern
sollen, in welcher Verbindungsform die Moorbestandteile im ursprünglichen Moor
enthalten sind, haben zwar bemerkenswerte Ergebnisse geliefert, sind jedoch analytisch
noch nicht verwertbar. Dieselben können natürlich nur an der unveränderten
Moorsubstanz angestellt werden.* 2)

Die Veraschung ward am besten in einer möglichst flachen geräumigen Platin-
schale ausgeführt, das Glühen durch einen Bunsenbrenner mit Sternaufsatz (Plamraen-







&gt;) Man vergl. K. Virchow, Landw. Jahrbücher 1880, 9, 1022; Br. Tacke,
Chem.-Ztg. 1895, 19, 1756; H. Tryller, Landw. Versuchs-Stationen 1897, 49, 145;
H. Puchner, ebenda 1901, 55, 309; A. Mitscherlich, Landw. Jahrbücher 1902, 31, 577
und A. Arntz, Landw. Versuchs-Stationen 1904. 59, 411.

2)	Vergl. C. L. Wiklund, Landw. Jahrbücher 1891, 20, 909; M. Schmoeger,
Ber. d. D. chem. Ges. 1893, 26, 386; Br. Tacke, Chem.-Ztg. 1895,, 19, 1756.
        <pb n="113" />
        ﻿Untersuchung der Moorböden.

89

Verbreiter) bewerkstelligt. Die Hitze soll dunkle Rotglut nicht überschreiten.
Gegen das Ende der Veraschung muß häufig mit einem Platindraht oder Spatel
umgerührt werden, weil die Kohleschicht auf der Oberfläche der Asche sonst schwer
verbrennt.

Die Moorasche ist äußerst hygroskopisch und daher möglichst schnell mit
einer Platte bedeckt zu wägen. Die Exsikkatoren müssen dicht schließen und das
Trookenmittel muß häufig erneuert werden; bei einem schon längere Zeit benutzten
Exsikkator zieht Moorasche wie trockne Moorsubstanz Wasser an.

Betreffs der bei Bestimmung gewisser leicht sich verflüchtigenden Bestandteile,
wie Chlor, Kalium, zu beachtenden Vorsichtsmaßregeln bei Herstellung der Asche
gelten die für Untersuchung von Pflanzen (vergl. „Pflanzenasche“) gültigen Regeln.

Die mehr oder weniger stark mit Sand, Ton oder Kalk vermischten Moor-
böden werden in derselben Weise behandelt:

Soll die Untersuchung eines Moorbodens lediglich die nötigen Anhaltspunkte
für die Beurteilung seiner Kulturfähigkeit liefern, so wird nach dem an der Moor-
Versuchs-Station üblichen Verfahren die Asche gewogen, mit konzentrierter Salzsäure
von 1,135 spezifischem Gewicht unter Zusatz von wenig Salpetersäure gekocht, zur
Trockne verdampft, der Rückstand nach dem Uberführen der Kieselsäure in die
unlösliche Form mit Salzsäure aufgenommen, filtriert und das Unlösliche, sowie im
Filtrate Kalk und Phosphorsäure bestimmt.

In der lufttrocknen Substanz wird der Stickstoff und behufs Umrechnung
des Untersuohungsergebnisses auf Trockensubstanz die Feuchtigkeit ermittelt.

Von einer Bestimmung des Kalis wird seitens der Moor-Versuchs-Station
meistens abgesehen, da seine Menge in der überwiegenden Anzahl der Moore
so gering ist, daß sie bei der Düngung unberücksichtigt bleiben kann. In besonderen
Fällen, z. B. wenn das Moor auf kalireichem Untergrund aufgewachsen oder mit
Ton durchsetzt ist, oder wenn ein solcher Untergrund selbst zur Bedeckung bei
Deckkulturen verwendet werden soll, wird eine Bestimmung des Kalis ausgeführt.

Die vollständige Untersuchung der Moorbodenasche weicht nicht von den hei
Mineralböden bezw. Pflanzenaschen gebräuchlichen Verfahren ab.

3. Bestimmung einzelner Bestandteile. Bezüglich der Bestimmung einzelner
Bestandteile des Moorbodens sei noch folgendes bemerkt:

a)	Stickstoff. Der Stickstoffgehalt des Moorbodens wird nach dem von
Wilfarth u. a. abgeänderten Kjeldahlschen Verfahren durch Kochen mit kon-
zentrierter Schwefelsäure unter Zusatz von metallischem Quecksilber usw. bestimmt.
Bei sandfreien Moorböden pflegen 2 g der lufttrocknen Masse für die Bestimmung
auszureichen, bei sandhaltigen (anmoorigen) Moorböden wird entsprechend mehr (5—10 g)
nötig sein. Das Uberschäumen im Anfang wird durch vorsichtiges Erhitzen und
Zusatz eines Körnchens (stickstofffreien) Paraffins verhindert (vergl. auch S. 37).

b)	Schwefel und Phosphor. Die Bestimmung des in Form von Sulfiden vor-
handenen Schwefels nach dem von M. Fleischer angegebenen Verfahren ist weiter
unten S. 96 u. ff. behandelt.

Für den Gesamtschwefel und Gesamtphosphor im Moorboden sind die be-
kannten Verfahren anzuwenden (siehe Untersuchung der Pflanzenasche); bei kalk-
armen Mooren ist vor dem Veraschen, besonders für die Bestimmung des. Schwefels,
der Zusatz basischer Stoffe (z. B. Soda) erforderlich.1)

') Vergl. G. Gundlach, Journal f. Landwirtschaft 1892, 40, 223 und G. Schmoeger,
Landw. Jahrbücher 1896, 25, 1047.
        <pb n="114" />
        ﻿90

Untersuchung von Boden.

c)	Pflanzensehädliche Stoffe. Das Auffinden und die quantitative Be-
stimmung derartiger Stoffe im Moore selbst ist bisweilen mit großen Schwierigkeiten
verknüpft. Das Verfahren wird in einem besonderen Abschnitt über die Untersuchung
der Untergrundsande weiter unten erörtert werden.

d)	Bestimmung der Absorption wichtiger Pflanzennährstoffe durch den
Moorboden. Das Verfahren ist im wesentlichen demjenigen bei mineralischen
Bodenarten gleich.1) Besonders zu beachten ist nur folgendes: Wegen der großen
wasserhaltenden Kraft des Moorbodens darf man nicht mit zu kleinen Mengen der
Nährstofflösungen arbeiten, um nach Beendigung der Absorption eine für die Unter-
suchung genügende Menge von Flüssigkeit zu erhalten.

Bei der Berechnung der Ergebnisse ist es unerläßlich, den Wassergehalt der
verwendeten Moorprohen zu berücksichtigen, widrigenfalls man zu durchaus falschen
Schlüssen gelangt.

Im übrigen sei auf den betreffenden Abschnitt hei der Untersuchung der
Mineralböden S. 46 verwiesen.

e)	Bestimmung der freien Humussäuren im Moorboden. Für die Be-
stimmung der freien Humussäuren im Moorboden hat Br. Tacke* 2) folgendes Ver-
fahren angegeben:

Das Zersetzungsgefäß c wird mit dem auf das feinste zerkleinerten frische»
Moorboden, dessen Azidität ermittelt werden soll, beschickt und durch das in di®
Flüssigkeit tauchende Rohr Wasserstoff eingeleitet, der in einem Apparat a vo»







’) A. König, Über das Absorptionsvermögen humoser Medien; Landw. Jahrbücher
1882, 11, 1; Landw. Versuchs-Stationen 1881, 26, 400. Der Einfluß des Wassergehalte^
lufttrocken verwandter Böden auf die Berechnung des Resultates bei Ahsorptionsversuche»)
Journ. f. Landwirtschaft 1882, 30, 337.

2) Chem.-Ztg. 1897, 21, 174,
        <pb n="115" />
        ﻿Untersuchung der Moorböden.

91

bekannter Form entwickelt und in den Waschflaschen b mit Säuren und Alkali
gewaschen wird. Der aus c austretende Gasstrom geht durch eine v. P ettenkof ersehe
Absorptionsröhre e und tritt in dem Gefäß f unter Waser aus.

Der Gang des Stromes wird durch die Schraubenklemme h geregelt; die feinere
Regelung läßt sich sehr leicht durch höheres oder tieferes Eintauchen des Rohres
im Gefäß f erreichen, wodurch eine Verschiebung des Widerstandes für den aus-
tretenden Gasstrom in sehr engen Grenzen möglich ist. Der Ansatz mit dem
Quetschhahn d dient dazu, die Aufschlämmung von kohlensaurem Calcium zu dem
Inhalt im Zersetzungsgefäß c treten zu lassen. Nach Einfüllung des Moorbodens und
von 100—200 ccm Wasser in c wird zunächst durch den ganzen Apparat 1 Stunde lang
Wasserstoff geleitet, um den Sauerstoff und die im Apparat vorhandene Kohlensäure
zu entfernen. Zum Aufschlämmen der Stoffe wird ausgekochtes Wasser benutzt, des-
gleichen zur Herstellung der Lösung verdünnter Säure im Wasserstoffentwickelungs-
apparat a. Ist aller Sauerstoff und alle Kohlensäure durch Wasserstoff im Apparat
verdrängt, so wird bei ununterbrochenem Gasstrom durch Lüftung des Stopfens in das

Absorptionsrohr e die Absorptionsflüssigkeit (100 ccm oder Natronlauge) einge-
füllt, sodann durch d ein Uberschuß von aufgeschlämmtem kohlensaurem Calcium und
unter zeitweiligem Umschütteln des Inhaltes im Gefäß c mindestens weitere 3 Stunden
Wasserstoff in langsamem Strom durchgeleitet, darauf der Inhalt des Absorptions-
rohres e unter möglichster Verhütung des Zudringens von Kohlensäure aus der Luft
entleert und die Veränderung der Azidität nach dem Verfahren von CI. Winkler1)

(Zusatz von reinstem Chlorbaryum und Titrieren mit oder ^ Salzsäure, unter Ver-
wendung von Phenolphthalein als Indikator) bestimmt, indem man die Lösung
samt Niederschlag direkt2) titriert.

Der Gehalt der verwendeten Lauge an freiem Alkali wird vorher in derselben
Weise (unter Einhaltung derselben Verdünnungen) durch Titration mit Salzsäure
nach Zusatz von Chlorbaryum unter Anwendung von Phenolphthalein als Indikator
festgestellt. Die Differenz zwischen den beiden Titrationen ergibt die Menge
Kohlensäure, die aus dem Calciumkarbonat durch Einwirkung der freien Humus-
säure des Moorbodens entwickelt worden ist, und in dieser ein Maß für den Säure-
grad des Bodens. Wichtig ist es, daß bei der Titration am Schlüsse der
Zusatz der Säure langsam erfolgt.

Durch die Ermittelung des Säuregrades (Gehaltes an freier Säure, Humussäure) lassen
sich nach Br. Tacke eine Reihe Fragen, wie über das Kalkbedürfnis, die Wirkung der
Eohphosphate usw. auf verschiedenen Moorböden beantworten.

IV.	Berechnung der Untersuchung und ihre Verwertung zur Beurteilung
der Güte eines Moorbodens.

Die Untersuchungsergebnisse werden am besten auf Prozente der vollkommen trocken
gedachten Moorsubstanz berechnet und daun auf Grund der Volumgewichtsbestimmung er-
mittelt, wie viel von den betreffenden Pflanzennährstoffen in einem bestimmten Bodenvolumen,
z. B. auf einer Fläche von 1 ha, in der Oberflächenschicht von 0—20 cm oder in einer gleich

*) Vergl. CI. Winkler, Maßanalyse, und Fr. Boeckmann, Untersuohungsmethoden
1893, 1, 411.

3) Vergl, F. W. Küster, Zeitschr. f. anorgan. Chemie 1896, 18, 127, und G. Lunge,
Zeitschr. f. angew. Chemie 1897, 41.
        <pb n="116" />
        ﻿92

Untersuchung von Boden.

mächtigen Schicht der tieferen Lagen vorhanden ist. Durch den Vergleich mit Moorböden
von anerkannter Fruchtbarkeit wird dann ein gewisses Wertmaß für die gerade vorliegenden
Moorflächen und Anhaltspunkte für Kultivierungsvorschläge gewonnen.

Die Untersuchungen der Moor-Versuchs-Station haben, wie schon oben S. 85 erwähnt
wurde, gezeigt, daß der Kalkgehalt der verschiedenen Moorbodenarten ein kennzeichnendes
Unterscheidungsmerkmal bietet.

Es lassen sich hiernach die Moore in zwei Hauptgruppeu trennen, erstens in solche
mit weniger als 0,5 °/0, zweitens in solche mit mehr als 2,5 °/0 Kalk, auf trockne Moor-
substanz, frei gedacht von zufälligen Bestandteilen, berechnet. Zu der ersten, der Gruppe
der kalkarmen Moore, zählen unter anderen die sog. Hochmoore oder Moostorf-Heide-
Moore, zu der Gruppe der kalkreichen Moore die allgemein als Grünlands- oder
Niederungsmoore bezeichneten. Die zwischen den ausgesprochenen Hochmooren und
Grünlandsmooren stehenden Moorbildungen, zu denen eine große Anzahl der süd-
deutschen Moore, die Mehrzahl der Gebirgsmoore, ebenso z. B. die Moore der schwedischen
Provinz Smaland gehören, weisen in der Eegel nicht nur einen höheren Kalk- und Stick-
stoffgehalt, sondern auch einen weit besseren Zersetzungszustand auf, als die Moostorf'
Heide-Moore.

Für diese verschiedenen Moorarten ist die Art der landwirtschaftlichen Nutzbar-
machung eine durchaus verschiedene. Die Untersuchung läßt zunächst mit Sicherheit er-
kennen, welche Moorbodenart vorliegt.

Folgende Zusammenstellung aus einer großen Anzahl von Untersuchungen berech-
neter Durchschnittszahlen, welche einem Aufsatz von M. Fleischer1) entnommen sind,
gibt über die Zusammensetzung der häufiger vorkommenden Moorbodenarten Aufschluß.

In 100 Teilen Trockensubstanz sind enthalten:

1 cbm frisches

Moostorf-Heide-Moore:	stl&lt;*stoff  Io	Kall  °/o	Kalk  °/o	Phosphorsäure  °/o	Moor enthält Trockensubstanz
Oberfläche, sog. Heidehumus* 2 3) .	. 1,2	0,05	0,35	0.10	120 kg.
Tiefere Schicht, Moostorf (jüngerer) 0,8	0.03	0,25	0,04	90 „
Graswüchsige Moore .... 2,5	0,10	4,00	0,25	250 „
In der Mitte stehende Moore . 2,0	0,10	1,00	0,20	180 „

Wie aber schon oben auseinandergesetzt wurde, geben die prozentigen Zahle11
keine genügende Vorstellung von den Vorräten an Pflanzennährstoffen in den verschiedene»
Moorböden; diese erhält man erst, wenn man mit Hilfe des Volumgewichts berechnet, wie
viel z. B. in der obersten Schicht von 20 cm, welche zunächst für die Pflanze als Kultur-
schicht in Betracht kommt, an den betreffenden Nährstoffen auf 1 ha Fläche vorhanden ist.
Es ergibt sich dann folgendes;

Auf 1 ha Fläche bis zu 20 cm Tiefe sind vorhanden:

	Stickstoff	Kall	Kalk	Phosphorsäure
Oberfläche, sog. Heidehumus .	.	.	2880 kg	100 kg	840 kg	240 kg.
Moostorf		1450 „	54 „	450 „	72 „
Graswüchsige Moore ....	. 12500 „	500 „	20200 „	1250 „
In der Mitte stehende Moore .	.	7200 „	360 „	3600 „	720 „

Zum Vergleich mögen poch die folgenden Angaben dienen.

Zusammensetzung einiger typischen Bodenarten nach Untersuchung»11
der Moor-Versuchs-Station:3)

*) M. Fleischer, Unsere Moore und ihre landwirtschaftliche Verwertung; Mentzel
und von Lengerkes landw. Kalender 1888, II. T., 31.

2)	Darunter wird die besser zersetzte Oberflächenschioht verstanden, die durch Vef'
Witterung der organischen Substanz und durch die bodenbereichernde Wirkung des Heide'
Wuchses auf die Oberfläche mit bestimmten Pflanzennährstoffen angereichert ist.

3)	M. Fleischer, Mitteilungen des Vereins zur Förderung der Moorkultur 1111
Deutschen Reiche 1889, 7, 205.
        <pb n="117" />
        ﻿Untersuchung der Moorböden.

93

		100 kg trocknen Bodens enthalten:							
Boden.	&lt;X&gt;  rd e 03  6  hg	£ Stickstoff	13  M  kg	lö  kg	aä  '53  (£  P  bfl  cö  s  kg	S|  S|  3 s kg	o ©  o CO  rd  PH  kg	■Ä ©  03 P  |S ■S “  m  kg	Kohlen-  w	säure
Humoser Heidesand. Sandheidefläche in der Arbeiterkolonie Loxstedt bei Bremerhaven ....	5,22	0,16	0,05	0,03	0,04	?	0,02	?	
Cujavischer Boden (dunkelt Rittergut Lachmirowitz, Kr, Inowrazlaw	2,39	0,16	0,24	0,95	0,44	3,14	0,09	0,07	0,43
Weser-Marschboden.  Aus der Nähe von Bremerhaven . . .	8,64	0,26	0,70	6,72	1,63	9,20	0,20	0,17	4,63
Niederungsmoor aus dem Dröm- ling (unkultiviert).  Rittergut Cunrau (obere Schicht), Torfstich	82,56	3,23	0,05	6,96	0,19	3,31	0,25	1,51	
Hochmoorboden durch Brenn- kultur ausgenutzt (unkultiviert). Hellweger Moor, Kr. Achim, Moorkolonie Hintzendorf		91,47	1,06	0,06	0,27	0,19	0,79	0,09	0,22	
Hochmoorboden in alter Kultur (ohne Sand).  Hellweger Moor, Kr. Achim, Moorkolonie Giersdorf			1,38	0,07	0,59	0,35	0,91	0,16	0,30	
Ausgetorfter Hoohmoorboden (unkultiviert).  Lilienthaler Hochmoor, Kr. Osterholz, Moorkolonie Wörpedorf		99,6E	0,99	0,07	0,24	0,28	0,23	0,05	0,27	
Ausgetorfter Hochmoorboden (mit Sand kultiviert). Lilienthaler Hochmoor, Moorkolonie Wör- pedorf .	; . .	34,4r	0,69	0,06	0,27	0,09	0,75	0,11	0,18	—

Aus einer anderen an demselben Orte gegebenen Zusammenstellung über die
Mengen an wichtigen Pflanzennährstoffen in 1 cbm der natürlichen Böden ist die folgende
labelle berechnet worden, welche angibt, wieviel Kilogramm Stickstoff, Kali, Kalk und
I hosphorsänre in einer 20 cm mächtigen Oberflächenschicht von 1 ha Fläche vorhanden sind.

Bodenarten.

Humoser Heidesand (Sandheidefläche in der
Arbeiter-Kolonie Loxstedt bei Bremerhaven)
Cujavischer Boden (dunkel). Rittergut Lachmiro-

witz, Kreis Inowrazlaw...................

Weser-Marschboden aus der Nähe von Bremer-
haven .....................................

Niederungsmoor aus dem Drömling (unkultiv.),
Rittergut Cunrau (obere Schicht, Torfstich)

Stickstoff	Kali
kg	kg
4000	1200
5000	7600
4200	11200
16200	200

Kalk	Phosphor-  saure
kg	kg
800	600
30000	2800
92200	3200
29800	1200
        <pb n="118" />
        ﻿94

Untersuchung von Boden.

Bodenarten.	Stickstoff  kg	Kali  kg	Kalk  kg	Phosphor-  säure  kg
Hochmoorboden durch Brennkultur ausgenutzt				
(unkultiviert), Hellweger Moor, Kreis Achim, Moorkolonie Hintzendorf		3000	200	800	120
Hochmoorboden in alter Kultur (ohne Sand),				
Hellweger Moor, Kreis Achim, Moorkolonie Giersdorf		4400	200	800	600
Ausgetorfter Hochmoorboden (unkultiv.), Lilien-				
thaler Hochmoor, Kreis Osterholz, Moorkolonie Wörpedorf		1800	200	400	200
Ausgetorfter Hochmoorboden (mit Sand kulti-				
viert, alte Kultur), Lilien thaler Hochmoor Osterholz, Moorkolonie Wörpedorf ....	3400	400	2200	800

Mit Hilfe dieser Zahlen wird sich jeder Moorhoden auf Grund der durch die Unter-
suchung und das Yolumgewicht gewonnenen Werte seiner Zusammensetzung nach kenn-
zeichnen und annähernd auf seinen landwirtschaftlichen Wert beurteilen lassen. Auf die
einzelnen Arten der Meliorierung, welche bei den erwähnten Moorhodenarten eine durchaus
verschiedene ist, kann hier nicht näher eingegangen werden; in bezug hierauf sei auf die
schon mehrfach erwähnte Schrift von M. Fleischer, sowie die übrigen Veröffentlichungei1
der Moor-Versuchsstation verwiesen.

Wiederholt wurde schon betont, daß bei der Beurteilung der Güte eines Moorbodens
nicht weniger, wie die chemische Zusammensetzung, der Zersetzungszustand Beachtung ver-
langt, da dieser die Kulturfähigkeit in hohem Grade beeinflußt. Derselbe pflegt bei kalk-
reichen Mooren weit günstiger zu sein als bei kalkarmen; in den erstgenannten Mooren gehen
die chemischen Umsetzungen, namentlich die Bildung von Kohlensäure und Salpetersäure,
wie die von der Moor-Versuchs-Station ausgeführten Untersuchungen zeigen, mit unver-
gleichlich viel größerer Energie vor sich, als in den letzteren Mooren.

Endlich muß noch darauf hingewiesen werden, daß neben den chemischen und
physikalischen Bodeneigenschaften noch eine ganze Reihe landwirtschaftlicher und tech-
nischer Gesichtspunkte, namentlich die Lage, die Mächtigkeit, die Wasserverhältnisse, in
Betracht zu ziehen sind, um ein abschließendes Urteil über die Kulturwürdigkeit von
Moorflächen zu erlangen. V.

V.	Untersuchung der Materialien zur Bedeckung des Moorbodens bei def
Anlage von Deckkulturen nach Rimpaus System („Dammkultur“).

Als Bedeckungsmaterial für den Moorboden dient der Mineralboden aus de»1
Untergrund oder aus der Umgebung des Moores. In der Mehrzahl der Fälle handelt
es sich dabei um Sand- oder Kiesböden mit oder ohne einen Gehalt an kohleh'
saurem Kalk, nicht selten aber auch um kalkfreie oder kalkhaltige Tonböden oder
um 'Wiesenmergel (sog. Wlesenkalk).

Das Urteil, ob dieser oder jener Boden ein geeignetes Bedeckungsmaterial
abgibt, stützt sich im wesentlichen auf die Beobachtung der folgenden Eigenschaften'■
Farbe,

Gehalt an	tonigen Beimengungen,

„	„	kohlensaurem Kalk,

„	„	Peldspatteilchen,

„	„	organischen Stoffen,

„	„	Eisenoxyd- und Eisenoxydulverbindungen,

„	„	schädlichen Bestandteilen (Schwefeleisen und dessen OxydationseU

Zeugnissen, schwefelsaurem Eisenoxydul und freier Schwefelsäure))
        <pb n="119" />
        ﻿Untersuchung der Moorböden.

95

außerdem auf die Ermittelung der Körnigkeit und des Gehaltes an kiesigen Bei-
mengungen und deren Kennzeichnung hei Sandböden, der Zähigkeit und des
Sandgehaltes hei Tonhöden.

Um über die Körnigkeit eines Sandes Aufschluß zu erhalten, empfiehlt es
sich, die etwa vorhandenen tonigen Teilchen durch Ahschlämmen zu entfernen.
Man verfährt dabei zweckmäßig in der Weise, daß man in einem zylindrischen,
nicht zu niedrigen Gefäße eine Probe Sand mit Wasser stark aufrtlhrt, den Sand
sich absitzen läßt, den Ton, soweit er in dem Wasser aufgeschwemmt ist, mit
dem Wasser abgießt. Durch Wiederholung des Verfahrens erhält man den Sand
bald genügend tonfrei, um sich betreffs seiner Körnigkeit keinen Täuschungen
auszusetzen. Benutzt man stets ziemlich gleich große Gefäße und gleiche Wasser-
mengen, so lassen sich die einzelnen Sande sehr gut miteinander vergleichen, und
man gewinnt bei einiger Übung durch dieses schnell auszuführende einfache Ver-
fahren ein genügend sicheres Urteil, ob der Sandboden als grob-, mittel-, feinkörnig
oder als fein- bis mittelkörnig oder mittel- bis feinkörnig usw. zu bezeichnen ist.

Ein Gehalt an Kies oder Steinen verdient wegen der vielleicht daraus sich
ergebenden Schwierigkeiten bei der Bearbeitung und wegen des Einflusses auf die
Kapillarität der mineralischen Decke Beachtung, ebenso die Gegenwart größerer
Mengen organischer Stoffe wegen der hierdurch verursachten dunklen Färbung.

In der Hegel beschränkt man sich auf eine qualitative Untersuchung. Wo
quantitative Bestimmungen einzelner Bestandteile (kohlensaurer Kalk, Kali, Phosphor-
säure) wünschenswert erscheinen, wird nach den üblichen Verfahren gearbeitet.

Bezüglich der Brauchbarkeit eines Bedeckungsmaterials läßt sich im übrigen
keine allgemein gültige Segel geben, in jedem besonderen Falle kann nur aus
einer Reihe von Erwägungen und Beobachtungen verschiedener Art das richtige
Urteil gewonnen werden. Zum Teil ist z. B. die Verwendung davon abhängig,
welche Kulturart beabsichtigt wird, wie die Entwässerungsverhältnisse sich gestalten,
welche Früchte im besonderen gebaut werden. Allgemein gültig ist nur, daß die
vorliegenden Erfahrungn nicht zugunsten des einen oder anderen Bedeckungs-
materials sprechen; sie lehren nur, daß für Moore von gewisser Beschaffenheit
dieses oder jenes Bedeckungsmaterial besonders brauchbar ist, ohne die Verwendung
eines anderen auszusohließen.

Die Untersuchung der Bedeckungsmaterialien auf pflanzen-
schädliche Stoffe erfordert eine eingehende Besprechung. Als solche sind bis
jetzt Schwefeleisen und seine Oxydationserzeugnisse, schwefelsaures Eisenoxydul
und freie Schwefelsäure, gefunden worden. Sie können außer in den mineralischen
Untergrundschichten auch in den tieferen Moorschichten verkommen. Das Ver-
fahren für den Nachweis derselben ist jedoch in beiden Fällen dasselbe. Äußere
Merkmale für das Vorhandensein von Schwefeleisen gibt es nicht. Die Tiefe,
in welcher es vorkommt, kann sehr verschieden sein; es wurde bei einem ganz
flachen Moorstande von 25—30 cm, wie auch in größerer Tiefe von 75 cm und
mehr gefunden. Besonders ist die Ubergangsschicht zwischen Moor und Sand darauf
zu untersuchen. Sehr erschwerend für die Auffindung ist der Umstand, daß es
nesterweise vorkommt. Die Probenahme muß daher mit großer Vorsicht und an
möglichst vielen Stellen des Untergrundes vorgenommen werden. Wegen der
hieraus sich ergebenden Schwierigkeiten einer ganz sicheren Probenahme wird seitens
der Moor-Versuchsstation von der Verwendung von Untergrundsanden stets ab-
geraten, in denen qualitativ irgend erhebliche Mengen von Schwefeleisen oder
schwefelsaurem Eisenoxydul nachweisbar, sind. Für die Ermittelung der pflanzen-
        <pb n="120" />
        ﻿9g	Untersuchung von Boden.

schädlichen Stoffe wurden an der Moor-Versuchs-Station die folgenden Verfahren
ausgearbeitet:x)

a)	Qualitativer Nachweis.

a)	Wasserlösliches Eisenoxydul. Die Moor- oder Sandprobe wird in
einem Bechergläschen etwa mit dem doppelten Volumen Wasser libergossen, eine
Messerspitze voll fein zerriebenen roten Blutlaugensalzes zugesetzt und nach dem
Umrühren mit einem Glasstab 24 Stunden lang stehen gelassen. Ist bis dahin keine
Blaufärbung eingetreten, so ist sicher kein Eisensulfat vorhanden. Bei Gegenwart
desselben entstehen entweder an der Oberfläche der festen Masse oder an einzelnen
häufig von außen sichtbaren Stellen, an Holzresten und dergl. blaue oder bläuliche
Färbungen. Die bei Sandproben sehr deutliche Eeaktion ist bei den dunkel ge-
färbten Moorproben schwieriger zu erkennen.* 2 3 * * * *)

Bei Gegenwart von kohlensauren Salzen (kohlensaurem Calcium) wird, wenn
aus Schwefeleisen durch Oxydation schwefelsaures Eisenoxydul entsteht, bald eine
Umsetzung eintreten und, falls die Mengen der kohlensauren Salze ausreichen, alles
Eisensulfat in Karbonat verwandelt und kein wasserlösliches Eisenoxydul nachzu-
w'eisen sein.

ß) Sohwefeleisen. Nach den vorliegenden Untersuchungen8) hat das in
den Mooren vorkommende Schwefeleisen die Zusammensetzung FeS2 und die Form
des Wasserkieses, welcher sich bei Gegenwart von Wasser und Luft leicht in
schwefelsaures Eisenoxydul und freie Schwefelsäure umsetzt. Daneben finden sich
andere schwerer zersetzbare Schwefeleisenverbindungen, wenn auch seltener.

Der qualitative Nachweis des Schwefeleisens stützt sich darauf, daß
es bei heftigem Glühen unter Luftzutritt allen Schwefel in Form von Schwefliger
Säure bezw. Schwefelsäure abgibt, und daß selbst sehr geringe Mengen Schwefliger
Säure sich durch den Geruch mit Sicherheit erkennen lassen.

Die fragliche Probe wird in einem Platintiegel mit aufgelegtem Deckel auf
einem Gebläse zum Glühen erhitzt, dann schnell in eine eiserne Pfanne ausge-
schilttet und zur Nase geführt. Kleine Mengen Schwefliger Säure werden an dem
scharfen stechenden Geruch sofort erkannt. Sind in der Probe kohlensaure oder humus-
saure Salze vorhanden, so wird ein Teil der entstandenen Säure von den Basen dieser
Salze zurückgehalten werden. Aber unter Umständen tritt selbst bei einem großen
Überschuß von kohlensaurem Kalk, wie z. B. in schwefelkieshaltigen Mergeln, beim
Glühen eine starke Entwicklung von Schwefliger Säure auf, vielleicht weil die Mischung
von kohlensaurem Kalk und Schwefeleisen nicht innig genug ist, um alle Schweflige
Säure festzuhalten. Wässerige Auszüge geben dann keine Eeaktion auf Eisenoxydul-
Ein derartiges kalkreiches Deckmaterial kann ohne Bedenken verwendet werden, da
in dem vorhandenen kohlensauren Kalk zugleich ein Mittel, die etwa aus Schwefel-
kies entstehende Schwefelsäure unschädlich zu machen, geboten ist. Es empfiehlt
sich daher, neben der Prüfung auf wasserlösliches Eisenoxydul und Schwefeleisexi
stets die auf Kohlensäure vorzunehmen.

') M. Fleischer, Landw. Jahrbücher 1886, 15, 50.

2)	Betreffs des Auftretens der Eeaktion bei Gegenwart von Eisenphosphat vergl-
Br. Tacke, Mitteilung des Vereins zur Förderung der Moorkultur 1892, 10, 46.

3)	M. Märcker, Zeitschr. des landw. Vereins der Provinz Sachsen 1874, No. 2

und 3, S. 64 ff.

W. Th. Osswald, Landw. Jahrbücher 1877, (&gt;, 391 ff.

K.	Virchow, Ebenda 1880, 9, 1034.

M. Fleischer, Ebenda 1886, 15, 50ff.
        <pb n="121" />
        ﻿Untersuchung von Gesteinen und deren Verwitterungs-Erzeugnissen.

97

b)	Quantitative Bestimmung der pllanzenschädlichen Stoffe.

Um die Zersetzungserzeugnisse des Schwefeleisens, schwefelsaures Eisenoxydul
und freie Schwefelsäure, der Menge nach zu bestimmen, werden die Proben mit
Wasser ausgezogen und die in den wässerigen Auszügen gelösten Bestandteile er-
mittelt. Es sind darin stets vorhanden: Kali, Natron, Kalk, Magnesia, Schwefel-
säure, Chlor, bisweilen geringe Mengen Kieselsäure und Eisenoxydul, in den
wässerigen Auszügen aus Moor zudem noch gelöste organische Stoffe. Aus
den mit schädlichen und unschädlichen Sanden seitens der Moor-Versuchs-Station
angestellten vergleichenden Untersuchungen geht hervor, daß man zu durchaus
sicheren Ergebnissen gelangt, wenn man das Chlor als an Natrium bezw. Kalium,
den Rest der Alkalien, Kalk und Magnesia, an Schwefelsäure gebunden berechnet;
die übrig bleibende Schwefelsäure ist dann an Eisenoxydul gebunden oder in freiem
Zustand zugegen. Die in den Wasserauszügen aus unschädlichen Sanden vor-
handenen Basen reichen aus, um die vorhandene Säure zu neutralisieren; in den aus
schädlichen Sanden waren nach Bindung der Alkalien und alkalischen Erden noch mehr
oder weniger beträchtliche Mengen Schwefelsäure an Eisenoxydul gebunden oder in
freiem Zustand vorhanden. Wenngleich bei den Auszügen aus Moorproben wegen der
in der Lösung vorhandenen humussauren Salze die Menge der nach dem angegebenen
Verfahren gefundenen freien oder an Eisenoxydul gebundenen Schwefelsäure zu niedrig
gefunden wird, weil die Basen der humussauren Salze als an Schwefelsäure gebunden
berechnet werden, so dürfte dadurch kaum dem praktischen Wert des Verfahrens
Abbruch geschehen, da anzunehmen ist, daß die humussauren Alkalien oder Erdalkalien
sich mit dem schwefelsauren Eisenoxydul im Boden bald zu humussaurem Eisen-
oxydul und Sulfaten der Alkalien, des Kalkes, der Magnesia umsetzen und dadurch
die nach obiger Berechnung nicht gefundene Menge freier oder an Eisenoxydul ge-
bundener Schwefelsäure ganz oder größtenteils unschädlich wird. Der Fehler fällt
beim Vorhandensein größerer Mengen schädlich wirkender Schwefelsäure übrigens
kaum ins Gewicht.

Quantitative Bestimmung des Schwefeleisens. Dieselbe wird nach
dem S. 40 u. f. beschriebenen Verfahren von M. Fleischer ausgeführt. Es empfiehlt
sich, beim Glühen von Moorboden im Glasrohr die Luft durch reinen Sauerstoff zu
ersetzen, um eine vollkommene Verbrennung zu erzielen; anderenfalls kann mangels
Sauerstoffs ein Teil des Schwefels unzersetzt bleiben.

Schließlich kann man, um sich von der Unschädlichkeit eines Bedeckungs-
materials zu überzeugen, einen Keimversuch in demselben anstellen. Pflanzen-
schädliche Stoffe machen sich bald durch das Absterben der jungen Pflänzchen in
kennzeichnender Weise bemerkbar.

Durch entsprechende Mengen von gebranntem oder kohlensaurem Kalk gelingt
es, die aus Schwefeleisen herstammenden pflanzenschädlichen Stoffe unwirksam zu
machen.

Untersuchung von Gesteinen und deren Verwitterungs-

Erzeugnissen.

Für die Untersuchung der Gesteinsarten und deren Verwitterungserzeugnisse
lassen sich kaum allgemein anzuwendende Verfahren angeben. Dieselben richten
sich einerseits nach der Art des Gesteins, andererseits nach dem Zweck der Unter-
suchung. Soll durch die Untersuchung nur der landwirtschaftliche Nutzungswert der
Gesteine und deren Verwitterungserzeugnisse ermittelt werden, so verfährt man im
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	7
        <pb n="122" />
        ﻿98

Untersuchung von Gesteinen und deren Verwitterungs-Erzeugnissen.

allgemeinen wie bei der Untersuchung der mineralischen Bodenarten. Handelt es
sich um eine einfache Bausch-Untersuchung, durch welche die einzelnen Bestandteile
des Gesteins bestimmt werden sollen, so verfährt man wie folgt:

1.	Aufschließung mit kohlensaurem Kalium-Natrium. Ein Teil des sehr fein
zerriebenen Minerals (1—3 g) wird mit der 4-fachen Menge von kohlensaurem
Kalium-Natrium — Gemisch von 13 Teilen wasserfreiem, kohlensaurem Kalium und
10 Teilen wasserfreiem, kohlensaurem Natrium — in einem geräumigen Platintiegel
mittels eines Platinspatels innig vermengt, anfänglich gelinde, dann im Gebläse so
lange erhitzt, bis die Masse ruhig fließt und keine Blasen mehr wirft. Die er-
kaltete Schmelze (nötigenfalls mit Tiegel)1) wird in einem Becherglase mit der
10—15-fachen Menge Wasser unter Erwärmen aufgeweicht, dann unter Bedecken
des Becherglases mit einem Uhrglase mit Salzsäure (nötigenfalls unter Zusatz
von etwas Salpetersäure) im Uberschuß versetzt, so lange damit stehen gelassen,
his keine Kohlensäure mehr entweicht, dann in eine Porzellanschale gespült, in
dieser auf dem Wasserbade zur Trockne verdampft und zur vollständigen Ab-
scheidung der Kieselsäure noch einige Zeit im Luftbade erwärmt. Der Rückstand
wird mit salzsäurehaltigem Wasser aufgenommen, die abgeschiedene Kieselsäure
filtriert, ausgewaschen, getrocknet, geglüht und gewogen. Das salzsaure Filtrat
wird auf ein bestimmtes Volumen gebracht und in aliquoten Teilen die Basen:
Eisenoxyd, Tonerde, Mangan, Kalk, Magnesia usw. nach den S. 24 u. ff. unter
„Boden“ angegebenen Verfahren bestimmt. Die Alkalien können selbstverständlich
in dieser Lösung nicht bestimmt werden, für deren Bestimmung bedarf es der

2.	Aufschließung mit Flußsäure. Je nach dem Gehalt an Alkali-Silikaten
werden 1 bis 10 g des äußerst fein zerriebenen Gesteins mit Flußsäure aufgeschlossen
und weiter behandelt, wie unter „Boden“ S. 34 u. ff. beschrieben ist.

3.	Aufschließung mit kohlensaiirem Baryum oder Baryumhydroxyd, Salz-
säure usw. Wenn man die doppelte Aufschließung, einerseits mit kohlensaurem
Kalium-Natrium, andererseits mit Flußsäure umgehen will, so pflegt man auch mit
kohlensaurem Baryum oder Baryumhydroxyd aufzuschließen, weil sich die so erhaltene
Schmelze sowohl zur Bestimmung der Kieselsäure, als sämtlicher Basen verwenden
läßt. Jedoch bedarf es zur Aufschließung mit letzteren einer sehr hohen Tempe-
ratur, welche nur mit einem guten Gasgebläse, einem Sefströmschen Ofen usw.
erreicht werden kann.

Das sehr fein zerriebene und bei etwa 200° getrocknete Gestein wird mit
der 5-fachen Menge von kohlensaurem Baryum in einem geräumigen Platintiegel
oder der 4-fachen Menge Barymmhydroxyd in einem Silbertiegel innig vermengt
und bis zum ruhigen Schmelzen der Masse erhitzt. Die Abscheidung der Kieselsäure
erfolgt wie unter No. 1; das salzsaure, von der Kieselsäure befreite Filtrat dagegen
wird unter Vermeidung eines größeren Überschusses nach und nach mit verdünnter
Schwefelsäure versetzt, vom ausgefällten Baryumsulfat abfiltriert, das Filtrat hiervon
einschließlich Waschwasser auf ein bestimmtes Volumen gebracht und in aliquoten
Teilen die Basen nach den unter „Boden“ S. 24 u. ff. angegebenen Verfahren be-
stimmt.

Aus der so gefundenen Zusammensetzung des ganzen Gesteins lassen sich oftmals
annähernd die. prozentigen Verhältnisse der einzelnen Mineralien (Gehalt an Quarz,

J) Wenn man den noch fast glühenden Tiegel auf eine kalte, dicke, blanke Eisen-
platte stellt, gelingt es in der Regel, den geschmolzenen Kuchen als Ganzes aus dem
Tiegel zu entfernen; man braucht in diesem Falle die anhängenden Teilchen nur mit warmem
Wasser aufzuweichen und in die Schale zu spülen.
        <pb n="123" />
        ﻿Untersuchung von Gesteinen und deren Verwitterungs-Erzeugnissen.

99

Eeldspat, Glimmer, Augit, Hornblende usw.) berechnen, wie dieses unter „Boden“ S. 34
beschrieben ist. Hierbei empfiehlt es sich, wenn ein Gemisch verschiedener Mineralien vor-
liegt, diese mechanisch nach S. 21 u. f. zu trennen und als solche zu bestimmen.

Bei der Untersuchung der Gesteine ist außer der vorstehenden Bausch-Unter-
suchung noch folgendes zu beachten:

Manche Silikate, wie die wasserhaltigen Zeolithe, werden schon durch heiße
konzentrierte Salzsäure zersetzt; letztere kann daher mit gutem Erfolg hei der
Untersuchung von zeolithartigen, kristallinischen Gesteinen, wie z. B. von
Basalt, Phenolith, vulkanischen Laven usw., verwendet werden. Andere
Silikate, wie Magnesiaglimmer, werden von heißer konzentrierter Salzsäure nur
wenig, dagegen mehr oder weniger stark von heißer konzentrierter Schwefelsäure
angegriffen; z. B. gibt mancher noch unverwitterte glimmerreiche Sandstein
an kochende konzentrierte Salzsäure kaum eine Spur von Magnesia ah, während
heim Erhitzen des Gesteinspulvers (oder des Rückstandes von der Behandlung mit
heißer Salzsäure) mit konzentrierter Schwefelsäure eine merkliche Menge Magnesia
in Lösung geht. In diesem Falle kann man aus der gefundenen Magnesia durch
Multiplikation mit 3,355 annähernd die Menge des vorhandenen Magnesiaglimmers
berechnen.

4.	Aufschließung mit Borsäure (yergl. S. 35).

5.	Bestimmung des Quarzgehaltes. Nach A. Müller1) hat man in der
Behandlung mit Phosphorsäurelösung hei bestimmter Temperatur ein geeignetes Mittel,
direkt den Quarzgehalt der Ackererden und gemischten Gesteine quantitativ zu be-
stimmen, indem hierbei alle Silikate unter gallertartiger Ahscheidung der Kiesel-
säure zersetzt werden, der Quarzsand aber keine Veränderung erleidet, wenn die
Behandlung nicht eine zu lange und die Temperatur nicht eine zu hohe ist.

Man bedient sich am besten einer sirupartigen Phosphorsäure, welche durch
Abdampfen auf 38—37 °/0 aus offizineller Säure' von 1,13—1,18 spezifischem Ge-
wicht dargestellt wird. Säure, welche über diesen Gehalt eingedampft ist, hat das
Unangenehme an sich, daß sie bei gewöhnlicher Temperatur kristallinisch erstarrt
und also vor der Anwendung erwärmt werden muß.

Das aufzuschließende Gestein muß fein gepulvert werden, braucht jedoch
nicht geschlämmt zu sein. Je nach dem Gehalt an Silikaten bedarf es einer ver-
schieden großen Menge Phosphorsäurehydrat, für 0,5—1 g des Materials wenigstens
15—-20 g; sonst verdickt sich die Masse zu sehr durch die abgeschiedene kleister-
artige Kieselsäure. Man erhitzt die Masse in einem Platinschälchen in einem ge-
eigneten Apparate (Luftbad usw.) bis auf 190—200° und behandelt bei dieser
Temperatur unter fleißigem Umrühren mit einem Platinspatel 5—6 Stunden lang.
Hierauf wird die erkaltete Schmelze allmählich und unter wiederholter Sedimentation
und Dekantierung mit Wasser und einprozentiger Natronlauge ausgekocht, der
Bodensatz auf einem Filter gesammelt und der Quarz mit Säure, Alkali, Säure und
Wasser rein gewaschen.

Bei eisen- und tonreichen Gesteinen ist es gut, der ersten Natronlauge etwas
Seignettesalz zuzusetzen. Das Trtibfiltrieren verhindert man durch Auswaschen
der kieselsäurehaltigen Natronlauge mit reiner Sodalösung, der Säurelösung mit
einer Lösung von salpetersaurem Ammon. Der Quarzrückstand nimmt bei einer
wiederholten mehrstündigen Behandlung mit Phosphorsäure nur sehr unbedeutend an
Gewicht ab. Derselbe wird mittels des Mikroskopes und durch Verflüchtigung
mittels Flußsäure auf Reinheit geprüft. Man kann auch natürliche Bodenarten nach

9	Journ, f. prakt. Chemie 98, 14.

7*
        <pb n="124" />
        ﻿100 Untersuchung von Gesteinen und deren Verwitterungs-Erzeugnissen.

diesem Verfahren auf ihren Gehalt an Quarzsand untersuchen, nur ist es in diesem
Talle notwendig, erst die organische Substanz (Humus) zu entfernen und eine noch
etwas größere Menge von Phosphorsäure anzuwenden.

6.	Bestimmung der kohlensauren Verbindungen. Sind dem Gestein kohlen-
saure Salze heigemengt, so lassen sich diese durch Behandeln mit Essigsäure, unter
Umständen auch mit verdünnter Salzsäure oder Salpetersäure entfernen, ohne daß
die sonstigen Gemengteile eine Veränderung erleiden. Die Menge der kohlensauren
Salze erfährt man durch eine Bestimmung der in der sauren Lösung vorhandenen
Basen (durchweg Kalk, Magnesia, Eisenoxydul usw.), wobei der unter „Boden“

S.	24 u. ff. beschriebene Gang innegehalten werden kann.

7.	Bestimmung der Schwefelverbindungen. Bei Gegenwart von Schwefel-
metallen bestimmt man die Menge des Schwefels entweder durch Zusammenschmelzen
von 1 Teil Substanz mit 6 Teilen wasserfreiem Natriumkarbonat und 4 Teilen
reinem Salpeter oder auf nassem Wege durch Vermengen der fein gepulverten
Substanz mit chlorsaurem Kalium und Zusatz von konzentrierter Salzsäure in kleinen
Mengen. Vergl. unter „Boden“ S. 39.

8.	Bestimmung des Eisenoxyduls. Zur Bestimmung des Eisenoxyduls genügt
in den meisten Fällen eine Aufschließung des fein gepulverten Gesteins mit
Schwefelsäure in zugeschmolzenen Glasröhren; bei sehr schwer zersetzbaren Silikaten
erhitzt man die sehr fein gepulverte Substanz mit reiner Flußsäure und mäßig
verdünnter Schwefelsäure in zugeschmolzenen Röhren von böhmischem Kaliglas.
Die erhaltene schwefelsaure Lösung wird nach S. 24 mit Kaliumpermanganat titriert.
Um bei dem letzten Aufschließungsverfahren recht genaue Ergebnisse zu erhalten,
werden in einer zweiten Probe gleiche Mengen Flußsäure und Schwefelsäure für
sich allein in einer gleichen Glasröhre genau so behandelt, die zur Rotfärbung
dieser Flüssigkeit erforderliche Menge Kaliumpermanganat ermittelt und von der
ersten für das aufgeschlossene Gestein gefundenen Menge abgezogen.

Vergl. auch die Eisenoxydul-Bestimmung im „Boden“ S. 41.

9.	Bestimmung der Verwitterbarkeit. Die größere oder geringere Verwitter-
barkeit der Gesteine ergibt sich zum Teil schon aus dem Gehalt an Schwefelver-
bindungen, an Eisenoxydul und kohlensauren Salzen. Denn je größer der Gehalt
an diesen, um so größer ist im allgemeinen, sei es durch Oxydation des Schwefels
und Eisenoxyduls, sei es durch Auswaschen der eingesprengten kohlensauren Salze
durch kohlensäurehaltiges Regen- bezw. Bodenwasser, die Verwitterbarkeit der Gesteine.

Manche Gesteine, wie die Dolerite und Trachyte, lassen sich durch Be-
handeln mit Schwefelsäure auf ihr rascheres und langsameres Zerfallen und damit
auf den Grad ihrer Verwitterbarkeit prüfen. Man übergießt zu dem Zweck nach
J. Neßler das in erbsengroße Stückchen zerschlagene Gestein auf je 100 g. mit
10 ccm Schwefelsäure (gleiche Teile konzentrierte Schwefelsäure und Wasser).
Nach einigen Tagen, sind die Steine mehr oder weniger in feine Teile zerfallen;
es kann alsdann durch Untersuchung des Rückstandes und der Lösung ermittelt
werden, wieviel Kali usw. durch die Schwefelsäure gelöst ist.

Bei Dachschiefer und ähnlichen Gebilden verfährt man zur Prüfung
auf den Grad ihrer Verwitterbarkeit für technische Zwecke nach R. Fresenius
wie folgt;

Man sägt aus dem zu prüfenden Schiefergestein ein länglich viereckiges Stück von
etwa 7 cm Länge und 3 cm Breite heraus, umbindet es an einem Ende mit starker
Schnur, hängt es in eine Kochflasche, in welche man zuvor etwa 100 ccm einer ziemlieh
gesättigten Lösung von schwefliger Säure in Wasser gebracht hat, und verschließt die
Flasche fest mit einem Stopfen (am besten einem Kautschukstopfen), welcher zugleich
        <pb n="125" />
        ﻿Untersuchung von Kalksteinen, Mergel bezw. Kalkdüngemitteln.

101

die Schnur einklemmt und somit das Schieferstück in dem Luftraum der Flasche in der
Art schwebend erhält, daß sein unterster Teil noch 3 oder 4 cm von dem Fltissigkeits-
spiegel entfernt ist. Zweckmäßig ist es, in einem zweiten ebenso beschickten Kolben
ein ähnliches Stück eines anerkannt guten Schiefers aufzuhängen, damit man die Über-
einstimmung oder Verschiedenheit des Verhaltens vergleichend feststellen kann. Man
läßt alsdann die Kochflasohen bei gewöhnlicher Temperatur stehen und beobachtet die
Schieferstücke in geeigneten Zeiträumen (etwa nach 7 und 14 Tagen, sowie nach
4 Wochen), ohne dahei die Stopfen abzunehmen. Je nach der Natur des Schiefers erscheint
das betreffende Stück in kürzerer oder längerer Zeit mehr oder weniger naß, weich, zer-
brechlich, gespalten, gekltiftet oder aufgeschwollen.

Dieses Verfahren kann indes keinen richtigen Maßstah zur Beurteilung der
Dachschiefer ahgehen, wenn sie Calciumkarhonat und zwar im porösen oder kompakten
Zustande enthalten. Nach Fred. Reverdin und Ch. de la Harpe1) entscheidet
überhaupt die chemische Prüfung der Dachschiefer (außer .auf Gehalt an Oalcium-
karhonat auch auf Eisenoxydul) weniger als die Ermittelung der Porosität in den
einer bezw. verschiedenen Temperaturschwankungen unterworfenen Schiefern; für
diese Prüfungen werden von ihnen besondere Verfahren angegeben. Brunner2) hält
für die Beurteilung den Imhihitionsversuch für wichtig, hei dem Schieferstücke
von 12 cm Länge und 6 cm Breite in ein Becherglas gestellt werden, dessen Boden
1 cm hoch mit Wasser bedeckt ist, das Becherglas darauf geschlossen und nun beobachtet
wird, wie hoch das 'Wasser innerhalb 24 Stunden im Schiefer gestiegen ist. In guten
Schiefern steigt das Wasser kaum auf, sie werden nur wenige Millimeter über der
Wasseroberfläche feucht.

Die verschiedenen Verwitterungsstufen und Yerwitterungserzeugnisse der
kristallinischen Gesteine, wie auch alle erdiggeschichteten Gebirgsarten und
deren Zerbröckelungsmassen müssen für agrikulturchemische Zw'ecke, oder wenn
man über den Grad und die Art der Verwitterung sich möglichst genaue Auskunft
verschaffen will, in der Regel einer ganz ähnlichen Behandlung unterworfen werden,
wie der Ackerboden, d. h. man zieht hinreichend große Mengen der pulverförmigen
oder gepulverten Substanz der Reihe nach mit kalter und heißer konzentrierter Salz-
säure, mit konzentrierter Schwefelsäure aus und bringt zuletzt den Rückstand mittels
Flußsäure oder auf sonst geeignete Weise in einen der vollständigen Untersuchung
zugänglichen Zustand.

Kalksteine, Mergel bezw. Kalkdüngemittel.

Die Probenahme von Kalksteinen und Mergeln aus den Brüchen oder Gruben
hat so zu erfolgen, daß die Probe (etwa 2 kg groß) einen guten Durchschnitt der
einzelnen Schichten bildet; dahei sind die Proben der verschiedenen Schichten scharf
auseinander zu halten.

Ein zum Brennen verwendbarer Kalkstein soll mindestens 90°/0 kohlensaures
Calcium enthalten. Betragen die Beimengungen von Ton usw. 10 °/0 und darüber,
so spricht man meistens von Mergeln. Die Mergel werden fett oder mager genannt,
je nachdem sie mehr oder weniger als 50°/0 kohlensaures Calcium enthalten; ferner
unterscheidet man, je nach dem Vorwiegen von Ton oder Sand, Tonmergel und
Sandmergel. Die Mergel bestehen nämlich hauptsächlich aus kohlensaurem Calcium,
kohlensaurem Magnesium, Ton und Sand neben etwas Kieselsäure und Eisen-

') Chem.-Zeitung 1890, 14, 64, 94, 126.

a) G. Lunge, Chem.-teohn. Untersuchungsmethoden 1899, 546; nach Deutsche Töpfer-
und Ziegler-Ztg. 1894, No. 47.
        <pb n="126" />
        ﻿102	Untersuchung von Kalksteinen, Mergel bezw. Kalkdüngemitteln.

oxydul usw. — Ihre Farbe wird durch Eisen und organische Stoffe bedingt.
Die an kohlensaurem Magnesium reichen Mergel heißen „Dolomitmergel“; sie
zeichnen sich dadurch vor den Kalkmergeln aus, daß sie mit Säuren in der Kälte
keine oder nur wenig Kohlensäure entwickeln. Hinsichtlich der landwirt-
schaftlichen Wertschätzung der Magnesia in den Kalksteinen und
Mergeln hat der Verband landwirtschaftlicher Versuchs-Stationen im
Deutschen Reiche beschlossen,1) daß zu den wertbestimmenden Bestand-
teilen auch die Magnesia zu rechnen und demzufolge bei der Unter-
suchung zu berücksichtigen ist.

Die Untersuchung erstreckt sich auf folgende Bestimmungen:

1.	Die Bestimmung des Wassers. In der
Regel werden 5 g bei 105—110° getrocknet.

Für eine genaue Bestimmung des Wassers
genügt jedoch ein Austrocknen bei 105° nicht. Zu
dem Zweck wird die auf einem Platinschiffchen ab-
gewogene Substanzmenge im Verbrennungsrohre er-
hitzt, das Wasser durch einen trocknen Luftstrom in
ein vorgelegtes Chlorcalciumrohr getrieben und letzteres
vor und nach dem Versuch gewogen.

2.	Die Bestimmung der Kohlensäure.

a)	G-ewichtsanalytisch, vergl. S. 15.

b)	Volumetrisch nach Scheibler.

Der Scheibler sehe Apparat (Pig. 17) besitzt fol-
gende Einrichtung: 2 Glasrohre von 28 mm Durchmesser
sind an einem Holzstativ in senkrechter Stellung befestigt.
Das Rohr zur Rechten ist in halbe und ganze Kubik-
zentimeter geteilt und faßt etwa 800 com. Unten sind beide
Rohre durch ein gebogenes Glasröhrchen miteinander ver-
bunden. Das Rohr links ist oben nur mit einem Watte-
pfropfen verschlossen. Von diesem Rohre geht unten eine
Glasröhre ab, welche nach aufwärts gebogen ist und durch
einen mit Quetschhahn versehenen Kautschukschlauch mit
einer unten tubulierten offenen Flasche in Verbindung steht.
Der Schlauch muß so lang sein, daß man die Flasche
bequem auf das über dem Stativ befindliche Brettchen stellen
kann. Das graduierte Glasrohr ist oben durch eine nach

unten führende Röhre, an welcher sich seitlich ein Ansatz mit Glashahn befindet, mit einem
spindelförmig erweiterten Glasrohr verbunden, welches die Kohlensäure aufniramt, damit
dieselbe nicht durch das Wasser in dem graduierten Glasrohr absorbiert wird. Mit dem
unteren Ende dieser Glasspindel wird durch einen Kautschukschlauch das Entwickelungs-
gefäß verbunden, eine einfache Glasflasohe mit weitem Halse, in welchen ein mit Rohr
versehener Kautschukstopfen genau hinein paßt. Beim Gebrauch des Apparates stellt man
die mit Wasser gefüllte Flasche oben auf das Brett und läßt, während der Glashahn rechts
geöffnet ist, die beiden Bohre bis über die Teilung hinaus voll laufen. Darauf setzt man
die Flasche herunter und läßt durch vorsichtiges Offnen des Quetschhahnes so viel Wasser
ablaufen, daß der untere Meniskus im graduierten Bohre auf 0 steht.

Um immer annähernd gleiche Tension des Wasserdampfes zu haben, schwenkt man
die Entwickelungsflasche vor dem Gebrauch mit konzentrierter Kochsalzlösung aus. Darauf
bringt man in dieselbe mit einer Pipette 20 ccm Salzsäure (1 Teil konzentrierte Salzsäure,
3 Teile Wasser), setzt mit einer geraden Tiegelzange ein Porzellantiegelchen mit 2—4 S
der zu untersuchenden Substanz, je nach ihrem Gehalt an Kohlensäure, in die Säure

Fig. 17. Kohlensäure-Bestimmnngs-
Äpparat nach Scheibler.

J) Landw. Versuchs-Stationen 1896, 47, 216.
        <pb n="127" />
        ﻿Untersuchung von Kalksteinen, Mergel bezw. Kalkdtingemitteln.

103

und drückt den Kautschukstopfen fest in den Hals der Flasche, ohne diese mit der
Hand zu erwärmen. Jetzt schließt man den Glashahn und läßt etwa 20 ccm Wasser
durch Öffnen des Quetsohhahnes ahfließen, weil sonst beim Beginn durch die heftige
Kohlensäureentwickelung das Wasser aus dem Eohre links herausgeschleudert werden
würde. Hierdurch wird das Niveau im Eohre rechts etwas sinken, sich jedoch bei einem
Punkte ganz gleichbleibend einstellen. Sollte dies nicht der Fall sein, so ist der Apparat
an irgend einer Stelle undicht und muß erst für Dichtung gesorgt werden. Schließt der
Apparat dicht, so ergreift man mit der linken Hand den Quetschhahn, mit der rechten
die Entwiokelungsflasche am Halse (um Erwärmung zu vermeiden), neigt die Flasche
bis zum Umfallen des Tiegels und setzt sie darauf in eine kreisförmig schüttelnde Be-
wegung. Während der Kohlensäureentwickelung läßt man durch Öffnen des Quetsohhahnes
immer so viel Wasser abfließen, als das Niveau im Eohre rechts sinkt. Man schüttelt,
bis das Niveau im Eohre rechts gleich bleibt, läßt dann den Apparat 10 Minuten ruhig
stehen, schüttelt nochmals, stellt das Wasser in den Eöhren auf gleiches Niveau ein und
liest die Anzahl der entwickelten Kubikzentimeter Kohlensäure ab. Unter Berücksichtigung
der Temperatur und des Barometerstandes berechnet man das Gewicht der Kohlensäure
oder des ihr entsprechenden Calciumkarbonats nach den von Finkener berechneten Tabellen,
in welchen das Gewicht eines Kubikzentimeters Kohlensäure in tausendstel Milligrammen
angegeben ist (vergl. Tabelle No. la und Ib am Schluß). In diese Zahl ist zugleich der
Fehler eingerechnet, der dadurch entsteht, daß das Gas feucht gemessen und eine gewisse
Menge Kohlensäure von der Salzsäure des Entwickelungsgetäßes absorbiert wird.

Für die volumetrische Bestimmung der Kohlensäure sind eine Eeihe ähnlicher, auf
demselben Grundsatz beruhender Apparate angegeben, von denen noch besonders der von
Q. Lunge und L. Marchlewski1) erwähnt sein möge.

3.	Bestimmung der organischen Stoffe.

a)	Annähernd erhält man die Menge derselben indirekt durch anhaltendes
Glühen, indem man von dem Gesamt-Glühverluste die gefundene Wasser- und
Kohlensäuremenge abzieht.

b)	Direkt, wenn humose Stoffe vorhanden sind, wie bei Boden S. 13 u. f.

4.	Bestimmung der Schwefelverbindungen wie bei Boden S. 39.

5.	Bestimmung des Eisenoxyduls wie bei Boden S. 41.

6.	Vollständige Untersuchung.

a)	Salzsäure-Auszug: 10 g werden mit Salzsäure zur Trockne verdampft,
mit salzsäurehaltigem Wasser aufgenommen und auf 500 ccm gebracht. In je 25 ccm
werden bestimmt;

a)	Eisenoxyd und Tonerde nach Oxydation mit chlorsaurem Kalium durch
Fällen mit Ammoniak bis zu eben eintretender alkalischer Reaktion und schnelles
Filtrieren. Sollen beide Teile getrennt bestimmt werden, so behandelt man in der-
selben Weise 100 com, löst den Niederschlag vom Filter in verdünnter Schwefel-
säure, reduziert mit Zink usw. (S. 19) im Kolben mit Bunsenschem Ventil und
titriert mit Chamäleon wie bei Boden S. 24, ß2. Bei größeren vorhandenen Mengen
Eisenoxyd und Tonerde fällt man wie bei Boden S. 24, ß 1 mit essigsaurem Natrium.

ß) Kalk und Magnesia werden im Filtrat der Ammoniakfällung durch Zusatz
von Ammoniumoxalat bezw. Natriumphosphat wie üblich bestimmt.

y) Phosphor säure. Die Mergel und Kalksteine enthalten nur in ganz seltenen
Fällen nennenswerte Mengen Phosphorsäure. Soll diese bestimmt werden, so nimmt
man 200 ccm des Filtrats und mehr, macht dieses erst ammoniakalisch, dann salpeter-
sauer und fällt die Phosphorsäure mit molybdänsaurem Ammon, vergl. unter

„Düngemittel'1.

d)	Schwefelsäure und Alkalien wie bei Boden S. 29 u. f.

') Zeitsohr. f. angew. Chemie 1891, 229.
        <pb n="128" />
        ﻿104

Untersuchung von Kalksteinen, Mergel bezw. Kalkdüngemitteln.

b)	Schwefelsäure-Aufschließung: Der in Salzsäure unlösliche und aus-
gewaschene Rückstand wird erst mit einer Lösung von Natriumkarbonat und etwas
Natriumhydroxyd ausgekocht, um die durch Salzsäure gelöste Kieselsäure zu bestimmen;
der ausgewaschene Rückstand hiervon wird direkt noch feucht zweimal mit konzentrierter
Schwefelsäure in einer Platinschale bis fast zur Trockne verraucht und die auf-
geschlossene Masse zur Bestimmung der einzelnen Bestandteile (Kieselsäure, Tonerde,
Sand, Kalk und Alkalien) wie bei Boden S. 24 bezw. 31 behandelt.

c)	Erfordert die Untersuchung auch eine Bestimmung der Silikate in dem
Sande, so wird genau wie bei Boden S. 32 u, f. verfahren.

Für die Untersuchung von Kalkdüngemitteln hat der Verband land-
wirtschaftlicher Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche auf Antrag von Br. Tacke1)
folgende Bestimmungen getroffen:

Bei diesen Untersuchungen kommen in Betracht;

A.	1. Gebrannter Kalk in Stücken oder gemahlen.

2.	Gebrannter gelöschter Kalk.

3.	Gebrannte oder gebrannte und gelöschte Graukalke (stark magnesiahaltige
gebrannte Kalke).

B.	4. Kalkmergel und Tonmergel.

5. Dolomitische Mergel.

C.	6. Gemische aus A und B in verschiedenem Verhältnis.

D.	7. Abfallkalke (Nebenerzeugnisse der chemischen Industrie).

Als wertbestimmend für die Kalkdüngemittel ist in allen Fällen
nur der Gehalt derselben an Kalk oder Magnesia in basisch wirkender
Form zu betrachten (Oxyd, Oxydhydrat, Karbonat, nicht in Ver-
bindungen der genannten Basen mit anderen Säuren, Calciumsulfat,
Magnesium- und Caloiumsilikate).

Probenahme. Bei gebranntem Kalke in Stücken hat die Probenahme in der Art
zu geschehen, daß eine größere Anzahl von Brocken von verschiedenen Stellen des
Haufens zu haselnußgroßen Stücken zerschlagen, aus der sorgfältig gemischten Probe
eine Durchschnittsprobe von mindestens 500 g genommen und in eine trockne Flasche
gefüllt und dicht verschlossen wird. Bei den übrigen Kalkdüngemitteln in gemahlener
Form erfolgt die Probenahme nach den für Düngemittel geltenden Vorschriften.
Da Kalkdüngemittel, die Ätzkalk enthalten, namentlich in gemahlener Form während
des Versandes Wasser und Kohlensäure aufnehmen, so ist bei solchen die Probe
bei loser Verladung nach Entfernung der oberen Schicht der Ladung, bei Verladung
in Säcken aus der Mitte der Säcke zu entnehmen. Die Verpackung der Probe hat
bei gebranntem Kalk und gelöschtem Kalk jedoch in dicht verschlossenen Flaschen,
nicht in Büchsen zu erfolgen.

Vorbereitung der Proben im Laboratorium. Die Proben müssen mög-
lichst schnell so weit zerkleinert werden, daß sie durch ein Millimetersieb gehen. Aus
dem Durchgesiebten wird eine Probe so schnell als möglich durch ein Thomasmehl-
sieb gebracht und zur Untersuchung .verwendet.

Untersuchung A. Bei Kalkdüngemitteln unter A 1 und 2 bekannter
Herkunft mit geringem Gehalt an Magnesia (bis 5 °/0) wird der Gehalt an basisch
wirkenden Stoffen wie folgt ermittelt: 0,25 g werden mit etwa 200 ccm erwärmtem
Wasser aufgeschüttelt, mit 25 oder 50 ccm titrierter Schwefelsäure versetzt (etwa
1/5 normal), die Kohlensäure durch Kochen entfernt und die überschüssige Säure

!) Landw. Versuchs-Stationen 1899, 52, 76; 1900, 54, 7; vergl. auch ImmendorfL
Zeitschrift f. angew. Chemie 1900, 1147.
        <pb n="129" />
        ﻿Untersuchung von Strontianit.

105

durch Natronlauge oder Barythydrat unter Verwendung von Phenolphthalein als
Indikator ermittelt. Die Gehaltsberechnung wird ohne Rücksicht auf die vorhandene
Menge Magnesia auf Calciumoxyd ausgeführt.

Bei Graukalken, A 3, ist außerdem eine Bestimmung des Gehaltes an
Magnesia auszuführen und auf Grund derselben der Gehalt an Kalk in basisch
wirkender Form zu berechnen.

(Die Bestimmung des Wassergehaltes wird in Kalkdüngemitteln, die Ätzkalk
oder Kalkhydrat enthalten, durch Glühen (von 1—2 g) im Rohr und Auffangen des
Wassers in einem Chlorcalciumrohr ausgeführt, der Gehalt an Kohlensäure nach dem
Gewichte oder volumetrisch ermittelt.)

B.	Bei Kalk- und Tonmergel bekannten Ursprungs mit geringem Gehalt
an Magnesia (bis 5 °/0 MgO) wird der Gehalt an wirksamen Bestandteilen durch Be-
stimmung der Kohlensäure und Umrechnung derselben auf kohlensauren Kalk oder
nach dem unter A angegebenen Verfahren ermittelt. Bei dolomitischen Mergeln ist
außerdem eine Bestimmung der Magnesia auszuführen und der Gehalt an solcher
als Karbonat in Rechnung zu ziehen.

C.	Bei Gemischen von Kalkdüngemitteln verschiedener Art (Ätzkalk,
gelöschter Kalk und Mergel) wird der Gehalt an basisch wirkenden Stoffen nach A
durch Titrieren bestimmt. (Das Wasser ist durch Glühen im Bohr, Kohlensäure
gewichtsanalytisch oder volumetrisch zu ermitteln, bei Mischdüngern aus stark
magnesiahaltigen Kalken außerdem noch Magnesia.)

D.	Abfallkalke (Nebenerzeugnisse der chemischen Industrie) müssen auf das
Freisein von pflanzenschädlichen Stoffen geprüft werden.

Die Beurteilung der Mergel- und Kalksteine. Zum Brennen von
Kalksteinen für landwirtschaftliche Düngungszwecke sind die reinsten, d. h. die fast
nur aus kohlensaurem Calcium bestehenden Sorten (Weißkalksteine) am besten.
Ton und Sand enthaltende Kalksteine (Wasserkalksteine) brennen sich entweder
nur schwierig oder liefern hydraulische Kalke, welche im Boden leicht zu festen,
zementartigen Klumpen zusammenballen.

Über die Frage, ob und wann ein Kalkstein bezw. Mergel zur Zementfabrikation
geeignet ist, vergl. weiter unten unter „Roman-Zemente“.

Bei den Mergeln entscheidet außer dem Gehalt an kohlensauren Salzen
(Kalk und Magnesia) der Grad ihrer Verwitterbarkeit, d. h. die Schnelligkeit
des Zerfallens zu feinem Pulver; denn je feinpulveriger dieselben sind, um so
schneller und besser wirken sie bei gleichem Gehalt. Zur Prüfung der Verwitter-
barkeit läßt man die steinigen Mergel eine Zeitlang, am besten im Winter, um
sie auch dem Froste auszusetsen, an der Luft liegen und beobachtet, ob sie unter
diesen Verhältnissen zu kleineren Stückchen und feinem Pulver zerfallen. Bezüglich
einer etwaigen „Schlämmuntersuchung“ vergl. unter „Boden“ S. 6 u. ff.

Ein Gehalt an Eisenoxydul befördert das Zerfallen, wirkt aber andererseits
bei größeren Mengen wieder nachteilig und soll z. B. das Schorfigwerden der
Kartoffeln begünstigen.

Strontianit.

In einigen Orten von Westfalen finden sich Mergel und Kalksteine mit
Strontianit durchsetzt, welcher in der Zuckerindustrie Verwendung gefunden hat.
Der Strontianit enthält neben Strontium- stets etwas Calcium-, selten Baryum-
karbonat, ferner als Verunreinigung Sand, Ton und Schwefelkies.

Zur Bestimmung des Unlöslichen werden 20 g Strontianit mit 100 ccm
verdünnter Salzsäure von 1,07 spezifischem Gewicht ohne Erwärmen gelöst, der
Rückstand nach längstens 12 Stunden abfiltriert und gewogen.
        <pb n="130" />
        ﻿106

Untersuchung von Strontianit.

Zur weiteren Untersuchung derartiger Gesteine sind folgende Verfahren in
Vorschlag gebracht:

1.	Sogenanntes deutsches Verfahren: 1 g Strontianit1) wird in über-
schüssiger verdünnter Salzsäure gelöst, die Lösung erhitzt und mindestens 10 Minuten
in lebhaftem Kochen erhalten. Nachdem die Lösung etwas abgekühlt ist, wird nach
Oxydation mit etwas ohlorsaurem Kalium mit kohlensäurefreier Ammoniakflüssigkeit in
schwachem Überschuß gefällt (es empfiehlt sich, einige Tropfen Rosolsäurelösung als
Indikator zuzusetzen), die Flüssigkeit zum Kochen erhitzt, bis der Niederschlag flockig
wird, dann rascli filtriert und mit heißem Wasser bis zum Verschwinden der Chlor-
reaktion ausgewaschen. Der gesammelte Niederschlag wird verascht, gewogen und
nach Abzug der Filterasche als „Oxyde“ in Rechnung gestellt. Der Niederschlag
besteht aus etwas Eisenoxyd bezw. Schwefelkies, Tonerde und Sand.

Das Filtrat wird mit Ätzammoniak und kohlensaurem Ammon gefällt, der
Niederschlag (Sr C08 + Ca C08) nach dem Absetzen abfiltriert und mit kochendem
Wasser bis zum Verschwinden der Chlorreaktion ausgewaschen. Darauf löst man
den Niederschlag unter Bedecken des Trichters mit verdünnter Salpetersäure, wäscht
mit heißem Wasser bis zum Verschwinden der sauren Reaktion nach und dampft
Lösung und Waschwasser auf dem Wasserbade in einer Glasschale zur Trockne
ein. Man trocknet die Glasschale bei 130° und nimmt nach dem Erkalten mit
einem Gemisch von gleichen Teilen Äther und absolutem Alkohol auf. Um ein
vollständiges Ausziehen des Calciumnitrates zu ermöglichen, müssen die Strontium-
nitrat-Kristalle tunlichst zerdrückt werden. Man wäscht die Masse auf einem
Filter mit dem Äther-Alkohol-Gemisch aus, bis das Filtrat mit verdünnter Schwefel-
säure nach einigem Stehen keine Reaktion mehr gibt, trocknet bei 100° im
Trockenschrank und wägt, nachdem man das vom Niederschlage befreite Filter für
sich verascht und den Kristallen beigefügt hat. Man kann aber auch richtiger
die Kristalle auf einem vorher gewogenen Filter sammeln, trocknen und wäge»-
Die gefundene Menge Sr(N08)2 multipliziert mit 0,697 ergibt die Menge Strontium-
karhonat.

Zur Bestimmung des Calciumkarbonates erwärmt man das Filtrat gelinde
auf dem Wasserbade bis zur Vertreibung des Äthers, fällt mit verdünnter Schwefel-
säure, läßt nach dem Erkalten einige Zeit stehen, filtriert, wäscht einmal mft
Alkohol nach, läßt langsam trocknen und glüht,* 2) Die gefundene Menge CaS04
multipliziert mit 0,735 gibt die Menge des Calciumkarbonates.

2.	Sogenanntes französisches Verfahren: 2 g der gepulverten Probe
werden mit Salzsäure in geringem Uberschuß zur Trockne verdampft, mit Wasser, dem
man 10 g Natriumacetat zugesetzt hat, aufgenommen, längere Zeit gekocht, der
Niederschlag (Eisenoxyd und Tonerde neben Gangart) abfiltriert und mit heißem Wasser
gut ausgewaschen. Das klare Filtrat wird in einer Porzellanschale unter Zusatz vo»
400 ccm einer Lösung von schwefelsaurem Ammon, die 260 g festes schwefelsaures
Ammon auf 1 Liter enthält, so daß auf 1 g Substanz 50 g Ammonsulfat komme»)
1/2 bis 3/4 gelinde Stunde gekocht, sodann 12 Stunden beiseite gestellt, abfiltriert und
mit der erwähnten Ammonsulfatlösung ausgewaschen. (Etwa x/2 Liter Lösung genügt
zum Auswaschen.) Das Filter wird getrocknet, mit Schwefelsäure befeuchtet, geglüht
und gewogen. Die gefundene Menge SrS04 multipliziert mit 0,8088 gibt die

r) Oder besser 10 g, indem man das Filtrat davon auf 1000 ccm bringt und hiervon
100 ccm zur Bestimmung von Strontian und Kalk verwendet.

2)	Zur Entfernung des CaS gibt man nach dem Erkalten einige Tropfen verdünntet

Schwefelsäure hinzu, dampft ein und glüht vorsichtig.
        <pb n="131" />
        ﻿107

Untersuchung von Tonen.

Menge SrCOg. Es ist von größter Wichtigkeit, sich von der Reinheit des
Ammonsulfats zu überzeugen, da sonst die erhaltenen Ergebnisse sehr abweichend
sein können.

Die Bestimmung des Strontiums im Strontianit, wie hier angegeben, liefert
nach Meißl stets zu hohe Ergebnisse, weil mit dem Strontian stets Kalk und Baryt
ausfallen; es ist deshalb notwendig, sowohl Kalk wie Baryt zu bestimmen und diese
von dem ersteren Niederschlag in Abzug zu bringen, wie es hei dem von den öster-
reichischen Chemikern vereinbarten Verfahren geschieht. Danach werden 20 g der
gut gemischten Substanz in verdünnter Salzsäure gelöst, in einer Porzellanschale
zur Trockne eingedampft und die Kieselsäure daraus, wie üblich, abgeschieden.
Sodann wird von der abgeschiedenen Kieselsäure ahfiltriert und das Filtrat auf
500 ccm gebracht. 50 ccm des klaren Filtrates = 2 g Substanz werden mit
möglichst kohlensäurefreiem Ammon gefällt, in Salzsäure gelöst, nochmals gefällt
und auf diese Weise Eisen und Tonerde entfernt. Das Filtrat von diesem Eisen-
und Tonerde-Niederschlag wird schwach ammoniakalisch gemacht und in der Kälte
mit reinem, gipsfreiem, schwefelsaurem Ammon die Fällung des Strontians aus-
geführt — auf lg der ursprünglichen Substanz nimmt man 2 g schwefelsaures
Ammon zur Fällung —. Nach 12-stündigem Stehen hat sich der Niederschlag von
schwefelsaurem Strontium, der noch durch schwefelsaures Baryum und schwefel-
saures Calcium verunreinigt ist, vollkommen ahgesetzt; hierauf wird der Nieder-
schlag filtriert und mit ammonsulfathaltigem Wasser ausgewaschen. Die dem
Niederschlag anhängenden Mengen von schwefelsaurem Baryum und schwefelsaurem
Calcium müssen in Abzug gebracht werden.

Dieselben werden in folgender Weise1) bestimmt:

1.	Baryum: 5 g Substanz werden in Salpetersäure gelöst, zur Trockne ein-
gedampft und hei 190° 2 Stunden getrocknet; das salpetersaure Calcium wird mit
Alkohol und Äther ausgezogen. Der Rückstand wird in Wasser gelöst, ammoniakalisch
gemacht, mit essigsaurem und chromsaurem Ammonium gefällt, das chromsaure
Baryum in Salzsäure gelöst und als schwefelsaures Baryum gefällt.

2.	Calcium: 10 g Substanz werden in 50 ccm Salzsäure von 20 Be. gelöst,
die Lösung mit 12 ccm konzentrierter Schwefelsäure, welche vorher auf die Hälfte
verdünnt wurde, gefällt, auf ein bestimmtes Volumen aufgefüllt und filtriert. Die
Hälfte des Filtrates wird mit Ammoniak und oxalsaurem Ammon gefällt und das
gefällte oxalsaure Calcium mit Kaliumpermanganat titriert.

Tone.

Ton ist ein Verwitterungserzeugnis des Feldspats. Man versteht unter Ton
im engeren Sinne amorphe, wasserhaltige, kieselsaure Tonerde, im weiteren Sinne
ein wasserhaltiges Doppelsilikat aus kieselsaurer Tonerde mit kieselsauren Erden,
Alkalien, Eisen und staubfeinem Sande.

Bezüglich der Probenahme und Schlämmuntersuchung vergl. unter
„Mineral-Böden“ S. 4 u. 6.

Die chemische Untersuchung hat sich zu erstrecken auf die Bestimmung der
Menge der Tonerde und der an diese gebundenen Kieselsäure, ferner auf die der
Menge des heigemengten Sandes, des Calcium- und Magnesiumkarhonats, des Eisen-
oxyduls und Eisenoxyds, der Schwefelsäure und auch nötigenfalls des Chlors. i)

i) Vergl. auch R. Fresenius, Zeitschr. f. anal. Chemie 1893, 32, 189, 312.
        <pb n="132" />
        ﻿108

Untersuchung von Tonen.

Zur Bestimmung;

1.	des Wassers erhitzt man eine gewogene Menge Ws zur Gewichtsbeständigkeit
auf 120°; 2. der Kohlensäure verfährt man wie hei Boden S. 15; 3. des Eisen-
oxyduls wie hei Boden S. 41.

4.	Vollständige chemische Untersuchung.

a)	Salzsäure-Auszug. 5 oder 10 g werden mit Salzsäure zur Trockne
verdampft, mit salzsäurehaltigem Wasser aufgenommen, in einen 500 ccm-Kolhen
filtriert und ausgewaschen. Der Salzsäure-Auszug wird wie beim Mergel auf die
einzelnen Bestandteile untersucht. Der unlösliche Eückstand wird mit einer Lösung
von kohlensaurem Natrium und etwas Ätznatron ausgekocht, abfiltriert und ausge-
waschen; das Filtrat wird mit überschüssiger Salzsäure zur Trockne verdampft, um
die durch Salzsäure abgeschiedene Kieselsäure zu ermitteln.

b)	Schwefelsäure-Auf Schließung. Der Rückstand von der Behandlung
mit Salzsäure wird nach dem Auskochen mit einer Lösung von Natriumkarbonat
und etwas Ätznatron mit Wasser vollkommen ausgewaschen und noch feucht samt
dem Filter zweimal mit konzentrierter Schwefelsäure in einer Platinschale auf einer
Asbestplatte bis fast zur Trockne verdampft oder noch genauer nach S. 19, 7 b in
einem zugeschraolzenen Rohre aufgeschlossen. Die aufgeschlossene Masse wird wie
bei Boden S. 31, 2 a zur Bestimmung der aufgeschlossenen Kieselsäure, des Sandes
und der einzelnen Basen verwendet.

c)	Erfordert die Untersuchung auch eine Bestimmung der Silikate in dem Sand,
so' wird genau wie bei Boden S. 32 u. ff. verfahren.

5.	Anhaltspunkte zur Beurteilung.

Die in der Natur durch Verwitterung der zusammengesetzten Silikatgesteine
vorkommenden Tonablagerungen zeigen in bezug auf ihre chemische Zusammen-
setzung, auf ihre physikalische Eigenschaft und ihre Verwendbarkeit außerordent-
liche Verschiedenheiten. Im allgemeinen werden die verschiedenartigen Eigenschaften
der Tone und tonigen Ablagerungen bedingt:

a)	durch die Art des Gesteins, dessen Verwitterungserzeugnis der Ton ist,

b)	durch das Alter des Tonlagers,

c)	durch den Ort der Ablagerung und die herrschend gewesenen und noch
herrschenden klimatischen Verhältnisse,

d)	durch eingeschwemmte fremde Bestandteile, hier besonders der organischen
Stoffe, deren Gegenwart die Überführung des Eisens in Ferrosulfat veranlaßte,
welches durch einen Auslaugungsvorgang fortgewaschen wurde.

Je nach der Verwendbarkeit lassen sich die Tone folgendermaßen einteilen:

1.	Kaolin oder Porzellanerde.

2.	Plastische Tone:

a)	der Pfeifenton,

b)	der feuerfeste Ton,

c)	der Töpferton.

3.	Ziegelerde.

1.	Der Kaolin oder die Porzellanerde — hauptsächlich im ürgebirge ver-
kommend — ist, abgesehen von geringen Verunreinigungen, eine Verbindung von
Kieselsäure mit Tonerde und chemisch gebundenem Wasser; er hat nach Förch-
hammer die Zusammensetzung: 47,03 °/0 Kieselsäure, 39,23 °/0 Tonerde, 13,74 °/o
Wasser.

2.	Die plastischen Tone sind als Kaoline zu betrachten, denen wechselnde
Mengen Eisenoxydhydrat, Manganoxydhydrat, kohlensaures Calcium, kohlensaures
Magnesium und organische Stoffe beigomengt sind. Je größer in den Tonen der
        <pb n="133" />
        ﻿Untersuchung von Tonen.

109

Gehalt an fremden Beimengungen ist, besonders an Kalk, Magnesia und Alkalien,
desto schmelzbarer werden sie. Eisenoxyd hat weniger Einfluß auf die Feuer-
beständigkeit der Tone. Die als feuerfester Ton zur Herstellung von Muffeln,
Retorten, Schmelztiegeln, Bekleidungen für Feuerungsanlagen Verwendung findenden
Tone sollen nicht mehr als 5—10% Beimengungen enthalten; je mehr die Fluß-
mittel (Kalk, Magnesia, Alkalien) die Menge von 4% übersteigen, bei um so
niedrigerer Temperatur macht sich die Verschiedenheit in der Feuerbeständigkeit
geltend.

Im allgemeinen kann man annehmen, daß es bei Beurteilung des pyrometrischen
Wertes eines feuerfesten Tones aus der chemischen Untersuchung im großen und
ganzen auf zwei Verhältnisse ankommt, nämlich einmal auf das Verhältnis der Ton-
erde zu den Flußmitteln und weiter auf das der Tonerde zu der Kieselsäure. Je
mehr Tonerde ein Ton auf 1 Teil Flußmittel enthält, um so schwerer ist er
schmelzbar, wie andererseits die Feuerflüssigkeit eines Tones zunimmt mit der
größeren Kieselsäuremenge. Ist bei zwei oder mehreren Tonen bald das eine,
bald das andere Verhältnis vorwiegend oder zurücktretend, so läßt sich nach

C.	Bischof durch eine einfache Berechnung — durch Division des Sauerstoff-
quotienten (der Tonerde in die Kieselerde) in den Sauerstoffquotienten (der Fluß-
mittel in die Tonerde) — der pyrometrische Wert, ausgedrückt in einer ganz be-
stimmten Zahl, feststellen.

Um die Art der Berechnung zu zeigen, diene folgendes Beispiel eines Tones
von Wellesweiler;

Tonerde..............

Kieselerde, ehern, geh,
„ als Sand .
Magnesia ....

Kalk.................

Eisenoxyd. . . .
Alkalien ....
Glühverlust . . .

		Sauerstoff
35,19	=	16,399 0
38,051  11,501	= 49,55 =	26,427 0
0,31)	0,124 )	
0,45	°’129 l = 0,507 =	1,521 0
0,31	0,062 *) j	
1,13)	0,192 2)j	

13,70.

Formel; 10.78 (A1303 + 1,61 SiOa) + RO oder

1.	auf 10,78 Tonerde kommt 1 Teil Flußmittel,	1Q ?g

2.	1 Teil Tonerde kommt auf 1,61 Kieselerde, gibt den Quotienten-^ = 6,70,

3.	17,36 Kieselerde auf 1 Teil Flußmittel.	_

Mit der Größe des Quotienten steigt die Schwerschmelzbarkeit des Tones;
in der Tat gehört der Ton von Wellesweiler zu der besten Klasse.

Ausnahmen von dieser Regel finden ihre Erklärung in kennzeichnen en
physikalischen Umständen, deren nicht zu unterschätzen e eceuung ct
rechte Licht gesetzt wird. Der bezeichnete Quotient gut nie i a ein	&gt;

sondern bildet das eigentliche Merkmal für die Genauigkeit der Gesamtbeobachtungen,
sei es, daß wir dadurch ein richtiges oder ein bestimmtes Bild erlangen.

Da die Schwerschmelzbarkeit eines Tones abhängig ist von taWJ“
der Tonsubstanz zu den Flußmitteln, so läßt sich der Grad der Feuerheständigkert
annähernd beurteilen durch Zusätze von reiner Kieselsäure und Tonerde zu dem

zu prüfenden Material, welches man in innigster Mischung zu dünnen Platten aus-
walzt, gut austrocknet und einer sehr hohen Temperatur aussetzt.

*) Als Eisenoxydul berechnet.
*) Als Kali berechnet.
        <pb n="134" />
        ﻿110

Untersuchung von Tonen.

Man wendet zweckmäßig als Zusatzmittel ein Gemisch von gleichen Teilen
staubfeinem Bergkristall und absolut reiner Tonerde — erhalten durch Fällen von
Ammoniak-Alaun mit Ammoniak und wiederholtes Auswaschen — an. Es werden
für jeden Versuch verschiedene Proben mit 5, 10, 15, 20 °/0 Zusatz von Tonerde-
Kieselsäure geglüht und nach dem Glühen beobachtet, bei welcher Probe ein
Schmelzen nicht mehr stattgefunden hat.

Zur Beurteilung von feuerfesten Tonen können noch folgende Untersuchungen
dienen;

Ton von .	.	.	. Mülheim	Obersuhl
Kieselsäure	.... 35,35 o/0	64,10 o/o.
Tonerde . .	35,36 „	26,26 „
Kalk ,	.	.... 0,16 „	0,75 „
Magnesia .	....	0,07 „	1-42 „
Eisenoxyd.	....	2,69. „	4,36 „
Kali. .	.	....	1,24 „	1,26 ,.
Natron .	.		1,42 „
Wasser. .	• • ! • H-72 „	0,53 „

Die Töpfertone besitzen merkliche Mengen von Eisenoxyd und kohlen-
saurem Calcium und haben eine Zusammensetzung von etwa 57—61 °/0 Kieselsäure,
24—37 °/0 Tonerde, 4—7,5 °/0 Eisenoxyd, 0,5—2,5 °/0 Kalkerde und einen Sand-
gehalt, der beispielsweise beim Bunzlauer Ton bis 30 °/0 geht. Diese Tone ver-
tragen eine ziemlich starke Hitze, ohne zu schmelzen, können jedoch bei sehr
gesteigerter Hitze in eine glasige Schlacke umgewandelt werden.

Die Töpfertone lassen sich in allen sedimentären Formationen bis in das
Diluvium hinein verfolgen, besonders reich daran sind jedoch die Kreideformation
und die tertiären Formationsgruppen.

Zusammensetzung der Töpfertone von

	Bunzlau	Lautersheim
Kieselsäure .	.	. . . 32,51 o/0	49.00 o/„.
Tonerde . .	.	. . . 21,60 „	33,09 „
Kalk ....	• • ■	0,34 „	2,00 „
Magnesia .	.	.	• ■ ■	0,74 „	0,20 „
Eisenoxyd.	.	.	• • •	5,69 „	2,10 „
Kali		. • . 2,60 „	—
Wasser. .	.	.	. . .	6,39 „	13,56 „
Sand ....	. . . 30,51 „	—

3.	Ziegelerde, Die am häufigsten für die Ziegelherstellung verwendete Ziegel-
erde, deren Benennung eine äußerst verschiedene ist, besteht in einer in sehr ver-
schiedenen Verhältnissen gemengten Masse von Ton, Sand und Eisenoxyd, zu der
meist noch Kalk, Magnesia, Alkalien und Bitumen treten. Das Verhältnis von Ton
und Sand bewegt sich von 80—40°/0 für Ton und von 20—60°/0 für Sand; iw
ersteren Falle nennt man die Ziegelerde fett, im letzteren mager. Bin Teil der
Kieselsäure ist mit der Tonmasse chemisch gebunden, während ein anderer, als
freie Kieselsäure mit ihr in innigster Mischung vorhanden, durch Kochen mit Kali-
lauge in Lösung gebracht werden kann. Quarzmehl, feiner und gröberer Sand lassen
sich durch einen Schlämmvorgang von der kieselsauren Tonerde trennen. Das Eisen-
oxyd, sowie auch das Eisenoxydhydrat sind einerseits an Kieselsäure chemisch ge-
bunden, andererseits durch Einschwemmung mechanisch beigemengt. Beim Brennen
färbt das Eisenoxyd die Ziegelerde rot, sobald Mengen von 4 °/0 davon vor-
handen sind.
        <pb n="135" />
        ﻿111

Untersuchung von Tonen.

Im allgemeinen kann man folgendes annehmen: eine tonerdereiche und eisenarme
Ziegelerde brennt sich weiß, eine massig eisenhaltige Ziegelerde brennt sich leder-
gelb, eine tonerdearme und eisenreiche Ziegelerde brennt sich rot, eine tonerde-
arme und eisenreiche Ziegelerde mit einem Gehalt an Kalkerde brennt sich bei
niederer Temperatur rot, bei hoher dagegen durch Bildung von Calcium-Eisensilikat
gelb. Der Eisengehalt der Ziegelerde befördert beim Brennen das Sintern und dem-
gemäß das Brennen der Ware bei niederer Temperatur.

Während ein hoher Kalkgehalt, zumal wenn der Kalk in festen Kalk-
knollen vorhanden, für das Brennen der Ziegel nicht zulässig ist, indem er beim
Brennen zu Ätzkalk wird, welcher später durch seine Umwandlung in Calcium-
hydroxyd und -karbonat die Steine zum Zerfallen bringt, wirkt ein Gehalt von
10 °/0 bis zu 15 °/0 Calciumkarbonat in gleichmäßiger Verteilung günstig, weil der-
selbe beim Brennen dem Zerspringen und Bissigwerden der Steine entgegen wirkt.
Gips, der sich zuweilen in der Ziegelerde vorfindet, übt keinen Einfluß aus, wenn
man die Steine so stark brennt, daß die Schwefelsäure ausgetrieben wird. Bei
schwachem Brennen aber wird der Gips nur entwässert und veranlaßt durch
Wiederaufnahme des verloren gegangenen Kristallwassers eine Zerstörung des
Steines. Beim Vorhandensein von Magnesia bildet sich, wenn mit schwefelreicher
Steinkohle gebrannt wurde, Magnesiumsulfat, welches später auswittert und den Stein
an seiner Oberfläche zerstört. Die an frischen Mauern auswitternde weiße Schicht
wird in der Praxis irrtümlich „Salpeter“ genannt.

Bei Anwesenheit von Kali und Natron kann sich in ähnlicher Weise beim
Brennen schwefelsaures Kalium oder Natrium bilden, welche durch Auswitterung
ebenfalls schädlich wirken.

Bitumen, welches dem Eohstoff häufig eine dunkle Farbe verleiht, wird
beim Brennen vollständig zerstört. Sehr häufig vorkommende graue und grüne
Ausschläge an den gebrannten Steinen werden durch vorhandenes Vanidin ver-
anlaßt.

Schwefelkies, der sich häufig in der Ziegelerde vorfindet, erleidet bei ge-
ringerer Eotglut eine Oxydation zu Eisensulfat, welches als solches den Stein durch
späteres Auskristallisieren mürbe machen würde. Bei gesteigerter Hitze findet
indes eine Zersetzung des Salzes statt, indem die Schwefelsäure verflüchtigt wird,
während Eisenoxyd zurückbleibt.

Neben der chemischen Untersuchung empfiehlt sich für die Beurteilung, ob
eine Ziegelerde für gewisse Zwecke brauchbar ist, eine größere Probe praktisch in
der Weise zu prüfen, daß man dieselbe in anderen Ziegeleien, die ein tadelloses
Erzeugnis liefern, brennen läßt.

Zur Vergleichung möge hier die Zusammensetzung von drei Ziegelerden, die
sich besonders für die Ziegel-Herstellung brauchbar erwiesen haben, aufgeführt
werden:

Sand		. 61,26 »/„	54,70%	50,76&lt;&gt; /„
Kieselsäure ....	. 15,08 „	21,04 „	14,86 „
Tonerde		. 10,58 „	10,96 „	10,78 „
Eisenoxyd ....	.	2,56 „	3,57 „	2,67 „
Kohlensaures Calcium	Spur	0,54 „	8,34 „
Magnesia		.	0,05 „	0,12 „	0,12 „
Alkalien		Spur	Spur	Spur
Glühverlust ....	.	3,58 „	3,78 „	6,20 „
Wasser		•	6,89	5,29 „	7,37 „
        <pb n="136" />
        ﻿112

Untersuchung von gebranntem Kalk.

Kalk, Zement.

Gebrannter Kalk.

Bei einem Gehalt von mindestens 90 °/0 Calciumkarbonat sind die in der
Natur vorkommenden Kalksteine geeignet, im gebrannten Zustande als Mörtelmasse
verwertet zu werden.

Bin gehaltreicher, gut gebrannter Kalk mit wenig Verunreinigungen löscht
sich, mit Wasser übergossen, schneller zu einem zarten, unfühlbaren Mehl oder Brei
als ein sogenannter magerer Kalk, welcher letztere ein mehr körniges Pulver oder
einen sich sandig anfühlenden Brei liefert.

Mit Sand oder Kies gemischt, liefert der Kalkhrei den Luftmörtel, welcher
die Eigenschaft hat, nach einiger Zeit durch Wasserverlust und Kohlensäureauf-
nähme eine feste Masse zu bilden, deren größte Festigkeit häufig erst nach vielen
Jahren erreicht wird. Die chemische Untersuchung des gebrannten Kalkes und des
Mörtels geschieht im allgemeinen nach den bei Bodenuntersuchungen und Kalkstein
angegebenen Verfahren. Dieselbe ist auf die Bestimmung des Gesamtkalkes, des
Calciumoxydes bezw. Hydroxydes, der Kohlensäure, der hydratischen Kieselsäure,
des Sandes, der Tonerde und des Wassers zu richten.

1.	Bestimmung des Wassers. Ein einfaches Trocknen bei 105° genügt
nicht, das chemisch gebundene Hydratwasser auszutreiben; auch ist ein Glühen nicht
statthaft, weil hierdurch ein Entweichen der Kohlensäure herbeigeführt werden
würde. Die Bestimmung des Wassers geschieht am besten in der WTeise, daß man
1—2 g Masse in einem Platinschiffchen unter Durchleiten von trockner Luft
im Verbrennungsrohr glüht, das entweichende Wasser in einem vorher gewogenen
Chlorcalciumrohr1) auffängt und zurückwägt; die Gewichtszunahme gibt das vor-
handene Wasser.

2.	Die Kohlensäure ward in 2—5 g Masse entweder aus dem Gewichtsverlust
oder durch Auffangen in Kalilauge ermittelt, vergl. S. 15. Gut ausgebrannter Kalk
darf nur Spuren oder höchstens bis 1 °/0 Kohlensäure enthalten.

3.	Bestimmung der nicht flüchtigen Bestandteile. 10 g gebrannter
gepulverter Kalk werden unter Bedecken mit einem Uhrglase in einer geräumigen
Porzellanschale in Salzsäure gelöst, auf dem Wasserbade zur Trockne verdampft)
einige Zeit im Luftbade oder im Trockenschranke (zur vollständigen Abscheidung
der Kieselsäure) erwärmt, mit salzsäurehaltigem Wasser aufgenommen, filtriert, aus-
gewaschen und das Filtrat auf 500 ccm gebracht.

a)	Kieselsäure und Sand. Der unlösliche, hinreichend ausgewaschene
Rückstand wird getrocknet, geglüht und als Sand -f- Kieselsäure gewogen; darauf
bringt man ihn in eine Porzellanschale oder besser Platinschale, kocht ihn längere
Zeit mit einer hinreichenden, verdünnten Lösung von Natriumkarbonat und etwas
Natriumhydroxyd aus, filtriert, wäscht genügend aus (vergl. S. 31 a «), trocknet)
glüht und wägt wieder; das letzte Gewicht ist gleich dem vorhandenen Sand, die
Differenz zwischen dieser und der ersten Gewichtsmenge gleich der hydratischen
Kieselsäure.

b)	Tonerde (bezw. Eisenoxyd), Kalk und Magnesia. 25 com der salz-
sauren Lösung werden erwärmt, mit Ammoniak bis zu eben eintretender alkalischer
Reaktion versetzt, aufgekocht und schnell filtriert. Der Niederschlag ergib*
Tonerde + Eisenoxyd. Soll letzteres besonders bestimmt werden, so fällt man

!) Durch das Chlorcalciumrohr muß vorher einige Zeit trocknes Kohlensäuregas&gt;
darauf trockne Luft durchgeleitet sein.
        <pb n="137" />
        ﻿Untersuchung von Kalkmörtel. — Untersuchung von Zement oder Wasserkalk. 113

100 oder auch 200 ccm der salzsauren Lösung, löst den Niederschlag in Schwefelsäure,
reduziert mit chemisch reinem Zink usw. (S. 19) und titriert mit Kaliumpermanganat
(vergl. S. 24, ß 2). Im Mitrat der Ammoniak-Fällung wird wie üblich der Kalk durch
Ammoniumoxalat und im Filtrat hiervon die Magnesia durch phosphorsaures
Natrium usw. gefällt.

c)	Schwefelsäure und Alkalien. Ist die Bestimmung dieser Bestandteile er-
wünscht, so nimmt man 200 oder 300 ccm der salzsauren Lösung, fällt in der Kochhitze
mit Chlorbaryum, läßt mehrere Stunden in der Wärme stehen, filtriert das Baryumsulfat
ab, wägt dieses und versetzt das Filtrat in der Kälte mit Ammoniak und kohlen-
saurem Ammon, filtriert und verfährt zur Bestimmung der Alkalien wie sonst nach S. 29.

Kalkmörtel.

Der Kalk gewinnt erst durch Zusatz von Sand die Fähigkeit, zu erhärten;
man nimmt gewöhnlich auf 1 Teil Kalk 3—6 Teile Sand. Die Güte des Sandes
ist von wesentlichem Einfluß auf die Güte des Mörtels. In regelrechtem Mörtel
findet man 8—10 °/0 gelöschten Kalk.

Zur schnellen Unterrichtung über den Kalkgehalt eines Mörtels werden 100 g
Mörtel in einem Halbliterkolben mit wenig Wasser vollkommen gelöscht, darauf
unter Umschütteln mit Wasser bis zur Marke aufgefüllt. Nachdem der Inhalt
durch kräftiges Schütteln gut gemischt ist, werden 100 ccm abpipettiert und in
einem Literkolben mit Wasser bis zur Marke verdünnt. Yon dieser so erhaltenen
Flüssigkeit titriert man 25 ccm mit Normalsalzsäure unter Anwendung von
Phenolphtalem als Indikator, bis die Rosafärbung eben verschwindet. 1 ccm norm.
HCl = 0,028 g CaO in 26 ccm Flüssigkeit.

Bestimmung der Güte des Mörtels. Bei Gegenwart von mehr als 2 °/0
hydratischer Kieselsäure besitzt der Kalk hydraulische Eigenschaften. Die hydraulischen,
d. h. hydratische Kieselsäure enthaltenden Kalke (auch Wasserkalke) sind, wie schon
oben S. 105 bemerkt, für Düngungszwecke um so weniger geeignet, je mehr
hydratische Kieselsäure sie enthalten, weil sie im Boden leicht zu festen, zement-
artigen Klumpen zusammenballen. Für Düngungszwecke eignen sich am besten
die sog. „Weiß- oder Fettkalke“, welche bis auf 0,5—2,0 °/0 nur aus Kalk (CaO)
bestehen.

Für Bauzwecke ist die Prüfung des Kalkes auf Stehvermögen, Lösch-
fähigkeit und Ausgiebigkeit wesentlich.1) Für die Bestimmung der Ausgiebig-
keit verwendet man zweckmäßig das Mörtelvolumometer von Michaelis.

Zement oder Wasserkalk.

Unter Zement versteht man im allgemeinen einen Kalkmörtel, welcher die
Eigenschaft besitzt, mit Wasser zu einem Brei angerührt unter Wasser zu erhärten.
Derselbe enthält einen gewissen Prozentsatz Kieselsäure, an Kalk und Tonerde ge-
bunden, in einem für Salzsäure leicht auf schließbaren Zustande. Wenn auch die
Ursache der Erhärtung noch nicht aufgeklärt ist, so glaubt man doch, daß der
Vorgang unter Bindung von Wasser und von freier Kieselsäure an Basen zu basischen
Verbindungen vor sich geht.

Sämtliche Wassermörtel lassen sich einteilen in:

1.	Puzzolane oder hydraulische Zuschläge,

2.	Roman-Zemente,

!) C. Schoch, „Die Mörtelinduatrie“ in „Chem.-techn. Untersuchungsmethoden“ von
G. Lunge. Berlin 1899, 1, 599

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	8
        <pb n="138" />
        ﻿114

Untersuchung von Zement oder Wasserkalk.

3.	Portland-Zeraente,

4.	Gemischte Zemente.

Da diese 4 Arten ganz gesonderten Herstellungen entstammen, ferner weil auch
verschiedene Anforderungen an dieselben gestellt werden, so sollen dieselben im
nachstehenden einzeln besprochen werden.

1.	Puzzolan-Zemente. Es sind dieses solche Erzeugnisse, welche durch
einfaches Vermischen von pulverförmigem Kalkhydrat mit natürlichen oder künst-
lichen, staubfein zerkleinerten hydraulischen Zuschlägen, d. h. solchen Silikaten, in
denen die Kieselsäure in für Salzsäure leicht aufschließbarer Form vorhanden ist,
gewonnen werden. Von bei uns gewonnenen Zuschlägen ist besonders der in manchen
Gegenden der Eifel gegrabene Tuffstein oder Traß zu nennen, welcher aus staubförmiger
vulkanischer Asche durch Druck und Wasseraufnahme zu einem porösen aber festen
Gestein gepreßt ist. Besonders geschätzt ist für die Puzzolanherstellung der blaue
Tuffstein der Eifel. Von den künstlich gewonnenen Zuschlägen verwendet man seit
einigen Jahren zur Herstellung von Puzzolan-Zement Schlacken aus Hochöfen mit
50—60 °/0 Kieselsäure und 15—20 °/0 Tonerde, welche wie Traß in Pulverform mit
Kalkhydrat innig gemengt in den Handel gebracht werden; ebenso auch gemahlene
Ziegelsteine, gebrannten Alaunschiefer und auch Asche von Braun- und Steinkohlen,
überhaupt alle solche Abfallstoffe, welche die Kieselsäure in löslicher verbindungs-
fähiger Form oder als saure Silikate enthalten.

Die Untersuchung der Puzzolan-Zemente hat sich neben der Bestimmung des
Kalkes (vergl. vorstehend unter „gebrannter Kalk“) auf die Natur des Zuschlages 2U
erstrecken. Hochofenschlacke gibt sich beim Übergießen mit Salzsäure durch einen
starken Geruch nach	Schwefelwasserstoff unter	Abscheidung von	Schwefel zu	er-
kennen. Braun- und	Steinkohlenasche zeichnen	sich durch einen hohen Gehalt	an

Alkalien aus; gemahlene Ziegelsteine hinterlassen beim Behandeln mit Salzsäure
einen verhältnismäßig großen Rückstand usw.

2.	Roman-Zement. Der Roman-Zement wird durch Brennen von tonhaltige®
Kalkmergeln unterhalb der Sintergrenze und Zerkleinerung des gebrannten Gestein8
bis zur Mehlform gewonnen.

Die Güte eines durch Brennen von Kalkmergel gewonnenen Roman-Zementes
ist abhängig von dem richtigen Mischungsverhältnisse des in den Gesteinen ent'
haltenen Tones zum Kalk. Mergel, welche auf 100 Teile kohlensaures Calci®1®
20—25 Teile Ton,1)	d. h. Silikatverbindungen	der Tonerde, des	Eisens und	der

Alkalien mit nicht wesentlichen Mengen groben	Sandes enthalten,	eignen sich	z®r

Zementherstellung.

Wenn der Sand in staubfeinem Zustande vorhanden ist, so wird auch diese®
beim Brennen aufgeschlossen, während grobkörniger Sand als schädlicher Ballast
keinen Wert hat.

Die Untersuchung eines für die Roman-Zementherstellung in Aussicht ge'
nommenen Mergels hat sich a) neben der Bestimmung des Kalkes hauptsächlich 2®
richten auf diejenige der Tonerde, der Kieselsäure und des Sandes (siehe unte®
„Mergel und Kalksteine“), b) auf die Bestimmung des groben Sandes. Zur B6'
Stimmung des groben Sandes werden 50 g Zement mit Salzsäure ausgekocht, &amp;e'
kantiert und der Rückstand einer Schlämmung (S. 6 u. ff.) unterworfen; es soll611
nicht mehr als 8—5 °/0 grobkörniger Sand vorhanden sein.

Neben der chemischen Untersuchung und der Schlämmung, aus dene®
man die Mengenverhältnisse der Bestandteile eines für die Zementherstellung 111

]) Unter Ton versteht man alles in Salzsäure Unlösliche.
        <pb n="139" />
        ﻿Untersuchung von Zement oder Wasserkalk.

115

Aussicht genommenen Mergels erfahren kann, ist man zur Beurteilung der Brauch-
barkeit auf die Brennprohe angewiesen. Es werden gegen 5 g des Rohstoffes
his zum vollständigen Verjagen der Kohlensäure hei allmählich steigender Hitze ge-
hrannt, die Masse fein gemahlen, ein Teil wie gebrannter Kalk, auf lösliche
Kieselsäure usw. (S. 712, No. 3 a) untersucht, ein anderer Teil dagegen mit Wasser
zu Kugeln geformt; nach wenigen Minuten werden dieselben in Wasser gelegt und
nun in bezug auf ihr Hartwerden im Wasser beobachtet. Der gebrannte Roman-
Zement wird gestampft, gemahlen und durch ein Sieb, welches auf 1 qcm 18 Löcher
besitzt, geschlagen.

Das spezifische Gewicht des gepulverten Zementes soll 2,723 betragen.

Nachstehend sei eine Untersuchung des vorzüglichen Kufsteiner Roman-
Zementes nach Peichtinger mitgeteilt:

Kalk................. 55,78	Natron...........1,06

Magnesia..............1,62	Kieselsäure	....	22,53

Tonerde................8,90	Kohlensäure	....	1,46

Eisenoxyd..............6,05	Schwefelsäure .	.	.	1,85

Kali...................0,75

3. Portland-Zement. Als Portland-Zement bezeichnet man solche

Wassermörtel, welche aus künstlichen Mischungen von Ton und Kalkstein durch
Brennen bis zur Sinterung mit darauf folgender Zerkleinerung bis zur Mehlfeinheit
gewonnen werden.

Von den Rohstoffen sind weiche reine Kalksteine, wie hauptsächlich Kreide,
Wiesenkalk, Marmor, sowie auch zerfallener Kalkschlamm verwendbar. Von den
Tonen wählt man solche, die möglichst kieselsäurereich sind und nur wenig Sand
enthalten. Bei Gegenwart von größeren Mengen Sand werden die Rohstoffe
nach ihrer Zerkleinerung einer Schlämmung unterworfen; die in Klärbehältern
abgesetzten Massen werden, nachdem sie bis zur Knetbarkeit von Wasser be-
freit sind, durch Rührvorrichtungen und Walzen auf das innigste gemischt und
hieraus backsteinartige Kuchen geformt, welche, auf Hürden ausgelegt, in den luft-
trocknen Zustand gebracht werden. Diese werden alsdann in geeignete Öfen bei
allmählich gesteigerter Hitze bis zur Sinterung gebrannt und auf Mühlen zu staub-
feinem Pulver gemahlen.

Die Rohstoffe sind so zu wählen, daß im gebrannten Zement auf
80 Äquivalente (1 Teil) Si02 210—230 Äquivalente (2,4—2,7 Teile) Ätzkalk und
15—25 Äquivalente (0,4—0,6 Teile) Tonerde -j- Eisenoxyd kommen.

Die chemische Untersuchung des Roman- und Portland-Zementes
geschieht wie bei „gebrannter Kalk“ S. 112.

Zur Prüfung der Zemente auf Reinheit können außer dem spezifi-
schen Gewicht (vergl. unter „physikalische Prüfung“ S. 116) nach W. und
R. Fresenius1) Verfahren dienen, die zum Teil zwar nicht ohne Widerspruch ge-
blieben sind, die aber immerhin gute Anhaltspunkte zur Beurteilung bieten und da-
her hier kurz mitgeteilt werden sollen.

a)	Mit Wasser übergossen, darf keine wahrnehmbare Erwärmung der Masse
auftreten.

b)	Echter Zement soll in verdünnter Salzsäure sich vollständig oder doch
ohne wesentlichen Rückstand lösen. (Eine milchige Trübung von ausgeschiodenem
Schwefel und Auftreten eines Geruches nach Schwefelwasserstoff verrät einen Zusatz
von Hochofenschlacke.)

0 Zeitschr. f. anal. Chemie 1884, 23, 175; 1893, 32, 433.

8*
        <pb n="140" />
        ﻿116

Untersuchung von Zement oder Wasserkalk.

c)	2 g Zement, über der Bunsensehen Flamme geglüht, dürfen keinen über
3,4 °/0 betragenden Gewichtsverlust aufweisen.

d)	Alkalität: 1 g des fein gepulverten Zements wird mit einer Mischung
von 30 ccm 1/10 Normal-Salzsäure und 70 ccm Wasser 10 Minuten lang unter Um-
schütteln behandelt und 60 ccm des klaren Filtrats mit Normallauge zurücktitriert;
aus der Differenz berechnet man die Alkalität für 1 g Masse. 1 g Zement soll
nicht über 14,4 ccm 1/10 Normalsäure verbrauchen.

e)	Verhalten zu Kaliumpermanganat: Das Verfahren beruht auf dem Vor-
handensein von verhältnismäßig größeren Mengen Eisenoxydul und Schwefelver-
bindungen im Schlackenmehl, welches zur Verfälschung dem Zement zuweilen zu-
gesetzt wird, während das in dem reinen Zement vorkommende Eisen größtenteils
in der Oxydstufe vorhanden ist. 1 g des fein gepulverten Zements wird mit 150 ccm
einer Mischung von 1 Teil verdünnter Schwefelsäure (vom spezifischen Gewicht 1,12)
und 2 Teilen Wasser in der Kälte behandelt und Kaliumpermanganat-Lösung (etwa
1/100 = 0,315 g in 1 1) bis zur Rotfärbung hinzugefügt; der Endpunkt wird für
erreicht gehalten, wenn die Flüssigkeit einige Minuten lang rot bleibt.

Reiner Zement wird bis zur Oxydation 1 mg, aber niemals mehr als 2,8 mg
Kaliumpermanganat gebrauchen, während nach zahlreichen Untersuchungen die
Schlackensorten 44—75 mg gebrauchen.

Da die verschiedenen Portland-Zemente im allgemeinen nahezu gleiche Zu-
sammensetzung haben, mag als Muster die Zusammensetzung des vortrefflichen
Bonner Portland-Zementes hier angeführt werden;

Kalk Magnesia
57,18 o/o 1,32 o/0

oxyd

Kali Natron Tonerde

0,58 o/0	0,70 o/(

Kohlen- Schwefel-
säure säure

_.	Kiesel-

Eisen-

,	saure

oxyd	(Si02)

9,20 %	5,12 o/o	23,36% 1,90 o/0 0,64	»/„■

Die Schwankungen im Gehalt betragen:

Kalk 59—65 °/0, Magnesia 1—3 °/0, Alkalien Spur bis 3 °/0, Tonerde und Eisen-
7—14%, Kieselsäure (SiO,2) 20—26°/0, Schwefelsäure (S08) Spur bis 2°/o-

Der Gehalt an Magnesia soll nicht Uber 3°/0 betragen.

Die Güte und Brauchbarkeit eines Portland-Zementes hängt nicht allein von
seiner chemischen Zusammensetzung ab, sondern auch ganz besonders von der Art des
Brennens, indem durch zu kurzes und starkes Glühen ein Totbrennen eintritt, das
eine vollständige Unbrauchbarkeit des Brandes zur Folge haben kann.

Bei Beurteilung eines Zementes ist neben der chemischen Untersuchung stets
die chemisch-physikalische und die physikalische Untersuchung auszuführen.

Chemisch-physikalische Prüfung. Sehr häufig nehmen schlechte aber
schnell bindende Zemente, die einen erheblichen Teil von kaustischem Kalk enthalte»)
sofort eine mittlere Festigkeit an, die sich jedoch später fortschreitend vermindert,
so daß nach einiger Zeit ein vollständiges Zerfallen des verarbeiteten Zementes
durch Treiben eintritt.

Um einen Anhaltspunkt für die Beurteilung des Treibens zu gewinnen, empfiehl
es sich, 30 g Zement mit 15 g destilliertem Wasser zu einer plastischen Masse a®'
zurühren und diese in ein Reagenzröhrchen einzufüllen.

Heinzel fand, daß auf diese Weise beschickte Reagenzgläser, an der Luft
belassen, bei Verwendung von gutem Zement in den ersten 4 Wochen nicht gesprengt
werden; tritt das Zerspringen nach 14 Tagen ein, so hat man es mit einem aJ1
Kalk überreichen, treibenden Zement von zweifelhaftem Wert zu tun.

Physikalische Prüfung, a) Bestimmung des spezifischen Gewichtes-
Das nebenstehende, von Schumann empfohlene, 100—150 ccm fassende Kölbchen»
        <pb n="141" />
        ﻿Untersuchung von Zement oder Wasserkalk.

117

40

35

30

25

20

15

- 10

in welches mittels eines Glasschliffes ein 40 ccm fassendes, in 1j10 ccm geteiltes
Glasrohr eingesetzt wird, wird his zum Nullpunkt mit Terpentinöl gefüllt; darauf
bringt man mit Hilfe eines weiten Trichters durch das eingeteilte Rohr nach und
nach 100 g des Zementes, schüttelt, um die Luft vollständig auszutreiben, den
Apparat vorsichtig und wartet, bis der Zement sich so weit abgesetzt hat, daß der
Flüssigkeitsstand genau abgelesen werden kann. Man erfährt auf diese Weise in der
verdrängten Anzahl von Kubikzentimetern das Volumen des Zementes; man hat daher nur
mit dieser Zahl in das Gewicht zu dividieren, um das spezifische Gewicht zu erhalten.

Echter Portland-Zement hat ein spezifisches Gewicht von
mindestens 3,00 im ungeglühten und von mindestens 3,12 im ge-
glühten Zustande, hydraulische Kalke von 2,44—2,55, Schlacken-
mehle von 2,87—3,01.

b) Zur Feststellung der Feinheit der Mahlung werden
3 Siebe von 4900, 2500 und 900 Maschen für 1 qcm, bezw. 70, 50
und 30 Maschen auf das laufende Zentimeter benutzt; bei der Prüfung
werden 100 g Substanz angewendet. C. Schoch1) läßt bei Zement
1—2 °/0 Rückstand auf 900 Maschen und 20 °/0 Rückstand auf 4900
Maschen zu.

o) Die Bindekraft von Portland-Zement soll sowohl an reinem
Zement wie auch durch Prüfung einer Mischung von Zement und
Sand ermittelt werden. Ein Zement, welcher nach 7 Tagen Erhärtung
(1 Tag an der Luft und 6 Tage unter Wasser) eine hohe Festigkeit
erlangt hat, darf ohne Bedenken als gut erachtet werden.

Zur Bestimmung der Festigkeitsverhältnisse sollte allein
die Druckfestigkeit maßgebend sein. Da indes ein zu diesem Zweck
brauchbarer Apparat verhältnismäßig viel kostet, ist man überein
gekommen, die Zugfestigkeit für Beurteilung des Zementes als
Merkmal anzunehmen. Zur Bestimmung der Zugfestigkeit ist ein
Normal-Apparat mit Doppelhebel-Ubersetzung von Frühling,

Michaelis &amp; Co. allgemein im Gebrauch.

Guter, langsam bindender Portland-Zement soll, mittels dieses
Apparates geprüft, auf 1 Gewichtsteil Zement mit 3 Gewichtsteilen
Normalsand2) — 1 Tag an der Luft und 27 Tage unter Wasser — mindestens eine
Zugfestigkeit von 10 kg für 1 qcm haben. Die Probekörper müssen sofort nach
der Entnahme aus dem Wasser geprüft werden.

Zemente, welche eine höhere Festigkeit haben als 10 kg für 1 qom, gestatten in
den meisten Fällen einen größeren Sandzusatz.

4. Gemischte Zemente. Mit diesem Namen sind solche Wassermörtel zu
bezeichnen, denen zu ihrem Grundstoff irgend welche fremde Zusätze, beispielsweise
Gips, Hochofenschlacke usw., gegeben sind. Die Natur des Zuschlages muß an-
gegeben sein. Die Untersuchung dieser Klasse von Zementen richtet sich nach den
angegebenen Gesichtspunkten auf ihre chemische Zusammensetzung und auf die
Anforderung, welche an diese Mörtel gestellt werden.

Fig. 18.
Schumanns
Pyknometer.

*) G. Lunge, Chem.-techn. Untersuchungsmethoden 1899, I, 649;
a) Der Normalsand wird dadurch gewonnen, daß man einen möglichst reinen Quarz-
sand wäscht, trocknet, durch ein Sieb von 60 Maschen für 1 qcm siebt und aus dem duroh-
gefallenen Sande mittels eines Siebes von 120 Maschen für 1 qcm noch die feinsten Teile
entfernt.
        <pb n="142" />
        ﻿Tierische Entleerungen und Stallmist

Tierische Entleerungen im frischen Zustande.

I.	Harn.

Die im folgenden aufgeführten Untersuchungsverfahren beziehen sich zunächst
auf den Harn der grasfressenden Tiere; sie sind jedoch großenteils auch auf den
Harn der Fleischfresser und des Menschen anwendbar. Hinsichtlich der Begründung
und besonderen Ausführung der Verfahren verweise ich hauptsächlich auf die be-
kannten Schriften von Henneberg und Stohmann: „Beiträge zur Begründung
einer rationellen Fütterung der Wiederkäuer“, Heft 1 (1860) und Heft 2 (1863), sowie
„Neue Beiträge etc.“ 1870—72, ferner Neubauer: „Anleitung zur qualitativen und
quantitativen Analyse des Harns“, neubearbeitet von H. Huppert und L. Thomas.

1.	Das spezifische Gewicht des Harns wird entweder mit einem guten
Aräometer (Urometer)1) oder, wenn die Ergebnisse noch genauer ausfallen sollen,
durch direkte Wägung im Pyknometer oder auch durch die Westphalsche Wage
(vergl. „Milch“) ermittelt, wobei stets auch die Temperatur der Flüssigkeit zu be-
obachten ist und die Bestimmungen womöglich immer bei ziemlich gleicher, mittlerer
Temperatur (15,5°) vorzunehmen sind.

Das spezifische Gewicht des Harns schwankt im allgemeinen zwischen 1,010 und
1,040. Bei Anwendung des Urometers sind natürlich vorher alle Schaumblasen von der
Oberfläche des Harns sorgfältig mittels Fließpapier usw. zu entfernen. Nach vorliegenden
Beobachtungen entspricht ein Temperaturunterschied von 3° ungefähr einem Grade des
Urometers.

2.	Die Gesamtmenge der Trockensubstanz findet man durch Verdampfen
des Harnes in einem trocknen Luftstrome (am besten in einem Strome von reinem
und trocknem Wasser Stoff gas) hei 100°. Man bedient sich hierbei passend eines tiefen
Wasserbades, in dessen mittleren Teil eine quer durchgehende und an den Außen-
seiten etwas vorstehende Blechhülse eingelötet ist. Ein Porzellan- oder Platin-
schiffchen wird zu zwei Drittel mit reinen Glassplittern oder ausgeglühtem, feinem
Quarzsand angefüllt, bei 100° getrocknet und sorgfältig im zugekorkten Glasrobr
gewogen; hierauf läßt, man genau 2 ccm Harn (das Gewicht ergibt sich durch
Wägung oder durch Multiplikation des Volumens mit dem spezifischen Ge-
wicht) auf die Glassplitter fließen und schiebt das Schiffchen in ein hinreichend
weites Glasrohr, welches in die Blechhülse des Wasserbades einpaßt. Das Glas-
rohr wird an dem einen Ende mit einem großen Chlorcalciumrohr verbunden und
reicht mit dem anderen ausgezogenen und rechtwinklig umgebogenen Ende fast bis
auf den Boden eines Glaskölbchens, in welchem titrierte Schwefelsäure sich befindet.

&gt;) Sehr brauchbare Urometer und zu billigen Preisen sind vom Mechaniker Niemann
in Alfeld bei Hannover zu beziehen.
        <pb n="143" />
        ﻿Tierische Entleerungen. Untersuchung von Harn.

119

Durch eine zweite Durchbohrung des Propfens ist das Kölbchen mit einem Aspirator
in Verbindung gesetzt, um fortwährend einen Luftstrom durch den Apparat ziehen
zu können. Anstatt dieses Kölbchens kann man auch einen gewöhnlichen Säure-
apparat oder eine U-förmige Kugelröhre benutzen.

In den agrikulturchemischen Laboratorien benutzt man gewöhnlich den zuerst von
Henneberg und Stohmann1) empfohlenen Apparat zum Trocknen im Wasserstoffstrome;
dieser Apparat ist mit 6 (bezw. 12) Liebigschen Trockenröhren versehen und später von
H. Weiske2) etwas abgeändert, sowie mit dem gewöhnlichen Dampftrockenschrank in
zweckmäßige Verbindung gesetzt worden.

Es können hierzu auch die verschiedenen Vakuum-Trockenapparate verwendet werden.

Das Eintrocknen des Harnes wird in etwa 3 Stunden vollendet sein; man er-
mittelt den Rückstand durch Wägen, spült das im Abdampfrohr vielleicht sub-
limierte kohlensaure Ammon in das Kölbchen, entfernt die Kohlensäure durch
Aufkochen der Flüssigkeit und titriert mit Natronlauge die im Kölbchen vor-
handene nicht gesättigte Säure. Bei menschlichem, durch seinen Gehalt an saurem
phosphorsaurem Natrium sauer reagierenden Harn kann man annehmen, daß das
so gefundene Ammoniak von zersetztem Harnstoff herrührt; es wird daher durch
Multiplikation mit der Zahl 1,7644 auf Harnstoff berechnet und der Trockenmasse
zugezählt. Bei dem Harn grasfressender Tiere ist jedoch aus der Schwankung des
beim Abdampfen sich entwickelnden und des direkt ira Harn bestimmten Ammoniaks
(s. unten) die Menge des im ersteren Falle etwa sich zersetzenden Harnstoffes zu
ermitteln. Übrigens sind diese Ammoniakmengen meistens nur unbedeutend und
können häufig ganz unberücksichtigt bleiben.

3.	Die Menge der feuerbeständigen Salze oder den Aschengehalt des
Harnes findet man, wenn man 50 ccm des letzteren in der Platinschale eindampft,
den Rückstand vorsichtig verkohlt, die kohlige Masse mit Wasser auszieht, trocknet
und dann vollständig verbrennt, was leicht stattfindet, wenigstens wenn man es mit
dem Harn grasfressender Tiere zu tun hat; der wässerige Auszug wird mit der
Asche der Kohle vereinigt, zur Trockne verdampft, der Rückstand in der Schale
mit aufgelegtem Deckel schwach geglüht und gewogen.

In der so erhaltenen Asche wird die Kohlensäure bestimmt. Soll eine vollständige
Aschenuntersuchung ausgeführt werden, so nimmt man eine entsprechend größere Menge
Harn zum Veraschen. Die Untersuchung der Harnasche wird ebenso ausgeführt, wie die
einer kieselsäurearmen Pflanzenasohe, nur ist zu beachten, daß die Asche des frischen
Harnes pflanzenfressender Tiere meist arm ist an alkalischen Erden und daher zur Be-
stimmung dieser Stoffe womöglich eine größere Menge Asche in Arbeit genommen werden
muß. Von Phosphorsäure findet man im Harne der Wiederkäuer meist nur Spuren, im
Harne der Schweine und oft auch der Kälber ist jedoch die Menge der Phosphorsäure
eine größere.

4.	Zur Bestimmung des Gesamtstiokstoffes werden 5 ccm Harn mit 5 ccm
gesättigter (reiner, d. h. NH3-freier) Oxalsäurelösung (zur Bindung des Ammoniaks)
im Gemenge mit etwas ausgeglühtem und gepulvertem Gips in Hofmeisterschen
Glasschälohen auf dem Wasserbade eingetrocknet, die trockne Masse samt Schälchen
im Mörser zerdrückt, verlustlos in einen Glaskolben gebracht und nach Kjeldahl
(vergl, unter „Düngemittel“) verbrannt. Auch kann man direkt 5—10 ccm Harn
in den Verbrennungskolben bringen, 20 ccm Schwefelsäure zusetzen, dann zuerst
vorsichtig über kleiner Flamme das Wasser entfernen, hierauf stärker erwärmen und
die Verbrennung wie üblich nach dem Verfahren von Kjeldahl zu Ende führen.

J) Henneberg und Stohmann, Beiträge zur Begründung einer rationellen Fütte-
rung der Wiederkäuer, 2. Heft, S. 27 ff., 1763.

2) Landw. Versuchs-Stationen 1874, 17, 31.
        <pb n="144" />
        ﻿120

Tierische Entleerungen.

5.	Das im Harn vorhandene fertig gebildete Ammoniak läßt sich durch
Destillation des verdünnten Harns mit frisch gebrannter Magnesia und Auffangen
des destillierenden Ammoniaks in titrierter Schwefelsäure (vergl. über Ammoniak-
Bestimmung in „Düngemitteln“) ermitteln.

Die Menge des fertig gebildeten Ammoniaks beträgt im frischen Einderharne nach
Boussingault 0,006—0,010°/o, nach Rautenherg 0—0,009% und verdient daher bei
Untersuchungen über den Stickstoffkreislauf im Körper des Rindes kaum eine besondere
Berücksichtigung. Im menschlichen Harn ist die Menge des Ammoniaks eine größere und
zu 0,078—0,103% gefunden worden.

6.	Bestimmung des Harnstoffs, Das frühere v. Liehigsche Verfahren
zur Bestimmung des Harnstoffs durch Titration mit salpetersaurem Quecksilber wird
wegen seiner Umständlichkeit und der vielen Fehlerquellen kaum mehr angewendet,
da der Harnstoff aus dem jetzt nach Kjeldahl leicht zu bestimmenden Gesamt-
Stickstoff nach Abzug des Ammoniak- + Harnsäure- (hezw. Hippursäure-) Stickstoffs
fast ebenso zuverlässig ermittelt werden kann. Ich beschränke mich daher darauf,
nur die zugehörige Literatur anzuführen.1)

7.	Zur Bestimmung der Hippursäure und Harnsäure dampft man
200 ccm Harn im Wasserbade bis auf etwa 50 ccm ein, versetzt mit 20 ccm Salz-
säure, erwärmt mäßig, läßt in der Kälte 48 Stunden stehen (am besten im Keller
bei möglichst niedriger Temperatur), sammelt die ausgeschiedene rohe Hippursäure
auf einem gewogenen möglichst kleinen Filter und wäscht mit kleinen Mengen
möglichst kalten Wassers aus, bis die Flüssigkeit farblos abläuft und mit Silber-
lösung nur noch schwache Trübung gibt; hierauf wird bei 100° getrocknet und
gewogen. Für je 6 ccm der vom Filter ablaufenden Flüssigkeit addiert man dem
Löslichkeitsverhältnis der Hippursäure in kaltem Wasser entsprechend C/goo) = 10 mg
zu dem direkt gefundenen Gewichte der Hippursäure hinzu. Die gewogene Hippur-
säure ist durch Verbrennen auf etwaigen Salzgehalt zu prüfen.

Diabetischen Harn läßt man vorher mit Hefe vergären, stark eiweiß-
haltigen Harn befreit man vorher durch Koagulation mit einigen Tropfen Salpeter-
säure von dem Eiweiß.

In derselben Weise wie die Hippursäure wird auch die etwa vorhandene Harnsäure
mittels Salzsäure ausgeschieden, wobei man gewöhnlich für 100 ccm der vorhandenen und
verbrauchten Flüssigkeit noch 0,0048 g Harnsäure hinzurechnet. Um die hierbei in Lösung
bleibende Harnsäure ebenfalls abzusoheiden, hat E. Salkowsky* 2) ein Verfahren vorge-
schlagen, das jedoch mit dem oben angegebenen Lösungskoeffizienten nach Schwanert
übereinstimmende Ergebnisse liefert. In dem Harn der Pflanzenfresser sind meist nur
Spuren von Harnsäure vorhanden, die nicht berücksichtigt werden; in dem Harn der fleisch-
fressenden und von gemischter Nahrung lebenden Tiere ist dagegen die Menge der Harnsäure
gewöhnlich eine größere als die der Hippursäure. Um beide Säuren voneinander zu trennen,
behandelt mau das Gemenge wiederholt mit 83-grädigem Weingeist, welcher die Hippursäure
leicht auflöst, während die Harnsäure darin fast unlöslich ist.

Bei der Harnsäurebestimmung muß ebenfalls etwaiges Eiweiß durch Koagulation
entfernt werden; zuckerhaltiger Harn wird zuerst mit Bleiessiglösung gefällt, filtriert,
das Filtrat mit essigsaurem Quecksilberoxyd gefällt, der abfiltrierte Niederschlag durch
Schwefelwasserstoff zersetzt, filtriert und das Filtrat alsdann mit Salzsäure versetzt.

’) Henneberg und Rautenherg, Ann, der Chemie und Pharm. 133, 65.
Pfeiffer, Zeitschr. f. Biologie 1884, 20, 550, 558.

Pflüger, Archiv f. die gesamte Physiologie 1887, 40, 553—586.

2) Zeitschr. f. anal. Chemie 1871, 10, 243 und 1872, 11, 234. Vergl. auch Schwanert,
ebendaselbst 1872, 11, 356.
        <pb n="145" />
        ﻿Untersuchung von Harn.

121

8.	Prüfung auf Eiweiß, a) In ein kleines, enges Reagenzgläsohen läßt
man einen Tropfen roter rauchender Salpetersäure einfließen und fügt dazu etwa
2 ccm reiner konzentrierter Salpetersäure (spezifisches Gewicht 1,2). Auf dieses
Säuregemisch schichtet man den durch Filtration geklärten Harn durch vorsichtiges
Ausflieflenlassen aus einem zweiten Reagenzgläsohen oder aus einer Pipette. Ist
Eiweiß vorhanden, so bildet sich an der Grenzschicht beider Flüssigkeiten eine
nach oben und unten scharf begrenzte ringförmige Trübung. Täuschungen können
in sehr konzentrierten Harnen durch Ausscheidung von Harnsäure, Hippursäure
und Harnstoff entstehen. In diesen Fällen ist aber der Ring nur nach unten
scharf ahgegrenzt, nach oben dagegen verschwommen breiter.

h) Nachweis durch Kochhitze. Saurer Harn bedarf keines Zusatzes. Al-
kalischem Harn wird so viel Essigsäure zugesetzt, bis er bleibend sauer reagiert.

Der ursprünglich saure oder der mit Essigsäure angesäuerte Harn wird im
Reagenzgläsohen zum Sieden erhitzt und nach dem Kochen jedesmal, gleichgültig
ob beim Kochen ein Niederschlag entstanden ist oder nicht, mit etwas konzentrierter
Salpetersäure bis zur stark sauren Reaktion versetzt. Entsteht im gekochten Harn
ein flockiger, auch nach Zusatz von Salpetersäure bleibender Niederschlag, so ist
die Gegenwart von Eiweiß erwiesen.

c)	Man säuert den Harn reichlich mit Essigsäure an und setzt 2—3 Tropfen
Ferrocyankaliumlösung hinzu; bei Gegenwart von Eiweiß entsteht ein dichter weißer
Niederschlag.

Soll das Eiweiß quantitativ bestimmt werden, so wird es nach (b) ge-
fällt, durch ein getrocknetes und gewogenes Filter filtriert, mit diesem getrocknet
und gewogen; oder der Niederschlag wird samt dem Filter nach Kjeldahl ver-
brannt, der gefundene Stickstoff nach Abzug des Stickstoffs des Filters durch
Multiplikation mit 6,25 auf Eiweiß berechnet.

9.	Wenn ferner im Harn Zucker enthalten ist und dieser bestimmt werden
soll, so muß der Harn vor allem eiweißfrei sein; enthält er Eiweiß, so wird dieses
zuerst nach 8. abgeschieden. Sodann verfährt man unter Anwendung der
Fehlingschen Kupferlösung ganz in derselben Weise, wie im Abschnitt „Futter-
mittel“ unter „Zuckerbestimmung“ angegeben ist. Der zu untersuchende Harn ist hierbei
so zu verdünnen, daß er höchstens 1/2—1 °/0 Zucker enthält; auch empfiehlt
sich, stark gefärbten Harn vorher durch Tierkohle usw. zu entfärben, oder man
entfärbt den Harn mit Tierkohle bezw. Bleiessig und polarisiert das wasserhelle
Filtrat. Die Halbschattenapparate mit Kreisgradteilung zeigen im 200 mm-Rohr
für 1 Grad Drehung = 0,94 °/0 Traubenzucker an.

Bei qualitativer Prüfung auf geringe Mengen von Zucker ist der Harn mit
Bleiessig zu entfärben oder wiederholt (4—5mal) durch Tierkohle zu filtrieren;
das wasserhelle Filtrat gibt dann eine ungleich bessere Zuckerreaktion mit der
Fehlingschen Lösung, als der ursprüngliche Harn, Noch weit schärfer ist die
Reaktion nach Seegen,1) wenn nach vollendeter Filtration die auf dem Filter
befindliche Kohle mit wenig Wasser gewaschen und dieses Waschwasser (bei
ursprünglich sehr gefärbten Harnen das zweite und dritte Waschwasser) zur Probe
benutzt wird. Man kann den Harn auch nach van Ketel durch 4 ccm Phenol-
liquefact. und 16 ccm Bleiessiglösung auf 60 ccm Harn klären. Schließlich kann
man auch nachBöttger in folgender Weise verfahren: Zur eiweißfreien Harnprobe
setzt man einen reichlichen Überschuß einer konzentrierten Lösung von kohlen-
saurem Natrium, hierauf eine kleine Menge basisch salpetersauren Wismutoxyds

]) Zeitschr. f, anal. Chemie 1872, 11, 356.
        <pb n="146" />
        ﻿122

Tierische Entleerungen.

und kocht; enthält der Harn Zucker, so wird das weiße Wismutsalz unter Schwarz-
färhung reduziert.

10.	Freie und gebundene Kohlensäure: Zwei Proben frisch aufgefangenen
Harns von je etwa 100 ccm werden, die eine mit einer reinen, die zweite mit
einer ammoniakhaltigen Lösung von Chlorbaryum versetzt, die Flüssigkeiten auf
dem Dampfapparate bis nahe zum Kochen erhitzt, die Niederschläge auf ein gewogenes
Filter gebracht, ausgewaschen, bei 100° getrocknet, gewogen und der Gehalt an
Kohlensäure ermittelt.

11.	Wenn auch Kohlenstoff und Wasserstoff in der organischen Substanz
des Harnes bestimmt werden sollen, so geschieht dieses mittels der Elementar-
analyse, indem man 10 ccm Harn im Gemenge mit feinem Quarzsand, welcher
vorher mit Säuren ausgekocht, gewaschen und geglüht wmrden ist, oder im Gemenge
mit präzipitiertem und geglühtem schwefelsauren Baryum verdampft, den Rückstand
vollständig austrocknet und mit chromsaurem Blei gegen Ende der Behandlung im
Sauerstoffstrome verbrennt.

12.	Bestimmung des Chlors: 5—10 ccm Harn werden in einer kleinen
Platinschale mit 1 g reinem kohlensauren Natrium (um etwaiges Chlorammonium
in Chlornatrium und kohlensaures Ammon überzuführen und einen Verlust von
Chlor zu verhüten) und 1—2 g chlorfreiem Salpeter im Wasserbade zur Trockne
verdampft; der Rückstand wird zuerst gelinde, später stärker bis zum Schmelzen
erhitzt. Die verbleibende Schmelze wird in wenig Wasser gelöst, die Lösung in
ein Becherglas gebracht und zu der alkalisch reagierenden Flüssigkeit so lange
tropfenweise sehr verdünnte reine Salpetersäure hinzugegeben, bis eine schwach
saure Reaktion eingetreten ist, die man alsdann durch eine Messerspitze voll gefällten
kohlensauren Calciums wieder beseitigt. Das überschüssige kohlensaure Calcium
filtriert man vor der Titration nicht ab, da es die Schärfe der Endreaktion durch-
aus nicht beeinträchtigt. Zu der Mischung setzt man ferner 2—3 Tropfen einer
kalt gesättigten Lösung von chromsaurem Kalium und titriert dann mit Silber-
lösung, bis eine deutlich rötliche Abstufung auch nach dem ümrühren bestehen
bleibt. Die Silberlösung soll im Liter 18,469 g Silber enthalten, so daß ein Kubik-
zentimeter derselben 10 mg Chlornatrium oder 6,068 mg Chlor entspricht; sie darf
keine Spur von freier Salpetersäure enthalten, muß also völlig neutral sein.

Man kann aber auch ebenso schnell das Chlor in der salpetersauren Lösung
gewichtsanalytisch bestimmen.

13.	Die etwa vorhandene Phosphorsäure kann man durch Titration mit
Uranlösung ermitteln, sicherer ist jedoch die gewichtsanalytische Bestimmung in der
Asche des Harns nach dem Molybdänverfahren (vergl. unter „Düngemittel“).

Um die an Erden gebundene Phosphorsäure allein zu bestimmen, versetzt man je
nach der Konzentration 100 oder 200 ccm des filtrierten Harns mit Ammoniak bis zur
alkalischen Reaktion und läßt 12 Stunden stehen. Der Niederschlag wird auf einem kleinen
Filter gesammelt, unter Erwärmen in möglichst wenig Essigsäure gelöst, die Lösung bis
auf 50 com verdünnt und nach Zusatz von 5 ccm der essigsauren Ammoniösung mit Uran
titriert. Will man Kalk und Magnesia bestimmen, so löst man das Gemenge der Phosphate
vor dem Glühen in möglichst wenig verdünnter Essigsäure auf, fällt den Kalk mit oxal-
saurem Ammon und nach dem Abfiltrieren des Niederschlages das phosphorsaure Magnesium
durch Übersättigung der Flüssigkeit mit Ammoniak.

14.	Schwefelsäure: 50 oder 100 ccm des filtrierten Harnes werden mit
Salzsäure stark angesäuert, bis zum Sieden erhitzt und mit Chlorbaryumlösung
gefällt. Man läßt die Flüssigkeit noch einige Stunden in der Wärme stehen und
filtriert die klare Flüssigkeit ab. Den Niederschlag rührt man noch wiederholt in
        <pb n="147" />
        ﻿Untersuchung von Kot.

123

heißem, etwas salzsäurehaltigem Wasser auf, läßt stets wieder ahsitzen, filtriert
die klare Flüssigkeit und bringt den Niederschlag erst auf das Filter, wenn im
Filtrat mit Schwefelsäure kein Niederschlag mehr entsteht. Der Niederschlag wird
nach dem Trocknen von dem Filter getrennt und geglüht (das Filter für sich ver-
brannt), nach dem Glühen mit einigen Tropfen verdünnter Schwefelsäure (um durch
organische Substanz etwa zu Schwefelharyum reduziertes schwefelsaures Baryum
wieder in letzteres Uherzuführen) befeuchtet und nochmals geglüht, bis die über-
schüssige Schwefelsäure verdampft ist, hierauf nach dem Erkalten des Tiegels ge-
wogen.

15.	Um den Schwefel, der vielleicht als solcher und nicht bloß als Schwefel-
säure im Harne enthalten ist, zu bestimmen, werden 50 ccm Harn in einem ge-
räumigen Silhertiegel mit einigen Stücken von reinem Ätzkali und etwas Salpeter
versetzt, vorsichtig ahgedampft, der Rückstand stark geglüht und darin die Gesamt-
menge der Schwefelsäure ermittelt (vergl. auch unter „Tier- und Pflanzenasche“).

II. Der Kot.

a) Allgemeine Untersuchung. Der Darmkot, zunächst der Pflanzen-
fresser, wird auf seine Bestandteile fast genau in derselben Weise untersucht und
für die Untersuchung vorbereitet, wie die Grün- und Rauhlutterstoffe; ich verweise
daher auf diesen Abschnitt, in welchem die betreffenden Untersuchungsverfahren
ausführlich beschrieben sind. Nur hinsichtlich der Eohfaserhestimmung im Darm-
kot sei bemerkt, daß es wegen der reichlichen Beimengung von harzigen Gallen-
stoffen oft nötig ist, die Masse zuerst mit Weingeist auszukochen, bevor man
dieselbe der Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure und Kalilauge usw. unterwirft.
Auch ist zu beachten, daß mikroskopische Untersuchungen für die Beurteilung der
mit dem Kot im unverdauten, jedoch oft mehr oder weniger veränderten Zustande
aus dem Körper entfernten Futterhestandteile von großem Werte sind. Zu diesem
Zwecke kann man eine Probe des zu untersuchenden Kotes in einem Beutel von
feiner Leinwand unter kaltem Wasser längere Zeit kneten und drücken, bis das
Wasser nicht mehr getrübt wird und ans dem Rückstand keine weiteren löslichen
Stoffe in die Flüssigkeit übergehen. Der Bodensatz, welcher in der Flüssigkeit hei
längerem Stehen derselben sich bildet, wird unter dem Mikroskop mit Hilfe von
Jodtinktur auf etwa vorhandene Stärkemehlkügelchen und außerdem auf unlösliche
und schwerlösliohe Salze und sandige Beimengungen usw. untersucht; die filtrierte
klare Flüssigkeit prüft man, oh sie vielleicht Zucker, gummiartige Stoffe,
Milchsäure usw. enthält. Ebenso wird der ausgewaschene Rückstand im Leinwand-
heutel, entweder sofort oder nachdem die harzigen Stoffe durch Behandlung mit Al-
kohol entfernt worden sind, unter dem Mikroskop untersucht, um Aufschlüsse über
den Verlauf des Verdauungsvorganges im lebenden Tierkörper zu erhalten.

h) Bestimmung der Stoffwechselerzeugnisse im Kot. Dem Kot sind
stets mehr oder weniger Stoffwechselerzeugnisse, besonders solche von Gallen-
hestandteilen herrührend, heigemengt. Diese verursachen daher hei der Berechnung
der Verdauungs-Koeffizienten einen Fehler, indem letztere in Wirklichkeit höher
sind, als sie sich aus Futter- minus Kothestandteilen berechnen. Dieses trifft be-
sonders für die stickstoffhaltigen Stoffwechselerzeugnisse zu, während die stick-
stofffreien dagegen zurücktreten und (bei etwa 1—3 °/0 der Kottrockenmasse)
vernachlässigt werden können.

Die stickstoffhaltigen Gallenhestandteile sind löslich in Äther (Dyslysin), in
Alkohol (alle Bestandteile bis auf Dyslysin und Taurin) und in Wasser (in letzterem
        <pb n="148" />
        ﻿124

Tierische Entleerungen,

das Taurin). Man unterwirft daher nach den früheren Weender Versuchen den Kot
(lufttrocken) einer aufeinanderfolgenden Ausziehung mit Äther, Alkohol und Wasser,
bestimmt in den Auszügen den Stickstoff und zieht diese Menge (die Summe) vom
gesamten Kotstickstoff ah, um einen richtigeren Ausdruck für die wirklich un-
verdaute Stickstoff-Menge (das sog. Nuklein) zu erhalten. Hierbei ist jedoch, zu
berücksichtigen, daß der Ätherauszug und zum Teil auch Alkoholauszug noch stickstoff-
haltiges Chlorophyll einschließt, das Wasser außer Taurin auch noch sonstige Stick-
stoffverbindungen löst, andererseits aber die in Form von Darmepithelien und Schleim-
stoffen mit ausgeschiedenen Stickstoffverhindungen durch diese Lösungsmittel nicht
gelöst werden. E. Schulze und M. Märcker1) haben daher seinerzeit den Taurin-
Gehalt in der Weise ermittelt, daß sie den Schwefelgehalt des wässerigen Auszuges
bestimmten und daraus den Taurin-Gehalt berechneten. — Taurin enthält 25,60 °/0
Schwefel und 11,2 °/0 Stickstoff.

Th. Pfeiffer* 2 3 * *) hat die Stutzer sehe Pepsinlösung zur Bestimmung der Stoff-
wechselerzeugnisse im Kot benutzt und verfährt dabei in ähnlicher Weise, wie
später unter Futtermittel für die Bestimmung der verdaulichen stickstoffhaltigen
Stoffe angegeben ist (vergl. auch weiter unter Stallmist). Indem man die auf diese
Weise gelöste Stickstoffmenge vom Gesamt-Stickstoff des Kotes ahzieht, erhält man
den auf die Futterrückstände entfallenden unverdauten Stickstoff, bezw. durch
Multiplikation mit 6,25 die unverdaute stickstoffhaltige Substanz, und indem man
diese Menge von der im Putter verabreichten Menge stickstoffhaltiger Stoffe (N X 6,25)
ahzieht, erfährt man die wirklich verdaute Menge Stickstoff.

Selbstverständlich sind die auf diese Weise berechneten Verdauungs-Koeffizienten
— Futterstickstoff dividiert in verdauten Stickstoff - mehr oder weniger wesent-
lich höher, als wenn die stickstoffhaltigen Stoffwechselerzeugnisse nicht berücksichtigt
werden, und müssen die bis jetzt berechneten Verdauungs-Koeffizienten für stick-
stoffhaltige Substanz, bei welchen die Stoffwechselerzeugnisse außer acht gelassen
wurden, als mehr oder weniger zu niedrig bezeichnet werden. Indes müssen
die im Kot ausgeschiedenen stickstoffhaltigen Stoffwechselerzeugnisse auf irgend
eine Weise durch die stickstoffhaltigen Bestandteile des Futters wieder ersetzt
werden, und wenn das bisherige Verfahren, aus Futterstickstoff minus Kotstickstoff
den Verdauungs-Koeffizienten zu berechnen, nicht richtig ist, insofern in Wirklich-
keit von dem Futterstickstoff mehr verdaut worden ist, so erfahren wir doch aus
der einfachen Differenz Futterstickstoff minus Kotstickstoff die in dem Organismus
wirklich verbliebene und nutzbar gemachte stickstoffhaltige Substanz, und mit
dieser muß der praktische Landwirt einerseits für die Erzeugung von Körpermasse,
andererseits für die Stickstoffgewinnug im Dünger rechnen.

Der Stallmist.

Bei der Untersuchung des Stallmistes8) wird der in Wasser lösliche und
unlösliche Teil jeder für sich der Untersuchung unterworfen, weil man bei der
Probenahme beide Teile voneinander getrennt erhält, und weil es für die Beurteilung
des Stallmistes von Wert ist, die Mengen der beiden Stoffe genau kennen zu lernen.

*) Journ. f. Landwirtschaft 1871, 19, 49.

2)	Zeitsohf. f. physiol. Chemie 1886, 10, 561 und Journ. f. Landwirtschaft 1886, 34,
425; Landw. Versuchs-Stationen 1901, 55, 129.

3)	Als Beispiel einer ausführlichen Untersuchung von Stallmist sei verwiesen auf

E.	Wolffs Abhandlung: „Beobachtung über das chemische Verhalten des Stallmistes hei

längerer Aufbewahrung“ in Landw. Versuchs-Stationen 1, 123—146.
        <pb n="149" />
        ﻿Untersuchung von Stallmist.

125

Um sich eine Durchschnittsprobe des Stallmistes zu verschaffen, kann man
das folgende Verfahren, welches auch dem von G. Kühn1) angewendeten entspricht,
in Anwendung bringen.

1.	Probenahme. Ein größerer Düngerhaufen, aus welchem eine Mittelprobe
gewonnen werden soll, wird zunächst zur Hälfte und bis zur ganzen Tiefe abge-
stochen und sodann mittels eines sog. beiderseitig scharfen Torfmessers ein etwa
1la m breiter Streifen von der senkrechten Wand von oben nach unten und der
ganzen Länge oder Breite nach möglichst scharf abgenommen. Die so gewonnene
Masse bringt man unter Zerteilung der vorhandenen Klumpen und möglichst gleich-
förmiger Mischung in einen kleineren flachen, regelmäßig viereckigen und etwa
2/s m mächtigen Haufen, läßt das Ganze zusammenstampfen und schlägt mit Hilfe
eines scharfen Beiles über Kreuz oder nach der Diagonale 1/3 m breite Streifen her-
aus. Auf solche Weise erhält man eine ziemlich sichere Mittelprobe.

Wenn bei Fütterungsversuchen mit einer geringen Anzahl von Tieren der gewonnene
Mist unter den letzteren liegen bleibt, also zu einer mehr oder weniger mächtigen Schicht
sich ansammelt, so muß man einige Tage vor der Beendigung des Versuches das Ein-
streuen unterlassen, dagegen die ausgeschiedenen Exkremente gleichmäßig über den ganzen
Stand verteilen. Man erreicht dadurch, daß auch die obere Schicht des Mistes gut zertreten
wird und ihre strohige Beschaffenheit verliert. Behufs der Probenahme wird sodann durch
Einbacken mit dem Beile ein dem ganzen Stand diagonal durchsetzender Streifen (15—32 cm
breit) bis auf den Boden von dem übrigen Miste losgetrennt.

Das Ausstechen einer Säule aus dem Düngerhaufen kann aber nach Th. Pfeiffer2)
durch Auspressen von Flüssigkeit aus der zu entnehmenden oder auch in die zu
entnehmende Probe einen Fehler bedingen.

Th. Pfeiffer sucht diesen Fehler dadurch zu vermeiden, daß er von tunlichst viel
(etwa 30) Stellen des Misthaufens kleinere Proben (bis zu etwa 25 kg im ganzen) in eine
Bleohwanne werfen, in dieser gründlich mit den Händen zerzupfen und mischen läßt. Aus
dieser gemischten Masse wird dann eine kleinere Durchschnittsprobe für die Untersuchung
entnommen. Oder es werden, um einen Verlust an Ammoniak3) zu vermeiden, z. B. beim
Ausmisten, fortwährend kleine Mengen des Mistes in bereitstehende Fässer geworfen und
sofort aus einem Gefäß, dessen Gewicht mit Inhalt vorher festgestellt war, mit verdünnter
Schwefelsäure4) besprengt, die Menge des Zusatzes durch Zurückwägen der Flasche er-
mittelt und diese später bei der Umrechnung berücksichtigt. Aus der mit Schwefelsäure
besprengten, etwa 100 kg betragenden Masse wird dann, wie vorhin, die kleine Mittel-
probe gebildet.

Fr. Holdefleiß5) verfährt bei der Probenahme in ähnlicher Weise;

Der aus dem Stalle herausgeschaffte Mist wird sofort auf Wagen geladen, deren
Taragewicht bestimmt war, um mit demselben auf einer großen Brückenwage gewogen zu
werden. Beim Auf laden mit Gabeln werden während des ganzen Verlaufs desselben gleich-
mäßig nach und nach einzelne Gabeln voll des Düngers in eine gut schließende Kiste,
welche vorher tariert und aus festen, glatt gehobelten Brettern hergestellt ist, gegeben.
Sobald die Wagen mit dem für einen Haufen bestimmten Mist beladen sind, werden die-
selben gewogen und zu gleicher Zeit auch die Durchschnittsprobe mit der Kiste, so daß

x) Landw. Versuchs-Stationen 1869, 12, 123 ff.

2)	Arbeiten d. Deutschen Landw.-Gesellsoh. 1902, Heft 73, S. 12.

3)	Die Verluste an Ammoniak durch Verdunstung sind aber nach früheren Versuchen
von Hellriegel, Jentys u. Verf. (vergl. J. König, Stiokstoflvorrat 1893, 3. Aufl., S. 85)
nur unwesentlich, was auch von Th. Pfeiffer bestätigt wird.

4)	Statt der Schwefelsäure kann man nach Pfeiffer (Landw. Versuchs-Stationen 1896,
46, 1) wenigstens bei Harn auch Weinsäure nehmen, wodurch ein Verlust von Nitrat-
Stickstoff vermieden wird.

5)	Fr. Holdefleiß, Untersuchungen über den Stallmist, Breslau 1883. S. 74.
        <pb n="150" />
        ﻿126

Tierische Entleerungen.

die entnommene Durchsclmittsprobe im Augenblick der Gewichtsbestimmung denselben
Eeuchtigkeitszustand besitzt, wie der in den betreffenden Haufen kommende Dünger.
Die betreffenden Durcbschnittsproben wogen in den Holdefleißsohen Versuchen am
Ort der Entnahme in der Regel etwa 40 kg. Unmittelbar vor der Inangriffnahme der
Untersuchung wurde die Probe von neuem genau gewogen und der etwaige Feuchtigkeits-
verlust zwischen beiden Wägungen bei Berechnung der Ergebnisse selbstverständlich be-
rücksichtigt. Nach dem erneuten Wägen der betreffenden Probe wird dieselbe auf glatter reiner
Unterlage ausgeschüttet und möglichst schnell zerteilt. Dann wird von dieser ganzen großen
Probe eine kleinere Durchschnittsprobe von 3000—6000 g Gewicht entnommen und der
Rest genau gesammelt und gewogen, um etwaige neue Wasserverdunstungen berücksichtigen
zu können. Die neuere kleinere Probe wird genau gewogen, mit einer bestimmten geringen
Menge verdünnter Schwefelsäure fein besprengt, um den Verlusten von Ammoniak während
des Trocknens vorzubeugen, und endlich im Trockenschrank bei 60—60° so lange ge-
trocknet, bis sie sich pulvern läßt; sie besitzt dann noch 8—10°/0 Feuchtigkeit. Die ge-
trocknete Probe wird, nachdem sie wieder einige Zeit bei gewöhnlicher Temperatur gestanden
hat, ihrer ganzen Masse nach vollständig gemahlen. Binzelmengen dieses innig gemengten
Pulvers dienen zu den chemisch-analytischen Bestimmungen.

2.	Verarbeitung der Probe nach G. Kühn. Eine große abgewogene
Mittelprobe wird mit etwa dem dreifachen Gewicht Wasser übergossen, alles durch-
einandergerührt und Uber Nacht stehen gelassen. Man gießt die Flüssigkeit durch
ein genügend großes Koliertuch, Ubergießt den Rückstand nochmals mit einer gleichen
Menge Wasser, rührt um und läßt eine Zeit lang stehen. Nachdem man wieder
koliert hat, läßt man den Rückstand auf dem Koliertuche gut abtropfen, sodann an
der Luft trocknen. Die beiden Flüssigkeiten werden tüchtig gemischt, zum Absetzen
stehen gelassen, die klare Flüssigkeit abgehebert und der Rest derselben von dem
Bodensatz durch Filtration abgetrennt. Die so erhaltene klare und gut gemischte
gesamte Flüssigkeit wird gewogen.

Der auf dem Filter verbliebene und getrocknete Rückstand wird zu den luft-
trocknen festen Bestandteilen der Mistprobe gegeben und ebenfalls diese ganze
Menge gewogen.

Die ursprüngliche gewogene Mistprobe ist nunmehr in 2 Teile zerlegt:

A.	Spülwasser und

B.	abgespülte Spreu usw.

Der Teil B wird nach dem Abtrocknen an der Luft gewogen, durch ein
Häckerlings-Sieb geschlagen und so die vorhandenen Strohteile (a) von den bröckligen
und halbpulverigen Resten der Kotentleerungen (b) getrennt; letztere werden durch
Zerreiben noch etwas gleichförmiger gepulvert. Das Stroh (a) läßt man auf einer
Häckselbank ganz fein schneiden und nimmt davon, sowie von b eine dem Verhält-
nis a; b entsprechende Probe. Auf solche Weise erhält man auch von B eine
richtige Durchschnittsprobe. Diese wird bei 60—70° weiter getrocknet, abermals
gewogen und sodann in einer geeigneten Mühle aufs feinste zerkleinert.

Unter Umständen kann der Teil B nach dem Abtrocknen an der Luft und
nach dem Wägen auch direkt zu Häcksel geschnitten, letzterer gehörig gemischt
und hiervon ein Teil zum Vortrocknen bei 60—70° usw. genommen werden. In
der gemahlenen lufttrocknen Substanz wird der letzte Rest Wasser durch Trocknen
bei 105—110° bestimmt und der Wassergehalt der ursprünglichen Probe berechnet,
wie dieses unter. „Grünfutter“ unter Abschnitt „Futtermittel“ angegeben ist.

Die nach dem angegebenen Verfahren erhaltenen beiden Teile des Stallmistes,
welche also einerseits die in Wasser löslichen (A), andererseits die unlöslichen
Stoffe (B) enthalten, werden jeder für sich der chemischen Untersuchung unterworfen.
        <pb n="151" />
        ﻿Untersuchung von Stallmist.

127

A. Untersuchung der wässerigen Flüssigkeit,

Die wässerige Düngerlösung ist, wenn eine vollständige Untersuchung derselben
beabsichtigt wird, in folgender Weise zu behandeln:

1.	Von 300—600 g der Flüssigkeit (50—100 g des feuchten Mistes ent-
sprechend) wird etwa ein Drittel unter den nötigen Vorsichtsmaßregeln ab-
destilliert und das hierbei sich verflüchtigende Ammoniak in einer Vorlage
mit titrierter Schwefelsäure aufgefangen. Die in der Retorte zurückbleibende
Flüssigkeit wird sodann mit Wasser und 1—2 g frisch gebrannter Magnesia
versetzt, abermals ungefähr ein Drittel abdestilliert, unter Auffangen des Destillates
in vorgelegter titrierter Schwefelsäure und durch Zurticktitrieren das ursprünglich
fester gebundene Ammoniak ermittelt.

2.	Salpetersäure pflegt im Stallmist in kaum nennenswerter Menge vor-
handen zu sein; falls eine Bestimmung wünschenswert erscheint, verfährt man nach
dem Verfahren von Schlösing oder besser nach demjenigen von Th. Pfeiffer
(vergl, unter „Düngemittel“).

3.	Zur Bestimmung der Gesamtmenge des Stickstoffes engt man 200 com
der Flüssigkeit nach dem Ansäuern mit Phenolsohwefelsäure direkt im Glaskolben erst
auf dem Wasserbade oder direkt Uber ganz kleiner Flamme ein, bis das überschüssige
Wasser verdunstet ist, und verbrennt zuletzt unter Zusatz von mehr Phenolschwefel-
säure nach dem Verfahren von Kjeldahl.

4.	Zur Bestimmung der fertig gebildeten Schwefelsäure übersättigt
man 200 g der Lösung mit Salzsäure, erwärmt, filtriert, wenn eine Ausscheidung
erfolgt, und fällt wie gewöhnlich mit Chlorbaryum in der Kochhitze. Der abfiltrierte,
gut ausgewaschene Niederschlag wird getrocknet und geglüht, sodann mit etwas
Salpetersäure angefeuchtet und wieder eingetrocknet, hierauf mit verdünnter Salz-
säure behandelt, abermals abfiltriert und nach dem Trocknen, Glühen usw. gewogen
(vergl. unter „Untersuchung der Pflanzenasche“).

5.	Der Rest des wässerigen Düngerauszuges (4—5000 ccm) wird in einer
Schale auf dem Dampf bade bis zur Trockne eingedampft, die Gesamtmenge des
Rückstandes gewogen und hiervon einzelne Teile in folgender Weise verwendet:

a)	In 2—3 g des Rückstandes ermittelt man durch Trocknen bei 110° die
noch vorhandene Feuchtigkeit und verbrennt hierauf bei möglichst schwacher
Hitze die organische Substanz, um den Gehalt an Gesamtasche zu finden. In
der so gewonnenen Asche wird die Kohlensäure bestimmt (S. 15); die Differenz
ergibt die Menge der Reinasche. Wenn zur Zersetzung der „Rohasche“ für die
Kohlensäure-Bestimmung reine Salpetersäure benutzt worden ist, so kann die ab-
filtrierte Flüssigkeit auch zur Bestimmung des Chlors dienen, dessen Menge jedoch
auf andere Weise (vergl. c) kontrolliert werden muß.

b)	Weitere 2—3 g der nicht veraschten Substanz werden zur Bestimmung
der fertig gebildeten Kohlensäure verwendet.

c)	Die Gesamtmenge des Schwefels neben der fertig gebildeten Schwefel-
säure, der ganze Gehalt an Chlor, sowie die Phosphor säure werden am besten
in der Weise ermittelt, daß 2—3 g des trocknen Rückstandes nach dem Pulvern
anteilweise mit einem Silberspatel in eine in einem Silbertiegel befindliche Schmelze
von 6—8 Gewichtsteilen Ätzkali und 1/2 Gewichtsteil Salpeter unter fortwährendem
Umrühren eingetragen und die ganze Masse zuletzt durch stärkeres Erhitzen weiß-
gebrannt wird, was ohne Schwierigkeit zu bewirken ist. Die erkaltete Masse wird
mit Wasser auf geweicht und mit reiner Salpetersäure übersättigt. Wenn alles
gelöst ist, bringt man auf ein bestimmtes Volumen und entnimmt nun 3 aliquote Teile.
        <pb n="152" />
        ﻿128

Tierische Entleerungen.

a) In dem einen Teil bestimmt man Chlor, indem man, wenn nötig, zuerst
filtriert und in der heißen Flüssigkeit mit Silbernitrat fällt, so lange im Kochen
erhält, bis sich der Niederschlag gut zusammengeballt hat, dann rasch filtriert,
mit heißem, destilliertem Wasser auswäscht und nach dem Trocknen das Chlorsilber
im Porzellantiegel glüht und wägt (vergl. unter „Untersuchung der Pflanzenasche“).

ß) Den zweiten Teil bringt man in einer Porzellanschale zur Trockne, dampft
einmal mit Salzsäure zur Trockne ab, erhitzt eine halbe Stunde im Luftbade und
scheidet auf diese Weise die Kieselsäure ab. Alsdann wird mit heißer, verdünnter
Salzsäure aufgenommen, filtriert, ausgewaschen und im Filtrat die Schwefelsäure
mit Chlorbaryum gefällt. Von der so gefundenen Schwefelsäure ist die fertig ge-
bildete (vergl. 4.) abzuziehen und der Rest auf Schwefel in organischer Verbindung
zu berechnen.

y) Im dritten Teil scheidet man ebenfalls durch Eindampfen zur Trockne die
Kieselsäure ab, nimmt dann jedoch mit Salpetersäure auf und bestimmt, nachdem
man filtriert und ausgewaschen hat, im Filtrat die Phosphorsäure nach dem
Molybdänverfahren (vergl. unter „Düngemittel“).

d)	Der Rest des trocknen Düngerauszuges wird unter den nötigen Vorsichts-
maßregeln (s. Darstellung der Pflanzenasche) verbrannt und von der Asche werden
etwa 3 g zur Bestimmung von Kieselsäure, Eisenoxyd, Kalk, Magnesia,
Kali und Natron benutzt, wobei man ganz dieselben Verfahren an wendet, wie
sie für die Untersuchung einer an Kieselsäure armen Pflanzenasche weiter unten
angegeben sind.

B. Untersuchung des festen Anteiles.

Der in Wasser unlösliche Teil des Stallmistes ist, nach dem Trocknen und
gleichförmigen Zerkleinern der Masse, in ähnlicher Weise der chemischen Unter-
suchung zu unterwerfen, wie der lösliche Teil.

1.	Wasser. In 5—10 g der Masse wird durch Trocknen bei 105—110°
die noch vorhandene Feuchtigkeit und daraus, wie bereits bemerkt, der Feuchtig-
keitsgehalt der zuerst nach dem Auswaschen an der Luft getrockneten Masse in
der hei „Grünfutter“ unter Abschnitt „Futtermittel“ angegebenen Weise berechnet.

2.	Asche. Die oben zur Wasserbestimmung benutzten 5—10 g können durch
vorsichtiges Verbrennen zur Gesamtasche-Bestimmung dienen.

Die so erhaltene Asche dient auch zur Ermittelung des etwaigen Kohlensäure-
gehaltes, sowie des Chlors, wenn letzteres vielleicht in geringer Menge zugegen ist.
Außerdem kann man die sandigen Beimengungen bestimmen, indem man den in Salpeter-
säure unlöslichen Teil der Asche mit kohlensaurem Natrium und etwas Natronlauge aus-
kocht, damit fast bis zur Trockne eindampft, hierauf den Rückstand mehrmals mit
heißem Wasser auswäscht und nach dem Glühen wägt. Die Behandlung des in Säuren
unlöslichen Rückstandes in gewöhnlicher Weise mit einer konzentrierten Lösung von
kohlensaurem Natrium genügt oft nicht, um die Gesamtmenge der Kieselsäure von den
sandigen Bestandteilen der Asche zu trennen. Jedoch muß man beachten, daß von der
Natronlauge manchmal auch etwas tonige Masse gelöst wird; es ist daher zu empfehlen,
die Lösung nach der Abscheidung der Kieselsäure noch auf Tonerde zu prüfen.

3.	Stickstoff. Zur Bestimmung des hier nur in organischer Verbindung
vorhandenen Stickstoffs werden 1—2 g der Masse nachKjeldahl verbrannt (vergl-
unter „Künstliche Düngemittel“).

4.	Schwefel. Die Menge des organisch gebundenen Schwefels ist ih
derselben Weise zu ermitteln, wie oben unter A. 5. c angegeben wurde. Mah
verwendet hierzu 3—4 g der fein gepulverten Masse. Fertig gebildete Schwefel'
säure wird so gut wie gar nicht vorhanden sein und bleibt daher unberücksichtigt
        <pb n="153" />
        ﻿Untersuchung von Stallmist.

129

5. Aschen-Bestandteile. Eine weitere, ebenfalls genau abgewogene Menge
von 50—100 g wird zunächst langsam und bei möglichst niedriger Hitze in einer
Platinschale verkohlt, sodann die kohlige Masse mit einer konzentrierten Lösung
von Ätzbaryt durchfeuchtet und nach dem Eintrocknen bei erhöhter Temperatur
vollständig verascht. Im übrigen ist bei der Darstellung und chemischen Untersuchung
der Asche ganz ebenso zu verfahren, wie bezüglich der kieselsäurereichen
Pflanzenasche vorgeschrieben ist (siehe unter „Pflanzenasche“).

C. Berechnung der Ergebnisse auf ursprünglichen Stallmist.

Die so für den flüssigen Teil A und den strohigen Teil B gefundenen Ergebnisse
müssen auf den ursprünglichen Gesamtstallmist umgerechnet werden.

1. Gesamtwassergehalt. Den gesamten Wassergehalt bezw. Trockensubstanzgehalt
des Stallmistes erfährt man, indem man den Trockenrückstand der wässerigen Dünger-
flüssigkeit A (nach A. 6. a) unter Hinzurechnung des nach A. 1. bestimmten flüchtigen
kohlensauren Ammons zu dem Trookensubstanzgehalt des gesamten strohigen Anteils B
(a -f- h), vergl. unter 2. „Verarbeitung der Probe“ S. 126, hinzuaddiert und mit der ange-
wendeten Menge des Gesamtstallmistes in diese Summe dividiert.

Beispiel.') Gewicht der Gesamtprobe Stallmist 110,9 kg. Nach Einweichen in
Wasser beträgt das Gewicht 310,5 kg, das der abgespülten und ausgepreßten Streu (B)
unmittelbar nach Beendigung des Auspressens 104,0 kg; daher ist das Gewicht der Dünger-
flüssigkeit A = 310,5 — 104,0 = 206,5 kg.

Sind in der Düngerflüssigkeit A gefunden:

1. gelöste Stoffe überhaupt 3,90 «/„ { g	Stoffe,

2. flüchtiges Ammoniak 0,0302,

so beträgt die Trockensubstanz 3,9302 u/0

und die absolute GesamUTrockensubstanz in derselben	x 206,5

100

= 8,1150 kg.

Der Rückstand B wiegt nach dem Abtrocknen an der Luft 23,74 kg; durch Absieben
gewinnt man

a)	11,79	kg strohige Teile mit	81,64 °/0 Trockensubstanz = 9,62	kg Trockensubstanz.

b)	11,95	kg bröcklige Masse mit	80,72 „	,,	= 9,646 „	„

Wir haben daher in 110,9 kg ursprünglichem Stallmist;

Trockensubstanz

In der Düngerflüssigkeit A................8,1159 kg

Im festen Teil V	I a) strohi8e Teile •	'	9&gt;6200	”

\ b) bröcklige Masse	.	9,6450	„

Summa 27,3809 kg

= 21,69 °/0 Trockensubstanz oder 76,31 % Wasser.

2. Andere Bestandteile. Dieselben berechnen sich in derselben Weise.

Von dem festen Teile B (a und b) des Mistes werden nach dem Zerschneiden des
strohigen Anteiles a kleinere Proben im Verhältnis von 11,79; 11,96 abgewogen, gemischt,
erst bei 60—70° vorgetrocknet, gemahlen und die gemahlene Masse in vorstehender Weise
weiter untersucht. Angenommen, diese Mischung von B hat ergehen;

■nrncoorPnoi Also in der Gesamt-
Wasserfrei Trockensubstanz

—	9,62 + 9,645 == 19.265 kg.

0,263 °/o	0,0507 kg.

2,410 „	0,3663	„

0,267 „	0,0504	„

0,055 „	0,0106	„

Wasser . .	.

Stickstoff . .
Mineralstoffe ,
Phosphorsäure .
Kali . . . .

Lufttrocken

7,65 o/#
0,243 „
2,230 „
0,246 „
0,051 „

') Vergl. G. Kühn, Landw. Versuchs-Stationen 1869, 12,
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

124.
        <pb n="154" />
        ﻿130

Tierische Entleerungen.

Ferner sollen gefunden sein für die Düngerflüssigkeit A;

Lösliche Mineralstoffe .	.

Gesamtstickstoff ....
Davon flüchtiges Ammoniak
„ gebundenes „	„

„ Salpetersäure .	.	.

Phosphorsäure...............

Kali........................

Proz.	Also in 206,5 kg Dünger fiüssigkeit
1,295	2,6742 kg.
0,232	0,4791 „
0,0302	0,0624 „
0,0121	0,0250 „
0,0089	0.0184 „
0,109	0,2251 „
0,312	0,6443 „

Es sind demnach enthalten;

In 110,9 kg des untersuchten
Stallmistes

kg

Wasser............................................83,51910

Oder Trockensubstanz.............................. 27,3809* 2 3)

Mineralstoffe (A -(- B)............................... 3,0395

Organische Stoffe (aus der Differenz)5) ....	24,3414

Gesamtstickstoff (A B)................................ 0,5298

Davon im ganzen löslich (A)........................... 0,4791

„ flüchtiges Ammoniak (A).......................... 0,0624

„ gebundenes Ammoniak (A).......................... 0,0250

„ Salpetersäure (A -(- B)..........................0,0184

Phosphorsäure (A -f- B)............................... 0,2755

Kali (A + B).......................................... 0,6549

Also Im

natürlichen Stallmist

°lo

75,31

24,69

2,74

21,95

0,478

0,432

0,055

0.023

0,017

0,248

0,591

Das vorstehende Verfahren zur Untersuchung des Stallmistes, ihn durch
Behandeln mit Wasser in 2 Teile (A flüssigen Anteil und B strohige Masse) zu
zerlegen, ist sehr umständlich und zeitraubend. Es läßt sich indes, wenn Stroh
zur Einstreu gedient hat, kaum umgehen, weil es schwer hält, das Stroh so zu
zerkleinern, daß durch Anwendung kleinerer Mengen Mist eine hinreichend gute
Durchschnittsprohe erhalten wird. Wenn Torfstreu, Strohahfälle oder zer-
kleinertes Stroh zur Einstreu verwendet worden ist, oder wenn der Stalldünger
in stark verrottetem Zustande sich befindet, dann kann man ihn auch direkt in
Untersuchung nehmen, weil sich alsdann durch Ausstechen von größeren Würfeln
und durch Zerhacken dieser Einzelproben mit einem Hackemesser oder Beil oder
scharfen Spaten in einem entsprechend großen Bottich der Stalldünger so weit
zerkleinern läßt, daß auch kleinere Proben von 1000—2000 g einem guten Durch-
schnitt entsprechen. Man verfährt dann in folgender Weise:

a) Bestimmung des Wassers und flüchtigen Stickstoffs. Etwa
1000—2000 g des sehr fein zerhackten Düngers werden in flachen Porzellanschalen
bei 50	60° vorgetrocknet, zurückgewogen, gemahlen und wie bei „Grünfutter1

unter „Futtermittel“ weiter auf Gehalt an Wasser, Asche usw. untersucht.

Eine zweite Menge, etwa 200—300 g des sehr fein zerhackten Düngers, giß*
man in eine geräumige Flasche und bestimmt darin, wie vorstehend S. 127 angegeben
ist, den flüchtigen Ammoniak-Stickstoff. Diese Menge wird der gefundenen Trocken-
substanz zugezählt.

In derselben Probe kann man nach Zusatz von Wasser und gebrannter
Magnesia das gebundene Ammoniak nach S. 142 bestimmen.

’) 110,9 — (8,1159 + 9,6200 + 9,6450) = 110,9 — 27,3809 = 83,5191 kg.

2)	Trockensubstanz von A -)- B (a und b) = 8,li59 + 9,6200 -j- 9,6450 = 27,3809 kg-

3)	27,3809 — 3,0395 = 24,3414 kg.
        <pb n="155" />
        ﻿Untersuchung von Stallmist.

131

b)	Bestimmung des Gesamt-Stickstoffs. Von der tunlichst zerkleinerten
Masse werden etwa 200 g oder mehr abgewogen und diese nach und nach mit der
zu der Stickstoff-Bestimmung nach Kjeldahl verwendeten Schwefelsäure in einer
Porzellanschale mit einem Pistill leicht verrieben. Schale + Pistill sind vorher
gewogen. Man trägt unter fortwährendem Rühren den abgewogenen Mist anteil-
weise ein, indem man jedesmal wartet, bis der eingetragene Anteil zu einem
flüssigen Brei zergangen ist, was bei der starken Erwärmung leicht von statten
geht. Auf 200 g Mist sind etwa 150—200 ccm Schwefelsäure erforderlich. Sind
merkliche Mengen Salpetersäure vorhanden, so wendet man zur Hälfte Phenol-
schwefelsäure an (vergl. unter „Düngemittel“ Salpetersäure-Bestimmung S. 141). Nach
dem Erkalten der dickflüssigen, breiigen Masse wird zurückgewogen und nun von der
Masse unter gehörigem Umrühren mit einem Porzellanlöffel 20—40 g, etwa 2—3 g
Düngertrockensubstanz entsprechend, in den zu den Stickstoffbestimmungen dienenden
Kolben abgewogen. Die Wägung kann auf einer Wage ausgeführt werden, die
noch 0,1 g genau angibt; eine größere Genauigkeit ist bei der großen verwendeten
Menge Substanz nicht erforderlich. Man gibt dann noch etwa 10—15 ccm Kjeldahl-
Schwefelsäure (bezw. Phenolsohwefelsäure) und Quecksilber hinzu, erhitzt erst mit
kleiner Flamme, bis alles Wasser verdunstet ist, und schließlich in üblicher Weise
mit starker Flamme, bis die Flüssigkeit farblos geworden ist.

Sind z. B. 200 g Stallmist verwendet und beträgt das Gewicht der dick-
flüssigen, breiigen Masse 650,55 g, so entspricht 1 g der' letzteren = 0,3074 g
Stallmist; sind von der breiigen Masse 21,25 g abgewogen, entsprechend
21,25x0,3074 = 6,5322 g Stallmist, und sind hierin 0,02818 g Stickstoff gefunden,
so enthält er 0,431 °/0 Gesamtstickstoff.

Die Stickstoff-Bestimmungen in der dickflüssigen, breiigen Masse fallen stets
sehr genau übereinstimmend aus.

Der Gesamtstickstoffgehalt des Stallmistes aber ist für die Düngewirkung des
Stallmistes allein nicht entscheidend. Die Hoffnung, daß dieses von dem pepsinlöslichen
Stickstoff im Stallmist gesagt werden könne, hat sich nach den bisherigen Unter-
suchungen von Th. Pfeiffer und 0. Lemmermann1) ebenfalls nicht erfüllt; da jedoch
hierbei die Bestimmung des pepsinlöslichen Stickstoffs nach der Selbstzersetzung einen
Anhalt für die Beurteilung der spezifischen Wirkung bezw. Nichtwirkung einiger zu
Versuchen benutzten Stallraistsorten gegeben hat, so möge das von Th. Pfeiffer und
0. Lemmermann benutzte Verfahren hier kurz angegeben werden:

Die Bestimmung des pepsinlöslichen Stickstoffs geschah stets in der
bei 55—60° getrockneten (100 g) und dann feingemahlenen Mistprobe, indem je 2 g
nach dem in Möckern ausgearbeiteten Verfahren mit 500 ccm Pepsinlösung 48 Stunden
bei Bluttemperatur behandelt wurden (s. unter „Futtermittel“). Zur Feststellung
des Einflusses der „Selbstzersetzung“ auf den Gehalt an pepsinlöslichem Stickstoff
wurden je zwei Durchschnittsproben von 100 g Gewicht in Bechergläser locker
eingefüllt, während der Dauer der Behandlung im Thermostaten bei 38—400 stehen
gelassen und dafür gesorgt, daß sie möglichst gleichmäßig genügend feucht erhalten
wurden; in den so behandelten Stallmistproben wurde dann auch nach Ermittelung
der zurückgebliebenen lufttrocknen Masse der pepsinunlösliche Stickstoff bestimmt.

D.	Jauche.

Die aus den Ställen abfließende Jauche und sonstige Düngerfltissigkeiten
werden im allgemeinen wie die unter Stallmist gewonnene Düngerflüssigkeit A (S. 127)

) Mitt. d. laudw. Inst. d. Dniv. Breslau 1901, 5, 189.

9*
        <pb n="156" />
        ﻿132

Einstreumittel usw. für Stallmist.

oder auch wie „Harn“ (S. 118) untersucht. Im allgemeinen genügt eine Bestimmung
des Gesamtstickstoffs, des Ammoniak-, nötigenfalls des Salpetersäure-Stickstoffs, des
Kalis, der Phosphorsäure, der Asche und der Trockensubstanz (vergl. S. 127).

Einstreu- und Frischhaltungsmittel für Stallmist.

I.	Einstreumittel, Stroh, Torfstreu usw.

Zur Einstreu in die Ställe werden verwendet: Stroh und Strohahfälle aller
Art, Laub, Sägespäne, Holzwolle, Torfstreu, Moos, Heidekraut und
Plaggen hezw. Erde.

A. Untersuchung der Einstreumittel.

Die Untersuchung erstreckt sich fast ausschließlich auf ihr Wasser-
aufsaugungsvermögen. Gröbere Einstreumittel, wie Stroh, Moos, Heidekraut,
werden für den Zweck zu Häcksel von 1,5—3,0 cm Länge zerschnitten, Torfstreu
zerzupft, erdige Stoffe gröblich zerkleinert und von den Stoffen durch Mischen
hezw. Vermengen gute Durchschnittsproben verwendet.

Die Herstellung einer richtigen Durchschnittsprobe ist bei den Streustoffen,
besonders bei Torfstreu nicht leicht. Die Torfstreu zieht sehr schnell Feuchtig-
keit aus der Luft an; man muß daher die Einzelproben aus der Mitte mehrerer
Ballen entnehmen, was nur dadurch zu erreichen ist, daß man die Ballen ent-
weder öffnet und auseinanderlegt, oder dadurch, daß man an einer geeigneten
Stelle der Ballen die äußere Schicht bis zu etwa 25—30 cm entfernt und dann
erst von den inneren Teilen Einzelproben für die Untersuchung entnimmt. So
werden an 3 Stellen jedes Ballens und mindestens von 3—4 Ballen Einzelproben
entnommen, diese 9 bezw. 12 Einzelproben gemischt und hiervon 1/4 bis 1/2 kg in
trocknen Blechschachteln mit gut schließenden Deckeln zur Untersuchung ein-
gesandt.

1.	Zur Bestimmung des Wassers werden 5—10 g der gut durcheinander-
gemengten Mittelproben in üblicher Weise bis zur Beständigkeit des Gewichtes bei
105—110° getrocknet. Bei Torfstreu werden stets 2 Bestimmungen ausgeführt.
Gute Torfstreu soll nicht mehr als 20—25 °/0 Wasser enthalten.

2.	Die Bestimmung des Wasseraufsaugungsvermögens kann in der
Weise geschehen, daß man eine bestimmte Gewichtsmenge in einer Schale längere
Zeit mit Wasser tränkt, dann das überschüssige Wasser auf einem feuchten Papier-
filter oder einem mit Glaswolle locker verschlossenen Trichter unter Bedecken des
Trichters abtropfen läßt und die mit Wasser gesättigte Masse in einer bedeckten,
vorher gewogenen Schale rasch wägt.

Weit besser aber ist das Verfahren, welches die Moor-Versuchs-Station in
Bremen bei Torfstreu anwendet und welches nach einer Mitteilung von Prof-
Dr. Br. Tacke wie folgt ausgeführt wird:

10	g der zerzupften und gut gemischten Probe werden mit Wasser bis zuin
starken Kochen erhitzt, um alle Luft auszutreiben und eine vollkommene Benetzung
zu erzielen. Stark trocken gewordene Proben benetzen sich bisweilen nur sehr
schwierig; die Benetzung tritt sofort ein, wenn einige Tropfen Ammoniak zugesetzt
werden. Ein aus grobmaschigem Drahtgewebe gefertigter, an einer Seite offener Würfel
von ungefähr 1 1 Größe (die Kante je 10 cm lang) wird so mit Filtrierpapier aus-
gekleidet, daß dasselbe auf dem Boden und an den Wandungen vollkommen anliegt,
in eine tiefe Schale gestellt und mit Wasser gefüllt, welches durchfiltriert, Papier
        <pb n="157" />
        ﻿Einstreumittel für Stallmist.

133

und Drahtgewebe vollkommen benetzt. Nach 5 Minuten dauerndem Abtropfen auf
einem Drahtgestell wägt man den Würfel mit einer untergelegten Schale. Die
durch Kochen mit Wasser gesättigte Torfstreuprohe wird nach dem Erkalten in
den Würfel gebracht und derselbe wiederum nach 5 Minuten langem Ah tropfen mit
der zugehörigen Schale gewogen. Die Gewichtszunahme ist gleich der Summe des
Gewichtes der angewendeten Torfstreuprohe und des von ihr aufgenommenen
Wassers.

Zur Herstellung der Drahtgewehewürfel kann man, wenigstens für die Unter-
suchung von guter, also wenig erdige Masse enthaltender Torfstreu, die feine Draht-
gaze benutzen,1) wie sie für die Feinmehlsiehe hei Thomasphosphatmehl-Untersuchungen
verwendet wird; eine Einlage von Filtrierpapier ist bei diesen nicht nur unnötig,
sondern sogar dem schnellen Abläufen hinderlich. Man muß nur dafür sorgen,
daß das Drahtgewebe stets fettfrei bleibt, da es sich sonst nur unvollkommen mit
Wasser benetzt.

Das Wasseraufsaugungsvermögen des Stoffes wird für einen Gehalt von 30 °/0
Wasser berechnet, da gute Torfstreusorten keinen wesentlich höheren Gehalt an
Feuchtigkeit haben sollen.

Angenommen, eine Torfstreu enthält 28,46 °/0 Wasser oder 71,55 °/0 Trocken-
substanz; 10 g der Streu = 7,155 g Trockensubstanz nehmen so viel Wasser auf, daß
sie nach der Sättigung im ganzen 78,8146 g wiegen; es haben daher 7,155 g
Torfstreu-Trockensubstanz 78,8145 — 7,1550 g = 71,6595 g Wasser aufgenommen,

71 6595 x 100

folglich vermögen 100 g Torfstreu-Trockensubstanz —■’■■■„	--= 1001,5 g Wasser

(,loo	’ °

oder Torfstreu von 70°/o Trockensubstanz	= 70X __ so = 671 g Wasser

aufzunehmen, d. h. ein Gewichtsteil wasserfreie Torfstreu absorbiert die 6,7-fache
Menge Wasser.

Für die wirklich untersuchte Torfstreu mit 28,45 °/0 Wasser berechnet sich
das Wasseraufsaugungsvermögen für 100 g zu 71’65 lOQ1001’5 = 716’6 ~ 28’45 = 688’2 S

oder ein Gewichtsteil dieser Torfstreu vermag die 6,9-fache Menge Wasser auf-
zunehmen.

3.	Der Stickstoff wird wie üblich nach Kjeldahl (vergl. unter „Dünge-
mittel“ S. 136) bestimmt, indem man wie bei Torfstreu und hinreichend fein-
pulverigen Stoffen direkt 2—3 g, bei grobstengeligen Massen eine größere Menge
erst vorher bei 50—60° trocknet, zurückwägt, mittels der Schrotmühle zerkleinert
(vergl. unter „Futtermittel“), hiervon 2—3 g nimmt und den Gehalt der luft-
trocknen Masse an Stickstoff auf ursprünglichen Wassergehalt umrechnet oder indem
man nach S. 131 unter b verfährt.

4.	Zur Bestimmung von Asche und Sand werden 5—10 g der gut ge-
mischten bezw. zerkleinerten Masse wie üblich verascht (vergl. unter „Moorboden“
bezw. „Pflanzenasche“) und in der Asche, wenn nötig, der Gehalt an Sand und Ton
in der Weise bestimmt, daß man die Asche in kochender Salzsäure löst, filtriert,
auswäscht, den Rückstand von dem Filter in eine Schale spült, hinreichend mit
einer Lösung von Natriumkarbonat auskocht, durch dasselbe Filter filtriert, aus-
wäseht und den Rückstand nach dem Trocknen glüht und wägt.

Gute Torfstreu soll nicht mehr als 2 °/0 Asche enthalten.

Etwaige weitere Bestandteile in der Asche werden wie bei „Pflanzenasche“
(siehe dort) bestimmt,

J) Glattes Gewebe No. 100, zu beziehen von Amandus Kahl in Hamburg.
        <pb n="158" />
        ﻿134

Prischhaltungsmittel für Stallmist.

B. Beurteilung der Einstreumittel.

Der Wert der Einstreumittel hängt in erster Linie von dem Wasser-
aufsaugungsvermögen und, wie Holdefleiß anniramt, von ihrer Fähigkeit ab, die
rasche Zersetzung des Düngers einzuschränken, dann aber auch davon, wie sich die
Teile der Einstreu, oh fest oder locker, unter den Tieren bezw. in den Düngergruben
zusammenlagern. Je fester sich die Teile aneinanderlagern, je weniger Luft also
eingeschlossen bleibt, bezw. zutreten kann, um so besser für die Erhaltung der
Stallmist-Bestandteile; denn die Verluste an Stickstoff bezw. organischen Stoffen
überhaupt sind um so größer, je mehr Luft zutreten kann. Aus dem Grunde sind
grobstengelige, harte Einstreumittel, wie z. B. Heidekraut, Kartoffelkraut usw.. ferner
alle erdigen Einstreumittel zu verwerfen, weil sie der Luft zu viel Zutritt gestatten
und sich erstere, ebenso wie Sägespäne, zu schwer zersetzen.

Im allgemeinen hängt die Dichtlagerung mit dem Wasseraufsaugungsvermögen
zusammen, d. h. je größer das letztere, um so dichter ist die Lagerung und umgekehrt.

Bei Beurteilung der Frage, ob ein Moor zur Torfstreu-Bereitung geeignet
ist, ist zu beachten, daß die Schichten eines und desselben Moores in der Tiefe
wie an verschiedenen Punkten in schnellem Wechsel häufig bedeutende Unterschiede
in der Zusammensetzung aufweisen. Es empfiehlt sich daher, an mehreren Stellen
der Fläche am besten Profile aus der ganzen Höhe der in Betracht kommenden
Schichten zu entnehmen und die einzelnen Schichten, sofern sie äußerlich ver-
schieden sind, getrennt zu untersuchen.

Aus der äußeren Beschaffenheit der Proben, aus den Resten der Pflanzen,
durch welche sie gebildet worden sind, aus dem Grade, bis zu welchem die Humifikation
vorgeschritten ist, läßt sich von vornherein schon ein ungefährer Schluß auf die
Brauchbarkeit des Moores zur Einstreu ziehen. Je weniger zersetzt das Moor ist,
desto größer ist sein Vermögen, Wasser aufzunehmen, desto geringer ist der Abfall
an Staub bei der Verarbeitung zu Torfstreu. Auf letzteren Umstand muß besonders
bei Grastorfproben geachtet werden.

II. Bindungsmittel für Stallmist.

Zur Bindung des Stickstoffs im Stallmist, bezw. zur Verhütung von Stickstoff-
verlusten werden in Vorschlag gebracht: Gips, Superphosphatgips, d. h. freie
bezw. wasserlösliche Phosphorsäure enthaltender präzipierter Gips,
Phosphatgips (Äuslaugungsrückstand von der Darstellung des sogenannten Doppel-
superphosphats), Superphosphat, ferner Kainit, Kieserit, Eisenvitriol,
Schwefelsäure u. m. a. und für Jauche auch eine phosphorsäurehaltige
Schwefelsäure.

Über die Untersuchung dieser Einstreu- und Bindungsmittel vergl. unter
„Düngemittel“ die, betreffenden Abschnitte.

Der Wert aller dieser Bindungsmittel für Stallmist ist ein sehr frag-
würdiger.

Die Wirkung derselben beruht darauf, daß sie einerseits wie freie Säure
direkt das Ammoniak oder wie Gips, Kainit und Kieserit nach Umsetzung in kohlen-
saures Calcium usw. und schwerer flüchtiges schwefelsaures Ammon, z. B. CaS04 -V
+ (NH4)2C08 = CaC03 + (NH4)2S04, das leichtflüchtige, kohlensaure Ammon binden,
andererseits wie freie Phosphorsäure, Schwefelsäure, Kainit, Kieserit und Eisenvitriol
als antiseptische Mittel die Fäulnis hemmen und dadurch vor Stickstoffverlusten
schützen.
        <pb n="159" />
        ﻿Frischhaltungsmittel für Stallmist.

135

Aus dem Grunde aber sind Kaimt. Kieserit und Eisenvitriol am wenigsten
geeignet für die Einstreu, weil der Landwirt behufs schnellerer Wirkung des Stall-
mistes eine gewisse Zersetzung (Verrottung) wünscht; auch können diese drei Salze
bei Verletzungen und bei offenen Wunden der Tiere nachteilig wirken, wozu bei
Eisenvitriol noch hinzukomrat, daß er unter Umständen auch schädlich für die
Pflanzen auf dem Acker wirkt.

Der Gips wirkt auch nur dann günstig, wenn der Stallmist gleichzeitig hin-
reichend vor Luftzutritt geschützt wird. Kann zu einem solcherweise behandelten
Dünger ungehindert Luft zutreten, so kann der Gips sogar nachteilig wirken, weil
das gebildete Calciumkarbonat die Oxydation der organischen stickstoffhaltigen Stoffe
und damit die Entbindung von Stickstoff befördert; denn nach den angestellten
Versuchen geht der Stickstoffverlust mit der Menge der gebildeten Salpetersäure
parallel, d. h. je mehr Salpetersäure gebildet wird, desto größer ist der Stickstoffverlust.

Das beste Erhaltungsmittel für den Stallmist ist daher die tun-
lichste Abhaltung der Luft, d. h. Schutz vor Luftzutritt, wie vor Regen
und Sonnenschein.

Auch kommt für die Anwendbarkeit dieser Erhaltungsmittel in Betracht,
ob sie zu einem angemessenen Preise zu haben sind; bei hohen Bezugskosten
lohnt sich die Anwendung derselben im allgemeinen nicht mehr (vergl. hierüber des
Verfassers Schrift; Wie kann der Landwirt den Stickstoffvorrat in seiner Wirtschaft
erhalten und vermehren? Berlin 1893, S. 100—103).
        <pb n="160" />
        ﻿Künstliche Düngemittel

Allgemeine Untersuchungs-Verfahren.1)

A.	Bestimmung des Wassers.

Zur Bestimmung des Wassers in den Düngemitteln werden 10 g der gut
gemischten Probe hei 100° Ms zur Gewichtsbeständigkeit getrocknet; gipshaltige
Düngemittel (z. B. Superphosphate) müssen mindestens 3 Stunden getrocknet werden.

Enthalten die Untersuchungsgegenstände flüchtige Stoffe, wie Ammouiumkarbonat,
so müssen diese für sich bestimmt und vom Gesamt-Trockenverluste in Abzug gebracht
werden.

B.	Bestimmung des Stickstoffs.

I. Gesamt-Stickstoff nach Kjeldahl.

Für die Bestimmung des Gesamtstickstoffs waren früher die Verfahren von
Dumas und von Will -Var ren trapp in Gebrauch. Dieselben sind aber zurzeit
wohl in allen Laboratorien für angewandte Chemie durch das bequemere Verfahren
von Kjeldahl verdrängt worden, weshalb nur dieses hier näher beschrieben
werden möge.* 2 *)

Das ursprünglich von Kjeldahl angegebene Verfahren8) ist vielfach ab-
geändert worden und wird jetzt fast allgemein wie folgt ausgeführt:

1.	Für salpetersäurefreie oder salpetersäurearme Stoffe.

a) Abwägung der Stoffe. Man verwendet;

a) von pulverförmigen, lufttrocknen Stoffen4 *) 1—2 g, in einem Wäge-
röhrchen oder ScMffchen abgewogen;

4)	Bei Beschreibung der nachstehenden Untersuclmngsverfahren sind in erster Linie
die Vereinbarungen des Verbandes landw. Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche
berücksichtigt worden.

2) Der V. intern. Kongreß für angewandte Chemie hat für die Bestimmung des
organischen Stickstoffs bei Abwesenheit von Nitraten und Ammoniaksalzen das Verfahren
von Kjeldahl und die Verbrennung mit Natronkalk für zulässig erklärt.

s) Das ursprüngliche Kjeldahlsche Verfahren bestand darin, daß die organischen
Stoffe durch konzentrierte Schwefelsäure und Kaliumpermanganat zerstört (oxydiert) wurden,
das nach der Verbrennung mit Natronlauge ahdestillierte Ammoniak in 1j)0 Normalschwefel-
säure aufgefangen und der Überschuß der letzteren mit jodsaurem Kalium, Jodkalium und
untersohwefligsaurem Natrium zurücktitriert wurde. Die Oxydation mit Kaliumpermanganat
ist nach einigen Beobachtungen (vergl. Proskauer und Zülzer, Zeitsohr. für Hygiene
1889, 7, 186) fehlerhaft. Dieses ist aber nach H. Malafatti (Zeitschr. f. physiol. Chemie
1903, 80, 467) nur dann der Pall, wenn man festes Kaliumpermanganat anweudet, nicht
aber bei Anwendung einer wässerigen Lösung des Salzes (vergl. S. 139).

4)	Dieselben brauchen nur so weit zerkleinert zu sein, daß man davon richtige Durch-

schnittsproben erhalten kann.
        <pb n="161" />
        ﻿Künstliche Düngemittel. Bestimmung des Gesamt-Stickstoffs.

137

ß) von sirupartigen, breiigen Stoffen je nach dem Gehalt 2—5 g (1—2 g
Trockensubstanz entsprechend), die man entweder in einem dünnen Glasbecherchen
oder in einem Schiffchen, das man aus einer 2—3 fachen Lage Stanniol gebildet hat,
ab wägt;

y) von Flüssigkeiten, die verhältnismäßig reich an Stickstoff sind, 10—30 g
— man gibt die Flüssigkeit am zweckmäßigsten in ein kleines Kölbchen mit ein-
gefettetem Rand oder in ein kleines Becherglas mit eingefettetem Rand und mit
Glasstab, wägt, gießt aus diesem verlustlos in den Verbrennungskolben und wägt
das Gefäß mit dem Rest der Flüssigkeit zurück —; von Flüssigkeiten mit verhältnis-
mäßig wenig Stickstoff werden 100—500 g oder ccm direkt in dem Verbrennungs-
kolben abgewogen bezw. abgemessen, mit verdünnter Schwefelsäure schwach an-
gesäuert, zunächst in dem Kolben bis auf 10—20 ccm eingedunstet und dann wie
die übrigen Stoffe behandelt.

b) Aufschließen der Stoffe. Die verlustlos1) in den 600—600 ccm
fassenden Verbrennungskolben2) von schwer schmelzbarem Kaliglase oder Schottschein
Glase gebrachten Stoffe, bezw. die vorher darin eingedunsteten Flüssigkeiten werden
mit 20 ccm Schwefelsäure versetzt, welche besteht aus:

1.	4 Volumen konzentrierter und 1 Volumen rauchender Schwefelsäure und
auf jedes Liter dieser Mischung 100 g Phosphorsäureanhydrid (Wilfarth).

2.	1 Liter konzentrierter Schwefelsäure und 200 g Phosphorsäureanhydrid
(Kellner u. a.).8)

3.	3 Volumen konzentrierter und 2 Volumen rauchender Schwefelsäure
(Wilfarth).

4.	Gleichen Volumen konzentrierter und rauchender Schwefelsäure.

5.	Konzentrierter Schwefelsäure und dazu 0,06 g Kupferoxyd und 1 g Queck-
silber für jede Bestimmung (Arnold).

6.	Konzentrierter Schwefelsäure und dazu 0,05 g Kupferoxyd und 5 Tropfen
Platinchloridlösung (0,04 g Platin in 1 ccm) für jede Bestimmung (ülsch).

7.	1 Teil Kaliumsulfat und 2 Teilen gewöhnlicher Schwefelsäure (Gunning)
oder 5—10 g Kaliumsulfat, 25 ccm Schwefelsäure und 1 Tropfen Quecksilber
(Wohltmann); von anderer Seite ist Kupfersulfat an Stelle von Kaliumsulfat vor-
geschlagen.

Selbstverständlich müssen alle diese Reagentien frei von Stickstoff sein. Für
eine schnelle und vollständige Verbrennung sind die Gemische No. 1, 2 und 7
am meisten zu empfehlen. In den beiden ersteren Fällen gibt man nach Zusatz
von 20 ccm der betreffenden Schwefelsäure und Mischen der Masse mit derselben

') Für den Zweck müssen die Kolben, besonders der Hals derselben, trocken sein und
die Stoffe tunlichst wagerecht in dieselben eingefüllt werden, was bei trocknen Stoffen
am leichtesten durch Abwägen und Ausfüllen aus Glasröhrchen geschieht. Leichte Glas-
becherchen mit sirupartigen oder breiartigen Stoffen können direkt in die Kolben eingelassen
werden; Stanniolkapselu mit letzteren Stoffen werden oben zusammengedrückt. Sollten
Spuren der Stoffe an der seitlichen Glaswandung hängen bleiben, so sucht man dieselben
mit der einzufüllenden Schwefelsäure vollständig abzuspülen.

2)	Das Verbrennen der Stoffe in dem Kolben, aus welchem später destilliert werden
kann, dauert zwar etwas länger als in den vielfach angewendeten kleinen Kölbchen von
■^0 200 c°m, hat aber den Vorzug, daß man das Umfüllen aus den kleinen in die
größeren Destillationskolben umgeht und damit eine Fehlerquelle vermeidet.

3)	Die Schwefelsäure-Gemische mit hohem Gehalt an Phosphorsäureanhydrid, No. 1
und 2, greifen Jenaer (Sohottsches) Glas stark an; für diese Gemische empfehlen sich
Kolben aus böhmischem Glase.
        <pb n="162" />
        ﻿138

Künstliche Düngemittel,

einen Tropfen Quecksilber1) (= etwa 1 g) hinzu und erhitzt den Kolben, den man
zweckmäßig schief legt (vergl. Fig. 19) und mit einer gestielten Glaskugel ver-
schließt, so lange, bis die Lösung vollständig farblos geworden ist; ein schwacher
Stich ins Gelbliche deutet auf eine unvollständige Verbrennung hin. Nur wenn
größere Mengen von Eisenverbindungen vorhanden sind, erscheint die Lösung schwach
hellgelb. Im allgemeinen verläuft die Verbrennung in einigen Stunden.

Nach den Vereinbarungen des Verbandes deutscher landw. Versuchs-Stationen
sind 2 Verfahren empfehlenswert, nämlich:

a) das oben angegebene Oxydationsgemisch No. 2 unter Zusatz von 1 Tropfen
Quecksilber, womit eine durchschnittliche Auf schließungsdauer von durchweg 3 Stunden
genügt; oder

Fig. 19. Verbrennimgsapparat für die Stickstoff-Bestiinnmügen nacli Kjeldahl.

ß) das folgende Gunningsche, von Atterberg* 2) verbesserte Verfahren:

„1—2 g Substanz werden mit 20 ccm stickstofffreier konzentrierter Schwefel-
säure unter Zusatz von etwas (etwa 1 g) Quecksilber bis zur Auflösung erhitzt,
was in ungefähr 15 Minuten erreicht ist; darauf werden 15—18 g stickstofffreies
Kaliumsulfat zugegeben und die Mischung wird weiter gekocht; nach eingetretener
Farblosigkeit wird das Erhitzen noch 15 Minuten fortgesetzt. Die aufgeschlossene
Masse wird nach etwa 10 Minuten langem Stehen mit Wasser verdünnt. — Bei

x) Zur schnellen Abmessung des Quecksilbers bedient man sich des Wrampel-
meyersohen Apparates, der nebst Beschreibung von Gustav Miche, mechanische Werk-
statt in Hildesheim, bezogen werden kann. Die Firma Fr. Hugershoff führt für diesen
Zweck auch besonders eingerichtete Meßfläschchen.

2)	Landw. Versuchs-Stationen 1902, 57, 15; 1903, 58, 141; 1904, 59, 215.
        <pb n="163" />
        ﻿Bestimmung des Gesamt-Stickstoffs.

139

Stoffen, welche erfahrungsgemäß nicht schäumen, kann das Kaliumsulfat gleich zu
Anfang zugegeben werden.“

Nach Kutscher und Stendel') liefert das Kjeldahl-Yerfabren bei gewissen
organischen Basen (Kreatin, Kreatinin, Lysin, Histidin) bezw. bei den der Harnsäure-Gruppe
angehorenden Stickstoffverbindungen zu niedrige und nur unter Umständen richtige Er-
gebnisse. Die zu niedrigen Ergebnisse treten aber, wie H. Malafatti2) nachweist, nur
dann auf, wenn zu wenig Wasser vorhanden ist, oder wenn man festes Kaliumpermanganat
anwendet. Malafatti versetzt derartige Stickstoffverbindungen, gewöhnlich ohne Zusatz
von Kupfersulfat oder Quecksilber, mit etwas weniger Schwefelsäure, als gewöhnlich ge-
nommen wird, kocht, bis sich eine ruhig siedende braune Flüssigkeit gebildet hat, läßt
erkalten, fügt eine ausreichende Menge einer wässerigen Lösung von Kaliumpermanganat
hinzu und erhitzt weiter bis zur vollständigen Vertreibung des Wassers und bis zur voll-

Fig. 20. Destillierapparat für die Stickstoff-Bestimmungen nach KjeldaUl.

ständigen Entfärbung. Auf diese Weise sollen auch bei den genannten Stoffen richtige
Werte erhalten werden. Morgen, Beger und Fingerling3) erhielten aber auch richtige
Ergebnisse für Kreatin nach dem Kjeldahl-Verfahren in der beschriebenen gewöhnlichen
Ausführung, wenn genügend lange (bis 3 Stunden) mit dem Schwefelsäure-Gemisch erhitzt
wurde; die gegenteiligen Ergebnisse von Kutscher und Steudel haben nach ihnen ihren
Grund in der zu mangelhaften Aufschließung.

c)	D e s t i 11 a t i o n. Nach dem Erkalten der Flüssigkeit wird dieselbe unter gleich-
zeitigem Abspülen der gestielten Kugel mit Wasser verdünnt. Zu der mit Wasser
verdünnten Flüssigkeit setzt man rasch 80 ccm salpetersäurefreie Natronlauge von
1,35 spezifischem Gewicht, 25 ccm Schwefelkaliumlösung (40 g Kalium sulfuratum

‘) Zeitschr. f. physiol. Chem. 1903, 89, 12.

2)	Ebenda 1903, 89, 467.

3)	Ebenda 1903, 40, 329.
        <pb n="164" />
        ﻿140

Künstliche Düngemittel.

im Liter), bezw. so viel, daß alles Quecksilber als Schwefelquecksilber ausgefällt
wird und die Flüssigkeit schwarz erscheint, dann einige feine Körnchen Zink zu
und verbindet rasch mit dem Uestillationsrohr. Letzteres taucht in einen 250—300 ccm
fassenden Erlenmeyer-Kolben, welcher 10 oder 20 ccm Normalschwefelsäure und
so viel Wasser enthält, daß die Spitze des Destillationsrobres in die Flüssigkeit
taucht (vergl. Fig. 20, S. 139). Nachdem etwa 100 ccm der Flüssigkeit ab-
destilliert sind, wird die überschüssige Schwefelsäure mit x/4 Normalnatronlauge
unter Zusatz eines Indikators zurücktitriert und aus dem gefundenen Ammoniak der
Stickstoff berechnet.

Anmerkungen. «) Nach 0. Böttcher ist der Zusatz von Schwefelkalium nicht
notwendig, wenn mau für eine starke Wasserstoffentwickelung sorgt, also etwa l,b g Zink-
staub zusetzt. Die starke Wasserstoff-Entwickelung kann aber leicht ein Überspritzen von
fixem Alkali verursachen. C. Neuberg empfiehlt Natriumthiosulfat an Stelle von
Kaliumsulfid, und zwar je 1 g gepulvertes Natriumthiosulfat auf 0,4 g Quecksilberoxyd.

ß) Um ein Überspritzen von Natronlauge zu verhüten, verbindet man den Kolben
mit dem Destillationsrohr am besten durch ein Kugelrohr, in welchem das Glasrohr, wie
aus der Zeichnung (Fig. 20, S. 139) ersichtlich, umgebogen ist. Statt dieser Einrichtung
sind eine Reihe anderer Destillations-Vorrichtungen in Gebrauch, die aus den Preislisten der
Mechaniker zu ersehen sind.

y) A. Hebebrand1) hat eine besondere Destillations-Vorlage angegeben, welche mit
einem Ü-förmigen Seitenrohr versehen ist und das anfängliche Eintauchen des Destillations-
rohres in die vorgelegte Schwefelsäure überflüssig macht.

d)	Bosworth und Eissing* 2) verwenden behufs Vereinfachung der Ausrechnung
zur Verbrennung stets genau 1 g Substanz, zum Binden des Ammoniaks in der Vorlage
'/j Normalsäure und zur Titration */14iM Normalalkali; 1 ccm Alkali entspricht dann 1 mg
Stickstoff und 1 ccm '/2 Normalsäure 7,02 ccm des 1/14j04 Normalalkali. Die Anzahl der
nicht verbrauchten ccm Alkali, welche den vorgelegten ccm Säure entsprechen, geben dann
die Menge Stickstoff in mg an, und wenn diese mit 10 multipliziert werden, erhält man
direkt die Prozente Stickstoff in der Substanz. Über die Einrichtung der Bürette vergl. das
Original.

d)	Indikatoren. Als Indikatoren für die Titration der Schwefelsäure sind
jetzt mehrere in Gebrauch, nämlich: Kongorot, Cochenille, Methylorange usw. statt
der früher allgemein üblichen Lackmuslösung. Die Wirkung der Indikatoren be-
ruht nach W. Ostwald u. a. darauf, daß die Indikatoren als Stoffe von mehr oder
weniger saurer oder basischer Natur mit dem Alkali oder umgekehrt mit der
Säure eine Verbindung eingehen, welche ionisiert wird und wobei alsdann das frei
gewordene Ion eine andere Farbe besitzt als das ursprüngliche Molekül des Indi-
kators. Man kann mit F. Glaser3) die Indikatoren ie nach der stärkeren sauren
oder basischen Natur in 3

1. Gruppe von ausge-
prägt saurer oder basischer
Natur (Diazo- bezw.Tetrazo-
verbindungen oder phenol-
artige Körper mit mehreren
Hydroxylen;

Methylorange,

Kongorot, Cochenille,

Tropäolin, Jodeosin und
Lackmoid.

Gruppen teilen, nämlich:

2. Gruppe von schwäche-
rer Säurenatur mit meistens
nur zwei Hydroxylen:

Pluorescein, Phe-
naoetolin, Hämatoxy-
lin, Gallein und Lack-
mus.

3. Gruppe von schwacher
Säurenatur mit nur einem
Hydroxyl:

Bosolsäure, Kur-
kuma, Phenolphthalein
und Plavescin.

J) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1902, 5, 61.

2)	Zeitschr. f. analyt. Chemie 1903, 42, 711.

3)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahruugs- u. Genußmittel 1900, 3, 169.
        <pb n="165" />
        ﻿141

Bestimmung des GesamtrStiokstoffs.

In den Laboratorien sind vorwiegend die Indikatoren der 1. und 2. Gruppe
in Gebrauch; die Indikatoren der l.ten Gruppe bilden schon mit schwachen Basen
Salze, die durch schwache, d. h. wenig dissoziierte (ionisierte) Säuren nicht zersetzt
werden; sie sind daher zur Titration von Basen, auch der schwachen, bei Gegenwart
von schwachen Säuren, wie Kohlensäure, sehr geeignet und werden mit V orliebe
bei vorstehender Titration benutzt.1)

Die Indikatoren der 2. u. 3.teu Gruppe dagegen gehen in verdünnten Lösungen mit
schwachen Basen, wie Ammoniak, keine Verbindung mehr ein und die Salze mit den
stärkeren Basen werden schon durch wenig dissoziierte Säuren, wie Kohlensäure,
-Essigsäure u. a., zersetzt, sie sind daher besonders zur Titration schwacher Säuren
mit starken Basen (Kali, Natron, Baryt) geeignet.

2. Salpetersäurehaltige Stoffe bezw. Salpeter. In salpetersäurehaltigen Stoffen
wie in Salpeter selbst kann der Stickstoff nach den Verfahren von M. Jodlbaur
und 0. Förster bestimmt werden, für Salpeter allein vergl. auch unter „m. Salpeter-
Stickstoff“ S. 144.

a)	Verfahren von Jodlbaur;2) 0,5 g des fein zerriebenen Salpeters oder

etwa 1,0 g des salpetersäurehaltigen Stoffes werden in einer Reibschale mit 2	3 g

gebranntem, fein gepulvertem Gips innig vermischt und diese Mischung in den
Kjeldahl-Kolben gebracht. Dieselbe wird in dem Kolben unter Abkühlung mit
25 ccm Phenolschwefelsäure,8) welche 40 g Phenol für 1 1 konzentrierte Schwefel-
säure von 66° Be. enthält, versetzt und durch leichtes Hin- und Herbewegen mit
4er Säure gemengt. Nach Verlauf von ungefähr 5 Minuten fügt man ganz all-
■uählich und unter Abkühlung des Kolbens 2—3 g durch Waschen mit
Wasser gereinigten Zinkstaub, sowie 2 Tropfen metallisches Quecksilber hinzu.
Nun wird die Mischung gekocht, bis die Flüssigkeit nicht mehr gefärbt ist; nach dem
Erkalten wird, wenn in einem kleinen Kolben verbrannt wird, in den Destillations-
kolben übergespült, mit Natronlauge übersättigt, 25 ccm Schwefelkaliumlösung (40 g
N2S zu 1 1) hinzugefügt und das Ammoniak abdestilliert.

Anm. Von wesentlichem Belang für die Sicherheit dieses Verfahrens ist, daß die
zu verbrennenden Stoffe nicht zu feucht, sondern genügend trocken sind.

Statt der Phenolschwefelsäure ist auch eine Auflösung von Benzoesäure (75 g für
1 1) oder von Salizylsäure in konzentrierter Schwefelsäure vorgeschlagen.

b)	Verfahren von 0. Förster:4) 0,6 g Salpeter bezw. 1,0 g eines salpeter-
säurehaltigen Stoffes — oder Lösungen derselben nach vorherigem Eindampfen im
Kjeldahl-Kolben — werden in letzterem mit 15 ccm einer 6°/0-igen Phenol-
schwefelsäure oder mit 15 ccm einer 6 °/0-igen Salizylsäure-Schwefelsäure vermischt,
bis Lösung eingetreten ist; alsdann werden bis zu 6 g unterschwefligsaures Natrium,
sowie nach Zersetzung dieses Salzes noch 10 ccm reine Schwefelsäure und das nötige
Quecksilber hinzugefügt und darauf erhitzt. Nach der vollzogenen V erbrennung
wird weiter wie gewöhnlich verfahren.

’) Bei Verwendung dieser Indikatoren schadet auch ein schwacher Gehalt der
Natronlauge an Kohlensäure nicht. Herfeld-Bonn verdünnt hei Anwendung von Methyl-
orange 250 ccm der zur Destillation verwendeten Natronlauge zu 10 1, um Normallauge
herzustellen.

2)	Landw. Versuchs-Stationen 1888, 35, 447. Das Verfahren ist auch vom V. intern.
Kongreß f. angew. Chemie angenommen.

3)	Das Phenol wird durch die Salpetersäure nitriert; beim weiteren Verlaufe wird
die Nitrogruppe in die Amidogruppe übergeführt und schließlich schwefelsaures Ammon
gebildet.

4)	Chem.-Zeitung 1889, 13, 229; 1890, 14, 1673, 1690.
        <pb n="166" />
        ﻿142

Künstliche Düngemittel.

Das niitersohwefligsaure Natrium darf nicht vor der Phenolschwefelsäure zu dem
Salpeter gesetzt werden, weil durch die alsdann eintretende sehr lebhafte Reaktion be-
trächtliche Verluste an Stickstoff entstehen können. Ein Gehalt der Phenolschwefelsäure
von mehr als 7 % und weniger als 4 °/0 Phenol beeinträchtigt die Ergebnisse.

Das unterschwefligsaure Natrium hat den Zweck, die sich der Bindung an Phenol
entziehende kleine Menge Salpetersäure in die Form der nicht flüchtigen Bleikammerkristalle
(Nitrosulfosäure) überzuführen.

Als mißlicher Umstand bei Anwendung von Salizylsäure-Schwefelsäure wird hervor-
gehoben, daß sich darin Salpeter und salpetersäurehaltige Stoffe nur sehr schwer lösen,
wodurch leicht Verluste eintreten können.

II. Aramoniak-Stickstoif.

Man bestimmt das Ammoniak am besten durch Destillation einer abgewogenen
Menge mit Wasser und frisch gebrannter Magnesia (auf 1 g Ammonsalz etwa
3 g Magnesia), fängt das Ammoniak in titrierter Schwefelsäure oder Salzsäure auf
und titriert mit Natronlauge zurück.

Bei etwaigem Vorhandensein von freiem Ammoniak neben organischen Stoffen,
deren Stickstoff hierbei teilweise in Ammoniak übergeführt wird (Harn), wird das
Verfahren von Schlösing, nämlich Einwirkung von Kalkmilch in der Kälte,
vorgezogen.1) Auch kann man den Ammoniak-Stickstoff oft in wässerigen oder
sauren Auszügen mittels des Knopsehen Azotometers durch Einwirkung von über-
schüssigem, unterbromigsaurem Alkali volumetrisch bestimmen; der chemische Vorgang
verläuft hierbei nach der Gleichung; SBrONa + 2NH,, = 3BrNa + 3H20 H - 2N.

Die Lösung des unterbromigsauren Natriums bereitet man in der Weise, daß
man 100 g Ätznatron in 1250 ccm destilliertem Wasser auflöst, die Lösung stark
abkühlt und unter fortwährendem Umschütteln 25 ccm Brom hinznfügt. Diese
Lauge muß in einer dunklen Flasche aufbewahrt werden, da sie sich am Lichte
allmählich zersetzt. 50 ccm der Lauge vermögen 130—150 ccm Stickstoff aus einer
Salmiaklösung zu entwickeln.

Das Knop-Wagnersche Azotometer (Fig. 21, S. 143) besitzt folgende
Einrichtung:

Das unten in einem Metallringe eingekittete und mit Blei beschwerte Eutwickelungs-
gefäß ist durch eine nicht bis oben hinaufreichende Glaswand — in der Figur nicht sicht-
bar — in zwei Teile geteilt; in die eine Abteilung bringt man die Ammonsalzlösung, in
die andere die Bromlauge. Es ist notwendig, ein bestimmtes Volumverhältnis der beiden
Flüssigkeiten stets festzuhalten. Man dampft daher die das Ammonsalz enthaltende Flüssig-
keit in einem Porzellanschälchen fast bis zur Trockne ab, füllt eine 10 ccm-Pipette mit
destilliertem Wasser, läßt einige Tropfen zur Lösung des Ammonsalzes zufließen, gießt
diese Lösung, durch ein langes Trichterrohr in die eine Abteilung des Entwickelungsgefäßes
und spült mit dem in der Pipette zurückgebliebenen Wasser Porzellanschale und Trichter-
rohr aus. In die andere Abteilung läßt man mittels einer Pipette 50 ccm Bromlauge
einfließen. Nachdem das Entwiokelungsgefäß mit einem Kautschukstopfen verschlossen
worden ist, senkt man es in das Kühlgefäß so tief ein, daß der Kautschukstopfen
gerade noch mit Wasser bedeckt wird. Dieses Kühlgefäß sowie auch der lange Glas-
zylinder- werden mit kühlem Wasser womöglich von gleicher Temperatur gefüllt. Durch
den Kautschukstopfeu des Entwiokelungsgefäßes geht ein mit Glashahn versehenes
Glasrohr hindurch, welches durch Kautschukschlauch mit dem graduierten Glasrohr im
Zylinder in Verbindung steht. Der Glashahn wird gelockert oder herausgezogen und
die im Glaszylinder eingesohlossenen kommunizierenden Röhren durch Zusammendrticken
des mit einem Loch versehenen Kautschukballes unter gleichzeitigem Öffnen des Quetsch-
hahnes mit Wasser gefüllt. Durch Ablassen des Wassers durch den Quetsohhahn stellt
man den unteren Meniskus des Wasserspiegels genau auf den Nullpunkt der graduierten

x) Vergl. R. Fresenius, Lehrb. d. analyt. Chem. 1, 225, b.
        <pb n="167" />
        ﻿Bestimmung des Ammoniak-Stickstoffs.

143

Röhre ein. Nach Ablauf von 5 Minuten wird der Glashahn wieder fest. eingesetzt,
jedoch so gestellt, daß das Entwiokelungsgefäß mit dem graduierten Kohr in Kommu-
nikation bleibt. Man wartet darauf 5 Minuten lang und beobachtet, ob der Wasser-
spiegel im graduierten Rohr infolge der durch die Abkühlung bewirkten Kontraktion der
Luft noch gestiegen ist. Wenn dies der Fall ist, so wird der Glashabn nochmals gelüftet,
nieder fest eingedrückt und der Wasserstand im graduierten Rohr nach Ablauf von 5 Minuten
abermals beobachtet. Dies wiederholt man so oft, bis das Wasserniveau gleichbleibend aut
dem Nullpunkt einsteht. Man nimmt nun das Entwickelungsgefäß aus dem Kuhlzylmder
heraus und läßt, nachdem man durch den Quetschhahn 20 30 ccm Wasser a a ic eu
iassen, allmählich durch Neigen des Entwickelungsgefäßes die Bromlauge zu der Ammonsalz-
lösung zufließen. Die Entwickelung des Stickstoffes wird durch Schwenken des Glases
befördert. Darauf schließt man den Glashahn, schüttelt die Entwickelungsflasche kräftig
Um, öffnet dann den Hahn wieder, um das entwickelte Stickgas in die graduierte Rohre
übertreten zu lassen, und wiederholt diese Behandlung dreimal. Zuletzt wird das Entwiokelungs-

Fig. 21.

Knop-Wagnersches Azotometer.

b^fäß wieder in den Kühlzylinder zurückgcstellt und durch den Glashahn mit der graduierten
Öhre in Verbindung; gebracht. Nach Verlauf von 15 Minuten hat das Gefäß die frühere
Temperatur wieder angenommen; man läßt alsdann durch den Quetschhalm so viel Wasser
ab- bezw. zufließen, daß das Niveau in den beiden kommunizierenden Röhren gleich hoch
®teht; darauf liest man die Anzahl der entwickelten ccm Stickstoff, die Temperatur des im
-blinder befindlichen Thermometers, sowie den jeweiligen Barometerstand ab.

Da in der Flüssigkeit des Entwickelungsgefäßes eine nicht unerhebliche
^nge Stickstoff absorbiert wird, ist es notwendig, diese hei der Berechnung mit
Zu berücksichtigen. Um hierbei die Dietrichsche1) Tabelle benutzen zu können,
es notwendig, stets genau 10 ccm der zu untersuchenden Flüssigkeit und 50 ccm
•“romlauge von der angegebenen Konzentration zu verwenden, da sich die Menge
des absorbierten Gases bei Änderung der Konzentration und der Flüssigkeitsmenge
Obenfalls ändert.

Die Dietrichsche Tabelle für die Absorption des Stickgases siehe am Schluß
Tabelle No. II.

') Zeitschr. f. analyt. Chemie 1866, 5, 40.
        <pb n="168" />
        ﻿144

Künstliche Düngemittel.

III.	Salpeterstickstoff.

Die Verfahren, durch Glühen mit Kieselsäure (6—7-fache Menge des Sal-
peters) und mit Kaliumbichromat (3—4 fache Menge des Salpeters) den Salpeter-
Stickstoff zu bestimmen, seien hier nur erwähnt, da wohl augenblicklich die Ver-
fahren kaum noch Anwendung finden, sondern allgemein nur nach den schon vorher

S.	141 angegebenen Verfahren von M. Jodlbaur und 0. Förster oder nach einem
der folgenden Verfahren gearbeitet wird.

1. Reduktion der Salpetersäure zu Stickoxyd. Hierfür wird das Sohlösing-
Wagnersche Verfahren1) angewendet. In das Kochfläschchen (a) von 250—800 ccm Inhalt
(vergl. Pig. 22 a), welches durch einen doppelt durchbohrten Kautschukpfropfen geschlossen
ist, reicht ein 15 ccm fassendes Triohterrohr mit Glashahn (b). Das untere, mit enger Öffnung
versehene Ende dieses Rohres reicht in den Bauch des Kochfläschchens, jedoch nicht bis
in die Flüssigkeit. Durch die zweite Öffnung des Stopfens geht ein Gasleitungsrohr (c),

Fig, 22 a.	Fig. 22 b.

Wagners Apparat zur Bestimmung des Salpeter-Stickstoffs.

geeignet gebogen, bis in die mit Wasser versehene Glaswanne. Ein Gestell hält über der
Wanne die Meßröhren, welche von oben nach unten in 1/10 ccm geteilt sind. In das
Kochfläschchen bringt man 40 ccm Eisenchlorürlösung (etwa 200 g Eisen im Liter ent-
haltend) und ebensoviel 20%-ige Salzsäure. Man vertreibt nun durch anhaltendes
Kochen und mit der Vorsicht, daß das Trichterrohr stets etwas Salzsäure enthält, die
atmosphärische Luft aus dem Apparat. Sodann bringt man eine der Meßröbren über das
Gasleitungsrohr und in das Trichterrohr 10 ccm einer Normalsalpeterlösung, die im Liter
genau 33 g chemisch reines, wasserfreies salpetersaures Natrium enthält. Der Glashahn
wird alsdann so gestellt, daß die Normallösung langsam in die siedende Eisenlösung tropft.
Ist dies bis auf einen kleinen Rest geschehen, so wird das Trichterrohr 2-mal mit 10 u/0-iger
Salzsäure nachgespült und die Säure in gleicher Weise wie die Salpeterlösung tropfen-
weise in die siedende Eisenlösung gebracht. Findet keine Entbindung von Stickoxydgas
mehr statt, so ist die Reaktion beendet. Man schiebt alsdann, während man den Inhalt
des Kölbchens stets im Sieden erhält, das Meßrohr vorläufig zur Seite, ersetzt es durch
ein anderes und bringt 10 ccm der Lösung des zu prüfenden Chilisalpeters, welche eben-

ö Den hierzu nötigen Apparat kann man von Ehrhardt und Metzger, Darm-
stadt, beziehen; Beschreibung und Anweisung werden beigefügt.
        <pb n="169" />
        ﻿Bestimmung des Salpetersäure-Stickstoffs,

145

falls im Liter 33 g des Salpeters enthält, in das Trichterrohr, indem man im übrigen ganz so
verfährt wie zuvor, besonders auch 2-mal mit Salzsäure nachspillt. Man kann so, ohne die
Eisenlösung zu erschöpfen, noch 6—7 weitere Bestimmungen und zum Schlüsse noch eine
Kontrollbestimmung mit der Normalsalpeterlösung folgen lassen. Ist diese beendet, so
öffnet man den Glashahn um Luft in das Kölbchen eintreten zu lassen, und entfernt die
Elarnme,

Die Stickstoffoxyd enthaltenden Meßröhren hat man inzwischen in einen hohen,
weiten Glaszylinder (Fig. 22 b) gesenkt, in welchem sie durch Messingklammern,
welche sich auf den Kami des Zylinders legen, festgehalten werden. Man bringt
innen und außen auf gleiche Niveaus, und wenn die Temperatur aller Meßröhren
«nd ihres Inhaltes dieselbe ist, liest man die Gasvolumen ab. Die Berechnung des

■^alpetergehaltes ist einfach.

Angenommen, 10 ccm der Lösung des reinen Salpeters haben 89,5 ccm Stick-
oxydgas geliefert 10 ccm des fraglichen untersuchten Salpeters 85,1 ccm, so ent-
J	95 08 x 14

hält letzerer 85,1 X 10(3 = 96,08 % salpetersaures Natrium oder 8j.------------- oder

ni-	89,5

9o,08 x 0,1647 = 15,66 °/0 Stickstoff.

Hat man dagegen die angegebenen Mengenverhältnisse nicht eingehalten, so be-
rechnet man welcher Menge Salpetersäure oder Stickstoff 1 ccm des aus reinem salpeter-
sauren Natrium erhaltenen Stickstoffoxydgases entspricht, und multipliziert mit dem ge-
fundenen Werte die Anzahl der bei der Untersuchung gefundenen ccm Stickstoffoxyd-
gas, Angenommen, 0,33 g reines salpetersaures Natrium haben wie oben 89,5 ccm

Stickstoffcxydgas geliefert, so entspricht, da 0,33 g salpetersaures Natrium = ’	-

oder 0,33 x 0,1647 = 0,05435 g Stickstoff enthalten, 1 ccm Stickstoffoxydgas — gg^

^ 0,000607 g Stickstoff: hat man z. B. für 0,5 g angewendeten Salpeter 80,o ccm
Stickstoffoxydgas gefunden, so enthalten diese 0,000607 x 80,5 = 0,04886 g Stickstoff

°der 100 Teile Salpeter 2i0^^&lt;100 = ^ ^ Stickstoff.

,	2. Reduktion der Salpetersäure z« Ammoniak, a) 5 g Salpeter werden in

1 i Wasser gelöst und hiervon 100 ccm = 0,5 g Salpeter oder eine dieser Menge
outsprechende Menge Salpetersäure in anderen Düngemitteln in einen etwa 500 bis
800 ccm fassenden Kolben gebracht, dazu 18-20 g sa petersäurefreies Kalium-
hydroxyd (eine Stange), 75 ccm Spiritus und je 8-10 g Zink- und Eisenstaub,
s°wie einige Körnchen gereinigte Tierkohle, welche ein Schäumen verhütet, ge-
Sohen; der Kolben wird alsdann, wie aus umstehender Zeichnung (Fig. 23, 8^146)
Sichtlich ist, mit einer Peligotschen, etwa 200 ccm fassenden U-formigen Kugel-
r8hre, welche 10 ccm Normalschwefelsäure enthält und in einer mit kaltem Wasser
fngefüliten Wanne hängt, verbunden. Um ein Überspritzen von Kalilauge zu ver-
Jüten, wendet man ein mit einer Kugel versehenes Verbindungsrohr an, welches in
er Kugel umgehogen ist.

Man läßt einige (etwa 3-4) Stunden stehen, bis die erste heftige Wasserstoff-
ontwickelung vorüber ist und destilliert dann mit einer ganz kleinen Flamme, so daß
&lt;*ie Destillation ungefähr 2 Stunden dauert. Dieselbe ist beendet, wenn aller
Spiritus Uberdestillicrt ist und deutlich Wasserdämpfe übergehen, welche sich als
Juopfen in der Destillationsröhre ansetzen und den Hals der Vorlage heiß machen.

1)16 vorgelegte Schwefelsäure wird wie sonst mit Natronlauge zurücktitnert.

Um richtige Ergebnisse zu erhalten, ist es erforderlich, diese Vorschrift genau
lnue zu )lnHnrl 6	üm««« und achtet mau ferner darauf, daß das anzu-

halten. Geschieht dieses und
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

10
        <pb n="170" />
        ﻿146

Künstliche Düngemittel.

wendende Kaliumhydroxyd salpetersäurefrei und der Zinkstaub metallreich
ist, d. h. nicht zu viel Oxyd enthält, also eine gut reduzierende Wirkung äußert,
so ist dieses Verfahren neben dem von K. Ul sch (S. 147) wegen seiner Einfachheit
sehr zu empfehlen, zumal wenn es sich um vereinzelte Bestimmungen handelt,
zu deren Ausführung das Schlösing-Wagner sehe Verfahren verhältnismäßig viel
mehr Zeit erfordert. Bei Anwendung großer Wasserwannen zum Hineinhängen
der U-förmigen Böhren kann man mehrere Bestimmungen nebeneinander ausführen.

0. Böttcher1) verfährt in folgender Weise: 10 g Salpeter oder 20 g
salpeterhaltiges Gemisch werden zu 1 1 gelöst (nötigenfalls filtriert) und hiervon
zur Bestimmung 50 ccm = 0,5 g bezw. 1 g Salpeter in einen Erlenmeyer-Kolben von
etwa */4 1 Inhalt gebracht, 120 ccm Wasser und 80 ccm Natronlauge von 32° Be.
(1,8 spezifisches Gewicht) zugesetzt; sodann fügt man 5 g Zinkstaub und 5 g

Fig. 23. Apparat für die Bestimmung der Salpetersäure nach dem Reduktionsverfaliren.

Eisenpulver hinzu (Ferrum limatum-Pulver) und läßt nach dem Verbinden mit dem
Destillationsapparat eine Stunde lang ohne Erwärmen stehen. Alsdann destilliert
man unter lebhaftem Sieden, bis etwa 100 ccm Flüssigkeit übergegangen sind.

A. Stutzer verwendet auf 0,5 g Salpeter 25 ccm Natronlauge von 33° Be.
und 3 g Aluminiumdraht oder -Blech, läßt über Nacht stehen und destilliert dann
das gebildete Ammoniak ab. Herfeld-Bonn empfiehlt, nach vollendeter Reduktion
erst einige Zeit mit kleiner Flamme zu erwärmen, bis der Wasserstoff aus der
Lösung ausgetrieben ist und die Flüssigkeit ins Sieden kommt. Das Aluminium soll
statt in Form von Draht in Form von 1 cm breiten und 2 cm langen Streifen ange-
wendet werden. Devarda* 2 3) setzt zu 0,5 g Salpeter etwa GO ccm Wasser, 5 ccm Alkohol
50 ccm Kalilauge von 1,3 spezifischem Gewicht und 2- 21/» g einer Legierung,
welche aus 45 Teilen Aluminium, 50 Teilen Kupfer und 5 Teilen Zink besteht
verbindet den Kolben mit dem Destillierapparat, erwärmt gelinde und beginnt nach
x/2 Stunde mit der Destillation. Th. F. Schmidt*) schlägt Reduktion mit Zink'
und Eisenstaub in essigsaurer Lösung vor.

x) Landw. Versuchs-Stationen 1892, 41, 370.

2)	Ebenda 1893, 42, 370.

3)	Chem.-Zeitung 1890, 14, 1410.
        <pb n="171" />
        ﻿Bestimmung des Salpetersäure-Stickstoffs.

147

b) K. Ulsch1) reduziert die Salpetersäure in schwefelsaurer Lösung mittels
reduzierten Eisens (Ferrum hydrogenio reductum) zu Ammoniak in folgender Weise:

In einen a/2 1 Rundkolben mit flachem Boden, wie er für die Stickstoff-
estimmungen nach Kjeldahl benutzt wird, bringt man 25 ccm einer wässerigen
Dtratlösung, welche höchstens 0,5 g Kaliumnitrat oder die äquivalente Menge eines
anderen salpetersauren Salzes enthält — also 10 g Kalisalpeter oder etwa 8,0 g
A.itronsalpeter auf 500 ccm und hiervon 25 ccm —, setzt alsdann 10 ccm verdünnter
chwefelsäure von 1,35 spezifischem Gewicht (erhalten durch Mischen von ungefähr
, Vdnmen Wasser mit 1 Volumen konzentrierter Schwefelsäure) und ferner 5 g
es käuflichen Ferrum hydrogenio reductum zu. Um Verluste zu vermeiden, hängt
nun in den Hals des Kolbens ein spitz ausgezogenes, birnenförmiges, oben offenes
asgefäß von 25 ccm Inhalt — ähnlich wie die birnenförmigen Glaskugeln, welche
zum Bedecken der Glaskolben für die Stickstoff-Bestimmungen nach Kjeldahl
menen — und füllt dasselbe mit kaltem Wasser, so daß es gleichsam als Rückfluß-
kühler dient.

Durch vorsichtiges Erwärmen mit sehr kleiner Flamme unterhält man eine
obhafte, doch nicht zu stürmische Gasentwickelung und steigert die Hitze in dem
i ße, als die Reaktion schwächer wird, so daß nach etwa 4 Minuten, vom Beginn
c es Erwärmens an gerechnet, die Flüssigkeit unter noch andauernder Gasentwickelung
u sieden beginnt, was an dem Abtropfen des kondensierten Wassers an der Spitze
oer Birne leicht zu erkennen ist. Nachdem man etwa eine halbe Minute im schwachen
’ mden erhalten hat, ist die Reduktion vollständig beendet.

Man verdünnt alsdann mit 50 ccm Wasser, übersättigt mit 20 ccm Natron-
•tuge von 1,35 spezifischem Gewicht und destilliert das Ammoniak wie pach S. 139
!"1(l 140 in titrierte Schwefelsäure ab. Ein Zusatz von Zink vor der Destillation
^ n'cht erforderlich; ebenso sind nach Ulsch die bekannten Vorrichtungen zum
brückhalten der zerstäubten alkalischen Flüssigkeiten unnötig. Da das gesamte
üssigkeitsvolumen sehr gering ist, so wird alles Ammoniak durch etwa 5—7

Mir

luten dauerndes lebhaftes Kochen ausgetrieben.

Dieses Verfahren verdient wegen der Sicherheit und Schnelligkeit der
Usführung jetzt vor allen anderen Beduktionsverfahren den Vorzug.

I 3. Bestimmung der Salpetersäure mit dem Nitrometer. Diese Bestimmung
geruht auf dem Grundsatz, daß Salpetersäureverbindungen durch konzentrierte
' chwefelsäure zu Stickstoffoxyd zersetzt werden. Das letztere wird im Nitrometer ge-
gossen und aus dem abgelesenen und reduzierten Volumen die Salpetersäure berechnet.

Da dieses Verfahren in agrikulturchemischen Laboratorien keine allgemeine
- ^Wendung gefunden hat, so sei dasselbe hier bloß erwähnt und auf G. Lunge,
'cniisch-technische Untersuchungsmethoden, 4. Auflage 1899, 1, 122 und 279

Verwiesen.

r/ 4. Bestimmung des Salpetersäure-Stickstoffs neben organischem Stickstoff.

. 1*r Bestimmung des Salpetersäure-Stickstoffs neben organischem Stickstoff ist von
er allgemein das vorhin unter 1. S. 144 beschriebene Verfahren in Gebrauch,
o ‘ Pfeiffer und H. Thur mann2) haben aber gefunden, daß es, besonders beim
‘ Mimist, leicht zu niedrige Ergebnisse liefert. Wenngleich P. Liechti und
• Ritter8) das Sohlbsingsche Verfahren nach weiteren Untersuchungen für völlig

*) Chem. Centralbl. 1890, II, 926.

2) Landw. Versuchs-Stationen 1896, 46, 1.
) ^eitschr. f. anal., Chemie 1903, 42, 205.

10*
        <pb n="172" />
        ﻿148	Künstliche Düngemittel.

einwandfrei erklären, hält Th. Pfeiffer1) sein Verfahren doch für richtiger; es mag
daher hier ebenfalls beschrieben werden:

Von der zu untersuchenden Flüssigkeit werden 50 ccm oder mehr — bei Kontroll-
Untersuchungen unter Zusatz einer abgemessenen Salpeterlösung — in ein Lintner-
sches Druckfläschchen eingefüllt und darin nach dem Hinzufügen von etwa 10 gNatrium-
hydroxyd etwa 8 Stunden auf 120—130° erhitzt, wozu ein gewöhnlicher kleiner
Trockenschrank benutzt werden kann. Nach dem Erkalten wird der Flascheninhalt
in einen Destillationskolben gegossen und der fest an der Flaschenwandung haftende
Belag auf ein Filter gespült, welches selbstverständlich auf den Destillationskolben
gesetzt wird. Der gut ausgewaschene Niederschlag wird getrocknet und zurück-
gestellt. Inzwischen wird die Flüssigkeit, nachdem ihr Gehalt an Natrium-
hydroxyd durch Hinzufügen von Lauge auf die bei der Salpeterbestimraung übliche
Höhe gebracht worden ist, so lange gekocht, bis keine Spur von Ammoniak mehr
entweicht. Man überzeugt sich hiervon am sichersten durch zeitweises Aufsetzen
eines Kugelrohres, wie es bei der Stickstoffbestimmung gebraucht wird; die ersten
aus dem schräg gebogenen, etwas verlängerten Rohr abfließenden Wassertropfen
dürfen keine alkalische Reaktion erkennen lassen; eine Prüfung der heißen Dämpfe
ist viel weniger empfindlich.* 2) Hierauf wird der getrocknete Niederschlag dem
Kolbeninhalt wieder zugesetzt, das Filter mit etwas Essigsäure und Wasser zur
Gewinnung etwaiger noch am Papier haftenden Spuren von Nitraten ausgewaschen
und nunmehr die Reduktion mit Zink-Eisen usw. in üblicher Weise bewirkt. Die
Destillation erfordert wegen des erwähnten Schäumens große Vorsicht und muß
nötigenfalls wiederholt werden. Das Erhitzen unter Druck scheint teilweise nur
eine Lockerung der Stickstoffverbindungen zu bewirken; letztere zerfallen dann
erst vollständig bei der erwähnten Behandlung.

C.	Bestimmung der Phosphorsäure.

1. Bestimmung der freien Phosphorsäure.3) a) Maßanalytisches Ver-
fahren. Von dem wässerigen Auszuge eines freie Phosphorsäure enthaltenden
Düngers (Superphosphats) wird ein 1 g Substanz entsprechender Teil in einem Erlen-
mey er-Kolben mit Wasser auf etwa 100 ccm verdünnt und mit 2—3 Tropfen einer
wässerigen Lösung von reinem Methylorange (1 : 1000) versetzt. Man titriert
sodann mit Natronlauge, bis die rote Farbe in Gelb Ubergegangen ist.

Bezüglich der Einstellung der Natronlauge ist zu bemerken, daß man zweckmäßig
eine Lösung reiner Phosphorsäure von genau ermitteltem Gehalte unter den gleichen Be-
dingungen wie oben verwendet, d. h. in ungefähr derselben Verdünnung, und die saure
Lösung mit der Lauge, nicht umgekehrt, titriert. Der Parbenumsohlag tritt ein, sobald
das primäre Salz aus der Phosphorsäure nach folgender Gleichung gebildet ist: H3P04-T"
NaHO = NaH2P04 -j- H20. Empfehlenswert ist ein Übertitrieren der Superphosphatlösung
mit Lauge, darauf folgendes Abfiltrieren des Niederschlags und Zurüoktitrieren des Alkali-
Überschusses mit Säure in einem aliquoten Teile des Filtrats, damit man den Farbenumschlag
besser erkennen kann. Das Übertitrieren bringt allerdings einen Fehler mit sich, darin
begründet, daß Natronlauge durch den Niederschlag gebunden wird, und zwar um so mehr,

') Zoitschr. f. anal, Chemie 1903, 42, 612.

2)	Wurde die Flüssigkeit alsdann zur Kontrolle in üblicher Weise längere Zel**
weiter destilliert, so ließ sich in dem in titrierter Schwefelsäure aufgefangenen Destillat
keine Spur von Ammoniak nachweisen, ein sicheres Zeichen, daß die Zersetzung vollständig
beendigt war.

3)	Nach den Vereinbarungen des Vereins deutscher Düngerfabrikanten. BerlUh
(Weidmannsche Buchhandlung) 1903.
        <pb n="173" />
        ﻿Bestimmung der Phosphorsäure.

149

je mehr man über den durch Methylorange erkennbaren ^^^““^bfiltriert, nicht zur
fallen verbrauchte Natronlauge kommt, wenn man cktitrieren zu wenig Säure und folgert
Zurücktitration; man verbraucht demnach zum Zun	, ä -gs deshalb nötig,

daraus fälschlich einen zu hohen Gehalt an freier °SP	Überschuß ein gleicher

eine Korrektur anzubringen. (Bei gleichem Rohstoff und gier hem	0 *

Faktor.) 1 ccm Normal-Natronlauge (=0,040 g Na OH) entspricht 0.09lg-* Gg_
b) Gewichtsanalytisches Verfahren. 10 g des e*_ q mit waSser-
wichtsbeständigkeit getrockneten Düngers (Superp osp a )	ist

freiem Äther oder Alkohol in der Weise, wie dies bei	Alkohols

am Rückflußkühler etwa 2 Stunden ausgezogen. Nach de	Phos.

bezw. Äthers wird mit Wasser aufgenommen, wenn noüg fdtnert und a
Phorsäure in üblicher Weise mit Magnesiamixtur gefallt. 1 Teil Mg, 2 ,
°:88 Teile H*P(L.

stim

2. Wasserlösliche und Gesamt-Phosphorsäure, a) Mafianalytisohe Be-

entsprechen,

lösu:

Um
Eis,

imung. Es werden 25 ccm von der wässerigen Lösung, welche 0,6 g Substanz
mit 25 ccm Wasser verdünnt, mit 10 ccm einer essigsauren Ammon-
w v,„sl. Lösungen No. 8 am Schluß) versetzt und auf 60—70° erwärmt,
eine salzsaure Lösung, welche, wie z, B. bei Knochenmehl, nur Spuren von
Eisenoxyd und Tonerde enthält, zu titrieren, wird mit Ammoniak schwach alkalisch,
,mit Essigsäure wieder schwach sauer gemacht und auf 60-70° erwärmt Darauf
laßt man ungefähr so viel Kubikzentimeter einer titrierten Uranacetat- oder Uran-
hitratlösung (vergl. Lösungen No. 7 am Schluß) zulaufen, als Prozente Phosphorsäure
Vermutet werden können — denn da die Uranlösung so gestellt ist, daß 1 ccm — 0,00o g
Fbosphorsäure entspricht, so bedeutet bei Anwendung einer 0,6 g Substanz ent-
brechenden Lösung 1 ccm Uranlösung = 1 °/0 Phosphorsäure —; man rührt nach
dem Zusatz tüchtE um bringt einen Tropfen der geklärten, zu prüfenden Flüssigkeit
auf einen weißen Porzellanteller und daneben einen Tropfen frisch bereiteter kon-
^Mrierter FerrocyankaJiumlösung oder einige Körnchen des letzteren Salzes und be-
ttet, ob beim Berühren der beiden Tropfen bezw. des Tropfens mit den Körnchen
Salz eine braune Färbung oder Fällung (Uranferrocyamd) ein tritt. Wenn nicht, so laßt
man so hinge je 0 5 oder 0,2 ccm Uranlösung zufließen, bis eine deutliche Reaktion
indem man zuletzt bis zum Kochen erhitzt. Jetzt werden nochmals 26 ccm
ffcosphorsäurelösung genommen, mit 25 ccm Wasser verdünnt mit 10«®«»*;
saurer Ammonlösung und darauf in der Kälte sofort bis auf 0,o bezw. 0 cc
Jer beim ersten Versuch verbrauchten Anzahl ccm Uranlosung versetzt; man erwärmt
vvieder auf 90-100°. setzt so lange 0,1 bis 0,2 ccm Uranlosung zu, bis die ent-
SPr&lt;*hende Reaktion mit Ferrocyankalium eintritt, bei welcher die Uranlosung ein-
gestellt wurde.	.	.

a	„	.	. „ „rQ+pn 95 ccm mit essigsaurem Ammon

. Anm. Entsteht beim Erwärmen der ersten	• ,

!lne deutliche Trübung von phosphorsaurem Eisenoxyd + Tonerde, so w die Be-

K änlmrsäure cewichtsanaly tisch ausgeführt (siehe Be-

stimm

stimn

üng der löslichen Phosphorsäure gew

Schwache, nur opalisierende Trübungen

kön"IIUlng 4er unlöslichen Phosphorsäure).

nen nnter Umständen vernachlässigt werden,
all bezüglich der Ferrocyankaliumlösung sei bemerkt, daß sie häufig, nämlich
bew |	14 TaUV frisch bereitet werden muß, da die Reaktion bei längerem Auf-

a lr°n der Lösung an Schärfe verliert.

ode iDie maßanalytische Bestimmung der Phosphorsäure mit Uranacetat-
i ü Ifrannitratlösung liefert nur bei eisen- und tonerdefreien Phosphaten einiger-
en zuverlässige und brauchbare Ergebnisse und findet daher heute kaum mehr
Wendung. zum?1 die sicherere gewichtsanalytische Bestimmung in der
esten Ausbildung nicht viel mehr Zeit erfordert, als das maßanalytische Verfahren.
        <pb n="174" />
        ﻿150

Künstliche Düngemittel.

b) Gewichtsanalytische Bestimmung. Für die gewichtsanalytische Be-
stimmung der Phosphorsäure sind zwei Verfahren, das sog. Molybdän- und das
sog. Zitratverfahren, und zwar sowohl für die Ermittelung der wasserlöslichen
wie wasserunlöslichen Phosphorsäure in Gebrauch.

a) Molybdänverfahren. Die Ausfüllung der Phosphorsäure durch Ammon-
molybdat kann für alle Abänderungen dieses Verfahrens nach folgender Vorschrift
stattfinden:

25 bezw. 50 ccm der kieselsäurefreien Phosphatlösung (entsprechend 0,5 g bezw.

1,0 g Phosphat) werden in ein Becherglas gebracht und, falls die Lösung nicht schon
salpetersauer ist, erst ammoniakalisch, dann salpetersauer gemacht1) und mit 100 ccm
Molybdänlösung (auf 0,19 g Phosphorsäure nicht unter 50 ccm Molybdänlösung,
vergl. Lösung No. 9 am Schluß) vermischt, bei 60—70° 3 Stunden* 2) lang im
Wasserbade behandelt und mindestens 3 Stunden lang der Abkühlung überlassen
und darauf filtriert. Zur Beschleunigung der Bildung des Niederschlages von
phosphormolyhdänsaurem Ammon wird zweckmäßig etwa 1/4 Vol. der Mischung an
Ammoniumnitratlösung (750 g in 1 I) zugesetzt. Den Niederschlag wäscht man
mittels wiederholter Dekantation im Becherglase durch ein kleines Filter mit einer
Flüssigkeit, welche aus 100 Teilen der erwähnten Molybdänlösung, 20 Teilen Salpeter-
säure von 1,2 spezifischem Gewicht und 80 Teilen Wasser hergestellt ist (Lösung
No. 10), oder mit einer Ammonnitratlösung unter Zusatz von etwas Salpetersäure
(Lösung No. 11) aus, bis die Kalkreaktion vollkommen verschwunden ist.3)

Der Trichter mit dem darauf befindlichen geringen Teil des gelben Nieder-
schlages wird, nachdem das Filter mit einer der angegebenen Flüssigkeiten ebenfalls
vollständig ausgewaschen worden ist, alsdann über das Becherglas, in dem das Aus-
fällen stattfand, gebracht, das Filter mit möglichst wenig Ammoniakwasser (1 Teil
Ammoniak und 3 Teile Wasser) so lange behandelt, bis sich der Niederschlag
vollkommen gelöst hat, und dann mit heißem Wasser genügend (7—-8-mal) aus-
gewaschen; sollte hierdurch nicht genügend Ammoniak in das darunter befindliche
Gefäß zum Lösen des gelben Niederschlages gekommen sein, so setzt man so viel
hinzu, bis sich der Niederschlag eben auflöst. Die Lösung muß vollkommen klar sein-

In der so hergestellten Lösung geschieht die Fällung der Phosphorsäure
in folgender Weise;

J) Es muß ausdrücklich hervorgehoben werden, daß man keine salzsäurehaltige
Lösung erst in dieser Weise behandeln und dann später bei 80—90° oder im siedenden
Wasserbade mit Molybdänlösung fällen darf. Denn bei dieser Temperatur setzt sich das
Chlorammonium mit der Salpetersäure zu salpetersaurem Ammon und Salzsäure um, es ent-
stehen wieder Salzsäure bezw. Königswasser, welche lösend auf den Niederschlag von phos-
phormolybdänsaurem Ammon wirken bezw. die Bildung des Niederschlages beeinträchtigen-

Hat man eine salzsaure Lösung von Phosphaten und will diese mit Molybdänlösung
fällen, so muß man sie mehrmals (2—3-mal) auf dem Wasserbade mit Salpetersäure zur
Trockne verdampfen, den Rückstand mit Salpetersäure aufnehmen, nötigenfalls filtrieren und
erst diese Lösung mit Molybdänlösung fällen.

2)	P. Wagner setzt bei kieselsäurereichen Phosphat-Lösungen (wie Thomasmehl)
nur so lange ins Wasserbad, bis das Gemisch die Temperatur von 65° erreicht hat. Dehnt
man die Erwärmung zu lange aus, so kann leicht Kieselsäure mit ausgeschieden werden-
Diese Mitausscheidung von Kieselsäure erkennt man daran, daß der Niederschlag sich nur
langsam löst und das Filtrat sich nur langsam klärt.

3)	Die Prüfung auf Kalk erfolgt durch Versetzen von 1 ccm des Waschwassers ndt
durch ein wenig Schwefelsäure angesäuertem Alkohol; es darf hierdurch keine Trübung
entstehen.
        <pb n="175" />
        ﻿Bestimmung der Phosphorsäure.

151

1.	Verfahren von H. Fresenius: Die Lösung wird mit Salzsäure vorsichtig

neutralisiert, so daß sie nicht mehr als 70 ccm beträgt; man setzt nun 6	8 ccm

Ammoniak von 0,925 spezifischem Gewicht hinzu, alsdann nach dem Abkühlen
tropfenweise unter stetem Umrühren 20 ccm Magnesiamixtur und schließlich noch
so viel unverdünntes Ammoniak, daß die Menge der im ganzen zugesetzten Ammoniak-
flüssigkeit (einschließlich der zuerst zugesetzten) etwa 1/i der Flüssigkeit beträgt,
also gewöhnlich etwa 20 ccm.

2.	Verfahren von M. Märcker; Die warme ammoniakalische Lösung wird
Möglichst scharf mit Salzsäure neutralisiert, abgekühlt, sofort tropfenweise mit
20 ccm einer nach Märcker bereiteten Magnesiamixtur (mit einem höheren
Ammoniak- und Chlorammonium-Gehalt) ausgefällt und mit 25 ccm einer o °/0igen
Ammoniakflüssigkeit versetzt.

3.	Verfahren von P. Wagner: Der Molybdänniederschlag wird in etwa
100 ccm kaltem, 2 %-igem Ammoniak gelöst und diese Lösung tropfenweise unter
stetem Umrühren mit 15 ccm Magnesiamixtur versetzt.

In allen Fällen kann der Niederschlag nach 4-stündigem Stehen Fresenius
verlangt 12 Märcker 2 und Wagner 1—2 Stunden — abfiltriert werden; der-
selbe wird dann mit 21/2 %-iger Ammoniakflüssigkeit bis zum Verschwinden der
Chlorreaktion ausgewaschen, der Niederschlag kurze Zeit an der Luft oder im
Trockenschrank schwach getrocknet oder auch direkt in einen Platintiegel gebracht,
indem man das Filter oben zusammenfaltet und umgekehrt mit der Spitze nach
oben in den Tiegel legt. Man erwärmt anfänglich bei bedecktem Tiegel mit kleiner,
etwas abstehender Flamme, nach dem Verjagen der Feuchtigkeit unter Schieflegen des
Tiegels etwa 10 Minuten stärker, bis das Filter verbrannt ist, und darauf 5 Minuten
im Gebläse (oder auch in einer geeigneten Glühlampe).

Vielfach wird jetzt auch vorgezogen, den Niederschlag direkt durch einen
durchlöcherten, mit ausgeglühtem Asbestfilter versehenen Go och.sehen Platintiegel
oder besser noch durch einen Neubauer sehen Tiegel1) zu filtrieren, darin dire t

weiter zu behandeln und zu glühen.

Für das Molybdänverfahren ist folgendes ™ ^eac^^	SOwie 01.ganigciie

1. Gewisse Ammonsalzc. besonders oxa sau ;	i(. jioiyMänlösung; freie Zitronen-

Stoffe beeinträchtigen die Fällung der Phosp io »&lt; störend- P. Wagner3) sucht den
säure wirkt nach Tollens und v. Ollech-I nlc , Bestimmung der zitratlöslichen
etwaigen störenden Einfluß des Ammomumzitrats b

fl Beim „Neubauer-Tiegel“ besteht die Filtrierschicht aus Platinschwamm; sollte
djese Filtrierschicht in ihrer Filtrierfähigkeit nach einiger Zeit nachlassen, so genügt es
einige Male verdünntes Königswasser schwach erwärmt hindurchzusaugen, umjeit
Fdtrierfähigkeit zu erzielen Bekommt die Filtrierschicht nach häufigem Gebrauche etwa
®'lsse, so daß das Filtrat trübe durchgeht, so wird eine Kleinigkeit, etwai 0,1 « 1 lat
schwamm in Wasser verteilt durch das Filter gesaugt und nach dieser Auffüllung die
Filtrierschicht einige Minuten in heller Weißglut erhalten; hierdurch werden die etwa ent-
standenen Poren geschlossen.	...	. lt ■vr.-.j-,.

L Der durch Fällen von Thomasphosphatlösungen mit Molybdanlosung erhaltene Niedei-
schlag von Magnesium-Ammoniumphosphat läßt sich häufig nicht v ar 1 urc 1	?° f .. s c b e

Neubau er sehe Tiegel filtrieren. Dieser Niederschlag wird daher zweckmäßig auf ascUe
feiern Filter gesammelt, ausgewaschen, ^trocknet zunächst im Bunseubreuner bis z

vollständigen Veraschung der Filterkohle und schließlich 2 Minuten im Geblase oder
Boßler-Ofen geglüht.

2) Journ. f. Landwirtschaft 1882, 30, 519.
s) Chem.-Zeitung 1895, 10, 1420.
        <pb n="176" />
        ﻿152

Künstliche Düngemittel.

Phosphorsäure durch Anwendung einer an Ammoniumnitrat reichen Molybdänsäurelösung
aufzuheben, da Ammoniumnitrat die Fällung begünstigt.

Bei Gegenwart von 15 % Ammonnitrat genügt etwa die Hälfte der sonst notwendigen
Molybdänlösung zum Ausfällen, auch fällt der Molyhdünsäureniedorschlag unter den oben
angegebenen Verhältnissen schneller und mit größerer Genauigkeit aus.

2.	Das Auswaschen des Molybdänniederschlages mit angesäuerter Ammonnitratlösung
liefert vollkommen genaue Ergebnisse. Nach P. Wagners Versuchen lösen 100 ccm
verdünnte Molybdänlösung ebenso wie 100 ccm Ammoniumnitratlösung weniger als 1 mg
P205 aus dem Molybdänniederschlag auf.

3.	Bin allmähliches Zufügen der Magnesiamixtur ist unter allen Umständen ge-
raten, auch dann, wenn man die ammoniakalische Lösung des Molybdänniederschlages
zuvor durch Salzsäurezusatz annähernd neutralisiert hat.

4.	Nach H. Neub auer1} können je nach der Abänderung des Molybdänverfahrens beim
Glühen des pyrophosphorsauren Magnesiums Verluste entstehen; es sind dabei folgende
Fälle zu beachten:

a) Der Niederschlag entsteht in neutraler oder ammoniakalischer Lösung, welche
keinen Magnesiumsalz-Überschuß enthält. Die in der Flüssigkeit vorhandenen Ammonsalze
bewirken alsdann, daß der Niederschlag weniger Magnesia enthält, als der normalen
Zusammensetzung entspricht. Dann ist ein Teil der Phosphorsäure bei starker Glut
flüchtig und das Ergebnis fällt zu niedrig aus.

Fig. 24. Apparat zum Ausfuhren des Niederschlages hei Phosphorsäure-Fällungen.

b)	Der Niederschlag entsteht bei Magnesiumsalz-Überschuß und während seiner
Abscheiduug ist niemals Ammoniak-Überschuß vorhanden. Die Folge ist, daß der Niederschlag
die normale Zusammensetzung besitzt; das Ergebnis fällt richtig aus.

c)	Der Niederschlag entsteht bei Magnesiumsalz-Überschuß und während seiner Ab-
scheidung ist stets Ammoniak-Überschuß vorhanden. Die Folge ist, daß der Niederschlag
mehr Magnesiumoxyd enthält, als der normalen Zusammensetzung entspricht: das Ergebnis
fällt zu hoch aus.

(?) Zitratverfahren. Nach den Vereinbarungen des Verbandes landw. Versuchs-
Stationen i. D. ß. wird folgenderweise verfahren:

1. Zu 50 ccm der wässerigen, salz-, Salpeter- oder schwefelsauren Lösung, ent-
sprechend 0,1—0,2 g Phosphorsäure, werden direkt 20 ccm Zitronensäurelösung
(Lösung No. 12a) hinzugefügt, mit 10°/0-igem Ammoniak nahezu neutralisiert und
die hierdurch erwärmte Flüssigkeit abgekühlt. Sodann werden tropfenweise 25 ccm
Magnesiamixtur hinzugeftigt, bis zur entstehenden Trübung gerührt, 1/s des Volumens
10°/o-iges Ammoniak hinzugefügt, nochmals einige Minuten gerührt und am besten

’) H. Neubauer, Inaugural-Dissertation. Rostock 1893.
        <pb n="177" />
        ﻿Bestimmung der Phosphorsaure.

153

10—12 Stunden stehen gelassen, sodann filtriert, mit 2 /0-i§em m

gewaschen, geglüht und gewogen.	w	7Weck-

2.	Oder statt Zitronensäure und Ammoniak setzt man nach .	^ /u

mäßig 50 ccm fertiger Zitratlösung (Lösung No.	Flüssigkeitein, rührt

kühlen, tropfenweise 2o ccm Magnesiamixtur in &lt;	innerhalb der nächsten

30 Minuten in einem Becherglase aus, filtriert so or	wäscht wie oben mit

2 Stunden durch einen Gooch- oder Neuhauer-Tiegel und nascht

2%-igem Ammoniak aus.	als p Stunde

3.	Auch kann man nach Böttcher zu 50 ccm der•nicht läng	ng

gestandenen Phosphatlösung direkt 50 ccm Zitrat-Mag

No. 12c) zusetzen und wie unter 1. verfahren.	.	, landw.

Letzteres Verfahren Ne. 3 ist zurzeit	Ve“ ei

Versuchs-Stationen als allgemein empfehlensnt
Anm. 1. Bei Fällung der Phosphorsäure nach
dem Zitratverfahren geht stets etwas und um so mehr
Kalk mit in den Niederschlag über, je reicher ie
Lösung an Kalk ist. Für gewöhnlich hat indes dieser
Umstand keinen Einfluß auf das Ergebnis, d. h. aut
den aus dem gewogenen Niederschlag berechneten
Phosphorsäuregehalt, weil dafür eine entsprechende
Menge phosphorsaures Ammonmagnesium in Bosun
Weiht. Bei kalkreichen Düngerlösungen, wie z. ß-
Thomasphosphatmehl, kann dieser Fehler indes
ein merklicher werden, weshalb man solche Phosphate

zweckmäßig mit Schwefelsäure aufschließt, wodurch	2£)

ein großer Teil des Kalkes als Gips ausgeschieden wird.	rlchtung für Phosphorsäure-

Anm. 2. Bei Gegenwart von Mangan findet Trocuen NiederscUäge.
man, wie A. Stutzer angibt, nach dem 1^ra

verfahren etwas zu niedrige Ergebnisse; dlfeJ	Menge voll Magnesiamixtur

Fehler läßt sich aber durch Zusatz einer etwas -

Vermeiden.	,	. Beachtuiig der vorstehend angegebenen

Im übrigen ist das Zitratverfahren, unter .

Gesichtspunkte, eben so einfach als zuverlässig.	mäßig auch hier des Neuhauer-

Für die Filtration bedient man sich sehr zweckmau g
sehen Tiegels.	_	, kann man sich zweckmäßig der von

Anm. 3. Zum Ausr(ihren des Ni®der8nwelche sich nach hiesiger K'^ichtung
K- Stutzer angegebenen Rührvorrichtung ) tl„itnn‘&gt;'Swassor treiben läßt; Fig. 2	■

mittels einer Lahoratoriumsturbine durch DrucF’eitU"gs9^tet z Wasser-Zufluß, a Wasser-
veranschaulicht den Gebrauch dieses Buhrapparat •	tab Der Apparat wird auch in

Abfluß, B Becherglas, g Glasstab, k Kiemme für	Zufluß.Einrichtung angefertigt.

Kreisform für 12 Bestimmungen und mit sei angefertigt, bei welchem die leicht
G- Fuchst hat einen Eührapparat ähnliche! 1	welche die Bewegung übertragen,

unwirksam werdende Schnur durch kleine Zahnradchen,

ersetzt ist.	. ßnoch. 0der Neubauer-Tiegel filtrierten

Anm. 4. Zum Vertrocknen des nUenbe8timmungen von Phosphorsaure ler
Niederschlages kann mau sich besonders bei Ma Dieselbe besteht aus einem eisernen
obenstehenden Heizvorrichtung*! (Fig. 25) bedienen.

P Perhardt-Bonn oder Jul. Schäfer-Bonn bezogen

*) Die Vorrichtung kann von G. G

Werden.

2) Chem.-Zeitung 1897, 21, 372.	Fr Hugershoff in Leipzig au-

8)	Die Trockenvorriohtung wird von ei

gefertigt.
        <pb n="178" />
        ﻿154

Künstliche Düngemittel.

Ofen mit Eisenplatte, unter welcher ein Sohlangenhrenner angebracht ist. Auf die Eisen-
platte wird das Tragegestell von Nickel für 5 Tiegel aufgesetzt und kann dieses nach dem
Ausglühen des Niederschlages direkt unter einen großen Exsikkator gesetzt werden.

3. Zitronensäurelösliche Phosphorsäure. Dieses Verfahren kommt zwar vor-
wiegend nur für das Thomasphosphatmehl in Anwendung, mag hier aber unter den
allgemeinen Untersuchungsverfahren besprochen werden, weil es auch für sonstige
Phosphate (Boden usw.) anwendbar ist.

Man verwendet für diesen Zweck eine 2°/0-ige Zitronensäure (vergl. Lösung
No. 13 a) und bewirkt die Lösung im Rotierapparat (vergl. unter Thomasmehl).
Die so erhaltene Lösung, die nach dem Schütteln sofort oder innerhalb der
nächsten Stunde filtriert werden muß, kann, um den störenden Einfluß von
etwas vorhandener gelöster Kieselsäure z. B. bei Thoraasphosphatmehl zu beseitigen,
nach verschiedenen Verfahren auf ihren Gehalt an Phosphorsäure untersucht werden:

a)	Nach den Vereinbarungen des Verbandes Landw. Versuchs-
Stationen i. D. R.; „Bei der Bestimmung der zitronensäurelöslichen
Phosphorsäure in Thomasmehlen ist nach dem von 0. Kellner (Chem.-
Ztg. 1902, 26. 1151) angegebenen Verfahren1) zu prüfen, ob ein Thomas-
mehl vorliegt, das, nach dem Verbandsverfahren — Verfahren Böttcher
---untersucht, ein unrichtiges und zwar zu hohes Untersuchungsergebnis
erwarten läßt. Fällt die Kellnersche Reaktion positiv aus, so ist vor
Ausfüllung der Phosphorsäure die Kieselsäure abzuscheiden und dies
im Untersuchungsbericht mitzuteilen.

Die Kieselsäure ist wie folgt abzuscheiden;

100 ccm des zitronensauren Auszuges werden unter Zusatz von

7,5	ccm Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,12 oder 5 ccm rauchender
Salzsäure auf dem Wasserbade zu einem nicht mehr nach Salzsäure
riechenden Sirup eingedampft; der Abdampfrückstand wird noch heiß
mit 1,5—2,0 ccm Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,12 gründlich ver-
rührt und mit so viel Wasser gelöst, als zum Auffüllen zu 100 ccm er-
forderlich ist; in 50 ccm des Filtrats wird die Phosphorsäure nach dem
direkten Verfahren bestimmt.“

b)	Durch direkte Fällung mit Eisen-Magnesia-Mixtur. Nach
P. Wagner2) werden 50 ccm des Filtrats (0,5 g Phosphat entsprechend) in ein Becher-
glas abpipettiert, dieses unter den Rührapparat (S. 152) gebracht und letzterer
in schnelle Bewegung gesetzt (etwa 250—300 Umdrehungen in der Minute). Ist
dieses geschehen, so fügt man 50 ccm Eisen-Zitrat-Magnesiamixtur (Lösung 12d)
zu und rührt unter Kühlhaltung des Becherglases (14—18°) 30 Minuten lang aus.
Der entstandene Niederschlag wird dann sogleich oder innerhalb der nächsten
2 Stunden im Gooch- oder Neubauer-Tiegel gesammelt, mit 2°/0-igem Ammoniak
ausgewaschen und in bekannter Weise weiter behandelt.

') Vorprüfung nach 0. Kellner: 50 ccm des zitronensauren Auszuges werden
mit 60 ccm ammoniakalisoher Zitratlösung ungefähr eine Minute lang gekocht und dann
5—10 Minuten beiseite gestellt. Ist ein die Böttchersche direkte Fällung störender
Gehalt an löslicher Kieselsäure vorhanden, so scheidet sich aus der Lösung ein in Salzsäure
nicht vollständig auflösbarer Niederschlag aus. Als ammoniakalische Zitratlösung ist die
in den Landw. Versuchs-Stationen 1893, 42, 105 angegebene zu verwenden: 1100 g Zitronen-
säure, 4000 g 24 °/o-iges Ammoniak mit Wasser zu 10 1 aufgefüllt. (Landw. Versuchs-
Stationen 1904, 60, 220.)

2) P. Wagner, Die Bestimmung der zitronensäurelöslichen Phosphorsäure. Berlin
1903, 104 u. ff.
        <pb n="179" />
        ﻿Bestimmung der Phosphorsäure.

155

Die Fällbarkeit der Kieselsäure in der Zitronensäure-Lösung steigert sich von Stunde
zu Stunde; sobald aus dem Zitronensäure-Auszug die Phosphorsäure ausgefällt ist, wird
die Fällbarkeit der Kieselsäure sehr gering; die Fällbarkeit der Kieselsäure soll vor-
wiegend durch Mangel an Bisen erhöht werden.

Aus diesen Gründen empfiehlt P. Wagner, genau nach der vorstehenden Vorschrift

zu verfahren.

c)	Fällung mit Molybdänlösung. 50 ccm des Filtrats werden in ein
Becherglas gebracht und mit 80—100 ccm Molybdänlösung versetzt. Die Mischung
wird durch Einstellen ins Wasserbad auf etwa 66° erwärmt, das Becherglas alsdann
herausgenommen, beiseite gestellt und erkalten gelassen. Nach dem Erkalten wird
filtriert, der Niederschlag mit 1 %-iger Salpetersäure sorgfältig ausgewaschen und in
etwa 100 ccm (nicht erwärmtem) 2 0/0-igein Ammoniak gelöst. Die ammoniakalische
Lösung wird unter beständigem Umrühren tropfenweise mit 15 ccm Magnesiamixtur
versetzt, das Becherglas mit einer Glasscheibe bedeckt und etwa 2 Stunden stehen
gelassen. Der Niederschlag von Magnesium-Ammoniumphosphat wird, weil er sich
durch einen Go och- oder Neubauer-Tiegel nicht klar filtrieren läßt, auf einem
aschefreien Filter gesammelt und wie sonst weiter behandelt.

Anm Eine Verunreinigung des Molybdän-Niederschlages mit Kieselsäure erkennt
man, wie schon oben bemerkt', an der langsam erfolgenden Auflösung in Ammoniak und
au der unklaren oder sich nur langsam klärenden Lösung des letzteren.

Wird die Lösung erst nach längerem Stehen klar, so ist wie folgt zu verfahren;
Mau fällt die ammoniakalische Lösung mit Magnesiamixtur sammelt den Niederschlag auf
einem Filter, setzt das Becherglas unter den Trichter, wascht das Filter mit etwa 100 ccm
V/o-iger Salzsäure aus und fügt dem Filtrat unter Emtropfeln und beständigem
Linrühren 20 ccm einer Mischung aus 1 Teil Magnesiamixtur und 2 Teilen 20%-igem

Ammoniak zu Die weitere Behandlung ist danu wie oben.

d)	Verfahren von Naumann.1) 100ccm des Filtrats der Zitronensäure-Lösung

^rden in einen 250 ccm-Kolben gebracht und, um die Ausscheidung von zitronen-
saurem Kalk zu vermeiden, mit 8 ccm konzentrierter Salpetersaure versetzt; die Losung
wird bei anfänglich kleiner Flamme bis auf 25 ccm eingekocht welcher Zeitpunkt an
d«n zeitweise,, Stoßen bemerkt wird, der Kolben vom Feuer heruntergenommen und
abgekuhlt; zu dem Inhalt gibt man alsdann entweder nur 25 ccm konzentrierte
Schwefelsäure oder ein Gemiscli von 25 ccm Schwefelsäure und o ccm konzentrierter
Salpetersäure. Die Flüssigkeit gerät sofort unter Entwickelung braunroter Dampfe
wieder ins Sieden und kann zur Abscheidung der Kieselsäure gleich wieder an die
Flamme gebracht werden. Nach 10 Minuten beginnen sich weiße Dampfe zu bilden,
‘He das Ende der Behandlung anzeigen. Nach dem Erkalten der mit ausgefälltem
durchsetzten Flüssigkeit wird Wasser zugegeben abgekuhlt schließlich Ins zur
Marke aufgefüllt, gemischt und durch ein trocknes Filter filtriert Von dem Filtrat
werden 125 ccm = 0,5 g Substanz mit etwa 35 ccm konzentriertem Ammoniak, weiter
»ach dem Abkühlen mit 50 ccm 24 %-iger Ammoniumzitrat osung und 2cccm Magnesm-
nüxtur versetzt. Der Niederschlag wird entweder stark ausgeschüttelt bezw. aus-
gerührt. sofort oder nach kurzer Zeit filtriert und in üblicher Weise weiter behandelt.

e)	Verfahren von P. Wagner und E. Kunze. Da eile durch Zitronen-
säure gelöste Kieselsäure sehr leicht mit dem Niederschlage von Magnesmm-Ammon-
Phosphat mit ausfällt, wenn die Temperatur der Losung nur wenig erhöht wird,
so verfahren Wagner und Kunze nach einem weiteren Vorschläge zur Erzielung
richtiger Ergebnisse in der Weise, daß sie die Phosphorsäure mit zitrathaltiger

x) Chem.-Ztg. 1903, 27, 120.
        <pb n="180" />
        ﻿156

Künstliche Düngemittel.

Magnesiamixtur bei erhöhter Temperatur ausfällen, den Niederschlag wieder lösen, die
Kieselsäure abfiltrieren und das Filtrat mit Ammoniak versetzen.

100 ccm des zitronensauren Thomasmehlauszugs werden in ein 200 ccm-Kölbchen
gebracht und mit 50 ccm Zitratmagnesiamischung (siehe Lösung 12 e) versetzt. Man
läßt die Mischung ungefähr 5 Minuten unter öfterem Umschwenken des Kölbchens
stehen, stellt sie dann ins Wasserbad, fügt nach ungefähr 15 Minuten 10 ccm
20 °/0-iger Salzsäure zu, läßt erkalten, füllt mit Wasser bis zur Marke auf und
filtriert. 100 ccm des Filtrats werden mit 25 ccm 20°/0-igem Ammoniak eine halbe
Stunde lang ausgerührt und der Niederschlag wie üblich weiter behandelt.

Als Waaserbad benutzen Wagner und Kunze ein aus verzinktem Kupferblech
gearbeitetes rundes Gefäß von 36 cm Durchmesser und 12 cm Höhe, zu dessen Erwärmung
auf etwa 90° ein einfacher Bunsenbrenner ai\sreicht. In dieses Gefäß paßt ein durchlöchertes
ßlechgestell, in welchem in kreisförmiger Anordnung 10 Abteilungen angebracht sind. In
diese Abteilungen werden die Kölbchen gestellt. Das Gestell, welches in seiner Mitte mit
einem Griff versehen ist, wird in das Wasserbad getaucht, nach 15 Minuten herausgehoben
und in ein gleichgroßes Kühlbecken gebracht.

Nach den Vereinbarungen des Verbandes 1 and w. Versuchs-Stationen
im Deutschen Reiche ist für die Bestimmung der Phosphorsäure in allen
Düngemitteln (Rohphosphate vorläufig ausgeschlossen) und zwar auch
bei Schiedsanalysen das direkte (Böttchersche) Zitratverfahren (vergl. ß
No. 3 S. 163) allein zulässig. Die Anwendung des Molybdänverfahrens würde
hiernach nur auf Rohphosphate beschränkt bleiben.

4. Zitratlösliche Phosphorsäure. Für die Bestimmung der zitratlöslichen
Phosphorsäure sind zwei Verfahren in Gebrauch: das von P. Wagner und das von
A. Petermann. Beide unterscheiden sich in etwas durch die Verschiedenheit der
Zitratlösung.

a)	Verfahren von P. Wagner. 5 g des zu untersuchenden Düngers
(Superphosphat oder Präzipitat) werden mit verdünnter Wagner scher Zitratlösung
(Lösung 13ha) unter Abschlämmen fein zerrieben, in eine Halbliterflasche gespült
und mit verdünnter Zitratlösung bis zur Marke aufgefüllt. Die Mischung bleibt dann
bei 13—18° Zimmertemperatur entweder unter öfterem Umschütteln etwa 18 Stunden
stehen oder wird in einem Rotier- oder Schüttelapparat 30 Minuten geschüttelt;
beide Behandlungsweisen liefern gleiche Ergebnisse. Von dem Filtrat werden 50 ccm
mit so viel Molybdänlösung (Lösung No. 9 am Schluß) versetzt, daß auf 1 mg
P2 05 1 ccm Molybdänlösung kommt, und dann, wie vorstehend angegeben ist, weiter
behandelt.

b)	Verfahren von Petermann. Superphosphate und Präzipitate werden
nach diesem Verfahren verschieden behandelt.

a) Superphosphate. Von mehr als 10°/0 Phosphorsäure enthaltenden
Superphosphaten werden 2,5 g, von weniger als 10 °/0 Phosphorsäure enthaltenden
Superphosphaten und zusammengesetzten Düngern werden 5 g in einem kleinen
Glasmörser zuerst trocken, dann nach Zusatz von 20—25 ccm Wasser innig ver-
rieben, die Flüssigkeit auf ein Filter dekantiert und in einen 250 ccm-Kolben
filtriert; der Rückstand im Mörser wird noch 3-mal in derselben Weise behandelt,
dann selbst auf das Filter gebracht und so lange mittels Wassers ausgewaschen, bis
das Filtrat etwa 200 ccm beträgt. In 50 ccm des mit Salpetersäure angesäuerten
und auf 250 ccm aufgefüllten und gemischten Filtrates kann man die wasser-
lösliche Phosphorsäure nach dem Molybdän- oder Zitratverfahren bestimmen. Der
Rückstand dagegen wird samt Filter in einen 250 ccm-Kolben gebracht und darin
mit 100 ccm Petermannscher Zitratlösung (Lösung No. 13b/?) so lange geschüttelt,
        <pb n="181" />
        ﻿Bestimmung des Kalis.

157

bis das Papier vollständig zerteilt ist; darauf läßt man lo Stunden bei Zimmertemperatur
und l Stunde im Wasserbade bei 40» einwirken, füllt nach dem Erkalten mit Wasser
bis zur Marke auf und filtriert. Auch von diesem Filtrat dienen 60 ccm zur Be-
stimmung der Phosphorsäure (also der zitratloslichen) nach dem M oh x an oc e
Zitratverfahren. WE man wasserlösliche und zitratlösliche PJosphnrsaure =men
d. h. die Summe beider bestimmen, so kann man auch 50	,

_	.	t	i	rlpr Verfahren weiter Denanclein.

zweiten Filtrats vereinigen und naejunern^ ^	^ 10Q ccm derLösung

ß) Präzipitate. \ on Id^ip ‘.	- n 250 ccm-KoIben gespült, die Mischung

(Idb /S) in einer Reibschale zerrieben,’ in " "fiter Umschütteln stehen gelassen,
? ni alls 15	Stunden bei	™"’er	,	, lt naei, dem Erkalten bis zur Marke	auf-

1 Stunde im Wasserbade bei 40 hehandel ,	konzentrierter

gefüllt und filtriert. Von dem Filtrat werden oO ccm mit 1 c
Salpetersäure gekocht und die Phosphorsäure entwedernach^de ” M^yl^ oder

neutralisiert, mit 15 ccm Zitratlosung	•	• tur versetzt und durch

Gewicht, sowie weiter tropfenweise mit 25 ccm Magnesiamixtur versetzt und durch

x/2-stündiges Rühren ausgefällt.

D.	Kalibestimmung.

Zur Bestimmung des Kalis in den Düngemitteln sind jetzt mehrere Verfahren
xn Gebrauch.

1. Bestimmung des Kalis als Kaliiimplatinchlorid, bezw. in Form des hieraus
abgeschiedenen Platins. Zur Bestimmung des Kalis in DUngerlösungen als Kalium-
Platinchlorid muß erst die Schwefelsäure und Phosphorsäure entfernt werden. Die
Salzsäure kalihaltige Lösung wird dieserhalb zum Kochen erhitzt, zunächst behufs
Abscheidung der Schwefelsäure mit Chlorbaryum versetzt, erkalten und absitzen
gelassen, filtriert und ausgewaschen. Das Filtrat wird erhitzt, bei Vorhandensein von
viel Phosphorsäure mit Eisenchlorid versetzt, ammoniakalisch gemacht und so lange
'üit Ammonkarbonatlösung versetzt, als eine Fällung entsteht.^ Nachdem sich die
Flüssigkeit geklärt hat, wird filtriert, ausgewaschen und das liltrat nebst Wasch-
wasser in Ermangelung von großen geräumigen Platinsohalen in einer gut glasierten
Porzellanschale auf dem Wasserhade zur Trockne verdampft. Im übrigen verfährt
®ün in derselben Weise, wie unter Boden S. 29 angegeben worden ist.

Faßhänder empfiehlt, das durch Reduktion mit ameisensaurem Natrium aus

^e&gt;n Kaliumplatinchlorid erhaltene Platin zu wägen.

J. H Vogel und H Häfcke1) versetzen nach dem Eindampfen von 50 ccm
der wässerigen Lösung = 1 g Substanz zur Abscheidung von Kalk und Magnesia
20 ccm neutralem kohlensaurem Ammon, filtrieren nach 12-stündigem Stehen,
waschen mit 10—15 ccm des Fällungsmittels aus und dampfen das Filtrat nach
Zusatz von sehr wenig konzentrierter Schwefelsäure zm Trockne ein. Aus dem
Trockenrückstand werden die Ammonsalze durch Glühen vertrieben; der Rückstand
wird mit heißem Wasser aufgenommen und durch ein kleines Filter in eine gut
glasierte, glatte Porzellanschale filtriert. Das Filtrat wird nach Zusatz von einigen
Tropfen Salzsäure mit Platinchlorid verdampft, bis die zähflüssige Masse beim
Erkalten erstarrt und nicht mehr nach Salzsäure riecht. Nach dem völligen
Erkalten wird die Kristallmasse mit 20-25 ccm eines Gemisches von 2 Teilen
absolutem Alkohol und 1 Teil Äther übergossen, mit Hilfe eines kleinen Achat-

J) Landw. Versuchs-Stationen 1896, 47, 97
        <pb n="182" />
        ﻿158

Künstliche Düngemittel.

pistills fein zerrieben und nach 15 Minuten langem Stehen filtriert. Zur Filtration
dienen gut glasierte Porzellantiegel mit Siebboden nach Gooch, welche ein Asbest-
filter haben. Der Niederschlag wird mit Äther-Alkohol ausgewaschen, bis das Filtrat
farblos abläuft, dann getrocknet und das Kaliumplatinchlorid im Wasserstoffstrom
reduziert. Durch Auswaschen mit heißem Wasser wird das vorhandene Natrium-
sulfat und Chlorkalium entfernt; das reduzierte Platin bleibt zurück, welches
nach dem Trocknen und Glühen gewogen werden kann.

Dieses Verfahren eignet sich sehr gut zur Bestimmung des Kalis in organischen
Stoffen, indem dazu die nach dem Kjeldahl-Verfahren erhaltene schwefelsaure
Lösung verwendet werden kann; es werden so die bei der Veraschung un-
vermeidlichen Verluste an Kali vermieden.

Neubauer hat das alte Fink euer sehe Verfahren, nach dem das metallisch
abgeschiedene Platin gewogen wird, in folgender Form empfohlen:1)

Von der in der üblichen Weise hergestellten wässerigen Lösung des Kalisalzes
werden 25 ccm entsprechend 0,5 g Substanz direkt mit einigen Tropfen Salzsäure und
so viel Platinchloridlösung eingedampft, daß nach Bildung des Kaliumdoppelsalzes
noch ein kleiner Überschuß bleibt. 1 las Eindampfen geschieht in einer gut glasierten,
geräumigen Porzellanschale auf dem Wasserbade und wird so weit fortgesetzt, bis
eine merkliche Verflüchtigung nicht mehr stattfindet. Man läßt erkalten, durch-
feuchtet die Masse mit etwa 1 ccm Wasser und zerreibt sie sehr sorgfältig mit
einem am Ende breitgedrückten Glasstab. Man setzt alsdann mindestens 30 ccm
käuflichen Alkohol (von etwa 93—96 Volumprozent) in Mengen von je etwa 10 ccm
zu und verreibt nach jedesmaligem Zusatz gründlich mit dem Glasstab. Bei An-
wesenheit von viel Natrium- und Magnesiumsulfat nimmt die Salzmasse zunächst
eine weiche, käsige Beschaffenheit an, wird aber schließlich hart und kristallinisch.
Man läßt die Schale bedeckt etwa 1/4 Stunde lang stehen und reibt von Zeit zu Zeit
den Niederschlag durch. Sodann filtriert man durch ein in einem Goochschen Platin-
tiegel befindliches Asbestfilter, indem man die Flüssigkeit möglichst dekantiert und
mit unverdünntem Alkohol unter gehörigem Verreiben mit dem Glasstab gründlich
auswäscht. Man spült die gesamte Salzmasse mit Alkohol in den Tiegel, verdrängt
die letzten Reste Alkohol durch Aufgießen von etwas Äther, den man durch rasches
Durchsaugen von Luft verdunsten läßt. Man erhitzt das Kaliumplatinchlorid nebst
den noch vorhandenen anderen Salzen gelinde im Strom eines reduzierenden Gases,
und zwar kann man sich statt des Wasserstoffgases auch des Leuchtgases bedienen.
Man leitet das Gas in nicht zu schwachem Strom durch einen durchbohrten Deckel
in den Tiegel. Um den Gasstrom regeln zu können, verbindet man den Zuleitungs-
schlauch mit einer mit etwas Wasser beschickten Gas waschflasche. Nachdem
der Gashahn richtig eingestellt ist, entfernt man die Flasche wieder, leitet das
Gas direkt in den Tiegel und kann nun unverzüglich mit dem Erhitzen be-
ginnen. Man erwärmt zunächst mit ganz kleiner Flamme, weil sonst leicht durch
Dekrepitation der Kristalle und durch die Salzsäureentwickelung gerade zu Anfang
Platinteilchen emporgewirbelt werden und dadurch Verluste entstehen können. Nach
etwa 6 Minuten vergrößert man die Flamme ein wenig, so daß der Boden des Tiegels
(also der angesetzte Platinschuh) in der Mitte nur eben sichtbare, ganz dunkle Rot-
glut zeigt. In diesem Zustande läßt man den Tiegel mindestens 20 Minuten, stellt
dann das Gas ab, läßt den Tiegel erkalten, befeuchtet den Inhalt zunächst mit
kaltem Wasser, saugt sodann etwa 15-mal heißes Wasser durch, bis die leicht

!) Zeitschr. f. analyt. Chemie 1900, 39, 481 und Landw. Versuchs-Stationen 1901,
51, 38; 1902, 50, 37; 1902, 57, 11 u. 461.
        <pb n="183" />
        ﻿Bestimmung von Eisenoxyd, Tonerde, Mangan, Kalk und Magnesia.

159

löslichen Salze völlig ausgewaschen sind, füllt den Tiegel mit 5 %-iger Salpetersäure
voll und läßt diese, ohne zu saugen, mindestens 1j2 Stunde lang einwirken, indem
Dian von Zeit zu Zeit immer wieder etwas nachgiefit. Sodann saugt man die Säure
a,J, wäscht gründlich mit heißem Wasser nach, trocknet und glüht das erhaltene
Hatin. Das Gewicht ergibt, mit 0,481 multipliziert, die entsprechende Gewichts-
menge Kaliumoxyd (K.,0). Es empfiehlt sich, besonders bei Anwesenheit von viel
Calciurasulfat, die Behandlung mit Salpetersäure nochmals zu wiederholen, um ganz
sicher zu sein, daß alle Salze vollständig entfernt sind.

M. Fasson1) gibt ein vereinfachtes Verfahren zur schnellen Bestimmung des Kalis
im Kainit und dem 40 ®Jo~igen Düngesalz an, worauf hier nur verwiesen werden mag.

2. Bestimmung des Kalls als überchlorsaures Kalium. Bei der Bestimmung

des Kalis mittels Überchlorsäure in Kalisalzen wird nach einer Mitteilung
des Syndikates der Kaliwerke an den Verein deutscher Düngerfabrikanten2) wie
folgt verfahren; 13,455 g der fein zerriebenen Kalisalze werden unter Zusatz von
3’—4 ccm salzsäurehaltiger Chlorbaryumlösung zu 500 ccm aufgelöst. 20 ccra!i) des
Filtrates (= 0.5382 g Salz) werden in einer flachen Glas- oder Porzellanschale von
etwa 10 cm Durchmesser mit der D/^-fachen Menge der zur Zersetzung aller Salze
nötigen Überchlorsäure4) (durchweg 5 ccm einer 20 %-igen Lösung von Überchlorsäure)
auf dem Wasserbade eingedampft, bis der Geruch nach Salzsäure verschwunden
ist und sich weiße Nebel von Uberchlorsäure entwickeln. Der erkaltete Rückstand
V'ird alsdann mit 15 ccm 96 °/0-igem Alkohol, dem 0,2 °/0 Überchlorsäure zugesetzt
ist, verrieben, absitzen gelassen, die Flüssigkeit durch einen Neubauer-Tiegel
filtriert, der Rückstand von Kaliumperchlorat noch 2-mal in derselben Weise be-
handelt. dann erst das Perchlorat ganz in den Tiegel gebracht und mit 0,3 %
Überchlorsäure enthaltendem Alkohol ausgewaschen. Schließlich wird der Nieder-
schlag mit möglichst wenig reinem Alkohol — das Filtrat soll höchstens 75 ccm
betragen — zur Verdrängung der Überchlorsäure abgespritzt, etwa ü2 Stunde bei
1-0—130° getrocknet und gewogen. — 1 mg Kaliumperchlorat 0,1 °/0 Kalium-
chlorid = 0,0632 % Kali.5) Oder 1 Teil KC104 = 0,638 Teile KCl = 0,629 Teile
K2S04 = 0,340 Teile K„0.

Bezüglich der übrigen in der Staßfurter Kaliindustrie gebräuchlichen Unter-
suchungsverfahren muß auf die Literatur«) verwiesen werden.

E Bestimmung von Eisenoxyd, Tonerde, Mangan, Kalk und Magnesia.

Die Bestimmung des Eisenoxyds und der Tonerde, sowie des Mangans,
Kalkes und der Magnesia in den Phosphaten kann wie hei Boden S. 24-28
oder wie in der Pflanzenasche (siehe diese) vorgenommen werden. W eil aber hier der
Überschuß an Phosphorsäure gegenüber dem Gehalt an Eisenoxyd und Tonerde störend

') Zeitschr. f. angew. Chemie 1902, 1263.	... ,

a) Methoden z. Untersuchung d. Kunstdüngemittel. Berlin (Weidmannsche Buch-

handlung) 1903 21

3)	Hat man mehr als 20 ccm Lösung (entsprechend 0,5 g Substanz) angewendet, so
verdampft man letztere erst bis auf 20 com.

4)	Vom Salzbergwerk Neustaßfurt bei Löderburg zu beziehen.

T ,	5) Der V. intern, Kongreß f. angew. Chemie hat die Bestimmung mit Überchlorsaure

ud Platinchlorid für zulässig erklärt. Auch A. Aumann (Landw. Versuchs-Stationei. 1904,
,f0- 231) hat damit sehr günstige Ergebnisse erzielt, die wir bestätigen können.

1KQO 6) V' üruber, Zeitschr. f angew, Chemie 1895, 510; Lunge Untersuchungsmethoden
J8"- L 154 und Methoden z. Unters, d. Kunstdüngemittel. Berlin (Weidmannsche Buch-
handlung) 1903.
        <pb n="184" />
        ﻿160

Künstliche Düngemittel.

wirkt und der durch Natrium- oder Ammoniumazetat erhaltene Niederschlg wiederholt
(wenigstens 1-inal) wieder gelöst, nochmals gefällt und das zweite Filtrat mit dem
ersten vereinigt und eingedunstet werden muH, so hat man für die Bestimmung
vorstehender Bestandteile abgekürztere und doch genügend sichere Verfahren
ausgearbeitet.

1.	Verfahren von E. Glaser1) zur Bestimmung von Eisenoxyd, Tonerde und

Kalk. 5 g Phosphat werden in bekannter Weise in 25 ccm Salpetersäure von
1,2 spez. Gewicht sowie in etwa 12,5 ccm Salzsäure von 1,12 spez. Gewicht gelöst
und auf 500 ccm gebracht. 100 ccm Filtrat (= 1 g Substanz) werden in einen Kolben
von 260 ccm gegeben und dazu 25 ccm Schwefelsäure von 1,84 spez. Gewicht gesetzt.

Man läßt den Kolben etwa fünf Minuten stehen und schüttelt ihn einige Male,
setzt dann etwa 100 ccm 95 °/0-igen Alkohol zu und kühlt den Kolben ab, füllt mit
Alkohol bis zur Marke auf und schüttelt gut durch. Hierbei findet Kontraktion
statt. Man lüftet den Stöpsel, füllt abermals mit Alkohol bis zur Marke auf
und schüttelt von neuem. Nach halbstündigem Stehen wird filtriert. 100 ccm
Filtrat (= 0,4 g Substanz) werden in einer Platinschale eingedampft, bis der Alkohol
entfernt ist. Die alkoholfreie Lösung wird in einem Becherglase mit etwa 50 ccm
Wasser versetzt und zum Kochen erhitzt. Man setzt zu der Lösung Ammoniak bis
zur alkalischen Reaktion, aber, um ein zu starkes Aufbrausen zu vermeiden, nicht
während des Kochens.

Das überschüssige Ammoniak wird weggekocht. Man läßt erkalten, filtriert
ab, wäscht mit warmem Wasser aus, glüht und wägt phosphorsaures Eisenoxyd plus
phosphorsaure Tonerde. Die Hälfte des ermittelten Gewichtes nimmt man als aus
Fe2 0, + Al2 Ojj bestehend an.

Das Glasersche Verfahren, welches sich in l1/^—2 Stunden ausflihren läßt,
liefert unter gewöhnlichen Verhältnissen genügend richtige Ergebnisse; nur in Streit-
fällen soll es nach den Vereinbarungen des Vereins deutscher Düngerfabrikanten
durch das folgende Jones sehe Verfahren ersetzt werden.

2.	Verfahren von R. Jones* 2) zur Bestimmung von Eisenoxyd, Tonerde und Kalk.
10 g Substanz werden mit 25 ccm Salzsäure gelöst und zu 500 ccm aufgefüllt.
50 ccm dieser Lösung = 1 g Substanz werden in einem Becherglase zur Hälfte
eingedampft, noch heiß mit 10 ccm Schwefelsäure (1 Teil konzentrierte Schwefel-
säure zu 5 Teilen Wasser) versetzt, umgerührt, 150 ccm absoluter Alkohol
zugesetzt und nochmals gemischt. Nach 3 Stunden wird der Schwefelsäure Kalk
auf einem Filter gesammelt und mit absolutem Alkohol ausgewaschen. Man
filtriert alsdann in einen Erlenmeyer-Kolhen von 400 bis 500 ccm Inhalt
und wäscht so lange aus, bis die letzten 10 Tropfen, mit dem gleichen Volumen
Wasser verdünnt, durch einen Tropfen Methylorangelösung nicht mehr ge-
rötet werden. Eine Wasserluftpumpe leistet beim Auswaschen gute Dienste.
Von dem Inhalt des Kolbens wird der Alkohol abdestilliert. Der Destillations-
rückstand wird in ein Becherglas gespült, hei Anwesenheit von organischen Stoffen
mit Brom-Salzsäure oxydiert, mit Ammoniak schwach übersättigt und darauf erhitzt,
bis alles überschüssige Ammoniak verjagt ist. Das letztere ist wesentlich, da sich
sonst Magnesia dem Eisenphosphatniederschlage beimischt. Der Niederschlag wird
filtriert, die am Glase haftenden Reste mittels Wischers und kalten Wassers auf
das Filter gebracht, das Filter viermal mit kochendem Wasser ausgewaschen, ohne
daß der Niederschlag aufgerührt wird. Auf diese Weise erhält man stets klare

Filtrate. W’er noch sicherer gehen will, kann nach dem Vorschläge von Fresenius

x) Zeitschr. f. angewandte Chemie 1889, 636

2) Methoden zur Untersuchung der Kunstdüngemittel. Berlin 1903, 9.
        <pb n="185" />
        ﻿161

Bestimmung von Eisenoxyd, Tonerde, Mangan, Kalk und Magnesia.

\\ aschwasser etwas salpetersaures Ammoniak zusetzen, welches selbstverständlich
mcht sauer sein darf. Der Niederschlag wird geglüht und gewogen.

1 Auch für diesen Niederschlag (Eisen-Aluminiumphosphat) nimmt man die Hälfte
(es Gewichtes als aus Eisenoxyd + Tonerde bestehend an. Ist eine genaue ge-
trennte Bestimmung der drei Bestandteile erwünscht, so nimmt man von Anfang
zweckmäßig 3-mal je 50 ccm, behandelt jede Probe für sich, wie oben angegeben, be-
stimmt in der einen Probe die Gesamtmenge von Phosphorsäure + Tonerde -f- Eisen-
^yd, den Niederschlag der 2.ten Probe löst man in Salpetersäure und bestimmt
arin die Phosphorsäure nach dem Molybdänverfahren, in der S.ten Probe reduziert
man nach dem Auflösen des Niederschlages in Schwefelsäure das Eisenoxyd mittels
chemisch reinen Zinks usw. (S. 19)1) zu Eisenoxydul und titriert mit Kaliumperman-
ganat-Lösung von bekanntem Gehalt; durch Abzug der ermittelten Menge Phosphor-
s.lure und Eisenoxyd vom Gesamt-Niederschlage erhält man die Menge Tonerde.

a aher der Niederschlag der Sesquioxyde auch etwa vorhandenes Mangan mit ein-
schließt, so muß dieses für sich bestimmt (vergl. No. 5) und von der Gesamtmenge
(er berechneten Sesquioxyde in Abzug gebracht werden.

Zur gleichzeitigen quantitativen Bestimmung des Kalkes bringt man
J as vorhin abgeschiedene und ausgewaschene Calciumsulfat in eine Platinschale,
mgt das Filter darauf, brennt den Spiritus weg und glüht bei mäßiger Flamme bis
ZUm beständigen Gewicht.

Die Magnesia dagegen fällt man in dem Filtrat des Eisen-Aluminium-
Phosphatniederschlages durch Zusatz von Ammoniak und nötigenfalls phosphorsaurem
Natrium, läßt 12 Stunden stehen und verfährt wie bekannt.

.	3. Verfahren von H. Lasne2) zur Bestimmung der Tonerde. Lasne schlägt zur

^©Stimmung der Tonerde in den Phosphaten die Fällung der noch mit überschüssiger
bosphorsäure versetzten Phosphatlösung mit Natronlauge in Nickelgefäßen und ein
inständiges Erwärmen des Gemisches bei 100° vor, wodurch Tonerdephosphat gelöst
'ynd; in dem Filtrat wird dann das Tonerdephosphat durch Zusatz von Ammoniak und
nimoniumacetat oder statt letzterer besser mit Ammoniumhyposulfit gefällt, der
jiederschlag nach dem Trocknen und Glühen zuletzt im Gebläse geglüht und zur
Berechnung der Tonerde mit 0,418 multipliziert. Die verwendete Natronlauge muß
Se bstverständlich frei von Tonerde sein, was selten der Fall ist.
p *• Verfahren von Hollemaun3) zur Bestimmung des Kalkes. 50 ccm (= 1 g
r.b(jsphat) einer salzsauren Lösung werden stark eingeengt, mit 20 ccm neutraler
f-ahumoxalatlösung (1 :3) versetzt und auf dem Wasserbade unter Umrühren be-
handelt, bis der Niederschlag rein weiß erscheint und keine Klümpchen mehr ent-

J) Statt dieses Eeduktionsverfahrens kann auch das von M. Hauffe (Chem.-Zeitung
21, 894) augewendet werden. Mau versetzt die saure Lösung, die von organischen
«offen durch Brom-Salzsäure usw. befreit ist, mit einem schwachen Überschuß von Zinn-
;Q1°rür (verdünnte Lösung), zerstört den geringen Uberschuß von Zmnchlorür durch Zusatz
2 JO« ccm Quecksilberchlorid (kalt gesättige Lösung), setzt weiter 60-100 ccm Mangan-
“jatlösung (100 g kristallisiertes Mangansulfat in 1300 ccm Wasser gelöst und mit 200 ccm

1	Schwefelsäure von 1 84 spezifischem Gewicht versetzt) zu, kühlt rasch ab, verdünnt mit
;/ Wi«scr und titriert wie üblich Morgan schlägt (Chem.-Zeitung 1901, 25, Kep. 275)

2	Vlhnellen Reduktion des Eisenoxyds Zinkkupfer vor; 8 g granuliertes Zink werden

Minuten in eine 10»/„ige Kupfersulfatlösung eingetaucht und das so gebildete Zmk-
KaPler in die Eisenoxydlösung gebracht; die Reduktion soll dann nach 10 Minuten beendet
Sein (vergl, S. 19).

) Zeitschr. f. angew. Chemie 1897, 276.

) Chem.-Ztg. 1892, 16, 1471.

Land'

wirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

11
        <pb n="186" />
        ﻿162	Künstliche Düngemittel.

hält, was meistens nach 10 Minuten erreicht ist; man filtriert, wäscht mit heißem
Wasser aus, bis das Filtrat oxalsäurefrei ist, löst das Calciumoxalat in Salzsäure,
engt diese Lösung auf 25 ccm ein, fügt 10 ccm Schwefelsäure (1; 5) und 150 ccm
96 °/0-igen Alkohol hinzu, filtriert nach 3 Stunden und wägt den Kalk als
Calciumsulfat.

5. Bestimmung des Mangans.1) Das Verfahren beruht auf der Umsetzung;

3	Mn Cl2 -(- 2 K Mn 0^. -j- 2 Zn 0 = 2 K CI -j- 5 Mn 02 -j- 2 Zn Cl2
und wird wie folgt ausgeführt: 10 g Phosphat werden unter Zusatz von chlorsaurera
Kalium mit Salzsäure erhitzt und nach Entfernung des Chlors durch Kochen auf 1 1
aufgefüllt. 200 ccm der durch Schütteln gemischten, nicht filtrierten Lösung werden in
einem Erlenmeyer-Kolben von etwa 800 ccm Inhalt zur Bindung der Phosphorsäure
an Eisen mit 100 ccm der oben erwähnten Eisenlösung versetzt und bis zum Kochen
erhitzt, darauf wird so lange Zinkoxyd hinzugefügt, bis 1 Tropfen der Lösung durch
1 Tropfen Rhodankalium nicht mehr gerötet wird. Die heiße Lösung wird alsdann
nach Volhard-Wolff so lange unter häufigem Schwenken mit Kaliumpermanganat
von bekanntem Gehalt titriert, bis die über dem Niederschlage stehende Flüssig-
keit rosa gefärbt ist. Man beobachtet nach jedem Zusatze der Kaliumpermanganat-
lösung die nach kurzer Zeit entstehende klare obere Schicht bei durchfallendem Lichte.

Da die Eisenlösung und das Zinkoxyd geringe Mengen Kaliumpermanganat
reduzieren, so ist vorher ein blinder Versuch anzustellen und die hierbei ver-
brauchte Menge Kaliumpermanganat in Abzug zu bringen.

Beispiel; 1 ccm Kaliumpermanganat entspreche 0,0106 g Fe oder 0,0106x0,2946 =
0,00312 g Mn. Zum blinden Versuche wurde verbraucht 1 ccm Permanganatlösung, zur
Bestimmung 6 com, demnach enthalten 200 ccm Phosphatlösung = 2 g Substanz (6—1)
x 0.00312 oder 0,0156 g Mn, mithin 100 g = 0,78 g Mn.

F. Bestimmung von Kieselsäure, Kohlensäure, Schwefelsäure, Chlor, Jod

und Fluor.

1.	Bestimmung der Kieselsäure. Die Kieselsäure wird durch mehrmaliges
Eindampfen mit Salzsäure bezw. Königswasser abgeschieden und kann nach Auf-
nehmen mit salzsäurehaltigem Wasser durch Abfiltrieren und Auswaschen des
Rückstandes bestimmt werden. Ist auch Sand als Beimengung anzunehmen, so
kocht man den gewogenen Rückstand mit einer Lösung von kohlensaurem Natrium
und etwas Natronlauge aus und wägt nach dem Auswaschen den unlöslich ge-
bliebenen Sand (vergl. S. 31 a).

Wenn die Phosphate gleichzeitig Fluorverbindungen enthalten, dann ist dieses Ver-
fahren zur Kieselsäure-Bestimmung ungenau; es kommt dann zu der in vorstehender Weise
gefundenen Menge Kieselsäure die der entwichenen Fluormenge äquivalente Kieselsäure
(4 Fl = SiOä) hinzu. Man kann dann zur Beseitigung des Fluors das S. 34 angegebene
Borsäure-Schmelzverfahren amvenden, wodurch alles Fluor als BF13 entfernt wird. Indes
hat. das Verfahren hier seine Schwierigkeit, weil es nur in Platinschalen ausgeführt werden
kann und die in diesem Falle frei werdende Phosphorsäure die Platinsohale angreift.

2.	Bestimmung der Kohlensäure wie im Boden S. 15.

8.	Bestimmung der Schwefelsäure und des Schwefels wie im Boden S. 29
und S. 39 u. f.

4.	Zur Bestimmung des Chlors, Jods und Fluors empfiehlt der Verein
Deutscher Düngerfabrikanten folgende Verfahren1):

') Methoden zur Untersuchung der Kuustdüngemittel, herausgegeben vom Verein
Deutscher Düngerfabrikanten, 1903, 10.
        <pb n="187" />
        ﻿Bestimmung' der Säuren außer Phosphorsäure.

163

a)	Chlor: Die salpetersaure Lösung des Phosphates wird mit salpetersaurem
Silber versetzt, solange ein Niederschlag entsteht; das ausgefällte Chlorsilher wird
in gewohnter Weise weiter behandelt.

b)	Jod: 50 g Phosphat werden mit einem Überschüsse konz. Schwefelsäure
Versetzt und unter Durchleiten eines Luftstromes auf 200° erhitzt. Die entweichenden
Gase leitet man in verdünnte Natronlauge. Das gebildete Jodnatrium wird durch
Erhitzen mit einer Lösung von Kaliumpermanganat zu jodsaurem Natrium oxydiert.
^ ersetzt man die angesäuerte Lösung von jodsaurem Natrium mit Jodkalium, so

wird Jod frei, welches mit Natriumthiosulfat titriert wird. Nach der Gleichung
HJ03 + 6HJ = 6 J + 3H20 ist 1/6 des abgeschiedenen Jods in Eechnung zu stellen.

c)	Fluor: 5 g fein zerriebenes Phosphat werden mit 20 ccm 20%-iger Essig-
säure in einer Platinschale auf dem Wasserbade zur Entfernung dei Kohlensäure
zur Trockne verdampft, hierauf geglüht, um auch die Feuchtigkeit und die
organische Substanz zu entfernen. Man mischt den Glührückstand mit etwa 20 g
reinen geglühten Quarzsandes und bringt die Mischung in einen trocknen Kolben
yon etwa 250 ccm Inhalt, setzt 40 ccm konz. Schwefelsäure hinzu, schaltet als
Vorlage zwei mit Wasser gefüllte U-Eöhren ein und erhitzt 4 Stunden auf 140°
am besten im Metallbad, das auf 140° eingestellt ist —. Nach Beendigung der Zer-
setzung saugt man einen warmen Luftstrom, etwa 1 I Luft, durch den ganzen
Apparat. Der Inhalt der Vorlage wird in ein Becherglas gespült und die ent-
standene Kieselfluorwasserstoffsäure mit j Lauge unter Verwendung von Phenol-

Phthalein als Indikator titriert. 1 ccm “ Lauge = 0,0095 g Fluor. Bei weniger als
*/. % Fluor wird Fluorcalcium zugesetzt und nachher wieder in Abzug gebracht.

Da in den auf wässerigem Wege entstandenen Phosphaten Chlorcalcium bezw.
Chloride nicht enthalten sind, so hat man mit dem Auftreten von Salzsäure bei
dieser Behandlung nicht zu rechnen.

Bei Superphosphaten fügt man zu der abgewogenen in einein Platin-
schälchen befindlichen Substanzmenge Kalkmilch bis zur deutlich alkalischen Eeaktion
Verdampft das Wasser auf dem Wasserbade, trocknet und glüht schwach. Nach
dem Erkalten zerreibt man den Glührückstand mit einem Pistill bringt ihn unter
Zuhilfenahme eines- getrockneten Trichters in den Zersetzungskolben, spult Platin-
schale und Trichter wiederholt mit feingeriebenem geglühtem Quarzpulver trocken
nach und verfährt im übrigen wie bei den Eohphosphaten.

Besondere Vorschriften für die Untersuchung der
einzelnen Düngemittel.

Die Vorbereitung der Proben im Laboratorium.

^ Nach den Vereinbarungen des Verbandes landw. "V ersuchs-Stationen i. D. E.
ten folgende Vorschriften:1)

n 1- Trockne Proben von Phosphaten oder sonstigen künstlichen
^hngemitteln dürfen gesiebt und gemischt werden. Dieselben sind nur

ausnahmsweise abzusieben und zwar nur in den Fällen, in denen die
,atur des Düngemittels eine gründliche Mischung durch einfaches Zu-
uuimenreiben nicht zuläßt.

) Laudw. Versuchs-Stationen 1890, 38, 283; 1893, 42, 135.

11*
        <pb n="188" />
        ﻿164

Künstliche Düngemittel.

2.	Bei feuchten Düngemitteln, hei welchen dieses nicht zu er-
reichen ist, hat sich die Vorbereitung auf eine sorgfältige Durch-
mischung zu beschränken.

3.	Bei Ankunft der Proben ist das Gewicht derselben zu be-
stimmen. Die Kostprobe wird in dichtscliließenden Gläsern in einem
kühlen Eaume ein Vierteljahr aufbewahrt, soweit nicht durch be-
sondere Verträge mit dem Lieferanten oder sonstige Bestimmungen
etwas anderes festgesetzt ist.1)

4.	Bei Kohphosphaten und Knochenkohle soll zum Nachweis der
Identität der Wassergehalt bei 105—110° bestimmt werden. Bei Proben,
welche während des Trocknens Ammoniak in irgend welcher Form ver-
lieren können, ist dieses außerdem zu bestimmen (vergl. Wasserbestimmung

S.	136).

5.	Es ist dahin zu wirken, daß, soweit es sich um die Feststellung
des Gehaltes bei der Kontrolle handelt, den untersuchenden Chemikern
nur sorgfälltig entnommene, in dichtschließenden Glasgefäßen ver-
packte Durchschnittsmuster von wenigstens 250—500 g übersandt werden.

6.	Das Gewicht der eingesandten Pr oben ist in den Untersuchungs-
attesten anzugeben.

7.	Bei Stoffen, welche beim Pulvern ihren Wassergehalt ändern,
muß sowohl in der feinen, wie in der groben Substanz der Wassergehalt
bestimmt und das Ergebnis auf den Wassergehalt der ursprünglichen
groben Probe umgereohnet werden.

8.	Thomasmehle, in denen dem Augenschein nach gröbere Teile
vorhanden sind, werden durch ein 2 mm-Sieb abgesiebt, die auf dem
Sieb verbleibenden gröberen Teile durch leichtes Zerdrücken auf dem
Siebe verteilt. Die Bestimmung der Phosphorsäure wird in dem durch
das 2 mm-Sieb gefallenen Teil ausgeführt, das Ergebnis unter Berück-
sichtigung der groben Teile berechnet.

Die von dem V. internationalen Kongreß für angewandte Chemie vereinbarten Vor-
schriften für die Probenahme und Vorbereitung von Proben der Fabrikate und Rohstoffe der
Dünger-Fabrikation für den internationalen Großhandel sind folgende:

a) Probenahme.

1.	Unvorschriftsmäßige Proben sind seitens der Untersuchungs-Stationen znrück-
zuweisen. bezw. ist dies auf den Untersuchungs-Attesten zu vermerken.

2.	Vorschriftsmäßige Proben sind nur solche, welche auf der letzten Balm- oder
Schiifsstation bei der Entladung in Gegenwart von Zeugen beider Parteien oder durch
einen vereideten Sachverständigen unter Beobachtung nachfolgender Vorschriften ge-
nommen sind;

3.	Bei Fabrikaten ist aus jedem zehnten Sack, bei loser Verladung von mindestens
10 verschiedenen Stellen Probe mittels Probestechers zu nehmen.

4.	Bei Rohstoffen wird jedes fünfzigste Bntladungsgefäß (also 9 %) auf den
Probehaufen gestürzt und wird davon nach der erten Feinung auf mindestens Haselnuß-
größe Probe zur Wasserbestimimmg genommen; von der ganz gefeinten Masse wie bei
Fabrikaten zur Gehaltsbestimmung.

5.	Die Proben müssen lose in feste, reine und völlig trockne Glasgefäße geschüttet
werden und etwa 300 g Gewicht haben.

6.	Es sind mindestens je 3 Proben zu ziehen und luftdicht mit den Siegeln der
Probenehmer zu verschließen.

]) Landw. Versuchs-Stationen 1893, 42, 135.
        <pb n="189" />
        ﻿Blutmehl. Ledermehl, Wolle, Haare, Hornmehl, Pleischdüngemehl, Fischguano. 165

7.	Die Etikette ist mit demselben Siegel zu befestigen und mit der Namensunter-
schrift der Probenehmer zu versehen.

8.	Die Proben sind an einem kühlen, dunklen und trocknen Orte aufzubewahren.

9.	Bei Substanzen von ungleicher Zusammensetzung muß der 1 iillung der Probeflaschen
eine genügende Zerkleinerung und Mischung vorangehen.

b) Vorbereitung.	.

1.	Trockne Proben von Phosphaten oder sonstigen künstlichen Düngemitteln dürfen

gesiebt und dann gemischt werden.	_

2.	Bei feuchten Düngemitteln, bei welchen dieses nicht zu erreichen ist, hat sich
die Vorbereitung auf eine sorgfältige Durchmischung mit der Hand zu beschränken.

3.	Bei Rohphosphaten und Knochenkohle soll zum Nachweise der Identität der

Wassergehalt bestimmt werden.	T	.

4.	Boi Substanzen, welche beim Pulvern ihren Wassergehalt andern muß sowohl in
der feinen, wie in der groben Substanz der Wassergehalt bestimmt und das Ergebnis der
Analyse auf den Wassergehalt der ursprünglichen groben Substanz umgerechnet werden.

Anmerkung; Zur Bestimmung des Unlöslichen, die ebenfalls mit zur Identifizierung
der Proben dient, werden 10 g Substanz verwendet; bei Lösung ln Mineralsäuren wird
nach vorherigem Abdampfen zur Unlöslichmachung der Kieselsäure der abfiltrierte und
ausgewaschene Rückstand, bei Lösung in Wasser der abfiltnerte und ausgewaschene Rück-
stand bei 100u bis zur Gewichtsbeständigkeit getrocknet.

Untersuchung der einzelnen Düngemittel.

Für die Untersuchung der einzelnen Düngersorten ist noch das Folgende
besonders zu bemerken:

I- Blutmehl, Ledermehl, Wolle, Wollstaub, Haare, Hornmehl,
Fleischdüngemehl, Fischguano.

1. Stickstoff. 1,0—1,5 g Substanz werden nach Kjeldahl (S. 136) verbrannt.
Wenn die Substanz nicht von gleichartiger Beschaffenheit ist, z. B. aus
Stöberen und feineren oder schwereren und leichteren Teilen besteht, wie es oft
bei diesen Düngemitteln der Fall ist, und somit durch 1—1,5 g keine gute Mittel-
Probe erzielt werden kann, verfährt man zweckmäßig wie folgt. ) 10	16 g der

unliebst fein gepulverten und sorgfältig gemischten Probe weiden mit 150 ccm
7S Schwefelsäuregemisches in einer Porzellanschale so lange unter Umrühren mit
Ue® Glasstahe auf dem Wasserbade erwärmt, bis sich alles zu einem flüssigen Brei
8elö*t hat; darauf gießt mau die Lösung in ein 200 ccm fassendes Kölbchen, ver-
Wendet etwa 50 ccm der Schwefelsäure zum Nachspülen der Schale, läßt erkalten
11 n&lt;1 füllt auf 200 ccm auf Nach hinreichendem Uraschütteln und Mischen werden
:°“ der Lösung 20 ccm entsprechend 1,0 oder 1,5 g Substanz abgemessen und in
"lnen Kolben zur weiteren vorschriftsmäßigen Zerstörung der organischen Stoffe
8eeeben. Wenn die Substanz nicht völlig flüssig werden sollte sondern breiartig
JÄ so verfährt man. wie unter Stallmist S. 131, b angegeben ist. Man kann, wie
angibt, auch 5-10 g Substanz nach Kjeldahl verbrennen,«) die Losung
; ',f °00 ccm auffüllen und in 200 ccm den Stickstoff durch Abdestilheren mit Natron-

‘ u&amp;e bestimmen.	.

dül 2. Phosphorsäure. Die Bestimmung der Phosphorsäure in Fischgunno Fisch-
dünger usw. erfolgt nach den Beschlüssen des Verbandes landw. Versuchs-Stationen

) Nach Verfasser, Zeitschr. f. angew. Chemie 1888, 62.1.

) Zeitschr, f aimew Chemie 1893, 75.	.	,	.	. ,

3i	,,	°	’ „n„v Mpmrpri Substanz ist aber sehr langwierig.

&gt; L&gt;ie vollständige Verbrennung so großer Mengen ouusia	« s-
        <pb n="190" />
        ﻿166

Künstliche Düngemittel.

i. D. R., wie bei Knochenmehl S. 167 angegeben ist. Man kann auch in der Weise ver-
fahren, daß man 2,5—5,0 g Substanz mit etwa dem 4-fachen Gewichte eines sehr fein
zerriebenen Gemenges von 1 Gewichtsteil Kalisalpeter und 2 Gewichtsteilen wasser-
freiem Natriumkarbonat mengt und das Gemenge anfangs gelinde, dann langsam
steigernd bis zur Rotglut und zuletzt bis zum Schmelzen erhitzt, nach dem Erkalten
die Schmelze in salpetersäurehaltigem Wasser löst, die Flüssigkeit in einer Porzellan-
schale zur Trockne bringt, um die Kieselsäure abzuscheiden, den Rückstand mit
salpetersäurehaltigem Wasser aufnimmt, filtriert und mit etwa 100 ccm Molybdän-
lösung (siehe weiter Phosphorsäurebestimmung S. 150) fällt.

Heß fällt die Phosphorsäure in 50 ccm des Filtrats seiner unter 1 erhaltenen
Lösung nach dem Zitratverfahren, wobei jedoch zu beachten ist, daß die zu ver-
wendende Schwefelsäure arsenfrei sein muß, weil sonst durch Mitfällung von arsen-
saurem Ammon-Magnesium zu hohe Ergebnisse erhalten werden.

8. Asche, Sand und Feuchtigkeit. (Wie bei „Knochenmehl“, vergl, S. 167.)

4. Nachweis von Blut in Blutdünger, Blutmelasse. Man wäscht nach A. Emmer-
ling1) 10—20 g der Substanz auf Gaze mit Wasser aus, bringt von dem Rückstand
einen Teil in ein Reagensglas, tibergießt mit 25 °/0-igem Ammoniak, kocht über der
Flamme etwa 20—25-mal auf, läßt abkühlen und filtriert. Die klare Lösung wird in ein
planparalleles Absorptionsgläschen gefüllt, so daß noch ein Raum für einige Tropfen
frei bleibt. Man beobachtet mit Hilfe des Spektralapparates das Spektrum eines
leuchtenden Gasflämmchens, während das Absorptionsgläschen vor dem Spalt steht.
Wenn das Spektrum zu stark absorbiert wird, muß etwas verdünnt werden. Man
bringt dann einige Tropfen nicht zu alten Schwefelammoniums zu der Lösung im
Absorptionsgläschen; wenn Blut vorhanden ist, so erhält man die sehr kennzeichnenden
dunkeln Absorptionsbänder des Hämatochromogens. Es empfiehlt sich, stets die Gegen-
probe mit zweifellos echtem Blutdünger oder getrocknetem Blut anzustellen.

Dieses Verfahren kann in einem mit Ledermehl oder Lederabfällen ver-
fälschten Blutmehl oder Blutdünger im Stiche lassen. Es rührt dies daher, daß
Lederabfälle beim Kochen mit Ammoniak eine tiefbraune Lösung liefern, die schon
bei mäßiger Konzentration das ganze Spektrum auslöscht. Um Teile des Spektrums
und darin etwa auftretende Absorptionsbänder sichtbar zu machen, müßte man er-
heblich mit Wasser verdünnen. Hierdurch wird aber leicht die Grenze der Sicht-
barkeit jener Bänder überschritten, so daß das Spektrum wieder kontinuierlich er-
scheint. Man kann sich in einigen Fällen dadurch helfen, daß die ausgewaschene
Substanz zuerst mehrfach mit Alkohol ausgekocht wird, bis filtrierte Anteile keine Gerb-
stoffreaktion mehr geben. (Als Reagens auf Gerbstoff kann man eine ammoniakalische
Lösung von weinsaurem Eisenoxydul verwenden.) In manchen Fällen dürfte Aus-
kochen mit Wasser zweckmäßiger sein, falls sich der vorhandene Gerbstoff leichter
hierin als in Alkohol löst. Mit dem Rückstand kann man dann in der angegebenen
Weise verfahren und wird daun das vorher vermißte Hämochromogenspektrum er-
halten. Die Gerbstoffreaktion der Auskochungen kann zugleich als Beweismittel für
die Gegenwart von Leder dienen, das außerdem an einzelnen ausgesuchten Teilchen
mikroskopisch an der ausgesprochenen Faserstruktur zu erkennen ist. Ob dieses
Verfahren auch noch ausreicht, wenn das Leder als gedarrtes Ledermehl vorhanden
ist, konnte A. Emmerling bis jetzt noch nicht feststellen.

In anderen Fällen kann auch die Teichmann sehe Häminprobe gute Dienste
leisten. Man zieht etwa 5—10 g des Blutdüngers oder der Blutmelasse mit koch-
salzhaltigem Wasser aus, verdampft das Filtrat mit Essigsäure im Uhrglase oder

x) Nach einer privaten Mitteilung.
        <pb n="191" />
        ﻿Knochenmehl.

167

auf dem Objektträger ein und untersucht den Rückstand auf Hämin-Kristalle
(schmale, zugespitzte rhombische Blättchen).

II. Knochenmehl.

1.	Stickstoff. 1—2,0 g Substanz werden nach Kjeldahl verbrannt.

Bei sehr grobkörnigem Knochenmehl, z. B. bei rohem und stark haarehaltigem
Hehl, verfährt man, wie vorstehend bei Blutmehl, Hornmehl usw. S. 165 ange-
geben ist.

2.	Asche und Sand. 5 g Substanz werden verascht und darauf gewogen.
Die Asche wird mit Salz- oder Salpetersäure längere Zeit (etwa 1/4 Stunde) zum
Sieden erhitzt, in einen 500 ccm fassenden Kolben filtriert, der Rückstand (Sand,
T°n) gut ausgewaschen und, wenn dessen Bestimmung notwendig ist, geglüht, ge-
wogen und als Sand + Ton in Rechnung gebracht.

3.	Phosphorsäure. Das Aufschließen wird nach den Beschlüssen des Verbandes
iandw. Versuchs-Stationen i D. RA) in der "Weise bewirkt, daß man entweder
5 g Knochenmehl in 50 ccm Königswasser (3 Teile Salzsäure von 1,12
spezifischem Gewicht und 1 Teil Salpetersäure von 1,25 spezifischem
Gewicht) oder vorsichtig in einem Gemisch von 20 ccm Salpetersäure
von 1,42 spezifischem Gewicht und 50 ccm konzentrierte Schwefelsäure
!on 1,84 spezifischem Gewicht durch Vstündiges Kochen löst, auf
oOO ccm auffüllt und hiervon 50 ccm zur Fällung verwendet.

Die Zerstörung der organischen Stoffe kann ferner auch durch Salzsäure
^d chlorsaures Kalium geschehen oder endlich durch Zusammenschmelzen mit
einem Gemisch von Kaliumnitrat und Natriumkarbonat (im Verhältnis von 1 :2),
wie hei Blutmehl, Hornmehl usw. (s. oben). Fermentierte Knochenmehle müssen
Unter allen Umständen auf diese Weise aufgeschlossen bezw. gelost werden.

4.	Feuchtigkeit. 5 g Substanz werden bei 100-110 bis zur Gewichts-

eständigkeit getrocknet.	,	. ,	,

5.	Haut- und hornartige Stoffe. Von dem gemahlenen durch ein 1 mm-Sieb

geschlagenen, sorgfältig gemischten Knochenmehle werden 10 g entweder in einem
^linder (von 100-200 ccm Inhalt) mit Ausguß, der vorher gut bis zur Hälfte mit
Chloroform gefüllt ist. geschüttelt, dann bis nahe an den Ausguß mit Chloroform
^füllt, das Ganze mehrmals durchgeschüttelt, hingestellt, bis die Ch oroformschicht
fischen Bodensatz und Schwimmendem hinreichend klar geworden ist, und das oben
^schwimmende durch raschen Guß auf ein trocknes Filter gebracht und abtropfen
fassen. Oder man füllt einen Scheidetrichter (von 200 ccm Inhalt mH weiter
Durchbohrung zur Hälfte mit Chloroform, füllt 10 g Knochenmehl ein, dann fast
!°« Chloroform, schüttelt durch, läßt wie vorhin ah«t«	^ Jenjezifisch

Schweren Teil des Knochenmehles nebst der klaren Schicht ahfließen und bringt
Wie vortm, r i ■	n'oiip auf ein trocknes Iilter. JNacMem das

Dhlorofn ,&lt;le sc^wimme . '	90___100° getrocknet, der Rückstand

in ?• °rm abgetropft ist, wird das Filter bei Jv iw g	’

e Schale gebracht und gewogen.	mmende Schicht in einem Scheide-

trichtpp ‘ Stutzer empfiehlt, die oben aufsch	erst mit Alkohol zu

wnter, wenn der Bodensatz bis nahe an diese abgeiassenj* ,

diesen langsam durch den Glasha n a 1 P	J trocknen und zu

Khckstand in eine tariprte Glasschale zu spülen, hei 100« zu trocknen und zu

Wä^- Die trockne“ hatl soll keinen gelben Fettrand zeigen. Da die Knochen i

i Landw. Versuchs-Stationen 1890, 38, 28o.
        <pb n="192" />
        ﻿168	Künstliche Düngemittel.

indes jetzt allgemein stark entfettet werden, so dürfte diese Vorsicht kaum not-
wendig sein.

0. Fett. 10 g der feingemahlenen Substanz werden nach dem Vertrocknen
hei 110° in der später unter „Futtermittel“ zu beschreibenden Weise 3—4 Stunden
mit Äther ausgezogen, darauf wird die Substanz nochmals fein zerkleinert und das
Ausziehen in derselben Weise fortgesetzt.

7.	Feinheit. Für die Qualität des Knochenmehles ist auch der Feinheitsgrad maß-
gebend, denn je feiner es gepulvert ist, desto rascher dürfte seine Wirkung sein,
wenngleich in einigen Gegenden eine grobkörnige Ware vorgezogen wird. Über die Be-
stimmung des Feinheitsgrades sind bis jetzt keine Vereinbarungen getroffen.

Man kann sich aber zu dem Zweck der in agrikultur-chemischen Laboratorien viel
verbreiteten Siebe bedienen, von denen No. I der Siebe auf 1 gern 1089, No. II = 484 und
No. III = 256 Maschen hat; bei No. I kommen daher auf 1 qmm = 11, bei No. II = 5, bei
No. III = 2,6 Maschen; der Best, welcher auf dem Siebe No. III zurückbleibt, wird als
Mehl No. IV bezeichnet.

Für eine derartige Prüfung auf Feinheit verwendet man 60 oder 100 g Knochenmehl.

8.	Was ist Knochenmehl! Über diese Frage hat der Verband deutscher Versuchs-
Stationen am 20. September 1903 folgenden Beschluß gefaßt;1)

„Als Knochenmehl soll nur dasjenige Düngemittel bezeichnet werden,
das aus fabrikmäßig gereinigten Knochen ohne Zusatz von fremden stickstoff-
und phosphorsäurehaltigen Stoffen hergestellt ist. Unter fabrikmäßiger
Reinigung ist das Auslesen der Hufe, Klauen, Hörner und der Beimengungen
nichttierischen Ursprungs zu verstehen.“

Für die Bezeichnung der einzelnen Sorten Knochenmehle dürften folgende
Bestimmungen geeignet sein:

a)	Knochenmehle, welche 4—3,3 °/o Stickstoff und 19—22 °/„ Phosphorsäure enthalten
und in welchen sich nach Abzug des durch Chloroform Abtrennbaren ein Verhältnis von
N: P205 wie 1:4 bis 5,5 herausstellt, werden als Normalknochenmehle oder als
Knochenmehl No. 0 bezeichnet.

b)	Knochenmehle, welche 3—4°/0 Stickstoff und 21—25% Phosphorsäure enthalten
und in welchen sich nach Abzug des durch Chloroform Abtrennbaren ein Verhältnis von
N; P205 wie 1:6,5 bis 8,5 herausstellt, heißen einfach „Knochenmehl“.

c)	Knochenmehle, welche 1—3 % Stickstoff und 24—30 % Phosphorsäure enthalten
und in welchen sich nach Abzug des durch Chloroform Abtrennbaren ein Verhältnis von
N : P206 = 1: 8,5 bis 302) herausstellt, führen die Bezeichnung „entleimte Knochen-
mehle“.

d)	Nur solche Knochenmehle dürfen als „rohe Knochenmeh le“ bezeichnet werden,
welche durch Zerkleinern von rohen Knochen gewonnen sind.

e)	Düngemehle, welche nach Abzug des durch Chloroform Abtrennbaren weniger
als 1 % Stickstoff in Form von Knochenleimstickstoff enthalten und in welchen sich ein
höheres Verhältnis von N :P208 wie 1 : 30 herausstellt, dürfen nicht mehr die Bezeichnung
„Knochenmehl“, sondern höchstens die von „gemischten Düngemehlen“ führen.

Ausgenommen von diesen Bestimmungen ist das bei der Fleischoxtrakt-Herstellung
gewonnene Düngemehl, welches durch die Bezeichnung „Fleischknochenmehl“ oder „Fleisch-
düngemehl“ hinreichend von dem eigentlichen Knochenmehl in vorstehendem Sinne unter-
schieden wird.

9.	Verfälschungen des Knochenmehles. Zusätze von haut- und korn-
artigen Stoffen, welche bei der Reinigung der Knochen abgefallen sind,
werden sich aus der Monge der durch Chloroform abschlämmbaren Bestandteile,
sowie aus dem Verhältnis des wirklichen Knochenmehl-Stickstoffs (Gesamt-Stickstoff

x) Landw. Versuchs-Stationen 1904, 59. 314 u. 00, 235, vergl. auch ebenda 1890,’37, 28.

3) Vielleicht auch nur 8-25.
        <pb n="193" />
        ﻿Peruguano.

169

minus Stickstoff der durch Chloroform ahschlämmbaren Bestandteile) ergeben (vergl.
Ko- 5, S. 167). Ein Knochenmehl mit mehr als 9% durch Chloroform abtrennbare
Bestandteile sollte nicht mehr als Normal-Knochenmehl bezeichnet werden dürfen.

Zum Nachweis von Sägespänen oder von Steinnußspänen benutzt
®an am besten das Mikroskop. Sägespäne kann man auch durch Schwefelsäure
nachweisen, da diese hierdurch schwarz gefärbt werden, während die organische
Substanz der Knochen durch Schwefelsäure nicht gefärbt wird.

Phosphorite mineralischen Ursprunges lassen sich durch Feststellung von
Biuor nachweisen. Man verfährt dabei in der oben S. 163 angegebenen Weise.

Gips wird nach 0. Böttcher1) häufig verwendet, um bei lagernden, sich
Ersetzenden Knochen das Ammoniak zu binden. Da das Knochenmehl nur geringe
Mengen von Schwefelsäure enthält, so ist ein Gipszusatz an einem höheren Schwefel-
säure-Gehalt zu erkennen.

III.	Peruguano,
a) Roher Peruguano.

1. Gesamt-Stickstoff. 1,0—1,5 g Substanz werden nach dem Jodlbaur-
Mjeldahlsehen (S. 141, No. 2a) oder auch nach dem Förster-Kjeldahlschen Ver-
ehren (S. I4i; No. 2b) verbrannt oder man reduziert ebenso zweckmäßig 1—2 g
Substanz zuerst nach ülsch (S. 147) und verbrennt weiter nach Kjeldahl.

2-	Ammoniak-Stickstoff. Der als freies Ammoniak oder in Form von Ammoniak-
Salzen vorhandene Stickstoff wird in 100 bezw. 200 ccm einer Lösung von 10 g gut
zerriebenem Guano in 1 1 durch Destillation mit gebrannter, möglichst kohlen-
s4urefreier Magnesia bestimmt (S. 142).

n ,	3. Salpetersäure-Stickstoff. Soll dieser bestimmt werden so setzt man zu der

Substanz, welche zur Ammoniakbestimmung gedient hat, nachdem alles Ammoniak
ubdestilliert worden ist. in demselben Destillationskolben unter Verdünnen mit Wasser
®twa 20 g Kalihydrat und so viel Kaliumpermanganat, daß die Flüssigkeit nach
^ Erhitzen bis zum Kochen	deutlich blau	erscheint,	kocht	noch	eine Zeitlang,

if dann erkalten, bringt nach	dem Erkalten	das Volumen auf	etwa	100 ccm, setzt

3,5	cc«i Spiritus sowie je 8-10 g Zink- und Eisenstaub zu und verfährt weiter unter
V°rlegung neuer Schwefelsäure, wie S. 145, No. 2 angegeben ist	.

w Auch kann man den	Salpetersäure - Stickstoff	nach	dem	Schlosing-

agn er sehen Verfahren bestimmen, indem man die von Ammoniak befi eite Losung
giaUf ein kleines Volumen konzentriert und nach S. 144, No 1 behandelt Die
den 6nz zwischen Gesamt-Stickstoff und Ammoniak- + Salpetersäure-Stickstoff gibt

organischen Stickstoff.	.,	■	K , Q

ptos Phosphorsäure. «) Wasserlösliche Phosphorsaure wie bei „Super-

,P;;«e^r ufen f 180)' Guano werden in einem */4 1-Kölbchen
mit J:1 Gesamt-Phosphor saure. o S wuano wo	„

20—25 ccm Salnetersäure und 2—3 ccm Salzsäure 1—2 Stunden auf dem
V-asserbifb.	Mpete si	,	, d Erkalten bis zur Marke

auf«. * ade erwärmt und die Flüssigkeit nacu uem ^	PllQT1„ m.+

dp,5eftt lt Man kann auch in der Weise verfahren, daß man 1	- g Guano mit

Uem	^	a	. ,	n rp„iiP1l wasserfreiem Natriumkarbonat

l K®r'“r e neaSZTJe\e, SomZu S. 166. N«, 2 oben Oe-

«O» ««eh -ie bei Knooh.l.ehl S. 167, Ho. 3	b» «■ ..........

HSS* empfehlenswert iS. .las '«*“;tr‘,Jn®“°n «rasehen nnd in
ei-, karbonatlösune- in einer Flatinschale ein/	&gt;

lnem alimrrw- rr, .s	t tic die Phosphorsäure zu bestimmen.

' auquoten Teil der salpetersauren Losung am 1

‘1 Lunge, Chem.-techn. Untersuchungsmethoden 1900, 2, 431.
        <pb n="194" />
        ﻿170

Künstliche Düngemittel,

5.	Kali. Zu diesem Zwecke verascht man 5 g Substanz, löst die Asche in Salz-
säure, füllt auf 500 ccm auf und bestimmt in 100 ccm, wie S. 157 u. f. angegeben,
das Kali.

6.	Oxalsäure, a) Lösliche Oxalsäure. 10—20 g zerriebener roher Peruguano
werden mit 1 1 Wasser 2 Stunden in der Kälte behandelt, dann filtriert und vom Piltrat
100 ccm zur Bestimmung verwendet. Man säuert zuerst mit Essigsäure stark an und fällt
in der Siedehitze die Oxalsäure mit einer essigsauren Lösung von Chlorcalcium oder mit
essigsaurem Calcium. Das abfiltrierte oxalsaure Calcium wird auf dem Gebläse bis zur
Gewichts-Beständigkeit geglüht und als Calciumoxyd gewogen; da auf diese Weise leicht
Gips und Kalkphosphat mit niederfallen, so muß der erhaltene Kalk stets auf Schwefelsäure
und Phosphorsäure geprüft werden. Zu diesem Zwecke löst man denselben mit Salpeter-
säure. teilt ihn in zwei Hälften und fällt quantitativ die eine Hälfte mit Baryumnitrat,
die andere mit Molybdänlösung.

Es wird die dem gefundenen Baryumsulfat entsprechende Menge schwefelsaures
Calcium (1 Teil BaS04 = 0,684 Teile Ca S04) und die dem gefundenen pyrophosphorsauren
Magnesium entsprechende Menge phosphorsaures Calcium (1 Teil MgäP207 = rund 1,4 Teile
Ca3P208) von dem Calciumoxyd in Abzug gebracht und aus dem Rest die wasserlösliche
Oxalsäure berechnet (1 Teil CaO = 1,607 g C2H204).

b) Gesamt-Oxalsäure. 5 g Guano werden mit 20 g kohlensaurem Natrium und
etwa 200 ccm Wasser gekocht, die ganze Flüssigkeit nach dem Erkalten durch Zusatz von
Wasser auf 500 ccm gebracht, gemischt und durch ein trocknes Filter filtriert. 50 oder
100 ccm werden mit Essigsäure angesäuert und darin wie vorstehend die Oxalsäure
bestimmt.

7.	Feuchtigkeit. Da beim Erwärmen des rohen Guanos auf 110° auch Ammon-
salze entweichen können, so wird das Wasser, wenn es sich um genaue Ergebnisse
handelt, in der Weise bestimmt, daß etwa 2 g Substanz in ein Porzellanschiffchen
und dieses in eine in einem Luft- oder Wasserbade liegende Glasröhre gebracht
werden, indem man das eine Ende der Glasröhre mit einem Kugelröhrchen, welches
mit konz. Schwefelsäure befeuchtete Bimssteinstückchen enthält, das andere mit
einem 10 ccm titrierte Schwefelsäure enthaltenden Kugelapparat und diesen wieder
mit einem Aspirator verbindet. Nach Beschickung des Apparates erhitzt man das
Luftbad auf 100—110° und saugt langsam einen trocknen, ammoniakfreien Luft-
strom durch. Nach etwa einstündigem Trocknen wägt man das Porzellanschiffchen
mit der Substanz zurück, titriert das in der Vorlage aufgefangene Ammoniak und
zieht das Gewicht des letzteren von dem Gesamtverluste ab.

8.	Asche und Saud werden wie bei Knochenmehl S. 167 bestimmt.

9.	Prüfung auf Echtheit. Roher, natürlicher Peruguano kommt jetzt seltener im
Handel vor. Die als solcher vertriebenen Marken I und II sind zum Teil, nämlich mit
10—15 °/0 Schwefelsäure von 60—62° Bö. aufgeschlossen und enthalten die Phosphorsäure
in bis zur Hälfte wasserlöslichem Zustande. Da ferner der Gehalt des Peruguanos besonders
an Stickstoff immer mehr zurückgeht, so wird letzterer mitunter durch Zusatz von Salpeter
oder Ammoniaksalz erhöht. Man sollte aber mit der Bezeichnung „Peruguano“ nur
solche Ware zulassen, welche außer Schwefelsäure zum Aufschließen keine irgendwelchen
anderen Zusätze erhalten hat. Alle sonstigen künstlichen Mischungen sollten entweder als
„gemischter Peruguano“ oder als „Salpeter-Peruguano usw.“ von der echten, unvermischten
Ware unterschieden werden.

Für den Nachweis der Echtheit des Peruguanos kann dienen:

a) Die Prüfung auf Harnsäure. 1—2 g Guano, mit Salpetersäure zur Trockne
verdampft, liefern einen gelben oder ziegelroten Rückstand, der durch wenig Ammoniak
schön purpurrot wird (Murexidprobe) und durch nachherigen Zusatz von Kali- oder Natronlauge
schön rötlich-blau. Diese Reaktion gelingt wegen der rötlichen Färbung des Peruguanos
nur in den seltensten Fällen gut. Besser, aber auch nicht immer zuverlässig, ist es, 15—20 g
Peruguano mit Kali- oder Natronlauge auszukochen, heiß zu filtrieren, das Filtrat mb
        <pb n="195" />
        ﻿Peruguano.

171

Salz- oder Schwefelsäure zu versetzen und die nach 1 2-tägigem Stehen erhaltene Aus-
scheidung auf Harnsäure zu prüfen.

Für die quantitative Bestimmung der Harnsäure verfahren A. Stutzer und
A. Karlowa1) in folgender Weise:

1—2 g Substanz werden in einer Porzellanschale mit Wasser übergossen und das
Wasser mit Salzsäure schwach angesäuert. Man verdunstet die Flüssigkeit auf dem
Wasserbade bis zur völligen Entfernung der Salzsäure, übergießt den Kückstand mit
100 ccm Wasser iu dem 3 g Piperazin gelöst sind, erwärmt die Flüssigkeit und hält sie
ungefähr 1 Minute lang im Sieden. Nun wird filtriert, das Filtrat nach dem vollständigen
Erkalten mit wenig Phenolphthalein und so viel Salzsäure versetzt, daß die alkalische
Reaktion eben verschwunden ist. Dann gießt man 10 ccm einer 10 %-igen Salzsäure hinzu,
rührt gut um und läßt die Flüssigkeit 12 Stunden stehen Die ausgeschiedenen Kristalle
von Harnsäure werden auf einem Filter von bekanntem und möglichst geringem Stickstoft-
gehalt gesammelt und mit Wasser, welches 1 % Salzsäure beigemengt enthalt ausge-
waschen, bis die Gesamtmenge des Filtrats 200 ccm betragt. ^D^ Erlter nebst lnhalt
(1)ent zur Bestimmung des Stickstoffs, aus welchem durch Multiplikation mit 2,994 die
^lönge der Harnsäure berechnet wird.

Da die Harnsäure in 1 %-iger Salzsäure in geringem Maße löslich ist, so wird der
Gehalt der 200 ccm au Harnsäure ermittelt; derselbe beträgt rund 3 mg und ist diese
Menge zu dem gefundenen Ergebnisse zu addieren.

b) Die Bestimmung des Kalis. Echter Peruguano enthalt 2-4% Kali; letzteres

ann aber auch leicht künstlich zugesetzt werden.	..

,	Dev Peruo-uano enthalt um so mehr Oxalsäure,

je nuA016 Bestimmung der Oxalsäure	S“ bei 8-10% Stickstoff und be

Je mehr Stickstoff er enthält, nämlich bis 18% Oxalsäure uei	,o

gwingerem Gehalt an letzterem entsprechend weniger. .

Wir fanden z B. in 6 Sorten echten Peruguanos neuester Einfuhr.

Gesamt-Stickstoff .
Att»moniak-Stickstoff

Ge

«amt-

Eöslic],

■Phosph

orsäure

Kali

SST"“""

Earnsäure .”

Chinchas

%

12,47

1.78

8.78
2,56
2,37

11,92

vor-

handen

Guanape

%

10,19

3,80

16,79

6,59

3,44

8.56

0,87

vor-

handen

Baliertas

%

12,26

3,68

10,96

3,36

2,42

10,40

4,16

vor-

handen

Santa

Islands

°/o

3,29

1,73

26,38

1,99

3,11

0,30

Huaura Marabi

Io

13,12

3.96

10.95

6.96

2,10

10.96
1,45
vor-
handen

°/

Io

12,43

7,00

12,89

5,15

3,56

16,82

12,78

vor-

handen

stehen Gehalt an Oxalsäure, die in einem emspiow.^------- —

heit Pfle§,t&gt; bietet daher wohl den sichersten Anhaltspunkt zur Entscheidung der Echt
AuÄ peruguanos, denn diese künstlich zuzusetzen, dürfte nicht lohnen. Durch das
^ehuuri Ie^en mit Schwefelsäure wird durchweg nur die lösliche Oxalsäure

ene Oxalsäure und die Harnsäure dagegen nicht bezw. in geringem G.--

b) Aufgeschlossener Peruguano,

««.«u. Der Gesamt-Stickstoff und die einzelnen Stickstoffformen werden
rohen Guano bestimmt (S. 169).

“• Gliche Phosphorsäure wird wie bei Superphosphat bestimmt (S. 180).
stimmtKaU Uml sonstige Bestandteile werden wie bei rohem Peruguano (S. 170)

pnt&lt;?nrech enden Verhältnis zum Stickstoff zu

die

(Vio V, V Stickstoff.

16 bei dem

l) Ghem.-Zeitung 1896, 20, 721.
        <pb n="196" />
        ﻿172

Künstliche Düngemittel.

IV.	Baker-, Maiden-, Mejillones-Guano.

1.	Stickstoff. Diese Guanosorten enthalten meistens sehr wenig Stickstoff;
falls er bestimmt werden soll, verfährt man ebenso wie hei Peruguano (S. 169).

2.	Phosphorsänre. Dieselbe wird nach den unter rohem Peruguano (S. 169),
hezw. wie hei Knochenmehl (S. 167) angegebenen Verfahren bestimmt.

3.	Asche, Sand und Feuchtigkeit werden wie bei Knochenmehl (S. 167 bezw.
136) bestimmt.

V.	Knochenkohle, Knochenasche usw.

1.	Phosphorsäure. 5 g der fein zerriebenen Substanz werden entweder wie
bei Knochenmehl aufgeschlossen oder verascht (Knochenasohe wird direkt gelöst),
dann mit mäßig konzentrierter Salzsäure 1/4 Stunde gekocht, zur Abscheidung
etwaiger Kieselsäure auf dem Wasserbade zur Trockne verdampft, mit salzsäure-
haltigem Wasser auf genommen und filtriert.

Der Rückstand wird nach dem Auswaschen, wenn erforderlich, getrocknet,
geglüht und gewogen; er ergibt die vorhandene Sandmenge. Das Filtrat wird auf
500 ccm gebracht und 50 ccm davon zur Phosphorsäurebestimmung (S. 150) verwendet.

2.	Feuchtigkeit. Durch Trocknen von 10 g Substanz bei 105—110° bis zur
Gewichtsbeständigkeit.

3.	Kohlensäure und Ätzknlk. Die Kohlensäure wird wie bei Boden (S. 15)
oder wie bei Mergel (S. 102) in etwa 3 g bestimmt. Sollte auch Ätzkalk zugegen
sein, so feuchtet man eine zweite Probe im Tiegel mit einer Lösung von Ammonium-
karbonat an, verdunstet die Feuchtigkeit unter Bedecken des Tiegels mit dem Deckel,
wiederholt diese Behandlung mehrmals und erhitzt zuletzt vorsichtig etwas stärker,
jedoch nicht bis zum Glühen, so daß von der Kohle nichts verbrennt. Hierauf
wird nochmals die Kohlensäure bestimmt und aus der Differenz, welche man bei
der ersteh und zweiten Bestimmung findet, die vorhandene, der mehr gefundenen
Kohlensäure entsprechende Menge Ätzkalk berechnet; 1 Teil C02 = 1,273 Teile CaO.

4.	Schwefelsäure und Chlor. Zur Untersuchung auf diese Bestandteile
fällt man die verdünnte salpetersaure Lösung mit Baryumnitrat bezw. Silber-
nitratlösung.

VI.	Thomasphosphatmehl.

Für die Vorbereitung der zur Untersuchung auf Phosphorsäure zu
verwendenden Probe Thomasmehl gilt die vom Verbände landwirtschaftlicher Ver-
suchs-Stationen i. D. Reiche getroffene Vereinbarung No. 8 S. 164. *)

1. Gesamt-Phosphorsäure. Zur Bestimmung der Phosphorsäure in dem
Thomasphosphatmehl werden 5 oder 10 g mit Salzsäure, mit Königswasser oder
mit Schwefelsäure aufgeschlossen.

Von dem Verbände landw. Versuchs-Stationen i. D. R. ist die Aufschlieflung
mit Schwefelsäure vereinbart.* 2) Dieselbe wird am besten nach dem Vor-
schläge von G. Loges3) ausgeführt. 10 g Phosphatmehl werden in einem 1/2 1-Kolben
von hartem Kaliglase mit Wasser durchfeuchtet und mit 50 ccm konzentrierter
Schwefelsäure versetzt. Darauf erhitzt man die Masse entweder im Sand- oder

J) Diese Vereinbarung ist auch vom V. intern. Kongreß f. angewandte, Chemie an-
genommen.

2)	Landw. Versuchs-Stationen 1893, 43, 324. Der V. intern. Kongreß f. angewandte
Chemie hat sich ebenfalls für das Aufschließen mit Schwefelsäure ausgesprochen.

3)	Repertorium f. anal. Chemie 1887, S. 85 u.. Privat-Mitteilung.
        <pb n="197" />
        ﻿Thomasphosphatmehl.

173

Luftbade oder auch über freier Flamme auf dein Drahtnetz, bis sich weide
Dämpfe entwickeln. Beim Erhitzen über freier Flamme vollzieht sich die Auf-
schließung in Stunde. Man läßt erkalten, füllt mit Wasser bis zur Marke auf,
mischt und filtriert. Die filtrierte Flüssigkeit trübt sich nach längerer Zeit1) häufig
durch sich ausscheidendes Calciumsulfat, das sich dann aber später in Zitronen-
säuren! Ammon wieder löst. Ohne darauf also Rücksicht zu nehmen, wird in 50 ccm
dieser Lösung die Phosphorsäure bestimmt (vergl. S. 152 unter/?).

Die Aufschließung des Thomasphosphatmehles mit Schwefelsäure hat den Vorteil,
daß dadurch die Kieselsäure so gut wie vollständig und der Gips zum größten Teil
ausgeschieden wird, welche beide die spätere Fällung der Phosphorsaure (vergl. S. 153)
beeinträchtigen können,2) so daß man stets Lösungen von fast gleichem Gehalt an Gips
und Tonerde erhält. Auf diese Weise fallen die Ergebnisse für die nach dem Zitrat-
^erfahren bestimmte Phosphorsäure gleichmäßiger aus. Die freie Schwefelsäure ist nach
Fresenius3) ohne Einfluß auf die Bildung des Molybdanuiederschlages wenn die
Phosphorsäure nach dem Molybdänverfahren bestimmt wird. Etwa vorhandenes Eisenoxydul
Wlfd durch die Salpetersäure der Molybdänlösung oxydiert. Das Aufschließen mit Schwefel-
te kann aber den Nachteil haben, daß sich mitunter. fodmb “ tTrkt
Wandungen ansetzt und dadurch, daß er Phosphatlösung emschheßt, fehlerhaft wirkt.

Wenngleich dieser Fall nur vereinzelt vorkommt so wird doch von manchem
Aufschließung mit Salzsäure vorgezogen. Dieses Verfahren ist aber vom
Verbände landw. Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche als unzulässig erklärt

Worden.1)

m Eine vollsändige und glatte Aufschließung des Thomasphosphatmehles erreicht
Un auch durch Eindampfen mit Königswasser. Indes wird hierdurch leicht etwas
viel Fhosphorsäure gefunden, weil der vorhandene Phosphor in Phosphorsäure
du)erfeführt und mit bestimmt wird. Freilich geht auch ein Teil des Phosphors
r°h Aufschließen mit Schwefelsäure und Salzsäure in Phosphorsäure über; für
Eit'f bUnlieb sind die Differenzen jedoch nur gering und hat es keinen wesentlichen
u3&gt; ob man mit Schwefelsäure, Salzsäure oder Königswasser aufschließt.
ban, "• ^itronensäurelösliche Pliosphorsäure. ö g des natürlichen oder bei Vor-
teilen groben Stückchen durch ein 2 mm-Sieb gesiebten Thomasmehles werden in
an 61|i ccm_Eolben gebracht, in welchen man vorher, um das hestsetzen der Substanz
2 0/ . Wandung zu verhüten, 5 ccm Alkohol gegeben hat; der Kolben wird mit
/o'iger Zitronensäure, deren Temperatur 17,5° beträgt, bis zur Marke aufgefüllt,
R	Kautschukpfropfen verschlossen und ohne \erzug 30 Minuten lang in den

D «erapparat gebracht, der sich 30—40mal in der Minute um seine Achse dreht,
gehnu°Sllng wird dann sogleich filtriert. Diese Bedingungen müssen strenge inne
cn Werden. Besonders ist noch folgendes zu beachten:
ten*; DerRau«b worin die Ausschüttung vorgenommen wird, muß eine Durohschnitts-

P atur von 17,5" haben.

’) Läßt man die sauren
816 leicht ganz klare Filtrate.

unfiltrierten Lösungen einige Stunden stehen, so geben

2) Dip1« kl^r-6	..	, • t uach einigen Versuchen nicht so not-

'Vendio-zJJle Beseitigung der Kieselsäure scheint nacu s

31

. — sein,	45i.	„94 Bei etwaiger Anwendung

3)	Zeitschr. f. anal. Chemie 1864,	’, i:-!4; l"3’ „konzentrierter Salzsäure un

4)	Landw. Versuchs-Stationen 13J2‘ , '’tmehl mit loO ccm	Kieselsäure l/a Stunde

Salzsäure verdampft mau 10 g Ph°S£tand zur Absche«*« in einen 500 ccm-
Wasserhade zur Trockne, erwärmt denWasser auf, &amp;***

S1. Luftbado, nimmt mit salzsäurehaltigem

Kolheil
        <pb n="198" />
        ﻿174

Künstliche Düngemittel.

2.	Statt des Rotierapparates1) darf kein Schüttelapparat angewendet werden.

3.	Zur sofort nach der Schüttelung vorgenommenen Filtration verwendet man zweck-
mäßig große Falteulilter; wenn die Flüssigkeit anfangs trübe filtriert, wird sie auf das
Filter zurüokgegossen.

Die so hergestellte Zitronensäure-Lösung enthält unter Umständen hei kiesel-
säurereichen und eisenarmen Thomasmehlen verhältnismäßig viel Kieselsäure, und
diese wirkt, weil sie sich unlöslich ausscheidet, fehlerhaft d. h. bedingt zu hohe
Ergebnisse. Die Zitronensäure-Lösungen von solchen Thomasmehlen erscheinen
hell, fast farblos und liefern nur schwierig filtrierende Niederschläge. Zur
Vermeidung der durch Mitausscheidung von Kieselsäure bedingten Fehler können
verschiedene, bereits S. 154—156 beschriebene Verfahren angewendet werden. Die
deutschen Versuchs-Stationen haben die Vorprüfung nach Kellner (S. 154 Anm. 1),
die Abscheidung der Kieselsäure durch Eindampfen mit Salzsäure und die Fällung
der kieselsäurefreien Lösung nach Böttcher (S. 153) vereinbart.

P. Wagner* 2 * *) dagegen schlägt, weil an sich jede Bestimmung doppelt ausgeführt
zu werden pflegt, folgenden Weg vor;

Jede zur Untersuchung kommende Thomasmehlprobe wird von zwei, nötigenfalls von
drei verschiedenen Chemikern untersucht, und zwar wie folgt:

Verfahren I. Der eine Chemiker bestimmt die Phosphorsäure unter genauer Ein-
haltung der S. 154 angegebenen Bedingungen durch Fällung mitEisen-Zitrat-Magnesia-
mixtur.

Verfahren II. Der zweite Chemiker bestimmt (selbstredend in einem anderen Teile
der Probe) die Phosphorsäure nach dem gleichen Fällungsverfahren, jedoch mit der Ab-
weichung, daß er

a)	nicht die Eisen-Zitrat-Magnesiamixtur, sondern die Zitrat-Magnesiamixtur ohne
Eisen verwendet, oder

b)	die Zitrat-Magnesiamixtur dem zitronensauren Phosphatauszug zufügt, die Mischung

3—5 Minuten stehen läßt und sie dann in den Rührapparat bringt.

Liegt ein Thomasmehl von normalem Kieselsäuregehalt vor. so deckt sich das bei
diesem Verfahren erhaltene Ergebnis mit dem bei Verfahren I erhaltenen. Liegt dagegen
ein Ausnahmefall vor, also ein ausnehmend kieselsäurereiches Thomasmehl, so wird beim
Verfahren II ein höheres und zwar unrichtiges Ergebnis erhalten. Der Ausnahmefall wird
also mit Sicherheit entdeckt und das betreffende Thomasmehl wird dann nicht nur nach
dem Verfahren I, sondern auch nach dem Molybdänverfahren oder dem Verfahren
Naumann (S. 155) oder einem anderen genauen Verfahren untersucht.

Verfahren III. Diejenigen zitronensauren Thomasmehlausztige, welche nicht normal
gefärbt sind, vielmehr durch holle Färbung sich bemerklich machen oder auch völlig farblos
sind, mithin als eisenarme oder eisenfreie Lösungen sich darstellen, werden einem dritten
Chemiker übergeben, der sie unter Anwendung des Molybdänverfahrens (S. 150) oder des
Verfahrens von Naumann (S. 155) oder von Wagner und Kunze (S. 155) untersucht.

Bei Schiedsuntersucbungen, welche die Bestimmung der zitronensäure-
löslichen Phosphorsäure in Thomasmehlen betreffen, ist nach einem Beschlüsse des
Verbandes landw. Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche8) die direkte Fällung

') Der Rotierapparat nebst Heißluft-Motor kann von Ehrhardt und Metzger in
Darmstadt oder anderen Mechanikern bezogen werden. Erstere Firma liefert auch passende,
gleichmäßig hergestellte !/2 1-Kolben mit Pfropfen und Blechhülse hierzu. Statt des genannten
Rotierapparates ist auch der von K. Müller in,Gebrauch, der mit einem Uhrwerk einge-
richtet ist und sich ganz genau auf die Umdrehungszahl einstellen läßt. Dieser Apparat
kann von der Großuhrenfabrik F. A. Beyer in Hildesheim bezogen werden.

2) P. Wagner, Die Bestimmung der zitronensäurelöslichen Phosphorsäure in

Thomasmehlen. Berlin 1903, 105.

s) Landw. Versuchs-Stationen 1901, 56, 30; 1902, 57, 7.
        <pb n="199" />
        ﻿Thomaephosphatmehl.

175

,r .	. .	,	nur Thomasphosphatmehle,

mit Magnesiamixtur anzuwenden. Auen sollen ;	__

_• i , i TT- i	„ ,i flT&gt; q n fl p r ft Dhosphorsäurenaltige Dünge-

nicht aber Knochenmehle oder anneie	°	,

mittel nach dem vonP. Wagner lediglich für d i eü n t e rsuchung von Th ° m as-

mehlen auf zitronensäurelösliche Phosphorsäure ausge	&gt; vo

■xr	tt	nntprsuent werden aunen.

er, an de a n g e n o mm e neu	er i	ThomaSphoSphatmehle unterscheiden

3.	Spezifisches Gewicht.	hillischem Eisen durch ein verschiedenes

sich nicht selten je nach dem Gehalt an metal ^	^ Ermittelung desselben

spezifisches Gewicht; es schwankt w&gt;n •,	- sch]ägt folgendes Verfahren

hm. wie bei .Zement“ (S. 117) erfolg...	",„«Lrt* in 50 eem-

nur Ern.itMlmig des spee,	f ™ M enlhalte.1 - hlnnngegeben,

Kölbchen gebracht, aus einer BUiette Alkohol	zur Marke aufgefüllt.

geschüttelt, um anhaftende Luft zu entferne,	nach cien Beschlüssen des

4.	Feinmehl. Die Bestimmung t '	. f0igt;8) 50 g Phosphatmehl

Verbandes landw. Versuchs-Stationen x. •	•	unter 20 cm Durchmesser

werden in einem Sieb, dessen Siebflaone nie

Flg. 26, Schüttelwerk zur

Bestimmung des Felnmehles des Thomasphosphatmehles.

^etr,igt und aus dem Drahtgewebe No. 100 von Amandus Kahl in Ham-
(glattes Gewebe) hergestellt ist, 15 Minuten lang mit der Hand
er einem geeigneten Schüttelwerk geschüttelt.4) Die Differenz: 50 g
IUs Gewicht des auf dem Sieb verbleibenden Rückstandes, gibt den Feinmehlgehalt.

Als Schüttelwerke für Thomasmehl sind verschiedene in A erschlag gebracht,
von M. Fleischer,5) A Stutzer«) u. a. AVir bedienen uns unter Anwendung der
emr!eSchriebenen Siebe mit Vorteil des von v. Weinzierl für Absieben von Kleeseide
SieT°hlenen&gt; hier abgebildeten Schüttelapparates,7) mit dem man gleichzeitig 2 Proben
wDeri kann. Derselbe läßt sich bequem mittels eines sogenannten Nähmaschinen-
assermotors oder auch eines kleinen Elektromotors statt mit der Hand treiben.
®ei Bestimmung des Feinmehlgehaltes kommen bisweilen iccht erhebliche
grenzen vor. Sie liegen einerseits in der Ungleichheit der Siebe — selbst das

J kandw. Versuchs-Stationen 1898, 50, 190.

J J^vat-Mitteilung.	or._

) Landw. Versuchs-Stationen 1888, 35, 8 und 1890, 38 30o.	,

kommen 16868 Verfahren ist auch vom V' intern- K°“g aüferewaudte Chemie au‘

2 2,1 beziehen von Aug. Fr. Weiland in Bremen
’	"	%	„ C. Gerhardt in Bonn,

7)

Lenoir

und Förster in Wien IV, Waaggasse No. 5.
        <pb n="200" />
        ﻿176	Künstliche Düngemittel.

von einer und derselben Fabrik bezogene Drahtnetz weist Ungleichheiten auf oder
verändert bezw. verstopft sich mit dem längeren Gebrauch, weshalb es öfters erneuert
werden soll —andererseits sind die Differenzen durch die Art des Siebens bedingt; bei
Maschinenbetrieb und vertikaler Bewegung findet man durchweg einen höheren
Gehalt an Feinmehl, als bei Handbetrieb und horizontaler Bewegung des Siebes.
Differenzen von einigen Prozenten sind daher nicht auffallend und kaum vermeidbar.

Enthält ein Schlackenmehl gröbere (hirsekorngroße) Schlackenstucke, so soll
man diese, wie schon S. 164 No. 8 erwähnt, durch ein 2 mm-Sieb vorher absieben und
getrennt in Rechnung bringen. Mitunter finden sich auch infolge eingedrungenen
Wassers Klümpchen im Thomasphosphatmehl, welche durch leichtes Zerdrücken oder
durch anhaltendes Sieben zu Staub zerfallen.

5.	Nachweis von Verfälschungen des Thomasphosphatmehles. Das Thomas-
phosphatmehl ist mehrfach, vorwiegend in England, mit Redonda-Phosphatmehl
und Präzipitaten von Eisen- und Tonerde-Phosphaten verfälscht worden; auch hat
man den Versuch gemacht, statt des Thomasmehles andere Mineralphosphate, so das
Atlasphosphat, belgisches Phosphatmehl usw., in den Handel zu bringen.
Die Verschiedenheit der chemischen Zusammensetzung erhellt z. B. aus folgenden
Zahlen:

	Thomas-	Redonda-	Atlas-
	phosphatmehl	phosphat	phosphat
	0/  Io	%	°/o
Phosphorsäure	  Davon in verdünnter Essigsäure (1 : 2 Vol. Wasser)	17,98	41,22	11,62
löslich		,		8,25	Spur	1,33
Eisenoxyd und Tonerde			17,10	28,72	12.80
Kalk		47,58	0,26	17,74
Davon löslich in verdünnter Essigsäure		37,31	Spur	2,62
Wasser		0,15	23,94	8,99
Spezifisches Gewicht		3,317	2,481	2,551.

Am sichersten zum Nachweis dieser Art Phosphate und auch der Präzipitate
kann dienen:

a)	Der Wassergehalt. Thomasphosphatmehl enthält nur Spuren Wasser, die
zur Verfälschung dienenden Phosphate dagegen enthalten nicht unbedeutende Mengen
Wasser, welches größtenteils schon bei 105—110° verflüchtigt wird. Zeigt daher
ein fragliches Phosphatmehl durch Trocknen bei 105—110° mehrere Prozente
Gewichtsverlust, so ist es verdächtig und einer weiteren Prüfung nach folgenden
Verfahren zu unterwerfen:

b)	Das spezifische Gewicht. Dasselbe ist bei Rcdonda- und Atlasphosphat,
ebenso bei den Präzipitaten, erheblich geringer als bei dem Thomasphosphatmehl,
dessen spezifisches Gewicht zwischen 3,00—3,33 zu liegen pflegt.

Bringt man daher in ähnlicher Weise wie bei der Bestimmung des Horn-
mehles in Knochenmehl nach S. 167, No. 5 die fraglichen Phosphatmehle in eine
Flüssigkeit von 2,6—2,7 spezifischem Gewicht, so findet eine Scheidung statt; das
Thomasphosphatmehl setzt sich zu Boden, während die leichteren Mineralphosphate
und Präzipitate sich an der Oberfläche der Flüssigkeit ansammeln; letztere können
dann abfiltriert und näher untersucht werden. Wendet man eine bestimmte Monge
des fraglichen Thomasphosphatmehles an, sammelt den obenauf schwimmenden Teil
auf einem Filter und wägt ihn nach dem Trocknen und schwachen Glühen, so läßt
sich auch annähernd die Menge der Beimengung bestimmen.

Die geeignetste Scheidungsflüssigkeit für den Zweck ist nach M. Märcker
das Bromoform, welches bei 14,5° ein spezifisches Gewicht von 2,775 besitzt.
        <pb n="201" />
        ﻿Phosphorite, Apatite, Koprolithe usw.

177

Nach Log-es1) ist Bromoform nur brauchbar zur Scheidung von Tonerdephosphaten,
versagt aber bei den Verfälschungen mit Phosphoritmehlen, da deren spezifisches
Gewicht nahe an 3,0 liegt; deshalb ist die Anwendung der S. 21 genannten Lösungen,
womit sich ein spezifisches Gewicht von 3,0 und mehr erreichen läßt, empfehlenswerter.

Handelt es sich um mit Kohlenstaub gefärbte Phosphoritmehle, so genügt das
Schütteln der Substanz mit Wasser, um Phosphoritmehl und Kohle zu trennen.

c)	Glühverlust Derselbe wird nur in wenigen Fällen Aufschluß geben,

da besonders längere Zeit den Witterungseinflttssen ausgesetzt gewesene Thomas-
mehle Karbonate enthalten.	,	,	, , _T ,

d)	Fluor. Über Verfälschungen mit Phosphoritmehlen gibt auch der Nach-
weis von Fluor Aufschluß. Derselbe erfolgt nach Ü. Böttcher*) m folgender
Weise: 10-15 g Substanz werden in ein 10 cm hohes und o-6 cm weites Becher-
glas gebracht, mit 15 ccm konzentrierter Schwefelsäure übergossen und darauf das
Becherglas mit einem Uhrglas bedeckt, an dessen unterer Seite ein Tropfen Wasser
hängt. Ist in dem Thomasmehl fluorhaltiges Phosphoritmehl v orhanden^ dann bildet
sich um den Wassertropfen ein weißer, schneeartiger Rand. Aach 5 Mi mten
dauernder Einwirkung sieht man meistens auch nach Reinigung des 1 hrghases die
durch die Flußsäure bewirkte Ätzung. Allerdings wollen Werth und Wagner

auch in Thomasmehlen schon Fluor nachgewiesen haben.

e) Nach Richter und Förster8) kann der Zusatz von Redondaphosphat zu
omasmehl dadurch nachgewiesen werden, daß man die Substanz mit kalter Natron-
Jauge schüttelt, filtriert, das Filtrat mit Salzsäure ansäuert und dann schwach
uuimoniakalisch macht; bei nur 5% Redondaphosphat entsteht ein starker gallert-
iger Niederschlag von phosphorsaurer Tonerde. Reines Thomasphosphatmehl
|lbt gar keinen oder nur einen ganz geringen Niederschlag, der sich in einem
erschuß von Essigsäure wieder löst.

b f) Mikroskopische Prüfung. Zur ersten Unterrichtung leistet die makro-
ezw- mikroskopische Prüfung des Grobmehles gute Dienste.

g) Löslichkeit. Da die Phosphorsäure der Phosphorite in der Wagner-
en Ammonzitratlösung (Lösung 13 b a) im Gegensatz zu der Thomasmehlphosphor-

etw6 W6nig oder S;ir nicht löslich ist’ S° Wird dieS6S Verfahren W°hl immer dne
Jge Verfälschung anzeigen.

VII.	Phosphorite, Apatite, Koprolithe usw.

Jrf |,	'• Phosphorsäure. 5 g der möglichst fein zerriebenen Masse werden in einem

Sben Ode,- in einer Porzellanschale - bei reichlich vorhandenen kohlensauren
Unter Bedeckung mit einem Uhrglase - mit Königswasser (3 Teile Salz-
G2e von l,i2 spezifischem Gewicht und 1 Teil Salpetersäure von 1,26 spezifischem
beS Cbt) entweder i/a Stunde gekocht oder im Wasserbade zur Trockne verdampft,
hS? Ahscheidung der Kieselsäure einige Zeit im Luftbade erwärmt, mit sa petersaure-
von -fn® Was«er aufgenommen, filtriert, das Filtrat auf 500 ccm gebracht und da-
behan(|^m entweder nach dem Molybdänverfahren (S. loO) oder Zitratve	(S■ o.)

«*r i	'«‘fac **?£££,	H

STS&gt;•“ —

2,	pfivat-Mitteilung.
a ^ mm-Zeitung 1894, 18. 565.

Land Mltteil d- D- Landw.-Gesellschaft 1890/91, 131.	^

Wirtschaftliche Stoffe, 3, Auflage.
        <pb n="202" />
        ﻿178	Künstliche Düngemittel.

fischem Gewicht 1/2 .Stunde stark gekocht, ahgekühlt, mit Wasser auf 500 ccm auf-
gefüllt, durch dichtes Filtrierpapier filtriert, 50 ccm des ganz klaren Filtrats an-
nähernd mit Ammoniak neutralisiert, mit 100 ccm Zitratlösung (nach M. Märcker
vergl. Lösung 12 b) versetzt, gekühlt und nach Zusatz von 25 ccm Magnesiamixtur
1/2 Stunde ausgerührt usw.

2.	Kohlensäure in 3—5 g Substanz wie hei Boden (S. 15) oder wie bei
Mergel (S. 102).

3.	Feuchtigkeit vergl. S. 136.

VIII.	Präzipitierte Phosphate.

1.	Gesamtphosphorsänre. 5 g Substanz werden in einem 1/2 Literkolben mit
Schwefelsäure oder Königswasser, bis Lösung erfolgt, gekocht, sodann abgekühlt,
zur Marke aufgefüllt, durch ein trockenes Filter filtriert und 50 ccm des Filtrates
nach dem Molybdän- (S. 150) oder Zitratverfahren (S. 152) behandelt. Nach
Th. Pfeiffer1) erhält man durch Lösen mit Salzsäure beim Fällen mit Magnesia-
mixtur den als Pyro- bezw. Metaphosphat vorhandenen Teil der Phosphorsäure,
welcher um so größer ist, je schärfer das Phosphat getrocknet wurde, nicht. In-
folgedessen hat der Verband landwirtschaftlicher Versuchs-Stationen
folgenden Antrag von Th. Pfeiffer angenommen;2) Es ist dahin zu wirken,
daß beim Verkauf von Präzipitaten eine Garantie für die in Form von
Dicalciumphosphat vorhandene (zitratlösliche) Phosphorsäure ge-
leistet wird.

2.	Zitratlösliche Phosphorsäure. Über die Bestimmung der zitratlöslichen Phos-
phorsäure nach P. Wagner vergl. S. 156 No. 4a, nach A. Petermann S. 156 No. 4b.

3.	Bestimmung von Eisenoxyd, Tonerde, Kalk usw. vergl. S. 160.

4.	Bestimmung des Arsengehaltes in für Fütteruugszwecke bestimmtem
Präzipitat, a) Qualitativer Nachweis. Zu diesem Zwecke sei das Gutzeit-
sche Verfahren wegen der sehr bequemen Ausführbarkeit empfohlen:

Man . bringt 1—2 g Substanz in ein größeres Probierglas, setzt etwa 1 g
chemisch reines Zink, sowie etwa 10 ccm schwach verdünnte, chemisch reine Salz-
säure hinzu, verschließt die Mündung lose mit einem Baumwollebausch (um spritzende
Flüssigkeitströpfchen zurückzuhalten) und deckt darüber ein mit kalt gesättigter
konzentrierter Silbernitratlösung getränktes Stückchen Filtrierpapier. Man läßt in
einem wenig belichteten Raume etwa 1 Stunde stehen; entsteht auf dem Filtrier-
papier ein gelber Fleck, so ist Arsen vorhanden.

Das Zink darf keine Spur Schwefelzink und ebensowenig wie die Salzsäure
Arsen enthalten, worüber man sich durch einen blinden Versuch Sicherheit verschafft.

b) Quantitative Bestimmung. 10—20 g Substanz werden nach den
Vereinbarungen im Kaiserl. Gesundheitsamt3) in einer Porzellanschale in der nötigen
Menge, nämlich in etwa 25 ccm reinster Salzsäure von 1,10—1,12 spezifischem Ge-
wicht und 75 ccm Wasser gelöst ; man setzt 0,5 g chlorsaures Kalium hinzu, bringt
auf ein Wasserbad, gibt, wenn die Flüssigkeit die Temperatur des Wasserbades
angenommen hat, von 6 zu 5 Minuten weitere kleine Mengen von chlorsaurem Kalium
hinzu, im ganzen etwa 2 g, und ersetzt dabei das verdunstete Wasser. Nach dem
Erkalten der Flüssigkeit wird filtriert, das erste Filtrat in einer Kochflasche erhitzt;
bis kein Chlorgoruch mehr wahrnehmbar ist, das Waschwasser dagegen für sich bis
auf etwa 50 ccm im Wasserbade verdunstet und dann beide Flüssigkeiten vereinigt-

*) Landw. Versuchs-Stationen 1896, 47, 357.

2)	Ebenda 1897, 4!», 29.

3)	Zeitschr. f. angew. Chemie 1888, 307.
        <pb n="203" />
        ﻿Präzipitierte Phosphate.

179

-We Gesamtmenge der Flüssigkeit soll das 8—10-fache \ olumen der angewendeten
Salzsäure, also 200—250 ccm betragen. In die auf 60—80° erwärmte Flüssigkeit
leitet man 3 Stunden lang, indem man sie auf dieser Temperatur erhält, reines, ge-
waschenes Schwefelwasserstoffgas in langsamem Strom ein, läßt 12 Stunden an einem
mäßig wannen Ort stehen, filtriert, wäscht mit schwefelwasserstoffhaltigem Wasser gut
aus, behandelt darauf noch feucht mit Schwefelammonium (etwa 4 ccm -f- 2 ccm
Ammoniakflüssigkeit von 0,96 spezifischem Gewicht + 15 ccm Wasser genügen) —,
wäscht mit schwefelararaoniumhaltigem Wasser nach, verdampft das gesamte Filtrat
in einem Porzellanschälchen (von etwa 6 ccm Durchmesser) zur Trockne, Ubergießt
den Rückstand mit etwa 3 ccm roter rauchender Salpetersäure, verdampft bei gelinder
arme und wiederholt nötigenfalls das Abdampfen mit rauchender Salpetersäure,
ins der Rückstand im feuchten Zustande gelb erscheint. Dei noch feuchte Rückstand
wird mit kohlensaurem Natrium alkalisch gemacht und mit 2 g eines Gemisches
von 3 Teilen reinster Soda und 1 Teil reinstem Natronsalpeter versetzt, getrocknet,
dann bis zum beginnenden Schmelzen erhitzt. Die Schmelze wird mit warmem
Nasser aufgenommen, die Lösung filtriert und mit so viel Salpetersäure versetzt,
daß die Flüssigkeit auch nach dem Austreiben der Kohlensäure durch Kochen deutlich
sa«er reagiert Die etwas eingeengte, klare (wenn nötig filtrierte) ganz erkaltete
Flüssigkeit wird mit einem gleichen Volumen Molybdänlösung (vergl unter Lösungen
No- 9 am Schluß) versetzt und 3 Stunden in der Kälte stehen gelassen Entsteht
gelbe Fällung (herrührend von Phosphorsäure durch ungenügendes Auswaschen
fes Schwefelarsens) so mul) filtriert werden. Das Filtrat oder die mit Molybdän-
osung versetzte klar gebliebene Flüssigkeit wird in einem Kölbchen auf dem V, asser-
)ade erhitzt, bis sich Molybdänsäure auszuscheiden beginnt, was meistens nach
^Minuten langem Erwärmen bei Siedehitze geschieht. Sodann wird filtriert, der
Rückstand auf dem Filter mit verdünnter Molybdänlösung (100 Teile Molybdänlosung,
20 Teile Salpetersäure von 1,2 spezifischem Gewicht und 80 Teile Wasser) ausgewaschen
111 verdünntem Ammoniak ( : 2), 2-4 ccm Ammoniak von 0,96 spezifischem Gewicht
**»8t, das Filtra t V Raumteil Alkohol versetzt und mit einigen ccm Magnesia-
t	nach einigem Stehen

Ammoniak ,1 Teil Ammoniak, 2 Teile Wasser und 1 Terl	^berTe ührt’

getrocknet und durch Glühen in pyroarsensaures Magnesium (Mg, As 0, HbMgtot
Man bringt zu dem Zweck den trocknen Niederschlag möglichst vollständig
in Pl- TT1S /AI üem /jWf	,	-+ „inpr Lösung von Ammoniumnitrat,

trocWUhrel^&gt; tränkt daS FiltC1’ 6ben,“v in eTnem Porzellantiegel. Nachdem
Erkauf eS.ulld verbrennt es dann vorsichtig	. gß -n den Tiegel; erhitzt zu.

-- ‘Ten gibt man den Niederschlag auf dem g . •« tjandbade weiter
'»i .3«- im Lnftbadc, dnh.il
stunden auf einer durch eine Flamme erhitzt	F

ber der Flamme.	noch feuchten Niederschlag von

ar„ esser verfährt man in folgender Weise.	■	--

. nsaurem Ammonmagnesium löst man durch Au i op
ö	.	.... einen

I

Zeit

ms einer Pipette
.	-pp,, gewogenen, genügend großen

S“ '“»glichst wenig warmer Salpetersäure in e&gt;	mit warmem Wasser nach;

F°rzellantiegei und Wäscht mehrmals m der eil	bade zur Trockne und glüht

dara“f verdampft man den Tiegelinhalt auf dem

ä “.«r» «is- '■

H. Pr"Ä’e^plieUt folge.** JJ**^*, «m »Werte
assende. tnhnlip.ftft "Retorte

eine

*/a 1 fa

tubulierte Retorte aus
‘■^ebl. d. 61 Vers. d. Naturforscher und Ärzte in

Köln 1889, 329.

12*
        <pb n="204" />
        ﻿180

Künstliche Düngemittel.

Salzsäure von 1,19 spezifischem Gewicht und dann, wenn sich das Präzipitat größten-
teils gelöst hat, 5 ccm einer kalt gesättigten Eisenchlorürlösung zugefilgt. Der im
stumpfen Winkel gebogene Hals der Retorte wird mit einem Kühler verbunden,
dessen Kühlrohr luftdicht in eine tubulierte Vorlage von 700—800 ccm Inhalt führt.
Letztere wird mit 20 ccm Wasser beschickt; sie befindet sich in einem mit Wasser
gefüllten Kühlgefäß und ist durch den Tubus noch mit einer 'etwas Wasser ent-
haltenden Peligotschen Röhre verbunden. Man destilliert, bis nur ein geringer
Rückstand in der Retorte verbleibt. Es gelingt so, den gesamten Ärsengehalt durch
eine Destillation in die Vorlage überzufUhren. In die aus der Vorlage und der
Peligotschen Röhre vereinigten Flüssigkeiten leitet man anfangs unter gelindem
Erwärmen, zuletzt in der Kälte Schwefelwasserstoff ein, läßt etwa 12 Stunden stehen,
filtriert, wäscht mit schwefelwasserstoffhaltigem Wasser, Alkohol, Schwefelkohlenstoff
und abermals mit Alkohol aus und wägt als „Arsentrisulfid“ (As.2Sa).

Es empfiehlt sich, das gewogene Schwefelarsen in Ammon und kohlensaurem
Ammon zu lösen. Bleibt dabei ein Rückstand von organischen Stoffen, so kann
das Schwefelarsen aus der ammoniakalischen Lösung nach Ansäuern mit Salzsäure
durch Einleiten von Schwefelwasserstoff in reinem Zustande abgeschieden und noch-
mals gewogen werden (1 Teil As2S3 = 0,609 Teilen As = 0,804 Teilen As208).

IX.	Superphosphate.

1.	Stickstoff. 1—1,5 g Substanz werden, wenn der Stickstoff in Form von
Ammoniak oder organischen Stoffen vorhanden ist, nach Kjeldahl (S. 136 bezw. 138)
verbrannt.

Enthalten die Superphosphate den Stickstoff zum Teil in Form von Salpeter-
säure, so verfährt man wie bei Peru-Guano (nach S. 169 bezw. S. 141).

Ist der Stickstoff ganz in Form von Salpetersäure vorhanden, so wird in
einem aliquoten Teil der für die Phosphorsäure-Bestimmung hergestellten Lösung
(No. 2a) der Stickstoff am besten nach K. Ulsch bestimmt (vergl. S. 142).

DieBestimmung des Ammoniak-Stickstoffs in Ammoniak-Superphos-
phaten und sonstigen Mischdüngern, in denen Stickstoff als Ammoniak
garantiert wird, ist nach einem Beschlüsse des Verbandes landwirt-
schaftlicher Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche1) in einem be-
stimmten Teil der Lösung, welche man durch Ausschütteln von 20 g
Substanz in einem Literkolben wie bei Bereitung der Superphosphat-
lösung gewinnt, mit Magnesia auszuführen.'2) Der so bestimmte Stick-
stoff ist als wasserlöslicher Ammoniak-Stickstoff zu bezeichnen.

Bei allen Superphosphaten, welche als Ammoniak-Superphos-
phate bezeichnet werden, ist in den Untersuchungs-Attesten nur der
Gehalt an Ammoniak-Stickstoff anzugeben, wenn nicht die Ermittelung
des Gesamt-Stickstoffs ausdrücklich verlangt worden ist.8)

2.	Wasserlösliche Phosphorsäure, a) Die Ausziehung der Superphos-
phate soll nach den Beschlüssen des Verbandes landw. Versuchs-Stationen in
folgender Weise geschehen:4) 20 g Superphosphat werden in eine Liter-
flasche gebracht, mit 800 ccm Wasser übergossen und 30 Minuten lang
fortwährend und kräftig geschüttelt. Sodann wird mit Wasser bis zur

J) Landw. Versuchs-Stationen 1899, 52, 81 und 1900, 54, 8.

a) Dieses Verfahren ist auch vom V. intern. Kongreß f. angew. Chemie angenommen-

3)	Landw. Versuchs-Stationen 1895, 45, 370.

4)	Ebenda 1890, 38, 284.
        <pb n="205" />
        ﻿Superphosphate.

181

Marke aufgeftillt, die ganze Flüssigkeit kräftig durchgeschüttelt und
filtriert.1)

Zur Ausschüttung bedient man sich besonderer Schüttelmaschinen die durch
Handbetrieb oder einen Motor bewegt werden. Als Norm für dm Schnelligkeit der
Bewegung werden 150 Touren in der Minute empfohlen.

Wir bedienen uns eines Schüttelapparates von untenstehender Form (Pig. 27), der nach
Art des von 0. Güssefeld*) angegebenen Apparates eingerichtet ist, sehr kräftig schüttelt
und mittels eines gewöhnlichen Wassermotors (am wirksamsten sind die sogenannten
Nähmasohinen-Motoren) bewegt werden kann.3)

b) Bestimmung der wasserlöslichen Phosphorsäure Sie wird am
besten gewichtsanalytisch nach dem Zitratverfahren (vergl. S 152) ausgeführt

Die sog. Doppelsuperphosphate enthalten neben freie Phosphorsaure
zuweilen größere Mengen Pyrophosphorsäure, welche sich der Fällung bezw. der

• diesen die wässerige Lösung

entziehen kenn; ee	.« «• T*

zunächst mit Salpetersäure gek(	.. re umzuwandeln, c

*J«ph.„h.r.wr. in	10 «» -uchende

Sendet dazu auf 25 ccm Lösung de

Salpetersäure"	'	Nach dem Beschlüsse des Verbandes land-

3. Zitratlösliche Phosphorsaure.	Reiche5) ist “ pePtermann

^rtschaftlicher Versuchs-Stationen i	Phosphor säure na	^

Pbaten der Gehalt an zitratlbshcher ^ z/ermitteln nnd mitzuteilen

S- 156 Ko. 4h) auf Verlangen ^^'eriöslicher und zitratloshchei
nicht die Gesamtmenge ^°n 'bezeichnen.

nosphorsäure als zitratlöshch zu	^ f augew, Chemie angenommen.

') Dieses Verfahren ist auch T" !!,	. .

а)	Zeitscbr. f. angew. Chemie 1b i u n ff in Leipzig ge 16
;&gt; Apparat wird ... I*. f"f

) Landw.»Versuchs-Stationen 18	&gt;

б)	Ebenda 1897, 40. 60.

Fig. 27.

SchUttelvon-ichtung für Superphosphate.
        <pb n="206" />
        ﻿182

Künstliche Düngemittel.

Anmerkung. Wenn man in Superphosphateu wasserlösliche und in Ammoniumzitrat
lösliche Phosphorsäure in einer Behandlung bestimmen will, dann muß man selbstverständlich
ein ammoniakalisches Ammoniumzitrat anwenden, weil sonst die freie Phosphorsäure das
zitronensaure Ammoniak zersetzen und Zitronensäure frei machen, diese aber unaufge-
schlossenes 3-basisches phosphorsaures Calcium auflösen würde.

4.	Gesamtphosphorsäure. 5 g Substanz werden wie bei Phosphaten usw.
(vergl. S. 177) mit Königswasser oder dem Gemisch von rauchender Salpetersäure
und Schwefelsäure ausgekocht und die Phosphorsäure nach dem Molybdän- oder
Zitratverfahren bestimmt.x)

Bei Bestimmung der Gesamtphosphorsäure darf die organische Substanz nie durch
Veraschen zerstört werden, weil sich dadurch aus dem einfach phosphorsauren Calcium
teilweise pyrophosphorsaures Calcium bildet, das unter Umständen nicht oder nur schwer
wieder in Lösung zu bringen ist.

5.	Fluor (vergl. S. 163).

6.	Feuchtigkeit (vergl. S. 136).

X.	Salpeter.

a)	Chilisalpeter (Natronsalpeter).

1.	Stickstoff. Nach dem Beschlüsse der Verbandes landw. Versuchs-Stationen
i. D. R.* 2) ist der Stickstoff nach einem direkten Verfahren zu bestimmen;
gestattet sind die Verfahren von Kühn-Böttcher,3 4) Ulsch, Jodlbaur,
Förster und Schlösing-Grandeau.1)

Das Jodlbaursche Verfahren ist in der bisherigen Ausarbeitung weniger em-
pfehlenswert.

Man löst 20 g Substanz in einem Liter Wasser und verfährt mit 25 ccm
dieser Lösung nach einem der S. 144—147 angegebenen Verfahren.

2.	Feuchtigkeit. Von dem zerriebenen, gut durcheinandergemischten Salpeter
werden 5—10 g in einem geräumigen Platintiegel über einer ganz kleinen
Flamme vorsichtig erwärmt, so daß der Salpeter eben schmilzt. Man läßt im
Exsikkator erkalten und wägt. Das Erwärmen wird bei gleicher Temperatur wieder-
holt, bis keine Gewichtsabnahme mehr stattfindet.

3.	Sand und organische Stoffe. 20 g des zerriebenen Salzes werden in
heißem Wasser gelöst, die Lösung durch ein vorher bei 110° getrocknetes und
gewogenes Filter in eine Literflasche filtriert, mit heißem Wasser vollständig aus-
gewaschen, das Filter mit dem Rückstand wieder bei 110° getrocknet und gewogen,
schließlich verbrannt und wieder gewogen. Die erste Wägung gibt Sand + organische
Substanz, die zweite Wägung, abzüglich der Filterasche, den Sandgehalt allein an.
Das Filtrat wird auf 1000 ccm gebracht.

4.	Schwefelsäure. 200 ccm des nach 3. erhaltenen Filtrates werden mit
Salpetersäure angesäuert und mit Baryumnitrat gefällt. Man läßt längere Zeit

- bis 12 Stunden — in der Wärme stehen, weil sich der Niederschlag von Baryum-
sulfat nur langsam bildet.

J) Dieses Verfahren ist auch vom V. intern. Kougreß f. angew. Chemie angenommen.

2)	Landw. Versuchs-Stationen 1893, 43, 325 und 1845, 45, 343.

3)	Die Reduktion der Salpetersäure mit Zink-Eisenpulver in alkalischer Lösung unter
Zusatz von Spiritus ist vielfach als das Verfahren von Kühn-Böttcher bezeichnet. Verf-
hat das Verfahren aber weit eher, nämlich schon in der 1. Auflage seiner Nahrungsmittel-
chemie 1878, beschrieben.

4)	Diese Verfahren sind auch vom V. intern. Kongreß f. angew. Chemie angenommen.
        <pb n="207" />
        ﻿Chili- oder Natronsalpeter.

183

5. Chlor. 50—100 ccm des obigen Filtrates werden mit Salpetersäure ungesäuert,
mit salpetersaurem Silber in der Kochhitze gefällt und so lange im Kochen erhalten, bis
sich das Chlorsilber fest zusammengeballt hat, sodann rasch filtriert, ausgewaschen,
im Porzellantiegel unter Beobachtung der nötigen Vorsichtsmaßregeln geglüht und
das Chlorsilber gewogen; auch kann das Chlor in der neutralen Lösung durch einge-
stellte 1/10-NormalsilberIösung, unter Anwendung von neutralem, chromsaurem Kalium
als Indikator oder in saurer Lösung nach J. Volhard maßanalytisch bestimmt werden.

(&gt;. Kalk und Magnesia. In 500 ccm obiger Lösung wird der Kalk wie üblich
durch oxalsaures Ammon, die Magnesia durch phosphorsaures Natrium gefällt.

7. Natron. Das Natron ergibt sich entweder durch Rechnung oder auf die
Weise, daß man 100 ccm obiger Lösung mit Schwefelsäure versetzt, zur Trockne
eindampft, den Rückstand glüht, alsdann ein wenig trocknes kohlensaures Ammon
in den Tiegel gibt, im bedeckten Tiegel nochmals glüht und diese Behandlung mehr-
mals wiederholt, bis das Gewicht des geglühten Rückstandes gleich bleibt. Aus
dem nach Abzug des schwefelsauren Calciums und Magnesiums verbleibenden
Schwefelsäuren Natrium wird durch Multiplikation mit 0,437 die Menge des Natrons

berechnet.

Über die etwaige Gegenwart einer größeren oder geringeren Menge von Kali im
Chilisalpeter erhält man annähernd Aufschluß, wenn man den Rückstand der schwefel-
sauren Salze in Wasser unter Zusatz von etwas Salzsäure auflöst und in der Lösung mit
Chlorbaryum die Schwefelsäure genau bestimmt. Es wird von der Gesamtmenge der
schwefelsauren Salze zunächst das vorhandene Schwefelsäure Calcium und Magnesium ab-
gezogen und dann das Schwefelsäure Kalium und Natrium nach folgender Formel berechnet;

S-(Ax0,45919). K = A_N
1 -	0,10419

A bedeutet die Gesamtmenge der schwefelsauren Alkalien, S die an Alkalien ge-
bundene Schwefelsäure, N die Menge des Schwefelsäuren Natriums und K die des schwefel-
8auren Kaliums.

Bei den im Chilisalpeter vorhandenen geringen Mengen Kali ist dieses Verfahren
Jndoch sehr ungenau.	..	,

8. Nachweis und Bestimmung von Perchlorat in Salpeter. . . jo ( iua

ha* in einem Chilisalpeter, der schädliche Wirkungen auf Pflanzen geäußert hatte,
Ursache dieser schädlichen Wirkung Perchlorat erkannt, das schon in geringen

Mengen schädlich für Pflanzen wirkt.	,	,	,

„ Zum qualitativen Nachweis*) löst man 100 g Salpeter m */, oder 1 1
^ asser, versetzt einen aliquoten Teil der Lösung mit feuchtem Silberoxyd im Uber-
S(*uö, filtriert, verdampft das Filtrat zur Trockne, glüht, nimmt den Glührückstand
mit heißem Wasser auf und setzt nach dem Ansäuern mit Salpetersäure SMatomg
Wenn Perchlorat vorhanden ist, so entsteht ein Niederschlag von Chlorsilber..
„ , Erck-3) löst für den Zweck 100 g Salpeter in 80 ccm Wasser, setzt 7 ccm
Salpetersäure und 8 ccm 92prozentigen Weingeist zu und kocht 5 Minuten. Unter
Entwickelung von salpetrigen und aldehydartig riechenden Dampfen wird alles
Form von Chloriden und Chloraten vorhandene Chlor verflüchtigt. Gibt eine
^ohe der gekochten Lösung mit Silbernitrat noch eine Chlorreaktion, so muß noch
!‘ehr Salpetersäure und Weingeist zugesetzt und weiter gekocht werden. Die
^ Chloriden und Chloraten befreite Lösung wird dann mit chlorireiem Natrium-
harbonat oder -bikarbonat im Überschuß versetzt, in einer Platmschale zur Trockne

J) Chem.-Zeitung 1896, 20, 1002.
2) Ebenda, 1897, 21, 44.

8) Ebenda 1897, 21, 10.
        <pb n="208" />
        ﻿184

Künstliche Düngemittel.

verdampft, geglüht und der Glührückstand, wie vorhin angegeben, mit Silberlösung
geprüft. Dieses Verfahren hat vor dem Sjollemaschen keine Vorzüge, ist aber
umständlicher.

Fresenius und Bayerlein1) weisen nach dem Verfahren von M. van
Brenkeleveen durch Überführung des Perchlorats in Rubidiumperchlorat das
Perchlorat qualitativ nach.

Zur quantitativen Bestimmung wird zunächst in einer wässerigen Lösung
des Salpeters das als Chlorid vorhandene Chlor bestimmt; eine weitere gewogene
Probe Salpeter wird unter Zusatz von wenig Alkalihydrat oder Alkalikarbonat
(Loges2)) oder Natriumkarbonat (Förster8)) oder gebranntem Kalk. Kalkhydrat
oder Calciumkarbonat (Blattner und Bresseur4)) oder Pyrolusit (C. Gilbert5 6))
bis zur Dunkelrotgluthitze geglüht und in dem Glührückstande das Chlor bestimmt.
Der Mehrgehalt an Chlor nach dem Glühen gibt das als Chlorat und Perchlorat
vorhandene Chlor an. Bei der gesonderten Bestimmung des Chlorates verfährt
Loges2) wie folgt: 5 g Salpeter werden mit 10 g ausgewaschenem, chlorfreiem
Zinkstaub und 150 ccm einer 1 °/0igen Essigsäurelösung eine halbe Stunde schwach
gekocht; darauf wird filtriert und in dem Filtrat Chlor als Chlorid und Chlorat
bestimmt.

Der Verband landwirtschaftlicher Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche hat
beschlossen,0) von einer gesonderten Bestimmung des Chlorates neben Perchlorat
im Chilisalpeter abzusehen, vielmehr das Chlor in diesen beiden Verbindungsformen
zusammen zu bestimmen.

1 Teil CI ist = 2,805 Teilen CI 04 = 3,455 Teilen NaC104.

Bezüglich des zulässigen Gehaltes an Perchlorat usw. hat der Verband landw.
Versuchs-Stationen i. D. R. beschlossen:

1.	Nach neueren Beobachtungen müssen Salpeter schon mit einem Gehalt von l°/0
Perchlorat unbedingt als gefährlich und bedenklich bezeichnet werden, namentlich in ihrer
Anwendung zu Roggen, Gerste, Weizen und auch Hafer. In sauren Moorböden, namentlich
zu Roggen, sind Salpeter schon mit %u/o Perchlorat als gefährlich zu bezeichnen.

2.	Die sogenannte Perchloratklausel der Hamburger Salpeterhändler, nach welcher
bis zu 3/4°/o Perchlorat nach dem indirekten Verfahren mit zu bezahlen, ein höherer
Perchloratgehalt zwar entschädigungspflichtig sei, aber nicht zur Ablehnung eines solchen
Salpeters berechtige, ist vollkommen unannehmbar und überhaupt nicht in Betracht zu ziehen.

3.	Es ist immer wieder hervorzuheben, daß die Hamburger Durchsohnitts-Schiffs-Analyse
nach dem indirekten (Differenz-) Verfahren in keiner Weise den Landwirten die notwendige
Gewähr für die Lieferung eines vollwertigen Salpeters bietet. Eine solche ist vielmehr
nur in der direkten Stickstoffbestimmung der Teilladungen gegeben.

b)	Kalisalpeter.

Stickstoff, Feuchtigkeit, Chlor, Schwefelsäure, Kalk, Magnesia
und Sand werden wie bei Chilisalpeter bestimmt.

Kali. 10 g Salpeter werden in 1 1 Wasser gelöst und 25 ccm davon zur
Bestimmung des .Kalis nach S. 157 verwendet, wobei zur Zerstörung der Salpeter-

’) Zeitschr. f. anal. Chem. 1898, 37, 501.

2)	Landw. Versuchs-Stationen 1898, 50, 39.

3)	Chem.-Zeitung 1898, 22, 357.

4)	Ebenda 1898, 22, 589.

8) C. Gilbert, Methoden zur Bestimmung des Perchlorates. Tübingen, Verlag
v. Franz Pietzker, 1899.

6) Landw. Versuchs-Stationen 1898, 50, 36.
        <pb n="209" />
        ﻿Arnmoniaksalz; Solrwefelsaures Ammon. — Superphosphatgips, Phosphatgips, Gips. 185

säure wiederholt vorsichtig mit Oxalsäure zur Trockne verdampft und abgeglüht
werden muß. Man kann auch das salpetersaure Kalium durch wiederholtes Ab-
dampfen der Lösung mit Salzsäure in Chlorkalium überführen, Schwefelsäure durch
Chlorbaryum ausfällen, mit Ammon und kohlensaurem Ammon versetzen usw. Ist
gleichzeitig das Natron zu bestimmen, so wird die Gesamtmenge der Chloralkalien
vorher gewogen, diese mit Platinchlorid eingedunstet und Kali und Natron wie
üblich bestimmt und berechnet (S. 29).

XI.	Ammoniaksalz; Schwefelsaures Ammon.

1. Stickstoff. Der Verband landw. Versuchs-Stationen i. D. R. schreibt1) für die
Bestimmung des Ammoniak-Stickstoffs in Ammoniaksalzen und Mischungen dieser Salze
mit Superphosphaten bezw. anderen Stoffen Auskochen von 1 g Substanz mit 3 g
möglichst kohlensäurefreier Magnesia vor.'1)

Zweckmäßig werden 10 g Substanz in 1 1 Wasser gelöst, davon 100 ccm in
einen 500—600 ccm-Kolben gebracht, mit 50 ccm WTasser verdünnt, mit 3 g fnsc
gebrannter, kohlensäurefreier Magnesia versetzt und das Ammoniak abdestillier .
Dieses ist erreicht, wenn von den 150 ccm etwa 100 ccm abdestilliert sind. Bei
Anwendung von 100 ccm der Lösung = 1 g Substanz müssen 20 ccm Normal-
schwefelsäure vorgelegt werden.

t	Eine wässerige Lösung des Salzes

wird mit einigen Tropfen Salzsäure und darauf mit Lisenchlorid versetzt Bei
Gegenwart von Rhodanverbindungen entsteht eine mehl■oAevweniger^rote Färbung
.. Quantitativ läßt sich der BhodangeMt	£££

Losung mit Silbernitrat fallt, filtneit. den N •	« Rückstand mit Salzsäure

schmilzt, die Schmelze mit Salpetersäure eindampft den Rückstand m b

„„4 i„ der L«.g die	”1« dS	“ Bh.d».,

erfundenen Menge SchwefelsMre Jereehnet sieh	„SIUziehen „„j

H- Off ermann3) empfiehlt 5 g Substanz	Hn.ptrisch oder maßanalytisch

ln. dem alkoholischen Auszug das Rhodan entwe er	^ dem Augzug nach

Mittels Silherlösung oder durch Bestimmung	, mit Brom u)1(i Bestimmung

Kjeldahl oder durch Oxydation des Abdampfruckstandes mit Bronn«	*

der Schwefelsäure zu ermitteln. Gefundener Stickstoff x 4,

Gefundenes BaS04 x 0,498 = Rhodan (CNS).

XII,	Supdrphospha.gipj,	R «4,.

Diese drei Düngemittel dienen als Bin	ß aug ejnem viel kohlensaures

Superphosphatgips ist ein mit Sc we e^	^ enthäR neben viel Gips

Calcium enthaltenden Phosphat hergestelltes Erz g

einige Prozente (5—7 %) lösliche Phosphorsäure^ ^enen Rückstände von der
Unter Phosphatgips versteht man ch b ! Gips einige Prozente (2—4%)
Loppel-Superphosphat-Herstellung; er enthalt neben tni

Unlösliche Phosphorsäure.	. einfaches Zerkleinern des in der

Der Einstreugips dagegen wird 111 durchweg aus reinem Calcium-
f; ur vorkommenden Gipses gewonnen 1111(1 De; kohicnsaure Erden beigemengt,
sulfat + Kristallwasser. Mitunter sind Sand oder ^	^

0 Landw. Versuchs-Stationen 1897 49 15 und J 50	• chemie angen0mmen.

2)	Dieses Verfahren ist auch vom V mt ^ Konf	507.

3)	Biedermann, Centralbl. f. Agrikultur-Chemie
        <pb n="210" />
        ﻿186

Künstliche Düngemittel.

1.	Freie Phosphorsäure (vergl. S. 148).

2.	Wasserlösliche Phosphorsäre wie bei Superphosphat (S. 180).

3.	(Sesamtphosphorsäure ebenso wie bei Superphosphat (S. 182). Differenz
zwischen Gesamt- und wasserlöslicher Phosphorsäure gibt die unlösliche Phos-
phorsäure.

4.	Schwefelsäure, Kalk und Magnesia. 5 g Substanz werden mit verdünnter
Salzsäure gekocht, in einen Literkolben filtriert, mit heißem, salzsäurehaltigem
Wasser bis zu 1 1 ausgewaschen bezw. aufgefüllt, in 100 ccm des Filtrats die
Schwefelsäure und in 50 ccm Kalk und Magnesia bestimmt.

Enthält die Lösung, wie bei dem Phosphatgips, gleichzeitig Eisenoxyd und
Tonerde, so werden diese nach dem Abstumpfen der Salzsäure wie bei Boden (S. 24)
erst mit essigsaurem Natrium abgeschieden, in der essigsauren Lösung der Kalk
durch oxalsaures Ammon und im Filtrat hiervon die Magnesia durch phosphor-
saures Natrium gefällt.

Bei Einstreugips kann man auch 1- 2 g der fein gepulverten Substanz
durch anhaltendes Kochen mit einer Lösung von kohlensaurem Kalium — kohlen-
saures Natrium ist nicht so gut — zerlegen oder noch zweckmäßiger mit 4—6
Teilen kohlensaurem Natriumkalium im Platintiegel zusammenschmelzen und die
Schmelze, indem man Tiegel mit Inhalt in ein Becherglas oder in eine Porzellan-
schale bringt, mit Wasser behandeln. Die Flüssigkeit wird einige Zeit bis zur voll-
ständigen Auflösung der schwefelsauren und kohlensauren Alkalien gekocht, heiß
filtriert, der Rückstand mit ammoniak- und ammoniumkarbonathaltigem Wasser aus-
gewaschen, das Filtrat auf ein bestimmtes Volumen (etwa 200 ccm) gebracht und im
Filtrat die Schwefelsäure bestimmt, indem man die Lösung unter Bedecken des Becher-
glases mit Salzsäure ansäuert und mit Chlorbaryum versetzt. Den Filterrückstand
von der Schmelzelösung kann man, wenn er nur aus kohlensaurem Calcium besteht,
direkt anhaltend glühen und als Kalk wägen. Ist auch auf Tonerde, Eisenoxyd und
Magnesia Rücksicht zu nehmen, so löst man unter Bedecken des Trichters den
Niederschlag vom Filter mit salzsäurehaltigem Wasser, oxydiert, versetzt mit
Ammoniak, fällt im Filtrat, wie üblich, erst den Kalk und dann die Magnesia.

5.	Saud und Unlösliches. Der Filterrückstand von der Auflösung von 5 g
in salzsäurehaltigem Wasser wird nach dem Trocknen geglüht und als Sand +
Unlösliches gewogen.

6.	Feuchtigkeit. Vergl. S. 136.

XIII.	Kalisalze, Kochsalz und Viehsalz.

1.	Feuchtigkeit. Der Verband landwirtschaftlicher Versuchs-Stati-
onen im Deutschen Reiche hat für die Wasserbestimmung in Kalisalzen
folgendes Verfahren vereinbart:1)

„10 g der Probe werden im bedeckten Platintiegel über kleiner
Flamme etwa 10 Minuten hei dunkeier Rotglut erhitzt. Bei chlor-
magnesiumhaltigen Salzen ist die Probe mit frisch ausgeglühtem Ätz-
kalk zu überschichten.“

Beim Beginn des Erhitzens wird man zweckmäßig die Flamme sehr vor-
sichtig unter dem Tiegel hin und her bewegen und erst nach dem Aufhören des
Knisterns ständig mit kleiner Flamme bis zur Gewichtsbeständigkeit glühen.

Falls organische Stoffe, z. B. wie bei dem mit Wermutkraut denaturierten
Viehsalz oder in Torf-Kainit vorhanden sein sollten, so bestimmt man den

*) Landw. Versuchs-Stationen 1892, 42, 172.
        <pb n="211" />
        ﻿Kalisalz, Kochsalz und Viehsalz.

187

Feuchtigkeitsgehalt durch anhaltendes Trocknen bei 140—150° bis zur Gewichts-
heständigkeit.

2. Alkalien (Kall und Natron). Nach den Beschlüssen des 1 erbandes
landwirtschaftlicher Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche1) soll
zur Bestimmung des Kalis in den Staßfurt er Kalisalzen nur
Wasser zur Lösung angewendet werden. Das abgekürzte Verfahren,
wie es nachstehend angegeben wird, wird als Verbandsverfahren ange-
nommen, doch ist der Kaliumplatinchlorid-Niederschlag durch Auf-
lösen usw. von seinen Verunreinigungen zu befreien.

Die Untersuchung kann nach einem der folgenden drei Verfahren ausgeführt
werden:

^ 10 F deS (lurch ein 1 mm-Sieb gebrachten Kalisalzes werden mit 400 ccm
asser */4 Stunde gekocht, nach dem Abkühlen auf 500 ccm aufgefüllt und von
&lt; ieser Lösung aliquote Teile (25 oder 50 ccm) zur Bestimmung verwendet. Sie
" erden zuerst durch Fällen mit Chlorbaryum von Schwefelsäure befreit und weiter
wje bei Kalibestimmung (S. 137 bezw. 29) mit Ammoniak, kohlensaurem Ammon,
Dxalsäure usw. behandelt.

b)	Bei Kainit und Chlorkaliumsalzen, welche neben Chloriden nur wenig
Schwefelsäure Salze enthalten, kann man das Kali auch in abgekürzter Weise bestimmen,
w-Müller2) verfährt dabei in folgender Weise: 250 com des Filtrates der wässerigen
Lösung (10 g auf 500 ccm) werden im 500 ccm-Kolben nach Zusatz von 10 ccm

alzsäure mit kalifreier Chlorbaryumlösung unter Vermeidung eines größeren Über-
schusses gekocht, nach dem Erkalten aufgefüllt und filtriert. Vom Filtrat werden
. cct|i = 1 g Substanz in einer Porzellanschale auf ein Volumen von etwa 20 ccm
eingeengt, sodann mit 10 ccm Platinchlorid = 1 g Platin versetzt und zur Trockne
Ungedämpft. Die erkaltete Masse wird mit einigen Tropfen Wasser angefeuchtet,
80°/0-ig-em Alkohol übergossen, mit dem Pistill fein zerrieben und mindestens
Minuten stehen gelassen; sodann wird filtriert, das Kaliumplatinchlorid mit
, 0/o-igem Alkohol ausgewaschen und der Rückstand getrocknet. Das Kaliumplatin-
c lorid wird in eine gewogene Platinschale gebracht, das Filter mit kochendem Wasser
ausgewaschen, das Waschwasser zum Salz hinzugefügt und auf dem Wasserbade zur
Irockne eingedampft; schließlich wird bei 130° bis zur Gewichtsbeständigkeit ge-
8o°oknet’ 0(^er ^as Kalinmplatinchlorid wird im Go och sehen Tiegel gesammelt, mit
, /o'igem Alkohol ausgewaschen, getrocknet und gewogen, hierauf das Kaliumplatin-
„ l°rid mit heißem Wasser ausgewaschen und der Tiegel nach dem Trocknen

^urückgewogen.

c)	Bestimmung des Kalis mit Überchlorsäure (vergl. S. 159).

p 3- Schwefelsäure. Sie wird in 50 ccm der nach 2 a erhaltenen Lösung durch

a en mit Chlorbaryum bestimmt.

l0 4. Chlor. Zu dieser Bestimmung bereitet man eine wässerige Lösung, etwa
S ZU 1000 ccm&gt; und bestimmt in einem aliquoten Teil das Chlor durch Titration
jü 1/ioNormal-Silbernitratlösung unter Zusatz von einigen Tropfen einer 10%-igen
°sung von neutralem chromsaurem Kalium als Indikator.

S. Der in Säure unlösliche Rückstand (Ton. Sand, Torf, etwaiges Wermut-
w Ver Lei Viehsalz). Zur Bestimmung des in Säuren unlöslichen Rückstandes
ein 611 50 g mit warmer verdünnter Salzsäure behandelt, vom Unlöslichen durch
1 vorher getrocknetes und gewogenes Filter abfiltriert, der Rückstand samt Filter

J Landw. 'Versuchs-Stationen 1898, 49, 11 und 1898, 50, 159.

1 Ebenda 1898, 49, 7.
        <pb n="212" />
        ﻿188

Künstliche Düngemittel.

bei 100° getrocknet und gewogen, nötigenfalls weiter eingeäschert und wieder ge-
wogen, um die unlöslichen Mineralstoffe (Sand usw.) zu finden.

6.	Kalk und Magnesia. 10 g oder je nach dem Gehalt eine kleinere oder
größere Menge werden in verdünnter Salzsäure gelöst, ammoniakalisch gemacht,
sodann der Kalk mit oxalsaurem Ammon gefällt, filtriert, im Gebläse geglüht und
als Calciumoxyd gewogen.

Im Filtrat wird mit phosphorsaurem Natrium die Magnesia gefällt, ein Drittel
des Flüssigkeitsvolumens 10°/0-iges Ammoniak zugesetzt, nach 12 Stunden filtriert,
der Niederschlag im Gebläse geglüht und als pyrophosphorsaures Magnesium gewogen.

XIV.	Düngergemische.

(Ammoniak-Superphosphate, Salpeter-Superphosphate, Kali-Super-
phosphate, Kali-Ammoniak-Super phosphate.)

1.	Stickstoff. Der Gesamtstickstoff wird bei Gegenwart von Nitraten wie
bei dem rohen Peru-Guano (S. 169), nach Jodlbaur bezw. nach Förster (S. 141)
bestimmt. Liegen reine Ammoniak-Salpeter-Mischungen vor, so kann man erst das
Ammoniak nach S. 142 und die Salpetersäure nach Schlösing-Wagner usw.
(S. 144 u. ff.) bestimmen.

Nach einem der S. 145 u. f. angegebenen Reduktions-Verfahren kann man, wenn
nicht Ammoniak- und Salpeter-Stickstoff getrennt bestimmt werden sollen, die beiden
Bestimmungen vereinigen, indem man zunächst reduziert und darauf das fertige und
gebildete Ammoniak abdestilliert. Man erhält auf diese Weise Ammoniak-+ Salpeter-
Stickstoff.

Ist der Stickstoff in Form von Ammoniak, Salpetersäure und organischen
Verbindungen vorhanden und sollen alle 3 Formen getrennt bestimmt werden, so
verfährt man wie folgt:

2—3 g Substanz (je nach Gehalt) werden mit etwa 25 ccm Wasser ungerührt,
auf ein Filter (von schwedischem Filtrierpapier) gespült, in einen Kolben von
200 ccm ausgewaschen und der hinreichend ausgewaschene Rückstand direkt samt
Filter nach Kjeldahl verbrannt; er ergibt den unlöslichen organischen Stickstoff.
Das Filtrat wird auf 200 ccm auf gefüllt, die Hälfte davon (= 100 ccm) in einem
500—600 ccm-Kolben nach Verdünnen mit 50 ccm Wasser mit etwa 20 g Kalihydrat
und einigen Körnchen übermangansaurem Kalium versetzt, der Kolben wie in
Fig. 20 (S. 139) rasch mit einer titrierte Schwefelsäure enthaltenden Vorlage ver-
bunden und nach Lösen des Kalihydrats erhitzt, bis etwa 100 ccm abdestilliert sind.
Man titriert die vorgelegte Schwefelsäure und erhält so Ammoniak- (+etwa in
geringer Menge vorhandenen gelösten organischen) Stickstoff.

Der Kolbeninhalt, welcher von hinreichend zugesetztem Kaliumpermanganat
noch grünlich gefärbt sein muß, wird erkalten gelassen, mit 50 ccm Wasser ver-
dünnt, dann nach S. 145 mit 75 ccm Alkohol und je 8—10 g Zink-Eisenstaub ver-
setzt, wieder mit einer neu beschickten, titrierte Schwefelsäure enthaltenden Vor-
lage verbunden, 3—4 Stunden stehen gelassen und wie bei Salpeter-Bestimmungen
S, 145 destilliert. Durch Titration der vorgelegten Schwefelsäure erhält man den
Salpeter säure-Stickst off.

2.	riiosphorsäure. Die lösliche, zitratlösliche und Gesamtphosphorsäure wird
wie in den Superphosphaten (S. 180 u. f.) bestimmt.

3.	Kali. 20 g Substanz werden in einer Porzellanschale mit etwa 200 ccm
Wasser zum Sieden erhitzt, dann absitzen gelassen, in einen Literkolben abgegossen
und der Rückstand nochmals mit 200 ccm Wasser gekocht. Man spült alsdann das
        <pb n="213" />
        ﻿Berechnung des Mindergeldwertes der Düngemittel bei Mindergehalt.

189

Ganze in den Literkolben, läßt erkalten, füllt bis zur Marke mit Wasser auf,
schüttelt um und filtriert durch ein trocknes Filter. Von dem Filtrate verwendet
man 50—100 ccm zur Bestimmung des Kalis nach S. 157.

4. Feuchtigkeit. Vergl. S. 136.

Berechnung des Mindergeldwertes der Düngemittel bei
Mindergehalt.

Die Berechnung des Mindergeldwertes der Düngemittel bei Mindergehalt richtet
sich in erster Linie nach den mit dem Lieferer getroffenen Vereinbarungen, Hierbei sind
mehrere Fälle zu berücksichtigen.

1.	Fall. Am richtigsten ist es, für die zu liefernden einzelnen Diingerbestandteile
(Stickstoff, lösliche Phosphorsäure, Kali usw.) einen festen Preis für je 1 kg zu vereinbaren
und die Düngemittel nach dem wirklich gelieferten und jedesmal ermittelten Gehalt zu
bezahlen, indem mau letzteren einfach mit dem vereinbarten Grundpreis multipliziert. So
wird es auch schon vielfach bei Massenlieferungen an größere Verbände gehandhabt. Man
bestellt Düngemittel von annähernd z. B. 7 % Stickstoff und 9 % löslicher Phosphorsäure
mit einem Grundpreise von z. B. 1,20 M. für l kg Stickstoff und 0,40 M. für 1 kg lösliche,
d. h. wasserlösliche Phosphorsäure, ermittelt jedesmal nach einer guten Durchschnittsprobe
den Gehalt, multipliziert letzteren mit den vereinbarten Preisen und bezahlt darnach. Sind
im vorstehenden Falle z. B. 6,72 % Stickstoff und 9.43 % lösliche Phosphorsäure gefunden
■worden, so werden bezahlt:

für Stickstoff.............

„ lösliche Phosphorsäure

6,72 x 1,20 =
9,43 x 0,40 =

8,06 M.,
3,77 „

Summa; 11,83 M.,

11,83 M. tür 1 dz. =-100 kg.	aj,er njcht überall durchführen.

fFri“ Es wird'l8 feste“ Geringstgehalt gewährleistet und eine gewisse Gehalts-

Schwankung (Latitflde), z. B. 3%g(d- K m	a30/0Tder 'für je

es dürfen bei garantierten 10% Stickstoff oder	„trPtpn braucht- wenn also statt

;„VW*""-..... «....“TÄüSt'ÄXl*.

10% nur 9,7% gefunden werden, so hegt der	usw. geliefert, so muß

haltsgrenzen. Fehlen aber 0,5 %, sind also statt 10 /„ n &gt; Io

eine Rückvergütung für den ganzen Mjndergeha d®“^®ndergehalt des einen Bestandteiles
Dabei gilt meistens wieder als Regel,, d ^ anderfn Bestandteiles ausgeglichen
h&gt;s zu der Höhe von 1 % durch den Mehrgeb lösliche phosphorsäure bei einer Gehalts-
Gerden kann. Wenn z. B. 7 % Stickstoff und /«	yon do/ für jeden Bestandteil

Schwankung von 3% und einer Ausgieichslm ^ -W pho8phorsäure geliefert sind, so
gewährleistet, aber nur 6,61 % Stickstoff und 9, Jo	Mehrgehalt von 0,45 %

Gird der fehlende Gehalt von 0,39 % Stickstoff zum leii eure

löslicher Phosphorsäure ausgeglichen und gegengerec weiche Preise für die einzelnen
Bei der Berechnung kommt es weiter	- &gt; stickstoff zu 1)20 M., der für

ungerbestandteile vereinbart sind. Ist der P	beträgt der Geldwert;

1 hg lösliche Phosphorsäure zu 0,40 M. vereinbart, so beträgt der Gern

.	ni. ,	„	. 0,39 X 1,20 = — 0,47 M,,

für den Fehlbetrag an Stickstoff ■ ; ; ‘	0,45 x 0.40 = + 0,18 „

„	„ Mehrbetrag an löslicher Phosphorsau -------------------------- ~

p. 7]irück zu vergüten bezw. am Preise nach-
d- h. es sind für je 100 kg Dünger 29 Pf-	tie

znlassen	, • piuer festen allgemeinen Gehaltsg

3.' Pall. In anderen Fällen wird *“den Bestandteile, sondern ein Gesam^reis
hem fester Preis für die einzelnen wertbesti	Minderwertsberechnung m anderer

den Dünger'vereinbart und hier muß man die

Vernehmen.
        <pb n="214" />
        ﻿190

Künstliche Düngemittel.

a)	Handelt es sich um ein Düngemittel mit nur einem einzigen wertbestimmonden
Bestandteil, so ist die Berechnung einfach. Angenommen, es besteht folgende Beziehung
zwischen Garantie, Befund und Preis;

1.	Superphosphat .

2.	Chilisalpeter

3.	Kainit . . .

Garantie

18,0% Phosphorsäure
15,5 „ Stickstoff
12,4 „ Kali

Befund	Preis für 100 kg

17,26 °/0 Phosphorsäure	7,20	M.

15,05 „ Stickstoff	17,50	„

11,75 „ Kali	2,05	„

so kostet nach der Garantie und dem vereinbarten Preise je 1 kg: -

Lösliche Phosphorsäure bei No. 1
^ = 0,40 M.

Io

Stickstoff bei No. 2

17.60

16.60	:

: 1,13 M.

Kali bei No. 3

2,06

12,4

= 0,166 M.,

also sind nach dem wirklichen Gehalt der gelieferten Ware wert je 100 kg:

1.	Superphosphat.......... 17,26 x 0,40 =	6,90	M.

2.	Chilisalpeter.......... 15,06 x 1,13 =-17,00	„

3.	Kainit................. 11,75x0,165=	1,94	„

Hierbei pflegt in den Superphosphaten die wasserunlösliche Phosphorsäure nicht
berücksichtigt zu werden; falls sie zitratlösliche Phosphorsäure enthalten und letztere
als wertbestimmend mit angesehen wird, bedarf es hierüber einer vorherigen Vereinbarung.
Im Kainit und den Kalisalzen wird nur das Kali als werthestimmend angesehen,

b)	Weniger einfach ist die Berechnung, wenn ein Düngergemisoh mit mehreren
wertbestimmenden Bestandteilen vorliegt und ebenfalls nur ein Pauschpreis vereinbart ist.
In diesem Palle muß man für einen oder zwei der Wertbestandteile nach den zeitlichen
Preisen den Geldwert berechnen, diesen vom Gesamtpreise abziehen und den Best auf den
noch vorhandenen Wertbestandteil verteilen.

Angenommen, es lautet Garantie, Befund und Preis:

a) Pür Salpeter-Superphosphat.

Preis für 100 kg 12,00 M.
Garantie	Befand

Stickstoff...........................7 %	6,58 %.

Lösliche Phosphorsäure...............9 „	9,25 „

ß) Pur Kali-Ammoniak-Superphosphat.

Preis für 100 kg 10,60 M.

Garantie	Befund

Stickstoff................................5	%	5,11	%.

Lösliche Phosphorsäure...................10	„	9,05 „

Kali......................................3	„	2,71 „

Der zeitliche und örtliche Handelspreis für lösliche Phosphorsäure bezw. Kali kann
leicht nach den Preisen und Gehalten der ungemischten1) Superphosphate bezw. Kalisalze
ermittelt werden; wenn hiernach 1 kg wasserlösliche Phosphorsäure 0,40 M., 1 kg Kali
0,20 M. kostet, so sind in dem Salpeter-Superphosphat 9% lösliche Ph. = 9x 0,40 =
3,60 M. wert, diese von den 12,00 M. Gesamtpreis abgezogen, bleibt 12,00 — 3,60 = 8,40 M.

o a n

für 7 % Stickstoff, also für 1 % = -1=~ = 1,20 M.; danach berechnet sich der Geldwert '
der gelieferten Ware nach dem wirklichen Befunde zu:

für Stickstoff................. 6,58 x 1,20 = 7,90 M.,

„ lösliche Phosphorsäure	. . 9,25 x 0,40 = 3,70 „

im ganzen 11,60 M.,

also sind statt 12,00 M. nur 11,60 M. für 100 kg zu zahlen.

*) Hierbei ist zu berücksichtigen, daß sich in den gemischten Düngemitteln der
Stickstoff 20—30 Pf., die Phosphorsäure 10—15 Pf. höher stellt, als in den betreffenden
ungemischten Düngern.
        <pb n="215" />
        ﻿Berechnung des Mindergeldwertes der Düngemittel bei Mindergehalt.

191

ß) Für das Kali-Ammoniak-Superphosphat stellt sich die Berechnung wie folgt:

10% lösliche Phosphorsäure sind wert 10 x 0,40 = 4,00 M., 3% Kali = 3x0,20
= 0,60 M. Die Summe 4,00 + 0,60 = 4,60 M, von 10,60 M. Gesamtpreis abgezogen,
10,60 — 4,60 = 6,00 M. ist Bestwert für 5 % Stickstoff, also kostet 1 kg des letzteren 1,20 M.

Hieraus ergibt sich der Geldwert der gelieferten Ware nach dem Befunde:

für	Stickstoff......................5,11 x 1,20	= 6,13	M.,

„	lösliche	Phosphorsäure........... 9,05 x 0,40	= 3,62	„

„	Kali............................. 2,71x0,20	= 0,54	„

im ganzen	10,29	M.,

d. h. statt 10,60 M. sind nur 10,29 M. für 100 kg zu zahlen.

4.	Knochenmehl. Das Knochenmehl setzt sich aus mit Leimsubstanz durch-
wachsenem Kalkphosphat zusammen. Hier gibt es für den Stickstoff und die Phosphor-
säure im getrennten Zustande keine Einzelpreise. Man muß daher bei einem Mindergehalt
entweder yon dem Preise des Stickstoffs in einem ähnlichen Düngemittel, z. B. Horumehl,
worin ebenfalls nur der Stickstoff als wertbestimmend angesehen wird, ausgehen, oder
inan legt für die Phosphorsäure einen hypothetischen Wert, der zwischen dem der unlös-
lichen und wasserlöslichen Phosphorsäure liegt, zugrunde, berechnet hiernach den Geld-
wert dieses Bestandteiles und verrechnet den Best auf den anderen Bestandteil.

Angenommen ein Knochenmehl mit einer Garantie von 4,50 % Stickstoff und 20%
Phosphorsäure ist zu 11.00 M. für 100 kg verkauft, die Untersuchung der gelieferten Ware
aber hat 3,96 % Stickstoff und 20,98 % Phosphorsäure ergeben.

Wenn Hornmehl-Stickstoff zurzeit etwa 1,00 M. für 1 kg kostet, so sind die garan-
tierten 4,50 % Knochenmehl-Stickstoff 1,00 x 4,50 = 4,50 M. wert; es bleiben also
'	o.uO

11,00 — 4,60 = 6,50 M. für 20% Phosphorsäure oder für 1 % == 0j33 M. übrig.

Die gelieferte Ware ist hiernach für 100 kg wert;

für Stickstoff........................ 3,96 x 1,00 = 4.40 M.,

„ Phosphorsäure...................... 20,98 x 0,33 = 6,92 „

im ganzen 10,88 M.

Oder man nimmt für Phosphorsäure einen hypothetischen Wert z. B, 0,30 M.
kg an und berechnet nach der Garantie und dem Preise den Wert des Stickstoffs.
Auf diese Weise sind 20 kg Phosphorsäure 6,00 M. wert; diese von 11,00
• •	---*	----.. M i e nn m aüe/„ Stickstoff, also sind

für

M.

für

abgezogen, als"o“ 11,00 - 6,00 = 6,00, bleibt 5,00 M. für ifi
1 kg Stickstoff =5^3= 1,H M, zu berechnen.

4,o	-tnn ksr Geldwert.

Die gelieferte Ware hat demnach u	g gß i,H = 4,40 M.,

für Stickstoff........... 20,98 X 0.30 = 6,29 „ _

„ Phosphorsäure ••••'■	Summe 10,69 M.,

d- h, statt 11,00 M. sind nur 10,69 M. für 1«° ^^“^ zu fordern, daß der fehlende

Bei Knochenmehl empfiehlt sid	an Phosphorsäure ausgeg

Stickstoff nur bis zu 0,5 % durch ^n^yen nimmt die Phosphorsaure in dem
werden darf; denn bei den entlohnten Knochen	^ mehr als gleichwertig mit

Maße zu, als der Stickstoff abnimmt. Piese ^“ werden, weil die Wirkung des Knochen-
dem nicht entleimten Normalknochenmehl angeseh	.g mehr Leim auf das mit ihm

fehles überhaupt zweifellos um so besser um LÖBung des letzteren wird durch
durchwachsene Kalkphosphat entfallt, denn	hieran igt desto schneller »i

Fäulnis des Leimes bewirkt, und je größer der Geha

Paulnis verlaufen.1)	nTnft8T)hosphatmehl wird entweder nach dem

,	5. Thomasphosphatmehl. Das i .. u er phosphorsäure als Grum ag

at an Gesamt-oder an Zitronensäure os	durchwachsenen Leim, nicht

■) Dieses •*, « «, *. »» +

&gt; die in Form von Hornmehl, Fleisch usw.
        <pb n="216" />
        ﻿192

Künstliche Düngemittel.

Geldwertsberechnung verkauft; es sollte daher auch in letzterem Kalle eine Entschädigung
verlangt werden können, wenn an dem garantierten Gehalt mehr als V/'/o f^t Der Verband
landwirtschaftlicher Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche hat sich auch für diese Latitüde
ausgesprochen,') jedoch ist eine Einigung mit den Thomasphosphatfahriken bisher nicht erzielt,
da von letzteren eine Latitüde von 0,75 °/0 verlangt wird. Der Mindergeldwert berechnet sich
dann einfach nach Maßgabe des Garantiegehaltes und des vereinbarten Preises, Wenn aber
der Ankauf des Thomasphosphatmehles nach Gesamtphosphorsäure und Peinmehl erfolgt, so
soll nach den Beschlüssen des Verbandes landwirtschaftlicher Versuchs-Stationen im Deutschen
Reiche* 2! eine Kompensation irgend welcher Art zwischen Peinmehl und Phosphorsäure nicht
stattfinden, vielmehr die Entschädigung bei Mindergehalt getrennt geregelt werden und
zwar für die Phosphorsäure nach dem festgesetzten Preise, für Feinmehl mit 2,60 M, für das
Prozent und 10000 kg.

Mafsregeln für die Düngerkontrolle.

Da der Düngerhandel in Deutschland noch nicht wie in Amerika, Frankreich, Belgien,
Finnland uaw. gesetzlichen Bestimmungen unterliegt, so ist der deutsche Landwirt auf
Selbstschutz angewiesen; die Kontrolle wird bis jetzt durch eigens von ihm geschaffene
Anstalten, die landwirtschaftlichen Versuchs-Stationen, nach einem privaten Ab-
kommen zwischen diesen bezw. den Landwirtschaftskammern und den Düngerfabriken bezw,
Handelsfirmen gehandhabt.

Hierbei empfiehlt es sich, gewisse allgemein gültige Maßregeln zu treffen, welche
einerseits den Landwirt vor Übervorteilung, andererseits den rechtschaffenen Fabrikanten
vor verwerflichem Wettbewerb schützen.

Als solche Maßregeln sind zu beachten:

1. daß die Bezeichnung der Dünger voll und ganz ihrer Natur ent-
spricht. Dieses betrifft:

a)	in erster Linie den Peruguano. Unter dem Namen Peruguano oder schlechtweg
„Guano“, worunter fast stets der Peruguano verstanden wird, sollten nur solche Dünge-
mittel zugelassen werden, welche außer Schwefelsäure zum Aufschließen keine anderen
Zusätze erhalten haben. Haben stickstoffhaltige Guanosorten (also Peru-, Saldanha-Bay-
oder Ichaboe-Guano usw.) stickstoffhaltige Zusätze wie Ammoniaksalz, Salpeter usw. erfahren,
so sollten diese Mischungen deutlich durch Zusätze, z. B. „gemischter“ Guano, „Ammoniak“-
oder „Salpeter“-Guano gekennzeichnet werden.

Alle Düngemittel, welche aus stickstofffreien Phosphatguanos gewonnen sind,
sollten nicht die einfache Bezeichnung „Guano“ führen dürfen; sie müßten entweder einen
Zusatznamen führen, welcher ihren Fundort andeutet, also Baker- oder Möjillones- usw.,
Guano-Superphosphat, oder der Zusatz „Guano“ müßte ganz wegfallen, indem sie einfach
als Superphosphat (oder wenn sie Stickstoff enthalten, als Stickstoff-, Ammoniak- oder Salpeter-
Superphosphat) bezeichnet werden. Denn die stickstofffreien Guano-Phosphate stehen den
Mineral-Phosphaten näher als den stickstoffhaltigen Guanos; es ist daher nicht zulässig, ihnen
einfach den Namen Guano-Superphosphat, Ammoniak-Guano usw. beizulegen, weil darnach
angenommen werden kann, daß sie aus den seit langem in besserem Rufe stehenden stickstoff-
haltigen Guanosorten gewonnen sind.

b)	Die einzelnen Knochenmehlsorten des Handels sollten als Normal-Knochen-
mehle oder No. 0, als einfache „Knochenmehle“ und als „entleimte Knochenmehle“ nach

S.	168 u. f. unterschieden werden.

o) Unter der Bezeichnung „Thomasschlackenmehl“ oder Thomasphosphatmehl
oder Thomasmehl sind nur diejenigen Dünger zuzulassen, welche aus wirklicher Thomas-
schlaoke gewonnen sind. Alle anderen Phosphatmehle, welche durch Zerkleinern von Mineral-
Phosphaten oder aus sonstigen phosphorsäurehaltigen Schlacken gewonnen sind, sollten durch
einen Zusatz, z. B. Mineralphosphatmehl, „Koprolithenmehl“ usw. unterschieden werden.

d) Mit der Bezeichnung Knochemaehl-Superphosphat, Ammoniak- oder Salpeter-
Superphosphate usw. sind nur solche Superphosphate zuzulassen, welche den Stickstoff

*) Landw. Versuchs-Stationen 1901, 56, 30.

2) Ebenda 1893, 43, 352.
        <pb n="217" />
        ﻿Maßregeln für die Düngerkontrolle.

193

wirklich und ganz in Form von Knochenmehl, bezw. Ammoniak, hezw. Salpeter usw.
enthalten.

2.	An den Säcken bezw. Behältern sollen deutlich sichtbar die Bezeichnungen der
Düngemittel, welche ihrer Natur nach den vorstehenden Normen entsprechen, zu lesen sein.

Dabei empfiehlt es sich, nur runde Sackge'wichte von 50, 75 oder 100 kg zuzulassen.

3.	An den Säcken sollen Garantiezettel angebracht sein, welche genau den Gehalt
an den wertbestimmenden Bestandteilen angeben, nämlich:

a)	Bei Superphosphaten den Gehalt an wasserlöslicher Phosphorsäure; falls
die sog. zurückgegangene oder zitratlösliche Phosphorsäure und ferner auch die unlösliche
Phosphorsäure berücksichtigt werden sollen, ist auch deren Gehalt anzugeben. Eine Angabe,
aus welchem Rohstoffe das Superphosphat hergestellt ist, ist nicht erforderlich.

b)	Bei Präzipitaten den Gehalt an zitratlöslicher und Gesamt-Phosphorsäure.

c)	Bei Thomasphosphatmehl den Gehalt an Gesamt-Phosphorsäure und Peinmehl

oder an zitronensäurelöslicher Phosphorsäure.

d)	Bei den Knochenmehlen, bei Pleischdüngerm ehl bezw. Fleischknochenmehl,
sog. Fischguano, den Gehalt an Stickstoff und Phosphorsäure.

e)	Bei rohem bezw. gemahlenem Peruguano, Saldanha-Bay-, Ichaboe-Guano
usw., bei Poudrette und Fäkalguano den Gehalt an Stickstoff, Gesamt-Phosphorsäure
und auch den Gehalt an Kali und wasserlöslicher Phosphorsäure, falls die Wertberechnung

der beiden letzten Bestandteile verlangt wird.

f)	Bei aufgeschlossenem Peruguano, bei stickstoffhaltigen Super-
Phosphaten den Gehalt an Stickstoff und wasserlöslicher Phosphorsäure, wie auch an

Kali, falls letzteres zu berücksichtigen ist.

Bei Ammoniak-Superphosphaten den Gehalt an Ammoniak-Stickstoff, bei
Salpeter-Superphosphaten denjenigen an Salpeter-Stickstoff, bei Gemischen beider
den Gehalt an Ammoniak- und Salpeter-Stickstoff sowie in allen Füllen den Gehalt an
Wasserlöslicher Phosphorsäure.

g)	Chilisalpeter und Ammoniaksalz (sohwefelsaures Ammoniak) unterliegen,
Wenn sie in Original-Verpackung geliefert werden, nicht diesen Bestimmungen; dagegen
’nuß auch bei ihnen, wenn sie in irgend einer Weise zuhereitet werden, neben der Be-
zeichnung auch der Gehalt an Stickstoff an den Säcken bezw. Behältern angegeben weiden.

h)	Bei Blutmehl, Hornmehl, Ledermehl, Wollstaub und anderen stickstoff-
haltigen Düngern ist, wenn sie für den landwirtschaftlichen Verbrauch bestimmt sind, der

behalt an Stickstoff anzugeben.	„ ,

i)	Bei kalihaltigen Düngemitteln ist der Gehalt an Kali (nicht an schwefel-
saurem Kali oder Chlorkalium) anzugeben.	,

k) Bei Superphosphatgips, Phosphatgips ist der Gehalt an löslicher bezw. un-

öslicher Phosphorsäure und Gips anzugeben.	,	,	,,_,

i■ Ein der Garantie gegenüber nachgewiesener Mindergel a an wer es
Bestandteilen ist nach dem berechneten Werte zu vergüten. Bin etwaiger Uberschuff des
^nen wertbestimmenden Bestandteiles darf zugunsten eines gleichzeitig vorkommenden

Jadergehaltes an einem anderen gerechnet werden, und m ril **	vom

Wasserlöslicher Phosphorsäure bis zu 0,5 vom Hundert und von Stickstoff bis zu 0,2o vom
ändert dem Werte nach in dieser Weise in Rechnung ges e wer f“-	, (r

t,M ^ allen Düngemitteln ist eine Abweichung von dem gewährleisteen Gehalte (Lato
j?de) ^i wasserlöslicher und unlöslicher Phosphorsäure sowie bei Kali bis zu 0 5 vom
Hundert, bei Stickstoff bis zu 0,25 vom Hundert gestattet ohne daß der Abnehmer hierf
£“e Entschädigung beanspruchen kann. Übersteigt der Mindergehalt diese Zahlen, so

1 a len Fällen der volle Fehlbetrag zu vergüten.	,	n sie jm

Ka , Die Gehaltsschwankung (Latitüde) darf nur beansprucht werden,	S16A™

Kaufverträge ausdrücklich a^sbedungen wurde. Dieselbe fallt aus, sobald eine Aus

b l°bung (Kompensation) in Anspruch genommen wir .	o-pstattet (Nach

Bei Verkauf gach Prozenten sind Kompensation und Latitüde nicht glättet (A
Verband deutscher Versuchs-Stationen aufgesteUt n Entwurf von Gmn g
ur Dunger-Kontro 11-Verträge“. Landw. Versuchs-Stationen 189o, 4o, 332.)

B____________________ 13

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	„
        <pb n="218" />
        ﻿Asche von Pflanzen, tierischen Stoffen
und Brennstoffen.

I.	Pflanzenasche.

1.	Vorbereitung. Als Vorbereitung der pflanzlichen Stoffe zur Ver-
aschung muß man eine möglichst sorgfältige Reinigung vornehmen; man kann
hierauf nicht genug Mühe und Umsicht verwenden, da eine Beimischung von
tonigen und sandigen Stoffen die Untersuchung der Asche sehr erschwert und
die Genauigkeit wesentlich beeinträchtigt. Wurzeln und Knollen sind durch
vorsichtiges Eeiben mit weichen Bürsten unter Wasser und wiederholtes Abspülen
mit destilliertem Wasser von allen erdigen Beimengungen zu befreien und sodann
mit einem weichen Leinwandtuche abzutrocknen. Von Blättern und Stengeln ent-
fernt man den Staub usw., soweit ihre Beschaffenheit solches gestattet, durch
Abwischen mit einem weichen Pinsel oder Tuche unter Anwendung eines möglichst
gelinden Druckes. Samenkörner, namentlich die größeren Sorten, kann man mit
destilliertem Wasser ühergießen, darin einige Minuten lang aufrühren, dann aber
sofort, bevor die Feuchtigkeit eindringt und ein Aufweichen der Samenkörner be-
wirkt wird, auf einem Siebe abtropfen lassen, auf Fließpapier legen und rasch
wieder zwischen weichen Tüchern abtrocknen.

Grüne Blätter und Kräuter sowie ebenso in möglichst dünne Scheiben zer-
schnittene Rüben läßt man, an Fäden aufgehängt, im Trockenschranke bei 50—60°
austrocknen. Kartoffeln müssen in Stückchen und Scheiben zerteilt und in großen
Porzellanschalen auf dem Dampfbade oder im Trockenschranke bei 50—60° von
ihrem Wassergehalt befreit werden; sie lassen sich hierauf, ebenso wie die ge-
trockneten Rüben, leicht zu Pulver zerstoßen, welches jedoch nicht zu fein sein
darf, damit es beim Veraschen sich hinreichend locker erhält und nicht fest zu-
sammensetzt. Die getrockneten Blätter und Kräuter, sowie die Heu- und Stroharten
werden zunächst mit der Schere, einer Häckselbank oder mittels eines sonst geeigneten
Apparates in Stückchen zerschnitten und das Ganze gut durcheinander gemischt. Die
lufttrocknen Samenkörner muß man im Mörser zu einem groben Pulver zerstoßen
oder nur einfach quetschen, wodurch die Veraschung sehr erleichtert und ein
Umherspringen beim Erhitzen vermieden wird.

2.	Veraschen, a) Veraschen ohne Zusätze. Das Veraschen der in vor-
stehender Weise vorbereiteten Pflanzenstoffe wird mit 50—100 g Substanz am besten
in einer geräumigen, mit Deckel versehenen Platinschale und zwar über der freien
Flamme vorgenommen, indem man zunächst mehrere Stunden und länger nur eine
ganz schwache Flamme einwirken läßt. Es findet hierbei eine sehr langsame Ver-
kohlung statt, die Verbrennungsgase entwickeln sich ruhig und gleichförmig und
        <pb n="219" />
        ﻿Pflanzenasche.

195

die Masse behält eine lockere Beschaffenheit. Sobald die Gasentwicklung großenteils
aufhört, steigert man unter öfterem Durchrühren mit dem Platinspatel die Hitze
allmählich, jedoch keineswegs bis zum Glühen, und bewirkt dadurch in der Regel,
daß die Kohle in der lockeren Masse vollständig verbrennt, wenigstens, wenn man
es mit Aschenarten zu tun hat, welche, wie die der meisten Futterkräuter, Holz-
arten und Eübenarten, reich sind an kohlensauren Salzen und wenn die Hitze sorg-
fältig geregelt worden ist, so daß ein Schmelzen der Asche in keiner Weise statt-
findet. Palls jedoch eine vollständige Verbrennung der kohligen Teilchen bei
derartigen Pflanzen langsam und schwierig erfolgt, so erreicht man sie fast ohne
Ausnahme, wenn man die kohlige Masse in der Platinschale mit einem Pistill
zerdrückt, letzteres mit Wasser abspült, die mit Wasser angefeuchtete kohlige
Masse im Wasserbade eintrocknet und weiter glüht. Oder man zieht die kohlige
Masse besonders bei solchen Pflanzenaschen, welche, wie die phosphorsäure- und
kieselsäurereichen, entweder leicht zusammensintern oder schwer verbrennen, mit
Wasser aus, verbrennt den auf einem tunlichst aschenfreien Filter verbliebenen
kohligen Rückstand weiter, vereinigt die so weißgebrannte Asche mit der wässerigen
Lösung, verdampft das Ganze zur Trockne, glüht schwach und wägt.

Vielfach sind auch die Muffelöfen (aus Ton, Eisenblech, Platinblech) zur
Veraschung in Gebrauch, die den Vorteil haben, daß man gleichzeitig mehrere Ver-
aschungen vornehmen und durch die stärkere Luftzufuhr ein schnelleres Weißbrennen
erzielen kann. Hierdurch sind dann aber auch leicht Verluste sowohl an Substanz
wie durch Verflüchtigung, besonders von Chloriden, bedingt, zumal wenn gleichzeitig
hoch erhitzt wird; in letzterem Falle tritt dann auch leicht ein Zusammenschmelzen
der Asche ein.

Am einfachsten lassen sich die kohligen Aschenrückstände weiß brennen und
von Kohlenresten durch Anwendung eines schwachen Stromes von Sauer-
stoffgas befreien. Man bereitet das Sauerstoffgas sehr rasch und einfach aus
Wasserstoffsuperoxyd1) unter Zusatz von etwas Ammoniak und allmählichem
•Zufluß von Kaliumpermanganat-Lösung. Das Sauerstoffgas wird aus einem kleinen
Gasometer mittels eines Gummischlauches und einer in eine Spitze ausgezogenen
Glasröhre in sehr schwachem Strom auf die schwach geglühte kohlehaltige Masse
geleitet, indem man die Glasröhrchenspitze in der Schale herumführt. Auf diese
Weise verbrennt die Kohle sehr ruhig, ohne daß viel Sauerstoff verbraucht wird.
H- Wislicenus2) durchfeuchtet nach möglichst weitgehender Verbrennung der Kohle
die zurückbleibende Substanz mit geringen Mengen einer 3 °/0-igen Wasserstoff-
superoxydlösung, läßt damit ein wenig quellen, gibt von neuem Wasserstoffsuper-
oxydlösung zu und trocknet langsam auf dem Sandbade ein; die getrocknete Masse
wird vorsichtig weiter erhitzt. Diese Behandlung wird so lange wiederholt, bis
S1ch keine Reste von Kohle mehr finden.

Mitunter wird auch zum Weißbrennen der Asche bei gelinder Hitze
Ammoniumnitrat in kleinen Mengen zugesetzt, indes findet hierbei leicht ein
Verstäuben der Asche aus der Schale statt. - Auch die vorgeschlagenen Sauerstoff-
dberträger: Eisenoxyd, Wismutnitrat, Calciumplumbat empfehlen sich nicht.

Um ein Verstäuben von Aschenbestandteilen bei der Veraschung zu verhindern,
kezw. um die Verflüchtigung von Stoffen festzustellen, sind von H. Wislicenus,2)

') Aus 100 com des 30 volumprozentigen Wasserstoffsuperoxyds, etwa 30 ccm Kalium-
Pennanganat-Lösung (2,3 g in 1 1) und etwas Ammoniak gewinnt man etwa 3l/2 1
Sauerstoff.

2) Zeitschr. f. anal. Chemie 1901, 40, 441.

13*
        <pb n="220" />
        ﻿196

Asche von Pflanzen, tierischen Stoffen und Brennstoffen.

v. Hlasiwetz,1) Reese,2 3) B. Tollens und Shuttleworth8) sowie von Tucker4)
besondere Verasclumgsvorriclitungen angegeben, von denen für Zwecke einer genauen
Aschenuntersuchung die von H. Wislicenus hier beschrieben werden möge, weil sie
nur eines Veraschungsdeckels benötigt und sonst in den gebräuchlichen Platin-
schalen oder Platintiegeln ausgeführt werden kann.

Der Deckel (Big. 28) ist durch leichte Wölbung und zwei kreisförmige Billen (a und b),
welche noch weitere Zwecke erfüllen, versteift. Die äußere Bille (a) versteift den Band
und gibt das Lager für den Schalenrand. Die zweite (b), nach unten gewölbt, trägt einen
Zylinder (c) mit horizontal umgelegtem Band. Dieser Band schließt nahezu an die Schalen-
wand an und bildet dadurch einen ringförmigen Baum (d), in welchem die zuströmende
Luft verteilt und vorgewärmt wird. Die Luft ist gezwungen, von der Peripherie aus ruhig
und gleichmäßig auf die zu veraschende Masse zu strömen; sie tritt nicht blasend aus einer
zentralen Bohre ein, wie in den anderen Apparaten, und wirbelt deshalb die Asche nicht
hinweg. Dem Ausgußschnabel der Schale entspricht eine Auswölbung im Deckel. Beide
bilden eine Öffnung, durch welche der eingesaugten Luft Sauerstoff beigemengt werden kann.

Der Zylinder c ist locker durch ein Blech abgeschlossen. Dieses kann (am Blech-
griff h) leicht durch eine Drehung eingesetzt oder zur Beinigung herausgenommen werden.
In dem dadurch gebildeten Baume setzen sich mitgerissene Aschenteilchen wieder ab. Die
durchstreichenden Verbrennungsgase entweichen durch das Eöhrchen i, in welches ein
Saugrohr aus dem temperaturwechselfesten Jenaer Glas dicht passend eingeschoben wird.
Das eingeschobene Ende ist ganz leicht konisch ausgezogen, um gut eingepreßt werden zu
können. Dieses Glasrohr trägt einen kleinen Kühler k (Pig. 29 S. 197) und stellt die Verbindung
mit dem Waschgefäß w und durch dieses mit dem Saugapparat her. Als Waschgefäß ist das
Absorptionsgefäß w für schnell ziehende Gasströme als besonders geeignet zu empfehlen.
Es findet darin eine vorzügliche Zerlegung des Gasstromes statt und die zerstäubten
Elüssigkeitsteilchen werden vollständig zurüokgehalten. Man beschickt es (zu '/3) mit etwas
Kalkmilch oder anderen basischen bezw. Karbonatlösungen. Dieses Gefäß wird in ein
Gestell eingespannt, während man den Kühler beweglich läßt, um, an diesem an-
fassend, den Deckel von Zeit zu Zeit zum Beobachten und Umrühren der Asche von der
Schale abzuheben. Zum Wenden der Asche kann man durch den Schnabel der Schale
einen nach der Schalenwand gebogenen Platindraht einlegen.

4) Ann. Chem. Pharm. 97, 244.

2)	Zeitsohr. f. anal. Chemie .1888, 27, 133.

3)	Journ. f. Landwirtschaft 1899, 47, 199.

*) Berichte d. Deutschen chem. Gesellschaft 1899, 32, 2583.
        <pb n="221" />
        ﻿Pflanzenasohe.

197

Bei der Anwendung des Apparates verfährt man am besten so, daß man die Schale
ohne und mit Deckel wägt, in der Schale die Trockenbestimmung mit etwa -0 g
Substanz vornimmt, die Trockensubstanz dann mit einem gleichteihgen Gemisch dm
Shuttleworthschen Calciumazetatlösung und reinster Kalkmilch (aus gegu
oxalat) gut durchtränkt und auf einem sauberen, mäßig heißen Saudbade oder Wasserbadc
eintrocknet. Dann verkohlt man die Substanz zunächst noch in o enei
fächelnder Flamme nicht zu schnell.	,	^ , ,,	., »„ocUinitt

Die Schale mit verkohlter Substanz wird nun in eine Asbestplatte mit Aussen ■■
eingehängt und mit dem an Kühler und Waschgefäß montierten Veraschungsdeckel ve -
sehen. Der Deckel soll leicht abhebbar sein. Das Waschgefäß ist zu :3 mit Kalkmil ,
Kalkwasser usw. beschickt, die Säugpumpe in mäßig schnellen Gang gesetz .

Unter öfterem Lüften des Deckels, Beobachten und Umwenden der Substanz wird
bei höchstens dunkler Eotglut möglichst weit verascht. Ganz zum Schluß wird ein g
Minuten lang — event. mehrmals — rein gewaschener Sauerstoff der eingesaugten Lu
beigem engt. Wird die Asche auf diese Weise nicht absolut kohlefrei, so gi man e
reines Ammoniumnitrat zu oder wendet die oben beschriebene Oxydation mit dünnem V assei-

stofsuperoxyd, vielleicht wiederholt, an. Das Verglimmen der jedesmal eingetrockneten
Masse läßt man wieder im geschlossenen Apparat vor sich gehen. Nunmehr gibt man den
Inhalt des Waschgefäßes in die Schale, löst den Deckel vom Kühler, legt ihn umgedreht auf
(^e Schale und spült ihn mit wenig warmem Wasser durch. Dabei kommt dieser Behänd-
Inng seine trichterförmige Form zu statten. Der äußere Band ist natürlich rem geblieben.
Damit ist jeder Verlust vermieden. Zur Kontrolle wägt man den gereinigten und ge-
trockneten Deckel nach. Wenn die Veraschung in einem Platintiegel vorgeuommen werden
soll, erhält der Deckel selbstverständlich eine etwas andere Form. Im übrigen ist das vei-
lahren dasselbe.	.	.	.

b) Veraschen unter Zusätzen, a) Als Zusätze sind am weitesten verbreitet
Natriumkarbonat und Barythydrat. Beim Einäschern der Pflanzenstoffe fiii
sich allein verflüchtigt sich leicht ein Teil des Chlors wie Schwefels, auch der
etwa in organischer Verbindung vorhandene Phosphor kann sich der Oxydation
211 Phosphorsäure entziehen. Um daher für diese drei Bestandteile tunlichst genaue
Ergebnisse zu erhalten, durchfeuchtet man die Pflanzenstoffe (20—50 g) in einer
geräumigen Platinschale mit einer Lösung von chemisch reinem, d. h. chlor-,
Schwefelsäure- und phosphorsäurefreiem Natriumkarbonat (etwa 50 g wasserfreies
Natriumkarbonat im Liter enthaltend)1) unter Zusatz von etwas ebenso reiner

’fCcHinclei' setzt auf 1 g zu veraschender Stoffe 100 ccm einer 10%-igen Soda-
lösung zu.
        <pb n="222" />
        ﻿19g	Asche von Pflanzen, tierischen Stoffen nnd Brennstoffen.

Natronlauge, trocknet vollständig im Wasserhade ein und verkohlt über einer
Spiritusflamme. Letztere empfiehlt sich —• besonders bei quantitativen Be-
stimmungen des Schwefels bezw. der Schwefelsäure in den durch Hütten- oder
Steinkohlenrauch beschädigten Pflanzenbestandteilen — aus dem Grunde, weil das
Leuchtgas durchweg Schwefelverbindungen enthält, welche sich in der Flamme zu
Schwefelsäure oxydieren und den Gehalt der Einäscherungsmasse an dieser ver-
mehren können. Nachdem die Masse verkohlt ist, zerdrückt man sie in der
Platinschale mit dem Pistill, durchfeuchtet sie unter Abspülen des letzteren mit Wasser,
trocknet auf dem Wasserbade ein und verbrennt weiter unter Anwendung des unter

2.	a erwähnten schwachen Sauerstoff Stromes.

ß) Ätzbaryt. Vielfach ist und wird auch noch jetzt zur vollständigen Ver-
kohlung der Pflanzenstoffe besonders in den kieseisäure- und phosphorsäurereichen
Pflanzenaschen eine wässerige Lösung von Ätzbaryt angewendet, womit die Masse
durchfeuchtet wird. Der auf diese Weise in die Asche übergehende Ätzbaryt bezw.
das sich bildende Baryumsulfat erschwert aber die Untersuchung der Asche auf die
einzelnen Bestandteile sehr, ohne daß diese Art Einäscherung genauere Ergebnisse
liefert, als das unter 2. b a beschriebene Verfahren. Statt Ätzharyt ist auch
Baryumsuperoxyd oder Baryumnitrat vorgeschlagen.

y) Shuttle worth empfiehlt besonders für Stroharten und Blätter denZusatz
von essigsaurem Calcium (0,2 g CaO auf 5—6 g Substanz), H. Wislicenus
ein Gemisch von letzterem und reiner Kalkmilch (aus geglühtem Calciumoxalat).

&amp;) Zucker, Melasse und sonstige Erzeugnisse dieser Art werden unter Zu-
satz von Schwefelsäure verascht und von der Sulfat-Asche 1/10 des Gewichtes
abgezogen, um sie auf Karbonat-Asche umzurechnon.

Beim Veraschen von Glyzerin mit Schwefelsäure multipliziert man die Asche
mit dem Faktor 0,8.

Die unter Zusatz von Schwefelsäure dargestellten Aschen können jedoch nicht
zur Bestimmung des Chlors und wahrscheinlich auch nicht zu der der Phosphor-
säure dienen.

«) Zur Ermittelung des Gesamt-Schwefels sind verschiedene Vorschläge
gemacht;

1.	Nach einem Vorschläge werden in einer Platinschale vorerst etwa 6 g
chemisch reines Kalihydrat und 3 g reiner Salpeter bei möglichst gelinder Hitze
mit einer Spiritusflamme zusammengeschmolzen und in die Schmelze ganz all-
mählich kleine Mengen der gepulverten Pflanzenmasse bis zu 4 g eingetragen.
Nachdem die ganze Masse mit dem Ätzkali zusammengeschmolzen ist, wird noch
etwas stärker bis zum Weißbrennen erhitzt, erkalten gelassen, die Schmelze mit
verdünnter Salzsäure gelöst, zur Trockne verdampft, um die Kieselsäure abzuscheiden,
mit salzsäurehaltigem Wasser aufgenommen und im Filtrat die Schwefelsäure mit
Chlorbaryum gefällt.

Auch empfiehlt sich das Einäschern in der Kalihydrat-Salpeter-
schmelze, wenn in den betreffenden Pflanzen oder Pflanzenteilen
Metalle bestimmt werden sollen, welche, wie Zink, Blei und Arsen,
durch einfaches Einäschern eine Verflüchtigung erfahren können.

2.	Der Vorschlag von Th. Osborne1) gilt vorwiegend für die Bestimmung
des Schwefels in Proteinstoffen.

Ungefähr 10 g Natriumsuperoxyd werden in einem Nickeltiegel in Hydrat verwandelt,
indem man etwas Wasser zusetzt und so lange über einer Alkohollampe erhitzt, bis der

*) Zeitschr. f. anal. Chemie 1902, 41, 25.
        <pb n="223" />
        ﻿Pflanzenasche.

199

Wasserübersohuß ausgetrieben ist. Nun rührt man 1-—2 g des Proteins in das etwas ab-
gekühlte Hydrat ein und oxydiert, indem man die Temperatur steigert und kleine Mengen
Natriumsuperoxyd zusetzt, bis die Oxydation vollendet ist. Die geschmolzene Masse wird daun
in 400 ccm Wasser gelöst, die Lösung mit Salzsäure stark angesäuert, so lange erhitzt,
bis der Überschuß des Peroxyds zerstört und das Chlor ausgetriehen ist, durch reines Papier
filtriert, mit Ammoniak neutral gemacht und ein Überschuß von 4 ccm konzentrierter Salz-
säure zugesetzt. Aus der siedenden Lösung wird die Schwefelsäure dadurch gefällt, daß
man allmählich verdünnte Chlorbaryumlösung zusetzt. Nachdem die Probe über Nacht auf
einem Dampfbade gestanden hat, wird das Baryumsulfat abfiltriert, gewaschen, geglüht
und gewogen.

Für die Bestimmung des lose gebundenen Schwefels in Proteinstoffen er-
hitzt man nach Schulz entweder 1 g Protein mit 50 ccm einer 30°/o-igen Soda-
lösung und etwas essigsaurem Blei mehrere Stunden am Rückfluükühler oder man
mischt 5 g Protein mit 50 ccm einer 50 °/0-igen Sodalösung und etwas essigsaurem
Blei in einem Nickeltiegel und erhitzt die Mischung 7 Stunden lang in einem Autoklaven
hei 135—165°, löst die Masse dann in beiden Fällen in Wasser unter Zusatz von
etwas Essigsäure, filtriert das gebildete Bleisulfid ab, w-äscbt mit W asser aus,
schmilzt es nach dem Trocknen mit Soda und Natriumperoxyd und bestimmt
die Schwefelsäure wie üblich.

3.	Nach Tollens und Barlow1) liefern alle vorstehend beschriebenen Ver-
fahren zur Bestimmung des Gesamt-Schw'efels mehr oder weniger zu niediige
Ergebnisse; sie haben daher folgendes Verfahren ausgearbeitet, welches in allen
Fällen richtige Ergebnisse liefert.

Ein Rohr aus böhmischem, schwer schmelzendem Glase von gegen 70 cm Länge
(Fig. 30) und 1,5 cm Durchmesser ist an einem Ende (B) ausgezogen und nach unten ge-
bogen. Ungefähr 30 cm von diesem Ende ist eine böhmische Bohre (D) von b-7 mm
Durchmesser seitlich angeschmolzen; der Teil der weiteren Bohre zwischen dem ange-
schmolzonen und dem ausgezogenen Ende (D F G) enthält das kohlensaure a rium
°der den Soda-Quarz2) (10—15 cm), der Teil zwischen der seitlichen Bohre und dem nicht
ausgezogenen Ende dient zur Aufnahme des oder der Porzellanschiffchen (M) mit der zu
verbrennenden Substanz.

Durch den dieses Ende des Rohres schließenden Kork (A) und über die zu verbrennende
Substanz kann man nach Belieben Kohlensäure oder Sauerstoff leiten; in das enge an die
Mitte des Hauptrohres gelötete Rohr wird ebenfalls Sauerstoff geleitet; passende ter-
zweigungsrg^en (K S 0,) samt Schraubenquetschhähnen erlauben, den Sauerstoff nach Be-
heben dorthin zu leiten, wo man ihn gebraucht. Eingeschaltete kleine Kugelrühren mit

’) Journ. f. Landwirtschaft 1903, 51, 289.	mm zerstoßen und für die zur

2) Reiner Bergkristall wird in Stückchen	g mit 3_4 g Natriumkarbonat

Beschickung der 10—15 cm-Schicht in der l o ,ias Gemenge unter Umrühren über einer
und etwas Wasser- in einer Schale gemischt u
Spiritusflamme eingetrocknet.
        <pb n="224" />
        ﻿200

Asche von Pflanzen, tierischen Stoffen und Brennstoffen.

etwas Wasser zeigen die Schnelligkeit der Gasströme an. Der Soda-Quarz wird an einer
Seite durch ein rundes Platinsiehchen (oder auch etwas vorher ausgeglühten Asbest) an der
anderen, den Dämpfen zugewendeten Seite durch einen längeren, spiralig gebogenen Platin-
draht zusammengehalten.

Sobald das Bohr mit Soda-Quarz beschickt ist, legt man es in den Verbrennungsofen,
schiebt das oder die Schiffchen mit der gewogenen Substanz ein und verschließt mit dem
Kork, durch welchen die Zuleitungsröhre für Kohlensäure und Sauerstoff geht. Nun wird,
während ein langsamer Strom Kohlensäure (ohne Sauerstoff) in das Kohr eintritt, der Soda-
Quarz an der Seite, welche der Substanz zugewendet ist, zu sehr gelindem Glühen erhitzt,
die anderen Teile noch weniger; dann beginnt man mit dem Erhitzen der Substanz.
Sobald das Erscheinen von Dämpfen beginnt, öffnet man den Quetschhahn, welcher den
Eintritt von Sauerstoff in das seitliche Kohr erlaubt; man sieht, daß die Dämpfe
augenblicklich verschwinden, sobald sie in den heißen Teil der Röhre und in Berührung mit
dem Sauerstoff und der Platinspirale kommen. Bald sieht man eine Flamme erscheinen;
diese bleibt, falls genügend Sauerstoff eintritt, an der Seite der Substanz, und keine Spur
von teerigen oder kehligen Teilchen tritt auf, oder diese werden, falls bei ungenügender
Sauerstoffzufuhr einmal Dämpfe und Bräunung auftreten oder gar das Rohr oder der Soda-
Quarz sich schwarz färben sollten, sobald man den Sauerstoff-Quetsohhahn etwas mehr öffnet,
sofort vernichtet und alles wird wieder weiß.

Ist bei allmählich verstärkter Flamme die Substanz ganz verkohlt, so daß keine
Dämpfe mehr erscheinen, so öffnet man langsam den Hahn, welcher den Sauerstoff über die
Substanz selbst leitet, worauf man letztere erglühen sieht, die Kohle schnell verbrennt und
die Asche im Schiffchen hinterbleibt.

Nach beendeter Verbrennung wird das Schiffchen mit der darin befindlichen Asche
herausgezogen und dann der Soda-Quarz samt den Platin-Drähten und -Siebchen (oder dem
Asbest) in eine Porzellanschale gebracht. Das Rohr wird gut ausgespült, das Waschwasser
zu dem Soda-Quarz gebracht; letzterer wird unter einer aufgelegten Uhrschale mit Wasser
und verdünnter Salzsäure übergossen, die Flüssigkeit nebst unlöslichem Rückstände erst
auf einer Spiritusflamme eingedampft, dann im Wasserbade zur Trockne verdampft, der
Rückstand mit salzsäurehaltigem Wasser aufgenommen, filtriert, ausgewaschen, im Filtrat
die Schwefelsäure mit Chlorbaryum gefällt und der Niederschlag von Baryumsulfat nach
s S. 204 weiter behandelt.

3.	Bestimmung der einzelnen Bestandteile der Asche, a) In der ohne jeglichen
Zusatz dargestellten Asche. Von den Pflanzenstoffen wird so viel verbrannt, daß
man etwa 4—6 g Asche erhält. Diese wird nach dem Weißhrennen und Wägen
aufs innigste verrieben; von dem Gemisch dient:

a) Zur Bestimmung der Kohlensäure etwa 1 g. Sie kann wie bei
Boden S. 15 aa am einfachsten aus dem Gewichtsverluste bestimmt werden. Am
genauesten ist die Austreibung und quantitative Auffangung in konzentrierter Kali-
lauge (vergl. S. 16 a ß).

Wenn es auf eine ganz genaue Bestimmung des Chlors nicht ankommt und
dasselbe in der ohne Zusatz von Natriumkarbonat und Natronlauge dargestellten
Asche bestimmt werden soll, so kann man die Kohlensäure auch statt mit Salzsäure
mit salzsäurefreier Salpetersäure austreiben1) und im Filtrat der salpetersauren
Lösung nach Ermittelung der Kohlensäure das Chlor durch Fällung mit Silbernitrat
oder maßanalytisch nach J. Volhard bestimmen.

ß) Sand, Kohle, Kieselsäure und Reinasche. Weitere 3—4 g Asche
befeuchtet man in einer Kochflasche mit konzentrierter Salpetersäure, übergießt
mit starker Salzsäure und behandelt eine Zeit lang bei anfangender Kochhitze.
Hierauf wird das Ganze in eine Porzellansohale gespült und bis zur Trockne, zu-

') Die Lösung darf aber mit Salpersäure nicht eingedampft worden, weil dadurch
Chlor ausgetrieben werden würde.
        <pb n="225" />
        ﻿Pflanzenasohe.

201

letzt im Wasserbade, unter Zerteilung aller Klümpchen verdampft; die trockne
Masse läßt man längere Zeit im Trockenschranke stehen, bezw. erwärmt im Luft-
bade, feuchtet sodann mit konzentrierter Salzsäure an und zieht mit Wasser aus.
Die ungelösten Stoffe (Kieselsäure, Sand und geringe Mengen Kohle) werden auf
einem vorher bei 110—120° getrockneten und gewogenen Filter — zweckmäßig
gehärtetem Filter — gesammelt, mit heißem Wasser gut ausgewaschen, mit dem
Filter bei 110—120° getrocknet und gewogen. Nach dem Trocknen läßt sich der
Inhalt des Filters ziemlich vollständig von dem letzteren ablösen; er wird in einer
geräumigen Platinschale mehrmals mit einer konzentrierten Lösung von kohlen-
saurem Natrium unter Zusatz von etwas Natronlauge ausgekocht, die Flüssigkeit
durch dasselbe Filter filtriert, der Rückstand (Sand und Kohle) ausgewaschen, wieder
hei 110° getrocknet und schließlich das Filter nebst der Kohle1) verbrannt, so daß
die sandige Masse für sich allein zurückbleibt. Die Kieselsäure wird aus der
alkalischen Lösung wieder abgeschieden, indem man mit Salzsäure übersättigt, zur
Trockne verdampft, einige Zeit im Luftbade erhitzt, den Rückstand mit etwas un-
gesäuertem Wasser auskocht und dem Gewichte nach bestimmt.

Wenn man nur auf Kieselsäure + Sand einerseits und Kohle andererseits Rück-
sicht zu nehmen hat, kann man auch eben so zweckmäßig den Rückstand (Sand + Kiesel-
säure-)-Kohle) durch einen mit Asbest beschickten, getrockneten und gewogenen
Goochschen Platintiegel filtrieren, nach dem Trocknen bei 110—120° wägen, glühen
und wieder wägen; der Gewichtsverlust gibt die Menge Kohle an. Wollte man in
solchem Falle auch Sand und Kieselsäure getrennt bestimmen, so müßte man den Rück-
stand im Tiegel wiederholt mit kochend heißer Lösung von Natriumkarbonat + Natron-
laüge auswaschen. Auf diese Weise läßt sich aber die Kieselsäure kaum quantitativ
aas dem Rückstand entfernen, wie denn überhaupt die Trennung der amorphen
Kieselsäure von der kristallinischen (Sand und Quarz) — sei es durch Natrium-
karbonat + Natronlauge oder 10 °/0-ige Natronlauge allein — nicht leicht und nicht
ganz genau ist.

Aus dem Grunde soll man, wie auch B. Tollens2) rät, die zu untersuchen en
Stoffe vor ihrer Veraschung tunlichst von Sand und Erde befreien, um nicht letztere
berücksichtigen zu müssen.	. .

, Bei zu starkem Glühen der ohne Zusätze eingeäscherten Stoffe kann sich
leicht ein in Salzsäure unlösliches Silikat bilden. Dieses muß dann mit Schwefelsäure
Fluorammonium aufgeschlossen und der Rückstand von Sulfaten der salzsauren

Maschen Gesamtasche minus (Kohlensäure + Sand + Kohle)

&amp;l t die Menge „Reinasche“.	. . . , , Ko

+. Bie von den unlöslichen Stoffen abfiltrierte Flüssigkeit wird auf ein be-
stimmtes Volumen, z. B. 500 ccm gebracht; hiervon dienen aliquote Teile zu

0 Senden Bestimmungen:	.	, of,n

n. y) Zur Bestimmung von Eisenoxyd, Kalk und Magnesia usw. etwa 200 ccm
■?e salzsaure Lösung wird annähernd mit Ammoniak neutralisiert dann mit
Kmmoniumazetat versetzt, gelinde erwärmt und das ausgeschiedene phosphorsaure
Eisen (PeP04) abfiltriert getrocknet, geglüht und gewogen Die Hälfte der ge-
^nen Menge wird als „Eisenoxyd“ berechnet (vergl. S. 160).

tta , J) Die Menge der Kohle darf für 4-6 g Asche köchstens einige Zentigramm aus-
machen; ist di«	„„«fw« an bleiben in der Kohle selbst nach längerem Aus

Menge der Kohle darf für 4 o ^	^ Kohle selbst nach längerem Ans

die Menge eine größere, so	zurilck) infolgedessen die Bestimmung

— ™ht Phosphorsäuro und alkalische Salze

ungenau ausfallen kann.	oa1

2) Journ. f. Landwirtschaft 1902, 50,
        <pb n="226" />
        ﻿202

Asche von Pflanzen, tierischen Stoffen nnd Brennstoffen.

Das Filtrat versetzt man event. unter Zusatz von etwas Essigsäure mit einer
hinreichenden Menge von oxalsaurem Ammon, erhitzt bis zum anfangenden Kochen
und bestimmt den Kalk nach S. 28 No. 3.

Das Filtrat vom oxalsauren Calcium wird bis auf etwa 150 ccm konzentriert,
mit etwas phosphorsaurem Natrium — in den meisten Fällen genügt die bereits
vorhandene Phosphorsäure — versetzt, mit Ammoniak übersättigt, etwa 12 Stunden
stehen gelassen und die Magnesia in üblicher Weise als pyrophosphorsaures
Magnesium gewogen.

Enthält die Asche deutliche Mengen Mang an, ohne daß dieses vorher aus-
gefällt wurde, so setzt man nach Fällung mit Ammoniumoxalat1) 20 ccm Zitronen-
säurelösung (500 g im Liter) hinzu, neutralisiert mit Ammoniak, setzt event. unter
beständigem Fmrühren noch phosphorsaures Natrium hinzu und schließlich noch
1/s Volumen 10°/oiges Ammoniak. Auf diese Weise geht kein Mangan in den
Magnesium-Ammoniumphosphat-Niederschlag mit über. Richtiger aber ist die vor-
herige quantitative Fällung und Bestimmung des Mangans vor der Fällung des Kalkes
nach S. 26, weil es sonst zu leicht die Bestimmung des Kalkes und der Magnesia
fehlerhaft beeinflußt.

Soll neben dem Eisenoxyd auch Tonerde, welche mitunter, besonders in
Aschen von Pilzen auftritt, bestimmt werden, so fällt man eine zweite Menge der
Aschenlösung — womöglich 400 ccm — nach annähernder Neutralisation mit
Ammoniak oder Natriumkarbonat mit Ammonium- oder Natriumazetat, löst den Nieder-
schlag in verdünnter Schwefelsäure, reduziert mit chemisch reinem Zink usw. nach
S. 19 und titriert das Eisen mit Kaliumpermanganat (vergl. S. 24 No. 2). Die Menge
Tonerde ergibt sich aus der Differenz, indem man von der aus der gewogenen phosphor-
sauren Tonerde + Eisenoxyd berechneten Menge — der Hälfte des Niederschlages
— die titrierte Menge Eisenoxyd abzieht (vergl. auch unter „Düngemittel“ S. 160).

Das vorstehende Trennungsverfahren ist zwar für viele Fälle ausreichend und
wird wegen seiner bequemen Durchführbarkeit gern angewendet; wenn es sich aber
um ganz genaue Untersuchungen handelt, ist es nicht empfehlenswert; denn
einerseits kann leicht Calciumphosphat mit in den Niederschlag von Eisen-Aluminium-
phosphat, andererseits in den von oxalsaurem Calcium übergehen, letzteres auch
Spuren von Magnesiumphosphat mit niederreißen, während oxalsaures Calcium als nicht
ganz unlöslich in Essigsäure mit in den Niederschlag von Magnesiumammoniumphosphat
übergehen kann. Für eine genaue Bestimmung dieser Bestandteile muß man daher
die Niederschläge entweder wieder auflösen und durch neue Fällung reinigen oder
man entfernt, wie Tollens (1. c.) empfiehlt und worauf Yerf. schon früher2)
aufmerksam gemacht hat, vorher die Phosphorsäure und bestimmt in der
phosphorsäurefreien Lösung Mangan, Kalk und Magnesia.

Die Abseheidung der Phosphorsäure kann entweder durch chemisch reines
Zinn in salpetersaurer Lösung der Asche oder ebenso angenehm und einfach durch
Zusatz von Eisenchlorid-Lösung von bekanntem Gehalt zu der salzsauren Aschen-
lösung geschehen; in letzterem Falle setzt man so viel Eisenchlorid zu, als zur Bindung
der Phosphorsäure (als FeP04) erforderlich ist, macht mit Ammoniak alkalisch,
darauf mit Essigsäure schwach sauer, fügt noch Ammonazetat zu, kocht, filtriert usw.
Da der Niederschlag von Eisenphosphat auch Mangan mit niederreifit, so muß er
zur quantitativen Bestimmung des letzteren nochmals gelöst und gefällt werden;

’) In diesem Palle ist auch der ausgefällte Kalk noch besonders auf Mangan zu

prüfen.

2) Landw. Versuchs-Stationen 1868, 10, 396.
        <pb n="227" />
        ﻿Pflanzenasclie.

203

das Filtrat hiervon wird mit dem ersteren vereinigt, das Ganze eingeengt und in
dieser Lösung Mangan, Kalk und Magnesia wie üblich bestimmt.

Für die Bestimmung des Eisenoxyds muß dann ein besonderer Teil der Aschen-
lösung, wie vorstehend angegeben ist, verwendet werden.

Bei Pflanzenbeschädigungen durch industrielle Abwässer oder
Hüttenrauch — auch die Metallsulfate scheinen ebenso wie die Schwefelsäure und
schweflige Säure durch die Blätter aufgenommen zu werden — wird vielfach zum
Nachweise dieser Beschädigungen auch die Bestimmung von Blei, Kupfer oder Zink
(mitunter auch von Arsen) notwendig. Zwar kommen Kupfer und Zink als natür-
liche Bestandteile in sehr geringer Menge ziemlich stark verbreitet in den ver-
schiedensten Pflanzen vor, diese Menge ist aber bedeutend höher, wenn es sich um
derartige Beschädigungen handelt.1) Um für solche Fälle in der Beurteilung sicher
zu gehen, untersucht man als Gegenproben gesunde Pflanzen und Pflanzenteile
derselben Art, welche in der Nähe unter denselben Boden- und klimatischen Ver-
hältnissen, aber so gewachsen sind, daß sie dem vermuteten schädlichen Einfluß
nicht ausgesetzt waren.

In diesem Falle wird aber zweckmäßig nicht die Asche zur Bestimmung ver-
wendet, sondern die Pflanzenstoffe werden, wie A. Halenke u. a.-) vorgesclilageu
haben, mit chemisch reiner Schwefelsäure und Kaliumsulfat (vergl. S. 138 b) auf-
geschlossen. Man rechnet auf 1 g Substanz 5 ccm konzentrierte Schwefelsäure und
verwendet 10—26 g Substanz, Die vollständige Zerstörung der organischen Substanz
kann man gegen Ende durch Zusatz von etwas Kaliumsalpeter beschleunigen. Die
überschüssige Schwefelsäure verraucht man zum größten Teil in einer Platinschale,
verdünnt mit Wasser und scheidet Blei als Sulfat in bekannter Weise durch Zusatz
von Alkohol aus oder man fällt Kupfer und Blei in der mäßig sauren (d. h. nach
teilweisem Abstumpfen der Schwefelsäure mit Natriumkarbonat) verdünnten Lösung
durch Schwefelwasserstoff, trennt und bestimmt beide nach S. 42. Wenn erforderlich,
prüft man den Schwefel Wasserstoff-Niederschlag auf Arsen und bestimmt dieses in be-
kannter Weise als „Schwefelarsen“ oder „arsensaures Ammon-Magnesium“ nachS. 178 b.

Wenn von schweren Metallen nur Zink zugegen ist, so fällt man, wie vorhin
angegeben ist, Eisenoxyd -j- Tonerde als phosphorsaure Salze mit Ammonium-
oder Natriumazetat, leitet in das essigsaure Filtrat Schwefelwasserstoff, sammelt
das ausgeschiedene Schwefelzink, löst dieses in verdünnter Salzsäure, indem man
den Schwefel mit etwas chlorsaurem Kalium oxydiert, versetzt mit überschüssigem
Ammoniak und filtriert den nötigenfalls entstehenden Niederschlag ab macht die
ammoniakalische Lösung essigsauer und fällt nochmals mit Schwefelwasserstoff.
1)er so gesammelte und mit Schwefelwasserstoff ausgewaschene Niederschlag isU s
reines Schwefelzink anzusehen; es wird entweder nach dem Glühen im ^ asseis o
ströme als solches bestimmt oder in verdünnter Salzsäure gelöst, xe osung zur
Oxydation des Schwefels mit einigen Körnchen chlorsauren Kaliums gekocht das
ZlI»k mit keinem zu großen Uberschuß von Natriumkarbonat gefallt und
wie üblich als Zinkoxyd gewogen.

d) Phosphorsäure. 100 ccm oder 200 ccm der oben erwähnten Losung von
500 ccm werden mit Ammoniak neutralisiert, mit Salpetersäure wieder ungesäuert
°der besser mehrmals mit Salpetersäure zur Trockne verdampft, mit dieser wieder
angenommen und die Phosphorsäure nach dem Molybdänverfahren bestimmt (b. 150).

Taucü sind die betreffenden Böden, in welchen die Pflanzen bezw. Bäume ge-
wachsen sind, auf diese Bestandteile zu untersuchen

2) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-u. Genußmittel 1899, 2, 128; 1900, .,
1903, «, 643.
        <pb n="228" />
        ﻿204

Asche von Pflanzen, tierischen Stoffen und Brennstoffen.

s) Schwefelsäure. 100 ccm der Lösung werden zum Kochen erhitzt und
darin die Schwefelsäure in üblicher Weise mit Chlorharyum gefällt, bis kein
Niederschlag mehr erfolgt; man läßt erkalten, filtriert, ohne den Niederschlag auf-
zurühren, kocht ihn einmal mit Salzsäure auf und bringt ihn dann aufs Filter usw.
Für genaue Bestimmungen der Schwefelsäure verwendet man die unter Zusatz von
Natriumkarbonat und etwas Natronlauge dargestellte Asche nach b unten oder ver-
fährt noch sicherer nach dem Vorschläge von Tollens und Barlow (S. 199).

£) Alkalien. Kali und Natron werden in der (selbstredend ohne Zusatz
von Natriumkarbonat) hergestellten Asche nach Abscheidung der Schwefelsäure
nach S. 29 getrennt und bestimmt, jedoch muß vor dem Zusatz von Ammoniak und
Ammoniumkarbonat noch mehr oder weniger Eisenchlorid zugesetzt werden, um
auch alle Phosphorsäure zu entfernen. Oder man macht nach B. Tollens (1. c.)
mit chemisch reinem (alkalifreiem) Barythydrat alkalisch, kocht auf, filtriert und
beseitigt auf diese Weise Eisenoxyd, Magnesia, Schwefelsäure und Phosphorsäure;
das Filtrat wird durch Zusatz von festem Ammoniumkarbonat, Kochen und Filtrieren
von Baryt und Kalk befreit, das Filtrat hiervon mit Salzsäure neutralisiert, in einer
Platinschale eingedampft, nach dem Eintrocknen vorsichtig erhitzt, bis keine
Salmiakdämpfe mehr fortgehen, der Rückstand in wenig Wasser gelöst, durch ein
kleines Filter in eine gewogene Platinschale filtriert, hierin eingedampft, schwach
geglüht, gewogen und in dem Rückstand von Chlorkalium + Chlornatrium das
Chlorkalium wie üblich bestimmt (vergl. S. 29 u. 30).

b) Bestimmung der Säuren der unter Zusätzen dargestellten Asche. Cl) In der
durch Veraschen mit Natriumkarbonat nach 2. b S. 197 dargestellten
Asche. Man löst die Asche unter Bedecken der Platinschale — oder wenn man die
Asche mit Wasser in eine größere Porzellanschale gespült hat — unter Bedecken dieser
mit einem ührglase in Salpetersäure, verdünnt mit Wasser, läßt einige Stunden
in gelinder Wärme stehen, filtriert auf ein bestimmtes Volumen (etwa 200 ccm)
und fällt in der einen Hälfte das Chlor mit Silberlösung, in der anderen Hälfte
erst die Schwefelsäure mit Baryumnitrat und im Filtrat davon die Phosphor-
säure nach dem Molybdänverfahren (S. 150), oder man fällt in der einen Hälfte
erst die Schwefelsäure mit chlorfreier Baryumnitratlösung und im Filtrat das Chlor
mit Silberlösung, in der anderen Hälfte die Phosphorsäure nach dem Molybdänverfahren.

Über die Untersuchung von Aschen bei Pflanzenbeschädigungen durch saure
Gase (Rauch- oder Fabrikgase) vergl. weiter unter Abschnitt „Beschädigung der
Pflanzen durch Rauch und Staub“.

ß) Untersuchung der unter Zusatz von Barythydrat dargestellten
Asche. Hat man die Asche unter Zusatz von Baryt dargestellt, wie es bei den an
Kieselsäure oder an phosphorsauren Alkalien reichen Aschen zu ge-
schehen pflegt, so behandelt man sie wie oben (S. 200 unter 3. a ß) mit kon-
zentrierter Salpeter-Salzsäure und dampft die Lösung bis zur Trockne ein. Die
nach dem Eintrocknen unlöslichen Stoffe (Kieselsäure, Sand, schwefelsaures Baryum
und Kohle) werden mehrmals mit chemisch reinem kohlensauren Natrium unter
Zusatz von etwas Ätznatron ausgekocht, die zurückbleibende Masse auf einem vor-
her getrockneten und gewogenen Filter gesammelt und ausgewaschen, hierauf mit
verdünnter heißer Salzsäure ausgezogen, wieder ausgewaschen (die salzsaure Flüssig-
keit ist in einem besonderen Gläschen aufzufangen), bei 110° getrocknet, gewogen
und nach dem Verbrennen der Kohle abermals gewogen. Die Kieselsäure findet
man nach Abscheidung aus der alkalischen Flüssigkeit durch direkte Wägung, so-
wie die Schwefelsäure in dem Filtrat von der Kieselsäure durch Ausfällen mittels
Chlorbaryums.
        <pb n="229" />
        ﻿Pflanzenasche.

205

Die von den unlöslichen Stoffen (Kieselsäure, schwefelsaures Baryum usw.) ab-
filtrierte Flüssigkeit wird wie unter 3. a ß und 3. a y untersucht. Bei dem Teil des
Filtrats, in welchem Kalk und Magnesia bestimmt werden sollen, wird erst der Baryt
durch verdünnte Schwefelsäure (1: 300), wobei ein "Überschuß zu vermeiden ist,
ausgefällt, das Filtrat tunlichst mit Ammoniak neutralisiert, mit Ammoniumazetat
versetzt und wie unter 3. a y weiter behandelt.

y) Untersuchung der unter Zusatz von Kalk bezw. Calciumazetat
hergestellten Asche. Bei der unter Zusatz von Calciumazetat hergestellten
Asche empfehlen Shuttleworth und Tollens1) den zugesetzten Kalk einerseits
von der erhaltenen Gesamtasche, andererseits von dem gefundenen Gesamtkalkgehalt
abzuziehen, um so den Gehalt der Substanz an Eeinasche wie Kalk zu finden.
Hierbei müssen dann aber genaue Mengen Kalk zugesetzt und darauf geachtet
werden, daß keinerlei Verluste daran beim Einäschern statthaben.

Im allgemeinen empfiehlt es sich, für genaue Untersuchungen die unter Zu-
sätzen hergestellten Aschen nur für die Bestimmung der Säuren (Phosphorsäure,
Schwefelsäure und Chlor) zu verwenden, dieselben Säuren auch in der ohne Zusätze
hergestellten Asche zu bestimmen und die in ersterem Falle mehr gefundene Menge
Säuren der ohne Zusätze hergestellten Asche zuzurechnen, um die Gesamtmenge
der Eeinasche zu erhalten.

d) Bestimmung der fertig gebildeten Schwefelsäure. Die meisten
Kulturpflanzen enthalten nur wenig fertig gebildete Schwefelsäure; einige
jedoch, wie namentlich die Kruziferen, bilden eine Ausnahme. "Wenn man die Menge
dieser Schwefelsäure in der Pflanze und auch das Chlor, welches, wie bereits
bemerkt, bei dem gewöhnlichen Verfahren des Einäscherns großenteils verloren
gebt, bestimmen will, so kann dieses annähernd in der Weise geschehen, daß man
die getrockneten und fein zerteilten pflanzlichen Stoffe mit kaltem, salpetersäure-
haltigem Wasser möglichst vollständig auszieht. Eine etwa 50—60 cm lange und
f1/2—2 cm im Durchmesser haltende Glasröhre wird an dem einen Ende ausgezogen
°der auch mit einem Kork, in welchen ein mit Kautschukröhre und Quetschhahn
versehenes Glasröhrchen eingefügt ist, verschlossen. In das Ende der Glasröhl e
schiebt man ein wenig Baumwolle, die vorher mit salpetersäurehaltigem Wasser
ausgekocht worden ist, und bringt dann 8—10 g des fein zerteilten pflanzlichen
Stoffes in den Apparat. Man füllt nun die Glasröhre, indem man den Quetschhahn
geschlossen hält, mit dem salpetersäurehaltigen Wasser (gewöhnliche reine Salpeter-
säure und Wasser etwa wie 1 : 20) und läßt die Masse damit einige Stunden lang
Einweichen; hierauf öffnet man den Quetschhahn und läßt etwas von der Flüssigkeit
^fließen, so daß eine neue Menge der verdünnten Salpetersäure mit der Manzen-
™asse in Berührung kommt, während die Eöhre aufs neue gefüllt wird. Diese Be-
handlung wird wiederholt, bis eine Probe der abfließenden Lösung entweder gar
nicht oder doch nur ganz schwach mit Silberlösung opalisiert. Die Flüssigkeit
wird alsdann zuerst mit salpetersaurem Baryum und darauf mit Silberlosung oder
^gekehrt zuerst mit Silberlösung und dann, nach Abscheidung des überschüssigen
Übers, mit Baryumnitrat gefällt.

lr Jeder der beiden Niederschläge, besonders aber das Chlorsilber, wenn seine
Menge einigermaßen bedeutend ist, muß von dem Filter sorgfältig getrennt und
nach dem Trocknen mit reinem kohlensauren Natrium geschmolzen werden Die
geschmolzene Masse wird mit Wasser ausgekocht und ausgewaschen, die abfiltrierte
Flüssigkeit mit Salpetersäure übersättigt und abermals mit der Silberlosung gefallt.

x) Journ. f. Landwirtschaft 1899, 47, 173.
        <pb n="230" />
        ﻿206

Asche von Pflanzen, tierischen Stoffen und Brennstoffen.

4.	Bei der Berechnung und Zusammenstellung der Ergebnisse einer ausführ-
lichen Aschenuntersuchung hat man die prozentigen Verhältnisse der einzelnen Aschen-
hestandteile sowohl mit Einschluß der gefundenen Kohlensäure, Kohle und sandigen
Masse in Prozenten der Rohasche, als auch nach Abzug dieser Bestandteile in
Prozenten der Eeinasche anzugehen.

II,	Asche tierischer Stoffe.

Tierische Stoffe, namentlich solche, welche vor dem Verkohlen zuerst schmelzen,
sind sehr schwierig zu veraschen, und es gelingt oft nur unter Anwendung be-
sonderer Zusätze, die kehligen Teilchen aus der Asche völlig zu entfernen. Es muß
jedoch stets der Versuch gemacht werden, das Einäschern womöglich ohne Zusätze
zu bewirken, wenn dieses ohne wesentliche Verluste und Veränderungen der Aschen-
hestandteile geschehen kann. Die Stoffe werden zuerst immer in einer Platinschale
verkohlt, wobei man die Hitze, um ein Schmelzen der Masse zu verhüten, nur langsam
steigern darf. Wenn die Verkohlung so weit stattgefunden hat, daß beim Behandeln
mit Wasser das letztere nicht mehr gefärbt wird, so zerstößt man die Kohle zu einem
gröblichen (nicht feinen) Pulver, kocht und wäscht anhaltend mit Wasser aus. Der
kohlige Rückstand wird hierauf getrocknet und in der Schale unter Anwendung
eines'schwachen Sauer Stoff Stromes, wie oben (S. 195) angegeben ist, bei anfangender
Rotglühhitze vollends verbrannt. Unter Umständen muß man das Auslaugen mit
Wasser und Erhitzen in der Muffel mehrmals wiederholen, bis die letzten Anteile
der Kohle völlig verbrennen.

Zur genauen Bestimmung des Chlors, Schwefels und der Phosphor-
säure verfährt man nach 2. b S. 197 u. ff.

Die Asche tierischer Stoffe enthält zuweilen auch nicht unbedeutende Mengen
von cyansauren Salzen. Man zerstört dieselben am einfachsten, indem man die
Asche mit Wasser befeuchtet und hierauf allmählich zum Glühen erhitzt. In der
Regel genügt ein einmaliges Befeuchten usw., um die cyansauren Salze in kohlen-
saure umzu wandeln.

Die Untersuchung der Asche auf die einzelnen Bestandteile geschieht genau
wie unter 3. (S. 200 u. ff.) beschrieben ist.

III.	Asche der Brennstoffe.

Die Asche der Brennstoffe wird, insofern sie nur als Düngemittel in Be-
tracht kommt, ausschließlich auf die in konzentrierter kochender Salpeter-Salzsäure
löslichen Bestandteile untersucht; der nach dem Eindampfen mit dieser verbleibende
unlösliche Rückstand wird, nachdem er mit einer konzentrierten Lösung von
kohlensaurem Natrium mehrmals ausgekocht worden ist, um die Kieselsäure zu
bestimmen, nicht weiter berücksichtigt, sondern nur als Ganzes gewogen und als
„Unlösliche Substanz“ in Rechnung gebracht.

1.	Die Untersuchung der Holzasche wird fast genau in derselben Weise aus-
geführt, wie eine an kohlensauren Salzen reiche reine Pflanzenasche. Man nimmt
jedoch eine etwas größere Menge (5—10 g) in Arbeit, behandelt diese mit Königs-
wasser, dampft bis zur Trockne ein, kocht den Rückstand, nachdem er mit
konzentrierter Salzsäure angefeuchtet worden ist, mit Wasser aus, verdünnt die
Lösung bis auf 1000 ccm und bestimmt in aliquoten Teilen der Lösung die einzelnen
Bestandteile, wie unter 3. (S. 200 u. ff.) angegeben ist.

2.	Die Torfasche und mehr noch die Braun- und Steinkohlenasche
sind durchweg sehr arm an Phosphorsäure und Alkalien. Man muß daher für die
        <pb n="231" />
        ﻿Asche der Brennstoffe.

207

Untersuchung dieser Aschen eine größere Menge (10—20 g) verwenden und mit
Salpeter-Salzsäure zur Trockne verdampfen. Die im unlöslichen Rückstände ver-
bleibende „Kieselsäure“ wird durch Auskochen mit einer Lösung von Natrium-
karbonat, Fällen mit Salzsäure usw. bestimmt, während die salzsaure, vom un-
löslichen Rückstände abfiltrierte, auf 500 oder 1000 ccm gebrachte Lösung nach 3.
(S. 200 u. ff.) untersucht wird.

Häufig enthält diese Art Asche nicht unbedeutende Mengen Schwefel-
Verbindungen, welche bei der Anwendung der Aschen zur Düngung unter Umständen
schädlich wirken können, wenn nicht gleichzeitig hinreichende Mengen von kohlen-
sauren Alkalien oder koblensaurem Kalk zugegen sind. Man bestimmt die Schwefel-
verbindungen am besten nach Tollens und Barlow S. 199 No. 3 oder durch
Zusammenschmelzen der Asche (1 Teil) mit einem Gemisch von wasserfreiem
Natriumkarbonat (6 Teile) und Salpeter (4 Teile), Lösen der Schmelze in salzsäure-
haltigem Wasser und Fällung der Schwefelsäure mit Chlorbaryum. Von der so
gefundenen Menge Schwefelsäure wird die durch direktes Lösen der Asche in
salzsäurehaltigem Wasser gelöste, fertig gebildete Schwefelsäure abgezogen und die
Differenz als von Schwefelverbindungen herrührend angesehen.

Mitunter sind die Aschen sehr reich an Gips; da dieser sich nur schwer
in Wasser löst (etwa 1 Teil in 800 Teilen Wasser), so muß man solche Aschen ent-
weder sehr lange mit heißem, salzsäurehaltigem Wasser auswaschen und das Filtrat
auf 1000 ccm anstatt auf 500 ccm bringen, oder man kocht zur Bestimmung der
Schwefelsäure etwa 1—2 g der fein gepulverten Asche 1 Stunde lang mit einer
wässerigen Lösung von 6—8 g Natriumkarbonat und bestimmt im Filtrat die
Schwefelsäure und im Rückstände den Kalk, wie bei Gips (S. 186) ange-
geben ist.
        <pb n="232" />
        ﻿Futtermittel

A. Allgemeine Untersuchungsverfahren.

I.	Vorbereitung zur Untersuchung.

Die meisten Futtermittel befinden sich nicht in einem solchen Zustande, daß sie
ohne weiteres zur Untersuchung verwendet werden können. Handelt es sich um
feinpulverige lufttrockne Stoffe, so können dieselben in einer Eeibschale häufig
einfach zerrieben oder gemischt werden; grobkörnige spröde Stoffe müssen
erst gemahlen werden und soll dabei nach den Vereinbarungen des Verbandes
deutscher landw. Versuchs-Stationen ein solcher Zerkleinerungsgrad ange-
strebt werden, daß die gemahlene Masse durch ein Sieb von 1 mm geht.
Dickflüssige, brei-, sirup- und pastenartige Massen müssen vorher entweder gehörig
umgeschüttelt oder mit einem Spatel durcheinander gearbeitet werden.

Eauhfuttermittel, Wurzelgewächse bedürfen noch besonderer Vor-
bereitungen, die weiter unten mitgeteilt werden.

II.	Bestimmung des Wassers bezw. der Trockensubstanz.

Futter- bezw. Nahrungsmittel, welche entweder pulverförmig sind oder sich
ohne Vortrocknen mittels der Schrotmühle pulvern lassen (wie Körner, Öl-
kuchen usw.), werden in der Weise auf Gehalt an Wasser untersucht, daß etwa
5—10 g in Trockengläschen (von der Form der Erlenmeyerschen Kochkolben
mit schrägen Seitenwänden, welche sich leicht reinigen lassen) bei 106—110° bis
zur Beständigkeit des Gewichtes — wozu meistens 3—5 Stunden genügen — erwärmt
werden.

Grünfuttermittel, Eüben, Kartoffeln usw. bedürfen einer Vortrocknung bei
etwa 50—60° und eines Pulverns der so vorgetrockneten Masse; wie dieses vor-
zunehmen ist, wird unter B. „Besondere Vorschriften für Untersuchung der einzelnen
Futtermittel“ beschrieben werden.

III.	Bestimmung der stickstoffhaltigen Substanzen.

1. Eohprotein. Zur Bestimmung des Eohproteins werden ungefähr 1—2 g
Trockensubstanz entsprechende Mengen — über die Abwägung verschiedener wasser-
haltigen Stoffe vergl. S. 136 u. f. — abgewogen und nach Kjeldahl1) (S. 138)
verbrannt.

J) Bei Anwendung dieses Verfahrens ist darauf zu achten, daß die Substanz, be-
sonders die mehlartigen Futtermittel, vor dem Erhitzen vollständig von der Schwefelsäure
durchfeuchtet sind.
        <pb n="233" />
        ﻿Bestimmung der stickstoffhaltigen Substanzen.

209

Den so gefundenen Stickstoff-Gehalt pflegt man unter der Annahme von 16%
Stickstoff in der stickstoffhaltigen Substanz mit 6.25 zu multiplizieren, um den Ge-
halt an „Eohprotein“ zu erhalten.

Diese Art Bestimmung und Berechnung des Bohproteins wird für gewöhnlich
als ausreichend angesehen. Sie ist aber nichts weniger als genau. Denn die Multiplikation
des gefundenen Stickstoffs mit 6,25 gibt nur einen annähernden Ausdruck für den Gehalt
an wirklichen Proteinstoffen, einerseits, weil die Futter- und Nahrungsmittel neben den
Protein- oder eiweißartigen Verbindungen noch verschiedene andere Stickstoff-Verbindungen,
wie Amide, Alkaloide, Ammoniak, Salpetersäure usw. enthalten, welche nicht nur einen
mehr oder weniger weit von 16 % abweichenden Stickstoff-Gehalt haben, sondern auch
bezüglich ihrer Nährwirkung von den Proteinstoffen völlig verschieden sind, andererseits,
weil die Proteinstoffe selbst in dem Gehalt an Stickstoff wie in ihrer Beschaffenheit von-
einander abweiohen.

Nur bei den tierischen Proteinstoffen liegt der Stickstoffgehalt um 16°/0
herum, bei den pflanzlichen Proteinstoffen, besonders in den Samen, ist derselbe nach
den Untersuchungen von H. Bitthausen,1) sowie nach denen von Weyl, Barbieri,
E. Schulze, Meissl, Osborne, Glättenden u. a. weit höher und schwankt von 16,38
bis 18,73°/0. H. Eitthausen schlägt daher vor, für die einzelnen Gruppen der Samen
je nach ihrem abweichenden Stickstoff-Gehalt verschiedene Faktoren für die Protein-
Berechnung zugrunde zu legen, und zwar für:

06	°	Mittlerer N-Ge-

halt d. Protein-
stoffe

&lt; Gerstenkörner, Gerstenmehl, Gerstentreber, Mais,
B Gruppe l Buchweizen, weisse Bohnen, Sojabohne, Kaps- und
1, Eübsen-Pressrückstand

Weizenkörner, Weizenfuttermehl, Weizenkleie,
II. Gruppe J Roggenkörner, Eoggenfuttermehl, Eoggenkleie,
' Haferkömer, Hafermehl, Erbsen, Saubohnen,
Wicken, Candlenuts-Kuchen

%

16,66

Protein-

Faktor

Hx

17,60

6,00

5,70

Bl- Gruppe

Preasrückstände von: Leinsamen, Hanfsamen, Erd-
nuss-, Baumwollsamen, süssen und bitteren Mandeln,
Haselnüssen, Paranüssen, Kizinussamen, Aprikoaen-
kernen, Walnüssen, Sesamsamen, Sonnenblumensamen,
Kürbiskernen, Kokosnüssen, Lupinen

} 18,20

5,50

leicht Binse Vorschläge Bitthausens verdienen alle Beachtung. Indes wird es nicht so
einer ajjln’ über die richtigsten Faktoren zur Berechnung der Proteinstoffe schon jetzt zu
Und NahfmeineD Einigung zu gelangen, weil bis jetzt nur ein kleiner Teil der Futter-
der “'en UnBsmBtel nach dieser Kichtung untersucht ist und weil sich die Untersuchungen
nicht auf1"'»611 Bntter- und Nahrungsmittel nur auf einen Teil ihrer Gesamtproteinstoffe,
j alle erstrecken.

®ticlcatoffg 6n. s gibt die Berechnung des Bohproteins durch Multiplikation des gefundenen
stoffen Init 6,25 nur einen mangelhaften Ausdruck für den wirklichen Gehalt an Protein-
diege	(lem ®run^e lst eine weitere Trennung der Stickstoff-Verbindungen, soweit

Möglich w 'i.611 Vorschlägen von B. Schulze, B. Sachsse, A. Stutzer u. a. zurzeit
b höchst wertvoll.

Werden' j^e'nPr°teiu. a) Verfahren von A. Stutzer.2 * * *) Nach diesem Verfahren8)
Griem Bec]j~ ^ ^er zu untersuchenden, durch ein 1 mm-Sieb gebrachten Substanz in
Boi stärke 6 nf^aS6- "l^ ^O ccm Wasser übergossen, zum Sieden erhitzt bezw.

- ~ lllehlhaltigen Stoffen 10 Minuten im Wasserbade erwärmt, dann mit 0,3

2)	^'/-^ionen 1896, 47, 391.

3)	Ein t .. andwirtschaft 1881, 29. 473 und Kepertorium f. anal. Chemie 1885, 162.

, Wal§’er Gehalt an Pepton wird nach diesem Verfahren nicht mitbestimmt,

'wirtschaftliche Stolle, s. Auflage.	14
        <pb n="234" />
        ﻿210

Futtermittel.

bis 0,4 g aufgeschlämmtem Kupferhydroxyd — über die Bereitung vergl. unter
Lösungen No. 16 am Schluß — versetzt, nach dem Erkalten durch ein Filter
von schwedischem Filtrierpapier filtriert, der auf dem Filter befindliche Rück-
stand mit Wasser ausgewaschen und samt Filter noch feucht nach dem Verfahren
von Kjeldahl (S. 138) verbrannt.

Bei der Untersuchung von solchen Stoffen, welche wie Samen, Ölkuchen usw.
reich an phosphorsauren Alkalien sind, bei welchen sich also phosphorsaures Kupfer
und freies, Proteinstoffe lösendes Alkali bilden kann, werden dem Wasser vor
dem Zusatz von Kupferhydroxyd einige ccm Alaunlösung zugefügt, wodurch gelöste
Phosphate unter Bildung unlöslicher phosphorsaurer Tonerde zersetzt werden, so-
dann wird weiter wie sonst verfahren.

Enthalten die Pflanzenstoffe schwer lösliche Alkaloide, so werden 1—2 g
in einem Becherglase mit 100 ccm absolutem Alkohol und 1 ccm Essigsäure
im Wasserbade zum Sieden erhitzt; nach dem Absetzen der Substanz wird die
Flüssigkeit mit möglichster Vorsicht filtriert, so daß nichts oder nur ganz ge-
ringe Mengen von dem Ungelösten mit aufs Filter gelangen; dann wird das Filter, um
gelöstes Fett zu entfernen, mit wenig erwärmtem Alkohol und Äther ausgewaschen,
die im Becherglase befindliche Substanz mit 100 ccm Wasser zum Sieden erhitzt
—■ bezw. bei stärkemehlhaltigen Stoffen 10 Minuten im Wasserbade erwärmt —,
hierauf wie oben mit 0,3—0,4 g Kupferhydroxyd versetzt, der Niederschlag nach
dem Erkalten auf das bereits benutzte Filter gebracht, mit Wasser ausgewaschen usw.1)

Der Stickstoff des Filters, welcher bei schwedischem Filtrierpapier für 5 cm Durch-
messer 0,00004 g oder bei Filtrierpapier No. 689 von Schleicher und Schüll in Düren
0,00005—0,00010 g für 11—12 cm Durchmesser beträgt, kann vernachläßigt werden;
ebenso ist ein Fehler dadurch, daß durch Einwirkung des Kupferoxyds aus dem bei der
Verbrennung entstehenden Ammoniak freier Stickstoff gebildet werden könnte, nicht zu
befürchten.

Viel einfacher und zweckmäßiger ist das Verfahren von F. Barnstein2) zur
Bestimmung des Eeinproteins mit Kupferhydroxyd: 1—2 g des Futtermittels
werden mit 50 ccm destilliertem Wasser auf gekocht — bezw. bei Stärkemehl haltigen
Stoffen 10 Minuten im Wasserbad erhitzt —, sodann mit 25 ccm einer Kupfersulfat-
lösung versetzt, welche in 1 1 60 g kristallisiertes Kupfersulfat enthält, darauf unter
Umrühren. 25 ccm einer Natronlauge von der Konzentration 12,5 :1000 hinzugegeben.
Nach dem Absetzen wird die überstehende Flüssigkeit durch ein Filter abgegossen,
der Niederschlag wiederholt mit Wasser dekantiert, schließlich auf das Filter ge-
bracht und mit warmem Wasser so lange ausgewaschen, bis das Filtrat mit gelbem
Blutlaugensalz oder Chlorbaryum keine Reaktion mehr gibt. Der Stickstoffgehalt
des Niederschlages wird sodann nach dem Kjeldahl-Verfahren bestimmt.

Beim Vermischen von je 25 ccm Kupfersulfat- und Ätznatronlösung von der
oben angegebenen Konzentration entsteht ein grünlicher Niederschlag eines basischen
Kupfersalzes mit einem Gehalt von etwa 0,38 Cu(OH)2, welches letztere offenbar
den wirksamen Bestandteil des Niederschlages bildet. Die überstehende Flüssigkeit
zeigt noch eine deutliche Reaktion auf Kupfer.

!) B. Sjollema versetzt (Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel,
1899, 2, 415) 1 g Substanz mit 50 ccm Wasser, kocht und fügt, um das spätere Filtrieren
zu erleichtern, beim Beginn des Siedens allmählich und unter fortwährendem Umrühren
60 ccm 95 °/0-igen Spiritus hinzu, darauf noch 50 ccm Wasser, einige Tropfen einer kalt-
gesättigten Alaunlösung und alsdann die vorgeschriebene Menge der Kupferhydroxyd-Mischung-

2) Landw. Versuchs-Stationen 1900, 54, 327,
        <pb n="235" />
        ﻿Bestimmung der stickstoffhaltigen Substanzen.

211

Es sei gleich an dieser Stelle hervorgehoben, daß nach diesem 1 erfahren
auch dann noch richtige Zahlen erhalten werden, wenn das Natron in so großer
Menge hinzugefiigt wird, daß das Kupfer nicht als basisches Salz, sondern vollständig
als Oxydhydrat ausgefällt wird; selbstverständlich darf diese Menge aber nicht so groß
sein, daß die über dem Niederschlag stehende Flüssigkeit alkalisch reagiert.

b) Verfahren von H. Schjerning. H. Schjerning1) wendet gegen die
Fällung mit Kupferhydroxyd ein, daß es die Peptone nicht vollständig, dagegen aber
Amin-Amidverhindungen mit ausfällt. Nach seinen Versuchen können zur Fällung
des Reinproteins an Stelle von Kupferhydroxyd ebensogut Zinnchlorür, Blei-
azetat, Ferriazetat und Uranazetat angewendet werden. Neben Ammonium-
azetat wurden 20 verschiedene Amide und organische Basen gegen diese Fällungs-
mittel geprüft und gefunden, daß Zinnchlorür nur Alloxan, Bleiazetat sowie Ferri-
azetat nur geringe Mengen Alloxan nebst äußerst geringen Mengen Koffein und Chinin,
Uranazetat dagegen bloß Piperazin mit ausfällte. Nur Quecksilberchlorid wie
Magnesiumsulfat fällen eine größere Menge der Amide oder Basen und sind

deshalb für die Fällung nicht geeignet.

H. Schjerning empfiehlt daher zur Fällung der Rein-Proteinstoffe das Uran-
azetat in folgender Ausführung: „0,5—1,0 g des Futtermittels werdenjn einem
geräumigen Becherglas abgewogen, mit 100 ccm destilliertem Wasser ilbergossen
uud hiermit unter wiederholtem Umrühren mehrere Stunden — bis 20 -
Zimmertemperatur stehen gelassen. Dann wird die Mischung in ein Wasserbad
gebracht und auf 50° erwärmt (Futtermittel, welche keine Stärke enthalten, können
a,mh unbedenklich auf 100° erhitzt werden; aber es ist nicht notwendig); darauf
wird ein Uberschuß von Uranazetat — 20 bis 40 ccm einer gesättigten Lösung werden
immer hinreichen — zugesetzt. Indem man vor direkter Einwirkung des Lichtes
Schützt, wird die Mischung etwa x/2 Stunde bei 50° gehalten, natürlich unter
wiederholtem Umrühren mit einem Glasstab. Der Niederschlag wird dann auf
einem H Cm großen, mit Flußsäure ausgezogenen Filter (von Schleicher und Schüll)
gesammelt und 2—3-mal mit einer kalten 1—2 °/0-igen üranazetatlösung ausge-
waschen. Filter und Niederschlag werden in einen 1/4 Liter-Kolben gebracht
mit 50 ccm Magnesiamilch — 11 g Mg 0 in 2 1 Wasser — versetzt, gekocht und
auf einer Asbestplatte über einer schwachen Gasflamme beinahe, aber doch nie
^Müg, zur Trockne eingedampft. Der Eindampfungsrest wird weiter nach Kjel-
dahls Verfahren behandelt. Als Korrektion für die Löslichkeit der Uranfallung sind
fUr je 100 ccm Filtrat und Waschflüssigkeit 0,1 ccm % Normalsäure zu addieren .
,,, . Von Hoppe-Seyler uud Schmidt-Mühlheim ist Ferriazetat von F^Hoimeister
J eihydroxyd unter Zusatz von etwas Bleiazetat, von Meißl, SeBtini, Keliner ma.
Uleiazetatlösung zur Fällung der Proteinstoffe vorgeschlagen E. Schulze ) ®“P	.

mehrere dieser Verfahren gleichzeitig nebeneinander anzuwenden und auch ^Stickstoff
m dem durch Schwefelwasserstoff von Kupfer befreiten Filtrat des Niederschlages durch
Emdampfen in Hofmeisterschen Glasschälchen usw. zu bestimmen; femei zui weite

-•!-.QoVnxrA+Alah

—-uampien in Hofmeisterschen Hlasscnaicm,	mit Schwefelsäure und 1hl

Kennzeichnung der Stickstoff-Verbindungen die Auw lg	en und den im FiUrat hm

wolframsäure (vergl. Lösung No. 23 am Sch uß)	p,10sphorwolframsaure wird auch

von verbleibenden Stickstoff ebenfalls zu ermitte	, und

Tannin angewendet.	A Albumosen, Pepton, _ a v

Durch Phosphorwolframsäure we	Xanthin. Guanin,

Ammoniak gefällt, ferner; Betain, Hyp Glutamin, Leucin, Cyro
Arginin, nicht aber die Amide (Asparag &gt;

’) Zeitschr. f. anal. Chemie 1900. 30, 645&gt; und 633.
2) Landw. Versuchs-Stationen 1881, 26, 213-

14’*
        <pb n="236" />
        ﻿212

Futtermittel.

Zur weiteren Trennung der nicht proteinartigen Stickstoff Verbindungen
empfiehlt E. Schulze1) Zusatz von salpetersaurem Quecksilber zu den vorher mit
Bleiazetat behandelten Pflanzenauszügen, wodurch Asparagin, Glutamin, Allantoin,
die Xanthinkörper und zum Teil auch Tyrosin gefällt werden; sie lassen sich nach
Entfernung des Quecksilbers durch Schwefelwasserstoff weiter durch ammoniakalische
Silberlüsung trennen, wodurch Hypoxanthin, Xanthin und Guanin abgeschieden
werden.

In den meisten Fällen genügt es indes, den Gesamt-Stickstoff und den in
Form von reinem Protein vorhandenen Stickstoff zu bestimmen, während der in
Form von Nichtprotein-Verbindungen vorhandene Stickstoff aus der Differenz ange-
nommen wird. Sollen letztere jedoch näher gekennzeichnet werden, so verfährt
man nach dem zuerst von R. Sachsse2 3) angegebenen Verfahren, indem man erst
das Ammoniak, dann den Amid- und Säureamid-Stickstoff bestimmt.

3. Albumosen und Pepton. Zur Bestimmung der Alhumosen und Peptone
in Futtermitteln stellt man zunächst eine kalte wässerige Lösung her, je nach dem
Gehalt, 10 oder 20 g auf 500 ccm, filtriert durch ein trocknes Filter und verwendet
von dem Filtrat 50 oder 100 ccm; diese werden unter Zusatz von einigen Tropfen
Salpetersäure gekocht. Wenn ein Gerinnsel von Eiweiß sich ausscheidet, ward filtriert,
der Niederschlag wie hei der Kupferhydroxyd-Fällung nach Kjeldahl verbrannt
und aus dem gefundenen Stickstoff durch Multiplikation mit 6,25 der Gehalt an
Albumin berechnet.

a) Das Filtrat oder, wenn kein Albumin vorhanden ist, 50—100 ccm der
ursprünglichen Lösung werden auf 40—50 ccm eingedampft, diese nach A. Börner8)
mit Schwefelsäure schwach angesäuert (um das Ausfallen von unlöslichen Zinksalzen
wie Phosphat usw. zu verhindern) und darauf mit fein gepulvertem Zinksulfat in der
Kälte gesättigt. Nachdem sich die ausgeschiedenen Albumosen (an der Oberfläche der
Flüssigkeit) abgesetzt haben und am Boden des Glases noch geringe Mengen ungelösten
Zinksulfates vorhanden sind, werden die Albumosen abfiltriert, mit kaltgesättigter
Zinksulfatlösung hinreichend ausgewaschen und nach Kjeldahl verbrannt. Durch
Multiplikation der gefundenen Stickstoffmenge, abzüglich des Filterstickstoffs,4) mit
6,25 erhält man die ihr entsprechende Menge Alhumosen. Sind nennenswerte Mengen
Ammoniak5 *) in den Stoffen, so werden weitere 50 ccm der Lösung in derselben
Weise mit Zinksulfat gefällt, in dem Niederschlage der Ammoniak-Stickstoff bestimmt
und letzterer von dem Gesamt-Stickstoff des Zinksulfat-Niederschlages abgezogen.

h) Das Filtrat von der Zinksulfat- bezw. Albumosen-Fällung füllt man mit
Wasser auf 250 ccm auf und prüft davon zunächst 20—25 ccm qualitativ auf
Peptone. Man versetzt mit soviel konzentrierter Natronlauge, bis das anfänglich
sich ausscheidende Zinkhydroxyd sich wieder vollständig gelöst hat und fügt einige
Tropfen einer l°/0-igen Lösung von Kupfersulfat hinzu. Eine karminrote bis
rotviolette Färbung zeigt Peptone an.

Ist eine solche Färbung aufgetreten, so werden 100 ccm des Filtrates der
Zinksulfat-Fällung zur quantitativen Bestimmung des Peptons mit einer stark an-

*) Vergl.Landw. Versuchs-Stationen 1881, 28, 213; 1882,27,449 und 1887,38,89 und 124.

2)	E. Sachsse, Die Chemie und Physiologie der Farbstoffe, Kohlehydrate usw.
Leipzig 1877, S. 256.

3)	Zeitschr. f. anal. Chemie 1895, 34, 562 u. Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
u. Genußmittel 1898, 1, 106.

4)	Derselbe kann bei Anwendung von schwedischem Filtrierpapier unberücksichtigt
bleiben.

5)	Ammoniak geht mitunter unter Bildung eines Doppelsalzes bezw. eines komplexen

Salzes von Ammonsulfat und Zinksulfat mit in die Zinksulfat-Fällung über.
        <pb n="237" />
        ﻿Bestimmung der stickstoffhaltigen Substanzen.

213

gesäuerten Lösung des phosphorwolframsauren Natriums1) so lange versetzt, als noch
ein Niederschlag entsteht; der Niederschlag wird nach etwa 12-stündigem Stehen
durch ein Filter von bekanntem Stickstoff-Gehalt filtriert, mit verdünnter Schwefel-
säure (1 : 3) ausgewaschen, samt Filter noch feucht in einen Kolben gegeben und
darin der Stickstoff-Gehalt nach Kjeldahl ermittelt. Durch Multiplikation des ge-
fundenen Stickstoff-Gehaltes mit 6,25 erhält man die Menge des vorhandenen Peptons.

Man kann auch das albuminfreie Filtrat nach dem Ansäuern mit Schwefelsäure
direkt mit phosphorwolfrarasaurem Natrium fällen; man erhält auf diese \\ eise
Albuinosen- -j- Pepton-Stickstoff und nach Abzug des durch Zinksulfat gefällten
Albumosen-Stickstoffs den Pepton-Stickstoff; jedoch ist die vorherige Ausfüllung der
Albumosen vorzuziehen.

Bei der Pepton-Fällung durch Phosphorwolframsäure ist jedoch zu berücksichtigen,
daß hierdurch auch organische Basen und Ammoniak (siehe oben) gefällt werden.
Letzteres läßt sich in einer 2. Fällung durch Destillation des Niederschlages mit
gebrannter Magnesia bestimmen und von dem Gesamt-Stickstoff des Niederschlages
in Abzug bringen. Für die organischen Basen ist aber eine gesonderte Bestimmung
neben den Peptonen nicht möglich. Man prüft hierauf qualitativ, indem man das
Filtrat von dem Zinksulfat-Niederschlage mit überschüssigem Ammoniak bis zur
deutlichen alkalischen Reaktion versetzt, von einem etwa entstehenden Niederschlage
(Phosphate) abfiltriert und zu dem Filtrate eine Lösung von Silbernitrat (etwa
2,5 g in 100 ccm Wasser) hinzufügt. Ein entstehender Niederschlag zeigt or-
ganische Basen (Xanthinbasen, vergl. vorstehend S. 212) an. Bleibt ein solcher Nieder-
schlag aus, so darf man noch nicht auf Abwesenheit von organischen Basen überhaupt
schließen; weil aber die Xanthinbasen am weitesten im Pflanzen- und Tierreich ver-
breitet sind, so deutet das Ausbleiben eines Niederschlages mit Silbernitrat darauf
bin, daß die Menge an organischen Basen nur gering ist; man kann alsdann, wenn
gleichzeitig eine deutliche qualitative Reaktion von Peptonen aufgetreten ist, den
dnrch phosphorwolframsaures Natrium gefällten Stickstoff als vorwiegend Pepton-
Stickstoff annehmen. Konnte dagegen qualitativ kein Pepton nachgewiesen werden,
80 stammt der durch phosphorwolframsaures Natrium gefällte Stickstoff —. nach
Abzug des Ammoniak-Stickstoffs — vorwiegend aus stickstoffhaltigen organischen
Lasen. Richtiger aber bringt man die durch Zinksulfat gefällten Stickstoff-V er-
bindungen als Albumosen-Stickstoff, die durch phosphorwolframsaures Natrium ge-
eilten Stickstoff-Verbindungen als „Pepton- + Basen-Stickstoff“ zum Ausdruck.

L Trennung und Bestimmung der nichteiweißartigen Stickstoff-Verbindungen.

Hierbei ist in erster Linie zu beachten, daß man wegen der leichten Zersetzlichkeit dei
Lflanzenauszüge recht rasch arbeiten und das Ausziehen so vornehmen muß, daß sich nicht
crch die Art des Ausziehens Zersetzungserzeugnisse bilden, welche ic igo ni

natt beeinflussen.	t	., „n ,.

.	. ö. Kellner hat vorgeschlagen, die Pflanzenstoffe statt mit asser mi ^ w

'grädigem Weingeist unter Zusatz von einigen Tropfen Essigsauie mi au
Johr IV*—iV. Stunden zu kochen, nämlich 10 g fein gepulverte Substanz mit 300 ccm
beses Weingeistes, nach dem Erkalten zu filtrieren, von dem Filtrat einen aliquoten
61 im Wasserbade einzudampfen, mit Wasser aufzunehmen usw.

, Will man mit Wasser ausziehen. so empfiehlt es sich, zunächst (2-mal) 1 Stunde
lang mit kaltem Wasser (etwa das 10-fache der Substanz) zu behandeln,1) mit Hilfe dei

’) 120 g phosphorsaures Natrium und 200 g wolframsaures Natrium ^rde£ 111 1 1
Vasse gelögt Zu der j.edegmal erforderlichen Lösung setzt man ein halbes F olumeu

wefelsäure (1 Vo'l. konz. Schwefelsäure und 1 Vol. Wasser).	.

2) Das Asparagin zersetzt sich nämlich schon beim Kochen der wässerigen Losung.
        <pb n="238" />
        ﻿214

Futtermittel.

Säugpumpe zu filtrieren und noch 1-mal mit der 10-fachen Menge Wasser auszukochen.
Die Filtrate werden zusammengegeben, rasch durch Kochen von Eiweiß befreit, filtriert
und das Filtrat auf ein geringeres Volumen eingedunstet; um den störenden Einfluß von
etwa vorhandenem Pepton und intermediären Proteinzersetzungsstoffen zu vermeiden,
säuert man mit Schwefelsäure an, fällt mit Phosphorwolframsäure, filtriert, bringt das
Filtrat auf ein bestimmtes Volumen und nimmt hiervon zu den einzelnen Bestimmungen
aliquote Teile.

Das Wesen der weiteren Bestimmung und Trennung der amidartigen Verbindungen
beruht darauf, daß die Amidosäuren, bei denen innerhalb des Radikals Wasserstoff
durch die Amidogruppe (NH2) ersetzt ist, mit salpetriger Säure gerade wie Ammoniak
freies Stickstoffgas entwickeln, nach der Gleichung:

2C2H3(NH2) | coojjH” 2HN02	= 2C2H3. OH {	+ 2HaO + 2N2

Asparaginsäure	+ Salpetrige Säure =	Äpfelsäure	-f- "Wasser + Stickstoff.

In derselben Weise verhält sich Leucin = C6HI0(NH2) CO OH, welches bei dieser
Behandlung Leucinsäure und freies Stickstoffgas entwickelt, ferner Tyrosin C9H,, N03 =
C0H4(OH). CH2. CH(NH2). CO OH,

Es entsprechen hiernach;

28 Tie. gefundenerN = 133 Tin. Asparaglnsäure, = 131 Tin. Leucin. = 181 Tin. Tyrosin, oder:
1 TL „	= 4,75 „	„	= 4,68 „	„	= 6,46 „	„	.

Die Amido-Säureamide, bei denen auch noch eine Hydroxylgruppe (OH) des
Karboxyls durch eine 2. Amidogruppe (NH2) vertreten ist, geben dagegen durch Behandeln
mit salpetriger Säure nur die eine Hälfte des Stickstoffs in Form von freiem Gas ab; das
an die Karboxylgruppe gebundene NH2 wird in Ammoniak umgewandelt; die Umwandlung
der letzteren Amidogruppe in Ammoniak kann durch Kochen mit einer beliebigen anderen
verdünnten Säure, z. B. Salzsäure, geschehen; bei Asparagin entsteht dadurch Chlorammonium
und Asparaginsäure, die sich dann beim Behandeln mit salpetriger Säure wie oben ver-
hält, also:

c2h3.nh2 { ZoT+ HC1 + h2o =C2H3.NH2 { cqoh + NH.CI

Asparagin	-|- Salzsäure -f Wasser = Asparaginsäure -f Chlorammonium.

Behandelt man letzteres Umsetzungserzeugnis nach dem Austreiben des Ammoniaks
durch Alkalien oder alkalische Erden wie oben mit salpetriger Säure, so erhält man ebenfalls
Äpfelsäure und freies Stickstoffgas, wobei 28 Teile des letzteren = 132 Teilen Asparagin
oder 1 Teil N = 4,71 Teilen Asparagin sind. Man kann aber auch die Menge des in Form
von Ammoniak abgespaltenen Stickstoffs ermitteln und daraus den Asparagingehalt berechnen
^obei 14 Tie. N = 132 Tin. Asparagin oder 1 T). N = 9.43 Tin. Asparagin). Dieses zuerst
von E. Sachsse angegebene Verfahren ist später von E. Schulze, 0. Kellner, E. Kern,
A. Emmerling, C. Böhmer u. a. geprüft und für die praktische Untersuchung aus-
gebildet worden.

Um mit Hilfe dieses Verfahrens die amidartigen Verbindungen in den Pflanzen und
deren Auszügen zu bestimmen, teilt man den obigen Auszug in 3 gleiche Teile und ver-
fährt wie folgt:

1. In dem ersten Teil bestimmt man das fertig gebildete Ammoniak.

Dieses kann entweder im Azotometer durch bromierte Natronlauge, wobei sich das
Ammoniak (z. B. Salmiak) nach folgender Gleichung umsetzt;

2NH4C1 + 3NaBrO + 2NaH0 = 2N + 3NaBr + 2NaCl + 5H20,
oder aber durch Austreiben des Ammoniaks mit alkalischen Erden (Kalk oder Magnesia)
bestimmt werden; letzteres Verfahren dürfte den Vorzug besitzen, weil A. Morgen ge-
funden hat, daß auch die Amid- und andere Stickstoffverbindungen der Pflanzenauszüge
durch bromierte Natronlauge angegriffen werden.

Manche Chemiker ziehen für diesen Zweck Kalkmilch der Magnesia vor, weil sie
bei phosphorsäurehaltigen Stoffen die Bildung von schwer zerlegbarem Magnesium-
Ammouiumphosphat befürchten.
        <pb n="239" />
        ﻿Bestimmung der stickstoffhaltigen Substanzen.

215

Zur Austreibung des Ammoniaks durch Kochen mit gebrannter Magnesia kann man
sich des Schlösingschen oder eines Apparates von ähnlicher Art bedienen; man bringt
den Auszug mit Magnesia in einen Kolben, verbindet diesen durch ein hohes, wo-
möglich mit Kugel versehenes Glasrohr, um ein Übersteigen von Magnesia zu verhüten,
mit einem fast wagerecht liegenden Liebigschen Kühler, der am anderen Ende in luft-
dichter Verbindung eine U-förmige Vorlage mit titrierter Schwefelsäure enthält, wie bei einer
Salpetersäurebestimmung nach S. 146. Auch läßt sich die Austreibung des Ammoniaks durch
Kalkmilch in der Weise bewirken, daß man nach C. Böhmer den Auszug in einer Schale
unter eine geräumige, auf einer geschliffenen Platte luftdicht schließende, tubulierte Glas-
glocke bringt, die mit einem doppelt durchbohrten Gummipfropfen geschlossen wird; durch
die eine Öffnung geht ein mit Glashahn versehenes Trichterrohr bis in die Schale mit
dem Auszug, durch die andere ein rechtwiukelig gebogenes, ebenfalls mit Glashahu versehenes
Glasrohr, das oben unter dem Pfropfen in der Glocke mündet; neben die Schale mit Auszug
setzt man in einiger Erhöhung eine andere mit titrierter Schwefelsäure, schließt die Glocke,
läßt durch das Trichterrohr vorsichtig Kalkmilch in die untere Schale mit Substanz fließen,
evakuiert mit der Wasserluftpumpe, läßt 3 Tage unter Erneuerung des Vakuums stehen
und titriert zurück.

Ein ähnliches Verfahren hat A. Emmerling1) angegeben; er wendet ein unten
konisch zulaufendes und mit Glashahn oder Bunsensohem Ventil verschließbares Zylinder-
rohr an, welches seitlich mit einem starken Ansatzrohr versehen ist; an dieses wird luft-
dicht ein Kolben mit der betreffenden Substanz und Kalkmilch befestigt; das Zylinderrohr
rst mit Glassplittern gefüllt, die mit salzsäurehaltigem Wasser getränkt sind. Das Zylinder-
rohr ist oben mit einem Pfropfen geschlossen, durch welchen ein reohtwinkelig mit Hahn
versehenes Glasrohr zu einer Wasserluftpumpe führt; nach Beschickung des Apparates wird
durch leztere evakuiert, 3 Tage stehen gelassen, die Salzsäure- und salmiakhaltige Flüssig-
keit in eine Schale gespült, mit Platinchlorid zur Trockne verdampft und das Ammoniak
als Platinsalmiak bestimmt.

Diese Art der Ammoniakbestimmung durch Herstellung eines Vakuums läßt sich
111 der mannigfaltigsten Weise abändern; sie hat vor der ersten auch den Vorzug, daß sie
gestattet, die Pflanzenstoffe als solche zu verwenden. A. Longi wendet statt der Kalk-
fflüch Magnesiamilch bei 38—40° im luftleeren Raum an, während E. Boßhard mit
überschüssiger Phosphorwolframsäure versetzt und den Niederschlag, in welchen auch das
Wmoniak übergeht, mit Magnesiamilch destilliert oder mit Kalkmilch in der Kälte behandelt.

2- Der zweite Teil dient zur Bestimmung des fertig gebildeten Ammoniaks
r&amp;aureamidstickstoffes (Asparagin usw.).

Man kocht zu dem Zweck diesen Teil des Auszuges 1 '/2—2 Stunden mit verdünnter
2 z- _°der Schwefelsäure (auf 100 ccm Auszug 7—8 ccm konzentrierte Salzsäure oder
'~2,ö ccm konzentrierte Schwefelsäure), läßt erkalten und bestimmt die Menge Ammoniak
nach den unter 1 angegebenen Verfahren.

_ Die Differenz zwischen dem unter 1 in Form von fertig gebildetem Ammoniak und
jetzt nach Kochen mit Säure gefundenen Ammoniak-Stickstoff gibt die Menge von

saureamidstickstoff.

3. Der dritte Teil wird zur Bestimmung des in Form von Ämidosäuren
01 landenen Stickstoffs benutzt.

j Da sich die Säureamide durch keine Fällungsmittel von den Ämidosäuren trennen
(1 ,S8ea’ 80 kocht man auch diese Menge wie unter 2 zuerst mit verdünnten Säuren, ver-
dampft sie alsdann unter Zusatz von Kalkmilch oder Magnesia oder Alkalien zur
sal ° -e’ Um *) **as störende Ammoniak auszutreiben, und behandelt diesen Rückstand mit
letnger Säure. Zu dem Zweck wendet man salpetrigsaures Kalium2) an, indem man

*) Landw. Versuchs-Stationen 1880, f'Vf	vorhandenen Karbonat zu reinigen,

*) Um das Kaliumnitrit von dem fast s	ersteren mit Caloiumnitrat zu ver-

empfiehlt U. Kreusler die konzentrierte Losung	__ anfänglich voluminös - wird

setzen, solange noch ein Niederschlag en^s e ^ filtr:eruar Man hat daun statt des Kar ona s

durch gelindes Erwärmen kristallinisch und bald filtrierter Man	^ ^ storend.

Kaliumnitrat neben etwas Calciumnitrat in Losung, diese
        <pb n="240" />
        ﻿216

Futtermittel.

die zu untersuchende Flüssigkeit mit Schwefelsäure ansäuert. Da sich hierbei neben freiem
Stickstoffgas noch Stickoxydgas (NO) entwickelt, so bietet die gasvolumetrisohe Bestimmung
einige Schwierigkeit. Man benutzt zur Beseitigung des Stickstoffoxyds meistens Eisenvitriol
und Sauerstoff. Dieses Verfahren hat aber wegen der gleichzeitig vorhandenen Kohlen-
säure verschiedene Übelstände; C. Böhmer1) hat sich daher als Absorptionsmittels bezw,
Oxydationsmittels für das Stickstoffoxyd des übermangansauren Kaliums in alkalischer Lösung2 3)
bedient, welche den großen Vorzug besitzt, daß sie gleichzeitig die vorhandene Kohlen-
säure entfernt.

Das von C. Böhmer angewendete Verfahren verdient wegen seiner Einfachheit
und Sicherheit vor allen anderen in Vorschlag gebrachten Verfahren dieser Art den Vorzug
und möge daher hier wiedergegeben werden:

A in Fig. 31 ist ein mit verdünnter Salzsäure gefüllter hoher Standzylinder. In ihm
befindet sich ein mit Marmorstüoken gefülltes, nicht zu enges, unten etwas verjüngtes, auf
beiden Seiten offenes Glasrohr. Dieses ist oben mit einem durchbohrten Kork verschlossen
und mittels eines in den Kork geschobenen Glasröhrchens nebst Gummisohlauch mit dem Reagier-
kölbchen B verbunden. In dem weiten Hals des letzteren sitzt luftdicht ein 3-fach durch-

Fig. 81.

bohrter Kork, in dessen einer Öffnung ein bis an den Boden reichendes, unten spitz aus-
gezogenes Röhrchen steckt, das mit dem Kohlensäure-Entwickelungsapparat in Verbindung
steht. Durch die zweite Öffnung führt ein langhalsiger Scheidetriohter und durch die dritte ein
rechtwinklig gebogenes Rohr, das dicht unter dem Kork abschneidet. Auf diesem Glasrohr
sitzt ein in seiner Mitte bei a durchschnittener Gummischlauoh, dessen Schnittfläche mit
Hilfe eines hineingeschobenen, eng anschließenden Glasröhrchens wieder verbunden ist.
Über diesem Glasrohr klemmt einstweilen der Quetschhahn b. Das andere Ende des Gummi-
schlauches kann mit der Hempelsohen8) Pipette C verbunden werden, einer sogenannten
„einfachen Absorptionspipette“, deren größere, ungefähr 150 ccm fassende Kugel mit einer
alkalischen Lösung von übermangansaurem Kalium gefüllt ist. Letztere Lösung wird in der
Weise bereitet, daß man eine für den Gebrauch hinreichende Menge Wasser mit einem
Überschuß von übermangansaurem Kalium, sowie mit einigen Grammen Kalium- oder
Natriumhydroxyd versetzt und unter zeitweiligem Umrühren kurze Zeit stehen läßt.

') Landw. Versuchs-Stationen 1883, 29, 247.

2)	Auch durch Ohromsäure wird Stickstoffoxyd rasch und vollständig absorbiert bezw.
oxydiert; sie ist aber für diese Bestimmung nicht so geeignet, weil sie sich nicht in alkalischer
Lösung zur gleichzeitigen Entfernung der Kohlensäure anwenden läßt.

3)	Hempel, Neue Methoden zur Analyse der Gase. Braunschweig 1880, S. 17.
        <pb n="241" />
        ﻿Bestimmung der stickstoffhaltigen Substanzen.

217

Zum Zwecke der Untersuchung wird die schwach alkalische Substanz nebst einigen
Grammen salpetrigaauren Kaliums in das Kölbchen B gebracht, dieses nötigenfalls bis zur
Hälfte mit Wasser aufgefüllt, der Kork fest aufgesetzt und Kohlensäure hindurchgeleitet.
Ist nach einigen Minuten die Luft ausgetrieben, so stellt man durch Zuschrauben des
Hahnes c die Entwickelung fast ganz ab und verbindet durch Neigen die Absorptions-
pipette so mit dem Gummischlauch vor dem Quetschhahn, daß keine Luft in die Kapillare
d tritt. Hierauf stellt man die Kohlensäure-Entwickelung ganz ab, läßt durch den Scheide-
trichter in kleinen Zwischenräumen einige Tropfen verdünnter Schwefelsäure (1 : 3) nach B
fließen und befördert durch Schütteln von B und C die Gasentwiokelung bezw. Absorption.1)
Ist man sicher, daß nach kräftigem Umschtitteln die Entwickelung zu Ende ist, so füllt
man das Reagierkölbohen bis dicht unter den Kork mit Wasser auf, läßt noch einige
Blasen Kohlensäure hindurchstreichen, zieht den Gummischlauch ein wenig von a ab,
klemmt ihn mit dem Quetsohhalm b zu und zieht ihn hierauf ganz ab. Nachdem man das
Gas mit der Flüssigkeit in der Absorptionspipette noch einmal tüchtig durohgeschüttelt

Fig. 32.

verbindet man letztere mittels eines Kapillarrohrs (vergl. Fig. 32) mit einer
Hempelsehen'2) „einfachen Gasbürette“, saugt das Gas in die Bürette und liest unter
eobachtung der nötigen Vorsichtsmaßregeln ab. Steht eine solche Bürette nicht zur Ver-
übung, so verbindet man die Absorptionspipette in der unten beschriebenen Weise mit dem
y°ü Schmidt3) für Stickstoffbestimmungen angegebenen Apparat. Dieser ist sehr leicht
handhaben; als Meßbürette genügt zur Not eine gewöhnliche kalibrierte Bürette mit
Quetschhahnverschluß. Nachdem man letztere durch Heben oder Senken des eisernen
fwnges A (Fig. 32) mit der auf einem Schemel stehenden Absorptionspipette in gleiche
Hölle gebracht hat, wird der Quetsohhalm an dem die Kapillare abschließenden Gummi-
Schlauch ein wenig gelüftet und durch Neigen der Pipette die Flüssigkeit bis zur
Jeren Mündung des Gummischlauches getrieben. Dieser wird hierauf mit zwei Fingern
101 linken Hand abgeklemmt, der Quetsohhalm mit der rechten über das Kapillarrohr
zurückgeschoben und der Gummischlauch mit der rechtwinkligen Kapillare c verbunden,

2)	Die Verbindung von B und C kann auch mit einem einzigen Schlauch hergestellt
zu l!-’	Einrichtung gestattet jedoch, die Flüssigkeit in der Absorptionspipette stark

1 sciütteln, ohne das Reagierkölbchen vom Stativ zu ziehen.

,) Hempel, Neue Methoden zur Analyse der Gase, Braunschweig 1880, S. 9.
d) Journ. f. prakt. Chemie, 24, 444.
        <pb n="242" />
        ﻿218

Futtermittel.

deren anderer Schenkel mit einem Gummischlauch an der oberen Mündung der Meßbürette
befestigt ist. Diese, wie die Kapillare, sind vorher durch Heben des Ballons bezw. Glas-
stückes A mit dem in b befindlichen Wasser gefüllt worden. Durch Heben von A und
Öffnen des Hahnes d treibt man etwaige in der Kapillare der Kugelpipette befindliche Gas-
blasen in die Kugel, bringt sie durch Schütteln zur Absorption und saugt darauf durch
Senken des Ballons A das Gas in die Meßbürette. Sollte es Vorkommen, daß man infolge
zu starker Gasentwickelung Grund hätte, an der Brauchbarkeit des in der Pipette befind-
lichen Absorptionsmittels zu zweifeln, so füllt man sie mit frischer Lösung, treibt
nach geschehener Verbindung mit b das Gas nochmals in die Kugel zurück, schüttelt und
saugt es in die Meßbürette.

Die auf diese Weise gefundene Menge Stickstoff ergibt also den in Form von fertig
gebildeten Amidosäuren (Leucin, Tyrosin, Asparaginsäure usw.) -J- Stickstoff der durch
Kochen aus den Säureamiden gebildeten Amidosäuren; indem man daher den für die Säure-
amide unter No. 2 gefundenen Stickstoff' von diesem abzieht, erhält man die Menge des in
Form von Amidosäuren vorhandenen Stickstoffs.

U. Kreusler1) hat gefunden, daß die Amidoverbindungen durch salpetrige Säure
nicht gleichmäßig zersetzt werden; Asparaginsäure z. B. zersetzt sich glatt, Asparagin
dagegen spaltet Ammoniak ab, welches von salpetriger Säure nur in wechselnden Mengen,
niemals aber vollständig zersetzt wird. Letzteres gelingt vollkommener durch Erhitzen
mit salpetriger Säure, indes bedürfen die einzelnen Amidoverbindungeu eines verschieden
langen Erhitzens, um annähernd richtige Ergebnisse zu liefern.2) Kreusler hat für seine
Versuche einen besonderen Apparat angewendet und hält auch den zur Beseitigung des
Stickstoffoxyds zuerst empfohlenen Eisenvitriol für zweckmäßig; ich muß jedoch bezüglich
der Einzelheiten dieses Apparates auf das Original verweisen.

Durch vorstehende Bestimmungsweise erhält man daher

a)	den Ammoniak-Stickstoff,

b)	den Amidosäureamid-Stickstoff (aus der Differenz 2—1),

c)	den Amidosäure-Stickstoff (aus der Differenz 3—2).

Addiert man diese 3 Größen, so ist die Summe nach C. Böhmer uud E. Kern
meistens kleiner, als sich aus der Differenz von Gesamt-Stickstoff minus Protein-Stickstoff
für die löslichen Stickstoffverbindungen ergibt; es folgt hieraus, daß in den Pflanzen neben
vorstehenden 3 Verbindungsformen noch andere lösliche Stickstoff-Verbindungen (z. B.
Salpetersäure u. a.) vorhanden sind.

5. Bestimmung der Salpetersäure. Für die Bestimmung der Salpetersäure
in den Pflanzensäften nach Konzentration unter Zusatz von Kalkmilch sind verschiedene
Verfahren in Vorschlag gebracht; sie beruhen auf dem Verhalten, daß die Salpetersäure durch
Eisenchlorür und rauchende Salzsäure in Stickstoffoxyd (NO) übergeftihrt und letzteres
ermittelt wird. Das ist bald durch gasvolumetrische Messung, bald durch Wiederüberführen
in Salpetersäure und Titration der letzteren geschehen. Am zweckmäßigsten ist die Be-
stimmung auf gas volumetrischem Wege, wobei man die der Berechnung anhaftenden
Unbequemlichkeiten nach dem Verfahren von P. Wagner (vergl. S. 144 u. f.) dadurch
umgehen kann, daß man unter gleichen Bedingungen Koutrollbestimmuugen mit einer
bestimmten Menge reinen Salpeters nebenher ausführt und die erhaltenen Gasvolumen
miteinander vergleicht. Vergl. auch das Verfahren von Th. Pfeiffer S. 148.

Einfach und sicher gelingt auch die Bestimmung der Salpetersäure, wenn man sich
des von C. Böhmer vorgesohlagenen Absorptionsmittels für Stickstoffoxyd, der Chromsäure
bedient und das Stickstoffoxyd gewichtsanalytisch bestimmt.

Zu dem Zweck ergänzt man den in Fig. 31 S. 216 angegebenen Apparat in der Weise,
daß man den Kolben B statt mit der HempeIschen Absorptionskugel mit einer U-förmigen
Vorlage verbindet, die mit wenig Lösung von kohlensaurem Natrium (etwa 5—10 ccm) gefüllt
ist, und in einem Gefäß mit kaltem Wasser hängt, um einerseits mitgerissene Salzsäure,

J) Landw. Versuchs-Stationen 1885, 31, 277.

2) A. Emmerling (Landw. Versuchs-Stationen 1886, 32, 446) konnte mit Hilfe seines
Apparates (im Vakuum) Ammoniumsulfat auch in der Kälte durch Kaliumnitrit und Essig-
säure in 80 Minuten vollständig zerlegen.
        <pb n="243" />
        ﻿Bestimmung der stickstoffhaltigen Substanzen.

219

andererseits den größten Teil Wasser aus dem entwickelten Gas zu entfernen. An diese
U-Böhre schließt sich zur vollständigen Entfernung des Wassers ein Chlorcaloiumrohr
und hieran ein Liehigscher Kaliapparat, der mit 10—15 ccm einer 12-prozentigen
Salpetersäure gefüllt ist, in der man 12 g Chromsäure aufgelöst hat; der Kaliapparat wird
mit einem Chlorcalciumrohr geschlossen, welches das aus der Chromsänrelösung mitgerissene
Wasser zurückhält. Beide, der mit Chromsäure gefüllte Kaliapparat und dieses letzte
Chlorcalciumrohr, werden (wie bei einer Elementaranalyse) gewogen; dann gibt man
den unter Zusatz von Kalkmilch eingeengten und filtrierten Pflanzenauszug in das
Kölbchen B, öffnet den Quetschhahn b und leitet so lange Kohlensäure durch den Apparat,
bis alle Luft ausgetrieben ist; hierauf läßt man durch das Trichterrohr Eisenohlorür und
sehr starke Salzsäure zufiießen, stellt die Kohlensäure-Entwicklung bis auf ein Minimum ab,
erwärmt das Kölbchen B zum Kochen, leitet, nachdem alles Stickstoffoxyd ausgetrieben ist,
noch eine kurze Zeit Kohlensäure und schließlich nach Aufhebung der Verbindung zwischen
A und B mittels eines Aspirators Luft durch.

Die Gewichtszunahme von dem Kaliapparat und dem
letzten Chlorcalciumrohr gibt die Menge des entwickelten
Stickstoffoxyds und hieraus berechnet sich durch Multiplikation
mit 1,8 (60N202:108N206) die gesuchte Monge Salpetersäure.

Amidosubstanzen als solche sind, selbst wenn sie in
erheblicher Menge vorhanden und von sonstigen organischen
Stoffen (wie Zucker usw.) begleitet sind, nach ü. Kreusler
ohne merklichen Einfluß auf die Ergebnisse.

0. Bestimmung der verdaulichen Stickstoff-Substanz
hezw. des unverdaulichen Nukleins. Für die Bestimmung
des verdaulichen Anteiles der Stickstoff-Verbindungenbezw.
des unverdaulichen Nukleins auf künstlichem Wege hat
A. Stutzer1) ein Verfahren ausgearbeitet, welches von
ff. Kühn2) und seinen Mitarbeitern verbessert worden ist.

Behandlung mit künstlichem Magensaft.

2 g der sehr fein gepulverten, durch ein 1 mm-Sieh ge-
brachten Substanz werden vorher in einem Ausziehungs-
aPparat 5—6 Stunden mit Äther vollständig entfettet,
nach dem Entfetten getrocknet, sodann mit Hilfe eines
Messers oder einer Federfahne verlustlos in ein x/2 Liter
fassendes Beoherglas gebracht, mit 500 ccm Magensaft
(yergl. unter Lösungen 17 a am Schluß) Uhergossen und 48 Stunden lang — hei
einigen Futtermitteln, wie den Rückständen der Kümmel-, Fenchel-, Anis- und
Koriandersamen, sind 72 bis 84 Stunden erforderlich — hei 37 bis 40° erwärmt,
mdem man gleichzeitig in den ersten Stunden und zwar in Zwischenräumen von un-
gefähr 1—2 Stunden je 5,0 ccm einer 10 °/0-igen Salzsäure (also jedesmal 0,5 g oder
fbr die angewendete Menge Flüssigkeit 0,1 % HCl) unter Umrühren hinzufügt,
bis der Gehalt der Flüssigkeit an Salzsäure auf 1 °/0 gestiegen ist. Diu Erwärmung
kann in einem Wasser- oder Luftbade von der angegebenen Temperatur erfolgen.

Statt des seihst bereiteten künstlichen Magensaftes kann man nach B. Sj ollema3)
und K. Wedemeyer4) auch sehr gut das käufliche Pepsin der Apotheken
anwenden, welches eine sehr gleichmäßige Wirksamkeit besitzt.

p ^ K,urn- f. Landwirtschaft 1880, 28, 201; 1881, 29, 475; ferner Zeitschr. f. physiol.

hemie 1886, 9, 211; 1887 11, 207 und 537; ferner Landw. Versuchs-Stationen 1889, 36,
d41 und 1890, 37, 107.

2)	0. Kellner, Arbeiten d. Versuchs-Station Möckern 1894, S. 188, oder auch Landw.

Versuchs-Stationen 1894, 44, 188.

3)	Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1899, 2, 413.

4)	Landw. Versuchs-Stationen 1899, 51, 388.

/

Fig. SB. Filtrationsvorrichtung
für schwer filtrierende
Lösungen.
        <pb n="244" />
        ﻿220

Puttermittel.

2 g Substanz werden in einem Becherglase mit etwa 430 ccm Wasser, 1 g
Pepsin und 20 ccm 10 °/0-iger Salzsäure versetzt und das Gemisch in einem Wasser-
bade oder Brutschränke bei 38—40° unter wiederholtem ümrtlhren 48 Stunden lang
behandelt; nach 16, 24 und 48 Stunden setzt man jedesmal weitere 10 ccm der
10 °/0-igen Salzsäure zu, so daß die Flüssigkeit gegen Ende der Behandlung rund
1 °/0 Salzsäure enthält.

Die so behandelte Masse wird in der Regel durch ein Asbestfilter filtriert;
man legt in einen Glastrichter einen aus Messingdrahtgewebe hcrgestellten Konus,
darauf wenig grobfaserigen und zuletzt geschlämmten, feinen Asbest; für schleimige
Stoffe, wie Leinkuchenmehl, verwendet man besser ein Faltenfilter von ausgewaschenem
Filtrierpapier mit bekanntem Stickstoff-Gehalt.

Wir bedienen uns für diese und andere schwer filtrierbaren Lösungen von organischen
Stoffen, z. B. auch für Bestimmung der löslichen Kohlenhydrate, der Eohfaser mit bestem
Erfolg der vorstehenden Vorrichtung (Fig. 33, S. 219).

In den Trichter auf dem zu evakuierenden dickwandigen Erlenmeyer-Kolben gibt
man einen Porzellanteller von etwa 65 mm Durchmesser mit ziemlich weiten') Löchern
und schüttet auf den Teller unter Anwendung der Wasserstrahlpumpe feinfaserigen, in
Wasser verteilten Asbest gleichmäßig so viel und so lange, bis sich eine klar filtrierende
Schicht gebildet hat. Hierzu ist durchweg nur eine verhältnismäßig dünne Lage Asbest er-
forderlich. Nach beendeter Filtration und Auswaschung läßt sich das Asbestfilter nebst
Rückstand, nachdem man den Porzellanteller durch Einführung eines Glasstabes von unteu
in den Trichter gelockert und herausgenommen hat, leicht quantitativ abtrennen und direkt
nach Kjeldahl verbrennen.

Wenn man in vorstehender Weise den Magensaft einwirken läßt, findet man nach
G. Kühns eingehenden Untersuchungen die sämtlichen verdauungsfähigen, stickstoffhaltigen
Bestandteile der gewöhnlichen Futtermittel.

Die weitere von A. Stutzer empfohlene 6-stündige Behandlung des Rückstandes
(mit Filter) mit 100 ccm alkalischem Pankreassaft nach der Pepsinverdauung — vergl.
unter Lösungen No. 17 b am Schluß — bei 37 bis 40° ist nicht notwendig, zumal es sich
dabei nicht um eine spezifische Pankreasverdauung, sondern lediglich um eine lösende
Wirkung der in der Pankreasflüssigkeit enthaltenen Soda handelt.

Die verschiedenen Ergebnisse, welche durch vergleichende Versuche über die künstliche
und natürliche Verdauung von den Versuchs-Stationen Göttingen2) und Hohenheim3) erzielt
wurden, haben darin ihren Grund, daß man die Pepsinflüssigkeit nicht in genügender
Menge — nur 250 ccm — und in nicht genügender Zeit — nur 24 Stunden — ein-
wirken ließ.4)

IV.	Bestimmung des Fettes.

1.	Bestimmung des Eolifettes (bezw. Ätherauszuges). 5 oder 10 g der ge-
mahlenen oder gut gepulverten Substanz werden in eine fertige, unten geschlossene
Papierhülse (von Schleicher und Schul] in Düren) oder in eine aus fettfreiem
Fließpapier hergestellte Hülse gebracht, welche in der Weise hergestellt wird,
daß man um ein zylindrisches Holzstüek, dessen Durchmesser 4 mm geringer ist

') Ist der Porzellanteller fein durchlöchert, so geht die Filtration nicht so rasch
von statten.

3)	Chem.-Zeitung 1882, (i, 1249; Journ. f. Landwirtschaft 1883, 31, 221 u. 343; 1886,
84, 439; ferner Landw. Versuchs-Stationen 1887, 34, 456.

3)	Tageblatt der deutschen Naturforscher und Ärzte in Wiesbaden 1887, S. 362.

4)	Auf eine Arbeit von W. Wiebe 1 (Landw. Jahrbücher 1890, 19, 149), welcher dem
Verfahren nur einen konventionellen Wert zuschreibt und glaubt, daß man die Pepsin-
Verdauung durch vorheriges Kochen mit verdünnter Salzsäure bei darauffolgender Behand-
lung mit Pankreasflüssigkeit umgehen kann, sei nur verwiesen.
        <pb n="245" />
        ﻿Bestimmung des Fettes.

221

als die Weite des Extraktionszylinders, ein Stück Filterpapier 2-mal herumrollt,
über die ebene Basis des Holzzylinders ein seinem Durchmesser entsprechendes
Stück der gebildeten Rolle hervorstehen läßt, dieses ähnlich, wie man ein Paket
schließt, umbiegt und den gebildeten Boden der Hülse durch kräftiges Aufdrücken
ebnet. Hat man die Substanz eingefüllt, so schließt man die obere Öffnung der
Hülse ebenfalls durch Umbiegen oder bei festen Hülsen dadurch, daß man ent-
fettete Baumwolle in sie schiebt und die Substanz vollständig bedeckt.

Von anderer Seite sind die von
W. Bersch1) beschriebenen Aluminium-
hülsen mit siebartig durchlöchertem Boden
empfohlen.

Die so mit Substanz beschickte
Hülse wird 3 Stunden im Wasserdampf-
trockenschrank bei 95° getrocknet, dann
in einen Soxhletschen Fettextraktions-
apparat gebracht (vergl. Fig. 34, Fig. 35

S.	222 oder Fig. 36 S. 223) und 4—6
Stunden, d. h. bis zur Erschöpfung, mit
alkohol- und wasserfreiem Äther aus-
gezogen.

Das Vortrocknen der Substanz darf
nicht zu lange und bei 95—100° nicht
übersteigenden Temperaturen fortgesetzt
Werden, weil sonst unter Umständen eine
Veränderung des Fettes eintreten kann.

Futterstoffe mit trocknenden Fetten
wie Leinkuchen, Leinmehl, Mohn-
kuchen usw. werden wegen der leichten
Verharzung in sauerstoffhaltiger Luft
zweckmäßig im Leuchtgas- oder Wasser-
stoffstrome 1 Stunde bei 100° getrocknet.2)

Leicht zusammenbackende (zucker-
ünd dextrinreiche) Stoffe wie Melasse-
futter usw. werden zweckmäßig vorher
durch Behandeln mit kaltem Wasser auf
der S. 219 beschriebenen Vorrichtung von
Zucker befreit, der Rückstand wieder ge-
trocknet und mit Äther ausgezogen usw.

Weniger zuckerreiche Stoffe können
auch mit geglühtem Sande8) vermengt ge-
trocknet, zerrieben, nach 2-stündigem Aus-
ziehen mit Äther wieder herausgenommen,
getrocknet, abermals zerrieben, in dieselbe Hülse zurückgebracht und weiter mit

Fig. 34. Emmerlings Fettauszngsvomohtung.

I

Äther

ausgezogen werden.

l)	Zeitschr, f. landw. Yersuchswesen in Österreich 1901, 4, 31. Die Hülsen werden
von der Firma W. J. Eohrbecks Nachfolger, Wien I, Kärntnerstr. 69 geliefert.

") 0. Foerster hat (Landw. Versuchs-Stationen 1890, 37, 67) mehrere Einrichtungen
angegeben, welche für Zwecke des Trocknens im Leuchtgasstrome dienen.

3) Gips ist nach L. Geheck (Landw. Versuchs-Stationen 1894, 43, 193) nicht ge-
eignet, weil er leicht Fett zurückhält.
        <pb n="246" />
        ﻿222

Futtermittel,

C. Beger1) empfiehlt für genaue Fettbestimmungen in proteinreichen
Stoffen den Vorschlag Dormeyers, nämlich die Stoffe zur Lösung der Protein-
stoffe vorher mit Pepsin und Salzsäure (S. 219) zu behandeln und den Rückstand
nach dem Trocknen mit Äther auszuziehen, weil auf diese Weise unter Umständen
nicht unwesentlich höhere Fettmengen erhalten werden.

Aus dem vorher tarierten, die Ätherfettflüssigkeit enthaltenden Kölbchen wird
der Äther durch Destillation entfernt, der Kolhen im Dampftrockenschranke während
1—2 Stunden getrocknet und zurückgewogen. Die Gewichtszunahme gibt die aus
der angewendeten Substanz enthaltene Menge „Eohfett“ an.

Der gewogene Ätherauszug braucht nach dem Trocknen nicht voll-
kommen in Äther löslich zu sein.2)

Der Ätherauszug schließt außer eigentlichem Fett auch noch verschiedene andere
Bestandteile ein, vorwiegend Farbstoffe aller Art (Chlorophyll) und organische Säuren usw.

Die Farbstoffe lassen sich zwar durch
Behandeln der ätherischen Fettlösung mit
gereinigter Tierkohle entfernen, diese
absorbiert aber auch einen Teil des Fettes,
so daß alsdann von letzterem zu wenig
gefunden wird.

Zur Entfernung etwaiger Säuren
kann man den Ätherauszug mit kochend
heißem Wasser durchschütteln, filtrieren
und in den Wasserauszügen die Säure
titrieren. Das rückständige Fett auf dem
Filter wird nach dem Abtrocknen an der
Luft mit warmem, absolutem Alkohol und
Äther gelöst, in ein vorher gewogenes
Kölbchen filtriert, Alkohol und Äther
verdunstet usw. und wieder gewogen.

Dadurch, daß man den Ätherauszug
in wenig heißem Alkohol löst und er-
kalten läßt, kann man die wachsartigen
Verbindungen und Kohlenwasserstoffe (bei
Heu und Grünfutterstoffen) aus dem
Ätherauszug abscheiden; indes ist dieses
Trennungsverfahren nicht scharf, auch
haben sich die wachsartigen Verbindungen
des Ätherauszuges ebenfalls als teilweise verdaulich erwiesen.

Ein von A. Emmerling und G. Loges eingerichteter Fettbestimmungsapparat für
8 Soxhletsche Köhren (vergl. Fig. 34 S. 221) verbindet mit dem Vorzug der Raumersparnis den
einer bequemen Handhabung bei der Ausführung des Ausziehens, da die ganze obere Vor-
richtung des Apparates um die Achse des festen Stativs leicht drehbar ist. Neuerdings ist
an dem Apparat das Kühlgefäß verbreitert und dadurch der ganze Apparat etwas niedriger
geworden.3 4)

Wir verwenden neben dieser noch Vorrichtungen von obenstehender Form,
bei welchen die Ätherfettkölbchen entweder in einem gemeinschaftlichen Wasser-
bade (Fig. 35) oder auf einer elektrischen Heizplatte (Fig. 36, S. 223) erwärmt
werden und jedes Kölbchen mit einem Kühlrohr versehen ist.1)

’) Chem.-Ztg. 1902, 20, 112.

2)	Landw. Versuchs-Stationen 1892, 40, 60.

3)	Der Apparat kann durch den Mechaniker Zwickert in Kiel bezogen werden.

4)	Die Halter (Fig. 36) befinden sich nicht an dem Soxhl et sehen Heherapparat,
sondern an dem Kühler.

Fig. 35.

Vorrichtung für Fettauszielrangen im Wasserbade.
        <pb n="247" />
        ﻿Bestimmung des Fettes.

223

2.	Bestimmung der freien Fettsäuren des Fettes. Für die Bestimmung der
freien Fettsäuren wird der bei 100° (zwei Stunden) getrocknete Ätherauszug mit
25 ccm Äther ühergossen, nach dem Lösen des Fettrückstandes mit ein paar
Tropfen alkoholischer Phenolphthaleinlösung als Indikator versetzt, und entweder
a) mit alkoholischer 1/10-Normalkalilauge oder b) nach Zusatz von 26 ccm
Alkohol mit wässeriger ^o-Normalkalilauge bis zur bleibenden Rosafärbung
titriert. Sollte in letzterem Falle die Lösung schwach trübe werden, so erwärmt
man gelinde.

Von den hierzu verbrauchten ccm Lauge werden die zur bleibenden Rosa-
färbung von einem gleichen Volumen Äther bezw. Äther + Alkohol in gleich dicker
Schicht erforderlichen ccm Lauge abgezogen und die so erhaltene Menge

1 / io" A e r ui al - X a t r o n hi u g e auf Fettsäure und zwar auf Ölsäure Ci8 Hm02
berechnet. 1 ccm 1/10 N.-Lauge entspricht 0,0282 g Ölsäure.

Fig. 36. Elektrische Heizvorrichtung für Fettauszi ehungen mittels Äther.

Ausgedrückt wird der gefundene Säuregehalt in Prozenten und zwar:

1.	auf 100 Teile des betreffenden Futter- oder Nahrungsmittels und

2.	auf 100 Teile Gesamt-fett bezogen.

Bei Fetten und ölen kann man die Titrationswerte auch in Säuregraden
Ausdrücken, worunter man die Anzahl ccm Normalalkali versteht, welche zur
1 eutralisation von 100 g des Fettes erforderlich sind.

Weil aber nach G. Loges1) durch Trocknen des Futter- oder Nahrungs-
mittels un^ des Ätherauszuges ein Teil der flüchtigen Fettsäuren verloren geht,
erner andere Fettsäuren eine Veränderung (durch Aufnahme von Sauerstoff usw.)
er ehlen können, so empfiehlt es sich, gleichzeitig eine andere nicht vor-

x) Landw. Versuchs Stationen 1891, 38, 314.
        <pb n="248" />
        ﻿224

Futtermittel.

getrocknete Probe mit Äther wie üblich zu erschöpfen, und die Ätherlösung
entweder direkt mit alkoholischer oder nach Zusatz eines gleichen Volumens Alkohol
mit wässeriger 1/10 Normalalkalilauge wie vorhin zu titrieren.

Die Differenz zwischen dieser und der ersten Titration ergibt zum Teil die Menge
der fluchtigen Säuren; diese werden bei fettreichen Futtermitteln auf Buttersäure
— 1 ccm 1j1 o Normalalkali = 0,0088 g Buttersäure — und bei eingesäuerten oder
eingemachten grünen Futtermitteln auf Milchsäure — 1 ccm 1/lO Normalalkali
= 0,009 g Milchsäure — umgerechnet.*)

Die Mengen freier Fettsäuren, welche auf diese Weise gefunden werden, sind je
nach der Art der Aufbewahrung der Futter- und Nahrungsmittel großen Schwankungen
unterworfen; im allgemeinen enthalten die Ölkuchenmehle, ebenso wie alle Futtermittel
in pulveriger oder Mehlform, mehr freie Fettsäuren, als die in Kuchen- oder sonstiger fester
Form. Auf diese Weise schwankt der Gehalt an freien Fettsäuren zwischen 10—90%
in Prozenten des Fettes. Da die Pflanzenfette, besonders die Fette der aufbewahrten
Pflanzenstoffe oder von deren Abfällen durchweg an sich mehr oder weniger freie Fett-
säuren enthalten, so läßt sich aus dem Gehalt an diesen allein in den Futtermitteln, als
Abfällen, ein sicherer Schluß auf die Beschaffenheit nicht ziehen. Im allgemeinen geht
nur der Gehalt an freien Fettsäuren der schimmeligen und verdorbenen Beschaffenheit
parallel.

Die tierischen Fette enthalten in frischem Zustande nur mäßige Mengen freier Fett-
säuren; hier muß ein Gehalt von 10°/0 in Prozenten des Fettes schon als hoch bezeichnet werden.
Jedoch bildet das Fleischfuttermehl usw. hiervon wieder eine Ausnahme, indem dieses
infolge der Herstellung und der längeren Aufbewahrung besonders im feuchten Zustande
mehr freie Fettsäuren zu enthalten pflegt.

V.	Bestimmung der Stickstofffreien Extraktstoffe bezw. der
Kohlenhydrate.

Unter Stickstofffreien Extraktstoffen versteht man den Rest, welcher übrig
bleibt, wenn man von einer Substanz ihren Gehalt an Wasser, Rohprotein, Eohfett,
Rohfaser und Asche abzieht.

Der Begriff „Stickstofffreie Extraktstoffe“ umfaßt demnach eine ganze Reihe
mehr oder minder verschiedener Verbindungen, von denen die wichtigsten und ver-
breitesten die Zuckerarten, Dextrine und die Stärke sind; außerdem gehören hier-
her die Pflanzengummis, Pflanzenschleime, Pflanzensäuren, ferner die Pektin-, Bitter-,
Farbstoffe und dergl. Gewöhnlich werden die Stickstofffreien Extraktstoffe, wie oben
angegeben, aus der Differenz berechnet. Vielfach ist jedoch auch eine Bestimmung
einer oder mehrerer zu dieser Gruppe gehöriger, gut gekennzeichneter chemischer
Verbindungen erforderlich.

1.	Bestimmung der Gesamtmenge der in Wasser löslichen Stoffe. 2—20 g

des zu untersuchenden Stoffes werden in einer Koohflasohe 6—8-mal mit je
250—300 ccm kaltem b'ezw. mit 40—50° warmem Wasser, die letzten 3-mal in der
Siedehitze — stärkemehlreiche Stoffe nur mit kaltem Wasser — ausgezogen, die
überstehende Flüssigkeit nach jedesmaliger Behandlung entweder durch ein Papier-,
Filz- oder Asbestfilter mit Hilfe der Wasserstrahlpumpe (vergl. Fig. 33, S. 219)

J) Wenn man für die Säuren des Ätherauszuges der nicht vorgetrockneten Stoffe
den 3-mal höheren Faktor der Ölsäuren anwendet, so kann man bei größeren vorhandenen
Mengen flüchtiger Säuren mehr freie Fettsäuren finden, als überhaupt Fett, d. h. Äther-
auszug vorhanden ist; man drückt daher in diesem Falle die Säuren als Säuregrade aus
(vergl. unter „Milch“).
        <pb n="249" />
        ﻿Bestimmung der Gesamtmenge der in Wasser löslichen Stoffe.

225

rasch abfiltriert und das Ausziehen bezw. die Filtration so beschleunigt, daß die
Behandlung tunlichst in einem Tage beendet ist.1)

Die gesamten wässerigen Auszüge werden vereinigt, auf ein bestimmtes
Volumen gefüllt, gemischt und aliquote Teile zur Bestimmung der einzelnen
Bestandteile verwendet.

a)	Die Gesamtmenge der in Wasser löslichen Stoffe wird entweder
direkt bestimmt, indem man je nach dem zu erwartenden Gehalt 1/10 bis 1/4 des
wässerigen Auszuges in einer vorher gewogenen Platinschale auf dem Wasserbade
zur Trockne verdampft, 2 Stunden bei 100—105° oder bei der für die Trocknung
der betreffenden Stoffe vorgeschriebenen Temperatur trocknet und wägt.

Der gewogene Eückstand ergibt die Gesamtmenge löslicher Stoffe; durch
Einäschern erfährt man die Menge der gelösten unorganischen Stoffe und durch Abzug
dieser vom Gesamttrockenrückstand die Menge der gelösten organischen Extraktstoffe.

Bei Futter- und Nahrungsmitteln, welche aus fast nur in Wasser leicht löslichen
Stoffen bestehen, findet man ihre Menge annähernd und rascher dadurch, daß man 10—20 g
entweder in einem Halbliter- oder Literkolben mit kaltem bezw. 40—50° warmem
Wasser einen halben Tag unter öfterem Umschütteln stehen läßt oder 1 Stunde lang
in einer Schüttelmaschine schüttelt, nach dem Erkalten bis zur Marke auffüllt,
mischt, die Lösung — event. unter Zusatz indifferenter Klärmittel — durch ein
trocknes Papier- oder Asbestfilter filtriert und von dem Filtrat •— unter Ver-
nachlässigung des Volumens der ungelösten Stoffe —• einen Teil (1/4 bis 1j2) wie
°ben eindampft und behandelt.

Weil aber viele Untersuchungsgegenstände in Wasser lösliche, mit den Wasser-
dämpfen sich verflüchtigende Stoffe enthalten oder die wässerige Lösung leicht
mne Zersetzung erleidet, so findet man durch Eindampfen des wässerigen Auszuges
durchweg nicht die Gesamtmenge der in Wasser löslichen Stoffe, sondern mehr oder
minder weniger.

Es empfiehlt sich daher in vielen Fällen;

b)	Die Gesamtmenge der wasserlöslichen Stoffe indirekt zu be-
stimmen, indem man den unlöslichen Rückstand auf einem vorher getrockneten und
gewogenen Filter sammelt, bei 105—110° trocknet und wieder wägt.

Die Berechnung der gesamten in Wasser löslichen Stoffe ist dann einfach:

Angenommen, es seien 10 g Substanz mit einem Wassergehalt von 12,6 °/0 ange-
hende! und 5,7235 g wasserfreier unlöslicher Rückstand gefunden, dann sind 10 — 5,7235 =
&gt;2765 g = 42,76°/0 gelöst worden; diese schließen aber die 12,50°/0 Wasser der ange-
Wendoten Substanz mit ein, also beträgt die Menge der gesamten löslichen Extraktivstoffe
d 7612’50 = 30,26 °/n in Prozenten der natürlichen Substanz. Um die Gesamtmenge
'er löslichen Stoffe gleich in Prozenten der Trockensubstanz zu berechnen, führt mau die
Berechnung wie folgt aus:

Den angewendeten 10 g Substanz entsprechen	---= 8,76 g Trockensubstanz,

davon sind durch Ausziehen mit Wasser verblieben 5,7235, also von 100 g Trockensubstanz
V235 x ioo

8,75----= 6M1 % unlöslicher Rückstand oder 34,59 % lösliche Extraktivstoffe.

') Die Beschleunigung dieser Arbeit ist	epu'n Gärung'^oderFä^nis übergeht

zug, der zu weiteren Untersuchungen dienen soll,	m Keller oder Eisschrauk)

Du Sommer muß daher der Auszug entweder	|lircmiBCpt werden, wodurch er sich

aufbewahrt oder auch mit einigen Tropfen Chloro o	7.. uß jedoch in letzterem

mehrere Tage hält. Für Zuckerbestimmungen in den Auszügen i
^alle das Chloroform vorher durch Kochen wieder ve j ö	-	^5

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.
        <pb n="250" />
        ﻿226

Futtermittel.

Hat man den unlöslichen Rückstand wegen schlechter Filtrierbarkeit der
wässerigen Lösung nicht auf einem vorher getrockneten und gewogenen Papierfilter
sammeln und wägen können, sondern wie hei der Eohfaser- usw. Bestimmung auf
einem vorher nicht wägbaren Asbest-Filter (vergl. S. 219, Fig. 33) sammeln müssen,
so findet man die Menge des unlöslichen Rückstandes durch Verbrennen des getrock-
neten und gewogenen Asbestfilter-Rückstandes und Zurückwägen des Aschen-Rück-
standes. Die Differenz gibt dann aber nur die Menge der unlöslichen organischen
Stoffe, nicht aber die der unlöslichen unorganischen Bestandteile. Diese findet man
dann in der Weise, daß man einen Teil der wässerigen Lösung eindampft, verascht
und die Menge der gelösten Mineralstoffe bestimmt. Indem man diese von der
Gesamtmenge der Mineralstoffe der ursprünglichen Stoffe abzieht, ergibt sich die Menge
der unlöslichen Mineralstoffe, und indem man diese der Menge der unlöslichen
organischen Stoffe zuzählt, erhält man die Gesamtmenge der in Wasser unlöslichen
Stoffe, aus welchen man wie vorhin die Menge der gesamten gelösten Extraktiv-
stoffe berechnet.

2.	Bestimmung einzelner Bestandteile des wässerigen Auszuges, a) Be-
stimmung der löslichen Mineralstoffe. Der Trockenrückstand der direkten
TrockenrUckstandbestimmung oder ein anderer Teil der wässerigen Lösung (4—5 g
Trockenrückstand entsprechend) wird nach dem Eindampfen auf dem Wasserbade
nach S. 194 eingeäschert, die kohlenfreie Asche gewogen und hierin event. unter
Anwendung von mehr Auszug eine weitere Bestimmung der einzelnen Mineralstoffe
nach S. 200 unter 3 vorgenommen.

b) Bestimmung des Gesamt-Stickstoffes und dessen Verbindungen.
Ein aliquoter Teil des Auszuges (2—3 g Trockensubstanz entsprechend) wird in
einem Kjeldahl-Verbrennungskolben unter Ansäuerung mit Schwefelsäure Uber
kleiner Flamme bis auf 20—30 ccm eingekocht, darauf nach dem Erkalten mit
20 ccm Kjeldahl-Schwefelsäure versetzt und nach S. 137 weiter behandelt. Die
Trennung und Bestimmung der einzelnen Stickstoff-Verbindungen erfolgt nach S. 213.

3.	Bestimmung und Trennung der löslichen Kohlenhydrate, a) Trennung der
Dextrine1) von den Zuckerarten. Ein aliquoter Teil, etwa 200 bis 500 ccm der
nach S. 225 erhaltenen wässerigen Lösung,2) w'elche die Gesamtmenge der wasser-
löslichen Kohlenhydrate enthält, wird in einer Porzellanschale auf dem Wasserbade
bis zum dicken Sirup eingedampft, dieser in 10 oder 20 ccm warmem Wasser ge-
löst und die Lösung unter fortwährendem Umrühren allmählich mit 100
bezw. 200 ccm Alkohol von 95 Vol.-°/0 versetzt. Nachdem sich der entstandene
Niederschlag, welcher die Dextrine enthält, abgesetzt hat, filtriert man die fast klare
alkoholische Lösung in eine Porzellanschale ab und wäscht den Rückstand in der
ersten Schale unter Reiben mit einem Pistill mehrmals mit kleinen Mengen
Alkohol (hergestellt durch Vermischen von 1 Teil Wasser mit 10 Teilen Alkohol
von 95 Vol.-°/0) aus. Das Filtrat wird zur Vertreibung des Alkohols vorsichtig
auf dem Wasserbade eingedampft, abermals mit 10 com Wasser gelöst und in der-
selben Weise nochmals mit Alkohol behandelt. Ebenso werden die ausgeschiedenen
Dextrine wieder mit heißem Wasser von dem Filter in die Schale gelöst, auf
10—20 ccm eingedampft und nochmals wie oben gefällt.

’) Als „Dextrine“ bezeichnet man diejenigen in kaltem Wasser löslichen, in etwa
90°/u-igem Alkohol aber unlöslichen Kohlenhydrate, welche nach der Inversion mit Salz-
säure reduzierende Zuckerarten liefern, berechnet auf Glukose x 0,90.

2) Enthält die Lösung freie Säuren, so sind diese vorher mit Natriumkarbonat zu
neutralisieren.
        <pb n="251" />
        ﻿Bestimmung der Zuckerarten,

227

Unter Umständen erhält man eine bessere flockige Ahscheidung der Dextrine,
wenn man erst 1/5—1/4 des nötigen Äthylalkohols an Methylalkohol zusetzt, z. B.
die Zucker-Dextrinlösung (20 ccm) erst mit 40 ccm Methylalkohol und darauf mit
150—160 ccm Äthylalkohol vermischt.

Die alkoholischen Filtrate, welche die Zuckerarten enthalten, werden zur
Trockne verdampft, mit Wasser aufgenommen und behufs Bestimmung und Trennung
der Zucker auf ein bestimmtes Volumen gebracht. Der Rückstand der Alkohol-
Fällung auf dem Filter und in den Schalen enthält die Dextrine. Man löst ihn
in heißem Wasser und bestimmt die Dextrine, wie weiter unten angegeben ist.

Zu diesem Trennungs-Verfahren muß ausdrücklich bemerkt werden, daß es als
ein genaues nicht angesehen werden kann; denn einerseits wird durch den Alkohol stets
etwas Zucker mitgefällt, andererseits etwas Dextrin in Lösung gehalten. Wenn aber
stets in derselben Weise gearbeitet wird, so fallen die Ergebnisse gleichmäßig aus
ünd sind wenigstens miteinander vergleichbar.

b) Bestimmung der einzelnen Zuckerarten. Ein Teil der unter No. 1 er-
haltenen alkoholischen Lösung dient nach Verjagung des Alkohols, oder wenn
keine Dextrine vorhanden waren, die wässerige Lösung direkt zur Bestimmung der

Zuckerarten:

a) auf chemischem Wege, wobei zu beachten ist, daß die wässerige
Lösung der Zuckerarten zur Bestimmung mittels Fehlingscher Lösung wenn
möglich nicht weniger als 0,6 °/0, keinenfalls aber mehr als 1 °/0 Zucker ent-
halten darf.

Zuck

Best:

1- Bestimmung der Fehlingsche Lösung direkt reduzierenden
erarten (Glukose, Fruktose, Invertzucker, Maltose, Laktose usw.). Diese
immung kann auf maß- und gewiehtsanalytischem Wege geschehen,
a) Maßanalytisches Verfahren nach Fr. Soxhlet.1) Man bringt 25 ccm
^upferlösung und 25 ccm der alkalischen Seignettesalzlösung (vergl. Lösungen
°- 18 am Schluß) in einer tiefen Porzellanschale zum Kochen und setzt dann
011 ^er betreffenden Zuckerlösung so lange zu, bis nach einer der Zuckerart ent-
fiif0 ,n&lt;*en Lochdauer die Lösung nicht mehr blau ist. Die Kochdauer beträgt
j r. Llnkose, Invertzucker und Fruktose 2 Minuten, für Maltose 4 und für
ccm °Se ^ Minuten. Auf diese Weise wird vorläufig ungefähr festgestellt, wieviel
P1 ,^er Zuckerlösung 50 ccm der Fehlingschen Lösung entsprechen, bezw.
0^*1 Prozent ungefähr die betreffende Zuckerlösung enthält. Durch Verdünnen
IstCr Eindampfen muß darauf die Lösung ungefähr 1-prozentig gemacht werden.
j£0 &lt;les geschehen, so erhitzt man wieder 50 ccm Fehlingsche Lösung zum
derC Vf1 Un^ gibt nun von der auf etwa 1 °/o gestellten Zuckerlösung so viel zu, als
st:i i- Bnge entsPricht, welche beim Vorversuch die Fehlingsche Lösung voll-
Zvicko^ ret*uz*ert hatte. Es wird dann so lange gekocht, als für die betreffende
dichtera* erforderlich ist, worauf man die ganze Flüssigkeit auf ein großes, aber
daß 68 T* aitenBlter gibt. Es muß beim Filtrieren vor allem darauf geachtet werden.
besten0“ 6twa ^Puren cies feinkörnigen Kupferoxyduls durch das Filter gehen; am
und 'i ^erzeugt man sich davon, indem man das Filtrat einige Zeit stehen läßt
sich jums°h'wenkt, durch welche Behandlung der Kupferoxydul-Niederschlag
n er Mitte sammelt. Ist das Filtrat noch blau oder grünlich, so ist selbst-

beriohtii/^ ^^analytische Verfahren ist von Fehling eingeführt, von Fr. Soxhlet
bi- F. 21 ^geändert worden. Vergl. Fr. Soxhlet, Journ. f. prakt. Chemie 1880,

15*
        <pb n="252" />
        ﻿228

Futtermittel.

verständlich noch Kupfer in Lösung und es bedarf keiner Prüfung. Ist das Filtrat
dagegen gelb, so muß es auf Kupfer geprüft werden. Dies geschieht, indem man
das Filtrat mit Essigsäure ansäuert und mit frisch bereiteter Ferrocyankaliumlösung
versetzt. Dunkle Eotfärhung zeigt eine größere Menge, Eosafärhung nur Spuren
von Kupfer an; das Ausbleiben deutet auf eine vollständige Eeduktion des Kupfers
und damit auf einen Überschuß der Zuckerlösung hin. Um den Punkt zu finden,
hei welchem die Zuckerlösung eben hinreicht, um sämtliches Kupfer auszufällen,
muß nun mit der Titration so lange fortgefahren werden, bis von 2 aufeinander
folgenden Titrationen die eine eben noch eine Spur Kupfer anzeigt, während die
darauffolgende, mit einer um 0,1 ccm vermehrten Menge Zuckerlösung ausgeführte
Titration eine vollständige Eeduktion ergibt. Die wahre, 50 ccm Fehlingsche
Lösung genau reduzierende Menge der Zuckerlösung liegt mitten zwischen den zwei
Ergebnissen. Die in der angewendeten Anzahl ccm der Zuckerlösung enthaltene
Menge der betreffenden Zuckerart berechnet sich leicht aus den von Soxhlet für
die verschiedenen Zuckerarten gefundenen Eeduktionswerten, wonach in etwa 1 %-igen
Lösungen 50 ccm Fehlingsche Lösung entsprechen:

= 0,2365 g Glukose,

= 0,2470 „ Invertzucker,

= 0,2572 „ Fruktose,

= 0,3890 „ Maltose,

= 0,3380 „ kristallisierter Laktose.

Bei gefärbten Flüssigkeiten läßt sich im Filtrat der Eintritt der Eeaktion
mit Ferrocyankalium schlecht oder nicht erkennen. Soxhlet hat dafür folgendes
Verfahren angegeben; Das Filtrat wird mit einigen Tropfen Zuckerlösung versetzt,
etwa 1 Minute lang gekocht und dann 3—4 Minuten stehen gelassen. Gießt man
nun vorsichtig ab, so ist ein Niederschlag entweder sofort oder dann zu erkennen,
wenn man mit einem um einen Glasstab gewickelten Stück Filtrierpapier über den
Boden wischt, welches durch am Boden haftende Spuren Kupferoxydul rot ge-
färbt wird.

In einigen Fällen, wo der Zuckergehalt annähernd bekannt ist, kann man
sich auch des Eeischauerschen Titrationsverfahrens bedienen. Man gibt in
6 Proberöhrchen des sogenannten Eeischauerschen Sternes, befestigt an einem
Stativ mit Klemmvorrichtungen, je 5 ccm der Zuckerlösung, welche für diese Be-
stimmung nicht mehr als 0,58 g Glukose bezw. Maltose in 100 ccm enthalten darf,
dazu 1, 2, 3, 4, 5 und 6 ccm der Fehlingschen Lösung, taucht den Stern in ein
kochendes Wasserbad und läßt ihn 20 Minuten darin. Alsdann nimmt man her-
aus und sieht zu, wie die überstehende Flüssigkeit in den einzelnen Eöhrchen ge-
färbt ist, blau, grün oder gelb usw., d. h. ob alles Kupfer ausgefällt ist oder nicht.
Um sich sicher zu überzeugen, ob in der gelb erscheinenden Flüssigkeit eines
Proberöhrchens noch Kupfer vorhanden ist oder nicht, filtriert man einen Teil ab
und prüft das Filtrat mit Essigsäure und Ferrocyankalium; eine Eotfärbung gibt
die Anwesenheit von Kupfer kund.

Hat man bei 2 aufeinander folgenden Proberöhrchen die An- und Abwesen-
heit von Kupfer festgestellt, so variiert man die Kupfermenge zwischen diesen um
Zehntel ccm; waren die Endpunkte z. B. zwischen 3 (gelb bezw. kupferfrei) und 4 (grün
bezw. kupferhaltig), so nimmt man 3,16, 3,40, 3,60, 3,75 und 3,90 ccm Fehlingsche
Lösung; liegen die Endpunkte jetzt zwischen 3,40 und 3,60, so nimmt man bei einem
3..ten Versuch 3,46, 3,49, 3,51, 3,53, 3,55 und 3,57 ccm Fehlingsche Lösung; fallen
die Endpunkte jetzt zwischen 3,51 und 3,55, so nimmt man hiervon das Mittel (3,53) an.
        <pb n="253" />
        ﻿Bestimmung der Zuckerarten.

229

Nach K. Kruis entspricht:

Glukose

Maltose

b) Ge wiohtsanalytisches Verfahren.

Stimmung ist zuerst von E. Meißl, später von F.
und ferner auch auf die Bestimmung des Invertzuckers, der
Maltose, der Laktose und der Fruktose angewendet worden.
Für die betreffenden Zuckerarten haben Meißl, Wein,
Soxhlet und Lehmann Tabellen angefertigt. Es sind für
jede Zuckerart Lösungen von bestimmten Verdünnungen und
von bestimmter Menge notwendig; g ftuaein s am ist allen die Art
der Ausführung. Diese ist folgende: Man erhitzt die F e h 1 i n g -
sehe Lösung bezw. deren Verdünnung in einer Porzellanschale,
besser in einer Porzellanhenkelschale, zum Kochen, trägt
mit einer Pipette die vorgeschriebene Menge der Zucker-
lösung ein und kocht dann so lange weiter, als es für die
betreffende Zuckerart vorgesohrieben ist, worauf sofort
filtriert wird. Zum Filtrieren bedient man sich eines
^oxhletschen Ashestfilterröhrchens (vergl. Fig. 37). Dieses
stellt man her, indem man ein etwa 10 cm langes Stück Ver-
brennungsrohr an dem einen Ende etwa zur halben Stärke
auszieht. In den Hals bringt man dann einen kurzen
Pfropfen von Glaswolle und darauf weichen, mit Natronlauge
Salpetersäure behandelten, gut ausgewaschenen Asbest.
Dieser darf weder zu locker noch zu fest angedrückt sein,
da im ersteren Falle Kupferoxydul mit durchgerissen wird,
m anderem Falle das Filter zu langsam filtriert. Der mit
cißein Wasser ausgewaschene Asbest wird mit Alkohol und
ann mit Äther nachgewasohen und zum Schluß das

Höhrehen

geglüht.

= 5,57	mg	7,26	mg.
= 10,36	55	14,46	55
= 14,95	55	21,83	55
= 19,57	55	29,32	51
= 24,26	55	36,82	51
= 28,97	55	44,36	55
ihren.	Die	gewichts	sanalytische Be-
von F. Alli		hn1) für Glukose ausgearheitet	

Fig. 37. Vorrichtung für
Zuekerbestimmung.

nachgewaschen und zum
samt Asbest unter Durchsaugen von Luft aus-
Es ist damit für den Gebrauch fertig und Wir	„

nach jedesmaliger Benutzung dadurch wieder gebrauch a ig ge 1 niswäscht und
«fc Salpetersäure, dann mit heißem Wasser, Alkohol undMher aus«Ischt und
wieder trocknet. Das ausgeglühte und im Exsikkator erkaltete Röhrchen vird vor
dem jedesmaligen Gebrauch gewogen.	. _ . . . ,	.

Beim Filtrieren setzt man mittels eines Korkes ein Tnchterchen auf das Rohr
^d gibt vorerst etwas heißes Wasser auf das Asbestfüter und dann die
Flüssigkeit mit dem Kupferoxydul. Die letzten Reste des Niederschlages werden
mit einem Pederchen und heißem Wasser nachgespült, mehreremale mit hei^ ^aS
nachgewaschen, darauf mit Alkohol und zuletzt mit Äther die größte Menge des Wassers
®ntfernt. Nach vollständigem Trocknen verbindet man das Röhrchen so mit emem
^ asserstoff-Entwickelungs-Apparat, daß das getrocknete Wasserstoffgas durch

m oberen Ende des Filterröhrchens mittels eines gut schließenden K

io 3 Nftae Zeitschr. f. Rübenzuckerindustrie 8, 230 und Zeitechr. f anal. Chemie 1879,

18’ 348 und 1881, 20, 434, ferner ausführlich in Journ, f. prakt. Chemie-1880,	U, 4b.
        <pb n="254" />
        ﻿230

Futtermittel.

sitzendes engeres Röhrchen eintritt und durch das schräg nach abwärts geneigte
Filter röhr eben hindurchgeht. Nach einiger Zeit, wenn die Luft ausgetrieben ist, er-
hitzt man den- Asbestpfropfen mäßig, worauf die Reduktion des Kupferoxyduls zu
metallischem Kupfer stattfindet. Sind die bei der Reduktion auftretenden Wasser-
tropfen verdampft und ist sämtliches Kupfer mattrot, so läßt man im Wasserstoffstrome
erkalten und wägt dann sogleich. Die Gewichtszunahme ergibt die Menge des
Kupfers; die diesem entsprechende Menge der betreffenden Zuckerart findet man in
den zugehörigen Tabellen angegeben.

Die Reduktion des Kupferoxyduls zu Kupfer im Wasserstoffstrom wird jedoch
jetzt meistens, weil zu lästig, nicht mehr vorgenommen, sondern das Kupferoxydul
in bequemerer Weise durch einen trocknen, d. h. mittels konzentrierter Schwefel-
säure gewaschenen Luftstromes unter Erhitzen des Filterröhrchens in Kupferoxyd
übergeführt und dieses gewogen. 1 TI. CuO = 0,799 Tie. Cu. Yergl. auch Tabelle III
am Schluß.

Die für die gewichtsanalytischen Zuckerbestimmungen notwendigen Lösungen
sind im allgemeinen dieselben, wie sie bei dem maßanalytischen Verfahren (unter
Lösungen No. 18) angegeben sind, doch hat für die Bestimmung der Glukose Allihn
eine andere Zusammensetzung der Seignettesalzlösung vorgeschrieben,
aa) Bestimmung der Glukose nach Meißl und Allihn;

30 ccm Kupfersulfatlösung,

30 ccm Seignettesalzlösung (173 g Seignettesalz -)- 125 g Kalihydrat zu 500 ccm ge-
löst) und

60 com Wasser werden zum Kochen erhitzt, sodann

25 ccm der nicht mehr als 1 °/0-igen Zuckerlösung zugesetzt und noch weitere 2 Minuten
im Kochen erhalten.

(Siehe Tabelle No. IV am Schluß.)
bh) Bestimmung des Invertzuckers nach E. Meißl:

25 ccm Kupfersulfatlösung,

25 ccm Seignettesalz-Natronlauge (nach Soxhlet) und so viel ccm Invertzuckerlösung, als
im Höchstbetrage 0,245 g Invertzucker entsprechen, und das Ganze auf 100 ccm
gebracht. Die zum Sieden erhitzte Flüssigkeit wird weitere 2 Minuten im Sieden
erhalten.

(Siehe Tabelle No. Va u. Vb am Schluß.)
cc) Bestimmung der Maltose nach E. Wein:

25 com Kupfersulfatlösung,

25 ccm Seignettesalz-Natronlauge (nach Soxhlet) und

25 ccm der nicht mehr als 1 °/c-igen Zuckerlösung kalt gemischt, zum Kochen erhitzt
und 4 Minuten im Kochen erhalten.

(Siehe Tabellen No. VI am Schluß.)
dd) Bestimmung der Laktose nach Fr. Soxhlet:

25 com Kupfersulfatlösung,

25 com Seignettesalzlösung (nach Soxhlet),

100 ccm einer verdünnten Milchflüssigkeit (25 com Milch mit 400 ccm Wasser verdünnt,
nach Ritthausen gefällt, auf 500 ccm aufgefüllt, filtriert, von dem Filtrat
100 com) zum Sieden erhitzt und 6 Minuten im Sieden erhalten.

(Siehe Tabelle No. VIII am Schluß.)
ee) Bestimmung der Pentosen;

35 com Kupfersulfatlösung,

35 ccm Seignettesalz-Natronlauge,

25 ccm einer '/* hi8 1 °/0-igen Pentosenlösung 4 Minuten lang erhitzt und davon 3 Minuten
im Kochen.
        <pb n="255" />
        ﻿231

Bestimmung der Zuckerarten.

In Lösungen von 0,26—1,0°/0 Pentosen reduziert hierbei nach W. E. Stone1) 1 mg
Arahinose 1,9—2,0 mg, 1 mg Xylose 1,86—1,96 mg Kupfer. Weiser und Zaitschek2)
erhielten wesentlich andere Reduktionswerte; sie wendeten aber eine Lösung wie Meißl-
Allihn für die Glukose-Bestimmung an und kochten bezw. erhitzten die 145 ccm be-
tragende Lösung nach dem Vorschläge Pflügers 30 Minuten im siedenden Wasserhade.
8ie fanden für die Reduktionsfähigkeit der Arahinose und Xylose folgende Werte:

	Arahinose;			Xylose:			
Reduziertes  Kupfer  __ mg	Arahinose  mg	t mg Cu ent- spricht Arahinose  mg	Eine der Arahinose gleiche Menge Glukose re- duziert Cu	Reduziertes  Kupfer  mg	Xylose  mg	L mg Cu ent- spricht Xylose  mg	Eine der  g Xylose gleiche  ^ Menge Glukose  reduziert Cu
27,8	11,3	0,396	31,4	32,1	11,2	0,349	31,1
52,1	22,6	0,434	55,0	57,5	22,4	0,390	54,6
76.4	35,6	0,463	81,6	79,6	33,6	0,423	77,5
99,4	45,2	0,463	101,4	102,2	44,9	0,439	100,4
193,1	90,5	0,468	193,4	123,8	56,1	0,453	123,2
215,6	101,8	0,472	216,1	171.4	78,5	0,458	168,9
234,1	111,2	0,475	234,5	184,4	86,0	0,461	182,0
237,2	113,2	0,477	238,4	194,3	89,7	0,462	191,5
264,6	122,8	0,482	257,5	216,1	100,9	0,467	214,2
278,5	134,3	0,482	279,4	226,6	106,2	0,468	224,6
314,2	153,6	0,488	315,2	239,3	112,2	• 0,469	236,3
357,2	178,0	0,498	357,9	308,8	148,7	0,482	306,5
368,0	184,2	0,500	368,2	346,2	170,0	0,491	344.0
392,9	200,2	0,501	394.9	384,0	191,2	0,502	379,9
417,5	214,9	0,515	417,9	420,7	212,4	0,505	414,4

qj . Hiernach reduziert die Arahinose etwas schwächer, die Xylose etwas stärker als
lein °rU ’ Heduktionswert eines Gemisches von Arahinose und Xylose kann daher gleich
Reduktionswert von Glukose gesetzt werden. Sind in einem Zucker-Gemisch von
der 7&amp;n auc^ Pentosen vorhanden, so kann man durch Destillation eines besonderen Teiles
Weit uc'&lt;eriösung mit Salzsäure von 1,06 spez. Gewicht (vergl. Bestimmung der Pentosane
biuo- Unten S. 243) das Purfurol und damit (nach Tabelle X am Schluß) die Pentosen (Ara-
+ Xylose) bestimmen und daraus die den letzteren entsprechende Kupfermenge
Kunf eClU^°nSWert ^er HiuIjose) berechnen, und wenn diese von der ganzen Menge reduzierten
Hierb1'8 .a^ezoSen wird, erhält man die der Glukose allein entsprechende Kupfermenge.
Toll61 18t jedoc^ zu berücksichtigen, daß auch die Hexosen (Glukose, Saccharose) nach
oder qV" o** C*6r Hestillation Purfurol liefern, z. B. reine Glukoselösungen 0,36 °/0 Purfurol
gezoo- ,t&gt;0 ’° Hentosen. Diese Menge muß daher von der gefundenen Pentosenmenge ah-
° n Ul'd der Rest erst auf den Reduktiouswert der Glukose umgereohnet werden,
bei 3 , 61sPiöl: Angenommen, 3,0 g Hafer werden (vergl. unter „Stärke“) im Autoklaven
1.125 mosPhären Druck aufgeschlossen, die Lösung filtriert, mit 20 ccm Salzsäure von
Hösuna^eZf ^ewicht (für 200 ccm Lösung) 3 Stunden am Eückflußkühler gekocht und die
Hlukose aU* °Cm S6^)rac^t! 50 ccm der Lösung sollen 296,4 mg Cu reduzieren = 142,4 mg
Hlukose ’ ^V.e!tere °0 com der Lösung sollen 8,4 mg Pentosen liefern. Da das aus 142,4 mg
sächlich p	Purfurol, auf Pentosen umgerechnet, 1,0 mg beträgt, so ist der tat-

6 entosengehalt der Lösung 8,4 — 1,0 = 7,4, also der wahre Gehalt an Glukose

2 ®er&gt;chte d. deutschen ehern. Gesellschaft 1890, 23, 3795.
&gt; Laadw. Versuchs-Stationen 1903, 58, 219.
        <pb n="256" />
        ﻿232

Futtermittel.

142,4	— 7,4 = 135,0 mg, und diese mit 0,9 multipliziert, liefert erst den der Glukose ent-
sprechenden Stärkewert.

J.	Kjeldahl1) macht darauf aufmerksam, daß auf die Ausfällung des Kupfer-
oxyduls der Zutritt der Luft in höherem Maße während des Kochens als während des
Filtrierens von Einfluß ist, indem um so weniger Kupfer ausfällt, d. h. also um so mehr
oxydiert wird, mit je mehr Luft die Flüssigkeit während des Kochens in Berührung kommt.
Kjeldahl schlägt daher vor, das Kochen der Kupfer- und Zuckerlösung in einem Erlen-
meyer-Kolben im Wasserstoffstrome vorzunehmen. Als Kochdauer hat er 20 Minuten an-
gewendet, und weil die so erhaltenen Ergebnisse nicht mit den nach vorstehenden Verfahren
ermittelten Ergebnissen übereiustimmen, so hat Kjeldahl neue Tabellen entworfen (vergl.
Tabelle IX am Schluß).

2.	Bestimmung der Saccharose. Zur Bestimmung mittels Fehlingscher
Lösung wird die Saccharose durch Inversion mittels Salzsäure oder Invertase
(siehe unter „Darstellung der Lösungen“ 21 h) in Invertzucker übergeführt.

a)	Bei Anwendung des gewichtsanalytischen Verfahrens ist darauf zu
achten, daß die Invertzuckerlösung in 50 ccm nicht über 0,246 g Invertzucker ent-
sprechend 0,233 g Saccharose enthalten darf. Man verfährt daher am besten folgender-
maßen: 100 com der (nicht über) 1 °/0-igen Saccharoselösung erwärmt man in einem
250 ccm-Kolben 1/2 Stunde im kochenden Wasserbade mit 30 ccm 1/10 Normal-
Salzsäure, setzt nach dem Abkühlen ebensoviel ccm 1/10 Normalkalilauge hinzu und
füllt auf 250 ccm mit Wasser auf. Von dieser Lösung2) verwendet man 50 ccm
(= 0,21 g Invertzucker bei 1 °/0-iger Saccharoselösung) zur gewichtsanalytischen
Bestimmung des Invertzuckers nach E. Meißl. Man zieht von der erhaltenen
Kupfermenge die zuerst für die direkt reduzierenden Zuokerarten gefundene Kupfer-
menge ab, sucht die' dem als Rest verbleibenden Kupfer entsprechende Menge Invert-
zucker nach der Tabelle No. V a bezw. V b am Schluß auf und erhält durch
Multiplikation der gefundenen Menge Invertzucker mit 0,95 die Menge der vorhandenen
Saccharose. Oder man bestimmt nach der Tabelle die gesamte Invertzuckermenge,
zieht davon die vor der Inversion gefundene Invertzuckermenge ab und rechnet die
Differenz durch Multiplikation mit 0,95 auf Saccharose um. Letzteres Verfahren
ist das richtigere.

b)	Bei Anwendung des maßanalytischen Verfahrens nach Fr. Soxhlet
erhitzt man nicht über 9,5 g Saccharose in 700 ccm Wasser mit 100 ccm 1/5 Normal-
säure 1/2 Stunde im siedenden Wasserbade. Darauf wird rasch abgekühlt, mit
titrierter Natronlauge genau neutralisiert und auf 1000 ccm aufgefüllt. Man hat
dann eine weniger als 1 %-ige Invertzuckerlösung und verfährt nach S. 227.

c)	Bestimmung der Dextrine. Die Dextrine werden durch Hydrolyse mit Salz-
säure in Glukose übergeführt und diese wird entweder maßanalytisch nach Fr.
Soxhlet oder gewichtsanalytisch nach Meißl-Allihn bestimmt.

Bei der Herstellung der Glukoselösung aus den zu bestimmenden Dextrinen
löst man diese in etwa 200 ccm Wasser und erwärmt drei Proben Lösung mit
20 ccm Salzsäure (von 1,125 spezifischem Gewicht) 1, 2 und 3 Stunden lang, im
kochenden Wasserbade am Rückflußkühler. Darauf wird jedesmal rasch abgekühlt,
mit Natronlauge neutralisiert oder wenigstens bis zu nur schwach saurer Reaktion
versetzt und so weit verdünnt, daß die Lösung höchstens 1 °/0 Glukose enthält.

J) Nach Meddelelser fra Carlsberg Laboratoriet 4, 1, in Zeitschr. f. anal. Chemie
1896, 35, 344.

2)	Wenn die Lösung einen flockigen Niederschlag enthält, ist sie durch ein trocknes
Filter vorher zu filtrieren.
        <pb n="257" />
        ﻿Bestimmung der Zuckerarten.

233

In 25 ccm dieser Lösungen wird der Zucker nach Meißl und Allihn (S. 230)
gewichtsanalytisch oder nach Fr. Soxhlet (S. 227) maßanalytisch bestimmt.

In beiden Fällen erhält man aus der gefundenen MengeGlukose durchMultiplikation
mit 0,90 die Menge der vorhandenen Dextrine (vergl. auch Tabelle VII am Schluß).

Das höchste Ergebnis der drei (1, 2 und 3 Stunden lang gekochten) Lösungen
wird als das richtige angenommen; in der Regel wird man nur die 3 Stunden
lang erwärmte Lösung zu untersuchen haben.

ß) Bestimmung der Zuckerarten durch Polarisation. Das polarimetrische
Verfahren der Zuckerbestimmung findet vorwiegend nur Anwendung bei Bestimmung
der Saccharose, ferner auch zur Bestimmung der Glukose. Es ist natürlich nur
dann anwendbar, wenn keine sonstigen optisch aktiven Verbindungen in der Lösung
vorhanden sind.

Als Polarisationsapparate sind in analytischen Laboratorien vorwiegend die
Dolarisationsapparate von Mitscherlich, Laurent und Wild mit Kreisgradteilung
(Halbschattenapparate) in Gebrauch, während die Farbenapparate von Soleil-
^ entzke-Scheibler und Soleil-Dubosq und der Halbschattenapparat von
Schmidt und Hänsch mit Zuckerskala vorwiegend in der Fabrikpraxis in Ge-
brauch sind.

Als Lichtquelle dient bei den Halbschattenapparaten eine Natriumflamme oder
Auer-Licht, bei den Farbenapparaten eine gewöhnliche Gasflamme. Die Polarisation
nimmt man durchweg bei 17,5° vor.

1. Bestimmung der Saccharose. Die spezifische Drehung der Saccharose
beträgt bei 17,5° = + 66,5°. Polarisiert man eine Saccharoselösung im 200 mm-Eohr
bei 17,5°, so entspricht 1° Drehung im Polarisationsapparate von:

Saccharose in 100 ccm

Mitscherlich, Laurent, Schmidt u. Hänsch, Wild mit Kreisgradteilung 0,76
koleil-Yentzke-Soheibler, Schmidt und Hänsch mit Zuokerskala. . 0,26048
Soleil-Dubosq mit Zuckerskala................................... 0,16350.

In der Praxis verfährt man bei der Bestimmung der Saccharose jedoch
'neist so, daß man diejenige für jeden Apparat bestimmte Menge Eohsubstanz (das
rAormalgewicht“) abwiegt, welche zu 100 com mit Wasser gelöst, direkt den
rozentgehalt an Saccharose abzulesen gestattet, und diese Lösung polarisiert.

Das Normalgewicht beträgt für 100 ccm Lösung für den Polarisations-
aPparat von:

Mit sch erüch, Laurent, Schmidt u. Hänsch, Wild mit KreiBgradteilung 75000 g.
Sol eil-Yentzke-Scheibler, Schmidt und Hänsch mit Zuckerskala . JgJ» »
Soleil-Dubosq............................................................

Polarisiert man diese Lösungen im 200 mm-Eohr, so bedeutet 1 Drehung
10/o Saccharose; nur bei den Apparaten mit Kreisgradteilung würde eine Losung,
welche 75 g Saccharose in 100 ccm Lösung enthält, zu konzentriert sein, man
verwendet daher Lösungen, welche nur 15 g Substanz in 100 ccm Losung enthalten;
man muß daher die gefundenen Grade mit 5 multiplizieren.

2. Bestimmung der Glukose. Bei verdünnten (bis zu 14 g wasserfreie
Glukose in 100 ccm enthaltenden) Glukoselösungen beträgt die spezifische Drehung

dei' Glukose -f 53° während sie bei konzentrierteren Lösungen nicht unerheblicn
größer ist.

Da die krystallisierte Glukose Birotation xe' g , tün^gem Erwärmen auf
nach 24-stündigem Stehen in der Kälte oder nach /i B
100° vorgenommen werden.
        <pb n="258" />
        ﻿234

Futtermittel.

Verwendet man zur Polarisation Glukose-Lösungen, welche his zu 14 g
wasserfreie Glukose in 100 ccm enthalten, so entspricht 1° Drehung im 200 mm-
Rohr im Polarisationsapparate von;

Glukose ln
100 ccm Lösung
g

Mitscherlich, Schmidt u. Hänsch, Wild u. Laurent mit Kreisgradteilung 0,9434

Soleil-Ventzke-Scheibler, Schmidt u. Hänsch mit Zuckerskala .	.	. 0,3268

Soleil-Dubosq mit Zuckerskala.................................. 0,2061.

y) Trennung der einzelnen Zuckerarten voneinander. Für die Trennung
der einzelnen Zuckerarten voneinander können folgende Verfahren dienen:

1. Titrimetrisch oder gewichtsanalytisch, a) Verfahren von Fr.Soxhlet.
Um zwei Zuckerarten nebeneinander zu bestimmen oder die Identität einer Zuckerart
mit einer bekannten festzustellen, bedient man sich der Eigenschaft der Zuckerarten,
Fehlingsche Kupferlösung und Sachssesche Quecksilberlösung in verschiedenen,
aber unter gleichen Arbeitsbedingungen gleichbleibenden Verhältnissen zu reduzieren.
Die Ausführung der Zuckerbestimmung mittels Fehlingscher Kupfer- und Sachsse-
scher Quecksilberlösung geschieht auf maßanalytischem Wege. (Über die Darstellung
der Lösungen vergl. Lösungen No. 18 u. 19.)

Für die Berechnung der Mengen der vorhandenen Zuckerarten hat Fr. Soxhlet
gefunden, daß je 1 g der verschiedenen Zuckerarten in 1 °/0-igen Lösungen die
in nachfolgender Tabelle angegebenen Mengen Fehlingscher und Sachssescher
Lösung reduziert, bezw. daß 100 ccm der letzteren (unverdünnt) durch die daselbst
angegebenen Zuckermengen in 1 °/0-igen Lösungen reduziert werden.

	1 g Zucker in l°/0-iger		100 ccm der Lösungen	
	Lösung reduziert		von	
Zuckerart:			Fehling	S a c h s s e
	Fehling-	S achsse-	werden reduziert in	
	scheLösung	scheLösung	iproz. Lösung durch	
	ccm	ccm	mg	mg
Glukose (Traubenzucker)		210,4	302,5	475,3	330,5
Invertzucker		202,4	376,0	494.1	266,0
Fruktose		194,4	449,5	514,4	222,5
Laktose		148,0	214,5	675,7	466,0
Desgl. (nach der Inversion)		202,4	267,7	494,1	388,0
Galaktose		196.0	226,0	510,2	442,0
Maltose			128,4	197,6	778,8	506,0

Wenn man Zuckerlösungen von 1 °/0 Gehalt an zwei verschiedenen Zucker-
arten, z. B. an Glukose (durch Hydrolyse von Dextrin erhalten) und an Invert-
zucker (durch Inversion von Saccharose erhalten) einerseits mit Fehlingscher
Kupferlösung, andererseits mit Sachssescher Quecksilberlösung, wie vorstehend
angegeben ist, titriert, so berechnet sich der Gehalt an Glukose und Invertzucker
aus den beiden Gleichungen:

ax + by = F und cx + dy = S,

worin bedeutet:

a die Anzahl der ccm Pehlingscher Lösung, welche durch 1 g Glukose reduziert
werden,

b die Anzahl der com Pehlingscher Lösung, welche durch 1 .g Invertzucker reduziert
werden,
        <pb n="259" />
        ﻿Bestimmung der Zuckerarten.

235

c die Anzahl der ccm Sachssescher Lösung, welche durch 1 g Glukose reduziert
werden,

d die Anzahl der ccm Sachssescher Lösung, welche durch 1 g Invertzucker reduziert
werden,

F die Anzahl der für 1 Volumen der Zuckerlösung (etwa 100 com) verbrauchten ccm
Fehling scher Lösung,

S die Anzahl der für 1 Volumen der Zuckerlösung (etwa 100 com) verbrauchten ccm
Sachssescher Lösung,

x die Menge der gesuchten Glukose in Gramm, enthalten in 1 Volumen (100 com) der
Zuokerlösung,

y die Menge des gesuchten Invertzuckers in Gramm, enthalten in 1 Volumen (100 ccm)
der Zuckerlösung.

Handelt es sich also um Bestimmung von Glukose und Invertzucker neben-
einander, so würden die angegebenen Formeln lauten:

210.4	x + 202,4 y = F,

302.5	x + 376,0 y = S.

Hieraus berechnet man die vorhandenen Glukose- und Invertzuckermengen in
bekannter Weise.

b)	Verfahren von J. Kjeldahl. Statt des vorstehenden Verfahrens kann
man sich auch des von J. Kjeldahl1) angegebenen Verfahrens bedienen, welches
darauf beruht, daß man zunächst das Reduktionsvermögen gegen eine geringe Menge
(etwa 15 ccm) Fehlingscher Lösung feststellt und alsdann unter Anwendung einer
vielfachen (n) Menge Zuckerlösung eine Bestimmung unter Benutzung von 50 oder
00 ccm Fehlingscher Lösung ausführt.

Kjeldahl führt aber die gewichtsanalytische Bestimmung anders als vor-
stehend aus und hat infolgedessen auch andere Tabellen (vergl. Tabelle IX am
' chluß) für die Berechnungen aufgestellt. Das Verfahren ist folgendes:

ln einen Erlenmeyer-Kolben von etwa 150 ccm Inhalt bringt man zunächst
° nötige Menge Fehlingscher Lösung2) — meistens 30 oder 50 ccm, nur bei
. . 1 verdünnten Zuckerlösungen 15 ccm — fügt dann die gemessene Zuckerlösung
p,,Zl1; verdünnt auf genau 100 ccm, leitet einen Strom von Wasserstoff durch die
ssigkeit und erhitzt während genau 20 Minuten auf dem kochenden Wasser-
te. Die
üblich.

Filtration und Wägung des gebildeten Kupferoxyduls geschieht wie

Die Tabelle No. IX am Schluß gibt an, W1®^delMdi[osee)n^nter vorstehender
(Glukose. Fruktose, Galaktose, Arabinose, Laktose und Maltose)

Arbeitsweise je 1 mg Kupfer entspricht.

’) Zeitschr. f. anal. Chemie 1896, 35, 345' J^he Konzentration, nämlich 34,639 g

2) Die Fehlingsche Lösung hat die	„„+tpaaiz iedoch hebt der Verfasser

Kupfersulfat, 65 g Natronhydrat und 173 g Seignettesalz, jedocn

. __ „. — ss-ara.-ÄS.rK

alle 3 Lösungen, auch die Seignettesalz osung,	^ können, stellt Kjeldahl 2 np ^

geforderte Flüssigkeitsmenge von 100 ccm ei	ncr ^ enthält 2x34,639 = 69» g

lösungen und 2 Natronlaugen her. Die Kupfe | CuSOt + 5 H20 in 11; eben-

CuS04 + 5H20, die Kupferlösung B 4 &gt;&lt;	wfcZyd§ die Lauge B 4X65 = 260 g

so die Lauge A = 2 x 65 = 130 g reines Natnumnyar y

Natriumhydroxyd in 1 1 (durch Titration bestimmt!	entsprechende Lösungen zu

Um aus diesen Lösungen 15, 30, oO 7o oder 100	^	lz mit Hilfe

erhalten, löst man 2,6 g, 5,2 g, 8,6o g, 13,0 g	^erSje der Hälfte der Lauge B

von 7,5, }5,0, 25,0, 37,5 oder 50 ccm der	hinzu.

fugt die gleichen Volumina der entsprechenden
        <pb n="260" />
        ﻿236

Futtermittel.

Die Bestimmung der einzelnen Zuckerarten nebeneinander geschieht in der
vorstehenden Weise, die Berechnung z. B. für ein Gemisch von Glukose und
Fruktose durch folgende Formeln:

und hieraus;

worin bedeutet:

nd —D

n = vielfache Menge der Zuokerlösung,

p = reduziertes Kupfer bei Anwendung von wenig (z. B. 15 ccm) Fehlingscher
Lösung und Zuckerlösung,

P = reduziertes Kupfer bei Anwendung von mehr Fehlingscher und mehr Zucker-
lösung,

d = Glukosemeuge für p reduziertes Kupfer,

D = Glukosemenge für P reduziertes Kupfer,

1 = Fruktosemonge für p reduziertes Kupfer,

L = Fruktosemenge für P reduziertes Kupfer,
x = gesuchte Menge Glukose,
y = gesuchte Menge Fruktose.

2. Bestimmung der Glukose und Fruktose durch Eeduktion und
Polarisation. Das frühere Verfahren von C. Neubauer wird zweckmäßig durch
das Verfahren von Halenke und Möslinger1) ersetzt. Ein abgemessener Teil
der Zuckerlösung wird mit geeigneten Klärmitteln (Bleiazetat usw.) geklärt und
das Filtrat unter Berücksichtigung der Verdünnung durch das Klärmittel bei 15°
polarisiert. In einem anderen Teil des Filtrats bestimmt man nach Entfernung der
störenden Bestandteile von dem Klärmittel — also bei Anwendung von Bleiazetat
durch Zusatz einer überschüssigen Menge schwefelsauren Natriums (etwa 5 ccm ge-
sättigte Lösung auf 20 ccm Zuckerlösung) und nach Zusatz von Alkali bis zur
deutlich alkalischen Reaktion — den Gesamtzucker als Invertzucker nach Meißl
(vergl. S. 230). Da nach den Untersuchungen von Gubbe2 3) und Ost8) der spezifische
Drehungswinkel («d) bei 15° in ungefähr 10°/0-iger Lösung für Glukose = 52,5 °,
für Fruktose = — 95,5° ist, so berechnet sich, wenn für 100 ccm Zuckerlösung:
d = Glukose, 1 = Fruktose, s = Gesamtzucker, («) = Drehungsgrade einschließlich
Vorzeichen bei 15° und im 100 mm-Rohr bedeutet, nach der Gleichung;

(k) = — 0,965 1 -j- 0,525 d

oder, weil d = s
1 =

— 1 und 1 = s-
0,525 s — (a)4 * * *)
1,48

— d ist,

, ,	0,955 s + («)■*) ,	,

und d =----------&lt; -vp oder d = s — 1.

1,48

*) Zeitschr. f. anal. Chemie 1895, 34, 263.

2)	Berichte d. deutschen chem. Gesellsch. 1884, 17, 2297.

3)	Ebenda 1891, 24, 1636.

4)	Wenn (et), wie in den meisten Fällen, negativ ist (Linksdrehung), so wird in der

ersten Gleichung für Berechnung der Fruktose (1) —■ (— «) = -(-«, d. h. man muß zu dem

Produkt 0,525 s die Linksdrehungsgrade hinzuaddieren, in der letzten Gleichung für Be-
rechnung von d dagegen von dem Produkt 0,955 s abziehen, weil -(- (— tt) = — a ist.

Ist («) dagegen positiv (Rechtsdrehung), so müssen umgekehrt für die Berechnung
von 1 die Drehungsgrade abgezogen werden, weil — (-]-«) = — « ist, für Berechnung von

d dagegen hinzuaddiert werden.
        <pb n="261" />
        ﻿237

Bestimmung der Zuokerarten.

Da in den Laboratorien das Arbeiten bei 15° mit Schwierigkeiten verbunden ist,
so kann man nach dem Vorschläge von W. Fresenius auch eine Polarisations-
temperatur von 20° wählen; es ändert sich dann aber unter Berücksichtigung der
Drehungsänderung mit steigender Temperatur die angegebene Formel für die Be-
rechnung der Glukose und Fruktose in:

1 =

0,525 s — (a)

und d =

0,955 s 4- («)

oder d = s — 1.

1,456	1,455

Dieses Verfahren geht von der Voraussetzung aus, daß der Gesamtzucker be-
kannt ist, was aber nicht zutrifft, weil von vornherein nicht feststeht, in welchem
Verhältnis Glukose und Fruktose vorhanden sind, beide aber, wie vorhin gezeigt
ist, Fehlingsche Lösung in verschiedenem Grade reduzieren. Wenn aber der
Gesamtzucker als Invertzucker berechnet wird und die Mengen Glukose und Fruktose
nicht sehr weit voneinander abweichen, so ist der Fehler meist nicht groß und kann
das schnell auszuführende Verfahren zur annähernden Ermittelung dienen, während
die vorhin erwähnten Titrationsverfahren sichere Ergebnisse liefern können.

3.	Bestimmung von Saccharose, Glukose, Fruktose, Maltose,
Isomaltose, Pentosen und Dextrin nebeneinander. Bei gleichzeitiger An-
wesenheit dieser Zuckerarten und des Dextrins bestimmt man:

a)	Das gesamte Reduktionsvermögen für Fehlingsche Lösung:

«) in der Lösung direkt,

ß) nach der Inversion mit Invertin (bei 50—55°),

y) in dem Gärrückstande nach dem Vergären mit einer geeigneten, d. h.
Maltose nicht vergärenden, reingezüchteten Weinhefe direkt,

d)	in dem nach y erhaltenen Gärrückstande nach der Inversion mit Salzsäure
nach Sachsse mit 1, 2 und 3 Stunden Kochdauer,
k) Die Dextrine durch Alkoholfällung in der ursprünglichen Lösung.

Ans diesen Bestimmungen ergibt sich:

1- die Saccharose aus der Differenz von a und ß,

2. die Summe von Glukose und Fruktose aus der Differenz von
cc und y,

3-	die Summe von Maltose und Isomaltose aus der Differenz von
d und b,

4-	über die Bestimmung von Pentosen in einem Gemisch mit Hexosen vergl.

S. 231,

der Gehalt an Dextrinen aus b.

Sind einzelne der angeführten Zuckerarten nicht zugegen, so können unter
Ständen Vereinfachungen eintreten.

Aus dieser Übersicht ergibt sich keine Trennung von Maltose und Isomaltose
m keine Trennung von Glukose und Invertzucker; auch ist keine Eücksicht ge-
men auf den Einfluß, den die Gegenwart von Saccharose auf das Reduktions-
ermögen anderer Zuckerarten ausübt.

sich	werIV0'Ie Ergänzung der gewichtsanalytischen Bestimmungen ergibt

in ,lln*er Umständen durch Heranziehung der polarimetrischen Zuckerbestimmung
Elüss^k .Versc^ec^enen&gt; bei dem beschriebenen Gang in Betracht kommenden

Pjyj V enn demnach die Werte auch nur annähernde sind, so ist doch in allen
in" T?!!’ weIchen Malzextrakt oder Stärkezuckersirup, bezw. Most und Süßweine
kand^1^6 k°mmen&gt; ein Bedürfnis für eine solche Trennung der Zuokerarten vor-
?n’ un(I Ihr die meisten Fragen genügt die nach vorstehendem Verfahren zu

^zielende Genauigkeit.
        <pb n="262" />
        ﻿238

Futtermittel.

E. Prior1) hofft durch Anwendung verschiedener Hefen eine Trennung der
Zuckerarten und Dextrine erreichen zu können; so vergärt:

a) Saccharomyces Marxianus Saccharose, Glukose und Fruktose, aber keine Maltose.

h) Saccharomyces octosporus Maltose, Glukose und Fruktose, jedoch keine Saccharose.

c)	Saccharomyces apiculatus Glukose und Fruktose, jedoch keine Saccharose und
Maltose.

d)	Die meisten Oherhefen, welche Invertase ausscheiden, zerlegen die Melitriose
in Fruktose und Melihiose, vergären erstere, aber nicht die Melihiose. Die
Unterhefen dagegen, welche neben Invertase auch Melibiase ausscheiden,
zerlegen auch die Melihiose in Galaktose und Glukose, vergären also die
Melitriose vollständig.

e)	Die Unter hefen vom Typus Saaz und Typus F robb erg vergären alle Zucker-
arten, erstere die Dextrine so gut wie gar nicht, letztere gewisse Dextrine
etwas.

f)	Die Hefe Logos vergärt die dem Zucker nahestehenden Dextrine vollständig,
andere dagegen nicht.

Da der Vorschlag bis jetzt noch keine bestimmte Form angenommen hat, sei
nur auf die Abhandlung verwiesen.

4, Bestimmung der Stärke. Als „Stärke“ bezeichnen wir diejenigen Kohlen-
hydrate, welche in kaltem Wasser unlöslich sind, aber durch Diastase oder über-
hitzten Wasserdampf löslich gemacht werden und nach der Hydrolyse Fehling sehe
Lösung reduzieren. Da das Umwandlungserzeugnis der Stärke Glukose ist, wird
der Eeduktionswert der Zuckerlösung nach Fr. Soxhlet oder Meißl-Allihn er-
mittelt und auf Glukose berechnet, deren Menge mit 0,9 multipliziert die vorhandene
Stärkemenge ergibt (vergl. auch Tabelle VII am Schluß).

Dieser Begriff von Stärke ist, wie C. J. Lintner2) hervorhebt, nicht zu-
treffend, weil je nach der Art des Bestimmungsverfahrens (oh durch Diastase,
kürzeres oder längeres Dämpfen mit und ohne Zusatz von Säure usw.) Differenzen
bis zu 6 °/0 erhalten werden; wenn man aber in den Stärkeaufschließungen
die Pentosane bestimmt und diese von den gefundenen Mengen Stärke
abzieht, sollen die Werte noch nicht um 1 °/0 abweichen (vergl. S. 231).

Ohne Berücksichtigung dieses Umstandes erhält man daher nach keinem der
Untersuchungsverfahren den wahren Stärkegehalt, sondern nur mehr oder weniger
den Stärkewert. Dieses trifft am meisten die Verfahren, bei welchen die Substanz
direkt mit unorganischen Säuren gekocht und in der Lösung der gebildete Zucker
bestimmt wird.3) In solchem Falle kann man nur von „in Zucker überführharen
Stoffen“, nicht aber von Stärke sprechen. Aus dem Grunde muß bei Mit-
teilung von Stärkegehaltszahlen das Bestimmungs-Verfahren immer
angegeben werden.

Für technische wie wissenschaftliche Zwecke sind folgende Verfahren am
meisten in Gebrauch:

x) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1903, 6, 916.

'■b Zeitschr. f. angew. Chemie 1898, 725.

3)	Nach einem solchen Verfahren (von Liebermann, vergl. Saare, Fabrikation der
Kartoffelstärke, Berlin 1897, 491) werden z. B. 10 g fein gepulverte Substanz mit 200 ccm
Wasser und 15 ccm Salzsäure 2'/a Stunden im Wasserbade erhitzt, annähernd mit Natron-
lauge neutralisiert, auf 1000 ccm aufgefüllt und in 25 ccm die Glukose mit Fehl in gscher
Lösung bestimmt.
        <pb n="263" />
        ﻿Bestimmung der Stärke.

239

a)	Das Diastase-Verfahren verbunden mit Hydrolyse durch Salz-
säure nach M. Märcker.1) M. Märcker hat sein früher angewendetes Hoch-
druckverfahren, welches auch in die 2te Auflage dieses Handbuches auf genommen
ist, als nicht mehr zutreffend aufgegeben und hält das folgende 1 erfahren für
richtiger: „3 g der fein gemahlenen Körner oder getrockneten Kartoffeln werden mit
100 ccm Wasser */2 Stunde gekocht (oder schwach gedämpft), auf 65° abgekühlt
und mit 10 ccm Normal-Malzauszug (100 g Malz auf 1 1 Wasser) versetzt, etwa
2 Stunden bei 65° gehalten, dann nochmals 1/2 Stunde gekocht, wieder auf 65°
abgekühlt und nochmals etwa x/a Stunde mit 10 ccm Malzauszug bei 65° gehalten,
dann aufgekocht, abgekühlt, auf 250 ccm aufgefüllt und filtrirt. 1 on dem Filtrat
werden 200 ccm auf bekannte Weise mit 15 ccm Salzsäure von 1,125 spezifischem Ge-
wicht hydrolysiert, neutralisiert, auf 500 ccm gebracht und davon 50 ccm zur Zuckei-
bestimmung verwendet.“ Bei der Berechnung muß die in dem Malz zugesetzte
Zuckermenge abgezogen werden. Weiter ist noch folgendes zu berücksichtigen:

1.	Wenn die Stoffe Zucker und Dextrin enthalten, so müssen diese entweder in einer
besonderen Probe für sieh bestimmt und von dem nach der Hydrolyse gefundenen Zucker
abgezogen oder durch Auswaschen mit kaltem Wasser entfernt und der Rückstand wie vor-
stehend gekocht bezw. gedämpft usw. werden. Wenn man den Auszugsrückstand auf dem
Filter noch feucht mit Alkohol behandelt und dann an der Luft abtrocknen läßt, so läßt
er sich wieder quantitativ vom Filter entfernen.

2.	Sehr fettreiche Stoffe werden vorher durch Ausziehen mit heißem Alkohol und
Äther entfettet.

3.	Selbstverständlich gehen auch auf diese Weise noch andere Stoffe als Stärke in
Lösung; besonders werden durch das Kochen der diastasierten Lösungen noch aus
anderen Anhydriden als Stärke (z. B. aus Peutosaneu) reduzierende Zuckerarten gebildet,
■km nächsten kommt man daher dem wahren Stärkewert, wenn man die Hydrolyse mit
Salzsäure umgeht und den Zucker in der diastasierten Lösung durch Gärung

bestimmt.

b)	Hochdruckverfahren vonEeinke.2) Dieses Verfahren gleicht dem früher
von M. Märcker und A. Morgen ausgearbeiteten Verfahren, wird aber von Märcker
selbst für richtiger gehalten. „3 g fein gemahlener, lufttrockner Substanz werden in
einem Metallbecher mit 25 ccm 1%-iger Milchsäure sowie 30 ccm Wasser angerührt und
zugedeckt im Soxhletschen Dampftopfe (Autoklaven Fig. 38 S. 240) 21/2 Stunden auf
' )5 Atm. erhitzt, dann mit WTasser in einen 250 ccm-Kolben gespült, nach dem
Erkalten auf 250 ccm aufgefüllt und nach gehörigem Umschtttteln filtriert. ^ 200 ccm

es Filtrates werden mit 15 ccm Salzsäure (spezifisches Gewicht 1,125 = 25°/0 HCl)
versetzt und in einem Erlenmeyer-Kolben mit aufgesetztem Glasrohr im Wasser-
nde 21/2 Stunden erhitzt. Hierdurch wird alle Stärke (aber nach Lintner auch
ein Teil der gummiartigen Stoffe) und die Saccharose hydrolysiert oder in Glukose ver-
handelt. Die Flüssigkeit wird nach dem Erkalten annähernd mit Natronlauge
neutralisiert und auf 250 ccm verdünnt. In 25 ccm dieser Lösung wird eine
u ose-Bestimmung ausgeführt.“

Statt dieses Verfahrens kann man sich auch des folgenden bedienen; 3 g der
entb-^t	gepulverten Substanz werden, wenn sie Zucker oder Dextrin

ej '*■ 1’ erst mehrmals mit kaltem Wasser ausgezogen, der Rückstand alsdann in
1 bedeckten Fläschchen oder noch besser in einem bedeckten Zinnbecher von
ja pOO ccm Inhalt mit 100 ccm Wasser gemengt und in einem Soxhletschen
riT toPf 3—4 Stunden lang bei 3 Atmosphärendruck erhitzt. In Ermangelung

^ M. Märoker, Handbuch d. Spiritusfahrikation, 7. Auflage, Berlin 1898, S. 111.

1 Vergl. 0. Saare, Die Fabrikation der Kartoffelstärke,- Berlin 1897, S. 491.
        <pb n="264" />
        ﻿240

Futtermittel.

eines Dampftopfes kann man sich auch der Eeischauer-Lintnerschen Druck-
fläschchen bedienen, welche 8 Stunden bei 108—109° im Glyzerinbade erhitzt werden.
Der Inhalt des Bechers bezw. Fläschchens wird sodann noch heiß durch einen
mit Asbest gefüllten Trichter filtriert und mit siedendem Wasser ausgewaschen.

Da aber die Lösungen meistens schlecht filtrieren, so füllt man den Inhalt
des Bechers zweckmäßig auf 250 ccm auf und filtriert durch ein trocknes Faltenfilter.

Der Rückstand darf unter dem Mikroskop keine Jodreaktion mehr geben.
Von dem Filtrat werden 200 ccm in einem 500 ccm-Kolben mit 20 ccm einer Salz-
säure von 1,125 spezifischem Gewicht 3 Stunden lang am Rückflußkühler im kochenden
Wasserbade erhitzt. Darauf wird rasch abgekühlt und mit Natronlauge so weit

neutralisiert, daß die Flüssigkeit noch eben
schwach sauer reagiert, dann auf 500 ccnl
aufgefüllt und in dieser Lösung die gebildete
Glukose nach Meißl-Allihn bestimmt. Die
gefundene Glukosemenge mit 0,9 multipliziert
ergibt die vorhandene Stärke (vergl. auch
Tabelle VII am Schluß).

Will man die Glukose maßanalytisch
nach Soxhlet bestimmen, so ist die Lösung
auf ein geringeres Volumen zu konzentrieren.

Anm. Selbstverständlich wird durch den
starken Druck, besonders bei Anwendung von
Milchsäure, ein Teil der Hemizellulosen
(Pentosane) außer der Stärke hydrolysiert werden,
so daß ein höherer Gehalt an Stärke erhalten
wird, als wirklich vorhanden ist. Über die
Vermeidung dieses Fehlers vergl. Weiser und
Zaitschek S. 231, Andererseits aber kann
bei dem hohen Druck und der Länge der Ein-
wirkung eine teilweise Karamelisierung
oder gar eine Reversion (d. h. Bildung nicht
reduzierender Stoffe) eintreten und daher zu
wenig für Stärke gefunden werden.

c)	Direkte Bestimmung der
Stärke. Zur direkten Bestimmung der
Stärke, also des wahren Stärkewertes, sind
mehrere Verfahren in Vorschlag gebracht.

«) Verfahren von J. Mayrhofer,
welches allerdings in erster Linie für die
Bestimmung der Stärke in der Wurst ausgearbeitet, aber auch für andere Fälle
anwendbar ist. 3—20 g Substanz (je nachdem die Jodreaktion größere oder kleinere
Stärkemengen anzeigt) werden im zerkleinerten Zustande in einem Becherglas oder einer
tiefen Porzellansehale (Porzellankasserole mit Stiel) mit 50 ccm 8 °/0-iger alkoholischer
Kalilauge übergossen, das Gefäß mit einem Uhrglas bedeckt und auf ein kochendes
Wasserbad gesetzt. Nach kurzer Zeit ist die Masse aufgelöst (der Auflösung
kann durch Zerdrücken der Schnitten mit einem Glasstab nachgeholfen werden);
man verdünnt sodann mit heißem 50 °/0-igem Alkohol, läßt absitzen und filtriert
(Asbeströhrchen sind Papierfiltern vorzuziehen), wäscht noch zweimal mit heißer
alkoholischer Kalilauge und schließlich mit Alkohol nach, bis das Filtrat auf Zu-
satz von Säure vollkommen klar bleibt und nicht mehr alkalisch reagiert. Nunmehr
        <pb n="265" />
        ﻿Bestimmung der Stärke.

241

gibt man das Filter in das ursprüngliche Gefäß zurück und erwärmt mit etwa 60 ccm
wässeriger Normalkalilauge auf dem Wasserbade eine halbe Stunde lang unter
öfterem Umschütteln. Bei sehr mehlreichen Stoffen wendet man etwas stärkere
Lauge an, um eine vollkommene Lösung zu erzielen. Nach dem Erkalten säuert
man mit Essigsäure an und bringt zweckmäßig das Volumen der Flüssigkeit auf
100 ccm, wobei man den durch das Filter veranlaßten Fehler vernachlässigt; man
filtriert und fällt in einem aliquoten Teil der Lösung die Stärke mit Alkohol aus.
Der Niederschlag wird auf gewogenem Filter gesammelt, mit 50°/0-igem Alkohol
so lange gewaschen, bis das Filtrat beim Verdampfen auf einem Uhrgläschen einen
Rückstand nicht mehr hinterläßt; sodann verdrängt man den verdünnten Alkohol
roit absolutem, diesen endlich mit Äther und trocknet bei 100° bis zur Gewichts-
beständigkeit.

Die Ausfällung der Stärke ist vollkommen, wenn zur wässerigen Lösung
eine gleiche Menge Alkohol von 95 Gewichts-Prozenten zugesetzt wird, so daß
('ie Mischung etwa 50 °/0 Alkohol enthält. Wenn die Untersuchungsgegenstände,
'wie z. B. Fleischwaren, neben Stärke auch Glykogen enthalten, so wird dieses mit
der Stärke gefällt, kann aber ebenso wie Zucker davon nach weiteren Angaben von
J- Mayrhofer1) getrennt werden; wegen der Umständlichkeit dieses nur selten in
Betracht kommenden Verfahrens sei auf die Quelle verwiesen.

ß) Verfahren von G. Baumert und H. Bode,2) abgeändert von
D- Witte.8) G. Baumert und H. Bode haben ein im Wesen dem Mayrhofer-
schen ähnliches Verfahren für die Bestimmung des wahren Stärke wertes der Kartoffeln
^gearbeitet, welches H. Witte dann auch für die Bestimmung der Stärke im
6hl und Stärkemehl ausgebildet hat. Die Vorschrift für letzteres lautet also:

Y Die zu untersuchende Substanz wird zuvor durch ein feines Haarsieb verrieben.
°n Mehl werden zweimal je 1 g im Porzellanbecher mit wenig Wasser fein an-
uart; der hierzu benutzte Glasstab wird nötigenfalls zur Entfernung anhängender
i 6n einem Flöckchen Asbest abgerieben und abgespritzt. Die Becher
en mit Wasser auf gefüllt und, mit dem Deckel (Porzellandeckel mit übergreifendem
%an ) verschlossen, im Dampftopf 2 Stunden bei 4 Atmosphären erhitzt.

Nach dem Abkühlen unter 10004j und öffnen wird der Inhalt der Becher
in /	Nachspülen und Aus wischen mit einer Federfahne mit heißem Wasser

hier,me ®eraumige Kochflasche umgefüllt, in der sich einige Zinkspäne befinden, und
beiß1»1 ^ Minuten lang gekocht. Die Lösung wird unter sorgfältigem Nachspülen mit
Ein ^asser in einen Kolben von 500 ccm gebracht, nahezu aufgefüllt und durch
Wo 6 l6n. *n kaltes Wasser unter Umschwenken abgekühlt; sodann wird mit kaltem
PUn S6r ZUr Marke aufgefüllt un(] gu4 gemischt. Die Lösung wird an der Saug-
Eiltr’1» ^Urck ein nicht zu dickes Asbestplattenfilter filtriert, wobei das zuerst
Pud n ° zwflmal weggegossen wird (wegen der Verdünnung durch das in Filter
glas keRn(Riche Wasser); vom Filtrat werden dann je 50 ccm in ein Becher-
■^■Sbestes^0™’	^ ccm elIler 10 °/0-igen Natronlauge und je etwa 1 g feinflockigen

Lie \p ^ verseWt. Man braucht natürlich nur eine genügende Menge zu filtrieren.
dana 0QCO/Un^ Wlr&lt;l ]I|it je 1.00 ccm 96°/0-igem Alkohol — die Flüssigkeit enthält
kurze Z ■ ° ^kubol — gefällt und mit einem Glasstabe gut verrührt. Man läßt
.____61 absitzen und filtriert das Uberstehende durch ein weites Asbestfilterrohr

') Zeitscbr. f. Untersuchung der Nahrungs-	46i.

2) Zeitschr. f, angew. Chemie 1900, 1074 und HU,

8) Zeitschr. f. Untersuchung
4) Nach etwa 1/2 Stunde.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

4, 1101.

der Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 65.

16
        <pb n="266" />
        ﻿242

Puttermittel.

mittels der Säugpumpe ab. Den Eückstand bringt man mit 25 ccm Weingeist
+ 15 ccm Wasser (= 60 °/0-igem Alkohol) in das Eöhrchen und wäscht, unter Aus-
wischen des Glases mit einer Federfahne, nacheinander mit 25 ccm Alkohol +15 ccm
Wasser, 25 ccm Alkohol + 10 ccm Wasser + 5 ccm Salzsäure (10 °/0-ige), 25 ccm
Alkohol + 15 ccm Wasser, 25 ccm Alkohol, zuletzt mit etwas Äther aus, wobei man
mit dem Glasstabe den Niederschlag im Eöhrchen öfter aufrührt und zum Schluß
den Glasstah, nachdem der Niederschlag leicht zusammengedrückt ist, mit der Feder-
fahne in Alkohol abwischt.

Nach scharfem Ahsaugen werden die Eöhrchen in einem Lufthade bei etwa
120° unter Hindurchsaugen eines langsamen, in Schwefelsäure getrockneten Luft-
stromes getrocknet, was in etwa 20 Minuten bereits vollkommen erreicht ist. Die
Eöhrchen werden dann nach dem Erkalten im Exsikkator sofort gewogen, die Stärke
wird im Luft- bezw. Sauerstoffstrome verbrannt und die Eöhrchen nach dem Er-
kalten im Exsikkator wieder gewogen. Die Differenz, welche die in 0,2 g Mehl
enthaltene reine Stärke angibt, wird durch Multiplikation mit 500 auf Prozente
umgerechnet.

Von Weizenstärke (Handelsstärke) werden 2 g in einem Becher behandelt,
die Lösung wird auf 250 ccm aufgefüllt und davon werden je 20 ccm + 5 ccm
Natronlauge mit 110 ccm Alkohol von 96 °/0 — die Mischung enthält dann etwa
80 °/0-igen Alkohol — gefällt; zum Auswaschen nimmt man 25 ccm Alkohol + 5 com
Wasser bezw. 5 ccm Salzsäure (entsprechend 80°/o-igem Alkohol).

Das Ergebnis wird durch Multiplikation mit 625 auf Prozente umgerechnet.

Kartoffelstärke wird genau wie Weizenstärke behandelt. Für sie genügt auch
schon ein Druck von 31/2 Atmosphären.

Mit Mais- und Eeisstärke wird ebenso verfahren, nur müssen diese zwei
Stunden bei 41/2 Atmosphären erhitzt werden.

Ohne Zweifel würde ein auf vorstehendem Grundsatz beruhendes Verfahren zur direkten
Bestimmung der Stärke richtigere Ergebnisse liefern können als die beiden ersten Ver-
fahren, indes sind sie in der jetzigen Ausbildung entweder zu umständlich (infolge zu
schlechter Filtration bezw. zu langer Zeitdauer) oder noch nicht für alle Fälle anwendbar.
Dieses gilt auch besonders von den sonstigen in Vorschlag gebrachten Verfahren, z. B. von
dem polarimetrischen Verfahren von A. Baudry1) für Kartoffeln, von H. Weller2)
für Pleischwaren, von Dowzard3) für Mehl, das titrimetrischo Verfahren von
v. Asböth.4) Mehr Aussicht auf Erfolg scheint das kolorimetrische Verfahren von
Dennstedt und Voigtländer5) wenigstens für Mehle zu haben, wenngleich auch dieses,
wie H. Witte6) nachweist, noch einer weiteren Nachprüfung bedarf. Ich begnüge mich
daher hier mit einem Hinweise auf diese vorgeschlagenen Verfahren.

5. Bestimmung der verdaulichen Kohlenhydrate. A. Stutzer und A. Isbert7)
haben s. Zt. ein Verfahren angegeben, um, wie bei den Stickstoff-Verbindungen durch
Behandlung mit Pepsinlösung usw., so bei den Kohlenhydraten durch abwechselnde
Behandlung mit Ptyalin- und Diastaselösung die Verdaulichkeit auf künstlichem
Wege zu ermitteln. Th, Pfeiffer8) hat aber nachgewiesen, daß das Verfahren hei

1)	Zeitschr. f. Spiritusindustrie 1892, 15, 41.

2)	Forschungsherichte über Lebensmittel 1896, 3, 430.

3)	Chem. News 1898, 77, 107.

4)	Repertorium f. anal. Chemie 1887, 7, 299.

6) Forschungsberichte über Lebensmittel 1895. 2, 173.

6)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahruugs- und Genußmittel 1903, (i, 625.

7)	Zeitsohr. f, physiol. Chemie 1888, 12, 72.

8)	Centralbl. f. Agrikultur-Chemie 1888, 17, 115.
        <pb n="267" />
        ﻿243

Bestimmung der Pentosane.

rohfaserreichen Futtermitteln zu irrigen Ergebnissen führt. Da dasselbe fernerhin
keine weitere Prüfung erfahren hat, so sei hier nur darauf verwiesen.

6. Bestimmung der Pentosane. Unter Pentosanen sind die Anhydride der
Penta-Glukosen bezw. Pentosen zu verstehen; bei der Futtermittel-Untersuchung
werden aber unter dieser Bezeichnung alle jene Stoffe zusammengefaßt, welche bei
4er Destillation mit Salzsäure von 1,06 spezifischem Gewicht Furfurol liefern. Da
sich die Pentosen auch physiologisch von den Hexosen verschieden verhalten, so
wird ihre Bestimmung in den Futtermitteln sich bald allgemeinen Eingang
verschaffen. Das Verfahren hierfür ausgearbeitet zu haben, ist das Verdienst von
P- Tollens.1)

Das Verfahren setzt sich aus zwei voneinander unabhängigen Behandlungen,
nämlich einerseits der Überführung der Pentosane (bezw. Pentosen) durch Destillation
mit Salzsäure in Furfurol, andererseits der Fällung des Furfurols im Filtrat zu-

i'ig. 39. Destillations-Vorrichtung für die Bestimmung der Pentosen.

■mmen Anfänglich verwendete Tollens zum
VHrazin

I hlo

Fällen des Furfurols Phenyl-
in letzter Zeit nach dem Vorschläge von Councler*) ausschließlich

_	- ein, welches sich nach der Gleichung C8 H8 08 + C5H4 2	»	V.3 nw;L

nmsetzt,3) so daß sich verhält Phloroglucin : Phloroglucid = 126 :186. Die Destillation
lst bei beiden Verfahren gleich geblieben.	.

. ^Es möge daher nur die von Tollens und Krüger ausgebüdete Bestimmung
nut Phloroglucin hier beschrieben werden.

J) Landw. Versuchs-Stationen 1893, 42, 381 bezw. 398; Zeitschr. d Vereins f.

"mbenzuckerindustrie d D R 44, 460 und 40, 480 und Journal f. Landwirtschaft 1900,
*8» 357.

*) Chem.-Zeitung 1894, 18, 966.	„	„ , 1QfW

,	3) Nach Jäger und Unger (Berichte d. deutschen chemischen Gesellschatt 191»,

•So, 44d0) soll die TT

OH



■44401 ii Jager und

l^oa die Umsetzung wie folgt verlaufen: C6H603 + C5H4Oa = CuH804 + H20 oder



c8h3

0. c6h3o

-OH

OH

•H,0.

16*
        <pb n="268" />
        ﻿244

Futtermittel.

d)	Destillation. 5 g der zu untersuchenden Substanz — bei pentosen-
reichen Stoffen 2 bis 3 g — werden mit 100 ccm Salzsäure von 1,06 spezifischem
Gewicht in einem etwa 300 ccm fassenden Kolben aus einem Bade von Eose-
schem Metallgemisch (1 Teil Blei, 1 Teil Zinn, 2 Teile Wismut) destilliert. Wir
bedienen uns für die gleichzeitige Ausführung von 4 Bestimmungen der vorstehenden
Destillationsvorrichtung (Fig. 39 S. 243). Nachdem jedesmal 80 ccm abdestilliert
sind, werden mittels einer Hahnpipette wieder 30 ccm derselben Salzsäure nach-
gefüllt, bis das Destillat nahezu 400 ccm erreicht hat und kein Furfurol mehr
überdestilliert, was mit einer Lösung von essigsaurem Anilin festgestellt wird, in-
dem ein Tropfen hiervon auf Filtrierpapier mit dem Destillat zusammengebracht
keine Rotfärbung mehr zeigen darf.

ß) Fällung mit Phloroglucin. Das vorstehend erhaltene Destillat wird
mit der doppelten Menge des zu erwartenden Furfurols an Phloroglucin puriss.
E. Merck versetzt, welches man vorher in Salzsäure von 1,06 spezifischem Ge-
wicht gelöst hat, und weiter so viel dieser Salzsäure zugesetzt, daß das Volumen
400 ccm beträgt; man rührt gut um, läßt bis zum folgenden Tage (15—18 Stunden)
stehen, filtriert durch ein vorher bei 97 bis 100° getrocknetes und in geschlossenem
Kölbchen gewogenes Filter, wäscht mit 150 ccm Wasser nach, breitet das heraus-
genommene Filter erst auf Fließpapier aus, um den größten Teil des Wassers zu
entfernen, trocknet dann im Wassertrockenschrank (also bei etwa 98—100°)
31/2—4 Stunden und wägt.

Das Phlorogluoid muß nach Tollens und Kröber in geschlossenem
Kölbchen — und nicht im Goochschen Tiegel — gewogen werden, weil es sehr
hygroskopisch ist. Bei zu langem Trocknen — 20 bis 24 Stunden — findet
infolge Oxydation leicht eine Gewichtszunahme statt.

Um zu sehen, ob man bei der Fällung genügend Phloroglucin zugesetzt hat,
prüft man die Lösung nach dreistündigem Stehen mit Anilinazetatpapier auf Furfurol,
rührt, wenn das Papier gerötet wird, noch eine kleine Menge Phloroglucinlösung hinzu
und prüft nach weiteren 3 Stunden abermals, bis keine Furfurolreaktion mehr auftritt.

Das Phloroglucin puriss. E. Merck enthält häufig noch geringe Mengen
Diresorcin — erkennbar durch die Yiolettfärbung, welche entsteht, wenn man eine
kleine Menge des Präparates in 2—3 Tropfen Essigsäureanhydrid löst und mit
1—2 Tropfen konzentrierter reiner Schwefelsäure versetzt —. Man kann das Phloro-
glucin durch häufiges Umkristallisieren von Diresorcin reinigen (reinstes Phloroglucin
schmilzt bei 205—210°, unreines bei 175° und niedriger), indes ist ein geringer
Gehalt des Phloroglucins an Diresorcin nach Tollens ohne Einfluß auf das Ergebnis.

Aus der Menge des gewogenen Niederschlages von Furfurol-Phloroglucin, dem
Phloroglucid, berechnet man nach Tollens die Menge von Furfurol:

Bei kleinen Mengen Niederschlag durch Division mit 1,82, bei größeren
Mengen Niederschlag durch Division mit 1,93, im Mittel mit 1,84.

Genauere Divisoren je nach der Menge des Niederschlages gibt folgende Tabelle:

Erhaltene	Divisor für die	Erhaltene	Divisor für die
Phlorglucid-	Berechnung	Phlorogluoid-	Berechnung
menge	auf Furfurol	menge	auf Furfurol
0,20 g	1,820	0,34 g	1,911
0,22 „	1,839	0,36 ,.	1,916
0,24 „	1,856	0,38 „	1,919
0,26 „	1,871	0,40 „	1,920
0,28 „	1,884	0,45 „	1,927
0,30 „	1,895	0,50 „	1,930
0,32 „	L904	0,60 „	1,930
        <pb n="269" />
        ﻿Bestimmung der Eohfaser.

245

Aus dem Furfurol berechnet man dann die betreffenden Pentosane oder
Pentosen wie folgt.

Pentosane;

(Furfurol — 0,0104) x 1,68 = Xylan,

(Furfurol — 0,0104) X 2,07 = Araban,

(Furfurol — 0,0104) x 1,88 = Pentosane (im allgemeinen),

Pentosen:

(Furfurol — 0,0104) x 1,91 = Xylose,

(Furfurol — 0,0104) x 2,35 = Arabinose,

(Furfurol — 0,0104) x 2,13 = Pentosen (im allgemeinen).

Die Tabelle X am Schluß erspart diese Umrechnung.

Hotter1) hat Pyrogallol zur Fällung des Furfurols vorgesohlagen, R. Jäger und
H. Unger2 * *) empfehlen, weil dem Phloroglucid-Verfahren verschiedene Mängel anhaften, zur

Pallung des Furfurols Barbitursäure CO &lt;[	_qq &gt; CH2, welche mit Furfurol das

Hondensationserzeugnis CO &lt;(	)&gt; C ; CH . C4H30 bildet; diese Verbindung ist ein

hellgelbes, amorphes, gegen alle Lösungsmittel sehr widerstandsfähiges Pulver, welches aucli
in 12 °/0-iger Salzsäure nur sehr wenig löslich ist. Beleg-Analysen liegen aber bis jetzt
u er dieses Pällungsmittel nicht vor.

_ Um die bei der Destillation von organischen Stoffen mit Salzsäure von
.sPez- Gewicht erhaltenen Flüssigkeiten auf die Gegenwart von Methyl-
rturol — entstanden aus Methylpentosanen bezw. Methylpentosen — zu prüfen,
versetzt man nach Tollens und Oshima8) in einem Probierrohre etwa 5 ccm
selben mit dem gleichen Volumen konzentrierter Salzsäure, bringt eine kleine
läß S6 einer Lösung von Phloroglucin in Salzsäure von 1,06 spez. Gewicht hinzu,
Bei C^Wa ^ -^Unuten stehen, filtriert und prüft die Flüssigkeit vor dem Spektroskop,
ei Gegenwart von Methylfurfurol zeigen sich die von Windsoe beschriebenen
nkelen Bande im blauen Teile des Spektrums.

VI. Bestimmung der Rohfaser.

Be) ”IInterUoh- oder Holzfaser versteht man den durch eine bestimmte
*^ng der Futter- und Nahrungsmittel mit verdünnten Säuren
Alkalien von bestimmtem Gehalt verbleibenden Rückstand.“

Verf Verfahren von Henneberg und Stohmann, das sogenannte Weender
einer ren: ® ® ^er lufttrocknen, feingepulverten Substanz werden mit 200 ccm
cj„. r }^°lo'igen Schwefelsäure (von einem Gemisch von 50 g konzentrierter
Schwefelsäure = H9SO.

ccin, dazu 150

nicht Anhydrid -— mit Wasser bis zu 1 1 nimmt man

tiert 7 ““““ ccm Wasser) 1/2 Stunde gekocht, dann läßt man absitzen, dekan-

TU1C^ Igelit den Rückstand in derselben Weise zweimal mit demselben Volumen
nasser auf.

nieder«^6 al3^e*10l)enen Flüssigkeiten läßt man in Zylindern absitzen und gibt die
Zu U] Jeschfagenen Teilchen nach dem Abhebern der Flüssigkeit in das Gefäß mit der
ffiit 90orSUChenden ®uhstanz zurdck. Darauf kocht man den Rückstand 1/2 Stunde

(ROH______CCra einer l,25°/0-igen Kalilauge [von einer Lösung von 50 g Kalihydrat

_____uicht Ko0 —) in Wasser bis zu 1 1 nimmt'man 50 ccm, dazu 150 ccm

2 ^em.-Zeitung 1893, 17, 1743.

äv er[cute d. deutschen chem. Gesellschaft 1902, 35, 4440.

enchte d. deutschen chem. Gesellschaft 1901, 34, 1425.
        <pb n="270" />
        ﻿246

Futtermittel.

Wasser], filtriert durch ein gewogenes Filter und kocht den Eückstand noch zweimal
mit demselben Volumen Wasser 1/2 Stunde, bringt alles auf ein getrocknetes, gewogenes
Filter, wäscht mit heißem und kaltem Wasser, zuletzt mit Alkohol und Äther aus,
trocknet, wägt und verascht. Filterinhalt minus Äsche ergibt die Menge Eoh- oder
Holzfaser.

Diese Ausführungsweise nimmt jedoch wenigstens 2 Tage in Anspruch;
Fr. Holdefleiß1) und H. Wattenberg2) haben daher andere Ausführungsweisen
in Vorschlag gebracht, welche schneller zum Ziele führen und von denen hier das
Verfahren von Fr. Holdefleiß, weil wohl am meisten in Gebrauch, näher be-

schrieben werden mag.

In den engen, konisch

auslaufenden Hals eines hirn-
förmigen Gefäßes A (Fig. 40)
von etwa 250—280 ccm In-
halt bringt man ein Büschel
von ausgeglühtem, lang-
faserigem Asbest, den man
fest in die Spitze ansaugt. In
dieses Gefäß werden 3 g der
lufttrocknen Substanz ein-
gefüllt und 200 ccm einer
kochenden Flüssigkeit darauf
gegossen, die 50 ccm einer
5 °/0-igen Schwefelsäure (ver-
gleiche vorstehend) enthält;
das Gefäß wird mit einem
Tuche dicht umwickelt, um
W ärmeausstrahlung tunlichst
zu verhindern, und hierauf
durch das Glasrohr c bis auf
den Boden Dampf eingeleitet,
der in C entwickelt wird.
Durch Eegelung der Flamme
unter C hat man es in der Hand,

Hg. 40. Apparat zur Rolifaser-Bestlmmung nach Holdefleiß. ejn jpinauggehleudern sowie

Zurücksteigen der kochenden
Flüssigkeit in A zu verhindern. Letztere Gefahr wird auch durch Anbringung eines
U-förmig gebogenen Kugelrohres hei C beseitigt. Nach genau 1/2 Stunde wird das Kochen
durch Abstreifen des Schlauches d vom Glasrohr c unterbrochen und die kochend-
heiße Flüssigkeit durch Verbindung von b mit einer kräftigen Luftpumpe in das
darunter befindliche Gefäß B abgesaugt. Diese Behandlung wird zweimal mit heißem
Wasser wiederholt, darauf wird mit 200 ccm einer l,25°/0-igen Kalilauge (vergl.
vorstehend) gekocht und dann wiederum zweimal mit derselben Menge Wasser ge-
kocht und mit heißem Wasser nachgewaschen.

Schließlich wird der Birnenrückstand zwei- bis dreimal mit Alkohol und
Äther nachgewaschen und samt Gefäß A getrocknet. Die trockne Masse bringt
man in eine Platinschale, trocknet nochmals bei 100—105°, läßt erkalten und wägt.

J) Landw. Jahrbücher 1877, Suppl.-Bd. S. 103.

2)	Journ. f. Landwirtschaft 1880, 21, 273.
        <pb n="271" />
        ﻿Bestimmung der Eohfaser,

247

Hierauf wird geglüht, erkalten gelassen und wieder gewogen. Erste minus zweite
Wägung gibt das Gewicht der Eohfaser. Die ganze Behandlung kann an einem
Tage zu Ende geführt werden.

Für die Beschleunigung des Verfahrens sind noch verschiedene andere Vorschläge ge-
macht ; W. A.Withers empfiehlt, erst mit Kalilauge und dann mit Schwefelsäure zu kochen,
was bei proteinreichen Flüssigkeiten einige Vorteile bietet. H. Holldack1) empfiehlt,
die gekochte Flüssigkeit nicht erst absitzen zu lassen, sondern im Gegenteil gehörig um-
zurühren und dann nach dem Vorschläge Wattenbergs mittels eines mit Leinwand
überspannten, umgekehrten Trichters abzusaugen, während Thatcher2) zur Filtration
einen mit Platinkonus und Asbestwolle versehenen Trichter anwendet, der groß genug
ist, die ganze Menge der zu filtrierenden Flüssigkeit auf einmal zu fassen; für feinflockige
Stoffe soll ein Heißwassertrichter angewendet werden.

Ebenso zweckmäßig ist es, die gekochte Flüssigkeit in einem Becherglase oder in
einer Porzellanschale unter Ersatz des verdunstenden Wassers jedesmal durch ein Asbestfilter
nach S, 219, Fig. 33 zu filtrieren oder statt des Trichters mit Porzellanteller einen
großen Goochschen Tiegel (vergl. Fig. 43, S. 250) anzuwenden, nur muß letzterer weiter durch-
locht sein als für die Phosphorsäure-Bestimmungen. Der erste Rückstand nach der Kochung
mit Schwefelsäure wird mit Asbestfilter abgetrennt, samt letzterem mit Kalilauge gekocht
und für die letzte Filtration ein 2. Asbestfilter gebildet.

Auf vorstehende Weise erhält man die aschefreie Eohfaser; in vielen
-Fällen ist es aber auch wichtig, die proteinfreie Eohfaser zu kennen. Man stellt
*)iiiu in derselben WTeise eine 2. Menge Eohfaser dar, ermittelt darin nach
•leldahl den Stickstoff-Gehalt, multipliziert letzteren mit 6,25 und bringt diese
Menge in Abzug.

Fettreiche Substanzen, wie Ölsameu, müssen vorher größtenteils entfettet werden,
&lt;8 man dadurch erreicht, daß man sie in der Birne vor dem Behandeln mit Schwefelsäure
zw i 'le*®en absoluten Alkohol und Äther auszieht; stärkereiche Stoffe behandelt man
w uokmäßig vor Anwendung der Säure und Alkalien mit Malzaufguß (100 g Malz
mit'4n Ia^ b 1 Wasser ausgezogen, vom Filtrat werden 300 ccm mit 3 g Substanz, die
der a ~ CCm Wasser vorher zu Kleister verkocht war, bei 60—70° bis zum Verschwinden
‘ tarke behandelt; mit dem Rückstand verfährt man dann weiter wie oben angegeben ist).
roin ^r6 aU^ vorstehende Weise erhaltene Rohfaser ist ein Gemenge von
e,r Zellulose (Hexosanen) mit mehr oder weniger anderweitigen Stoffen,
ich Lignin, Pentosanen und Proteinstoffen (Nuklein). Die Rohfaser der
sie ,lne®n (.Wiesenheu, Stroh und Spreu der Cerealien) ist verhältnismäßig am reinsten,

3__aber immer noch in 100 Teilen 2—3 Teile, die Eohfaser des Kleeheus aber

Eutt ■ 6 Froteinsubstanz; in der Eohfaser, welche man aus dem unter dem Einfluß jener
bere6)!1111^6^ erzeusten Darmkot dargestellt hat, findet man. nach dem Stickstoffgehalt
AbzC(lne^’ D0C^ ln®br Proteinsubstanz, bezw. 4—6°/0 und selbst 9—10°/0. Aber auch nach
Eleni^ ^6r Froteinsubstanz und der entsprechenden Menge von Kohlenstoff usw, ist die
der ■ . rzusammensetzung des Restes immer noch wesentlich verschieden von derjenigen

K.leeh°lnen ^eFul°se! die proteinfreie Eohfaser der Gramineen enthält stets 1—2%, die des
KohlpeU+	ur*d die des entsprechenden Darmkots sogar 3—4u/0 bezw. 5—7 °/0 mehr

ns off, als der Zellulose entspricht.

reinere SM ^6ni ®run&lt;^e si^d eine Reihe anderer Verfahren in Vorschlag gebracht, welche
'von p ®Fulose auf z. T. weniger umständliche Weise liefern sollen, nämlich das Verfahren
Sübatan * °JIU*Z®3) durch Behandlung der mit Wasser, Alkohol und Äther behandelten
z mit chlorsaurem Kalium und Salpetersäure, von W. Hoffmeister4) durch Se-
al £h.em--Ztg, 1903, 27, 34.

81 j,e*tso^r- F Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 886.

Ceutralbi 1r«-^C^U^ze’ ®e4U‘äge zur Kenntnis des Lignins, Rostock 1856, und Chem.
H r a’	vergl. auch dieses Handbuch, 2. Aufl., 1899, S. 228 u. ff.

’ andw- Jahrbücher 1888, 17, 241 u. 1889, 18, 767.
        <pb n="272" />
        ﻿248

Futtermittel.

handlung mit chlorsaurem Kalium und Salzsäure, yon G. Lange1) durch Zusammen-
schmelzen mit Ätzalkali, von M. Honig2) durch Erhitzen mit Glyzerin bis 210°, yon
Gabriel3) durch Erhitzen mit Glyzerin-Kalilauge. Auch sind zur Darstellung reiner
Zellulose vorgeschlagen: Chlor und Chlorwasser hezw. Chlorkalklösung von Premy und
Terreil,4 *) Croß und Bevan,6) Verfasser3) u. a.; ferner Bromwasser von H. Müller.7)

Aber alle diese Verfahren haben nach den Untersuchungen von B. Tollens
und H. Sur in gar8) den Ubelstand, daß sie entweder, wie das allgemein ein-
geftihrte Verfahren von Henneberg und Stohmann, keine reine Zellulose
liefern oder letztere mehr oder weniger stark angreifen. Nur das Verfahren von

Fig. 41.

Vorrichtung zur Bestimmung der Rohfaser durch Kochen mit Glyzerin-Schwefelsäure am Rückflußkühler.

Fr. Schulze, welches aber wegen seiner Langwierigkeit kaum allgemeinen Ein-
gang finden kann, liefert eine sonst reine Zellulose und ohne wesentliche Verluste.

') Zeitschr. f. physiol. Chemie 1890, 14, 283.

2)	Chem.-Ztg. 1890, 14, 868 u. 902.

3)	Zeitschr. f. physiolog. Chemie 1892, IC, 270.

4)	Bull. Soc. chim. (II), !), 439.

6)	Croß und Bevan, Zellulose; Ann. of the Chemistry of the struktural elements
of plants S. 45.

6)	Landw. Versuchs-Stationen 1873, 16, 415.

7)	A. W. Hofmann, Bericht über d. ehern. Industrie auf d. Wiener Weltausstellung
, Abt. I, 1 u. 27.

8)	Zeitschr. f. angew. Chemie 1896, 712 u. 742.

8.
        <pb n="273" />
        ﻿Bestimmung der Rohfaser.

249

Dazu aber kommt, daß die nach allen diesen Verfahren erhaltenen Rohfasern
hezw. Zellulosen, wie Tollens und Düring1) sowie auch Verfasser gefunden haben,
noch mehr oder weniger Pentosane einschließen, so daß diese, wenn sie, wie zu
wünschen ist, für sich bestimmt werden, z. T. doppelt zum Ausdruck gelangen, nämhc
einmal für sich allein in der Gesamtmenge und dann zum Teil noch in dem als
Rohfaser bestimmten Anteil.

2. Verfahren zur Bestimmung einer tunlichst pentosanfreien Roh-
faser, der Zellulose und des Lignins. Aus vorstehendem Grunde ist der
Verfasser bemüht gewesen, ein Verfahren ausfindig zu machen, welc es
einerseits eine tunlichst pentosanfreie Rohfaser liefert, andererseits
aber auch ermöglicht, den Anteil an Zellulose und Lignin in ihr zu be-
stimmen.2) Dieses Ziel glaubt Verfasser nach
bisherigen Erfahrungen durch folgende V erfahren
gefunden zu haben;

a)	Verfahren zur Bestimmung einer
tunlichst pentosanfreien Rohfaser. 3 g
lufttrockne hezw. 5—14 °/0 Wasser enthaltende
Substanz werden in einem Kolben oder in einer
Porzellanschale mit 200 ccm Glyzerin von
1)28 spez. Gewicht, welches 2 °/0 konzentrierte
Schwefelsäure enthält, versetzt, durch häufiges
Schütteln hezw. Rühren mit einem Glasstabe
gut verteilt und entweder am Rückflußkühler
bfi 133—135° eine Stunde gekocht oder in
einem Autoklaven hei 137 0 (= 3 Atmosphären)
uiue Stunde lang gedämpft. Darauf läßt man
erkalten, verdünnt den Inhalt des Kolbens oder
er Schale auf ungefähr 400—500 ccm, kocht
nochmals auf und filtriert heiß durch ein
Asbestfilter entweder im Goochschen Tiegel
0(ler auf einer durchlöcherten Porzellanplatte
vermittels der Säugpumpe. Den Rückstand
auf dem Filter wäscht man mit ungefähr 400 ccm siedendheißem Wasser, darauf
wie bei dem ersten Verfahren zunächst mit erwärmtem Spiritus und »ittzt
mit einem erwärmten Gemisch von Alkohol und Äther aus, bis das liltra
vollkommen farblos ahläuft. Darauf wird der Goochsche Tiegel mit dem Rück-
stände direkt bei 105__110°, oder wenn ein solcher nicht benutzt ist, das Asbestfilter

mit dem Rückstände, nachdem es quantitativ in eine Platinschale gebracht ist, hei
105 Ho« bis Zllr Q-ewichtsheständigkeit getrocknet und gewogen, weiter Uber
roier Flamme vollständig verascht und zurückgewogen. Der Unterschied zwischen
leiden Wägungen gibt die Menge aschenfreier „Rohfaser“ an.

Hierzu sei noch bemerkt:

.	1- Zum Kochen kann man sich einer Vorrichtung, wie sie in Pig. 41S. 248 veranschaulicht

tn b®dien(m; durch die eine Durchbohrung des Korkes im Glaskolben führt ein Glasrohr
m Ruckflußkühler, durch die andere ein Thermometer, um die Temperatur zu kontrollieren.

2. Um im Autoklaven gleichzeitig 4 Bestimmungen ansetzen zu können, bedienen
uns des Einsatzes in Fig. 42. Die Behandlung der Substanz im Dampltopt

2 dourn- R Landwirtschaft 1897, 45, 79.	„ 1RQ

) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1898, 1, 1 u. .	, &gt;

Fig. 42.

Einsatz für die Erhitzung der Substanz
mit Glyzerin-Schwefelsäure im Dampftopf
zur Bestimmung der Rohfaser.
        <pb n="274" />
        ﻿250

Futtermittel.

ist stets vorzuziehen, weil sie nicht nur bequemer ist, sondern auch gleich-
mäßigere Ergebnisse liefert.

3. Für die Filtration empfehlen sich auch hier Goochsche Tiegel mit weiter Durch-
lochung und dünner Asbestlage. Statt der teueren Platintiegel kann man recht wohl solche
aus Reinniokel anwenden; diese werden durch die verdünnte saure Lösung nicht an-
gegriffen und erleiden auch durch das Glühen nur unwesentliche Veränderungen, d. h.
Gewichtsabnahmen, die nur bei dem erstmaligen Glühen 5,5—25,5 mg für den Tiegel be-
tragen, dann geringer werden und hei dem Glühen zum dritten Male schon durchweg fast
gleich Null sind. Notwendig nur ist, daß man zum Glühen starke Oxydations-
flammen anwendet, wie sie z. B. mit den Teclu-Brennern erzielt werden.
In einer großen Reduktionsflamme überziehen sich die Nickeltiegel leicht mit einem

schwarzen Belag von Kohlenstoff bezw. Kohlen-
stoffnickel, der sich durch anhaltendes Glühen nur
schwer beseitigen läßt.

Auch sind bei anderthalbstündigem starken
Glühen der Eeinnickel-Tiegel in einer Gehläse-
flamme die Gewichtsverluste beträchtlicher; aber
ein so anhaltendes Glühen ist zum Verbrennen der
erhaltenen Rohfaser nicht notwendig; hier genügt
ein viertel- bis halbstündiges Glühen auf viel Luft
zuführendem Brenner vollständig.

Jedenfalls ist die Gewiohtsab- oder -Zunahme
der Tiegel so unbedeutend, daß die dadurch etwa
entstehenden Fehler bei der quantitativen Be-
stimmung der Rohfaser nicht ins Gewicht fallen
und bedeutend geringer sind, als sie bei der
üblichen Bestimmung der Eohfaser (Umfüllen des
Rohfaserrückstandes mit Asbest- oder Papierfilter)
leicht entstehen können.

Die Tiegel1) haben die übliche konische
Form; die Höhe beträgt 6 cm, der obere Durch-
messer 6 cm, der untere 4 cm; sie sind mit
möglichst weiten Löchern versehen und werden
mittels eines weichen Kautschukschlauches von 8 cm
Länge und 3—4 cm Durchmesser auf die dick-
wandige Aspirationsflasche mit schwachem Um-
legerand aufgesetzt. (Vergl. Pig. 43.)

Die Filtration durch diese Tiegel verläuft durchweg schnell, wenn man die verdünnte
Glyzerinflüssigkeit stets kochend heiß hält. Nur in seltenen Fällen, z. B. bei Baumwolle-
saatmehl, Kot und sonstigen staubartig feinen Stoffen, empfiehlt es sich, die gekochte oder
gedämpfte Flüssigkeit in großen Beohergläsem stärker zu verdünnen, absitzen zu lassen,
die völlig klare Flüssigkeit einmal abzuhebern und dann den Bodensatz nach Verdünnen
und Kochen zu filtrieren.

Das Verfahren hat vor dem Hennehergschen den Vorzug, daß die Bestimmung
der Eohfaser mit nur einer Kochung oder Dämpfung beendet ist. Auch liefert es
mit diesem durchweg gleiche und nur in dem Falle niedrigere Ergebnisse, wenn
die Stoffe verhältnißmäßig viel Pentosane enthalten. Daraus folgt dann von selbst,
daß die nach dem Glyzerin-Schwefelsäure-Verfahren bestimmte Eohfaser mehr
von den sonstigen Begleitern der Eoh- oder Holzfaser, nämlich mehr Lignin ent-
halten muß. Das ist auch in der Tat der Fall, aber eher ein Vor- als Nachteil
des Verfahrens, wenn es gelingt, gleichzeitig in der Eohfaser das Lignin quantitativ

]) Die Tiegel werden von W. C. Heraeus in Hanau bezw. von „Vereinigte Deutsche
Nickelwerke“ in Schwerte i. Westf. geliefert.
        <pb n="275" />
        ﻿Bestimmung der Asche.

251

zu "bestimmen. Hierfür glaubt Verfasser nach vorläufigen Erfahrungen folgendes
Verfahren in Vorschlag bringen zu können:

b)	Verfahren zur Bestimmung der Zellulose bezw. des Lignins. Es
Wird eine 2. Probe von 3 g lufttrockner bezw. 5—14°/0 Wasser enthaltender
Substanz abgewogen und genau in derselben Weise behandelt, wie unter a angegeben
ist. Der Rückstand in dem Goochschen Tiegel wird dann aber nicht getrocknet,
sondern nach dem Absaugen des zuletzt zum Auswaschen verwendeten Äthers und
A erdunstenlassen desselben an der Luft nebst dem Asbestfilter verlustlos in ein
etwa 800 ccm fassendes Beoherglas gebracht und unter Bedecken mit einem Uhr-
glase oder einer Glasplatte mit 100 oder 150 ccm chemisch reinem, 3-gewichts-
prozentigem Wasserstoffsuperoxyd sowie 10 ccm 24 °/0-igem Ammoniak versetzt und
emige Zeit (etwa 12 Stunden) stehen gelassen; dann werden 10 ccm 30-gewichts-
Prozentiges chemisch reines Wasserstoffsuperoxyd zugesetzt und dieses, wenn die
' auerstoffentwickelung aufgehört hat, noch 2—4mal, d. h. so oft wiederholt, bis die
blasse (Rohfaser) völlig weiß geworden ist. Beim dritten und fünften Zusatz von
Wasserstoffsuperoxyd fügt man auch noch je 5 ccm (oder 10 ccm) des 24°/0-igen
Ammoniaks hinzu. Man kann Wasserstoffsuperoxyd und Ammoniak in graduierten
yhndern mit eingeschliffenen Glasstöpseln vorrätig halten und aus diesen die jedes-
maligen Mengen der Flüssigkeiten zusetzen, um die Arbeit zu vereinfachen; denn
ein ganz genaues Ahmessen der Flüssigkeiten bei dem jedesmaligen Zusatze ist nicht
notwendig. Wenn die Substanz völlig weiß geworden ist, erwärmt man etwa 1—2
unden im Wasserbade und kann dann, wenn das Wasserstoffsuperoxyd rein war, d. h.
nu* Ammoniak keinerlei Niederschlag oder Trübung gab, sofort und glatt durch ein
Weites Asbestfilter filtrieren und, wie oben angegeben ist, weiter verfahren. Roh-
er minus Zellulose ergibt die Menge des Lignins.

. Kier bietet die Filtration niemals Schwierigkeiten, wenn das Wasserstoffsuperoxyd
eint -SC1.rein war und nicht etwa Aluminiumverbindungen, welche die Filtration sehr be-
"tiff ^ei1' enthält. Die reine Zellulose wird durch vorstehende Behandlung nicht ange-
d&lt;&gt;r P man kann daher den Zusatz von Wasserstoffsuperoxyd des öfteren wiederholen, bis
„ Uckstand weiß geworden ist. Man erhält auf diese Weise eine Zellulose, welche in
sam eros^amriloniak löslich ist, wenn sie auch nicht in allen Fällen die prozentige Zu-
ej ^tsetzuig der Zellulose hat. Es muß noch festgestellt werden, ob in solchen Fällen
anders konstituierte Zellulose vorliegt.

VII. Bestimmung der Asche.

bei ^twa 5 bis 10 g der lufttrocknen Substanz werden in einer Platinschale
anfangs kleiner Flamme verbrannt.

Elan *St zweckmäßig, sobald ein vollständiges Verkohlen stattgefunden hat, die
‘ me zu löschen; es findet alsdann mitunter durch allmähliches Verglimmen im Innern
. Verkohlten Substanz ein fast vollständiges Veraschen statt, worauf man in den
mamaT	zur Erzielung einer schön weißen Asche nur nötig hat, die Substanz

cua,/ mit Wasser anzufeuchten, zu trocknen und nun noch einige Zeit einer
■eren Flamme auszusetzen.

Kohl&gt; Stoffen, welche viel Salze enthalten, ist man gezwungen, die noch
zu	^iimltende Asche mit Wasser auszulaugen und den Rückstand weiter

Kohle Ffre,nnen ^an erhält in kurzer Zeit auf diese Weise eine tunlichst von
damnft 1016 ^sc^e&gt; welche mit der erhaltenen Lauge vereinigt, zur Trockne Ver-
haltes ’ nockmals schwach geglüht und gewogen wird. Zur Ermittelung des Ge-
v&lt;srteu ”Keinasche“, d. h. der von Kohle, Sand und Kohlensäure freien Asche,
Uhrt man nach 8, 200 u. f.
        <pb n="276" />
        ﻿252

Futtermittel.

VIII. Bestimmung des Sandes in den Futtermitteln.

Bezüglich des Sandgehaltes der Futtermittel hat der Verband landw. Versuchs-
Stationen i. D. B. folgendes vereinbart:

Die qualitative Prüfung aller Futtermittel auf Sand bezw. mine-
ralische Beimengungen ist obligatorisch zu machen, und es ist, sobald
die Vorprüfung die Anwesenheit von mehr als normalen Mengen ergibt,
die quantitative Bestimmung auszuführen.

Der Sand in den Futtermitteln kann, besonders wenn er grobkörnig ist, das
Gebiß beschädigen, unter Umständen in den Falten des Labmagens sich festsetzen
und schwere Verdauungsstörungen hervorrufen.1)

Zur schnellen Bestimmung des Sandes sind verschiedene Vorschläge2 3) gemacht.

a) Chloroformprobe. 6 oder 10 g des Futtermittels werden in einem Reagenz-
glase mit Chloroform geschüttelt, kurze Zeit stehen gelassen, die ausgeschiedenen mine-
ralischen Beimengungen gesammelt und gewogen.

b)	Verfahren von A. Stutzer. 10 g des Futter-
mittels werden in einem Becherglase mit Alkohol durch-
feuchtet, darauf mit 300—400 ccm 1 %-iger Salzsäure über-
gossen und gekocht. Beim Umrtihren setzt sich Sand,
Erde usw. auf dem Boden des Becherglases ab; der Sand wird
von der überstehenden Masse durch Dekantation gereinigt,
auf einem Filter gesammelt, verascht und gewogen.

c)	Verfahren von A, Emmerling.8) Als schwere
Flüssigkeit dient eine vollkommen gesättigte Lösung von
Zinksulfat von etwa 1,43 spezifischem Gewicht — 1 kg
kristallisiertes Salz auf 725 g Wasser —. Die Vorprüfung
führt man im Reagenzröhrchen aus, das man zur Hälfte mit
der Zinksulfatlösung füllt, über welche man vorsichtig Wasser
schichtet. Man schüttet dann etwa einen Teelöffel des Futter-
mittels auf das Wasser und rührt lebhaft mit einem Draht,
ohne die untere Lösung viel aufzurühren. Man erkennt als-
dann, ob stark liohtbrechende Sandkörner nach unten sinken,
und unterscheidet 3 Fälle: Sand = 0, Sand vorhanden, aber
augenscheinlich unbedeutend, Sand in solcher Menge vor-
handen, daß die gewichtsanalytische Bestimmuug erforderlich

wird. Bei einzelnen Futtermitteln, wie Erdnußmehlen, läßt sich ein sicheres Urteil nur
durch die Gewichtsanalyse erlangen, da die an den organischen Teilen haftenden staubartigen
Sandkörnohen beim Rühren nicht vollständig niederfallen.

Um den Sand nach demselben Grundsatz nicht allein auszurühren, sondern auch in
Substanz zu gewinnen, kann man sich eines E. Spaethschen Scheidetriohters in Form
eines Sektglases mit Hahn bedienen (vergl. Fig. 44). Nachdem sich der Sand in der
Höhlung des Hahnes angesammelt hat, schließt man den Hahn, reinigt das Glas und kann
dann die angesammelten Körnchen zum Zweck der Wägung und näheren Prüfung leicht
gewinnen. Dieses Verfahren kann in manchen Fällen als Ausweg dienen, wo das gewichts-
analytisohe Verfahren infolge reichlichen Vorhandenseins stark verkieselter Spelzen
Schwierigkeiten bietet.

Da diese Verfahren aber, wie Ä. Emmerling für sein Verfahren selbst hervor-
hebt,4) nur annähernd richtige Ergebnisse liefern, im letzten Falle auch die ständige

*) F. Barnstein teilt (Landw. Versuchs-Stationen 1902, 56, 417) sogar einen Fall
mit, wo der Magen eines Ochsen nach Verzehrung von einem Gerstenschrot, das 2,6 %
hellen Sand enthielt, so viel Sand aufgenommen hatte, daß das Eingehen des Ochsen nach
Ansicht des Tierarztes hierauf zurückgeführt werden mußte.

a) Landw, Versuchs-Stationen 1893, 43, 357.

3)	Nach einer PrivaLMitteihmg.

4)	Landw. Versuchs-Stationen 1896, 47, 221.
        <pb n="277" />
        ﻿Prüfung der Futtermittel auf ihre Neigung zu Scliimmelbildung oder Fäulnis. 253

Beibehaltung der Reinheit und Konzentration der Zinksulfatlösung mit Schwierig-
keiten verbunden ist, so bestimmt man den Sand- und Ton- (Erde-) Gehalt am
sichersten in der Weise, daß man 5 oder 10 g des Futtermittels einäschert, die
Asche in verdünnter Salzsäure löst, die Lösung filtriert, auswäscht, den Rückstand
vom Filter in eine Schale spült, zur Entfernung der ausgeschiedenen Kieselsäure
mit Sodalösung unter Zusatz von etwas Natriumhydroxyd kocht, die Lösung durch
dasselbe Filter filtriert, den Rückstand auswäscht, einäschert und als Sand + Ton wägt.

Nach dem Beschlüsse der landw. Versuchs-Stationen i. D. R.1) soll in den
• ahresberichten die Beobachtung über den Sandgehalt der Futtermittel
a bellarisch zusammen gestellt werden und zwar nach folgender Anordnung:
^and unter 1 &lt;&gt;/0, 1—1,5 o/0, 1,5—2,0 °/0, 2—3 %, 3 °/0 bis Höchstgehalt.

Nicht selten kommt in den Futtermitteln, besonders in den englischen Graupen-
a allen auch eine erhebliche Menge kohlensaurer Kalk — herrührend von Mörtel
.or Mauerputz als Zusammenfegsel bezw. bei den Graupenabfällen angeblich von
eineru Zusatze von kohlensaurem Kalk bei der Herstellung der Graupen — vor;
rflne Menge läßt sich aus einer Bestimmung der Kohlensäure in dem natürlichen
termittel (nach S. 15) berechnen oder aus einer Bestimmung des Kalkes in der
,, C le schließen, wobei in letzterem Falle die mittlere Menge des in dem betreffenden
termittel enthaltenen Kalkes abgezogen werden muß.

IX p

• Prüfung der Futtermittel auf ihre Neigung zu Schimmelbildung oder
Fäulnis von A. Emmerling.'2)

t 1	den Kulturversuchen dienen Erlenmeyer-Kölbchen von etwa 50 ccm

rp, &gt; welche, mit Baumwolle verschlossen, durch mehrstündiges Erhitzen im
Un,ermostaten auf etwa 150° sterilisiert sind. In diese Kölbchen füllt man die zu
jv./^henden Stoffe mittels ausgeglühter Gerätschaften: bei pulverförmigen Stoffen
Qlk G^gestellt aus Draht und Kupferblech, bei Ölkuchen sog. Löffelbohrer. Von
Bach &gt;1611 S-f,ann* man 6211 Stück in den Schraubstock und bohrt eine frische Bruch-
an&gt; 80 daß das sich bildende Pulver unmittelbar in das untergehaltene
Schaf/1 m 67er'Kölbchen fällt. Es wird dann eine zur Herstellung breiartiger Be-
•WurdeCnae2*; genügende Menge Wasser, welche vorher durch Kochen sterilisiert
Aull ’ zuSesefzk Die Baumwollverschlüsse werden in üblicher Weise an ihrer
etwa^^o6 an^e^rannt- Man füllt etwa 6 Kölbchen, von denen 4 im Brutofen auf
Von' i ° Spalten, 2 bei Zimmertemperatur hingestellt werden. Man untersucht
2imm 611 War:m gehaltenen Pröbchen 2 nach 1 Tag, 2 nach 2 Tagen, die bei
ertemperatur stehenden erst nach 3 Tagen.

Schijj ^ u W*r&lt;^ ^er Geruch, die Reaktion des Breis, die etwaige Anwesenheit von
hezeieß16/ nötigenfalls die Art des Schimmels festgestellt. Die als „Fäulnis“ zu
Gerne), °naei1 Erscheinungen geben sich äußerlich durch die Reaktion, durch den
Ammo1’- /^urc^ schleimige, häutige Beschaffenheit (Zooglöen), oft auch durch
Solche p ' 0l^er Heringsgeruch beim Zusatz von etwas Natronlauge zu erkennen,
die Ftiy] f° . enthalten dann oft nur wenig Schimmel. In vielen Fällen ringt
durchwa'!/. ^ ^er Schimmelbildung und man sieht dann die Zooglöen von Schimmel
Von Ppi Sen' Her Befund bei Zimmertemperatur ist praktisch und insofern
fütteruimU&lt;|Un^’ a^S es V2elfacb üblich ist, Futterstoffe längere Zeit vor der Ver-
öden Schi a S ^re:* anzllrühren. Liegt eine ausgesprochene Neigung zur raschen Fäulnis
——mmelbildung vor, so ist ein solches Verfahren bei der Fütterung zu vermeiden.

) Landw. Versuchs-Stationen 1904, ÖO, 216.

2) Nach

einer PrivaPMitteilung.
        <pb n="278" />
        ﻿254

Futtermittel.

Im übrigen handelt es sich bei dem Keimkastenverfahren insbesondere darum,
auf einem leicht ausführbaren Wege festzustellen, ob ein Futtermittel in feuchter
Wärme das allgemeine Verhalten seiner Art zeigt, oder ob es wesentlich in auf-
fallender oder verdächtiger Weise davon abweicht. Wenn dies der Fall ist, so wird
es oft gerechtfertigt sein, einige Vorsicht bei der Verwendung der Futtermittel zu
empfehlen, unter Umständen auch von ihr ganz abzuraten. Weitere allgemeine Regeln
lassen sich vorläufig nicht aufstellen. Die Verwertung des Verfahrens für die Be-
urteilung der Beschaffenheit muß dem Sachverständigen überlassen bleiben und wird
auch diesem nur möglich sein, wenn er durch öftere Untersuchung von Futtermitteln
derselben Art eine grundlegende Erfahrung in dieser Richtung sich erworben hat.
Auf eine Feststellung etwaiger schädlichen pathogenen Bakterienarten wird sich der
untersuchende Chemiker in der Regel nicht einlassen können, wohl aber unter Um-
ständen sich auf Grund seiner Voruntersuchung veranlaßt sehen, einen Bakteriologen
von Fach um eine weitere eingehende Untersuchung anzugehen.

B. Untersuchung der Futtermittel im besonderen.

I.	Grün- und Rauhfutter.

1.	Probenahme. Wenn die zur Untersuchung zu verwendende Probe der mittleren
Beschaffenheit eines größeren Haufens oder Vorrates möglichst nahe entsprechen soll,
so läßt man die ganze Futtermasse umstechen und nimmt von verschiedenen Stellen
des Vorrates jedesmal eine Hand voll heraus, im ganzen 10—20 und mehr Einzelproben.
Die so entnommene größere Menge des Futters wird tunlichst gemischt, entweder
vom Einsender oder im Laboratorium auf der Häcksellade zu feinem Häcksel zer-
schnitten und der Häcksel gehörig durcheinandergemengt, bevor man zu der Probe-
nahme für die Analyse schreitet; hierzu genügt etwa 1/2—1 kg.

Von Grünfutter ist eine größere Menge in natürlichem Zustande —■ um eine
größere Wasserverdunstung zu vermeiden — erforderlich, nämlich 5—10 kg. Das
Zerschneiden zu Häcksel wird im Laboratorium vorgenommen.

Bei genauen Fütterungsversqchen muß man von dem betreffenden, den Tieren--zu-
gewogenen Futter während der ganzen Dauer der Fütterungszeit alltäglich bezw. alle
2 oder 3 Tage eine Hand voll (besser noch jedesmal einen aliquoten Teil) zurücklegen,
vor Staub und Wasserverlust usw. bewahrt aufhehen und dann später das Ganze zu feinem
Häcksel zerschneiden, um daraus die für die Untersuchung bestimmte Probe zu entnehmen.
Oder wenn es sich um ein gleichmäßiges lufttrocknes Futter handelt, welches bei der Auf-
bewahrung keine Änderung erleidet, so kann man auch die täglichen Puttermengen für die
ganze Fütterungszeit abwägen, in besonderen, vor Verunreinigung geschützten Behältern
aufbewahren und die zur Untersuchung dienende Mittelprobe sofort mit abwägen. Oftmals
wird es zweckmäßig sein, die fein zerschnittene Masse zunächst mittels Siebe in ver-
schiedene Teile zu zerlegen und von jedem Teil eine aliquote Menge abzuwägen.

2.	Zerkleinerung und Wasser-Bestimmung. Von dem feinen Häcksel wird
eine bestimmte Gewichtsmenge (also bei Trockenfutter etwa 500—1000 g, bei Grün-
futter 4000—5000 g) abgewogen, auf Hürden mit Papierunterlage in dünner Schicht
ausgebreitet, in einem Lufttrockenschrank1) bei etwa 50—60° so lange vorgetrooknet,
bis die Masse bröcklig und spröde geworden ist und mit der Schrotmühle gemahlen
bezw. gepulvert werden kann. Alsdann nimmt man die Hürden heraus, läßt das
getrocknete Futter einige Stunden an der Luft liegen, damit es bei gewöhn-

1) In den agj-ik.-chem. Laboratorien hat man für den Zweck große, 1,5 m hohe,
70—80 cm tiefe und breite Trockensohränke, welche durch einen um die Feuerung ge-
legten Luftkanal (event. auch durch Gasflamme) oder durch Wasserdampf mittels Heizrippen-
körper oder Heizschlangen erwärmt werden.
        <pb n="279" />
        ﻿Grün- und Rauhfutter.

255

lieber Lufttemperatur wieder so viel Wasser aufnimmt, als etwa heim Mahlen auf-
genommen werden könnte, wägt dann die Gesamtmasse zurück und pulvert mit der
Schrotmühle.

Als Schrotmühlen sind eine ganze Anzahl in Gebrauch; am weitesten sind für den
Zweck zur Zeit die Excelsior-Schrotmühlen1) verbreitet, die sowohl für Hand- als
Kraftbetrieb (Wasser- und Elektromotoren) eingerichtet werden und ein sehr feines Mahl-
gut zu liefern imstande sind; meistens genügt die mit der geringsten Leistungsfähigkeit
(AI); wo eine genügende Wasser- oder elektrische Kraft zur Verfügung steht, kann man
auch eine solche von größerer Leistungsfähigkeit anwenden.

M. Märcker hatte seinerzeit zum staubfeinen Pulvern noch eine besondere Pulver-
oder Zerkleinerungsmühle2) hergestellt; diese Vorrichtung erfordert indes viel Kraft und
verhütet auch nicht genügend das Verstäuben oder Heraussohleudern von gepulverter Masse,
80 daß sie sich nur wenig Eingang verschafft hat.

Von der gepulverten Masse werden 5—10 g in Trockenkölbchen abgewogen
und einige Zeit bei 105° weiter getrocknet, um alles Wasser zu entfernen und zu
bestimmen.

Die Berechnung des ursprünglichen Wassergehaltes ist folgende:
Angenommen, es seien

I. Eauhtrookeniütter

ursprünglich abgewogen...................... 1006,28 g

diese geben nach dem Trocknen bei 50—60° .	921,10 „

Kerner mögen von der vorgetr. Substanz .	.	^&gt;^865 g

hei 106° noch verlieren................... 0,52	„

also Wasser in Prozent enthalten.............../o

oder Trockensubstanz...........................93,13 „

II. Grünfutter

4020,55 g
598,68 „

8,1435 g
0,4587 „
5,63 %
94,37 „.

Man kann nun die in 921,10 g noch vorhandene Wassermenge nach
Gleichung x : 921,10 = 0,5216 : 7,5865 oder einfacher nach dem Ansatz
rgKlOx 6,87

löo = 68,279 g berechnen; diese, von 921,10 g abgezogen, ergeben den

wirklichen Trockensubstanzgehalt. Aber noch einfacher ist es, wenn man von der
2 eren prozentigen Trockensubstanz ausgeht und auf die ursprüngliche Masse
'3ereC^net’ wenn die bei 50—60° vorgetrocknete Substanz 93,13 °/0 bezw.
’ ‘ Io Trockensubstanz enthält, so ergibt sich für die ursprüngliche Masse;

Rauhfutter

921.10 x 93.13

° = 857,820 g

Grimfutter

598,68 X 94,37

100

100

564,974 g,

■ = 14,06%.

XV/V/

als° prozentiger Gehalt der ursprünglichen Masse an Trockensubstanz:

857,820x 100 q- o,	564.974xJ.00

~1Ö0528-----= 80,33 /o	4020,55

.	Die Bestimmung der einzelnen Bestandteile erfolgt nach dcnv.irstehend

beschriebenen Verfahren in der lufttrocknen Substanz. Um die gefundenen
Ergebnisse auf ursprüngliche Substanz zu berechnen, hat man die gefundenen Zahlen
einfach nach der Gleichung:	,

für I. (Rauhtrockenfutter) x; 85,33 == 1:93,13 (=0,9162) mit 0,9162,
für II. (Grüufutter) x ; 14,05 = 1:94,37 (= 0,1489) mit 0,1489
zn tnoltiplizicrcn.

?»ggeniuDfBjpX"ell0™ü**len werden von dem Eisenwerke Gaggenau, Aktien-Gesellschaft
1903, 27 5qo ,en' geliefert. Auch hat Th. Körner eine Mühle dieser Art in Chem.-Zeitung
hoff l',!;,' .'^‘rieben; diese und andere Mühlen liefert auch die Eirma Fr. Hugers-

2) j. ■	^"

mse wird von Mechaniker Dreefs in Halle a. S. geliefert.
        <pb n="280" />
        ﻿256

Futtermittel.

Für gewöhnlich wird man indes die für die lufttrockne Substanz gefundenen
Zahlen erst auf wasserfreie und von da auf ursprüngliche Substanz berechnen, um
auch die Zusammensetzung der Trockensubstanz zu finden. Man hat dann die ge-
fundenen Zahlen nach der Gleichung;

I. x : 100 = 1; 93,13 (= 1,074) mit 1,074,

II.	x : 100 = 1: 94,37 (= 1,059) mit 1,069

zu multiplizieren, um die Zusammensetzung der Trockensubstanz zu erhalten, und

86 33 x; i

die Prozentzahlen hierfür mit —-j-qq—=0,8533 (für I.) und mit 0,1405 (für II.)

zu multiplizieren, um die prozentige Zusammensetzung der ursprünglichen Substanz
zu finden. Ein Beispiel wird dieses näher erläutern.

I. Rauhtrockenfutter (Wiesenheu).

	Lufttrockne i	f mal \	/	Trocken-	\ mal \	( Ursprüngliche
	Substanz &lt;		Substanz		
	x 1	l mi i l	X	j 0,8533 |	i	x
Wasser		6.87		—		14,67
Rohprotein ....	9,58		10,29		8,78
Rohfett		2,57		2,76		2 36
N-freie Extraktstoffe	.	46,60		50,03		42,68
Rohfaser		.	28,97		31,11		26,55
Asche		5,41		5,81		4,96.
	II. Grünfutter (Rotklee		vor der	Blüte).	
	Lufttrockne j	W	Trocken-	\ mal \	,	f Ursprüngliche
	Substanz &lt;		Substanz		! Substanz
	°/o	1	1,059 i	1	X	J 0,1405 j	[	X
Wasser		5,63		—		85,95
Rohprotein ....	.	18,67		19,77		2,78
Rohfett		3,87		4,09		0,57
N-freie Extraktstoffe	.	40,76		43,26		6,07
Rohfaser		21,55		22,82		3,21
Asche		9,52		10,08		1,42.

II. Sauerfutter, Pressfutter (Ensilage), Schnitzel (frisch und eingesäuert).

Die Probeentnahme, Vorbereitung für die Untersuchung, die Wasserbestimmung
und Berechnung erfolgt wie unter No. I bei Rauh- und Grünfutter.

Sollte das Sauer- und Preßfutter sehr wasserreich sein, so daß Wasser ab-
tropft oder doch ins Papier eindringt, so muß das Vortrocknen bei 60—60° in
großen flachen Porzellanschalen oder emaillierten Eisenschalen vorgenommen werden.

Beim Trocknen dieser Futterstoffe geht ein Teil des Stickstoffs in Form von
Ammoniak und ein Teil der organischen Säuren in Form von flüchtigen Säuren (Essig-
säure usw.) verloren; man findet daher für diese Futterstoffe durch die angegebene
Wasserbestimmung leicht zu wenig Trockensubstanz. Für ganz genaue Untersuchungen
ist daher die Menge der flüchtigen Stickstoff-Verbindungen und Säuren durch Be-
stimmung in der frischen und getrockneten Substanz zu ermitteln und die Differenz
der in üblicher Weise gefundenen Trockensubstanz zuzuzählen. Für die Bestimmung
des Stickstoffs und der freien Säuren an sich ist dieser Umstand ganz unbedingt
zu beachten.

0. Kellner1) fand z. B. erhebliche Verluste an Stickstoff im Sauerfutter,
wenn er den flüchtigen Stickstoff in Form von Ammoniak usw. nicht berücksichtigte.

’) Landw. Versuchs-Stationen 1885, 82, 56 und Chem.-Zeitung 1890, 14, 905.
        <pb n="281" />
        ﻿Sauerfutter, Preßfutter, Schnitzel.

257

Auch findet man in dem bei 50—60° vorgetrockneten Sauerfutter entweder keine
oder doch erheblich weniger freie Säure als im frischen Zustande. Um daher Ge-
samt-Stickstoff und freie Säure zu finden, darf man nicht, wie bei Trockenfutter, die
vorgetrocknete, sondern man muß die ursprüngliche frische Masse verwenden.

1. Gesamt-Stickstoff. Zur Ermittelung des Gesamt-Stickstoffs kann man wie
folgt verfahren:

a) 100 g (bei feinstengeligen) oder 200 g und mehr (bei grobstengeligen
Massen) des tunlichst fein zerschnittenen Sauer- bezw. Preßfutters werden wie bei
Stallmist (S. 131, b) in 100—200 ccm der für das Kjeldahl-Verfahren benutzten
Schwefelsäure, welche sich in einer geräumigen, vorher nebst Pistill gewogenen
orzellanschale befindet, nach und nach in kleinen Mengen eingetragen, indem man
mit dem Pistill langsam rührt und die härteren Stücke leise zerdrückt. Man trägt
eist eine neue Menge ein, wenn die vorherige der Hauptsache nach zergangen ist.
feinstengeligen und feuchten Futtermassen zergeht alles infolge der natürlichen
tzung verhältnismäßig rasch zu einem gleichmäßigen, mehr oder weniger
unnen Brei; bei grobstengeligen Massen (wie Mais, Lupinen usw.) unterstützt man
16 Aufschließung dadurch, daß man die Schale in ein mäßig erwärmtes Sandbad
®etzt und unter öfterem Umrühren mit dem Pistill so lange erhitzt, bis die gröberen
ncke zergangen sind. Alsdann läßt man unter Bedecken der Schale erkalten,
^ägt und verwendet von dem tüchtig durchgerührten gleichmäßigen Brei 30—50 g
weiteren vollständigen Verbrennung. Diese werden direkt in die für die
^Jeidahl-Bestimmungen verwendeten Kolben auf einer größeren Wage, die noch
anzeigt, — diese Genauigkeit ist für die angewendete größere Menge aus-
hend — abgewogen, mit noch weiteren 10 ccm Schwefelsäure, sowie 1 Tropfen
CKsilber versetzt, anfänglich mit ganz kleiner Flamme erhitzt und diese erst
' eigert, wenn das überschüssige Wasser verdampft ist. Im übrigen wird wie

Sonst verfahren.

nis	(^ese Weise erhält man stets gleichmäßige und übereinstimmende Ergeb-

So |ir den Stickstoff gehalt dieser Futtermittel,
oder ■ St ^em ®auerfutter e'ne beträchtlichere Menge Salpetersäure vorhanden
lieh ZU Vermuten) 80 nimmt man auf 300 ccm konzentrierte Schwefelsäure ursprüng-
1 etwa 100 ccm Phenol-Schwefelsäure (vergl. S. 141, a).
öas ^ ,^ack O- Kellner (1. c.) befeuchtet man die zerschnittene Sauerfutter-
8et 6, verdünnter Salzsäure, trocknet hiermit bei 50—60°, zermahlt die vor-
dieseW^6 ^asse unc* bestimmt den Stickstoff in der lufttrocknen Substanz. Auf
.	eise wird nach Kellners Versuchen das freie Ammoniak bezw. kohlensaure

^■mmon i

durcheSpinrnUn^ der Trockensubstanz etwas zu hoch aus,

vor Verflüchtigung geschützt. Zwar fällt durch die Bindung von Salzsäure
mung der Trockensubstanz etwas zu hoch aus, indes wird dieses Plus
*ls aufc" ZerflUc,htieunS von aromatischen Stoffen und flüchtigen Säuren mehr
beim /eWogen- Nach F. W. A. Woll1) soll indes die Besprengung mit Salzsäure
ergebe^ °]C ')Uen ^es ®auerlutters nicht oder nur unwesentlich mehr an Stickstoff

Weithak' ^erner bann man 100—200 g fein zerschnittenes Sauerfutter in einen
Verschlief611 ^°^)en füllen, diesen mit einem doppelt durchbohrten Gummistopfen
führt und6', (*urcl1 dessen eine Öffnung ein Glasrohr bis auf den Boden des Kolbens
erstens p	dessen andere Öffnung ein Glasrohr bis unter den Pfropfen mündet;

Kolben in°*. dient als Zuleitungs-, letzteres als Ableitungsrohr. Man setzt den
n ein Vasserbad, erwärmt dieses bis zum Kochen und leitet trockne,

Land-

’) Landw. Versuchs-Stationen 1889,

J wirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

36, 161.

17
        <pb n="282" />
        ﻿258

Futtermittel.

ammoniakfreie Luft durch, indem man die aus dem Kolben austretende Luft durch
verdünnte Schwefelsäure streichen läßt. Letztere versetzt man nach hinreichendem
Durchleiten von trockner, amraoniakfreier Luft mit überschüssiger, gebrannter
Magnesia, destilliert mit vorgelegtem Kühler, indem man die Dämpfe in titrierter
Schwefelsäure auffängt und diese wie üblich zurücktitriert. Auf diese Weise erfährt
man den flüchtigen Ammoniak-Stickstoff, den man zu dem in der lufttrocknen,
gepulverten Substanz gefundenen Stickstoff hinzuaddiert, um die gesamte Menge
Stickstoff zu erhalten. Hierbei muß man selbstverständlich den in der lufttrocken
gemachten Substanz gefundenen Stickstoff erst auf die frische natürliche Substanz
urarechnen und zu diesem den für die frische Substanz gefundenen Ammoniak-
Stickstoff hinzuaddieren.

2.	Freie Säuren. 100 g oder 200 g des tunlichst fein zerschnittenen, gut
gemischten Sauerfutters werden in einen weithalsigen 1 oder 2 Liter-Kolben gebracht,
mit Wasser bis zur Marke aufgefüllt und unter öfterem tüchtigen Umschütteln
mehrere Stunden stehen gelassen. Darauf filtriert m^n 100 oder 200 ccm ab und
titriert mit Alkalilauge unter Anwendung von Phenolphthalein als Indikator. Die
gefundene Menge Säure rechnet man je nach dem Vorwalten der einen oder anderen
auf Essigsäure oder Milchsäure um (1 ccm N.-Alkalilauge entspricht 0,060 g
Essigsäure oder 0,090 g Milchsäure).

Um über die Natur der Säuren Aufschluß zu erhalten, werden 200 ccm des
Filtrats mit vorgelegtem Kühler — am besten unter Einleiten von Wasserdampf
■— bis auf etwa 100 ccm abdestilliert, das Destillat in derselben Weise mit Alkali-
lauge titriert und diese Säure als freie Essigsäure berechnet.

Die rückständigen 100 ccm werden mit 150 ccm Wasser verdünnt, mit etwas
Schwefelsäure wie vorhin destilliert, das Destillat wieder titriert, um so die Menge
der gebundenen flüchtigen Säure (Essigsäure) zu finden.

3.	Fett. Der Ätherauszug der getrockneten Sauerfuttermasse schließt stets
mehr oder weniger freie organische Säuren hezw. aromatische Stoffe ein. Um
diese annähernd aus dem Fett zu entfernen, wird der Ätherauszug wiederholt
mit kochend heißem Wasser durchgeschüttelt, filtriert und das rückständige, an
der Luft abgetrocknete Fett wieder in Alkohol oder Äther gelöst, letztere
verdunstet und der Rückstand, nach hinreichendem Trocknen bei 90—100°, ge-
wogen.

III.	Schlempe, Pülpe, Treber, Trester usw.

Für die Probenahme ist zu berücksichtigen, daß der Inhalt der Bottiche
bezw. Gefäße, worin sich diese dickflüssigen Massen befinden, tüchtig durchgerührt
und die Probe wegen ihrer leichten Zersetzlichkeit, besonders im Sommer, alsbald
nach d§r Entnahme untersucht werden muß.

1. Wasser. Nur die Treber und Trester lassen sich durch flaches Aus-
breiten in großen Schalen bei etwa 50—60° vortrocknen und dann wie bei No. I
Grünfutter weiter behandeln. Man wendet für den Zweck 1,0—1,5 kg frische
Treber an. Bei den verschiedenen Schlempesorten ist ein Vortrocknen bei
etwa 50° meistens nicht möglich, weil sie nach dem Trocknen so fest an den
Wandungen der Porzellanschalen haften, daß die eingetrocknete Masse kaum mit
mechanischen Hilfsmitteln von den Wandungen loszutrennen ist.

Man verfährt daher hei diesen Futtermitteln zur Wasserbestimmung zweck-
mäßig in der WTeise, daß man etwa 50—100 g der gut durchgeschüttelten hezw-
gut durchgemischten Masse in einer flachen, wenn nötig mit geglühtem Sand be-
        <pb n="283" />
        ﻿Schlempe, Pülpe, Treber, Trester usw.

259

schickten und mit einem Uhrglase bezw. einer Glasplatte zu bedeckenden Porzellan-
schale abwägt, den Inhalt erst auf dem Wasserbade eindunstet, dann im Trocken-
schrank bei 105—110° so lange trocknet, bis annähernde Gewichtsbeständigkeit ein-
getreten ist. Für ganz genaue Bestimmungen des Wassergehaltes empfiehlt sich
ein Austrocknen im Vakuum bei 100°.

Hat man die Treber usw. wie unter No. I (Grünfutter) vorgetrocknet und ge-
mahlen, so verfährt man zur weiteren Untersuchung der lufttrocknen Substanz, wie
unter A S. 208 und ff. angegeben ist.

Läßt sich diese Art Futtermittel indes hinreichend, wie Schlempe, ohne vor-
getrocknet zu werden, mischen, so daß man in 10—50 g eine genügende Durch-
c nittsprobe voraussetzen kann, so verwendet man einfacher und rascher zu den
weiteren Bestimmungen die frische, natürliche Masse, nämlich:

2. Stickstoff.	10—20 g bezw. so viel Substanz, als 1—2 g Trocken-

stanz entsprechen, werden direkt mit Schwefelsäure usw. versetzt und nach
Jeldahl verbrannt; oder man kann sie auch erst in Hof meisten sehen Glas-
a eben unter Zusatz von etwas Gips auf dem Wasserbade eindunsten, dann
'dmt Schälchen zerdrücken, in einen Kolben bringen und weiter nach Kjeldahl
verbrennen. Versetzt man die ursprüngliche Substanz direkt mit Schwefelsäure,
J uuiß man, um ein Verspritzen zu vermeiden, erst mit kleiner Flamme erwärmen,
18 ^as Wasser verdunstet ist.

,q Uie Trennung der einzelnen Stickstoff-Verbindungen erfolgt wie unter A
05- 209 u. ff.).

Fett. 30—70 g der frischen Substanz, etwa 5—10 g Trockensubstanz
etw^0nd, werden in Hof meisten sehen Glasschälchen mit geglühtem Sand und
im t (w*e hei Hilch) auf dem Wasserbade eingedampft, dann mehrere Stunden
wie ..Verschränke bei 95—100° getrocknet, aufs sorgfältigste verrieben und
1 heb mit wasserfreiem Äther ausgezogen.

H Freie Säuren. Diese werden wie bei Sauerfutter usw. (S. 258) bestimmt.
Schw f 16 *ach wird der Maische zur Erzielung einer reineren, kräftigeren Gärung
säure*3 G'Säure zugesetzt, nämlich auf 50 kg Schrot 90—120 ccm Schwefel-
üicht VOn	Solcherweise gewonnene Schlempe kann daher, wenn die Säure

halte 111^chiäminkreide, wie anzuraten, abgestumpft ist, freie Schwefelsäure ent-
n’ es berechnen sich für 50 kg Schrot 120—180 g freie Schwefelsäure (SOg).1)
daß sje Udn Nachweis der freien Schwefelsäure, welche dadurch nachteilig wirkt,
kauiu10 &lt;iem ®ut Alkali entzieht, kann man die bei „Essig“ angeführten Verfahren
Voligf v®rwenden. Man wird daher in solchen Fällen am zweckmäßigsten eine
und ‘ ,Uge Aschenuntersuchung (Bestimmung sämtlicher Basen und Mineralsäuren
führen &lt;U' letztere in der mit Natriumkarbonat-Zusatz hergestellten Asche) aus-
bleibt ’ rr' nacl1 Umrechnung auf Salze zu ersehen, ob freie Mineralsäure übrig
Sehlem . lerh®i kann man die Schwefelsäure direkt in einer abgewogenen Menge
mit gaj ,. urc^ filtrieren und hinreichendes Auswaschen im Filtrat nach Ansäuern
PhorsäurolUr,e ^Urc^ Lhlorbaryum fällen, während man zur Bestimmung der Phos-
Aschenu t ^ k°hlensaurem Natrium oder auch etwas Kalihydrat und Salpeter (vergl.

g n ersuchung S. 197 und 198) eindampft, verascht und diese in der Aschehestimmt,
man I'nöt' Uc*er’ Dextrin. Falls eine Bestimmung dieser erforderlich ist, verfährt
S. 226__og™ na('h Konzentration) mit einer entsprechenden Gewichtsraenge nach

Uüd mit *^ac^weis freier Schwefelsäure kann man unter Umständen etwas einengen
0 Ol fällen, wie bei Wein (vergl. Chem. Centralbl. 1891, I, 1018).

17*
        <pb n="284" />
        ﻿260

Futtermittel.

6.	Rohfaser. 15—40 g Schlempe bezw. Treber, 2—3 g Trockensubstanz ent-
sprechend, werden unter Berücksichtigung des Wassergehaltes der Schlempe direkt
nach S. 245 unter I oder auch nach dem Eindunsten wie unter 2 S. 249 behandelt.

7.	Asche. 25—50 g werden in einer Platinschale erst auf dem Wasserbade
eingetrocknet und dann wie üblich verascht.

Die Stärkeschlempen sind meistens sehr arm an Mineralstoffen (besonders an
Kali- und Phosphorsäure).

8.	Alkohol. Sollte die Bestimmung des Alkohols, welcher gewöhnlich nur in Spuren
in der Schlempe vorhanden ist, gewünscht werden, so werden nach M. Märcker 3 1 Schlempe
in eine geräumige Retorte gebracht, welche in einem Wasserbado erhitzt wird und durch
deren Tubus man mittels eines bis auf den Boden der Retorte reichenden Glasrohres
Wasserdampf einleitet, und so 300 ccm bei vorgelegtem Kühler abdestilliert; man ermittelt
das spezifische Gewicht dieser Flüssigkeit und berechnet den Alkoholgehalt nach der
Alkohol-Tabelle; jedem Alkoholometergrad im Destillat entspricht '/in Volumprozent
Alkohol in der Schlempe. Bei geringem Gehalt an Alkohol empfiehlt es sich, die 300 ccm
nochmals zu destillieren und von 100 ccm Destillat das spez. Gewicht zu bestimmen.

Zum qualitativen Nachweise des Alkohols verzetzt man das Destillat mit einigen
Tropfen einer gesättigten Lösung von Jod in Jodkalium (1 Teil Jodkalium auf 6—6 Teile
Wasser), fügt darauf verdünnte Kalilauge zu, bis die braune Jodfarbe fast verschwunden
ist, stellt kurze Zeit in heißes Wasser und läßt ruhig erkalten; bei Anwesenheit von
Alkohol bildet sich ein gelber, kristallinischer Absatz von Jodoform, bei geringer Menge
ein deutlicher Geruch nach Jodoform.

9.	Glyzerin. Nach H. v. Törring') enthalten die Brauntweinschlempen im natür-
lichen Zustande 0,156—0,300 °/0 Glyzerin oder 2,5—3,9 °/0 der Trockensubstanz.

Zur quantitativen Bestimmung wird das Filtrat von 30 g Schlempe samt dom Nach-
wasohwasser in einer Schale auf dem Wasserbade bis auf etwa 5 ccm eingedampft, 15 g
gebrannter Gips hinzugefügt, die zu erhärten beginnende Masse gut verrieben und das er-
haltene Pulver im Heberextraktionsapparat etwa 6 Stunden lang mit absolutem Alkohol aus-
gezogen. Die alkoholische Lösung wird unter Zusatz von 10—20 ccm Wasser bis zur
völligen Verjagung des Alkohols erwärmt und darauf die wässerige, Glyzerin enthaltende
Lösung der Destillation unterworfen. Zu dem Zweck wird die Lösung iu eine etwa 100 ccm
fassende Retorte umgefüllt, welche sich in einem mit Thermometer versehenen Luftbade von
Eisenblech befindet; die Retorte steht luftdicht mit einem Liebigschen Kühler und das
umgebogene Endstück des inneren Kühlrohres desgl. durch einen mit einem doppelt durch-
bohrten Pfropfen verschlossenen, starkwaudigeu Kolben in Verbindung; durch die eine
Öffnung des Pfropfens geht das umgehogene Endstück des Kühlrohres bis in die Mitte des
Kolbens, durch die andere Öffnung führt ein Glasrohr zu einer Wasserluftpumpe; in die
letztere Verbindung ist ein Quecksilbermanometer eingeschaltet. Die Wasserluftpumpe muß
die Luftverdüunung bis auf die Tension des Wasserdampfes hersteilen können.

Zuerst wird das Luftbad auf 160—170° erwärmt, bis alles Wasser in die Vorlage
überdestilliert ist; dann verbindet man mit der Wasserstrahlpumpe, evakuiert und destilliert
unter Steigerung der Temperatur auf 190—210°; um die letzten Spuren Glyzerin aus dem
Destillationsrohr zu entfernen, läßt man 3—4 com Wasser in die erkaltete Retorte tröpfeln
und destilliert ohne Anwendung des Vakuums bei 150—170° im Luftbade weiter.

In dem 10—16 ccm betragenden Destillat, welches nicht mehr als 0,2 g Glyzerin in
0,5—1 °/0-iger Stärke enthalten darf — bei geringerem oder höherem Gehalt konzentriert
oder verdünnt man entsprechend —, bestimmt man nach v. Törring das Glyzerin dadurch,
daß man das Destillat mit 5 ccm Benzoylchlorid und 35 ccm einer 10 %-igen Natronlauge
unter wiederholter Abkühlung längere Zeit kräftig durchschüttelt, bis das Glyzerinbenzoat
fest geworden ist. Die hart gewordene Masse wird schließlich nach dem Zerreiben in der
alkalischen Flüssigkeit auf einem gewogenen Filter gesammelt, mit Wasser gewaschen,
2 — 3 Stunden bei 100° getrocknet und gewogen; 0,386 g Glyzerinbenzoat entsprechen
0.1 g Glyzerin.

') Landw. Versuchs-Stationen 1889, 36, 29.
        <pb n="285" />
        ﻿Melasse und Melassemischfutter.

261

IV.	Melasse und Melassemischfutter.

Die Melasse und Melassemischfutter haben in den letzten Jahren nach Ein-
führung der neuen Zuckerfahrikationssteuer, wonach auch der aus Melasse gewonnene
Zucker versteuert werden muß. was früher nicht der Fall war, eine stetig wachsende
Verwendung zur Fütterung erfahren.

Bei der Melasse unterscheidet man die gewöhnliche, bei der Gewinnung des
Rohzuckers abfallende Melasse, die Raffinerie-Melasse und die Rest-
le lasse (von der Verarbeitung der ersten Melasse auf Zucker mittels des Strontian-
verfahrens usw.). Letztere Melasse wird aber kaum mehr gewonnen und die ersten
’ßtden Sorten haben im Durchschnitt eine nahezu gleiche chemische Zusammensetzung.

Da die Yerfütterung der Melasse selbst wegen ihrer klebrigen Beschaffenheit
pUb Schwierigkeiten verbunden ist, vermischt man sie für den Handel mit trocknen
uttermitteln (oder auch Torfstreu), die als „Melasseträger“ dienen.

Als Melasseträger werden angewendet: getrocknete Rübenschnitzel, ge-
rechnete Biertreber, getrocknete Kartoffelpülpe, Weizenkleie, Erdnußkleie, Mais-
(' ‘'"Kuchenmehl, Palmkernmehl, Torfstreu u. a., und zwar entweder für sich allein
1 1111 Gemisch miteinander; andere Sorten sollen einen Zusatz von Blut erhalten
(. Werden Blut-Melasse genannt. Mit Milch-Melasse bezeichnet man ver-
_ ledene Mischungen, welche aber nur zum Teil Milch als Zusatz enthalten; in
Ri -n füllen sind darin sehr minderwertige Melasseträger wie Reisspelzen, Erd-
oiehj 16 ®e^unden&gt; in einem anderen Falle fanden wir Palmkernmehl und etwas Erdnuß-
_ 1' h&gt;as Verhältnis von Melasse zu den Melasseträgern ist großen Schwankungen
ganierwor^en) nämlich auf 50—70 °/0 Melasse 50—30 °/0 Melasseträger. Die Zu-
das MenSetzung dieser Art Futtermittel erhellt aus folgenden Zahlen, welche durchweg
Mittel von vielen Untersuchungen bilden:1)

Bezeichnung:

Jucker-Melasse . .

«afflnerie-Melasse.

T^^^fdmitzetMelasse
MaSntreber-Melasse
WPikei®-Mela88e. ,

MaTale ieie‘Mela6se ■

Paln1eim4Iela88e ■

^'ch-Melasse (sog.) [

fast	zu berücksichtigen

aus BetaSChUeßlich aus Amh
stehen	^anthinkörpern

Wasser  22,50 o/o 22,50 „	Stickstoff- Substanz (N X 6,25)  10,25 o/0 11,10 „	Fett  (Äther-  auszug)	Saccha-  rose  51,45 o/0 50,80 „	Sonstige stickstoff- freie Extrakt- stoffe 8,70 o/0 8,30 „	Rohfaser	Asche  7,10 o/0 7,30 „
14,26 °/n	9,30 °/0	0.65 o/0	22,65 o/0	35,50 o/„	11,80 o/o	5,85 %
16,70 „	15,85 „	2,55 „	28,30 „	19,60 ,.	12,90 „	5.10 „
19,08 „	13,52 „	0.42 „	34,66 „	19,70 „	4,79 „	7,84 ,.
22,90 „	12,70 „	1,10 „	27,80 „	24,90 „	4.00 „	6,60 „
18,30 „	15,30 „	3,60 „	30,60 „	22,60 „	3,80 „	5,90 „
20,00 „	11,15 „	1,80 „	31,80 „	23,10 „	4,80 „	7,35 „
24,22 „	8,37 „	0,66 „	35,14 „	19,08 „	5,71 „	6,92 „
14,50 „	18,75 „	1,90 „	19.87 „	18,68 „	18,35 „	8.55 ,.
20,13	21,04 „	2,21 „	20,40 „	19,25 „	7,86 „	8,11 ,.

daß die Stickstoff-Verbindungen der Melasse
Amiden (Asparagin, Glutaminsäure, Leucin, Tyrosin), ferner

n tv -------------*pern usw. und nur zu etwa 5 °/0 aus wirklichem Protein bo-

bezw- -Snell5vaSSeträger wie Torfmull, Erdnußschalenkleie und Getreideschalen
die Ausn trZen besitzen nicht nur keinen Futterwert, sondern beeinträchtigen sogar
ühschfntt'1. l^es sonstig,en Futters. Es sollte daher die Bezeichnung der Melasse-
ßerTmi:ttel den vorhandenen Melasseträger zum Ausdruck bringen.

Verbände" f 1C 1 ^er Untersuchung und der Gehaltsgrenzen gelten besondere, von dem
_____—tscher landw. Versuchs-Stationen getroffene Vereinbarungen.

ei&amp;k hierzu: M. Schmoeger, Landw. Versuchs-Stationen 1904, 59, 83.
        <pb n="286" />
        ﻿262

Futtermittel.

1.	Bestimmung des Wassers. In den Melassemischfuttern kann der Gehalt an
Wasser wie üblich bestimmt werden. Von der Melasse selbst oder ähnlichen sirup-
artigen Massen wägt man entweder 3—5 g in einer mit geglühtem Seesande be-
schickten, vorher gewogenen Schale ab, verdünnt, um eine gleichmäßige Mischung
mit dem Sande zu bewirken, mit entsprechenden Mengen Wasser, oder man nimmt
von einer wässerigen Lösung von bekanntem Gehalt — die zur Zuckerbestimmung
verwendet werden soll — 25 oder 50 ccm, gibt diese in die mit geglühtem Sande
beschickte, vorher gewogene Platinschale, trocknet zuerst im Wasserbade und darauf
im Trockenschrank bei 100--105° bis zur Gewichtsbeständigkeit.1) Auch kann man
sich statt der mit geglühtem Sande beschickten Schalen der flachen Niokelschalen
(wie bei Milch) oder der flachen Platinschalen (wie bei Wein) bedienen, wobei zu
beachten ist, daß die angewendete Menge nur so groß sein darf, daß der Trocken-
rückstand 1—2 g beträgt.

Für ganz genaue Trockensubstanz-Bestimmungen empfiehlt sich ein Trocknen
im Wasser Stoff ström bei 100°.

„Der Wassergehalt darf2) bei Melasse-Kraftfutter und ähnlichen
Gemischen höchstens 20°/0, bei Torfmelasse höchstens 25°/0 betragen.
Ein Überschuß über diese Gehaltsgrenzen ist als eine entsprechende
Wertsverminderung der Ware anzusehen. Auch ist bei Melassefutter-
Gemischen gegebenenfalls darauf hinzuweisen, daß ein mehr als 20°/0
betragender Wassergehalt die Haltbarkeit des Futtermittels um so
mehr gefährdet, je höher derselbe Uber der Grenzzahl von 20°/0 liegt.“

2.	Bestimmung des Stickstoffs (vergl. S. 137). Man kann bei reiner Melasse
(also ohne Aufsaugungsmittel) die zur Zuokerbestimmung dienenden Flüssigkeiten
(10 g zu 250 ccm) verwenden, indem man aliquote Teile (25 oder 50 ccm) zunächst unter
Zusatz von einigen Tropfen Schwefelsäure auf einer kleinen Flamme im Kjeldahl-
Kolben bis auf einen kleinen Eest (10—15 ccm) eindunstet, erkalten läßt, dann
allmählich, um ein zu starkes Auf schäumen der Masse zu verhindern, mit 20 ccm der
vorgeschriebenen Schwefelsäure versetzt und wie üblich weiter verbrennt. Von
Melassemischfutter verwendet man direkt abgewogene 1—2 g Substanz wie üblich.

Der so in der Melasse oder dem Melassemischfutter gefundene Stickstoff, multipliziert
mit 6,25, darf aber nicht als Kohprotein angesehen werden, weil der größte Teil der
Stickstoff-Verbindungen der Melasse aus Amiden und anderen nicht proteinartigen Verbindungen
besteht. Daher soll der Gesamt-Stickstoff mal 6,25 in der Melasse als „Stickstoff-Substanz“
und in Melasse-Mischfuttermitteln als „Stiokstoffh. Substanz“, herstammend aus Melasse
und dem betreffenden Futtermittel bezeichnet werden. Außerdem soll nach den Beschlüssen
des Verbandes landw. Versuchs-Stationen3) i. D. fi. den Mitgliedern anheimgegeben werden,
je nach Befinden für die stickstoffhaltigen Stoffe in der Trockensubstanz gewöhnlicher
Melassen 2,16 °/0 Stickstoff = 13,5 °/0 Nh-Substanz und für die der Eestmelasse 0,69 °/u
Stickstoff = 4,3 °/0 Nh-Substanz in Anrechnung zu bringen. Wird die Stickstoff-Substanz
der Melasse auf diesem Wege ermittelt, so ist dies in den Untersuchungs-Attesten anzugeben.

3.	Bestimmung des Fettes. 25 g des Melassemischfutters werden 3 Stunden
bei 80° getrocknet, nach dem Erkalten und Wägen auf der Gruson- oder Malz-
mühle gemahlen; von dem Pulver werden dann 5 g auf einem Saugfilter oder im
Goochschen Tiegel mit etwa 100 ccm kaltem Wasser unter Auftropfen vom

J) Diese wird in zucker- und dextrinreichen Massen selten genau erreicht; sie geben
nur schwer alles Wasser ab; trocknet mau sie aber zu lange, so bräunen sie sich und
nehmen unter Umständen infolge Aufnahme von Sauerstoff sogar etwas an Gewicht zu.

2)	Vergl. Landw. Versuchs-Stationen 1901, 57, 21 und 1902, 68, 137.

3)	Ebenda 1901, 55, 10.
        <pb n="287" />
        ﻿Melasse und Melassemischfutter.

263

Mucker befreit,1) der Rückstand in üblicherweise bei 95° getrocknet und mit Äther
ausgezogen.2)

4. Bestimmung des Zuckers. Die Bestimmung des Zuckers kann nach Auf-
lösen einer bestimmten Menge in 200 oder 500 ccm. Filtrieren und Invertieren
eines aliquoten Teiles des Filtrates gewichtsanalytisch (S. 229) erfolgen oder auch
durch Polarisation nach dem Vorschläge von K. Müller8) wie folgt:

25 g Melassefuttermittel werden in einem Erlenmeyer-Kolben von etwa
•300 ccm eingewogen, mit 250 ccm Wasser etwa 1/4 Stunde unter öfterem Umschwenken
ausgezogen, darauf filtriert. Von dem Filtrat werden 100 ccm in einem Kölbchen mit
emer Messerspitze voll Tannin (0,015—0,020 g) versetzt; nach Durchschütteln hiermit
Werden 10 ccm des üblichen Bleiazetats, ferner 10 ccm einer 5 °/0-igen Alaunlösung,
endlich ein Messerspitzchen voll Tonerdehydrat zugeraischt, filtriert und polarisiert.

Beispiel; Angenommen, die Polarisation nach Ventzke-Soleil betrage 10,8 Grad, so
at man unter Berücksichtigung der Verdünnung mit 20 ccm im ganzen 10,8 + 2,06 = 12,36
Grad Drehung:

12,36 x 0,26048 = 3,22 g Zucker in 100 ccm.

i® Gesamtmenge Flüssigkeit beträgt..................................... 250,0 ccm,

(azu Wasser aus Melassefuttermittel, z. B. Torfmelasse (mit 25% Wasser) .	6,3	„

also ln 25 g Torfmelasse	= 8,25 g oder 33% Zucker.

zusammen 256.3 com,

100

Nimmt man in der Melasse 48% Zucker im Durchschnitt an, so besteht die Torf-
uelasse^ aus 69% Melasse und 31% Torf.

5* Bestimmung der Rohfaser in dem Melassemischfutter vergl. S. 245 und 249.
6» Bestimmung der Asche. Bei der Veraschung der Melasse und des Melasse-
•'chtuttemittels sind, um eine vollständige Verbrennung zu erzielen, die S. 195
gegebenen Hilfsmittel zu beachten.

sehr h' Saclnveis der Natur des Melasseträgers. Dieser Nachweis erfolgt nach Auf-
eiiung der Substanz mikroskopisch. Vielfach dienen ganz wertlose oder die Ver-
Ung gar beeinträchtigende Zusätze (z. B. Erdnußhülsen, Torfmehl) als Melasseträger.

3. Nachweis von Blut in sog. Blutmelnsse.

kann

Zum Nachweis von Blut in Melasse
den \rman desselben Verfahrens bedienen, welches A. Emmerling u. a. für
achweis von Blut in Blutdünger (S. 166) angegeben haben.

Bestimmung des Gehaltes an Melasse hezw. Melasseträger in Melassemisch-

o„. , r* Hierzu hat der Verband landw. Versuchs-Stationen i. D. E. folgenden Be-

hlu8 gefaßt:4)

tr.. ’-Hie Bestimmung des Gehaltes der Melassemischungen an Melasse-
der 6111 unc* an belasse ist bis auf weiteres entweder durch Bestimmung
Wasserunlöslichen Trockensubstanz (Verfahren Schmoeger) oder

einschrV^*0 vorkerige Entfernung des Zuckers ist deshalb notwendig, weil er das Fett
mit W .	Hlnwirkung des Äthers auf dasselbe behindert. Beim Auswaschen

asser können aber leicht Verluste auch an Fett stattfinden.
sprüniO• v, el“stverständlich muß die so gefundene Fettmenge auf das entsprechende ur-
w®der die	um&amp;ereci1net werden. Einfacher dürfte es daher sein, daß man ent-

(==5 Dalfte (= 12,6 g ursprüngliche Substanz) oder ’/b des getrockneten Rückstandes
nicht mabT^6 Substanz) anwendet. Wenn der Trockenrüokstand sich überhaupt
ziehen a	80 mud man die ursprüngliche Substanz (10 g) direkt mit Wasser aus-

’3, ®n Rückstand trocknen und weiter mit Äther behandeln,
selbst hervoi*^ ^.ersu°l18'Stationen 1896, 47, 249. Das Verfahren ist, wie K. Müller
41 T °rW)*’ ni°ht genau, genügt aber den praktischen Bedürfnissen.

’ andw- Versuchs-Stationen 1904, 60, 214.
        <pb n="288" />
        ﻿264

Futtermittel.

durch Bestimmung des spezifischen Gewichtes eines wässerigen Aus-
zuges (Verfahren Neuhauer) auszuführen. Die Versuchs-Stationen sind
aufzufordern, durch eine Vervollständigung der von Schmoeger und
Neubauer angegebenen Korrektionszahlen für den wasserlöslichen Teil
des Melasseträgers Material zu liefern für eine etwa nötig werdende
Richtigstellung derselben.“

Das Verfahren von M. Schmoeger1) besteht in folgendem:

„6 g der vorgetrockneten und gemahlenen Mischung werden zur Lösung der
Melasse mit 10 bis 20 ccm kaltem Wasser angerührt und sodann auf einem Saug-
filter oder in einem größeren Goochschen Tiegel unter weiterem Auftropfen von
kaltem Wasser ausgewaschen. Das gesamte Waschwasser soll etwa 100 ccm be-
tragen. Der Rückstand wird bei 95° getrocknet (zweckmäßig erst auf offenem
Wasserbad, dann im Wassertrockenschrank). Aus dem Gewicht des gefundenen
Wasserunlöslichen berechnet man unter Berücksichtigung des in Lösung gegangenen
Teiles der Trockensubstanz des Melasseträgers *) und des durchschnittlichen Wasser-
gehaltes des lufttrocknen Melasseträgers (cfr. die gebräuchlichen Futtermittel-
tabellen) den Prozentgehalt der Melassemischung an Melasseträger oder Melasse.“
H. Neubauer bestimmt die Menge der Melasse in Melassemischfutter wie folgt:
M bedeutet das spezifische Gewicht der Melassetrockeusubstanz (1,69),

T das Gewicht der in 1 g Trockensubstanz des Aufsaugungsmaterials enthaltenen wasser-
löslichen Stoffe (ausgedrückt in Gramm), unter gewissen Voraussetzungen aus dem
spezifischen Gewicht ihrer Lösung berechnet (im Mittel etwa 0,046),2)
w das Gewicht der in einer Melasselösung enthaltenen Wassermenge (Gramm),
s' das direkt beobachtete spezifische Gewicht einer reinen Melasselösung,
s das direkt beobachtete spezifische Gewicht des aus einem Melassemischfntter her-
gestellten wässerigen Auszuges,

s" das direkt beobachtete spezifische Gewicht des wässerigen Auszuges eines Anfsaugungs-
materials.

a die zur Untersuchung verwendete Gewichtsmenge Trockensubstanz des Melassemisch-

futters (Gramm),

x das gesuchte Volumen der in dem Mischfutter enthaltenen Melassetrockeusubstanz iu
com, also

Mx das gesuchte Gewicht der Melassetrockeusubstanz in Gramm.

Löst man Mx g, entsprechend x g Melassetrockensubstanz in so viel Wasser
auf, daß das Volumen der Flüssigkeit v beträgt, und ist das spezifische Gewicht
dieser Lösung s', so besteht die Gleichung:

Mx + v — x = vs'.

Durch weitere Beziehungen zwischen den einzelnen Größen erhält man
schließlich das Gewicht der Melasse-Trockensubstanz durch folgende Gleichung:

v (s — 1) — a T

Mx = M ,

M (1- T) — 1'

Behufs Ausführung des Verfahrens werden 3 g bei etwa 100° bis zum be-
ständigen Gewicht getrocknet; es seien 7,86 °/0 Wasser = 92,14 °/0 Trockensubstanz
gefunden.

x) Vergl. G. Schmoeger, Landw. Versuchs-Stationen 1902. 57, 27. Dort werden
jz. B. als ungelöst von der Trockensubstanz (Schmoegersche Konstanten) angegeben:
.Palmkern-	Trockne	Trocken-	„ , , .	Trocken-	„ ,	„r .	...

mehl	Biertreber	sohlempe	Malzkelrae	schnitze!	Torf	Weizenkleie

90,2 o/o 95,1 o/o 90,7 o/„	62,4 %	90,2 %	99,5 &lt;&gt;/0	82,3%.

s) Für Biertreber ist T z. B. = 0,026. Brennereitreber = 0,018, Erdnußhülsen = 0,026,
Malzkeime = 0,153, Palmkernmehl = 0,039, Rübenschnitzel = 0,046, Torffaser = 0,007,
        <pb n="289" />
        ﻿Peptonfutter.

265

In ein tariertes, etwa 200 ccm fassendes Erlenmeyer-Kölbchen werden
10,00 g Substanz gebracht, darauf aus einer Pipette 100 ccm Wasser zugegeben,
das Ganze gewogen, das Kölbchen sofort mit einem auch an der unteren Fläche
dicht an das Glas anschließenden Gummistopfen verschlossen und unter häufigem
Uiuschtttteln 2 Stunden lang bei Zimmertemperatur stehen gelassen.

Nach Verlauf dieser Zeit wird in ein 25 ccm fassendes Reischauersches
Pyknometer filtriert, nach dem Temperieren auf 15° auf die Marke eingestellt und

durch Wägung das spezifische Gewicht des Filtrats bestimmt. Man hat dann alle
notwendigen Unterlagen.

Es wird vorausgesetzt, daß

M = 1,69 und T = 0,046 ist.

Kölbchen + 10 g Substanz Wasser wiegt........................ 149,790 g

Kölbchen leer............................................. 39,763 „

Also Gewicht des zugesetzten Wassers......................... 100,027 g

Gewicht des in der Substanz schon enthaltenen Wassers .	.	0,786 „

also W = 100,813 g

Die angewendete Menge Trockensubstanz beträgt a = . . .	9,214 „

Als spezifisches Gewicht der Lösung wurde gefunden s = .	1,0145 ,,

Setzt man alle diese Werte in die oben abgeleitete Formel ein, so erhält man:

Mx = 1,69

100,813 (1,0145 — 1) - 9.214.0.046 _	1.4618 - 0.4238

1,69 (1 — 0,046) — 1,0145	“ 11,6123 - 1,0145

1.0380

~ 1,by • 0,5978 - g'

Es sind also in den 10 g angewandter Substanz 2,93 g, entsprechend 29,3 0.0
assetrockensubstanz, enthalten.

Die Verfahren von Schmoeger wie Neubauer liefern beide richtige Erge )-
ni®e; auch zeigt H. Neuhauer,1) daß zwischen der von ihm benutzten Größe T und
der Konstanten von Schmoeger (wasserunlöslicher Anteil der Trockensubstanz des
■Melasseträgers) eine Beziehung besteht.

Mel

, „	10. Garantien im Handel mit Melassefutter. An die Verkäufer von Melasse

Futtermitteln ist nach dem Beschlüsse des Verbandes laudw. Versuchs-Stationen i. D U
dle Anforderung zu stellen, daß sie nicht allein für bestimmte Gehalte an Nährstoffen und
iU1 Melasse, sondern auch für die Art der vorhandenen Melassetrager Garantie lelste“ ,

. t 11. Wertschätzung der Melassefuttermittel. Der Wert des Melassemischfutte
lät nach dem Marktpreise der das Futter zusammensetzenden Stoffe, also der Melasse uu
sonstigen Zusätze zu bemessen.

V.	Peptonfutter,

einem ^?ter diesem Namen werden verschiedene Erzeugnisse verstanden. Nach
Und r ,scklage von A. Braun in Wiesbaden soll man saure Milch, Kartoffeln
pe_. *'^deschrot zu einem Brei verarbeiten, diesen durch Erwärmen auf 62,5°
fein n usiereir‘, darauf durch Zusatz von Natriumkarbonat alkalisch machen und mit
v°rsteh UU &lt;ter Pankreasdrüse vom Schwein vermischen. In ähnlicher Weise wie
Und p eiK &lt;is »Schweinefutter“ soll Milch durch direkten Zusatz von Natriumkarbonat
bar sind leassa^ pcptonisiert werden. Da derartige Erzeugnisse sehr wenig halt-
j,.! so setzen sie ihrer Anwendung von selbst Schranken.

Werken“1* ;uit'ores: von E. Plönnis angegebenes und von den „Deutschen Pepton-
aui dem Berliner Viehhof angewendetes Verfahren besteht angeblich darin,

1 Landw- Versuchs-Stationen 1904, 60, 243.
        <pb n="290" />
        ﻿266

Futtermittel.

daß man die Schweine bis etwa zwei Stunden vor dem Schlachten mit Gerstenschrot
füttert, den mit Speichel und Magensaft durchtränkten Speisehrei sammelt, hei 40° mit
Blut vermischt, nach Peptonisierung behufs Auflockerung mit Heuhäcksel versetzt,
das Ganze zwei Stunden kocht, trocknet und mahlt. Die Versuchs-Station
Halle a. S. fand für ein solches Erzeugnis:

Stickstoff-	„ ,	Stickstofffreie „ , ,,	.	,

Wa8ser	Substanz	Fett Extraktstoffe Kohfaser	Asche

13,7 %	51,9 o/0	0,9 o/0	17,3 «/„	7,0 %	9,2 o/0.

Das vorstehende Verfahren ist dann von E. Plönnis1) dahin ahgeändert,
daß das verwendete Blut erst mit direktem Dampf von 6—8 Atm. gekocht, das aus-
geschiedene Protein-Gerinnsel mit dem Inhalt der Schweinemägen und mit getrocknetem
Panseninhalt der Einder gemischt, das Ganze erhitzt und schließlich getrocknet
wird; diese Masse wird angeblich nochmals mit getrocknetem Pansen- bezw. Blätter-
raageninhalt versetzt und dem staubfein gemahlenen Pulver Melasse als Bindemittel
zugesetzt. Nach den Untersuchungen von B. Schulze2) zeigte dieses Peptonfutter
anfänglich große Schwankungen, z. B. 16,5—22,1 °/0 Wasser, 13,0—24,4 °/0 Stick-
stoff-Substanz in festem Stoff, 4,3—5,9 °/0 Melasse-Stickstoff-Suhstanz, 19,9—27,7 °/0
Zucker usw. In letzter Zeit scheint das Peptonfutter eine gleichmäßigere Be-
schaffenheit angenommen zu haben, indem es durchschnittlich ergab:8) 23,8°/0
Eohprotein, 18,3 % Eeinprotein, 1,0 °/0 Fett, 30,8 °/0 Zucker, 43,0 °/0 sonstige stick-
stofffreie Extraktstoffe.

Auch lauten die Berichte über Fütterungsversuche mit dem Peptonfutter
allgemein sehr günstig. Das rechtfertigt aber immer noch nicht seine Anwendung;
denn diese hängt, abgesehen davon, daß das Peptonfutter leicht schädliche Stoffe
bezw. Keime enthalten kann, von seinem Preise ab und dieser muß infolge der
Herstellungsunkosten für gewöhnliche Fütterungszwecke stets zu teuer werden.4)
Auch muß die Zusammensetzung dem Namen entsprechen, d. h. es muß als Pepton-
futter auch wirklich Pepton enthalten; letzteres konnten aber B. Schulze wie auch
wir in einigen Proben nicht oder nur in geringer Menge nachweisen.

Zur Bestimmung der Albumosen bezw. Peptone werden 10 g oder mehr
einige Zeit in einem 1/2 1-Kolben mit Wasser unter öfterem Umschütteln behandelt,
dann wird mit Wasser bis zur Marke aufgefüllt, durchgemischt und durch ein
trocknes Filter filtriert; von dem Filtrat werden 100 ccm einige Zeit gekocht und,
wenn eine Ausscheidung von Albumin — dieses wird für sich bestimmt —• statt-
findet, filtriert; das Filtrat nebst Waschwasser wird auf ein kleines Volumen
(40—50 ccm) eingedampft und nach S. 212 auf Albumosen und Peptone untersucht.

VI.	Wurzelgewächse, Kartoffeln und Rüben usw.

1. Probenahme. Um eine gute Durchschnittsprobe von größeren Haufen zu
erhalten, wählt man gute Mittelexemplare der größten, mittleren und kleineren
Knollen oder Eüben der Menge nach in dem Verhältnis aus, in welchem die ver-
schiedenen Größen vorhanden sind, und zwar von kleineren Wurzelgewächsen 20—30,
von größeren 9—12 Exemplare; diese werden von den Köpfen, den anhängenden
Wurzelfasern und anhaftender Erde durch Ahspülen sorgfältig gereinigt, mit einem
Tuch von anhaftendem Wasser befreit und einige Stunden an der Luft liegen gelassen.

') Illustrierte Landw. Zeitung 1902, No. 28.

2)	Mitteilungen d. D. Landwirtschafts-Gesellschaft 1902, Stück 13.

8) Ebenda 1904, Stück 2.

4)	Vergl. J. Hansen, Deutsche Landw. Presse 1902, 49.
        <pb n="291" />
        ﻿Wurzelgewächse, Kartoffeln und Rüben.

267

Darauf werden die sämtlichen Exemplare gewogen, um das Durchschnittsgewicht
zu erhalten; wenn die größeren, mittleren und kleineren Exemplare getrennt unter-
sucht werden sollen, werden auch deren Gewichte getrennt ermittelt.

2. Bestimmung des Wassers. Die sorgfältigst gereinigten Knollen oder Rühen
werden in tunlichst dünne Scheiben geschnitten, die Scheiben an vorher gewogenen
Messingdrähten mit Bügel (oder auch an Fäden) aufgereiht, gewogen, in einen
Trockenschrank gebracht und bei 50—60° so lange getrocknet, bis die Schnitte
hinreichend spröde sind behufs Zerkleinerung mit der Schrotmühle.

Im ganzen verwendet man 700—1500 g.

Um eine tunlichst große Anzahl Exemplare verwenden zu können, teilt man
hie Knollen und kleineren Rüben in 2 Hälften und zerschneidet je die eine Hälfte
zu dünnen Scheiben.

Aber auch das würde für große Rübenkörper hei Anwendung von mehreren
Exemplaren zu viel zum Trocknen geben. Diese teilt man daher kreuzweise in
Teile und nimmt von jedem Viertel eine oder mehrere entsprechende Schnitte.
ach dem Trocknen läßt man sie einige Stunden an der Luft liegen, wägt und
zerkleinert auf einer geeigneten Schrotmühle.

I on der vorgetrockneten, gepulverten Substanz werden 5—10 g bis zur Be-
uudigkeit des Gewichtes bei 105—110° weiter getrocknet; die Berechnung des
ursprünglichen Wassergehaltes erfolgt wie bei No. I (Grünfutter) S. 255 u. f.

In anderen Fällen kann man auch den Gehalt an Wasser bezw. an Trocken-
en „stanz in der Weise bestimmen, daß man von dem feinen, mit einer Kartoffel- oder
h enreibe hergestellten, gut durchgemischten Brei 100—200 g in flachen Porzellan-
T, ;en erst auf dem Wasserbade eindunstet, dann anhaltend bis zur annähernden
Inständigkeit des Gewichtes bei 105—110° im Trockenschranke weiter trocknet.

c lerer ist die völlige Austrocknung im Vakuum bei 100°.
g , Die Bestimmung der übrigen Bestandteile erfolgt in der lufttrocknen
’s anz nach den unter A S. 208—251 angegebenen Verfahren.
e , Für die Darstellung des wässerigen Auszuges nimmt man entweder eine
' j)rechende Menge der lufttrocknen Substanz oder auch des feinen, gut durch-
setzen Breies und behandelt diese wiederholt mit ausgekochtem, kaltem Wasser.
3 e-	man Bloß Glukose und Saccharose bestimmen, so zieht man 2 bis

die 1er Bilttrocknen Substanz wiederholt mit 80—85 °/0-igem Weingeist aus, bringt
Best USz11ge au^ ein bestimmtes Volumen und entnimmt hiervon aliquote Teile zur
■’ miniung der Zuckerarten nach S. 227—234.

Die Bestimmung des Zuckers in „Zuckerrüben“ ist weiter unten besprochen,
ge ®o11 auch eine Bestimmung der Stärke — z. B. in Kartoffeln — vor-
Sp ,men werden, so verreibt man eine etwa 3—4 g Trockensubstanz ent-
Wiede ^enge Kartoffel- bezw. Rübenbrei mit kaltem Wasser und läßt unter
Plüss' / .tem tüchtigen Durchrühren eine Stunde stehen. Hierauf gießt man die
Pließ . ?lt} oFne ^en Bodensatz aufzurühren, auf ein Filter von gut filtrierendem
Unter tJ?ler ’ zu^etzt wird das Ungelöste auf das Filter gebracht, mit kaltem Wasser
Dlass I • niner Wasserluftpumpe vollständig ausgewaschen, das Filter auf eine
Pläsch b1,)e ailsgeFreitet und der Inhalt sorgfältig in ein 150—200 ccm fassendes

wie q ooo ®esP*Ut, die Wassermenge auf etwa 200 ccm gebracht und die Stärke,
2ö8 u f ar

Bode S. 241

ii. f. angegeben ist, bestimmt. Vergl. auch das Verfahren von Baumert
3. 241.

We - Bestimmung der Asche ist in zuckerhaltigen Rüben oder Flüssigkeiten
gen ^er schweren Verbrennung der eingeschlossenen Kohle durchweg recht
        <pb n="292" />
        ﻿268

Futtermittel.

schwierig; um eine kohlefreie Asche zu erhalten, muli man die S. 194 unter 2a
angegebenen Hilfsmittel benutzen.

i. Spezifisches Gewicht. Es wird wie bei Kartoffeln ermittelt (vergl. „Spiritus-
fabrikation“).

Man hat aus dem spezifischen Gewicht der Hüben, ähnlich wie hei Kartoffeln,
auf deren Gehalt an Trockensubstanz geschlossen, indes besitzen diese Angaben
nicht die Genauigkeit wie hei Kartoffeln.

Für die Untersuchung der Kartoffeln und Zuckerrüben zu technischen
Zwecken gelten noch besondere Vorschriften, welche hei Zucker- und Spiritus-
hersteilung näher beschrieben werden.

VII.	Ölsamen.

Die Ölsamen lassen sich wegen ihres großen Fettgehaltes durchweg nicht
mit der Schrotmühle zerkleinern; sie müssen in einem geriffelten eisernen Mörser
tunlichst fein zerquetscht und verrieben werden, was wegen der Geschmeidigkeit
der Samen sehr leicht gelingt. Die Untersuchung dieser fetthaltigen Masse geschieht,
wie unter A (S. 208—251) angegeben ist. Es bleibt nur noch folgendes zu beachten:

1.	Für die Fettbestimmung füllt man die zerquetschte Masse (5 g) wie
sonst in die Papierhülse, setzt diese für sich allein in ein Porzellanschälchen,
trocknet 1—2 Stunden bei 90—100° und spült, falls Fett in das Schälchen ein-
gedrungen sein sollte, dieses mit Äther in den Heberextraktionsapparat hezw. in
das Kölbchen und zieht wie sonst 3—4 Stunden aus. Dann nimmt man die Hülse
mit dem entfetteten Rückstand heraus, gibt letzteren tunlichst vollständig in einen
eisernen Mörser, zerkleinert sorgfältig und zieht von neuem 2—3 Stunden aus.

Unter Umständen empfiehlt es sich, die tunlichst zerquetschte und verriebene
Masse (5 g) mit geglühtem Sand (etwa 20 g) im Mörser innig zu verreiben, letzteres
Gemisch in die Hülse zu bringen und auszuziehen; dabei muß die Schale wieder-
holt mit Äther ausgespült und letzterer in den Extraktionsapparat gebracht werden.

M. Lehmann1) hat für den Zweck eine kleine Extraktionsmühle2) her-
gestellt, welche genügend fein mahlt und so klein ist, daß sie mit dem Mahlgut in
den Soxhletschen Apparat eingefügt werden kann.

Man hat für die Technik auch besondere sog. „Oleometer“ zur Fett-
hestimmung angefertigt, von denen das vonVohl am weitesten verbreitet ist. Der
Extraktionsapparat ist dem Soxhletschen Heberextraktionsapparat durchaus ähnlich;
als Extraktionsmittel wird Kanadol, ein zwischen 37—50° siedendes Destillations-
erzeugnis des Petroleums, verwendet und das ausgezogene Fett nach Verdampfen des
Kanadols nicht gewogen, sondern es wird, wie hei der Soxhletschen Milchfett-
Bestimmung, das spezifische Gewicht des Kanadolauszuges ermittelt und daraus auf
den Gehalt an öl bezw. Fett geschlossen. Vohl hat zu dem Zweck besondere
Tabellen für Rüböl, Leinöl, Hanföl, Mohnöl usw. berechnet, aus denen man den dem
spezifischen Gewicht entsprechenden Fettgehalt ablesen kann.

2.	Ranzigkeit der Fette (freie Fettsäuren); hierüber vergl. unter Fett-
bestimmung (S. 223).

3.	Für die Bestimmung der Rohfaser, der Stärke und der in Wasser löslichen
Stoffe sind die zerquetschten und zerriebenen ölsamen vorher mit heißem Alkohol
und Äther auszuziehen und dann erst weiter zu behandeln; dabei nimmt man von
der ursprünglichen gut gemischten Substanz je nach dem Fettgehalt der Samen die

') Chem.-Zeituug 1894, 18, 412.

2)	Zu beziehen von Max Kahler und Martini in Berlin W.
        <pb n="293" />
        ﻿Olsamen.

269

doppelte Menge oder 1/g mehr, als sonst für diese Bestimmungen genommen zu
werden^ pflegt.

4.	Bestimmung des Senfölgehaltes in den Cruciferensamen. Zur Bestimmung
des Senfölgehaltes in den Cruciferensamen empfiehlt 0. Förster1) folgendes Verfahren:

25 g der gepulverten Substanz werden in einem Glaskolben mit Wasser zu
einem dünnen Brei verrührt und nach Verlauf einer halben Stunde Wasserdampf
hineingeleitet, welcher mit dem Senföl sich in einem luftdicht anschließenden,
abwärts geneigten Kühler verdichtet, dessen senkrecht herabgebogene Spitze in
einen etwa 250 ccm fassenden Kolben mit 50 ccm eines mit Ammoniak gesättigten
Alkohols taucht, so daß die Spitze des Kühlers einige Millimeter unter der Flüssig-
eitsoberfläche sich befindet. Nachdem so viel Wasser Uberdestilliert ist, daß die
lüssigkeitsmenge in der Vorlage etwa 200 ccm beträgt, wird die das gebildete
hiosinamin enthaltende Flüssigkeit nach etwa 12-stündigem Stehen im verschlossenen
° ')en in einem Becherglase zum Sieden erhitzt, eine zur Bindung des Schwefels
als ausreichende Menge von in der unten beschriebenen Weise bereitetem
Huecksilberoxyd hinzugesetzt und noch einige Minuten unter Umrühren im Kochen
orhalten. Vor dem völligen Erkalten wird eine zur Lösung des überschüssigen Queck-
' Peroxyds und des durch Einwirkung des Ammoniaks gebildeten Oxydimerkuri-
ammoniumhydroxyds ausreichende Menge Cyankaliumlösung hinzugesetzt und bis
Zl1r völligen Befreiung des Schwefel quecksilbers von anderen Niederschlägen um-
Efortihrt. Das Gewicht des auf gewogenem Filter gesammelten, mit heißem Wasser
ausgewaschenen, getrockneten und gewogenen Niederschlages von Schwefelquecksilber
nill 0,4266 multipliziert, um das Gewicht des zur Zersetzung gelangten Senföls

zu ermitteln.

eine	Quecksllberoxyd wird stets frisch in der Weise bereitet, daß 25 ccm

zu^0/rigen Quecksilberchloridlösung mit überschüssiger Kalilauge versetzt und bis
1 Kochen erhitzt werden; es gelangt mit der Fällungsflüssigkeit zur Verwendung,
j...	Schlicht2) findet nach dem Verfahren von Förster zu niedrige Ergebnisse,

lieh1r *n -Prozenten des Senföles 3,4—7,2 °/0 zu wenig. Er hat das ursprüng-
e Verfahren von

Per

V. Dirks,8) das abdestillierte Senföl durch alkalische

ln an8anatlösung zu oxydieren, dahin abgeändert, daß er das Senföl wie oben
per me Lösung von Permanganat destilliert, die ungefähr 20-mal soviel Kalium-
enthältganat’ a^S ZUr Oxydation der anzunehmenden Senfölmenge erforderlich ist,
qeen ,	1111,1 ferner 1/4 des angewendeten Permanganats an Kaliumhydroxyd. Nach

erwäf6 6r LestiHation wird der Inhalt der Vorlage unter tüchtigem Durchschütteln
das ^as überschüssige Permanganat durch Zusatz von reinem Alkohol zerstört,
filtriert126 ^ 4 * 6 **n bestimmtes Volumen gefüllt, gemischt, durch ein trocknes Filter
jedoch iUn&lt;^ "n e*nem aliquoten Teil des Filtrats die Schwefelsäure bestimmt. Da
reduzi *11 aUS t*ein zugesetzten Alkohol etwa entstehende Aldehyd Kaliumsulfat
säure16 ^a^en Lann, so setzt man zu dem abgemessenen Teil nach Ansäuern mit Salz-
erlialt WaS zu 11 nö fällt erst nach dem Erwärmen mit Chlorbaryum. Aus dem
an SenföT ^aryumsu^at berechnet sich durch Multiplikation mit 0,4249 der Gehalt

uieses Verfahren hat A. SchUcht1) weiter wi^folg^, g|nfsamenpuiver
behandelt 25 g, bei starker Senfölentwickelung •

4) Landw. Versuchs-Stationen 1888, 35, 209.

2) Zeitschr. f. anal. Chemie 1891, 30, 661.

8) Landw. Versuchs-Stationen 1883, 28, !&lt;“•

4) Zeitschr. f. öffentl. Chemie 1903, 9, 37.
        <pb n="294" />
        ﻿270

Futtermittel.

zunächst mit Wasser 4 Stunden bei Zimmertemperatur, bringt dann die Masse zum
Sieden und erhält sie ungefähr 15 Minuten darin. Nach völligem Ahkühlen setzt
man Myrosinlösung zu und läßt diese, ohne zu erwärmen, 16 Stunden einwirken.
Oder man behandelt den gepulverten Samen mit 300 ccm Wasser, in welchem 0,6 g
Weinsäure gelöst sind, 16 Stunden bei Zimmertemperatur. In beiden Fällen war
der Entwickelungskolben von vornherein mit der eine alkalische Permanganatlösung
enthaltenden Vorlage verbunden. Nach dem Digerieren wird in beiden Fällen unter
Vermeidung jeglicher Kühlung möglichst viel aus dem Entwickelungskolben ab-
destilliert. Die Bestimmung der bei der Oxydation des Senföls entstandenen Schwefel-
säure erfolgt wie vorhin angegeben.

M. Fasson1) hat vorgeschlagen, das Senföl in 50—75 ccm Eisessig aufzu-
fangen, indem noch gleichzeitig eine 2. Vorlage mit 20 ccm Schwefelsäure hinzu-
gefügt wird, das ganze Destillat in einem Kjeldahl-Kolben einzuengen und nach
Kjeldahl zu verbrennen.

1 Teil Stickstoff = 7,0715 Teile Senföl, oder 1 ccm 1/10 Normallauge =
0,0099 g Senföl.

In verschiedenen Raps- und Rübsensamen wurden von R. Ulbricht4) sowie
A. Schuster2 3) und Mecke2) nur 0,032—0,154°/0 Senföl — letztere höchste Menge
für indischen Raps — gefunden, in den zugehörigen Ölkuchen aber — auf fett-
freie Substanz berechnet — erheblich mehr, nämlich 0,23—0,79 °/0 Senföl. Diese
Zunahme an Senföl im Rapskuchen gegenüber der Saat wird nach Schuster und
Mecke durch Erwärmen der zerkleinerten Saat auf 70° vor dem Pressen bewirkt.

E. Haselhoff8) konnte indes eine nennenswerte Erhöhung des Senfölgehaltes
durch Erwärmen des Rapssamens auf 70° nicht feststellen und weist ferner nach,
daß die Verfahren von Schlicht und Fasson im wesentlichen gleiche oder hei
ersterem Verfahren durchweg nur etwas höhere Ergebnisse liefern.

R. Ulbricht4) glaubt, daß ein Rapskuchen mit mehr als 0,5 °/0 Senföl in der
Substanz noch nicht beanstandet werden darf, wenn sich der Rapskuchen im übrigen
als rein und fehlerfrei erwiesen hat. Indischer Raps enthält 0,4—0,5 °/0 Senföl.

VIII,	Körner und Mehle der Getreidearten und Hülsenfrüchte.

Die Körner der Getreidearten und Hülsenfrüchte lassen sich für die gewöhnliche
Untersuchung durchweg im natürlichen Zustande hinreichend fein mittels der Schrot-
mühle zerkleinern und mahlen. Palls ein Vortrocknen erforderlich ist, verfährt
man nach S. 254 unter B.

Auch ist die Bestimmung der sonstigen Bestandteile nach den unter A (S. 208
bis 251) angegebenen Verfahren auszuführen.

Zur Stärkehestimmung werden 3 g der fein gepulverten Substanz nach S. 239
unter b verwendet; dabei sind die in Wasser löslichen, in Zucker überführbaren Kohlen-
hydrate (Zucker, Dextrin usw.) ebenfalls zu berücksichtigen und in Abzug zu bringen.

Der Wasserauszug von Getreide- und Mehlarten filtriert oft sehr langsam,
jedoch wird man das Filtrieren durch die bekannten Mittel (Wasserstrahlpumpe,
Asbest-, Filzfilter nach S. 219 usw.) beschleunigen können. Am besten wird freilich
eine Real sehe Presse wirken5); auch kann man, wenn es sich hauptsächlich um

ö Zeitschr. f. angew. Chemie 1896, 422.

2)	Chem.-Zeitung 1892, 16, 1954.

3)	Zeitschr. f. Untersuchung der Nahrungs- und Genußmittel 1898, 1, 235.

4)	Hannoversche land- und forstwirtsoh. Zeitung 1893, 113.

6) W. Pillitz, Zeitschr. f. anal. Chemie 1872, 11, 56.
        <pb n="295" />
        ﻿Körner und Mehle der Getreidearten und Hülseuf'rilchte.

271

die Bestimmung von Zucker und Dextrin im Wasserauszug handelt, die Substanz
in einem Maßkolben einfach wiederholt mit Wasser schütteln, bis zur Marke Unf-
ällen, einen Teil der Flüssigkeit abmesSen, mit Bleiazetat unter Zusatz einiger
Tropfen von Tannin- und Leimlösung fällen und hierauf filtrieren.

Es erübrigt hier noch, einige besondere Verfahren zu besprechen, nämlich:

1. Nachweis von Unkrantsamen. Als \ orprobe zum chemischen Nachweis1)
Von Unkrautsamen im Mehl kann man sich des folgenden Verfahrens von A. E. Vogl2)
bedienen;

2 g Mehl werden in einem Eeagenzrohre mit etwa 10 ccm 5 °/0 Salzsäure
enthaltendem 70 °/0-igen Weingeist kräftig durchgeschüttelt, nötigenfalls auch erwärmt,
a&gt;sitzen gelassen und im reflektierten Lichte die Färbung beobachtet, welche das
‘ gesetzte Mehl und die überstehende Flüssigkeitssäule, besonders an ihrem freien
&gt;^aume, zeigt. Ganz reine und feine Weizenmehle bleiben hierbei rein weiß und die
ussigkeit ist vollkommen farblos, wasserhell, klar, am Saume reinweiß; bei minder
reinen Weizenmehlsorten, bei den gewöhnlichen Eoggen-, Hafer- und Gerstenmehlen
erscheint der Saum gelblich, strohgelb, schwach gelbrötlich, bei den gröbsten Mehlen
gelb oder rötlichgelb.

Eine auffällige Färbung (orange, rot, violett, blau, grün) der Flüssigkeit und
■ anders ihres Saumes deutet auf die Anwesenheit gewisser Verunreinigungen von
' ‘ men oder Früchten, die im Ausreuter Vorkommen, hin. Die Anwesenheit von
en und Taumellolch verrät sich im feinen Weizen- und Eoggenmehle durch
^rangegejt»^ jene von Wicken durch rosenrote, violette oder purpurne, die von
achtelweizen und Klappertopf durch blaugrüne oder grüne, jene von Mutterkorn
rc i fleichrote bis blutrote Farbe.

Zum Nachweis der Kornrade bezw. des darin enthaltenen eigenartigen
11 onins hat A. Petermann3) folgendes Verfahren vorgeschlagen:
beiß ® ^hl werden mit 1 1 Weingeist von 85 °/0 im Wasserbade behandelt und
Nied 1 triert; das Filtrat wird mit absolutem Alkohol gefällt, der sich ausscheidende
dies 6rsc^aS bei 100° getrocknet und mit kaltem Wasser aufgenommen. Fällt man
des Qpi *^uszug wiederum mit absolutem Alkohol, so erhält man durch Trocknen
breti ' 1 lerten Niederschlages ein gelblich-weisses Pulver, welches einen bitteren,
ge ,n®n&lt;*en Geschmack besitzt und leicht in Wasser löslich ist; die Lösung bildet,
®ich f i ^ e*nen lanS anhaltenden Schaum. Zur näheren Feststellung bedient man
keine p-en^er Reaktion: Man versetzt Lösung oder Pulver mit Jodlösung; entsteht
und p ^ jlr*.mng, 80 ist keine Stärke vorhanden; die wässerige Lösung reduziert Silber-
wesenl !^n^scke Lösung, letztere aber erst nach Behandeln mit etwas Salzsäure (Ab-
Bieie ,eit Von Zucker, Anwesenheit eines Glykosids); die wässerige Lösung wird durch
ab®r nicht durch Tannin oder durch Kochen gefällt (Abwesenheit von Eiweiß),
das M&gt;l i ^ei^cus un(i H. Kober4) entfetten behufs Nachweises von Kornrade

erst im Soxhletschen Apparat mit Petroläther, ziehen darauf 20 g und

mehr des entfetteten Mehles heiß mit 80 g Chloroform und 20 g absolutem Alkoho^

*US’ filtrieren möglichst warm unter Zuhilfenahme der Wasseriuftpumpe und dampfen
aS Filtrat auf dem Wasserbade ein. Keines Weizenmehl hinterläßt bei dieser Be
handlung geringe Mengen einer schwach gelben Substanz während von kornrade^
haitigem Mehle mehr Rückstand verbleibt. Der EUckstand wird mit wenig heißem

brin

l) Ein

gen (vergl.

sicherer Nachweis der Unkrautsamen läßt sich nur mikroskopisch er-

2\ a S' weifcer unten).
J E. Vogl, Die wipl

3	— • -gi, Die wichtigsten vegetabilischen Nahrungs- und Genußmittel, 18,1.,

Bulletin de l’Academie de Belgique 1879, aoüt.

) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genu.

Genußmittel 1902, 5, 1077.
        <pb n="296" />
        ﻿272

Futtermittel.

Wasser versetzt, filtriert und wiederum eingedampft. Bei reinem Weizenmehl bleibt
ein nur sehr geringer weißer Beschlag; kornradehaltiges Mehl dagegen gibt einen
bedeutend größeren, gleichfalls fast rein weißen Rückstand. Diese Rückstände mit
einigen Tropfen konzentrierter Schwefelsäure versetzt, liefern bei kornradehaltigem
Mehle nach einigen Minuten erst gelbe, dann braunrote Färbungen, während bei
reinem Weizenmehl 2 Stunden lang die Schwefelsäure fast farblos bleibt. Eine
auftretende schwache Rosafärbung zeigt die Gegenwart von Kornrade an. 1 °/0
Zusatz von Kornrademehl zeigt obige Reaktion schon sehr schön. Handelt es sich
um noch geringere Mengen, so muß eben eine größere Menge Mehl ausgezogen
werden. Es ist empfehlenswert, gleichzeitig einen vergleichenden Versuch mit reinem
Weizenmehl auszuführen.

2.	Nachweis von Mutterkorn. Zum chemischen Nachweis von Mutterkorn
versetzt man in einem Kölbchen nach Hofmann-Kandel1) 10 g des Mehles mit
20 ccm und bei Kleien mit 30 ccm Uber Natrium destilliertem Äther, setzt 1,2 ccm
5 °/0-iger Schwefelsäure zu, schüttelt gut durch und überläßt das verschlossene
Kölbchen 6 Stunden der Ruhe.

Hierauf filtriert man den Kolbeninhalt durch ein kleines, vorher mit Äther
angefeuchtetes doppeltes Filter in einen farblosen, bei 40 ccm mit Marke ver-
sehenen Zylinder (bezw. Reagenzrohr) und wäscht den Rückstand so lange mit
Äther aus, bis das Filtrat 40 ccm beträgt. Das Filtrat wird sodann mit 1,8 ccm
einer gesättigten Lösung von doppelkohlensaurem Natrium versetzt und gut durch-
geschüttelt. In wenigen Minuten sondert sich ein Teil der Flüssigkeit am Boden
des Zylinders ab, der bei Vorhandensein von Mutterkorn je nach der Menge eine
schwache hell- bis stark dnnkelviolette Färbung hat.

Man kann auf diese Weise noch 0,5 °/0 Mutterkorn in Mehl oder Kleie (nach
Hilger sogar noch 0,005—0,01 °/0) nachweisen. Nach L. Medicus und H. Kober (1. c.)
aber ist die Reaktion von Hof mann nicht allein für Mutterkorn kennzeichnend,
sondern tritt auch bei Gegenwart von Kornrade ein.

Andere Unkrautsamen (wie Sauerampfer, Knöterich-, Leguminosen- und Brassica-
Arten) geben diese Reaktion nicht.

G. Lagerheim empfiehlt behufs Nachweises von Mutterkorn das mit salz-
säurehaltigem Wasser behandelte Mehl mittels einer alkoholischen Lösung von
Dimethylamidoazobenzol, Thionin und Safranin zu färben; hierdurch werden die
Mutterkornfragmente gelb gefärbt und können schon bei schwacher Vergrößerung
leicht von den blau, violett oder bunt gefärbten Fragmenten unterschieden werden.

Auf eine Arbeit zur quantitativen Bestimmung des Alkaloidgehaltes,
im Mutterkorn von C. C. Keller2) sei nur verwiesen.

3.	Die Bestimmung des Klebers und der Backfähigkeit eines Mehles (bezw. der
Beschaffenheit des Weizens und Roggens). Die größere und geringere Backfähigkeit
eines Mehles wird vielfach einzig und allein dem Gehalt des Mehles (Weizenmehles)
an Kleber zugeschrieben. Es sind deshalb eine Reihe Verfahren in Vorschlag ge-
bracht, welche darauf hinausgehen, aus einem Weizenmehl (bezw. aus einem zu
Mehl gemahlenen Weizen) den Kleber durch Auswaschen abzuscheiden und die Menge
wie Güte des Klebers zu ermitteln. Auf diesem Grundsatz beruhen das Aleurometer
von Boland3) und das Farinometer von K. W. Kunitz4) in Reudnitz bei Leipzig-

’) Vergl. H. Lauck, Landw. Versuchs-Stationen 1894, 43, 303.

2)	Schweiz. Wochenschr. für Chem. und Pharm. 1894, 44 und 121.

3)	Vergl. 0. Dämmers Lexikon der Verfälschungen, 1887, S. 545.

*) Vergl. Fr. Nobbe in Landw. Versuchs-Stationen 1885, 31, 184.
        <pb n="297" />
        ﻿Körner und Mehle der Getreidearten und Hiilsenfrüohte.

273

Zur quantitativen Bestimmung des Klebers werden nach den Ver-
einbarungen deutscher Nahrungsmittelchemiker1) 23 g Mehl mit 13 ccm Wasser —
am besten gesättigtem Gipswasser — in einer Porzellanschale mit Hilfe eines
Spatels zu einem gleichmäßigen Teig verknetet. Man läßt diesen Teig mit einem Glase
bedeckt 1 Stunde lang liegen und wäscht ihn frei oder in einem Beutel von feiner
Müllergaze eingeschlagen unter dem dünnen Strahle der Wasserleitung so lange
'iusj bis das Waschwasser klar, also frei von Stärke abläuft. Es empfiehlt sich,
V ermeidung von Verlusten das ablaufende Wasser durch ein Sieb aus feiner
1 ällergaze (No. 12) oder feinem Messinggewebe (vergl. S. 175) fließen zu lassen,
?,m auf diesem etwa losgerissene Kleberteile schließlich zu sammeln. Der erhaltene
eher wird in frischem Zustande gewogen, die äußeren Eigenschaften — Farbe,
ennbarkeit — ohne Verzug festgestellt und in einem abgewogenen Teile die beim
rocknen bei 105° verbleibende Trockensubstanz ermittelt.

Die Bestimmung des Klebers ist mindestens zweimal auszufahren.

Nach Boland werden 30 g Mehl mit 15 g Wasser zu einem Teig angerührt,
x°r einige Zeit (1—3 Stunden) stehen gelassen und entweder in einem Leinentuch
er auf einem Haarsieb durch einen Wasserstrahl unter fortwährendem Kneten
‘ ■'gewaschen, der erhaltene Kleber frisch gewogen, alsdann (7 g davon) in dem
- eurometer auf Dehnbarkeit bezw. Zähigkeit geprüft. Kunitz verwendet ent-
Weder ebenfalls
ganzen Mehl.

den ausgewaschenen Kleber oder direkt den Teig aus dem

einf' /'ser macht einen Teig aus dem Mehl und prüft den Grad der Festigkeit
1 c 1 durch Drücken mit dem Finger; je fester der Teig, desto besser ist das Mehl.
tejj Die internationale Jury für die Wiener Weltausstellung2) gründete ihr Ur-
hrai V Ermittelung der Menge Wasser, welche das Mehl zur Teigbildung ge-
je mehr Wasser erforderlich ist, desto mehr Kleber enthält das Mehl.
Und .7°^bin8) behandelt 24 g Mehl mit 186,6 ccm verdünnter Essigsäure bei 93°
der T r- 11 ^aS sPezifische Gewicht der geklärten Lösung; je hoher das spezifische Gewicht
Jsung ist, desto mehr Kleber soll vorhanden und desto besser soll das Mehl sein.
fahic-L- -aC^ Heinrich4) besteht kein bestimmtes Verhältnis zwischen Back-
soll (1 V, llnd Hiebergehalt. Die Brauchbarkeit der Weizensorten für Backzwecke
1 ■ rodukt der Multiplikation des Klebergehaltes mit der Volumvermehrung bilden.
°bacht dlen^e und Mößlinger5) konnten ebenfalls auf Grund mehrjähriger Be-
Hleber«"^611 ^e8ne regelmäßigen Beziehungen zwischen der Backfähigkeit und dem
zur prgehalt feststellen; dagegen glauben sie in folgendem Verfahren ein Mittel
eststellung der Güte der Mehle gefunden zu haben;
füg0I1 7 g Hehl werden mit 100 ccm Wasser und zwar unter allmählichem Zu-
Koiüenm 6iner Horzellansohale fein zerrieben, darauf in einen 250 ccm fassenden
zuletzt PSpUlt’ welcher 1%—2 Stunden in einem Wasserbade bei 60—70° und
Harke , Urze ^eit bei 100d erwärmt wird. Nach dem Erkalten wird bis zur
Serech aU^c^H, filtriert und im Filtrat wie üblich der Zucker (auf Maltose um-
net) ^stimmt; sie fanden so Maltose:

Weizen

Gutes Mehl....................10—20%

Schlechtes Mehl............... 40—60 „

10-15%.

30-50 „

2)	Vereinbarungen z. einheitl. Untersuchung usw., Berlin 1899, Heft II, S. 15.

---------------O'“

8) Dinglers Polytechn. Journal 147, 452.

4) Zweiter Bericht der Versuchs-Station Los 0CU . L ,j angew. Chemie 1884, ^ &lt;&gt;■
6) Korrespondenzbl. d, freien Vereinigung bayer. \

Landwirtschaftliche

agners Handbuch d. Technologie 8, 71.

Stoffe, 3. Auflage.

18
        <pb n="298" />
        ﻿274

Futtermittel.

E. Kayser1) konnte jedoch diese Ergebnisse nicht bestätigen; er erhielt z. B.
für gut backfähiges Mehl nach vorstehendem Verfahren mehr Maltose, als für schlecht
backfähiges Mehl.

Fr. Günther2) berücksichtigte außer der Maltose nach dem Verfahren von
Halenke und Mößlinger auch noch die ursprünglich vorhandene Menge Maltose
(bezw. Zucker) und die freie Milchsäure. Für die Bestimmung der letzteren wurden
10 g Mehl mit einer gleichen Menge gereinigten Sandes in einer Eeibschale innig
gemischt, in eine Papierhttlse gebracht und in einem So xhl et sehen Fettextraktions-
apparat 12 Stunden mit absolutem Alkohol ausgezogen; man bringt die Lösung auf
100 ccm und bestimmt in der einen Hälfte nach Verjagen des Alkohols die Menge
Zucker (auf Maltose berechnet) nach Allihn-Soxhlet, in der anderen Hälfte die
freie Säure (als Milchsäure berechnet), indem man sie mit Lackmustinktur ver-
setzt, so lange kocht, bis keine Farbenveränderung mehr statthat, und wie üblich
titriert. Günther fand auf diese Weise:

				Roggen, ausge-					
	Roggenmehl		gut:	wachsen (Mehl nicht			Weizenmehl,		gut;
				backfähig);					
Bestandteile:				Nied-			Nied- rig st-		
	Nied-	Höchst-	Mittel		Höchst-	Mittel		Höchst-	Mittel
	gehalt	geh alt		gehalt	geh alt		ge halt	geh alt	
	%	01  Io	°/o	•/0	°/o	°/o	°/o	°/o	01  10
Milchsäure		0,023	0,045	0,036	0,059	0,112			0,004	0,023	0,011
Maltose (ursprünglich) .	0,176	0,318	0,210	0.512	1,09	—	0,036	0,106	0,053
Maltose (gebildet) .	.	32,6	47,7	—	48,2	51,3	—	11,9	34,0	—

Hiernach zeigt das nicht backfähige Mehl aus ausgewachsenem Roggen aller-
dings mehr Milchsäure,3) auch mehr Maltose, sowohl ursprünglich vorhandene, als
auch durch Säuerung bezw. Diastase gebildete; indes sind die Unterschiede so ge-
ring, daß sich hierauf kein Unterscheidungsverfahren zwischen backfähigem und
nicht backfähigem Mehle gründen läßt.

M. Märckor hat daher an Stelle aller dieser Verfahren den „zunftgerechten“
Backversuch nach allen Regeln der Praxis in einem wirklichen Backofen gesetzt,
während U. Kreusler4) einen der Praxis nachgeahmten Backversuch im kleinen,
wie folgt, ausführt:

25 g des zu prüfenden Mehles, 12,5 g Wasser, 0,6 g gute Preßhefe und
0,3 g Kochsalz werden in einem passenden Schälchen sorgsam und unter Ver-
meidung eines jeglichen Verlustes gemischt, indem man erst Hefe und Kochsalz im
Wasser verrührt und dann das Mehl allmählich hinzufügt. Man bedient sich
anfangs eines Spatels, später, zum besseren Durchkneten, der Hände; um Verluste
durch Anhaften zu vermeiden, wird etwas Mehl aufgehoben, mit welchem man die
anhaftenden Teilchen losreibt.

') Korrespondenzbl. d. freien Vereinigung bayer. Vertreter d. angew. Chemie 1885, No. !!•

2)	Mitteil, aus dem pharmaz. Institut in Erlangen von A. Hilger, 1889, 2.

8) Bailand (Recherohes sur les blbs, les farines et le pain, Paris &amp; Limoges 1894»
150) findet in altem Mehl ebenfalls mehr Säure, weniger Fett und Kleber, welcher
dabei zum Teil in Wasser löslich wird, z. B.:

Säure	Fett	Kleber

Mehl, 1 Monat alt ... 0,025 °/0 .	1,02 °/0	3,5 °/0.

„	4 Jahre alt . . . . 0,054 „	0,20 „	2,6 „

Außerdem sollen sich in altem Mehl Alkaloide bilden.

4)	Nach „Die Mühle“ 1887, No. 35 in Centralbl. f. Agrikultur-Chemie 1887, 16, 733.
        <pb n="299" />
        ﻿Körner und Melde der Getreidearten und Hülsenfrüchte.

275

Der fertiggestellte Teig wird in eine aus starkem Messingblech hergestellte
Backkapsel gefüllt, welche aus einem annähernd 60 mm weiten und ebenso hohen
Zylinder mit beiderseits ebengescldiffenem Eande besteht; als Deckel und Boden
dient je eine etwas größer bemessene ebengeschliffene Scheibe. Nachdem der Teig
mittels eines kleinen Mörserpistills mäßig fest eingedrückt ist, wird er bei
offener Kapsel 2 Stunden in einem Trockenschrank bei 30° dem Aufgehen über-
lassen, darauf die betreffende Kapsel rasch mit dem zugehörigen Deckel und Draht-
Verschluß versehen und 20 Minuten lang in einem inzwischen bereits auf 250° er-
wärmten Olbade1) ausgebacken. Man nimmt die Backkapseln rasch heraus, läßt
sie erkalten, schiebt das Gebäck heraus und ermittelt das Volumen, wie folgt:

Ein zylinderförmiges Glasschälchen mit ebengeschliffenem Bande und so groß,
daß beim Einbringen des größten Probegebäckes allerseits noch 8—10 mm Spiel-
raum verbleibt, wird unter behutsamem Einrütteln mit Glasperlen bis zum Über-
ln"J'en angefüllt, der Überfluß mit einem glatten Stäbchen abgestrichen und der Inhalt

lauf.

m

einen graduierten Zylinder gebracht, indem man vorsichtig rüttelt und aufstößt,
aus Nachdem so mehrmals der Inhalt des Glasschälchens ermittelt ist, gießt man
dem Zylinder so viel Glasperlen in das Glasschälchen, daß dessen Boden etwa
*10ch damit bedeckt ist; darauf drückt man das Brötchen sanft ein, füllt den
o-?1 bleibenden Baum unter leichtem Bütteln wie vorhin ganz mit Glasperlen aus,
und (^6 ^gestrichenen, überschüssigen Glasperlen wieder in den Zylinder zurück
im r,er^hbrt das Volumen des Gebäckes aus der Differenz des Glasperlenvolumens
ylinder vor und nach dem Versuch.

schied ®ang®l an diesem Verfahren wird bezeichnet, daß dabei nicht das bei ver-
i enen Mehlsorten höchst verschiedene Vermögen der zur Teigbildung erforderlichen
keit eiautnahme, worin seitens der Müller und Bäcker das Hauptmerkmal der Backfähig-
gesucht wird, Berücksichtigung findet.

kitZe ''' Lieberlnann3) benutzt wiederum die Dehnbarkeit des Klebers beim Er-
Ye , zur Bestimmung der Backfähigkeit der Mehle, wendet aber ein etwas anderes
T,ren ;lr|. indem er das Volumen des e-ebackenen Klebers in ähnlicher Weise

"le XL K

indem er das Volumen des gebackenen Klebers in ähnlicher Weise
reusler für das gebackene ganze Mehl bestimmt. 20 g Mehl werden

mit io cut,ler tur das gebackene ganze Mehi bestimmt. 20 g Mehl werden
Wasch» CCm £esa,Xtigtera Gipswasser eingeteigt, der Kleber sorgfältig unter Aus-
öibadg611 ^esammelt, in eine durchlöcherte Metallkugel gebracht, diese in einem
Weiter lU^. *^° ei-hitzt und von der Kleberkugel das Volumen bestimmt. Des
die (&gt;(VU S&lt;d aul das Original verwiesen; ebenso auf eine Arbeit von Th. Kosutäny,8)
• e des Weizenmehles durch den Festigkeitsprüfer von Eejtö zu ermitteln.
Von ü ‘ ‘&gt;_eHnick4) hat ein dem Kreuslersehen ähnliches Backverfahren mit dem
0,6 p v eB&gt;gerichteten Apparat „Artopton“ vorgeschlagen, indem er 30 g Mehl,
in Kuo. 'JtrdurDXtar‘I)°nat und 1,0 g Weinstein mit 18,20 oder 22 ccm einteigt, diese
0.	und darauf in dem Apparat mit 11 ccm Spiritus erhitzt.

Verseili i ^at aber Sauden, daß auch dieses Verfahren die Unterschiede in der
Auch p p6n Backfähigkeit der Mehle nicht scharf genug hervortreten läßt,
eine Bel Iwanow0) spricht dem Artopton, ebenso dem Farinometer von Kunis,
' - eutung für die Beurteilung der Backfähigkeit der Mehle ab.

von c pBas Ölbad wird von Mechaniker Wolz in Bonn, die anderen Teile des Apparates
2\ ®r ardt daselbst geliefert.

3\ j61 s&lt;dlr- X Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1901, 4, 1009.

4 vT11, f' Landwirtschaft 1903, 51, 331.

6\ pk* S, ' L Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1899, 2, 875.

) Ebenda 1902, 5, 449.

) Menda 1902, 5, 666,

18*
        <pb n="300" />
        ﻿276

Futtermittel.

Zu demselben ungünstigen Urteil über die vorgenannten Apparate und Ver-
fahren gelangen K. Korners und v. Haunalter,1) ebenso A. Maurizio.2) Erstere
beiden Untersuchen halten indes im Gegensatz zu M. Fischer,3) der nur den
zunftgerechten Mahl- und Backversuch gelten lassen will und einen tunlichst hohen
Feinheitsgrad des Mehles als maßgebend bezeichnet, den Laboratoriumsbackversuch für
völlig ausreichend, wenn die üblichen Fehlerquellen hierbei beseitigt werden. Letztere
bestehen: 1. In der Verwendung eines ungleichmäßig beschaffenen Gärmittels (Preßhefe
oder Backpulver); sie empfehlen die Anwendung der Büchner sehen Zymase, der sog.
„sterilen Dauerhefe“ oder des „Zymins“, welches von der Firma Schröder in München
oder durch E. Merck in Darmstadt bezogen werden kann und in einer Menge von 2 g
auf 25 g Mehl bei 27—30° angewendet werden soll. 2. In der Verwendung einer gleichen
Menge Wassers für jedes Mehl; es muß die erforderliche Menge Wasser dem jedesmaligen
Mehle angepaßt und davon nur so viel genommen werden, daß ein Teig von mög-
lichst gleicher Festigkeit erhalten wird; je besser ein Mehl ist, um so größer ist
durchweg zur Erzielung einer gleichen Festigkeit des Teiges seine Wasseraufnahme-
fähigkeit. 3. In der Feststellung des Volumens der Gebäcke; die Verfasser empfehlen
zu dem Zweck statt der bis jetzt üblichen Verwendung von Blei-, Glas- oder Sand-
schrot ein Überziehen des Gebäckes mit Paraffin, Feststellung des Überzuges von
Paraffin durch Wägen des Gebäckes vor und nach dem Überziehen, sowie Ermittelung
des spezifischen Gewichtes in einem besonderen Pyknometer durch Wasserverdrängung,
wobei das spezifische Gewicht des Paraffins berücksichtigt werden muß.

A. Maurizio empfiehlt dagegen zur Bestimmung des Volumens der Gebäcke
Bleischrot in starken Eisen- oder Glasgefäßen und hält das spezifische Gewicht des
Brotes für einen besonders wichtigen Maßstab zur Beurteilung der Backfähigkeit
eines Mehles; er fand:

Beste Mehle Mittelgute Mehle Geringe Mehle

Volumen des Brotes aus je 100 g Mehl 560—580 ccm 400—480 ccm 250—350 ccm.
Spezifisches Gewicht des Brotes . . . 0,23—0,28	0,35	0,46 und mehr.

Im Gegensatz zu diesen Verfahren zur Bestimmung der Backfähigkeit der
Mehle hat E. Fleurent4) ein ganz anderes, rein chemisches Verfahren vorgeschlagen.
Nach E. Fleurent4) hängt die Baokfähigkeit eines Weizenmehles nicht von dem
Gehalt an Gesamtkleber, sondern von dem Verhältnis der darin enthaltenen Protein-
stoffe, namentlich von dem Verhältnis des in Alkohol unlöslichen Glutenkaseins
(von Fleurent Glutenin genannt) zu dem in Alkohol löslichen Gliadin (und sonstigen
alkohollöslichen Stickstoff-Verbindungen) ah; dieses Verhältnis von Glutenin (Gluten-
kasein): Gliadin soll wie 25:75 sein; eine Veränderung dieses Verhältnisses irgend
welcher Art bedingt eine geringere Backfähigkeit des Mehles. Zur Ermittelung
dieses Verhältnisses benutzt E. Fleurent ein ziemlich umständliches Verfahren.

Man bereitet zuerst eine alkoholische Kalilösung aus 70%-igem Alkohol
und 3,0—3,5 g Kali in 1 1, stellt sie genau gegen Normalsäure ein und be-
rechnet den Wirkungswert auf kohlensaures Kalium (K.2COg). Darauf bereitet man
aus 33,33 g Mehl in gebräuchlicher Weise den Kleber, zerschneidet ihn in Stücke,
verreibt diese in einem Mörser mit der alkoholischen Kalilösung, spült unter An-
wendung von im ganzen 80 ccm der Kalilösung in eine geeichte Flasche (von
150 bezw. 250 ccm), setzt Glasperlen zu und läßt unter öfterem ümschütteln 36 bis

J) Zeitachr. d. landw. Versuchs Wesens in Österreich 1902, 5, 1225.

2)	Landw. Jahrbücher 1902, 31, 179.

3)	Pühlings Landw. Zeitung 1902.

4)	Ann. Science Agronom. 1898 [2], 4, I, 371; vergl. Zeitschr. f. Untersuchung der
Nahrungs- und Genußmittel 1899, 2, 583.
        <pb n="301" />
        ﻿Körner und Mehle der Getreidearten und Hülsenfrüchte.

277

48 Stunden bezw. so lange stehen, bis aller Kleber fein flockig zergangen ist. Man
leitet alsdann Kohlensäure bis zur Sättigung ein, füllt mit 70%-igem reinem Alkohol
auf 150 ccm — bei großen Mengen Kleber auf 250 ccm — auf, schüttelt gut um
und filtriert; 50 ccm des Filtrats werden eingedampft, bei 106° bis zur Gewichts-
beständigkeit getrocknet, gewogen und so nach Abzug des in 50 ccm vorhandenen Kalium -
karbonats die Menge der in Alkohol löslichen Kleberproteinstoffe (Gliadin usw.) erhalten.

Dadurch, daß man entweder den aus 33,33 g Mehl erhaltenen Gesamtkleber
bestimmt, oder dadurch, daß man 50 ccm der alkoholischen Kleberemulsion (also
Blutenkasein + Gliadin) ebenfalls eindampft, bei 105° trocknet, wägt, von diesem
Rückstand ebenfalls die vorhandene Menge Kaliumkarbonat abzieht und von dem so ge-
fundenen Gesamtkleber die erstere in Alkohol lösliche Menge in Abzug bringt, erhält
man die Menge Glutenkasein oder Glutenin, d. h. den alkoholunlöslichen Anteil. Beträgt
z- B. die Menge des Gesamtklebers 7,47°/0, die des alkohollöslichen Anteiles 5,62 °/0.
80 ist die Menge des Glutenkaseins 7,47—5,62 = 1,85 °/0 oder das Verhältnis von
letztere

fern zu ersterem wie 24,75 : 75,25.

Die Nachprüfungen dieses Verfahrens von z. B. A. Maurizio,

Hamann.

g	*	w	/	,

1 uyder, Kosutäny, Korners und v. Haunalter, W. Schneidewind und Mit-
arbeitern,1) sowie von Verf. und Eintelen2) iiaben aber die Beziehungen zwischen
et Backfähigkeit und Fleur ent sehen Verhältniszahl bei weitem nicht immer hervor-
eten lassen; es sind zum Teil sehr abweichende Verhältniszahlen erhalten worden,
as hat seinen Grund in den nicht unerheblichen Fehlerquellen des Verfahrens,
dämlich einerseits darin, daß das, was man als Kleber bezeichnet und wägt, kein
ei . feiner Kleber ist, sondern noch mehr oder weniger Stärke, öl, Mineralstoffe
alt V1 . ®t, andererseits darin, daß sich der Kleber äußerst schwierig durch die
sich 10 'sc^e Kalilösung verteilen läßt. Aus dem Grunde und weil das Verfahren an
da ■' ZU Umskä.ndlich ist, hat E. Fleurent8) ein neues Verfahren angegeben, welches
besteht, daß man 5 g Mehl 2J/2—3 Stunden lang mit 150 ccm Alkohol von
son	scbüttelt und das spezifische Gewicht der Lösung bei 20° mit einem be-

eint -f8 einSerichteten Aräometer, dem Gliadimeter bestimmt; dasselbe hat 2 Grad-
jjjj pUn§en) die eine zur Feststellung des vorgeschriebenen Alkoholgrades, die andere
beio- rnU1^e^lnS des spezifischen Gewichtes der Gliadinlösung. Aus einer dem Apparat
Sebiu- en R^belle erfährt man den dem spez, Gewicht entsprechenden Gliadin-
a in 100 Teilen trocknen Klebers.

Verf	^weifei igt folgendes hier von Verf. und Eintelen ausgearbeitete

ns\v • T Ebener zur Bestimmung des Verhältnisses von Glutenkasein zu Gliadin
Bißs-w an	aus 30 g Mehl, wie oben angegeben ist, den Kleber mit gesättigtem

füllt aSS6r ^er’ wä8't ibn feucht, löst ihn in 60—100 ccm Kjeldahl-Schwefelsäure,
läßt Ul!tGr Machspülen mit derselben Schwefelsäure in ein 250 ccm-Kölbchen um.
entsnr1* , en’ füllt auf 250 ccm, mischt und entnimmt je 25 ccm (also 3 g Mehl
feiend) zur Bestimmung des Gesamtkleber-Stickstoffs nach Kjeldahl.

7qoj j einer werden 20 g des Mehles in einem Literkolben mit etwa 800 ccm
Sehättf6m ^bohol übergossen, 1 Stunde bei gewöhnlicher Temperatur mit einem
deagelbe'^afa* geschüttelt, die Flüssigkeit nach dem Schütteln mit Spiritus von
trocknestZur ^arb0 aufgefüllt, sorgfältig gemischt und durch ein
in eine,, v-ter fRtriert- Von dem Filtrat werden 200 ccm (4 g Mehl entsprechend)
,1 eldahl-Kolben gebracht, unter Zusatz von einigen Tropfen Schwefel-

) Landw. Jahrbücher 1904, 33, 269.

■ ’utelen, Inaug.-Dissertation, Münster i. W. 1905.

' L°mPt- Mnd. 1901, 132, 1421.
        <pb n="302" />
        ﻿278

Futtermittel.

säure im Wasserbade oder über einer kleinen Flamme bis auf etwa 20—30 com einge-
dunstet, erkalten gelassen, dann mit 20 com der Kjeldahl-Scbwefelsäure versetzt
und wie üblich weiter behandelt; man erhält auf diese Weise den Stickstoff der in
Alkohol löslichen Kleberproteinstoffe (des Gliadins nach Fleurent) und vermeidet
die Ungenauigkeiten, welche durch die Beimengungen zum rohen Kleber bedingt sind.
Ob aber auf diese Weise bessere Beziehungen zwischen der Backfähigkeit des Mehles
und dem Verhältnis von Glutenkasein (Glutenin) zu Gliadin usw. erhalten werden,
erscheint nach einigen hiesigen Untersuchungen zweifelhaft.

4.	Bestimmung der wasserbindenden Kraft des Mehles (die sog. Teigprobe).
Nach vorstehenden Ausführungen hängt die Beschaffenheit eines Mehles wesentlich
mit der Größe der wasserbindenden Kraft zusammen. Zur Bestimmung derselben
wird nach Kupp1) eine beliebige Menge Mehl in einer geräumigen Porzellanschale
2—3 cm hoch auf geschichtet und in die Oberfläche des Mehles mit einem geeigneten
Gegenstände, z. B. mit einem kleinen Schälchen, eine Mulde geformt, in welche
man genau 10 ccm Wasser vorsichtig einfließen läßt. Man rührt nun von dem
Mehle mittels eines Glasstabes so viel in das Wasser, bis eine kompakte, am Glas-
stabe hängen bleibende Masse gebildet ist. Letztere wird auf die mit Mehl gut
bestreute Handfläche gebracht und noch so viel Mehl eingeknetet, bis ein nicht
mehr an den Fingern klebender, zusammenhängender, steifer, aber noch leicht
knetbarer Teig entstanden ist.

Die so hergestellte Teigmasse wird gewogen und die wasserbindende Kraft
des Mehles nach folgendem Ansätze berechnet:

G—10: 10= 100; W, '

worin W die wasserbindende Kraft des Mehles, ausgedrückt in Teilen Wasser,
welche 100 Teile Mehl zu binden vermögen, G das Gewicht des erhaltenen Teiges
bedeutet. Der Versuch ist mindestens dreimal anzustellen und aus den Ergebnissen
das Mittel zu nehmen. Auf

6.	Die Terkleisterungsprobe von Halenke und Mößlinger,2 3)

ö. Die diastatische Probe,

7.	Die Bamihlsche Probe8) zur Feststellung von Weizenmehl in Roggen-
mehl will ich hier nur hinweisen.4 *)

8.	Milbenprobe.4) 300—500 g des fraglichen Mehles werden in einem weißen
Pulverglase durch Aufstoßen auf Holz oder Tuchunterlage dicht zusammen-
geschüttet und die Oberfläche geebnet. Nach längerem Stehen (mindestens 24 Stunden)
zeigen sich hinter den Glaswandungen die bekannten, durch die Bewegungen der
Milben verursachten Gänge und die Oberfläche erscheint bei Anwesenheit größerer
Mengen von Milben eigenartig verändert (fein gefurcht).

9.	Nachweis und Bestimmung von Alaun, Kupfer, Zink, Blei. Alaun, Kupfer-
und Zinksulfat werden mitunter dem Mehle zugesetzt, um die Backfähigkeit
aufzubessern; Blei bezw. Bleiverbindungen können unter Umständen aus den Ge-
rätschaften (aus mit Blei ausgebesserten Mahlsteinen) ins Mehl gelangen. Bein1
Nachweis dieser Verbindungen ist zu berücksichtigen, daß sehr geringe Mengen
Aluminium-, Kupfer- und Zink-Verbin düngen in jedem Mehl — aus dem natürlichen
Getreidekorn herrührend — Vorkommen können; es muß daher wenigstens für die
Schwermetalle eine quantitative Bestimmung ausgeführt werden.

*) Eupp, Nahrungs- und Genußmittel, Heidelberg 1894, 181.

2)	Korrespondenzbl. d. freien Vereinigung bayr. Vertreter der angew. Chemie 1884, No !•

3)	Zeitschr. f. analyf Chemie 1871, 10, 366.

4)	Vergl. Vereinbarungen zur einheitlichen Untersuchung und Beurteilung v°®

Nahrungsmitteln usw., Berlin 1899, H. Heft, 16, 17, 19 und 20.
        <pb n="303" />
        ﻿Körner und Mehle der Getreidearten und Hülsenfrüchte.

279

a)	Nachweis von Alaun. Zum Nachweise von Alaun1) wird das Mehl
111 einem Prohierglase mit etwas Wasser und Alkohol durchfeuchtet. Dann
Werden einige Tropfen frisch bereiteter Kampecheholztinktur (5 g Kampecheholz
auf 100 ccm 96 °/0-igen Alkohol) zugefügt, das Ganze wird gut umgeschüttelt und
das Glas mit gesättigter Kochsalzlösung aufgefüllt. Bei einem Alaungehalte von
0,05—0,10 °/0 nimmt die überstellende, klar gewordene Flüssigkeit eine blaue, bei
emem Alaungehalte von 0,01 °/0 eine violettrote Färbung an.

h) Bestimmungen von Kupfer, Zink und Blei. 25 g Mehl werden in
einem geräumigen, zur Erhitzung auf freiem Feuer geeigneten Eundkolben mit
0 10 g Kaliumsulfat2) und mit 30 ccm konzentrierter reiner Schwefelsäure versetzt.
■Nach tüchtigem Umschütteln ist die Masse in etwa 10 Minuten ohne Anwendung
win Feuer zur Trockne verkohlt. Nun erhitzt man den Kolben unter allmählichem
Zu fügen von jedesmal 10 ccm konzentrierter Schwefelsäure bei ganz kleiner Flamme.

lese Behandlung wird in drei Absätzen in ungefähren Zwischenräumen von
10 Minuten wiederholt, so daß man nunmehr im ganzen etwa 60 ccm kohzentrierter
Schwefelsäure verbraucht hat. Nach etwa halbstündigem Erhitzen kann man die
noch fohlenden etwa 65 ccm Schwefelsäure zufügen und, ohne ein Uberschäumen
er Masse befürchten zu müssen, stärker erhitzen. Die vollkommene Aufschließung
zur Erzielung einer wasserhellen Flüssigkeit ist in etwa 5 Stunden beendigt.

bis

Der

gesamte Rückstand soll nicht mehr als höchstens 20 ccm betragen; ist die ge-
nügende Aufschließung früher erfolgt, so verdampft man die überschüssige Säure
n einer Platinschale bis zu diesem Volumen, wobei der in dem Aufschließungskolben
. mdliche Rest bis zur weiteren Verwendung beiseite gestellt wird. Das Ganze
''lr(l nach dem Erkalten mit destilliertem Wasser bis zu 250 ccm verdünnt und
].Ur Oxydation des etwaigen Ferrosulfates mit etwas Salpetersäure erwärmt. Man
den Flüssigkeit abkühlen, übersättigt mit konzentriertem Ammoniak und filtriert
mit p11 . an&lt;*enen gelblichen Niederschlag nach einigem Stehen ab. Das Filtrat wird
. ^ ssi£saure schwach angesäuert und mittels Schwefelwasserstoffes auf Zink ge-
, . -Entsteht ein weißer Niederschlag von Schwefelzink, so wird mit Wasser
w Unnt und der Niederschlag nach 24-stündigem Stehen abfiltriert, mit Schwefel-
und erSt0ff Unc^ Ammoniumnitrat enthaltendem Wasser ausgewaschen, geglüht
in * 4 a'S. ®nkoxyd gewogen. Sollen größere oder kleinere Mengen als 25 g Mehl
rei rbeit genommen werden, so sind für je 1 g Mehl etwa 5 ccm konzentrierter
Mo01 ^Lwefelsäure in Anwendung zu bringen; die Anwendung von größeren
'Sen als 25 g Mehl erscheint jedoch nicht ratsam.

Schvv tn g^e'c^er Weise kann die Zerstörung der organischen Substanz mittels
Verwe Msäure auch zum Nachweise und zur Bestimmung anderer Metalle im Mehle
saur en&lt;JunS finden. Der Nachweis bezw. die Bestimmung erfolgt in der schwefel-
611 Lösung nach den bekannten Verfahren,
dem y10’ N,llcll"cis des Ölens des Weizens. Das ölen des Weizens geschieht zu
erhöh Weck’ um das Hektolitergewicht eines Weizens von geringer Beschaffenheit zu
11 ’ denn durch ölen3) fügen sich die Weizenkörner dichter aneinander, es

^itlichei^rr0*1 L-erz, Eepert. f. anal. Chemie 1886, (i, 359; vergl. Vereinbarungen zur ein-

2)	jj. ntersuchung der Nahrungsmittel usw., Berlin 1899, Heft II, 14.

vveil eg s: !e Vereinbarungen schreiben Zusatz von Quecksilber vor; dieser Zusatz ist aber,
befördert ei U(ni den Nachweis anderer Metalle handelt, nicht empfehlenswert; Kaliumsulfat

3)	^ ®nfalls die Verbrennung und ist in diesem Palle vorzuziehen (S. 137).

Schaufeln H ^^9^ hg Weizen verwendet man 1/i— 1 kg Öl; man taucht in letzteres

n wirft mit den geölten Schaufeln den Weizen um.
        <pb n="304" />
        ﻿280

Futtermittel.

gehen mehr Körner in das Hektoliter, und wenn dieses 78 kg statt 75 kg wiegt, wird
der Weizen verhältnismäßig viel höher bezahlt.

Der Nachweis des Ölens ist kaum, wenigstens nicht immer, mit Sicherheit zu er-
bringen.

Wir behandelten') 2 Stunden je 1 kg ungeölten und geölten Weizens in der Kälte
mit 700 ccm Äther, gossen ab und spülten den Weizen mit weiteren 600 ccm Äther ab.
Der Äther wurde filtriert, verdunstet und der Fettrückstand gewogen; nicht geölter Weizen
gab auf diese Weise 0,90—1,02 0/„ Fett an den Äther ab, geölter dagegen 0,99—1,17°/,,,
also nur ganz unwesentlich mehr, was bei den geringen angewendeten Mengen Öl zu er-
warten ist.

Nach Himly soll man den fraglichen Weizen in einem Glase mit etwas Bronze-
pulver schütteln, die Körner dann auf trocknes Papier bringen und damit etwas abreiben.
Ist der Weizen geölt, so überzieht er sich mit der Bronze und vergoldet sich gleichsam;
ungeölter Weizen dagegen reibt sich leicht ab, es bleibt nur in der Kerbe und an den
Haaren, dem sogenannten Bart, etwas hängen.

Ähnlich wie Bronzepulver verhält sich Kurkumapulver; die Unterschiede treten
hier sogar etwas deutlicher hervor.

Ein anderes Verfahren besteht darin, daß man ein absolut fettfreies Becherglas mit
Wasser füllt und etwas Kampferstaub auf die Wasserfläche streut. Die Kampferteilchen
geraten in eine lebhafte Bewegung; diese hört aber auf, wenn man geölten Weizen in
das Becherglas gibt; sie bleibt dagegen, wenn der Weizen nicht geölt ist.

Die Prüfungen mit Bronze- und Kurkumapulver sind im allgemeinen noch zuver-
lässiger als letztere, indes auch nicht so zuverlässig, daß sich hiernach mit Sicherheit-
geölter und nicht geölter Weizen unterscheiden ließe. Wenigstens soll man stets nicht
geölten und selbst geölten Weizen zum Vergleich heranziehen, um nicht irre zu gehen.

11.	Bestimmung des Volumgewichtes. Zur Bestimmung des Volum ge wichtes
des Getreides kann irgend eine zuverlässige Getreidewage* 2 * * *) benutzt werden (vergl.
Untersuchung von Sämereien).

12.	Die zolltechnische Prüfung des Mehles. Für eingeführtes Getreide braucht
kein Zoll entrichtet zu werden, wenn dafür eine entsprechende Menge von Mehl wieder
ausgeführt wird; es wird angenommen, daß aus 100 kg Roggen 65 kg, aus 100 kg
Weizen 75 kg ausfuhrfähiges Mehl gewonnen werden können. Um zu sehen, ob nicht
etwa Mehl von einer größeren Ausbeute oder nur grobes Mehl mit höherer Ausbeute
nach Entfernung der feinen Mehlanteile (No. 0) für die Ausfuhr genommen ist, dient;

a) die Beurteilung des Mehles nach der Farbe, für welche fest-
gelegte Muster oder Typen zumVergleich dienen, bezw. das Pekarisieren.
Zur Erkennung der Farbenunterschiede formt man auf einer Glasscheibe oder besser
auf einem dünnen, glatten (geölten) Brettchen von hartem Holze aus etwa 2 Tee-
löffeln (15—20 g) des fraglichen Mehles ein Parallelopiped von etwa 5 cm Länge,
3 cm Breite und 3 mm Höhe, indem man die Oberfläche mit einer zweiten Glas-
scheibe durch Aufpressen oder durch Auflegen eines Stückchen starken Schreib-
papieres und durch Flachdrucken mit einem Lineal ebnet und durch Beschneiden mit
dem Messer für eine scharfe Begrenzung sorgt, oder man bedient sich eines besonderen
Formstechers,8) mit dem man aus dem Mehl ein Rechteck heraussticht. Durch
Vergleichung der Farbe dieser Rechtecke mit den festgelegten Mehltypen lassen
sich schon geringe Unterschiede erkennen. Die Farbenunterschiede treten aber noch
deutlicher hervor, wenn man das Brettchen mit den Mohlrechtecken, vorsichtig

]) Vergl. H. Weigmanu, Chem.-Zeitung 1888, 12, 1358.

2) Für Preußen wird der Getreideprober von Sommer und Runge in Berlin SW.,

Wilhelmstr. 122, empfohlen.

*) Der Formstecher wird zum Preise von 1,50 Mk. von dem Modellschlosser Külitz,

Berlin N., Invalidenstr. 42, angefertigt.
        <pb n="305" />
        ﻿Körner und Mehle der Getreidearten und Hülsenfrüchte.

281

schräg haltend, einige Minuten unter Wasser taucht, Ws keine Luftblasen mehr
aufsteigen. Das Verfahren heißt „Pekarisieren“ (nach dem Erfinder Pekar).

b)	Beurteilung nach dem Aschengehalt. Wenn die Beurteilung des
Hehles nach der Farbe durch Vergleichung mit den Mehltypen zweifelhaft bleibt,
so soll zur Beurteilung auch der Aschengehalt mit herangezogen werden. Je
geringwertiger ein Mehl ist, je mehr Kleie es enthält, desto höher ist der Aschen
gehalt; es sind daher auch für letzteren Grenzwerte festgestellt, nämlich:

in der lufttrocknen in der Trocken-
substanz	Substanz

Höchstgehalt für	Weizen-Exportmehl . . .	2,22%	2,50%

„	„	Koggen- „	...	1,73 „	1,92 „

Niedrigstgehalt „	Einfuhr-Kleie aller Art . .	3,70 „	4,10 „

Zur Bestimmung der Äsche werden 2 g angewendet und unter Benutzung der
.195 angegebenen Hilfsmittel und einer kleinen Flamme so verascht, daß die Asche
rem weiß ist und nicht zusammensintert.

Da der Weizen eine dickere, holzigere Schale hat als der Roggen, so enthält
grobes Weizenmehl mehr Asche als grobes Roggenmehl.

c)Die Siebprobe. Falls durch Vermischen von gutem und geringem
oggenmehl und grobes Mahlen mehr als 70 °/0 Ausbeute erzielt worden sein sollten,
. e daß gegen die Typen verstoßen worden ist, so kann man dieses durch Er-
mittelung des Kleiengehaltes feststellen, indem beim Sieben durch Müllergaze No. 7
61 solchen Mehlen bis 20 °/0 Kleie und Gries auf dem Siebe bleiben, während von
er Type kaum 5 °/0 Rückstand sich ergeben.

j Nach der Verordnung vom 1. Januar 1898 für Getreidemühlen und Mälzereien
als gebeuteltes Weizenmehl nur das anzusehen, welches höchstens 7 °/0 Rück-
ßd, als gebeuteltes Roggenmehl das, welches höchstens 3 °/0 Rückstand hinterläßt,
mi dieses festzustellen, werden je 50 g Mehl 2-mal 3 Minuten mit einem Siebe
licht ' we^c^es durch Überspannen eines rechteckigen Holzrahmens von 22 cm

p-a j.6,1 Hänge, 15 cm lichter Breite und 5 cm Höhe mit Müllergaze No. 81) her-
gestellt ist.

dar" ®esDmm«ng des Alkaloi'dgehaltes der Lupinen, bezw. des giftigen Stoffes

Die Lupinenkörner können 0,1 bis zu 1,0 °/0 Alkaloide enthalten, denen
dah'Ue Giftigkeit der Körner bezw. des Lupinenheus zugeschrieben hat. Man ist
Destin SC^°n se4b lallgem bestrebt, diese näher zu kennzeichnen und quantitativ zu

. Übergebung der älteren Verfahren (von Eichhorn, Beyer, Siewert)
mmgej1 ^16r Verfahren von G. Liebscher,2) M. Hagen,8) G. Baumert4) kurz
Lite-0Utet und bezüglich eingehenderer Untersuchung und der einschlägigen
‘ plr auf die angeführten Quellen verwiesen werden.

(ttieh lernach wird eine nicht zu geringe Menge gemahlener Lupinenkörner
gez(,«.(1&lt;	bis etwa 1000 g) mit salzsäurehaltigem Alkohol wiederholt aus-

ürul b6^’ &lt;*er Alkohol verdunstet, der Rückstand mit Kalihydrat alkalisch gemacht
Stoffe'111 Hetroleumäther ausgeschüttelt. Da letzterer Auszug noch immer Farb-
Seschtittri&lt;1 ^ette entLält, so wird er mit salzsäurehaltigem Wasser durch-
gehohep6^’- We*cbes die Alkaloide wieder aufnimmt; der Petroleumäther wird ab-
—.____n&gt; die wässerige salzsaure Lösung der Alkaloide abermals mit Soda und

) Eu beziehen von Gebr. Stallmann in Dortmund.

■2 Huhn, Berichte aus d. landw. Institut d. Universität Halle 1880, Heft 2, 53.
4 ~benda 1886, Heft 6, 46.

) 4/andw. Versuchs-Stationen 1882, 27, 15 und 1884, 80, 295.
        <pb n="306" />
        ﻿282

Futtermittel.

Kaliumhydroxyd zerlegt und mit Äthyläther völlig ausgeschüttelt. Nach dem Ab-
destillieren des Äthers bleiben die noch immer etwas verunreinigten Alkaloide als braune,
ölige Flüssigkeit zurück, die beim Erkalten unter Umständen kristallinisch erstarrt.

Zur weiteren Trennung der Alkaloide wird der Rückstand — wegen der
großen Empfindlichkeit der Lupinenalkaloide gegen Sauerstoff im Wasserstoff ström
— wiederholt destilliert und auf diese Weise das „Lupinin“ (C21H40N2O2), welches
den niedrigsten Siedepunkt besitzt, der Hauptmenge nach von den anderen Basen
geschieden. Der kristallinische Rückstand wird dagegen durch Umkristallisieren
aus Äther gereinigt und weiter nach Neutralisieren der Mutterlauge mit Salzsäure
und durch Fällen mit einer konzentrierten wässerigen Lösung von Platinchlorid
von den flüssigen Basen befreit.

E. Täuber1) vereinfacht dieses Verfahren dahin, daß er etwa 25 g fein-
gepulverte Lupinen nicht mit salzsäurehaltigem, sondern mit gewöhnlichem 80- bis
90-grädigem Alkohol (1/2 1) unter Anwendung eines Rückflußkühlers 1/2 Stunde
kocht, den Alkohol abgießt, die Ausziehung 3-mal wiederholt und schließlich die
Substanz noch auf dem Filter mit heißem Alkohol auswäscht. Die alkoholischen
Auszüge werden mit 25—30 Tropfen Salzsäure versetzt und durch Destillation
zuletzt unter Zusatz von Wasser vollständig von Alkohol befreit, der Rückstand
in einen Scheidetrichter gegeben und durch 5-maliges Ausschütteln mit Petroleum-
äther gereinigt. Den so gereinigten Auszug verdampft man bei etwa 50° bis fast
zur Trockne, versetzt ihn mit Ammoniak und etwas Kalihydrat und schüttelt ihn

5-mal mit 50 ccm eines bei 40° siedenden Petroleumäthers aus. Die Äther-Auszüge
werden in ein gewogenes Kölbchen filtriert, der Äther abdestilliert, der Rückstand
8 Stunden lang bei einer 50° nicht übersteigenden Temperatur getrocknet und ge-
wogen. Die Gewichtszunahme gibt die Gesamtmenge der Alkaloide.

Der gewogene Rückstand wird möglichst genau mit einer mit der 10-fachen
Menge Alkohol verdünnten Salzsäure und so lange tropfenweise mit Platinchlorid-
lösung versetzt, als noch eine Fällung beobachtet werden kann, aber nicht mehr,
weil der Niederschlag in überschüssiger Platinlösung wie auch in freier Säure lös-
lich ist. Entsteht im Filtrat durch Platinchlorid noch ein Niederschlag, so wird
dieser ebenfalls auf das gewogene Filter gebracht. Von dem gewogenen Platin-
niederschlag werden 27,4 °/0 als auf flüssiges Alkaloid entfallend angenommen.

Nach den Untersuchungen von G. Liebscher (1. c.) besitzen die Lupinen-
alkaloide zwar stark giftige Eigenschaften, indes verursachen sie nicht die eigent-
liche Lupinenkrankheit, die sogenannte „Lupinose“; diese scheint durch einen
fermentartigen Stoff bewirkt zu werden, den Liebscher dadurch gewinnen konnte,
daß er fein gemahlene Lupinenkörner (oder Heu oder Schoten) 48 Stunden mit
Glyzerin in Berührung ließ, durcli ein Tuch abpreßte und mit dem doppelten
Volumen Alkohol vermischte; hierdurch schied sich ein schleimig-flockiger Nieder-
schlag aus, welcher — nach 2-tägigem Stehen und 2-maligera Auswaschen mit
Alkohol — mit Wasser verrieben bei Kaninchen Gelbsucht verursachte. Dieser die
Lupinose bewirkende Bestandteil verliert durch Dämpfen und durch Gärung seine
Schädlichkeit.

IX.	Ölkuchen, Kleie und ähnliche gewerbliche Abfälle.

Die chemische Untersuchung dieser Abfälle, welche vielfach für die Unter-
suchung feinpulverig genug sind oder sich doch, wie Ölkuchen, im natürlichen Zustande
fein mahlen lassen, richtet sich ganz nach den unter A S. 208—253 angegebene»

') Landw. Versuchs-Stationen 1883, 29, 462.
        <pb n="307" />
        ﻿Ölkuchen, Kleie und sonstige Abfälle. — Knochenfuttermehl oderKutterkalkphosphat. 283

L erfahren. Bei den Ölkuchen pflegt meistens nur der Gehalt an Protein und Fett
bestimmt zu werden; hei den Kleien empfiehlt sich auch noch die Bestimmung
der Rohfaser, weil deren Menge für den Futterwert der Kleie von Belang ist; je
höher die Rohfaser, desto geringwertiger ist durchweg die Kleie.

In vielen Fällen handelt es sich hei Untersuchung dieser Abfälle auch um
die Frage der Unverdorhenheit und Reinheit.

Die Frage, oh diese Futtermittel verdorben oder unverdorben sind, läßt sich
bis jetzt nur annähernd und relativ beurteilen; einige Anhaltspunkte liefert die
Prüfung auf Schimmel- und Fäulnispilze nach dem Verfahren von A. Emmer-
kjng (S. 253) oder die Bestimmung des Gehaltes des Fettes an freien
■rettsäuren (S. 223); über die Frage der Reinheit oder Verfälschung gibt die
chemische Untersuchung nur in seltenen Fällen sicheren Aufschluß. Ist z. B. ein
Ölkuchen oder ölkuohenmehl durch Mehlabfälle verfälscht, so kann der Gehalt an
Krotein und Stärke als Anhaltspunkt dienen; ist eine Kleie mit gemahlenen Reis-
schalen oder sonstigen rohfaserreichen Abfällen versetzt, so führt eine Bestimmung
1 er Rohfaser zum Ziel.

Hat z. B. eine Roggenkleie einen Gehalt von 17,50 °/0 Rohfaser ergeben und
lst durch die mikroskopische Untersuchung ein Zusatz von Reisschalen erwiesen,
1°, ^rechnet sich, da normale Roggenkleie etwa 6,15 °/0, Eeisschalen dagegen etwa
34,95 °/0 Rohfaser, also 34,95 — 6,15 = 28,80 °/0 mehr enthalten, in der untersuchten
;°ggenkleie aber 17,50 — 6,15 = 11,35 % Rohfaser mehr als normal gefunden worden
Slnd, die Größe des Zusatzes nach der Gleichung;

,	28,80 : 11,35 = 100 : x (= 39,4),

(' b. die Roggenkleie ist in diesem Palle mit etwa 39,4 °/0 Eeisschalen verfälscht
• h ri en‘ den natürlichen Schwankungen der Rohfasergehalte sind diese Werte
a 01 nilr annähernde.

die	(*en raeisten Fällen muß die Frage der Reinheit oder Verfälschung durch

mikroskopische Untersuchung entschieden werden.

X.	Knochenfuttermehl oder Futterkalkphosphat.

fi. ' ielfach wird hei jungen Tieren, besonders Schweinen, Kalkphosphat beige-

Uttert Hty»	Tr 1 -I •! 1	i	*1	- 1 I. _	____________

Wa Um (^e Knochenbildung zu unterstützen. Als solche Mittel werden ange-
„ 1	: natürliches und entleimtes Knochenmehl, Knochenasche, natürliche oder aus-

du ' o Holzasche und besonders gefälltes (präzipitiertes) Kalkphosphat, erhalten
nut KAuflösen von Knochenasche bezw. Rohphosphaten in Salzsäure und Fällen
Süch «kmilch. Für die Handelswaren dieser Art hat der Verband landw. Ver-
s-Stationen i. D. R. folgende Begriffserklärung vereinbart:1)
der -pAnt.er Knochenfuttermehl oder Futterknochenmehl versteht nach
gab ntwicklung, welche der Handel und Verbrauch dieser Futterbei-
saure^611'01111111611 ^er kaufende Landwirt nur den gefällten phosphor-
niciitn	('er zum größten Teil aus Dicalciumphosphat besteht,

entl ■ a')er eine der Formen des Knochenmehles (rohes, gedämpftes,
den vrttltes’ kalziniertes Knochenmehl), wie es zu Düngungszweoken in
andel unb zum Verbrauch gelangt.“

mehl /'GC lt häufig bestehen aber die Knochenfuttermehle aus entleimtem Knochen-
eH°lgteUt'°/0 Stickstoff); wenn die Entleimung durch Schweflige Säure
eüthäite’ S° en*halten dieselben auch mitunter Schweflige Säure; Knochenasche
lucht selten viel kohlensauren Kalk; letzterer kann auch bei unrichtiger

) Landw. Versuchs-Stationen 1904, 60, 214.
        <pb n="308" />
        ﻿284

Futtermittel.

Fällung der Phosphatlösung mit Kalkmilch in größerer Menge vorhanden sein (wir
fanden in 3 Proben 7,79 °/0) 30,18 °/0 und 64,37 °/0 Calciumkarbonat neben 72,22 °/0
bezw. 58,60 °/0 bezw. 30,29 °/0 Calciumphosphat). Am bedenklichsten aber ist das
Vorkommen von Arseniger Säure — offenbar von der Anwendung roher Säure
herrührend — in den Futterkalken. Wir fanden in 5 arsenhaltigen Sorten 0,056
bis 0,157 g arsenige Säure. Da 1 Stück Großvieh täglich 0,06—0,5 g arsenige Säure
im Futter vertragen kann oder die unschädliche Höchstmenge etwa 0,00015 Teile
arsenige Säure auf 100 Teile Körpergewicht (oder 0,15 g As,208 auf 100 kg Körper-
gewicht) beträgt, da ferner kleinere Tiere aber nur 10—20 g, größere 20—30 g
Knochenfuttermehl zu erhalten pflegen, so würde selbst ein Gehalt von 0,2 °/0 arseniger
Säure wohl kaum jemals im Futter direkt giftige Wirkungen hervorrufen; immerhin
ist ein Gehalt an arseniger Säure, der über Spuren bis etwa 0,02 °/0 hinausgeht,
zu beanstanden, weil er beweist, daß mit sehr unreinen Rohstoffen gearbeitet ist.

Über die Bestimmung der Arsenigen Säure, der Phosphorsäure, des
Kalkes usw. vergl. S. 178, des Fluors S. 163.

Über die Herkunft des Knoohenfutterkalkes kann das Verhältnis von Kalk
(CaO) : Phosphorsäure (P205) Aufschluß geben, welches bei einem Tricalcium-
phosphat 1 : 0,88 (54,20 ®/0 CaO : 45,80 °/0 P3 05), bei reinem Dicalciumphosphat
dagegen 1:1,268 (41,18 °/0 CaO: 52,20 °/0 P2Ö8) ist; selbstverständlich müssen bei
der Berechnung dieses Verhältnisses die an sonstige Säuren (Kohlensäure, Chlor
usw.) gebundenen Mengen Kalk berücksichtigt und von der Gesamtmenge in Abzug
gebracht werden. Entleimtes Knochenmehl gibt sich durch die mikroskopische
Untersuchung (außer durch Gehalt an Stickstoff) zu erkennen; es zeigt infolge der
Leimentziehung deutliche Poren-Struktur, während die gefällten Kalkphosphate eine
formlose Masse bilden.

Die zitratlösliche Phosphorsäure ist nach dem Verfahren von Peter-
mann S. 156 zu bestimmen.

Mikroskopische Untersuchung der Futtermittel.

Die mikroskopische Untersuchung der Futtermittel und deren Verunreinigungen
ist nachgerade so wichtig wie die chemische Untersuchung derselben geworden.
Dementsprechend hat dieses früher vernachlässigte Gebiet in den letzten Jahren
auch eine vielseitige Bearbeitung gefunden.

Von den nachstehenden Abbildungen sind die der Hillsenfrächte, Ölsamen und
Unkrautsamen mit einigen Ausnahmen Original-Zeichnungen, welche von C. Böhmer
größtenteils während seiner Tätigkeit an hiesiger Versuchs-Station angefertigt sind;
später hat C. Böhmer diese Zeichnungen vervollkommnet sowie vervollständigt und
in seinem Handbuch „Die Kraftfuttermittel“, Berlin bei Paul Parey 1903, nieder-
gelegt, auf welches hiermit besonders verwiesen sei. Auch von diesen hier Gebrauch
zu machen, hat mir der Verfasser freundlichst gestattet. Die übrigen Zeichnungen
sind entnommen:

1.	Jos. Möller, Mikroskopie der Nahrungs- und Genußmittel.

2.	Von demselben, Pharmakognostisoher Atlas.

3.	0. Dämmer, Lexikon der Verfälschungen.

4.	C. Dammann, Die Gesundheitspflege der landw. Haussäugetiere.

6.	Fr. Beneke, Anleitung zur mikroskopischen Untersuchung der Futtermittel.

Außer diesen Schriften seien noch weitere, ebenfalls hier zum Teil benutzte Unter-
suchungen genannt:

6.	L. Wittmack, Anleitung zur Erkennung usw. von Roggen- und Weizenmehl.

7.	Unterscheidungsmerkmale der wichtigsten Samen und Unkräuter von Sempo-
lowsky; Landw. Jahrbücher 1874, 3, 823.
        <pb n="309" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung.

285

8.	Unterscheidungsmerkmale der wichtigsten Samen und Unkräuter von v. Bretfeld,
Landw. Versuchs-Stationen 1881, 26, 429.

9.	Desgl. von Kobus, Landw. Jahrbücher 1884, 13, 819.

10.	Die landw. wichtigen Rücktsände der Ölfabrikation von 0. Kornauth in
Mitteil. d. chem.-techn. Versuchs-Station für Rübenzucker-Industrie in Wien
1887, Heft I, II und III.

11.	E. 0. Harz, Landw. Samenkunde.

12.	Vor allem auch: Fr. Nobbe, Handbuch der Samenkunde, welches jetzt in neuer
Auflage erscheint.

13.	P. Uhlitzsch, Rückstände d. Fabrikation ätherischer Öle; Landw. Versuchs-
Stationen 1893, 42, 215.

11. R. Pfister, Ölkuchen; ebenda 1894, 43, 441.

15.	0. Burchard, Bau d. Samenschale einiger Brassicaarten; Journ. f. Landw.
1894, 42, 125.

16.	A, Emmerling, Über einfache Unterscheidungsmerkmale von Gersten- und Hafer-
spelzeu; Landw. Versuchs-Stationen 1898, 50, 1.

17.	Derselbe, Über Palmkernkuchen und Palmkernmehl; ebenda 1898, 50, 5.

18.	A. Hebebrand, Über den Sesam; ebenda 1899, 51, 45.

19.	Kinzel, Über die Samen einiger Brassica- und Siuapis-Arten mit besonderer Be-
rücksichtigung der ostindischen; ebenda 1899, 52, 169.

20.	Alfr. Lemoke, Über Hanfkuchen; ebenda, 1901, 55, 161.

21.	A. Koehler, Erbsen, Bohnen, Wicken; ebenda, 1901, 55, 401.

22.	F. Barnstein, Roggen und Weizen; ebenda, 1902, 56, 369.

23.	M. Schmoeger, Preßlinge, Diffusionsschnitzel, Melasse; ebenda 1903. 59, 83.

24.	E. Hauptfl eisch, Die Spelzweizen; ebenda 1903, 58, 65.

25.	E. Haselhoff und E. Mach, Der Hafer; ebenda 1904, 60, 161.

26.	E. Mach, Mohn und Mohnkuchen; ebenda 1902, 57, 419.

27.	0. Förster und Gram, Rapskuchen; ebenda 1898, 50, 371 und 449.

Weiter sei verwiesen auf:

28.	A. E. Vogel, Die wichtigsten vegetabilischen Nahrungs- und Genußmittel,
Berlin-Wien 1898.

Trotz der fleißigen Bearbeitung weist dieser Abschnitt indes noch manche Lücken
' und wird sich kaum vollständig erschöpfen lassen, weil die Anzahl der ver-
&lt;len(6^en Futtermittel und die Form, in welcher sie angewendet werden bezw. in
Handel kommen, ferner aber auch die Anzahl der Verunreinigungen gar zu groß ist.
A , Fs lassen sich daher nicht für alle Fälle die erforderlichen Zeichnungen und
altspunkte zur Erkennung der Art der Futtermittel und ihrer Verunreinigungen
ern. Auch bedürfen die Vorkommnisse von fremden Beimengungen stets einer
'gemäßen Deutung. Immerhin werden nach hiesigen Erfahrungen die nach-
und ent*6U Abbildungen und Erläuterungen in zahlreichen Fällen von Nutzen sein,
gr Wo sie lücken- und mangelhaft sind, mögen sie zu neuen Untersuchungen und
Weiterungen Veranlassung geben.

mai Ui mikroskopische Untersuchung der Futtermittel bietet weiter insofern
So ,c 16 Schwierigkeiten, als dieselben meistens nicht in ganzen Körnern oder Samen,
]j0	1 n lm zerkleinerten, gemahlenen oder gepreßten Zustande im Handel vor-

-Die Anfertigung von Querschnitten ist daher durchweg ausgeschlossen;
daheri^ ^ ^ast immer nur Tangential- oder Flächenansichten; letztere bieten
Hierauf ^ me*s*en Anhaltspunkte zur Feststellung dieses oder jenen Bestandteiles.
sUchun 1St ™ ^6n äHeren und auch manchen neueren mikroskopischen Unter-
Quer- •u™ ZU weniS Rücksicht genommen; sie geben fast ausschließlich nur
S&lt;Anittsansichten, mit denen man es in einem Handelsfuttermittel selten zu tun hat.
Ünte e^u^s Vorbereitung der Futtermittel für die mikroskopische
usuchung verfährt man im allgemeinen wie folgt:
        <pb n="310" />
        ﻿286

Futtermittel.

1. 30—50 g Substanz einer guten Mittelprobe werden von den mehlartigen
Futtermitteln direkt, von denen in Kuchenform usw. nach dem Zermahlen auf der
Schrotmühle je nach dem Zerkleinerungszustand durch ein feineres oder gröberes
Sieb von 0.2—0,3 mm Maschenweite oder durch mehrere Siebsätze gesiebt;
von dem Abgesiebten dient das feinste Mehl (bei fettreichen Stoffen nach Entfetten
durch Äther bezw. Äther-Alkohol) zur Untersuchung auf Stärke, indem man das
entfettete Mehl mit so viel Wasser anrührt, daß eine milchig-trübe Flüssigkeit
entsteht. Hiervon werden 3-raal je ein Tropfen auf den Objektträger gebracht und
sowohl ohne als mit Zusatz von Jodlösung bei etwa 300-facher Vergrößerung auf
Stärkeform untersucht.

Als Jodlösung wendet man entweder eine
verdünnte Lösung von Jod in Jodkalium (letzteres
wird in der 20-fachen Menge Wasser gelöst,
Jqd im Überschuß zugefügt und die Lösung ver-
dünnt) oder eine verdünnte Lösung von Jod in
Alkohol an.

Breiartige Futtermittel wie Schlempe usw.
gießt man durch ein lockeres Leinen- oder Gaze-
tuch und verwendet die kollerte Flüssigkeit zur
Stärke-Untersuchung, den Rückstand zur Be-
stimmung der gröberen Zellsubstanz.

2. Der auf dem Sieb verbleibende schalen-
haltige Rückstand wird in 2 Teile geteilt; den
einen Teil behandelt man — fettreiche Stoffe nach
Entfetten mit Äther bezw. Äther-Alkohol — mit
verdünnter Salpetersäure (solche von 1,2 spezifischem
Gewicht mit etwa dem 5—10-fachen Volumen
Wasser verdünnt), nötigenfalls unter Zusatz von
einigen Körnchen chlorsaurem Kalium, längere Zeit
im Wasserbade, bis die Masse ein helles Aus-
sehen angenommen hat, den anderen Teil in
derselben Weise mit verdünnter Kalilauge (etwa
0,5—1,0 °/0-iger), gießt die behandelten Massen
unter starkem Verdünnen mit Wasser in einen Zylinder oder in ein hohes Becher-
glas, läßt absitzen, gießt vorsichtig ab, fügt abermals Wasser hinzu, dekantiert
wie vorhin und verwendet beide Bodensätze zur mikroskopischen Untersuchung bei
verschiedener (150—300-facher) Vergrößerung.

Häufig empfiehlt es sich, die mit verdünnter Salpetersäure auf-
geschlossene Masse noch weiter direkt mit verdünnter Kalilauge zu behandeln
und die Rückstände auf einem feinen Koliertuch zu sammeln und schwach auszuwaschen-

Flg, 45. CWorentwickelungsapparatzur
Aufhellung der Futtermittel.

3. Th, Dietrich und A. Hebebrand1) wenden zum Aufschließen bezw. Auf-
hellen der Stoffe 7 °/0-ige Sodalösung an und leiten 10—15 Minuten mit der Vorsicht
Chlor ein, daß die Flüssigkeit stets alkalisch hleibt.

Als Chlorentwickelungsapparat2 3) bedient sich A. Emmerling-Kiel8) eines
Brlenmeyerschen Kölbchens, auf welches eine Röhre aufgeschliffen ist, die

') Landw. Versuchs-Stationen 1899, 51, 75.

2)	Zu beziehen durch die Fabrik von Dr. R. Hase in Hannover oder durch den
Glasbläser Heinrich Müller in Kiel.

3)	Privat-Mitteilung.
        <pb n="311" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung-,

287

nach unten in eine Spitze mit einer überaus feinen Öffnung endigt (vergl,
Big. 45). In das Erlenmeyer-Kölbchen bringt man einige kleine Löffel voll
Kaliumpermanganat, in die Röhre starke (25°/0-ige) Salzsäure. Während des
Tropfens und noch etwas länger findet eine lebhafte Chlorentwiokelung statt, die
für die Aufhellung der Substanz in der Vorlage genügt. Ein Entweichen des
Guses durch die Spitze wird durch den kapillaren Druck verhindert.

Es empfiehlt sich, nach dem Gebrauch des Apparates das Röhrchen in Wasser zu
stellen und als Antichlor einige Kristalle von Natriumhyposulfit ins Kölbchen zu werfen.

4.	Statt des freien Chlors kann man auch Javellesche Lauge, ferner
Wasserstoffsuperoxyd und Ammoniak benutzen: in anderen Fällen — besonders
zum Nachweis von Haaren in Getreidemehlen — empfiehlt sich Chloralhydrat,
Wodurch die Stärke, nicht aber die Haare aufquellen.

Grobe Verunreinigungen und Verfälschungen können in dem Siebrückstand
zuweilen schon makroskopisch, oft mit Hilfe der Lupe erkannt werden, indem
®an den Rückstand auf einen Bogen weißen oder schwarzen Papiers ausbreitet.
Han liest die gleichartigen Schalenteilchen mit der Pinzette aus und behandelt
diese für sich getrennt wie oben, wodurch der Nachweis ihrer Abstammung er-
dichten wird.

Bei Beurteilung der Reinheit der Futtermittel ist zu berücksichtigen, daß
fast stets gewisse natürliche Verunreinigungen, z. B. durch Unkrautsamen,
^dt, die sich häufig nicht vermeiden lassen, die auch nicht als eine absichtliche
crfälschung oder Beimengung zu betrachten und zu beanstanden sind, wenn sie
Slch in mäßigen Grenzen bewegen und nicht giftiger Natur sind.

Dazu kommt, daß die Saatwaren, die der Getreide- und Hülsenfruchtarten,
*ler die Ölsamen nicht selten durcheinander verladen oder nebeneinander
. bewahrt werden; daß besonders bei den überseeischen Ölsamen-Einfuhren z. B.
eme Schiffsladung, wenn sie mit dem einen Ölsamen nicht voll geworden ist, durch
611 anderen ergänzt und letzterer womöglich gleichzeitig mit dem ersteren ver-
altet wird.

p ^ Besonders aber ist zu beachten, daß bei der Verarbeitung, beim Mahlen oder
Re- ?Sen usw- der Getreidearten und Ölsaaten in den Elevatoren, Transportschnecken,
und Zerkleinerungsmaschinen mitunter Teile der Saat Zurückbleiben,
jjjj.. slch heim Übergang von der einen zur anderen Sorte der nachfolgenden
&gt;llen und letzteres Fabrikationserzeugnis unfreiwillig verunreinigen können,
teile ^an	daher, wenn in einer Handelsabfallware vereinzelte Bestand-

sic. ^nes fremden Samens Vorkommen, nicht immer ohne weiteres auf eine ab-
de . .1Ce Verfälschung schließen. Letztere ist erst dann anzunehmen, wenn
vor',11 tige frem&lt;lartige Bestandteile in größerer und gewinnbringender Menge
fanden sind,

S]j . ^enn ferner über die Natur der Beimengung nach den vorhandenen mikro-
gehalt 611 i^hhüdungen Zweifel bestehen, so soll man stets entweder vorrätig
mut(.'Ue Mikroskopische Original-Präparate oder besser frisch aus dem ver-
herai ■ • ? ^esfandteil dargestellte mikroskopische Präparate zum Vergleich
sämtli n en.und darnach urteilen. Aus dem Grunde empfiehlt es sich, sowohl von
Bnkra t°U ln hietracht kommenden Saatwaren als auch von den verschiedenen
v°rrät' S&lt;Unen un(l den zur Verfälschung dienenden Gegenständen Original-Muster

f j^u halten, welche man in Zweifelsfällen zum Vergleich heranziehen kann,
ziehen 11 eiGeiu ist auch stets die chemische Untersuchung mit in Betracht zu
Zusam’i WenU (hirch die mikroskopisch erwiesene Beimengung die mittlere chemische
cnsetzung der in Frage stehenden Ware verändert werden kann. Wenn-
        <pb n="312" />
        ﻿288

Futtermittel.

gleich in vielen Fällen die chemische Zusammensetzung durch die Beimengung keine
wesentliche Änderung erleidet, so wird doch in anderen Fällen durch die gleich-
zeitige Berücksichtigung des mikroskopischen und chemischen Befundes der
Beweis der Verfälschung bezw. der Verunreinigung erst ein sicherer (vergl. S. 283).

Jedenfalls ist bei Beurteilung der Reinheit oder Unreinheit bezw. der Ver-
fälschung aus den angegebenen Gründen mit Umsicht zu verfahren; es dürfte auch
hier der Grundsatz im allgemeinen Geltung haben, daß es besser ist, daß ein
Schuldiger unbestraft ausgeht, als daß ein Unschuldiger einer ungerechten Ver-
dächtigung oder Bestrafung ausgesetzt wird. Ist aber eine absichtliche Ver-
unreinigung oder Verfälschung mit Bestimmtheit erwiesen, so ist um so rücksichts-
loser vorzugehen, als für manche Ungehörigkeiten auf dem Futtermittelmarkte bis
jetzt kein solcher Rechtsschutz vorhanden ist, wie für den Verkehr mit mensch-
lichen Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen.

I.	Die Getreidearten und ähnliche stärkereiche Futtermittel.

Die Körner der Getreidearten sind Früchte, welche mit ihrer Samenschale an
die Fruchtschale eng angewachsen sind. Das ganze Korn besteht aus der Schale,
der Kleberschicht, dem Mehlkörper und dem Keimling.

Die Schale läßt sich unterscheiden in die Fruchtschale und die Samen-
schale, welche beide zusammen mit anhaftenden Teilen der Kleberschicht und des
Mehlkörpers die Kleie liefern.

Die Fruchtschale gliedert sich weiter in die Oberhaut oder Epidermis, die
Querzellenschicht und die Schlauchzellenschicht.

Die Samenhaut wird gebildet aus der sogenannten braunen Schicht und der
hyalinen Schicht.

Bei der Gerste, dem Hafer und dem Reis sind mit der äußeren Frucht-
schale noch eng verwachsen die Spelzen, welche durch das Dreschen nicht
entfernt werden, während sie bei Roggen und Weizen als Spreu abgeschieden werden.

Obgleich die Früchte unserer Getreidearten im allgemeinen einen ähnlichen
oder fast gleichen Bau besitzen, so zeigen sie doch in ihren einzelnen Schichten
kleine Unterschiede in der Form und Größe ihrer Zellen, so daß man bei auf-
merksamer Beobachtung mittels des Mikroskops wohl imstande ist, die Mehle und Kleien
voneinander zu unterscheiden oder auch Zusätze geringwertiger Mehle zu erkennen.

Früher betrachtete man die Stärke als das hauptsächlichste Unterscheidungs-
mittel der Getreidearten. Sie ist auch in manchen Fällen in der Form so verschieden,,
daß hiernach eine Unterscheidung möglich ist. Bei weniger unterschiedlichen Formen
kann die Größe der Stärkekörner mit entscheidend sein.

Der Durchmesser der Stärke der wichtigsten Getreidearten usw. beträgt z. B--

Gewöhnliches Vorkommen Mittel
mm	mm

Eoggenstärke .
Weizenstärke
Qerstenstärke .
Haferstärke . .
Reisstärke . .
Maisstärke . .
Erbsenstärke. .
Bohnenstärke
Linsenstärke . .
Sagostärke .	.

Arrowrootstärke
Kartoffelstärke .

0,0369—0,0528 0,0283 —0,0400	—
0,0200—0,0263	—
—	0,0044  0,0066
—	0,0200
0,050 —0,057	—
0,033 —0,063	—
0,033 —0.067	—
0,065 —0,070	—
0,010 —0,100	—
0,060 —0,185	0,140
        <pb n="313" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung.

289

Vielfach läßt aber die Form und Größe der Stärkekörner ganz im Stich;
man muß dann nach anderen kennzeichnenden Gewebselementen suchen.

Was die Vorbereitung dieser Gruppe Futter- und Nahrungsmittel für die
mikroskopische Untersuchung anbelangt, so sei noch besonders bemerkt, daß man
zur mikroskopischen Untersuchung der Stärkekörner entweder das natürliche
Mehl oder den abgesiebten feineren Teil der Abfälle (Kleie usw.) mit so viel Wasser
'Verreibt, daß nur eine weiß-trübe Flüssigkeit entsteht, von der ein Tropfen bei
300-facher Vergrößerung beobachtet wird.

Die Schalenanteile werden wie vorstehend mit verdünnter Salpetersäure
und Kalilauge oder nach Th. Dietrich und A. Hebebrand (S. 286) aufgeschlossen.

Zur Aufhellung der Kleien kann auch das nachfolgend angegebene, von
B Harnstein1) veränderte Uhlitzschsche Verfahren angewendet werden: Etwa
5 g der durch ein 1 mm-Sieb geschlagenen Kleie werden mit 100—200 ccm einer
sehr verdünnten, etwa 2 °/0-igen Salzsäure unter Umrühren in einer Porzellan-
schale bis zum Aufküchen erhitzt, die Flüssigkeit sodann durch ein Gazefilter,
Welches über einem Becherglase ausgespannt ist, gegossen, das Filter beutelförmig
zusainmengefaltet, der Inhalt des Beutels durch Reiben auf der Handfläche unter
fließendem Wasser ausgewaschen, bis das Waschwasser klar abläuft, und das Filter
schließlich ausgepreßt. Sodann wird der Rückstand in einem Porzellantiegel mit
einer Mischung von Glyzerin und konzentrierter Essigsäure 1 : 1 bis zum
Kochen erhitzt, der Inhalt des Tiegels wiederum auf das Gazefilter gegeben und die
Glyzerin-Essigsäure durch geringes Auswaschen mit Wasser entfernt. Die mikrosko-
pische Untersuchung des Präparates kann unter Wasser oder Glyzerin vorgenommen

Werden.

. Bei der Aufhellung der Futtermehle reibt man zweckmäßig eine angemessene
u&amp;e zunächst mit Wasser an, um die Bildung von Klümpchen zu vermeiden, und
Währt dann wie oben angegeben.

• Handelt es sich darum, aus Mehlsorten die kennzeichnenden Haare zu
all 16^en’ 80 erhitzt man etwa 50 g Mehl längere Zeit mit verdünnter Salzsäure, bis
aß6	gelöst ist, läßt absitzen, gießt die Flüssigkeit vorsichtig vom Bodensatz

’	1t letzteren in ein spitz zulaufendes Absatzglas (Champagnerglas S. 252) um,

st n nnt mit warmem Wasser, rührt um und läßt abermals absitzen. Die Uber-
n 0IU‘e Flüssigkeit wird wiederum abgegossen und der Bodensatz mikroskopisch
10 rsuc^- Ch. Steenbusch schlägt vor, das Mehl vorher zu verkleistern (etwa
aus^ K10—200 ccm Wasser), den auf 55—60° erkalteten Kleister mit Malz-
kah '1^ i-HerBitot aus 20 g gemahlenem Malz durch 1-stündiges Behandeln mit 200 g
j)i ®m Wasser und Filtrieren durch ein doppeltes Filter) oder besser durch
Prot iaselösung zu verzuckern, die Lösung abzugießen, den aus Haaren, Schalen und
l}atrein,8t°^en bestehenden Rückstand zur Lösung der letzteren mit verdünnter
n äuge zu behandeln und den hierbei verbleibenden Rückstand mikroskopisch
U Versuchen.

Mal? jf ^ *ttmack verwirft indes dieses Verfahren, weil einerseits durch den
^ SfVeicht Haare in das Untersuchungsobjekt gelangen, andererseits durch
Sehen r°niauge die Haarwandungen aufquellen und z. B. Roggonhaare das Aus-
von Weizenhaaren annehmen können.

Hehloi^111 ^esseren Abscheidung der Haare und Zellpartien aus den aufgeschlossenen
----- empfiehlt es sich, dieselben in der Zentrifuge von T hörn er2) zu zentrifugieren.

') Landw. Versuchs-Stationen 1902, 56, 392.
2) Chem.-Zeitung 1891, 15, 1201.
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

19
        <pb n="314" />
        ﻿290

Futtermittel.

Koggen, Secale cereale L.

Der Roggen hat. wie der Weizen, mit dem er am nächsten verwandt ist,
nackte, aus den Spelzen leicht herausfallende Körner, welche auf ihrer Epidermis,

Fig. 46. Roggen. Haarformen
der Schale nach J. Möller.
(Vergr. 300.)

Fig. 47. Roggen. Querzellen nach J. Möller. (Vergr. 300.)
* Hie abgerundeten, porenfreien, dicken und dünnwandigen
Endflächen.

besonders aber am Scheitel, dicht behaart sind und unter der Lupe seideglänzend
erscheinen. Die einzelnen Gewebsschichten und Gewebsteile beider Getreidefrüchte

bieten ebenfalls nur geringe Unterschiede,
größerer Anzahl als beim Weizen von drei-,
fünf- und mehrstrahligen breiten Spalten
zerklüftet, im übrigen aber sind sich diese
und die Gerstenstärkekörnchen in ihrem
Bau und ihrer Größe so ähnlich, daß hier-
nach eine Unterscheidung dieser Getreide-
arten nicht möglich ist. Dagegen bieten
die Längs- und Querzellen der Schale,

Fig. 48. Xtoggen-Stärke nach J. Möller. (Vergr. 300.)

Die Eoggenstärkekbrnchen sind zwar in

h' Haare, davon je das rechte stark verdickt, also
nicht typisch, st Stärkekömer, st' Stärkekörner
hei 63,5° verkleistert (nach L. Wlttmaok).

ferner die Haare einige Unterschiede, welche die Unterscheidung des Roggens vom
Weizen ermöglichen. Dazu gesellen sich die verschiedene Yerkleisterungs-
temperatur der Stärke und die verschiedene Färbung der Kleberzellen beider
        <pb n="315" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung, Roggen. Weizen.

291

Getreidearten als weitere Unterscheidungsmittel. Über die mosaikartig gefärbten
Aleuronzellen des Roggens vergl. Tafel I am Schluß. Die erstgenannten Formelemente
sind allerdings in den feinsten Mehlen nur in geringer Menge enthalten, können
aber auch daraus nach der vorstehend angegebenen Aufschließung größerer Mengen
Mehl gewonnen werden.

1.	Die Längszellen der Schale des Roggens (Fig. 491) sind perlschnur-
oder rosenkranzartig getüpfelt, aber sie sind länger und nicht so stark getüpfelt,
als heim Weizen (Fig. 55, S. 293).

2.	Die Querzellen (Fig. 47 und Fig. 49q) sind ebenfalls nicht so lang und
so stark rosenkranzartig verdickt, als beim Weizen (Fig. 50 u. 65). Außerdem sind
sie an den schmalen Enden meist stark gequollen, besonders wenn das Präparat
längere Zeit in Wasser liegt ; die Enden sind abgerundet, weshalb zwischen ihnen oft
nmdlich-dreieckige Zwischenräume (Interzellularräume) bleiben, die sich mit Luft
füllen und unter dem Mikroskop schwarz aussehen.

3.	Die Haare des Roggens (Fig. 46 und Fig. 49 h) sind dünnwandig, der
Hohlraum ist stets weiter, als die Wand dick ist; das Lumen läßt sieh meist bis
w die Spitze des Härchens verfolgen. Eine Ausnahme hiervon machen nur die
ganz kurzen Haare, und diese soll man nicht berücksichtigen. Nur in einzelnen
ganz seltenen Fällen kommen auch einige längere Roggenhaare vor, die dick-
wandiger sind.

Die Größenverhältnisse der Roggen-, Weizen- und Gerstenhaare erhellen nach
H. Wittmack und J. Möller aus folgenden Zahlen:

	Weizen	Roggen	Gerste
Länge der Haare		120—742	60—420	60—160
Durchmesser der größten Haare		15—21	9—17	20—26
i,	„	„	an der Basis .	.	.	28	23	40
„	„ kleinsten Haare		9—10	8	20
Dicke der Wand . ,	7	3—4	20
Weite des Lumens durchschnittlich ....	1,4-4,0	7	8—30

Weizen, Nacktweizen, Triticum vulgare Vill.

Der Weizen kommt in den verschiedensten Mahlerzeugnissen und deren Ab-
fällen als verbreitetstes Nahrungs- und auch als Futtermittel zur Verwendung.

Die Verfälschung der Wei-
zenmahlerzeugnisse mit denen

aes Roggens ist häufiger als
die

von Roggen mit Weizen.

Letztere, nämlich die Verfäl-
schung von Roggenmehl mit

geringeren Weizenmehlsorten,	en Querzellen nach J. Möller. (Vergr. soo.)

kommt nur dann vor, wenn der ing-

Hoggen zeitweise einen gleichen.	_	Weizen

oder etwas höheren Handelspreis besitzt, a s 01‘	Hnown- und Weizenmahl-

I«e Fon..»».,, wulche 7«““\.7«SLZ Abbildungen
erzeugnissen dienen können, mögen durch tue v

gekennzeichnet werden.	-RnP-o-ens sind schon

Die Unterschiede dieser Formelemente von denen des Roggens
vorstehend bei letzterem angegeben, nämlich:	. ^ kürzer

1. Die Längszellen der Schale des Weizens (Fig. 551, S. 293)
und stärker rosenkranzartig getüpfelt, als beim Roggen.

19*
        <pb n="316" />
        ﻿292

Futtermittel.

2.	Die Querzellen der Schale des Weizens (Fig 50 und Fig. 55q) sind
meist länger und ebenfalls viel stärker verdickt, als beim Eoggen; sie sind an
den schmalen Enden dünnwandig und stoßen dort meist mit scharfen Ecken
aneinander (wesentlicher Unterschied von Roggen).

Fig. 51. Weizen. Haarformen der Schale nach J. Möller. (Vergr. 300.)

3.	Die Haare des Weizens (Fig. 51 und Fig. 55li) sind viel zahlreicher,
länger und dickwandiger; ihr Hohlraum ist oft nur linienförmig, höchstens so
dick wie die Wand, und geht nicht wie heim Eoggen bis in die Spitze.1) (Aus-
nahme heim Spelz.)

Falls diese Formelemente
über die Natur eines fraglichen
Gemisches beider Getreidearten
noch Zweifel bestehen lassen
sollten, so kann zur weiteren
Unterscheidung dienen:

4.	Die Verkleisterung
der Stärke; Eoggenstärke wird
bei einer Temperatur von 62,5°
verkleistert, während Weizen-
stärke bei dieser Temperatur
ihre Struktur noch behält und
erst bei 65° verkleistert wird.

1 g des zu prüfenden
Mehles wird nach L. Wittmack
in einem Becherglase mit 50 ccm
(oder 2 g mit 100 ccm) Wasser
zu einem dünnen Brei ungerührt
Fig. 52. Weizen-Stärke nacii Müller. (Vergr. 300.) und nun in ein Wasserbad oder

in ein 8ji mit Wasser gefülltes
großes Becherglas gesenkt. Durch eine kleine Flamme erwärmt man das Wasserhad
und damit auch den Mehlbrei langsam auf genau 62,5°, indem man häufig mit einem
Thermometer umrührt. Ist die Temperatur von 62,5° erreicht, nimmt man sofort
das kleine Becherglas heraus und taucht es in kaltes Wasser; die Probe ist alsdann
zur mikroskopischen Untersuchung fertig.

’) J. Möller gibt (Mikroskopie der Nahrungs- und Genußmittel, 1886, S. 92) an,
daß diese Unterschiede nicht für diebreiten, sondern nur für die schmaleren und kleineren
bis mittleren Haare gelten (vergl. Fig. 51, das große Haar). Dem Verfasser will es
aber scheinen, daß diese Abbildung Möllers nicht sehr naturgetreu ist oder nur für sehr
selten yorkommende Weizenhaare gilt.
        <pb n="317" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung, Weizen.

293

Die Eoggenstärkekörner sind bei der Temperatur von 62.50 fast sämtlich
aulgequollen, die meisten schon geplatzt und alle haben ihre Form, die ursprünglich
linsenförmig war, zum Teil ins Unkenntliche verändert; nur einzelne sind noch
ziemlich unverändert geblieben.

wärmt. Nach C. Böhmer.

Fig. 54. Welzen- Mehl bis 62.5 0
erwärmt. Nach C. Böhmer.

Die Weizenstärkekörner sind dagegen zum größten Teil noch fast ganz un-
verändert, höchstens etwas blasser oder etwas gequollen, nie ganz geplatzt; sie sind
noch so stark lichtbrechend wie normale Stärkekörner und zeigen deshalb unter
dem Mikroskop sehr scharfe
schwarze Ränder, während die
Eoggenstärkekörner, selbst wenn
sie ihre kreisrunde linsenförmige
Gestalt noch behalten haben, meist
v°n hellen Umrißlinien begrenzt
sind. Im allgemeinen bietet reines,
auf 62,5° mit Wasser erwärmtes
Eoggenmehl unter dem Mikroskop
also ein Bild von aufgesprungenen,

halb

verkleisterten, sackartigen

Stärkekörnern, Weizenmehl dagegen
von runden, meist wohlerhaltenen
Körnern. (Yergl. Fig. 53 und
Kig. 54.)

5.	Zur Bestimmung von ge-
ringwertigen Mehlen in Wei-
zenmehl verfährt Gr. Volpino1)
wie folgt; „30 g Mehl werden mit
Möglichst wenig Wasser zu einem
Teig angemacht, der Kleber unter
dem Wasserstrahl ausgewaschen

'W ÄÄ Hände

Sodann bringt man die angesammelte Flüssigkeit auf ein . u	^ Flügsigkeit

etwa den Händen entgangenen Kleberstückchen au ge angen	",	filtriert

Wird durch ein Asbestwollsäckchen mit Hilfe einer Wasserstrahlluftpumpe

’) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903,

Fig. 55. Weizen. Schale usw. 1 Längszellen, q Quer-
zellen, s Schlauchzellen, f Farbstoffschicht (Samenschale),
k Kleberschicht, h Haare, st Stärkekörner, st' Stärkekörner
aus ausgewachsenem Weizen (nach L. Wittmack).
        <pb n="318" />
        ﻿294

Futtermittel.

und die auf dem Filter zurückhleibende Substanz gesammelt. Letztere läßt man
darauf eine Stunde lang bei 100° im Ofen trocknen und bestimmt in 2 g derselben
nach dem Verfahren von Kjeldahl den Stickstoff-Gehalt. Multipliziert man die
gefundene Stickstoffmenge mit 6,25 so erhält man die vorhandene Proteinmenge.

Liegt eine Verfälschung des Mehles vor, so wird dieser Wert für die in
Wasser unlöslichen und nach Auszug des Klebers aus dem Mehle rückständigen
Proteinstoffe mehr oder weniger groß sein. Als verfälscht wird man ein Mehl an-
sehen können, das nach Auszug des Klebers eine mehr als 0,2 g betragende Menge
unlöslichen Proteins, auf 100 g Mehl bezogen, ergibt.“

6.	Die Färbung der Kleberzellen. (Vergl. Tafel I am Schluß.)

Zum Nachweise von Roggenmehl in Weizenmehl benutzt Fr. Benecke1) die
unterschiedliche Eigenschaft, daß das Roggenmehl vorwiegend blaue, das Weizenmehl
dagegen farblose, wenigstens keine blauen oder bläulichen Kleberzellen enthält.
Diese Unterschiede können in einfachster Weise dazu dienen, Roggenmehl in
Weizenmehl nachzuweisen, nicht aber umgekehrt Weizenmehl in Eoggenmehl.
Fr. Benecke verfährt wie folgt:

100 g des zu untersuchenden Mehles werden in ein birnenförmiges Gefäß geschüttet,
welches ungefähr 500—600 g Wasser zu fassen imstande ist. Das Mehl wird bis zu
2/3 der Birne mit Chloroform übergossen, die Birne mit einem Korke verschlossen, darauf
tüchtig durchgeschüttelt, so daß das Mehl sich gleichmäßig verteilt. Alsdann füllt man
so viel Chloroform nach, daß nur noch wenige ccm in der Birne frei bleiben, verschließt
letztere wieder, schüttelt sie abermals stark und läßt auf einer passenden Unterlage ruhig
stehen. Sehr bald setzen sich Schmutz- und Staubpartikelohen als schokoladenbrauner Boden-
satz ab, allmählich, meist nach etwa 24 Stunden (die Zeitdauer ist unter anderem auch wohl
von der Zimmertemperatur abhängig), findet eine weitere Sonderung der Mehlbestandteile
statt. Sowohl bei Roggen- als wie bei Weizenmehl setzen sich am Boden vorzugsweise
die Kleberzellen ab, während oben die übrigen Mehlbestandteile, insbesondere das Stärke-
mehl, eine feste, dichte Decke bilden, welche kaum eine Kleberzelle einschließt. Die sich
am Boden absetzenden Kleberzellen sind meist außer geweblichem Verband, teils einzelne
ganze, teils Bruchstücke von Zellen.

Zwischen Bodensatz und Decke befindet sich eine mehr oder weniger klare, gelbe
Chloroformlösung.

Bei Roggenmehl geringster Beschaffenheit (Em. II)2) zeigt die Hauptmasse des Boden-
satzes eine duukel-olivengrüne Farbe, wie sie auf der am Schluß des Buches beigegebenen
Tafel I bei I, 4 wiedergegeben ist; die Decke hat eine hellbraune Farbe, Bei Weizenmehl
bester Beschaffenheit (Wm. 000) hingegen hat der Bodensatz eine bräunlich-gelbe Farbe,
wie sie auf der Tafel bei I, 1 gemalt ist, und die Decke besitzt eine fast weiße Farbe, die
nach oben in eine schwach bräunliche Farbe übergeht. Die grüne Farbe beim Eoggenmehl
ist begründet im Gehalt der Kleberzellen an einem blauen Farbstoff; durch Mischung mit
gelblichen und bräunlichen Mehlbestandteilen sowie Staubpartikelchen kommt die grüne
Farbe zustande. Da der blaue Farbstoff dem Weizen fehlt, so zeigt der Bodensatz von Weizen-
mehl auch nur eine gelbe bis braune Färbung ohne jeden bläulichen oder grünen Ton.

Bin weiterer Unterschied ist quantitativer Art: Der Bodensatz ist beim Eoggenmehl
geringster Beschaffenheit weit größer als bei Weizenmehl bester Beschaffenheit. Es würde
aber falsch sein, anzunehmen, daß dies ein durchgreifender Unterschied zwischen Eoggen-
und Weizenmehl sei; er zeigt sich hier nur, weil eine Eoggenmehlsorte geringster Be-
schaffenheit einer Weizenmehlsorte erster Beschaffenheit gegenübergestellt wird. Richtig
ist allerdings, daß im allgemeinen der Bodensatz bei Eoggenmehlen beträchtlicher ist als

]) Laudw. Versuchs-Stationen 1889, 36, 337.

2) Der Kürze wegen sind im folgenden, wie auch auf der beigegebenen Tafel I die
Eoggenmohle mit „Em.“ die Weizenmehle mit „Wm.“ bezeichnet, wie es auch meist in
der Praxis üblich ist. Die Feinheit der Sorten nimmt ab entsprechend den Zahlen: 000,
00, 0, I, II, III.
        <pb n="319" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Weizen.

295

bei Weizenmehlen, aber dies mag damit Zusammenhängen, daß bei der Herstellung von
Roggenmehl durchschnittlich nicht die gleichgroße Sorgfalt in Anwendung kommt, wie
bei Herstellung von Weizenmehl.

Durch eine große Reihe von Einzelversuchen hat Benecko feststellen können, daß
mit der zunehmenden Feinheit des Mehles die Menge des Bodensatzes abnimmt. Es ist also
der Bodensatz von Wm. 000 geringer als von Wm, 00, und dieser wieder geringer als
von Wm. 0 bezw, Wm. I usw,, und ebenso nimmt der Bodensatz zu von Em. 00 zu Rm. 0,
Rm. I, Rm. II usw. Würden wir Rm. 00 und Wm. III vergleichen, so wäre das Verhältnis
ein umgekehrtes, indem der Bodensatz von Wm. III weit beträchtlicher ist als der von Rm. 00.

Da die Hauptmasse des Bodensatzes aus Kleberzellen besteht, so leitet Ben ecke
aus seinen Versuchen den Satz ab: Die Feinheit des Mehles läßt sich nach der
Anzahl der Kleberzellen bemessen. Die Mächtigkeit des Bodensatzes hängt
von dem Feinheitsgrade, die Farbe von der Herkunft des Mehles ab.

, So wie Roggenkleie durch die blauen Kleberkörner in Weizonkleie leicht und sicher
naohgewiesen werden kann, so ist es also auch möglich. Roggeumehl in Weizenmehl auf-
zufinden, und zwar etwa 20% Roggenmehl-Zusatz mit größter Sicherheit ohne jede An-
wendung des Mikroskops; wenn geringe Sorten Roggenmehl verwendet sind, so lassen
sich auch noch 10% oder sogar 5% nachweisen.

Ein Zusatz von 10% Rm. 0 zu Wm. 00 kann indes nicht mehr mit Sicherheit
durch die grüne Färbung ermittelt werden. Zum Nachweise geringer Zusätze feinerer
Sorten Roggenmehl verfährt man wie folgt:

Die in der Birne1) sich bildende Decke wird vorsichtig zerrührt und mit dem
Chloroform herausgespült; man gießt alsdann Äther in die Birne, rührt den Bodensatz
auf und spült ihn in eine kleine Porzellanschale, läßt absitzen, dekantiert den Äther ab,
übergießt mit mäßig konzentrierter Essigsäure und kocht unter Umrühren den Rückstand
einmal auf. Man wendet so viel Essigsäure an, daß nach dem Erkalten noch eine flache
Schicht über dem gekochten Brei steht.

Weizenmehl in dieser Weise behandelt, zeigt eine gelbbraune Farbe ohne jeden
Stich ins Rote, Roggenmehl dagegen eine prachtvolle, tief rosenrote Färbung. Diese
beiden Farbenreaktionen sind auf der Tafel unter II durch Streifen 1 (Wm. 3) und
Streifen 4 (Rm. 2) zur Darstellung gebracht. Es sind dies dieselben Mehle, welche ohne
Behandlung mit Essigsäure die Farben der gleichlautend numerierten Streifen unter I
zeigen. Unter II sind dann ferner dargestellt: die Farben der Mehlgemische 3, 9 und 8;
Streifen II, 3 (50% Rm, 2 zu Wm. 3) zeigt noch eine stark rote Färbung, bei Streifen 9
(20% Rm, o zu Wm. 00) ist die Färbung schwächer, aber noch recht deutlich.

Streifen 8 gibt die Färbung eines Mehlgemisches von 90% Wm. 00 mit 10%
B-m. 0, bei welchem nach alleiniger Behandlung mit Chloroform kein grüner Farbenton mehr
mit Sicherheit wahrzunehmen ist (I, 8). Nach Behandlung des Bodensatzes mit Essigsäure
lst aber in unzweifelhafter Weise ein rötlicher Parbenton noch nachweisbar, wie ihn II, 8
z®igt. Auf den ersten Blick mag es scheinen, als ob der rötliche Ton nicht sicher wahi-
zunehmen sei; man braucht aber nur Streifen 9, 3 und 4 mit weißem Papier zu über-
decken, um sich vom Vorhandensein des rötlichen Tones zu überzeugen. In der Praxis wird
ühm einfach nur ein in gleicherweise behandeltes, unzweifelhaft reinesAVeizenmehl daneben zu
halten brauchen, um Gewißheit darüber zu erhalten, ob eine rötliche Färbung vorhanden ist
oder — was dasselbe sagen will — ob das Weizenmehl einen Zusatz von Roggenmehl enthält.

Mahl- und sonstige Abgänge von Roggen und Weizen, ihre
Verunreinigung und Unterscheidung.

Zu den tagtäglich wiederkehrenden Aufgaben in den agrikulturchemischen
Laboratorien gehört der Nachweis von Mahlerzeugnissen des Roggens in Weizen oder
umgekehrt, ferner der Nachweis von Verunreinigungen in denselben.

"eiche ri- a-p ^er Birne werden in diesem Palle zweckmäßiger große Gläser augewendet,
scbließij,,,,10 ■ &lt;fm e*nes Champagnerglases haben und oben mit einem Korkpfropfen ver-
S1n , aus solchen Gläsern läßt sich die Decke leicht abheben und daher ist eine
        <pb n="320" />
        ﻿296

Futtermittel.

Bei der Beurteilung der Reinheit von Mahlerzeugnissen des Roggens und Weizens
muß aber beachtet werden, daß eine geringe Beimengung (etwa 5 °/0) der einen
Getreideart zu der anderen leicht Vorkommen kann, ohne daß ein absichtlicher
Zusatz anzunehmen ist. Geringe Beimengungen der einen in der anderen Getreideart
können daher nicht ohne weiteres als Verfälschung angesehen werden; erst größere
Beimengungen sind zu beanstanden.. Diese lassen sich aber nicht oder nur durch
äußerst sorgfältiges und langwieriges Auszählen der fremden Gewebselemente unter
dem Mikroskop in annähernden Prozentsätzen angeben.

1.	Die Untersuchung von Mehlen auf Reinheit. Für die Unterscheidung
von Roggen- und Weizenmehl kommen die vorstehend angegebenen Forraelemente, be-
sonders die Haare, Quer-, auch Längszellen, ferner das Verhalten der Stärke-
körner und Kl eherzellen in Betracht. Dasselbe gilt von Futtermehlen (Boll-,
Schwarzmehl usw.). Dagegen bedarf

2.	die Untersuchung der Kleien noch einiger besonderen Erläuterungen;
denn in diesen finden sicli die Formelemente nicht nur in einem anderen Verhältnis,
sondern auch neben diesen die verschiedensten anderen Verunreinigungen.

Nach den Beschlüssen des Verbandes landw. Versuchs-Stationen i. D. R. ist
Kleie der Abfall, welcher beim Mahlen des vorher von Verunreinigungen
befreiten, also reinen, mahlfertigen Kornes entsteht.

Die Erzeugnisse des Bntspitzens sind demnach zu den Bestand-
teilen der Kleie zu zählen, nicht aber etwaige Ansammlungen in den
Staubkammern.

Beim Verkauf von Kleie ist die Gehaltsgarantie für Nährstoffe
möglich und anzustreben.

Die Kleie muß unverdorben sein und soll nur aus dem ihrem Namen
entsprechenden Material hergestellt sein. Mischungen von Kleie sind
unter Angabe der Bestandteile besonders zu bezeichnen.

Bei der Weizenkleie unterscheidet man mehrere Sorten, nämlich: Fiug-
kleie, bestehend aus den beim Putzen durch den Ventilator abgeblasenen Staub-
teilchen und Schalenblättern, die zur Fütterung nicht verwendet werden soll;
Spitzkleie, bestehend aus den beim „Spitzen“ des Weizens auf einem besonderen
Mahlgang erhaltenen behaarten Spelzen neben einem großen Teil der Weizenschalen
— letztere können durch die neuen Mahleinrichtungen auch fast rein für sich gewonnen
werden —; sie werden aber mit der Spitzkleie der gewöhnlichen Kleiesorten entweder
der groben bezw. Schalenkleie oder der feinen bezw. Gries- oder Dunstkleie
zugesetzt. Letztere enthalten neben den Bestandteilen der Frucht- und Samenschale
die Gesamtreste des unter der letzteren liegenden Knospenkernes, die Aleuronschicht
und Reste des Stärkekörpers.

Bei der Vermahlung des Roggens fällt neben dem Futtermehl durchweg
nur eine Sorte Kleie ab; um so mehr ist sie den Verunreinigungen bezw. den Ver-
fälschungen, besonders durch die jetzigen Abfälle des Weizens ausgesetzt, welche,
wie die Weizengrieskleie, Spitz- und Flugkleie, mit unbewaffnetem Auge der Roggen-
kleie ähnlich erscheinen oder ihr eine helle — d. h. beliebtere — Farbe erteilen.

Besonders häufig ist der Zusatz von dem Kornausputz oder Ausreuter bei
beiden Kleien; unter Kornausputz bezw. Ausreuter versteht man alle beim Reinigen
und Putzen des Getreides abgeschiedenen Abfälle organischer Natur, als da sind:

Vermengung der Bestandteile des Bodensatzes mit denen der Decke weit mehr aus-
geschlossen. Vergl. die von Ed, Spaeth (Zeitschr. f. angew. Chemie 1897, 10) für diese
Zwecke besonders vorgeschlagenen Sedimentiergläser S. 262.
        <pb n="321" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Weizen.

297

Mutterkorn und Pilzsporen, Spreu, Flugkleie, Bart mit Haaren, Maden, Käfer,
Raupen, Mäusekot, ferner Getreidebruchkorn und die zahlreichen Unkrautsamen,
z. B. Kornrade, Wicken- und Knöterich-Arten, Wachtelweizen, Melde, Ackerhahnen-
fuß, Taumellolch und sonstige Grassamen, Kornblume, Ackersenf, Ackersteinsamen
usw.; dazu kommen dann noch vielfach erdige Bestandteile und Kehricht. Wenn
der Ausputz bloß aus den gereinigten und gemahlenen Unkrautsamen bestände, so
würde gegen die Verwendung des Ausputzes zur Fütterung kaum etwas zu erinnern
sein; denn dieser Ausputz, auch Kleie-, Hühner- oder Wickenweizen bezw. Kitzkorn
genannt, kann unter Umständen ohne Schaden und sogar mit Vorteil verfüttert
werden.1) Weil aber der Ausputz auch giftige — wenigstens wenn in größerer
Menge vorhanden, giftige — Unkrautsamen, ferner auch Mutterkorn, Brand- und
Pilzsporen zu enthalten pflegt, so muß der Zusatz solchen Ausputzes im großen
Umfange zu Kleie wie nicht minder die Verwendung des Ausputzes selbst oder der
damit versetzten Kleie als gleich verwerflich bezeichnet werden. Auch ist zu be-
rücksichtigen, daß kleine, nicht vermahlene Unkrautsamen auch dem Kauvorgang
sich entziehen, unzerkleinert in den Kot übergehen und damit zur abermaligen Ver-
unkrautung des Ackerlandes beitragen können.

Zu den Ungehörigkeiten vorstehender Art im Kleienhandel gesellen sich als
direkte Verfälsohu ngen verschiedene Zusätze von wertlosen fremden Abfällen, wie
gemahlenen Gersten-, Hafer-, Reis- und Hirsespelzen, Erbsen-, Bohnen-, Erdnuß-,
Kaffee- und Kakaoschalen, der Ausputz von Klee- und Leinsamen, Kartoffel-
Pülpe usw.

Der Weizen wird ferner auf Stärke und Bier verarbeitet. Bei der
Weizenstärke-Herstellung werden als Abfälle gewonnen: die W eizentreher (diese,
uns den Hülsen bestehend, werden aber nur gewonnen, wenn geschrotener, ganzer
Weizen und nicht wie üblich Weizenmehl verwendet wird), die Weizenschlempe,
frisch und getrocknet (aus proteinreichem Stärkeschlamm nebst Zellteilen bestehend)
und der Weizenkleber, welcher jetzt durchweg durch Trocknen und Pulvern für
menschliche Ernährungszwecke unter dem Namen Aleuronat, Roborin usw. wieder
nutzbar gemacht wird, teilweise auch zur Herstellung von Schusterleim dient. Die
bei der Herstellung von Weizenbier (Weißbier) gewonnenen Abfälle: Weizen-
malztreber und Weizenraalzkeime, haben eine ähnliche Zusammensetzung wie
die Gerstenahfälle dieser Art (siehe weiter unten).

Der Roggen dient außer zur Mehlgewinnung durchweg nur noch zur Brannt-
weingewinnung (Kornbranntwein, Dornkaat, Gilka, Whisky); die hierbei ge-
wonnenen Roggenbranntwein-Treber und -Schlempe haben eine gleiche Zu-
sammensetzung wie die Abfälle dieser Art bei Verarbeitung anderer stärkereicher
Rohstoffe und werden wie diese verwendet.

a) Makroskopische Untersuchung der Kleie. Die makroskopische
Untersuchung der Kleie kann nach F. Barnstein zweckmäßig wie folgt vor-
Senommen werden:

Ein abgewogener Teil der sorgfältig gemischten unvermahlenen Probe wird
Mittels des bekannten Nobbesehen Siebes zerlegt (Barnstein benutzt die Siebsätze

l) 0. Hagemann hat (Landw. Jahrbücher 1903, 32, 929) z. B. nachgewiesen, daß
me Verfütterung von kornradehaltigem Futter — Kühe erhielten bis 2,5 kg reiner Korn-
.6 für 600 kg Leb.-Öew. und Tag, Schweine bis 60 % Kornrade in den Futter-
mischuugen —, wie es in den regelrechten Müllereibetrieheu gewonnen wird, bei den Haus-
p®ren keine Vergiftung heryorruft; indes können Milchkühe nach reichlicher Komrade-
utterung Milch mit einem minderwertigen Fett von abnormer Beschaffenheit liefern.
        <pb n="322" />
        ﻿298

Futtermittel.

mit l1/^ 1 und x/2 mm Loclrweite), der Inhalt der einzelnen Siebsätze auf glattem,
farbigem Papier ausgebreitet und mit Lupe und Mikroskop durchmustert. Der erste
Siebsatz enthält alle etwa vorhandenen gröberen Beimengungen, wie Getreidespelzen,
Mutterkorn, ganze und zerschlagene Getreidekörner, Unkrautsamen und Teile
davon, Erdklümpchen, Mäusekot, ferner auch Kleie und Mehlschweißklumpen usw.
Es ist sehr empfehlenswert, hierbei stets dieselbe Menge (25 g) Kleie zu verwenden,
weil auf diese Weise bei Untersuchung einer mit Kornausputz vermischten Kleie
eine bessere Übereinstimmung in der Angabe der vorhandenen, äußerlich unverletzten
Unkrautsamen, deren Menge auf 1 kg umzurechnen ist, erzielt wird. Auch der zweite
Siebsatz enthält häufig noch eine erhebliche Zahl nicht zermahlener kleiner Unkraut-
samen, unter anderem Lepidium, Capselia bursa, Aira, Viola, Urtica, Crepis, Ery-
simum, Chenopodium, Papaver, Euphorbia usw. Bei aufmerksamer Durchmusterung
mit der Lupe lassen sich auch gewisse fremde Zusätze, wie namentlich Hirseschalen,
Eeisspelzen, Weizenbärte und dergl., im ersten und zweiten Siebsatz nachweisen.

Der Inhalt des dritten und vierten Siebsatzes ist zunächst mittels einer Lupe
auf etwa vorhandene Milben zu prüfen. Sind solche in größerer Menge in der
Kleie enthalten, so kann man ihre Gegenwart auch ohne Anwendung einer Lupe
feststellen, wenn man den ausgeschütteten Siebinhalt mit einer glatten Tafel, etwa
mittels des Siebbodens oder einer Glasplatte zusammendrückt, so daß der Band des
Haufens eine steil abfallende Fläche bildet. Alsdann werden die durch die Be-
wegung der Milben verschobenen Kleieteilchen an der Randfläche abgleiten. Bei
sehr mehlreicher Kleie oder besser noch bei Futtermehlen kann die Oberfläche des
Haufens durch die beschriebene Behandlung so geglättet werden, daß die von
Milben auf der Oberfläche ausgeworfenen Häufchen schon mit bloßem Auge be-
obachtet werden können. Die letzten Siebsätzc sind ferner mikroskopisch und zwar
mit und ohne Zusatz von Jodlösung auf fremde Stärkekörnchen, Schimmclpilz-
schläuche, Brand-, Rost- und Schimmelpilzsporen, Milben und Milbeneier, mineralische
Zusätze und auf eine etwaige abnorme Beschaffenheit der Stärkekörnchen zu prüfen.

b. Mikroskopische Untersuchung. Für die mikroskopische Untersuchung
wird die Kleie nach S. 286 bezw. 289 aufgeschlossen.

1.	Am häufigsten ist die Frage zu entscheiden, ob Weizen- oder Eoggen-
kleie oder ein Gemisch beider vorliegt. Für die Unterscheidung beider Kleiesorten
dienen auch hier:

«) Die Querzellen (vergl. S. 290, 291 bezw. 293).

ß) Die Haare (vergl. S. 290, 292 bezw. 293). Der Weizenbart enthält etwa
4-mal mehr Haare als die Scheitelzellen des Roggens. Ist eine Eoggenkleie mit
Weizenkleie vermengt, so sind neben den eigentlichen Kleiebestandteilen des
AVeizens auch noch ganze Weizenbärte und einzelne Weizenhaare vorhanden, die schon
bei Betrachtung mit der Lupe durch ihren seidigen Glanz auffallen. Findet man
dagegen an kennzeichnenden Weizenformelementen fast nur Weizenhaare und nur
verhältnismäßig wenige oder kaum Weizenquerzellen, so liegt entweder Weizenspitz-
kleie oder ein Gemisch von dieser mit Eoggenkleie vor, wenn auch Roggenquerzellen
und Eoggenhaare vorhanden sind.

y) Die Aleuronzellen. „Da der blaue Farbstoff der Eoggen-Aleuronzellen
selbst in verdünnten Alkalien und Säuren leicht löslich, auch in Wasser nicht un-
löslich ist, sich aber in Alkohol, Äther, Chloroform, Glyzerin und Nelkenöl nicht
löst, so verfährt man nach Be necke1) bei der Untersuchung erfahrungsgemäß am
besten folgendermaßen: „Ein Teelöffel voll des zu untersuchenden Futtermittels

*) Vergl. C. Böhmer, Die Kraftfuttermittel, Berlin 1903, S. 158.
        <pb n="323" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Spelzweizen.

299

wird in einem Porzellanmörser wiederholt und so lange mit Äther angeriehen und
ahgeschlämmt, Ms der Äther nur noch wenig durch Mehlteilchen getrübt abläuft.
Den Rückstand spült man aus der Eeibschale mit Äther in ein Bechergläschen,
gießt den Äther ab und untersucht eine Probe in Nelkenöl bei 100- bis 200-facher
Vergrößerung und voller Beleuchtung. (Bei stärkerer Vergrößerung ist die Färbung
nicht mehr sicher erkennbar.) Die Behandlung mit Äther hat den Zweck, störende
Stärkekörner fortzuschwemmen, eine wenigstens teilweise Trennung der einzelnen
Schichten herbeizuführen und die Luft aus den Zellen zu entfernen. Findet man
in einer Kleie gar keine blauen Äleuronzellen, so ist keine Eoggenkleie vorhanden;
die Masse besteht dann lediglich aus Weizenkleie. Beobachtet man aber blaue Aleuron-
zellen, so ist unzweifelhaft Eoggenkleie zugegen, falls nicht etwa Einkorn, Gerste,
blauer oder violetter Mais oder NegerMrse in Frage kommen. Sehr schwer und
unter Umständen fast unmöglich ist es, den Prozent-Gehalt einer Weizenkleie
an Eoggenkleie anzugehen oder zu ermitteln, ob eine Eoggenkleie frei von Weizen-
kleie ist, weil jede Eoggensorte eben auch farblose Äleuronzellen führt und die
verschiedenen Sorten sich in bezug auf die Menge dieser Zellen verschieden ver-
halten. Man kann nur feststellen, wieviel Eoggenkleie mindestens einer Weizenkleie
zugesetzt ist, indem man durch Zählen und Messen der ganz oder teilweise blau
gefärbten Fragmente der Äleuronschicht ihr Verhältnis zu den ganz farblosen
ermittelt. Nur wenn verhältnismäßig wenige blaue Äleuronzellen, dagegen sehr
viele völlig ungebläute Stückchen der AleuronscMcht angetroffen werden, ist auch
der Schluß auf Zusatz von Weizenkleie gerechtfertigt. Noch sei erwähnt, daß,
wenn man die mit Äther behandelte, in Nelkenöl befindliche Eoggenkleie auf einer
Glasplatte über weißer Unterlage ausbreitet, man nach Ben ecke schon makro-
skopisch, besser mit der Lupe die blau gefärbten Fragmente der AleuronscMcht
huffinden kann. Der Unterschied tritt besonders auffallend hervor, wenn man eine
Glasplatte mit einer in gleicher Weise behandelten Weizenkleie daneben bringt.“

d)	Viel Brandsporen in einer Kleie deuten auf Kleie von Weizen (auch
Mais, Gerste und Hafer) hin, weil diese sehr häufig von Brand befallen werden,
Roggen dagegen nur sehr selten. Umgekehrt zeigt das Vorkommen von Mutter-
korn in der Kleie an, daß Eoggenkleie oder ein Gemisch von dieser mit Weizen-
kleie vorliegt, weil Mutterkorn nur auf Roggen auftritt.

2.	Uber die Beimengung der Abfälle von anderen Getreidearten oder
Gülsenfrüchten, Erdnuß-, Kakao-, Kaffeeschalen usw., sowie über die vor-
handenen Unkrautsamen geben einerseits die Form der Stärkekörner, andererseits
hie Gewebselememte der Spelzen hezw. Schalen Aufschluß (vergl. die Abbildungen
Und Ausführungen über diese weiter unten; ferner über die Erkennung einiger
Gnkrautsamen auf chemischem Wege S. 271).

Spelzweizen.

Der Spelzweizen, welchen drei Arten, den Spelt oder Dinkel (Triticum Spelta i.), Emmer
G-r. dicoccum) und Einkorn (Tr. monocoocum), umfaßt, unterscheidet sich dadurch vom
(aoktweizen, daß seine Ährchen von den Klappen so fest umschlossen sind, daß sie beim
reschen nicht herausfallen. Aus dem Grunde muß der Spelzweizen auch etwas anders
verarbeitet1) werden, als der Nacktweizen. Das Korn wird auch hier zunächst geputzt,
ann von Klappen, Deck- und Vorspelzen befreit oder geschält (auch Gerben, die
uhlen „Gerbesteine“ genannt) und weiter auf Zyklonen hiervon und von den Unkrautsamen
e*reit. Der hierbei gewonnene Abfall heißt „Gerbstaub“ und dient als Gänsefutter. Die

l) Vergl. P. Hauptfleisch, Landw. Versuchs-Stationen 1903, 58, 67.
        <pb n="324" />
        ﻿300

Futtermittel.

geschälten (gegerbten) Kerne erfahren durch die weitere Verarbeitung eine Trennung in
Spreu, Spreu mit Kernen und reine Kerne, und letztere unterliegen erst dem eigentlichen

Füg. 66. Dinkel. Querzellen und Solllauchzellen, von der Fläche gesehen, qu Querzellen mit
deutlichen Tüpfeln; dahinter Schlauchzellen sch. (Vergr. 220.) Nach Hauptfleisch.

Mahlvorgang wie der Nacktweizen. Die hierbei gewonnenen Futterabfälle sind; 1. Qerb-
staub, 2. Futterspreuer, 3. Koppstauh, beide vielfach vermischt mit 4. dem Futtermehl,

5.	Spitzkernle, 6. grobe Schalenkleie, 7. Grieskleie.

Die diesen Abfällen etwa beigemengteu
ünkrautsamen usw. können dieselben sein, wie
beim Nacktweizen (S. 297).

Auch ist der Bau des Kornes der Spelz-
weizen bis auf die noch vorhandene Deck-
spelze im wesentlichen dem des Nacktweizeus
gleich. Von den Gewebselementen bieten die
Stärkekörner und Haare von Roggen,
Weizen und Gerste ebenfalls keine solchen
Unterschiede, daß darauf ein mikroskopischer
Nachweis gegründet werden könnte. Die Haare
des Emmers gleichen, was Länge und Weit-
lumigkeit anbelangt, am meisten denen des
Roggens, die Haare des Einkorns denen des
Weizens, während die Haare des Dinkels
gewissermaßen in der Mitte zwischen beiden stehen. Die Länge der letzteren schwankt
nach Hauptfleisch zwischen 100—1280 fx, der Durchmesser der größten Haare im Schaft

Fig. 67. Einkorn. Querzellen und Schlauch-
zellen, von der Fläche gesehen, qn Quer-
zellen mit mehr oder weniger deutlichen
Tüpfeln; dahinter Schlauchzellen sch. (Vergr.
220.) Nach Hauptfleisch.
        <pb n="325" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Spelzweizen.

301

21—27 ß, an der Basis B4—42 /x, der Durchmesser der kleinsten Haare 16—28 /x, Dicke der
Wand 8 /x, Weite des Lumens 1,6—6,6 fx. Dagegen gehen nach Hauptfleisch (1, c.)
wichtige Unterscheidungsmerkmale:

1. Die Längszellen. Während nämlich die Längszellen
getüpfelt sind und die Wandverdickungen zwischen den Tüpfeln
scheinen, sind die Tüpfel beim Nackt- und Spelzweizen viel stärker,

des Roggens schwach
im Profil rundlich er-
die Wandverdickungen

erscheinen im Profil rechteckig oder doch scharfeokig und ziemlich geradlinig kouturiert.
Das tritt besonders auffällig
hervor, wenn man diese Zellen,
deren Wände sehr quellungs-
fähig sind, mit verdünnter Kali-
lauge behandelt.

2. Die Quer- oder
G ü r t e 1 z e 11 e n (Pig. 66, S. 300).

Die Querzellen des Dinkels sind
länger als die des Roggens
und auch meist länger als die
Längszellen, zu deren Längs-
richtung sie senkrecht ver-
laufen; sie sind meistens noch
stärker getüpfelt als die des
Weizens und stoßen mit Schmal-
seiten fest aneinander, ohne
Interzellularräume — oder doch
nur in Spuren —• im Gegensatz
zu Roggen zu bilden. Die
Querzellen des Emmers und
Einkorns (Pig. 57, S. 300) sind
dagegen zarter, zeigen keine
80 deutliche Tüpfelung als die
des Weizens, während ihre
Längszellen sehr stark getüpfelt
81ud. Sie gleichen daher in
dieser Hinsicht den Querzellen
des Roggens, sie haben aber
zum Unterschiede von letzterem
Leine Interzellularräume oder
diese sind doch auf ein Mindest-
maß beschränkt.

3.	Die Aleuronkörner-
s°hicht. Die Zellen der
Aleuronschicht, die aber keinen
auswaschbaren Kleber liefern,

8'ud nach v. Höhnel im all-
gemeinen und stets größer — Breite der Zellen 37 bis 50 fx, Durchmesser der Proteinkörner
L'I bis 4,2 fi —■, als die der anderen Getreidearten, was aber Hauptfleisch bei einem
"Mgleiohsweise angebauten Theiß-Weizen nicht bestätigt fand. Dagegen geben nach

Hauptfleisch

T 4. die Zellenelemente der Spelzen und Klappen ein vorzügliches Mittel zur
Merscheidung; dieses ist um so wichtiger, als sich Teile dieser Bestandteile nicht nur in den
leien und Futtermehlen, sondern auch in den reineren Mehlen in geringer Menge finden
""erden. Der Querschnitt der inneren oder Vorspelze zeigt durchweg 3, zuweilen 4, zuweilen
auch nur 2 Zellreihen, die alle ziemlich dickwandig und ziemlich langgestreckt sind; an diese
o zt sich die äußere oder Deckspelze an, welche wesentlich mannigfaltiger gebaut ist als
16 Vorspelze, und auch andere Elemente aufweist, als diese. Die kennzeichnenden Zellen
ter ^or_ und Deckspelze sind, von der Fläche gesehen, folgende;

Fig. 58. Dinkel.
Innere Epidermiszellen
der Vorspelze, von der
Fläche gesehen.
Vergr. 160. (Seibert
Ok. I, Obj. III.) Nach
Hauptfleisch.

Fig, 69, Einkorn. Schwamm-
parenchymzellen aus der Vorspelze,
von der Fläche gesehen. Vergr. 220.
(Zeih Ok. II, Obj. F.) Nach
Hauptfleisch.
        <pb n="326" />
        ﻿302

Futtermittel.

a)	Die inneren Bpidermiszellen der Vorspelze des Dinkels (Fig. 58, S. 301). Es
sind langgestreckte, prosenchymatisclie Zellen, die meist spitz endigen und keine luterzellular-
räume bilden; nicht selten tragen sie auf ihrer Außenseite kurze, stachelige Härchen.

b)	Schwammparenchymzellen aus der Vorspelze des Einkorns (Fig. 59, S. 301).
Sie schließen sich den Bpidermiszellen an, sind stark zusammengedrückt und besitzen eine
dünne, vielfach gebogene, durchsichtige Membran und zwischen sich zahlreiche Inter-

Fig. 60. Dinkel. Faser-
zelleu der mittleren Schicht
der Vorspelze, von der
Fläche gesehen. (Vergr. 150.)
Nach Hauptfleisch.

Fig. 61. Dinkel. Zellen der äußeren Epi-
dermis aus der Vorspelze, von der Fläche ge-
sehen. 1 Langzellen, k Kieselzellen, z Zwillings-
zellen, h Haar. (Vergr. 520.) Nach Haupt-
ilelsoh.

zellularräume. Diese Zellen fehlen in den Vorspelzen des Dinkels wie des Maises, sind
aber in denen des Emmers und Einkorns wie der meisten Getreidearten vorhanden.

c)	Faserzellen der mittleren Schicht der Vorspelze des Dinkels (Fig. 60).
Sie haben eine den Zellen der Epidermis ähnliche Form mit ziemlich dicker Wand, die
allseitig spärlich und nicht stark getüpfelt ist.

d)	Zellen der äußeren Epidermis aus der Vorspelze des Dinkels (Fig. 61).
Diese Zellen haben die am meisten kennzeichnende Form zur Unterscheidung von denen
anderer Getreidearten und nur mit der Epidermis der Außenseite der Gerstenspelzen eine
gewisse Ähnlichkeit. Die Epidermis setzt sich wie die der Gerste aus sog. Langzellen
(Fig. 611) und Kurzzellen (Fig. 61z u. k) zusammen; diese Zellen sind in Längsreihen
        <pb n="327" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Spelzweizen.

303

(parallel mit der Hauptachse der Frucht) so angeordnet, daß je eine Langzelle mit je einer
Kurzzelle (k) oder zwei Kurzzellen (z) ab wechselt. Die Langzellen sind ihrer Hauptgestalt
nach lang-rechteckig, die Kurzzellen haben dreierlei Gestalt. Die mit k bezeichneten sind
die bei den Gerstenspelzen „Kieselzellen“ genannten Zellen; sie haben ein rundliches Lumen
und tragen bisweilen ein sehr kurzes, stumpfkegelfönniges Haar (h). Die mit z bezeichneten
sind die bei der Gerstenspelze „Zwillingszellen“ genannten Zellen; sie kommen fast regelmäßig
paarweise vor und bestehen aus 2 Zellen, von denen die eine ein etwa halbmondförmiges
Lumen besitzt, während das der Zwillingszelle, die eng an die halbmondförmige an-
gesohmiegt ist, etwa flach segmentförmig ist; sie machen den Eindruck verkümmerter
Spaltöffnungen, die übrigens auch in normaler Ausbildung vorhanden sind.

Die Wände aller dieser
4 Zellformen sind stark (am
meisten beim Spelt, weniger
beim Emmer und Einkornl
verdickt und zeigen, von der
Fläche gesehen, alle — aus-
genommen allein die Wand
zwischen den Zwillings-
zellen — ein buchtig hin-
und hergebogenes, Darm-
windungen ähnliches (flüch-
tig betrachtet; zickzack-
artiges) Aussehen, ln Kali-
lauge quellen sämtliche
Zellen der Vorspelze stark
auf, ganz besonders aber die
Gekrösezellen. Dabei wird
bei ihnen — und auch bei
den getüpfelten Paserzelleu
— die Mittellamelle zwi-
schen den Nachbarzellen
aufgelöst, und es bedarf
dann nicht einmal des
Kochens, sondern es genügt
ein geringes Quetschen, um
die genannten Zellen aus
ihrem Verbände zu isolieren;
dann liegen in einem solchen
zerquetschten Präparat die
Epidermiszellen der Außen-
eeite einzeln da und
zeigen ringsherum hervor-

epringende dicke Zapfen, die mit entsprechenden Buchten abwechseln; die Zapfen der einen
Zelle lösen sich von den Buchten der Nachbarzelle und umgekehrt; sie sind aber dann so
stark aufgequollen, daß von den Gekrösewindungen fast nichts mehr zu sehen ist. Mit
Phlorogluzin und Salzsäure färben sich sämtliche Zellen, wenigstens ans den mittleren
iPartien der Spelzen, braunrot.

e)	Epidermis der Innenseite der Deckspelze des Dinkels (Fig. 62). Diese
•Unterscheidet sich wesentlich dadurch von der Innenepidermis der Vorspelze, daß hier fast
stets zweierlei Zellen ziemlich regelmäßig miteinander abwechseln, nämlich kleine kreis-
luntle, die alle ein kurzes, spitzes, schlankkegelförmiges oder schwach S-förmig gekrümmtes
btaar tragen, mit größeren rhombenförmigen Zellen, deren Längsdurohmesser ungefähr

—4-mal so lang ist, als ihr größter Querdurchmesser.

f)	Schwammparenchym der Deckspelze des Dinkels (Fig. 64, S. 304). Die

J6llen des Schwammparenchyms sind im großen und ganzen in Reihen geordnet, stoßen unter

Fig. 62. Dinkel. Epidermis der Innenseite
der Deckspelze, von der Fläche gesehen,
soll Schließzellen, s Spaltöffnungen.
(Vergr. 220.) Nach Hauptfleisch.

Fig. 63. Ein-
korn. Haar
von der Innen-
epidermis der
Deckspelze.
(Vergr. 220.)
Nach Haupt-
fleisch.
        <pb n="328" />
        ﻿304

Futtermittel.

Bildung mehrfacher Interzellularräume aneinander und sind mit eigenartigen Membranfalten
ausgezeichnet.

g)	Faserzellen der Deckspelze des Dinkels (Fig. 65). Sie haben das Aussehen
von Holzfasern, große Ähnlichkeit mit den Faserzellen der Yorspelze, nur ist ihre Wand
meist dicker als dort, auch sind die Tüpfel recht tief und in außerordentlicher Menge
vorhanden.

Nackt- und Spelzweizen-Mahlerzeugnisse lassen sich von denen des Roggens
durch die starke eckige Tüpfelung der Längszellen unterscheiden, Nacktweizen und
Spelzweizen durch das Fehlen oder Vorhandensein der Spelzen und Klappenteile.

Fig. 64. Dinkel. Schwammparenchym
der Deckspelze in der Flächenansicht.
1 Interzellularräume, t Memhranausstiil-
pungen. (Vergr. 220.) Nach
Hauptflelsoh.

Fig. 65. Dinkel. Faserzellen der Deck-
spelze Im Längsschnitt; stark verdickt
und mit zahlreichen Tüpfeln im Profil,
f Tüpfel von der Fläche gesehen. {Vergr.
220.) Nach Hauptfleisch.

Grobe Tüpfel in den Querzellen zeigen nebst den Eoggenhaar- und Weizenhaar-
ähnliohen Haaren das Vorhandensein von Dinkel, zart gebaute, wenig und flach ge-
tüpfelte Querzellen in Begleitung von Weizenhaar-ähnlichen Haaren das Einkorn,
ebensolche Zellen neben Roggenhaar-ähnlichen Haaren den Emmer an.

Gerste.

Von den drei Sorten Gerste, der 6-, 4- und 2-zeiligen Gerste wird vorwiegend
nur letztere in Deutschland und den Nachbarländern angehaut, und zwar die
2-zeilige Gerste, die heim Dreschen nicht aus den Spelzen fällt; nur solche ist
zur Bierbrauerei geeignet, nicht die aus den Spelzen fallende Varietät (Hordeum
nudum) der 2-zeiligen Gerste. Aus dein Grunde hat man es im Handel nur mit der
bespelzten Gerste zu tun, deren Fruchtschale wie hei dem Spelzweizen mit der
darüberliegenden Deck- und Yorspelze innig verwachsen ist; deshalb auch haben
die hei der Verarbeitung der Gerste gewonnenen Abfälle eine andere Zusammen-
setzung — sie sind wesentlich rohfaserreicher — als hei Roggen und 'Weizen.
        <pb n="329" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Gerste.

305

Am umfangreichsten wird die Gerste zur Malzbereitung einerseits für
Zwecke der Bier-, andererseits für Zwecke der Spiritus- oder Hefe-Gewinnung
(Brennerei) verwendet. Die bei der Bierbrauerei und Brennerei gewonnenen Abfälle
sind aber in einem Punkte wesentlich verschieden. In der Bierbrauerei kann
nur gekeimte und durch Darren usw. entkeimte Gerste (Malz) verwendet werden;
man gewinnt daher dort, wo nur Gerstenmalz zur Bierbereitung verwendet werden
darf, als Abfälle die Malzkeime und die keimfreien Treber (Biertreber),
die frisch wie getrocknet als Futtermittel Verwendung finden. Aber auch wenn
noch sonstiges Getreide (wie Mais, Reis u. a.) Verwendung findet, muß dieses
durch Schälen entkeimt werden, so daß die hei der Bierbereitung gewonnenen
Treber allgemein keimfrei sind. In der Brennerei dagegen, hezw. auch hei
der Hefengewinnung verwendet
man keimhaltiges Grün- oder Luft-
malz und andere Getreidearten (Roggen,

Dari usw.) im natürlichen, nicht ent-
keimten Zustande; die Brennerei-
treber (frisch oder getrocknet) sind
daher zum Unterschiede von den Bier-
trebern stets keim haltig. Im übrigen
werden die Brennereitreber wie bei
der Bierbrauerei gewonnen, indem man
das verzuckerte Maischgut abseiht,
d. h. von den Schalen der Rohstoffe
befreit und dann der Gärung unter-
wirft. Durch Destillation des gebildeten
Alkohols, durch das sog. Abbrennen
wird als weiterer Abfall die Schlempe
(Destillationsrückstand) erhalten, die
ebenfalls im frischen wie getrockneten
Zustande ein geschätztes Futter-
mittel ist;

Aus der Gerste werden ferner sehr
Verschiedene Mahlerzeugnisse her-
gestellt, nämlich Grütze, Graupen,

Gries, Perl- (oder Roll-) Gerste,
ferner feinstes Gerstenmehl (Gerstenschleimmehl). Unter Gersten-Grütze
versteht man die geschälten oder gespitzten und gebrochenen Mehlkerne, unter Gersten-
Graupen die geschälten, gerundeten und polierten Mehlkerne, unter Perl-(Roll-)
Gerste geschälte Gerste, die zunächst in Gräupchen zerschnitten und dann erst
gerollt wird; durch weitere Zerkleinerung und Reinigung erhält man das Gersten-
Schleimmehl. Die hierbei gewonnenen Abfälle bestehen aus den Spelzen hezw. der
s°g. Gerstenkleie oder Gerstenabputz (mit Grannen), die beide reich an Roh-
faser und Asche (Kieselsäure aus den Spelzen) sind, ferner aus dem Gersten-
futtermehl von sehr schwankendem Gehalt an Gerstenschalen (6,0—23,0°/0 Rohlaser
und 2,8—9,5 o/0 Asche).

An Verunreinigungen kommen in den Mahlabfällen der Gerste häufig vor
H'icken und sonstige, unter Roggen- und Weizen-Abfällen bereits genannte Un-
rautsamen, ferner Staubbrand (Ustilago Carbo) und Mutterkorn, weil Gerste nächst
cem Roggenkorn am häufigsten von Mutterkorn befallen wird. Beregnete oder
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	20

Fig. 66. Querschnitt durch ein Gerstenkorn.

Sp Spelze mit Gefäßhündel, Fr Fruchtschale, S Samen-
schale, Al Aleuron, M Mehlkörper. Nach C. Böhmer.
        <pb n="330" />
        ﻿306

Futtermittel.

schlecht eingeerntete Gerste ist häufig stark verschimmelt. Schlecht aussehende,
beregnete oder havarierte Gerste wird auch wohl geschwefelt.

Für die mikroskopische Unterscheidung der Gerste und deren Mahl-
erzeugnisse von anderen Getreidearten kommen nur die Gewehselemente der
Spelzen in Betracht, welche entweder mit der Fruchtschale fest verwachsen sind oder,
wie bei der Braugerste, die Frucht doch so fest einschließen (Fig, 66, S. 305), daß sie
erst nach mehrstündigem Einweichen sich von der Frucht trennen lassen. Man unter-
scheidet hei den Spelzen zunächst die kräftigst entwickelte Bücken- oder äußere
Deckspelze und die Bauch- oder innere Vorspelze und in diesen von außen nach
innen 4 Zellreihen, nämlich äußere Epidermis, Faserschicht, Schwamm-
parenchym und innere
Epidermis, von denen die
äußere Epidermis und das
Schwammparenchym am
meisten unterschiedliche
Merkmale von anderen ähn-
lichen Getreidearten, wie z. B.
dem Hafer, darbieten. Bruch-
stücke der Gerstenspelzen
findet man aber selbst bei
sorgfältigster Reinigung des
Mahlgutes in allen Mahl-
erzeugnissen.

A. Emm erlin g1)bringt
zur Bloßlegung der Schichten
ein aufgefundenes und mit
einem Tropfen Wasser auf-
geweiohtes Bruchstück der
Spelzen so auf den Objekt-
träger, daß die Epidermis
das Glas berührt, hält es
mit der Nadel fest, schabt
mit dem Rasiermesser das
Gew'ebe von der Innenseite
der Spelze ab und erhält so
das Parenchym neben einigen
derhwandigen Fasern. C. Böhmer2) schließt erst mit 5 °/0-iger Salzsäure, dann
mit 1 °/0-iger Kalilauge auf, wäscht mit Wasser aus und bringt den Rückstand in
Glyzerin oder konzentrierte Chloralhydratlüsung (vergl. auch S. 286).

1.	Zellen der äußeren Epidermis (Fig, 67). Die Zellen der äußeren
Epidermis der Gerstenspelzen zerfallen in Lang- und Kurzzellen, von denen
erstere am zahlreichsten Vorkommen, in der Mitte der Spelzen sehr dickwandig
sind und nach den Rändern dünner und schwächer werden [längste Zellen 80—100 (i
(vereinzelt bis 150 /,(.), Breite 15—20 kürzeste Zellen kaum 40 fi lang]. Zwischen
den verdickten, kaum wellig gebogenen Schmalseiten, also zwischen den Querwänden
der Langzellen liegen die Kurzzellen (nämlich die einfachen, nahezu kreisrunden,
nach innen gekerbten, stark verkieselten, in der Nähe der Grannen mit kurz zu-

Fig. 67. Gerste. Zellen der äußeren Epidermis. A Zellen der
äußeren Epidermis aus der Mitte, A' vom Rande der Spelze,
1 Langzellen, kr einfache, kreisrunde Zellen, h Haare von denselben,
zk Zwillingskurzzellen, von denen eine halbmondförmig, B Faser-
zellen. Nach C. Böhmer.

1)	Landw. Versuchs-Stationen 1898, 50, 1.

2)	C. Böhmer, Die Kraftfuttermittel, Berlin 1903, 227.
        <pb n="331" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Gerste.

307

gespitzten Haaren besetzten Kurzzellen und die paarigen, glattwandigen, zum Teil
halbmondförmigen Kurzzellen (vergl. Fig. 67).

Mit der Oberhaut verbunden sind weiter die meist in 2- bis 3-facher Lage
ineinander verkeilten, sehr lang gestreckten Faserzellen (Hypoderma), worin die
makroskopisch als Rippen bemerkbaren Gefäßbündelstränge liegen. Die Zellen sind
200—300 ii und mehr lang, in der Längsachse des Kornes gestreckt, bis auf ein
schmales, spaltenförmiges Lumen verdickt und spaltenförmig getüpfelt. Diese Zellen
•— nicht ganz zutreffend auch Skiereiden oder Steinzellen genannt -— besitzen bei
allen Spelzfrüchten nahezu gleiche Form (vergl. S. 302 und S. 310, 313, 316).
Dagegen bietet:

Nach C. Böhmer.

2.	das Schwammparenchym (Fig. 68) ein sehr gutes Unterscheidungsmerkmal,
r ^mers zwischen Gersten- und Haferspelzen. Es besteht bei der Gerste aus reihen-
j übereinander liegenden, im Umriß verschlungenen, 4-seitigen, dünnwandigen,
er Plächenansicht gleichsam leiterartigen Zellen. Die bis ins Innere der parallel
au eil&lt;len Zellen reichenden Faltungen erweitern sich oft zu großen, meist rund-
Fio1Cn ^n^erzehulartäumen und bilden, wenn sie sich gegenüberliegen, brillenartige
sch' Y*1 Durch diese oder neben der Schicht sieht man dünnwandige, ver-
?n lanS gestreckte Langzellen der inneren Epidermis, die mit Spaltöffnungen
vielen, etwa 50 fx langen Haaren versehen sind, hervortreten.
der g ' ^®Den der Fruchtsamenhaut (Fig. 69), Die mit der inneren Epidermis
Druckt6 Z6n —' ausgenommen in der Scheitelgegend des Kornes — verwachsene
ganz !a!neilDaut verhält sich den entsprechenden Schichten des Roggens und Weizens
S eich und besteht aus 4 Zellschichten, nämlich der Fruchtoberhaut mit Lang-

20*
        <pb n="332" />
        ﻿308

Futtermittel.

zellen (100—200 (i lang; an den Längswänden getüpfelt, in den Querwänden glatt),
den Quer- und Schlauchzellen und einer quellungsfähigen, sehr zarten, farblosen
Samenhaut. In der Scheitelgegend des Kornes werden die Zellen der Fruchtober-

Mg. 69. Gerste. Zellen der Fruchtsamenhaut. Fruchtoberhaut A von der Mitte, B vom Scheitel
der Gerstenfrucht, a obere getüpfelte, b darunter liegende glatte Zellen, h Haarformen.

Nach C. Böhmer.

haut kurz, unregelmäßig polygonal sowie glattwandig und treten zwischen ihnen
Spaltöffnungen sowie 30—180 fi (meist 100—150 fi) lange, weitlumige Haare auf,
auf denen man häufig zahlreiche Pollenkörner und Pilzsporen bemerkt.

Fig. 70. Gersten-Stärke nach J. Möller. (Yergr. 300.)

Die Stärkekörner der Gerste (Fig. 70) bieten keine Unterscheidungs-
merkmale zwischen denen des 'Roggens und Weizens.
        <pb n="333" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Hafer.

809

Hafer, Arena sativa L.

Die Verwendung des Hafers als Backmehl ist wie die der Gerste von ganz
geringer Bedeutung, obgleich auch wohl Mischungen desselben mit Eoggenmehl hier
und da vorgekommen sein sollen. Häufig dagegen dient der entschälte und gröblich
zerkleinerte Hafer zur Herstellung von Hafergrütze und Hafergries, sowie das Hafer-
mehl zur Herstellung von Kindernahrungsmitteln usw. Zu dem Zweck wird der
Hafer1) zuerst von Staub, Schmutz, ünkrautsamen gereinigt, sortiert und dann
entweder mit siedendem Wasser oder mit Wasserdampf so lange behandelt, bis sich
die Deckspelzen leicht ablösen lassen. Der entspelzte Hafer wird entweder direkt
gedarrt bezw. geröstet (amerikanisches Verfahren) oder erst in Wasser bezw.
m Dampf gekocht und dann geröstet (deutsches Verfahren). Der geröstete Hafer
Wird weiter entschält, d. h. von den Hülsen und der Kernspitze des Kornes befreit
"und dann erst auf Mehl oder Grütze verarbeitet. Die hierbei sich ergebenden
Abfälle bestehen aus den Haferspelzen, die gemahlen fälschlich als Haferkleie
bezeichnet werden, aber so gut wie keinen Futterwert besitzen; der eigentlichen

&lt;' ^ 9- * V *

fc «	**• »Hl o iM?

Mg. 71. Hafer-Stärke nach J. Möller. (Vergr. 300.)

Haferkleie, bestehend aus der äußeren Samenhülse des entschälten Kornes und
darunter liegenden Schichten; dem Haferfuttermehl, bestehend ans en eim
Schälen, Putzen. Bürsten, Mahlen und Hafergrützeschneiden abfallenden Kernspitzen
Hehlteilchen, Fruchthaaren und wenig Spelzen; aus denselben Bestandteilen Mesteht
der Abfall unter der Bezeichnung Hafergrützenabfall, Haferrot- und Hafer-
^eißmehl; dem Haferschlamm, im wesentlichen die Fruchthaare des Ha c
haltend. Diese Haferabfälle unterscheiden sich chemisch wesentlich durch i r
Hrotein-, pett- und B.ohfasergehalt. So enthalten die Haferhülsen (Deckspe ze.)
,2—3,0°/0 Protein, 0,4—1,8°/0 Fett und 22,5—39,0°/0 Rohfaser; Haferkleie
Haferschlamm und Haferrotmehl) 6,8—10,8 &lt;&gt;/0 Protein, 2,3-4,1 /0 Fett und
ip’d 25,8°/o Rohfaser; das Haferfuttermehl 9,2-15,2 &lt;&gt;/0 Protein, 3,5-7,2&lt;&gt;/0
ett nn&lt;l 1,9—16,0 °/0 Rohfaser.	r, ^nr7

TT Als Verunreinigungen können im Hafer die schon oben S. 297 genannten
Oukrautsamen, ferner die Sporen des Flugbrandes (Ustilago carbo) Vorkommen;
üw eilen ist der Hafer auch verschimmelt oder geschwefelt.

Für die mikroskopische Untersuchung der Hafermahlerzeugnisse kommen
J lr Unterscheidung von anderen Getreidearten in Betracht:

V) Vergl. E. Haselhoff und F. Mach, Landw. Versuchs-Stationen 1904, 60, 161.
        <pb n="334" />
        ﻿310

Futtermittel.

1.	Die Stärkekörner (Fig. 71, S. 309). Sie sind häufig zusammengesetzt,
treten aber in dieser Form sehr hinter der Zahl der kleinen polygonalen Körner zurück,
welche die Grundsuhstanz bilden, in denen die großen ovalen und rundlichen Stärke-
körner eingebettet liegen. Kennzeichnend ist die spindelförmige, viertelmondförmige,
spitz-elliptische Gestalt eines Teiles der Stärkekörner. Die großen kugeligen oder
elliptischen Stärkekörner haben 15—50 fi, die einfachen Körner 1,5—12,0 /i
(durchweg 7 fi) im Durchmesser. Sämtliche Stärkekörner sind ohne Schichtung
und Kerne.

Von wesentlicherer Bedeutung zur Erkennung der Hafermahlerzeugnisse
aber sind:

Fig. 72. Hafer. Zellen der Oberhaut der Deckspelze. A Zellen aus der Mitte, A' vom Rande der Spelze,
letztere mit einigen darunter liegenden Faserzellen B, a Verdickungen der Querwände, b spitz aus-
laufende Zelle, c einfache, d Zwillingskurzzellen. Flächenansicht nach C. Böhmer.

2.	Die Oherhautzellen der Deckspelze (Fig. 72). Sie sind in der Mitte
der Spelze dickwandig — in der Yorspelze dünnwandig, ohne zackige Struktur —,
sehr ungleich verdickt und eigenartig buchtig gezähnt; in der Nähe der Eandnervatur
finden sich auch zahlreiche Spaltöffnungszellen. Bei den Haferdeckspelzen treten
zum Underschiede von den Spelzen der Gerste und anderer Getreidearten knoten-
artige Verbiegungen der Querwände auf. Zwischen den buchtigen und den zart-
welligen Langzellen liegen viele Kurz- oder Kieselzellen sowie Zwillingskurzzellen,
aus denen häufig sehr dickwandige, spitze, an die Oberfläche angedrückte Haare
von 40—180 /x Länge hervorwachsen. Unter der Oberhaut liegen in mehrreihiger
Schicht die Faserzellen.

3.	Das zusamraengedrückte, dünnwandige Schwamm-(Stern-)paren-
chym (Fig. 73). Es folgt auf die Faserzellen und unterscheidet sich als besonders
kennzeichnend von dem Spelzenparenchym der Gerste (Fig. 68, S. 307) durch
die tieferen, halbkreisförmigen, faltigen Einbuchtungen, zwischen denen große, runde,
brillenförmig angeordnete Interzellularräume liegen und infolge derer in dem
Sternparenchym blasenartige Hohlräume entstehen, während die schmalen, tiefen
        <pb n="335" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Reis.

311

Faltungen bei dem Gerstenspelzenparenchym in der Längsrichtung benachbarter
Zellen leiterartige (nach A. Emmerling dachziegelförmige) Figuren erzeugen.

4.	Die Fruohtsamenoberhaut (Fig. 74). Diese ist durch dünnwandige,
langgestreckte, fein getüpfelte Tafelzellen ausgezeichnet, die oft gruppenweise nach
regellos verteilten Zentren zusammenlaufen, in denen ein oder mehrere kürzere und

bis 1,5 mm lange Haare entspringen.

kig. 73. Hafer. Sternparenchym der Spelze
mit brillenförmlg angeordneten Interzellular-
räumen, darunter die Innenepidermis mit
Spaltöffnungen am Rande, Fläohenansicht
nach C. Böhmer.

Diese sind schlank, im Vergleich zum

Fig. 74. Hafer, Fruchtoherhaut mit langen
Haaren. Flächenansicht nach C. Böhmer.

Lumen dickwandig (Wanddicke 4,6 fi, Lumenweite in der Mitte der Haare 3,0—4,8 [i)
Und laufen ganz allmählich in eine feine Spitze aus.

Keis, Oryza sativa L.

Das Reiskorn unterliegt behufs Verarbeitung zu menschlichen Ernährungs-
Hecken vorwiegend einem Schälvorgang und ist hierzu wegen des lehlens der
Längsfurche besonders geeignet. Eine weitere Zerkleinerung bis zu feinstem Mehl
Ludet nur in beschränktem Umfange statt. Der eingeführte Reis wird zunächst
m der Staubtrommel von fremden Beimengungen (Staub, Steine, Stroh) und bnkraut-
*amen, in dem Spitzgang oder Grannenbrecher von Grannen, weiter auch von Bruch-
k°rnern (Bruchreis) befreit, darauf in einem System von Maschinen (Sortier-, bcha -
und Poliermaschinen) einer stufenweisen Schälung unterworfen. Bei diesem Schal-
        <pb n="336" />
        ﻿312

Futtermittel.

Vorgang fallen der Eeihe nach ab: Grannen, Gemisch von Spelzen mit wenig Keimen,
weiter Gemische von Spelzen, Keimen und Silberhaut (Fruchtsohale) und zuletzt
vorwiegend Silherhaut mit Mehlendosperm sowie Teilen des abgeriebenen Putz -
mittels (Weizenschalen, Spelzen usw.) als weißes Eeis mehl. Es gibt daher eine
Eeihe Eeisabfallmehle mit einem größeren oder geringeren Gehalt an Spelzen; einen,
nur aus der Silherhaut bestehenden Abfall, der der Eoggen- und Weizenkleie ent-
sprechen würde, gibt es nicht. Eeisspelzen, welche, für sich vermahlen, vielfach zur
Verfälschung anderer Futtermittel dienen, haben gar keinen Futterwert, sondern be-
einträchtigen sogar durch ihren Eeiz auf die Darmwandung, der eine schnellere
Darmentleerung bewirkt, die Verdaulichkeit des sonstigen Futters. Da die Silber-
haut (Keim- und Aleuronsohicht) gegenüber dem Mehlkern usw. reich an Fett und
auch reicher an Protein ist, so enthalten die Eeisfuttermehle um so mehr Protein und
Fett, je mehr Silberhaut und Keime sie einschlieflen. Aus diesem Grunde sind
gerade die weißen und reineren Eeismehle, die kaum Spelzen, aber mehr oder
weniger Teile von dem Mehlkern enthalten, den letzteren gegenüber verhältnismäßig
arm an Protein und Fett.

Bei der Verarbeitung des Eeises auf Stärke, wozu man meistens den Bruch-
reis verwendet und wobei der Eeis in verdünnter Natronlauge eingequollen wird, er-
hält man die sog. E e i s s c h 1 e m p e, die aus den Hülsen, Zellstoff, stickstoffhaltigen Stoffen
und erheblichen Mengen Stärke besteht; diese wird sowohl frisch (mit etwa 95—96 °/0
Wasser), als auch im gepreßten Zustande als sog. Preßfutter (mit 60—70°/o Wasser)
oder getr ocknet (mit 10—14 °/0 Wasser) zur Fütterung verwendet, neigt im frischen
und gepreßten Zustande aber sehr zur Säuerung. Bei der Eeisstärke-Herstellung
erhält man auch das Eeisprotein (unrichtigerweise auch Reiskleber genannt), welches
indes menschlichen Ernährungszwecken zugänglich gemacht wird. Bei der Dar-
stellung von Reis hier erhält man die E ei streber, die wie die Malztreber (S. 305)
gewonnen werden und zusammengesetzt sind.

Als Verunreinigungen der Eeismehle kommt in erster Linie die Beimengung
von gemahlenen Eeisspelzen1) in Betracht, ferner die häufige Verschimmelung,
besonders bei Reismehlen aus überseeischen Eeisschälereien; diese Mehle haben dann
vielfach einen dumpfigen, ranzigen Geruch und sind mit Käfern und Larven des
Klopfkäfers (Anobium paniceum) sowie Schimmelpilzen durchsetzt. Auch Sand,
Erde und Kehricht (Mauerputz) finden sich nicht selten in den Reismehlen. Das
Vorhandensein von etwas Weizenkleie im Eeismehl kann nicht ohne weiteres als
Verfälschung angesehen werden, weil Weizenkleie, wie schon gesagt ist, zum Polieren
des Kochreises verwendet wird.

Der anatomische Bau des Reiskornes gleicht dem anderer bespelzten Ge-
treidekörner, besonders dem der Gerste, jedoch bieten die einzelnen Zelllagen eigen-
artige Unterschiede von denen der letzteren. Auch die Spelze des Reises zerfällt
in eine verkieselte äußere Oberhaut, eine Faserschicht, ein von Gefäßbündeln durch-
setztes Schwammparenchym und eine innere Oberhaut. Von diesen Zelllagen sind
in der Flächenansicht kennzeichnend für den Eeis:

1.	Die Oberhautzellen (Fig. 75). Diese sind kurz, höckerig, mit langen,
spitzfingerartigen Ausbuchtungen der Längswände versehen, die fest ineinander greifen.

’) Da Reisspelzen im Mittel 35°/0 Rohfaser und 13 °/0 Asche (kieselsäurereich), weiße
Reismehle nur bis 6 % Rohfaser und 5 % Asche enthalten, so sind die Reisfuttermehle um
so mehr mit Reisspelzen vermischt, je mehr Rohfaser und Asche sie aufweisen. Die Reis-
mehle mit mittlerem Gehalt an Spelzen enthalten, bei 18—30% Protein -)- Fett, 7—12%
Rohfaser und 6—9% Asche.
        <pb n="337" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Keis.

313

Gegenüber der Gerste- und Haferspelze fehlen die kleinen runden Doppelzellen, nur
die einfachen Eundzellen sind vorhanden, die aber erst durch Behandeln des Mehles
oder der Spelzen mit Alkalilauge hervortreten. Hierdurch zerfallen dann die Ober-

,'S- 75. Reis. Oberhautzellen der Spelze. Ä Oberhautzellen mit Lauge, A' mit Wasser behandelt,
K®nntlich au den tiefen Faltungen, t Tüpfel und Höcker daran, r Rundzelle, woran Haare H sitzen,
F Zellen des darunterliegenden Fasergewebes. Nach C. Böhmer.

tarerinV Reis- Großpoly«

Zellerw?1 der Spelzen' u
®Uen der Silberhaut b

l*ach C. Böhmer

Fig. 77. Reis. Silberhäutchen mit Aleuronzellen. a einge-
drückte sogenannte Langzellen mit darunterliegenden Schichten
a', b Querzellen mit Interzellularen /S, c Schlauohzellen, d Aleuron-
zellen. Nach C. Böhmer.
        <pb n="338" />
        ﻿314

Futtermittel.

hautzellen und die kurzen, durch dickwandige Rundzellen getrennten Oherhautzellen
zeigen sich als zackige, mit langen knorrigen Fortsätzen ineinander greifende Ge-
bilde Uber den Faserzellen.

2.	Großpolyedrisches Parenchym (Fig. 76, S. 313). Auf die Faserschicht
folgen die großpolyedrischen Parenchymzellen, die bandartig gestreifte Zellwände
haben und in welche man, wie in deckellose Kästchen, hineinsehen kann. Sie
sind zart, verquollen mit verdünnter Kalilauge und werden durch heiße Kalilauge
zerstört.

3.	Silherhäutchen (Fig. 77, S. 313). Das Silherhäutchen, die zarte, glänzende
Fruchthaut umschließt das geschälte Reiskorn und lagert mit den Schlauchzellen
unmittelbar auf der Aleuronschicht; eine Samenhaut fehlt beim Reis. Die Zell-
schichten der Silberhaut bestehen aus den zusammengedrückten Langzellen, den fast
inhaltlosen, oft durch weite Interzellularräume voneinander getrennten Querzellen
und den faden- oder streifenartig in weiten Zwischenräumen nebeneinander liegenden
Schlauchzellen (3—5 n breit und bis 100 /,/. lang). Die Zellen der einreihig das
Korn umgebenden Aleuronschicht sind 5- bis 6-seitig. Auch die Silberhaut wird,
wie das großpolyedrische Parenchym, leicht durch Kalilauge zerstört. Man färbt
es, um die einzelnen Teile erkennbar zu machen, zweckmäßig mit Chlorzinkjod.

Fig. 78. Eels-Stärke nach J. Möller. (Vergr. 300.)

4.	Die Stärkekörner (Fig. 78). Die Stärkekörner des Reises haben einige
Ähnlichkeit mit denen des Hafers. Auch hier findet man zahlreiche isolierte, kleine,
polygonale, mit Kernhöhle versehene Stärkekörner von 3—7 fi Durchmesser, neben
welchen eiförmige Klumpen mit 2—100 einzelnen Körnchen angetroffen werden.
Sie färben sich mit Jod häufig rot bis rotbraun, wie die der Klebhirse.

Mais, Zea Mais.

Der Mais wird vielfach wie der Hafer direkt bezw. nach dem Schroten zur
Fütterung verwendet. Da der Keim wie das hornartige Endosperm beim Mais einen
großen Teil des Kornes ausmachen und beide mit der Schale verwachsen sind, so läßt
sich das Maiskorn durch den einfachen Mahlvorgang nicht so vollständig wie andere
Getreidearten in feines Mehl, Gries usw. und Kleie zerlegen. Das Mehl behält in-
folge Beimengung der peripherischen Schichten leicht eine gelbliche Färbung; in
die Abfälle (Kleie) gehen dagegen außer der Fruchtschale und dem Keim auch noch
Teile des hornartigen, glasigen Endosperms über. Aus dem Grunde hat man versucht,
        <pb n="339" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Mais.

315

das Korn nur in wenige Teile zu zerreißen, mit Wasser zu benetzen und mit ge-
spanntem Wasserdampf einer Temperatur von 105—110° auszusetzen, so daß sich
Schale und Keim besser von dem Mehlkörper loslösen; letzterer, der teilweise ver-
kleistert ist, wird dann zu Nudeln geformt und gemahlen.

Eine weitgehende Verarbeitung findet der Mais zur Stärke-Bereitung.
Hierbei wird das Maiskorn entweder von der breiten nach der spitzen Seite
zu gespalten, um dadurch den Keim abzutrennen und das entkeimte Korn durch
Einweichen in verdünnter Natronlauge auf Stärke zu verarbeiten, oder man weicht
das Korn etwa 60 Stunden mit 60° warmem Wasser ein, welches %—Vs/Vo
Schweflige Säure enthält, quetscht das Korn, wobei Schale und Keim nicht mit zer-
kleinert werden; beim Aufschlämmen des Kornbreies sinkt die Stärke als am spezifisch
schwersten nach unten, die Schalen sammeln sich oben an, darauf folgen die Keime;
auf diese Weise können die Kornteile mechanisch voneinander getrennt werden.
Man erhält so eine Reihe Abfälle, die zum
großen Teil sehr als Futtermittel geschätzt
sind, nämlich; die Maistreber oder Mais-
kleie (die beim Alkali-Verfahren abgesiebten
Maishülsen), den Keim, der bis 45 °/0 öl ent-
hält, hierauf verarbeitet wird und die Mais-
keimkuchen (mit 26—28% Protein und
7-—10% Fett)hinterläßt, Gluten-Peed(Gluten
mit viel Schalen, 24—28 % Protein, 2—4 %

Fett, 7—10% Rohfaser) und Gluten-Meal
(Hinten mit wenig Schalen, 34—39 % Protein,

2—4 % Fett, 2—4% Rohfaser) und weiter
has Gluten selbst. Man wäscht die Stärke-
irsilcb entweder mit Natronlauge enthaltendem
°der nach dem Säure-Verfahren mit Schweflige
Säure enthaltendem Wasser aus und fällt das
Hluten mit Säure bezw. Alkali. Das Gluten
"’ird entweder für sich verwendet oder aber
hem Schalenabfall zugesetzt.

Bei der Verwendung des Maises zur
^ier- oder Branntwein-Bereitung werden
ähnliche Abfälle wie bei der Verwendung anderer
&lt;,(-'treidearten gewonnen; nur sind diese Abfälle,

Welche zum Teil oder ganz den protein- und
^reichen Keim bezw. die Aleuronschicht mit
^schließen, verhältnismäßig protein- und fettreicher als die Abfälle von
sonstigen Getreidearten.

Als Verunreinigungen des Maises und seiner Erzeugnisse kommen in Be-
dacht der Mais- oder Beulenbrand (Ustilago Maydis), recht häufig Schimmel,
besonders wenn die Körner längere Zeit in dem Kolben belassen werden; dem Vor-
kommen von Schimmel schreibt man in Italien und den Ländern an der unteren
°nau das Auftreten der Pellagra beim Menschen, einer schleichenden Hautkrankheit,
??•. h»er Körnermais des Handels besteht aus unreifen, am Scheitel und am
. eimHng geschrumpften Körnern; in den Mahlerzeugnissen sind Steinnuß,
ln her Maisschlempe der Brennereien bis 12% Calciumkarbonat —• herrührend von
einer Säure-Abstumpfung — beobachtet worden. Das Vorkommen von Hülsen und
‘ chalen der Gerste in diesen und den Abfällen der Maisbierbrauereien rührt von der

Fig. 79. Mais. Epidermis der oberen
Hüllspelze in der Flächenansicht. (Vergr*
300.) Nach Win ton.
        <pb n="340" />
        ﻿316

Futtermittel.

gleichzeitigen Verwendung von Gerstenmalz her. Die Maiskeimkuchen sind nicht
selten ranzig, sauer und zeigen dann häufig ein lockeres, bröckliges Gefüge.

Flg. 80. Mais. Schichten der Schale in der Flächenansicht nach J. Möller. (Vergr. 160.) m Mittelschicht,
p Schwammparenchym, sch Schlauchzellen, is Innenschicht (der hyalinen Schicht anderer Zereallen

entsprechend), K Kleberschicht.

Flg. 81. Mals. Oberflächenzellen der Spelze in der
Flächenansloht. (Vergr. 160.) p das Grundgewebe, ep
Oberhaut mit den langen, einzelligen Haaren H und
den kurzen, leicht abfallenden, 1—3-zelligen Haaren h,
* Spuren abgefallener Haare. Nach J. Möller.

Flg. 82. Mais. Isolierte Elemente
der Mittelschicht der Schale.

Für die mikroskopische Untersuchung des Maises und seiner Er-
zeugnisse ist zu merken, daß die Körner heim Entkernen der Kolben als nackte
        <pb n="341" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Hirse.

317

Früchte gewonnen werden, denen nur an dem spitzen Grunde vereinzelte Reste
der Spelzen anhaften. Diese werden heim Putzen der Körner so vollständig
entfernt, daß sie nur in der Maiskleie bezw. den Maisschalen (Trebern) usw., nicht
aber im Maismehl oder Gries Vorkommen. In den Maiserzeugnissen jedoch, in denen
sie auftreten, können sie als Unterscheidungseieinente von anderen Getreidearten
dienen. Als solche sind zu beachten;

1. Die Oberflächenzellen der Spelzen (Fig. 81, S. 316). Die Spelzen haben
zum Unterschiede von anderen Getreidespelzen nur zwei Zolllagen, nämlich die Ober-
fläche mit ungleich wellig-buchtigen, geschlängelten Längsrändern und das darunter
liegende Parenchym mit zartwandigen Tafelzelleji. Auf der Oberfläche sitzen
einzellige, dickwandige, bis 1000 fi lange Haare, bis zur Spitze mit offenem Lumen,
ferner auch kurze, dünnwandige 1 bis 3-zellige Haare. Besonders kennzeichnend
sind auch die Zellen der Epidermis der Hüllspelze (Fig. 79, S. 315).

2. Schichten der Maisschale (Fig. 80, S. 316). Die Maisschale, die sich
schon durch bloßes Kochen als farbloses Häutchen abheben läßt, besteht aus der Ober-
haut und vier vielgestaltigen Zellschichten, die reihenweise nebeneinander liegen.
Die Oberhautzellen sind teils 4-, teils
5- Ws 6-seitig, teils geradwandig,
teils getüpfelt; sie sind mit der 6- bis
8-reihigen, zusammengepreßten Mittel-
schicht, deren Zellen denen der Ober-
haut ähnlich sind, verwachsen. Die
vielgestaltigen Zellen des Schwamm-
Parenchyms setzen sich aus buchtigen
his sternförmigen Elementen zu-
sammen, denen häufig vereinzelte
'^chlauchzellen anhaften. Die Zellen

der

einreihigen Aleuronschicht er-

scheinen in der Flächenansicht ge-
endet, vielseitig, derbwandig, mit
.zwei nahezu parallelen Wänden.

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O	H.

Fig. 88. Mais-Stärke nach J. Möller. (Vergr. 300.)

3. Die Stärkekörner (Fig. 83).	•	.

Sie sind rundlich-eckig, ungeschichtet, meist mit einem hellen Kern und einer
zentralen, radial gestreiften Höhlung versehen; ihr Durchmesser beträgt 8—3o fi
Öni Durchschnitt 16—22 [x)\ die Stärkekörner aus dem hornigen Teil des Maiskornes
J^hen scharfkantige, die aus der Peripherie des letzteren bezw. aus dem lockeren
Nährgewebe haben meist rundlich-eckige Formen.

p Das Gewebe des Keimes besteht aus zarten, dünnwandigen, palissadenförmigen

Darenchymzellen.

Auf eine Arbeit von D. Ottolenghi1) über den Nachweis von Maismehl
* Brot durch Behandeln des mit 0,3«/o-iger Kalilauge hergestellten, eingetrockneten
Auszuges mit Isoamylalkohol, der einen Proteinstoff des Maises löst, sei hier nur

Verwiesen.

Hirse.

qj . Bari unterscheidet vorwiegend zwei Sorten, die Rispen- und Kolbenhirse
ar|icum miliaceum L. bezw. P. italicum L) und die Sorgho- oder Mohren- oder

bezw.

) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 189.
        <pb n="342" />
        ﻿318

Futtermittel.

Durrahirse (Sorghum vulgare Pers., S. saccharatum Pers., S. tataricum usw.),
welche letztere als Varietäten der Art Andropogon Sorghum Brot, aufgefaßt werden
und von denen eine Art, der Dari oder das Guineakorn, hei uns eine ziemlich um-
fangreiche Verwendung zur Branntweinbereitung gefunden hat und dazu wegen

seines höheren Stärke- und niedrigeren
Protein- und Eohfasergehaltes (7—9 °/0
Protein und 2,8—4,0 °/0 Eohfaser) besser
geeignet ist als die stärkeärmere und
protein- und rohfaserreichere Eispen-
oder Kolbenhirse (10—14 °/0 Protein und
7—18 °/0 Eohfaser).

Bei uns wird vorwiegend nur die
Eispenhirse auf Gries, Grütze oder
Gräupchen, sehr selten auf Mehl ver-
arbeitet. Zur Darstellung der Hirse-
grütze dienen im allgemeinen dieselben
Eeinigungs- und Entschälungs- bezW-
Mahl-Vorrichtungen wie bei den anderen
Getreidearten; man erhält auch hier als
Abfall den Boden- und Polierstaub, die
Spelzen (Schalen) als sog. Hirsekleie,
Futterhirse (kleine und beschädigte
Körner), Hirsefuttermehl undHirsekuchen.
Die Hirseschalen (Kleie), die, wie andere
Getreidespelzen, keinen Futterwert be-
sitzen, dienen vielfach zur Verfälschung
von wertvolleren Getreideabfällen oder
auch von Gewürzen. Einen eigentlichen
Futterwert besitzen nur die Teile des
Hirsekornes, die zwischen den Spelzen
und dem Mehlendosperm liegen, also
aus Fruchtsamenschale, Aleuronzellen,
Keimen und den beim Koppen, Polieren und

Fig. 84. Rispenhirse, Spelze. Ep Oberhaut,
Ep' Zellen derselben neben einem Randnerv,
t Tüpfel, F Faserzellen, P bandförmiges Parenchym.
Nach C. Böhmer.



Fig. 85. Rispenhirse, Fruchtschale. Ep Ober-
haut der Fruchtschale nebst einigen Zellen des
unteren, dünnwandigen Gewebes. Al Aleuronzellen.
Nach C. Böhmer.

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Fig. 86. Stärke der Rlspenhlrse.
C. Böhmer.

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Putzen entstehenden Trümmern des Nährgewebes bestehen. Selbstverständlich ent-
halten diese Abfälle auch noch wechselnde Mengen der Spelzen beigemengt. Be1111
Polieren und Putzen der Hirsekörner ballt sich ein Teil der kleinen ölreichen Keiuje
zu Klumpen zusammen und liefert nach dem Abkratzen von den Polierflächen di0
Masse zu den Hirsekuchen; diese, wie auch das Hirsefuttermehl und der Polierstaub)
enthalten 16—20 °/0 Protein und ebensoviel Fett; sie gleichen daher in der Zusammen
        <pb n="343" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Hirse.

319

Setzung den Abfällen bei der Reis-Verarbeitung- oder übertreffen diese noch im
Protein- und Fettgehalt. Wegen des hohen Protein- und Fettgehaltes werden die
Hirseabfälle leicht ranzig und schimmelig; auch trifft man in ihnen vielfach den
Ausputz, Milben und Sporen des Hirsebrandes (Ustilago destruens).

Für die mikroskopische Untersuchung behufs Unterscheidung von
anderen Getreidearten sind auch hier vorwiegend Zellschichten der Spelzen in der
f lächenansicht maßgebend.

i.	Rispenhirse. Für die Unterscheidung der Mahl- bezw. Schälabgänge doi
ßispenhirse kommen vorwiegend in Betracht:

a)	Die Oberhautzellen und das bandförmige Parenchym der.Spelzen
(Fig. 84, S. 318). Die Spelzen der die 2 mm lange Frucht umschließenden Eispenhirse
sind bauchig gewölbt, meist strohgelb, lebhaft glänzend, spröde und lassen nach
dem Kochen mit Kalilauge die Oberhautzellen erkennen, die zwar Ähnlichkeit mit denen
des Reises und der Gerste haben, aber zarter und nicht spießförmig, wie beim.Reis,
sondern schwungvoll gebuchtet, außerdem viel länger als breit sind. Auch e i en
ihnen die rundlichen Kieselzellen und die Zwillingskurzzellen. Die Hypodermfaser-
zellen sind zwar einzeln mit spieß- und zahnförmigen Auswüchsen versehen, aber
Von zarterer Struktur als bei den anderen Getreidespelzen. An die Hypodermfaser
Schließt sich als dritte besonders kennzeichnende Schicht ein großzelliges, zusammen-
gedrücktes Parenchym an, dessen bandartig dünne, feinnetzig getüpfelte Zellwände
kettengliederartig verschlungen sind.

b)	Die Fruchthaut (Fig. 85, S. 318). Die Fruchthaut umgibt nach Art der
^überbaut des Reises den Mehlkern als zartes, weißes, ablösbares Häutchen, dessen
Oberhaut aus zartwandigen, tiefgebuchteten Längszellen mit ziemlich geraden Quer -
fänden besteht. Das darunter liegende Parenchym ist verschiedenartig gestaltet,
hat teils lange und kurze, teils gerad- und krummwandige Tafelzellen, unter denen
(schlanken, lückenhaft verteilten Schlauchzellen liegen.

c)	Die Stärkekörner (Fig. 86, S. 318) sind rundlich-polyedrischundö—16 fx grob.
(Andropogon Sorghum var. techn. Koern.). Bei der Besen-
man wie bei anderen Hirsenarten nach A. L. Winton1)

indes beim Dreschen abfliegt, die 4—6 mm langen Hüll -
deren ganze Oberfläche mit weichen Haaren dicht besetzt ist, die aber
°eim Dreschen und Reinigen des Kornes fast ganz entfernt werden, die dünne
^Pelze innerhalb der unteren oder Hüllspelze als Überbleibsel einer verkümmerten
f“te’ ebenfalls mit zahlreichen Haaren besetzt, und zuletzt die Vorspelze eben-
*alls häutig und behaart wie die dünne Spelze. Die kennzeichnenden Zellen der

•Besenmohrhirse sind;

rrmu t.2' ®esenmohrhirse
die D rSe unterscheidet
snti eckspelze, welche

h Düllspelzen.

stark skl^6- äu^ere Epidermis (Fig. 87 aep und 88 aep, S. 320); sie besteht aus
Kontur ei"osierten Zellen, welche zuweilen so lang als breit sind und eine wellige

1 aufweisen.

Schichten^'6 ^P^erm fasern (Eig. 87 f und 88 f, S. 320), von welchen mehrere
träe-t n ' &lt;J1’handen sind, haben dicke Wände und enges Lumen. Ihre Länge be-
mm oder auch mehr.

ansicht sind WammParenchym (Fig. 88 p, S. 320 und 89 p, S. 321). In der Flächen-
Zwischenz &gt;|i -&lt;lie Zellen dieser Schicht mehr oder weniger rechteckig mit runden
räumen; sie ähneln denen in den Spelzen des Reises und der Gerste,
schnitt ist"d-ere (EPicl®rmis (Fig. 88 iep, S. 320 und 89 iep, S. 321). Im Quer-
&lt; lese Schicht nicht leicht zu beobachten, da die Eadialwände gewöhnlich

') Zeitsoh:

r. f.

Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel

1903, (i, 337.
        <pb n="344" />
        ﻿320

Futtermittel.

kollabiert sind; dagegen erscheinen in Flächenpräparaten die größeren länglichen
Zellen (oft 0,15 mm lang und 0,05 mm breit) häufig von Spaltöffnungen und Haaren
durchsetzt und vollkommen klar.

2.	Dünne Spelze.

a)	Äußere Epidermis der dünnen Spelze (Fig. 90, S. 321). In der Gesamt-
erscheinung sind die Zellen denen der äußeren Epidermis der Hüllspelzen ähnlich,
jedoch enger und dünnwandig. Die Eandhaare sind lang (oft 0,5 mm), einzellig
und zugespitzt, doch kommen auch kürzere Haare vor mit 2 oder 3 Gliedern und
stumpfen Spitzen. Diese beiden Formen haben außerordentlich dünne Wände.

b)	Die innere Epidermis (Fig. 90 iep, S. 321) unterscheidet sich von der
äußeren durch gerade Wände und den gänzlichen Mangel an Haaren.

Fig. 87. Besenmohrhirse,
aep äußere Epidermis und f Faser der
Hüllspelze in der Flächenansicht.
(Yergr. 300.) Nach Winton.

3.	Caryopsis (Frucht-
schichten). Die Zellen a) der
Epidermis (Fig. 88 ep und 91 ep,

S.	321) sind longitudinal und haben
dicke, wellige Wände, welche mehr
oder weniger deutliche Poren auf-
weisen.

W

Fig. 88. Besenmohrhirse. Querschnitt der Frucht und
einer Hüllspelze. (Yergr. 160.) Sp Hüllspelze, bestehend
aus der äußeren Epidermis aep, der Faserschicht f, dem
Schwammparenchym p und der inneren Epidermis iep*
g Gefäßbündel, sto Spaltöffnung, Fs Perikarp, bestehend
aus der Epidermis ep mit der Cuticula c, dem Hypoderm
hy, dem stärkeführenden Mesokarp mes, den Querzellen q
und den Schlauchzellen sch, N Nucellarrest oder hyalin©
Schicht mit gequollenen inneren Wänden s, E Endosperm»
bestehend aus der Aleuronschicht al und dem mehlhaltigel1
Gewebe mit Stärkekörnern st und dem Proteinnetze a.

Nach Winton.

b)	Das Hypoderm (Fig. 88 hy und 91 hy, S. 321) besteht aus 1—3 Zell-
schichten mit etwas dünneren Wänden als bei der Epidermis.

c)	Das stärkehaltige Mesokarp (Fig. 88 mes und 91 mes, S. 321) wird aus
dünnwandigen Parenchymzellen gebildet, die gewöhnlich mit kleinen runden oder
abgerundet-polygonalen Stärkekörnern (selten über 0,006 jx) gefüllt sind.

d)	Die Querzellen (Fig. 88 q und 91 q, S. 321) sind gewöhnlich lang und
schmal und von den Schlauchzellen oft nur durch ihre Querlage zu unterscheiden-
Gegen die Enden des Kornes zu sind sie jedoch kürzer und von unregelmäßiger Form-

e)	Die Schlauchzellen (Fig. 88 sch und 91 sch, S. 321) liegen im rechten
Winkel zu den Querzellen. Sie sind ungefähr 0,005 mm breit und erreichen oft eine
Länge von 0,2 mm.
        <pb n="345" />
        ﻿321

Mikroskopische Untersuchung. Hirse.

f)	Der Nucellarrest oder die Hyalinschicht (Fig. 88 N und 91 N) 1S*
oft 0,03 mm dick; die äußeren, radialen Wände sind dünn die inneren jedocht stark

verdickt; in der Flächenansicht sind die großen Zellen nie nui	’

sondern auch durch ihre gelbe oder braune Farbe bemer iar.

-sto.

V V ^ |f ij___________,,

Fig. 89. Besenmohrhirse. p Schwamm-
parenchym und iep innere Epidermis der Hüll-
spelze in der Flächenansicht, sto Spaltöffnung,
v	f Vergr. 300.)

;. 90. Besenmohrhirse,
e Spelze (Fig. 88) in der
enausicht. (Vergr. 160.) aep
•e Epidermis, h einzelliges
— -zweizeiliges Haar.

t ,n aer Flächenansicht. (Vergr. 160.) Bedeutung der
««■«. Besenmohrhirse. Fruchtschichtenita*gg_ NacU Winton.

Bnchstahen wie in

, . i ,	88 al und 91 al) sind gekenn-

g)	Die Zellen der Aleuronschichtbis 0,04 mm im Durch-
zeichnet durch erhebliche Unterschiede ihrer

messer) und ihrer Form.	“H

Landwirtschaftliche Stoffe, 8. Auflage.

hy. mes.
        <pb n="346" />
        ﻿322

Futtermittel.

h)	Die Stärkekörner des mehlhaltigen Endosperras (Fig. 88 st, S. 320)
sind viel kleiner als die im Inneren des Samens, welche zuweilen einen Durchmesser
von 0,03 mm erreichen. Sie sind gewöhnlich scharf polygonal, mit deutlichem Kern
und radialen Spalten. Die Stärke ist von einem Netz (Fig. 88 a, S. 320) kleiner Protein-
körner umgeben, welches hei Entfernung der Stärke durch Eeagentien deutlich sicht-
bar wird. Bei manchen Exemplaren verdrängen diese Proteinkörner geradezu
die Stärke.

Buchweizen.

Der Buchweizen (Polygonura fagopyrum I.) ist die Frucht einer einjährigen
Kulturpflanze aus der Familie der Polygonazeen, welche vorwiegend im nördlichen
Deutschland auf leichtem Sandboden oder auf abgebranntem Moorboden angebaut

Fig. 92. Buchweizen. Querschnitt durch eine Fruchtkante, in Lauge gequollen. 1 Oberhaut, 2 Skleren-
chymschlcht, B Parenchymschicht. 4 Innenepldermis, 5 Oberhaut, 6 Schwammparenchym der Saroen-
haut, 7 Aleuronzellen, 8 Stärke führende Zellen, Fr. Fruchtschale, Sa Samenhaut, Al Äleuronzellen,
St Stärkezellen, G Gefäßbündel. Nach C. Böhmer.

wird. In diesen Gegenden nimmt der Buchweizen die Stelle einer Getreidefrucbt
ein. Auch der Buchweizen wird auf Grütze, Gries und Mehl verarbeitet; für diesen
Zweck muß die dunkele, harte Fruchtschale und die Samenschale entfernt werden,
was auch hier durch Schäl- und Mahlvorrichtungen geschieht. Hierbei wird nux
ein Abfall, die Buchweizenkleie, gewonnen, die aus den verholzten Fruchtschalen,
Samenhäutchen, Teilen der Keime und des Mehlkernes besteht, die aber bei ihrem
hohen Gehalt an Rohfaser (33—35 °/0 Rohfaser, 9—11% Protein, 2—3 % l’ett!
keinen wesentlichen Putterwert besitzt. Die Buchweizenkeime liegen in der Mitte
des Kornes; nach einem besonderen Mahlverfahren soll es trotzdem gelingen, dies®
für sich zu gewinnen; für ihre Zusammensetzung werden 43,75% Protein, 8,40 /o
Fett und 3,50 % Rohfaser angegeben.

Für die mikroskopische Untersuchung der Mahlerzeugnisse des Bucü
weizens ist zu bemerken, daß die verholzten Fruchtschalen sich nur in der Kl®16’
        <pb n="347" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Buchweizen.

323

nicht (oder höchst vereinzelt) im Gries und Mehl befinden. Die einzelnen
schichten und deren Struktur verhalten sich wie folgt:	Frucht-

1. Querschnitt durch eine MM.WJ, *	SÄ

schale unterscheidet man 4 Zellschichten, die Ober ( )&gt;

93. Buchweizen. Flächenansicht.
, tzförmig verdickte Oberhautzellen 1,
Z**1 davon mit Farbstoff f erfüllt. Stein-
zeilengewebe 2 mit Gefäßbündelrest S aus
ePpenförmigen Ring- und Spiralgefäßen.
Nach C. Böhmer.

.94. Buchweizen. Flächenansichten der Samen-
it und der Aleuronschicht. 5 wellig-buchtige, 5'
wach gewellte Oberhautzellen, 6 sternförmiges,
uerzellenförmiges Schwammparenchym, 7 Aleuron-
zellen. Nach C. Böhmer.

Sklerenchymschicht, sog. Mittelschicht (2), ein«L^Häutchen und besteht aus 2 Zell-
ePidermis (4). Die Samenhaut bildet ein z.	,g. j&gt;aran schließt sich eine

lagen: der Oberhaut (5) und dem Schwammparenchym (b).

einreihige, aus unregelmäßig polyednschen e
bestehende Aleuronschicht (7) und ein gro ze ig &gt;
dünnwandiges Stärkeparenchym, worin der S-formig
gebogene Keim liegt.	.

2. Flächenansichten (Fig. 93 und Fig. W-
In der Flächenansicht sind die Oberhäute»!

(Pig. 93) langgestreckt, spiralig netzförmig vernc ,
teilweise mit Farbstoff (Fig. 93 1 f) erfüllt; ie®

über mehrreihigem, prosenchymatischem o 6	.

chym von porös verdickten, fest ineinan er ve
keilten und mit braunem Farbstoff gefüllten ge amenoberhaut sind langgestreckt
Bast- und Steinzellen. Die farblosen Zellen der &gt; ‘ fferaden Zellwänden umschlossen,
und von durchweg wellig-buchtigen, zuwei en a ,	^ rötlich-braun gefärbt

Das darunter liegende zartwandige Schwammp

und besteht aus unregelmäßig sternförmigen Zenei.	21*

„	,	j	*

*	a	v

'ssa»*	^ *. ’

*	' V*.

tS	_ ’	V	• f

1	O	e

Fig. 95. Buchweizen-Stärke.
Nach J. Möller.
        <pb n="348" />
        ﻿324

Futtermittel.

3.	Die Stärkekörner des Buchweizens (Fig. 95, S. 323) sind sehr kleine,
rundliche oder eckige Körnchen von meist 0,004—0,006 mm Durchmesser, welche
oft zu stäbchenförmigen Aggregaten zusammengelagert sind.

Von der ihr ähnlichen Reis- und Haferstärke ist die Buchweizenstärke durch
die Größe der einzelnen und die Form der zusammengesetzten Stärkekörner ver-
schieden. Auch besitzt die Buchweizenstärke eine Kernhöhle, die bei der Stärke
des Reises und Hafers weniger oft verkommt. Reis- und Buchweizenmehl erkennt
man mit Sicherheit an dem vorhandenen Silberhäutchen des ersteren (Fig. 77 S. 313).

II.	Hülsenfrüchte.

Die Hülsenfrüchte unterscheiden sich von den Getreidearten vorwiegend durch
einen viel höheren (2- bis 3-mal höheren) Gehalt an Protein (als sog. Legumin vor-
wiegend dem Globulin angehörig); die einen Vertreter dieser Gruppe (Bohnen,
Erbsen, Linsen, Wicken) führen Stärke und sind arm an Fett, die anderen Vertreter
(Lupinen, Sojabohnen) sind noch proteinreicher als erstere, außerdem fettreich, führen
aber keine Stärke. Die Samenkörner sitzen durchweg in einfächerigen, zwei-
klappigen Hülsen, sind also im Gegensatz zu den Schließfrüchten der Getreidearten
nackte Samen. Von den in Deutschland angebauten Sorten finden die Erbsen eine
ziemlich ausgedehnte, die Bohnen (Acker- wie Schminkbohne) und die Linsen nur
eine spärliche, Wicken und Lupinen gar keine oder höchstens in Zeiten der Not
eine Verwendung zur Mehlbereitung. Die Sojabohne, die vorwiegend in Japan und
China angebaut wird, erfährt dagegen eine sehr vielseitige Verarbeitung und liefert
mannigfache Abfälle,1) die bis jetzt aber kaum nach Europa gelangen.

Für die Beurteilung der Mahlabgänge bei den Hülsenfrüchten ist zu berück-
sichtigen, daß, wie bei den Getreidearten die Aleuronschicht den Mehlkern, so hier
ebenfalls eine proteinhaltige, plasmatische Schicht den Stärkekörper umgibt, daß
diese aber mit den Stärkezellen so fest verwachsen ist, daß sie beim Schälen mit
ihnen in Verbindung bleibt. Aus dem Grunde sind auch die feinsten Mehle der
Hülsenfrüchte reich, die Kleienabfälle derselben dagegen arm an Protein, während
es bei den Getreidearten, bei denen die lose den Mehlkern umschließende Aleuron-
schicht abgeschält werden kann, umgekehrt ist. Auch lassen sich die Hülsenfrucht-
samen nicht ohne weiteres vermahlen, sondern sie müssen erst eingeweicht oder mit
Wasserdampf gedämpft und dann gedarrt werden, um sie entschälen und genügend
fein mahlen zu können. Auf die Samenschale folgt die meist farblose Samenhaut,
welche die beiden fleischigen Keimlappen, zwei halbkugelförmige Gebilde, bedeckt,
welche die Stelle des Endosperms bei den Getreidearten vertreten, während von dem
mächtig' entwickelten Keimnährgewebe der Getreidearten bei den Hülsenfrüchten
kaum bemerkbare Reste vorhanden sind.

Mikroskopisch erkennt man die Hülsenfrüchte an den nierenförmigen Stärke-
körnern (Erbsen, Bohnen, Wicken, Linsen), den dickwandigen Palissadenzellen, den
eigentümlich geformten Säulenzellen, der Oberhaut der Keimlappen und den ge-
tüpfelten, in der Nähe der Interzellularräume meist stark verdickten Zellen der
Keimlappen. In den zum Zwecke der mikroskopischen Untersuchung mit Maze-
rationsmitteln behandelten Futtermitteln erblickt man die Zellen und Zellschichten
unter dem Mikroskop in Konglomeraten neben- und übereinander liegend. Je nach
ihrer Lage geben sie dann ein verschiedenes Bild. Meist erblickt man sie nicht,
wie sie in Abbildimgen gewöhnlich dargestellt werden, in der Seitenansicht, d. h.

]) Vergl. des Verfassers „Chemie der menschl. Nahrungs- und Genußmittel“, 1904,
II. Bd,, 2. Aufl., S. 562 und ,788.
        <pb n="349" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Erbsen.

325

im Querschnitt des Samens, sondern in der Tangential- oder Oberflächenansicht,
d. h. aus der Eichtung der Samenperipherie nach dem Samenzentrum hin gesehen. In
dieser Lage gehen besonders die Palissaden- und Säulenzellen und die Oberhaut
der Keimlappen wichtige Merkmale zur Unterscheidung der einzelnen Hülsenfrüchte,
Zur Erläuterung der hei allen Leguminosen ähnlichen Stärkeform kann die
Linsenstärke (Fig., 99 S. 328) dienen.

Erbsen,

Bei den Erbsen unterscheidet man zwei Arten: die weiße Saat- oder Feld-
erhse (Pisum sativum L.) und die graue oder Ackererbse (P. arvense L.) mit zalil-

Fig. 96. Erbse. (Vergr. 200.]
Querschnitt.

1 Palissadeuzelleu, 2 Säulenzellen, 3 Parenchymzellen,

4 Innen-Epitbel, 5 Oberhaut der Samenlappen, 6 Koty-
ledonargewebe, a Cuticula, b getüpfelte Membranen,
c Verdickung der Interzellularräume, d Stärkekörner.

Nach C. Böhmer.

Tangentialansichten zu den ent-
sprechenden Nummern des Quer-
schnittes.

reichen Spielarten. Bei der Verarbeitung der Erbsen zu Mehl und daraus
stellenden Dauerwaren fallen ah die Schalen oder Erbsen me (mit ,	, /o

Protein und 41—63 °/0 Rohfaser), das Erbsenkleienmehl, d.h. Schalen gemengt mi
dem beim Schälen entstehenden Erhsenhruch (mit 11	19 /o '0 llM&lt; “	°

Eohfaser) und Erhsenfuttermehl, welches beim Halbieren un o teren er
schälten Samen gewonnen wird und aus Bruchstücken es oty e onargewe es
Würzelchens und Knöspchens besteht (mit 21—26 /0 I rotem un —	j°,

faser); an Fett sind sämtliche Abfälle verhältnismäßig arm, sie en m e
etwa 1,0—3,5°/0.	„ ,

Diese Abfälle werden selten verfälscht, dagegen dienen die gemahlenen Brbsen-
schalen seihst häufig zum Verfälschen anderer Futtermittel, so der Kleien u. a.
        <pb n="350" />
        ﻿326

Futtermittel.

Den im geschrotenen Zustande vertriebenen Erbsen können ebenfalls leicht Erbsen-
schalen beigemengt werden, welche Beimengung durch mechanische Zerlegung mittels
Siebens (Nobbesches Samensieb) in Schalen, Bruchstücken und Mehl festgestellt
werden kann; die Erbsensamen enthalten:

6,08—8,39 °/0 Samenschalen und 93,92—91,61 °/0 Keimling.

Auch ist bei dem Erbsenschrot besonders auf Schimmel zu achten. In den
eingeführten indischen Erbsen sollen auch die Samen von Cicer arietinum, Cajanus
indicus und Lathyrus sativus L. Vorkommen, denen man giftige Eigenschaften zu-
schreibt.

Für die mikroskopische Unterscheidung der Bestandteile der Erbse
können dienen:

1.	Die Palissadenzellen der mattglänzenden Samenschale (Fig 96 No. 1,

S.	325); sie sind 60—100 fx lang, 10—25 fx breit; sie bilden in der Flächenansicht ein
zierliches Netz von 5- bis 6-seitigen Maschen, in der Mitte mit rundlichem Lumen
und konzentrisch strahlig verlaufenden Kanälen.

2.	Die Säulenzellen (Fig. 96 No. 2, S. 325), die unter den Palissadenzellen liegen
und wegen ihrer eigenartigen Gestalt auch Sanduhr-, Träger- oder Becherzellen ge-
nannt werden. Sie liegen radial um den Samenkern, sind seitlich eingedrückt bezw.
eigentümlich eingebogen und durch große, kanalartige Interzellularräume getrennt.
In der Flächenansicht erscheinen sie wie bei Bohnen und Wicken rundlich-polygonal
mit unregelmäßig konzentrischen Ringen.

3.	Das Parenchym (Fig. 96 No. 3 und 4, S. 325) bildet den Abschluß der Samen-
schale nach innen und ein aus mehreren Zonen bestehendes Gewebe, in dessen derb-
wandigem Teil sich viele Spiralgefäße befinden.

4.	Die Oberhautzellen der Kotyledonen (Fig. 96 No. 5, S. 325) sind zart,
in der Flächenansicht lang, gruppenweise nach verschiedenen Richtungen gestreckt,
schmal, frei von Stärke, enthalten Plasma.

5.	Der Samenkern (Fig. 96 No. 6, S. 325) besteht aus einem großzelligen,
derbwandigen, getüpfelten Kollenchym, dessen isodiametrische, an den Interzellular-
räumen stark verdickten Zellen in einer proteinhaltigen Grundmasse zahlreiche
Stärkekörner führen.

6.	Die Stärkekörner von 15—60 /x (durchweg von 30—40 /x) Länge
gleichen denen der Wicken (Fig. 99, S. 328).

Sau- und Feldbohne.

Die kleine wie große Sau- oder Feldbohne (Vicia Faha minor L. bezw.
major L.) werden selten auf Mehl verarbeitet; als menschliches Nahrungsmittel dient
vorwiegend die Schrainkbohne (Phaseolus) im unreifen Zustand (Salat-, Schnittbohnen)
und im reifen Zustande als solche oder als Mehl. Die große Sau- und Feldbohne
wird in einigen Gegenden auch gern im unreifen Zustande (frisch und eingemacht),
die kleine Feldbohne vereinzelt im reifen Zustande genossen. Aus dem Grunde
kommen Kleienabfälle von Bohnen oder Verfälschungen von Bohnenschrot mit solchen
nur selten vor.

Der anatomische Bau der Bohnenarten ist im wesentlichen gleich und
stimmen die Zelllagen der Bohne mit denjenigen der Erbse überein, jedoch besitzen
die Zellen der Bohnen durchgängig derbere Struktur. Die leistenförmigen Ver-
dickungen der Palissaden verlieren sich an dem unteren, den Säulenzellen zu-
gekehrten Ende ganz und machen einem braunen Farbstoff Platz. Sie sind 110 bis
300 fx lang, 10—25 fx breit; in der Flächenansicht sind sie 5- bis 6-seitig, mit
        <pb n="351" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Sau- und Feldbohne. Linse.

327

breiten Porenkanälen zwischen den leistenförmigen Verdickungen versehen. Die
Säulenzellen (Tangentialansioht 2 d e f in Fig. 97) erscheinen wie diejenigen der
Erbse in der Tangentialansicht 3-fach konturiert. Das großzellige Keimlappengewebe
wird von einer Oberhaut bedeckt, deren tangential gestreckte Zellen abweichend
von denen anderer Leguminosen in der Tangentialansicht eigentümlich wellig
konturierte Begrenzungsfläehen zeigen. Die Kotyledonen führen Stärke.

Fig. 97. Saubohne. (Vergr. 200.)
Querschnitt.

l Palissadenzellen, 2 Säulenzellen, 3 Parenchym,

4 innere Oberhaut der Samenschale, 5 Oberhaut der
Kotyledonen, 6 Kotyledonengewebe, a Cuticula, b Licht-
linie.

Tangentialansichten zu den ent-
sprechenden Nummern des Quer-
schnittes. c im unteren Teil
durchschnittene Palissadenschicht,
d unterer, e oberer, f mittlerer
Teil der Säulenschicht.

Linse.

Die Linsen (Ervum Lens L.) werden noch seltener als Bohnen auf Mehl ver-
arbeitet; man begegnet daher ihren Abfällen kaum; sie werden meistens im ganz
reifen Zustande genossen.
        <pb n="352" />
        ﻿328

Futtermittel.

Bei der Linse bemerkt man an der peripherischen Begrenzungsfläche der
zierlichen Palissaden (Länge 30—40 /x. Breite 6 /x) am Querschnitt wellige Er-
hebungen. Die Säulenzellen erscheinen in der Tangentialansicht nur 2-fach konturiert

Fig. 98. Linse. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

Querschnitt.	Tangentialansichten zu den

1 Palissadenzellen, 2 Säulenzellen, 3 Parenchym der Samenschale, 5 Ober- entsprechenden Nummern
haut der Kotyledonen, 6 Parenchym der Kotyledonen.	des Querschnittes.

und 5- bis 6-seitig polygonal. Die Kotyledonen werden von einer aus tangential
gestreckten Zellen bestehenden Schicht umgeben, deren Zellwände nicht durchbohrt
oder wellenförmig gebogen sind, ln den Keimlappen befindet sich Stärke (Fig. 99).

Fig. 99. Unsen-Stärke. Nach J. Möller. (Vergr. 300.)

Die Stärkekörner der Linse wie der Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Wicken)
sind gerundet von höhnen- oder nierenförmiger Gestalt; sie haben eine spalten-
förmige, rissige Kernhöhle und eine konzentrische Schichtung.

Lupine.

Die Lupinen, von denen wir vorwiegend die gelbe Sorte (Lupinus luteus L-),
weniger häufig auch die blaue Sorte (L. angustifolius L.) anbauen, werden, wie
        <pb n="353" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Lupine.

329

schon gesagt, nur in Zeiten der Not mit zur Brotbereitung verwendet; ver-
einzelt dienen sie auch zur Bereitung eines Kaffeeersatzmittels. Wegen ihres
Gehaltes an gerbstoffhaltigen Bitterstoffen, Alkaloiden und dem mitunter darin
auftretenden anscheinend enzymatischen Gift (Iktrogen) sind sie aber hierzu,
besonders auch zur Fütterung wenig geeignet und wenig beliebt. Um ihnen
die unschmackhaften hezw. schädlichen Bestandteile zu nehmen, pflegen sie auf

Fig. 100. Lupine. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

Querschnitt der Lupine.

1 Palissadeuzellen, 2 Säulenzellen, 3 Parenchym Tangentialansichten zu den entsprechenden
der Schale, 4 Innenepithel, 5 Oberhaut der Samen-	Nummern des Querschnittes der Lupine,

lappen, 6 Parenchym der Samenlappen, a Cuticula,
h Liohtlinie, c Farbstoff, d Gefäßbündel, e Protein-
körner.

verschiedene Weise enthittert zu werden, nämlich entweder durch längere Be-
handlung mit heißem Wasser oder Einquellen mit Wasser, einstündiges Dämpfen
im Wasserbade und Auswaschen, oder durch Ausziehen mit schwefelsäurehaltigem
Wassser und Auswaschen mit Wasser bis zum Verschwinden der sauren Reaktion,
Darren oder Rösten. Durch das Einquellen in Wasser, Dämpfen und Auswaschen
gehen die Alkaloide zu 93—95% in Lösung; von der Trockensubstanz gehen
15—20 %, vom Protein 3,0—4,5 % gleichzeitig verloren. Aber die enthitterten
Lupinen werden nach O. Kellner höher verdaut, als die nicht enthitterten.
        <pb n="354" />
        ﻿330

Puttermittel.

Bezüglich der anatomischen Unterscheidung kommen hei der gelben
Lupine vorwiegend die mächtig entwickelten, 110—300 fi langen Palissaden der
Schale durch die doppelwellenförmige Biegung des basalen Teiles in Betracht.
Auch die derben und dabei englumigen Säulenzellen weichen insofern vom Bau
der korrespondierenden Zellen der Buffbohne und Erbse ab, als sie im basalen Teil
keine sehr deutliche Ausbiegung zeigen und daher in der Tangentialansicht nur
2 Konturen, die obere Ausbiegung und den Schaft der Säulenzellen, erkennen lassen.

Kennzeichnend ist auch die Oberhaut des Kernparenchyms (Fig. 100
No. 5, S. 329) in der Flächenansicht; sie besteht aus kleinen regelmäßigen, 4- bis

6-seitigen, fein getüpfelten Zellen mit plasmatischem Inhalt.

Die sog. Aleuronschicht, welche die Keimlappen umgibt, fällt durch die
isodiametrischen und getüpfelten Zellen auf. Innerhalb der großporigen Membranen
der Samenlappen befinden sich an Stelle von Stärke nur Proteinkörner.

Sandwicke, Vicia villosa Roth.

Fig. 101. Sandwicke. (Yergr. 200.-) Nach C. Böhmer.

Querschnitt.	Tangentialansichten zu den ent-

1 Palissadenzellen, 2 Säulenzellen, 3 Parenchym der	sprechenden Nummern des Quer-

Samenschale, a und b Lichtlinien, c Farbstoff.	Schnittes.

Die Zellen der Wicke (Fig. 101) zeichnen sich mit denen der Linse durch zarte
Struktur aus; ihr Bau harmoniert mit dem der anderen Leguminosen. Die schmalen, nur
6 fi breiten, stäbchenartigen, 60—100 fi langen Palissaden lassen im Querschnitt am
peripherischen Ende warzenförmige Erhöhungen, weniger deutlich eine doppelte
Lichtlinie erkennen; bei den dunkel gefärbten Wicken enthalten sie einen gelbbraunen
Farbstoff. In der Flächenansicht erscheinen sie 5- bis 6-seitig. In Querschnitt-
lage fällt das breite Lumen der Säulenzellen in die Augen. In der Flächen-
ansicht erscheinen sie als rundliche, scheinbar ohne Interzellularräume nebeneinander
stehende Polygone, deren große dunkle, das Lumen darstellenden Zentren von unregel-
mäßig konturierten Seitenwänden umgehen sind.

Sojabohne, Soja hispida Mönch.

Die Palissadenschicht der Sojabohne (Fig. 102) setzt sich aus kleinen Zellen
(Länge 60—100 fi) zusammen, welche kleiner sind als die darunter liegenden Säulen-
        <pb n="355" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Rückstände der Ölbereitung.	331

zellen. Diese sind radial, außerordentlich gestreckt und daher bei mazeriertem
Samen oft in der Querschnittlage sichtbar. Sie fallen durch stark verdickte Längs-
und dünne Querwände auf. Die kapitälförmige Ausstülpung an den beiden Längs-
enden scheint wenig ausgebildet zu sein. Im Parenchym der Keimlappen befinden
sich vornehmlich Proteinkörner und Fett.

Fig, 102. Sojabohne (Querschnitt). (Vergr. 200.) 1 Palissadenzellen, 2 Sänlenzellen, 3 Innere und
äußere Parenchymschicht, 4 hyaline Streifen, 5 Oberhaut der Kotyledonen, 6 Parenchym der
Kotyledonen. Nach Hanausek.

III.	Rückstände der Ölbereitung.1)

Die Rückstände der Ölbereitung bilden zurzeit die weitverbreitetsten Kraft-
futtermittel. Ihre Beschaffenheit hängt naturgemäß von der der Ölsamen ab, dann
aber auch von der Art ihrer Verarbeitung. Auch bei den Ölsamen wird in ähnlicher
Weise eine Reinigung vorgenommen wie bei den Getreidearten; die mit Hülsen (z. B.
Erdnuß usw.) oder dicken Schalen (z. B. Baumwollesamen, hier auch Baumwolle) ver-
sehenen Ölsamen werden durch gefurchte, sich schnell bewegende Walzen abgetrennt, die
groben Hülsenteile durch Rüttelsiebe, die feinen durch Exhaustoren entfernt. Die Ge-
winnung der öle bezw. Fette geschieht jetzt, wenn man von dem ureinfachen Aus-
schmelzen und Auskochen in den Tropenländern absieht, in zweierlei Weise, nämlich auf
mechanischem oder chemischem Wege; mechanisch gewinnt man das öl entweder durch
Zerquetschen mittels Stampf- oder Schlagwerke, durch Walzwerke und Kollergänge
oder durch Pressen mittels Keil- und hydraulischer Pressen. Hierbei wird der
Samen bald warm, bald kalt gepreßt. Bei der kalten Pressung gewinnt man weniger
aber durchweg reineres öl, auch behalten die Preßkuchen einen höheren Futterwert,
als bei der warmen Pressung. Auch wird zum Zwecke des Fressens die Preßmasse
in wollene Tücher gegeben, die zum Schutze in Preßtücher von Pferde- oder
Kamelhaaren oder pflanzlichen Fasern eingehüllt werden, woraus sich das ver-
einzelte Vorkommen von Wollfasern oder Haaren in Preßkuchen erklärt. Statt
der wollenen Tücher werden jetzt auch wohl aus Stahldraht hergestellte Kästen
angewendet, wodurch der Preßrückstand eine fein rauhkarrierte und wellig gerippte
Oberfläche annimmt.

l) Unter Berücksichtigung einiger neuen Arbeiten wesentlich nach den früheren
Ausarbeitungen von Dr. C. Bö hm er,, der auch die meisten Abbildungen zu diesem Ab-
schnitt geliefert hat (vergl. auch dessen Handbuch „Die Kraftfuttermittel“, Berlin 1903).
        <pb n="356" />
        ﻿332

Futtermittel.

Mitunter wird dem Preßgut (vorwiegend Leinsaat) auch eine Kochsalz-
Lösung zugesetzt, wodurch die Ölausbeute erleichtert und erhöht werden soll. Die
Preßrückstände nehmen infolge solchen Zusatzes einen höheren Äschen- bezw.
Kochsalz-Gehalt an.

Bei dem chemischen ölgewinnungs verfahren wird das öl dem zer-
kleinerten Ölsamen durch Lösungsmittel wie Schwefelkohlenstoff oder Petroläther
(Kanadol, auch Naphtha genannt) entzogen; auf diese Weise wird mehr und reineres
öl gewonnen, die Rückstände sind aber fettarmer als die Preßkuchen; sie enthalten
nur 2—4 % Fett, während die Preßrückstände im allgemeine]) 7—10% Fett enthalten.

Leinsamen, Linum usitatissimum L.

Der Leinsamen kommt als sog. Schlaglein und als Saatlein in den Handel;
der Schlaglein wird gewonnen hei der Verwendung der Leinpflanze als Gespinst-
faser, ist also unreife Saat, die aber beim Lagern so weit nachreift, daß sie sehr
wenig und nicht wesentlich mehr Stärke enthält, als der Saatlein bezw. reife Leinsamen.

Der Leinsamen wird im zerkleinerten, unentfetteten Zustande als Futtermittel
verwendet und heißt dann Leinsamenmehl (auch wohl Leinmehl), dann durch
Pressen entfettet als Leinkuchen oder, wenn diese zerkleinert sind, als Lein-
kuchenmehl oder auf chemischem Wege entfettet (mit durchweg 2—4°/0Fett) als
Leinmehl bezw. Leinschrot.

In Leinkuchenmehlen, die unter Zusatz einer gehaltreichen Kochsalz-
lösung durch Pressen und Zerkleinern gewonnen waren, fanden wir hei 25,57 bis
31,60% Protein und 6,66—9,08 % Fett 9,06—11,60% Asche mit 2,09—6,32%
Kochsalz. Dieser Kochsalzgehalt ist für die Fütterung an Großvieh nicht schädlich
— Kälber verweigern unter Umständen die Aufnahme eines solcherweise her-
gestellten Leinmehles ■—, bedeutet aber bei dem geringeren Preise des Kochsalzes
gegenüber den Leinpreßrückständen für den Fabrikanten einen gewissen Gewinn;
denn das Leinsamenmehl und die entfetteten Rückstände sind nicht nur wegen
ihres Nährstoffgehaltes, sondern vorwiegend wegen ihrer diätetischen Wirkung,
welche durch den Schleimgehalt bedingt ist, geschätzt und werden verhältnismäßig
viel teurer bezahlt als andere Ölsamen und deren Abfälle. Sie sind daher auch
nicht selten den verschiedensten Verfälschungen ausgesetzt. Als Verfälsehungs-
mittel dienen z. B. Kleie, verdorbenes Getreide- oder Futtermehl, Reismehl, Abfälle
der Maisstärkebereitung, Kaffeeschalen, Kakaoschalen, sonstige Ölkuchen wie Erdnuß-,
Bucheckern-, Rizinuskuchen usw.

Weitere Verfälschungen bestehen in der Beimengung von Mineralstoffen
und Wasser als solchem bis zu 23 %. Der mitunter beim Anrtihren von Lein-
kuchen bezw. Mehl auftretende Blausäuregeruch kann auf einen größeren oder
geringeren Gehalt des Leinsamens selbst an Amygdalin zurückgeführt werden.

Bei Entscheidung der Frage, ob ein Leinkuchen bezw. Mehl rein oder ver-
fälscht ist, muß berücksichtigt werden, daß der Leinsamen fast stets mehr oder
weniger natürliche Verunreinigungen enthält, welche durchweg 3-8%, mitunter
aber über 50 % betragen. So fand Aug. Völcker an fremden Sämereien und anderen
Unreinheiten in Leinsamen von Bombay 4,5 % (gewöhnliche Ware), 1,75 % (feinste
Ware), in Lein vom schwarzen Meer (3 Proben) 12, 19 und 20%, von Odessa
12,5 %, von Morskanski 7 %, von Petersburg beste Ware 3 %, gewöhnliche 41 %,
geringere 43,5%, schlechteste Ware 70 %, in Lein von Riga gewöhnliche Ware
35%, gebrochene Probe 42—49,5 % Verunreinigungen. Nach E. Haselhoff1)

ö Landw. Versuchs-Stationen 1892, 41, 60.
        <pb n="357" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Leinsamen.

333

schwankten die Verunreinigungen in russischer, durchweg von Königsberg aus
vertriebener Saat zwischen 6,62—55,09 °/0, in Leinsaat aus Südamerika fand er
3,35 °/0, in solcher aus Ostindien 0,86 und in solcher aus Mecklenburg nur 0,46 °/0
Verunreinigungen. Unter diesen Umständen findet man in den Leinkuchen bezw.
Mehlen stets mehr oder weniger fremde Bestandteile, ohne daß man gleich auf eine
absichtliche Verfälschung schließen darf. Zu den gewöhnlichen Verunreinigungen
gehören die Samen von z. B. Brassica-, Sinapis-, Polygonum-Arten, Spörgel, Korn-
rade, Spitzwegerich, auch vereinzelt Leindotter, Grassamen aller Art (Leinlolch,
Lolium linicolum, Setaria, Hirse) usw.

Aus dem Grunde gilt nach der Angabe von E. Haselhoff eine Leinsaat mit
4 °/0 Unkrautsamen und wenn diese zu den Ölsämereien (Brassica- und Sinapis-Arten,
Leindotter u. a.) gehören, noch mit 8 °/0 Unkrautsamen als börsenmäßig lieferbar.
Nach der Ermittelung der Versuchs-Station Wageningen *) gehen von den häufig im
Leinsamen vorkommenden Unkrautsamen auf je 0,05 g:

Camelina sativa	Polygonum lapathifolium	Pol. Convolvulus	Galium Aparine

Stück Samen 46	16	13	4

oder sie betragen, wenn so viel in 6 g Leinsaat gefunden werden, 1 °/0.

Die Anzahl der in 5 g Leinsaat vorhandenen Unkrautsamen wird nach Punkten
ausgedrückt, nämlich:

Camelina sativa	Polygonum lapathifolium	Pol. Convolvulus	Galium Aparine

Punkte .	. 2	6	8	26

und wenn die Summe der so erhaltenen Punkte 100 überschreitet, soll der Leinsamen
nicht mehr als rein bezeichnet werden können.

Je nach dem Gehalt einer Leinsaat an Unkrautsamen bezw. je nach dem Grade
der Reinigung unterscheidet man sehr verschiedene Marken (1., 2. bis gar 25. Qualität)
und kommt es wesentlich auf die Art und Menge der Verunreinigungen an, ob
ein Leinkuchen bezw. Mehl als rein, verunreinigt oder verfälscht zu bezeichnen ist.

Vielfach dient auch die Schleimbildung mit Wasser zur Beurteilung der
Güte eines Leinkuchens bezw. Mehles; man rührt 5 g der Ware mit 100 ccm
kochenden Wassers in einem Becherglase zu einem Brei an und beurteilt durch
Vergleich der schleimigen Beschaffenheit dieses Breies mit der eines Breies aus 5 g
von einer sicher reinen Ware die Güte der fraglichen Probe. Auch soll sich
dieser Brei nach dem Erkalten auf Zusatz von Jodlösung nicht deutlich blau färben;
deutliche und allgemeine Blaufärbung läßt auf Zusatz stärkereicher Abfälle schließen.
Sicher aber läßt sich die Art und annähernde Menge der Verunreinigung nur durch
eine eingehende mikroskopische Untersuchung nachweisen.

Für die mikroskopische Untersuchung teilt man das Mehl bezw. den gemahlenen
Kuchen durch Sieben wie oben S. 286 u. f. zweckmäßig in zwei Teile, untersucht den
abgesiebten Teil auf Stärke, den gröberen Siebrückstand nach Behandeln mit Säure
und Alkali auf fremde Schalenteile. Die Natur einiger Fragmente läßt sich auch
schon im Abgesiebten oder im Schlämmrüokstand mit Hilfe der Lupe feststellen.

Bei der Behandlung des Siebrückstandes mit Säuren und Alkali wird das
zartwandige Parenchym der Samenkerne zerstört; wenn hierauf wie bei etwa vor-
kommenden großen Mengen fremder Stärke nach der Vorprüfung mit Jod Rücksicht
genommen werden muß, kann man nach G. Böhmer eine Probe des Leinmehles mit
absol. Alkohol in einem Reagenzglase oder Zylinder durchschütteln und stehen
lassen. Es scheiden sich die schweren Schalentrümmer zuerst ab, während sich das
Parenchymgewehe auf diesen ansammelt; es kann abgehoben und nach Verdunstung
des Alkohols für sich unter dem Mikroskop untersucht werden.

’) Landw. Versuchs-Stationen 1892, 41, 90.
        <pb n="358" />
        ﻿334

Futtermittel.

Für die Erkennung des Leinsamens sind zu beachten:

1.	Die 5- bis 7-seitigen Epidermis-(Schleim)-Zellen (Fig. 103,1); sie quellen
mit Wasser stark auf und sondern den dicken, zähen Schleim ab; im jugendlichen
Zustande bestehen sie aus Zellulosemembranen und enthalten vereinzelte Stärke-
körnchen, im reifen Zustande nicht mehr.

Leinsamen. Querschnitt.

1 Schleimzellen, 2 Parenchymzellen,

3 Sklerenchymzellen. 4 und 5 zusammen-
gedrückte Testaschichten, 6 Pigmentschicht,
7 Endosperm, a Interzellularräume, b Protein-
körner, c Öltropfen.

Tangentialansichten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes.
Fig. 103. Leinsamen. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

2.	Die kreis- oder ellipsoidischen P a r e n c h y m z e 11 e n, die durch zahlreiche
Interzellularräume getrennt sind (Fig. 103, 2 a).

3.	Die langgestreckten, stark verdickten, porösen Faserzellen (Fig. 103
No. 3), die an den Spitzen fest ineinander verkeilt sind und einen braunen Inhalt führen-

Die folgenden Zellschichten (Fig. 103 No. 4 und 5), das hyaline Parenchym,
bieten wenig Eigenartiges, dagegen bilden
        <pb n="359" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Rückstände von Raps- und Rühsensamen. 335

4.	die 4- Ms 5-seitigen Tafel- oder Pigmentzellen (Pig. 103, 6) ein sehr
wertvolles Unterscheidungsmerkmal; sie enthalten einen dunkelbraunen Farbstoff
und erscheinen Uber oder unter den polygonalen farblosen Endospermzellen wie in
einem Netze liegend; ihre Wände sind von feinen Porenkanälen durchbohrt. Das
parenchymatische Endosperm und die Kotyledonen enthalten zahlreiche Proteinkörner
und Öltröpfchen. Stärkekörner sind nur in unreifen Samen aufzufinden.

Rückstände von Raps- und Rühsensamen.

Unter Rapskuchen (bezw. Eübkuchen) verstehen wir in Deutschland sowohl die
aus Eapssamen, Brassica Napus oleifera, und zwar die aus Winterraps, Br. hiemalis,
und Sommerraps, Br. campestris, als auch die aus Eübsensamen, Br. Eapa oleifera,
(mit ebenfalls einer Winter- und Sommerfrucht) gewonnenen Ölkuchen bezw. entfetteten
Rückstände. Aus dem Grunde hat der Verband deutscher landw. Versuchs-Stationen
folgende Vereinbarung getroffen:

Ein als „Eäpskuchen“ bezw. Eapskuehenmehl ohne Herkunfts-
angabe bezeichneter Ölkuchen darf nur die Bestandteile von „Brassica
Napus“ oder von „Brassica Eapa“ enthalten.

Diese Begriffserklärung ist wichtig, weil auch unter der Bezeichnung
„Indische Rapskuchen“ Preßrückstände in den Handel kommen, die aus anderen
Ölsamen bezw. Eapsarten, nämlich Sinapis glauca Roxb., S. dichotoma Roxb. und

S.	ramosa Roxb. gewonnen werden und über deren Gleichwertigkeit mit inländischem
Rapskuchen die Ansichten geteilt sind. Auch sind die Rapskuchen mit Unkraut-
samen aller Art verunreinigt.

So fand H. Heinrich in 100 kg Rapskuchen:

400 Korn		Kornrade,	Agrostemma Githago.
3680	33	Wucherblume,	Chrysanthemum segetum.
896	33	Knöterich,	Polygonum lapathifolium.
212	33	Kornblume,	Centaurea cyanus.
92	33	Weizen,	Triticum vulgare.
240	„	Sauerampfer,	Rumex aoetosa.
400	31	Melde,	Chenopodium album.
644	33	Kleeseide,	Cuscuta epithymum.
56	33	Blutkraut,	Polygonum bistorta.
124	33	Sherardia,	Sherardia arvensis.
40	33	Leinsamen,	Linum usitatissimum.
36	33	Ehrenpreis,	Veronica Chamaedris.
56	33	Wegebreit,	Plantago lanceolata.
80	33	Valerianella und	28 Korn einer Lolium-Art.

Am häufigsten finden sich Senfarten und Hederichsamen (Eaphanus
Eaphanistrum), welcher letztere vielfach absichtlich beigemengt und in letzterer
Zeit sogar für sich gepreßt als Raps-, Rübsen- oder unter dem einfachen Namen
Ölkuchen in den Handel gebracht wird. Mitunter verwendet man nur den Aus putz
von Ölsämereien nebst Kehricht und stellt daraus Preßkuchen her. Dieselben
kommen aus Süddeutschland, aus Ungarn und Rußland in den Handel und enthalten
bis 14 °/0 Sand neben nur wenig Eapsbestandteilen.

Wenn schon die reinen Raps- und Eübkuchen an sich wegen des Senföl-
gehaltes einen scharfen Geschmack haben, so ist dieses um so mehr bei etwaigem
Gehalt an Sinapisarten der Fall — über die Bestimmung des Senföles vergl. S. 269 —.
Diese Art Rückstände bewirken bald Durchfall, Verkalkung, usw., bald verleihen sie
der Milch einen scharfen Geschmack usw. Der häufig beigemengte Unkrautsamen des
Pfennigkrautes soll der Milch einen Knoblauchgeschmaok verleihen. Eine andere
        <pb n="360" />
        ﻿336

Futtermittel.

Verfälschung soll nach Crispo darin bestehen, daß man dunkelgefärbten Ölrück-
ständen dieser Art durch Zusatz von Kalk wieder eine schöne grüne Farbe erteilt.

Verschimmelten bezw. verdorbenen Raps- und Eübkuchen sucht man unter
Umständen durch Zusatz von Gewürzsamen bezw. deren Abfällen wieder den würzigen
Geruch des echten, frischen Raps- bezw. Rühsenkuchens zu geben. Mitunter wird
durch Pressen von Raps- und Rizinussamen ein Gemisch von Raps-Rizinusöl herge-
stellt. Derartige Preßrückstände gelten als giftig und sind nur zur Düngung geeignet.

Die mikroskopische Unterscheidung der Brassica- und Sinapis-Arten
von anderen Samenarten ist nicht schwer, um so schwieriger aber ist die Unter-
scheidung der Brassica- und Sinapis-Arten unter sich. Von den 6 Schichten dieser
Samenarten, nämlich: 1. Epidermiszellen, 2. äußerem Parenchym, 3. Palissaden-,
Becher-, Stäbchen-Zellen oder Skiereiden, 4. Farbstoffzellen, 5. Aleuron- oder Protein-
zellen, 6. dem unter den Proteinzellen liegenden Innenparenchym des Nährgewehes
sind nur die 3 ersten Zellschichten und darunter besonders die Epidermis-
und Palissadenschicht zur Unterscheidung geeignet. Die vieleckigen, in der
Flächenansicht meist 5- bis 6-seitigen Epidermiszellen gelatinieren zum Teil in
Wasser und in verdünnter Alkalilauge bei den einzelnen Brassica- und Sinapis-
Arten in sehr verschiedenem Grade und bilden oft große Mengen Schleim; in anderen
Fällen ist die Epidermis gar nicht quellhar. Die darunter liegende äußere
Parenchymschicht mit inhaltleeren Zellen fehlt bei einigen Arten ganz und
bietet sonst wenig kennzeichnende Unterschiede. Dagegen sind die nach innen
folgenden, radial gestreckten, meist gelb oder braun gefärbten Palissadenzellon
für die Unterscheidung um so wichtiger. Sie besitzen, wie C. Böhmer (1. c. S. 412)
ausführt, das Eigentümliche, daß im Querschnitt die Verdickungen je zweier Nach-
barzellen zusammen eine radial gestreckte, im oberen Teil nach dem Zelllumen zu
beiderseits schräg-dachförmig absetzende Palissade bilden, die bei einzelnen Samen-
arten in ungleicher Höhe absetzt und in verschiedenem Dickenverhältnis zur Weite
des Lumens steht. Der obere Teil der Palissade ist also hei den meisten Samen
unverdickt und fadendünn; zugleich folgen, wie bei Brassica dissecta und Brassica
nigra Koch zu ersehen ist, bei ein und derselben Samenart lange und kurze Palissaden
alternierend aufeinander. Da die peripherischen Schichten kollabiert darüber liegen,
so bekommt die Oberfläche der verschiedenen Samenarten dadurch einen welligen,
netzig-grubigen Verlauf. Ist der obere, unverdickte seitliche Teil der Palissaden
lang, so löst sich beim Präparieren der ganze obere Zellverband als feines Faden-
netz leicht ab; sind bei anderen Kruziferenarten die unverdickten Zellwände kurz,
so kann man in der Fläche ein Fadennetz nur mit Schwierigkeit erkennen, und
reicht die seitliche Verdickung bis zum oberen Zellrand, so ist ein Fadennetz über-
haupt nicht vorhanden.

C. Böhmer empfiehlt daher die Ölkuchenmehle dieser Art in Wasser auf-
zuweichen, mit verdünnter Alkalilauge aufzukochen, das zarte leichte Keimparenchym
wiederholt mit Wasser abzuschlämmen, die abgeschlämmten Schalen für sich auf
einer Glasplatte mit einer Unterlage von weißem Papier auszubreiten und zunächst
mittels einer Lupe zu untersuchen, ob sie gequollen oder stark verschleimt sind,
ob sie eine erkennbare oder gar sehr deutliche Maschenzeichnung aufweisen und
welche Farbe sie besitzen. Bei denjenigen Kruziferensamen, welche, wie z. B. dem
Raps, keine quellbare Epidermis besitzen, gelingt das Abschlämmen leichter als bei
den mit quellbarer Epidermis versehenen Kruziferensamen.

C. Böhmer gibt dann, anlehnend an die Gruppeneinteilung von O.Burchard,1)
folgende Gruppenübersicht zur Unterscheidung der einzelnen Kruziferensamen:

') Journal f. Landwirtschaft 1896, 44, 340.
        <pb n="361" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Rückstände von Raps- und Rübseusamen. 337

A.	Die Epidermis- wie auch die ä

I.	Die Zellen des äußeren Paren-
chyms sind in den Ecken kollen-
chymatisch verdickt und schließen
Interzellularräume ein.

1.	Die Palissaden sind farblos, in der Fläche
ohne Maschennetz. Die Schale ist glatt:

Sinapis alba.

2.	Die Palissaden wie Parbstoffzellen ent-
halten einen mattbraunen Farbstoff;
erstere sind in der Flächenansicht eng-
lumig; die Schale ist zart netzig-grubig:

Sinapis disecta.

3.	Das äußere Parenchym besteht aus
großen, sehr deutlich hervortretenden
Zellen; die Palissadenzellen sind niedrig
und von etwas ungleicher Höhe; sie be-
wirken eine weitlumige Maschen-
zeichnung:

Raphanus Raphanistrum.

B.	Das äußere über den Palissadf
gedrückt und nach der Quellung kaun

I- Die Epidermis zeigt im Quer-
schnitt starke, schleimige Quellung.

1.	Die Palissaden erscheinen farblos.

a)	Samenschale ist glatt, die Palissaden sind
in der Flächenansicht ohne Maschen-
netz u. erscheinen mit sehr schmalem,
ovalem Zelllumen; Farbstoff der reifen
Samen in den strichförmigen Lumina
violettsohwarz:

Sinapis arvensis.
i&gt;) Samenschale ist rauh, fein grubig;

Brassica trilocularis.

2.	Die Palissaden erscheinen gelb bis braun

gefärbt.

a)	Die Palissaden sind nur bis zu 1/3 bis
3U der Höhe verdickt, sehr schlank:

Brassica carinata.

b)	Die Palissaden sind überall bis fast zur
vollen Höhe verdickt.

«) Palissaden kräftig, stark verdickt,
mit großem Lumen, dunkelbraun,
ohne Netzzeichnung:

Brassica oleracea.
ß) Oberfläche der Samen grob netz-
adrig, Palissaden sehr niedrig,
maschengezeiohnet. Rötliche Pig-
mentzellen: Brassica juncea.
y) Palissaden etwas gestreckter, die
Lumina deutlicher erkennen lassend,
im Querschnitt braun, nicht rötlich.
Schwache Netzzeichnung:

Brassica Besseriana.
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

ußere Parenchymschicht sind quellbar.

II. DieZellen des äußerenParen-
chyms sind im allgemeinen ein-
schichtig, nicht kollenchymatisch
verdickt und ohne Interzellular-
räume.

1.	Die Schale ist braun; die Netzzeiohnung
unter dem Mikroskop zwar kräftig, aber
etwas verschwommen; Parbstoffzellen
mehrschichtig; Brassica nigra.

2.	Farbstoffzellen sind einschichtig; son-

stige Eigenschaften wie bei der vorigen
Art:	Brassica japonica.

a lagernde Parenchym ist zusammen-
sichtbar.

II. Die Epidermis läßt am Quer-
schnitt keine schleimige Quellung er-
kennen.

1.	Die Palissaden sind sehr niedrig, erscheinen
farblos oder gelblich, zeigen keine Schich-
tung und stehen gedrängt aneinander.

a)	Schale glatt, ohne Netzzeiohnung, die
Lumina der Palissaden in der Flächen-
ansioht auffällig eng:

Brassica glauca.

b)	Schale fein netzig-grubig, daher
Maschenzeichnung; Palissaden wie bei
Br. Rapa, aber heller und glänzender,
Masohennetz sehr schwach:

Brassica dichotoma.

2.	Die Palissadenzellen erscheinen bräunlich-
gelb bis braun, sind höher als die unter 1.

a)	Palissaden ähnlich wie bei Br. dicho-
toma, aber dolchförmig, sehr deutliche
Maschenzeiohnung:

Brassica ramosa.

b)	Palissaden in der ganzen Länge ver-

dickt, oben abgerundet; Lumina der-
selben durchschnittlich so breit wie
zwei aneinanderstoßende Zellwände;
keine Masohenzeichnung, daher glatte
Schale:	Brassica Napus.

c)	Lumina der Palissaden viel enger als
die Zellwände; schwach ausgeprägte,
aber deutliche Maschenzeichnung, daher
feine, grubige Schale:

Brassica Rapa.

22
        <pb n="362" />
        ﻿338

Futtermittel.

Winterraps, Brassica Jfapus hiemalis Dill.

Die Unterschiede von andern Samenarten dieser Gruppe sind schon vorstehend
angegeben. Der Samen ist braun bis violettschwarz. Die Samenschale ist glatt;
die Epidermiszellen enthalten keinen Schleim, bleiben vielmehr wie das äußere
Parenchym hei der beschriebenen Behandlung bandförmig dicht Uber den Palissaden
liegen, ohne Zellteilung erkennen zu lassen.

Winterraps. Querschnitt.

1 Epidermis, 2 Parenchymschioht, 3 Stähchen-
schicht, 3' dünnwandiger Teil derselben,

4 Farbstoffsohlcht, 6 äußere, 6 Innere Endo-
spermschicht.

Tangentialansichten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes, a Lumen der Epidermiszellen,

h Öltropfen, o Proteinkörner.

big. 104. Winterraps. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

Die Palissaden (Fig. 104) sind im Querschnitt gleich lang und zeigen keine
oder nur eine kaum bemerkbare Maschenzeichnung; ihre Lumen sind zum Unterschied
von anderen Brassica-Arten so breit und mitunter breiter als die seitlichen Doppel-
wände. Das im Querschnitt dünne Häutchen der beiden obersten Zclllagen differenziert
sich in eine in der Tangentialansicht aus 5—6-seitigen polygonalen Zellen bestehende
Epidermis und 2—3 Reihen tangentialer, tafelförmig gestreckter, zartwandige1
Parenchymzellen.
        <pb n="363" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Sommerrübsen. Kohlsaat. Erdnuß.

339

Sommerrübsen, Brassica Bapa anuua Koch-Metzger.

Der Samen des Sommerrübsens ist kleiner, die Farbe desselben heller (rötlich-
braun) als der bezw. die des Rapses.

Die Zellstruktur des Sommerrübsens ist nahezu übereinstimmend mit derjenigen
von Brassica Napus, nur die der StäbcbenscMcht ist ein wenig abweichend. Die Länge
der Stäbchenzellen (Fig. 105) variiert nämlich in ziemlich regelmäßigen Ab-
ständen um eine Kleinigkeit, und deshalb erscheint die Schicht in tangentialer
Lage über den längeren Stäbchen wie von einem undeutlichen Schattennetz überzogen.
Gleichzeitig sind die radialen Zellwände am zentralen oder basalen Teil so verdickt,
daß die Zelllumen nahezu verschwinden, niemals aber den Durchmesser der Doppel-
wandungen erreichen.

Sommerrübsen. Querschnitt.

1 Epidermis, 2 Parenchymschicht, 3 Stäbchen-
schicht, 4 Farbstoffschicht, 5 äußere, 6 innere
Endospermschicht.

Tangentialansichten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes.
Fig. 105. Sommerrübsen. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

Kohlsaat, Brassica oleracea L.

Die Zellstruktur von Brassica oleracea (Fig. 106, S. 340) ist derjenigen von
Brassica Napus und Eapa sehr ähnlich. Die Stäbchen sind gleich lang, der seitliche,
unverdickte Teil der Zellwände ist sehr kurz, auf Querschnitten kaum bemerkbar;
auf denselben sind kennzeichnend die hohen, in Wasser stark aufquellenden
Epidermiszellen.

Ober die in Raps- und Rübsenkuchen vorkommenden Sinapis- und sonstige
Brassica-Arten vergl. weiter unten unter „Unkrautsamen“.

Erdnuß, Lrachis hypogaea L.

Die Preßrückstände der zu del1 .^'f^Krattf^ttenSttel^'^hren11 botanischen
hypogaea L.) gehören jetzt zu den beliebtesten Ki j	’	, Ab-

Namen verdankt die Pflanze dem Umstande, daß der Fruchtknoten nach dem Ab

blühen unter den Boden eindringt und dort zur Reife gelangt. Die Samen liegen
        <pb n="364" />
        ﻿340

Futtermittel.

zu zweien in einer lederartigen Hülse (Fruchtkapsel); nach Abtrennung der letzteren
und der Samenschale dienen die Samen auch zur Darstellung eines Kaffeeersatz-
mittels (Erdnuß- oder afrikanischer Nußbohnen-Kaffee) oder auch im entfetteten Zu-
stande als Mehl zur Brot- und Zwieback-Bereitung; durchweg aber werden die ent-
fetteten Rückstände als Futtermittel verwendet; für den Zweck muß man verschiedene
Sorten unterscheiden. Die Beschaffenheit der Erdnußrückstände ist zunächst schon
nach dem Ursprünge der Erdnüsse verschieden. Als beste Erdnüsse gelten die
aus dem nördlichen Senegambien (Rufisque, Kapor, Galam), als von mittlerer Be-
schaffenheit die hiervon südlicher bis zu den Bissagos-Inseln gewachsenen (Gambia,
Kazamanze, Buma), als von geringerer Beschaffenheit die von der Sierra-Leona-
Küste (Lagos).

Kolilsaat. Querschnitt.

1 Epidermis, 2 Parenchym, 3' dünnwandiger
Teil der Stäbchen, 3 Stäbchenschicht,

4 Farbstofischicht, 5 äußere, 6 innere
Endospermschicht.

Tangentialansichten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes.
Fig. 106. Kohlsaat. (Yergr. 200.) Nach C. Böhmer. Zu S. 339.

Weiter aber hängt die Beschaffenheit der Erdnußkuchen wesentlich von der Be-
arbeitung bezw. dem Entölen ab. Anfänglich wurde die ganze Frucht, also mit
Hülse gepreßt, d. h. auf öl verarbeitet; weil aber die so gewonnenen Rückstände keinen
nennenswerten Futterwert besaßen und außerdem auch leicht verschimmelten, so ver-
wendet man jetzt nur die enthülsten Samen zur Ölgewinnung. Vereinzelt gelangen
nur noch Bruchstücke von der Hülse (Fruchtkapsel) mit in die Preßrückstände, und
kann man diese an den langgestreckten holzigen Zellen leicht erkennen. Aber auch
bei dieser Art Verarbeitung unterscheidet man verschiedene Sorten, nämlich ob
außer den Beimengungen (Steinen, Kohlen, Wurzeln, Nägeln, Schmutz und Staub)
sowie außer den Hülsen die rötliche Samenhaut, ferner die dicken, zwischen
den plankonvexen Keimlappen liegenden Würz eichen mehr oder weniger entfernt
sind oder nicht. Die Preßrückstände der von letzteren Bestandteilen gereinigten
Samen sind die besten und gehaltreichsten. Das öl wird meistens durch Auspressen
mittels hydraulischer Pressen gewonnen; nur geringwertige oder vorgepreßte Erd-
nüsse werden mit chemischen Lösungsmitteln behandelt. Die warm gepreßten
Kuchen und auch die aus nur mangelhaft von der Samenschale befreiten Samen
        <pb n="365" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Erdnuß,

341

wonnenen Kuchen haben häufig einen rötlichen Schein. Für die Beurteilung der
Beschaffenheit der Erdnußabfälle kann auch die chemische Zusammensetzung mit
dienen, weshalb dieselbe hier mit aufgeführt werden möge; es enthalten im Mittel:

Bestandteile der Erdnuß:

Fruchthfilse..................10,60

Samenschale (Kleie) .

Samen (enthülst) . .

Erdnußkuchen

Unenthülst ....

Wenig entschält . .

Besser entschält

Wasser	Stickstoff-  substanz	Fett	Stickstoff-  freie  Extraktstoffe	Rohfaser	Asche
°/o	°/o	°/o	°/o	°/o	°/o
10,60	7.10	2,26	18,25	61,80	3,00
8,20	7.68	3,50	22,98	53,20	4,50
7,48	27,52	44,49	15.65	2,37	2,49

11,11	30,71	9,04	19,38	23,43	6,33
11,01	45,63	7,29	25,43	5.81	4,93
10,66	47,63	7,99	23,75	6,01	4,87
9,65	48.821)	7,67	27,39	4,04	4,43

Völlig entschält und von Würzel-
chen befreit (beste Sorte aus
Eufisque-Samen)1) ....

Mitunter enthalten die Erdnußkuchen größere Mengen Haare von den Preß-
beuteln: derartige Ölkuchen sind mit Recht bei den Landwirten weniger beliebt,
weil sie leicht zu Verstopfungen und Zusammenballungen im Darm Veranlassung
geben können. Aus dem Grunde werden entweder die mittels Wollpreßbeuteln aus
den besseren Sorten Erdnüssen gewonnenen Kuchen oder das zerkleinerte und ge-
siebte Mehl vorgezogen.

Je heller im allgemeinen die Erdnußkuchen hezw. -mehle sind, um so besser
pflegt ihre Beschaffenheit zu sein. Gute Kuchen oder Mehle haben einen reinen
bohnenartigen Geschmack.

Nicht selten wird die Aufnahme von Erdnußpreßrückständen — besonders solcher
aus Marseille, die auch durchweg viel Sand enthalten, — von den Tieren ver-
weigert; sie sind dann meistens aus verdorbenen, nicht sortierten Nüssen gewonnen;
vielfach werden aber auch unverdorbene Erdnußkuchen anfangs ungern aufgenommen.

Cohn und Eidam erkannten unter den Mikroorganismen der Erdnußkuchen;

1.	Einen gelben, nicht in Europa vorkommenden Aspergillus, der dem Aspergillus
flavus nahe steht, welcher in Japan auch auf dem Reis verkommt. Dieser Aspergillus er-
scheint, wenn mau das Erdnußkuchenmehl mit verhältnismäßig recht wenig Wasser anrühit,
so massenhaft, daß er nach 48—60 Stunden eine vollständig gelbe Decke bildet.

2.	Einen schwarzen Aspergillus (vielleicht Aspergillus niger), der in Form v(m
einzelnen Flecken zwischen dem vorigen auftritt. Rührt man das Mehl mit etwas Wasser
an und hält es feuchter als vorhin unter 1, so bilden sich an den trocknen Stellen nur die
eben genannten Pilze, dagegen an den feuchteren ein dichter Rasen von

3.	einem dem Muoor stolonifer (auch Rhizopus nigricans) ähnlichen Pilz, dessen
Sporen mitunter schon in dem ursprünglichen Mehl aufgefunden werden können.

4.	Mehrere andere Mucor-Arten in geringerer Menge, so Mucor circinellus u. a.

Unter den Spaltpilzen konnten Cohn und Eidam ein Bakterium und einen

Micrococcus mit Sicherheit bestimmen. M. Gonnermann2) züchtete aus einem
verdächtigen Erdnußkuchen 10 verschiedene Bakterienarten und einen Sproßpilz.

Anacker berichtet Uber einen Fall, wo die Verbitterung von Erdnußkuchen
Kolikanfälle mit Diarrhöen zur Folge hatte. Diese Erdnußkuchen sollen Eizinus-
und Krotonöl enthalten haben. Außer mit Rizinus hat man Verfälschungen mit
Reisraehl, Reisschalen, Gerstenspelzen, Ausputz der Mehl- und Öl-
industrie, Sonnenblumensaraen und Sägemehl usw. festgestellt.

Ö Letztere Brduußkuohen enthalten mitunter bis zu 59 °/0 Protein.

2) Chem.-Ztg. 1894, 18, 486.
        <pb n="366" />
        ﻿342

Futtermittel.

Bei der mikroskopischen Untersuchung der Erdnußkuchen hezw. des
Erdnußmehles hat man zunächst sein Augenmerk zu richten auf:

Erdnuß. Querschnitt durch die Samenschale.

Querschnitt durch den Keimlappen.

Erdnuß. Tangentialansichten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes.

1 Epidermis, 2 Gefäßbündelschichten, 3 innere Schalenoberhaut, 4 Keimlappen, f Poren, g Stärke,
h Öltröpfchen, i Eiweißkörner, A Stärkekörner, la Steinzellen mit rotbraunem Farbstoff,
b Gefäßbündel mit Spiralen.

Fig. 107. Erdnuß. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

1.	Die Samenschale, welche, von zäher Beschaffenheit, den mit zwei fleischigen
Keimblättern versehenen Keimling lose bedeckt und welche sich je nach der geringeren
oder besseren Entschalung in größeren oder geringeren Mengen in den entfetteten
Rückständen befindet. Man kann sie häufig schon durch Sieben, wenigstens znffl
größten Teile, von dem feineren Mehl trennen oder nach Behandlung des letzteren
        <pb n="367" />
        ﻿343

Mikroskopische Untersuchung. Erdnuß.

mit sehr verdünnten Säuren oder Alkalilauge ahschlämmen; die Samenschale
sich dann schon hei Betrachtung mit der Lupe durch ihre fuchsrote Farbe zu

gibt

er-

Fig. 108. Erdnußhülse. Langgestreckte isolierte Zellen. Nach Benecke.

kennen. Von den 3 Schichten der Samenschale (Fig. 107, Querschnitt), der äußeren
und inneren Epidermis, sowie der Mittelschicht ist besonders die äußere Epidermis
(Oberhaut) durch eigenartige Zellen ausgezeichnet. Diese sind in der Flächenansicht

Fig 109. Erdnußhlilse. Nach C. Böhmer.

Zellgruppen aus den Schichten der Fruchtschale, in der Fläche gesehen 1 äußere Epidermis. 2, 2Min8 poros
und netzförmig verdickte Zellen. 3 Skleroidenhündel, hei s mit ästigen Verzweigungen. 4 treppentormig
verdickte Gefäße aus einem Gefaßhundelstrang.

(Fig. 107, 1) scharfeckig, 5- bis 6-seitig; der obere Teil der Seitenwände ragt mit
lamellen- und leistenförmigen Verdickungen in das Lumen hinein und umsäumt das-
selbe kammartig. Dieselben sind eigentümlich karamartig porös verdickt und führen
        <pb n="368" />
        ﻿344

Futtermittel.

zwischen den Lücken einen rotbraunen Farbstoff. Beim Mazerieren löst sich die
Epidermis leicht von dem darunter liegenden, von zahlreichen Spiralen durchzogenen,
gelben Schwammparenchym (Fig. 107 2, S. 342) ab. Den Abschluß der Schale nach
innen bildet ein farbloses, hyalines Häutchen (Fig. 107 3, S. 342).

2.	Das Parenchym der Keim!appen zeichnet sich durch seinen Gehalt an
runden, der Getreidestärke ähnlichen Stärkekörnern aus, die 5—15 /.i groß sind und
mit Jodlösung Blaufärbung zeigen. Sonst bieten dieselben nichts Auffälliges.

3.	Die Hülsen der Erdnußkerne (Fig. 108 u. 109, S. 343). Selbst bei sorg-
fältiger Eeinigung der Erdnüsse gelangen einzelne Teile der Hülse mit in die Preß-
rückstände; das Vorkommen von Hülsenteilchen in größerer Menge zeigt immer eine
geringe Beschaffenheit der Erdnußkuohen bezw. -mehle an. In der Flächenansicht sieht
man die farblose Epidermis als aus dünnwandigen, 5- bis 6-seitigen Zellen zusammen-
gesetzt (Fig. 109 No. 1); darunter treten deutlich die porös bis netzförmig verdickten
Zellen (Fig. 109 2, 2' und 3) hervor. Die Zellen der darunter liegenden Hornhaut treten
erst nach anhaltendem Kochen mit Alkalilauge deutlich hervor; sie erscheinen alsdann
als ein dichtes Gefüge von Skiereiden und Tracheiden (Fig. 109 No. 3 und 4); sie
führen einen braungelben Farbstoff und sind oft ästig verzweigt. Die Skiereiden treten
durchweg in der Lage auf, wie sie aus Fig. 108, S. 343 nach Benecke erhellt.
Eine große Ähnlichkeit mit dieser Hornhaut hat auch die Pergamenthülle der
Kaffeefrucht.

Bniimwollesamen, Gossypium herbaceum L.

Mit den Entfettungsrückständen der Erdnuß nehmen die des Baumwollesamens
jetzt den ersten Platz als Kraftfuttermittel ein. Als Ausfuhrländer der entfetteten
Baumwollesamenrückstände kommen für uns vorwiegend Nordamerika in Betracht,
in geringerem Grade Mexiko, Brasilien, einige afrikanische Küstenländer, Ägypten,
die Levante und Ostindien. Die Beschaffenheit der Rückstände hängt weniger von
der Natur der verwendeten Samen als der Art der Verarbeitung ab. Zwar sind
manche Samen, die ungefähr 2/3 des Gewichtes der nicht entkernten Baumwolle-
kapsel ausmachen (Ägypten), nicht mehr so fest und stark von Resten der Baum-
wolle eingehüllt und liefern faserfreiere Rückstände, aber bei sorgfältigem Reinigen
der faserreichen Samen lassen sich aus diesen ebenso faserfreie Rückstände erhalten.
Nur selten werden die faserfreien Samen entölt und als schalenhaltige Preßkuchen
vertrieben; meistens wird die anhängende Wolle mit der Schale entfernt und der
gereinigte Samen nach dem Entölen als Baumwollesaatmehl in den Handel gebracht.
Der eigentlichen Reinigung des Samens geht wie bei allen Ölsamen eine Vorreinigung
von Steinchen, Nägeln, Samenkapseln, Wollflocken usw. durch Trommelsiebe von
verschiedener Maschenweite, bezw. durch eine dem Exhaustor ähnliche Maschine
voraus; darauf folgt das Entwollen, d. h, die Entfernung der Wolle von den Samen
mittels einer mit geripptem Leder überzogenen Walze (Eollergin), auf welche sich
beim Drehen die Wollfäden festlegen, während die Kerne durch zwei messerartige
Schienen entfernt werden. Dem Samen haften aber nach Verlassen des Rollergin
noch Grundwolle und Wollteilchen an, von welchen er durch eine weitere besonders
eingerichtete Walze, die Zylindersäge (Unter), gereinigt wird. Erst dann werden
durch die Schälmaschine (hui ler) die Samen entschält — die Entschalung kann durch
Dämpfen oder Kochen der Samen unterstützt werden —, die Schalen durch Siebe
und Trieure entfernt, der schalenfreie Samen zerquetscht und schließlich nach dem
Erwärmen durch Pressen entölt — die Entölung auf chemischem Wege ist selten —■
Bei wiederholter oder zu starker Erwärmung nimmt das Baumwollesaatmehl
leicht ein dunkelgefärbtes Aussehen an.
        <pb n="369" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Baumwollesamen.

345

Aber auch das aus entwollten und entschälten Samen gewonnene Baumwollesaat-
mehl ist noch nicht frei von Schalen und Wolle; um es von den letzten Resten dieser
zu befreien, wird es weiter entweder schon in Amerika oder in den Verbrauchsorten
selbst durch Sieben gereinigt; es hängt aber ganz von der auf diese Arbeit ver-
wendeten Sorgfalt ab, ob dabei Schalen wie Wolle vollständig entfernt werden;
dieses gelingt für die Wolle eher als für die Schalentrümmer. Man unterscheidet
je nach den Reinigungsmühlen z. Z. eine große Anzahl verschiedener „Marken“
Baumwollesaatmehl,1) ohne daß die eine oder andere Marke als die stetig beste in
der Zusammensetzung angesehen werden könnte. Im allgemeinen gilt die Texas-
Marke z. Z. als die proteinreichste und beste. Die Verschiedenheit der verschiedenen

Fig. 110. Baumwollesamen.	inlialtleere Zellen,

Querschnitt 1 Basis der Baumwollhaare 2 Gefaß.b“n41ie„peri;herie aus, 4b (Fig. Ul) Palissaden-
•i Palissadenzellen, 4 a (Fig. 111) Palissadenzellen von der ®a"'®neP"r^8toffschicht, a Gefäßbündelstrang
zellen vom Samenzentrum aus gesehen, 5 Testaschicht,	, .p.	jjaumwollhaare.

mit Spiralgefäßen, h Harzdrüse, c (Fig. 111) Atemhohle, d (mg.

Erzeugnisse aus den Baumwollesamen erhellt auf folgenden mittleren Untersuchungs-
Ergebnissen:

Baumwollesamen:

Nicht entschält............

Entsohält..................

Schalen....................

Wolle (Abfall vom Sieben) .

B aum Wollesamenkuchen hezw. Me

Unentschält................

Faser- und sohalenhaltig
Faser- und sohalenfrei . .

l) Vergl. Deutsche Landw. Presse 1898, 25, No. 13.

Wasser  “Io  .	9,29  . 8,28	Stlckstoff- suh stanz  °/o  19,09  29,55	Fett  °/o  19,95  27,23	Stickstoff-  freie  Extraktstoffe  °/o  23,41  24,07	Kohfaser  °lo  23,75  4,62	Asche  °lo  4,61  7,25
. 12,25	5,44	2,32	28,81	48,33	2,86
.	8,46	13.67	13,06	20.86	40,36	3,69
il:  . 11,86	24,25	5,82	30,74	20,95	6,38
.	8,76	43,66	14,20	20,84	5,38	7,06
. 8,22	47.75	14,85	20,42	3,51	5,25
        <pb n="370" />
        ﻿346

Futtermittel.

Selbstverständlich sind diese Zahlen großen Schwankungen unterworfen; im
allgemeinen schwankt der Gehalt an Protein + Fett bei den weniger sorgfältig von
Schalen und Wolle gereinigten Baumwollesaatmehlen zwischen 54—58, bei den
schalen- und faserfreien Mehlen dagegen zwischen 58—64 °/0. In der letzten Zeit

JTig. 111. Baumwollesamen. (Vergr. 200.)

Tangentialansichten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes (Flg. 110, S. 345).

kommen die Baumwollesaatmehle auch stärker entfettet (mit 7—9 °/0 Fett) in den
Handel.

Verfälschungen des Baumwollesaatmehles mit Abfällen fremden Ursprungs
kommen wohl kaum vor, dagegen ist der Zusatz der eigenen Abfälle (Schalen, Wolle),
die früher zur Feuerung, Düngung oder Papierbereitung benutzt wurden, nachdem
sie fein gemahlen sind, zu Baumwollesaatmehl neuerdings versucht worden.
        <pb n="371" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Baumwollesamen.

347

Mehr aber als über Verfälschungen wird über häufige schädliche, ja töd-
liche Wirkungen des Baumwollesaatmehles Klage geführt. Am empfindlichsten sind
junge und tragende Tiere sowie Schafe gegen Baumwollesaatmehl; auf alle Fälle
empfiehlt es sich, dasselbe trocken und zunächst nur in kleinen Gaben zu verfüttern,
die für 500 kg Lebendgewicht auf höchstens 2 kg im Tage gesteigert werden dürfen,
über die Ursache der giftigen Wirkung des Baumwollesaatmehles ist bis jetzt nichts
bekannt; pathogene oder gifterzeugende Bakterien konnten bis jetzt ebensowenig
wie giftige Stoffe als solche aufgefunden werden. Vielfach neigt man der Ansicht
zu, daß das Baumwollesaatmehl nur indirekt giftig wirkt, nämlich bei solchen

Querschnitt durch die Spitze eines Samenlappens
und durch das graue Häutchen.

Fig. 112. iUumwollesamen. Nach C. Böhmer,
ransenzellcn. 8 Endosperm, 9 Keimlappen, an der linken Seite mit Aleuronkörnern und Öltröpfchen
ge uilte Zellen, o Oberhaut der Außen-, o' der Innenseite, p Prismenzellen, H Harzdrüse mit etwas

Sekret.

1 nrior Störung des Verdauungsvermögens
Tieren, bei denen infolge Unvollkommenheit	Mes nicht durch die regelrecht

die Proteinstoffe des beigefütterten Baumw ‘ „PT,tonisiert und aufgenominen
für gewöhnlich abgesonderten	die

werden, sondern bei denen solche im V	“ des Baumwollesaatmehles giftige

Oberhand gewinnen, welche aus den 1 ro ^	wirkungen hervorrufen.

Stoffe (Ptomaine) erzeugen und aut • die ^• s0^hem Cholin und Betain ge-

n Jer Tat hat man 111 Ba™r° Z Sd von denen aber das Cholin durch Ge-
funden, die an sich zwar nicht giftig sind,	,t von p j£ol. Wasser

dation leicht in das giftige Muskarin oder durch Abspaltung von

leicht in das giftige Neurin übergehen kann	«nmenschale dem seiden-

Der Samen der Baumwollestaude bes e. au w ^ die g’amen vor der
glänzenden Häutchen und dem Keimli g-
        <pb n="372" />
        ﻿348

Futtermittel.

Entölung geschält werden, so gelangen doch selbst bei dem sorgfältig gereinigten
Baumwollesaatmehl stets einzelne Schalentrlimmer mit in das Mehl und diese sind
für den mikroskopischen Nachweis besonders wertvoll.

1.	Die Samenschale. Die Samenschale besteht aus 6 Zellschichten (vergl.
Fig. 110, S. 345). Die gelblichen, gegen Mazerationsflüssigkeiten äußerst widerstands-
fähigen keulenförmigen Haarzellen (110 1 und Fig. 111 d) sind deutlich geschichtet,
mit dunkelbraunem Inhalt gefüllt und erscheinen, durch Mazerationsmittel aufgehellt,
in der Tangentialansicht polygonal, zuweilen im Kreise um einen gemeinsamen Mittel-
punkt, die Atemhöhle, gruppiert. Mit ihnen innig verwachsen findet man die parenchy-
matische, mehrreihige schwarzbraune Farbstoffschicht mit Gefäßbündeln (2) und
darunter die farblosen bezw. gelblichen verholzten Kubenzellen (3). Die säulen-
förmigen Palissaden (Prismenzellen) liegen nach der Mazeration bündelweise neben-
einander und zeichnen sich durch starken Glanz, starke Verdickung des dünneren
Endes und die gelben Punkte in 2/g ihrer Höhe, wo ein spaltenförmiges Lumen
sichtbar wird, aus. In der Flächenansicht am Scheitelende zeigen die Prismen ein
radial gestreiftes, sternförmig verzweigtes Lumen, am gegenüber befindlichen Basis-
ende feine konzentrische Streifungen. Die weiteren Zellschichten 5 und 6 bieten
wenig Eigenartiges.

2.	Häutchen (Fig. 112, S. 347). Das zwischen der Testa und dem Keimling
liegende graue Häutchen besteht aus zwei Zellschichten (7 und 8), von denen sich die
obere, äußere (eine Art Perisperm) aus kennzeichnenden, sehr kleinen Fransenzellen (7),
die untere aus in der Flächenansicht 5- bis 6-seitigen geradwandigen, mit Plasma
gefüllten Endospermzellen zusammensetzt.

3.	Keimling (Fig. 112, S. 347). Auch im Gewebe der Kotyledonen befinden sich
eigenartige Bestandteile. Zwischen den polygonalen, an der Innenfläche der Keim-
lappen gestreckten Parenchymzellen liegen dunkle, schon mit der Lupe erkennbare
Harzdrüsen, die sich in konzentrierter Schwefelsäure mit blutroter Farbe auflösen.

Sesamsamen, Sesamum indicum L.

Die in Deutschland gangbaren Sesamkuchen werden durchweg aus dem weißen
(indischen) Sesamsamen, Sesamum indicum L., gewonnen, die braunvioletten bis
schwärzlichen Sesarasamen, Sesamum orientale L., finden nur vereinzelte Verwendung;
die Preßkuchen der letzteren gelten als nicht so nahrhaft und sind nicht so gesucht,
als die der ersteren Samen. Indes findet man in der hellen Saat stets kleinere
Beimengungen der dunklen Saat. Die gemischte Saat enthält bis 50 °/0 dunkle
Körner. Diese Saaten (helle wie dunkle) enthalten z. T. aber noch vielerlei Un-
krautsamen und auch Erde (Sand). A. Hebebrand1) konnte in dem Ausputz
von gemischter Saat (mit 12 °/0 dunklen Sesamsamen) 75 Arten, H. Kraut1) in
solchem von Levantiner Saat 79 Arten Unkrautsamen nachweisen. Hebebrand
fand in 100 g Ausputz aus Levantiner Saat u. a.: 5,8 g Panicum miliaceum,
1,2 g Papaver somniferum, 1,2 g Sinapis glauca und arvensis, 5,0 g Hafer, Koggen,
Weizen, Gerste, 3,5 g verschiedene Samen, M. Klassert ferner 27,70—74,63 °/0
Asche mit 10,00—57,10 °/0 Sand. Wegen dieser Beimengungen wird die Sesamsaat
vor dem Pressen erst sorgfältig gereinigt,2) darauf geschroten und in hydraulischen
Pressen einem Druck von etwa 300 Atm. ausgesetzt. Die ausgepreßte Masse unter-
liegt noch zwei Nachpressungen, von denen die letzte unter Erwärmung auf 25—40°

’) Landw. Versuchs-Stationen 1899, 51, 45.

2) In Sesamkuchen aus schlecht gereinigter Saat sind bis 15 °/0 Sand gefunden worden.
        <pb n="373" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Sesamsamen.

349

vorgenommen wird. Die auf letztere Weise erhaltenen öle sind selbstverständlich
minderwertig. Das durch kaltes Pressen gewonnene öl ist das feinste und ähnelt
wegen seiner neutralen Beschaffenheit selbst dem Olivenöl im Geschmack.

Die Sesamkuchen werden mitunter mit Mohnkuchen verfälscht, indem man
die beiden Samen gemischt preßt, um so einerseits dem als Speiseöl geschätzten
Mohnöl das minderwertige Sesamöl, andererseits den gesuchteren Sesamkuchen die
weniger beliebten Mohnkuchen beizumischen. Auch Raps- und Rizinuskuchen, Hirse-,

Fig. 113. Sesamsamen. Nach C.
Flächenansichten. (Vergr. 200.)

1	a Tangentialansicht der Epidenniszellen des weißen, 1b des
schwarzen Sesam, bei c Proteinkörner und Drusen, Calcium-
oxalat führend, ic dieselben Zellen nach Behandlung mit ver-
dünnter Lauge, bei c' mit dem Basisende nach oben gewendet,

2	subepidermale Parenchymschicht, « Calciumoxalat-Drusen, •*

desgl. Nadeln, Y Fetttröpfchen.

Böhmer.

Samenschale, Querschnitt. (Vergr. 200.)
1 mit braunem bezw. schwarzem Farb-
stoff gefüllte Epidermiszellen, 2 und 3
darunter liegendes farbloses Paren-
chym, 4 mit Proteinkörnern und Fett
angefülltes, dickwandiges Parenchym
des Endosperms, bei d gequollen, 5 zart-
wandiges Parenchym der Keimlappen,
bei e kubische, bei f prismatische
Zellen.

Eeisspelzen, Getreideausputz, Erdnußschalen sind vereinzelt in den Sesarakuchen ge-
funden worden.

Sehr häufig indes finden sich in den Sesamkuchen zahlreiche Schimmelsporen
(besonders eine eigenartige Monilia-Art), Bazillen und Stäbchenbakterien. Das Fett
der Sesamkuchen enthält durchweg viel freie Fettsäuren.

Für die mikroskopische Untersuchung bezw. Feststellung der Sesam-
rückstände ist nur das dünne, parenchymatische Samenhäutchen mit den Oberhaut-
und subepidermalen Zellen von Wert.
        <pb n="374" />
        ﻿350

Futtermittel.

Keimlappen und Endosperm des Sesams bestehen aus einem wenig aus-
geprägten Parenchym farbloser, teils zusammengepreßter, teils kubischer, teils
prismatischer Zellen. Um das Samenhäutchen tunlichst und unverletzt zu erhalten,
muß man die Sesamrückstände mit ganz verdünnter Essigsäure — nicht Mineral-
säure — und ganz verdünnter Alkalilauge behandeln oder die Schalenteile in Chloral-
hydrat legen. Die Epidermis kennzeichnet sich in der Tangentialansicht durch die
kugelförmigen, aus Körnchen oder konzentrisch strahlig geordneten Säulen von
oxalsaurem Calcium bestehenden Einlagerungen der 5- bis 6-seitigen Zellen, deren
zart poröse Membrane bei dem schwarzen Sesam von einem schwarzbraunen Inhalt
umkleidet sind. Die Einlagerungen treten erst nach der Behandlung mit sehr ver-
dünnter Essigsäure und Natronlauge deutlich hervor; sie müssen auf Zusatz von
verdünnter Salzsäure, aber nicht von konzentrierter Essigsäure verschwinden.

Zur weiteren Feststellung der Sesamrüekstände kann die Baudouinsche
Reaktion des ausgezogenen Fettes mit Furfurol und Salzsäure dienen (vergl. unter
Margarine).

Palmkerne, Elaeis gnineensis Jacq.

Die Palrakernkuchen werden aus den Kernen der Steinfrucht der afrikanischen
Ölpalme, Elaeis guineensis Jacq. und der schwarzsamigen Ölpalme, El. melanococca
Gaertn. gewonnen. Das Fruchtfleisch der Palmfruoht liefert ebenfalls ungefähr
10 % eines stark gelbrot gefärbten Öles (Palmöl), welches meist schon bei ge-
wöhnlicher Temperatur zu einem schmelzbutterähnlichen Fette erstarrt (Palm-
butter); letzteres wird aber in den Erzeugungsländern der Ölpalme selbst gewonnen
und verwendet; auch gelangen die entfetteten Rückstände nicht nach Europa.
Die den Samenkern umhüllende Steinschale B (Fig. 114, S. 351) macht ungefähr
% vom Gesamtgewicht der Frucht aus; sie ist sehr rohfaserreich (etwa 70 %) und
proteinarm (3 °/0); eine Vermischung der Preßrückstände des Kernes mit der Stein-
schale wird sich daher schon durch eine Bestimmung der Eohfaser zu erkennen
geben, welche bei reinem Palmkernkuchen bezw. -mehl nur 18—23 % beträgt.

Die Palmkerne werden teils durch Pressen, teils durch chemische Extraktions-
mittel entfettet; erstere Rückstände enthalten 7—11% Fett, letztere nur 2—4%;
das Fett der letzteren Rückstände soll leichter ranzig werden, als das der Preß-
rückstände.

Als Verfälschungsmittel sind in den Palmkernrückständen die Abfälle der
Steinnußverarbeitung (die Steinschalc der Frucht von Phytelephas macrocarpa, auch
vegetabilisches Elfenbein genannt) beobachtet; die Steinschale enthält neben wenig
Fett (1—2%) und wenig Protein (4—5%) viel Eohfaser (70—75%); manche
Untersuchungen ergaben an letzterer allerdings weniger.

Ferner sind im Palmkernmehl auch Kapokmehl, der Rückstand der Samen des
Wollbaumes (Bombax pentandrum L.), Abfälle von Hülsenfruchtmehl und Erdnußmehl
gefunden. Die Samen zweier polynesischen Palmen, die Tahiti- und australische
Wassernuß genannt, sind den Palmkernen auch in der mikroskopischen Struktur
gleich. Unkrautsamen können in die Palmkernrückstände nur durch absichtlichen
Zusatz gelangen. Dagegen findet man als wichtig für die mikroskopische
Untersuchung in den Rückständen noch immer Trümmer der Steinschale, von
der sich die Samenkerne nie vollständig befreien lassen.

Die äußerst widerstandsfähigen, porös verdickten, dunkelbraunen Steinzellen B'
der den Kern umhüllenden Steinschale bewirken im Verein mit den mit dunkel-
braunem Inhalt gefüllten Zellen (2) des Samens die Färbung der dunklen Teilchen,
die man mit bloßem Auge in allen Palmkernmehlen antrifft. Ihr Vorkommen in
        <pb n="375" />
        ﻿' Mikroskopische Untersuchung. Palmkerne,

351

Gesellschaft mit den braungelben, getüpfelten, tangential gestreckten Zellen (1) läßt
auf die Gegenwart von Rückständen der Palmkerne oder Kokosnüsse schließen.
Genauere Entscheidung hierüber bringt die Struktur des Endosperms. Das Gewebe

desselben besteht aus knotig verdickten, 5 fx dicken, prismatischen, unter der Samen-
schale isodiametrischen Parenchymzellen, in denen man bei starker 'Vergrößerung
deutliche Tüpfel beobachten kann; sie schließen viel Protein und Fett ein, Fett-
kristalle sind nur mit Schwierigkeit aufzufinden.
        <pb n="376" />
        ﻿352

Futtermittel.

Kokosnuß, Cocos uucifera L.

Die Frucht der in allen Küstengebieten der Tropen, auf den Inseln des Stillen
Ozeans usw. angebauten Kokospalme setzt sich aus 4 Teilen zusammen, die sämtlich

Flg. 115. Kokosnuß.

a äußere Frnchthaut, b Fruchtfleisoh-Faserschicht, o innere Fruchtschale (Stelnkem), d Samen,
e Endosperm des Samens, f Höhlung (in der frischen Frucht mit Kokosmilch gefüllt).

eine Verwendung finden, nämlich aus etwa 30°/o Faser, aus der Matten und sonstige
Gegenstände angefertigt werden, aus etwa 20 °/0 Steinschale, die zur Anfertigung

Flg. 116. Kokosnuß. (Yergr. 200.) Nach C. Böhmer.

Fläohenanslchten.	Querschnitt.	Flächenanslcht der Samenschale-

1 und 2 Schichten der Samenschale, 3 Endosperm, c Steinzellen.

von Gefäßen und Knöpfen dient, aus etwa 40 °/0 Samen (Kopra oder Koppra,
Albumen nebst Samenschale und Keimling), woraus das Fett und als Rückstand die
Kokoskuchen gewonnen werden, und aus etwa 10 °/0 Milch (im Innern des Samens),
        <pb n="377" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Kokosnuß. Mohnsamen.

353

die im Ursprungslande direkt als kühlendes Getränk genossen wird. Um die Faser-
schicht von den Steinkernen zu entfernen, wird die reife Frucht monatelang in
Wasser geweicht, 'geklopft, gewaschen und der entfaserte Kern an der Sonne ge-
trocknet. In diesem Zustande gelangt die Kokosnuß durchweg zur Ausfuhr. Die
Steinschale läßt sich nur durch Zerschlagen mit Steinen oder Hammer oder durch Zer-
sägen entfernen. Die von der Steinschale befreite Samenschale wird entweder an der
Sonne (in den Tropen) oder künstlich getrocknet und dann in üblicher Weise entfettet.

Verfälschungen der entfetteten Rückstände sind ziemlich selten; vereinzelt
sind Erdnußabfall und Steinnußmehl beobachtet. Jedoch wird das Fett der Kokos-
kuchen leicht ranzig; auch kommt mitunter havarierte Ware vor.

Die Zellstrukt ur der Kokosnuß (Fig. 116, S. 352) entspricht der der Palmkerne
(Pig. 114, S. 351). Auch von dem Endokarp, der Steinschale, gelangen Reste mit in
die Preßrückstände des Samens; das Gewebe der Steinschale setzt sich wie bei den
Palmkernen aus langgestreckten, stark verdickten, von zahlreichen Porenkanälen
durchzogenen Steinzellen zusammen, deren spaltenförmige Lumina mit braunem
Inhalt erfüllt sind. Nur die Endospermzellen besitzen schwächer verdickte, etwa
3 ,u dicke Zellwände gegenüber den Palrakernen und enthalten zwischen zahh eichen
Proteinkörnern Bündel von Fettsäurekristallen.

Mohnsamen, Papaver somniferum L,

Der Mohnsamen hat je nach dem Ursprung sehr verschiedene Farbentöne; der
ostindische sieht weiß bis bräunlich aus, der deutsche grau und blau, der russische
bläulich, der türkische gelb und blau, der französische blau; aus dem Grunde sehen
auch die Preßrückstände der Mohnkuchen bald hell bald dunkel aus. Im Südwesten
Deutschlands hält man die dunklen Mohnkuchen für geeigneter zur Fütterung; die hellen
(französischen hezw. indischen) Mohnkuchen sollen eine narkotische (einschläfernde)
Wirkung besitzen. F. Mach1) konnte indes in denselben keine Opiumalkaloide
Nachweisen; nur die Kapselfragmente, die sich in der ungereinigten Saat befinden, ent-
hielten Narkotin (aber kein Morphin und Kodein). Außer der einschläfernden W iikung
schreibt man den Mohnkuchen auch zu, daß sie Bullen des Geschlechtstriebes verlustig
machen. Ara besten eignen sich die Mohnkuchen als Mastfutter für erwachsene Rinder.

Verfälschungen kommen bei Mohnkuchen kaum vor, weil sie wegen der ge-
ringen Nachfrage meistens zu den verhältnismäßig billigsten Kraftfuttermitteln gehören
und daher selbst nicht selten zur Verfälschung anderer teuereren Futtermittel (auch der
Gewürze) verwendet werden. Die ausländischen, besonders die ostindischen Mohnkuchen
enthalten häufig Verunreinigungen aller Art und sind nicht selten stark verschimmelt.

Für die mikroskopische Untersuchung ist folgendes zu bemerken;

Über tafelförmigen, mit körnigem Inhalt gefüllten Epidermisze en le en
leistenförmige Erhebungen hervor, welche sich in geschlängelten inien zu
quadratischen Figuren vereinigen und die feine Äderung des Mohnsamens bewirken
(M in Fig. 117, S. 354). Die Samenschale besteht aus 6 Schichten, von denen haupt-
sächlich die dritte und fünfte Schicht kennzeichnend sind. Die unter der Epidermis
liegenden 4- bis 6-seitigen Parenchymzellen werden wegen ihres sandig-körnigen
Inhaltes Kristallzellen genannt.	,

Die dritte Schicht wird von langgestreckten, farblosen oder braunen, lest
ineinander gekeilten Zellen gebildet. Quer zu diesen liegen poröse, spindelförmig
gestaltete Zellen. Die fünfte eigenartigste Schicht wird von netzig-porbsen, bei den
dunklen Samenvarietäten mit braunrotem Farbstoff gefüllten, polygonalen a e zc en

’) Landw. Versuchs-Stationen 1902,
Land-wirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

57, 419.

23
        <pb n="378" />
        ﻿354

Futtermittel.

gebildet, welche Mer und da übereinander greifen und daselbst in der Tangential-
ansicht das Aussehen einer mehrreihigen Schicht besitzen. Die polyedrischen Zellen
des Endosperms sind mit Fett und Aleuronkörnern gefüllt.

Samenschale.

Endosperm.

Mohnsamen. Querschnitt.

1—5 Samenschale. 6 und 7 Parenchym von Endosperm und Embryo.

1 Epidermis mit leistenförmigen Erhebungen, 2 Kristallzellen, 3 Faserzellen, 4 Spindelzellen,
5 Pigmentzellen, a Übereinander geschobene Zellen der Färb stoffschi cht.

Flächenansichten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes.

Fig. 117. Mohnsamen. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

Da in den Rückständen des Mohnsamens stets Bruchstücke von den spröden
im feuchten Zustande zähen, schwammigen — Mohnkapseln Vorkommen, so
        <pb n="379" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Sonnenblumenkerne.

355

kann auch deren Zellgewebe mit zur Feststellung der Rückstände dienen. Dasselbe
besteht aus drei Schichten, nämlich: 1. der kleinzelligen, stark porös verdickten
Außenepidermis, deren Zellen mit gelblich bis braun gefärbtem Inhalt gefüllt und in
der Flächenansicht polygonal sind; 2. der dicken, großmaschigen, von zahlreichen
Gefäßsträngen durchsetzten Mittelschicht; 3. der stark verdickten inneren pi ermis
(inneren Oberhaut), deren Zellen tangential gestreckt, schwach wellig gebogen sind,
durch Kochen mit Lauge schleimig aufquellen und zwischen denen vereinzelt kleine
Spaltöffnungszellen liegen.

Fig. 118. Mohnkapsel. Nach C. Böhmer.

1 Oberhaut, 2 Mittelschicht, 3 innere Oberhaut mit Spaltöffnungs-
zellen, s linke Hälfte mit Lauge verquollen, rechte Hälfte mit
Wasser aufgekocht.

Sonnenhlumenkerne, Helianthus	^,und 50o^) aus

Die Sonnenhlumenkerne (Früchtchen) bestehen __450/ (rund 50°/o) Samen-

dem Fruchtgehäuse, Fruchtschalen (Perikarp) um ^	entweder durch einfache

kernen. Für die Ölgewinnung werden die Fnic s	ähnlich wie hei der

Ouetschmühlen und Sieben oder besser1) auf einem . ^^ Samenkernen in üblicher
Entschalung der Hirse, entfernt und aus den en sc .. ^er j^urbt ist folgende:
Weise das öl gewonnen. Die Zusammensetzung aei

Sonnenblume: Ganze Frucht . kamenkerne  Schalen	Wasser  ■ 7.150/0 4,13 „ 9,56 „	Stickstoff-  Substanz  14,950/0 24,55 „  6,04 „	Fett  29,11% 49,65 „ 6,44 „	Stickstofffreie Extrakt Stoffe 16,82 % 14,86 „ 22,88 „	Rohfaser  28.65% 3,16 „ 62,87 „	Asche  3,32% 3,75 „ 2,21 „
“eben (entschält)	• 9,94,,	34,66 „	14,53 „	22,29 „	12,60 „	6.68 „

Wrgl.Th.K
ebenda 1902, 57, 305.

osutany, Landw. Versuchs-Stationen 1893, 43, 255,

und E. Windisch,

23*
        <pb n="380" />
        ﻿356

Futtermittel.

Die Preßrückstände der Kerne der Sonnenblume sind meistens sehr dicht und
daher sehr haltbar. Sie geben mit kochendem Wasser eine schleimige ölige Masse,
welche die diätetische Wirkung des Leinsamenschleimes besitzen soll; nachDammann
sollen sie mitunter Opium-ähnliche Alkaloide enthalten, welche betäubend wirken.
Der Futterwert der Sonnenblumenkernkuchen hängt wesentlich von ihrem Ge-
halt an Schalen ab, denn diese beeinträchtigen wegen ihrer holzigen Be-
schaffenheit die Ausnutzung und wegen ihres Gerbstoffgehaltes die Schmackhaftig-
keit. Den Gehalt an Schalen kann man aus dem Gehalt an Eohfaser ermessen;

£Fig. 119. Sonnenblumenkerne. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

Querschnitt. 1 Epidermis, a Haare derselben bei b gepaart, 2 subepidermale Parenchymschicht,
3 Sklerenchymbündel, 3' Markstrahlen ähnliches Gewebe, c pechartiger Farbstoff, 4 dünnwandiges

Parenchym, d Gefäßbündel.

letzterer soll nur 10—15°/0 betragen. Eigentliche Verfälschungen sind bei diesen
Ölkuchen kaum beobachtet; als zufällig beigemengte fremde Samen werden genannt:
Eaps, Eübsen, Senfarten und Leinsamen mit seinen Begleitern.

Die Zellstruktur der Sonnenblumensamen ähnelt sehr derjenigen der Madia-
und Nigersamen. Die Fruohtschale der Sonnenblumenkerne erkennt man an der
farbigen, mit zahlreichen einzelligen, gewöhnlich zu Paaren nebeneinanderstehenden
Haaren besetzten Epidermis. Im porösen Parenchym (2) befindet sich ein pech-
artiger Farbstoff, durch welchen in der Flächenansicht die Sklerenchymbündel
schildpattähnlich hervorleuchten. Im Innenparenchym lagern Bast- und Holzzellen
sowie Spiralgefässe führende Gefäßbündel.
        <pb n="381" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Hanfsamen.

357

Handelt es sich um fruchtschalenfreie (Mehl-) Rückstände, so lassen sich dieselben
an dem von Spiralgefäßbündeln (e) durchsetzten Schwammparenchym (5 und 6)
erkennen.

Fig. 120. Sonnenblumen kerne. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer,
jfo , Tangential anslohten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes.

• &amp; und 6 Schichten der Samenschale, e Gefäßbiindel derselben, 7 polygonale Endospermzellen.

Hanfsamen, Cannabis sativa I.

zu w ^an^sanien pflegen vor dem Pressen mehr oder weniger stark geröstet
sind r ^ W0&lt;*urc*1 sie ein dunkles, mitunter verkohltes Aussehen annehmen. Auch
Sle Achter und mehr als andere Ölkuchen dem Verschimmeln ausgesetzt.
        <pb n="382" />
        ﻿358

Futtermittel.

A. Lemcke1) fand unter den Schimraelarten
seltener Mucor mucedo L. und Aspergillus

Flg. 121. Hanfsamen. Querschnitt. (Yergr. 200.)

1	Epidermis	i

2	Gefäßbündelschicht	;	der	Eruchtschale,

3	Palissaden	)

4, 5 und 6 darunter	liegende	Schichten	der	Samenschale

und des Endosperms.

vorwiegend Penicillium crustaceum L.,
flavescens, Aspergillus niger, Mucor
spinosus, bei starker Verschimme-
lung Phycomyces nitens, in 2 Fällen
auch Thamnidium elegans Link.
Vielleicht verursachen die Hanf-
kuchen vorwiegend wegen ihrer
schimmeligen Beschaffenheit Durch-
fall, Abortus, schlechten Butter-
geschmack usw.

Auch schreibt man den Hanf-
kuchen nach andauernder und
starker Verfütterung erschlaffende
und narkotische Wirkungen zu.
Sie sollen daher nicht an Zueht-
und Jungvieh, sondern nur an
Mastvieh und zwar zu höchstens
1,0 kg für 500 kg Lebendgewicht
verfüttert werden.

Weil die Hanfkörner vor
dem Entölen nicht geschält werden,

Flg. 122. Hanfsamen. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.
Flächenansichten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes.

so enthalten die Hanfkuchen durchweg viel Rohfaser, nämlich 20—25 °/0, neben
28—33 °/0 Protein und 8,0—15,0 °/0 Fett.

J) Landw. Versuchs-Stationen 1901, 55, 161.
        <pb n="383" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Candlenuß. Nigersamen.	359

Als Verunreinigungen kommen nicht selten Unkrautsamen aller Art
und Sand (0,5—1,5 °/0 und mehr), auch kommen Mischkuchen im Handel vor,
bestehend aus Mischungen von Hanf-, Dotter-, Raps-, Senf- und Sonnenhlumensamen.

Für die mikroskopische Untersuchung der Hanfsamenrückstände ist zu
berücksichtigen, daß die graubraune, netzadrige Fruchtschale in den Rückständen
verbleibt und in den Zellschichten 1, 2, 3 und 4 kennzeichnende Merkmale besitzt.
Die Oberhaut besteht aus gebuchtet sternförmigen, mehr oder weniger stark ver-
dickten, farblosen, hornartig erhärteten Zellen, die von zahlreichen feinen Poren
durchsetzt sind und mit ihren Ausbuchtungen polypenartig ineinandergreifen. Auf
ihrer Unterseite liegen in einem chlorophyllhaltigen Parenchym zahlreiche Spiral-
gefäßbündel, welche die feine, mit bloßem Auge bemerkbare Äderung der Schale
bewirken (Fig. 121). Die Palissaden (3) sind im Querschnitt knotig verdickt, zeigen
deutliche Schichtung und erscheinen in der Oberflächenansicht nach genügender
Mazeration sternförmig mit kreisrundem Lumen; ihre zahnförmigen Ausbuchtungen
greifen kammradartig ineinander. Ganz ähnliche Zellen besitzen gewisse Knöterich-
arten und andere Samen; man muß deshalb zur Diagnose auch die chlorophyll-
haltigen, porösen Zellen (4) des Samenhäutchens zu Rate ziehen, welche in der
Flächenansicht reihenweise nebeneinander liegen und zahnförmig begrenzt sind.
Der unter dem Samenhäutchen liegende weiße, aus zwei großen Samenlappen nebst
Würzelehen und Knöspchen bestehende Kern ist stärkefrei.

Candlenuß, Aleurites triloba Forst,

(Siehe Fig. 123, S. 360.)

Die Rückstände der Candlenuß oder Bankulnuß, der fleischigen Kapselfrucht
v°n Aleurites triloba F., welche kalt (zu Speiseöl) oder warm (zu Brennöl usw.) gepreßt
^yd, kommen bei uns nur vereinzelt im Handel vor. Da das öl purgierende
irkungen besitzt, so ist von den Preßrückständen vielleicht das gleiche an-
zunehmen.

darin

Candlenußrückstände werden aus geschälten Nüssen hergestellt, jedoch pflegen

wie in den Palmkern- und Kokosnußkuchen auch Reste der den Kern um-
I enden Steinschale vorzukommen. Dieselbe ist etwa 3—4-mal dicker als die
c unter liegenden Schichten und besteht aus steinharten, schmalen, radial gestellten
ssaden mit leistenförmigen Verdickungen. In dem Parenchym der Samenschale
en sich die großen, netzförmig durchbohrten Kugelzellen mit Drusen von Calcium-
uml T 'lervor' Zwischen ihnen und den polyedrischen, mit Proteinkörnern, Fett
Kristalloiden gefüllten Zellen (4) liegt ein zusammengeprefltes, Gefäßbündel
führendes Parenchym.

Mgcrsamen, Guizotia oleifera I.

Die Preßrückstände des Niger- oder Ramtillasamens gleichen äußerlich alten
besit" °^er ^ksenkuchen, mit denen sie auch gleiche chemische Zusammensetzung
1'eil Zei| Z|*r Unterscheidung können jedoch die lamellenartigen, violett-schwarzen
NigC ®amenscbale dienen, welche auch in den Preßkuchen auffallen. Die
neben werden bei uns bis jetzt nur vereinzelt zur Verfütterung verwendet,
nur ÄfieZellscbichten des Nigersamens besitzen unter den gebräuchlichen Sämereien
eigp .	. mit denen der Madie- und Sonnenblumensamen. Dem Nigersamen

stre 1 IUilc^ ^d die haarlosen, tangential in der Längsrichtung desselben ge-
•vveicheen’. '"ü violettrotem oder rötlich-gelbem Farbstoff gefüllten Epidermiszellen,
6 Slca s°barf von den gleichartigen porösen Zellen der Madiefruchtschale
        <pb n="384" />
        ﻿360

Futtermittel,

unterscheiden. Die Sklerenchymhündel der 3. Schicht setzen sich aus äußerst
englumigen Zellen zusammen und gehen der Fruchtschale unter dem Farbstoff der

&lt;6.

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V
        <pb n="385" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Nigersamen. Ölmadie.

361

darüber liegenden Parenchymzellen in der Flächenansicht ein schildpattähnliches
Aussehen. In fruchtschalenfreien Rückständen lassen sich die Nigersamen durch
die rosenkranzförmig verdickten Zellen (4) der Samenschale identifizieren, welche
in der Tangentialansicht ein gebuchtet sternförmiges Aussehen besitzen und in der

Frucbtschale.

Samenschale.

Endosperm.

Nigersamen. Querschnitt. (Yergr. 200.)

1 Epidermis, 2 äußeres Parenchym, 3 Bastbündel, 3' Markstrahlen
ähnlich eingelagertes Gewebe der Fruchtschale, 4 Epidermis der
Samenschale, 5 Samenschale, 6 und 7 Endospermschichten.
a violettroter, b schwarzbrauner Farbstoff.

Fläolienanslchten zu den entepreclienden Nummern

Fig. 124. Nigersamen. (Vergr.

-r,	... tafelförmigen Plasmazellen (6) des Endo-

Eegel im Verein mit den meist 4-seitigen tafeltorm g

sperms zu sehen sind.

Ölmadie, Madia sativa L.

• nu-i nurl Kalifornien einheimischen Ölmadie, die
1Jic Preßrückstände der in Chile u	^ Handel yor Die Pflanze,

Madiekuchen, kommen bei uns nur ganz v	worden ist hat eine drusig-

welche versuchsweise auch in Deutschland ang	0,rünen Zustande als giftig.

klebrige Beschaffenheit, riecht unangenehm und e	Epidermiszellen liegen

Unter eigenartigen, leeren, rosenkranzf g lchen die unteren einen

mehrere Reihen ähnücher Parenchymzellen, von
        <pb n="386" />
        ﻿362

Futtermittel.

dunklen Farbstoff enthalten. Durch denselben leuchten in Tangentialansichten bei
mazerierten Präparaten die verdickten Zellen der Sklerenchymbündel hindurch.
Das darunter liegende Parenchym ist von kleinen Gefäßbündeln durchzogen.

Ein mehrschichtiges Parenchym, im peripherischen Teil des Samens, aus
Tafelzellen bestehend, bildet die Samenschale. Im Endosperm liegen radial zusammen-
gedrückte, protein- und fetthaltige Tafelzellen.

Fruchtsohale.

Samenschale.

Endosperm.

Ölmadie. Querschnitt. (Vergr. 800.)

1 Epidermis, 2 äußeres Parenchym, 3 Basthündel, 3' Markstrahlen ähnlich verlaufendes poröses
Parenchym, 4 Gefäßhundelschicht. a Farbstoff.

Tangentialansiohten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes.
Fig. 125. Ölmadie. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

leindottersamen, Camelina sativa L.

Leindotterkuchen kommen wegen des geringen Anbaues des Leindotters oder
Dotters nur spärlich im Handel vor; man sagt ihnen nach, daß sie Abortus be-
wirken, der Milch und Butter einen Beigeschmack verleihen und von den Tieren
ungern gefressen werden. Es kann aber sein, daß sie diese Eigenschaften einer
Beimengung von gewissen Unkrautsamen verdanken.

Leindotter wird wegen seiner schleimgebenden Epidermiszellen auch zur Ver-
fälschung des Leinsamens verwendet, von dem er mikroskopisch jedoch sehr leicht
durch die langen, schlauchförmigen Aufquellungen der das Lumen dieser Zellen um-
gebenden Membranen zu unterscheiden ist. Ferner sind kennzeichnend die nie-
        <pb n="387" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Leindottersameu. Buchnuß.

36B

drigen, braunen, in der Flächenansicht rähmchenartigen Zellen der sogenannten
Stäbchenschicht (2) Fig. 126, welche häufig in der Mitte kugelige Schwellungen
zeigen. Die Plasmazellen (4) sind farblos, mit Fett und Proteinkörnern gefüllt.

Kressensamen unterscheidet sich vom Leindotter durch die verkehrt stiefel-
förmigen Ausstülpungen der in Wasser aufquellenden Epidermis, im Innern der
Ausstülpung fehlt die scharf begrenzte, kegelförmige Membran.

Leindottersamen, Querschnitt.

1 Epidermis, 2 Stäbchenschicht, 3 Farbstoffsohicht, ‘
4 äußere, 5 innere Eudospermschicht, a schlauch-
förmige Quellung der Epidermis, b kegelförmige
•	Innenmemhran derselben.

Flächenansichten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes.
Fig. 126. Leindottersamen. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

Buchuuß, Fagus silvatica L.

In Bucheckern-reichen Jahren werden die Bucheckern außer als Kaffee-Ersatz-
mittel auch zur Ölgewinnung und die Rückstände hiervon zur Fütterung verwendet.
Dieselben gelten zwar für Pferde, Maultiere und Esel als schädlich, sind aber in
sonst gutem Zustande, besonders die Kuchen von geschälten Bucheckern, für Kinder,
Schafe und Schweine unschädlich.

In dem anatomischen Bau der Buchnuß ist, abgesehen von der Fruchtschale,
von diagnostischem Werte die Samenschale. Auf dieser treten an einzelnen Steilen
Büschel von langen, dünnwandigen Haaren auf, die oft bandartig zusammtngc a cn
sind und Stauchungen zeigen; auch kommen kurze, borstige Haare an den Kanten der
Samen vor (Fig. 128, S. 364). Nach außen hin schließt die Samenschale mit einer ein-
        <pb n="388" />
        ﻿364

Futtermittel.

zeitigen Schicht tafelförmiger, ziemlich großer Zellen mit gelblichem Inhalt und
verkorkten Wänden (Fig. 127) ah. Nach innen folgt parenchymatisches Gewebe,
in welchem Gefäßhündelendigungen verlaufen. Diesem folgt weiter eine Schicht
tafelförmiger Zellen mit stark lichthrechenden, porös verdickten Wänden. Das

Fig. 127. Buchnuß. Samenschale.
Nach Pfister. (Yergr. 220.)

Fig. 128. Buchnuß. Haare. Nach Pfister.
(Yergr. 770.)

sich hieran anschließende Kotyledonengewebe wird rings von einer einzelligen
Schicht kleiner Zellen umgehen und besteht im übrigen aus dünnwandigem Palis-
saden-Parenchym, welches neben Fett und Protein geringe Mengen Stärke führt.

Walnuß, Jnglaus regia L.

Die Kerne der Schalenfrucht des
Walnußbaumes (Juglans regia L.) dienen
mitunter ebenfalls zur Gewinnung von
öl und die Preßrückstände zur
Fütterung. Letztere enthalten bittere
Extraktivstoffe und eignen sich nicht
zur Yerfütterung an Milchvieh oder an
Muttertiere.

Besonders kennzeichnend für die
Walnuß ist die Testa des Samens, welche
nach außen hin mit einer einzelligen,
epidermalen Schicht abschließt, nach Art einer den Pflanzenkörper bedeckenden
Epidermis. Dieselbe führt ebenso wie diese, wenn auch nicht in so reichem Maße,
Spaltöffnungen mit verdickten Schließzellen (Fig. 131, S. 365). Dieser epidermalen
Schicht folgt Schwammparenchym, in welchem Gefäßbündelendigungen fast stets zu
erkennen sind. Den weitaus größten Teil des Gewebes nimmt der Keim ein, dessen
mächtige Kotyledonen aus dünnwandigen, kleinen Zellen bestehen. Letztere führen
Fett und Eiweiß, aber keine Stärke.

Samenschale.

Endosperm.

Kotyledonen.

Fig. 129. AValnuß. Querschnitt.
Nach Pfister. (Vergr. 200.)
        <pb n="389" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Walnuß. Anis.

365

Kg- 130. Walnuß, Schicht tafelförmiger
Zellen. Nach Pfister. (Vergr. 440.)

Fig. 131. Walnuß. Epidermis mit Spaltöffnungen,
deren Sohließzellen verdickt sind. Nach
Pfister. (Vergr. 440.)

Anis, Pimpinella Auisum X.

Die von ätherischem öl befreiten Destillationsrückstände der Früchte (Spalt-

der PrnMit-11!.8', ^triemen (°) bedeckt von quergestrecktem Parenchym
schale (ep), rechts das Endothel der Striemen sichtbar.
Nach J. Möller.

ep—

und Teilfrüchte) der Anis-
pflanze (Pimpinella
Anisum L.) werden sowohl
für sich allein als auch
im Gemenge mit anderen
Futtermitteln zur Fütte-
rung verwendet.

Wie für alle Um-
helliferenfrüchte, so sind
auch für die Anisfrüchte

Fig. 133. Anis, Äußere Ober-
haut in der Flächenansicht.
Nach J. Möller.
        <pb n="390" />
        ﻿366

Futtermittel.

kennzeichnend die in der Fruchtwand verlaufenden Ölstriemen (o Fig. 132) und das
Endosperm. Für Pimpinella kommt noch als besonders kennzeichnend hinzu, daß die
Epidermiszellen sehr häufig zu kleinen, einzelligen, warzigen Härchen ausgewachsen
sind (Fig. 133, S. 365). In der auf die Epidermis folgenden Parenchymschicht, dem

Mesokarp, verlaufen vertikal und zwar
unter den Rippen die Gefäßbündel, unter
den Tälchen die Ölstriemen. Letztere sind
bei Pimpinella Anisum in großer Anzahl
vorhanden, jedoch nicht sehr weitlumig.
Dieselben anastomosieren zuweilen und sind
von einem besonderen Bekleidungsgewebe,
dem Endothel, umgeben (Fig. 133, S. 365).

Nach innen schließt die Fruchtwand
mit einer einzelligen Schicht auffallend
großlumiger Zellen als Innenepidermis (Fig.
134) ab.

Fenchel, Foeniculnm offlcinale All.

Die von ätherischem öl befreiten Rückstände vom Fenchel werden wie die
von Anis verwendet.

Im Gegensatz zu Pimpinella Anisum durchzieht unter jedem Tälchen das
Mesokarp nur ein großer, elliptischer Ölgang (Fig. 135).

Fig. 135.	Fig. 136.	Fig. 137.

Fenchel nach Tschirch. Quer-	Fenchel nach Tschirch. Fenchel nach Tschirch.

schnitt durch eine Yitta.	Zellen aus der Fruchtschale Schematische Darstellung; von

mit Netzleistenverdickungen, innerer Oberhaut und Frucht-
wandparenchym in Ver-
bindung.

Die Epidermis zeigt nichts Auffallendes; sie ist einschichtig; Haarbildungen
kommen nicht vor.

Das Parenchym des Mesokarps ist nicht überall von gleichmäßiger Beschaffen-
heit. Das um die Ölgänge gelegene ist zartwandig und tiefbraun gefärbt, während
das die Gefäßbündel einschließende Parenchym derbwandig und farblos ist. Das-
selbe ist durch ungewöhnlich breite Poren ausgezeichnet, welche in der Nähe der
Gefäßbündel so nahe aneinander gerückt sind, daß die Zellen fast netzartig ver-
dickt erscheinen (Fig. 136). Ferner ist für eine Differentialdiagnose die innere Oberhaut
der Fruchtschale von großem Werte (Fig. 138, S. 367). Kennzeichnend für gemahlenen
        <pb n="391" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Fenchel. Kümmel. Olivenkerne.

367

Fenchel ist noch das sich darbietende Bild gitterförmiger Gewebspartien, die dadurch
entstehen, daß Gewebsteile des Fruchtwandparenchyms mit der inneren Oberhaut in
Verbindung geblieben sind (Fig. 137, S. 366).

Fenchel

Fig. 188.

nach J. Möller. Innere Oberhaut
der Fruchtschale.

mit Spaltöffnungen.

Kümmel, Carum Carvi L.

Für Kümmel, Carum Carvi, der in ähnlicher Weise wie Anis und Fenchel
erwendung findet, lassen sich ähnlich scharf ausgeprägte, durchgreifende Unter-
scheidungsmerkmale in der Struktur der Frucht nicht angeben, welche in zer-
einertem Zustande eine sichere Bestimmung zuließen.

Olivenkerne, Olea europaea L.

Die pflaumenartige Frucht des Ölbaumes, Olea europaea L., enthält in
g r®m Fruchtfleische das öl, welches als Speiseöl die weitgehendste Verwendung

Die Preßrückstände der Olivenkerne, welche nicht selten den Gewürzpulvern,
namentlich dem Pfeffer zum Zweck der Verfälschung beigemengt werden, kommen
auc i wohl als Futtermittel, entweder als solches oder im Gemisch mit anderen Ab-
lallen, in den Handel.

,	^’e äußere Umhüllung der Olivenkerne besteht aus einer Steinschale mit

sich1 t(?n&lt;*en Td1611 des Fruchtfleisches, welches, mit der Steinschale verwachsen,
mit niC^ Slatt von dieser ablösen läßt. Im Innern ist die Steinschale bekleidet
lieh ™ner .■^eml)ran aus zarthäutigen Zellen, welche in Wasser farblos und undeut-
geschichtet, in Alkalien und Säuren gelb gefärbt erscheinen.

rück	^teinschale stets in größerer oder geringerer Menge in den Preß-

hild ^ ii’I|K^en vorhanden ist und ihre Zellen am wenigsten die Gestalt verändern,
en (lleselben ein wertvolles Kennzeichen beim Nachweis der Olivenkerne,
von r Hauptmasse der Steinschale besteht aus kurzen, mannigfach gestalteten,
za reichen Porenkanälen durchzogenen Steinzellen (Fig. 140, S. 368).

An der Innenseite sind die Zellen gestreckt, flach und wenig verdickt.
        <pb n="392" />
        ﻿368

Futtermittel.

Fig. 140. Gewebselemente des Olivenkerns. Nach J. Möller. (Vergr. 160.)
m Steinzellen ans der mittleren Schicht der Steinschale, a Faserzellen, welche die Gefäßbündel be-
gleiten, i innere Steinzellen, darunter das Endothel en, p Zellen aus dem Fruchtfleisch, ep Oberhaut
der Samenschale mit durchschiiumerndem, braunem Parenchym, ea Außenschicht des Endosperms,
E Gewebe der Keimblätter, e Embryonalgewebe, sp Spiroiden aus der Samenhaut.

Rizinussnnieu, Ricinus communis L.

Die Samen des Rizinus finden wegen ihrer abführenden und die Verdauungs-
werkzeuge reizenden Wirkung als Futtermittel keine Verwendung.

Dieselben bestehen aus 24 °/0 Schale und 76 °/0 Kern; letzterer enthält 45
bis 60°/o fettes Öl, Eicinin, und einen glykosidähnlichen Körper, welcher ähnlich
dem Amygdalin in Berührung mit Wasser die Entstehung eines widrig riechenden,
gütigen Körpers von noch unbekannter Natur veranlaßt.

Die durch Pressen bis auf 10 °/0 vom Öl befreiten Samen enthalten noch die-
jenigen Stoffe, welche die drastisch giftige Wirkung des Samens bedingen; denn
man beobachtete, daß nach dem Verfüttern von rizinushaltigen Kraftfuttermitteln
an Kühe sämtliche Individuen unter den Erscheinungen der Appetitlosigkeit, des
Versagens der Milch, von Diarrhöe, vollständiger Apathie, gestörtem Bewußtsein und
Krämpfen erkrankten.

Die Verfütterung von Rizinuskuchen führt nach den bis jetzt gemachten
Erfahrungen zu den schlimmsten Folgen und sollte verboten werden. Mitunter
werden dieselben im gepreßten Zustande als Ölkuchen vorwiegend aus Südrußland
angeboten und ist anzunehmen, daß sie entweder als solche oder mit anderen Öl-
kuchen vermischt Verwendung finden.

Die Preßkuchen von ungeschältem Eizinussamen sehen dunkelschwarz wie
Nigerkuchen aus.

Das Zellgewebe der Rizinussamen zeichnet sich durch die radial gestellten
Palissaden der Schale aus (vergl. Querschnitt 1), unter denen ein parenchymatisches,
von zahlreichen derben Spiralgefäßen durchsetztes Gewebe liegt.

Nach dem Behandeln der Preßrückstände des Rizinus mit Salpetersäure und
Kalilauge fallen besonders die langgestreckten, stark verdickten, im basalen Teil
schmalen Zellen der Samenschale auf.

Dieselben sind verhältnismäßig lose miteinander verbunden, so daß sie in
dem mikroskopischen Präparat zum Teil einzeln oder in Bündeln auftreten. Bei
        <pb n="393" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Kizinusaamen. Künstlich getrocknete Futtermittel. 369

stärkerer Vergrößerung erkennt man in den kolhig verdickten Enden ein sehr
schmales Lumen und eine fein gezackte Begrenzung des oberen Teiles.

Rizinussamen. Querschnitt. (Vergr. 150).

1 Samenschale mit Pallssaden, 2 Samenhaut fehlt,
S Samenkern-Endosperm.

Rizinnssamen. Parenchym des Samen-
kernes (3). Nach dem Behandeln mit Äther
und Alkohol, a Spiralgefäße der Samenhant.

j ,.	Flg. 141. Rizinnssamen.

lerte langgestreckte Zellen der Samenschale (1) nach Behandlung mit Äther und Kalilauge.

(Vergr. 150).

(Vergr. 350).

Künstlich getrocknete Futtermittel.

(Biertreber, Schlempe, Diffusionsschnitzel, Kartoffeln und Kartoffelpülpe.)

Die Abfälle der Bier-, Branntwein-, Stärke- und Zucker-Herstellung werden jetzt
vielfach sowie die Kartoffeln selbst vereinzelt künstlich getrocknet und im getrockneten
bezw. wieder aufgequollenen Zustande zur Fütterung verwendet, weil sie im natür-
lichen Zustande entweder durch sauere Gärung sich leicht zersetzen (Treber un
Schlempe) oder, wie die Kartoffeln, durch innere Zersetzungsvorgänge einen V erlust
RR Nährstoffen erleiden.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.
        <pb n="394" />
        ﻿370

Futtermittel.

a)	Getrocknete Treber.1) Sowohl die Brauerei- wie Brennereitreber
werden der künstlichen Trocknung unterworfen. Die Trocknung beider Trebersorten
(über den Unterschied vergl. S. 305) geschieht auf gleiche Weise. Entweder benutzt
man die natürlichen Treber wie sie gewonnen werden, oder man preßt einen Teil
des Wassers (etwa 30 °/0) vorher ab. Diese Flüssigkeit enthält bei neuen Pressen
(mit noch engen Löchern) 1,5—2,0 Pfd., bei alten Pressen (mit weiteren Löchern)
3,0—4,0 Pfd. Nährhestandteile für 1 Ztr. Malzeinmaischung. Da aus 3 Ztr. Malz-
einmaischung ungefähr 1 Ztr. Trockentreber gewonnen werden, so beträgt der Ver-
lust an Trockenmasse durch das Pressen etwa 6 °/0 bezw. 10 °/0. Früher — und auch
jetzt noch vereinzelt in England — wurde das Trocknen durch direkte Feuergase,
jetzt wird es durchweg durch Abdampf bei etwa 65° vorgenommen. Durch das letztere
Trocknungsverfahren erleiden die Biertreber keine Einbuße in der Verdaulichkeit
und Bekömmlichkeit.

Die Brennereitreber werden bei dem sog. „Lufthefe- oder Lüftungs-
verfahren“ erhalten, wobei man die Mutterhefe nicht direkt in, die Maische, sondern
in die von dieser abgetrennte, also treberfreie Würze überführt. Die Zusammensetzung
der getrockneten Treber ist im Mittel mehrerer Untersuchungen etwa folgende:

Anzahl	Stickstoff-

Art der Treber;		der  Unter-	Wasser	Stickstoff-  Substanz	Fett	freie  Extrakt-	Rohfaser	Asche
Buchungen  0/  Io  Brauerei- / Gerstenmalz .	. 63	8,70				°/o  22,50	°/o  7,50	Stoffe  °/o  42,30	°/o  15,10	°/o  3,90
treber aus \ Woizemnalz .	.		13	8,75	25,40	8,63	40,65	13,52	3,06
	Mais .	.	. .	3	9,03	20,83	10,13	44,14	13,77	2,10
Brennerei-	Mais u. Roggen	3	5,23	21,63	10,30	44.84	15,43	2,67
treber aus	Mais u. Malz-							
Gersten-	keime .	.	,	2	5,65	20,55	10,50	45,65	14,50	3,25
malz und	Eoggen u, Malz-							
	keime .	.	.	5	8,30	18,80	6,46	47,22	15,62	3,60
Große Unterschiede		sind	hiernach	in der	Zusammensetzung		der einzelnen	

Trebersorten nicht vorhanden; die Weizen-Biertreber enthalten durchweg nur etwas
mehr Protein und Fett (Ätherauszug) als die Gersten-Biertreher; bei den Brennerei-
trebern zeichnen sich die, welche unter Verwendung von Mais gewonnen werden,
durch einen höheren Fett- und durchweg auch einen höheren Protein-Gehalt vor
den unter Verwendung von Roggen an Stelle von Mais gewonnenen aus.

Gute Trockentreber sollen frei von brenzlichen und angebrannten, kohligen
Teilen sein, sowie nur bis 12 °/0 Wasser enthalten. Mitunter beobachtet man bei
Trockentrebern einen stark saueren Geruch; wir fanden in solchen Proben bis zu
2,43 °/0 freie Säuren, als Milchsäure berechnet. Die freie Säure kann wohl
nur daher rühren, daß die Treber vor dem Trocknen längere Zeit gelagert haben
und dabei in sauere Gärung übergegangen sind. Wenn die zur Trocknung ver-
wendeten Heizgase mit den zu trocknenden Trebern in direkte Berührung kommen
sollten, so können die Treber (und auch die folgenden getrockneten Futtermittel)
geringe Mengen schweflige Säure bezw. Schwefelsäure aufnehmen.

Die Art der verwendeten Rohstoffe läßt sich nur durch eine mikroskopische
Untersuchung feststellen (vergl. die einzelnen Getreidearten).2)

]) Vergl. Th. Dietrich, Laudw. Versuchs-Stationen 1901, 56, 207.

2) Wir beobachteten in einem Palle eine Verfälschung von Trockentrebern mitEeis-
spelzen, die angeblich den Brennereitrebern hier und da zugesetzt werden sollen, um die
Treber leichter trocknen zu können. Um zu entscheiden, ob die vorhandenen Eeisspelzen
        <pb n="395" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Künstlich getrocknete Futtermittel.

371

b)	Getrocknete Schlempen. Die bei der Stärke- und Branntwein-Her-
stellung gewonnenen Schlempen werden jetzt durchweg aus denselben Gründen wie
die Treber eingetrocknet. Wegen des höheren Wassergehaltes der Schlempe geht
indes hier ein Eindampfen dem Trocknen voraus. Denn bei der Schlempe ist eine
vorherige Pressung bezw. Filtration behufs Entfernung eines großen Anteiles des
Wassers nicht angängig, weil sie eine größere Menge in Wasser löslicher Nährstoffe
enthält, als die Treber; die 70—80 °/0 der Schlempe betragende Schlempe-
Flüssigkeit enthält etwa 3 °/0, der 20—30 °/0 ausmachende Treber-Anteil 20 °/0
Trockensubstanz; bei Entfernung der Flüssigkeit gehen daher etwa 30—40 °/0 der
Nährstoffe, und zwar die am leichtesten verdaulichen Nährstoffe, verloren. Wenn
dennoch eine Filtration oder Pressung vor dem Trocknen auch hier vorgenommen
wird, so kann das nur durch den zu großen Kostenaufwand, der beim Miteintrocknen
der Flüssigkeit entsteht, entschuldigt bezw. gerechtfertigt werden.

Die Zusammensetzung der Trocken-Schlempen muß naturgemäß den ver-
wendeten Rohstoffen entsprechend verschieden sein und werden eine große Anzahl
Rohstoffe, nämlich fast sämtliche Getreidearten, Kartoffeln, Melasse usw., für die
Branntwein-Herstellung verwendet. Am umfangreichsten gelangen wohl die Kar-
toffeln zur Anwendung, indes wird deren Schlempe meist frisch verfüttert und bildet
®ür selten im getrockneten Zustande eine Handelsware. Meistens hat man es mit
Schlempen aus Roggen und Mais bezw. aus einem Gemisch beider, selbstverständlich
Jedesmal unter Zusatz von Gerstenmalz, zu tun. Den Schlempen dieser Art mögen
bei der Stärke-Herstellung gewonnenen, ebenfalls Schlempe genannten Abfälle
^geschlossen werden. Davon ist die Weizenschlempe in derselben Weise wie die
rennereischlempe getrocknet, die Reisschlempe (bezw. Reisabfall) dagegen nur ge-
Pießt. Hiernach enthalten1) im Mittel:

Art der Schlempe:

Anzahl

der

Unter-

suchungen

Wasser

Stickstoff-

Substanz

Fett

Stickstoff-

freie

Extrakt-

stofte

Rohfaser Asche

Brannt-
wein-
Schl
aus

	&lt;7 o	°/o	%	°/o	°/o	°/o
12	10,02)	22,70	5,40	47,10	8,90	5,90
34	10.0	27,10	12,60	36,60	9,10	5,60
19	10,0	25,44	12,18	33,86	14,39	4,15
2	10,0	23,03	3,45	38,88	8,23	16,51
7	12,90	8,65	1,74	74,63	0,84	1,28
18	65,15	12,92	0.84	17,94	3,89	1,96
2	9,56	3,80	0,46	71,54	12,97	1,67

[ Roggen . . .

J Mais ....
empen 1 Mais u. Roggen
iUs [ Kartoffeln . .

Stärke- (■ Weizensohlempe
q ?, 'a"‘ j Reispreßfutter .

^hlempen ( Kartoffelpülpo .

, Selbstverständlich sind diese Zahlen großen Schwankungen unterworfen; so
hu rkt *^er	der Trockenmaisschlempe an Protein zwischen 18,0—39,0 °/0,

ein p6tt ,zwiscileri 6,-0—21,5 °/0. Im allgemeinen ist die Maistrockenschlempe oder
sei l U!miScl1 dieser protein- und fettreicher als Roggen- und andere Getreide-
empen; nur Reistrockenschlempe hat einen reichlich ebenso hohen Gehalt an

mußS ^c*10 zugesetzt sind oder von einer Miteinmaisohung von Reis oder Reismehl herrühren,
Letzter'111 V&lt;H' .a"em au^ das Vorkommen des Silberhäutchens (Fig. 77, S. 3131 achten,
ist- ßses jmiß ln größerer Menge vorhanden sein, wenn Reis oder Reismehl mitverwendet
solche a 6h ’ a'3er °der findet sich nur vereinzelt vor, wenn gemahlene Reisspelzen als
-Trebern zugesetzt sind.

2) T)Cr^’ ^'*1' Dietrich, Landw, Versuchs-Stationen 1901, 56, 345.

Umo-ere(!p 6.r besseren Übersicht wegen ist die Zusammensetzung auf 90% Trockensubstanz

8—,'ii oi Ue^' Der Wassergehalt kann von 5,0—16.0 °/0 schwanken und beträgt durchweg
1 Io-

24*
        <pb n="396" />
        ﻿372

Futtermittel.

Protein und Fett, nämlich nach 6 Frohen im Mittel 38,0 °/0 Protein und 15,5 °/0
Fett. Man kann die chemische Zusammensetzung der Trocken- (lufttrocknen) Schlempe
auch annähernd berechnen, wenn man die Menge und Zusammensetzung der an-
gewendeten Rohstoffe, die Menge des gebildeten Alkohols und die der gewonnenen
Schlempe kennt. Nach M. Märcker werden aus je 100 kg Maischrohstoffen gewonnen:

Kartoffeln	Roggen	Mais

Lufttrockne Schlempe..............10 kg	40 kg	45 kg.

Wenn man annimmt, daß auf je 1000 kg Roggen oder Mais 120 kg Gerste
(Malz) eingemaischt werden und von dem eingemaischten Stärkemehl etwa 85 %
vergären, so müßte unter Zugrundelegung einer Durchschnitts-Zusammensetzung der
Rohstoffe die Roggen-Trockenschlempe (hei 10 °/0 Wasser) 31,7% Protein und
4,8 % Fett, die Mais-Trockenschlempe dagegen 25,3 % Protein und 11,8 % Fett
enthalten. Die wirklichen Handelswaren pflegen aber bezüglich des Proteingehaltes
sich durchweg umgekehrt zu verhalten. Ob dieser Unterschied mit der Art der
Verarbeitung zusammenhängt, muß dahin gestellt bleiben; unwahrscheinlich ist
dieses nicht, denn die Versuchs-Station Darmstadt fand z. B. in der Trockensubstanz:

Aus ganzer Schlempe ....	Protein  27,2%	Fett  14,2%	Stickstofffreie  Extraktstoffe  39,9%	Rohfaser  10,2%	Asche  8,5%,
Aus dem ungelösten Anteil der Schlempe		24,1 „	8,3 „	35,8 „	19,4 „	12.4 „

Im übrigen müssen an die Trockenschlempen dieselben Anforderungen gestellt
werden, wie an die Trockentreber (S. 370).

Uber die Mischbestandteile der Trockenschlempen kann ebenfalls nur die
mikroskopische Untersuchung Aufschluß geben.

c)	Getrocknete Kartoffeln, Kartoffelmehl. Man hat versucht, die
Kartoffeln, die heim Aufbewahren 10% und darüber an Substanz verlieren, im

großen künstlich zu trocknen,
um sie auf diese WTeise auf
längere Zeit für die Ver-
fütterung verwenden zu
können. Anscheinend scheitert
das Verfahren daran, daß die
Herstellungskosten sehr hoch
sind und die getrockneten
Kartoffeln nicht von allen
Tieren genügend verdaut
werden. Dagegen haben sich
trockne Kartoffeldauerwaren
für die menschliche Er-
nährung (auf Schiffen, in
Festungen usw.) schon viel-
fach eingeführt. Das unter
dem Namen „Kartoffelmehl“
im Handel vorkommende Kar-
toffel-Erzeugnis pflegt jedoch
eine mehr oder weniger unreine Kartoffelstärke zu sein. Das Kartoffelmehl hezw. die
Stärke wird vielfach den Nahrungsmittel-Dauerwaren zugesetzt; andererseits erfährt
es selbst mitunter Zusätze von geringwertigeren Getreidemehlen, hezw. deren Stärke.

Für den Futtermittelhandel kommt auch die bei der Kartoffelspiritus-Bereitung
abfallende getrocknete Kartoffelschlempe hezw. Pülpe in Betracht (siehe S. 258),.

Fig. 112. Kartoffel. Querschnitt. (Vergr. 1; 100.)
Nach A. Bömer.
        <pb n="397" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Künstlich getrocknete Futtermittel.

373

die für sich allein oder auch als Melasse-Träger zur Mtterung verwendet wird.
Die getrockneten Kartoffeln haben folgende durchschnittliche Zusammensetzung.
9,65 °/0 Wasser, 7,27 °/0 Stickstoff-Substanz, 0,56 °/0 Fett, 74,98 °/0 stickstofffreie
Extraktstoffe, 3,57 °/0 Rohfaser und 3,97 °/0
Asche. Über die Zusammensetzung von ge-
trockneter Kartoffelschlempe und Plilpe vergl.
vorstehend S. 371.

Für die mikroskopische Untersuchung

des Kartoffelmehles auf Beimengungen, hezw.
für den mikroskopischen Nachweis von Bestand-
teilen der Kartoffeln in ihren Abfällen kommen
in Betracht: die Stärkekörner, die Kork-
schicht und die dünnwandigen Zellen des
Mehlkörpers.

Fig. 142, S. 372, stellt einen Teil des
Querschnittes durch die Kartoffel dar. Man
beobachtet als äußerste Schicht (A) die Kork-
schicht der Schale, welche aus stärkefreien
Zellen mit etwas verdickten, braunen Zellwänden
besteht. Unter dieser Schicht liegt eine Zell-
schicht, welche bei roten Kartoffeln den Färb-
Stoff enthält und gleichfalls stärkefrei ist. Dann folgt der stärkereiche Mehlkorper (B),
dessen äußere Schichten nur kleine Stärkekörner enthalten.

Fig. 143. Kartoffel. Flächenansicht der
Korkschicht der Schale. (Vergr. 1; 100).
Nach A. Börner.

tii

144‘ Kartoffel. Teil des Mehlkörpers aus Kartoffelpülpe; mit verdünnter Säure und Lauge
aufgeschlossen. (Vergr. 1:100). Nach A. Börner.

.. Mer Bau und die Form der großen Kartoffelstärkekörner sind so ver-
kenn' 6n ,V°n ^enen a*ler uns gebräuchlichen Mehle, daß sie sehr leicht zu er-
von W	Mie Kartoffel enthält aber auch kleine Körner, welche nicht wesentlich

exzen-, Roggen- und Gerstenstärke unterschieden sind,
kann p61 ?Ur e™germaßen erheblichen Mengen beigemengter fremdartiger Mehle
For1	16 ^ermekrllrig der kleinen und linsenförmigen Körner neben den typischen

men an(lerer Stärkearten nicht entgehen.
        <pb n="398" />
        ﻿374

Futtermittel.

Bei Gegenwart von Weizenmehl werden ferner die großen konzentrischen
Körner sich verraten. Ist Eoggenmehl zugesetzt, so gibt sich dieses durch die in
der Mehrzahl strahlig zerklüfteten großen Stärkekörner zu erkennen. Ebenso
verrät sich die Stärke der Leguminosen durch ihre bohnenartige Form mit den
kennzeichnenden Längsrissen (vergl. Linsenstärke, Fig. 99, S. 328).

Andere einheimische Mehle und Stärkearten, welche dem Kartoffelmehl bei-
gemengt werden könnten, bestehen zum größten Teil aus zusammengesetzten und
eckigen Körnern, während Kartoffelstärke überhaupt wenig kleine Körner enthält
und diese fast kugelig sind.

Fig. 143, S. 373, zeigt eine Flächenansicht der Korkschicht der Kartoffel-
schale in einem mit verdünnter Salpetersäure und verdünnter Kalilauge hergestellten
Präparate. Die Zellwände erscheinen meist noch braun und fallen durch ihre große
und trotz der Dünnwandigkeit der Zellen meist noch scharf polygonale Form auf.

Fig. 144, S. 373, zeigt ein Stück des Mehlkörpers der Kartoffel aus
Kartoffelpülpe mit den großen, inhaltlosen Zellen mit dünnen Zellwänden, die
im Gegensatz zur Korkschicht hier vielfach in der verschiedensten Weise zerrissen
oder ineinandergeknickt erscheinen.

In Melassefuttermitteln erkennt man die Kartoffelpülpe vorwiegend an
der eigenartigen Korkschicht der Schale (Fig. 143), sowie den großen inhaltlosen,
dünnwandigen Zellen des Mehlkörpers (Fig. 144, S. 373).

d)	Getrocknete Rüben und Etlhenschnitzel. In letzter Zeit hat man
versucht, die Zuckerrüben ebenso wie die Kartoffeln künstlich zu trocknen, weil sie
ebenfalls in übergroßer Menge angehaut werden und sich noch weniger verlustlos
aufbewahren lassen, als die Kartoffeln. In bedeutend größerem Umfange und schon
länger ist das Trocknungsverfahren bei den Diffusionsschnitzeln in Gebrauch. Nach
dem Verfahren von Büttner und Meyer in Ürdingen werden die nassen Schnitzel
mit den in einer besonderen Feuerung erzeugten Feuerungsgasen in direkte Berührung
gebracht; der hohe Wassergehalt der Schnitzel schützt sie vor einer Erhitzung
über 100°. Das Verfahren von Petry und Hecking in Dortmund unterscheidet
sich von dem ersteren nur dadurch, daß die mit Wasserdämpfen gesättigten Heiz-
gase den Apparat schon in der vorletzten Trockenkammer verlassen, so daß die
letzte Trockenkammer nur von außen geheizt wird. Hierdurch soll ein Anbrennen
der Trockenschnitzel vermieden und die Wärme besser ausgenutzt werden.1)

Neben den Trockenschnitzeln aus gewöhnlichen Diffusionsschnitzeln sind
neuerdings auch sog. „Zuckerschnitzel“ zu unterscheiden. Letztere werden nach dem
Verfahren von K. Steffen erhalten;2) darnach werden die Rübenschnitzel nicht mit
Wasser, sondern 2 Minuten lang mit bereits gewonnenem, auf 96—100° angewärmtem
Eühensaft behandelt, der Brühsaft abgezogen, die zurückbleibenden noch heißen
Schnitzel in den gebräuchlichen Pressen abgepreßt und dann in den gewöhnlichen
Schnitzeltrockenapparaten getrocknet. Ihr höherer Gehalt an Zucker rechtfertigt
die Bezeichnung „Zuckerschnitzel“. Die Zusammensetzung dieser Erzeugnisse erhellt
im Mittel mehrerer Untersuchungen aus folgenden Zahlen:

Getrocknete:	Wasser  °/o	Stickstoff-  Substanz  »/„	Fett  «/„	Zucker  °/o	Stickstoff-  freie  Extrakt-  stolfe  °/o	Rolifaser  °/0	Asche  °/0
Ganze Zuckerrüben .	.	8,10	6,01	0,25	63,32	10,84	6,59	4,89
Diffusionssohnitzel .	,	11,90	8,24	0,60	7,60	49,86	17,46	4,45
Zuckerschnitzel (sog.) .	7,15	7,05	0.33	34,55	33,97	13,10	3,85

') Vergl. M. Schmöger, Landw. Versuchs-Stationen 1904, 59, 83.
3) Vergl. J. Hansen, Landw. Jahrbücher 1903, 32, 337.
        <pb n="399" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Künstlich getrocknete Futtermittel.

375

Zur mikroskopischen Erkennung der Trockenschnitzel in Melasse- und
sonstigen Futter-Mischungen können die folgenden mikroskopischen Abbildungen
— erhalten durch Aufschließen mit ganz verdünnten Lösungen von Säure und
Alkali — dienen:

Eig. U5, Zuckerrübe. Querschnitt durch die
Epidermis und anliegendes Gewebe. (Vergr. 216).
E Epidermis. Nach M. Schmöger.

Fig. 146. Zuckerrübe. Netzgefäße bei
starker Vergrößerung (366). Ü Übergangs-
gewebe, K Kern. Nach M. Schmöger.

Fig. 148. Zuckerrübe. Oberhaut-
gewebe; Ansicht bei tiefer Ein-
stellung des Tubus. (Vergr. 100).
Nach M. Schmöger.
        <pb n="400" />
        ﻿376

Futtermittel.

Die Oberhaut-(Kork-)Schicht der Zuckerrübe ist der der Kartoffel ähnlich.
Kennzeichnend für die Zuckerrübenschnitzel sind die Netzgefäße oder Siebröhren
(Fig. 146, S. 375).

Fleischfuttermehl, Fischfuttermehl, Kadavermehl.

a) Das Fleischfuttermehl1) besteht aus den getrockneten und gemahlenen
Rückständen von der Fleischextrakt-Bereitung. Die bei der Herstellung des Fleisch-
extraktes gewonnenen knochenreichen Abfälle geben den Rohstoff für das Fleisch-
knochenmehl, die von Fett und Sehnen tunlichst befreiten und mit 70—80° warmem
Wasser ausgezogenen Fleischstücke den Rohstoff für das Fleischfuttermehl ab.
Gutes Fleischfuttermehl muß nahezu geruchlos und sehr fein gemahlen sein. An

A	Hg. 149.	B

Muskelfasern aus Fleischfuttermehl

nach Behandeln mit Säuren und Natronlauge.	nach alleiniger Behandlung mit Säuren.

(Yergr. 120.)	(Vergr. 300.)

Schweine kann es je nach dem Lebendgewicht derselben von 1/10—1 kg, an Schafe von
100 bis 400 g, an ein Stück Großvieh von 1/2—1 kg gefüttert werden, ohne daß die
tierischen Erzeugnisse an Beschaffenheit eine Einbuße erleiden, jedoch soll man mit
geringen Mengen (10 g bei kleineren oder 60 g bei größeren Tieren) anfangen. Für
Pferde ist es nur in Form von Fleischzwieback geeignet.

Verfälschungen kommen beim Fleischfuttermehl kaum vor. Am nächsten
liegt, demselben Fleischknochenmehl — gekennzeichnet durch einen hohen Aschen-
gehalt — Fischmehl, Knochen-, Horn-, Leder- oder Kadavermehl zuzusetzen. Zahl-
reiche Untersuchungen des Fleischfuttermehles ergaben folgende mittlere Zusammen-
setzung und Schwankungen:

Wasser	Protein	Fett	Asche

Mittel Schwank. Mittel Schwank. Mittel Schwank. Mittel Schwank.
10,50% (5,7-15,2%) 72,32% (59,9-84,2%) 13,17% (5,9-24,0&lt;%) 3,98% (1,6-12,0%).

Für die mikroskopische Untersuchung behandelt man das Fleischfuttermehl
mit verdünnten Säuren und verdünnter Natronlauge; es erscheinen die Fleischteilchen

l) Yergl. zu diesem Abschnitt V. Schenke, Landw. Versuchs-Stationen 1903, 58, 9.
        <pb n="401" />
        ﻿Fleischfuttermehl, Fischfuttermehl, Kadavermehl.

377

als Gruppen von lose zusammenhängenden Fasern, oder es bleiben undurchsichtige,
dickere Stückchen, welche aber bei schwachem Druck so gelockert werden, daß
dieselben ein Bild liefern, wie es A in Pig. 149 zur Anschauung bringt.

Noch deutlicher erscheinen diese Fasern, wenn man das zu prüfende Mehl
nur mit Salz- oder Salpetersäure behandelt. Es erscheinen alsdann die einzelnen
Fasern durch feine Querstreifung schraffiert, wie es B in Pig. 149 darstellt.

Stärkemehl und sonstige Pflanzenteile dürfen in einem Fleischfuttermehl
selbstverständlich nicht vorhanden sein.

b) Fischfuttermehl, Fischmehl oder Fischguano. Von diesen Erzeug-
nissen unterscheidet man zwei Sorten, eine fettreiche und eine fettarme Sorte. Erstere

wird nach dem älteren Verfahren in der Weise gewonnen, daß man alle unbrauch-
baren Abfälle, welche sich bei der Verarbeitung der Fische für menschliche oder
technische Gebrauchszwecke ergeben, z. B. die bei der Stockfisch-Bereitung abfallenden
Köpfe und Rückgrate der Dorschfische, die Abfälle von der Tranbereitung, sowie
ferner kleinere unverkäufliche Fische (Stichlinge, Heringe usw.) dämpft, trocknet
und mahlt. Auch werden die für den Verkauf unverwendbaren Fische nach einem
der Kadavermehl-Herstellung ähnlichen Verfahren (vergl. c) verarbeitet und wird
auf diese Weise ebenfalls ein fettreiches Fischmehl erhalten. Die Fischmehle werden
aber sehr leicht ranzig und sind für die Fütterung nicht oder weniger geeignet.

Aus dem Grunde werden jetzt die Fische und Fischabfälle durch hydraulische
Pressen zunächst größtenteils von öl und Wasser befreit, darauf in offenen Kesseln
behufs weiterer Abscheidung des Fettes gekocht, die rückständige Masse in ge-
schlossenen Kesseln behufs Ausziehung von Leim gespannten Wasserdämpfen aus-
gesetzt, die gedämpfte Masse weiter in hydraulischen Pressen oder in Zentrifugen
entwässert, auf Darren getrocknet, gemahlen und gesiebt. Oder die unbrauchbaren
Fische und Fischabfälle werden zerquetscht, getrocknet, nach dem Trocknen mit
Penzin entfettet, nach dem Entfetten nochmals getrocknet und dann gepulvert.
Das entfettete Fischfuttermehl wird von den Tieren lieber aufgenommen, als das
fettreiche Fischmehl, weil letzteres durchweg einen schlechten, tranähnlichen Geruch
besitzt. Bezüglich der Art und Menge der Fütterung gilt dasselbe wie bei Fleisch-
,'ittermehl. Zur Beseitigung des üblen Geruches wird den Fischmehl-Preßkuchen,

besondi

folgende:

ers den Heringskuchen, Kleie zugesetzt.1) Die mittlere Zusammensetzung ist

Wasser	Protein	Fett	Asche
°/„	»/„	°/„	°/
. . 11,33	58,45	11,65	18,57
. . 10.55	63,96	2,00	23,50
. .	7,50	38,50	13,50	8.25

Men

7,5-

47,0-

Art des Fischmehles;

Fischmehl I fettreich ■ ■ ■ •

w .	\ fettarm...........

Heringskuchen mit Kleienzusatz.	,	.

Die Heringskuchen enthalten neben vorstehenden Bestandteilen je nach der
e der beigemengten Kleie 20,0-45,0 »/„ stickstofffreie Extraktstoffe und
11,0 °/0 Rohfaser Der Gehalt der Fischfuttermehle an Protein schwankt von
-66,0 o/Q) der an Fett von 1,25—19,0 °/0, an Asche von 5,4-38,0 °/o- Das
■FLchfuttermehl enthält ferner mehr Leim als das Fleischfuttermehl.

c) Kadavermehl (Tierkörpermehl, auch deutsches Fleischfuttermehl genannt).
Während früher nicht verwertbare, mit Infektionskrankheiten behaftete Tiere oder

ver-

i jetzt entweder durch Behandeln mit Schwefelsäure
lösen zwecks Gewinnung von Fett und Dünger) oder durch Dämpfen unschädlich
Und gleichzeitig nutzbar zu machen. Ganze oder zerschnittene Tiere bezw. iier-
werden in Trommeln mehrere Stunden gespannten Wasserdämpfen von

yy c/i IU(M Cj iiliu	uuiiaivi «liixva.i.wxuw.u. UOJLJ.CU.büLC J.XOJC U

brannt° °ares Fleiscb und Fleischabfälle entweder vergraben (verscharrt) oder v
(Auflr- Wu™en&gt; su°ht man dieselben jetzt entweder durch Behandeln mit Schwefelsäi

obfälle

) Derartige Gemische

gespannten

müssen selbstverständlich als solche bezeichnet werden.
        <pb n="402" />
        ﻿378

Futtermittel.

3—5 Atmosphären, also Temperaturen von 130—140° ausgesetzt; hierbei scheidet
sich das Fett ab, welches für sich gesammelt wird; ferner wird eine leimhaltige
Flüssigkeit erhalten, die auf Leim verarbeitet wird, während der gedämpfte Rück-
stand nach dem Trocknen leicht gepulvert werden kann und das Kadavermehl ab-
gibt. Die Zusammensetzung desselben ist nach mehreren Untersuchungen folgende:

Wasser	Protein	Fett	Asche

Mittel Schwank. Mittel Schwank. Mittel Schwank. Mittel Schwank.
6,60% (3,5-11,4%) 52,15% (40,0-65,0%) 16,60% (8,0-22,0%) 24,65% (15,4-33,6%).

Dem Kadavermehl haftet durchweg ein so scharfer Geruch an, daß es von
Pferden, Kühen und Schafen nicht aufgenommen wird. Schweine sind dafür weniger
empfindlich und verzehren dasselbe anscheinend bis zu 1 kg für ein ausgewachsenes
Tier ohne Nachteil. Indes ist mit Rücksicht auf die Herkunft des Kadavermehles größte
Vorsicht am Platze; es darf selbstverständlich nur solches Kadavermehl zugelassen
bezw. angewendet werden, in welchem alle Infektionskeime vollständig abgetötet sind.

IV.	Unkrautsamen und Verfälschungsmittel.

Gewisse Unkrautsämereien sind stete Begleiter der Getreideabfälle und der-
jenigen Rückstände der Ölbereitung, welche aus so kleinen Samen gewonnen werden,
daß die Unkrautsamen nur mit großer Mühe daraus zu entfernen sind. Die Anzahl
der auf diese Weise in den Futtermitteln vorkommenden Unkrautsamen ist außer-
ordentlich groß. Dieselben lassen sich kaum erschöpfend behandeln. Bis jetzt sind
nur die aln häufigsten vorkommenden Unkrautsamen mikroskopisch näher untersucht
und diese mögen hier kurz beschrieben werden.

Vnkrautsameii von Gräser arten.

Die Unkrautsamen aus der Familie der Gräser sind ebenso wie die Kultur-
grasarten, die Getreidearten, vorwiegend durch den anatomischen Bau der Spelzen
unterschieden und eignet sich zur Unterscheidung vorwiegend die äußere Oberhaut
der Deck- und Vorspelzen. Die Spelzen einiger der wichtigsten Gras-Unkrautsamen
sind von J. Formäneck1) mit folgendem Ergebnis untersucht:

a

Fig. 150. Lolch (Lolium temulentum). Spelzen. Nach J. Form aneck. A Deckspelze, B Yorspelze,
a Breite der dickwandigen Zellen, c Einbuchtungen, k Kurzzellen, m Zwillingskurzzellen,
d Entfernung der Einbuchtungen. (Vergr. 1:150).

*) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1899, 2, 833.
        <pb n="403" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Unkrautsamen und Verfälschungsmittel. 379

a)	Lolch (Lolium temulentum, Fig. 150). Die äußere Epidermis der Deck-
spelze (A) des Lolches besteht aus den langen, in der Mitte dickeren, an den

Rändern und hei der Yorspelze (B)
dünnen, unregelmäßig gewellten Zellen,
deren Einbiegungen mehr in die Spitze
laufen, was sich deutlich hei den dünn-
wandigen Zellen äußert. Die langen
Zellen sind entweder durch die rund-
lichen Kurzzellen (k), welche nach
außen glatt, im Innern aber papillen-
artig gebaut sind, oder durch die
Zwillingskurzzellen (m), deren größere
gebogenen konischen Zellen eine
kleinere Zelle umfassen, unterbrochen.

b)	Trespe (Bromus secalinus L.,
Fig. 151). Die Zellen der äußeren
Epidermis der Deckspelze sind lang,
dickwandig, an den Rändern und bei
dgr Yorspelze jedoch schwächer ent-
wickelt; die Wände sind wellenförmig
gebogen. Die Einbuchtungen der
Wände sind zum Unterschiede von denen
des Lolches rund und zeigen schärfere
Einbiegungen.

A

Fig. 151. Trespe (Bromus secalinus). Spelzen. Nach
J. Form an eck. A Deckspelze. B Vorspelze, a Breite
der dickwandigen Zellen, c Breite der Einbuchtungen,
d innere Entfernungen der Einbuchtungen, k Kurz-
zellen, m Zwillingskurzzellen, o Spaltöffnungen.
(Vergr. 1:150).

A

Flughafen (Avena fatua). Spelzen. Nach J. Formaneck. A Deckspelz ,	, . n

1 ®e)tenspelze mit Kurzzellen, CHUllspelze, aBreite der dickwandigen Zellen, c Breite der Fluh	S ,

u innere Entfernung der Einbuchtungen, k Kurzzellen, m Zwillingskurzzellen, o Spaltonnuuge .

(V ergr. 1:150).
        <pb n="404" />
        ﻿380

Futtermittel.

Die langen Zellen sind durch die Kurzzellen oder die Zwillingskurzzellen
oder durch beide Zellenarten unterbrochen. Die Kurzzellen sind mehr oval und zum
Unterschiede von denen des Lolches an beiden Seiten zahnförmig.

c)	Flughafer (Avena fatua L., Fig. 152, S. 379). Die Zellen der äußeren
Epidermis der Deckspelze sind in der Mitte dickwandig, an den Rändern ebenso wie die
der Yor- und Hüllspelze weniger stark entwickelt. Die Zellen der Flughaferspelze
haben dieselbe trommelschlägelartige Struktur wie die der Haferspelze (Avena
sativa L., vergl. S. 310). Die halbmondförmigen Zellen nehmen jedoch eine hufeisen-
förmige Struktur an; am meisten unterscheiden sich Flughafer- und Haferspelze durch
die Dimensionen der dickwandigen Zellen (vergl. die unten S. 382 stehende Übersicht
über die Dimensionen der Zellen).

d)	Quecke (Triticum repens L., Fig. 153). Der Bau der Zellen der Quecke
gleicht dem der Gerstenspelze (Hordeum, vergl. S. 306). Die Zellwände sind auch
ähnlich gleichmäßig buchtig gewellt, in der Mitte der Oberhaut der Deckspelze

Fig. 153. Quecke (Triticum repens). Spelzen. Nach J. Form an eck. A Deckspelze, B Vorspelze,
a Breite der ganzen dickwandigen Zelle, c Breite der Einbuchtungen, d innere Entfernung der Ein-
buchtungen der Zelle, k Kurzzellen, m Zwillingskurzzellen, o Spaltöffnungen. (Yergr. 1:150).

dicker, an den Rändern und bei der Vorspelze dünner entwickelt; die Zellwände der
Queckenspelze sind jedoch regelmäßiger und dünner, die Zelleinbuchtungen im Innern
weiter voneinander entfernt als bei der Gerstenspelze; auf dem Unterschied dieser
Dimensionen der Zellen beruht das wesentlichste Unterscheidungsmerkmal (vergl.
untenstehende Übersicht). Die Zellenquerwände sind, wie bei der Gerstenspelze,
glatt und gleichmäßig verdickt, die Kurzzellen rund und oval.

e)	Borstengras (Setaria viridis B. Br., Fig. 154, S. 381). Die Spelze besteht aus
kurzen Zellen und hat keine doppelten Kurzzellen. Die Zellen der Deckspelze sind
dickwandig, an den Rändern und bei der Vorspelze dünner und länglich, mit größeren
Einbuchtungen. Kennzeichnend für Borstengras ist, daß im Gegensatz zu den auf-
geführten Spelzen jede dickwandige Zelle nahe an der Querwand mit einer Art
Zahn (z) versehen ist; diese kurzen Zähne erscheinen, von der äußeren Fläche der
Spelze aus gesehen, als doppelt konturierte Ringe (r).

f)	Hühnerfennich (Panicum crus galli L., Fig. 155, S. 381). Die Zellen der
Oberhaut, der Deck- wie Vorderspelze sind im mittleren Teil kurz-dickwandig, zum
Unterschiede von der gewöhnlichen Rispenhirsespelze (Panicum miliaceum) sehr
        <pb n="405" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Unkrautsamen und Yerfälschungsmittel. 381

breit und dicht und zeigen tief gefaltete Biegungen. An den Bändern der Spelze
sind die Zellenwände schwächer entwickelt, die Querwände deutlich gewellt, die

kurzen Zähne von der Fläche aus gesehen. (Yergr. 1:150).

155.

— Hühnerfennlch (Panicum crus galli). Spelzen. Nach J. Formäneck. A Deckspelze,
a Breite derZellen, bLänge der Zellen, c Breite derElnhnchtungen, d innere Entfernung der Einbuchtungen.

(Yergr. 1:150).

Zellen länglich, wie bei der gewöhnlichen Hirsespelze; von letzterer unterscheidet
sie sich besonders durch die Dimensionen. Die Hühnerfennichspelze ist aber auch
        <pb n="406" />
        ﻿382

Futtermittel.

der Reisspelze S. 313 ähnlich; die dickwandigen Zellen der letzteren sind aber
verhältnismässig noch größer und breiter (vergl. die folgende Übersicht).

Übersicht über die Größenverhältnisse der Zellen der vorstehenden

Spelzen.

Spelze der Samen von	Breite der dick- wandigen	Breite der Bin- buch-	ere Eut-  iiing der  Ein-  tungen (d)	Auf 1000 ß Länge kommen Kurz- zellen	Spalt-  öffnungen	Haare
	Zellen (a)	tungen(o)	PC	rP  Po	£  H-1 «1-1	P  P		in den Oberhautzellen	
Lolium temulentum L.	40-66 ß	12—20 ß	16 ß	12—17	vorhanden	kurz,
Bromus secalinus L. .	32—44 ß	14—16 ß	3—12 ß	8—12	desgl.	konisch,  dickwandig.
Avena fatua L. .	.	.	40-60 ß	17—26 ß	5—8 ß	—	desgl.	kurz,
(Avena sativa L., vergl. oben S. 310) . . .	30-40 ß	14—16 ß	CO  1			konisch.
Tritioum repens L.	22—24 fi	7—8 u	8 ß	—	desgl.	—
(Hordeum, vergl. S. 306)	23—28 ß	10-12 ß	3—4 ß	—	—	—
Setaria viridis R. Br. .	64—72 ß	24—28 ß	16—20 ß	’		—	—
Panicum crus galli L.	56—96 ß	24—44 ß	8 ß	—	—	—
Desgl. einzelne Zellen	88—128 ß	40—66 ß	8—16 u	—	—	—
(Eeisspelze, vergl, Seite 313)		185—270 ß	80—110 ß	25—50 ß	—	—	—

Unkrautsamen von Cruciferen.

Außer den Vertretern der Ölsamen, die zu der Gruppe der Brassica Napus
und Brassica Rapa gehören und die nach dem Entfetten nur die Bezeichnung Raps- oder
Rühkuchen (S. 335) führen sollen, kommen noch eine Reihe anderer Cruciferensamen
vor, die teils für sich allein oder auch im Gemisch mit obigen zwei Samen-Varietäten
gepreßt werden oder sich als Unkrautsamen in den echten Raps- oder Rühkuchen
finden. Hierzu gehören u. a.:

a)	Ostindische Rapssaat (Brassica campestris L. var. Sarson Train, Indian
Colza, auch Brassica glauca oder Sinapis glauca Roxb. genannt, Fig. 156). Die
indischen Rapskuchen enthalten nach J. Hansen und H. Hecker1) nicht mehr
Senföl (0,7 °/0 im Samen) oder von anderer Wirkung als die Rapskuchen aus
europäischer Saat; auch haben sie nach ihnen denselben Futterwert als diese;
nichtsdestoweniger sollen sie nach der S. 335 angegebenen Begriffserklärung
als indische Rapskuchen bezeichnet werden.

Als besonderes Kennzeichen für die Unterscheidung des ostindischen Rapses
von anderen Brassica-Ärten gibt C. Böhmer an, daß die meist undeutlich rund-
lichen Palissaden stark lichtbrechend sind; eine Maschenzeichnung ist nur selten
und dann noch schwach vorhanden. Die glatte Epidermis und das äußere Paren-
chym lassen keine Teilung erkennen.2) Die Farbe ist gelbweiß.

*) Laudw. Jahrbücher 1903, 32, 371.

2) Weiter kommen im indischen Rapskuchen vor: Brassica juncea Hook f. et Thoms,
Brassica dichotoma Prain (brauner indischer Raps) und Brassica ramosa (punktierter indischer
Raps). Hierüber vergl. C, Böhmer, Kraftfuttermittel 1903, 416.
        <pb n="407" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Unkrautsamen und Verfälschungsmittel. 383

b)	Europäischer Eaps (Brassica
Indien wachsende Brassica-Art hat eine s
Epidermis und äußeres Parenchym sind
kollabiert.

c)	Bussischer Sareptasenf
(Brassica Besseriana Andr.. Big. 158). Der
Sareptasenf von hellbrauner Farbe wird
zum Typus Brassica juncea Roxb. (Sinapis
glauca L., nach Burchard mit Brassica
lanceolata Lange sich deckend) gerechnet
und kommt zuweilen im indischen Raps
vor; da er außer dem gewöhnlichen Senföl
ein ätherisches Senföl enthält, welches
die Haut, besonders Schleimhaut, stark
angreift — daher die Verwendung des

Hächenansicht.	Querschnitt.

In a •	Fig' 156-

«tuscher Raps (Brassica campestris var. Sarson

•*«»«.). l Epidermis, 2 Parenchymschiclit, 3 Palissaden-
4 Farbstoffschicht, 5 Proteinzellen, 6 innere
Parenchymschicht. Nach C. Böhmer.

Sareptasenfes zu Senfpflastern —, so isi
schädlich anzusehen.

campestris L., Fig. 157). Diese nicht in
tärkere Maschenzeichnung als der Rübsen;

Flächenansicht.

Fig. 157.

Europ äi sch er Raps (Brassica campestris L.).
.....	Nach C. Böhmer.

;£ sein Vorkommen in Rapskuchen als

Querschnitt	Fig. 158.

Russischer S a r e p t a s e n f.

Flächenansicht.
Nach C. Böhmer.

hebe

kde ungleich hohen Palissaden bilden in der Flächenansicht eine meist deut-
i aschenzeichnung und auffallend enge, rundliche, oft dreieckige Lumina.
        <pb n="408" />
        ﻿384

Futtermittel.

d)	Raute .(Eruca sativa Lam., Fig. 159) und Schotendotterhederich
(Erysimum orientale, Fig. 160). Beide Unkrautsamen kommen in Rapskuchen vor,
und zwar nach C. Böhmer (1. c. S. 428) Eruca sativa Lam. vorwiegend im indischen
und europäischen, Erysimum orientale im südrussischen Raps.

Eruca sativa hat eine glatte Samenschale, deren Epidermis-Zellen leicht quellen
und Schichtung, sowie im Querschnitt axile Säulen erkennen lassen. Der obere Teil
der Palissaden erscheint in der Flächenansicht als zartes Maschennetz.

Ähnlich verhält sich der Samen von Erysimum orientale; auch er hat eine
stark quellende Epidermis; die Palissadenzellen sind nur am untersten Teil der
Epidermis verdickt.

Querschnitt.	Fig. 159.	Flächenansichten.

Raute (Eruca sativa Lam.), Nach C. Böhmer.

Flächenansicht.	Fig. 160.	Querschnitt.

Schotendotterhederich (Erysimum orientale). Nach C. Böhmer.

e)	Hederichsamen (Raphanus Raphanistrum L., Fig. 161). Der Hederich-
samen wird nicht selten für sich allein gepreßt und unter dem Namen „öl- oder Raps-
oder Rübsenkuchen“ in den Handel gebracht. In den echten Sorten der letzteren, ferner
im Leinkuchen bezw. Leinmehl findet er sich fast stets als natürliche Beimengung.
Mitunter kommen nur aus Hederichsamen und Ackersenf hergestellte Ölkuchen
in den Handel, die sich in der chemischen Zusammensetzung von den Raps- und
Rübsenkuchen nicht unterscheiden. Die anatomische Struktur des Samens
stimmt im allgemeinen mit derjenigen der Senfsamen überein. Diese Unkrautsamen
lassen sich mikroskopisch nur schwer von den Brassica-Arten unterscheiden (vergl
S. 337). Am kennzeichnendsten zur Unterscheidung ist die in Big. 161 unter 0
dargestellte Flächenansicht der Stäbchenschicht mit ihrem sehr kleinen Lumen.
        <pb n="409" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Unkrautsamen und Yerfälschungsmittel.

385

a Oberhaut mit einer gequollenen Zelle a',
b darunter liegende, tafelförmige Zellen mit
Interzellularräumen b', c wellenförmig ver-
laufende Stäb chenschicht,deren peripherisches,
äußeres Ende sehr lang und dünnwandig ist,
sich daher, wie in Fig. B bei b angedeutet, von
dem unteren loslöst, d darunter liegende, gelb-
gefärbte Tafelzellen, e Endospermschicht mit
darunter liegenden, zartwandigen Parenchym-
zellen f (mit den übrigen Brassica-Samen kon-
gruent). C die Tangentialansiclit der Stäbchen-
schicht ist sehr deutlich netzförmig, Zellen mit
sehr kleinem, infolge seitlicher Beschattung
schwarz erscheinendem Lumen und in der
mazerierten Masse, infolge seitlicher Ver-
schiebung des oberen, dünnwandigen Teiles,
oft nur undeutlich erkennbar.

A Querschnitt.

Fig. 161. Hederichsamen. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer,
ß und C Tangentialansichten zu den 3 peripherischen Schichten.

f)	Ackersenf (Sinapis arvensis L., Fig. 162). Die Senfsamen gehören sämtlich
des darin enthaltenen ätherischen Senföls zu den für landwirtschaftliche Nutztiere
cnädlichen Samen. Die von Senföl größtenteils befreiten Preßrückstände sind nicht

Querschnitt,	Tangentialansicht der Stähohenschloht.

1—4 g	Fig. 163. Ackersenf. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

enschale, 1 Epidermis mit einer aufgequollenen Zelle a, 2 Parenchym, 3 Stähchenschicht,
4 Earhstoffschicht, 5 äußere, 6 innere Endospermschicht.

und werden die sog. Senfkuchen vereinzelt als Futtermittel angehoten.

Tr* i	U11U werden di

ei Senfsamen enthaltende

lanJLVer^ttert UIK^ womöglich zur Entfernung des Senföles vorher einige Zeit mit
■icuiwarmem	.	, ,	,

Ölsamen-Etickstände sollen aber stets mit größter Yor-

armem Wasser erwärmt und dann gekocht werden.

Land’

■Wirtschaftliche Stoffe, 8. Auflage,

25
        <pb n="410" />
        ﻿386

Futtermittel.

Der Samen des Ackersenfes zeichnet sich vor dem der Brassica-Arten durch die
hohen, tafelförmig aneinander gereihten Epidermiszellen aus (Fig. 162, S. 385). Zur
Identifizierung dienen die kleinen, radial pfeilspitzenartig gestreckten Stäbchen. Ihre
Höhendifferenz fällt im Verhältnis zur Länge nicht ins Auge, man bemerkt deshalb
auch kein Schattennetz. Infolge der zentralen Verdickung der seitlichen Zellwände
sind die Lumina undurchsichtig und heben sich in der Tangentialansicht als schwarze
Striche hervor, welche von den braunen Zellwänden wie von den Fäden eines
kleinmaschigen Netzes umgeben werden.

g)	Schwarzer Senf (Brassica nigra Koch., Sinapis nigra L., Fig. 163). Über
den braunschwarzen Stäbchenzellen bemerkt man in der Tangentialansicht eine aus-

Fig. 163. Schwarzer Senf. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.
Tangentialansicht zu den entsprechenden Nummern	Tangentialansicht der Stäbchenschicht,

des Querschnittes.

geprägte, große Maschenzeichnung, veranlaßt durch die zwischen die zartwandigen,
großen Parenchymzellen (2, Fig. 163) radial hineinragenden, fadenförmigen Ver-
längerungen der Stäbchen. Das Bild kann nur zu Verwechselungen des schwarzen
Senfs mit russischem Senf (Sinapis juncea) oder mit Hederich (Raphanus Eaphanistrum),
allenfalls auch mit Rübsen führen. Russischer Senf ist aber an der helleren Färbung
der Stäbchen kenntlich. Der Unterschied der übrigen Sämereien läßt sich nur am
Querschnitt feststelien. Der Hederich enthält über den Stäbchen eine 2-reihige
Schicht dickwandiger Parenchyrazellen, der schwarze Senf nur eine Reihe dünn-
wandiger, nahezu kubischer Zellen; beim Rübsen fehlen unter anderem die langen,
fadenförmigen Verlängerungen der Stäbchen.

Die 5—6-seitigen hohen Tafelzellen der Epidermis sind wie diejenigen des
weißen Senfs und Hederichs mit zarten Porenkanälen versehen.

h)	Weißer Senf (Sinapis alba L., Fig. 164). Stäbchen im Gegensatz zu denen
aller anderen Brassica- und Sinapisarten farblos oder schwach gelblich gefärbt, nur im
        <pb n="411" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Unkrautsamen und Yerfälsohungsmittel.

387

unteren Drittel bis zur halben Höhe verdickt, von da ab in Gestalt geschlängelter
Fäden in die kollenchymatisch verdickten Zellen (2 Fig. 164) verlaufend. Die
niedergedrückten Fäden verdecken bei schwacher Aufschließung in der Tangential-
ansicht die Lumina der farblosen Zellen und lassen keine Maschenzeichnung erkennen;
erst nach genügender Aufhellung durch längeres Kochen mit Säuren und Alkalien
tritt die Maschenzeichnung zwar schwach aber deutlich hervor. Epidermiszellen
im Querschnitt quadratisch, geschichtet, in Wasser hoch auf quellend, mit spalten-
förmigem Lumen, in der Tangentialansicht 5—6-seitig polygonal.

Querschnitt.

1 Epidermis (a gequollene Zelle), 2 Parenchym-
schicht, 3 Stäbchenschicht, 4 Endodermis,

5 und 6 Endospermschichten.

Fig. 164. Weißer Senf. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.
Tangentialansichten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes.

0. Burchard1) hat auch die anatomische Struktur verschiedener anderer
seltenen Senf arten beschrieben.	„	_

i)	Hirtentäschchen (Capsella bursa pastoris L., Fig. 165, S. 388). Der Samen
des Hirtentäschchens kommt besonders häufig in Lein- und Rapskuchen vor. Man
erkennt ihn an den gallertartig aufquellenden, in der Tangentialansicht reihenweise
nebeneinander liegenden, nahezu quadratischen Epidermiszellen, unter welchen das
darunter liegende, dünnwandige Parenchym und eine Schicht gelbbrauner, lückenlos
aneinander gefügter Tafelzellen hervorleuchten. Die letzteren entsprechen den
1 täbchen der Brassica-Arten und erscheinen im Querschnitt des Samens mi sei ic

emporgehobenen Rändern.

) Journ. f. Landwirtschaft 1894, 42, 125.

25*
        <pb n="412" />
        ﻿388

Futtermittel.

Die gequollenen Lumina der Epidermiszellen ragen auf Querschnitten schorn
steinartig empor.

Querschnitt.

1 Epidermis, 2 Parenchymschicht, 3 sog.
Stähchenschieht, 4 Farhstoffschicht,
ö äußere, 6 innere Endospermsohicht,
a Lumen der Epidermiszellen.

Tangentialansiohten zu den entsprechenden Nummern
des Querschnittes.

Fig. 165. Hirtentäschchen. fVergr. 200.) Nach C. Böhmer.

k) Feld-Pfennigkraut (Thlaspi arvense L., Fig. 166). Der Samen des Feld-
Pfennigkrautes kennzeichnet sich durch den wellenförmigen Verlauf der Stähchenschieht,

Feld- Pfennigkraut. Querschnitt.

1 Epidermis, 2 Parenchymschicht, 3 Stäbchen-
schicht. 4 und 5 Sta)stoffschicht, 6 Plasma-
zellen, a leistenförmige Erhebungen, b Inter-
zellularräume.

Fig. 160. Feld-Pfennigkraut. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.
Tangentialansichten zu den entsprechenden Nummern des Querschnittes.

indem absatzweise die langen Stäbchen in paralleler Richtung allmählich in kürzere
übergehen und nach dem Zurückgang auf halbe Länge wieder längere folgen.
Durch die langen, dunkelbraun gefärbten Stäbchen entstehen die leistenförmigen
        <pb n="413" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Unkrautsamen und Yerfälschungsmittel. 389

Erhebungen, welche in der Tangentialansicht die dunklen Linien hervorrufen. In
den zwischen denselben liegenden Rillen treten die dickwandigen, englumigen Zellen
in polygonaler Begrenzung deutlich hervor. Auf Querschnitten besitzen dieselben
infolge ihrer Rundung am peripherischen Ende und der farbigen Schattierung ein
pfauenfederähnliches Aussehen. Zwischen den radial etwas zusammengedriickten
Plasmazellen bemerkt man deutliche Interzellularräume.

1) Kresse (Lepidium sativum L., Fig. 167). Der Kressensamen zeichnet sich
durch 2 sehr kennzeichnende Zellschichten aus. Die farblosen, in der Tangentialansicht
6-seitig polygonalen Epidermiszellen quellen nämlich in Wasser und selbst in nahezu
absolutem Alkohol außerordentlich leicht auf, wobei die innere, das Lumen umgebende
Membran saugrüsselartig hervortritt. Die rotbraunen Stäbchen umkleiden wie die-
jenigen des Leindotters rähmchenartig die Zelllumina.

Kornrade, Agrostemma Githago L.

Der Samen der Kornrade enthält ein vorwiegend in den Samenschalen vor-
öinmendes, drastisch wirkendes Alkaloid, das „Agrostemmin“ und ferner eine
örtlich scharf wirkende giftige Substanz, das „Grithagin“, ein dem Saponin ähnliches
ykosid. Uber die Schädlichkeit vergl. S. 297 Anm. Die Nachweisung dieses
nkrautsamens in Futtermitteln ist daher häufig von Belang.

Die Rade kommt vorwiegend in Weizen- und Roggonkleie vor, worin sie sich
r:-'t;llnter makroskopisch durch ihre schwarzen, nierenförmig-kugeligen Schalen ver-
‘ j unter der Lupe bemerkt man auf denselben reihenweise die in schneckenförmigen
dor's110^01' anSeordneten Höckerchen. Dieselben bilden die schwarzbraune Epidermis
erk amenschale, auf deren Oberfläche man unter dem Mikroskop zahllose Wärzchen
&lt;liirc|lnt	390)- Auf Tangential- und Querschnitten sind die Höcker

q ^ln! der gebuchteten wellenförmigen Umgrenzung parallel verlaufende
Schichtung gekennzeichnet.

eis-e ,,! u*er niehreren Schichten eines radial zusammengepreßten Parenchyms liegen
ecki*1	spindelförmige Stärkekörper, welche durch Druck in zahllose, rundlich-

•V ,W ®ro®e Stärkekörnchen zerfallen.

ber den chemischen Nachweis der Kornrade vergl. S. 271.
        <pb n="414" />
        ﻿390

Futtermittel.

Tangentialansicht der Oberhaut (1).

Tangentialansicht zu den
entsprechenden Nummern
des Querschnittes.

Fig. 168. Kornrade. Querschnitt. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

1 Oberhaut, A und A' Höcker, a Wärzchen auf denselben, h Schichtung, 2 und 3 Parenohymschichten,

4 Stärkezellen, 5 Stärkekörner.

Yogelmiere, Stellaria mcdia L.

Die seesternförmigen Epidermiszellen sind typisch für eine große Anzahl
Samen der Pflanzen aus der Familie der Nelkengewächse.

Querschnitt. 1 Epidermis,

2 und 3 Parenchymschichten,

4 Stärkezellen.

Fig. 169. Vogelmiere.

Tangentialansicht der Epidermis.
(Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.
        <pb n="415" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Unkrautsamen und Yerfälscliuugsmittel.

391

Die braune Epidermis der Stellaria media wird von zahlreichen, scharf um-
grenzten Warzen bedeckt. Unter der Schale liegen polyedrische, mit winzig kleinen
Stärkekörnchen gefüllte Zellen.

Wegerich, Plantago lanceolata L.

Den Wegerich findet man in den Rückständen kleiner Ölsamen (Eaps-, Lein-
kuchen usw.) und in der Kleie. Er ist infolge der hornigen, in Wasser aufquellenden
Epidermis fast unverdaulich und zeichnet sich durch die kleinen, porösen, stark
verdickten und hornartig erhärteten Endospermzellen mit den darüber lagernden,
einen braunen Inhalt führenden Tafelzellen aus.

Querschnitt {in Kalihydrat gequollen).
1 Epidermis, 2 Parenchymschicht,

3 Farbstoffschicht, 4 Endosperm.

Fig. 170. Wegerich.

Tangentialansichten zu den entsprechenden
Nummern des Querschnittes.

(Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

Gemeiner Sauerampfer, Rumex acetosa X.

Die kleinen, glänzenden, 3-kantigen Samen des Sauerampfers erhalten ihre
Festigkeit durch die hornartig erhärteten, in der Tangentialansicht sternförmig ge-

1 n,	Querschnitt.

4 Barmi 2 ^Piüermis, 8 Farhstoffschicht,

6 stört ^er Samenschale, 5 Kleberzellen,
ehaltlges Parenchym, 7 Stärkekörner.

Fig. 171. Sauerampfer.

Tangentialansiohten zu den entsprechenden
Nummern des Querschnittes.

&lt;Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.
        <pb n="416" />
        ﻿392

Futtermittel.

buchteten Epidermiszellen. Sie liegen (Fig. 171, S. 391) unter einer glänzenden
Cuticula und über großen, stark aufquellenden, mit braunrotem Farbstoff gefüllten
Parenchymzellen.

Die polygonalen, mitunter etwas abgerundeten Stärkekörnchen zeichnen sich
durch Kernhöhlen aus und besitzen Ähnlichkeit mit denen des Buchweizens und der
Hirse, können auch mit Reis- und Haferstärke und der Stärke verschiedener Un-
krautsamen verwechselt werden.

Ampferblätteriger Knöterich, Polygonum lapathifolhim L.

Die die Auffindung von Polygonum lapathifolium kennzeichnenden Gewebs-
elemente sind die den Samen abschließende Palissadenschicht und das sich an diese

Knöterich. Querschnitt. (Vergr. 200.)
A Palissadenschicht, B Parenchym.

anschließende parenchymatische Gewebe. Die
Zellen der Palissadenschicht (Fig. 172) sind
ungemein verdickt, die die einzelnen Zellen
trennende Membran ist nicht mehr zu er-
kennen, das Lumen ist sehr eng, nimmt aber
nach dem Innern hin beständig zu und zeigt
nach den Seiten hin meist Ausstülpungen.
Der Tangentialschnitt hierzu (Fig. 174) gibt
ein entsprechendes Bild; die Zell-Membran
wird deutlicher bei Behandlung mit Natron-
lauge.

Das sich anschließende parenchymatische
Gewebe ist dunkel gefärbt und führt Inhalt;
die Tangentialansicht desselben ist durch die
wellig verlaufende Membran der Zellen deut-
lich gekennzeichnet (Fig. 173).

Fig. 173.

Knöterich, Tangentlalsclmitt zu B Parenchym,

Fig. 174.

Knöterich. Tangentialschnitt zu A Palissaden-
schicht.

■Wachtelweizen, Melampyrum arvense L,

Die Samen des Wachtelweizens, eines auf manchen Feldern sehr lästigen Un-
krautes, können ihrer geringen Größe wegen bei einer sorgfältigen Reinigung des
Getreides entweder gar nicht oder doch nur vereinzelt in die Mahlerzeugnisse geraten.

Die sehr harte und widerstandsfähige Beschaffenheit der Samenschale, aus
welcher ein großer Teil der Samensubstanz besteht, schließt die Möglichkeit einer
Verunreinigung des Mehles durch Wachtelweizen fast ganz aus.
        <pb n="417" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Unkrautsamen und Yerfälschungsmittel. 393

In den Futterabfällen, welche Bestandteile des Wachtelweizens enthalten
können, erkennt man dieselben (Fig. 175) an den radial gestellten, in der Tangential-
ansicht 5—6-seitigen Palissadenzellen und den darunter liegenden, stark porös ver-
dickten, regelmäßig 5—6-seitigen, mit Eiweiß und Fett gefüllten Zellen der Schale.

Querschnitt durch den Samen.

Fig. 175. Wachtelweizen.

Tangentialansicht der Oberhaut des
Wachtelweizens.

(Vergr. 160.) Nach J. Möller.

Windenknöterich, Polygonum cohtoIvuIus L.

Die Knötericharten bilden einen steten Begleiter des Leinmehles und kommen
auch oft im Rapskuchen und in der Kleie vor.

Sie zeichnen sich makroskopisch durch die roten bis braunschwarzen, glänzenden,
schildförmigen Fruchtschalen aus, welche zu dreien, um den Samen gefügt, die 3-kantigen

Früchtchen bilden. Ihre Härte verdanken dieselben den
radial gestellten, in der Tangentialansicht sternförmigen

Palissaden. Dieselben
stehen (Fig. 176) bei dem
ampferblättrigen Knöte-
rich säulenförmig um ein
weites Lumen. Bei dem
Windenknöterich sind sie
käulenförmig entwickelt

i » , Querschnitt.

1 Eni^Clltschale- 11 Samenschale,
auf	a Farbstoff, b Warzen

'■****■ —

Tangentialansichten zu den entsprechenden Nummern
des Querschnittes.

auf	a *arc

i der Epidermis, 1' Tangential-
2 uitt durch die Epidermiszellen,

^d 3 färb- und gerbstoffhaltiges
Parenchym, 6 Kleberzellen,

7 Stärkezellen.

Fig. 176. Windenknöterich. (Vergr. 200.) Nach C. Böhmer.

!uul auf der Schalenoberfläche von zahlreichen Warzen bedeckt. Die Stärkezellen
führen dicht aneinander gepreßte und daher polyedrische, mit zentraler Hohl g

versehene Stärkekörnchen.
        <pb n="418" />
        ﻿394

Futtermittel.

Gänsefuß, Chenopodium album L.

Der Samen des Gänsefußes, auch Ackermelde genannt — im Gegensatz
zu den eigentlichen Melden, den Atriplex-Arten — kommt sehr häufig in den Kleien
und Ölsamen-Rückständen vor; derselbe enthält bei 12,22 °/0 Wasser, 15,29%
Protein, 6,51 % Fett, 20,31 % Rohiaser reichlich feinkörnige Stärke, weshalb er in
Zeiten der Not wohl zur Brothereitung verwendet wird.

Für die mikroskopische Erkennung dieses Unkrautsamens sind besonders
wichtig die zur Samenschale gehörenden Schichten 1, 2 und 3 (Fig. 177), von denen die
der Oberhaut aus ziemlich niedrigen, rotbraun gefärbten Zellen bestehen, deren Lumina

in der Flächenansicht die feingrubige Punktierung
dünnwandige, 4- bis 6-seitige,
ebenfalls mit dunkelrotbraunem
Farbstoff angefüllte Zellen. Die
schwach bräunlichgrau gefärbte
Zelllage der inneren Samenschale
zeichnet sich durch feinnetzige
Streifung der Membran aus.

hervorrufen. Darunter liegen

Querschnitt
(mit Lauge gequollen).

A Schichten, 1, 2 u. 3 zur Samenschale, 4 zum Keimnähr-
gewebe gehörig. B Schichten des Perigonhäutchens mit
Gefäßbündelrest a.

Fig. 177. Gänsefuß. Nach C. Böhmer

Ackerspörgel, Spergula arvensis L.

Die Bestandteile des Samens vcn Ackerspörgel kommen nicht selten als Ver-
unreinigung in den Mehlen, Kraftfuttermitteln, besonders dem Leinkuchen und -mehl vor.

Der Ackerspörgel ver-
rät sich leicht in einem Mehl
oder Futtermittel, welches
mit Säure und Alkali be-
handelt sein muß, durch seine
sternförmig fest ineinander-
gefügten Oberhautzellen,
denen einzelne keulenförmige
Gebilde aufgesetzt sind. Zu-
weilen sind diese Trichome
ahgefallen und erscheinen
dann in ihrer eigentümlichen
Form frei in dem Präparat.

(Vergr. 115.)

(Vergr. 330.)

Samenhülle mit keulenförmigem Gebilde der Epidermis.
Eig. 178. Ackerspörgel. Nach Benecke.
        <pb n="419" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Unkrautsamen und Yertälschungsmittel.

395

Steinnuß, Phytelephas macrocarpa Ji. und F.

Die Abfälle hei der Bereitung der Knöpfe aus Steinnuß (Phytelephas
macrocarpa R. und P.) werden sowohl für sieh allein in den Handel gebracht, als
auch besonders zur Verfälschung von Kleien und Futtermehlen verwendet. Ihr
Futterwert ist gleich Null.

Äußerst kennzeichnend für die Steinnuii sind die außergewöhnlich stark
verdickten Zellen des den weitaus größten Teil des Samens einnehmenden Endosperms;
diese Zellen sind farblos, gestreckt und gleichmäßig verdickt; die Membranen sind von
eigentümlichen, am Grunde knopfartig erweiterten Poren durchsetzt (Fig. 179).
Die Samenschale, die jedoch im Vergleich zu der großen Masse des Endosperms

,	Füg. 179.

oteinnuß, Querschnitt. Nach J. Möller.

“ die Samenschale, E, das Endosperm aus un-
kemein verdickten, porösen Zellen mit wenig
Inhalt.

nur einen geringen Bruchteil der Stein-
nuß ausmacht, besteht nur aus sklero-
tisch verdickten Elementen von ver-
schiedener Form und Größe; besonders
kennzeichnend sind die ungleich ver-
dickten Faserzellen (Fig. 180).

Fig. 180.

Steinnuß. Zellen der Samenschale.
(Yergr. 160.) Nach J. Möller,
sp eine kleine Spiroi'de aus den die Samen
umspinnenden Gefäßhündeln,

Sägemehl.

Als eine Verfälschung gröbster Art, die hier und da in den Kraftfuttermitteln
beobachtet wird, muß der Zusatz von Sägemehl bezeichnet werden. Der Nachweis
derartiger Holzbestandteile bietet keine Schwierigkeit; dieselben können selbst schon
bloßem Auge oder besser mit der Lupe an den gelben Pünktchen erkannt
werden, wenn man etwas der gepulverten Substanz in einen Tropfen Kalilauge legt.
Untersucht man diese Objekte mittels des Mikroskopes, so läßt sich mit Sicherheit
anssagen, ob sie in der Tat Holzbestandteile sind, sogar ob sie einem Laub- oder
■Nadelholz angehören.

. 181, S. 396, bringt die Elemente des Nadelholzes zur Anschauung, wie
im mikroskopischen Präparat beobachtet werden.

Der Holzkörper besteht zum größten Teil aus Tracheiden und Markstrahlen-
zellen, während Parenchyragewebe seltener angetroffen wird.

Fig

dieselben
        <pb n="420" />
        ﻿396

Futtermittel.

Die Tracheiden, lange, spindelförmige, ansehnlich verdickte, an den Enden
geschlossene Zellen, sind bei den Nadelhölzern dadurch gekennzeichnet, daß sie an
zwei gegenüberliegenden Seiten eine, selten zwei Reihen großer behöfter Tüpfel
tragen. Da die Nadelhölzer zum weitaus überwiegenden Teil aus Traeheiden be-

Fig. 181. Elemente des Nadelholzes. (Vergr. 160.) Nach J. Möller,
t Traeheiden, p Holzparenchym, m (oben) Markstrahlen der Föhre, m (unten) Markstrahlen der Fichte.

stehen, von denen man stets Bruchstücke mit den äußerst kennzeichnenden Tüpfeln
antreffen wird, so ist der Nachweis von Nadelholz ein verhältnismäßig leichter.

Die Markstrahlen sind daran erkenntlich, daß sich die großen Traeheiden
im rechten Winkel kreuzen, die Fragmente daher ein gegittertes Relief zeigen.

Fig. 182. Elemente des Lauhholzes. (Vergr. 160.) Nach J. Möller.

K Kristallzellen, p Holzparenchym, m Markstrahlenzellen, 1 Llbrlform- oder Holzfasern, g Gefäße.

Der Bau ihrer Zellen und die Anordnung in den Markstrahlen sind für bestimmte
Gruppen der Nadelhölzer oft verschieden, so daß man nach ihnen die Holzart be-
stimmen kann. So z. B. erkennt man die Föhrenarten (Pinus) an den zackig ver-
dickten und fensterartig getüpfelten Markstrahlenzellen; die Fichte (Picea) an den
        <pb n="421" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Moostorf. Kaffeesamenschale.

397

Tracheiden, welche die sonst aus Parenchym bestehende Markstrahlenfläche oben
und unten abschließen. Die Markstrahlenzellen der Tanne (Ahies) bestehen dagegen
nur aus Parenchymgewebe.

Dieselben Bestandteile wie heim Nadelholz finden sich auch im Laubholze
(Big. 182); dazu kommt aber noch ein weiteres Formelement, welches gerade die
Hauptmasse ausmacht, nämlich die Holzfaser ira engeren Sinne oder das Libriform.

Die Erkennung der Holzfaserzellen, welche als sehr lange, stark verdickte
Fasern erscheinen, deren Wand von spärlichen, schief gestellten Spalten durchsetzt
ist, bildet kein kennzeichnendes Merkmal, da viele andere Pflanzen ganz ähnliche
Elemente besitzen.

Wie für Nadelholz, so sind auch zur Erkennung der Laubhölzer die Tracheiden
die entscheidenden Elemente. Dieselben sind dicht besetzt mit kleinen behöften
Tüpfeln mit rundlichen, elliptischen, oft auch polygonalen Konturen.

Die Zellen der Markstrahlen und das Parenchym sind in bezug auf ihre
Menge, Gestaltung und Verteilung für manche Laubhölzer wohl kennzeichnend.

Im allgemeinen kann man indes behaupten, daß mit dem Alter der Bäume
die Zellen in ihren Formen so sehr wechseln, daß eine sichere Unterscheidung der
Laubholz-Arten viel schwieriger als bei den Nadelhölzern ist,

Moostorf, Sphagnum-Torf.

Der trockne Moostorf (Torfmull) wird vielfach zur Aufsaugung von Melasse

■g. Mg. 183.	Flg. 184.

(Ve °*len eines Sphagnum -Mooses, Flg.) 83 ganzes Blättchen.
rSr. 1: 50.) Fig. 184 ein Teil des Blättchens, stärker vergrößert.
(Vergr. 1:200.) Nach A. Börner.

Fig. 185.

Stengel eines Sphagnum-
Mooses. BeiaslnddleAnsatz-
steilen der Blättchen sichtbar.
(Vergr. 1;50.) NachA.Bömer.

Man erkennt den Moostorf (Sphagnum-Torf) in Melassefuttermitteln sehr leicht
dem zierlichen Bau der Blättchen (Fig. 188 und 184). Die eigenartige Struktur
lngt, daß das Sphagnum-Moos große Mengen von Flüssigkeiten aufsaugen kann.

Kaffeesamenschale.

Die Fruchtschalen des Kaffees (Coffea arabica L.), welche etwa 14,00°/0
asser&gt; 8,65 °/0 Protein, 0,45% Koffein, 1,60% Fett, 4,80 % Gerbsäure, 31,10 %
        <pb n="422" />
        ﻿398

Futtermittel.

Rohfaser und 7,80 °/0 Asche enthalten, werden im gemahlenen Zustande vielfach zur
Verfälschung der Futtermittel, besonders der Mahlabgänge der Getreidearten benutzt.

Das pergamentartige Endokarp der Samen, die sog. Pergamenthülle (Fig. 186
und 187), besteht aus einem zähen und festen, im trocknen Zustande aber ziemlich
spröden Gewebe aus sehr vielgestaltigen (vergl. Fig. 187), dickwandigen Sklerenchym-
elementen, die in verschiedenen Richtungen in der Wand geschichtet liegen.

Sowohl in der Flächenansicht wie auch in der Form der einzelnen Skleren-
chymelemente sieht dieselbe der Erdnußhülse (S. 343) sehr ähnlich.

Fig. 186.

Kaffeeschale. Flächenansicht des Kndokarps (Pergament-
hülle). (Vergr. 1:100.) Nach A. Börner.

Fig. 167.

Kaffeeschale. Einzelne Skleren-
chymelemente des Kndokarps
{Pergamenthülle). (Vergr. 1:200.)
Nach A. Börner.

V.	Die Pilze der Futtermittel.

Die Futtermittel enthalten stets die vegetativen und Dauer-Formen zahlreicher
Pilze. Teils sind diese für Pflanzen pathogene Arten, teils Saprophyten, die schon auf
den Rohstoffen vorhanden waren oder bei der Herstellung von Futtermitteln aus diesen
in sie hineingelangten. In selteneren Fällen kommen auch tierpathogene Pilze vor.

Von den parasitär auf den Pflanzen lebenden Pilzen kommen in Futter-
mitteln am häufigsten folgende Arten vor:

1.	Pilze in Futtermitteln, die von den Getreidearten und Futtergräsern

stammen.

A. Die Brandpilze, Ustilagineae. Aus dieser Familie sind besonders zu nennen:

Der Stein- oder Stinkbrand des Weizens, Tilletia Caries und T. laevis,
der Flugbrand des Weizens, Ustilago Tritici, der Gerste, U. Jensenii und U. nuda,
des Hafers, U. Avenae, der Beulenbrand des Maises, U. Maydis, der Roggen-
stengelbrand, Urooystis occulta, und von den auf Futtergräsern schmarotzenden
        <pb n="423" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Die Pilze der Futtermittel.

399

Arten U. longissima auf Glyzeria-Arten und U. echinata auf Phalaris arundinacea.
Die braun bis schwärzlich gefärbten Chlamydosporen der Getreidehrandpilze ent-
stehen bei den meisten Arten in den Blüten, die je nach Art des Pilzes ganz oder
his auf die Spelzen oder die Samenhülle zerstört und in eine braune Masse ver-
wandelt werden. Die Tilletia-Arten entwickeln ihre Sporen in den Samen und zerstören
diese bis auf die Samenhülle. Von Urocystis oeculta werden Halme, Blätter und
Blattscheiden des Roggens befallen. Ustilago Maydis bildet auf Blättern, Blatt-
scheiden und in den Blütenständen Brandbeulen, die mit den Brandsporen erfüllt
sind. Ustilago longissima und ü. echinata erzeugen auf den Blättern der von ihnen
befallenen Gräser braune Längsstreifen, in denen die Sporen liegen.

Die wichtigste der Brandpilzarten ist Tilletia Caries, die im Fruchtknoten des
Weizens, Dinkels und Spelzes schmarotzt, die Samenhaut aber nicht zerstört, so daß
die mit den Brandsporen erfüllten Körner bei der Ernte im Getreide bleiben und
erst heim Dreschen oder Mahlen zerstört werden und ihren Inhalt auf Korn und Mehl
entleeren. Dem Mehle von solchem Weizen ist daher nicht selten die Brandmasse bei-
gemengt, wodurch es eine unreine Farbe und einen widerlichen Geruch nach Herings-
lake annimmt. Geringe Beimengungen können jedoch unbemerkt bleiben und erst

Fig. 188. Brandsporen. (1:300.)

a V0D Tilletia Caries, b von T. laevis, o von Ustilago Jensenii, d von U. Maydis, e Sporenknäuel von
Urocystis ocoulta, in denen nur die dunkleren Sporen keimfähig sind.

in Gebäck, das davon bläulich wird, Verdacht erwecken. Weniger häufig in Mehl
und Kleie sind die Sporen der anderen auf den Getreidearten schmarotzenden Brandpilze,
da ihre nach der Zerstörung der Blütenspelzen frei liegenden Sporen meist von
Wind und Regen vor der Ernte zerstreut werden.

Der mikroskopische Nachweis von Brandsporen im Mehl oder in Futtermitteln
ist ebenso einfach wie sicher. Die Sporen sind kugelige Zellen mit derber Membran,
Welche glatt oder, wie beim Steinbrand, netzig verdickt, braun, selten farblos sind,
^it Stärkekörnern können die Sporen nicht verwechselt werden, wenn man dem
Üßjekt etwas Jodlösung zusetzt. Durch Aufschließen der Kleien mit verdünnter
Natronlauge werden die Brandsporen noch leichter sichtbar.

Die Sporen der verschiedenen Ustilagineen unterscheiden sich nach Größe,
Zeichnung und Farbe der Sporen (Fig. 188). Die Sporen von Tilletia Caries sind
^golrund, blaßbraun, durchscheinend, mit stark ausgehildeten netzförmigen Ver-
kokungen und haben einen Durchmesser von 17 Die Sporen der ebenfalls auf
Weizen schmarotzenden Tilletia laevis besitzen eine glatte Membran.

Die Sporen der Flugbrandarten sind dunkelbraun und glatt, bei Ustilago nuda
°Val, bei den anderen Arten kugelrund, mit einem Durchmesser von 5—8 u. Die
l'jri U. Maydis sind rund, dunkelbraun, feinstachelig und 9—12 u dick. Bei
r°cystis occulta sind mehrere Sporen zu Knäueln von rund 24 ji Dicke vereinigt,
v°n denen aber nur einzelne größere keimfähig sind.
        <pb n="424" />
        ﻿400

Futtermittel.

B. Die Rostpilze, Uredincae. Die zu den Uredineen gehörenden Parasiten be-
fallen die verschiedensten vegetativen Teile der Getreidearten und Futtergräser. Es
entstehen auf ihnen im Sommer zunächst gelb- bis rostrote kleine Flecken oder
Streifen, die entweder regellos über die befallenen Organe verteilt oder reihenweise
angeordnet sind. Später verschwinden diese Rostflecken und statt ihrer treten solche
von schwärzlicher Färbung auf. Die verschiedene Färbung wird durch zwei Arten
von Sporen bewirkt, die sich an dem an den Roststellen in der Pflanze schmarotzenden
Pilzmycel bilden (Fig. 189). Die zuerst entstehenden Sporen, die Sommer- oder
Uredosporen, sind gelb oder rötlich, die später entstehenden Winter- oder Teleuto-
sporen dunkelbraun gefärbt. Die Uredosporen der verschiedenen Getreide- bezw.
Gras-Rostarten unterscheiden sich in Gestalt und Färbung nicht wesentlich. Sie
sind sämtlich einzellig, rund oder länglich, mit fein-
stacheliger Haut, langgestielt. Die Gestalt der
Teleutosporen dagegen ist ziemlich verschieden und

Fig. 189. Durchschnitt durch ein Rosthäufchen
von Pucoinla graminis mit üredo- und
einigen Teleutosporen. (200-faoh.) NachFrank.
e Epldermlszellen des Halmes, p zwischen den
Zellen vegetierendes Pilzmycel.

Fig, 190. TeleutosporenvonPuccinia
graminis (a), P. dispersa (b),

P. coronifera (,c). (320-fach.)
Nach Frank.

gibt ein gutes Unterscheidungsmerkmal ah. Auch die Form und Anordnung der
Rostpolster auf der Pflanze kann als solches gut verwendet werden. Die Rostarten
der Gramineen (Fig. 190) zeigen in dieser Beziehung folgendes Verhalten:

Sporenlagor oft in längeren
Streifen; dunkelbraun

Sporen zweizeilig, verkehrt ei-
förmig, stark gewölbt, lang-
gestielt.

Pucoinia graminis, Schwarz-
rost

Puccinia glumarum, Gelbrost

Puccinia dispersa, Braunrost
des Roggens

Puccinia triticina, Braunrost
des Weizens

Puccinia simplex, Zwergrost
Puccinia coronifera

Uredolager in langen
Strichen; zitronengelb

Uredolager ordnungslos über
die ganze Blattfläche zer-
streut; dunkelbraun

Uredolager ordnungslos zer-
streut; hellbraun
Uredolager ordnungslos zer-
streut; hellbraun

Sporen zweizeilig, am Gipfel
abgeflaoht oder unregelmäßig
kegelförmig ansgezogen,
kurzgestielt.

Sporen zweizeilig, lang keulen-
förmig und unsymmetrisch,
kurzgestielt.

Sporen meist einzellig, kurz-
gestielt.

Sporen zweizeilig, obere Zelle
mit zackigen Fortsätzen ver-
sehen, kurzgestielt.
        <pb n="425" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Die Pilze der Futtermittel.

401

Die hier genannten Rostarten zerfallen in zahlreiche spezialisierte, d. h. be-
stimmten Gramineenarten angepaßte Formen, die äußerliche Unterschiede nicht auf-
weisen. Puccinia Simplex lebt nur auf Gerste, P. dispersa und triticina nur auf
Roggen hezw. Weizen. Die Teleutosporen der Rostpilze kommen zuweilen auch
in Mehlen und Kleien vor und lassen sich darin mikroskopisch ohne weitere Präparation
sehr leicht erkennen.

C.	Der Meltaupilz, Erisyphe graminis I). C. Dieser zu den Perisporieen ge-
hörende Pilz bildet auf den Blättern der Gramineen, manchmal auch auf den Spelzen weiße
mehlartige Überzüge, die aus dem Mycel des
Pilzes bestehen, das nur durch Haustorien
mit der Nährpflanze in Verbindung steht.

Von dem Mycel erheben sich kurze, senk-
rechte Hyphen, an deren Spitze eine oder
mehrere ovale, einzellige Konidien ah-
geschnürt werden. Später erscheinen
runde, bräunliche, allseitig geschlossene
Perithecien, die an der Außenfläche
sogenannte Stützfäden tragen. Sie ent-
halten mehrere Schläuche mit 4—8 ovalen
Sporen (Mg. 191).

Auch die Meltaupilze der ver-
schiedenen Gramineen sind wie die Rost-
Püze vermutlich spezialisierte Formen.

D.	Der Mutterkornpilz, Claviceps purpurea Tul. Das Mutterkorn, das seiner
Porm nach für ein verändertes Roggenkorn gehalten werden könnte, ist das Dauer-

Elg, 191. Meltaupilz. Erisyphe graminis.

A Mycel mit Konidienträgern auf einem Weizen-
blatt. (60-fach). B Aufgedrücktes Perithecium mit
unreifen Schläuchen. (100-fach). Nach Frank.

4	.	# Fig. 192. Mutterkorn. Sklerotium und dessen weitere Entwickelung.

pru ? reifes Mutterkorn (natürl. Größe), B ein mit Fruchtlagern cl bedecktes Mutterkorn c, C ein
H0cv	iu der Längsschnittfläche, cp die eingesenkten Perithecien (stärker vergrößert), D ein

p r^er vergrößertes Perithecium, hy Pilzgewebe, cp Mündung eines Peritheciums, sh Asken,
* abgerissener Askus mit den unten hervortretenden Sporen sp (stärker vergrößert).

ycelium oder Sklerotium des zu den Pyrenorayceten gehörenden Pilzes Claviceps
rl,Urea. Es entsteht in der Weise, daß die Askussporen des Pilzes zur Blütezeit des
°Sgens den jungen Fruchtknoten infizieren und ihn allmählich ganz durch wuchern. Er
Landwirtschaftliche Stoffe, 8. Auflage.	26
        <pb n="426" />
        ﻿402

Futtermittel.

nimmt eine mehr längliche Gestalt an und es entsteht so ein weißlicher, ziemlich
großer, auf der Oberfläche Sporen abschnürender Mycelkörper, der einen süßen Saft, den
sog. Honigtau, abscheidet. Das fertige Mutterkorn ist ein harter, an der Oberfläche
schwarzvioletter, keulenförmiger Körper, der aus einer weißen, markartigen, pseudo-
parenchymatischen Masse verflochtener Pilzhyphen besteht. Auf diesem Sklerotium
bilden sich im Frühjahre Fruchtkörper mit Perithecien, deren Äskussporen abermals
die Roggenbltite infizieren (Fig. 192, S. 401).

Das Mutterkorn kommt auch auf Weizen und Gerste, aber seltener als auf
Roggen vor; ferner findet man es auf zahlreichen Gräsern. Auch hier handelt es
sich zum Teil um spezialisierte Formen.

Der Nachweis des Mutterkorns in Mahlerzeugnissen kann entweder durch
chemische Reaktionen oder durch mikroskopische Untersuchung oder Kombinierung
beider geführt werden. Der chemische Nachweis beruht auf der Ausziehung des
violetten Farbstoffes der Rindenhyphen (vergl. S. 271 u. 272).

Ein sicheres Urteil ist nur durch den mikroskopischen Nachweis zu er-
langen. C. Böhmer empfiehlt, zunächst die zu untersuchenden Stoffe durch Äther

Fig. 193.

A Mutterkorn im Querschnitt, a Rinde mit
Farbstoff, b Inneres, c Fetttropfen.

B Parenchym aus dem Gewebe eines Getreide-
keimes. Nach C. Böhmer.

WM

i'ig. 194.

Mutterkorn. Inneres Gewebe; ß im Querschnitt, C
Längsschnitt, durch Äther entfettet.

zu entfetten, dann mit salzsäurehaltigem Wasser längere Zeit durchzurühren und
dieses einige Male mittels eines Meßzylinders zu dekantieren. Den Rückstand läßt man
auf einem Porzellanteller abtropfen und sucht nun unter der Lupe alle rötlichen,
rotbraunen oder grauen Teilchen heraus. Man kann auch etwa 5 g Kleie in einer
Porzellanschale allmählich mit 1/2 1 Wasser anrühren, nach Zusatz von ein wenig
verdünnter Salzsäure unter Erneuerung des Wassers eine Stunde lang kochen und
im Meßzylinder dekantieren. Die Mutterkornteile der Rindenpartie erscheinen unter
dem Mikroskop meist rosenrot, in Kalilauge violett; die Teile des inneren Schein-
gewebes sind farblos. Von dem Gewebe der Getreidekeime unterscheidet sich das
des Mutterkornes durch die unregelmäßige Anordnung seiner polyedrischen Zellen.

E.	Sclnviirzepilzc. Mit diesem Sammelnamen bezeichnet man verschiedene Pilz-
arten, die teils als Parasiten auf dem Getreide leben, teils nur tote Pflanzenteile
oder durch andere Einflüsse (besonders durch Frost, Dürre u. a.) schon geschwächte
Pflanzen befallen. Ihr Luftmycel und ihre Konidien sind dunkelbraun gefärbt, so
daß von ihnen stark befallene Pflanzen bräunlich oder schwärzlich aussehen. Die
wichtigsten Vertreter dieser Gruppe sind folgende:

a)	Cladosporium herbarum Pers., die Konidienform der Mycosphaerella
Tulasnei. Der Pilz befällt parasitär nur geschwächte Pflanzen, ist aber besonders
häufig auf Getreide, das während der Ernte oder auch nach der Reife noch auf dem
        <pb n="427" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Die Pilze der Futtermittel.

403

Fig. 195. Cladosporium herharum
und Alternaria. Aus der Spaltöffnung
eines Weizenblattes tretende Konidien-
träger, die bei c Cladosporium-, bei d
Alternaria-Sporen abschnüren. Bei e und
links oben reife Sporen beider. (195-fach).

Nach Frank.

Halm stark beregnet ist. Er überzieht alle Pflanzenteile und erzeugt so die sogen.
„Schwärze“ des Getreides. Sein Mycel wuchert auf der Epidermis, aber auch
innerhalb der Gewebe. Das Luftmycel ist schwarzbraun, ebenso sind es die ovalen
ein- bis vierzelligen Konidien, die an der
Spitze der aufrechten, braunen Trägerhyphen
in Reihen abgeschnürt werden (Fig. 195).

b)	Alternaria Nees. Die Sporen der
neben Cladosporium fast immer vorhandenen
Arten dieser Gattung sind keulig, flaschen-
förmig, mauerartig geteilt, durch schmale
Zwischenstücke zu Ketten verbunden. Als
Parasit ist die auf Getreide vorkommende Art
nicht beobachtet. Uber die Zugehörigkeit zu
einer Askusform ist bisher nichts bekannt
(Pig. 195).

c)	HelminthosporiumÜMfc. Von dieser
Gattung unterscheidet man auf Getreide zurzeit
drei genauer bekannte Arten: H. gramineum,

H. teres und H. avenae, von denen letztere auf
Hafer, die beiden anderen Arten auf Gerste
schmarotzen. Auch auf Weizen und manchen
Gramineen findet man die eigenartigen Sporen

dieser Pilze. Von den auf Gerste und Hafer beobachteten Arten ist H. gramineum
ein gefährlicher Parasit, der nach Art der Brandpilze die ganze Pflanze durch-
wuchert und sie oft im Wachstum hemmt. Auf den Blättern solcher Pflanzen ent-
stehen lange, schmale, braune Streifen, die später einreißen, so daß die Blätter
zerschlitzt sind. H. teres und H. avenae sind wie die Eostpilze nur Blattpilze
Und anscheinend wie
Cladosporium herharum
Schwärzeparasiten. Sie
erzeugen braune Flecken
den Blättern. Auf
en braunen Blattflecken
wdet man bei allen drei
rten die braunen, auf-
rechten, sympodial ver-
Zeigten Konidienträger,

''e*cl|e die nur schwach
Se ärbten, wurmförmigen
^onidien von 12—22 ;i
icke und 15—160 fi

iu'ge tragen, die meist aus 2—6, manchmal aber auch aus
e en. Die Konidien sind bei allen Arten gleich (Fig. 196).
e miuthosporium gehört zu der Schlauchform Pleospora.

j,	Hie Sporen und die Konidienträger dieser Schwärzepilze findet man auch in

t	und Kleie zuweilen, da auch die Getreidekörner von dem Mycel dieser Pilze

snT a,,f (ler Oberfläche, teils im Gewebe durchwuchert werden. Der sogen, schwarz-
^ Zlge H°ggen und Weizen, die „braun“- und blauspitzige Gerste verdanken ihre
enartige Färbung dem braunen Mycel und den Sporen der Pilze oder braunen

26*

Fig. 196. Helminthosporium teres. Sporen und Konidienträger.
(200-fach). Nach Ravn.

10—12 Zellen be-
Die Konidienform
        <pb n="428" />
        ﻿404

Futtermittel.

Gummistoffen, die sich in den von dem Pilz durch wucherten Gewehsteilen bilden.
Die Scheinfrüchte der Gerste sind meist auf der Innenseite der Spelzen in-
fiziert durch diese Pilze, die während der Vegetationszeit auf den noch frei
liegenden Fruchtknoten gelangt sind. Der sogen. Oer-rag (Taumelroggen) Schwedens
und Ussuriens zeigt vorwiegend Schwärzepilze.

F.	Getreideblattpilze. Unter diesem Namen faßt man eine ganze Reihe ver-
schiedenartiger, meist unvollständig bekannter Pilze zusammen, die auf den Blättern

C	D

Fig. 197. A Septoria glumarum. Eine Pyknide unter der Blattoberhaut mit der Mündung an der
Spaltöffnung, links aufgerissen mit heraustretenden Sporen a, 195-fach; bei b einige Sporen 320-fach;
bei c Sporen der Septoria graminis, 320-fach. B Ascochyta graminicola. Eine Pyknide unter der
Blattoberhaut. Bei a heraustretende Sporen, 195-fach; bei b einige Sporen 320-fach. C Phoma Henne-
bergii. Eine Pyknide unter der Blattoberhaut. Bei a heraustretende Sporen, 195-fach; bei b Sporen
320-fach. D Sphaerella exitialis. Ein Perithecium unter der Blattoberhaut. Bei a aus dem auf-
gedrückten Perithecium austretende Asci, 195-fach; bei b ein Askus mit 8 Sporen; bei c einige Sporen

320-fach. Nach Frank.	%

der Getreidearten, vorwiegend des Weizens, schmarotzen. Von ihnen seien folgende
kurz erwähnt:
        <pb n="429" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Die Pilze der Futtermittel.

405

a)	Septoria Fries. Mehrere Arten dieser Gattung erzeugen auf den Blättern
ihre unter der Epidermis liegenden bräunlichen Pykniden, die lange, stabförmige,
meist mehrfach septierte Sporen enthalten.

h) Ascoohyta graminicola Sacc. erzeugt bräunliche Pykniden mit farblosen,
elliptischen, zweizeiligen Sporen.

c)	Phoma Hennebergii Kühn erzeugt auf Blättern und Spelzen des Weizens
schwärzliche Pykniden mit farblosen, elliptischen, einzelligen Sporen.

d)	Sphaerella exitialis Morini erzeugt auf Blättern braune Perithecien mit
mehreren Asci, die 8 eiförmige, farblose, zweizeilige Sporen enthalten.

(J. Der in den Samen der lolium-Arten enthaltene Pilz. Die Samen von
Lolium temulentum und L. remotum enthalten stets, die von L. perenne, L. italicum,
L. arvense und L. Linicolura zuweilen zwischen dem Nucellarrest und der Aleuron-

Fig. 198. Querschnitt durch die inneren Schichten der Loliumfrucht.
as äußere, is innere Samenschale, my Myceischicht, hy hyaline Schicht, al Aleuronschicht.
(400-fach). Nach Banausek.

Schicht, soweit das Endosperm reicht, eine aus
tangential zum Querschnitt verlaufenden Hyphen be-
stehende Pilzschicht. Dieser Pilz, dessen Züchtung noch
nicht gelungen ist und dessen Fruktifikation man nicht
kennt, wächst während der Entwickelung der Pflanze
Wie die Brandpilze mit ihr empor und entwickelt sich
dann im Fruchtknoten zu der im Samen sichtbaren
Schicht. Das in den Samen von Lolium temulentum ent-
haltene Mycel kann unter Umständen zum Nachweise
dieses Unkrautsamens in Mahlerzeugnissen dienen,
Weshalb es hier angeführt sei. In Roggenkörnern,
deren Mehl die sogen. Taumelkrankheit erzeugte, hat
rülieux ebenfalls das Mycel eines Pilzes, Phialea
temulenta, beobachtet.

2.	Pilze an den Rüben.

A. Blattpilze, a) Peronospora SchachtiiFuckel
'der falsche Meltau). Auf der Unterseite der Blätter ent-
stehen weißliche Schimmelrasen, die aus den Konidien-
trägern des Pilzes bestehen, der im Innern des Blatt-
gewebes zwischen den Zellen schmarotzt (Fig. 199).

b)	Uromyces Betae Tul. (Rübenrost). Auf den
"lüttem der Rüben erscheinen zuweilen rostrote und
dunkelbraune Häufchen, die aus den Sporenlagern dieses
üzes bestehen. Die gelben Uredosporen ähneln denen

Fig. 199. Oberhaut eines Rüben-
blattes mit aus einer Spalt-
öffnung wachsenden Konidien-
trägern von Peronospora
Schachtii. (440-fach).
Nach Frank.
        <pb n="430" />
        ﻿406

Futtermittel.

der Getreideroste, dagegen sind die braunen Teleutosporen einzellig, rundlich bis
oval (Fig. 200).

c)	Cercospora betieola Sacc. (Blattflecken-
krankheit). Auf den erwachsenen Blättern der Rübe
entstehen rundliche, graue Flecken mit rötlichem Rande
von 1—2 mm Durchmesser, auf denen man die Konidien-
träger des Pilzes mit schwanzähnlichen, vielzelligen
Konidien findet, der zwischen den Zellen des Blattes
wächst (Fig. 201).

d)	Sporidesmium putrefaciens Fackel (Blatt-
bräune). An den älteren Blättern treten große, gelbe

Stellen auf, die unter Bräunung vertrocknen. Auf den toten Teilen findet man
stellenweise schwärzliche Überzüge, die aus den Konidienträgern mit vielzelligen
Keulensporen des in der Oberhaut lebenden Pilzes bestehen (Fig. 202).

Fig. 200. üredo- und Teleuto-
sporen von UromycesBetae.
(440-fach). Nach Frank.

Fig. 201. Blatt mit Konidienträgern und
Konidien von Cercospora betieola.
(440-fach). Nach Frank.

Fig. 202. Blattoberhaut mit den Konidien-
trägern von Sporidesmium putrefaciens
und Konidien. Links zweizeilige elliptische
Cladosporium-Sporen. (440-fach).

Nach Frank.

B. Pilze der Rübemvurzel. a) Pilze der Trockenfäule. In trocknen
Sommern sterben die jüngsten Herzblätter zuweilen plötzlich unter Schwarzwerden
ab. Gleichzeitig entstehen an dem oberen Ende der Rüben an einer oder beiden
Backen mißfarbige Stellen, unter denen das Fleisch etwas grau ist. Allmählich
werden sie braun und mürbe und vergrößern sich; auch bei den eingemieteten Rüben
geht der Absterbevorgang weiter. In dem kranken Gewebe findet man die Hyphen
von Pilzen (Fig. 203), deren Fruktifikationsorgane sowohl auf der Oberfläche
der kranken Stellen als auch auf den toten Blattstielen entstehen. Häufig findet
man Pykniden von Phoma Betae Frank als kleine schwarze Pünktchen (Fig. 204),
zuweilen auch die weißlichen Polster von Fusarium betieola Frank (Fig. 205).

b)	Die Rübenschwanzfäule. Das Schwanzende des Rübenkörpers wird
im Sommer zuweilen schwärzlich oder bläulich-grau, welkt und schrumpft ein. Das
Innere ist tot, dunkler gefärbt und speckig. Die Urheber dieser Erkrankung sind
        <pb n="431" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Die Pilze der Futtermittel.

407

vermutlich Bakterien, die man in großen Mengen in den Zellen und auch in dem
gesunden Teil der Eiihe in den Gefäßen findet.

Fig. 203. Schnitt durch eine trockenf'aule Rübe, in deren Zellen das Myoel von Phoma Betae wuchert.
In den kranken Zellen ist der Protoplast gebräunt und zusammen gezogen. Nach Frank.

Fig. 204. Pykniden von Phoma Betae.
Nach Frank,

Flg, 205. Konidienträger mit Konidien
von Fusarium beticola, aus einem
kranken Rilbenstück hervorwachsend.
(440-fach). Nach Frank.

3.	Pilze an den Kartoffeln.

A. Der Kartoffelpilz, Phytophtora iufestans. Dieser zu den Peronosporeen
gehörende Pilz erzeugt im Sommer an den Blättern große, braune, später trocken
Werdende Stellen, an deren Rand die Konidienträger des Pilzes als weißlicher Anflug
bei feuchtem Wetter sichtbar sind, die aus dem in dem Blatte schmarotzenden un-
datierten Mycel sympodial verzweigt oder unverzweigt aufsteigen. An den Spitzen
ber Verzweigungen entsteht eine ovale Konidie, die leicht ahfällt (Pig. 206, S. 408).

Der Kartoffelpilz befällt nicht nur das Kraut, sondern auch die Knollen und
lst ein häufiger

Oberflä’i rr.eger &lt;*er Kartoffelfänle. Die von ihm befallenen Knollen zeigen an der
das Zell 6 &lt; ln^esuilbenc, mißfarhige Stellen, an denen das Fleisch stark gebräunt,
itycei dt,C"p'J° We^c^ un&lt;^ sßblaff ist. Zwischen den Zellen wuchert das querwandlose
es ilzes. Die Stärkekörner werden nicht verändert (Fig. 207, S. 408).
        <pb n="432" />
        ﻿408

Futtermittel.

Fig. 206. Phytophtora infestans.

A Durchschnitt durch ein krankes Kartoffelblatt; m Mycel des Pilzes mit einem durch eine Spalt-
öffnung herausgewachsenen Ast s; uund o Epidermis der Unter- und Oberseite des Blattes. (170-fach).
B ein Stückchen Epidermis mit den Spaltöffnungen s s, durch welche Fruchthyphen gewachsen sind.
(200-fach). C ein Zweig der Fruchthyphe mit einer Spore. (300-fach). D eine reife Konidie. (500-fach).
E eine reife Konidie in der Form eines Sporanglums keimend, die jungen Schwärmsporen aus-
schlüpfend. (400-fach). F zwei entwickelte Schwärmsporen. G eine aus einer Schwärmspore ent-
standene ruhende Spore mit Keimschlauch keimend. (400-fach).

Fig. 207. Phytophtora-Fäule der Kartoffel.

Zwischen den Zellen die Hyphen des Pilzes. Stärkekörner unverändert. (195-fach). Nach Frank.
        <pb n="433" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Die Pilze der Futtermittel.

409

Ein anderer Erreger der Kartoffelfäule ist nach Frank ein von ihm als
Ehizoctonia solani beschriebener Pilz, der auf der Schale gesunder Knollen eine gut-
artige Pockenhildung verursacht, zuweilen aber auch in das Zellgewebe hineinwächst und
sowohl in, als zwischen den Zellen wuchert (Fig. 208).

Unter seiner Einwirkung schrumpfen die Stärkekörner
ein und verschwinden schließlich ganz. Die Kartoffel
wird wässerig-weich und nimmt das Aussehen einer ge-
kochten Eübe an. Ein dritter Fäulniserreger ist der
für gewöhnlich nur sekundär auf faulen Kartoffeln auf-

Naoh Frank.

Fig. 209. Fusarium solani.
Konidienträger mit Konidien.
(320-fach). Nach Frank.

tretende Hyphomycet Fusarium Solani Mart., der aber zuweilen auch gesunde Ka^
toffeln zum Faulen bringt. Sein septiertes Mycel wachst zwischen und	faulenden

zerstört die Zellhäute, aber nicht die Stärkekbrner. Auf der Oberfla
Knollen entstehen weißliche Schimmel-
rasen, die aus den aufrechten, büschelartig
verzweigten Konidienträgern bestehen, an
deren Spitze sich spindelförmige, mehr
oder weniger gekrümmte, mehrzellige
Konidien abschnüren (Fig. 209).

Außer diesen höheren Pilzen treten
auch Bakterien als die Erreger der
Kartoffelfäule auf. Teils befallen diese
Kilze gesunde Knollen, teils auch nur
schon kranke oder tote. In ersterem
Kalle wird meist die Interzellularmasse
gelöst, so daß sich die Zellen trennen;
dagegen werden die Zellhaut und die
Stärkekbrner nicht verändert und die

Bakterien befinden sich nur zwischen,	7Pikaft	tritt

Ilichl in den Zellen. Gleichzeitig wird der Protoplast ge^et und d	^ yon

aus&gt; so daß die Kartoffel zu einem feuchten Brei zerfallt (Fig. -	)•	di

solchen Bakterien befallene Knollen als Saatgut benutzt werden, so wandern

Fig. 210. Bakterienfäule der Kartoffel.
Zwischen den anseinandergelösten Zellen die
Bakterien. Stärkekörner unverändert.
(320-facli). Nach Frank.
        <pb n="434" />
        ﻿410

Futtermittel.

Pilze zuweilen auch auf die Basis der Stauden über und zersetzen diese zu einer
schmierigen, schwärzlichen Masse. Solche „schwarzheinigen“ Stauden gehen ein.
Genauer beschrieben ist von solchen Bakterien besonders Bacillus phytophtorus
Appel.

Die Fäulnis abgestorbener Knollen wird nach Wehmer stets durch zwei
sporenbildende Stäbchenarten eingeleitet, von denen das eine, Amylobacter navicula,
Zellulose, das andere, Bacillus II, Pektinstoffe löst.

Amylobacter navicula zeichnet sich durch die Spindelform seiner Zellen
(7 — 9 x 1,5 — 3 fi) und den Gehalt an Granulöse aus. Bacillus II bildet lange,
schlanke Stäbchen (3 — 14 x 0,7 — 1 fi, im Mittel 7x1 fi), die nicht selten in Ver-
bänden von 20—30 fi Länge angeordnet sind.

In späteren Fäulnisstufen findet man noch andere Stäbchen- und Kugel-
bakterien.

Fig. 211. Bakterien der Kartoffelfäule. A Amylokacter navicula, zum Teil mit Endosporen.

B u. C Bacillus If. B Sporangien. C Stäbchen und Zellfäden. Nach Wehmer.

C.	Der Schorf der Kartoffeln. Auf der Schale der sonst ganz gesunden
Kartoffelknollen entstehen kleinere oder größere Flecken von rauher, runzliger Be-
schaffenheit, die manchmal eingesunken, manchmal etwas erhöht, manchmal auch in
der Ebene der Schale liegen. Es ist ziemlich sicher, daß auch der Schorf durch
Lebewesen erzeugt wird, doch ist über ihre Natur noch nichts bekannt.

D.	Die Elseufleckigkeit der Kartoffeln. In dem sonst ganz gesunden Fleisch
der Knollen zeigen sich rostrote Flecken und Linien. Diese Erscheinung, die leicht
mit Fäule verwechselt wird, hat damit nichts zu tun. Über die Ursache der Flecken-
bildung weiß man nichts; Pilze sind daran nicht beteiligt. Da die eisenfleckigen
Kartoffeln so haltbar wie normale sind, auch als Saatgut ohne Nachteile verwendet
werden können, so handelt es sich nur um einen Schönheitsfehler, der auf ihren
Wert als Futtermittel oder Saatgut keinen Einfluß hat.

4.	Pilze an den Leguminosen.

A.	Die Rostpiize. Auf den Blättern verschiedener Leguminosen entstehen rost-
rote, später schwarzbraune Flecken, die aus den Konidienträgern verschiedener
Arten der Gattung Uromyces bestehen. Die Uredosporen ähneln denen der Gattung
Puccinia, die Teleutosporen dagegen sind einzellig, rundlich, gestielt. Nach „dem
Bau der Sporenhaut der Teleutosporen kann man die einzelnen Arten bis zu einem
gewissen Grade unterscheiden (Fig. 212, S. 411).
        <pb n="435" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Die Pilze der Futtermittel.

411

B.	Die Meltaupilze. Auf den Blättern verschiedener Leguminosen entsteht im
Spätsommer ein weißer Überzug, der aus dem Mycel und den Sporenträgern von
Erisyphe Martii Lev. besteht. Später zeigen sich zahlreiche schwarze Punkte in dem
weißen Mycel: die Perithecien des Pilzes. Die Formen dieses Pilzes entsprechen im
ganzen denen von Erisyphe graminis. Die Waldwicke, Lathyrus silvestris, weniger

Fig. 212. Die Teleutosporen der Legnminosenroste.
a Kleerost (üromyces apiculatns), b Luzernerost (D. strlatus), c Wickenrost (U. Viciae Fabae), d Bohnen-
rost (U. appendiculatus), e Erbsenrost (U. Pisi), f Lupinenrost (ü. Anthyllldls). (440-fach). Nach Frank,

andere Leguminosen, wird auch sehr stark von dem falschen Meltau, Peronospora
Viciae de By., befallen, deren Konidienträger denen von P. Betae gleichen.

C.	Die Blattfleckenpilze des Klees. Auf den Blättern verschiedener Kleearten
entstehen zahlreiche kleine, schwarze Flecken, die durch die Konidienträger eines
Pilzes, Polythrincium
Trifolii Kze., gebildet
Werden. Polythrincium ist
vermutlich die Konidienform
(Eig. 213) eines Pyreno-
myceten Phyllachora Trifolii
-Eucfcel, dessen Perithecien auf
den vertrockneten Blättern

entstehen.

Auf den Blättern des
Pot- und Weißklees werden
etwas größere, gelbe, dann
trockne, braune Flecken durch
einen Askomyceten, Pseudo-
Peziza Trifolii Bernh.,
erzeugt, dessen Apothecien
in der Mitte dieser Flecken entstehen (Fig. 214).

D.	Die Fleckeukraukheit der Bohne und Erbse. Auf den Hülsen der Bohne
ünd Erbse entstehen durch Pilzinfektion braune, eingesunkene Flecken. Das Pilz-
mycel geht zuweilen auch auf die Samen über, deren Schale dann mißfarbige, braune,
eingesunkene Flecken zeigt. Solche Samen sind sonst ganz normal ausgebildet und
keimen auch, doch gehen die Pflanzen meist an der Infektion zugrunde. Der an
den Bohnen auftretende Pilz ist Gloeosporium oder Colletotrichum
Pindemuthianum Sacc., der an den Erbsen: Ascochyta Pisi Tib. An den
''raunen Infektionsstellen zeigen sich bei beiden Krankheiten dunkle Punkte, die
äus den Sporenlagern bezw. den Pykniden der Pilze bestehen (Fig. 216, S. 412). An
Erbsensamen ist die Infektion durch den Pilz nicht immer ohne weiteres mit
Sicherheit zu erkennen. Legt man aber verdächtige Samen zwischen feuchtes
k üeßpapier, so bricht durch die Schale mit Ascochyta infizierter Samen nach
Wenigen Tagen das Mycel und es entstehen an ihm die kennzeichnenden Pykniden.

Fig. 213. Konidienträgerbüschel
von Polythrincium Tri-
folii mit Konidien. (320-fach).
Nach Frank.

Fig. 214. Apothecium von
Pseudopeziza Trifolii auf
einem Kleeblatt. (20-fach). Da-
neben ein Sporenschlauch mit
Sporen. (320-fach).

Nach Frank.
        <pb n="436" />
        ﻿412

Futtermittel.

Fig. 216.

Sporenlager von Colletotrichum
Lindemuthlanum auf einem
Bohnenfleck. (65-fach). Darüber zwei
Sporen. (260-fach). Nach Frank.

Fig. 216.

Pyknide von Ascoohyta Pisi.

(200-fach). Daneben Sporen.
(600-fach). Darunter zwei Erbsen
mit Infektionsherden.

Nach Frank,

5.	Pilze an den Cruciferen.

A. Plasmodiophora Brassicae Wor. (Kohlhernie, Kropf). An den Wurzeln
aller Abkömmlinge von Brassica Eapa, B. Napus und anderen Cruciferen entstehen
zuweilen eigenartige Auswüchse, Geschwülste und Verästelungen von manchmal

riesigem Umfange. Sie werden durch vermehrte Zellteilung und Vergrößerung der
Zellen veranlaßt, die durch den Reiz des im Zellinnern lebenden genannten Schleim-
pilzes hervorgerufen werden, dessen Plasmodien schließlich ganz in kleine, kugel-
runde Sporen zerfallen.
        <pb n="437" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Die Pilze der Futtermittel.

413

B.	Peronospora parasitiea de JBy.; Cystopus candidns Lev. Diese zu den
Peronosporeen gehörenden Pilze treten häufig an Cruciferen auf. Peronospora
parasitiea erzeugt weißliche Flecken an der Unterseite der Blätter, Cystopus
candidus rundliche oder länglich erhabene, gelblich-
weiße Schwielen an Blättern, Stengeln und Bluten-
ständen, wobei letztere meist sich krümmen und sehr
verdicken. Die weißlichen
Flecken bestehen bei beiden
Arten aus den Konidien-
trägern, von denen die der
Peronospora ganz denen
der Peronospora Viciae
gleichen, während die von
Cystopus unverzweigt sind
und an der Spitze Ketten
von Konidien abschnüren
(Fig. 218). Die Über-
winterung der Pilze er-
folgt durch Oosporen, die
im Innern der Pflanzenteile gebildet werden.

C.	Sporidesmium exitiosum Kühn (Schwärze des Eapses). Auf den grünen
Teilen des Rapses, besonders auf den Schoten, entstehen kleine, schwarzbraune
Flecken, auf denen man die Konidienträger des im Innern des Gewebes schmarotzenden
Pilzes findet (Fig. 219). Bei frühzeitigem Befall leidet der Raps sehr von diesem
Parasiten. Auch in Rapskuchen findet man zuweilen die Sporen des Pilzes.

Fig. 218.

Sporenlager von Cystopus
candidus. (260-fach).
Nach Frank.

Fig. 219.

Eapsblatt mit Konidien-
trägern und Konidien von
Sp ori desmium exitiosum.
(260-fach). Nach Frank.

Die Beurteilung von Futtermitteln, die von parasitären Pilzen befallen sind.

Es wird vielfach behauptet, daß von parasitären Pilzen befallene Pflanzen
Vergiftungen hervorrufen, die sich besonders auf die großen Nervenzentren erstrecken.
In erster Linie werden die Brandpilze, von ihnen wieder Tilletia Caries und
Ustilago Maydis als besonders giftig bezeichnet. Auch die Eostpilze der Gramineen
(besonders die Uredosporen von Puccinia graminis und Puccinia arundinacea auf Schilf)
und die der Papilionaceen sollen giftig wirken. Ebenso wird dies von Sporidesmium
exitiosum, dem Eapsverderber, Polythrinoium Trifolii, dem Kleeschwärzepilz, Epichloe
typhina, dem Erstickungsschimmel der Gräser, den Erisypheen, Cladosporium
berbarum u. a. behauptet. Demgegenüber muß aber hervorgehoben werden, daß
zwingende Beweise für die Giftigkeit dieser Pilze oder der von ihnen befallenen Pflanzen
nicht erbracht sind. Einwandfreie Fütterungsversuche liegen überhaupt erst für einige
Brandpilze, Eostpilze und Cladosporium herbarum vor, und diese haben sämtlich er-
gehen, daß auch viel größere Mengen der betr. Pilze, als in der Praxis je aufge-
nommen werden, keine Krankheitserscheinungen hervorrufen. Nur bei kleineren
Tieren wirken die Sporen von Tilletia Caries zuweilen tödlich und zeigen auch die
von ihnen oft behauptete Einwirkung auf den schwangeren Uterus. Man darf aber
trotz dieser negativ ausgefallenen Versuche nicht vergessen, daß stark von Pilzen
befallene Pflanzen infolge des schnellen Absterbens ihrer Organe auch andere saprophyte
Organismen oft in großer Menge, zuweilen auch mikroskopisch kleine Tiere enthalten,
die auf gesunden Pflanzen fehlen und über deren Einwirkung auf den Tierkörper oder
deren Stoffwechselerzeugnisse wir nichts wissen. Auch ist mit der Möglichkeit zu
rechnen, daß die Ernährung von Parasiten befallener Pflanzenteile gestört ist und
daß vielleicht schädliche Stoffwechselerzeugnisse entstehen. Man. wird daher ein
        <pb n="438" />
        ﻿414

Futtermittel.

stärker von parasitären Pilzen befallenes Futtermittel stets als minderwertig be-
zeichnen und bei seiner Yerfütterung zur Vorsicht mahnen müssen. Durch eine
Probefütterung mit kleinen Mengen wird sich leicht ein Urteil Uber die Be-
kömmlichkeit eines befallenen Futtermittels erzielen lassen. Von der Yerfütterung
von Leguminosen, die von Uromyces-Arten befallen sind, und von mit Puccinia
arundinacea besetztem Schilf muß vorläufig ganz abgeraten werden. Zweifellos in
hohem Grade giftig ist von den angeführten Pilzen, -wie bekannt, das Sklerotium
von Claviceps purpurea (Mutterkorn). Es ist nicht ausgeschlossen, daß die ziemlich
kleinen Sklerotien der auf Futtergräsern lebenden Claviceps-Arten, die leicht über-
sehen werden, Vergiftungen durch andere Pilze vorgetäuscht haben.

6.	Die in Futtermitteln vorkommenden saprophytischen Pilze.

A.	Eumyceten. Von diesen kommen einige Arten der Mucoreen, der
Perisporiaceen, ferner raoniliaartige und andere Sproüpilze in Betracht.

Fig. 220. A Mycel und Spor angienträger mit Sporangien von Mucor mucedo. (Sch wach vergrößert).
Nach Knys Wandt, aus Reinkes Lehrbuch. B Querschnitt durch ein Sporangium.

Die zu den Zygomyceten gehörenden Mucoreen bilden ein kräftiges, weißes,
scheidewandfreies Mycel, aus dem sich aufrecht starke, zuweilen unverzweigte,
zuweilen auch monopodial oder sympodial verzweigte Träger erheben, an deren
Spitze ein kugeliges Sporangium entsteht. Die Wand der Sporangien, die zahlreiche
runde Sporen enthalten, berstet oder zerfließt bei der Reifung. Außer dieser un-
geschlechtlichen kommt noch eine geschlechtliche Fruktifikation durch Zygosporen
vor. Die wichtigsten Vertreter der Mucoreen sind folgende:

a)	Mucor mucedo L., eine sehr verbreitete Art, mit unverzweigten Sporangien-
trägern und großen, schwarzen Sporangien.

b)	Mucor racemosus Fresenius ist seltener und hat verzweigte Sporangienträger
mit kugeligen, 30—40 cm dicken, bräunlichen Sporangien.

c)	Phycomyces nitens Agardh, eine besonders auf Ölkuchen häufige Art, mit
10—30 cm hohen Sporangienträgern und bis zu 1 mm dicken, schwarzen Sporangien
mit gelblichen Sporen.
        <pb n="439" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Die Pilze der Futtermittel.

415

d)	Ehizopus nigricans Ehrenberg, eine überall gemeine Art, deren Mycelfäden
lange, stolonenartige Seitenzweige treiben, die im Bogen durch die Luft wachsen,
mit ihren Enden die Unterlage berühren und hier eigen-
artige Haftorgane in Form rosettenartig angeordneter
verzweigter Hyphen treiben (Fig. 221).

Von den zu den Askomyceten gehörenden
Perisporiaceen kommen vorwiegend in Betracht die
Gattungen Eurotium (Aspergillus) und Penicillium.

Das Mycel dieser Pilze ist wesentlich feiner als das der
Mucoreen und in zahlreiche Zellen geteilt. Beiden
Gattungen gemeinsam ist der Bau der Konidienträger.

Sie sind unverzweigt, ein- oder mehrzellig und tragen

an dem oberen Ende einfache oder verzweigte kleine, Fig, 2si. Ein stolo von
flaschenförmige Gebilde (Sterigmen), an deren Ende	RMzopus nigricans mit

basipetal Konidienketten abgeschnürt werden. Bei den SägerT^faoh^iSz^p’f'
hier in Betracht kommenden Aspergilleen sind die

Träger meist einzellig und am Ende blasenförmig angeschwollen, bei den Penicillien
sind sie mehrzellig und bilden im oberen Teile kurze Zweige. Am Ende des Hauptfadens
wie der Seitenäste entstehen Sterigmen. Für einige Arten ist auch die Schlauch-
form bekannt, die entweder direkt zur Ausbildung gelangt oder erst in einen sklero-
tiumartigen Ruhezustand übergeht, aus dem später die Schlauchbildung erfolgt. Die
Schlauchformen der Aspergilleen werden meist als die Gattung Eurotium, die schlauch-
losen als Aspergillus zusammengefaßt.

Die wichtigsten Arten sind:

a)	Eurotium herbariorum de By. (Asp. glaucus) und E. repens, die
häufigsten, wolü identischen, Arten der Aspergilleen. Die Konidien (Fig. 222)

Fig. 222. Kolbenschimmel (Eurotium herbariorum oder Aspergillus glaucus).

B ^y1ce^ium ramm mit einem Konidienträger c und einem jungen Perithecium F. (190-fach).

Kolbenförmiges Ende des Konidienträgers mit einigen Sterigmen, die Sporenabschniirung zeigend.
q	(250-fach).

Und B Entwickelung der Perithecien; E ein Askus mit Sporen aus einem Perithecium. (600-fach).
        <pb n="440" />
        ﻿416

Futtermittel.

sind in Masse blaugrün gefärbt, im einzelnen farblos, durchsichtig, rund und mit
feinen Höckern besetzt.

Den Anfang der geschlechtlichen Fortpflanzung stellen korkzieherartig gewundene
Äste, die Askogone, deren Windungen bald infolge näheren Zusammenwachsens eine hohle
Schraube bilden, dar (Pig. 222 f, S. 415). Diese Äste heißen Askogone. An der untersten
Windung dieser Organe entsteht das Pollinodium, welches, an dem Askogon emporwachsend,
mit seiner Spitze der obersten Windung sich dicht anlegt. Nachdem durch Verschmelzung
der beiden Geschlechtszellen eine Befruchtung eingetreten ist, umhüllt sich das Askogon
mit einer Schicht polygonaler Zellen. Bald darauf treten in dem schraubenförmigen Gebilde
des Askogons zahlreiche keulige Ausstülpungen auf, welche sich verzweigen und dicke,
kurzkeulige Asci mit 8 Sporen entwickeln (Fig. 222 E, S. 415).

Bei der Reife lösen sich die Schlauchmembrane und nun liegen die Sporen in Gestalt
bikonvexer Linsen und an der Kante mit einer Ringfurche versehen frei in dem brüchigen,
äußerlich von einer schwefelgelben, harzartigen Masse bedeckten Perithecium.

Diese Askosporen erzeugen bei ihrer Keimung ein Mycelium, das zunächst Konidien
und weiterhin wieder Perithecien entwickelt.

Dem Eurotium herbariorum sehr nahe verwandt ist eine als Eurotium
medium Meifsner beschriebene Schimmel-Art, die sich durch die Erzeugung eines
tiefroten Farbstoffes auszeichnet und neben Eurotium herbariorum häufig in
schimmeligen Ölkuchen auftritt.

ß) Aspergillus flavus de By. unterscheidet sich von den genannten Arten
durch die gelbe Farbe der Sporenmassen. Von dieser Art kennt man nur Sklerotien.

A ein Konidienträger f aus einer Mycelhyphe m ent-
springend; B das pinselförmig verzweigte Ende der Fig. 224. Mllchschimrael (Oldlum lactls
Fruchthyphe mit den Sporenketten auf den Zweigenden,	Fresenius). Myoel mit Konidienketten C.

(430-fach). Nach Zopf.	(890-faoh). Nach de Bary.

Sie kommt etwas seltener auf Futtermitteln vor und entwickelt sich besonders bei
höheren Temperaturen.

Von der Gattung Penicillium ist nur eine Art, P. glaucum Link, hiervon
Interesse. Es ist dies der gewöhnliche grüne Schimmel, die häufigste Art. Ihre
Konidien sind in Menge blaugrün. Außer der Konidienfruktifikation (Fig. 223)
bildet P. glaucum noch Sklerotien, aus denen später in ähnlicher Weise wie bei
Eurotium die Schlauchfruktifikation entsteht.
        <pb n="441" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Die Pilze der Puttermittel.

417

Ein zuweilen in Futtermitteln auftretender Pilz ist der bekannte Milch-
schimmel, Oidium lactis. Er bildet gabelig verästelte, durchsichtige Hyphen, die sich
in ihrem oberen Teil durch häufige Querwandhildung in Konidien auflösen (Fig. 224).

Nach A. Spieckermann.

dieses sind die einzigen bekannten Yermehrungsorgane. Uber die systematische
Stellung des Pilzes ist Sicheres nicht bekannt.

In den Ölkuchen und daraus hergestellten Mehlen findet man oft auch moniha-
artige Pilze, die außer Fadenmycel auch Sproßmycel bilden und eine außer-
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.
        <pb n="442" />
        ﻿418

Futtermittel.

ordentliche Mannigfaltigkeit der Wuchsformen zeigen. Ihre Kolonien sind kreide-
weiß. Die Mycelfäden dieser Monilia-Pilzo teilen sich wie die von Oidium lactis in
gestreckte Oidien auf, aus denen in diesem Falle aber wieder kleine, kugelrunde
torulaartige Zellen sprossen, die meist infolge ihres Fettgehaltes stark lichtbrechend
sind. Diese Torulakonidien entwickeln auf geeigneten Nährböden anfangs meist ein
Sproßmycel elliptischer Zellen, an dem erst etwas später wieder Mycelfäden auf-
treten. Ebenso wie die in Oidien aufgeteilten Fäden treiben auch die elliptischen,
hefenartigen Zellen schließlich die kugelrunden, torulaartigen Zellen (Fig. 225, S. 417).

Ferner kommen in Futtermitteln Sproßpilze verschiedener Art, und zwar
echte Saccharomyceten, Mycoderma- und Torula-Arten vor.

Die Schimmelpilze pflegen erst bei einem Wassergehalt der Futtermittel
von 14—15 °/0 aufzutreten. Das Schimmeln wird meistens durch Eurotium repens
eingeleitet, dem bald unter Umständen Eurotium rubrum folgt. Bei einer Feuchtigkeit
von etwa 20 °/0 erscheint eine Anzahl weißer Pilze, die sowohl Sproßmycel als
Fadenmycel bilden; bei 25°/0 Feuchtigkeit beschließt meistens Penicillium glaucum
die ScMmmelung; bei einer solchen von 30 °/0 gewinnen die Schizomyceten die
Oberhand in den Futtermitteln. Die Schimmelpilze verzehren in den Futter- und
Nahrungsmitteln in erster Linie Kohlenhydrate, dann aber auch Fett, so daß
stark verschimmelte Futter- und Nahrungsmittel nur mehr wenig Kohlenhydrate
und wenig Fett (bei den lange und schlecht aufbewahrten Ölkuchen) enthalten und
dabei an Protein sich relativ d. h. prozentig anreichern.

B.	Schizomyceten. Alle Futtermittel enthalten Bakterien der verschiedensten
Art. Eine Unterscheidung nach dem mikroskopischen Bilde wie bei höheren Pilzen
ist hier ausgeschlossen, da der Wechsel der Formen zu geringfügig ist. Eine sichere
Erkenntnis der verschiedenen Arten ist nur durch morphologische und physiologische
Untersuchungen an den rein gezüchteten Pilzen möglich und solche Untersuchungen
werden, wenn sie ihren Zweck erreichen sollen, einem geschulten Bakteriologen
überlassen werden müssen.

Von den saprophytischen Bakterienarten der Futtermittel seien als die
wichtigsten folgende Arten erwähnt:

a) Kohlenhydrate vergärende Bakterien.

Hierher gehören zunächst die Milchsäure-Bakterien, von denen sowohl
Kokken- wie Stäbchenbakterien auftreten. Teils vergären sie die Zuckerarten ohne
Gasentwickelung, teils unter Entwickelung von Wasserstoff und Kohlensäure. Zu der
ersten Gruppe gehören diejenigen Arten, die die regelrechte Säuerung beim Ein-
säuern des Grünfutters, des Sauerkrautes, der Sauerteiggärung durchführen, und
die sich durch die Fähigkeit, besonders große Mengen Säure zu bilden, auszeichnen.
Sie sind die Milchsäure-Bakterien par excellence und sind dem Bacterium lactis
acidi Leirhmnnn, der Hauptsäuerungs-Bakterie der Milch, verwandt. Zu der zweiten
Gruppe gehören die Verwandten des Bacterium lactis aerogenes und Bacterium coli.
Sie erzeugen außer Milchsäure aus Zuckern meist noch andere Säuren, insbesondere
Bernstein- und Essigsäure, ferner Wasserstoff und Kohlensäure, und sind gegen
höhere Säuregrade meist empfindlicher als die Arten der ersten Gruppe.

Die Milchsäure-Bakterien wachsen sowohl bei Luftzutritt wie -abschluß, besser
unter letzterer Bedingung.

Eine andere Gruppe von Säuerungs-Bakterien sind die Buttersäure-Bak-
t e r i e n, die teils Laktate teils Kohlenhydrate zu Buttersäure vergären. Bei den Gär- oder
Sauerfuttermitteln ist diese Art der Gärung nicht erwünscht. Bei Anwesenheit einer
genügenden Menge Milchsäure-Bakterien tritt die Buttersäure-Gärung nicht ein, da die
        <pb n="443" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Die Pilze der Futtermittel.

419

Milchsäure auf ihre Erreger stark entwickelungshemmend wirkt. Die Buttersäure-
Bakterien sind sämtlich ziemlich große Stäbchenbakterien, die teils aerob, teils streng
anaerob leben und Endosporen erzeugen.

In dritter Linie wären zu erwähnen die Essig-Bakterien, die Äthylalkohol
zu Essigsäure vergären, bei richtiger Leitung der Futtergärung aber kaum eine
Rolle spielen.

b)	Protein zersetzende Bakterien.

Die Protein zersetzenden Bakterien sind teils Aerobier teils Anaerobier. Zu
ersteren gehören die überall auftretenden Stäbchenbakterien aus der Gruppe des
Bacillus mesentericus („Kartoffelbazillen“) und des Bacillus subtilis (Heubazillen),
die sämtlich außerordentlich widerstandsfähige Endosporen bilden; ferner die Bakterien
der Gruppe des Bacterium (Proteus) vulgare. Von den anaeroben Proteinzersetzern
ist in erster Linie Bacillus putrificus zu nennen, der wichtigste Fäulnispilz, der in
den Futtermitteln stets vorhanden ist. Br ist eine Stäbchenbakterie, die ihre ovalen
Endosporen an einem Ende der Zelle erzeugt, so daß trommelschlägelartige Gebilde
entstehen.

Von pathogenen Pilzen, die durch Futtermittel übertragen werden können,
ist besonders Bacillus anthracis, der Erreger des Milzbrandes, und Bacillus
Chauvoei, der Erreger des Eauschbrandes, zu erwähnen, deren Dauerformen sich
im Boden und auf manchen Weiden erhalten. Ferner kommt auf Getreideteilen häufig
der Erreger der sog. Strahlenkrankheit, der Hyphomycet (Actinomyces bovis) vor.

Der Nachweis der saprophytischen Pilze.

Der Nachweis der saprophytischen Pilze in Futtermitteln kann in manchen
Fällen durch mikroskopische Untersuchung, meist aber nur in Verbindung mit dem
Kulturverfahren erfolgen. In stark verschimmelten Futtermitteln findet man die
Pilzhyphen schon bei mikroskopischer Durchmusterung, unter Umständen auch die
kennzeichnenden Konidienträger. Mehlige Stoffe (Kleie, Mehle, Ölkuchenmehle)
schließt man vorteilhaft mit etwas verdünnter Natronlauge im Becherglase auf
dem Wasserbade auf und behandelt sie dann noch einige Male mit heißem Wasser. In
Futtermitteln, in denen eine starke Vermehrung der Bakterien stattgefunden hat, kann
man durch Anlegen eines gefärbten Präparates von einer Emulsion in Wasser zuweilen
schon zu einem Urteil gelangen, zumal wenn man dabei die Zellform der Bakterien,
das Aussehen, die Krümelung, die Reaktion usw. des Futtermittels beachtet (vergl.
auch S. 253).

Im allgemeinen zeigen mehlige Futtermittel, in denen eine starke Bakterien-
Vermehrung stattgefunden hat, eine etwas krümelige Struktur, da sie infolge der
starken Durchfeuchtung zusammengebacken waren. Häufig auch haben sie ihre
natürliche Farbe eingebüßt und einen stechenden oder dumpfen Geruch angenommen.
Alkalische Reaktion spricht in allen Fällen für tiefgreifende Zersetzungen, saure
dagegen nicht immer.

Mehlige Futtermittel, die verschimmelt sind, haben oft auch die leichte \ er-
schiebbarkeit der Teilchen verloren,. sie „fallen“ nicht. Der Geruch ist zuweilen,
zumal wenn man die Probe einige Tage im verschlossenen Glase stehen läßt, dumpfig.
Ist ein verschimmeltes Futtermittel nicht vorher absichtlich getrocknet, so findet
man stets einen höheren Feuchtigkeitsgehalt. Bei mehr als 14°/0 Feuchtigkeit
ist bei mehligen Futtermitteln und Kuchen stets Verdacht auf Verschimmelung vor-
handen. Bei Melassen liegt diese Grenze höher. Manchmal auch ist in ver-
schimmelten Ölkuchen und -mehlen mit flüssigem Fett letzteres so zersetzt, daß der
Atherauszug bei Zimmertemperatur kristallinisch erstarrt (vergl. vorstehend S. 418).

27*
        <pb n="444" />
        ﻿420

Futtermittel.

In allen zweifelhaften Fällen — und diese bilden in der Praxis die Mehrzahl —
wird man mit der mikroskopischen Untersuchung auch das Kulturverfahren ver-
binden, indem man bestimmte Mengen des Futtermittels mit einer Nährgelatine
vermischt und zu Guß-Platten verarbeitet. Zum Nachweis der Schimmel benutzt
man vorteilhaft eine 10 %-ige Lösung von Gelatine in Bierwürze, die nicht
neutralisiert wird, zum Nachweis der Bakterien eine solche in Fleischabkochung,
die mit Sodalösung genau neutralisiert werden muß. Aus der Zahl und der Art
der auf den Platten wachsenden Pilzkolonien läßt sich dann bei einiger Übung ein
Schluß auf etwaige Veränderungen des Futtermittels ziehen. Das Kulturverfahren
allein genügt für die mykologische Kontrolle der Futtermittel nicht, denn es kann
Vorkommen, daß manche der vorhandenen Pilze inzwischen Von seihst oder durch
besondere Behandlung abgestorben sind, die sich dann mikroskopisch aber immerhin
noch nachweisen lassen.

Das von Emmerling S. 253 vorgeschlagene Verfahren zur Prüfung der
Schiramelbildung in Futtermitteln darf nur mit Vorsicht angewendet werden. Es
beruht darauf, die in einem Futtermittel enthaltenen Pilze durch Zusatz einer ent-
sprechenden Menge sterilisierten Wassers zur Entwickelung zu bringen. Der Verlauf
dieser Prüfung ist wesentlich bedingt durch die Menge des Wassers, die gründliche
Mischung desselben mit dem Futtermittel und die Temperatur. Enthält die Mischung
über 30 °/0 Wasser, so entwickeln sich, wie schon S. 418 gesagt, sofort Bakterien,
die die Schimmel unterdrücken. Bei Temperaturen, die wesentlich über Zimmer-
temperatur liegen, wachsen nur die höheren Wärme-Graden angepaßten Pilze,
während gerade die häufigeren Arten, wie Eurotium repens und Penicillium glauoum,
dabei zurücktreten. Tote Pilze werden durch dieses Verfahren natürlich nicht
erkannt. Auch ist es für Melassen wegen ihres Zucker- und Salzreichtums nicht
verwendbar. Im allgemeinen ist das Plattenkultur-Verfahren vorzuziehen.

Die Beurteilung der saprophytischen Pilze in Futtermitteln.

Weder die saprophytischen höheren Pilze noch die Bakterien der Futtermittel
sind an sich für den Organismus schädlich, wie Fütterungsversuche und die all-
tägliche Praxis beweisen. Erst die durch den Lebensvorgang entstehenden
Stoffwechselerzeugnisse oder die von ihnen ausgeschiedenen Toxine können
dem Organismus gefährlich werden. Das Vorkommen von Schimmeln und Bakterien
in den Futtermitteln bietet also an sich keinen Grund zur Beanstandung. Diese
kann erst dann erfolgen, wenn nachgewiesen wird, daß die Pilze in dem betr.
Futtermittel sich vermehrt und wesentliche Stoffumsetzungen hervor-
gebracht haben. Dieser Nachweis ist nicht immer mit Sicherheit zu führen. Eine
hohe Keimzahl allein ist nicht ausschlaggebend. Die Oberfläche von
Pflanzen ist stets von Pilzen bewohnt, deren Zahl je nach den Verhältnissen
größer oder geringer ist. Auch die Oberfläche der Samen beherbergt stets je nach
ihrer Gestalt, Struktur, nach den Witterungsverhältnissen während der Wachs-
tums- und Erntezeit, nach Art der Aufbewahrung, Reinigung, Verarbeitung usw.
wechselnde, manchmal eine geringe, manchmal eine ungeheure Zahl von Pilzen, ohne
daß deshalb die inneren Gewebsstoffe irgendwie verändert sind. Bei der Ver-
arbeitung der Eohstoffe gelangen diese Pilze zum großen Teil in die erzeugten
Futtermittel, ohne daß diese dadurch eine Verminderung an Güte erfahren, wenn
dafür gesorgt wird, daß eine weitere Vermehrung nicht stattfindet. So kommt
es, daß völlig einwandfreie Futtermittel bald eine nach wenigen Hunderten, bald
eine nach vielen Tausenden und Millionen zählende Keimmenge in 1 g aufweisen.
Man muß also bei der Verwertung der Keimzahl sehr vorsichtig verfahren. Bei
        <pb n="445" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung. Tierische Schmarotzer.

421

der Untersuchung von Futtermitteln, die einer Zersetzung durch Bakterien ver-
dächtig sind, mittels des Plattenkultur-Verfahrens, versuche man festzustellen, ob eine
einzelne Art ganz überwiegt; im allgemeinen findet man, falls keine Vermehrung
der Pilze in dem Futtermittel stattgefunden hat, eine ganze Reihe von Arten.

Der sichere Nachweis, daß ein Futtermittel verschimmelt ist, ist als erbracht
anzusehen, wenn es gelingt, mehrfach Mycel oder Konidienträger aufzufinden.

Jedes Futtermittel, in dem Bakterien und Schimmel sich vermehrt haben,
ist vom Verfüttern auszuschließen oder doch nur mit großer Vorsicht zu ver-
werten. Ausgenommen sind hier selbstverständlich die natürlichen Sauerfutter-
mittel. Wenn auch vermutlich weder verschimmelte noch von Bakterien zersetzte
Futtermittel so oft giftig wirken, wie gewöhnlich angenommen wird, so ist doch die
Möglichkeit dazu stets vorhanden, zumal weder die chemische noch die biologische
Untersuchung darüber sicheren Aufschluß geben.

VI.	Einige tierische Schmarotzer der Futtermittel.

Von niederen Tieren sind einige Nematoden erwähnenswert. In Weizen-
körnern kommt Tylenchus scandeus Schneid, vor, der von dem Samenkorn an die
junge Pflanze wandert, zwischen den
Scheiden bis zur Ähre emporsteigt
und sich im Fruchtknoten ansiedelt,
der dadurch zu einem sogen. Raden-
oder Gichtkorn sich entwickelt, das
nur die halbe Größe des gesunden hat
und in seinem Innern statt der Stärke
zahllose 0,8—1,0 mm lange Nema-
toden enthält. Eine andere Nematode
ist Tylenchus devastatrix Kühn,
die vom Boden in den Stengel von
Roggen, Hafer, Klee, Buchweizen
wandert und hier die bekannten Miß-
bildungen erzeugt, indem heim Buch-
weizen eine Verkrümmung und Ver-
dickung des Stengels, bei den anderen
Pflanzen eine überreichliche Be-
stockung stattfindet, deren Triebe aber
aUe niedrig bleiben und eingehen. Eine
dritte Nematodenart ist Heterodera
kchachtii A. Schmidt, die bekannte
Rühennematode, die an den Saug-
wurzeln der Runkel- und Zuckerrübe
schmarotzt und oft die Ausbildung der Rübe verhindert. Die Nematoden wandern
aus dem Erdboden, in dem sie überwintern, im Larvenzustande unter die Oberhaut
der Wurzeln, Hier differenzieren sie sich allmählich in die beiden Geschlechter,
von denen die Männchen flaschenförmig, die Weibchen bimförmig aussehen. Nach
er Befruchtung schwellen letztere zu zitronenförmigen Kapseln an, die die Wurzel-
aut durchbrechen, so daß die Wurzeln dann wie mit Perlen besetzt aussehen. Die
eibchen enthalten zahlreiche Eier, aus denen die geschlechtslosen Larven schlüpfen.

Auch eine Form der Kartoffelfäule wird durch Nematoden verursacht.
11 der Schale solcher Kartoffeln befinden sich eingesunkene, mißfarbige Flecken,

Fig. 226. Nematodenfäule der Kartoffel
tt tote Teile, ee herausgefallene Nematodeneier; die
das Nematodennest umgehenden Zellen p p haben die
Stärke fast ganz verloren, aber Protoplasma und Kern
vergrößert. (110-faoh.) Nach Frank.
        <pb n="446" />
        ﻿422

Futtermittel,

unter denen das Fleisch gebräunt ist. Die befallenen Zellen enthalten meist noch
die Stärke, sind aber tot. In dem nicht gebräunten nächsten Umkreise der
Nematodennester verlieren die Zellen häufig die Stärke und zeigen dafür eine starke
Vermehrung des Protoplasmas und eine Vergrößerung des Zellkerns (Fig. 226, S. 421).

1.	Häufiger in Futtermitteln sind einige Milhenarten, von denen zuweilen be-
hauptet wird, daß sie Darmerkrankungen hei Tieren erzeugen. Hierzu gehört die
Heumilhe, Acarus foenarius (Fig. 227). Diese Milben finden sich ausgewachsen
und als Larven vornehmlich in altem, lange und feucht gelagertem und meist auch
durch Schimmelpilze verdorbenem Heu. Für das bloße Auge kaum sichtbar, zeigt
die Milbe hei 76-facher Vergrößerung einen weißlichen, weichhäutigen, mit gefiederten
Borsten bedeckten ovalen Rumpf, einen sehr beweglichen, schnabelartig schief nach
abwärts gerichteten Kopf und 8 in 2 Vorder- und 2 Hinterpaare getrennte, bräunliche,
stark mit Borsten besetzte Beine, welche ein kegelförmiges, langes Endglied mit

Fig. 227. Heumilbe.

(Yergr. 75.)

Fig. 228. Mehlmilbe.

Haftscheihe und Krallen tragen. Da ein mit dieser Milbe stark verunreinigtes Heu
stets außerordentlich mit Pilzen und Bakterien durchsetzt ist, so ist es fraglich, ob
der Milbe an. sich die beobachtete schädliche Wirkung zugeschrieben werden darf.
Jedenfalls steht fest, daß die Milbe auch in gutem, frischem Heu kaum jemals fehlt.

Die der Heumilhe sehr nahe verwandte Mehl- oder Käsemilbe, Acarus siro
(Fig. 228), welche sich oft in altem, schlecht aufbewahrtem Mehl, in feuchter Kleie
und Schrot ansiedelt, steht wie jene nur im Verdacht, Magen- und Darmkatarrhe
bei Tieren veranlaßt zu haben; indes sind direkte Beweise für ihre Schädlich-
keit nicht erbracht. Selbstverständlich ist die Verwendung einer mit Milben stark
behafteten Kleie usw. für Fütterungszwecke nicht ratsam, da ein so beschaffener
Futterstoff das Merkmal der Verdorbenheit trägt und eine Brutstelle aller möglichen
Schimmelpilze und Fäulnisbakterien bildet.

2.	Von Käfern werden einige Arten dem lagernden Korn und seinen Mahl-
erzeugnissen gefährlich. Hierher gehört zunächst der schwarze Kornwurm,
Calandra granaria (Fig. 229).
        <pb n="447" />
        ﻿Mikroskopische Untersuchung, Tierische Schmarotzer.

423

Der schwarze Kornwurm tritt im Korn und Mehl vorwiegend bei Aufbewahrung
auf feuchten, dumpfigen Lagerräumen auf. Er ist ein kaum 4 mm langer, ein-
farbig brauner, mit punktiertem Halsschild und gestreift punktierten Flügeldecken
versehener Käfer. Das Weibchen bohrt mit seinem Rüssel ein Loch in die Körner
und legt in jedes derselben nur ein Ei, aus dem eine weißliche nackte, beinlose
Larve mit braunem Kopfe auskriecht, welche den Inhalt des Kornes ausfrißt und
sich in der leeren Hülse verpuppt.

Puppe.	Käfer.	Larve und Käfer an Gersten-

körnern (kaum vergrößert).
Flg. 229. Schwarzer Kornwurra.

Man will bemerkt haben, daß das mit dem Kornwurm und seinen Larven
stark verunreinigte Getreide nach dem Verfüttern besonders bei Pferden Brust-
krankheiten, heftige Entzündung und Schwellung der Bronchialschleimhäute hervor-
gerufen hat und sogar den Tod von Tieren zur Folge gehabt haben soll. Die
schädlichen Folgen solchen Getreides sollen fast ganz aufgehoben werden, wenn man
dasselbe vor dem Verfüttern darrt, tüchtig mit Wasser wäscht und nun im feuchten
Zustande verfüttert.

Zur Verhütung einer starken Vermehrung genügt es in den meisten Fällen,
das auf dem Speicher lagernde Getreide durch häufiges Umschaufeln tüchtig zu
durchlüften, nach halbjährlicher völliger Entleerung der Lagerplätze diese von alten
Getreideresten gründlich zu säubern und die Wände hin und wieder mit Chlorkalk-
lösung zu tünchen. Ein gutes Mittel zur Vertilgung dieser wie anderer Insekten der
Kornvorräte ist der Schwefelkohlenstoff, von dem man nur geringe Mengen in den
gut verschlossenen Lagerraum zu bringen braucht.

3.	In Mehl und Kleie tritt häufig der Mehlkäfer, Tenebrio molitor L., auf.
Er ist ein 14 mm langer, 5 mm dicker, pechbrauner Käfer mit flachgewölbten

Flg. 230. Mehlkäfer (Tenebrio molitor). Käfer, Larve und Puppe. Nach 1 asohenherg.

Flügeldecken. Die Larve, der sogen. Mehlwurm, ist drehrund, gelb, so gut wie
nackt. Die Puppe ist weich, im Hinterleibe schlank, seitlich an jedem Gliede in
ein braun gezähntes Rändchen ausgezogen (Fig. 230). Käfer sowohl wie Larve
leben in Kleie und Mehl.

4.	Die reifen Samen der Erbsen und Bohnen zeigen zuweilen 2—2*/2 mm weite
Löcher, die von Larven mehrerer Käfer, nämlich dem Erbsenkäfer, Bruchus
Pisi L., und dem Bohnenkäfer, Br. rufimanus Schönb., hervorgerufen werden.
Leide Käfer sind 4—5 mm lange schwarze, hell gefleckte, grau behaarte Rüsselkäfer
(Eig. 231), die ihre Eier im Sommer an junge Hülsen legen. Die Larven fressen
        <pb n="448" />
        ﻿424

Futtermittel.

sich in eine Samenanlage hinein und richten die beschriebenen Verheerungen an.
In der Fraßhöhle entwickelt sich dann der Käfer, der im Frühling oder bei warmem

Wetter auch schon im Winter auskriecht. Der
Wert solcher angefressenen Samen als Futter-
mittel und Saatgut ist verringert. Außer
Schwefelkohlenstoff wird als Bekämpfungsmittel
Erwärmen der Samen auf 50—60° empfohlen.

5. YonSchmetterlingen wird denKorn-
vorräten die Kornmotte (der weiße Korn-
wurm), Tinea granella, oft gefährlich. Die
Yorderflitgel dieses Schmetterlings sind silber-
weiß, dunkelbraun bis schwarz veränderlich
gezeichnet. Die weißgrauen Hinterflügel sind
schmal und spitz. Körperlänge 5,2 mm, Flügel-
spannung 15 mm. Die Raupe ist sechzehn-
füßig, beinfarben, mit hellbraunem Kopf und
Die Puppe ist sehr beweglich, endet hinten
Dörnchen. Sie ist etwa 5 mm lang. Der
im Juni in der Dunkelheit meist in geschlossenen Räumen.
Das Weibchen legt ein bis zwei Eier an jedes Getreidekorn,
nötigenfalls auch an trockne Früchte. Die Raupen spinnen
die Körner aneinander. Sie leben unter dem Schutze der von
ihnen gezogenen Seidenfäden und fressen an mehreren Körnern,
ohne eins ganz aufzuzehren. Sind sie erwachsen, so spinnen
sie sich in hinreichend zernagten Körnern oder in Ritzen
einen roggenkorngroßen Kokon, in dem sie bis zum Frühjahr
Fig 232 Kornmotte bleiben. Im März oder Mai verpuppen sie sich. Die Puppe
(Tinea granella). ruht etwa 3 Wochen. Fleißiges ümschaufeln des Getreides

Motte (vergrößert) und	goramer und Behandlung mit Schwefelkohlenstoff sind die

Raupe mit Nest. Nach

Taschenherg. besten Gegenmittel,

Fig. 231. Erlösen- und Bohnenkäfer.
Samen der Ackerbobne und Erbse mit
Löchern von Samenkäfern, Bruchus, ge-
fressen. An der unteren Erbse ist das
Loch noch verschlossen und der Käfer noch
darin. Daneben der Käfer (vergrößert).
Nach Frank.

Nackenschild und mißt 7—10 mm.
kolbig und trägt am Ende einige
Schmetterling fliegt

VII.	Allgemeine Grundsätze für den Handel mit käuflichen Futtermitteln.1)

1.	Bei jedem Verkauf von Futtermitteln ist seitens des Verkäufers unaufgefordert
Garantie zu leisten;

a)	für die der Natur der Futtermittel entsprechende Bezeichnung, für Unverdorbenheit
uud Unverfälschtheit (Reinheit von fremden, minderwertigen, indifferenten oder gesundheits-
schädlichen, der Natur und Bezeichnung des Futtermittels nicht entsprechenden Bestand-
teilen);

b)	für den Mindestgehalt an den wertbestimmenden Nährstoffen (siehe Absatz 3).

2.	Die Garantie ist schriftlich zu leisten durch Verzeichnung des Garantiegehaltes
in der Offerte, dem Schlußschein oder der Faktura oder bei kleineren Bezügen (unter
200 Ztr.) durch besondere schriftliche Mitteilungen an den Bezieher. Dabei müssen an-
gegeben werden: Name und Art des Futtermittels, garantierte Gehaltszahlen, Herkunft
(letztere, wenn die Herkunft bezeichnend ist für bestimmte Qualitäten); ferner ob und in
welcher Höhe eine etwaige Entschädigung nach dem Grundsätze des Ausgleichs oder des
Spielraums berechnet werden soll.

Im Kleinverkehr ist anzustrebon, daß bei den in Säcken verkauften Futtermitteln die
geleistete Garantie äußerlich an einer ein für allemal bestimmten Stelle durch Plomben,

') Nach den Beschlüssen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (Futtermittel-
Abteilung) bezw. nach den Vereinbarungen des Verbandes landw. Versuchs-Stationen i. D. B.
        <pb n="449" />
        ﻿Grundsätze für den Handel mit Futtermitteln.

425

Zettel oder Aufschrift kenntlich gemacht wird. Zu diesem Zweck haben die den Säcken
aufzuklebenden Zettel (oder Aufschriften) zu enthalten; Namen des Händlers und dessen
Marke, Gewicht des Sackes, Benennung des Futterstoffes, Gehaltsgarantie (in solchen die Nähr-
stoffe vollständig bezeichnenden, nicht in Buchstaben abgekürzten Benennungen, also Protein,
Fett usw.), Angabe des eventuellen Spielraums oder Ausgleichs, in rotem Querüberdruck;
die Versuchs-Station, unter deren Kontrolle die betr. Firma sich eventuell gestellt hat,
und die Bedingungen, unter welchen die Ermittelung des Gehaltes an den garantierten
Nährstoffen von der betr. Versuchs-Station ausgefiihrt wird.

3.	Die Garantie für die wesentlichen, den Wert bestimmenden Nährstoffe bezieht
sich in allen Fällen auf Protein und Fett, auf den Gehalt von Kohlenhydraten nur dann,
wenn die Garantie für Kohlenhydrate ausdrücklich vereinbart wird.

Die Garantie für Protein und Fett ist getrennt für jeden dieser Nährstoffe an-
zugeben.

Die Garantiezahlen bezeichnen den Mindestgehalt der in dem betreffenden Futter-
mittel garantierten Nährstoffe. Grenzzahlen zur Bezeichnung der Garantiezahlen (z, B.
18—20°/0 Protein) sind unzulässig.

Für die an den garantierten Werten fehlenden Gehalte ist der Verkäufer verpflichtet,
Entschädigung zu leisten.

Die Entschädigung kann berechnet werden entweder: 1. nach dem Grundsatz des
Ausgleiches oder 2, nach dem Grundsatz des Analysenspielraums (Latitüde).

ad 1. Ausgleich.

Unter Ausgleich ist zu verstehen die Deckung eines etwaigen Mindergehaltes au
einem der garantierten Nährstoffe dem Geldwerte nach durch einen gleichzeitig vorhandenen
Uberschuß eines anderen garantierten Nährstoffes. Als Grenzen sind maßgebend:

Deckung eines Mindergehaltes an Fett bis 1 % in Futtermitteln mit einem garan-
tierten Fettgehalt bis zu 10 °/0, bis zu 2 °/0 bei höheren Gehaltsgarantien;

Deckung eines Mindergehaltes an Protein bis zu 10 ü/0 des garantierten Protein-
gehaltes, im Höohstbetrage bis 3 °/0 Protein;

Deckung eines Mindorgehaltes an Kohlenhydraten bezw. stickstofffreien Extraktstoffeu
bis zu 5 °/n Kohlenhydrate,

Bei einzelnen Futtermitteln bleibt es besonderen schriftlichen Vereinbarungen zwischen
Verkäufer und Käufer bezw. zwischen Verkäufer und landwirtschaftlichen oder genossen-
schaftlichen Vereinigungen Vorbehalten, mit Rücksicht auf größere oder geringere Schwan-
kungen des Gehaltes die angegebenen Ausgleichsgrenzen zu erweitern oder zu verengern.

ad 2. Analysenspielraum.

Ein Analysenspielraum soll nur bewilligt werden, wenn ein solcher zwischen dem
Käufer und Verkäufer vereinbart worden ist, wozu indessen der Vermerk; „vorbehaltlich
des Spielraums“ (Latitüde) genügen soll. Dieser besagt: „daß von dem in den Futter-
mitteln enthaltenen Bohprotein bis zu einem Mindergehalt von l1 /3 °/(l, bei Fett bis zu
Va °/o noch keine Entschädigung gewährt werden soll. Übersteigt jedoch der Fehlbetrag
°/0 bei Eohprotein oder &gt;/a°/0 bei Fett, so wird der volle Fehlbetrag in Anrechnung

gebracht“.

Wenn die Entschädigung unter Berücksichtigung des Analysenspielraums stattfiudet,
a t der Ausgleich weg, und umgekehrt

Für die Berechnung der Entschädigung wird das Geldwertsverhältnis von 1 Teil
°bprotein zu 1 Teil Rohfett gleichgesetzt.

Der Wert von 1 Teil Kohlenhydraten bezw. stickstofffreien Extraktstoffen wird auf dem
^ege der Differenzrechnung auf Grund der von dem Verbände der landwirtschaftlichen
crsuchs-Stationon auszuführenden Berechnungen festgestcllt (vergl. folgenden Abschnitt).

Für die Berechnung des Wertes bezw. der Entschädigung der mit garantierten Ge-
rn ten in den Handel kommenden Futtermittel kommen nur diejenigen Nährstoffe in Be-
racht, auf welche sich die Garantie erstreckt.

.....	■ ^er^ei1 Futtermittel nach „Prozenten der einzelnen Nährstoffe“ gehandelt, so

a jeder Spielraum und jeder Ausgleich fort.
        <pb n="450" />
        ﻿426

Futtermittel.

5.	Nachweislich der Bezeichnung des Futtermittels nicht entsprechende, verdorbene,
ungesunde oder mit minderwertigen Stoffen untermengte Ware ist vom Verkäufer auf Ver-
langen ohne weiteres unter Ersatz der dem Käufer erwachsenen Unkosten zurückzunehmen.

6.	Die Festsetzung des Gehaltes der Futtermittel erfolgt durch die zwischen Ver-
käufer und Käufer vereinbarten Versuchs-Stationen. Die zum Zwecke der Untersuchung an
die Versuchs-Stationen zu sendenden Proben sind nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen
zu entnehmen:

Probenahmebestimmungen.

7.	Die Probenahme hat von dem Empfänger1) oder dessen Beauftragten an der Bahn-
bezw. Wasserstation oder innerhalb dreier Tage nacli dem Eintreffen am Empfangsort ent-
weder im Beisein eines Vertreters des Lieferers oder unter Mitwirkung einer unparteiischen,
mit diesen Bedingungen vorher bekannt zu machenden Persönlichkeit nach folgendem Ver-
fahren zu geschehen:

a)	Bei Ölkuchen sind von verschiedenen Stellen mindestens 12 ganze Kuchen zu
entnehmen; diese sind durch den vollkommen gereinigten Ölkuoheubrecher oder auf sonst
geeignete Weise in etwa walnußgroße Stücke zu zerschlagen, und ist aus dieser zer-
kleinerten Masse nach ihrer gründlichen Mischung ein Muster von 2 kg zu entnehmen.

Eine weitergehende Zerkleinerung der Probe ist zu vermeiden.

b)	Bei Körnern, Mehlen, Kleien und dergl. sind mittels eines geeigneten Probe-
ziehers, welcher in der Längsrichtung der liegenden Säcke einzuführen ist, oder, falls ein
solcher nicht vorhanden ist, mittels eines Löffels oder einer kleinen Schaufel (nicht mit
der Hand) aus 15% der Säcke oder mehr, mindestens aber aus 5 Säcken (bei weniger als
5 Säcken aus jedem Sack) Probe zu ziehen, und zwar aus verschiedenen Schichten (nicht
lediglich aus der Mitte).

Sollten diese Einzelproben 2 kg wesentlich überschreiten, so sind dieselben auf
einem reinen, horizontal ausgebreiteten Papierbogen sorgfältig zu mischen, die Mischung
in eine etwa 2—3 cm dicke Schicht auszubreiten und ein entsprechender Ausschnitt im
Gewicht von 2 kg aus der ausgebreiteten Masse zur Probe heranzuziehen. Hierbei ist
besonders darauf zu achten, daß auch die feineren Teile, welche, wie z. B. Sand, nach der
Durchmischung sich weniger in den obersten Schichten der ausgebreiteten Probe, dagegen
mehr in der untersten, direkt das Papier berührenden vorfinden, nicht zurückgelassen
werden. In der Probe vorkommende Klumpen und Zusammenballungen sind nicht zu
zerdrücken.

Nasse oder beschädigte Säcke sind von dieser Probenahme auszuschließen, aus den-
selben ist vielmehr eine gesonderte Probenahme zu bewerkstelligen. Es ist auch zulässig,
die vorgeschriebene Anzahl Säcke zu stürzen, auf einer reinen Unterlage den Inhalt zu
mischen, die Mischung in eine etwa 1 Fuß hohe Schicht zu formen und daraus au ver-
schiedenen, mindestens 20 Stellen (nicht vom Bande) mittels einer Schaufel in der oben
beschriebenen Weise Probe zu ziehen.

In wichtigen Differenzfällen ist diese Art der Probenahme besonders zu empfehlen.

Liegt die Ware in losen Haufen, so ist sie ebenfalls zunächst in eine etwa 1 Fuß
hohe Schicht zu formen und daraus, wie oben angegeben, Probe zu ziehen.

c)	Es sind von den gezogenen Mustern 3 Teilproben, jede von mindestens 500 g
zu bilden. Diese sind in trocknen, reinen und nicht porösen Gefäßen (möglichst Blech-
oder Glasgefäßen) zu verpacken, luftdicht zu verschließen, gemeinschaftlich zu versiegeln
und mit Inhaltsangabe zu versehen.

d)	Es ist die vorstehende Probeuahmeanweisuug nebst Attestformular vom Verkäufer
mit der Ware zu liefern, in welchem Verkäufer Marke, Sackzahl, Gewicht und Gehalts-

') In einigen Fällen läßt der Lieferer im Einverständnis mit dem Empfänger jetzt
auch beim Abgang der Waren zuverlässige Proben durch einen vereidigten Probenehmer
ziehen. Dieses Verfahren dürfte sich auch hier in ähnlicher Weise wie bei den
künstlichen Düngemitteln empfehlen, weil die Differenzen vielfach in der unrichtigen
Probenahme ihren Grund haben und die Empfänger häufig nicht in der Lage sind, richtige
Proben zu entnehmen.
        <pb n="451" />
        ﻿Geldwertsberechnung der Futtermittel.

427

garantie anzugeben bat. Das Formular ist bei der Probenahme auszufertigen und von
dem Probezieher sowie Zeugen gemeinschaftlich zu unterschreiben. In Streitfällen werden
nur solche Prober als gültige angesehen, bei welchen die Ausfertigung eines solchen
Attestes erfolgte.

Vereinbarungen für die Beurteilung der Futtermittel.1)

1.	Die qualitative Prüfung aller Futtermittel auf Sand bezw. mineralische Bei-
mengungen ist obligatorisch zu machen und, sobald die Vorprüfung die Anwesenheit von
mehr als normalen Mengen ergibt, die quantitative Bestimmung durch Veraschen und
Ausziehen mit Salzsäure auszuführen, und von dem Ergebnis dem Einsender Mitteilung
zu machen, w'enn der Gehalt 1 °/0 oder mehr beträgt.

2.	Der ständige Ausschuß für Futtermittel schlägt vor, daß bei jeder Kleienunter-
suchung angegeben werde, ob anscheinend unverletzte Unkrautsamen vorhanden sind
oder nicht. Bei dem Vorhandensein solcher ist darauf aufmerksam zu machen, daß ein der-
artiger Befund auf Zusatz bezw. Verfälschung mittels Kornausputz hinweist.

Es bleibt dabei überlassen, die Zahl (nötigenfalls die Arten) der anscheinend un-
verletzten Unkrautsamen zu bestimmen und, auf 1 Kilo berechnet, anzugeben.

3.	Ergibt die mikroskopische Untersuchung einer Kleie, daß Brandpilzsporen mehr
als vereinzelt Vorkommen, so ist der Einsender darauf und auf die event. Schädlichkeit
derselben aufmerksam zu machen.

VIII.	Geldwertsberechnung der Futtermittel und Minderwerts-
berechnung bei Mindergehalt.

Der Puttergeldwert der Futtermittel ist vorwiegend durch den Gehalt der drei Nähr-
stoffgruppen : Protein, Fett und stickstofffreie Extraktstoffe (oder Kohlenhydrate) bedingt. Zwar
besitzen die Futtermittel je nach dem Gehalt an Stickstoff, Phosphorsäure und Kali gleich-
zeitig einen Düngergeldwert, indes kann dieser außer acht gelassen werden, weil sich
derselbe in den einzelnen Wirtschaften außerordentlich verschieden gestaltet.

Für die Frage des Puttergeldwertes können nur Futtermittel von gleichartiger Be-
schaffenheit und Konstitution, besonders was den Grad der Verdaulichkeit anbelangt, in
Betracht gezogen werden.

Diese gleichartige Beschaffenheit trifft im großen und ganzen nur für die gewerb-
lichen Abfälle, die sogen. Kraftfuttermittel zu; denn in ihnen sind die Nährstoffe in
wesentlich gleichem Grade der Verdaulichkeit enthalten. Auch wird durchweg nur für
fiese als die gangbarsten Handelswaren eine Futtergeldwertsberechnung verlangt; für die
in den Wirtschaften selbst erzeugten Futtermittel (Eauhfutter, Wurzelgewächse usw.)
läßt sich bei den großen Schwankungen der Brzeuguugskosten kein allgemein gültiger
I uttergeldwert aufstellen.

Der Puttergeldwert der Handels- oder Kraftfuttermittel ist selbstverständlich von
den jeweiligen Marktpreisen bedingt; aber das nicht allein, sondern auch das Werts-
verhältnis zwischen Protein, Fett und stickstofffreien Extraktstoffen schwankt je nach den
Marktpreisen. Denn offenbar werden diese 3 Nährstoffe nicht gleichhoch bezahlt, da an sich
die protein- und fettreichen Handelsfuttermittel schon nach ihrem spärlicheren Vorkommen
und ihrer größeren Bedeutung für die Ernährung höher im Preise stehen, als die an
stickstofffreien Extraktstoffen reichen Futtermittel; es ist daher einleuchtend, daß das Protein
u«d Fett gegenüber den stickstofffreien Extraktstoffen einen um so höheren Wert besitzt, je
höher der Marktpreis der protein- und fettreichen Futtermittel gegenüber den an stickstoff-
freien Extraktstoffen reichen ist, und umgekehrt. Man ist in der letzten Zeit überein-
gekommen, den Geldwert von Protein und Fett als gleich anzunehmen und zwischen
Brotein ; Fett: stickstofffreien Extraktstoffeu ein Werts Verhältnis von 2:2:1 zugrunde zu

iegeu.2)

') Nach den Beschlüssen des Verbandes landw. Versuchs-Stationen i. D. K.
) Vergl, 0. Kellner, Landw. Versuchs-Stationen 1904, 60, 236.
        <pb n="452" />
        ﻿428

Futtermittel.

Um auf Grund dieses Wertsyerhältnisses den Puttergeldwert von Futtermitteln zu
berechnen und die Frage zu beantworten, welches der angebotenen Futtermittel das preis-
würdigste ist, multipliziert man den Protein- und Fettgehalt mit 2, den an stickstofffreien
Extraktstoffen mit 1, addiert die einzelnen Futterwerteinheiten und dividiert mit der Gesamt-
summe dieser in den verlangten Preis, um den Preis der Futterwerteinheit zu finden.

Ist z. B. die Wahl zwischen Kaps- und Erdnußkuchen mit folgendem Garantie-
Gehalt und Preise:

	Wasser	Protein	Fett	Stickstofffreie  Extraktstoffe	Rohfaser	Asche	Preis für 100 kg
	°/o	°/o	Ol  Io	°/o	°/o	°/o	M.
Rapskuchen .	. 11,2	31,1	9,9	29,2	11,2	7,4	9,50
Erdnußkuohen	11,2	45,5	7,5	25,6	5,6	4,6	15,30

so ergibt sich:

Rapskuchen

Protein..................................31,1	x 2	=	62,2

Fett......................................9,9	x 2	=	19,8

Stickstofffreie Extraktstoffe........... 29,2	x 1	=	29,2

Im ganzen Futterwerteinheiten 111,2.

Erdnußkuchen

Protein..................................45,6	x 2	=	91,0

Fett......................................7,5	x 2	=	15,0

Stickstofffreie Extraktstoffe..........25,6 xl = 25,6

Im ganzen Putterwerteinheiten 131,6.

Demnach kostet 1 Putterwerteinheit:

9 50	15 10

Eapskuchen =	= 8,5 Pf., Erdnußkuchen = - ‘	— 11,6 Pf.;

iiijü	lol.b

es sind also die Kapskuchen nicht unerheblich preiswürdiger als Erdnußkuohen.

Hier ist dieser Vergleich unbedingt zulässig, weil beide Futtermittel von ähnlicher
Konstitution und Nährwirkung sind. Weniger zulässig ist bei der verschiedenen Konstitution
ein Vergleich zwischen den Ölkuchen und Kleien; auch legt die eine Wirtschaft nur Wert
auf Ankauf von Protein und Fett, eine andere nur Wert auf Ankauf von stickstofffreien
Extraktstoffen; im ersteren Falle sind daher die stickstofffreien Extraktstoffe, in letzterem
Protein und Fett eine wertlose Beigabe. Indes bilden derartige Fälle Ausnahmen und lassen
sich die 3 Nährstoffe in den Haudelsfuttermitteln einmal nicht trennen. Wer nur Protein
und Fett zu kaufen wünscht, der wird von selbst seine Wahl zwischen den an diesen Be-
standteilen reichen Futtermitteln treffen, und wer nur stickstofffreie Extraktstoffe zu erhalten
wünscht, der wird selbstverständlich unter den hieran reichen Futtermitteln wählen.

Es behält darum ein mittleres Werts Verhältnis zwischen den 3 Nährstoffen seine
volle Bedeutung, wenngleich zugegeben werden muß, daß die Ermittelung desselben aus
den Preisen und der Zusammensetzung der gangbarsten Handelsfuttermittel bis jetzt noch
mit manchen Mängeln behaftet ist; denn abgesehen davon, daß es schwer hält, wirkliche
mittlere Marktpreise zu erlangen, muß auch unter den Futtermitteln eine nahezu gleiche An-
zahl von je an Protein, an Fett und an stickstofffreien Bxtraktstoffen reichen Futtermitteln
zur Berechnung herangezogen werden, um ein brauchbares wahrscheinliches Wertsverhältnis
von Protein : Fett: stickstofffreien Extraktstoffen zu erhalten.

Nehmen wir aber das obige Wertsverhältnis als das wahrscheinlich richtigste an,
so ist im Palle einer Minderlieferung die Berechnung der Größe der Rückvergütung oder
Preisermäßigung eine einfache; sind z, B. für einen Erdnnßkuchen bei einem vereinbarten
Preise von 15,1.0 M, für 100 kg:

	Protein	Fett	Stickstofffreie  Extraktstoffe
	°/o	°/o	°; o
Garantiert .	. .	.	.	45.5	7,5	25,6
Geliefert . .	.	. .	42,7	6,8	29,0
        <pb n="453" />
        ﻿Geldwertsberechnung der Futtermittel.

429

so berechnet sich wie oben:

Nach der Garantie:

Protein....................................45,5	x2	=	91,0

Fett........................................7,5	x 2	= 15,0

Stickstofffreie Extraktstoffe .... 25,6	x 1	— 25,6

Im ganzen Futterwerteinheiten 131,6
Nach der Lieferung:

Protein................................... 42,7	x2	= 85,4

Fett........................................6,8	x 2	= 13,6

Stickstofffreie Extraktstoffe .... 29,0 xl = 29,0

Im ganzen Futterwerteinheiten 128,0

es fehlen daher an der Garantie 3,6 Futterwerteinheiten; da nach der Garantie eine Futter-
werteinheit jÜy|| = 11,6 Pf. kostet, so beträgt der Mindergeldwert der gelieferten Ware
11,6 x 3,6 = 42 Pf. für 100 kg.

Seit einigen Jahren pflegt bei den Ölkuchen nur die Summe yon Protein -)- Fett
garantiert zu werden; dieses ist leider ein Mißbrauch geworden und sollte in Zukunft
nicht mehr zugelassen werden.

Wenn sich, wie häufig, die Lieferer eine „Gehaltsschwankung“ ausbedungen
haben, so ist diese zu berücksichtigen.

Lautet z. B. die Garantie für Erdnußkuchen auf 65 °/0 Protein -f-Fett bei einem aus-
bedungenen Gehaltsspielraum von 2 % (d. h. für 100 dieser Nährstoffe), so braucht keine
Rückvergütung einzutreten, wenn 53,9 % Protein -)- Fett in der gelieferten Ware gefunden
worden sind; hat die Untersuchung aber nur 63,4 °/0 Protein -|- Fett ergeben, so muß für
den vollen Mindergehalt Rückvergütung geleistet werden.

Richtiger aber ist, bei Kaufabschlüssen für jeden einzelnen Nährstoff eine feste
Garantie zu verlangen und ein Wertsverhältnis zwischen den 3 Nährstoffen zu vereinbaren,
®it der Maßgabe, daß bis zu einer gewissen Grenze der Fehlbetrag an den Werteinheiten
des einen Bestandteiles durch einen Mehrbetrag an den Werteinheiten des anderen Bestand-
teiles wie oben ausgeglichen werden darf (vergl. S. 425).
        <pb n="454" />
        ﻿Die Untersuchung der Sämereien

Auf die Unterscheidungsmerkmale der einzelnen landwirtschaftlichen Sämereien
und der Unkrautsamen kann hier nicht eingegangen werden; hierüber vergl. man
Fr. Nobbe, Handbuch der Samenkunde. Berlin 1876. Wiegandt, Hempel undParey;

C.	0. Harz, Landwirtschaftliche Samenkunde. Berlin 1885. Paul Parey;

L.	Wittmack, Gras- und Kleesamen. Berlin. Paul Parey; F. G. Stehler und
C. Schröter, Die besten Futterpflanzen. Bern. K. J. Wyß; 0. Burchard, Die
Unkrautsamen der Klee- und Grassaaten mit besonderer Berücksichtigung ihrer
Herkunft. Berlin 1900. Paul Parey.

Aber selbst genauere Abbildungen lassen besonders den Anfänger in solchen
Untersuchungen für eine Diagnostik der einzelnen Samenarten im Stich. Es empfiehlt
sich daher für die Samenkontrollstationen, eine Sammlung echter Sämereien
und der verschiedenen Unkrautsaraen selbst vorrätig zu halten.

Vorschriften für die technische Untersuchung der Sämereien nach den
Vereinbarungen des Verbandes landw. Versuchs-Stationen im Deutschen Reiche.

1.	Einzufordernde Sameninenge. Die für eine vollständige Untersuchung er-
forderliche Samenmenge beträgt mindestens;

50 g von Anis, Bastardklee, Birke, Dill, Fenchel, Grassamen aller Art, Hornklee, Kerbel,
Kresse, Möhre, Mohn, Petersilie, Reseda, Spörgel, Tabak, Weißklee;

100 g von Ahorn, Buchweizen, Dotter, Eibisch, Erle, Esche, Esparsette, Gelbklee, Gurke,
Hanf, Hirse, Hornbaum, Inkarnatklee, Karde, Kohlarten, Lattich, Lein, Linse,
Luzerne, Maulbeere, Nadelhölzer, Raps, Rapünzchen, Rettich, Rotklee, Rübsen, Senf,
Serradella, Sorgho, Spinat, Ulme, Waid, Wicke, Wiesenknopf (Poterium), Wundklee,
Zichorie, Zwiebel;

250 g von Bohne, Eiche, Erbse, Gerste, Hafer, Kürbis, Lupine, Mais, Obstkernen, Platterbse,
Roggen, Rotbuche, Runkel-und Zuckerrübe, Sonnenblume, Sojabohne, Spelz, Weizen;
11/6 1 zur Bestimmung des Volumgewichts von Getreide usw.

Es wird hierbei vorausgesetzt, daß der Einsender eine gleichgroße, identische,
durch den Zeugen versiegelte Probe für eine etwaige Schiedsprüfung zurückbehalte
und ordnungsmäßig (in einem trocknen, ungeheizten, frostfreien Raume) aufbewahre.
Die Versuchs-Stationen erklären sich jedoch bereit, die sachgemäße Teilung eines
richtig gezogenen Gesamtmusters von dem Doppelten der obigen Gewichtsmengen
ihrerseits auszuführen und die nicht in Untersuchung zu nehmende Hälfte ordnungs-
mäßig aufzubewahren.

2.	Probeziehung. Zur Entnahme einer zutreffenden Durchschnittsprobe aus
einer entsprechenden Anzahl der Säcke wird dem Einsender empfohlen:
        <pb n="455" />
        ﻿Die Untersuchung der Sämereien.

431

a)	für kleinere, den Kleesamen ähnlich gekörnelte Samengattungen der Nohhesehe
„Kleeprobenstecher“ j1)

b)	für größere Samen (Getreide, Lein, größere Doldengewächse usw.) derNobbesche
Kornprobenstecher; x)

c)	für Rübenknäule, bespelzte Gräser usw. die Entnahme zahlreicher (mindestens 10)
kleiner Proben von verschiedenen zweckmäßig gewählten Stellen des auf eine
saubere Unterlage ausgebreiteten, gut durchgearbeiteten Haufens.

Zur Sicherung der Entschädigungsansprüche sollten die vor Zeugen ent-
nommenen Proben in trocknen und festen Behältern (Musterbeuteln, Büchsen oder
doppelten Papierkapseln) eingesendet werden; Rübensamen (Beta) und andere auf
ihren Wassergehalt zu prüfende Proben stets in luftdicht verschlossenen Gläsern
oder Blechbüchsen.

3.	Engere Mittelprobe. Die Größe der zur Untersuchung auf die fremden
Bestandteile im Laboratorium herzustellenden „engeren Mittelprobe“ soll
mindestens betragen:

1	g von Rispengräsern (Poa) uud Straußgräsern (Agrostis);

2	g von Drahtschmele, Fuchsschwanzgras, Goldhafer, rotem Schwingel, Schafschwingel;
3—4 g von Anis, Bastardklee,2) Dill, Honiggras, Ruchgras,- Spörgel, Timothee,2) Weißklee;2)

5	g von Fenchel, Kammgras, Knaulgras, Kümmel, Möhre, Rapünzchen;

10 g von Gelhklee,2) Inkarnatklee,2) Kohlarten, Luzerne,2) Raps, Raigräsern, Rotklee,2)
Rübsen, Serradella,2) Wiesenschwingel, Wundklee;2)

20 g von Ahorn, Esche, Esparsette, Hirse, Kiefer, Lärche, Lein,2) Linse, Ulme;

30 g von Buchweizen, Fichte, Hornbaum (Carpinus), Tanne, Wicke;

50 g von Runkel- und Zuckerrübenknäulen, Zerealien;

100 g von Bohne, Buchelu, Eicheln, Erbse, Lupine, Mais.

Bei ungewöhnlich hoher Verunreinigung sind zwei Mittelproben zu ziehen,
deren Durchschnittsergebnis maßgebend ist.

Vorstehende Ziffern stellen das Minimum der Mittelprobe dar. Bei groß-
körnigen Proben wird darüber hinaus zu gehen sein.

Zur Herstellung der „engeren Mittelprobe“ empfiehlt sich die „Fließprobe“,
&lt;1- i- das langsam gleichmäßige Ausschütten aus einer Flasche mit Ausguß unter
gleichmäßiger periodischer Aussonderung kleiner Mengen.

4.	Echtheit. Die Echtheit der Gattung und Art der meisten Kultursamen
ist von der Kontrollstation unschwer festzustellen, da bei deren Vorstand die
nötigen Kenntnisse und außerdem der Besitz einer größeren Mustersammlung voraus-
zusetzen sind. Für die Echtheit von Varietäten ist nötigenfalls auf die Topf-
oder Feldprobe zurückzugreifen, wofür der Käufer in diesem Falle vom Lieferer
eine Garantie zu fordern hat.

Die Nachuntersuchung von „Grasgemischen“ ist von der Kontroll-Station
abzulehnen und dahin zu streben, daß das Angebot solcher Mischungen aus den
1 reislisten des Samenhandels verschwinde.

5.	Reinheit. Als „fremde Bestandteile“ einer Samenprobe sind nicht allein
kpreu, Sand und fremde Samen — selbst solche von gleichem oder höherem Markt-
wert — auszuscheiden, sondern auch äußerlich verletzte echte Samen, sofern sie
unzweifelhaft als zur Ke imung unfähig erkannt werden können. In

Weifelsfällen hat die Keimkraftprüfung zu entscheiden.

') Zu beziehen durch den Klempner Matthes in Tharand.

“0 Auf Cuscuta ist die ganze eingeforderte Menge auszulesen, und zwar nicht
p°, ^as Abgesiebte, sondern auch die auf dem Siebe zurückbleibenden Samen. Ist eine
ro e stark seidehaltig, so genügt die Auslese einer Mittelprobe von 25 bezw. 50 g.
        <pb n="456" />
        ﻿432

Die Untersuchung der Sämereien.

Die Gewichtsmenge der einzelnen verschiedenartigen Fremdkörper einer Probe
— auch taube, sowie durch Drusch, Ritzmaschine oder sonstwie verletzte Körner —
sollten, sofern sie in beachtenswerter Menge auftreten, für sich bestimmt
und im Untersuchungsbericht angegeben werden. Namentlich ist dies angezeigt für
fremde Samen, welche gleichwertig oder gar wertvoller sind als die zu liefernde
Art oder Varietät.

6.	Absolutes Gewicht. Das absolute Gewicht der Samen einer Probe wird
entweder durch sorgfältige Abzählung und Wägung von 2 x 1000 Körnern von
durchschnittlicher Beschaffenheit (nach Größe, Farbe, Ausbildung) ermittelt
oder noch besser durch Auszählung einer größeren gereinigten Mittelprobe.

7.	Volunigewicht. Die Bestimmung des Volumgewichtes geschieht durch
mindestens dreimalige Wägung einer und derselben Mittelprobe mittels des neueren

1	Liter-Apparates der Kaiserlichen Normal-Eichungs-Kommission. Eine vorgängige
Reinigung der Probe ist nur dann auszuführen, wenn es sich um die Wertbestimmung
einer Sorte als solcher handelt.

8.	Mehligkeit. Die Prüfung von Weizen und Gerste auf Mehligkeit bezw.
Körnigkeit (Glasigkeit) geschieht mittels des Farinotoras von Printz in Karlsruhe.

2	x 100 Körner sind zu durchschneiden und in 5 Mehligkeitsstufen zu sortieren,
woraus der prozentige Mehligkeitsgehalt der Probe berechnet wird.

9.	Keimkraft, a) Zahl der anzukeimenden Samen. Zur Ermittelung
der Keimkraft sind anzusetzen: im allgemeinen 4 X100 Körner, von Buchein,
Eicheln u. a. großen Samen 4 x 50 Körner. (Betreffs feinerer Grassamen und Beta
siehe jedoch weiter unten.)

Die Abzählung der für den Keimversuch bestimmten Samen soll aus einer
gereinigten Mittelprobe mit größter Sorgfalt in der Weise geschehen, daß unter
den je 100 bezw. 50 Körnern die Zahl der großen, mittleren und kleinen, der
hellen und dunklen Körner (bei Nadelhölzern usw.), sowie solcher verschiedenen
Reifegrades in annähernd demselben Verhältnis in der Keimprobe vertreten sind,
wie in der eingegangenen Gesamtprobe.

Überschreitet die Abweichung der Einzelversuche untereinander bei hoch-
keimenden Proben 10 °/0, bei solchen, deren Keimfähigkeit 50 °/0 nahe liegt, 15 °/0,
so ist die Keimkraftprüfung zu wiederholen.

b)	Vorquellung. Eine fünfstündige Vorquellung in reinem Wasser wird
für große Samen (Erbsen, Beta usw.) empfohlen. Dieser Zeitraum ist in die Keira-
kraftprüfungsdauer einzurechnen.

c)	Keimhett. Die Art des Keimbettes ist von geringerer Bedeutung, als
daß die angesetzten Körner den wirklichen Durchschnittscharakter der Probe dar-
stellen, vorausgesetzt, daß Wärme, Feuchtigkeit und Luftzutritt gut geregelt werden.
In erster Linie wird ein starkes, zuvor sterilisiertes Fließpapier empfohlen (z. B.
von Max Dreverhoff, Dresden, Kat.-No. 251), ferner Sand; auch sterilisierte Ton-
apparate sind zulässig.

Eine zu große Feuchtigkeit des Keimbettes ist unter allen Umständen zu
vermeiden. Das Fließpapier und der Sand werden mit 60 °/0 der wasserhaltenden
Kraft des Materials befeuchtet und in diesem mäßigen Feuchtigkeitszustande tunlichst
erhalten. Erneuerung des Keimbettes während der Prüfung nach Bedarf. Chemische
Behandlung der Samen ist unstatthaft.

d)	Temperatur des Keimbettes. Die Keimkraftprüfungen sollen (womöglich
im Thermostaten) bei beständig 20° ausgeführt werden. Bei Agrostis, Aira, Ainus,
Alopecurus, Anthoxanthum, Baldingera, Beta, Betula, Dactylis, - Bauens, Glyceria,
        <pb n="457" />
        ﻿Die Untersuchung der Sämereien.

433

Holcus, Morus, Nicotiana, Pinus Strobus, Poa, Trisetum, Zea ist dagegen eine täglich
sechsstündige Erhöhung der Keimbettwärme auf 30° erforderlich.

e)	Beleuchtung des Keimbettes. Die Keimkraftprüfungen werden unter
Ausschluß künstlicher Belichtung ausgeführt.

f)	Zeitdauer des Keimversuches. Der Abschluß des Keimversuches wird
festgesetzt:

nach vollen 10 Tagen für Bohnen, Buchweizen, Dotter, Erbsen, Kleearten, Kohlarten, Kresse,
Kürbis, Lein, Linsen, Lupinen, Mais, Mohn, Ölrettich, Platterbse,
Raps, Rettich, Rübsen, Senf, Sojabohne, Sonnenblume, Spinat,
Spörgel, Timothee, Wicke, Zerealien, Zichorie;

„	„	14	„	„	Beta, Dill, Esparsette, Fenchel, Glanzgras, Gurke, Hanf, Horn-

klee, Kerbel, Möhre, Raigräser (Lolium und Arrhenatherum),
Reseda, Serradella, Sorgho, Tabak, Wiesenkuopf (Poterium);

„	„	21	„	„	Eibisch, Gräser (ausgen. Rispen- und Raigräser sowie Timothee),

Kümmel, Maulbeere;

„	„	28	„	„	Ahorn, Anis, Birken, Eichen, Erlen, Hornbaum (Carpinus), Nadel-

hölzer (ausgen. Pinus sylvestris und P. Strobus), Rispengräser,
Rotbuchen;

„	„	42	„	„	Obstkerne, Pinus sylvestris und P. Strobus.

Nach dem Abschluß des Keimversuches mit Nadelhölzern ist zur Feststellung
des Zustandes der nicht gekeimten Samen die Schnittprobe auszuführen und im
Untersuchungsbericht anzugeben, wie viele der nicht gekeimten Samen taub, faul
und noch scheinbar frisch befunden worden sind.

Im allgemeinen ist nur die wirklich gefundene prozentige Keimkraft
für den „Gebrauchswert“ (das Erzeugnis aus Reinheit und Keimkraft) in Ansatz zu
bringen. Papilionazeen-Samen, welche beim Abschluß des Keimversuches zwar noch
nicht gekeimt, aber gesund gequollen sind, gelten als gekeimt. Die Prozentzahl
der beim Abschluß des Keimversuches noch scheinbar frisch (Nadelhölzer, Beta)
bezw. noch ungequollen oder „hartschalig“ (Papilionazeen) befundenen Samen ist
jedoch nebenbei im Untersuchungsberichte aufzuführen, mit dem Bemerken, daß
ein im Einzelfall unbestimmbarer Bruchteil derselben voraussichtlich noch
naohkeimen dürfte.

Grassamen, welche ihre Stammachse früher als die Würzelchen hervorstrecken,
sowie kleeartige und andere Samen, welche infolge von inneren Verletzungen
(Drusch- und Ritzbruch) im Keimbett zerfallen, werden noch behufs weiterer
Beobachtung im Keimbett belassen. Entwickeln sie bis zum Abschluß des Versuches
eine oder mehrere gesunde Nebenwurzeln, so werden sie als gekeimt gerechnet.

Zur richtigen Beurteilung der Bruchkörner werden irgendwie zweifelhafte
Samen überhaupt nicht vor dem Ablauf von 72 Stunden (Bonn 1900) bezw. vor dem
vollendeten Abwurf der Samenhülle dem Keimbett entzogen.

Da übergroße Nässe den Zerfall geschädigter Samen beschleunigt, so ist die
^ orschrift in Punkt 9 c hier besonders zu beachten.

g)	Keimungs-Energie. Für die Bestimmung der „Keimungs-Energie“
einer Samenprobe wird eine Zeitdauer festgesetzt von:

^ -Tagen bei Dotter, Erbsen, Kleearten, Kohlarten, Kresse, Lein, Linsen, Mais, Mohn,
Ölrettich, Raps, Rettich, Rübsen, Senf, Sojabohne, Spörgel, Wicken, Zerealien
(ausgen. Hafer), Zichorie;

&gt;i „ Bohnen, Buchweizen, Hafer, Kürbis, Lupinen, Sonnenblume, Spinat;

0 n „ Beta, Dill, Eibisch, Esparsette, Gnrken, Platterbsen, Raigräsern (Lolium und
Arrhenatherum), Serradella, Tabak, Timotheegras, Wiesenknopf (Poterium),
Wiesenschwiugel;

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	28
        <pb n="458" />
        ﻿434

Die Untersuchung der Sämereien.

6	Tagen bei Fenchel, Goldhafer, Hanf, Hornklee, Kerbel, Möhre, Reseda, Sorgho, Strauß-

gräsern ;

7	„	Anis, Eiche, Fichte, Puchssohwanzgras, Glanzgräs, Kammgras, Knaulgras,

Kümmel, Maulbeere, Ruchgras, rotem und Schafschwiugel, Schmielen;

10	„ Ahorn, Birke, Buche, Erle, Hornhaum, Lärche, Rispengras, Tanne;

14	„	„ Pinus sylvestris und P. Strobus.

10.	Wertbestimmung von Grassnmen. Bei Prüfungen der feineren bezw.
schwierigeren Grassamen Aira, Agrostis, Alopecurus, Anthoxanthum, Arrlienatherum,
Dactylis, Festuca ovina und rubra, Holeus, Poa usw. wird folgendes Verfahren
eingeschlagen:

Man zieht eine Mittelprobe von der oben (§ 3) vorgeschriebenen Größe und
liest die „fremden Bestandteile“ (Steinchen, fremde Samen usw.) heraus.

Von den so gereinigten Scheinfrüchten werden zwei kleine Mittelproben,
jede für sich, hergestellt, so groß, daß jede mindestens 300—400 volle Körner
enthält. Boi Dactylis, Festuca ovina, Alopecurus genügen für diesen Zweck (un-
gefähr) 0,4 g, bei Arrhenatherum 1,0 g, bei Poa 0,1 und bei Agrostis 0,06 g.
Kleine Abänderungen dieser Gewichtsmengen werden bedingt durch den annähernd
abzuschätzenden größeren oder geringeren Gehalt an tauben Scheinfrüchten. -
Beide Mittelproben werden genau gewogen und ohne „Vorquellung“ ins Keirabett ge-
bracht. — Das Ergebnis der Keimkraftprüfung wird auf 1 g der rohen Probe berechnet.

Bei Schiedsprüfungen werden nach Verlauf einiger Tage — jedenfalls bis zu
dem die Keimungs-Energie anzeigenden Zeitpunkt — die im feuchten Zustande
leichter erkennbaren leeren oder solche Scheinfrüchte, die statt des Kornes Antheren
oder Insektenlarven enthalten, herausgelesen (zweckmäßig mittels eines Diaphanoskops).
Scheinfrüchte, welche eine — wenn auch mangelhaft entwickelte — Karyopse ent-
halten, verbleiben, der Zahl nach genau bestimmt, im Keimbett. Im allgemeinen
wird bei beständig 20°, die in § 9 d genannten Gattungen aber, wie dort angegeben,
bei einer zwischen 20 und 30° wechselnden Temperatur geprüft und das Ergebnis
auf 1 g der rohenProbe, sowie prozentig auf die ein Korn enthaltenden („vollen“) Schein-
früchte berechnet. — Die herausgelesenen tauben Scheinfrüchte werden bei Zimmer-
temperatur wieder getrocknet und ihr Lufttrockengewicht dem „Fremden“ zugerechnet.

11.	Wertbestiminmig von Beta. Bei der Prüfung von Eunkel- und Zucker-
rübenknäulen wird durch die Beziehung der von einer bestimmten Anzahl Durch-
schnittsknäulen von bekanntem Gewicht gewonnenen Keimpflänzchen auf die in den
Knäulen enthaltenen (durch die nachträgliche Schnitt probe zu ermittelnden)
Samen die wirkliche Keimkraft zuverlässig bestimmt. Bei Schiedsanalysen ist
daher diese Bestimmung der Samenzahl durch nachträgliche Schnittprobe stets
durchzufUhren. Für gewöhnlich wird folgendes abgekürzte Verfahren für Beta als
zulässig erklärt.

Es wird zunächst das Durchschnittsgewicht der Knäule aus einer korrekt
gezogenen, von fremden Bestandteilen und nötigenfalls von anhaftenden Hochblättern
(durch Reiben) befreiten Mittelprobe, welche mindestens 2000 Knäule enthält —
noch sicherer aus der ganzen eingegangenen (gereinigten) Probe ■— durch Wägung
und Zählung bestimmt. Hierauf werden 3 x 100 Durchschnittsknäule (unter denen
große, mittlere und kleine in annähernd gleichem Verhältnis enthalten sind, wie in
der Gesamtprobe), jede 100 für sich, von der gereinigten Mittel- oder Gesamtprobe
abgezählt und gewogen. Weicht das Gewicht der einen oder anderen 100 Knäule
von dem Durchschnittsgewicht um 10 oder mehr Prozente ab, so werden erstere
durch Auswechselung einzelner Körner in eine nähere Übereinstimmung mit dem
Durchschnittsgewicht gebracht. Letzteres sowie das Gewicht der je 100 Knäule
ist in dem üntersuchungsberichte anzugeben.
        <pb n="459" />
        ﻿Die Untersuchung der Sämereien.

435

Die 3 x 100 Körner werden alsdann 5 Stunden vorgequellt, hierauf zur
Keimung bei einer wechselnden Temperatur von 20° (täglich 18 Stunden) und 30°
(6 Stunden täglich) angesetzt. Am 3., 5. (Keimungs-Energie!), 8., 11. Tage werden
die jeweils gekeimten Knäule in ein gemeinsames zweites Keimhett übertragen.
Am 14. Tage wird der Versuch mit der Feststellung der ungekeimten KnäulCj
sowie der von Jen gekeimten gewonnenen, auf 100 Knäule und auf 1 g der rohen
Probe zu berechnenden Anzahl Keimpflanzen abgeschlossen.

Die Wasserbestimmung in Zucker- und Eunkelrübenknäulen erfolgt durch
Trocknen einer Mittelprobe von 10—15 g bei 95—100° (nicht höher) bis zur
Gewichtsbeständigkeit.

12.	Latitüde. Der wahrscheinliche mittlere Fehler einer Untersuchung ist
theoretisch am kleinsten bei hochkeimenden bezw. sehr reinen Proben und nimmt
zu, wenn die Reinheit bezw. Keimkraft bis 50 °/0 herabsinkt. Dem Gutachten des
Verbandes (Hauptversammlung zu München, 16. September 1899) zufolge sind bei
Verwendung von je 400 Körnern zur Keimkraftprüfung folgende Latitüden zulässig.

a)	Keimkraft-Latitüde; 5 °/0 bei Samen (aller Gattungen), welche bei der
Untersuchung zu 90 und mehr Prozent, dagegen 8 °/0 bei Samen, welche zu
50—90 °/0 keimen.

b)	Eeinheits-Latitüde: 2 °/0 bei Samen mit einer festgestellten Reinheit von
90 und mehr Prozenten und 3% bei Samen mit einer Reinheit unter 90°/0.

c)	Gebrauchs werts-Latitüde: 6 °/0 bei Samen, deren Gebrauchswert (aus
Reinheit und Keimkraft) 90 und mehr Prozente beträgt, dagegen 9 °/0 bei einem
gefundenen Gebrauchswert unter 90 °/0.

Für Runkel- und Zuckerrüben gelten vorstehende Spielräume nur, wenn die
Keimkraft der in den Knäulen enthaltenen Samen durch die nachträgliche Schnitt-
probe bestimmt wird.

13.	Rechtsgültige Aufstellung des Untersuchuugsberichtes. Ein Untersuchungs-
bericht, welcher die Grundlage für Entschädigungsansprüche bilden soll, muß An-
gaben enthalten über:

a)	die Ausführung der Untersuchung nach Maßgabe der technischen Verbands-
vorschriften;

b)	die erforderliche und tatsächliche Größe, den botanischen Namen und die Be-
zeichnung der Probe seitens des Einsenders;

c)	Abgangszeit der Probe vom Orte des Einsenders;

4)	Eingang derselben in der Versuchs-Station;

e)	ob in unversehrtem Behälter (Musterkapsel, Glas, Beutel, Papierdoppelhülle);

i.) ob mit unverletztem Siegel;

g)	ob mit ordnungsmäßigem Probeziehungsattest;

h)	Abgangszeit des Untersuchungsberichtes.

14.	Schiedsprüfuugen. Etwaige Differenzproben sind versiegelt an den
"Ritzenden des Samenprüfungs-Ausschusses zu senden, welcher je 3 identische

■feilproben an zwei oder drei verschiedene Verbands-Stationen, ohne nähere Angaben
über deren Ursprung, zur Schiedsuntersuchung zu übermitteln hat.

Die Entscheidung Uber den Ausfall der Schiedsuntersuchung steht dem Ver-
ands-Ausschuß für Samenprüfungen zu, dem die Ergebnisse ohne Nennung der
•eteiligten Stationen vorgelegt werden.

Art der Ausführung der Vorschriften für die Untersuchung.

i ®utnahme der Mittelprobe, Probeziehung. Zur Entnahme der Mittel-
Probe werden empfohlen:

28*
        <pb n="460" />
        ﻿436

Die Untersuchung der Sämereien.

a) für Klee- und ähnliche Samen der N oh he sehe1)
v. Weinzierlsche2) „Kleesamenstecher“ (Fig. 234);
h) für Zerealien usw. der „Kornprobenstecher“1) (Fig. 235).

a) Der Kleeprobensteoher von Nobbe (Fig. 233) besteht aus
einem Blechkästchen und einer 6 mm weiten, langgespitzten, mit einem
Einschnitt a versehenen Röhre. Die Röhre wird — der Einschnitt nach
unten — unmittelbar in den geschlossenen Sack eingeführt, was ohne
bleibende Verletzung des grobmaschigen Gewebes tunlich, alsdann mit
einer halben Achsendrehung der Einschnitt nach oben gebracht und durch
leises Rütteln des Kästchens, unter gleichzeitiger Horizontalbewegung,
eine Menge von 40—50 ccm Samen entnommen. Man sammelt so in
3 Höhenschichten des Sackes Muster von zu-
sammen der zur Untersuchung erforderlichen
Menge. Ist die Zahl der Säcke größer, so wird
je der 2., 3., 5. oder 10. Sack in Untersuchung
gezogen.

Der Kleesamenstecher von v. Wein-
zierl (Fig. 234) besteht aus einem in eine
Stahlspitze auslaufenden 20 cm langen Rohre,
welches in einer Entfernung von 3 cm von
der Spitze einen 3,2 cm langen Ausschnitt (a)
zur Aufnahme der Kleekörner hat.

b) DerKornprobenstecher vonNobbe
(Fig. 236) wird geschlossen in den geöffneten
Sack eingeführt, durch Drehung des Griffes ge-
öffnet und nach kurzem Rütteln wiederum ge-
schlossen herausgehoben; die Probenahme 4—5-mal
an verschiedenen Punkten des Sackquerschnittes
wiederholt, gibt die zur Prüfung erforderliche
Menge.

Für die mit Grannen _ ,
versehenen Gräser, für Futter-
und Zuckerrübensamen muß
vorläufig in folgender Weise
verfahren werden:8)

Der Samen wird auf
eine gesäuberte Fläche der
Tenne oder des Lagerbodens
ausgebreitet, mit der Schaufel
tüchtig durcheinandergear-
beitet; darauf werden aus
den mittleren Höhen-
schichten des Haufens an
mindestens drei Punkten
desselben kleinere Proben
entnommen und zusammen-
gegeben.

(Fig. 233) oder der

Fig. 288.

Nobbes Kleeproben-
steoher.

Fig. 284.
v. Weinzierls
Kleesamen-
stecher.

Fig. 235.
Nobbes Korn-
probenstecher.

*) Der Kleeprobenstecher ist für 75 Pf., der Kornprobenstecher für 8 Mk. das Stück
von dem Klempner Matthes in Tharandt zu beziehen.

2) Zu beziehen von Lenoir &amp; Förster in Wien IV,. Waaggasse 5, für 6,40 Mk.
s) Nobbes Handbuch der Samenkunde, 1. Aufl. S. 423.
        <pb n="461" />
        ﻿Die Untersuchung der Sämereien.

437

2.	Herstellung einer engeren Mittelprobe. Zur Herstellung der „engeren
Mittelprobe“ aus der eingesandten Menge empfiehlt Fr. Nobbe den von ihm
angewendeten, mit Glanzpapier ausgeklebten viereckigen Pappkasten,1) in welchen
die Probe gebracht und horizontal geschüttelt wird, bis eine gleichmäßige Ver-
teilung nach Maßgabe der spezifischen Gewichte anzunehmen ist; alsdann werden
4—5 Partien in 4—5 Inseln oder auch in Kreuzform an verschiedenen Stellen
isoliert und ihr Inhalt im Gesamtbeträge der zur Untersuchung erforderlichen Menge
mittels Hornspatels aufgenomraen. Man kann sich zur Herstellung der engeren
Mittelprobe auch der Fließprobe (S. 431) bedienen oder aber besonders für Gras-
und Rübensamen sehr zweckmäßig auch in folgender Weise verfahren; Die ganze
Probe wird auf glattem, reinem Papier mit einem Hornlöffel gut gemischt, gleich-
mäßig in dünner, überall gleichhoher Schicht ausgebreitet und nun werden aus
derselben mit einem Hornlöffel an geometrisch bestimmten Stellen kleinere Pröbchen
genommen; dabei ist darauf zu achten, daß auch die auf dem Boden liegenden
Körner mitgenommen werden.

Über die Menge der zur Untersuchung zu verwendenden „engeren Mittel-
prohe“ vergl. S. 431.

3.	Bestimmung der Echtheit des Samens. Die Echtheit der Gattung und Art
der meisten Kultursamen ist, wie schon S. 431 gesagt, von der Kontrollstation
unschwer festzustellen, da deren Vorstand die nötigen Kenntnisse und außerdem
eine Mustersammlung besitzen muß. Selbst Lolium italicum und perenne, Festuca
pratensis und Lolium perenne, die hauptsächlichsten Poa-Arten (P. pratensis,
trivialis, nemoralis, annua) lassen sich allenfalls unterscheiden, doch ist in dem
Gutachten Vorsicht zu empfehlen. Manche Samenarten: Trifolium medium und
pratense, Medicago sativa und media, Brassica-Ärten sind wohl in einzelnen scharf
ausgeprägten Körnern, zum Teil mit Hilfe des Mikroskopes zu unterscheiden,
nicht aber in Massen. Eine Garantie für die Echtheit von Varietäten von Brassica,
Raphanus, Trifolium (z. B. das Cowgrass, Trifolium pratense perenne), von Zere-
alien, Hülsenfrüchten usw. hat die Kontrollstation abzulehnen und auf die Ent-
scheidung durch die sonst unzulässige Feldprobe zu verweisen, wofür der Käufer
111 diesen Beziehungen vom Händler Garantie zu fordern hat.

Das Gesetz steht solcher Forderung zur Seite.

Die Untersuchung von „Grasgemischen“ ist von der Kontrollstation abzulehnen
and dahin zu streben, daß das Angebot solcher Mischungen in den Preislisten der
Samenhändler verschwinde (vergl. S. 431).

Die sogenannten „Grasgemische“ sind meistens ohne Grundsatz zusammengestellte
Gemengsel fragwürdiger und jedenfalls ungeprüfter Samen; ihre Verwendung ist
entschieden zu widerraten. Ein (an sich empfehlenswerter) Mischbestand auf Wiesen
ist durch Einkauf und Prüfung der einzelnen zu verwendenden Samenarten her-
zustellen.

Eine sehr häufig an die Samenkontrollstationen herantretende Frage ist die,
0:1 ein Rotklee deutsche bezw. einheimische oder amerikanische Saat ist.

_ der amerikanische Rotklee bei uns leicht auswintert oder doch im all-
»emeinen, besonders aber im zweiten Jahr geringere Erträge liefert, so ist diese
lage keine müßige.

Wenn der Kleesamen nicht gesiebt ist, so kann man den amerikanischen Eot-
ee an seinen eigenartigen Unkrautsamen: Plantago Rugelii, Plantago aristata,
___^°sia artemisiaefolia, Panicum capillare, Euphorbia Preslii, Verbena urticaefolia,

') Nobbes Handbuch der Samenkunde, 1. Aufl. S. 425.
        <pb n="462" />
        ﻿438

Die Untersuchung der Sämereien,

Hedeoma pulegioides, Paspalum ciliatiiolium, Lepidium virginicum, Phacelia tana-
cetifolia usw. erkennen.

Ist der Kotklee gesiebt, so ist die Beurteilung der Frage unsicher. Da das
Eotkleesamenkorn selbst keine Unterscheidungsmerkmale bietet, so bleibt in solchen
Fällen nichts anderes übrig, als die Feldprobe entscheiden zu lassen. Die
amerikanische Rotklee-Pflanze ist dicht behaart und hat senkrecht abstehende
Haare; die einheimische Rotklee-Pflanze hat dagegen nur spärliche und flach an-
liegende Haare. Nach H. Roß1) soll es möglich sein, schon 7—12 Tage nach der
Aussaat die amerikanische Abart des Rotklees zu erkennen.

4.	Ermittelung der Reinheit. Zur Ermittelung der Reinheit eines Samens
wird die vorgeschriebene Menge der engeren Mittelprobe (vergl. S. 431) auf Glanz-
papier ausgebreitet und nötigenfalls unter Zuhilfenahme einer 'Lupe mittels einer
Pinzette Korn für Korn ausgelesen.2) Der ausgelesene reine Samen wie die fremden
Bestandteile werden beide zurückgewogen.

Als „fremde Bestandteile“ sind alle die Dinge zu betrachten, welche nicht
der echte Same sind; fremde Samen, selbst von gleichem oder höherem Marktwert,
sind auszuscheiden; ebenso der „Bruch“, d. i. Samen, deren Keim zweifellos zer-
stört ist. Dagegen sind alle echten Samen als solche in Rechnung zu setzen, selbst
halbwüchsige, unreife oder sonst anscheinend untaugliche.

Motive: Die Beimengung einer wertvolleren Samenart unter eine Verkaufs wäre pflegt
nicht mit dem besten Materiale der Art ausgeführt zu werden, läuft jedenfalls dem Kauf-
zweck zuwider. Die Qualität der an sich echten Samen wird durch den Keimversuch,
nötigenfalls durch die Volumen- und Gewichtsbestimmung genugsam festgestellt.

Zur Ermittelung der Reinheit kann man sich der „Spreufege“ von
Fr. Nobbe bedienen. Grassamen, welche viele taube Scheinfrüchte und Spelzen
enthalten, befreit man am besten zunächst durch vorsichtiges Ausblasen von diesen,
wobei man diese Bestandteile auf einer geeigneten Unterlage auffängt.

5.	Ermittelung der Keimfähigkeit. Für die Ermittelung der Keim-
fähigkeit sind eine gaijze Anzahl „Keimapparate“ im Gebrauch. Der ur-
sprünglich von Fr. Nobbe empfohlene aus Ton bewährte sich nach manchen Er-
fahrungen nicht, weil es sehr schwer hält, denselben von den während der
Keimung der Samen sich bildenden Fäulnis- und Schimmel-Erzeugnissen, welche
die Keimfähigkeit nachfolgender Samen beeinträchtigen, zu reinigen. Ich unterlasse
es daher, diesen Apparat hier zu beschreiben. In der Praxis wird die Keimfähigkeit
durchweg zwischen feuchten Flanelllappen ermittelt. Eine sehr einfache Vorrichtung
ist auch:

a)	Ein Keimbett aus Fließpapier. Eine Doppellage weißen Fließpapiers von
etwa 23 cm Länge und 15 cm Breite wird in der nachstehenden Form (Fig. 236) viereckig
gefalzt, in dem mittleren Quadratraum die Samenkörner verteilt, das Papier darüber
zusammengeschlagen und befeuchtet. Hierauf wird das Päckchen auf eine angefeuchtete
Doppellage Fließpapier in einer großen Glas- oder Porzellanschale (nötigenfalls Suppenteller)
gelegt, mit einer ebensolchen Lage bedeckt und bei Zimmerwärme aufgestellt. Die Regelung
der Feuchtigkeit erfordert eine 1- bis mehrmalige tägliche Schau. Ein öfteres Regeln der
Feuchtigkeit wird unnötig, wenn man die von Th. Dietrich angegebenen viereckigen
Glasschalen mit ebenem Rande, die mit einer Glasplatte bedeckt werden, benutzt.

]) Landw. Versuchs-Stationen 1902, 56, 457.

3) v. Weinzierl hat zur Erleichterung des Auslesens, besonders zur Erkennung
von tauben Früchten bei einigen Grassamen einen Spiegelkasten eingerichtet, auf den
ich hier verweisen will. Derselbe kann von der Firma Lenoir &amp; Förster in Wien IV,
Waaggasse 6, bezogen werden.
        <pb n="463" />
        ﻿439

Die Untersuchung der Sämereien.

b)	Keimapparat vom Verfasser. Verfasser hat einen dem v. Lieben-
bergschen1) ähnlichen Keimapparat2) eingerichtet, welcher sich durchweg gut be-
währt hat.

Derselbe besteht aus einem einfachen 20 cm breiten, 23 cm langen und 4 cm hohen
viereckigen Kasten von Zinkblech (Fig. 237), welcher in der Mitte durch einen Zinkblech-
streifen, der aber nicht bis auf den Boden reicht, in 2 Abteilungen geteilt ist. In jede
Abteilung sind 2 Glasscheiben g von etwa 4 cm Breite eingepaßt und wird der Apparat
wie folgt gehandhaht:

1.	Man schneidet aus einer 3-fachen Lage gewöhnlichen Filtrierpapiers Streifen
von 9'/a cm Breite und 17 cm Länge, legt dieselben der Länge nach so auf die Glas-
scheiben g, daß nach dem Falzen des Papiers an beiden Seiten gleichlange Streifen
herunterhängen, und legt die so hergerichteten Glasscheiben wieder in den Apparat.

2.	Alsdann füllt man den Blechkasten zu a/3 mit Wasser; die in das Wasser
tauchenden Papierstreifen ziehen das Wasser an und halten auch den auf der Oberseite
der Glasscheiben befindlichen Teil des Filtrierpapiers fortwährend feucht.

Fig. 236. Keimbett aus Fließpapier.

Fig. 237. Keimapparat (vom Verf.).

3.	Wenn dieser Teil des Filtrierpapiers hinreichend durchfeuchtet ist, preßt man
dasselbe fest an das Glas an, zählt 2-mal 200 Korn des zu untersuchenden Samens ab und
verteilt die einen 200 Korn gleichmäßig auf die 2 Papierscheiben der einen Hälfte, die
anderen 200 Korn auf die 2 Papierscheihen der anderen Hälfte des Apparates. In jedem
Apparate können so bei kleineren Sämereien jedesmal 2 Proben von je 200 Korn zur
Bestimmung der Keimfähigkeit angosetzt werden; bei größeren Sämereien (Lupinen,
Mais usw.) verteilt man die 200 Korn auf die 4 Papierscheiben und nimmt für die Doppel-
Probe einen zweiten Apparat.

4.	Nach Bedecken des Apparates mit dem Zinkdeckel stellt man ihn an einen Ort,
der eine annähernd beständige Temperatur von etwa 20° besitzt.

c)	Keimapparat von Stainer. In Brauereien ist zur Feststellung der
Keimfähigkeit der Gerste auch der Keimapparat von Stainer8) (Fig. 238—240 in
'io der natürlichen Grolle) eingeführt.

’) Wollnys Forschungen auf dem Gebiete d. Agrik.-Physik 1879, 2, 379.

■) Derselbe wird von dem Klempner G. Merckel, Münster i. W., Alter Steinweg,
?u 3&gt;00 Mk. für das Stück (nebst Gebrauchsanweisung), oder auch von Fr. Hugershoff
111 Leipzig geliefert.

3) Thausing Wiener landw. Ztg. 1877, No. 10. — Allgemeine Zeitschr. für Bier-
Hauerei usw. 1877
        <pb n="464" />
        ﻿440

Die Untersuchung der Sämereien.

Derselbe stellt von außen einen 40 cm hohen hölzernen Kasten dar, an dessen
Vorderseite eine f'estsohließende Tür angebracht ist. Im Innern befinden sich auf 5 etwa
6 cm voneinander entfernt liegenden Etagen aus durchbrochenem Eisenblech 10 Keimplatten,
welche aus einem Gemenge von Chamottemehl, Sägespäneu und feinem Kohlenstaub her-
gestellt und sehr porös sind. Jede der Keimplatten (Fig. 240 in */4 der natürlichen Größe
und Fig. 238 und 239) ist 15 cm lang, 6 cm breit und 1 cm dick. Auf der Oberseite be-
sitzen sie in 5 Reihen 100 ovale Vertiefungen (Keimzellen) zur Aufnahme von je einem
Korn. Zur Aufnahme der Keimplatten dienen blecherne Schalen (b b), in welche je ein
Filzplättohen (c c) von derselben Größe wie die Keimplatte gelegt wird.

Um die Samen, unabhängig von der Lufttemperatur, bei einer beliebig hohen
Temperatur keimen lassen zu können, hat Stainer bei seinem Apparate eine kleine Heiz-

Fig. 240.

Keimapparat von Stainer.

Fig. 341.

Keimapparat von Goldewe und
S chö nj ahn.

Vorrichtung angebracht, die es ermöglicht, die Temperatur innerhalb des Apparates nach
Wunsch zu regeln.

Es sind nämlich außer der äußeren Wand innen noch 2 Wandungen aus dünnem
Blech vorhanden, die zwischen sich einen Raum d frei lassen, der mit dem Gefäß e (Fig. 238)
kommuniziert. Der Raum d, ebenso das Gefäß e, ersteres bei f (Fig, 239), werden nötigen-
falls mit Wasser von beliebig hoher Temperatur gefüllt. Dieses Wasser kann vermittels
des Petroleumlämpcbens g warm erhalten und bei k abfließen gelassen werden. Um die
Ausstrahlung der Wärme zu vermindern, ist der Raum bei h (Fig. 238) mit Asche aus-
gefüllt; durch die beiden Luftkanäle i i strömt frische Luft in den Apparat; 1 ist ein Dunst-
schlauch, der die Wasserdämpfe abführt. Durch diese Einrichtung wird eine stete Luft-
erneuerung im Apparate herbeigeführt; m ist ein kleines Tropfsohälchen.

Die Temperatur innerhalb des Apparates wird mittels dos Thermometers n (Fig. 239)j
dessen Quecksilberkugel in das Innere des Apparates reicht, beobachtet.
        <pb n="465" />
        ﻿Die Untersuchung der Sämereien.

441

Für Brauereien genügt ein Apparat, der billiger zu stehen kommt. Will man den
Apparat in Benutzung nehmen, so taucht man die Keimplatten in Wasser, welches sie
rasch aufsaugen, bringt in jede Zelle ein Gerstenkorn und gießt in die Blechschaleu etwas
Wasser. Jede Gerstenprobe wird 2 Keimplatten beanspruchen, so daß man auf einmal 5
Gerstensorten auf ihre Keimkraft prüfen kann. Will man bei der eben herrschenden Luft-
temperatur keimen lassen, so hat man weiter nichts zu tun, als von Zeit zu Zeit nach-
zusehen, ob die Filterunterlagen gut mit Wasser durchtränkt sind, und, wenn nötig,
Wasser nachzugießen. Die Keimplatten werden öfter durch Auskochen gereinigt.

Stainer verfertigt noch einen kleinen und billigen Apparat,1) bestehend aus einer
runden, porösen Keimplatte mit 100 Vertiefungen zur Aufnahme der Gerstenkörner, die
auf eine mit feuchtem Sand gefüllte Schale gelegt und mit einem Glassturz überdeckt
wird. Der Sand wird während der Keimprobe mäßig feucht gehalten.

d)	Keimapparat von Goldewe und Schönjahn in Braunschweig.
Dieser in Fig. 241 abgebildete Apparat findet ebenfalls in Bierbrauereien mit gutem
Erfolg Anwendung.

Auf der Einschnürung eines Glasgefäßes a liegt die mit 100 kleinen, nach unten
sich verjüngenden Öffnungen versehene Keimplatte b, die nur aus glasiertem Steingut an-
gefertigt ist. Will man den Apparat in Benutzung nehmen, so füllt mau das Gefäß a
beinahe ganz mit Wasser; dann steckt man in jede Öffnung der Keimplatte ein Gersten-
korn mit dem Keimende nach unten, bedeckt die Körner oben mit einer dünnen Sandschicht,
befeuchtet diese mit reinem Wasser und deckt den mit einem Thermometer versehenen
Filzdeckel o darauf. Das Keimen verläuft in dem Apparat rasch und gleichmäßig.

Wenn man mit manchen Keimapparaten nicht zufrieden ist, so liegt das meist in
der falschen Handhabung derselben. Die zu verwendende Gerste soll man vorher gut
waschen, um sie von Staub und Schimmelsporen zu befreien. Man soll die Keimplatten
vor jedem Versuche gut reinigen und sie während des Keimversuches niemals sehr naß
halten, weil die Gerstenkörner sonst faulen; man muß ferner den Keimapparat an einen
mäßig kühlen Ort mit reiner Luft stellen (Malztenne), sonst schimmelt die Gerste leicht.
Auch muß man die porösen Kcimplatten öfter durch Auskochen reinigen. Die Keimplatten
dürfen nicht unbedeckt dem Staube ausgesetzt stehen bleiben, sondern sind bedeckt zu
halten. 2)

Den Verlauf der Keimung in einem solchen Keimapparate kontrolliert man
anfangs täglich, später alle 2 Tage; man nimmt jedesmal die gekeimten Samen
mittels einer Pinzette heraus bezw. weg und vermerkt die Anzahl.

Beim Abschluß, d. h. nach Ablauf der oben für die einzelnen Saatwaren
vorgeschriebenen Zeit, wird die Summe gezogen und zugleich nötigenfalls nach
^chnittprobe vermerkt, wie viele der nicht gekeimten Samen noch „hart“ (bei Klee-
samen usw.) oder „frisch“, „grün“ (bei Kiefernsamen usw.) geblieben sind.

Bei Beurteilung der Keimfähigkeit ist auch als wesentlich die „Keimungs-
energie“ zu berücksichtigen. Bei gleichem Endergebnis der absoluten Größe der
Keimfähigkeit ist ein Samen um so besser, je schneller er keimt. Wenn z. B. 2 ge-
gebene Kleesamenproben folgende Ergebnisse an Keimpflanzen geliefert haben:

ln 1	2	3	4	5	6	7	89 10 Tagen Summe

a)	—	5	16	20	10	14	8	6	7	2	=90%,

b)	20	60	4	2	—	1	—	—	1	—	= 88 „

würde die letztere, welche in 3 Tagen bereits 84 von den überhaupt 88 °/0

Aeimen geliefert hat, weitaus den Vorzug verdienen vor der ersteren, welche in
&lt; ein gleichen Zeitraum erst 20 °/0 zur Keimung brachte.

]) Die Stainerschen Keimapparate sind von J. Stainer (Firma J. Staiuer &amp; Hoff-
ann, Samenhandlung in Wiener-Neustadt, Niederösterreich) zum Preise von 40 bezw. 30
u en der große und zu 3 Gulden für den kleinen Apparat zu beziehen.

') Aubry empfiehlt einige weitere Keimkästen (Zeitschr. f. d. gesamte Brauwesen

1885,
        <pb n="466" />
        ﻿442

Die Untersuchung der Sämereien.

Die Ermittelung der Keimfähigkeit der Eunkel- und Zuckerrüben-
samen erheischt ein abweichendes Verfahren (vergl. S. 434).

Für die Reinheit und Keimfähigkeit usw. der wichtigsten Samen-
arten können nach Fr.Nobbe1) folgende erfahrungsmäßige Durchschnittszahlen gelten:

Samenart:	g B 1 kg (rein) ent- »S hält i. M. Körner  3 i	o Keimkraft der ° reinen Samen	Fremde ßestand-  °	teile höchstens	S Wirtschaftliche  3 Keimkraftdauer	Samenart:	g o 1 kg (rein) ent-  hält i. M, Körner  B V	Keimkraft der  reinen Samen	Fremde ßestand-  °	teile höchstens	gl Wirtschaftliche  3 Keimkraftdauer
Schmetter-									
lingsblütler:									
Rotklee (deutsch) .	560	85—95	1,6	2—3	Eiesenschwingel .	625	30—40	5	2—3
„ ^amerikan.).	640	90—95	1,5	2—3	Hartl. Schwingel .	1700	60—80	6	2—3
Wuudklee ....	385	75-85	1,5	2—3	Roter	„	1420	60—80	5	2—3
Weißklee ....	1550	80—90	2	2—3	Mannagras .	.	.	1015	70-80	5	0-0.1
Schwedischer Klee .	1420	80—90	2	2—3	Miliz-Schwaden .	,	2625	20—30	10	0—1
Inkarnatklee . . .	285	80-90	1.5	2-3	Wollig. Honiggras.	2400	40—50	10	3-4
Hornklee ....	1085	70—85	3	2—3	Wiesen - Rispengras	5759	70—80	5	2—3
Gelbklee ....	610	85—95	1,5	2-3	Hain-	„	6100	60-80	5	2—3
Luzerne ....	465	85—95	1,5	2—3	Gemeines „	7571	60—80	5	2-3
Sandluzerne .	.	.	415	80—90	1,5	2—3	Zerealien;				
Bokharaklee .	.	.	520	70—80	1,5	2—3	Saat-Roggen .	.	.	32	95—100	i	2—3
Lupine		6—7	95—100	0,5	2 3	„ Weizen .	.	.	24	95—100	i	2—3
Esparsette ....	50	70—90	0,5	2—3	„ Gerste .	.	.	22	90—100	i	2-3
Serradella ....	290	80-90	1.5	2-3	„ Hafer .	.	.	27	90—100	i	2—3
Pferdebohne ,	.	.	1	95-100	0,5	4—5	„ Mais ....	3	90 100	i	3-4
Erbse		3—5,	95—100	0,5	5-6	AnderweiteKul-				
Saatwicke ....	13	95—100	1	3-4					
Sojabohne ....	.3-6	90-100	0,5	1—2	turgewächs e: Ölraps		175	95—100	0,5	2-3
Gräser;					Eübenraps .	.	.	330	95—100	0,5	2—3
Englisches Eaigras	500	85—95	2,5	2—3	Rübsen		445	95—100	0,5	2—3
Italienisches „	590	85-90	2,5	2—3	Wasserrühe .	.	.	358	90—100	0,5	2—3
Französisches ,.	400	70—85	5	2—3	Senf (schwarzer) .	557	90-100	1	3-4
Timotheegras.	.	.	2060	90—96	2	3-4	Leindotter .	.	.	1086	95-100	1	2-3
Fioringras ....	18970	80—90	12	2—3	Saatlein ....	220	90—100	1	2—3
Drahtschmele.	.	.	2850	40—60	10	2-3	Hanf		47	90—100	1	2-3
Goldhafer ....	3720	70—80	15	2—3	Gemein.Buchweizen	42	80—90	2,6	2-3
Wiesenfuchsschw. .	2050	70—80	10	2-3	Tatarischer „	53	60—80	5	2-3
Ruchgras ....	1837	50-60	15	2—3	Bihernell (Poter.) .	80	60—80	10	2—3
Weiche Trespe . .	230	70—80	15	2-3	Runkelrübe (Beta) .	40	80—903)	1,5	3-4
Kammgras....	2346	70-80	10	2-3	Zichorie ....	727	85-95	1,5	2—3
Knaulgras ....	1186	80—90	5	2—3	Ackerspörgel.	.	.	1370	95—100	1	6-8
Rasenschmele.	.	.	10400	60—70	10	2—3	Riesenspörgel .	.	950	85—100	1	6-8
Wiesenschwingel .	655	80—90	3	2 -3	Möhre		725	75—85	5	2—3
Schafschwingel .	.	1620	80—90	5	2-3	Zuckerhirse .	.	.	44	70—80	0,5	2—3

') Vergl. Mentzel und v. Lengerkes Landw. Kalender.

2)	Schwankend nach Maßgabe der Ausreifung. Trockenheit und Aufbewahrung; Ge-
treide bei trockner Lieferung oft 6—8 Jahre.

3)	Auf 100 Knäule 170—200; auf 1 kg 60000—90000.
        <pb n="467" />
        ﻿Die Untersuchung der Sämereien.

443

Als „Gebrauchswert“ einer Samenart gilt die aus Reinheit und Keim-
kraft berechnete Prozentzahl. Der Rechnungsansatz wird auf das nach dem Aus-
lesen verbliebene Gewicht der Probe gegründet, indem angenommen wird, daß die
durch letztere bedingten Verluste (Verstäuben, Wasserverdunstung, zufällige Ver-
luste) dem Durchschnittscharakter der Probe entsprechen.

Ausführung:

Also angenommen, man habe 25 g Rotklee abgewogen und darin 24,565 g
reinen Samen und 0,411 g Verunreinigung gefunden, so beträgt die Summe der
zuriickgewogenen Samenbestandteile 24,565 + 0,411 = 24,976, also die Verun-
reinigung (x) in Prozenten: 24,976 : 0,411 = 100 : x (= 1,64 °/0).

Also Verunreinigung = 1,64 °/0, reiner Samen = 98,36 °/0.

Hat der reine ausgelesene Samen eine Keimfähigkeit von 88,55 °/0 ergeben,

„	. . , n ,	,	98,36 x 88.55	n.

so ist der Gebrauchswert = - 1Q(j-------= 87,10 °/0.

Diese Art der Berechnung des Gebrauchswertes ist nicht ganz genau, da
zwei in verschiedenartiger Weise gewonnene Zahlen (Zählprozente der Keim-
fähigkeit und Gewichtsprozente der Reinheit) hierzu verwendet werden; es wäre
besser, wenn das bei der Enquete der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft beob-
achtete Verfahren, wobei die zur Keimprüfung verwendeten Samen gewogen, nicht
gezählt worden sind, durchgängig Anwendung fände, zumal es für Rüben- und Gras-
samen bereits vorgeschrieben ist.

H. Rodewald1) hat gezeigt, wie man die mittleren und wahrscheinlichen Fehler
bei den Bestimmungen der Reinheit, Keimfähigkeit und des daraus sich ergebenden Ge-
brauchswertes nach den Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung finden kann und inwieweit
die theoretisch berechneten Fehler mit der praktischen Ausführung übereinstimmen. Ich
kann hier auf diese Arbeit nur verweisen.

0. Sonstige Bestimmungen, a) Absolutes Gewicht und W assergehalt.
Das absolute Gewicht der Samenkörner ist von der größten Wichtigkeit, weil mit
der Höhe des Gewichtes außer den Keimen auch die Menge der vorhandenen Reserve-
nährstoffe anwächst.

Da das natürliche Gewicht der Samen (so bei Getreide, Runkeln, Gräsern usw.)
nicht selten durch Anfeuchten mit Wasser kurz vor dem Verkauf künstlich
erhöht zu werden pflegt, so empfiehlt sich im Verdachtsfalle eine gleichzeitige Be-
stimmung des Wassers und sei bemerkt, daß die Samen für gewöhnlich im natür- •
liehen Zustande 11—15 °/0 Wasser enthalten.

b)	Spezifisches Gewicht. Dasselbe wird, wenn überhaupt, mittels des
mit Thermometer versehenen Pyknometers oder auch mit dem Schuhmannschen
Dyknometer (S. 117) und unter Anwendung von Solaröl bestimmt.

In letzterem Falle findet man das spezifische Gewicht direkt durch Division des
absoluten Gewichtes mit der Anzahl der verdrängten ccm. Bei Anwendung des Pykno-
meters und von Solaröl multipliziert man das gegen letzteres gefundene spezifische Ge-
richt der Körner mit dem spezifischen Gewicht des Solaröles. Ist z. B. das spezifische
Gewicht von Weizenkörnern in dem Solaröl bei 16° = 1,523 gefunden, beträgt das des
Öles gegen Wasser hei dieser Temperatur = 0,915, so ist das spezifische Gewicht der
Weizenkörner gegen Wasser von 15° = 1,523 x 0,916 = 1,3915.

c)	Bestimmung des Volumengewichtes. Zur Bestimmung des Volumen-
gewichtes, besonders von Getreide, pflegt jetzt allgemein der von der Kaiserlichen
Normal-Eichungs-Kommission geprüfte „Getreideprober“2) von nachstehender

*) Landw. Versuchs-Stationen 1889, 30, 105, 115 uud IB90, P+engw Nachfolger),
2) Derselbe kann von der Firma Sommer &amp; Bunge (Berth. Pensky
Berlin SW., Wilhelmstr. 122, bezogen werden.
        <pb n="468" />
        ﻿444

Die Untersuchung der Sämereien.

Einrichtung (Fig. 242) angewendet zu werden, der in einem tragbaren Behälter
geliefert und wie folgt gehandhabt wird:

Man hebt zuerst den Yorlaufkörper D und das Füllrohr B, darauf das Maß A aus
dem Behälter. Der Inhalt des Maßes A wird durch Umkehren über die hohle Hand ent-
leert, Das leere Maß A mit dem Yorlaufkörper D muß an der Wage mit der leeren Ge-
wichtsskala übereinstimmen.

Zum Gebrauch wird das Maß A auf den Tisch gestellt, das Messer C in den Schlitz
S S (Fig. 243) gesteckt, der Yorlaufkörper D auf das Messer gelegt und das Füllrohr B,
mit seinen 4 Ausschnitten auf die Vorsprünge des Maßes A passend, fest aufgesteckt.

Die Füllung mit Getreide erfolgt nun unter Vermeidung aller Störungen, nament-
lich nicht zu langsam, und nachdem das Füllrohr voll ist, wird es mit einem geraden
Gegenstand abgestrichen. Bei dem folgenden Herausziehen des Messers soll jede Er-

Flg. 242.	Fig. 243.

Getreideprober.

schütterung vermieden werden. Das Messer wird nun durch den Schlitz S S geführt, wobei die
am Schlüsse zwischen Gefäßwand und Messer etwa eingeklemmten Körner zu durchschneiden
sind; das überschießende Getreide wird ausgesohüttet, das Püllrohr abgenommen, die etwa
noch eingeklemmt Vorgefundenen Körner beseitigt und dann das Messer entfernt.

Zur Wägung hängt man die Gewichtsschale E, mit einem oder mehreren der
Scheibengewichte belastet, mit ihrer Öse an die Wage; das gefüllte Maß wird an den
anderen Wagenarm gehängt. Spielt die Wage noch nicht ein, so wird durch Zulegen von
kleinen Plattengewichten auf die eine oder andere Seite der Gewichtsunterschied aus-
geglichen.

Bei der Verpackung werden der Wagenbalken und die Plattengewiohte in das Ge-
wichtskästchen gelegt, letzteres wird in das Maß geschoben, das Maß wird dann in die
Kapsel versenkt, das Füllrohr mit der engeren Seite nach unten über das Gewiehts-
kästchen in das Maß geschoben, die Gewichtsschale mit den Scheibengewichten wird auf-
recht in das Rohr versenkt, der zum Schutze beigegehene durchbohrte Holzkörper über den
Stiel geschoben und der Yorlaufkörper oben aufgelegt.
        <pb n="469" />
        ﻿Die Untersuchung der Sämereien.

445

7. Gehaltsspielraum (Latitüde). Der zulässige Gehaltsspielraum ist in No. 12
der anfangs mitgeteilten Vereinbarungen des Verbandes landw. Versuchs-Stationen
angegeben. Die Art einer Entschädigungsberechnung ergibt sich aus folgendem
Beispiel: Ist bei einem Samen im Gebrauchswert ein Gehaltsspielraum von 5 °/0
als zulässig erachtet worden, d. h. werden z. B. von 83,5 °/0 garantiertem Gebrauchs-
wert nur 79,32 °/0 (also 4,18 °/0 weniger) gefunden, so muß sich der Käufer, ohne
Schadenersatz beanspruchen zu können, zufrieden geben. Fehlt mehr, also etwa
6 °/0, oder wenn statt 83,5 °/0 nur 77,5 °/0 vorhanden sind, so muß Vergütung ein-
treten und in diesem Falle nach vielfachen Kontraktsbestimmungen für den ganzen
Fehlbetrag.

Ist der vereinbarte Preis = 50 M. für 1 Ztr. gewesen, so kostet nach der

60

Garantie eine Einheit Gebrauchswert ^ „ = 0,597 II., also sind vom Preise abzu-
ziehen 0,597 x 6 = 3,58 M.; oder wenn die zugestandenen 4,18 °/0 Latitüde auch
in größeren Differenzfällen gelten, kann 0,597 (6,00 — 4,18) = 1,09 M. vom ver-
einbarten Preise abgezogen werden.

Was die Untersuchung auf Seide (Cuscuta, Kleeseide oder Flachsseide) an-
belangt, so bestimmen hierfür die technischen Vorschriften des Verbandes landw.
Versuchs-Stationen i. D. E., daß die ganze eingeforderte Menge, also 50 g für
Bastardklee, Weißklee usw., 100 g für Rotklee, Luzerne usw. auszulesen ist, und
zwar nicht nur das Aussiebsei, sondern auch der Rückstand. Hinsichtlich des
Gehaltes an Seide lauteten frühere Bestimmungen dahin, daß ein Gehalt an
Cuscuta bis zu 10 Körnern für 1 kg in einer als „seidefrei“ verkauften Ware einen
Abzug von 5 °/0, ein Gehalt von 11—30 Körnern einen Abzug von 10 °/0 des Kauf-
preises bedingen, und mehr als 30 Körner für 1 kg den Käufer berechtigen soll,
die Ware zur Disposition zu stellen.

Die Kontrollverträge der landw. Kreisvereine im Königreich Sachsen be-
stimmen, daß bei Vorhandensein von einem Seidesamen in 100 g einer als seidefrei
garantierten Saatware diese Ware zurückgegeben werden kann, sobald die Unter-
suchung einer zweiten Probe den ersten Befund bestätigt. Seidekapseln werden,
da sie oft taube, unausgebildete Samen enthalten, meist als ungefährlich bezeichnet.
Doch hat Kinzel nachgewiesen, daß auch die unreifen Samen der Kapseln oft
regelrecht keimen. Im Untersuchungsbericht sind jedenfalls die Seidekapseln immer
besonders aufzuführen. Im übrigen sei auf einen, die Seidefrage eingehend er-
örternden Aufsatz von Hiltner1) hingewiesen.

') Prakt. Blätter f. Pflanzenbau u. Pflanzenschutz 1903, 1, 50, 68.
        <pb n="470" />
        ﻿Milch und Molkerei-Erzeugnisse

I. Vollmilch.

Vorbemerkungen.

Unter „Milch“ im landläufigen Sinne des Wortes versteht man nach W. Fleiscli-
mann die in den Brustdrüsen der weiblichen Haussäugetiere nach einem Geburts-
akte längere Zeit über zur Ausscheidung kommende, durch regelmäßiges, un-
unterbrochenes und vollständiges Ausmelken gewonnene, allbekannte und
seit den ältesten Zeiten als Nahrungsmittel hochgeschätzte Flüssigkeit.

Die wesentlichsten Bestandteile der Milch aller Säuger sind: Wasser, Stickstoff-
Substanz (Kasein, Albumin, Molkenprotein), Fett, Milchzucker, Salze, neben spuren-
weise oder in untergeordneter Menge vorkommenden Stoffen wie Zitronensäure,
Lecithin usw.

Für die Milchuntersuchung und -beurteilung ist zu berücksichtigen, daß der
Gehalt an vorstehenden Bestandteilen, die Zusammensetzung der Milch, sehr ver-
schieden sein kann und für die Kuhmilch, welche als Handelsware vorwiegend
in Betracht kommt und unter der Bezeichnung „Milch“ schlechthin allgemein ver-
standen wird, abhängig ist:

1.	Von der Rasse: Niederungsyieh gibt z. B. eine reichlichere Menge, Gebirgsvieh
dagegen eine an Trockensubstanz und Fett reichere Milch. Auch ist die Individualität
der einzelnen Tiere von großem Einfluß.

2.	Von der Art des Melkens; Bei „gebrochenem“ Melken ist die zuerst ermolkene
Milch wesentlich fettärmer als die zuletzt ermolkene; nur das gesamte durchgemischte
Gemelke aus allen Zitzen bildet die Milch des Handels.

3.	Von der Melkzeit: Bei 3-maligem Melken ist die Morgenmilch fettarmer als die
Mittag- und Abendmilch; letztere hat häufig einen um 1,0°/0, zuweilen auch um 1,5%
höheren Fettgehalt. Bei 2-maligem Melken hat bald die Morgen-, bald die Abendmilch
einen höheren Fettgehalt, je nachdem mehr oder weniger als 12 Stunden zwischen den
beiden Melkzeiten verstrichen sind; die Unterschiede betragen im allgemeinen bei Stall-
fütterung im Winter nicht mehr wie 0,6 %, im Sommer bei Weidegang oder Grünfütterung
können sie bis zu 1 % steigen.

4.	Von der Art und Menge des Futters; Wasserreiche Futtermittel wie Rüben,
Schlempe, Pülpe bedingen eine wässerigere Milch; proteinreiche Futtermittel liefern im
allgemeinen eine gehaltreichere, fettreiche Futtermittel mit leicht verdaulichem Fett eine
fettreichere Milch (Soxhlet).

Plötzlicher Futterwechsel ruft ebenso wie Witterungs- und Temperatur-
wechsel bei Weidegang vielfach eine Veränderung in der Zusammensetzung der Milch
hervor, welche 8—14 Tage anhalten kann.

5.	Vom Wohlbefinden der Tiere: Starke Bewegung wie Arbeit beeinträchtigt
den Fettgehalt der Milch; auch die sexuelle Erregung (das Rindern) ist von Einfluß auf
die Zusammensetzung der Milch. Vor allen Dingen nimmt die Milch bei Krankheiten
wie Maul- und Klauenseuche, Rinderpest, Lungenseuche usw. eine abnorme Beschaffenheit an.

Hierzu gesellen sich noch:

6.	Eine Reihe Milohfehler, die

a) teils auf eine Abnormität in der Milchabsonderung zurückzuführen sind,
wie die blutige Milch auf eine Erkrankung des Euters oder der Nieren, die salzige
        <pb n="471" />
        ﻿Vollmilch,

447

oder räße Milch auf eine Vermehrung des Kochsalzes unter Zurncktreten von Phosphaten
und des Milchzuckers;

b) teils durch Bakterien einige Zeit nach dem Melken verursacht werden, so z. B.
die blaue Milch durch Bacillus cyanogenus Hüppe, die rote Milch durch Bacillus
prodigiosus, Sarcina rosea Menge usw., die fadenziehende oder schleimige Milch durch
verschiedene Bakterien wie die Micrococcus-Arten von	/-Mülheim und Hüppe, Microc.

Preudenreichii, ferner Aotinobaoter polymorphus, Bacillus lactis pituitosi Löffler, Bacillus
lactis viscosus usw., die bittere Milch durch Bacillus lactis amari Weigmann und ver-
schiedene andere Mikroorganismen; ferner gehören hierher die käsige, seifige, gärende
und faulige Milch, Fehler, die ebenfalls auf das Auftreten von Bakterien zuriiekzuführen sind.

Abgesehen von Milchfehlern und von der Milch kranker Kühe kann die Zu-
sammensetzung derselben aus den erstgenannten Gründen in Einzelfällen in
ziemlich weiten Grenzen schwanken, nämlich nach 705 neueren Einzeluntersuchungen:

Gehalt	Spez. Gew.	Wasser  OL
Niedrigster . .	. . 1,0264	80,32
Höchster ,	.	.	. . 1,0368	90,22
Mittlerer .	.	.	. . 1.0313	87,27

Kasein	Albumin	Fett	Milchzucker	Salze
°/o	°/o	»/«	°/o	°/o
t,91	0,23	1,48	3,23	0,50
4,65	1,61-	6.47	6,68	1,45
2,88	0,51	3,68	4,94	0,72

Unter normalen Verhältnissen schwankt der Gehalt an Wasser nur von etwa
85,8—89,5 °/0, der an Kasein + Albumin von 3,0—4,0 °/0, der an Fett von 2,5 bis

4,5	°/0, an Milchzucker von 3,5—5,5 °/0, an Salzen von 0,6—0,9 °/0, das spezifische
Gewicht bei 15° von 1,029—1,033. Weiterhin ist zu beachten, daß unter normalen
Verhältnissen beträgt:

Mittel Schwankungen

°/o	°/o

1.	Fettgehalt der Milchtrockensubstanz .... 28,5	25,0—33,0

2.	Fettfreie Trockensubstanz.....................9,0	8,0—10,0

3.	Spezifisches Gewicht bei 15°

a)	des	Milchserums.........................—	1,026—1,030

b)	der	Milchtrockensubstanz................ 1,33

c)	„	fettfreien Milchtrockensubstanz ...	1,60

Die Milch wird häufig verfälscht und zwar:

1. durch Zusatz von Wasser,

2.	durch größeren oder geringeren Fettentzug (Entrahmung) oder Zusatz von
entrahmter zu Vollmilch,

3.	durch gleichzeitige Entrahmung und Wasserzusatz.

Ferner ist noch zu achten auf:

4. den Zusatz von Frischhaltungsmitteln (Natriumkarbonat und'-bikarbonat,
Borsäure [Borax], Salizylsäure, Benzoesäure, Formaldehyd),

6. zu hohen Gehalt an Schmutz (Kotteilchen usw.).

Zum Nachweis der Verfälschungen unter 1, 2 und 3 sind folgende Be-
stimmungen und Berechnungen:

a)	unbedingt notwendig:

1-	des spezifischen Gewichtes bei 15° (s),
des Fettgehaltes (f),

3.	der Trockensubstanz (t),

4-	des spezifischen Gewichtes der
Trockensubstanz (m) bezw. des Fett-
gehaltes der Trockensubstanz,
der fettfreien Trockensubstanz;

b)	wünschenswert:

1.	des spezifischen Gewichtes des
Serums,

2.	der Mineralstoffe,

3.	der qualitative Nachweis von
Salpetersäure.
        <pb n="472" />
        ﻿448

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Unter Umständen ist auch die Feststellung des Säuregrades der Milch von
Belang.

Für eine vollständige Untersuchung der Milch ist ferner noch erforderlich:
die Bestimmung des Milchzuckers und der Stickstoffsubstanzen (hezw. die Trennung
der letzteren).

Untersuchungsverfahren.

Die Richtigkeit der Beurteilung einer Milch hängt in erster Linie von der
richtigen Probenahme ah. Da sich die Milch hei ruhigem Stehen unter Ab-
scheidung des Rahmes entmischt, so ist die Milch hei der Entnahme von Proben für
die Untersuchung vorher durch Umrühren oder besser durch mehrmaliges Um-
gießen von dem einen Gefäß in ein anderes sorgfältig zu mischen und die ent-
nommene Probe von etwa 1/2—11 tunlichst schnell der Untersuchungsstelle einzusenden.

Auch beim Ahwägen der Milch für die einzelnen Bestimmungen
ist dieselbe jedesmal unmittelbar vorher gründlich durchzumischen.

Frischhaltung der Milchproben für die Untersuchung. In der heißen
Jahreszeit und auch sonst, wenn die Untersuchung der Milchproben nicht alsbald nach der
Entnahme erfolgen kann, empfiehlt es sich, die Milchprobon für die Untersuchung haltbar
zu machen, um namentlich der vorzeitigen Gerinnung vorzubeugen. Hierzu werden
empfohlen von Allen1) ein Zusatz von 1 g Kaliumbichromat und von H. D. Richmond
und Be van2 3) ein solcher von 1 ccm oder 20 Tropfen 4O°/0-igem Pormaldehyd (Pormalin)
auf 1 1 Milch.

1.	Bestimmung des spezifischen Gewichtes.

Das spezifische Gewicht der Milch darf zwar erst einige Stunden
nach dem Melken,8) muß aber im übrigen möglichst bald nach dem Ein-
treffen im Laboratorium und zwar möglichst bei 15° oder doch bei
Wärmegraden von 10—20° bestimmt werden; in letzterem Falle ist
dasselbe auf 15° umzurechnen.

Chr. Müller hat eine Tabelle angefertigt, aus der man die Uber oder unter
15° ermittelten Zahlen auf das wirkliche spezifische Gewicht bei 15° durch Ablesen
erfahren kann (vergl. Tabelle XI No. 1 und 2 am Schluß).

Um in geronnener Milch das spezifische Gewicht zu bestimmen, setzt

M.	Weibull4) einem bestimmten Volumen der geronnenen Milch (vra) ein abgemessenes
Volumen Ammoniak (va) (meistens 1/10 der Milch) von bestimmtem spezifischem Ge-
wicht (sa) zu, mischt durch, ermittelt das Volumen der Mischung (V) sowie deren
spezifisches Gewicht (S) und berechnet das spezifische Gewicht der geronnenen
Milch (sm) nach der Gleichung:

V. S — Va . Sa

Das Verfahren wird als zuverlässig bezeichnet.

L.	de Koningh5 *) empfiehlt, zur Bestimmung des spezifischen Gewichtes von
geronnener Milch 95 ccm Milch 5 Minuten lang mit 5 ccm Natronlauge vom

■) Milch-Ztg. 1892, 21, 659.

2)	Ebenda 1895, 24, 107.

3)	Die frisch ermolkene Milch erfährt nämlich, sei es infolge Quellens des Kaseins,
sei es infolge allmählichen Erstarrens des Fettes oder Entweichens von Luftbläschen, eine
geringe Verdichtung.

4)	Chem.-Ztg. 1893, 17, 1670; Milch-Ztg. 1894, 23, 247.

s) Analyst 1899, 24, 142; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel

1899, 2, 862.
        <pb n="473" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung des spezifischen Gewichtes.

449

spezifischen Gewicht 1,030 schwach zu schütteln; genügt die Natronlauge nicht, so
werden weitere 5 ccm hinzugesetzt. Weicht das nunmehr bestimmte spezifische
Gewicht der Milch (s) erheblich von 1,030 = 30 Laktodensimeter-Graden ab, so wird
das wirkliche spezifische Gewicht der Milch (S = Laktodensimetergrade) aus dem
gefundenen berechnet nach den Formeln:

bei Anwendung von 5 ccm Lauge 10 ccm Lauge
a —1,5	_ s — 3,0

ö 0,95	D 0,90 ’

Über die Bestimmung des spezifischen Gewichtes des Milchserums
vergl. weiter unten.

Zur Bestimmung des spezifischen Gewichtes können dienen; a) das
Pyknometer, b) die Westphalsche oder eine ähnliche, auf demselben Grundsatz
beruhende Wage, e) hinreichend genaue Laktodensimeter, d. h. Aräometer, die
das spezifische Gewicht noch auf 4 Dezimalen genau
anzeigen und welche ebenso wie die Westphalsche
Wage mittels des Pyknometers auf ihre Richtigkeit
geprüft sind.

a)	Bestimmung des spezifischen Ge-
wichtes mit dem Pyknometer. Für die Be-
stimmung des spezifischen Gewichtes der Milch kann
ein Pyknometer von nebenstehender Form (Fig. 244)
und etwa 30—50 ccm Inhalt verwendet werden.

Zuerst bestimmt man den genauen Rauminhalt
desselben, indem man zuvor das Gewicht des trocknen
Pyknometers feststellt, alsdann vollständig mit destil-
liertem Wasser von 15° füllt, den Glasstopfen fest ein-
preßt, das überschüssige Wasser durch die feine Kapil-
larröhre des eingeschliffenen Glasstopfens austreten läßt
und, nachdem man möglichst schnell das Kölbchen
durch Abputzen mittels Fließpapiers von anhaftender
Feuchtigkeit gereinigt hat, wieder wägt.

Nach Füllung des Kölbchens mit der gut gemischten Milch, die vorher auf 15 0
gebracht sein muß, erhält man durch abermaliges Wägen das Gewicht der gleichen
Fuummenge Milch, worauf man durch einfache Division des Gewichtes der Milch
durch das des Wassers das spezifische Gewicht der Milch erfährt.

Statt dieses Pyknometers (Fig. 244) kann man sich auch der für die Wein-
uutersuchung (vergl. weiter unten) vorgeschriehenen Pyknometer bedienen; indes
lst hei der pyknometrischen Bestimmung zu berücksichtigen, daß sich die Milch beim
Abkühlen auf 15° leicht entmischt und daß sie daher vor Einfüllen in das Pyknometer
*°rgfältigst gemischt werden muß. Auch findet dasselbe hier vorwiegend nur deshalb
ufnahme, weil darnach die anderen Verfahren bezw. Apparate auf ihre Richtigkeit
geprüft werden sollen.

h)	Mit der Westphalsehen Wage (Fig. 245). Dieselbe besteht:

1. Aus dem Stativ mit Leitungsrohr L und mit rundem Fuß F, welchem letzteren
um horizontalen Einstellen der Wage eine Schraube eingesetzt ist. Das Leitungs-
0 L ist hohl und kann der Wagebalken durch die Schraube P hoch und niedrig ein-
gestellt werden.

Ve u ^ Aus C*'em au^ c*er Achse H ruhenden Wagebalken mit den auf der rechten Seite
rsehenen Zahlen 1—10 neben den Einschnitten, in welche die Reiter gehängt werden.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	29

Fig. 244. Pyknometer.
        <pb n="474" />
        ﻿450

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Auf der anderen Seite befindet sich in derselben Horizontalen eine Spitze bei J, die als
Nullpunkt für die Einstellung des Balkens beim AVagen dient.

3.	Aus dem an einem Platindrabt m n hängenden Schwimmer oder Senkkörper,
welcher ein kleines Thermometer von ungefähr 90 mm Länge und 9 mm Durchmesser
bildet und eine Marke für die Normaltemperatur 15° trägt.

4.	Aus mehreren verschieden schweren Gewichten in Form von Reitern, von denen
die 3 größten A, A[ und A2 gleich sind dem Gewicht des vom Senkkörper verdrängten
destillierten Wassers bei 15°, die anderen kleineren um das 10-fache jedesmal geringer
als das nächst vorhergehende größere, also B = 0,1 von A, C = 0,01 von A usw. Das
Gewicht A2 ist mit einer Öse versehen und wird nur bei Flüssigkeiten mit höherem
spezifischem Gewicht als 1,0 gebraucht; wenn man es in den Haken hängt (wie bei Fig. 245),
so hat man das spezifische Gewicht = 1,0. Die anderen Gewichtsstücke haben eine Schärfe,
um mit dieser auf den tiefsten Punkt der Kerben gehängt werden zu können; ferner an
den Enden Haken, damit sie sich bei wiederkehrenden Dezimalen (z. B. 0,8877) aneinander
hängen lassen. Fig. 246 gibt die spezifischen Gewichte bei verschiedener Lage der Reiter
an. Es kann noch durch einen vierten Reiter, dessen Gewicht 0,001 von A beträgt, die
vierte Dezimalstelle ermittelt werden.

5.	Aus einem Zylinder von 80 ccm Inhalt.

Zur Benutzung der Wage wird der Wagebalken in das Stativ gelegt, die
Thermometerspindel in den Haken des Balkens hineingehängt und durch die Schraube des
Fußes die Wage genau horizontal eingestellt.

Man senkt darauf die Spindel in die auf 16° temperierte Flüssigkeit soweit ein,
daß bei horizontaler Lage des Wagebalkens die über der Spindel befindliche Öse nebst dem
unten umgeschlungenen Platindrabt eben noch in die Flüssigkeit eintaucht. Der Punkt,
bis zu welchem der Platindraht eintanchen soll, ist nötigenfalls durch vorheriges Binstellen
in destilliertes Wasser von 15° so zu ermitteln, daß durch Einhängen des Gewichtes A2
(Fig. 245) genau Gleichgewicht hergestellt wird. Die Einstellung wird durch die
Schraube P bewirkt.

Hängt die Spindel so bis zur richtigen Tiefe in einer Flüssigkeit, welche leichter
als Wasser ist, so setzt man in die Einschnitte des Wagebalkens auf der rechten Seite so
viel von den Gewichten A, B usw. auf. bis der Wagebalken wieder in die horizontale
Lage gebracht ist, d. h. auf den Nullpunkt J einspielt; der größte Reiter bedeutet hierbei
die erste Dezimalstelle, der zweitgrößte die zweite Stelle, der kleinste die vierte
Dezimalstelle.

Bei Flüssigkeiten, die schwerer sind als Wasser, wird der mit einer Öse versehene
große Beiter A2 in den vorderen Haken des Wagebalkens eingehängt.
        <pb n="475" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung des Fettes.

451

Um die Richtigkeit der Gewichtsstücke A2, Aj und A zu prüfen, stellt man (wie in
Fig. 246) durch Einhängen yon A2 für destilliertes Wasser von 15° Gleichgewicht her
und versucht in derselben Weise, ob das Gleichgewicht durch Vertauschen von A2 mit A:
und A bestehen bleibt.

Um die Richtigkeit der Teilung zu prüfen, hängt man weiter A! auf 9, A auf 1
oder A auf 7, A, auf 3 oder beide auf 5 usw.; in allen Fällen durch Kombination beider
Reiter zu 10 muß bei richtiger Einteilung das Gleichgewicht bestehen bleiben.

In ähnlicher Weise prüft man die Richtigkeit der Ge-
wichtsstücke B und C, nämlich ob B = 1 /10 A und C = '/,0 B
ist. Man hängt A auf 9 und B auf 10, wodurch Gleich-
gewicht hergestellt werden muß, wenn vorher durch A auf 10
Gleichgewicht war; dasselbe muß bei Richtigkeit der Gewichts-
stücke (der Reiter) der Fall sein, wenn man A und B auf 9
und C auf 10 hängt usw.

c)	Mit der Milch.wage oder dem Laktoden-
simeter.1)

Die Quevennesche (Big. 247), von Ohr. Müller ver-
besserte Milchwage oder das Laktodensimeter ist nichts anderes
als ein Aräometer, an dessen Spindel sich nur die 2. und
•L Dezimalstelle hinter den hinzu zu denkenden Zahlen 1,0 be-
finden, so daß die Zahl 29 ein spezifisches Gewicht von 1,029,
die Zahl 30 ein solches von 1.030 bedeutet usw. Diese Zahlen
heißen auch Laktodensimetergrade oder einfach Grade.

Tabelle XI No. 1 und 2 am Schluß gibt die von
Fhr. Müller berechneten Korrektionszahlen an, welche sich er-
geben, wenn die bei anderen als 15° abgelesenen Grade auf
solche von 15° umgerechnet werden müssen, und zwar für Voll-
milch und für abgerahmte Milch.

H. D. Richmond2) hat eine Milohwage hersteilen lassen,
welche die Verwendung derartiger Korrektionstabellen überflüssig
macht, bei der man vielmehr aus einem an ihr befindlichen
Ihenuometer die erforderliche Korrektur abliest.

. Auf der Spindel der Laktodensimeter finden sich (wie auch
in der Fig. 247) häufig Angaben über die Beurteilung der Milch
l°b rein, gewässert oder entrahmt). Diese Angaben sind für die
sachverständige Beurteilung nicht maßgebend, da das spezifische
ewicht der Milch allein hierfür nicht geeignet ist und unter
mständen direkt zu Täuschungen führen kann,

H. Do da3) hat durch Joh. G reiner in München
f r&amp;ometer für geringe Milchmengen herstellen lassen,

61 denen die Milch in Eeagensgläser von 22 cm Länge
ünd 2,3 cm Weite gefüllt wird, die durch ein System von
ardanischen Ringen in genau lotrechter Stellung gehalten
01 den. Diese Aräometer eignen sich namentlich zur Bestimmung des spezifischen
ewichtes von Milchserum.

normal.

Fig. 247.

Que vennesehe Milch-
wage.

2.	Bestimmung des Fettes.

Für die Bestimmung des wichtigsten Bestandteiles der Milch, des Fettes, sind
(Hne ganze Anzahl von Verfahren in Vorschlag gebracht, von denen die einen aut

v T) Genaue Laktodensimeter mit den vierten Dezimalen werden nach den Angaben
*r- Soxhlets von der Firma Joh. Greiner in München, Neuhauserstr. 49, angetertigt.

2)	Analyst 1898,23,2; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-u. Genußmittel 1898,1,

3)	Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1901, 4, 22.

29*
        <pb n="476" />
        ﻿452

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

einer Absonderung und Wägung (gewichtsanalytische Verfahren), die anderen auf
Volumenmessung (Zentrifugal-Verfahren, Marchand-Tollens-Verfahren) des Fettes
oder auf der Ermittelung des spezifischen Gewichtes (Soxhlets aräometrisches Ver-
fahren) oder der Refraktion (Wollnys Verfahren) der ätherischen Fettlösung,
wiederum andere auf der Durchsichtigkeit der in bestimmter Weise verdünnten
Mich (optische Prüfungsverfahren) beruhen. Von diesen Verfahren sind die letzteren
ausnahmslos zu verwerfen. In allen Fällen anwendbar und sicher sind die
gewichtsanalytischen Verfahren, von denen neuerdings das von Eöse-Gottlieb am
meisten empfohlen wird.

a)	Gewichtsanalytische Verfahren.

a) Das Sand- (Gips-), Bimstein- usw. Verfahren.

20—25 g Milch werden im Hoffmeisterschen Glasschälchen mit etwa
10 g ausgeglühtem Sand (und 1 g gebranntem Gips)1) oder mit ent-
sprechenden Mengen ausgeglühten Bimsteinpulvers, Asbestes oder
Glaspulvers unter öfterem Umrühren mit einem dünnen, beiderseits
zugeschmolzenen Glasröhrchen auf dem Wasserbade zur Trockne ein-
gedampft, Schale nebst Inhalt in einem bedeckten Mörser sorgfältig zer-
rieben und dasPul verineinePapier hülse gehr acht, welche imSoxhletschen,
kontinuierlich wirkenden Extraktionsapparat mit Äther gegen 5 Stunden
ausgezogen wird. Das vorher gewogene Kölbchen, welches das gesamte
Fett der angewendeten Milch enthält, wird nach Verdunstung des
Äthers 1 Stunde lang im Dampftrockenschrank getrocknet und darauf
gewogen. Die Gewichtszunahme gibt die Fettmenge an.

Statt die Milch im Hoffmeisterschen Glasschälchen einzudampfen und diese
mit zu zerreiben, kann man dieselbe auch in Nickel-, Zinn- oder gut glasierten
Porzellanschalen eintrocknen; man muß dann aber mehr und so viel von den ge-
nannten Trockenmitteln nehmen, daß sie die zugewogene Milch vollständig ein-
schließen, ferner fleißigst rühren, damit sich keine Milchbestandteile fest an die
Schalenwandung ansetzen; im übrigen wird wie vorhin verfahren und Schale wie
Mörser mit dem Äther, der zur Ausziehung dient, ausgewaschen, indem der Äther
in die offene, im Soxhletschen Extraktionsrühr befindliche Papierhülse gegossen wird.

ß) Das Adamssche Verfahren mit Papier als Aufsaugemittel.2)

5—10 g Milch werden aus einer kleinen gewogenen und später zurück-
zuwiegenden Spritzflasche mit Milch auf einen horizontal ausgespannten, 660—570 mm
langen, 65 mm breiten, vorher mit Äther von ätherlöslichen Stoffen befreiten3)
und getrockneten Papierstreifen4) sorgfältig aufgespritzt. Nachdem letzterer luft-

x) Die Eintrocknung mit gebranntem Gips allein empfiehlt sich nicht, weil derselbe
für sich etwas an Äther abgibt; denn die Ausziehung der mit gebranntem Gips ein-
getrockneten Milch gibt nach Fleischmann und Sohmöger stets etwas mehr Fett, als
die Ausziehung der mit Sand eingetrookneten Milch.

2)	Analyst 1885, 10, 46; vergl. die Besprechung der Fehlerquellen dieses Verfahrens
von M. Siegfeld (Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 259).
Siegfeld macht in dieser Arbeit darauf aufmerksam, daß auch neue Korkstopfen nicht
unbeträchtliche Mengen ätherlöslicher Stoffe enthalten.

3)	Die Firma Schleicher und Schüll in Düren liefert für den Zweck besonders
entfettete Papierstreifen, in denen aber M. Siegfeld neuerdings (Zeitschr. f. Untersuchung
d. Nahrunge- u. Genußmittel 1903, 6, 259) noch 4,5—20 mg ätherlösliche Stoffe fand. Es
empfiehlt sich daher, auch diese Streifen vor dem Gebrauch nochmals zu entfetten.

4)	Nach dem ersten Vorschläge wurde der entfettete und getrocknete Papier-
streifen vorher zu einer Eolle von 35 mm Durchmesser aufgerollt, mit Platindraht zu-
        <pb n="477" />
        ﻿453

Vollmilch. Bestimmung des Fettes.

trocken geworden ist, rollt man ihn leicht zusammen, umwickelt ihn mit einem
feinen Platindraht, trocknet ihn auf einem Uhrglase hei 1000 und erschöpft ihn im
Soxhletschen Apparat, wie üblich, mit Äther.

Bei sog. homogenisierter Milch liefert das Adams sehe Verfahren nach Buttenberg
zu niedrige Ergebnisse.1)

y) Das Verfahren von Th. Dietrich2) mit Watte als Aufsaugemittel.

Eiltrierpapier wird in etwa 27 cm lange und 8 cm breite Streifen geschnitten,
über einen soliden Holzzylinder von 28 mm Durchmesser fest gewickelt und solcherweise
eine 5—6 cm hohe, unten geschlossene Papierhülse hergestellt. In gleicher Weise wird
eine Hülse von schneeweißer Verbandwatte3) angefertigt und in die Papierhülse
hineingepaßt, was dadurch erreicht wird, daß man entsprechend lange und breite Streifen
Watte sehr fest um einen Zylinder von 20 mm Durchmesser aufwickelt, unten zu einem
Zipfel zusammendreht und in die Papierhülse hineinschiebt. Durch mehrmaliges Aufstoßen
des Holzzylinders wird die am Boden befindliche Watte zusammengepreßt, alsdann wird
der Zylinder herausgezogen und der innere Hohlraum lose mit Watte angefällt. Von der
gut durchgemischten Milch werden in einem mit Gummistopfon verschlossenen Wäge-
röhrchen 15—20 g abgewogen, hieraus in die Wattehülse gegossen, das entleerte Eöhrchen
zurückgewogen und die mit Milch beschickte Hülse in einem kleinen Glasschälchen mit
flachem Boden bei 60—80° getrocknet. Die Watte saugt diese Milchmenge vollständig
auf/) bietet eine große Verdunstungsfläohe und gestattet somit eine rasche Verdunstung
des Wassers und eine rasche und vollkommene Ausziehung des Fettes.

Die Watte enthält etwa 0,017 °/0, das Papier 0,4 °/0 in Äther lösliche Bestandteile;
da das verwendete Papier nur etwa 1,5 g, die Watte 2,0—2,2 g wiegt, so beträgt deren
F ettgehalt zusammen etwa 0,0094 g; der Fehler würde daher bei Anwendung von 18 g
Milch etwa 0,05 °/0 Fett betragen, eine Größe, die hei Magermilch-Untersuchungen schon
als beträchtlich zu bezeichnen ist. Es empfiehlt sich daher, auch bei diesem Verfahren
nur Aufsaugungsmittel anzuwenden, die von ätherlöslichen Stoffen vollkommen befreit sind.

H. Timpe“) saugt die Milch durch einen mit Asbest gefüllten Gooch-Tiegel auf und
verbindet mit der Bestimmung des Fettes gleichzeitig die der Trockensubstanz und der Asche.

4)	Das Verfahren von Eöse-Gottlieb (Ausschiittelungsverfahren).

Das Verfahren von B, Eöse6) wird in der Verbesserung von E. Gottlieb7)
neuerdings von M. Weibull8). M. Kühn9), M. Siegfeld10), K. Farnsteiner11),
■T- Zink12) und M. P opp13) sehr empfohlen und den übrigen gewichtsanalytischen
v erfahren als mindestens gleichwertig, teilweise sogar als diesen überlegen bezeichnet.

Die Ausführung geschieht nach dem Vorschläge von K. Farnsteiner11) in
Egender Weise:

sammengehalten, dann mit Milch getränkt, indem man 5—10 ccm Milch in ein Becber-
gläschen gab wo» den Papierstreifen hineiutauchte und das Bechergläschen, nachdem der
Fapierstreifen mit Milch durchtränkt und aus dem Gläschen, entfernt war, zurückwog.

') Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 964.

2)	Zeitschr. f. angew. Chemie 1889, 413.	_

3)	Zu beziehen von M. Küstermanns Nachfolger in Freiburg a d. U.

4)	Sollte etwas Milch durchsickern, was aber nur bei nicht sorgfältiger Herstellung
(er Hülse geschieht, so muß sie wieder in die Hülse gebracht werden.

5)	Zeitschr. f. offen«. Chem. 1899, 5, 413; Zeitschr. f, Untersuchung d. Nahrungs- u.

Genußmittel 1900, 3, 340.

°) Zeitschr. f. angew. Chemie 1889, 100.

7) Landw. Versuchs-Stationen 1892, 40, 1.
s) Milch-Ztg. 1898, 27, 406.

9)	Ebenda 1898, 27, 772.

10)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahruugs- u. Genußmittel 1903, 6, 2o9.

11)	Ebenda 1904, 7, 105.

12)	Ebenda 1904, 7, 106.

13)	Ebenda 1904, 7, 6.
        <pb n="478" />
        ﻿454

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

80

10 ccm Milch werden gewogen (1), in die nachstehend (Fig. 248) ahgehildete
Meßröhre (2) gebracht und darauf der Reihe nach mit 2 ccm 10 °/0-igem Ammoniak (3),
10 ccm absolutem Alkohol, 26 ccm Äther und 25 com niedrigsiedendem Petrol-
äther (4) versetzt. Nach jedem dieser Zusätze wird die Mischung kräftig ge-
schüttelt. Der Zusatz des Petroläthers erfolgt am besten erst nach einigen Minuten,
wenn sich die ätherische und wässerige Schicht vollständig getrennt haben. Nach-
dem die Röhre nunmehr mindestens 2 Stunden (5) ruhig gestanden hat, wird das
Volumen der Ätherschicht, deren Grenzflächen bei genauer Einhaltung der an-
gegebenen Mengenverhältnisse stets in die graduierten Teile der Röhre fallen, ab-
gelesen. 26 oder 40 ccm (6) der ätherischen Lösung werden darauf mit einer
Pipette entnommen (7), in ein gewogenes Kölbchen gebracht, der
,	Äther verdunstet, das zurückbleibende Fett 1 Stunde bei 100°

|&gt;g	getrocknet und nach dem vollständigen Erstarren gewogen. Aus

der Menge des gefundenen Fettes, der angewendeten Ätherlösung
und dem Gesamt-Volumen der Ätherlösung berechnet man die in
der angewendeten Milchmenge vorhandene Fettmenge, die man auf
Gewichts-Prozente umrechnet (8).

Anmerkungen zu vorstehendem Verfahren: 1. Da nach
K. Farnsteiner eine für 10 ccm Wasser geeichte Pipette nicht
genau 10 ccm Milch ausfließen läßt — die bei zahlreichen Versuchen
ausfließende Milohmenge betrug 0,02—0,14 g weniger, als sich durch
Multiplikation mit dem spezifischen Gewichte ergab — so ist das Ab-
messen weniger genau. Doch dürfte es bei Milch, welche noch nicht
sauer ist, meist genügen, 10 ccm abzumessen und für die Berechnung
auf Gewichts-Prozente ein mittleres spezifisches Gewicht von 1,03 an-
zunehmen. K. Farnsteiner bedient sich zum Abwägen der Milch
besonders zu diesem Zwecke angefertigter Eeagensgläser mit Fuß,
welche in 6 und 10 com geteilt sind und mit einer aufgeschliffenen
Glasplatte bedeckt werden können. Bei Rahm ist das Abwägen
unerläßlich; man wägt von diesem nur 5 com ab, ersetzt das fehlende
Volumen durch 6 ccm Wasser. Die Wägegläschen spült man mit den
erforderlichen Reagenzien der Reihe nach aus.

2. Statt dieser von K. Farnsteiner empfohlenen Meßröhre
(welche nebst Pipetten von Dr. Sauer und Dr. Göckel in Berlin
bezogen werden kann) kann man sich auch eines in 1/10 ccm geteilten
Meßzylinders mit Stopfen bedienen.

3.	10%-iges Ammoniak hat ein spezifisches Gewicht von 0,96. Während K. Farn-
steiner bei saurer Milch die Anwendung von stärkerem Ammoniak empfiehlt, kann man
nach M. Popp aber jedes beliebige 5—25°/0-ige Ammoniak (spezifisches Gewicht 0,98—0,91)
verwenden und genügt 1 com auch deso°/0-igen Ammoniaks beiButtermilch mit 70,4 Säuregraden.

4.	Während Gottlieb einen bis zu 80° siedenden Petroläther vorschrieb, empfiehlt

M.	Popp solchen, der bei 60° und M. Siegfeld solchen, der bei 50° vollkommen flüchtig ist.

5.	Nach Gottlieb sollte die Mischung mindestens 6 Stunden stehen; nach M. Popp
genügt schon Vs-stündiges Stehen der Mischung. Die Ätherlösung ist zwar dann nicht
ganz klar, dies kommt aber auch bei 6-stündigem Stehen vor; nach 24-stündigem Stehen
ist sie vollkommen klar; er empfiehlt 1-stündiges Stehenlassen. Nach K. Farnsteiner
kann die Mischung auch über Nacht stehen. Nach Kühn enthält das gefundene Fett etwa
0,01 % „Niohtfett“.

6.	A. Hesse1) empfiehlt die ganze Ätherlösung abzuhebern, die gleiche Menge Äther
nachzugeben und abermals abzuhebern. Er fand so bei fettreicher Milch und bei Rahm
auf diese Weise etwas höhere Werte.

Fig. 248.

Apparat zur Fett-
bestimmung nach
Eöse-Gottlieb.

') Molkerei-Ztg. Hildesheim 1902, 16, 49; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
u. Genußmittel 1902, 5, 863.
        <pb n="479" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung des Fettes.

455

7.	Gottlieb hat das Überdrücken der Fettlösung mit einer Eöhrenanordnung wie
bei Spritzflaschen unter Anwendung eines kleinen Gummiballons empfohlen; ebenso empfiehlt
M. Popp abhebern der Ätherlösung. Gottlieb und Popp empfehlen 1,6 ccm Fettlösung
in dem Zylinder zurückzulassen, alsdann entspreche der gefundene Fettgehalt direkt
10 g Milch.

8.	Beispiel: Angenommen, es seien 10,3 g Milch angewendet, das Volumen der
ätherischen Fettlösung habe 52,5 ccm betragen, von diesem seien 40 ccm abpipettiert und
in diesen seien 0,2540 g Fett gefunden. Dann enthielt die Milch

0,2540 x 52,5 X 100

40x10,3	’	/„ fett.

«) Sonstige Verfahren.

W. Schmid1) gibt zur schnellen Bestimmung des Fettes in der Milch in ein
in '/10 ccm eingeteiltes Eeagensglas von etwa 50 ccm Inhalt — St. Boudzynski2) hat
für den Zweck ein kalibriertes Eöhrohen mit 2 kugeligen Erweiterungen empfohlen —
10 com Milch oder 5 ccm Eahm, setzt 10 ccm Salzsäure zu, kocht unter Umschwenken,
bis die Eiweißstoffe sich wieder gelöst haben und die Flüssigkeit dunkelbraun geworden
ist, kühlt auf etwa 40° ab und fügt 30 com Äther zu. Es wird tüchtig durchgeschüttelt,
15—20 Minuten bei Zimmertemperatur oder besser im Wasserbado bei 40° stehen gelassen,
das Volumen der Ätherlösung genau gemessen und hiervon werden nach vollständigem klarem
Absetzen 10 bezw. 20 ccm, die keine Wassertröpfchen zeigen dürfen, abpipettiert. Man
gibt letztere in einen gewogenen Porzellantiegel, läßt im Wasserbade verdunsten, trocknet
kurze Zeit im Luftbade bei 100° und wägt.

Anmerkung: Kommt die Milch, wie nicht selten im Sommer, in geronnenem,
saurem Zustande ins Laboratorium, so hält es schwer, durch Schütteln allein ein vollständig
homogenes Gemisch wieder herzustellen. Man setzt alsdann am zweckmäßigsten einige
Iropfen Ammoniak oder auch, aber weniger empfehlenswert, 4O0/o-ige Kalilauge bis
zu eben eintretender alkalischer Eeaktion hinzu und schüttelt anhaltend durch. Genügen
einige Tropfen nicht, so mißt man eine bestimmte Menge von letzterer ab und korrigiert
hiernach die gefundene Fettmenge. — Vergl. oben S. 448 über die Bestimmung des spez.
Gewichtes in geronnener Milch.

Zum Eintrocknen empfiehlt sich nach M. Kühn3) in letzterem Falle ein Gemisch
von Sand, Gips und 1—3 g saurem schwefelsaurem Kalium, welches letztere eine Verseifung
des Fettes durch freies Alkali verhindert. Man kann letzteres zu dem Zweck vor dem
Eintrocknen auch durch Essigsäure neutralisieren.

Es empfiehlt sich, für Fett- sowohl wie für Trockensubstanz in ge-
ronnener Milch Doppel-Bestimmungen auszuführen.

Mitunter gehen bei geronnener saurer Milch nicht unerhebliche Mengen „Milch-
säure“ mit in die ätherische Lösung über; G. Sohmöger empfiehlt alsdann, den Äther-
auszug mit heißem Wasser durchzuschütteln, nach dem Erkalten durch ein feuchtes Filter
zu filtrieren und das Fett durch Alkohol und Äther in das Kölbchen zurückzubringen.

Manetti und Musso4) fanden, daß der Ätherauszug der Milch (besonders dei sauren
Milch) mitunter dunkelrote Tröpfchen einschließt, die in Äther und Wasser löslich, dagegen
*u Schwefelkohlenstoff unlöslich sind; H. Eitthausen, welcher diese dunkolroten Tröpfchen
obenfalls beobachtete, ist der Ansicht, daß sie in ihren Eigenschaften mehr dem Dextrin
als dem Milchzucker ähnlich sind.

b)	Das aräometrische Fettbestimmungsverfahren von Fr. Soxhlet.

_r	ivT-iinVt mit Kalilauge und einer bestimmten

Schüttelt man eine bestimmte Menge Mil	e’ f „ bildet sich eine

Menge Äther, so nimmt der Äther alles Fett aus der Milch auf, es bildet sich

4)	Zeitschr. f. analyt. Chem. 1888, 27, 464.

2)	Landw. Jahrb. d. Schweiz 1889; Chem.-Ztg. 1890, 14, Eep. 20.

3)	Milch-Ztg. 1889, 18, 561.

i)	Zeitschr. f. analyt. Chemie 1877, 16, 397.
        <pb n="480" />
        ﻿456

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Ätherfettlösung, deren spezifisches Gewicht im Verhältnis zu der aufgenoramenen
Menge Fett steht.1) Hat man dieses Verhältnis empirisch festgestellt, so läßt sich
im gegebenen Falle aus dem spezifischen Gewicht der Ätherfettlösung auf deren
Gehalt an Fett schließen.

Zur Ausführung des Verfahrens sind erforderlich;

1.	Der Apparat für die Ausführung der Dichtebestimmung mit den heigegebenen
drei Pipetten zum Abmessen yon Milch, Kalilauge und Äther sowie mehrere Sohüttelfiaschen.

2.	Kalilauge vom spezifischen Gewicht 1,26—1,27.

3.	Wasserhaltiger (wassergesättigter) Äther.

4.	Gewöhnlicher Äther.

5.	Bin Gefäß von mindestens 4 1 Inhalt mit Wasser, welches man auf die Temperatur
von 17—18° zu bringen hat. Für die gleichzeitige Ausführung mehrerer Versuche muß
das Gefäß entsprechend größer sein. Bei warmer Zimmertemperatur nimmt man 17°, bei
kühler 18° als Anfangstemperatur.

Ausführung des Ver-
fahrens: Von der gründlich
gemischten Milch, welche mau
auf 17,5° (17—18°) ahgektihlt
bezw. erwärmt hat, mißt man
200 ccm ab, indem man die
große Pipette bis zur Marke
vollsaugt; man läßt den Inhalt
derselben in eine der Schüttel-
flasohen von 300 com Inhalt
auslaufen und entleert sie
schließlich durch Binblasen.

Auf gleiche Weise mißt
mau 10 ccm Kalilauge mit der
kleinen Pipette ab, fügt diese
der Milch zu, schüttelt gut
durch und setzt nun 60 ccm
wasserhaltigen Äther zu, wel-

lig. 249. Handsohleuder nach Fr. Soxhlet.

eben man in der hierfür bestimmten Pipette abgemessen hat. Der Äther soll beim Ein-
messen eine Temperatur von 16,5—18,5° haben (17,5° normal). Nachdem die Flasche gut
mittels eines Korkes oder Gummistöpsels verschlossen wurde, schüttelt man dieselbe
1/a Minute heftig durch, setzt sie in das Gefäß mit Wasser von 17—18° und schüttelt
1/i Stunde lang von x/2 zu 1/2 Minute die Flasche ganz leicht durch, indem man jedesmal
3—4 Stöße in senkrechter Richtung macht. Nach weiterem 1/4-stündigem ruhigem Stehen
hat sich im oberen verjüngten Teile der Flasche eine klare Schicht angesammelt. Die
Ansammlung und Klärung dieser Schicht wird beschleunigt, wenn man in der letzten Zeit
dem Inhalt der Flasche eine schwach drehende Bewegung verleiht. Zur schnelleren Ab-
scheidung der Ätherfettlösung hat Soxhlet die vorstehende Handschleuder (Big. 249)
eingerichtet, welche von Joh. Greiner in München geliefert wird.

Eng ström empfiehlt zur schnelleren Abscheidung der Ätherfettlösung einen Zusatz
von 20—30 Tropfen Essigsäure, tüchtiges Durchsohütteln erst der geronnenen, dann der
mit 60 ccm Äther versetzten Milch, darauf erst Zusatz von 13—15 ccm Kalilauge. G.
Schmöger setzt 10 g Kaliumsulfatlösung zu und berechnet den Fettgehalt nach einem
eigenen Verfahren. Es ist gleichgültig, ob sich die ganze Pettlösung an der Oberfläche
angesammelt hat oder nur ein Teil, wenn dieser nur genügend groß ist, um die Senk-
spindel zum Schwimmen zu bringen. Die Lösung muß vollkommen klar sein. Bei sehr
fettreicher Milch (4'/2—5 °/0) dauert die Abscheidung länger als die angegebene Zeit,

x) Natürlich unter der Voraussetzung, daß das Milchfett stets annähernd dasselbe
spezifische Gewicht besitzt, was angenommen werden kann.
        <pb n="481" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung des Fettes.

457

manchmal, aber ausnahmsweise, 1—2 Stunden. In solchen Fällen, wie überhaupt, wenn
man ein genügend großes Wassergefäß hat, ist es zweckmäßig, die wohlverschlossenen
Flaschen horizontal zu legen.

Der nachstehende Apparat zur Bestimmung des spezifischen Gewichts der Ätherfett-
lösung (Big. 2601 ist wie folgt angeordnet:

Das Stativ trägt mittels verstellbarer Muffe einen Halter für das Kühlrohr A, an
dessen Ablaufröhren sich kurze Kautschukschläuohe befinden. Der Träger des Kühlrohres
ist um die wagerechte Achse drehbar, so daß das genannte Bohr in horizontale Lage ge-
bracht werden kann. Zentrisch in dem Kühlrohr befestigt ist ein Glasrohr B, welches um
2 mm weiter ist, als der Schwimmkörper des
Aräometers, zu dessen Aufnahme es bestimmt
ist. Um ein Verschließen des unteren Teiles
durch das Aräometer oder ein Pestklemmen
desselben zu verhindern, sind an dem unteren
Ende drei nach innen gerichtete Spitzen an-
gebracht. Das obere offene Ende ist mittels
eines Korkes zu verschließen.

Das Aräometer C trägt auf der Skala
der Bohre die Grade 66—43. welche den
spezifischen Gewichten 0,766—0,743 bei 17,6°
entsprechen.

Im Schwimmkörper des Aräometers
befindet sich ein in 1/B Grade nach Celsius ge-
teiltes Thermometer, welches noch 1/,0° ab-
zulesen gestattet. An die verengte Ver-
längerung des B-ohres B, welches aus dem
unteren Ende des Kühlrohres A hervorragt,
lst unten mittels eines kurzen Kautschuk-
schlauches ein knieförmig gebogenes Glas-
rohr D befestigt, welches durch die eine
Bohrung eines konischen Korkstöpsels B geht;
durch die andere Bohrung des letzteren geht
gleichfalls ein Knierohr F mit kürzerem,
senkrechtem Schenkel. Der Kautschukschlauch
kann durch einen Quetschhahn zugeklemmt
Werden. Das Stativ trägt gleichzeitig die
drei Meßröhren für Milch, Lauge und Äther.

Behufs Gebrauches taucht man den
Eautschukschlauch b des unteren seitlichen
AWaufrohres am Kühler in das Gefäß mit
Wasser von 17,5°, saugt am oberen Schlauch b,

's der Zwischenraum des Kühlers sich mit
asser gefüllt hat, und verschließt, indem man

’cnle Schlauchenden durch ein Glasröhrchen vereinigt. Man entfernt nun den Stöpsel der
öchüttelflasohe, steckt an dessen Stelle den Kork E in die Mündung und schiebt das lang-
8chenklige Knierohr soweit herunter, daß das Ende bis nahe an die untere Grenze der
Vtherfettschicht eintaucht, wie es durch die Zeichnung veranschaulicht ist. Nachdem man
'-fen kleinen Gummiblasebalg an das kurze Knierohr P gesteckt und den Kork in der
ttohre B gelüftet hat, öffnet man den Quetschhahn und drückt möglichst sanft die
Kautachukbeutel G; die klare Ätherfettlösung steigt in das Aräometerrohr und hebt das
. ra°nieter; wenn letzteres schwimmt, schließt man den Quetschhahn und befestigt den Kork
Aräometerrohr, um eine Verdunstung des Äthers zu vermeiden. Man wartet 1—2 Minuten,
Temperaturausgleichung stattgefunden hat, und liest den Stand der Skala ab. nicht ohne
orher die Spindel in die Mitte der Flüssigkeit gebracht zu haben, was durch Neigen des
nxerohrs am beweglichen Halter und durch Drehen an der Schraube des Stativfußes sehr

Fig. 260. Soxhlets Apparat zur aräometrisehen
Fettb estimmung.
        <pb n="482" />
        ﻿458

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

leicht gelingt. Da das spezifische Gewicht durch höhere Temperatur verringert, durch
niedrigere erhöht wird, so muß die Temperatur bei der Bestimmung des spezifischen Ge-
wichtes der Ätherfettlösung berücksichtigt werden. Man liest deshalb kurz vor oder nach
der Aräometer-Ablesung die Temperatur der Flüssigkeit an dem Thermometer im Schwimm-
körper auf 1/]0° ab. War die Temperatur genau 17,5°, so ist die Angabe des Aräometers
ohne weiteres richtig, im anderen Falle hat man das abgelesene spezifische Gewicht auf
die Temperatur von 17,5° zu reduzieren; man zählt für jeden Grad, den das Thermometer
mehr zeigt als 17,6°, einen Grad zum abgelesenen Aräometerstand hinzu und zieht für
jeden Grad, den es weniger zeigt als 17,5°, einen Grad von demselben ab. Aus dem für
17,5° gefundenen spezifischen Gewicht ergibt sich direkt der Fettgehalt in Gewichts-
prozenten aus der Tabelle XII a No. 1 im Anhang.

Um nach Beendigung einer Untersuchung den Apparat für die folgende Bestimmung
instand zu setzen, lichtet man den Kork der Schtittelflasche und läßt die Fettlösung in
dieselbe zurückfließen. Hierauf gießt man das Aräometerrohr B voll mit gewöhnlichem
Äther und läßt auch diesen abfließen. Treibt man mittels des Blasebalgs einen kräftigen
Luftstrom durch den ganzen Apparat, so erhält man denselben rasch rein und trocken.

Ursprünglich war dieses aräometrische Fettbestimmungsverfahren, das nach zahl-
reichen vergleichenden Untersuchungen mit den gewichtsanalytischen gut übereinstimmende
Ergebnisse liefert, nur für ganze oder Vollmilch brauchbar; bei Magermilch oder ab-
gerahmter Milch von etwa 1 °/0 Fettgehalt bildet sich beim Schütteln mit der vor-
geschriebenen Menge Kalilauge und Äther eine dicke, gallertartige Masse, so daß sich
nach tagelangem Stehen keine Spur einer Ätherfettschicht absetzt. Um auch für diese
Fälle das Verfahren anwenden zu können, bedient sich Fr. Soxhlet einer geringen
Menge Seifenlösung.

Von einer Seifenlösung, am besten stearinsaurem Kalium — dasselbe wird bereitet,
indem man 16 g von der Masse einer Stearinkerze mit 25 ccm Alkohol und 10 ccm der
für die Ausführung der Bestimmung vorrätigen Kalilauge von 1,27 spezifischem Gewicht
einige Minuten im Wasserbade erhitzt, bis alles klar gelöst ist, und auf 100 com auffüllt
— setzt man der in der Schüttelflasche eingemessenen Milch 0,4—0,5 ccm = 20—25 Tropfen
zu, schüttelt gut durch und verfährt sonst genau, wie für ganze Milch vorgeschrieben ist.

Es ist natürlich bei Magermilch ein besonderes Aräometer für niedrigere spezifische
Gewichte erforderlich. Die Korrekturen für Temperatur über oder unter 17,5° sind die
gleichen wie bei der ganzen Milch.

Für die Ablesungen des prozentigen Fettgehaltes aus dem spezifischen Gewicht
ist ebenfalls eine besondere Tabelle entworfen. (Siehe Anhang unter Hilfstabellen No. XII a
No. 2.)

Anmerkungen: Von einigen Seiten, so von J. Skaiweit') und J. Klein2) ist
behauptet, daß das Soxhletsche Verfahren der Revision bedürftig sei, weil das gewichts-
analytische Verfahren (nach Adams) mehr ergeben habe. Nach Soeldners Untersuchungen3)
indes sind diese Differenzen nicht vorhanden. Sollte trotzdem die Behauptung Kleins
richtig sein, so würde damit das Soxhletsche Verfahren nicht hinfällig, sondern nur die
Tabellen einer Abänderung bedürftig sein. J. Klein findet auch, daß transportierte Milch
nach Soxhlets Verfahren stets etwas mehr Fett liefert, als die Milch vor dem Versand.
Wird ferner die Ätherfettlösung erst nach einigen Tagen abgespindelt, so pflegt — wahr-
scheinlich infolge von Seifenbildung — ebenfalls etwas mehr Fett gefunden zu werden.
Cronander4) hat das Soxhletsche Verfahren dahin abgeändert, daß er nicht das spezifische
Gewicht der Ätherfettlösung bestimmt, sondern nach Abheben und Verdunsten des Äthers
das rückständige Fett in einer graduierten Röhre mißt. — H. Timpe5) will durch Ver-
dünnen von 50 com Milch mit 60 ccm Wasser einige Vorteile erzielen.

') Repert. f. analyt. Chemie 1887, 383.

2)	Milch-Ztg. 1888, 17, 813 und 904.

3)	Ebenda 1888, 17, 802 und 865.

4)	Vergl. Swen Müller in Milch-Ztg. 1886, 15, 161.

6)	Chem.-Zeitung 1894, 18, 392.
        <pb n="483" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung des Fettes.

459

c)	Die Zentrifugalverfahren.

Seit etwa einem Jahrzehnt sind die Verfahren, nach welchen das Fett der
Milch durch Zentrifugieren quantitativ abgeschieden wird, in einer Weise ausgehildet,
daß sie z. T. den gewichtsanalytischen und dem aräometrischen Verfahren kaum
nachstehen. Da die Dichtigkeit der Ergebnisse bei diesen Verfahren aber stets von
der richtigen Kalibrierung der Meßröhrchen abhängt, so dürfte es sich empfehlen,
diese entweder im Laboratorium nachzuprüfen oder nur amtlich geeichte Röhrchen
zu verwenden.

Der erste Apparat dieser Art war:

cc) Der Laktokrit. Das Verfahren gründet sich darauf, das Kasein durch
reichlichen Überschuss von Säuren zu lösen und das hierdurch frei gewordene Fett
durch Zentrifugalkraft auszuschleudern. Die Höhe der Fettschicht wird direkt ab-
gelesen. Die Konstruktion des Laktokrits ist insofern dem Lavalschen
Separator angepaßt, als derselbe nach Herausnahme des Rotationskörpers in
die Umhüllung des Separators eingesetzt wird. Da das Laktokrit-Verfahren
durch die neueren Zentrifugal verfahren Ubertroffen und daher z. Z. wohl
kaum noch angewendet wird, sehen wir hier von der Beschreibung dieses Ver-
fahrens ab.

Von den neueren Zentrifugalverfahren, bei denen die Zentrifugen teils mit
der Hand, teils durch Maschinenkraft angetrieben werden, sei hier zunächst aufgeführt:

ß) Das Zentrifugal verfahren von Willi. Thörner.1) — Die benutzte
Zentrifuge ist eine Abänderung der Viktoria-Zentrifuge von Waston, Laidlow &amp; Co.
ln Glasgow; Thörner hat dieselbe für die verschiedenartigsten Laboratoriums-
zwecke, außer für Bestimmung des Fettes in der Milch zur Bestimmung des Wasser-
und Fettgehaltes der Butter, zur Trennung der Stärkearten in Mehlgemischen, zur
Abscheidung leichter Schwebestoffe in Sputum, Harn, Wein, Bier und Wasser usw.

eingerichtet.

Die Benutzung derselben für die Bestimmung des Fettes in der Milch und
den Milcherzeugnissen geschieht in folgender Weise;

Je 10 ccm der gut durchmischten Milch werden in den unteren Teil des Zentrifugier-
röhrchens (Fig. 251) gebracht und hierauf aus einer Bürette 1,5 ccm einer alkoholischen
Kalilösung, welche 160 g Kalihydrat im Liter .enthält, oder 1 ccm einer wässerigen Ka i-
losung, welche 500 g Kalihydrat im Liter enthält, hinzugefügt. Jetzt setzt man den
Gummistopfen mit noch offenem Quetschhahn auf und vermischt die beiden 1 Bissigkeiten
inuig durch sanftes Aufschlagen des möglichst geneigt gehaltenen Röhrchens ant die innere
Kläche der linken Hand. Hierauf hängt man das Röhrchen mittels des oberen, zu diesem
Zweck etwas weiter hergestellten Ansatzes in eine entsprechend große Öffnung eines
kochenden Wasser- oder Dampfbades und schließt nach etwa 10—:15 bekunden den
Quetschhahn. Das Aufsetzen des Gummistopfens und das naohherige Schließen des Quetsch-
'ahnes geschieht nur beim Versieden mit alkoholischer Kalilösung und ist notwendig, weil
sonst leicht ein Überkochen der Flüssigkeit stattfindet. Nach etwa 2 3 Minuten entfernt
®au das Röhrchen aus dem Wasserbade. Die Flüssigkeit hat jetzt infolge der Einwirkung
der Alkalilösung eine mehr oder weniger braune Farbe angenommen. Man schüttelt noch-
mals, wie oben angegeben durch und läßt dann aus einem Tropftrichter Eisessig bis auf
e^a 1 ccm unter dem verjüngten Teil des Röhrchens zufließen. Hierauf wird, wenn noch
Kasestoffflöckchen ungelöst erscheinen, nochmals durchgeschüttelt und dann mit dem Zusatz
uer Säure fortgefahren, bis das Plüssigkeitsgemisch etwa den Teilstrich 0—1 erreicht.
Jetzt wird wiederum der Gummistopfeu aufgesetzt, der Quetschhahn geschlossen und das

') Chem.-Ztg. 1892, 16, 1101. Die Zentrifuge wird angefertigt von Dirks &amp; Möll-
mann iu Osnabrück.
        <pb n="484" />
        ﻿460

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Eöhrchen in das kochende Wasserbad gehängt. Nach einigen Minuten nimmt man das
Eöhrchen aus dem Dampfbade, entfernt den Gummistopfen mit der Vorsicht, zunächst den
Quetsohhahn zu öffnen, und zentrifugiert 2 Minuten mit einer Geschwindigkeit von etwa
2000 Umdrehungen bei Anwendung des größeren, oder 3000 Umdrehungen bei Ver-
wendung des kleineren Zentrifugentellers; das Milchfett hat sich jetzt quantitativ und
scharf begrenzt auf der Flüssigkeit, die vollständig durchscheinend geworden ist
und keinen Bodensatz oder dergleichen enthalten darf, abgeschieden. Man setzt
nun stets den Gummistopfen mit geschlossenem Quetschhahn oder auch einem ein-
fachen Vollstopfen fest auf und bringt es, um die znm Ablesen notwendige Temperatur
von 100° zu erreichen, noch etwa 5 Minuten in das Dampfbad
zurück. Schließlich hebt man das Zentrifugierröhrchen, indem
man das obere Ende des Gummischlauches erfaßt, so weit aus
dem Wasserbade empor, bis die untere Erweiterung die Einsetz-
öffnung wieder schließt, und liest die Höhe der Fettschicht an
der Einteilung des Eöhrchens genau ab, wobei jeder Teil-
strich Vio % Eett entspricht. Um die Genauigkeit der Ablesung
der ausgesohiedenen Fettschicht noch wesentlich zu erhöhen, ist
eine einfache Ablesungsvorrichtung vorgesehen, welche darin
besteht, daß das Eöhrchen mit dem unteren Teil in eine aus-
gepolsterte erwärmte Holzröhre gesteckt und die Höhe der
Fettschicht mit einer an der Holzröhre befestigten Lupe ab-
gelesen wird.

y) Die Acid-Butyrometrie1) von N. Gerber.
Dieses Verfahren, welches auf der Lösung des Nichtfettes
der Milch durch starke Schwefelsäure unter Zusatz von
Amylalkohol beruht, hat in den letzten Jahren in Deutsch-
land wegen der Einfachheit und Schnelligkeit der Aus-
führung die ausgedehnteste Anwendung gefunden. Die
nachfolgenden Ausführungen sind nach der Gebrauchs-
anweisung vom Juli 1904 ergänzt. Man verfährt in
folgender Weise:

10 ccm (1) technisch reine Schwefelsäure (2) bringt
man mittels einer Pipette (3) in das schräg gehaltene
„Butyrometer“ (Fig., 252) (4), wobei man die Säure so
einfließen läßt, daß der Butyrometerhals möglichst wenig
von der Säure befeuchtet wird. Darauf mißt man 11 ccm
Milch von 15° ab, läßt dieselbe aus der Pipette an der
Bauchung des Butyrometers entlang langsam auf die Säure
fließen, so daß sich beide möglichst wenig vermischen,
alsdann gibt man 1 ccm Amylalkohol (6) hinzu. Diese
Reihenfolge ist genau inne zu halten (6).

Nachdem sämtliche Butyrometer in dieser Weise beschickt sind, verschließt
man jedes einzelne mit einem trocknen und rissefreien Gummipfropfen und schüttelt
rasch (7) und kräftig, bis sich die Milch unter Erwärmung und Dunkelbraunfärbung
zu einer gleichmäßigen Flüssigkeit ohne Flocken gelöst hat (8). Ist dies geschehen,
so wiegt man die Butyrometer noch einige Male hin und her und stellt sie
vor dem Zentrifugieren kurze Zeit — höchstens 15 Minuten (9) — in ein 'Wasser-
bad von 60—70°. Alsdann bringt man die Butyrometer (10) mit den Stopfen nach

*) Sämtliche Apparate und Eeagenzien werden von der Finna Fr. Hugershoff in
Leipzig (Karolinenstr. 13) für 2, 4, 8, 16, 24 und 32 gleichzeitige Fettbestimmungen ge-
liefert.

Fig, 281.

Röhrchen für Thörners
Zentrifuge.
        <pb n="485" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung des Fettes.

461

außen in die Metallhillsen der Zentrifuge, wobei des Gleichgewichts wegen stets
2 Butyrometer einander gegenüberliegen müssen. Darauf schraubt man den Deckel
der Zentrifuge fest zu, setzt die Zentrifuge in Bewegung (11) und hält sie 5 Minuten
lang bei einer Umdrehungszahl (12) von etwa 700—800 in der Minute in Bewegung.
Nach dieser Zeit hat sich das Fett in einer schön lichtbrechenden Schicht in dem
Butyrometer abgeschieden (13). Man legt darauf die Butyrometer noch einige
Minuten in ein Wasserbad von 60—70° (möglichst 65°, da auf diese Temperatur
die Butyrometer justiert sind) und zwar so, daß möglichst
auch die ganze Fettschicht in der Skala von warmem Wasser
umgeben ist (14). Darauf werden die Butyrometer nach-
einander aus dem Wasserbade herausgenommen und nun rasch
abgelesen, indem man das Butyrometer gegen das Licht hält,
den Pfropfen etwas hereindrückt, bis die untere scharfe Grenze
der Fettschicht dadurch genau mit einem Hauptteilstrich
zusammenfällt und nun rasch die Höhe der Fettschicht in 1/10
Teilstrichen oder Graden abliest. Bei Vollmilch gilt der
niedrigste, bei fettarmer Magermilch, Buttermilch oder Käse-
milch dagegen der mittlere Punkt des oberen Meniskus als
4er richtige Ablesungspunkt. Die abgelesene Anzahl

Teilstriche oder Grade

x -

geben die Fettprozente an (also



B. abgelesene Grade 36x1/10=B,5 Gewichtsprozent
Fett). Die Ablesung kann mit Sicherheit auf 1/2° = 0,05 Ge-
wichtsprozent geschehen, also	= 3,35 Gewichtsprozent

Fett; 1lg und 1/1 Grad lassen sich, besonders mittels einer
Lupe, noch abschätzen.

Man liest stets zweimal ab, wobei zu beachten ist, daß
4er untere Einstellungspunkt mit dem Pfropfen auch wirklich
festgehalten wird. Stimmen zwei Ablesungen nicht unter-
einander, so setzt man das Butyrometer noch einmal kurze
■^eit ins Wasserbad und liest nochmals ab.

Sind den Milchproben zur Frischhaltung zu große
Mengen von Kaliumbichromat oder Formaldehyd zu-
gesetzt, so werden nach M. Siegfeld1) die Fettbestimmungen
ungenau.

A. W. Kaniß3) hat den Nachweis von nitrathaltigem
Nasser mit der Fettbestimmung nach Gerber verbunden,
indem, er einen geringen Zusatz von Formaldehyd macht; vergl.
unten No. 14 b „Nachweis von Salpetersäure in der Milch“.

Anmerkungen zu vorstehendem Verfahren: 1. Alle Reagenzien und die
1 cli sollen eine Temperatur von möglichst nahe 16° haben.

2. Die Schwefelsäure soll bei 15° ein spezifisches Gewicht von 1,820—1,825,
n sprechend 90—91 °/0 reiner Schwefelsäure oder 1650—1660 g H2S04 im Liter haben,
mse Säure paßt für die gehaltreichsten Milchsorten; nach 31. Siegfeld (Zeitschr. f. Unter-
q c lung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, (i, 259) genügt eine Säure von 1,810 spezifischem
wwiclit; bei stärkerer Säure tritt leicht Pfropfenbildimg ein.

v 3- Für Massenuntersuolumgen werden automatische Abmeßvorriohtungen von
SC ue4ener Einrichtung empfohlen.

) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 397.

) Molkerei-Ztg. Berlin 1901, 11, 374.

Fig. 253.

Normal - Butyrometer
nach Gerber.
        <pb n="486" />
        ﻿462

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

4.	Außer dem Normal-Rund-Butyrometer, dessen Form die Fig. 252 zeigt, werden
ferner noch geliefert; a) „Präzisions-Butyrometer“, bei denen die Hauptstriche um das
ganze Rohr herumgezogen sind und das Lumen des oberen Skalenstückes um mehr als das
Doppelte verengt ist. und zwar ohne Schwächung des Rohres. Hierdurch wird genauere
Ablesung des Fettgehaltes (bis auf 0,025 °/0) ermöglicht. Diese Butyrometer eignen sich
namentlich für die Untersuchung von fettarmeren Milchen (Magermilch, Buttermilch, Käse-
milch). — b) „Plan- hezw. Konvex-Butyrometer“ mit breiter Skala und runder Lichtung.
Diese Butyrometer sollen eine größere Genauigkeit, Schnelligkeit und Sicherheit unter
möglichster Schonung der Augen auch bei fettarmen Milchen ermöglichen und werden von
Gerber z. Z. als die besten empfohlen.

6.	Der Amylalkohol soll bei 15° ein spezifisches Gewicht von nahezu 0,815 oder
95—96° Tralles haben. Siedepunkt 128—130°. Der Amylalkohol ist nur dann brauchbar,
wenn 1 ccm desselben im Butyrometer mit 10 ccm Schwefelsäure und 11 ccm Wasser
geschüttelt, hierauf 2—3 Minuten geschleudert und 24 Stunden stehen gelassen, keine
ölige Abscheidung gibt; anderenfalls wird durch Verwendung desselben zu viel Fett gefunden.
M. Siegfeld1) empfiehlt zur Beurteilung der Brauchbarkeit eines neuen Amylalkohols ver-
gleichende Fettbestimmungen unter Verwendung eines bewährten Amylalkohols auszuführen.

6.	H. Droop-Richmond und P. R. O’Shaughnessy2) fanden unter Umständen
bis 0,5 °/0 zu hohe Ergebnisse und dabei dunkel gefärbte Fette, wenn sie Schwefelsäure
und Amylalkohol zuerst mischten und dann erst die Milch hinzu gaben.

7.	Schüttelt man nicht rasch, so kann es verkommen, daß dadurch die Fett-
schicht lichtbraun bis violett gefärbt wird und sich ein dünnes Scheibchen unter der Fett-
schicht bildet, wodurch die genaue Ablesung erschwert wird.

8.	Um eine größere Anzahl Proben gleichzeitig für das Ausschleudern vorzubereiten
und sofort noch warm zentrifugieren zu können, bedient man sich besonderer Schtittel-
gestelle, mit denen man, je nach ihrer Größe, 4—32 Butyrometer auf einmal schütteln kann.

9.	Bei längerem Erhitzen zeigen sich leicht dunkele Ausscheidungen unter der
Fettschicht.

10.	Vor dem Einlegen in die Zentrifuge müssen die Butyrometer so hoch gefüllt,
d. h. die Gummistopfen so weit hineingeschraubt werden, daß der Flüssigkeitsspiegel in
der Nähe des Nullpunktes steht.

11.	Für die Butyrometrie sind folgende Zentrifugen-Konstruktionen her-
gestellt worden: a) „Ideal“ (Universal) mit beweglichen Hülsen und zusammenlegbarem
Schleuderschirm und Riemenzug; für 2 oder 4 Proben; besonders für die Reise geeignet. —

b)	„Simplex“, Kreiselzentrifuge mit Schnurantrieb; einfachste Konstruktion, leicht aus-
einandernehmbar; für 4, 8 oder 16 Proben. — c) „Original-Rapid“ mit Rapid-Antrieb
(Riemenzug). Die Umdrehungsgeschwindigkeit kann während des Laufes noch gesteigert
werden; für 4, 8, 16 oder 24 Proben. — d) „Excelsior“ mit Federantrieb; für 8, 16 oder
24 Proben. — e) „Turbine“ für Dampf- und Wasserbetrieb; für 16, 24 oder 32 Proben. —

f)	„Blitz“ mit Kurbelantrieb; für 8, 16, 24 oder 32 Proben. — g) „Electro“ für elek-
trischen Antrieb (110 bozw. 220 Volt Spannung und ll/2 Ampere Stärke); für 8, 16, 24
und 32 Proben. — h) „Triumph“ mit Heizvorrichtung und Kurbelantrieb; für 24 und 32
Proben.

12.	Die Umdrehungsgeschwindigkeit kann mit einem auf dem Deckel anbringbaren
Tourenzähler — die neueste Konstruktion ist das „Bifluid-Tachometer“ — gemessen werden.
Geschwindigkeiten von über 1200 Umdrehungen sind zwecklos und bei den 32-er Zentrifugen
bedenklich, d. h. unter Umständen gefährlich.

13.	Sollte das Fett, etwa infolge zu geringer Umdrehungsgeschwindigkeit oder Dauer,
nicht scharf abgeschieden sein, so werden die Butyrometer abermals einige Minuten er-
wärmt und abermals zentrifugiert.

14.	Hierzu geeignete Wasserbäder können von dem Fabrikanten bezogen werden.

‘) Zeitsohr. f. angew. Chem. 1903, 16, 1217.

2)	Analyst 1899, 24, 146.
        <pb n="487" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung des Bettes.

463

d)	Die refraktometrische Fettbestimmung mittels des Milch-Refraktometers

nach Wollny.

E. Wollny benutzt die Refraktion einer konzentrierten Ätberfettlösung von
17,5° zur Bestimmung des Fettgehaltes. Die Ausführung der Fett-Bestimmung
geschieht nach Naumann1) in folgender Weise:

30 ccm der gut durchgemischten, möglichst 17,5° warmen Milch (1) werden
in das Wollnysche Fläschchen (Fig. 253) von etwa 30 ccm Inhalt, welches bei
30 ccm eine Marke trägt, gegeben (2), mit 3 ccm kupferoxydhaltiger Lauge (3)
versetzt und in einem Schüttelwerke (4) 10 Minuten lang geschüttelt. In die darauf
wieder in das Wasserbad von 17,5° gebrachten Fläschchen gibt man mittels einer
automatischen Pipette (Fig. 254) 6 ccm mit Wasser gesättigten Äther (5) von 17,6 °,
worauf man das Fläschchen so-
fort wieder verschließt und
abermals mindestens 15 Minuten
im Schüttelwerke schüttelt. Zur
Abscheidung einer klaren Äther-
fettschicht werden die Fläschchen
nunmehr in einer Zentrifuge (6)
geschleudert. Die ausgeschleu-
derten Proben kommen dann
nochmals etwa 3 Minuten in das
Wasserbad von 17,5° und sind
damit für die refraktometrische
Untersuchung fertig vorbereitet.

Das Wollnysche Milch-
fett-Refraktometer (7) wird
mittels eines Pulfrichschen
Apparates zur Erzeugung eines
beständig temperierten Wasser-
stromes oder einer ähnlich
wirkenden Vorrichtung auf 17,5 0
*U) gebracht, auf seine genaue
Justierung (9) geprüft und ge-
reinigt (10). Nachdem es wieder

geschlossen ist, entnimmt man mittels eines Glasröhrchens (11) aus dem schräg-
gehaltenen Wollny sehen Fläschchen einen Teil der klaren Ätherfettlösung und
hnngt diese so schnell wie möglich durch die an dem Refraktometer befindliche
Paltöffnung zwischen die Prismenflächen. Hierauf beobachtet man den Stand der
chattengrenze (12) im Fernrohr, wobei man sich zur genauen Ablesung des Standes
er vorhandenen Mikrometerschraube bedient, indem man diese auf einen ganzen
kalenteil einstellt. Darauf werden die Prismenflächen wieder gereinigt (10) und
ann nunmehr mit der Untersuchung weiterer Proben begonnen werden.

Aus den abgelesenen — und sofern die Temperatur nicht genau 17,5° betrug,
J! diese Temperatur umgereohneten (13) — Refraktometerzahlen ermittelt man mit
1 o der Tabelle No. Xllb (am Schlüsse) den prozentigen Fettgehalt der Milch (14).
ein Anmerkungen zu vorstehendem Verfahren: 1. Naumann gibt auch eine
Milc)5 leU^e Urschrift für Molkereien und Landwirte zur sachgemäßen Probenahme von
1 während eines längeren Zeitraumes zwecks Bezahlung derselben nach dem Fettgehalt.

') Milch-Ztg. 1900, 29, 50.

Fig. 258.
Wollnysches
Fläschchen.

Automatische Pipette für die Ab-
messung des Äthers.
        <pb n="488" />
        ﻿464

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Auf diese Ausführungen kann an dieser Stelle nur verwiesen werden. Bemerkt sei hier
nur, daß die zu dem genannten Zwecke von Naumann vorgeschlagenen Apparate;
a) „Stößer“ zum Durchmischen der Milch, b) numerierte Blechzylinder zur Milohprobe-
nahme, o) Kästen zur Aufnahme der Blechzylinder und dl Selbstfüllpipette, zur Einfüllung
der Proben in die Wollnysehen Fläschchen von den Firmen Harnisch &amp; Körner in
Halle a. S. (Große Brauhausstr. 16) und Franz Hugershoff in Leipzig (Karolinenstr. 13)
bezogen worden können.

Wenn mehrere Binzeiproben innerhalb eines längeren Zeitraumes entnommen und
zu einer Durchschnittsprobe vereinigt werden sollen, empfiehlt Naumann die Verwendung
einer Haltbarmachungsflüssigkeit, welche in der Weise hergestellt wird, daß zu 70 g
umkristallisiertem und gereinigtem Kaliumbichromat 312,5 ccm konzentriertes Ammoniak
und 1000 ccm Wasser gegeben werden. Von dieser Haltbarmaohungsflüssigkeit werden in
jedes Wollnysche Fläschchen 12 Tropfen gegeben; nach dem Einfällen einer jeden Teil-
probe wird das Fläschchen gehörig durchgeschüttelt. H. Tiemanu1) hält eine Haltbar-
machung nicht für erforderlich; S. Hals und H. Gregg2) dagegen fanden ohne Anwendung
des Frischhaltungsmittels etwas zu niedrige Ergebnisse.

2.	War die Milchprobe (gemäß der vorstehenden Vorschrift) haltbar gemacht, so ist
vor dem Zusatze der Lauge zunächst mit 12 Tropfen konzentrierter Essigsäure anzusäuern
und das gut verschlossene Wollnysche Fläschchen 1—2 Minuten in dem Schüttelwerke
(vergl. No. 4) zu schütteln.

3.	Die kupferoxydhaltige Lauge wird in folgender Weise hergestellt; 800 g Kali-
hydrat (in Stangen) werden in wenig Wasser gelöst, nach dem Erkalten mit 600 g Glyzerin
gemischt und dazu 200 g gepulvertes Kupferoxydhydrat (zu beziehen von Th. Schuchardt
in Görlitz) gegeben. Diese Mischung wird auf 3 Liter aufgeffillt. Nach 3—4 Tagen ist
die Lauge, nachdem sie in der Zwischenzeit gehörig durchgemischt ist und nicht mehr
schäumt, für den Gebrauch fertig. Durch den Zusatz von Kupferoxydhydrat soll bewirkt
werden, daß im Eefraktometer die Grenze zwischen dem hellen und dem dunklen Teile
schärfer hervortritt.

4.	Das für diese Zwecke besonders eingerichtete Schüttelwerk kann durch Wasser,
Dampf oder Elektrizität betrieben werden; es kann von den unter 1 genannten Firmen
bezogen werden.

5.	Viermaliges Schütteln des Äthers mit jedesmal erneuten Mengen von Wasser
gibt einen für die Untersuchung brauchbaren Äther.

6.	Es kann hierzu unter anderen die Gerbersche Zentrifuge verwendet werden.
Die Fläschchen werden in die Zentrifuge so eingelegt, daß die Stopfen dem Mittelpunkte
am nächsten zu liegen kommen. Dauer und Umdrehungsgeschwindigkeit können dieselben
sein, wie man sie bei der Gerb ersehen Acidbutyrometrie anwendet.

7.	Das Wollnysche Milchfett-Eefraktometer gleicht äußerlich vollkommen
dem Wolluyscheu Butter-Kefraktometer und sei bezüglich seiner allgemeinen Einrichtung
auf dieses verwiesen. Es wird ebenfalls von der Firma Karl Zeiß in Jena hergestellt.
Vom Butter-Eefraktometer unterscheidet es sich im wesentlichen nur durch seine ab-
weichende Skala, ein abweichendes Thermometer und den neben der das Thermometer
haltenden Hülse mündenden, nach außen hin etwas erweiterten Kanal, durch den die zu
prüfende Ätherfottlösung zwischen die beiden Prismenflächen gebracht wird.

Die Skala des Milchfett-Kefraktometers ist so eingerichtet, daß der Breohungsindex
für den Skalenteil 0 gleich ist dem Brechungsindex (1,3332) für destilliertes Wasser bei
17,6° und der Brechungsindex für den Skalenteil 100 genau übereiustimmt mit dem
Brechungsindex (1,4220) für den Skalenteil 0 des Butter-Kefraktometers. Die angegebenen
Brechungsindices gelten nur für Natriumlicht. Die Messung kann aber auch bei Tages-
oder Lampenlicht vorgenommen werden. Die Prismen sind so eingerichtet, daß bei Tages-
oder Lampenlicht die Grenzlinie für eine Ätherfettlösung nach Wollny-Naumann bei
einer Milch mit mittlerem Fettgehalt farblos erscheint. Für Ätherfettlösung von höherem

i)	Milch-Ztg. 1896, 24, 716.

3)	Ebenda 1902, 31, 433.
        <pb n="489" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung des Fettes.

465

oder geringerem Fettgehalt besitzt die Grenzlinie einen blauen hezw. einen roten Saum.
Erscheint der Farbstreifen hier und bei anderen Flüssigkeiten für eine genaue Orts-
bestimmung der Grenzlinie zu breit, so ist eine Natriumflamme zu verwenden.

Das Thermometer (Fig. 256) ist so eingerichtet, daß darauf die Temperatur 17,6°
mit 0 bezeichnet ist und ferner darauf die Anzahl Zehntel Skalenteile verzeichnet sind,
welche der im Fernrohre abgelesenen Eefraktometerzahl bei höherer Temperatur hinzu-
zuzählen hezw. bei niedrigerer Temperatur davon abzuziehen sind, um die der Temperatur von
genau 17,5° entsprechende Eefraktion zu erhalten. Wäre z, B. in dem Fernrohr die
Eefraktometerzahl o2,0 abgelesen und zeigte das Thermometer den in der Fig. 255 an-
gegebenen Stand, so wäre die Eefraktometerzahl bei 17,5° 52,0 -j- 0,8 = 52,8.

8.	Beträgt die Beobachtungstemperatur nicht genau 17,5°, so ist die Eefraktometer-
zahl in der unter No. 7 Absatz 3 angegebenen Weise zu korrigieren.

9.	Die Eefraktometer-Skala ist richtig justiert, wenn destilliertes Wasser in dem
mit größter Sorgfalt gereinigten Eefraktometer bei 17,5° die Eefraktion 0 (den Nullpunkt
der Skala) anzeigt. Um sich selbst von Zeit zu Zeit von der richtigen
Justierung des Eefraktometers zu überzeugen, gibt man mittels eines
Glasröhrchens etwas destilliertes Wasser von 17,50 durch die Spalt-
öffnung auf die vorher angehauchten Prismenflächen. Nach richtiger Ein-
stellung des Beobachtungsspiegels beobachtet man durch das Fernrohr,
ob die Sohattengrenze im Eefraktometer bei Beleuchtung mit Natriumlicht
auf den Skalenteil 0 einsteht.

Man öffnet dann die beiden Prismen durch Drehen des Keil-
verschlusses, reinigt sie mittels eines weichen Tuches, schließt die Prismen
'wieder und gibt dann mit einem neuen Eöhrchen eine genügende Äther-
menge durch die Spaltöffnung auf die Prismenflächen. Der hierzu ver-
wendete Äther ist der wassergesättigte Äther, den man nach No. 5 er-
halten und mit dem man auch die zu untersuchenden Proben angesetzt
hat. Während man durch das Fernrohr die Brechung des Lichtes
beobachtet, regelt man den Stand des Schattens mittels der Mikrometer-
schraube in der Weise, daß er genau mit einem ganzen Skalenteile ab-
schließt, d. h. zwischen Skalenteil und Schattengrenze darf sich kein heller
Zwischenraum befinden, sondern beide müssen sich gerade decken. Man
stellt also auf die Grenzlinie des dunklen Teiles ein, ohne sich durch die
zuweilen vor ihr auftretenden feinen Linien beirren zu lassen. Zu den
ahgelesenen Zahlen addiert man die Zehntel, welche sich auf der Trommel
her Mikrometerschraube befinden und durch einen Zeiger angegeben werden,
mt auf diese Weise der Skalenteil 20,6 erreicht, so ist das Eefrakto-
meter richtig justiert. Diese Yorversuche nehmen vielleicht eine Zeit von
1 2 Minuten in Anspruch und sind der Sicherheit halber nie zu unterlassen.

10.	Die Eeinigung der Prismen von den Ätherfettlösungen geschieht am besten
urch ein weiches Tuch, worauf man durch ein zweites weiches Flanelltuch die letzten

h ettspuren entfernt.

11.	Naumann empfiehlt beiderseits abgeschmolzene Glasröhrchen (aus hartem Glase)
v.on 15 cm Länge und 3 mm lichter Weite. Selbstverständlich ist für jede Ätherfettlösung
eiu an(leres Glasröhrchen zu verwenden.

.	h2. Die Schattengrenze muß tief dunkelblau und scharf abgrenzend gegen die

‘ell° linke Fläche sein. Eiu fehlerhaftes Arbeiten, so z. B. Aufnahme von der trüben
pUsscheidung, welche sich unterhalb der klaren Ätherfettschicht in den fertig vorbereiteten
^ . en vorfindet und Aufbringen derselben auf die Prismenflächen, oder nicht sorgfältiges
nicbf-lgeU der Priamenflächen, bewirkt ein dunkles, verschwommenes Bild, welches natürlich
ein!. zur.Ablesung geeignet ist und zu falschen Ergebnissen führt. Die Untersuchung
y r flohen Probe ist sofort zu wiederholen; sie gibt nach Abstellung des Fehlers ein
zu nÜ* ild,lmd somit eine richtige Zahl. Ein längeres Offenstehenlassen der nochmals

Fig. 265.
Thermometer
zum Milch-
Refraktometer.
Nach Wollny.

_ ......... -am. -OU

untersuchenden Probe muß dabei tunlichst verm
13. Vergl. No, 7 Absatz 3.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

30
        <pb n="490" />
        ﻿466

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

14. Die aus der yon Naumann abgeänderten Wollnyschen Tabelle ermittelten
Fettprozente stimmen mit denen der alten Soxhletschen Tabelle genau überein.

S.	Hals und H. G-regg1) erhielten nach der ursprünglichen Wollnyschen
Vorschrift*) im großen und ganzen recht genaue Ergebnisse; bei Vollmilch fanden
sie (gegenüber dem Adamsschen Verfahren) etwas zu niedrige Werte, bei Mager-
milch bezw. überhaupt fettarmer Milch stimmten die Ergebnisse fast vollständig,
genau überein. Die Naumann sehe Vorschrift gibt nach diesen Autoren hei Voll-
milch befriedigende, im allgemeinen etwas höhere (bis + 0,09 °/0) Werte, bei
Magermilch bezw. fettarmen Milchen überhaupt sind dagegen die Werte ungenau
(bis 0,13 °/0 zu hoch). Durch die Schwankungen in dem Lichtbrechungsvermögen
des Butterfettes selbst (39,2—43,0 Refraktometer-Grade bei 45°) können nach
Hals und Gregg Unterschiede bis 0,12 °/0 hervorgerufen werden. Ebenso können
in 3—5 Wochen alten, haltbar gemachten Proben die Ergebnisse nach Wollny bis
0,14 °/0 und nach Naumann bis zu 0,15 °/0 zu niedrig ausfallen.

Während Hals und Gregg die refraktometrische Fettbestimmung als zwar
hinreichend genau für praktische Zwecke, aber für Massenuntersuchungen für um-
ständlicher halten als die hutyrometrische (Gerber usw.), ist nach Naumann
und Tie mann8) das Verfahren bei Massenuntersuchungen für wissenschaftliche und
praktische Zwecke vorzüglich geeignet.

e)	Verfahren zur annähernden Bestimmung des Fettes.

Aus der großen Zahl der Verfahren, welche gestatten, den Fettgehalt verhältnis-
mäßig einfach, aber meist nur annähernd zu bestimmen, seien folgende hervorgehoben;

a) Das Laktobutyrometer von Marohand (verbessert von Salleron,
sowie von Tollens und Schmidt).4) Das Laktobutyrometer (Fig. 256) besteht aus
einer engen Glasröhre, welche von 0—30 com in je 10 ccm geteilt ist. Der Teil der
Röhre zwischen 20 und 30 ist wiederum in ‘/io ccm geteilt. Man füllt in dieselbe nach
tüchtigem Mischen der zu untersuchenden Milch bis zum Teilstrich 10 (also 10 ccm,
in der Figur bis L) Milch, dann entweder einige Tropfen (2—3) Natronlauge (Marchand)
oder 3—5 Tropfen Essigsäure (Tollens und Schmidt) und bis zum 20. Teilstrich (oder
E) 10 com Äther. Jetzt wird gehörig und so lange geschüttelt, bis das Ganze eine gleich-
mäßige Masse bildet und der Äther nach einigem Stehen sich nicht mehr von der Milch
trennt. Nach gehörigem Schütteln mit Äther werden 10 ccm Alkohol (90—92° Tr.) bis
zum Teilstrich 30 (oder A) zugesetzt und abermals geschüttelt. Durch den Zusatz von
Alkohol wird das Fett wiederum aus der ätherischen Lösung ausgeschieden und sammelt
sich, wenn jetzt die Glasröhre in den mit Wasser von 40° gefüllten Blechzylinder gesetzt
wird, in kurzer Zeit als flüssige, ätherhaltige Ölschioht über der Flüssigkeitsmasse an.
Letztere besteht aus einer klaren Flüssigkeit und ausgesohiedenem, geronnenem Kasein,

!) Milch-Ztg. 1902, 81, 433.

2)	Die ursprüngliche Wollnysche Vorschrift ist nach Hals und Gregg folgende:
20 ccm Milch mit 1 Tropfen Konservierungsflüssigkeit (238 g Kupferchlorid in 1 Liter)
werden mit 3 Tropfen Eisessig versetzt, auf 17,5° gebracht und 2—3 Minuten im Sohüttel-
apparate geschüttelt. Darauf wird 1 ccm kupferoxydhaltige Lauge (500 com Kalilauge
[aus gleichen Gewichtsteilen Wasser und gereinigtem Kalihydrat], 250 com Wasser, 250 ccm
Glyzerin und 100 g Kupferkarbonat) zugesetzt, die Flüssigkeit wieder auf 17,5° gebracht,
mit 4 com wassergesättigtem Äther (17,5°) versetzt, 16 Minuten geschüttelt und darauf
zentrifugiert.

Die Tiemannsohe Vorschrift (Milch-Ztg. 1896, 24, 178), nach welcher an der milch-
wirtschaftlichen Versuchsstation Kiel gearbeitet wurde, weicht von dieser Vorschrift etwas ab.

3)	Bericht der Versuchsstation und Lehranstalt für Molkereiwesen zu Wrescheu
1902/03, S. 2.

4)	Journ. f. Landwirtschaft 1878, 36, 361.
        <pb n="491" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung des Fettes.

467

das sich unten am Boden ansammelt. Aus der Höhe der Öl- (hezw. Fett-) Schicht, die man
in ‘/io ocm an 4er kalibrierten Glasröhre einfach abliest, ermißt man den Fettgehalt.
B. Tollens und Fr. Schmidt haben eine Tabelle entworfen, welche die den abgeschiedenen
und abgelesenen ’/10 ccm Ätherfettlösnng entsprechenden Fettprozente (in 100 ccm Milch)
direkt angibt. Diese Tabelle befindet sich am Schluß unter Hilfstabellen No. XII c.

ß) Sonstige Verfahren, welche auf der Behandlung der Milch mit
Chemikalien beruhen und bei denen die abgeschiedene Fettschicht gemessen
wird. Von diesen seien folgende erwähnt:

Das Alkali-Cremometer von Quesneville1) beruht auf der Aufrahmung der
Milch unter Zusatz von Alkalilauge und Erwärmen; Short2) erwärmt die Milch mit Alkali,
bis alles Fett verseift ist, scheidet dann die Fettsäuren durch Schwefelsäure ab und mißt
diese abgeschiedene Schicht Fettsäuren.

G.	E. Patrik3) kocht die Milch in einer engen Eöhre mit einem Gemisch von
9 Volumen reiner 90 %-iger Essigsäure, 6 Volumen Schwefelsäure von 1,83 spezifischem

Gewicht, 2 Volumen Salzsäure von 1,19 spezifischem Gewicht und so viel Glaubersalz,
in dem Säuregemisch lösen will. Alle Bestandteile der Milch losen sich bis‘ auf dw
dieses schwimmt auf der Flüssigkeit und wird dessen Menge an einer an der Has-
riihre angebrachten Skala abgelesen.	.	m lrQiix._:.rf

Nahm*) scheidet ebenfalls in einer Glasröhre, die im oberen engeren ^al
l8t. aus 20 ccm Milch durch Zusatz einer Flüssigkeit (wesentlich AlkalilaugeJi und unter
Erhitzen in einem Wasserbade das Fett ab und liest die Menge an dem kalibrierten Teil
der Glasröhre ab. Letztere ist für den Zweck unten mit einem Gummiboden versehen,
Reicher gestattet, durch Pressen den unteren Meniskus der Fettschicht auf Null emzustellen.
E- Eouard5) hat das Nahmsche Verfahren etwas abgeandert; er schüttelt 20 ccm Milch

ö Milch-Ztg. 1885, 14, 289.

2)	Vergl. 0. Eeitmair in Zeitsohr. f. angew. Chemie 1889, 288.

3)	Chem.-Ztg. 1891, 15, Eep. 83.

4)	Milch-Ztg. 1894, 23, 555; 1895, 24, 220; 1897, 26, 793; 1899, .8, 6.

q. /) Annal. chim. analyt. 1903, 8, 208; Zeitschr. f. Untersuchung d Nahrungs- u
Genußmittei 1904, 7, 107; vergl. auch E. L6z6, E6p; Pharm. 1901, 57, 1; Zeitschr. t.
11 crsuchuug d. Nahrungs- u. Genußmittel 1901, 4, 895.

30*
        <pb n="492" />
        ﻿468

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

in einem besonderen kalibrierten Prüfer mit 10 com einer ammoniakalischen, alkoholischen,
Amylalkohol enthaltenden Kalilauge, erwärmt zeitweise im Wasserbade und liest die Höhe
der Fettschicht in der kalibrierten Röhre ab.

L. Findet') erwärmt die Milch mit konzentrierter Eesorzinlösung, worin sich die
Eiweißstoffe lösen, und bedient sich zur Abmessung der Fettschicht kalibrierter Röhrchen,
welche den Gerberschen Acidbutyrometern ähnlich sind.

y) Das Cremometer von Chevallier. Dasselbe gibt zwar nur einen sehr rohen
Ausdruck für den Rahm- und den diesem entsprechenden Fettgehalt. Da es aber noch
vielfach bei der Marktkontrolle angewendet zu werden pflegt und dem Nichtchemiker auf
einfache Weise wenigstens darüber Aufschluß geben kann, ob eine Milch in grober Weise
gewässert oder entrahmt ist, so möge dasselbe hier auch beschrieben werden. Es ist ein
Zylinder (Fig. 267, S. 467) von etwa 25 cm Höhe und 4 cm Durchmesser, welcher, in
10 Teile geteilt, bis zum Nullpunkte 100 ccm Milch faßt. Der Raum von 0—50 enthält
weitere Teilstriche, von denen jeder 1 ccm bedeutet. Man füllt diesen Zylinder bis zum
Nullpunkt mit der gut gemischten Milch und läßt dieselbe bei Kellertemperatur 24 Stunden
stehen, worauf man nachsieht, wie viel Raumteile Rahm sich oben gebildet haben.
Gute Vollmilch soll eine Rahmschicht von 10—14% bilden; halb abgerahmte Milch soll

6—8 °/0 haben.

Von Wichtigkeit ist es ferner* die im Cremometer zurückbleibende abgerahmte Milch
auf ihr spezifisches Gewicht zu untersuchen, um durch Vergleichung desselben mit dem der
ursprünglichen Milch unter Berücksichtigung der gewonnenen Rahmschicht einen gewissen
Anhaltspunkt dafür zu erhalten, ob die Milch ursprünglich rein oder mit Wasser oder ab-
gerahmter Milch versetzt war. Die reiner Vollmilch entsprechende abgerahmte Milch muß
ein um 0,002—0,0035 höheres spezifisches Gewicht oder 2—3'7a Laktodensimetergrade mehr
zeigen, als die ursprüngliche Milch. Hat die abgerahmte Milch nicht um so viel höhere
Grade und liegt der Rahmgehalt der ursprünglichen Milch zwischen 8—10 °/0, so kann der
Milch vorher bereits halb abgerahmte Milch zugesetzt sein. Zeigt die abgerahmte Milch aber
ein nur um 0,0015—0,002 höheres spezifisches Gewicht oder 1,5—2,0° mehr als die
ursprüngliche Milch, und liegt der Rahmgehalt unter 6 oder zwischen ß-8u/o, so ist ein
Zusatz von ganz abgerahmter Milch anzunehmen. Ist das spezifische Gewicht der ab-
gerahmten Milch fast gleich (1° Differenz) der ursprünglichen Milch und bildet sich nur
eine geringe Rahmschicht, so ist letztere nicht nur teilweise abgerahmt gewesen, sondern
hat auch einen Zusatz von Wasser erfahren.

Eine ähnliche Messung der Höhe der Rahmschicht wie beim Cremometer erfolgt
auch bei dem Bergschen Laktoskop,2) bei dem aber die Abscheidung des Rahms mittels
Zentrifugalkraft erfolgt.

4)	Optische Milchprtifungsapparate. Es sind in früherer Zeit eine Reihe von
Vorschlägen gemacht worden, um auf optischem Wege, d. h. durch Untersuchung der
Lichtdurchlässigkeit usw. der Milch, einen Anhalt über die Beschaffenheit der Milch zu
erhalten. Man kann nach diesen Verfahren nur sehr grobe Verfälschungen der Milch er-
kennen; sobald es sich aber nur um einigermaßen genaue Untersuchungen handelt, lassen
sie vollständig im Stiche. Diese Verfahren können daher nur für Kleinkonsumenten, für
Bäckereien oder auch für Haushaltungen, wo mau sich in schnellster und einfachster Weise
über eine annähernde Beschaffenheit der Milch Rechenschaft geben will, in Betracht
kommen. Die verschiedenen vorgesohlagenen Verfahren gründen sich darauf, daß die Milch
um so undurchsichtiger ist, je mehr Fettkügelchen sie enthält, dagegen um so durch-
sichtiger, je mehr diese durch Abrahmen entfernt, bezw. je mehr sie durch Zusatz von
Wasser verteilt sind. Auf diesem Grundsatz beruht z. B. das Fesersche Laktoskop.
Dasselbe besteht aus einem zylindrischen Gefäß, in dessen verjüngten Boden ein

x) Journ. Pharm. Chim. 1900, [6], 11, 368; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
u. Genußmittel 1900, 3, 644.

2)	Vergl. Milch-Ztg. 1899, 28, 183 u. 1902, 31, 825.
        <pb n="493" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung der Trockensubstanz bezw. des Wassers.

469

Milchglaskonus eingeschmolzen ist. Man mißt 4 ccm Milch ab, gießt dieselben in den
Zylinder und setzt unter fortwährendem Schütteln so viel Wasser zu, bis die auf dem
Milchglaskonus angebrachten 5 schwarzen Striche eben zu erkennen sind. Die in gleicher
Höhe mit der Flüssigkeitssäule befindliche Zahl am Instrument entspricht direkt den vor-
handenen Fettprozenten. Sind die Striche bei einem Wasserzusatz bis 2'/a deutlich zu er-
kennen, so ist die Milch verdächtig und der chemischen Prüfung zu unterwerfen. — Auf
demselben Grundsatz beruht auch der neuerdings aufgetauchte Magermilchprüfer von
Alexander Bernstein.1)

Die sonstigen optischen Milchprüfungsapparate, das Laktoskop von Donnö, Vogel,
Trommer-Vogel, Seidlitz, Reischauer, der optische Milchprüfer von Gehr.
Mittelstraß in Magdeburg, der Milchspiegel vonHeusner usw. seien hier nur erwähnt.

3,	Bestimmung der Trockensubstanz bezw. des Wassers.

Der Gehalt an Trockensubstanz bezw. Wasser wird ermittelt, indem man
10—12 g der gut durcbgemiscbten Milch in einer mit etwa 15 g gewaschenem, aus-
geglühtem Seesande oder einer entsprechenden Menge ausgeglühtem Bimssteinpulver
beschickten, vorher gewogenen Platinschale unter häufigem Umrühren im JVasser-
hade bis zur Trockne verdampft und im Lufttrockenschrank bei 105° bis zur Be-
ständigkeit des Gewichtes trocknet. Statt der Platinschale mit Sand oder Bimsstein-
pulver kann man sich auch der flachen Soxhl et sehen Nickelschalen (ohne Zusatz
eines Trockenraittels) und statt des Lufttrockenschrankes des Soxhietsehen Trocken-
schrankes mit Glyzerinfüllung bedienen. Jedoch empfiehlt es sich hierbei, nur
6—10 g Milch zu verwenden.

Nach H. Lührig2) erhält man durch Trocknen bei 105° im Soxhletschen
Trockonschranke im Mittel etwa 0,12—0,15 °/0 Trockensubstanz weniger als nach
3—4-stündigem Trocknen im Wassertrockenschranke.

Es ist bei der größten Sorgfalt nicht zu vermeiden, daß die eingetrocknete Milch,
besonders wenn sie sauer ist, eine gelbe oder braune Farbe annimmt, jedenfalls ein Zeichen,
daß eine gewisse Zersetzung stattgefunden hat. Um diesen Fehler zu vermeiden, stellt
man wohl die auf dem Wasserbade nahezu eingetrocknete Milch auf eine Schale mit er-
wärmtem Sand und bringt beides unter den Rezipienten einer Luftpumpe.

Über die Berechnung des Trockensubstanzgehaltes aus dem spezifischen
Gewicht und dem Fettgehalte vergl. weiter unten unter No. 16.

Nach A. Reinsch und H. Lührig8) liefert diese Berechnung der Trocken-
substanz zuverlässigere Ergebnisse als die direkte Bestimmung, da die Trockensubstanz
von Tag zu Tag eine beträchtliche Abnahme erfährt. Nur die unmittelbar nach der
Gewinnung der Milch bestimmten Trockensuhstanzgehalte stimmen gut mit den be-
rechneten tiberein. Bis zum Zeitpunkt des Gerinnens der Milch können diese
Differenzen 0,22—1,04°/0 betragen. Auch Vieth hat bereits früher auf diese Ab-
nahme des Trockensubstanzgehaltes hingewiesen. Er fand nach 48 Stunden in hei
10—Ißo aufbewahrter Milch eine Abnahme von 0,30 °/0 und in hei 19—21° auf-
hewahrter eine solche von 0,78 °/0.

') Milch-Ztg. 1903, 32, 37; vergl. auch daselbst 434 und Molkerei-Ztg. Berlin 1903,
13, 505; Zeitachr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 400 u. 401. —
Der Apparat wird hergestellt von der Firma Göran Lantesson vorm. Th. Oehlen-
schläger &amp; Co., Berlin, Jägerstr. 63.

2)	Milch-Ztg. 1900, 29, 76.

3)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 3, 521,
        <pb n="494" />
        ﻿470

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

4.	Bestimmung des Stickstoffs und der Stickstoffverbindnngen.

a)	Bestimmung des Gesamt-Stickstoffs. 15—20 g Milch werden direkt in einem
Kolben mit 20 ccm Schwefelsäure nach Kjeldahls Verfahren versetzt, erst im
Wasserbade oder über kleiner Flamme erhitzt und, wenn das Wasser verdunstet ist,
weiter nach Kjeldahl (S. 138) verbrannt. Oder man trocknet die Milch unter Zusatz
von etwas Gips im Kolben ein und setzt dann die Schwefelsäure hinzu.

Für die Berechnung des Gesamt-Stickstoffs auf Stickstoff-Substanz
empfiehlt es sich, nicht den sonst üblichen Faktor 6,25 zu wählen, sondern, da das
Kasein nur 15,7—16,8 °/0 und nicht 16 °/0 Stickstoff enthält, nach dem Vorschläge
von J. Munk hei Frauenmilch den Faktor 6,34 und bei Kuhmilch den Faktor 6,37.

b)	Bestimmung der Gesamt-Eiweifsstoffe der Milch nach Ritthausen. 25 ccm
Milch werden mit 400 ccm Wasser verdünnt, mit 10 ccm Fehlingscher Kupfer-
lösung (34,63 g Kupfersulfat in 500 ccm) und weiter mit 6,5—7,6 ccm einer
Lösung von Kalilauge oder Natronlauge versetzt, welche 14,2 g Kalihydrat oder
10,2 g Natronhydrat in 1 1 enthält. — 10 ccm der letzteren entsprechen allerdings
10 ccm der Kupferlösung, d. h. fällen diese eben aus, indes genügt ein Zusatz von
6,5—7,5 ccm Kali- oder Natronlauge, weil die Milch Triphosphat und freies Alkali
enthält. — Die Flüssigkeit muß nach dem Absetzen des Niederschlages noch ganz
schwach sauer oder neutral, keinesfalls aber darf sie alkalisch reagieren; beim geringsten
Überschuß von Alkali bleibt die Flüssigkeit trübe. Die letztere wird, wenn sie klar
geworden ist, durch ein getrocknetes und gewogenes Filter filtriert, der Niederschlag
einigemal mit Wasser dekantiert, dann aufs Filter gebracht, mit Wasser aus-
gewaschen, mit Alkohol und Äther entfettet, nach dem Trocknen gewogen und ver-
ascht oder der Niederschlag wird samt dem Filter1) nach Kjeldahl verbrannt.
Aus dem gefundenen Stickstoff (d. h. Gesamt-Stickstoff — Filter-Stickstoff) berechnet
man die Stickstoffsubstanz durch Multiplikation mit 6,34 bezw. 6,37.

Den Gehalt an stickstoffhaltigen Nichteiweißstoffen erfährt man durch Ein-
dampfen des Filtrats in Hoff meist ersehen Glasschälchen und Verbrennen des samt
Schälchen zerstoßenen Rückstandes nach Kjeldahl.

J.	Munk schlägt zum Fällen der Eiweißstoffe Gerbsäure vor.

B. Bestimmung des Milchzuckers.

a)	Gewichtsanalytisch nach A. Scheibe.2) &gt;,25 ccm Milch, verdünnt mit
400 ccm Wasser, werden mit 10 ccm der als Bestandteil der Fehlingschen Lösung
vorrätig gehaltenen Kupfersulfatlösung (69,28 g im Liter), dann mit 3,5—4,0 ccm

N.-Natronlauge, darauf mit 20 ccm einer kaltgesättigten Lösung von Fluornatrium2)
versetzt, nach halbstündigem Stehen zu 500 ccm aufgefüllt und 100 ccm des
Filtrats mit 50 ccm Fehlingscher Lösung in einer tiefen Porzellanschale 6 Minuten
lang im Sieden erhalten. Das ausgeschiedene Kupferoxydul wird in einem Ashest-
filterrohre gesammelt, im Wasserstoffstrome reduziert und die entsprechende Milch-
zuckermenge aus der von Soxhlet angegebenen Tabelle (vergl. Tabelle VIII am
Schlüsse) berechnet.“

*) Das Filter darf alsdann nicht getrocknet werden.

2) Nach A. Scheibe (Zeitschr. f. analyt. Chem. 1901, 40, 1) ist für eine genaue
gewichtsanalytische Milchzucker-Bestimmung die Entfernung der gelösten Kalksalze er-
forderlich, da durch die Gegenwart dieser 0,07—0,11 % Milchzucker weniger gefunden
wurden, als nach ihrer Ausfüllung durch Fluornatrium. Eine Berücksichtigung des Volumens
des Niederschlages der Eiweißkörper und des Fettes ist nicht erforderlich, da bei der
20-fachen Verdünnung dadurch nur Fehler von —f- 0,01 bis -(-0,02 % bedingt werden.
        <pb n="495" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung des Milchzuckers und der Mineralstoffe.	471

Man kann das Kupferoxydul auch ebenso zweckmäßig durch einen Goochschen
Porzellantiegel abfiltrieren und das Kupferoxydul durch Multiplikation mit 0,888 auf
Kupfer umrechnen und dann der Soxhletschen Tabelle sich bedienen.

Die Bestimmung des Milchzuckers kann natürlich auch volumetrisch nach
Soxhlet1) mit Fehlingscher oder Sachssescher Lösung erfolgen.

b)	Polarimetrisch nach A. Scheibe.2) „75 ccm Milch werden mit 7,5 ccm
einer 20 Gew.-°/0-igen Schwefelsäure und 7,5 ccm einer Quecksilberlösung versetzt, die
wie folgt bereitet wird: 40 g Jodkalium werden in 200 ccm Wasser gelöst, mit
55 g Quecksilberjodid geschüttelt, zu 500 ccm aufgeffillt und von ungelöst ge-
bliebenem Quecksilberjodid abfiltriert. Nach dem Auffüllen der mit den Klär-
flüssigkeiten versetzten Milch zu 100 ccm wird das Filtrat im 400 mm-Eohre hei
17,5° polarisiert. Bei Benutzung des Halbschatten-Apparates mit doppelter Quarzkeil-
Kompensation von Schmidt und Hänsch ist 1 Saccharimeter-Grad auf 0,16428 g8)
Milchzucker in 100 com Lösung urazurechnon. Bei Polarisationsapparaten mit
Kreisteilung und Natriumlicht ist bei 20° zu polarisieren und 1° im 400 mm-Kohr
= 0,4759 g8) Milchzucker in 100 ccm zu setzen.“

Zur Beseitigung des durch das Volumen des Niederschlages hervorgerufenen
Fehlers ist nach A. Scheibe bei Vollmilch (mit 2,8—4,7 °/0 Fettgehalt) der ge-
fundene Milchzuokergehalt mit 0,94 und bei Magermilch mit 0,97 zu multiplizieren.

Bei Kahm und Kolostrnmmiloh ist das Volumen des Niederschlages jedesmal zu
ermitteln. Hierfür hat A. Scheibe ein besonderes Verfahren angegeben, auf das hier
verwiesen sei.

Wenn in der vorstehenden Weise verfahren wird, gehen nach A. Scheibe
die gewichtsanalytische und die polarimetrische Bestimmung vollkommen überein-
stimmende Werte. Die entgegengesetzten Angaben von Schmoeger,4) Bechamp,6)
v. Raumer und Spaeth0) sind nach Scheibe irrig.

Bei der polarimetrischen Milchzucker-Bestimmung ist, wie A. Scheibe und
Svoboda7) gefunden haben, die Anwendung von Bleiessig zur Ausfüllung und
Klärung unzulässig und die fehlerhaften Befunde früherer Untersuchungen sind
teils auf die Anwendung von Bleiessig und die Vernachlässigung des Volumens des
Niederschlages bei der polarimetrischen Bestimmung, teils auf die unrichtige Aus-
führung des gewichtsanalytischen Verfahrens zurückzuftthren. Für das Vorhanden-
sein des die Unterschiede angeblich herbeiführenden dextrinartigen Kohlenhydrates
liegen keine Beweise vor.

6.	Bestimmung der Mineralstoffe.

20—30 g Milch werden nach Fleischmann unter Zusatz von einigen Tropfen
Essigsäure in einer Platinschale auf dem Wasserbade völlig eingetrocknet und dann
über freier Flamme langsam verkohlt. Nachdem man den verkohlten Eückstand
mit Wasser ausgezogen hat, brennt man den Eückstand vollständig weiß, bringt
die Schale auf das Wasserbad, setzt den wässerigen Auszug nach und nach zu, ver-
dampft, glüht gelinde und wägt nach dem Erkalten.

Q Journ. f. prakt. Cbem. [2], 21, 227 u. 300.

2)	Zeitschr. f. analyt. Chem. 1901, 40, 1.

3)	Nach Landolt, Das optische Drehungsvormögen usw. 1898, 445.

4)	Bericht über die Tätigkeit des Milohw. Instit. Proskau 1883/4, 22.

6) Chem.-Ztg. 1891, 15, 1126, 1319.

°) Zeitschr. f. angew. Chem. 1896, 70.

') Zeitschr. d. Vereins f. Rübenzucker-Industrie 1896, 46, Heft 481.
        <pb n="496" />
        ﻿472

Milch und Molkerei-Erzeugnisse,

7.	Bestimmung des Säuregehaltes.

a)	Bestimmung der Gesamtsäure, a) Verfahren von Soxhlet und Henkel.
50 ccm Milch werden nach Soxhlet und Henkel mit 2 ccm einer 2°/0-igen Lösung
von Phenolphthalein in Alkohol versetzt und darauf mit 1/4 N.-Natronlauge titriert,
bis eine eben bemerkbare Rötlichfärbung eintritt. Die verbrauchte Anzahl ccm Natron-
lauge ergibt die Säuregrade. Dieses Verfahren muss genau innegehalten werden,
um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten; besonders darf nicht mit Wasser verdünnt
werden.

Frische Kuhmilch zeigt 2—4 Säuregrade; Milch, welche beim Kochen ge-
rinnt, 5,5—6,5, und Milch kurz vor der freiwilligen Gerinnung in der Kälte 15
bis 16 Säuregrade.

ß) Verfahren von W. Thörner und Pfeiffer.1) 10 ccm Milch werden
in einem bei 30 ccm Inhalt mit einer Marke versehenen Schüttelfläschchen mit
20 ccm destilliertem (d. h. säurefreiem) Wasser, sowie mit 5 Tropfen einer
5 °/0-igen alkoholischen Phenolphthaleinlösung versetzt und darauf aus einer in 1/10 ccm
eingeteilten Bürette mit 1/10 N-Alkalilauge titriert, bis eben Rotfärbung eintritt.
Die Anzahl der so zur Sättigung der Säure verbrauchten ccm 1/10 N-Alkalilauge
umgereohnet auf 100 ccm Milch, also multipliziert mit 10, drücken die Säure-
grade aus. Haben 10 ccm Milch zur Neutralisation 1,5 ccm 1/10 Normalalkali ver-
braucht, so hat die Milch 15 Säuregrade.

Frische Kuhmilch direkt nach dem Melken hat 10—18 Säuregrade, nach
weiteren 6 Stunden (bei Aufbewahrung in kühlen Räumen) 14—25, nach weiteren
48 Stunden 30—100 Säuregrade. Eine Milch, welche nach diesem Verfahren
23 Säuregrade und mehr aufweist, gerinnt beim Kochen.

Das Verfahren von Thörner-Pfeiffer wird dem Soxhlet-Henkelschen
vielfach vorgezogen; durch Multiplikation der verbrauchten ccm 1/10 N.-Alkali lauge
mit 0,009 erhält man die entsprechende Menge Milchsäure.

b)	Bestimmung der Milchsäure. Hierfür hat H. Weigmann2) ein Verfahren an-
gegeben, auf das hier nur verwiesen werden kann.

c)	Bestimmung der Zitronensäure. Nach v. Soxhlet und Henkel3) enthält die
Kuhmilch und nach A. Scheibe1) enthalten auch Ziegenmilch und Frauenmilch als regel-
mäßigen Bestandteil Zitronensäure. Nach dem verbesserten Bestimmungsverfahren von
A. Scheibe, auf das hier nur verwiesen werden kann, wurden in Kuhmilch 1,7—2,0 g,
in Ziegenmilch 1,0—1,5 g und in Frauenmilch 0,54 g Zitronensäure im Liter gefunden.

d)	Verfahren von Soxhlet und Plaut zur Bestimmung des Inkubationsstadiums.
Soxhlet nennt die Zeitdauer, welche vom Melken bis zum Eintritt der Zunahme des
Säuregrades verstreicht, Inkubationsstadium. Dasselbe dauert bei kuhwarmer Milch
3—8 Stunden, bei 10° dagegen 62—75 Stunden, und zwar um so länger, je reinlicher
die Milch gemolken war. Nach A. Kirsten") rührt das anfängliche Gleichbleiben des
Säuregrades daher, daß gleichzeitig soviel freie Kohlensäure entweicht, als Milchsäure
neugebildet wird; er erklärt daher das Inkubationsstadium als denjenigen Zeitraum, in
welchem durch die Tätigkeit der Milchsäurebakterien nur soviel Milchsäure gebildet wird,
wie der beim Stehen der Milch entweichenden Kohlensäure hinsichtlich der Säurewirkung
entspricht.

') Chem.-Zeitung 1891, 15, 1108, desgl. 1892, 1(1, 1496 und 1596.

2)	Jahresbericht der Versuchs-Station für Molkereiwesen in Kiel 1899/1900, 3--4;
Zeitschr. f. Untersuchung d, Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 170.

3)	Landw. Versuchs-Stationen 1891, 39, 143.

*) Ebenda 1891, 39, 153.

6) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 97.
        <pb n="497" />
        ﻿Vollmilch, Bestimmung des Säuregehaltes und der Haltbarkeit der Milch. 473

Das von Plaut ausgearbeitete Verfahren ist folgendes;

Man bestimmt zunächst von der zu untersuchenden Milch den Säuregrad in gekochtem
und in ungekochtem Zustande. Die Ausführung dieser Bestimmung geschieht folgender-
maßen : In zwei Kölbchen von 100 com Inhalt werden je 25 ccm der frisch angekommeueu,
gut umgeschüttelten Milch gebracht und dann das eine über dem Bunsen-Brenner unter
fortwährendem Drehen so lange mittels Papierhalters gehalten, bis einmaliges Aufkochen
erfolgt (etwa 1 Minute), worauf das Kölbchen in kaltes Wasser gesetzt wird. Dann gibt
man zum anderen Kölbchen 1 ccm 2 °/0-ige alkoholische Phenolphthaleinlösung, titriert mit
Barytlösung (1 ccm = 6 mg S03) bis die Bosafärbung deutlich eingetreten ist. Nach dem
Abkühlen des ersten Kölbchens wird dieses in derselben Weise titriert.

Ist diese Säurebestimmung in der frisch angekommenen Milch erfolgt, so setzt mau
120 ccm derselben in Wasser von 40°, um sie auf 37° zu bringen, und daun mit Watte-
pfropf bedeckt in den Brutofen von 37°. Nach gewissen Zeiträumen nimmt man mit der
Pipette 2 x 25 ccm heraus und titriert wieder in der gekochten und ungekochten Milch,
was man nötigenfalls mehrmals wiederholt.

Plaut hat nach vielfachen derartigen Untersuchungen folgende Regeln für die
Beurteilung gefunden:

Frische, reinlich gemolkene Milch hält sich mindestens 5 Stunden lang unver-
ändert im Brutofen. Frische, unreinlich gemolkene Milch zeigt nach 4 Stunden noch
keine, nach 6 Stunden schon eine beginnende Zunahme der Säuerung. Mittelrein lieh
gemolkene Milch, die sich noch in den ersten zwei Dritteln des Inkubationszeitraumes
befindet, zeigt nach 2 Stunden gewöhnlich eine Abnahme der Säuerung in der ungekochten
Probe und vollständige Säurebeständigkeit in der gekochten Probe. Nach 3'/2 Stunden beginnt
das Steigen der Säurekurve.

Jede Milch, welche sich im letzten Drittel der Inkubation befindet, zeigt nach
2 Stunden (gekochte und ungekochte Probe) in bezug auf Säuremenge keine oder eine
geringe Erhöhung gegenüber der Anfangstitrierung; nach 3 Stunden eine starke Zunahme in
beiden Proben. Jede Milch, die das Inkubationsstadium überschritten hat, zeigt
schon nach der ersten Stunde deutliche Säurezunahme in beiden Proben, auch bei Zimmer-
temperatur.

Die vorstehenden Verfahren der Prüfung der Marktmilch auf ihre Haltbarkeit bezw.
ihren ökonomischen Wert kann sich selbstverständlich nur auf rohe Milch oder gewöhnliche
Marktmilch erstrecken. Marktmilch, welche vorher gekocht oder auch pasteurisiert worden
war, wird sich anders verhalten und namentlich stets eine Zunahme des Säuerungsgrades,
eine Ausscheidung von Käse (durch ein von Bakterien erzeugtes labähnliches Ferment)
oder eine Peptonisierung der Milch oder beide Erscheinungen aufweisen

e) Prüfung der Milch durch Alkohol-Zusatz. Nach G. Walch') kann man sich
durch allmählich gesteigerten Alkohol-Zusatz in folgender Weise ein Urteil über die Frische
der Milch verschaffen; Mau setzt zu 10 ccm Milch nach und nach 2,5—5,0—7,5 und 10 ccm
6ts%-igen Alkohol. Hierbei bleibt eine frische Milch mit höchstens 20 Pfeifferschen
Säuregraden unverändert, wenn man 10 ccm Alkohol zusetzt. Eine Milch mit über
35 Säuregraden gerinnt schon bei Zusatz von 2,5 ccm, eine solche mit 30—35 Säuregraden
gerinnt bei Zusatz von 5,0 ccm, eine solche mit 25—30 Säuregraden bei Zusatz von 7,5 ccm
und eine solche mit 20—25 Säuregraden bei Zusatz von 10 ccm Alkohol.

8.	Die Bestimmung der Haltbarkeit der Milch.

a) Gärprobe nach Walther und Gerber. Die so benannte Untersuchung hat
den Zweck, die Milch auf ihre Haltbarkeit zu prüfen, d. h. die Zeit zu bestimmen, welche
verfließt, um dieselbe zum Gerinnen zu bringen. Man hat gefunden, daß frische, gute
Milch bei einer Temperatur von 45° erst nach 12 Stunden gerinnt. Eine von Natur aus
kranke Milch oder solche, welche bei ungenügender Reinigung der Milchgefäße Fäuluis-
stoffe wie Spaltpilze in größerer Menge beigemischt enthält, gerinnt schon nach viel
kürzerer Zeit.

J) Pharm. Ztg. 1899, 44, 906; Zeitschr. f. Untersuchung- d. Nahrungs- n. Genuß-
mittel 1900, 3, 343.
        <pb n="498" />
        ﻿474

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Das für diese Untersuchung vorgesohlagene, von Dietzsch veränderte Verfahren
ist folgendes;

Ein kleiner viereckiger Glaskasten mit Blechboden von der Größe eines hohen
Zigarrenkistohens wird mit Wasser von 46° gefüllt. Auf dem Rande des Kastens liegen
durchlöcherte Blechstreifen, deren Öffnungen so groß sind, daß dieselben Reagensgläser
von 2Vä cm Durchmesser fassen. Die 15 cm hohen, zuvor durch Erhitzen auf 150—160°
sterilisierten und mit sterilisiertem Wattepfropfen verstopften Reagensgläsohen werden
etwa 3/4 mit der zu untersuchenden Milch gefüllt, mit dem Wattepfropfen schnell geschlossen
und in das auf 45° erwärmte Wasser gesenkt. Durch eine kleine Flamme hält man das
Wasser des Kastens 12 Stunden lang auf 45°; durch zeitweiliges Naohschauen sieht man,
welche Veränderung mit der Milch vor sich geht.

Ist dieselbe nach 12 Stunden nicht geronnen, so kann man von einer gesunden
Beschaffenheit und Haltbarkeit der Milch überzeugt sein. Findet indes schon nach
9 Stunden ein Gerinnen statt, so ist dieselbe als verdächtig zu bezeichnen und verlangt
eine wiederholte Revision.

Eine Milch, welche schon nach 6 Stunden eine Veränderung erlitten hat, einen
unangenehmen Geruch zeigt, geronnen oder flockig geworden ist, Kohlensäurebläschen
entwickelt usw., ist zu beanstanden, von der Käserei auszuschließen und verlangt eine
aufmerksame Forschung nach der Ursache des vorzeitigen Verderbens.

Es ist einleuchtend, daß die Garprobe nur bei einer frischen oder höchstens wenige
Stunden alten Milch von Wert sein kann; denn wenn im Hochsommer eine am Abend
gemolkene Milch am folgenden Morgen dieser Probe unterworfen wird, so ist so viel Zeit
verflossen, dass die nicht von der Milch fernzuhaltenden Pilze sich in so großer Menge
vermehrt haben, daß die Säuerung und das Gerinnen schon sehr früh eintreten müssen.
Auch kann eine einmalige Probe nicht stichhaltig sein für die Beurteilung der Haltbarkeit
der Milch; nur durch 3—4 Tage hintereinander angestellte Garproben der Milch eines
Viehstapels lassen sich Urteile über Tauglichkeit oder Untauglichkeit derselben für Molkerei-
oder Genußzwecke gewinnen.

b)	Kaseinprobe nach Schaffer. Nach Schaffer wird dieselbe folgendermaßen
ausgeführt : 100 ccm Milch werden in mit Marke versehene Milchgläser gegeben, welche in
ein Wasserbad von 35° eintauchen. Ferner löst man eine Hansensche Labtablette (kleinste
Nummer) in Wasser von 25—30° und füllt auf */2 1 auf. Von dieser Lablösung werden
2 ccm jenen auf 35° erwärmten 100 ccm Milch zugegeben, durch Schütteln und Umrühren
gemischt und die Gläser wieder in das Wasserbad gesenkt. Darauf wird durch häufiges
Nachschauen beobachtet, wann ein vollständiges Gerinnen eintritt.

Normale frische Milch gerinnt in kaum weniger als 10 und kaum mehr als 20 Minuten
vollständig und gleichmäßig. Dauert die Gerinnung sehr lange oder tritt sie gar nicht ein,
ist ferner das Gerinnsel ungleichmäßig klumpig oder feinflockig und die Molke milchig,
so ist die Milch zum Käsen nicht brauchbar. Kolostrum- (Biestmilch) und saure Milch
sollen schon nach 7—8 Minuten, dagegen räße oder salzige Milch nur teilweise oder gar
nicht gerinnen (dicken). Milch von fieberkranken Tieren gerinnt nur langsam und solche
von Tieren mit Euterentzündung soll flockig gerinnen.

Die Meinungen über die Brauchbarkeit dieses Verfahrens zur Auffindung von Milch-
fehlern sind sehr verschieden und werden namentlich die oben angeführten Angaben über
das Verhalten verschiedenartig kranker Milch als nicht immer zutreffend angezweifelt.

c)	Labgärprobe nach Diethelm. Ein drittes ähnliches Verfahren ist die Labgär-
probe von Diethelm. Dieselbe ist in ihrer Ausführung eine Abänderung der gewöhn-
lichen Gärprobe, indem der Milch in den Probegläschen einfach 2 ccm frische Labflüssigkeit
(wie sie zur Kaseinprobe verwendet wird) zugesetzt werden. Die Milch gerinnt dann
schon nach kurzer Zeit. Nach 12-stündigem Stehen werden die Käschen auf ihre Form
und Lochung untersucht. Die zylindrischen Käschen erscheinen entweder gerade oder
spiralig gewunden oder gebläht oder zerrissen, blasig und rissig. Schneidet man sie aus-
einander, so sind sie entweder gleichmäßig dicht oder haben ganz kleine wenige Löcher
oder sind großlochig, blasig oder rissig. Manchmal haben sich gar keine Käschen gebildet,
sondern die Kaseinmasse liegt als zerrissene, flockige Masse am Boden. Auch die Molke
        <pb n="499" />
        ﻿Vollmilch. Bestimmung des Schmutzgehaltes der Milch.

475

kann eine abnorme Farbe haben und von Blasen durchsetzt sein. Gesunde, gute Milch
soll ein glattes geschmeidiges Kaschen, frei von Lochung, liefern. Fehlerhafte „triebige“
Milch soll dagegen Käse geben, welche hart, lederartig sind, „rissige“ Lochung besitzen
und bisweilen stark aufgetrieben sind. Biestmilch gibt ein unappetitliches, stark gefärbtes
Käschen.

Die Meinungen, welches von den 3 Verfahren das sicherste ist, sind sehr geteilt,
doch wird allgemein der Garprobe der Vorzug gegeben und fast sämtliche Analytiker
stimmen darin überein, daß nicht alle Fehler durch ein Verfahren ausfindig gemacht werden
können und daß man öfters Täuschungen ausgesetzt ist. Es wird daher empfohlen, neben der
Garprobe, wenn möglich, auch die beiden anderen Proben auszuführen. Die Erfahrungen
über sämtliche Verfahren sind noch nicht ausreichend.

9.	Bestimmung des Schmutzgehaltes der Milch.

Für das Renk sehe1) Verfahren hat A. Stutzer2) einen Apparat angegeben,
der aus einer Milchflasche, einem auf ihren Hals passenden Gummischlauch von
wenigen Zentimeter Länge, einem Quetschhahn und einem ebenfalls in den Gummi-
schlauch passenden starken Eeagensglase besteht. Man befeuchtet zunächst den
kleinen Gummischlauch, stülpt ihn über das Eeagensrohr, setzt den Quetschhahn
auf, schiebt das Ganze über die mit etwa 1 1 Milch gefüllte Flasche und kehrt
letztere um. Die Flasche bleibt unter Öffnen des Quetschhahnes etwa 1—2 Stunden
umgekehrt stehen, bis sich der ärgste Schmutz im tiefsten Teile des Eeagensglases
angesammelt hat, dann schraubt- man den Quetschhahn zu, stürzt die Flasche wieder
in die gewöhnliche Lage, nimmt den Gummischlauch8) mit dem mit Schmutz gefüllten
Eeagensglase fort, gießt den Inhalt des letzteren in ein Becherglas oder besser
in ein hohes zylindrisches Gefäß, übergießt mit Wasser und dekantiert nach dem
Ahsetzen bis auf einen kleineren Rest, ohne den Niederschlag aufzurühren. Die
Dekantation wiederholt man so oft, bis das überstehende Wasser hell und klar ist.
Dann gibt man den Niederschlag auf ein getrocknetes und gewogenes Filter, zieht
den Rückstand mit Alkohol und Äther aus und trocknet bis zum gleichbleibenden
Gewicht.

A. Beythien und P. Bohrisch4) verfuhren ebenso wie A. Stutzer,
sammelten aber nach 2-sttindigem Stehen den Schmutz nicht auf einem gewogenen
Filter, sondern brachten ihn, nach schließlichem Dekantieren mit Alkohol und Äther,
direkt mit etwas Alkohol in einen gewogenen Porzellantiegel.

N.	Gerber verfährt ähnlich wie Stutzer, verwendet aber besondere, unten
verjüngte und mit einer Skala versehene Eöhrchen zur Aufnahme des Schmutzes
und bestimmt das Volumen der sich absetzenden Schmutzschicht.

W. Bersch8) läßt die mit etwa der Hälfte Wasser verdünnte und mit Formalin
versetzte Milch 24 Stunden in einem Becherglase stehen, hebert die Flüssigkeit ab,
setzt Wasser hinzu und wiederholt dies etwa 8—10-mal.

E. Eichloff0) fand, daß bei dem Stutzerschen Verfahren durch dreistündiges
Stehenlassen der Milch der vorhandene Schmutz sich nicht vollständig absetzt, daß

') München, medio. Wochenschrift 1891, No. 6 und 7.

2)	A. Stutzer, Die Milch als Kindernahrung usw. Bonn 1896, Verlag von Strauß.

8) Der Gummiverschluß wird zweckmäßig gleich nach der Abtrennung gereinigt,
damit sich nicht Milchteile fest an denselben ausetzen, die sich später nur schwer ent-
fernen lassen.

4)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 3, 319.

5)	Zeitschr. f. landw. Versuohawesen in Österreich 1898, 1, 245; Zeitschr. f. Unter-
suchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1898, 1, 6B3.

8) Zeitschr. f. Untersuchuug d. Nahrungs- u. Genußmittel 1898, 1, 678.
        <pb n="500" />
        ﻿476

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

dazu vielmehr his zu 3 Tage erforderlich seien. Er schlägt daher, ebenso wie
W. Thörner und A. Schlicht, vor, den Schmutz durch Zentrifugalkraft aus der
Milch auszusondern, und verfährt folgendermaßen:

300 g Milch werden in etwa 8 starkrvandige Reagensgläser gebracht und in
einer geeigneten Zentrifuge 5 Minuten lang bei einer Tourenzahl von 2000 in der
Minute geschleudert. Alsdann hat sich sämtlicher Schmutz zu Boden gesetzt. Die
auf der Oberfläche befindliche Eahmschicht wird mit Hilfe der Spritzflasehe heraus-
gespritzt und darauf, ohne den Schmutz aufzurühren, mittels eines am kürzeren
Ende umgehogenen Hebers die Milch bis auf einen kleinen Eest — bis auf etwa
1 cm Entfernung vom Boden — entfernt. Darauf bringt man sämtliche Milchreste
mit dem darin aufgerührten Schmutze quantitativ in eines der Eeagensgläser und
zentrifugiert und hebert in derselben Weise wie vorher ab. Darauf filtriert man
den Schmutz durch ein gewogenes Allihnsches Eöhrchen mit Asbestfilter, wäscht
nach, bis das Waschwasser vollkommen klar ist, trocknet das Eöhrchen hei 105°
und wägt.

W. Thörner und A. Schlicht1) verwenden besondere Meßröhrchen, welche
nur 50 ccm Milch fassen und die im unteren verjüngten Teile eine Skala haben, an
der das Volumen des Schmutzes abgelesen wird.

Renk fand nach seinem Verfahren im Durchschnitt etwa 9,0—10,3 mg Schmutz
im Liter. A. Beythien und P. Bohrisch fanden für Dresden nach dem von
ihnen abgeänderten Stutzer sehen Verfahren in 40 Proben Wintermilch (Stall-
fütterung) 2,7-—24,6 mg, im Mittel 6,3 mg und in 39 Proben Sommermilch (Weide-
gang) 0—6,5 mg, im Mittel 2,6 mg Schmutz; 0. Bach2 3) fand in der Milch von
Mainz bei 70 Proben 3—42 mg, die im Mittel gefundene Menge war etwa 10 mg.

Nach H. Lührig und F. Wiedmann,8) die sich des Stutzerschen Verfahrens
bedienten und 2 Stunden absitzen ließen, werden vom Kuhkot etwa 10 °/0 als
Trockensubstanz wiedergefunden.

10.	Bakteriologische Untersuchung der Milch.

Bezüglich der bakteriologischen Untersuchung der Milch muß auf die Literatur
verwiesen werden. Vergl. auch unter Trinkwasser.

11.	Unterscheidung von erhitzter und nicht erhitzter (roher) Milch.

Infolge des in neuerer Zeit beim Auftreten von ansteckenden Krankheiten
vielfach vorgeschriebenen Erhitzens der Milch hat man zahlreiche Verfahren4) zum
Nachweise von auf etwa 70° und höher erhitzter Milch bezw. zur Unterscheidung
von erhitzter und nicht erhitzter („roher“) Milch vorgeschlagen, die in folgende
beiden Hauptgruppen zerfallen:

а)	Verfahren, die auf dem Nachweise des Albumins in dem vom Kasein befreiten
Serum der Milch beruhen. Nach M. Rubner5 б) setzt man zu der Milch so lange
Kochsalz unter häufigem Umschütteln hinzu, bis sich ungelöstes Kochsalz am Boden

') Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 3, 343 u. 1903, 6, 552.

2)	Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 3, 819.	0. Bach

bestimmte den Milohsohmutz in einem von ihm selbst konstruierten, an den Stutzerschen
sich anlehnenden Apparate.

3)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 204.

4)	Eine kritische Übersicht über die vorgeschlagenen Verfahren lieferte M. Siegfeld

(Zeitschr. f. angew. Chem. 1903, 16, 764), der wir hier z. T. folgen.

б)	Hyg. Rundschau 1895, 5, 1021.
        <pb n="501" />
        ﻿Vollmilch. Unterscheidung von erhitzter und nicht erhitzter (roher) Milch. 477

des Gefäßes ansammelt, dann erwärmt man auf 30—40°, filtriert und erhitzt das
licht-gelbliche Filtrat zum Kochen. Vorher gekochte Milch gibt keine oder nur
eine geringe Abscheidung von Albumin; tritt letztere ein, so liegt ungekochte Milch
oder ein Gemenge von gekochter und ungekochter Milch vor.

Ebenso zweckmäßig ist es nach Kirchner, die Milch auf natürliche Weise
gerinnen zu lassen und das Filtrat (Serum) zur Prüfung zu verwenden. Ferner
empfehlen für die Ausfällung des Kaseins v. Soxhlet verdünnte Säuren, de Jager
und Fab er Magnesiumsulfat.

b) Verfahren, welche auf der Wirkung der oxydierenden Fermente der nicht
erhitzten (rohen) Milch beruhen. Bei dem einen Teile dieser Verfahren läßt man die
Fermente unmittelbar auf gewisse, leicht oxydabele Chromogene wirken, hei dem
anderen Teile findet ein Zusatz von Wasserstoffsuperoxyd statt und wird der aus
diesem durch die Fermente der Milch entwickelte Sauerstoff naohgewiesen.

Als die zuverlässigsten1) von den vorgeschlagenen Verfahren gelten:

a)	Die Paraphenylendiamin-Reaktion. V. Storch2) hat eine ganze
Anzahl von Verbindungen (darunter Jodkalium und Stärke, Guajakol, Hydrochinon,
a-Naphtol, Paraphenylendiamin, Dimethylparaphenylendiamin, Pyrogallussäure) ge-
funden, die durch die oxydierenden Fermente der Milch bei Gegenwart von Wasser-
stoffsuperoxyd gefärbt werden.

Für das beste Reagens hält V. Storch das Paraphenylendiamin,8) dessen
Brauchbarkeit auch von anderer Seite vielfache Bestätigung gefunden hat. Man
verwendet eine 2 °/0-ige Lösung von Paraphenylendiamin, das man sich nach
M. Siegfeld4) durch Sublimation zwischen zwei Uhrgläsern leicht in weißen voll-
kommen reinen Kristallen herstellen kann. Man löst es in heißem Wasser und
bewahrt die nötigenfalls filtrierte Lösung in braunen Fläschchen an einem kühlen
Orte auf; sie bleibt so etwa 2 Monate haltbar. V. Storch verwendet ferner eine
0,2°/0-ige mit 1 ccm konzentrierter Schwefelsäure auf 1 Liter angesäuerte Wasser-
stoffsuperoxydlösung, die in brauner Flasche lange Zeit haltbar ist. Nach M. Sieg-
feld tritt die Reaktion noch rascher und stärker mit der l,5°/0-igen offizineilen
Wasserstoffsuperoxydlösung ein. Man verfährt nach V. Storch, wie folgt:

Etwa 10 ccm Milch (Rahm oder Molke) werden in einem Reagensglase mit
1 Tropfen Wasserstoffsuperoxydlösung und 2 Tropfen Paraphenylendiaminlösung
geschüttelt. Wird die Milch sofort stark indigoblau (bei Milch und Rahm) oder
violett bis rotbraun (bei Molke) gefärbt, so ist sie nicht bis 78° bezw. überhaupt nicht
erwärmt gewesen. Wird die Milch (Rahm) sofort oder binnen 1/2 Minute hellblau-
grau gefärbt, so ist sie auf 79—80° erwärmt worden; behält sie dagegen ihre weiße
Farbe oder nimmt sie nur einen äußerst schwachen violett-roten Farbenton an, so
ist sie über 80° erwärmt worden. Saure Milch ist vor der Prüfung mit Kalk-
wasser zu neutralisieren. Nach M. Siegfeld tritt die Reaktion schon bei einem
Gehalt von 5 °/0 roher Milch sofort ein. Die Farbe verblaßt frühestens erst nach

*) Die früher empfohlene Guajaktinktur hat sich nach vielfachen Versuchen als
unzuverlässig erwiesen, da es nicht immer gelingt, eine wirksame Guajaklösung herzustellen.

2)	40-de Beretning fra den Kgl. Veterinär- og Landbohöjskoles Laboratorium for
iaudökonomiske Forsög, Kiobenhavn 1898; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-u. Genuß-
uuttel 1899, 2, 239_242.

_	3) Noch geeigneter ist zwar nach M. Siegfeld (Zeitsohr. f. angew. Chem. 1903, 16,

64) das Dimethyl-Paraphenylendiamin; dasselbe ist aber in der Form des salzsauren
alzes fünfmal und in Form der freien Base zwanzigmal teurer als Paraphenylendiamin;
aus diesem Grunde sah auch V. Storch von dessen Verwendung ab.

4)	Milch-Ztg. 1901, 30, 723 u. Zeitschr. f. angew. Chem. 1903, 16, 764.
        <pb n="502" />
        ﻿478

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

mehreren Stunden. Erst nach stundenlangem Stehen auftretende Verfärbungen
sind unberücksichtigt zu lassen, da sie auch hei gekochter Milch eintreten können.
Bei Gegenwart von größeren Mengen Formaldehyd ist die Reaktion nachE. Eichholz1)
nicht anwendbar. Enthält eine Milch reduzierende Stoffe (Ehodansalze, Ferrosalze),
welche den Sauerstoff des Wasserstoffsuperoxyd zur Oxydation verwenden, so tritt
nach F. Wirthle'2) die Reaktion nicht ein, wohl aber, wenn man mehr Wasserstoff-
superoxyd hinzusetzt.

W. Rullmann3) empfiehlt, die Reaktion als Schicht-Reaktion auszuführen
und hält diese für die schärfste und einfachste. Milch, welche 1 Stunde auf 68—69 0
erhitzt ist, gibt noch eine Reaktion, solche, welche 1/.2 Stunde auf 72° erhitzt ist,
aber innerhalb 10 Minuten nicht mehr.

ß) Die Reaktion mit Jodkalium-Stärkekleister. Du Eoi und Köhler4)
haben diese bereits von V. Storch geprüfte, aber weniger geeignet befundene
Reaktion in folgender Ausführung empfohlen: Man schüttelt eine größere Menge
Milch (etwa 100 ccm) mit 1 °/05) (ursprünglich waren 2 °/0 empfohlen) einer 1 °/0-igen
Wasserstoffsuperoxydlösung. Von der so behandelten Milch gibt man 3 ccm zu
3 ccm Jodkaliumstärkelösung — hergestellt durch Auflösen von 2—3 g Jodkaliura in
wenig Wasser und Zugeben dieser Lösung zu 100 ccm einer 2—3 °/0-igen wässerigen
Stärkelösung — in ein Reagensglas und schüttelt kräftig um. Bei Gegenwart von
nur 10°/0 roher Milch tritt sofort eine starke Blaufärbung ein; nach du Eoi und
Köhler lassen sich durch das Reagens noch 2°/0 rohe Milch in gekochter Milch
nachweisen, die Reaktion tritt dann aber erst langsamer ein. Erhitzte Milch bleibt
rein weiß. Wie Vollmilch verhalten sich auch Rahm, Magermilch und Molken.
Bei saurer Milch muß die Hauptmenge der Säure vorher neutralisiert werden. Ein
Gehalt der Milchproben an Kaliumbichromat oder Formaldehyd beeinträchtigt die
Brauchbarkeit der Reaktion nicht.

Nach M. Siegfeld, der das Verfahren für recht brauchbar hält, ist die
offizinelle Jodzinkstärkelösung der Jodkaliumstärkelösung vorzuziehen, da erstere
haltbarer ist und auch reinere Farbentöne gibt.

12.	Nachweis von Frischhaltungsmitteln.6)

а)	Natriumkarbonat. Zum sichereren Nachweis von Natriumkarbonat, von
welchem bis zu 1 g wasserfreies Salz auf 1 Liter zugesetzt wird, um die Säuerung
der Milch zu verdecken, werden nach A. Hilger 50 ccm Milch mit der 5-fachen
Wassermenge verdünnt, erhitzt, mit wenig Alkohol zum Gerinnen gebracht und
filtriert. Das auf die Hälfte eingeengte Filtrat läßt an der alkalischen Reaktion die
Gegenwart von Alkalikarbonat deutlich erkennen.

Nach Soxhlet und Scheibe bestimmt man in der Milchasche quantitativ die
Kohlensäure, wobei zu berücksichtigen ist. daß die Asche der natürlichen Milch nicht
mehr als 2 °/0 Kohlensäure enthält.

4) Molkerei-Ztg. Berlin 1900, 10, 271.

2)	Chem.-Ztg. 1903, 27, 432,

3)	Zeitachr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 81.

4)	Milch-Ztg. 1902, 31, 17 und 113.

б)	Vergl. M. Siegfeld, Zeitsohr. f. angew. Chem. 1903, 16, 764.

9) Da die Prüfung vieler Milchproben auf die verschiedenen Frischhaltungsmittel
sehr zeitraubend ist, hat M. Wynter Blyth (Analyst 1901, 26, 148; Zeitschr. f. Unter-
suchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 172) ein Verfahren ausgearbeitet, nach
welchem zunächst untersucht wird, ob überhaupt Frischhaltungsmittel vorhanden sind. Auf
dieses Verfahren, bei welchem die Milohproben auf gleichen Alkalitätsgrad und gleichen
Bakteriengehalt gebracht werden, wie eine Kontrollmilch, kann hier nur verwiesen werden.
        <pb n="503" />
        ﻿Vollmilch. Nachweis von Frischhaltungsmitteln.

479

Nach P. Süß1) kann man noch 0,05 °/0 Natriummono- und -hikarbonat in der
Milch deutlich nachweisen, wenn man zu 100 ccm Milch 5—10 ccm Alizarin-
lösung hinzugibt. Die Milch nimmt alsdann eine sehr deutliche Rosafärhung an,
während karbonatfreie Milch gelblich wird. Die Alizarinlösung wird durch Auflösen
von 2 g Alizarin in 1 1 90 °/0-igem Alkohol unter gelindem Erwärmen erhalten.

b)	Salizylsäure, Nach Ch. Girard2) werden 100 ccm der zu prüfenden
Milch und 100 ccm Wasser von 60° mit 8 Tropfen Essigsäure und 8 Tropfen
salpetersaurem Quecksilberoxyd gefällt, geschüttelt und filtriert. Das Filtrat wird
mit 60 ccm Äther ausgesohüttelt, welcher die Salizylsäure aufnimmt. Nach dem
Verdunsten des Äthers wird dieselbe in Wasser aufgenommen und kann durch die
bekannte Reaktion (mit einem Tropfen einer 1 °/0-igen Eisenchloridlösung an der
violetten Färbung) nachgewiesen werden.

Nach G. Breustedt3) verdünnt man 26 ccm Milch mit 25 ccm Wasser und
scheidet nach dem Ritt haus en sehen Verfahren das Kasein mit dem Fett ab, indem
man 10 ccm Fehlingsche Kupfersulfatlösung und etwa 2,5 ccm N-Kalilauge so
vorsichtig hinzugibt, daß die Flüssigkeit noch deutlich sauer reagiert. Man erwärmt
kurze Zeit im Wasserhade und saugt das abgeschiedene Kaseinkupfer mit dem Fette
ab. Das völlig klare Filtrat wird mit einigen Tropfen verdünnter Salzsäure versetzt
und mit Äther ausgeschüttelt. In dem Ätherauszuge weist man nach dem Ver-
dunsten des Äthers die Salizylsäure mit 1 °/0-iger Eisenchloridlösung nach. In
demselben Rückstände findet sich auch die etwa vorhandene Benzoesäure.

Nach P. Süß4) kann man die Salizylsäure auch durch Ausziehen des nach
Soxhlets Verfahren zum Nachweise von Nitraten mit Chlorcalcium hergestellten
Serums mit Äther nachweisen. Über die quantitative Bestimmung vergl. die Arbeit
von W. Fresenius und L. Grünhut.5)

c)	Benzoesäure. Nach E. Meißl6) werden 250—600 ccm Milch mit einigen
Tropfen Kalk- oder Barytwasser alkalisch gemacht, auf ein Viertel eingedunstet
und unter Zusatz von etwas Gipspulver zur Trockne verdampft; die trockne fein-
gepulverte Masse wird mit etwas verdünnter Schwefelsäure befeuchtet und 3—4-mal
mit 50°/0-igem Alkohol kalt ausgeschtittelt. Die vereinigten sauren alkoholischen
Auszüge werden mit Barytwasser neutralisiert und auf ein kleines Volumen ein-
geengt. Dieser Rückstand wird abermals mit verdünnter Schwefelsäure angesäuert
und mit kleinen Mengen Äther ausgeschtittelt. Der Äther hinterläßt beim frei-
willigen Verdunsten fast reine Benzoesäure, die man in wenig warmem Wasser löst
und durch Zusatz von einem Tropfen Natriumazetat- und neutraler Eisenchloridlösung
als einen rötlichen Niederschlag von benzoesaurera Eisen erkennt. Selbstverständlich
findet sich auf diese Weise auch etwa vorhandene Salizylsäure in der zu prüfenden
Lösung.

Nach G. Breustedt3) kann man die Benzoesäure gleichzeitig mit der Salizyl-
säure bestimmen (vergl. unter b). Zu ihrer Erkennung löst man den Rückstand
des Ätherauszuges bezw. einen Teil des aus einer größeren Milchmenge erhaltenen
Ätherextraktes in 1—2 ccm Wasser, gibt 1 Tropfen 10 °/0-ige Eisenchloridlösung
hinzu und kocht nötigenfalls einige Minuten; bei Gegenwart von Benzoesäure bilden
sich braune Flocken von benzoesaurem Eisen. Ferner kann man auch den Äther-

*) Pharm. Zentralhalle 1900, 41, 465.

2)	Zeitschr. f. analyt, Chem. 1883, 22, 277.

3)	Arch. d. Pharmacie 1899. 237, 170.

D Pharm. Zentralhalle 1900, 41, 437.

“) Zeitsohr. f. analyt. Chem. 1899, 38, 292.

) Ebenda 1882, 21, 531.
        <pb n="504" />
        ﻿480

Milch und Molkerei-Erzeugnisse

riickstand mit 2 Tropfen 50 °/0-iger Ameisensäure mischen, mit Kalkmilch tiber-
sättigen, eintrocknen und den Rückstand in einem einseitig geschlossenen Rohre
vorsichtig erhitzen. Bei Gegenwart von Benzoesäure macht sich ein deutlicher
Geruch nach Bittermandelöl bemerkbar, auch wenn Salizylsäure zugegen ist.

d)	Borsäure. Der qualitative Nachweis der Borsäure geschieht nach
E. Meißl1 2) wie folgt: 100 ccm Milch werden mit Kalkmilch oder Soda alkalisch
gemacht, eingedampft und verascht. Die Asche wird in möglichst wenig konzentrierter
Salzsäure gelöst, die Lösung von der Kohle abfiltriert und das wieder alkalisch
gemachte Filtrat zur Trockne eingedampft; hierauf befeuchtet man den Rückstand
' mit stark verdünnter Salzsäure, durchtränkt den Kristallbrei mit Kurkumatinktur
und trocknet auf dem Wasserbade ein. Bei Gegenwart der geringsten Spur Borsäure
erscheint der Rückstand deutlich Zinnober- bis kirschrot. (Eine etwa durch kon-
zentrierte Salzsäure entstehende kirschrote Färbung des Kurkumafarbstoffes ver-
schwindet auf Wasserzusatz sofort.) Die mit Kurkuma geprüfte Asche kann noch
zur Flammenreaktion benutzt werden, indem man mit Methylalkohol versetzt, in einem
Kölbchen mit doppelt durchbohrtem Pfropfen mit Zu- und Ableitungsrohr Wasser-
stoff durchleitet und diesen anzündet.

Ebenso zweckmäßig dürfte es sein, die mit Soda hergestellte Asche in möglichst
wenig Salzsäure zu lösen, mit der filtrierten salzsauren Lösung einen Streifen Kurkuma-
papier zu befeuchten und diesen auf einem Uhrglase zu trocknen. Färbt sich hierbei
die benetzt gewesene Stelle des Kurkumapapieres deutlich rot und geht diese Farbe
beim Befeuchten des Papieres mit Ammoniak oder Natriumkarbonat in Blauschwarz
Uber, so ist Borsäure in der Milch vorhanden.

Nach E. H. Jenkins3) kann der Nachweis sogar in der Weise erfolgen, daß
man 10 ccm Milch mit 7 Tropfen Salzsäure versetzt, einen Streifen empfindlichen
Kurkumapapieres mit der filtrierten Flüssigkeit befeuchtet und auf einem Uhrglase
auf dem Wasserbade trocknet.

Die quantitative Bestimmung der Borsäure geschieht am einfachsten
nach dem Verfahren von Jörgensen.8) Dieses Verfahren beruht auf der
zuerst von J. Klein beobachteten Erscheinung, daß eine gegen Phenolphthalein
neutralisierte wässerige Borsäurelösung nach dem Zusatz einer hinreichenden Menge
von neutralem Glyzerin oder besser Mannit4 *) wieder saure Reaktion annimmt und
daß nun durch abermalige Titration mit Alkalilauge der Gehalt an Borsäure
bestimmt werden kann, wenn gleichzeitig der Wirkungswert der Lauge durch
Titration einer Borsäurelösung von bekanntem Gehalt unter möglichst gleichen
Mengen- und Konzentrationsverhältnissen festgestellt worden ist. Man verfährt
wie folgt: 100—200 ccm Milch werden bis zur stark alkalischen Reaktion (gegen
Lakmus) mit konzentrierter Natronlauge versetzt, in einer Platinschale zur Trockne
verdampft, darauf verascht und die Asche mit Schwefelsäure aufgenommen. Die
erhaltene Lösung wird in einen 200 ccm-Kolben gebracht, zur Austreibung der etwa
noch in Lösung befindlichen Kohlensäure kurze Zeit gelinde erwärmt und nach dem
Abkühlen unter Verwendung von Phenolphthalein als Indikator mit kohlensäurefreier

1)	Zeitschr. f. analyt. Chem. 1882, 21, 531.

2)	Bericht der Landw. Versuchs-Station Connecticut 1901,106; Zeitschr. f. Untersuchung
d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 866.

3)	Zeitsohr. f. angew. Chem. 1897, 5. — Vergl. hierzu A. Beythien und H. Hempel,
Über die Genauigkeit des Jörgensensohen Verfahrens zur Bestimmung der Borsäure in
Fleisohdauerwaren (Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1899, 2. 842).

4)	Vergl. K. Windisch, Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel

1905, 9, 641.
        <pb n="505" />
        ﻿Vollmilch. Nachweis von Frisohhaltungsmitteln.

481

Natronlauge genau neutralisiert. Die Lösung wird mit kohlensäurefreiem Wasser
auf 200 ccm aufgefüllt und nach dem Mischen filtriert. Zu 50 ccm des Filtrates
setzt man nun 25 ccm neutrales Glyzerin oder nach K. Windiseh1) besser 1—2 g
reinen gepulverten Mannit und titriert, ohne auf einen etwa entstehenden Nieder-
schlag (von Phosphaten) Rücksicht zu nehmen, mit 1/10 N-Natronlauge bis zur
schwachen Rotfärbung. Zur scharfen Erkennung des Farbenumschlages leistet nach
A. Beythien und H. Hempel ein Zusatz von neutralem Äthylalkohol gute Dienste.

Zur Feststellung des Wirkungswertes der 1/10 N-Natronlauge gegen Borsäure
stellt man eine Lösung von 2 g chemisch reiner kristallisierter Borsäure in 1 1
kohlensäurefreiem Wasser her und versetzt 50 ccm dieser Lösung (=0,1 g Borsäure
H3B08) unter Zugabe von Phenolphthalein als Indikator vorsichtig mit der 1I io
N-Natronlauge bis zur schwachen Rotfärbung; darauf gibt man 25 ccm neutrales
Glyzerin oder 1—2 g Mannit hinzu und titriert nun wiederum mit 1/10 N-Natronlauge
bis zur schwachen Eotfärbung. Angenommen,
es seien bei dieser Titration 15,80 ccm
1/10 N-Natronlauge verbraucht, so entspricht
1 ccm 0,00633 g HgBOg oder 0,00343 g B208.

Honig und Spitz3) haben das Ver-
fahren von Jörgensen etwas abgeändert.

Dieses abgeänderten Verfahrens hat sich
auch E. Polenske3) bei der Bestimmung
der Borsäure in Trockenpökelfleisch bedient;
es dürfte auch bei Milch brauchbar sein.

Zum Nachweise und zur quantitativen
Bestimmung sehr kleiner Borsäure-
mengen empfiehlt sich das kolorimetrische
Verfahren von A. Hebebrand.4) 50 ccm
mit Natriumkarbonat schwach alkalisch ge-
machte Milch werden in einer Platinschale
vollständig verascht. Die Asche wird mit
5 ccm schwach (mit 0,5 ccm Salzsäure) -un-
gesäuertem Wasser behandelt, die Lösung in ein Reagenzglas oder besser in
das für diese Zwecke hergestellte Röhrchen5) (Fig. 258) gegeben und die Platin-
schale mit 15 ccm Alkohol nachgespült. Hierauf gibt man zu der Lösung 15 ccm
Salzsäure (spez. Gewicht 1,19), kühlt gehörig ab und gibt darauf genau 0,2 ccm einer
°,1 %-igen wässerigen Eurkuminlösung6) hinzu. Nach dem Umschütteln und etwa
halbstündigem Stehenlassen im Dunkeln vergleicht man die eingetretene Färbung
mit einer Farbenskala, welche man sich unter Anwendung bestimmter Mengen (etwa
—1,2 ccm) einer 1 %-igen Borsäurelösung unter genauer Einhaltung der vor-
stehenden Arbeitsweise hergestellt hat. Ist keine Borsäure vorhanden, so färbt sich
die Flüssigkeit grünlich-gelb; bei Gegenwart von Borsäure dagegen erscheint sie
schwach bräunlich (0,1 mg) bis schön rosenrot (10 mg); am deutlichsten sind die

J) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 9, 641.

2)	Zeitschr. f. angew. Chem. 1896, 549.

■') Arb. a. d. Kaiser!. Gesundheitsamte 1900, 17, 561.

4)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 55, 721 u. 1044.
'0 Die Röhrchen werden hergestellt von der Firma Dr. Siebert &amp; Kühn in Kassel.
Die Kurkuminlösungen geben reinere Farbentöne als die gewöhnlichen Kurkuma-

tinkturen.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

31
        <pb n="506" />
        ﻿482

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Unterschiede der Farbentöne bei Gegenwart von 1—5 mg Borsäure. Zur Ver-
gleichung der Farbentöne empfiehlt es sich, die Reagenzröhrchen schräg gegen eine
weiße Unterlage zu halten, was bei den hierfür besonders hergestellten Röhrchen
(Fig. 258) besonders erleichtert wird, in deren unterstem Teile sich die aus dem
Gemisch etwa abgeschiedenen Salze (Chlornatrium usw.) ansammeln und so die
Vergleichung der Farbentöne erleichtern. A. Hebebrand fand nach diesem Ver-
fahren auch in käuflichem Salinensalz 0,6—3,0 mg Borsäure in 100 g.

A. Partheil und J. Rose1) bestimmen die Borsäure durch Ausziehen der
horsäurehaltigen salzsauren Lösung mittels Äthers in dem von ihnen hergestellten
Perforator. Die Lösung muß frei von Schwefelsäure, Salpetersäure, Phosphorsäure und
Eisen sein. Bezüglich der Ausführung dieses Verfahrens sei auf die Quelle verwiesen.

e)	Fluorwasserstoffsäure. Der Nachweis kann in sinngemäßer Abänderung
der Vorschrift der „Anweisung für die chemische Untersuchung von Fleisch und
Fetten“ (Anlage d zum Gesetz vom 3. Juni 1900) erfolgen; man verfährt wie folgt;
100—200 ccm Milch werden in einer Platinschale mit einer hinreichenden Menge
Kalkmilch alkalisch gemacht. Alsdann trocknet man ein, verascht und gibt den
Rückstand nach dem Zerreiben in einen Platintiegel, befeuchtet das Pulver mit etwa
drei Tropfen Wasser und fügt 1 ccm konzentrierte Schwefelsäure hinzu. Sofort
nach dem Zusatze der Schwefelsäure wird der behufs Erhitzens auf eine Asbestplatte
gestellte Platintiegel mit einem großen Uhrglase bedeckt, das auf der Unterseite in
bekannter Weise mit Wachs überzogen und beschrieben ist. Um das Schmelzen des
Wachses zu verhüten, wird in das Uhrglas ein Stückchen Eis gelegt. Der Nachweis
von Fluorwasserstoff ist als erbracht anzusehen, sobald das Glas sich an den be-
schriebenen Stellen angeätzt zeigt.

f)	Formaldehyd. Für den Nachweis von Formaldehyd sind eine große Anzahl
von Verfahren vorgeschlagen, die z. T. noch wenig auf ihre Zuverlässigkeit geprüft
sind, z. T. auch allgemeine Reaktionen auf Aldehyde (Ketone usw.) sind und daher
nicht als kennzeichnende Reaktion auf Formaldehyd angesehen werden können.
Immerhin kann man sich dieser einfachen Reaktionen bedienen, um nachzuweisen,
ob überhaupt Aldehyde vorhanden sind; erst beim positiven Ausfall dieser Reaktionen
wird man sich des unter B a aufgeführten umständlicheren Verfahrens bedienen,
welehes kennzeichnend für den Formaldehyd ist.

K.	Farnsteiner2) empfiehlt, zunächst in der Milch selbst die Hehnersche
Reaktion mit Schwefelsäure (By) anzustellen und bei positivem Ausfall derselben
von 100 ccm Milch in einem geräumigen (500—1000 ccm-) Kolben — da die Milch
stark schäumt — mit vorgelegtem Kühler etwa 20—30 ccm abzudestillieren.
Etwa die Hälfte des Destillates verwendet man zur Anstellung der allgemeinen
Aldehydreaktionen (A) und der einen oder anderen der unter B ß— ö aufgeführten
Reaktionen. Wenn diese positiv ausfallen, verwendet man die zweite Hälfte des
Destillates zur Anstellung der Hexamethylentetramin-Reaktion (B a), die als die
zuverlässigste Formaldehyd-Reaktion angesehen wird.

A. Allgemeine Aldehyd-Reaktionen, a) Nach R. T. Thomson3) ver-
setzt man die zu prüfende Lösung mit 5 Tropfen ammoniakalischer Silber-
nitratlösung (1 g Silhernitrat wird in 30 ccm Wasser gelöst und mit verdünntem
Ammoniak versetzt, bis der anfänglich entstehende Niederschlag sich wieder gelöst
hat und dann mit Wasser auf 50 ccm verdünnt) und läßt einige Stunden im Dunkeln

]) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1901, 4, 1172; 1902, 5, 1049.

2)	Forschungsberichte über Lebensmittel 1896, 3, 363.

3)	Chem. News 1895, 71, 247.
        <pb n="507" />
        ﻿Vollmilch. Nachweis yon Frischhaltungsmitteln.

483

stehen. Bei Gegenwart von Aldehyden entsteht eine schwarze Trübung oder ein
Niederschlag von metallischem Silber oder ein Silberspiegel. Je nach dom Gehalte
an Aldehyd tritt die Reaktion oft erst nach 12 Stunden ein. Eine leichte Braun-
färbung ist nicht als positive Reaktion anzusehen.

Nach K. Farnsteiner1) tritt die Reaktion mit Destillaten aus bereits ge-
säuerter formaldehydfreier Milch stets ein. Das Reagens ist daher für die
Prüfung der Milch auf Formaldehyd nicht geeignet.

ß) Durch schweflige Säure entfärbte Fuchsin-Lösung (Rosanilin-
bisulfit-Lösung, Schiffsches Reagens) wird beim Vermischen mit einer aldehyd-
haltigen Flüssigkeit gerötet. Die Reaktion muß nach 0. H ebner2) und A. Jo rissen8)
auf Zusatz einiger Tropfen verdünnter Schwefliger Säure bestehen bleiben; andernfalls
rührt sie nicht von Aldehyden her.

Nach K. Farnsteiner1) stellt man das Reagens wie folgt her: 5 ccm einer
10 °/0-igen Lösung von Natrium sulfurosum siccum werden mit 10,2 ccm 1/2 N-Salz-
säure versetzt und darauf mit 100 ccm 0,1 °/0-iger Fuchsinlösung vermischt. Nach
etwa 4 Stunden ist die Entfärbung vollendet.

Setzt man zu 10 ccm der zu prüfenden Flüssigkeit 5 Tropfen des Reagenzes,
so tritt eine Rotfärbung ein, die auf Zusatz von wenig Salzsäure in eine Violett-
färbung und bei stärkerem Salzsäure-Zusatz in eine rein blaue bis blaugrüne Färbung
übergeht. Destillate von reiner, bereits gesäuerter Milch geben zwar häufig Rot-
färbungen, die aber auf Zusatz von wenig Salzsäure wieder verschwinden.

B. Formaldehyd-Reaktionen. «) Hexamethylentetramin-Reaktion
nach Romijn.4) Etwa 10 ccm des Destillates werden mit Ammoniak im Über-
schüsse versetzt und in einer flachen Glasschale eingedampft. Bei Gegenwart von
Fomaldehyd hinterbleiben kennzeichnende Kristalle von Hexamethylentetramin.
Diese Verbindung gibt mit Quecksilberchlorid, Phosphormolybdänsäure, Kälium-
quecksilberjodid und zahlreichen anderen Substanzen eigenartig kristallisierende
Hoppelverbindungen usw., die man unter dem Mikroskop beobachtet.

Der Rückstand wird in einigen Tropfen Wasser gelöst, je ein Tropfen auf
einen Objektträger gebracht und mit den beiden folgenden Reagentien geprüpft:r')

1.	mit Quecksilberchlorid im Überschüsse. Es entsteht hierbei sofort ein
regulärer kristallinischer Niederschlag; bald sieht man drei- und mehrstrahlige Sterne,
später Oktaeder. Letztere entstehen in großer Menge bei einer Konzentration von
1 :10000, aber auch noch sehr deutlich bei 1 : 100000;

2.	mit Kaliumquecksilberjodid und ein wenig verdünnter Salzsäure. Es bilden
sich hexagonale, sechsseitige, hellgelb gefärbte Sterne; bei einer Konzentration von
1 : 10000 noch sehr deutlich.

Die Gegenwart von Formaldehyd darf als erwiesen nur betrachtet werden,
wenn der erhaltene kristallinische Rückstand die beiden vorstehend beschriebenen
Reaktionen zeigt.

') Forschungsberichte über Lebensmittel 1896, 3, 363.

2)	Analyst 1896, 21, 94.

3)	Journ. de Pharm, de Liege. 1897, 4, 257; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
"■ Genußmittel 1898, 1, 356.

4)	Pbarm.-Ztg. 1895, 40, 407.

6)	Nach der amtlichen Anweisung für die chemische Untersuchung von Fleisch und
etteu in Anlage d der Ausführuugsbestimmungen D zum Gesetz, betr. die Schlachtvieh und
. „®lschbeschau vom 3. Juni 1900; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel

1902

5, 885.

31*
        <pb n="508" />
        ﻿484

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

ß) Phlorogluzin-Reaktion nach Weber und Tollens:1) Werden Lösungen
von Formaldehyd (bezw. Methylen) mit einigen Tropfen 1 °/0-iger Phlorogluzinlösung
und dem gleichen Raumteile konzentrierter Salzsäure (1,19 spez. Gewicht) längere
Zeit erwärmt, so tritt eine weißliche Trübung und dann Ausscheidung gelh-roter
Flocken ein.

y) Reaktion mit Schwefelsäure nach 0. Hehner.2) Unter die mit dem
gleichen Volumen Wasser verdünnte Milch — nicht Destillat der Milch — schichtet
man in einem Reagenzglase 90—94 °/0-ige Schwefelsäure. Bei Gegenwart von
Formaldehyd entsteht in der Berührungszone ein violetter Ring. Bei Abwesenheit
von Formaldehyd entsteht in der Berührungszone eine lichtgrüne Färbung und
nach mehreren Stunden ein rötlich-brauner Ring unterhalb der Bertihrungs-
zone, der hei einiger Übung von dem bei der Formaldehyd-Reaktion entstehenden
leicht unterschieden werden kann.

K. Parnsteiner3 *) bestätigt im allgemeinen die Angaben von 0. Hehner; nach ihm
bildet sich aber unter oder an Stelle des lichtgrünen Ringes der tief rotviolette Ring,
dagegen bei Anwesenheit von Formaldehyd ein blauvioletter Ring zwischen der Oberfläche
der Säure und dem schwimmenden ungelösten Kasein.

d)	Reaktion mit Phenylhydrazinhydrochlorid und Nitroprussid-
natrium nach E. Rimini.1) Nach C. Arnold und C. Mentzel5) empfiehlt sich
folgende Arbeitsweise:

Man löst in 3—5 ccm der zu untersuchenden kalten Flüssigkeit ein erbsen-
großes Stückchen Phenylhydrazinhydrochlorid, setzt 2—4 Tropfen (nicht mehr) einer
5—10 °/0-igen Nitroprussidnatriumlösung und hierauf tropfenweise eine 10- 15 %-ige
Alkalihydroxydlösung (8—12 Tropfen) hinzu, worauf sofort eine je nach der Menge
des Formaldehyds, blaue bis blaugraue, längere Zeit beständige Färbung entsteht.
Milch (rohe und gekochte), welche im Liter 0,015 g Formaldehyd enthält, gibt noch
deutliche Grünfärbung, während reine Milch nur gelblich gefärbt wird. Bei 0.05 g
Formaldehyd im Liter entsteht schon eine schöne Blaufärbung.

13.	Nachweis fremder Farbstoffe.

Um die bläuliche Färbung gewässerter oder teilweise entrahmter Milch zu
verdecken, werden hier und da gelbe Farbstoffe der Milch zugesetzt. Da die
natürliche Gelbfärbung der Milch durch die Farbe des Fettes bedingt ist, während
bei einer künstlichen die ganze Milchflüssigkeit gelb gefärbt ist, so kann man
eine künstlich gefärbte Milch von einer natürlichen schon in der Regel durch Be-
obachtung ihres Verhaltens beim Aufrahmen in einem Glase unterscheiden. Bei
natürlicher Milch ist nur die Rahmschicht gelblich und die unterstehende Magermilch
bläulich; bei künstlich gefärbter dagegen ist infolge der Färbung der ganzen
Flüssigkeit auch die Magermilch nach dem Aufrahmen gelblich. Bezüglich des
Nachweises der künstlichen Färbung und der Erkennung der Farbstoffe sei auf die

J) Bericht d. Deutsch, ehern. Gesellschaft 1897, 30, 2510; vergl. auch daselbst 1899,
32, 2841, über die quantitative Bestimmung von Formaldehyd bezw. Methylen.

2)	Analyst 1896, 21, 94; Vierteljahreaschr. f. Nahrungs- u. Genußmittel 1896, 11, 276.

3)	Porschungsberichte über Lebensmittel 1896, 3, 363.

J) Annal. di Parmacol. 1898, 97; Zeitschr. f, Untersuchung d. Nahrungs- u. Genuß-
mittel 1898, 1, 858, E. Rimini hat außer 10 verschiedenen Aldehyden noch Aceton,
Aoetophenon, Benzophenon, Kampfer, Methylalkohol und Ameisensäure geprüft und gefunden,
daß die Reaktion mit diesen nicht eintritt; er hält sie daher für kennzeichnend für Formaldehyd.

5)	Chem.-Ztg. 1902, 26, 246.
        <pb n="509" />
        ﻿Vollmilch. Nachweis von Salpetersäure in der Milch.

485

Arbeiten von A. E. Leach, H. C. Lytgoe, A. Leys und M. W. Blyth usw.
verwiesen.1)

14.	Nachweis von Salpetersäure in der Milch.

Da die Milch im natürlichen Zustande — selbst, wie Schrodt gefunden hat,
nach 5-tägigem Füttern mit Futterrüben und Kalisalpeter — keine Salpetersäure
oder salpetrige Säure, Brunnenwasser dagegen stets mehr oder weniger Salpetersäure
enthält, so kann die Prüfung auf Gehalt an letzterer unter Umständen ein Mittel
zur Entscheidung der Frage mit abgeben, ob eine Milch gewässert ist oder nicht.

Angeblich soll man auch in manchen Gegenden den sog. Eübengeschmack der Milch
dadurch zu beseitigen suchen, daß man ihr Salpeter zusetzt. Offenbar handelt es sich
hierbei um weit größere Mengen (20 g auf 100 l)2) als durch Wässerung in die Milch
gelangen werden. Ferner ist zu berücksichtigen, daß Spuren von Salpetersäure von dem
an den Milchgefäßen etwa anhängenden Wasser herrühren können, mit dem die Gefäße
ausgespült wurden. Auf weitere, aber wohl praktisch kaum in Frage kommende Möglich-
keiten, durch welche Nitrate in die Milch gelangen können, haben N. Gerber und
P. Wieske3) hingewiesen. Selbstverständlich kann man überhaupt nicht allein auf Grund
einer.Nitrat-Reaktion eine Milch als gewässert bezeichnen; es muß vielmehr stets die ganze
Zusammensetzung der Milch in Rücksicht gezogen werden.

a) Nachweis mittels Diphenylamin-Schwefelsäure. Dem ursprünglichen Ver-
fahren von Fr. Soxhlet4) hat Möslinger5) auf Grund eingehender Versuche
folgende Form gegeben:

1.	100 ccm Milch werden unter Zusatz von 1,5 ccm 20°/0-iger Chlorcalcium -
lösung aufgekocht und filtriert.

2.	20 mg Diphenylamin werden in 20 ccm verdünnter Schwefelsäure (1 Volu-
men Schwefelsäure -[- 3 Volumen Wasser) gelöst und diese Lösung zu 100 ccm mit
reiner konzentrierter Schwefelsäure aufgefüllt.

3.	2 ccm der Diphenylaminlösung (2) werden in ein kleines weißes Porzellan-
schälchen gebracht. Alsdann läßt man vom Filtrat (1) 1/2 ccm tropfenweise in die
Mitte der Lösung fallen und das Ganze, ohne zu mischen, 2—3 Minuten ruhig stehen.
Erst dann bewege man die Schale anfangs langsam hin und her, lasse wieder einige
2eit stehen u. s. f., bis die bei Vorhandensein von Salpetersäure zunächst auftretenden,
mehr oder weniger intensiv blauen Streifen sich verbreitert haben und schließlich die
ganze Flüssigkeit gleichmäßig mehr oder weniger stark blau gefärbt erscheinen lassen.

Auf diese Weise lassen sich nach Möslinger noch eben 2 mg, ganz deutlich
aber noch 3—4 mg Salpetersäure in 1 1 Milch nachweisen.

Wenn kleinere Mengen Salpetersäure vorhanden sind, werden 450 ccm Milch
mit 6—7 ccm (jgj. 20 °/0-igen Chlorcalciumlösung aufgekocht, das Filtrat, (etwa
300 ccm) mit 2 ccm konzentrierter Schwefelsäure versetzt und hiervon etwa 120
bis 150 ccm abdestilliert. Das Destillat wird mit Natronlauge schwach alkalisch
gemacht, über der Flamme in der Platinschale auf etwa 5 ccm eingedampft und
.lese Lösung, wie oben das Milchfiltrat selbst, in der beschriebenen Weise geprüft.

') Vergl. Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1898, 1, 651; 1899,
’ j ; 1900, 3, 646; 1901, 4, 611 und 1903, 0, 228 und A. B. Leach, Food inspeotion
n&lt;1 amdysis. Newyork 1904. 8. 134.

2)	Milch-Ztg. 1881, 10, 645, 765, 807.

3)	Molkerei-Ztg. Berlin 1902, 12, 61; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u,
^nußmittel 1902, 5, 867.

.	) Das nach Behandlung mit Chlorcalcium erhaltene Filtrat wird mit einigen Tropfen

mü i ■^°DZentr^er*:en Schwefelsäure, welche 2% Diphenylamin enthält, versetzt und diese
c !ge Flüssigkeit auf konzentrierte Schwefelsäure geschichtet.

) Bericht üb. d. 7. Versammlung bayer. Chemiker in Speier 1888. Berlin 1889. S. 88.
        <pb n="510" />
        ﻿486

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Durch. Anwendung von mehr Milch und durch stärkere Konzentration des
Destillats lassen sich die geringsten Mengen Salpetersäure nachweisen; indes hat
ein derartiger Nachweis, wie schon oben hervorgehoben wurde, keine praktische
Bedeutung. Eine weitere Verschärfung der Diphenylamin-Eeaktion auf Grund der
Ciminoschen Probe hat E. Hefelmann1) beschrieben.

Das von Szilasi vorgescfalagene Verfahren, die Milch direkt zu verwenden, einige
Tropfen derselben auf 1 ccm einer 2 %-igen Diphenylamin-Schwefelsäurelösung zu schichten
und ruhig stehen zu lassen, ist nach Möslinger trügerisch und zu verwerfen.

b) Nachweis mittels Formaldehyd-Schwefelsäure. E. Fritzmann2 3) beobachtete
bei' gewässerten Milchproben, die mit Formaldehyd haltbar gemacht waren, bei
der Ausführung der Ger her sehen acidbutyrometrischen Fettbestimmung eine
Violettfärbung anstatt der sonst auftretenden Braunfärbung. Er benutzt daher
umgekehrt eine Formaldehyd enthaltende Schwefelsäure vom spez. Gewicht 1,82,
die er in demselben Verhältnis, wie bei den acidbutyrometrischen Verfahren mit
Milch vermischt, dazu, um Nitrate in der Milch nachzuweisen, indem bei Gegenwart
von Nitraten eine violette bis tief bl au violette Färbung auftritt. Kleine Mengen von
Nitraten entgehen der Beobachtung, wenn man zu viel Formaldehyd anwendet.

M.	Siegfeld8) hat vorgeschlagen, die Eeaktion als Eing-Eeaktion auszuführen
und die auf 10 ccm mit einem Tropfen verdünnten Formalins versetzte Milch über
konzentrierte Schwefelsäure zu schichten. Die Eeaktion ist bei dieser Ausführung
ungefähr ebenso scharf wie die Diphenylamin-Eeaktion; bei Ungeübten können aber
durch unvorsichtiges Übereinanderschichten leicht Täuschungen dadurch entstehen,
daß auch bei nitratfreier Milch rot violette Farbentöne auftreten.

N.	Gerber und P. Wieske4 *) schlagen vor, den Formaldehyd mit der kon-
zentrierten Schwefelsäure zu mischen und dieses Eeagens mit der gleichen Menge
Milch zu vermischen.

15.	Untersuchung des Milchserums.

Für den Nachweis der Wässerung ist neben anderem die Untersuchung des
Milchserums oder der Molken, d. h. der beim Gerinnen der Milch von Kasein und
Fett sich abscheidenden grünlich-gelben Flüssigkeit von Bedeutung. Da der Gehalt
der Milch an Milchzucker und Mineralstoffen, den wesentlichsten Bestandteilen des
Serums, ein verhältnismäßig sehr gleichbleibender ist, schwankt die Zusammensetzung
des Serums viel weniger als das der ganzen Milch.

a) Gewinnung und Untersuchung des Serums. Zur Gewinnung des Serums
gibt man von der zur Untersuchung eingelieferten Milch nach gehöriger Durch-
mischung derselben etwa 100—200 ccm in einen Erlen in eyer-Kolben, wägt und
erwärmt denselben — falls nicht von selbst beim Erwärmen Gerinnung eintritt,
was man an einer besonderen kleineren Probe im Eeagenzglase feststellen kann —
unter Zusatz einiger Tropfen 20 °/0-iger Essigsäure unter losem Bedecken des
Kolbens kurze Zeit auf etwa 40°, bis die Milch geronnen ist. Nach dem Erkalten
stellt man das ursprüngliche Gewicht durch Zusatz von Wasser wieder her, mischt
gut durch und trennt durch ein Faltenfilter — nötigenfalls unter Eückgabe des
ersten Filtrates auf das Filter — das Serum von dem Koagulum.

’) Zeitschr. f. öffentl. Chem. 1901, 7, 200; Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
u. Genußmittel 1902, 5, 171.

2)	Zeitschr. f. öffentl. Chem. 1897, B. 23: Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u.
Genußmittel 1898, 1, 337.

3)	Molkerei-Ztg. Hildesheim 1902, 16, 161; Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
u. Genußmittel 1902, 5, 867.

4)	Molkerei-Ztg. Berlin 1902,12, 61; Zeitschr. f, Untersuchung d. Nahrungs- u. Genuß-

mittel 1902, 5, 867.
        <pb n="511" />
        ﻿Vollmilch. Untersuchung des Milchserums.

487

P. Eadulesku') verwendet auf 100 ccm Milch 2 ccm einer 20 °/0-igen Essigsäure
und erwärmt die Mischung, ohne umzurühren, in einem bedeckten Becherglase — oder
besser in einer geschlossenen Flasche — 6 bis 10 Minuten im Wasserbade2) von 75—85°, wobei
der Inhalt des Becherglases bezw. der Glasflasche nach 6 Minuten auf 65—65° steigt.

Sambuo koaguliert mit einer alkoholischen Weinsäurelösung von annähernd dem
mittleren spezifischen Gewicht der Milch.

Es empfiehlt sich nicht, wie dies früher vorgeschlagen worden ist, das Serum
durch freiwillige Säuerung der Milch zu gewinnen, da bei dieser Säuerung und auch
nach Eintritt der Gerinnung infolge der Bildung der Milchsäure aus dem Milchzucker
eine ständige Abnahme des Trockensubstanzgehaltes und auch des spezifischen Ge-
wichtes des Serums eintritt; das letztere nimmt bei Zimmertemperatur von Tag zu
Tag um etwa 0,0002—0,0007 ab. Wir fanden bei 3 Milchproben zwischen dem
sofort mit Essigsäure hergestellten Serum und dem durch freiwillige Gärung ge-
wonnenen Unterschiede von 0,0006— 0,0013.

Ä. Reinsch und H. Lührig8) dagegen beobachteten bei im Brutschrank
geronnener Milch nach Eintritt dieses Gerinnens auffallenderweise nur Abnahmen
von 0,00002—0,00037 in den nächsten 24 Stunden, obwohl sie im Gegensatz hierzu
eine beträchtliche Abnahme des Trockensubstanzgehalts beobachteten, vergl. S. 469.

Das spezifische Gewicht des Serums reiner Milch ist ziemlich kon-
stant; Dietzsch findet es zu 1,027—1,029; Klingen zu 1,026—1,0317, im
Mittel zu 1,028; P. Vieth4) zu 1,028—1,0302; v. Raumer und Spaeth5) zu 1,026
bis 1,033. Einem spezifischen Gewicht der natürlichen Milch von 1,033 und höher
entspricht nach Vieth ein spezifisches Gewicht der Molken von 1,029, dem von
Milch =- 1,032—1,033 ein solches der Molken von 1,0285—1,029; bei weniger gehalt-
reicher Milch mag das spezifische Gewicht der Molken wohl auf 1,028—1,027 sinken,
aber sicher nicht darunter. Letztere Angabe wird von P. Radulesku und von
Samhuc0) bestätigt. P. Vieth findet ferner, daß das spezifische Gewicht der
Molken für je 1° Temperaturerhöhung um 0,00032 oder um 0,32° des Laktodensi-
meters abnimmt.

P. Radulesku empfiehlt, im Serum neben dem spezifischen Gewicht auch stets
Trockensubstanz und Fett zu ermitteln. Das Serum oder die Molke von normaler
Kuhmilch enthält 6,30—7,50% Trockensubstanz und 0,22—0,28% Fett; durch Zu-
satz von 10% Wasser zur Milch wird der Gehalt an Trockensubstanz um 0,3 bis
0;5 %, der an Fett um 0,02 %, das spezifische Gewicht um 0,0005—0,0010 erniedrigt.

A. Villiers und W. Bertault,7) Fr. Utz,8) A. Lam,0) M. Rippen,10)

H.	Matthes und F. Müller11) haben vorgeschlagen, die Refraktion des Milchserums
zu bestimmen.

]) Mitteilungen aus dem Pharm. Institut und Laboratorium f. angew. Chemie in
Erlangen von A. Hi lg er 1890, 3, 93.

2)	Dasselbe soll nicht bis zum Sieden erhitzt werden, weil sonst außer Kasein auch
Albumin feinflockig gerinnt und ein trübes Filtrat erhalten wird.

3)	Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs u. Genußmittel 1900, 8, 521.

4)	Forschungen auf dem Gebiete der Viehhaltung. Heft 15. S. 332.

6)	Milch-Ztg. 1896, 25, 185.

8) Zeitschr. f. analyt. Chem. 1888, 27, 94.

7)	Monit. scientifique 1898, [4] 12. I, 270; Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
11 ■ Genußmittel 1898, 1, 651.

8)	Milch-Ztg. 1902, 31, 49.

9)	Chem.-Ztg. 1903, 27, 280.

10)	Milch-Ztg. 1903, 32, 610.

U) Zeitschr. f. öffentl. Chem. 1903, 10, 173.
        <pb n="512" />
        ﻿488

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

M. Ripper fand für das Serum normaler Milch — abgeschieden durch Er-
wärmen mit Essigsäure — bei 15° die Refraktion 1,3430—1,3442, Fr. Utz für
durch freiwillige Säuerung gewonnenes Serum 1,3431— 1,3442 bei 15° (die Refraktion
von Leitungswasser war 1,3328 bei 15°). H. Matthes und F. Müller1) fanden
als untere Grenze 40 Skalenteile des Eintauch-Refraktometers. Die Angabe von
M. Ripper, daß man an der Refraktion des Serums die Milch kranker Kühe
erkennen könne, fand Fr. Ertel,3) wie von vornherein wohl anzunehmen war, nicht
bestätigt.

b) Gewinnung und Untersuchung des albuminfreien Serums. E. Reich”)
hat vorgeschlagen, das albuminfreie Serum zu untersuchen. Er stellt dasselbe
wie folgt dar:

100 ccm Milch werden mit 0,4 ccm Eisessig in einer Flasche von 200 ccm Inhalt
gehörig durchgeschüttelt, 6—0 Minuten auf 60—65° erwärmt, abgekühlt, durch ein trocknes
Filter filtriert und das Filtrat durch 5—6 Minuten langes Erwärmen im kochenden
Wasserbade vom Albumin befreit. Darauf wird schnell abgeknhlt und das vom Albumin
durch Filtration befreite Serum zur Untersuchung verwendet. Dasselbe ist in der Regel
vollkommen klar. Nach hiesigen Untersuchungen wird durch die Abscheidung des Albumins
nach Reich das spez. Gewicht des Serums um 0,0008—0.0017 erniedrigt; dieser Unterschied
wird aber z. T. dadurch wieder ausgeglichen, daß Reich Eisessig (spez. Gewicht 1,0587)
bei der Herstellung des Serums verwendet, wodurch das spez. Gewicht um etwa 0,0006
erhöht wird. Die beim Reichschen Verfahren abgeschiedene Albuminmenge (N x 6,25)
beträgt rund 0,4 g.

16.	Beziehungen zwischen spezifischem Gewicht, Trockensubstanz und Fett.

Von den vielen Formeln, nach denen bei den vorhandenen Beziehungen zwischen
spezifischem Gewicht,. Trockensubstanz und Fett aus zweien dieser Werte der dritte,
insbesondere aus spezifischem Gewicht und Fettgehalt der Trockensubstanzgehalt
berechnet werden kann, seien hier nur die zuletzt von W. Fleischraann4) an-
gegebenen Formeln mitgeteilt, welche unter der Annahme des spezifischen Gewichts
des Milchfettes = 0,93 bei 15° und der fettfreien Trockensubstanz = 1,5847 be-
rechnet worden sind.

Ist t = Trockeusubstanzgehalt, f = Fettgehalt und s —- spezifisches Gewicht der Milch,
so wird;

266,5

266,5-f 1,2 f—t ’

1 o t i o cck 100 s — 100

t = 1,2 f-|-2,66o------ -------Oders:

f= 0,833 t -2,22	---— oder 8 = ■

s	222-ff —0,833 t

Hat z. B. eine Milch ergeben:

Spezifisches Gewicht (s) = 1,0315, Fett (f) = 3,60°/0 und Trockensubstanz ft)—
12,30 °/0, so ist;

t=l,2x 3,50 + 2,665 X — -	— = 12,33 °/0

und

1,0316

f = 0,833 x 12,30 — 2.22 x 100 —~ 100 = 3,47 »/„.

1,0315

Die Formeln können daher zur Berechnung eines Bestandteiles aus den beiden anderen
oder als Kontrolle dazu dienen, ob man richtig gearbeitet hat; doch ist hierbei zu berück-

■&gt;) Zeitschr. f, öffentl. Chem. 1903, 10, 173.
3) Milch-Ztg. 1904, 33, 81.

3) Ebenda 1892, 21, 274.

*) Journ. f. Landwirtschaft 1885, 33, 251.
        <pb n="513" />
        ﻿Vollmilch. Berechnung des spezifischen Gewichtes der Trockensubstanz usw. 489

sichtigen, daß nach A. Rein sch und H. Lührig (vergl. oben S. 469) nur bei unmittelbar
nach dem Melken erfolgender Trockensubstanz-Bestimmung der bestimmte und berechnete
Trockensubstanz-Gehalt, eine gute Übereinstimmung zeigen.

H. Schrott-Fiechtl1) hat bei J. Greiner in München ein Laktodensimeter herstellen

lassen, bei dem man den zu jedem spezifischen Gewichte gehörigen Wert 2,665-—----

der Pleischmannsohen Formel direkt ablesen kann.

B. Ackermann2) hat einen Apparat in Form zweier konzentrisch verbundenen
Blechscheiben eingerichtet, mittels dessen man auf einfache Weise den zu einem bestimmten
spezifischen Gewichte und Fettgehalte gehörigen, nach der Pleischmannschen Formel
berechneten Trockensubstanzgehalt ablesen kann. Der Apparat ist von der Firma
Dr. Bender und Dr. Hobein in München zu beziehen.

N. Leornard8) hat verschiedene Formeln für die Beziehungen zwischen spezifischem
Gewicht, Fett und fettfreier Trockensubstanz ermittelt, auf die hier verwiesen sei.

17.	Berechnung des spezifischen Gewichtes der Trockensubstanz, des Gehaltes an
fettfreier Trockensubstanz und des prozentigen Fettgehaltes der Trockensubstanz.

Diese drei Werte sind für die Beurteilung der Reinheit einer Milch von Be-
deutung. Man ermittelt sie in folgender Weise:

a)	Das spezifische Gewicht der Milchtrockensubstanz (m) wird aus
dem spezifischen Gewichte (s) und dem Trockensubstanzgehalte (t) der Milch be-
rechnet nach der Formel:

_	t s

t s — 1ÖÖ s -j-100'

b)	Der Gehalt an fettfreier Trockensubstanz (r) wird durch Subtraktion
des Fettgehaltes (f) vom Trockensuhstanzgehalt (t) erhalten: r = t — f.

S.	M. Babcock4) hat für diese Berechnungen sowie für die der Trocken-
substanz (t) noch einfachere Formeln aufgestellt und kommt zu dem Schluß, daß die
Prozente an fettfreier Trockensubstanz in der Milch für je 1 Laktodensimetergrad
um rund 0,26 (bei gleichem Fettgehalt) und für je 1/10°/o Fett um 0,02 (hei
gleichem Laktodensimetergrad) zunehmen. Dieses Verhältnis findet, wenn L =
Laktodensimetergrade, f = Fett bedeutet, seinen Ausdruck in folgenden Formeln:

r = 4/4L + 0,2f,

t = V*L + l,2t

Diese einfachen Formeln sollen nur 0,04°/0 von den nach Fleischmanns
Formeln berechneten abweichende Werte geben.

c)	Den prozentigen Fettgehalt der Milchtrockensubstanz (ft) er-
mittelt man aus dem Gehalt der Milch an Fett (f) und Trockensubstanz (t) nach
der Formel:

9 Milch-Ztg. 1901, 30, 180.

“) Vergl. Steinmann, Ann. chim. analyt. 1898, 3, 253; Zeitachr. f. Untersuchung
Nahrungs- u. Genußmittel 1899, 2, 236.

s) Analyst 1900, 25, 67 u. 1901, 26, 318; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
u- Genußmittel 1901, 4, 76 u. 1902, 5, 865.

1	4) Tweith annual report of the Agrio. Experim. Stat. of the University of Wisconsin
        <pb n="514" />
        ﻿490

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Anhaltspunkte für die Beurteilung der Milch.

1.	Nachweis von Milchf älschungeu.

Wenn sich auch für die Schwankungen der Menge der einzelnen Bestandteile der
Milch und für die Schwankungen des spezifischen Gewichtes Grenzen, die für die ver-
schiedenen Gegenden Deutschlands in gleichem Maße Geltung beanspruchen dürften, nicht
aufstellen lassen, und wenn es daher als unerläßlich bezeichnet werden muß, sich für
jeden Bezirk, in dem eine Kontrolle ausgeübt werden soll, durch ausgedehnte Unter-
suchungen und Beobachtungen sichere Anhaltspunkte für sein Urteil zu verschaffen, so darf
man bei den für Deutschland geltenden Verhältnissen für Marktmilch und für weitaus
die Mehrzahl der Fälle wohl annehmen, es schwanke hei unverfälschter Milch

das spezifische Gewicht hei 15°................von 1,029— 1,033

der Gehalt	an	Fett............................. 2,50	— 4,50	°/0

„	„	„	Trockensubstanz.................„	10,50	—14,20	„

„	„	„	fettfreier Trockensubstanz	.	.	.	„	8,00	—10,00	„

und es sinke der Gehalt der Trockensubstanz an Fett nicht unter 20 u/0, bezw. es erhebe
sich das spezifische Gewicht der Trockensubstanz nicht über 1,4. Bei täglich dreimaligem
Melken kann der Fettgehalt der Morgenmiloh aus den angegebenen Grenzen nach unten
sehr wohl heraustreten, ohne daß Fälschung vorliegt.

Für die Erkennung der oben angeführten Arten der Milchfälsohung
dienen folgende Anhaltspunkte:

1.	Durch die Wässerung der Milch wird a) das spezifische Gewicht der Milch und
des Serums erniedrigt, b) der Gehalt der Milch an sämtlichen Bestandteilen gleichmäßig
erniedrigt, einschließlich des Gehaltes an fettfreier Trockensubstanz. Dagegen c) bleibt
der Fettgehalt der Milchtrockensubstanz bezw. deren spezifisches Gewicht normal.

Eine Milch ist, falls es sich nicht um die Milch einer einzelnen Kuh handelt, als
gewässert zu bezeichnen, wenn das spezifische Gewicht der Milch unter 1,028, das des
Serums unter 1,026 und der Gehalt an fettfreier Trockensubstanz unter 8°/0 erheblich
herabsinkt.

Fällt hierbei der Fettgehalt der Milchtrockensuhstanz nicht unter 20 °/0, bezw.
steigt das spezifische Gewicht derselben nicht über 1,4, so ist nur eine Wässerung an-
zunehmen.

2.	Durch die Entrahmung der Milch oder das Vermischen von Milch mit entrahmter
Milch wird

a)	das spezifische Gewicht der Milch erhöht, während das des Serums dasselbe bleibt;

b)	auch Trockensubstanz- und Fettgehalt werden erniedrigt, jedoch letzterer ver-
hältnismäßig mehr als ersterer; der Gehalt an fettfreier Trockensubstanz wird jedoch durch
Entrahmung nicht verändert;

c)	der Fettgehalt der Milchtrockensubstanz fällt bezw. ihr spezifisches Gewicht steigt.

Eine Milch ist, falls es sich nicht um die Milch einer einzelnen Kuh handelt, im

allgemeinen als entrahmt oder als mit entrahmter Milch vermischt zu bezeichnen, wenn
bei erhöhtem spezifischem Gewicht der Milch und normalem spezifischem Gewichte des
Serums der Fettgehalt der Milchtrockensuhstanz unter 20°/0 erheblich sinkt bezw. ihr
spezifisches Gewicht über 1,4 erheblich steigt.1)

3.	Wässerung und Entrahmung gleichzeitig liegen vor, wenn bei unter
Umständen normalem spezifischen Gewicht der Milch das des Serums erheblich unter
1,026 sinkt und bei erniedrigtem Gehalt an sämtlichen Milchbestandteilen der Fettgehalt
der Milchtrockensuhstanz erheblich unter 20°/0 sinkt bezw. deren spezifisches Gewicht
erheblich über 1,4 steigt.

Durch die vorstehenden Anhaltspunkte können nur verhältnismäßig grobe Ver-
fälschungen der Milch nachgewiesen werden, auch ist es unmöglich, auch nur annähernd

*) Bei dem Schluß auf Entrahmung ist jedoch große Vorsicht erforderlich, da ver-
schiedene Umstände, so Brunst, Futterwechsel, Witterung usw., gerade auf den Fettgehalt
von großem Einfluß sind.
        <pb n="515" />
        ﻿Vollmilch. Stallprobe.

491

den Grad derselben festzustellen. Entfernen sich daher die gefundenen Zahlen nur wenig
von den oben angeführten nach oben wie nach unten, oder soll der Grad der Verfälschung
annähernd festgestellt werden, so ist unbedingt erforderlich;

2.	Die Stallprobe.

Die Stallprobe ist nur möglich, wenn sicher festgestellt werden kann, aus welchem
Stalle bezw. von welchen Kühen eines Stalles die fragliche Milch stammt und sie hat nur dann
einen Zweck, wenn ganz genau bekannt ist, von welcher Melkzeit1 2) die Milch herrührt.
Sie besteht darin, daß man zu derselben Melkzeit, zu der die verdächtige Milch gemolken
sein soll, am besten von derselben Person, welche gewöhnlich melkt, das Melken besorgen
läßt, eine Durchschnittsprobe von der ganzen ennolkenen Milchmenge nimmt, diese unter-
sucht, die nunmehr erhaltenen Ergebnisse mit den früheren vergleicht und sorgfältig erwägt,
ob die Vergleichung den bestehenden Verdacht bestätigt oder nicht.

Bei der Stallprobe, die durch den Sachverständigen selbst oder eine hinreichend
unterrichtete Person (Polizeibeamten) erfolgen muß, ist auf folgende Punkte besonders und
zwar stets Rücksicht zu nehmen;

1.	Die Stallprobe ist bei derjenigen Melkzeit bezw. denjenigen Melkzeiten vorzu-
nehmen, welcher bezw. welchen die fragliche Probe entstammte.

2.	Die Stallprobe ist am besten schon 24 Stunden später, auf keinen Fall
später als 3 Tage nach der Melkzeit der fraglichen Milch vorzunehmen.

3.	Die Probe muß sich auf alle Kühe, aber auch nur auf diejenigen erstrecken,
welchen die fragliche Milch entstammte.

4.	Es ist dafür zu sorgen, daß sämtliche Kühe vollständig ausgemolken werden und
ist dies von demjenigen, welcher die Stallprobe vornimmt, zu kontrollieren.

5.	Von der gut durchmischten, abgekühlten Milch sämtlicher in Frage kommenden
Kühe ist eine Durchschnittsprobe von ’/a—1 1 in einer reinen, trocknen, vollständig ge-
füllten Flasche versiegelt, möglichst schnell der Kontrollstelle einzusenden, wobei es sich
empfiehlt, im Sommer dieselbe mit Bis zu kühlen.

6.	Es ist möglichst genau zu erforschen und anzugeben;

a)	die Anzahl der vorhandenen milchenden Kühe, von denen die Milch entstammt,

b)	Ernährungs- und Gesundheitszustand, sowie Zeit der Laktation der Kühe,

c)	ob und welche Veränderungen in der Haltung der Kühe zwischen der Zeit,
welcher die fragliche Probe entstammte, bezw. kurz vorher und der Zeit der Stallprobe
stattgefunden haben, insbesondere auch, ob und gegebenenfalls wieviel Tiere in der in Frage
kommenden Zeit rinderig gewesen sind,

d)	ob in dieser Zeit ein Witterungsumsohlag stattgefunden hat.

Es empfiehlt sich, für die Stallprobe gedruckte Vorschriften vorrätig zu halten, auf
denen die unter 1—6 angegebenen Punkte angeführt sind, auf denen die unter 6 be-
zeichneten Angaben zu machen und die gleichzeitig mit der entnommenen Milchprobe der
Kontrollstelle einzusenden sind.

Wird die Stallprobe unter genauer Einhaltung vorstehender Vorschriften genommen
ünd ist eine wesentliche Veränderung in den unter 6 b—d aufgeführten Punkten nicht ein-
getreten, so werden sich die Ergebnisse der beiden Analysen, falls eine Fälschung nicht
vorliegt, gewöhnlich für das spezifische Gewicht der Misohmiloh um nicht mehr als 2 Ein-
heiten der dritten Dezimale, für den Gehalt an Fett um nicht mehr als 0,3 % und für
den an Trockensubstanz um nicht mehr als 1 °/0 unterscheiden. Größere Unterschiede sind
üur ausnahmsweise bei der Milch einzelner Kühe beobachtet worden.®) Sind dagegen hiu-

1)	Stammt die Milch von einer einzelnen Kuh, so ist die Stallprobe mehr-
mals an verschiedenen Tagen zu wiederholen, weil nicht nur das einzelne, sondern auch
das Tagesgemelk einer einzelnen Kuh von einem Tage zum anderen so schwanken kann,
( aß sich auf Grund einer Stallprobe ein sicheres Gutachten über eine beanstandete Milch
ul°ht abgeben läßt.

2)	Von anderer Seite gegen die Zuverlässigkeit der Stallprobe gemachte Ein-
wendungen sind von Mader (Milch-Ztg. 1894, 23, 167) als auf unrichtigen analytischen

6 unden beruhend zurückgewiesen.
        <pb n="516" />
        ﻿492

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

sichtlich der Punkte 6 h—d wesentliche Veränderungen, welche die Zusammensetzung der
bei der Stallprobe gewonnenen Milch im günstigen Sinne beeinflussen könnten, seit dem
Tage eingetreten, an dem die fragliche Milch gewonnen wurde, so wird unter den meisten
Fällen durch die Stallprobe ein bestimmtes Ergebnis für die Beurteilung der Milch nicht
erhalten werden können.

Fr. J. Herz1) berechnete bei einer großen Zahl von Stallprobeu (60), die er an auf-
einanderfolgenden Tagen aus einem Stalle von 7 milchenden Kühen entnahm, aus den 1,
2, 3—20 Tage vorher genommenen Proben Wasserzusätze bis zu 4 % und eine Abnahme
des Fettgehaltes der Trockensubstanz, die im ganzen zwischen 27,17 und 32,78 °/0 schwankte,
gegen den Tag zuvor bis zu 2,64 °/0.

Da geringe Fälschungen dem Fälscher nicht den beabsichtigten Gewinn bringen und
bei den Schwankungen auch von vorschriftsmäßig vorgenommeuen Stallproben für die Be-
urteilung einer Milch große Vorsicht geboten ist, so empfiehlt es sich, wenn es sich um
die Milch mehrerer Kühe handelt, erst dann eine Milch als gewässert zu beanstanden, wenn
der berechnete Wasserzusatz wenigstens 10% beträgt, oder erst dann eine Milch als teil-
weise entrahmt bezw. mit Magermilch vermischt zu bezeichnen, wenn der Fettgehalt der
Trockensubstanz in der fraglichen Probe um wenigstens 5% geringer ist als in der bei
der Stallprobe entnommenen Probe.

3.	Berechnung der zugesetzteu Wassermenge und der entzogenen Fettnienge.

a) Wenn nur Wasser zugesetzt ist. Für die annähernde Berechnung der einer
Milch zugesetzten Wassermenge muß neben der Untersuchung dieser Milch auch die
einer mindestens innerhalb der drei nächsten Tage entnommenen Stallproben-Milch vor-
liegen. Bedeuten

bei der Stallproben-Milch L, die Laktodensimetergrade, tj den Trockensubstanzgehalt,

fj den Fettgehalt und r, den Gehalt an fettfreier Trockeu-
subztanz, und

bei der fraglichen Milch Lä, t2, f2 und r2 die den Werten L,, t1; f, und r, entsprechenden

Werte,

so kann man die auf 100 Teile reiner Milch zugesetzte Wassermenge (W) nach einer der

II. w = 100 (V-y

IV W = 100 (ri ~ ra)

Ls

folgenden vier Formeln berechnen:

100 (L] — L2)

I. W -

III. W =

L2

100 (f, -

f2)

fü

Ist z. B. gefunden worden:

bei der Stallproben-Milch	.	.	.	L! = 31,8	t, = 12,33	f, = 3,47	rj = 8,89,

..	„ fraglichen Milch	,	.	.	L2 = 28,5	t2 = 11,09	f2 = 3,09	r2 = 8,00,

so ergeben sich nach den vorstehenden 4 Gleichungen auf 100 Teile reine Milch folgende
Mengen zugesetzten Wassers (W):

I,	II.	III.	IV.

W = 11,58%	11,18%	12,30%	11,12%.

Man kann daher in diesem Falle die Milch als mit etwa 11—12 % Wasser versetzt
bezeichnen. Da die fettfreie Trockensubstanz im allgemeinen der konstanteste Bestandteil
der Milch ist, so sind die nach der Formel IV ermittelten Werte am zuverlässigsten.
Wenn eine Stallproben-Milch nicht vorliegt, so wird man daher bei einer gewässerten
Milch den Wasserzusatz am besten nach der Formel IV berechnen, indem man den durch-
schnittlichen Gehalt an fettfreier Trockensubstanz tür die betr. Gegend, also z. B. 8,50 %,
zugrunde legt. In derartigen Fällen ist natürlich das berechnete Ergebnis nur ein sehr
unsicheres.

:) Über den Wert der Stallprobe. Mitteilungen des milchw. Vereins im Allgäu
1895, 5, 37.
        <pb n="517" />
        ﻿Vollmilch. Berechnung der zugesetzten Wassermenge und der entzogenen Pettmenge. 493

Die obige Formel IV ist auch von J. Herz1) für die Berechnung des Wasserzusatzes
als am besten geeignet bezeichnet worden.

Die in 100 Teilen gewässerter Milch enthaltene zugesetzte Wassermenge (W) be-
rechnet er nach der Formel:

W = 100 (D ~ D ) v v

ri

H. D. Eichmond2) hat vorgesohlagen, statt der fettfreien Trockensubstanz die
Summe der Laktodensimetergrade und des Fettgehaltes für die Berechnung des Wasser-
gehaltes zugrunde zu legen.

b) Wenn die Milch nur entrahmt ist, so berechnet J. Herz1) die von 100 Teilen
reiner Milch durch Entrahmung weggenommene Fettmenge {&lt;p) nach der Formel:

&lt;P = fi — fa -+

fr ft-*3

100

Es ist indes zu berücksichtigen, daß bei den beträchtlichen Schwankungen des Fett-
gehaltes der Milch diese Berechnungen weit unzuverlässiger sind, als die der zugesetzten
Wassermenge. Annähernd erhält man die entzogene Fettmenge einfach aus der Differenz
der in der Stallprobe und der fraglichen Milch enthaltenen Pettmengen.

c)	Wenn die Milch teilweise entrahmt und mit Wasser versetzt ist.
Schwieriger wird die Kechnung, wenn die Milch teilweise entrahmt und gleichzeitig
mit Wasser versetzt ist. In diesem Palle kann man sich folgender 2 Formeln von
Recknagel bedienen:

I. W = 2,8 (Sj — s2) -|— 3 ft — i2),

100 ft — fr)-f,W
9	100 — W — fa ’

worin:

W = Wasserzusatz,

s1 = Laktodensimetergrade der Stallprobe,

sä = Laktodensimetergrade der fraglichen Milch,

f, = Fettgehalt der Stallprobe,

f2 = Fettgehalt der fraglichen Milch,

&lt;p = Größe der Entrahmung, ausgedrückt in °/0 entzogenen Fettes.

Ist z. B.	so wird;

Fall	Si		f.	f.	W =  Proz, zuges.	&lt;P =  Proz. entzo-
I	31,8	28,5	3,47	3,09	Wasser  10,4	genes Fett 0,02
II	34,0	32,5	4,04	2,86		1,00
III	31,2	24,6	4,19	3,27	20,9	0,05
IV	29,6	31,8	4,20	2,10	0,14	2,18

Bei Milch I und III liegt daher ein Wasserzusatz, bei Milch IV eine Entrahmung,
“ei Milch II eine kombinierte Fälschung: Wasserzusatz und Entrahmung vor.

Die von J. Herz für diesen Zweck aufgestellte Formel lautet:

&lt;P = fi —

100 —

mf, — 100 fs

tf-

mfj —100 f2
m

^orin bedeutet:

100

T — das von 100 Teilen reiner Milch durch Entrahmung weggenommene Fett,
i = Fettgehalt der Stallprobe,

J) Chem.-Ztg. 1893, 17, 836.

isqo Analyst 1898, 28, 169; Zeitschr. f. Untersuchun
ly99, 2, 239.

d. Nahrungs- u. Genußmittel
        <pb n="518" />
        ﻿494

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

f2 = Fettgehalt der verdächtigen Milch,

m = 100 — w = die in 100 Teilen gewässerter Milch enthaltene Menge ursprünglicher,

ungewässerter Milch (vergl. die Formel V unter 3 a S. 493).

Andere Formeln für diesen Zweck haben L. und Ch. Riquier,1) ferner Y. Genin2)
entworfen, auf die hier verwiesen sei.

4.	Die Marktkontrolle.

Soll eine wirksame Kontrolle des Verkehrs mit Milch ausgeübt werden, so ist eine
überaus große Anzahl von Proben zu kontrollieren. Da die chemische Untersuchung hierfür
zu weitläufig und zu kostspielig ist, so ist eine häufige Vorprüfung einer großen Zahl
von Milchproben durch geeignete Organe der Marktpolizei unbedingt erforderlich. Diese
senden alsdann nur Proben verdächtiger Milch möglichst schnell der Kontrollstelle ein.
Es empfiehlt sich, hierbei so gut wie möglich bereits festzustellen, von welcher Melkzeit
und wieviel Kühen die fragliche Milch entstammt usw.

Die geeignetsten Apparate für die Kontrolle der Milch seitens der Organe der
Marktpolizei sind hinreichend feine Laktodensimeter (vergl. S. 451) und im allgemeinen
dürften Milchproben, deren spezifisches Gewicht unter 1,029 oder über 1,033(29—33 Laktoden-
simetergrade) liegt, als verdächtig der Kontrollstelle einzusenden sein.

Da aber durch diese Art der Kontrolle geschickte Fälschungen (Wässerung und
Entrahmung gleichzeitig) nicht erkannt und daher der Wert der Kontrolle überhaupt
zweifelhaft wird, so dürfte trotz ihrer geringen Brauchbarkeit die Verwendung optischer
Milchprüfungsapparate, von denen Fesers Laktoskop das geeignetste ist, zurzeit nicht
vollständig zu umgehen sein. Unter Umständen dürften indes geeignete Organe der
Marktpolizei bei einiger Übung auf gröbere kombinierte Fälschungen auch ohne optische
Milchprüfungsapparate allein nach dem Aussehen der Milch aufmerksam werden und so
diese Proben zur eingehenden chemischen Untersuchung auswählen können.

Im übrigen ist bei der Beurteilung der Milch noch folgendes zu berücksichtigen:

Handelsmiloh darf keinerlei fremde Zusätze erhalten, noch nicht so sauer sein, daß
sie beim Aufkochen gerinnt, darf bei längerem, ruhigem Stehen weder Schmutz noch
Gerinnsel absetzen, darf pathogene Bakterien nicht enthalten, darf keinen außer-
gewöhnlichen Geruch oder Geschmack, auch kein außergewöhnliches Aussehen besitzen und
darf vor dem Verkaufe weder aufgekocht noch pasteurisiert worden sein. Letztere An-
forderung fällt für die Zeiten weg, in denen Viehseuchen (Maul- und Klauenseuche) herrschen,
und in denen Pasteurisierung oder Sterilisierung der Milch vor dem Verkaufe gesetzlich
geboten ist.

5.	Allgemeine Maßregeln für den Milchhandel.

Für die Kontrolle der Handelsmilch sind sowohl im Interesse des reellen Milch-
lieferers wie des Abnehmers die strengsten Maßregeln angebracht. Schwierig aber
ist hierbei die Frage, welche zulässigen Grenzzahlen für den Gehalt einer reinen Milch
aufgestellt werden sollen? Denn der Gehalt natürlicher und reiner Milch besonders au
Fett ist außerordentlich verschieden je nach der Viehrasse, der Individualität der einzelnen
Tiere, der Fütterung, Pflege usw. und kann unter Umständen durch besondere Verhältnisse,
wie plötzlichen Putter- und Witterungswechsel, Brunst, Krankheiten der Tiere usw. außer-
ordentlich beeinflußt werden.

Das König!. Preußische Ministerium hat in einem Eunderlaß vom 27. Mai 1899,3)
durch welchen die Verfügung vom Jahre 1884 außer Kraft gesetzt worden ist, darauf hin-
gewiesen, daß eine einheitliche Eegelung des Verkehrs mit Milch für das gesamte Staats-

1)	Compt. rend. 1901, 132, 992 u. 1903, 136, 122; Zeitschr. f. Untersuchung d.
Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 173 u. 1904, 7, 686.

2)	Compt. rend. 1901, 133, 743; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genuß-
mittel 1903, 6, 230.

3)	Veröffentlichungen des Kaiserl. Gesundheitsamtes 1899, 905; Zeitschr, f. Unter-
suchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 3, 68.
        <pb n="519" />
        ﻿Vollmilch. Allgemeine Maßregeln für den Milchhandel.

495

gebiet noch nicht zulässig erscheine. Da, wo ein Bedürfnis für die Regelung des Verkehrs
vorliegt, soll derselbe unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse nach den folgenden
Grundsätzen geregelt werden:

Der Handel mit frischer, abgekochter, sterilisierter oder saurer Milch und Buttermilch
ist der Ortspolizeibehörde anzumelden. Frische Kuhmilch darf als Voll-, Halb- und Mager-
milch in den Verkehr gelangen, doch ist Halbmiloh wegen der Schwankungen ihrer Eigen-
schaften allmählich tunlichst vom Verkehr auszuschließen. Als Vollmilch gilt eine in
keiner Weise veränderte Milch mit mindestens 1,028 spezifischem Gewicht und 2,7 °/# Fett,
als Halbmilch eine durch Mischen von voller mit entrahmter oder durch teilweises Ent-
rahmen hergestellte Milch von desgleichen 1,030 und 1,5 °/0, als Magermilch eine durch
Abnehmen des durch längeres Stehen ausgeschiedenen Kahms oder mittels Zentrifugen
entrahmte Vollmilch von desgleichen 1,032 und 0,15 °/0. Die Gewichtsangaben beziehen
sich auf 15°. Die Untersuchung einer Probe erfolgt zunächst im Aufnahmegefäße der
Milohwage grobsinnlich auf Farbe, Geruch und Geschmack. Ergeben sich dabei Ab-
weichungen von der Norm, so ist die Milch aus dem Verkehr zu ziehen und chemisch und
bakteriologisch zu untersuchen. Auf die grobsinnliche Prüfung erfolgt die Feststellung
des spezifischen Gewichts, in zweifelhaften Fällen auch die chemische Untersuchung,
Der Fettgehalt der Sahne soll den örtlichen Verhältnissen entsprechen; es kann ein
Mindestfettgehalt nicht über 10 °/0 vorgeschrieben werden. Abgekochte und sterilisierte
Milch ist nur unter dieser Bezeichnung in den Verkehr zu bringen. Als abgekocht gilt
bis auf 100° erhitzte oder mindestens 15 Minuten 90° auagesetzte, als sterilisiert sofort
nach dem Melken von Schmutzteilen befreite und spätestens 12 Stunden nach dem Melken
in als wirksam anerkannten Apparaten ordnungsmäßig behandelte und während des Er-
hitzens mit luftdichtem Verschluß versehene Milch, welche bis zu ihrer Abgabe an den
Konsumenten unversehrt bleiben muß. Vom Verkehr auszuschließen ist a) wenige Tage
vor und bis zum sechsten Tage nach dom Abkalben abgemolkene Milch, b) Milch von
Kühen, welche an Milzbrand, Lungenseuche, Kauschbrand, Tollwut, Pocken, Krankheiten
wie Gelbsucht, Ruhr, Euterentzündungen, Blutvergiftung, namentlich Pyämie, Septikämie,
fauliger Gebärmutterentzündung oder anderen fieberhaften Erkrankungen leiden, bei denen
die Nachgeburt nicht abgegangeu ist oder bei denen krankhafter Ausfluß aus den Ge-
schlechtsteilen besteht, o) Milch von Kühen, die mit giftigen Arzneimitteln, welche in die
Milch übergehen, behandelt werden, d) Milch von Kühen, welche an Eutertuberkulose oder
ai1 mit starker Abmagerung oder Durchfällen verbundener Tuberkulose leiden, e) Milch
mit fremdartigen Stoffen, wie Eis, insbesondere mit chemischen Frischhaltungsmitteln,
fl blaue, rote oder gelbe, mit Schimmelpilzen besetzte, bittere, faulige, schleimige oder
sonstwie verdorbene, Blutreste oder Blutgerinnsel enthaltende Milch. Milch maul- und
Wauenseuchekranker oder tuberkulöser Kühe, soweit sie nicht unter d fällt, darf nur ab-
gekocht oder sterilisiert in Verkehr gebracht werden. Saure und Buttermilch darf nicht
ails Milch der unter a bis f bezeiohneten Herkunft bereitet und nur unter richtiger Be-
Zeichuung in den Verkehr gebracht werden.

Gewinnungs- und Verkaufsstätten für Kindermilch sind gesundheitspolizeilich
besonders sorgfältig zu überwachen nach Betrieb, Reinhaltung der Räume und Gefäße,
'j.em Gesundheitszustände, der Fütterung und Haltung der Kühe in Städten durch Tierärzte,
u den Ställen, welche geräumig, hell, luftig sein, mit undurchlässigen Fußböden und
riPpen, Wasserspülung und guten Abflußvorrichtungen versehen sein sollen, dürfen nur
ys 8°fohe in unauslöschlicher Weise zu bezeichnende Kindermilchkühe aufgestellt werden,
.b ^orbieten ist die Fütterung mit Molkerei-Rückständen. Die Kühe sind vor ihrer Ein-
e uug, sowie alle drei Monate tierärztlich zu untersuchen. An den vorstehenden Krank-
j_ei on, sowie an Verdauungsstörungen, Leoksucht, Durchfall erkrankte oder der Tuber-
St* i°|Se ver(*äobtige Kühe sind bis zur Entscheidung des beamteten Tierarztes aus dem
nut- 6 ZU entfernei1; 9ire Milch darf nicht als Vorzugsmilch verwertet werden. Die Be-
vou Bett- oder sonst gebrauchtem Stroh und Abfallstoffen als Streumaterial ist zu
baft 1?a£’en' Beim Betriebe hat die grösste Sauberkeit zu herrschen; mit Ausschlägen be-
solche6 p0C*er an ansteckenden Krankheiten leidende Personen dürfen nicht melken. Für
e Geschäfte von auswärts bezogene Milch darf in den Fördergefäßen nicht wärmer
        <pb n="520" />
        ﻿496

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

als 10° sein und bei der Abgabe an die Konsumenten keinen höheren Säuregehalt als

2—4° nach Soxhlet haben.

Gefäße aus Kupfer, Messing, Zink, gebranntem Ton mit schlechter oder schadhafter
Glasur, Eisen mit bleihaltigem, rissigem oder brüchigem Email oder verrostete Gefäße
eignen sich nicht zur Aufnahme von Milch. Kindermilch soll in ungefärbten Glasgefäßen
in den Verkehr kommen. Gefäße von mindestens 2 1 Inhalt müssen mit der Hand ge-
reinigt werden können. Gefäße zum Ausmessen sollen ebenfalls aus einwandfreiem
Material bestehen und mit einer Handhabe versehen sein. Lappen, Papier usw. sind als
Verschluß- und Dichtungsmittel nicht zu benutzen, Stroh ist zu vermeiden, jedenfalls nur rein
und einmal zu verwenden; Gummiringe als Dichtungsmaterial müssen bleifrei sein. Holz-
gefäße sind allmählich außer Gebrauch zu setzen. Kaltes Wasser und Sodalösung sind
bei der Reinigung der Gefäße nicht zu verwenden. Zapfhähne an Milohgefäßen und
Milchwagen sollen aus einwandfreiem Material bestehen oder gut verzinnt sein. Ver-
sand- und Standgefäße sind mit deutlichen, unabnehmbaren, dem Inhalt entsprechenden
Bezeichnungen zu versehen. Die Verwendung von Milchgefäßen zu anderen Zwecken ist
zu untersagen. Beim Melken und bei der Milchbeförderung ist die größte Sauberkeit
geboten. Die zur Aufbewahrung von Verkaufsmilch dienenden Räume sollen sauber ge-
halten, täglich gelüftet und kühl gehalten, als Schlaf- oder Krankenzimmer nicht benutzt
werden und auch mit solchen nicht in offener Verbindung stehen. Inwieweit Erkrankungen,
namentlich an ansteckenden Krankheiten, in der Haushaltung des Milohgewinners oder
Verkäufers gesundheitspolizeiliche Maßregeln erfordern, unterliegt je nach dem Einzelfalle
der Entscheidung des beamteten Arztes.

Die Stallprobe, welche eintritt, wenn behauptet wird, daß die beanstandete Milch
dieselbe Beschaffenheit habe, wie sie am Gewinnungsort entnommen sei, ist binnen drei
Tagen zur gleichen Zeit, zu welcher die beanstandete Milch gewonnen wurde, in Gegen-
wart des beanstandenden Beamten vorzunehmen. Es kann sich dabei immer nur um Voll-
milch handeln. Der Entlastungsheweia der Stallprobe kann als mißlungen gelten, wenn

1.	zu einem die Milch verschlechternden Pütterungsverfahren übergegangen ist, 2. zwischen
der Beschaffenheit der beanstandeten und der aus dem Stalle genommenen Probe Unter-
schiede in der Art sich ergeben, daß das spezifische Gewicht um 2 Grade abweicht, und
3. der Fettgehalt der Stallprobe um mehr als 0,3 °/0, ihre Trockensubstanz um mehr als
1 °/0 höher befunden wird.

Einen in mancher Hinsicht von dem vorstehenden preußischen Ministerial-
erlaß abweichenden Standpunkt nimmt die Verordnung des Ministeriums des Innern
für das Königreich Sachsen vom 28. Juni 18991) ein, welche die nachfolgenden
Bestimmungen enthält:

Die örtlichen Vorschriften über den Verkehr mit Milch sollen nach folgenden Ge-
sichtspunkten einer Nachprüfung unterzogen werden; Als Vollmilch ist Milch zu bezeichnen,
welcher nichts zugesetzt und weggenommen ist, als abgerahmte Milch solche, der nur Rahm
ohne Anwendung künstlicher Mittel, als Zontrifugenmilch solche, der nur Piahm durch
maschinelle Kraft entzogen ist. Die Zulässigkeit des Handels mit Vollmilch darf nicht
davon abhängig gemacht werden, daß dieselbe einen bestimmten Fettgehalt oder ein
bestimmtes spezifisches Gewicht hat, doch kann vorgeschrieben werden, daß Vollmilch,
wenn sie nicht einen bestimmten Fettgehalt oder spezifisches Gewicht hat, nur unter
Deklaration verkauft werden darf. Der Fettgehalt ist tunlichst so zu normiren, daß die
benachbarte Landwirtschaft bei sachgemäßem Betriebe ihn auch regelmäßig zu erzielen
imstande ist; auch soll dem Produzenten die Möglichkeit geboten werden, durch die
Stallprobe nachzuweison, daß in seinem Stalle der geforderte Fettgehalt nicht erzielt
werden kann. Milch, welcher nichts hinzugesetzt oder genommen ist, darf nicht bloß des-
halb als gefälscht bezeichnet, beschlagnahmt oder eingezogen werden, weil sie einen be-
stimmten Fettgehalt oder spezifisches Gewicht nicht hat oder nicht vorschriftsmäßig
deklariert ist. Die Einziehung der zum Verkauf gestellten Milch und die öffentliche

Veröffentlichungen des Kaiserl. Gesundheitsamtes 1900, 6; Zeitschr. f. Unter-
suchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 3, 373.
        <pb n="521" />
        ﻿Kahm, Magermilch, Buttermilch, Molken.

497

Bekanntgabe derjenigen, welche gegen die regulativmäßigen Vorschriften gefehlt haben,
bleiben auf solche Fälle beschränkt, in denen dies nach allgemeinen gesetzlichen Be-
stimmungen zulässig ist. Ohne gleichzeitige Gewährung von Entschädigungen dürfen
Proben von Verkaufsmilch nicht entnommen werden. Vor der Probenahme soll die Milch
gründlich umgerfihrt werden. Zur Feststellung einer Verfälschung oder Strafbarkeit wegen
Nichtbeachtung der polizeilichen Bestimmungen bedarf es einer Untersuchung durch Sach-
verständige. Die Aufsicht über den Milchhandel ist tunlichst durch Einführung des
Deklarationszwanges auszuüben. Wenn frische Vollmilch als „Kindermilch“ verkauft werden
soll, kann verlangt werden, daß sie nachweislich von Kühen stammt, deren Haltung,
Fütterung und Gesundheitszustand von einem beamteten Tierarzte dauernd überwacht wird
und zu Bedenken keinen Anlaß gibt. Eine Kontrolle des Stalles bezw. der Milcherzeugung
kann jederzeit, auch ohne Antrag des Verkäufers, erfolgen, jedoch lediglich durch die
örtlich zuständige Behörde unter Zuziehung eines Sachverständigen. Der Erlaß von Vor-
schriften über die Pflicht der Anzeige des Milchgewerbebetriebes, über die Beaufsichtigung
der Verkaufsräume und der Verkaufsgefäße, über Ausschluß erkrankter Personen vom
Mil oliverkauf, über den Ausschluß des Verkaufs schmutziger, fehlerhafter, verdorbener oder
von kranken Tieren stammender Milch ist zulässig, indes innerhalb solcher Grenzen, daß
der Milchhandel dadurch nicht unnötig erschwert wird; besonders darf der Verkauf von
Milch aus verseuchten Gehöften, sofern derselbe nach den seuchengesetzlichen Vorschriften
statthaft ist, nicht bloß deshalb, weil das Gehöft verseucht ist, untersagt werden.

II.	Rahm, Magermilch, Buttermilch, Molken.

1.	Der Eahm. Die Milch läßt sich durch Aufrahmung oder Zentrifugieren
in einen mehr oder weniger fettreichen Teil, den Rahm, und in einen anderen,
fettarmen Teil, die Magermilch, trennen. Je nach Art der Entrahmung schwankt
der prozentige Fettgehalt des Rahms zwischen weiten Grenzen. Weniger fett-
reicher Eahm wird gewöhnlich als „Kaffeerahm“ oder „Kaffeesahne“ und fett-
reicherer als „Schlagrahm“ oder „Schlagsahne“ verkauft.

Ein Fettgehalt von 10 % dürfte als der Niedrigstgehalt für Rahm anzusehen
sein. Wie die Milch, so darf auch der Rahm heim Verkaufe noch nicht so stark
Sesäuert sein, daß er heim Aufkochen gerinnt.

Der Wert des Rahmes wird einzig durch dessen Fettgehalt bedingt und kann
’Wle folgt berechnet werden:

Ist a der ortsübliche Marktpreis eines Liters Milch in Pfennigen und F der
Prozentige Fettgehalt des Rahms, so erhält man annähernd den Wert eines
■^Ters Rahm (x) aus der Gleichung:

x — J Pfennige.

Kostet z. B. das Liter Milch 17 Pf. und wäre F = 10, so erhielte man x — 50 Pf.

2.	Die Magermilch enthält nach den älteren Aufrahmungsverfahren ge-
" °hnlich nicht über 0,5 %, nach dem Zentrifugalverfahren durchweg 0,1—0,3% Fett,
d ft .Kuch die Magermilch des Handels darf noch nicht so weit gesäuert sein,

. s*e das Aufkochen nicht mehr verträgt, ohne zu gerinnen. Verfälscht wird
16 zuweüen durch Zusatz von Wasser.

Mao- ^Ur ^en Nachweis des Wasserzusatzes genügt, wenn man sicher ist, daß eine
wi ?erm^°h vorliegt, in den meisten Fällen die Bestimmung des spezifischen Ge-
sell Dasselbe beträgt für reine Magermilch bei 15° im Mittel 1,0345 und
MaWan^t gewöhnlich zwischen 1,032 und 1,0365; die fettfreie Trockensubstanz der
germiich stellt sich im Mittel auf etwa 9 % und schwankt für die meisten Fälle
^wirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	32
        <pb n="522" />
        ﻿498

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

zwischen etwa 8 und 10°/0. Für den sicheren Nachweis einer Wässerung dienen
die hei Vollmilch (S. 490 u. 492) angeführten Untersuchungen hezw. Berechnungen.

3.	Die Buttermilch. Ungewässerte, bei regelrechtem Buttern gewonnene
Buttermilch hat ein spezifisches Gewicht von 1,032 — 1,035 bei 15° und einen
Fettgehalt von 0,3 — 0,8 °/0.

4.	Die Molken. Der Wert der Molken hängt wesentlich von deren Ge-
winnungsart ab; ein Wert von allgemeiner Gültigkeit läßt sich nicht angeben; er
ist im wesentlichen durch den Milchzucker (4,5—5,5 °/0) bedingt; denn bei etwa
93,94 °/0 Wasser enthalten sie nur wenig Stickstoffsubstanz (0,5—1,0 °/0), wenig Fett
(0—0,5 °/0) und 0,4—0,6 °/0 Mineralstoffe. Das spezifische Gewicht schwankt gleich
dem des Milchserums im allgemeinen von 1,027—1,029.

Untersuchungsverfahren.

Die chemischen Untersuchungsverfahren für Eahm, Magermilch, Buttermilch
und Molken sind im allgemeinen dieselben wie die für Milch, doch sind unter
Umständen geringere (z. B. bei Fettbestimmung im Rahm) oder größere (z. B. bei
Magermilch) Substanzmengen zu verwenden, als sie bei den einzelnen Verfahren
schon angegeben sind. Ferner ist zu beachten, daß die Fl eis chm an n sehe Formel
auf diese Milcherzeugnisse nicht anwendbar ist. Im einzelnen ist noch folgendes
zu bemerken:

a)	Fettbestimmung im Rahm. Bei dem Gottlieb-Röseschen Verfahren
empfiehlt es sich, die Anmerkungen No. 1 und 6 (vergl. S. 454) besonders zu be-
achten.

Beim acidbutyrometrischen Verfahren empfehlen N. Gerber und
M. M. Craandijk1) in den dem Apparate beigegebenen Becherchen 5 g Eahm ab-
zuwägen und in besonders angegebener Weise das Becherchen in die Butyrometer
einzufügen. Da die Ergebnisse bei diesem Verfahren stets zu hoch ausfallen,
empfehlen Gerber und Craandijk von dem abgelesenen Fettgehalte 0,50°/0 ab-
zuziehen. Zutreffendere Ergebnisse werden nach M. Kämnitz2) erhalten, wenn
man in Rücksicht zieht, daß die Butyrometer auf Grund der Annahme eines mittleren
spezifischen Gewichtes der Milch von 1,03 kalibriert sind, der Eahm aber ein
niedrigeres spezifisches Gewicht, z. B. bei 30°/0 Fett ein solches von 1,000 hat.
Man wägt etwa 50 g Rahm in einem 200 ccm-Kolben ab, füllt mit Wasser bis zur
Marke auf und bestimmt das spezifische Gewicht (s) dieses verdünnten Rahmes, sowie
seinen Fettgehalt (b) in der bei Milch üblichen Weise; alsdann berechnet sich der
Fettgehalt des Rahmes (f) nach der Gleichung:

f _ 2 b . 1.03
8

b)	F’ettbestimmung in der Magermilch. Für die Fettbestimmung nach
dem acidbutyrometrischen Verfahren gibt die neueste Gebrauchsanweisung
(Juli 1904) folgende Vorschrift: Sobald die Magermilch in der Säure gelöst ist,
müssen die Butyrometer, ehe sie in die Zentrifuge oder das Wasserbad gelegt
werden, 2—3 Minuten anfangs schwach, nachher mäßig stark geschüttelt werden;
hierdurch wird die Ausschleuderung des Fettes bedeutend erleichtert. Um sicher
zu sein, daß alles Fett abgeschieden ist, empfiehlt es sich, die Proben zwei- bis
dreimal je 2—3 Minuten mit mindestens 700 Touren in der Minute zu schleudern
und vor jeder Schleuderung einige Minuten im Wasserbade von 60—70° zu er-

*) Milch-Ztg. 1898, 27, 273.

2)	Ebenda 1898, 27, 694.
        <pb n="523" />
        ﻿Milchdauerwaren.

499

wärmen. Bei geheizten Zentrifugen genügt ein einmaliges, 6—8 Minuten langes
Zentrifugieren mit 800—1000 Touren in der Minute. Für die Fettbestimmung in
Magermilch, Buttermilch und Molken empfehlen sich in erster Linie die sog.
Präzisions-Butyrometer mit ihren im oberen Teile verengten Lumen, da sie eine
bequemere und schärfere Ablesung gestatten.

Zu erwähnen ist noch, daß bei Milch, die im erwärmten Zustande einer starken
mechanischen Behandlung (z. B. Weiterbeförderung mittels Ejektors) unterworfen worden
ist, und ebenso bei homogenisierter Milch (vergl. unten) infolge der Zerteilung der Milch-
fettkügelchen in feinste Teile die Petthestimmungen nach den Extraktions-Verfahren
namentlich bei Magermilch zu niedrige. Ergebnisse liefern sollen. Auf das Gottlieb-
Rösesohe sowie das acidbutyrometrische Verfahren soll diese Behandlung ohne Einfluß sein.1)

III.	Milchdauerwaren.

Hierher gehören:

1.	pasteurisierte, sterilisierte und homogenisierte Milch,

2.	mit oder ohne Zuckerzusatz eingedickte Milch, Magermilch, Rahm oder
Molken, die entweder sterilisiert oder nicht sterilisiert sind,

3.	Milchtafeln und Milchpulver.

Über Verfälschungen dieser Erzeugnisse ist bis jetzt sehr wenig bekannt
geworden. Sicher weiß man nur, daß man es versuchte, eingedickte Magermilch
als eingedickte Milch zu verkaufen oder statt ganzer schwach entrahmte Milch zu
verwenden. Pasteurisierte und sterilisierte Milch darf nicht braungelb gefärbt sein
und an der Oberfläche keine Butterklumpen oder Fettaugen zeigen. Milchtafeln und
Milchpulver müssen frei von ranzigem Geruch und von Frischhaltungsmitteln (aus-
genommen Zucker) sein.

Bei der Beurteilung dieser Stoffe wird man sich auf eine chemische Unter-
suchung nicht beschränken dürfen, sondern wird auch häufig noch eine mikroskopische
uud bakteriologische Prüfung, sowie eine Prüfung auf Haltbarkeit und Frisch-
haltungsmittel vornehmen müssen.

Der Gang der Untersuchung ist im allgemeinen derselbe wie bei der Milch,
doch ist im besonderen über die Untersuchungsverfahren und die Anhaltspunkte
für die Beurteilung noch folgendes hervorzuheben;

1.	Pasteurisierte, sterilisierte und homogenisierte Milch.

Die chemische Zusammensetzung der pasteurisierten und sterilisierten Milch
ls_t natürlich dieselbe wie die der verwendeten frischen Milch; auch gelten für
dieselbe die gleichen Hegeln zum Nachweise von Fälschungen. Besondere Vor-
sicht ist bei der pasteurisierten und sterilisierten Milch darauf zu verwenden,
* äß etwa ausgeschiedene größere Fetttröpfchen oder -klümpchen vor der Abwägung
.®r Probe möglichst gut verteilt werden. Unter Umständen kann durch schwaches
cwärmen diese Verteilung sehr befördert werden.

Weiterhin aber ist bei pasteurisierter und sterilisierter Milch durch eine
akteriologische Untersuchung festzustellen, wie weit dieselbe keimfrei ist, und
Namentlich ist auf das Vorhandensein von Frischhaltungsmitteln ein besonderes
llSenmerk zu richten.

, Pie homogenisierte Milch wird nach dem Verfahren von Gaulin in der
o,-ASe kergestellt, daß die auf 85° vorgewärmte Milch unter einem Druck von
Atmosphären durch sehr feine Kanäle zwischen zwei federnden, fest aufeinander-

’) Vergl, Milch-Ztg, 1903, 32, 337, 481 u, 577.

32*
        <pb n="524" />
        ﻿500

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

gepreßten Achat- und Metallflächen hindurchgepreßt wird. Hierdurch werden die
Milchfettkügelchen in feinste Tröpfchen zerteilt und eine derartige Milch rahmt
im sterilisierten Zustande seihst hei längerem Aufbewahren nicht auf, sondern zeigt
eine vollkommen gleichmäßige — homogene — Beschaffenheit.

Nach P. Buttenherg1) erhält man hei homogenisierter Milch nach den
Extraktionsverfahren (Adams usw.) zu niedrige Fettgehalte, während nach dem
Gottlieb-Röseschen sowie dem acidhutyrometrischen Verfahren richtige Ergebnisse
erhalten werden.

2.	Eingedickte Milch, Milchtafeln und -pulver.

Das Eindicken der Milch und die Herstellung von Milchpulver erfolgt meist
durch mehr oder minder starkes Einkoehen derselben in Yakuumapparaten.

Die Milchpulver enthalten meist nur noch 4—6 °/0 Wasser; ihre sonstige
Zusammensetzung entspricht der Zusammensetzung der Trockensubstanz der ver-
wendeten Milch oder Magermilch.

Bei der Untersuchung von eingedickter Milch kommt es vor allem auf
eine gleichmäßige Durchmischung der Probe für die einzelnen Bestimmungen
an, die im allgemeinen in derselben Weise erfolgen wie hei Milch, nur sind natürlich
entsprechend geringere Suhstanzmengen in Arbeit zu nehmen. Auch kann man in
der Weise verfahren, daß man die Proben vor der Untersuchung in der Wasser-
menge löst, die zur Lösung für den Gebrauch vorgeschriehen ist, und, wenn es an
solchen Vorschriften fehlt, in so viel Wasser, daß die Lösung ein spezifisches Ge-
wicht von etwa 1,032 erreicht.

Um annähernd zu ermitteln, wie weit die Eindickung hei eingedickter Mich
ohne Zuckerzusatz getrieben worden war, dividiert man mit der gefundenen Trocken-
substanz in die Zahl 1250. Der Quotient a besagt dann, daß die ursprüngliche
Milch annähernd im Verhältnis von 100: a eingedickt worden ist.

Bei eingedickter Milch nimmt man, um eine gleichmäßige Mischung zu er-
zielen, aus der Büchse eine etwas größere Menge heraus und treibt sie durch ein
Drahtsieb.

1.	Bestimmung des WTassers hezw. der Trockensubstanz. Zur Be-
stimmung des Wassergehaltes hezw. der Trockensubstanz werden 1,0—2,0 g der
gesiebten Probe mit etwa 5 ccm Wasser vermengt, in einer flachen Schale auf
dem Wasserbade eingedampft und so lange bei 105° getrocknet, bis Gewichts-
beständigkeit eingetreten ist. Bei Anwendung einer größeren Menge Substanz muß
dieselbe mit Sand eingetrocknet werden und kann dann die Trockensubstanz zu-
gleich zur Fettbestimmung benutzt werden. Am sichersten trocknet man auch hier
den Rückstand vollständig bei 100° im Vakuum aus. Im übrigen vergl. oben

S.	469 unter Vollmilch.

2.	Bestimmung des Fettes. Sie geschieht im allgemeinen nach dem oben
unter Vollmilch S. 452 u. ff. angegebenen Verfahren; doch sind von dem Präparate stets
entsprechende geringere Substanzmengen in Anwendung zu bringen. Im einzelnen
ist noch folgendes zu bemerken: Für die gewichtsanalytischen Fettbestimmungen
können als Aufsaugungsmittel nach E. Bieter2) nur Gips und Papier empfohlen
werden. Bei mit oder ohne Rohrzucker-Zusatz eingedickter Milch ist das aräometrische
Verfahren nicht brauchbar; ebensowenig ist bei mit Rohrzucker eingedickter Milch
das gewöhnliche Baboocksche Verfahren, das von Liebermann und Szekely
sowie das von Schmid und Bondzynski brauchbar.

*) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 964.

2)	Schweizer. Wochenschr. Chem. u. Pharm. 1903, 41, 39.
        <pb n="525" />
        ﻿Milchdauerwaren.

501

Beim Gerber sehen acidbutyrometrischen Verfahren verdünnt man die genau
abgewogene Substanz mit 9 Teilen Wasser und verfährt im übrigen wie ge-
wöhnlich; nur muß man sich stets durch mehrmaliges Erwärmen auf 70° und
mehrmaliges Zentrifugieren von der vollständigen Ausscheidung des Fettes über-
zeugen. Die Ergebnisse sind natürlich, der Verdünnung entsprechend, mit 10 zu
multiplizieren. Auch empfiehlt es sich hierbei, das spezifische Gewicht der ver-
dünnten Milch zu bestimmen und das oben (S. 498) für die Bestimmung des Fett-
gehaltes im Kahm Gesagte bei der Berechnung des Fettgehaltes zu berücksichtigen.

Die Bestimmung des Fettes kann auch gleichzeitig mit der der Stickstoff-
Substanz in der nachstehend unter 3. angegebenen Weise erfolgen.

3.	Bestimmung der Proteinstoffe. Die Proteinstoffe können bei den
pulverförmigen Milcherzeugnissen entweder nach Kjeldahl (S. 138) als Gesamt-
Stickstoff-Substanzen oder bei kondensierter Milch ebenso zweckmäßig nach Ritt-
hausen (S. 470) bestimmt werden. Nach letzterem Verfahren veerden 2 g der
gesiebten Probe mit etwa 400 ccm Wasser verdünnt und genau wie natürliche Milch

S.	470 weiter behandelt. Da mit den Proteinstoffen zugleich auch alles Fett aus-
gefällt wird, so kann der Niederschlag zugleich zur Fettbestimmung benutzt werden.
Man nimmt alsdann das vorher getrocknete und gewogene Filter samt Niederschlag
mittels eines Platinspatels aus dem Trichter, wickelt dasselbe in eine Papierrolle
und bringt es in den Soxhletschen Extraktionsapparat, indem man den Trichter
sowie den Platinspatel mit Äther abspült. Der entfettete Niederschlag wird sodann
über Schwefelsäure so lange getrocknet, bis er hellblau und erdig aussehend ge-
worden ist, worauf man ihn bis zur Gewichtsbeständigkeit im Luftbade weiter
trocknet und wägt; die Masse wird zuerst vorsichtig, dann stärker geglüht, die
Asche gewogen und in Abzug gebracht.

4.	Bestimmung des Zuckers. Den Milchzuckergehalt der ohne Rohrzucker-
zusatz eingedickten Milch wie der Milchpulver bestimmt man, nachdem man sich
durch die mikroskopische Untersuchung von der Reinheit derselben überzeugt hat,
meistens aus der Differenz der Summe der übrigen festen Bestandteile und der
Trockensubstanz. In der mit Eohrzuckerzusatz eingedickten Milch läßt sich die
Menge des zugesetzten Rohrzuckers annähernd berechnen, wenn man annimmt, daß
d®*1 ursprüngliche Gehalt der Milch an Milchzucker 60°/0 des Gehaltes derselben
an Fett + Stickstoffsubstanz + Asche beträgt.

Die direkte Bestimmung des Milchzucker-Gehaltes kann in derselben Weise wie
^®i Milch — natürlich unter Berücksichtigung der in jedem Falle anzuwendenden
Substanzmengen — nach den Verfahren von Scheibe (vergl. S. 470) ausgeführt
worden, doch sind diese Bestimmungen bei gleichzeitigem Vorhandensein von
uccharose stets etwas ungenau.

Zum qualitativen Nachweis, ob eine eingedickte Milch oder ein Milch-
Pulver mit Eohrzuckerzusatz hergestellt ist, kann nach Cayaux,1) C. E. Carl-

j?n2) und Utz8) die Sei iw an off sehe Reaktion mit Eesorcin und Salzsäure
dienen.

Die nnonf-l-fo-fTTrn BAC + iTTirmiTin’ rlßCJ S Q A All fl T fi A O1 All Ü 1 f.OO 1T1 Ol n fTOfll pV+hP

Pharm, Zentralhalle 1898, 39, 303; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Ge-
uußmittel 1899, 2, 238.

n, H . 2) Pharm. Zentralhalle 1903, 44. 133; Zeitschr. f. Untersuchung d. NaMnmga- u. Ge-
Uttnttel 1904, 7, 304.

8) Milch-Ztg. 1903, 32, 632.
        <pb n="526" />
        ﻿502

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Bundesrates vom 18. Juni 1903 4) nach Anlage E der Ausführungshestimmungen
in folgender Weise erfolgen:

„100 g der Milchprobe werden abgewogen, mit Wasser zu einer leicht
flüssigen Masse verrührt und in einen Meßkolhen von 600 ccm Raumgehalt ge-
spült. Die Flüssigkeit wird darauf mit etwa 20 ccm Bleiessig versetzt, mit Wasser
zu 500 ccm aufgefüllt, durchgeschüttelt und filtriert.

Vom Filtrat werden 75 ccm in einen Kolben von 100 ccm Raumgehalt ge-
bracht und, wenn erforderlich, mit etwas Tonerdebrei versetzt. Darauf wird mit
Wasser zur Marke aufgefüllt, filtriert und nach Anlage C polarisiert.2)

Ferner werden 75 ccm desselben Filtrats mit 5 ccm Salzsäure vom spezifischen
Gewicht 1,19 versetzt, nach Vorschrift der Anlage B invertiert,3) zu 100 ccm
aufgefüllt und filtriert, worauf wiederum die Polarisation für 20° bestimmt wird.
Hiernach berechnet sich der Gehalt Z der eingedickten Milch an Rohrzucker aus
der Gleichung:4)

Z = 1,25 (1,016 , P — J),

worin P die vor der Inversion, J die nach der Inversion gefundene Polarisation
bedeutet.“

„Beispiel: Die Polarisation P sei-)-28,10, die Polarisation J werde zu — 0.30 er-
mittelt. Setzt man diese beiden Zahlenwerte für P und J in die eben angegebene Formel
ein, so erhält man:

Z = 1,25 (1,016.28,10 + 0.30) = 36,06.

Demnach ist der Gehalt der eingedickten Milch an Rohrzucker zu 36,1 vom Hundert
anzunehmen.“

L.	Grünhut und S. H. R. Rüber5) haben sich eingehend mit der Bestimmung
des Rohrzuckers in der eingedickten Milch beschäftigt und halten die Ausführungs-
bestimmungen zum Zuokersteuergesetz (vom 28. Oktober 1897!) für empfehlenswert, wenn

a)	die eingedickte Milch zur Beseitigung des schädlichen Einflusses der Multirotation
des Milchzuckers mit siedendem Wasser übergossen und die Lösung dann erkalten ge-
lassen wird;

b)	bei der Polarisation vor und nach der Inversion genau die Temperatur von 20°
eingehalten wird;

c)	zur Berechnung die Clerget-Herzfeldsche Formel Z = ■,..1^!^ ^	=■ an-

'	&amp;	&amp;	131,84 — 0,05 J

gewendet wird;

4) Zentralbl. f. das Deutsche Reich 1903, 284; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
u. Genußmittel 1903, 6, 1082. vergl. auch weiter unten unter „Rohrzuckerfabrikation“.

2)	Nach der Anlage C der Ausführungsbestimmungen vom 18. Juni 1903 darf für
die Bestimmung der Polarisation für Zwecke der Steuerverwaltung nur ein Halbschatten-
sacoharimeter benutzt werden. Für dieses entspricht bei Beobachtung im 200 mm-Rohre
ein Grad Drehung einem Gehalte von 0,26 g Zucker in 100 ccm Flüssigkeit hei der Normal-
temperatur von 20°; das Normalgewicht beträgt also 26 g in 100 ccm.

3)	Nach der Anlage B der Ausführungsbestimmungen vom 18. Juni 1903 wird die
zu invertierende Zuckerlösung (75 ccm) in einem 100 ccm-Kölbchen mit 5 ccm Salzsäure
(1,19) versetzt und im Wasserbade auf 67—70° erwärmt. Auf dieser Temperatur wird der
Kolbeninbalt noch 5 Minuten unter häufigem Umsohütteln gehalten; da das Anwärmen
21 2 3 4/2—5 Minuten dauern kann, wird die Arbeit 71/2—10 Minuten in Anspruch nehmen; in
jedem Falle soll sie in 10 Minuten beendet sein.

4)	Tiber die Herleitung dieser Formel vergl. die Ausführungsbestimmungen vom
28. Oktober 1897. (Zeitschr. f. analyt. Chem. 1899, 38, Anhang S. 1.) In der Formel ist
die erforderliche Korrektur für das Volumen des Niederschlages bereits berücksichtigt.

5)	Zeitschr. f. analyt. Chem. 1900, 39, 19.
        <pb n="527" />
        ﻿Käse.

503

d)	als Klärmittel nur Bleiessig verwendet wird;

e)	zur Korrektur des durch das Volumen des Niederschlages bedingten Kehlers das
Seheiblersehe Verfahren der doppelten Verdünnung angewendet wird, anstatt des all-
gemeinen Korrektions-Paktors 0,962 in der Bundesratsvorschrift. Bringt man dieselbe
Substanzmenge mit denselben Eeagentienmengen das eine Mal auf das Volumen V und
das andere Mal auf das Volumen 2 V, so verhalten sich die Polarisationen der beiden
Filtrate Pv und P2V zueinander wie (V — x):(2V— x), worin x das Volumen des
Niederschlages bedeutet; es ist dann (V — x): (2 V — x) = Pv : Pav- Hieraus kann x be-
rechnet und die dementsprechende Korrektur für das Volumen des Niederschlages an-
gebracht werden.

Das Inversionsverfahren von A. W. Stokes und E. Bodmer,1) bestehend in 7—10
Minuten langem Kochen der Lösung mit 2 °/0-iger Zitronensäure, führt zwar ebenfalls eine
vollständige Inversion der Saccharose ohne eine Veränderung des Milchzuckers herbei,
allein die Einwirkung der Zitronensäure auf die Polarisation ist, wie Grünhut und
Eiiber'2 3) bemerken, noch nicht hinreichend bekannt und für die von Stokes und Bodmer
vorgeschlagenen Bestimmungen des Zuckers vor und nach der Inversion nach dem Eeduktions-
verfahren fehlen noch die erforderlichen, für die verschiedenen Mengenverhältnisse beider
Zuckerarten besonders zu ermittelnden Tabellen. S. H. E. Eiiber und C. N. Eiiber:!)
bedienen sich einer besonderen Korrektur bei dem Eeduktionsverfahren und haben auf
diese Weise ebenfalls hinreichend genaue Ergebnisse erhalten.

5.	Bestimmung der Asche. 2—5 g der gut durchgemischten Probe werden
in einer Platinschale auf dem Wasserbade eingetrocknet und wie hei Vollmilch S. 471
verascht.

6.	Bei der Untersuchung von eingedickter Milch ist außerdem noch Rück-
sicht zu nehmen auf einen etwaigen Gehalt an Frischhaltungsmitteln, welche
wie hei Milch nachgewiesen werden, und ferner bei eingedickter Milch sowohl als
auch hei Milchpulvern auf etwa vorhandene Schwermetalle, welche von den Auf-
hewahrungsgefäßen oder dergl. in dieselbe gelangt sein können.

7.	Anhaltspunkte zur Beurteilung. Verfälschungen sind bis jetzt hei
eingedickter Milch nur insofern vorgekommen, als sie aus teilweise oder ganz entrahmter
Milch hergestellt und unter Verschweigung dieses Umstandes als kondensierte Milch
schlechthin oder gar kondensierte Vollmilch in den Handel gebracht worden ist.

Diese Ungehörigkeit läßt sich aber leicht durch eine Bestimmung des Fettes
und der Stickstoff-Substanz feststellen. Da in der natürlichen Kuhmilch im all-
gemeinen auf 100 Teile Stickstoff-Substanz 100—110 Teile Fett kommen, so muß
dieses Verhältnis auch in der kondensierten Milch vorhanden sein, wenn sie unter
(|er einfachen Bezeichnung „kondensierte Milch“ oder gar „kondensierte natürliche
Kuhmilch“ in den Handel gebracht wird. Ist dagegen weniger Fett als Stickstoff-
Substanz vorhanden, so ist der Verdacht, daß abgerahmte Milch verwendet worden
lst&gt; um so größer, je erheblicher diese Differenz ist.

IV.	Käse.

Unter „Käse“ versteht man die aus der Milch abgeschiedene und in eine he-
stimmte Form gebrachte Masse der Stickstoff-Substanz, entweder des Kaseins
(Parakaseins oder eigentlichen Kaseins) oder des Albumins, die je nach der verwendeten
Milch bezw. je nach dem verwendeten Milcherzeugnis wechselnde Mengen Fett neben
Mineralstoffen und geringen Mengen Milchzucker einschließt.

1)	Analyst 1885, 10, 62 und Chem. News 1885, 51, 193; Chem. Centralbl. 1885, 522.

2)	Zeitschr. f. analyt. Chem, 1900, 39, 19.

3)	Ebenda 1901, 40, 97.
        <pb n="528" />
        ﻿504

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Wenn die Abscheidung der Stickstoff-Substanz durch Zusatz von Lab oder
durch eine absichtlich herbeigeführte Säuerung der Milch geschieht, so besteht die
abgeschiedene Stickstoff-Substanz aus Kasein, und man unterscheidet zwischen Lab-
und Sauermilch-Käsen, welche wiederum in Hart- und Weichkäse unterschieden
werden. Erfolgt die Abscheidung durch Kochen der von dem Kasein befreiten
Milch nach vorherigem Zusatz von saurer Molke, so besteht die Käsemasse aus
dem Albumin der Milch. Diese Käse heißen Zigerkäse, wozu auch die durch
Eindicken der gesamten Molken gewonnenen käseähnlichen Erzeugnisse: derMysost
in Schweden und Norwegen und der in Österreich sowie der Schweiz bereitete
Schottensick gehören.

Außer Kuhmilch dient auch Schafmilch zur Bereitung von Käse, so bei dem
bekannten Eoquefort-Käse; der Arenauten-Käse besteht aus Ziegen- und Schaf-
milch; ebenso wird Ziegenmilch für sich allein, Eenntiermilch in Schweden und
Lappland, Büffelmilch in Italien zur Bereitung von Ziegen-, Eenntier- bezw.
Büffelkäse verwendet.

Man teilt die Käse je nach dem Fettgehalt ein in Uberfette oder Eahmkäse,
vollfette, fette, halbfette und magere; man kann mit J. Herz1) annehmen, daß
auf je 1 Teil Fett entfallen an fettfreier Trockenmasse:

bei üb er fetten
Käsen
weniger als

0,67 Tie.,

vollfetten

Käsen

0,67—1,25 Tie.,

fetten	halbfetten

Käsen	Käsen

1,25—2,0 Tie., 2,0—3,0 Tie.,

mageren
Käsen
mehr als

3 Teile.

Die fettfreie Trockensubstanz besteht vorwiegend aus Stickstoff-Substanz
neben geringen Mengen von Mineralstoffen, Milchzucker und organischen Säuren.

Die frische Käsemasse macht meist eine durch Bakterien und sonstige Pilze
hervorgerufene Eeifung durch, durch deren Art und Dauer die Eigenschaften
der zahlreichen Käsearten bedingt sind. Auch das eingeschlossene Fett und der
Milchzucker erleiden hierbei eine Umsetzung.

Die bei dieser Eeifung gebildeten Bestandteile sind im wesentlichen folgende:

Kasein, Kaseo-Glutin, Albumosen (Kaseosen), Peptone, Amidosäuren (Leucin,
Tyrosin, Phenylamidopropionsäure), Ammoniak, Milchsäure, flüchtige Fettsäuren
(Buttersäure u. a.).

Käsefehler.

Beim Eeifen und Lagern des Käses treten nicht selten eine Eeihe von sog.
Käsefehlern oder -krankheiten auf, nämlich:2)

1.	Das Blähen des Käses ist einer der am häufigsten Vorkommen den Käsefehler; es
macht sich im Innern des Käses an der Bohrung, im Äusseren an der Form des Käses
und auch meist am Geschmack desselben bemerkbar. Es ist die Folge des Vorhandenseins
einer zu großen Zahl gasproduzierender Mikroorganismen, wobei in den meisten Fällen
der Milchzucker das Material liefert.3)

2.	Die sogenannten Gläsler sind Käse ohne Lochung. Sie sind im Geschmack usw.
meist normal und haben nur den einen im Handel ins Gewicht fallenden Fehler, daß sie
eben ohne Lochung sind.

*) Deutsche Landw. Presse 1896, 869,

2)	Nach den „Vereinbarungen zur einheitlichen Untersuchung und Beurteilung von
Nahrungs- und Genußmitteln sowie Gebrauchsgegenständen für das Deutsche Reich“
Heft I, S. 75. Berlin 1897.

3)	Eine Zusammenstellung der eine starke Gärung in der Milch und demnach eine
Blähung im Käse leicht verursachenden Bakterien und Pilze findet sich in; L. Adametz;
„Über die Ursachen und Erreger der abnormalen Reifungsvorgänge beim Käse“ S. 54—55.
        <pb n="529" />
        ﻿Käse.

505

3.	Das Blauwerden der Käse. Es tritt am häufigsten auf bei mageren Backstein-
käsen und ist ebenfalls die Folge der Tätigkeit einer in der Milch enthaltenen Bakterie oder
zuweilen auch die Folge der Gegenwart von Bisenrost im Käse. Im ersteren Falle greift der
Fehler im Käse allmählich immer weiter um sich und wird auch von einem Käse auf den andern
übertragen. Das Auftreten kleiner ultramarinblauer Punkte im Edamer Käse, welches in
neuerer Zeit in Holland häufig aufgetreten ist und von Hugo deVries näher beschrieben
wurde, wird verursacht durch eine.Bakterie, welche Beijerinck in solchen Käsen gefunden
und als Bacillus cyaneofuseus bezeichnet hat.1)

4.	Das Rotwerden der Käse (Bankrotwerden bei den Backsteinkäsen) und ähn-
liche Färbungen sind nicht minder Erscheinungen, welche durch das Wachstum bestimmter
Pilze (Bakterien- oder Schimmelpilze) hervorgerufen werden. So werden rote Flecken auf
Weichkäsen und auch, wiewohl seltener, auf Hartkäsen durch zwei von Adametz auf-
gefundene „Bote Käsemikrokokkeu“ erzeugt, ebenso die rote Färbung der Rinde, der äußeren
Schichten und selbst des Innern durch eine von Schaffer aufgefundene und von Dem me
näher beschriebene Torula-Art, Sa’ccharomyces ruber. Milch, welche mit dieser Torula
infiziert ist, erregt bei Kindern Erbrechen und Darmkatarrh. Adametz fand ferner auf
einem Emmenthaler Käse mit rotbrauner Rinde einen Schimmelpilz, der diese Farbe er-
zeugt, und auf Weichkäsen mit runden, orangegelben bis ziegelroten Flecken eine Oidium-
Art (Oidium aurantiacum). Der letztgenannte Pilz wirkt aber auch bei der regelrechten
Reifung der Weichkäse, insbesondere des Briekäses, mit.

5.	Das Sch warzwerden der Käse wird ebenfalls durch das Wachstum bestimmter
Pilze verursacht. Als Ursache dieses Fehlers wurde von Hüppe eine Schimmelhefe (braune
oder schwarze Schimmelhefe), von Adametz ein Hyphenpilz, Cladosporium herbarum Link,
gefunden. Adametz hält ferner zwei von Wichmaun im Quellwasser gefundene braun-
schwarze Schimmelpilze, sowie einen von ihm ebenfalls aus Quellwasser isolierten schwarzen
Rippenschimrael, sowie die von Marpmann aus Milch gezüchtete schwarze Hefe, Saccha-
romyces niger, eine Torula-Art, und ferner noch das Dematium pullulans für gelegentliche
Ursachen der Schwarzfärbung der Käse. Nach C. Besana-) kann auch durch Bildung von
^chwefeleisen im Käse infolge Verwendung von eisenhaltigem Wasser, von eisenhaltigen
Defäßen und infolge von Zersetzung des Kaseins ein Schwarzwerden des Käses bedingt
werden.

6.	Bei überreifen Hart- und Weichkäsen, besonders bei wasserreichen, überreifen,
lageren Baoksteinkäsen zeigt sich häufig eine starke Mißfärbung der Käsemasse
mit Abtönung ins Gelbliche oder Grauliche. Es darf wohl angenommen werden, daß auch
hier nur das Überhandnehmen einer bestimmten Pilz- oder Bakterienart die Schuld trägt.

7.	Das Bitterwerden der Käse ist eine Erscheinung, welche bei normalem
■^eifungsVorgang zu gewisser Zeit regelmäßig eintritt, aber auch bei reifem Käse sic i
z®igt und als ein Fehler angesehen wird. Daß es sich hierbei um ein durch die Tätig-
keit gewisser peptonisierenden Bakterien gebildetes peptonartiges Erzeugnis handelt, ist
wohl zweifellos. Aus bitterem Käse direkt gezüchtet ist bis jetzt nur ein Pilz, dem diese
■Eigenschaft bestimmt zugeschrieben werden muß, das ist der von E. von Freudenreich
rem gezüchtete Micrococcus casei amari.

8. Weitere Reifungsfehler sind das Weißschmierigsein der Käse, wenn
Käsekeller zu kalt und feucht ist; das Schimmeligwerden, wenn infolge trockner Luft
lm Keller die Rinde der Käse spaltet und Schimmelpilze Gelegenheit haben, sich in den
Palten festzusetzen usw.	, .	.	.	T, „.. •

Das sogenannte Laufendwerden der Weichkäse besteht in einer Verflüssigung
t er reifen und überreifen Teile durch Einwirkung der Warme.	. .	„

, Krankheitserreger sind bis jetzt im Käse nicht nachgewieseu, weil sie in demselben
kaum geeignete Lebensbedingungen finden. Namentlich für Typhus- und Cholerabakterien
lst nachgewiesen, daß sie sich nur ganz kurze Zeit im Käse lebensfähig erhalten können. Die

nach Genuß von Knetkäse in Norwegen nicht selten auftretenden Darmerkrankungen

*) Botan. Ztg. 1891, 49 ff., No. 43 u. 7.
•) Chem.-Ztg. 1897, 21, 265.
        <pb n="530" />
        ﻿506

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

werden nach Holst durch eine der Koli-Gruppe angehörende Bakterienart hervor-
gerufen.

Mehrfach ist auch über ein Käsegift berichtet. Die Natur wie Entstehungsweise
desselben sind aber bis jetzt noch nicht aufgeklärt.

Verfälschungen und Verunreinigungen des Käses.

Die am häufigsten vorkommende Verfälschung der Käse besteht in der Unterschiebung
von Mager- oder Halbfettkäsen für Fettkäse, ferner darin, daß das der Milch entzogene
Fett durch Margarine oder andere Fette ersetzt und die so bereiteten Margarine- oder
Kunstkäse als echte Käse verkauft werden. Indes hat die Margarinekäse-Fabrikation bis
jetzt in Deutschland keine nennenswerte Verbreitung gefunden.

Zu einigen Käsesorten macht man absichtlich stärkemehlhaltige Zusätze (z. B. bei
Kartoffelkäse), in anderen Fällen mag diese Beimengung unter Verschweigung dieses Um-
standes. ebenso wie die von mineralischen Zusätzen (Gips, Kreide usw.), zur Verfälschung
verwendet werden.

Der Käse pflegt ebenso wie Butter künstlich gefärbt zu werden, jedoch werden
durchweg nur unschädliche Farben verwendet.

Als zufällige Beimengungen sind anzusehen: geringe Mengen von Blei, Kupfer
und Eisen, herrührend aus den Herstellungsgefässen oder der Verpackung.

Die chemische Untersuchung des Käses.*)

Probenahme und Vorbereitung der Käseproben.

„Der zur Untersuchung gelangende Teil darf nicht nur der Rindenschicht oder dem
inneren Teile entstammen, sondern muß einer Durchschnittsprobe entsprechen. Bei großen
Proben entnimmt man mit Hilfe eines Käsestechers senkrecht zur Oberfläche ein zylindrisches
Stück, bei kugelförmigen Käsen einen Kugelausschnitt. Kleine Käse nimmt man ganz in
Arbeit. Die zu entnehmende Menge soll mindestens 300 g betragen.

Die Versendung der Käseprobe muss entweder in gut gereinigten, schimmelfreien
und verschließbaren Gefäßen von Porzellan, glasiertem Tone, Steingut oder Glas oder in
Pergamentpapier eingehüllt geschehen.

Harte Käse zerkleinert man vor der Untersuchung auf einem Reibeisen; weiche
Käse werden mittels einer Reibkeule in einer Reibschale zu einer gleichmäßigen Masse
verarbeitet.“

Gesichtspunkte für die chemische Untersuchung.

Die Auswahl der bei der Käseuntersuchung auszuführenden Bestimmungen
richtet sich nach der Fragestellung und diese kann sich erstrecken:

a)	auf Feststellung der Art des Käses, ob aus Vollmilch, halbfetter oder magerer
Milch hergestellt, durch eine Fettbestimmung oder besser durch eine Fett-, Stickstoff- und
Trockensubstanz- (Wasser-) Bestimmung und Feststellung des Fettgehaltes der Trocken-
substanz und des Verhältnisses von Fett zu Stickstoff-Substanz;

b)	auf Prüfung des Fettes auf Reinheit zur Beantwortung der Frage, ob Milch-
fettkäse oder Margarinekäse vorliegt;

c)	auf Ermittelung eines etwaigen Gehaltes an Stärkemehl, Gips, Kreide und an
Metallen (Kupfer, Blei, Zink);

d)	auf den Nachweis des Reifegrades durch Bestimmung der löslichen Biweißstoffe,
bezw. des löslichen Stickstoffes überhaupt.

1. Bestimmung des Wassers. Etwa 3—5 g der möglichst fein zerriebenen
oder zu einem gleichmäßigen Brei verrührten Käsemasse werden in einer tarierten,

B Soweit die Untersuchungsverfahren der auf Grund des § 12 des Reichsgesetzes
vom 15. Juni 1897 vom Bundesrate am 22. März 1898 erlassenen „Anweisung zur chemischen
Untersuchung von Fetten und Käsen“ (Zentralbl. f. d. Deutsche Reich 1898, 26, 201) ent-
nommen sind, haben wir sie durch „Anführungszeichen“ kenntlich gemacht.
        <pb n="531" />
        ﻿Käse.

507

mit 20—30 g ausgeglühtem Sand und einem Glasstäbchen beschickten Platinschale
mit dem Sande innig vermischt und, wenn möglich, unter zeitweiligem Umrühren
bei 100—105° oder noch besser im Vakuum bei 100° bis zum gleichbleibenden
Gewicht getrocknet.

K. Windisch1) empfiehlt, nur 1—2 g Käse und auf je 1 g Käse 10 g Sand zu
verwenden, im Wasserdampf-Trockenschranke zunächst 10 Minuten zu trocknen, dann noch-
mals zu verreiben, wiederum 2 Stunden zu trocknen, zu wägen und dann zur Kontrolle
nochmals 1/2 Stunde zu trocknen.

Das von Alex. Müller’2) vorgeschlagene Verfahren zur gleichzeitigen Be-
stimmung von Fett und Wasser dürfte für praktische Zwecke wohl zu umständlich
sein; es mag daher hier nur darauf verwiesen werden.

2. Bestimmung des Bettes. Zur Bestimmung des Fettes dienen folgende Ver-
fahren :

a)	Ausziehen des getrockneten Käses mit Äther. Man bringt etwa

3—5 g Käsemasse in einen Mörser, auf dessen Boden sich eine entsprechende
Menge geglühter Sand befindet, und erwärmt den Mörser einige Stunden im Wasser-
dampf-Trockenschranke. Darauf zerreibt man die Masse mit Sand, füllt diese
Mischung in eine fettfreie Papierhülse, spült die Schale mit Äther aus und zieht
die Mischung 4 Stunden im Fettextraktionsapparat mit Äther aus. Darauf wird
der Inhalt der Papierhülse nochmals fein zerrieben und abermals etwa 2 Stunden
ausgezogen. Nach dem Abdestillieren des Äthers wird der Rückstand 1 Stunde im
Dampftrockenschranke getrocknet und darauf gewogen.

Aus Magerkäse wird nach M. Siegfeld3) aber trotz zweimaligen Ausziehens nicht
die gesamte Fettmenge gewonnen.

Bei überreifen Käsen und solchen, welche Zusätze (Kräuter usw.) erfahren haben,
empfiehlt A. Devarda4) das Rohfett durch Auflösen in kaltem Äther zu reinigen, wobei
Nichtfette, die in warmem Äther löslich waren. Zurückbleiben.

h) Ausschütteln der mit Salzsäure gekochten Käsemasse mit
Äther. Stefan Bondzynski5) hat das Verfahren zur Fettbestimmung in der
ÄfiIch von W. Sohmid und Stan. Bondzynski (vergl, S. 455) auch zur Be-
stimmung des Fettes im Käse angewendet und sich dabei des kalibrierten Röhrchens
den beiden kugelförmigen Erweiterungen bedient. A. Kirsten6) empfiehlt
dieses Verfahren.

E. Ratzlaff7) schlägt neuerdings folgende Abänderung des Verfahrens von
St. Bondzynski vor: 3—5 g Käse werden in einem Kölbchen von etwa 30 ccm
lühalt abgewogen und mit 10 ccm Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,125 bis
ZUr vollständigen Lösung unter Umschwenken über einer kleinen Flamme erhitzt
’üid dann noch 8—10 Minuten im schwachen Sieden erhalten, wobei sich die
Flüssigkeit braunrot färbt. Nach der Abkühlung wird sie in ein Gottliebsches
Rohr (vergl. S. 454) gegossen und das Kölbchen 2—3-mal mit im ganzen 25 ccm
Äther nachgespült. Darauf werden noch 25 ccm Petroläther hinzugegeben und im
übrigen wie bei der Fettbestimmung in der Milch nach Gottlieb-Röse verfahren.
1 ■ ^iegfeld8) empfiehlt dieses Verfahren.

5 Arb. d. Kaiserl. Gesundh.-Amt. 1898, 14, 506,

-) Landw. Jahrbücher 1872, 1, 68; vergl. „Vereinbarungen“ Heft I, S. 77.

8) Milch-Ztg. 1904, 33, 289.

4)	Zeitschr. f. analyt, Chem. 1897, 36, 751.

Ebenda 1894, 33, 186.

Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1898, 1, 742.

’) Milch-Ztg. 1903, 32, 65.

8) Ebenda 1904, 33, 289.
        <pb n="532" />
        ﻿508

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

K.	Windisch gibt ebenfalls diesem Verfahren den Vorzug; er empfiehlt
aber, zur Aufschließung ein Erlenmeyer-Kölbchen zu verwenden und die an-
gewendeten Äthermengen zu wägen. Er verfährt folgendermaßen;

3—5 g Fettkäse oder 10 g (oder mehr) Magerkäse werden in einem Erlen-
meyer-Kölbchen von etwa 250 ccm Inhalt mit Salzsäure vom spezifischen Ge-
wicht 1,125 (auf 3 g Käse 10 com, auf 10 g 20 ccm) auf dem Drahtnetze erhitzt.
Sobald die Auflösung erfolgt ist, gibt man nach dem Erkalten Wasser (auf 10 ccm
Salzsäure 20—30 ccm, auf 20 ccm 40 ccm Wasser) hinzu, tariert das Ganze
(einschl. des zu verwendenden Korkstopfens) auf einer Wage, die noch 0,01 g an-
zeigt, gibt darauf 80—120 g mit Wasser gesättigten Äther hinzu, verschließt das
Kölbchen mit dem Korkstopfen und wägt wieder; das Gemenge wird nun 2—3
Minuten kräftig geschüttelt. Nachdem es darauf 1/2—1 Stunde gestanden und die
ätherische Schicht sich klar abgesetzt hat, gießt man einen Teil derselben in ein
tariertes Kölbchen, verschließt das erste Kölbchen wieder mit dem Korkstopfen und
wägt es zurück. Die abgegossene ätherische Fettlösung wird bei niedriger Temperatur
verdunstet und das Fett nach dem Trocknen (1 Stunde) im Wasserdampf-Trocken-
schranke gewogen.

Die Berechnung des prozentigen Fettgehaltes erfolgt nach der Gleichung:

_ 100 b. d
X a (c — d) ’

in welcher bedeutet:

a das Gewicht der angewendeten Käsemenge,
b	„	„	des	zugesetzten wassergesättigten	Äthers,

c	„	„	der	abgegossenen Ätherfettlösung,

d	„	„	des	in c enthaltenen Fettes,

x den prozentigen Fettgehalt des Käses.

c)	Acidbutyrometrisch.es Verfahren von Gerber.1) Unter gewissen
Umständen wird man sich zur Fettbestimmung in Käsen auch dieses Verfahrens be-
dienen können. Da dasselbe indes mitunter, z. B. bei harten Magerkäsen, nur
schwierig ausführbar ist, außerdem den Apparaten Gebrauchsanweisungen beigegeben
werden, so soll hier von einer Beschreibung des Verfahrens abgesehen werden.

3. Bestimmung des Stickstoffs. 1. Zur Bestimmung des Gesamt-Stick-
stoffs werden 1—2 g Käsemasse in der oben S. 137—139 beschriebenen Weise
nach Kjeldahl verbrannt.

Soll der Stickstoff auf Stickstoff-Substanz bezw. Kasein umgerechnet werden, so
dürfte sich bei Käsen, welche nur eine schwache Reifung durohgemacht haben, die An-
wendung des Kasein-Paktors 6,37 (yergl. S. 470) empfehlen; dagegen dürfte bei stark
gereiften Käsen schon der Faktor 6,25 reichlich hoch sein. Jedenfalls empfiehlt es sich,
im Untersuchungsbericht den verwendeten Faktor stets anzugeben.

2. Für die Trennung und Bestimmung der durch die Reifung ge-
bildeten löslichen Stickstoff-Verbindungen haben L. L. van Slyke und
E. B. Hart2) Verfahren ausgearbeitet, auf die hier nur verwiesen werden kann.
Vergl. ferner auch S. 208 u. ff.

*) Vergl. Milch-Ztg. 1898, 27, 449; 1903, 32, 65 u. 147; 1904, 38, 353, 433 u. 500;
Referate in Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1899, 2, 242; 1904, 7,
409 u. 410; 1906, 9, 569—570.

2)	Amer. Chem. Journ. 1903, 29, 150; Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u.
Genußmittel 1906, 9, 168.
        <pb n="533" />
        ﻿Käse.

509

4.	Bestimmung des Milchzuckers. Der Milchzucker wird meistens aus der
Differenz der Summe von (Wasser -j- Kasein Fett + Salze) von 100 angenommen.
"Wenn derselbe direkt bestimmt werden soll, so muß die Käsemasse zuerst entfettet
werden; man zieht deshalb eine bestimmte Menge (etwa 5 g) besonders mit Äther
aus oder verwendet einen aliquoten Teil (etwa die Hälfte) der bei der Fettbestimmung
erhaltenen entfetteten Masse, zieht diese mit Wasser aus, bringt auf ein bestimmtes
Volumen und bestimmt in einem aliquoten Teil des wässerigen Auszuges den Milch-
zucker wie bei Vollmilch (S. 470).

5.	Bestimmung der freien Säure (Milchsäure). „10 g Käsemasse werden
mehrmals mit Wasser ausgekocht, die Auszüge vereinigt, filtriert und auf 200 ccm
aufgefüllt. In 100 ccm der Flüssigkeit titriert man nach Zusatz einiger Tropfen
einer alkoholischen Phenolphthaleinlösung die freie Säure mit 1/10 Normal-Alkalilauge.
Die Säure des Käses ist auf Milchsäure zu berechnen; 1 ccm 1j10 Normal-Alkalilauge
entspricht 0,009 g Milchsäure.“

ß. Bestimmung der Mineralstoft'e. 1. Die Bestimmung der Gesamt-
Mineralstoffe geschieht wie üblich durch vorsichtiges Veraschen von etwa 5—10 g
Käse nach S. 471.

Um das namentlich bei fettreichen Käsen beim Veraschen eintretende Spritzen zu
vermeiden, empfiehlt A. Kirsten1) ein am Bande umgebogenes aschenfreies Filter in die
Platinschale über den Käse zu legen.

2.	Den Gehalt an Kochsalz bestimmt man in der wässerigen Lösung der
Asche oder einem aliquoten Teil derselben durch Titration des Chlors mit 1/l0
N.-Silberlösung, indem man die Asche in Wasser löst, die Lösung auf ein bestimmtes
Volumen bringt und hiervon einen aliquoten Teil nimmt.

3.	Einen etwaigen Zusatz von „Käsereifen“, welche neben Kochsalz vor-
wiegend aus Natriumkarbonat bezw. Natriumbikarbonat bestehen, wird man, wenn
nennenswerte Mengen davon zugesetzt sind, in der Weise nachzuweisen suchen,
daß man neben dem Chlorgehalte auch den Natrongehalt bestimmt und ermittelt,
oh ein wesentlicher Überschuß an Natron vorhanden ist.

7.	Untersuchung des Käsefettes auf Reinheit.

A, Abscheidung des Fettes aus dem Käse. Soll das Käsefett auf Reinheit,
d- h. daraufhin untersucht werden, ob es reines Milchfett oder ein Gemisch von
diesem mit Fremdfetten ist, oder endlich, oh es fast ganz aus Fremdfetten besteht,
fo muß man eine größere Menge desselben aus dem Käse darstellen. Hierzu sind
in dem letzten Jahrzehnt eine große Anzahl von Verfahren vorgeschlagen worden.
K. Windisch2) hat dieselben in einer eingehenden Arbeit kritisch auf ihre Brauch-
barkeit geprüft und kommt darin zu dem Ergebnisse, daß, falls es sich um das
Studium der Veränderungen des Fettes beim Reifen des Käses handelt, man das
Cesamtfett nach dem Säure-Verfahren (vergl. c S. 510 und oben S. 507) abscheiden
hnd zur Untersuchung verwenden muß.

Zur Untersuchung des Käsefettes auf Reinheit dagegen darf man
^hr die neutralen Käsefette verwenden, da diese im reifen und überreifen Käse
1111 wesentlichen die gleiche Zusammensetzung8) haben, wie im frischen Käse.

Zur Gewinnung des Neutralfettes kann man dieses unmittelbar nach den
erfahren a und b abscheiden oder aber zunächst die sauren Fette nach den Ver-

l) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1898, 1, 761.
tt +	^ Arb. d- Kaiser!. Gesundh.-Amt. 1900, 17, 281—440; Autoreferat in Zeitsohr. f.

Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1901, 4, 1146—1150.

,!) Nur in vollständig verdorbenen und ungenießbaren Käsen trifft dies nicht zu.
        <pb n="534" />
        ﻿510

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

fahren c und d ahscheiden und diese alsdann neutralisieren. Die brauchbarsten
Verfahren sind folgende:

a)	Verfahren von A. Devarda.1) 50—100 g des von der Rinde befreiten
Käses werden in kleine Stücke geschnitten — wohl besser auf einer Reibe zer-
rieben — oder mit wenig Wasser in einer Reihschale verrieben und in einer
Wolfbauerschen Scheideflasche3) mit 50—80 ccm Wasser, 100—150 ccm Äther
und mit 2 Tropfen Phenolphthalein-Lösung versetzt. Das Ganze wird fleißig ge-
schüttelt und so lange mit verdünnter Kalilauge versetzt, bis die wässerige Flüssigkeit
deutlich rot gefärbt bleibt. Darauf wird das Ganze noch einige Male gehörig ge-
schüttelt. Die nach kurzer Zeit sich abscheidende Ätherfettschicht wird abgezogen,
nötigenfalls filtriert und der Äther abdestilliert. Das so gewonnene Fett wird bei
100° getrocknet und, wenn notwendig, nochmals filtriert.

b)	Verfahren von A. Kirsten.8) 50—100 g der zerriebenen, zerdrückten
oder sonstwie zerkleinerten Käsemasse werden (bei wasserarmen Hartkäsen unter
Zusatz von etwas Wasser) in einer großen Reibschale mit Äther zu einem dünnen
Brei zerrieben. Gleichzeitig wird zur Neutralisation der freien Säure so viel stark
verdünnte Kalilauge zugegeben, bis eine deutlich alkalische Reaktion4) nachweisbar
ist. Der Brei wird in Soxhletsche Schüttelflaschen gefüllt und in diesen durch
kräftiges Umschütteln mit mehrmals erneuerten Äthermengen versetzt, die mindestens
4/2 Stunde mit der Käsemasse in Berührung bleiben. Zur besseren Abscheidung
der Ätherfettlösung kann man die Flaschen in der Soxhl et sehen Handschleuder
(vergl. S. 456) zentrifugieren. Trübe Fettlösungen werden filtriert, der Äther ab-
destilliert und das Fett unter schwachem Durchleiten von trocknem Wasserstoff
bei 100° getrocknet.

c)	Verfahren von K. Windisch.5) 60—100 g zerkleinerte Käsemasse
werden in einer Reibschale mit der l4/2—2-fachen Menge Salzsäure vom spezifischen
Gewicht 1,125 zerrieben, die Mischung in ein Becherglas übergeführt und im
kochendem Wasserbade erhitzt, bis das Fett sich als klare ölige Schicht an der
Oberfläche der braunen bis violetten Flüssigkeit abgeschieden hat. Darauf stellt
man das Becherglas in eiskaltes Wasser, bis das Fett erstarrt ist, hebt die Fett-
scheibe heraus, spült sie mit kaltem Wasser gut ah, bringt sie in eine Porzellan-
schale, gibt zur Entfernung etwa in dem Fette enthaltener kleiner Mengen Salz-
säure Wasser hinzu, erwärmt bis zum Schmelzen des Fettes und rührt Wasser
und Fett mit einem Glasstabe leicht durcheinander. Man läßt das Fett wieder er-
starren, hebt die Fettscheibe ab, trocknet sie mit Filtrierpapier sorgfältig ab,
schmilzt sie und filtriert das getrocknete Fett durch ein trocknes Filter.

Auf diese Weise erhält man das Neutralfett einschl. der im Käse vorhandenen
freien und der darin in Form von Seifen vorhandenen Fettsäuren. Um das für
die Prüfung auf Reinheit allein zu untersuchende Neutralfett zu erhalten, löst
man das erhaltene Fett in Alkohol und Äther, setzt einige Tropfen alkoholischer
Phenolphthaleinlösung hinzu und versetzt die Lösung unter starkem Umschütteln

4) Zeitschr. f. analyt. Chem. 1897, 36, 751.

2)	Diese Flasche hat in der Mitte eine starke Einschnürung und besteht somit gleich-
sam aus zwei verbundenen Kugeln.

3)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1898, 1, 742.

4)	In der Vorschrift ist nicht angegeben, wie dieselbe nachgewiesen werden soll; da
die Beschreibung des Verfahrens sich in der Arbeit von A. Kirsten unmittelbar an das
Devardasche Verfahren anschließt, so darf wohl angenommen werden, daß auch hier
2 Tropfen Phenolphthaleinlösung zugesetzt werden sollen.

5)	Arb. d. Kaiserl. Gesundh.-Amt. 1898, 14, 554 und 1900, 17, 281.
        <pb n="535" />
        ﻿Käse.

511

oder Rühren so lange mit wässeriger Kalilauge, bis alle Fettsäuren neutralisiert
sind, wobei meist 2 Schichten entstehen, da die zuzusetzende Kalilaugemenge durch-
weg sehr beträchtlich ist. Alkohol und Äther dunstet man darauf auf dem Wasser-
bade bei möglichst niedriger Temperatur ab, kühlt dann stark, hebt den erstarrten
Neutralfettkuchen ab, trocknet ihn mit Filtrierpapier, schmilzt das Fett bei niedriger
Temperatur und filtriert es durch ein trocknes Filter.

d)	Abscheidung durch Erwärmen. „200—300 g zerkleinerte Käsemasse
werden im Trockenschranke auf 80—90° erwärmt. Nach einiger Zeit schmilzt das
Käsefett ab; es wird abgegossen und durch ein trocknes Filter filtriert.“ Für
die Untersuchung auf Reinheit muß aus dem so erhaltenen Fette zunächst nach
der unter c angegebenen Weise das Neutralfett dargestellt werden.

Bei diesem Verfahren, welches nur bei fetten und überfetten Käsen gute Ergebnisse
liefert, erhält man nur einen Teil des Gesamtfettes; auch eignet es sich im allgemeinen
besser für Hartkäse als für Weichkäse.

B. Untersuchung des Käsefettes. „Das Käsefett wird nach denselben Grund-
sätzen wie Butterfett untersucht. Handelt es sich um Margarinekäse, so ist noch
folgende Prüfung des Käsefettes auszuführen:

Schätzung des Sesamölgehalts des Käsefettes.

1 ccm Käsefett wird mit 9 ccm Baumwollsamenöl, das, nach dem unten S. 557
beschriebenen Verfahren geprüft, mit Furfurol und Salzsäure keine Rotfärbung
gibt, vermischt. Man prüft die Mischung nach dem unten S. 556 angegebenen
Verfahren auf Sesamöl. Hat das Käsefett den vorgeschriehenen Gehalt an Sesamöl
von der vorgeschriebenen Beschaffenheit, so muß die Sesamölreaktion noch deutlich
eintreten.“

8.	Nachweis von sonstigen Beimengungen.

a)	Fremde Farbstoffe. Beim Käse pflegen dieselben Farbstoffe wie bei
Kutter — nur werden sie beim Käse in alkalischer Lösung, bei Butter dagegen
in Öllösung zugesetzt — angewendet zu werden; auch kann der Nachweis in
ähnlicher Weise erfolgen wie bei Butter (vergl. weiter unten S. 662).

b)	Kupfer, Blei, Zink usw., die unter Umständen aus den Herstellungs-
Sefäßen oder durch die Verpackung in den Käse geraten können, lassen sich durch
Einäschern unter Zusatz von Soda und Salpeter, Lösen der Asche in Salpetersäure
0(ler Salzsäure, Fällen mit Schwefelwasserstoff usw. nachweisen.

Zum Nachweis und zur Bestimmung von Kupfer und Zink kann man die
Käsemasse auch mit Vorteil durch Erhitzen mit konzentrierter Schwefelsäure und
Salpetersäure zerstören und in der so gewonnenen Lösung diese Metalle in üblicher
weise bestimmen (vergl. S, 203).

c)	Fremde mineralische Zusätze (Gips, Kreide usw.), welche früher als
Verfälschungsmittel des Käses hier und da Verwendung gefunden haben sollen, er-
nennt man durch Untersuchung der Asche, die bei reinem Käse neben Kochsalz
Vorwiegend nur phosphorsauren Kalk enthält.

Ebenso wird man zum Nachweise der sog. Käsereifen (vergl. oben S. 509)
,lfte ausführliche Aschen-Untersuchung ausführen und dabei insbesondere das Ver-
hältnis von Chlor zum Natrium in Rücksicht ziehen müssen.

d)	Mehl bezw. Kartoffelbrei. Zu ihrem qualitativen Nachweis wird die
Zerriebene Käsemasse entfettet, dann mit Wasser ausgezogen und der Rückstand
unter Zusatz von Jodlösung unter dem Mikroskop untersucht.
        <pb n="536" />
        ﻿512

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Die quantitative Bestimmung der Stärke erfolgt im entfetteten Rückstände
nach den oben (S. 239) angeführten Verfahren. Besonders dürfte sich für die
Bestimmung des Stärkegehaltes im Käse das Mayrhofersche Verfahren (S. 241)
eignen, hei dem eine vorherige Entfettung der Käsemasse nicht erforderlich ist.

e)	Käsegift. C. Vaughan1) hat aus Käsen, deren Genuß die Erkrankung von
300 Personen zur Folge gehabt hatte, durch Ausziehen mit Alkohol und Verdampfen des
letzteren bei niedriger Temperatur nadelförmige Kristalle dargestellt, welche auf der
Zungenspitze eine scharfe, brennende Empfindung, Trockenheit und Konstriktion im
Schlunde, sowie Diarrhoe hervorriefen. Er stellte einen wässerigen Auszug aus dem Käse
her, versetzte mit Natronlauge im Überschuß, schüttelte mit Äther durch, ließ diesen in der
Kälte verdunsten, löste den Rückstand in Wasser und schüttelte abermals mit Äther durch;
beim Verdunsten dieses Ätherauszuges im Vakuum hinterblieben dieselben nadelförmigen
Kristalle, welche die obigen Wirkungen hervorriefen. Wurde der wässerige Auszug ver-
dunstet, so wirkte der Rückstand nicht giftig; mithin scheint das Gift bei oder unter
100° flüchtig zu sein. Diese Kristalle gaben keine Alkaloidreaktion.

L.	Dokkum2) und Lepierre3) wollen dagegen in giftigen Käsen ptomainähn-
liche Körper nachgewiesen haben, welche wie die Ptomaine Alkaloidreaktion zeigten.

9.	Bakteriologisch-mikroskopische Untersuchung (Nachweis von Käsefehlern).

Die Käsekrankheiten (Käsefehlerl lassen sich, sofern sie nicht durch äußerliche
Färbung sich kundgeben, nur durch den Nachweis des Erregers mittels bakteriologisch-
mikroskopischer Untersuchung erkennen und, feststellen; bezüglich letzterer muß auf die
bakteriologischen und milchwirtschaftlichen Sonderwerke verwiesen werden.

Anhaltspunkte für die Beurteilung des Käses.

1.	Nachweis von fremden Fetten (Margarinekäse). Hierfür sind im
allgemeinen die für die Beurteilung des Butterfettes in Frage kommenden Gesichts-
punkte maßgebend. Die Untersuchungen sind stets an den Neutralfetten
des Käses (vergl. oben S. 509) anzustellen. Diese haben bei reinen Käsen im
reifen Zustande nach K. Windisch4) annähernd dieselbe Zusammensetzung (Reichert-
Meißlsche Zahl, Verseifungszahl, Eefraktometerzahl, Jodzahl) wie das Fett des
frischen Käses, bezw. der zur Herstellung des Käses verwendeten Milch.5) Die
sauren Käsefette (vergl. oben S. 507 u. 510) dagegen zeigen bei reifen Käsen eine
beträchtliche Erniedrigung der Reichert-Meißlschen Zahl, Verseifungszahl und
Refraktometerzahl und eine starke Erhöhung der Jodzahl gegenüber dem Fette der
betreffenden frischen Käse.

Da bei vorschriftsmäßig hergestellten Margarinekäsen in Deutschland usw.
das verwendete Fett 5 °/0 Sesamöl enthalten muß, so kann auch der Nachweis
des Sesamöles durch die Furfurol-Reaktion (vergl. unten S. 556) zur Erkennung
von Margarinekäsen dienen.	»

2.	Rahm-, Fett-, Halbfett- und Magerkäse. Zur Entscheidung der
Frage, ob zur Herstellung eines Käses Rahm bezw. Gemische von Rahm und Voll-
milch oder Vollmilch oder Magermilch bezw. Gemische von Vollmilch und Mager-
milch gedient haben, ist das Verhältnis von Stickstoff-Substanz zum Fett maßgebend.

U Zeitschr. f. physiol. Chemie 1886, 10, 146 und Ghem. Centralbl. 1886, 70 und 405.

2)	Nederl. Tijdschr. Pharm. 1894, 6, 213; Chem. Centralbl. 1894, II, 485.

3)	Milch-Ztg. 1894, 23, 591.

4)	Arb. d. Kaiserl. Gesundh.-Amt. 1900, 17, 281.

5)	Nur bei völlig verdorbenen und ungenießbaren Käsen trifft dies nicht mehr zu.
        <pb n="537" />
        ﻿Labpräparate.

513

Da im Vollmilchkäse (Fettkäse) der Fettgehalt etwas höher oder gleichhoch zu sein pflegt
wie der Gehalt an Stickstoff-Suhstanz, so ist Halbfett- oder Magerkäse als vorliegend
anzusehen, wenn im fraglichen Käse der Gehalt an Fett geringer ist als der an
Stickstoff-Suhstanz. In Rahmkäsen muß der Fettgehalt beträchtlich höher sein als
der Gehalt an Stickstoff-Suhstanz.

3.	Als verfälscht sind Käse anzusehen, welche Zusätze von stärkemehlhaltigen
Stoffen (Kartoffelbrei und dergl.) erhalten haben, ohne daß dies deutlich bezeichnet
ist oder aus der Art des Käses hervorgeht. An anorganischen Zusätzen darf der
Käse nur Kochsalz erhalten; etwaige Zusätze von Gips, Kreide usw., die allerdings
wohl zu den Seltenheiten gehören dürften, sind natürlich als Fälschungen zu be-
zeichnen.

4.	Die mit den Krankheiten (Fehlern) behafteten Käse, wie Mauer
(S. 505, No. 3), roter (No. 4), mißfarbener (No. 5) und bitterer (No. 7) Käse, sind
als minderwertig bezw. verdorben zu bezeichnen.

5.	Bei der Beurteilung des Reifungsgrades der Käse ist zu beachten,
daß bei den verschiedenen Käsesorten im genußfähigen Zustande und auch bei den
einzelnen Sorten in verschiedenem Reifungsgrade innerhalb weiter Grenzen schwankende
Mengen löslicher Stickstoff-Verbindungen vorhanden sind, so daß diese im allgemeinen
keinen zuverlässigen Maßstab für die Beurteilung des Käses abgeben.

V.	Untersuchung der Labpräparate.

Die Wirkung der Labpräparate ist abhängig von der Temperatur, der Labmenge
und der Beschaffenheit der Milch.

Das ursprünglich von Fr. Soxhlet ausgearbeitete, dann von W. Fleischmann )
veränderte Verfahren zur Untersuchung der Labpräparate auf ihren Wirkungswert hat außer
durch eine Reihe anderer Forscher von A. Devarda-) eine weitere Ergänzung und Verbesserung
erfahren, die vorwiegend darin beruhen, daß letzterer für diese Untersuchung nicht nur
stets eine normale Mischmilch, sondern auch die Anwendung eines Kontrolllabs verlangt,
dessen Wirkungswert ein- für allemal unter Berücksichtigung gewisser Vorsichtsmaßregeln
testgestellt wurde. Hierdurch soll die erforderliche Unabhängigkeit von der stets
schwankenden Beschaffenheit der Milch erreicht werden.

A. Devarda verfährt wie folgt;

200 ccm frische normale Kuhmilch werden in einen etwa 300 ccm fassenden Was-
kolben gebracht und zunächst auf 35° vorgewärmt, hierauf mit 2 ccm der Lablösung ver-
setzt und sogleich unter gleichzeitigem sanftem Schütteln des Kolbens die Zeit notiert,
w°zu man sich einer genauen Sekundenuhr (am besten mit arretierbarem Sekundenzeiger)
?u bedienen hat. Man senkt nun ein Thermometer in die Milch ein und stellt den Kolben
ln ein auf etwa 36» erwärmtes Wasserbad, worauf man fortwährend durch langsames
Banftes Neigen des Kolbens die Art des Abrinnens der Milch an der Glaswand beobachtet
Und fortan fest im Auge behält. Die Milch wird nach einigen Minuten dickflüssig und
an der Glaswand käsig und fadenziehend abrinnen. Da diese Erscheinung immer plötzlich
eintritt, so ist dieselbe mit der Uhr in der Hand und möglichst scharf festzustellen.
Wahrend der ganzen Einwirkungszeit muß die Milch genau die Temperatur von 35° haben.
tyi.. Betreffs der Stärke in welcher die Lablösungen bei dem Versuche anzuwenden sind,
m°8en folgende Regeln gelten:

0An a) Bei Labflüssigkeiten verdünnt man 10 ccm Labflüssigkeit mit Wasser auf
ccm.

k) Bei Labpulvern werden genau abgewogene 1,25 g des Pulvers mit Wasser auf
uu ccm gelöst.

') W. Fleischmann, Das Molkereiwesen, 1875, S. 757.

') Landw. Versuchs-Stationen 1896, 47, 401.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3, Auflage.	33
        <pb n="538" />
        ﻿514

Milch und Molkerei-Erzeugnisse.

Die allgemeine Formel zur Berechnung des Wirkuugswertes geht unter Benutzung
der Lösungen von den vorgeschriebenen Konzentrationen über in:

iur die Labflussigkeit w =--------7—

t

,	T K 1	640000

und tur Labpulver w = -

t

1.	Eigenschaften, Titerstellung und Anwendung des Kontrolllabs. Als
Kontrolllab wählt man zweckmäßig ein gutes Labpulverpräparat des Handels von mittlerer
Stärke. Dasselbe soll homogen und vollkommen trocken sein, nur geringe Mengen von
Mineralstoffen enthalten und sich in Wasser klar auflösen. In einem gut verschlossenen
Glase im Dunkeln aufbewahrt, darf dasselbe auch nach ein bis zwei Jahren weder eine
Änderung in der Zusammensetzung, noch in seiner Stärke zeigen. Sehr zu empfehlen ist
es, immer ein Kontrolllab von annähernd gleicher Stärke zu wählen. Devarda benutzte
zu diesem Zwecke stets ein Labpulver von der Stärke 100000 (Gerinnungszeit etwa
6 Minuten), welches aus einem viel stärkeren Labpräparate durch Verdünnen mit ge-
pulvertem Zucker (Raffinade) hergestellt wurde. Die Lablösungen müssen unbedingt
jedesmal frisch bereitet werden.

2.	Für die Bestimmung des Wirkungswertes des Kontrolllabs (Titer) ist
eine normale Milch unbedingt notwendig, und zwar eine „Mischmilch“, die einem Stalle
mit größerem Yiehstande entnommen wird, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die
Milch nur von gesunden Kühen, welche rationell gefüttert und in den verschiedenen Stufen
der Laktation sich befinden, verwendet werden darf. Die Milch solcher Kühe, welche
kurze Zeit vor oder nach dem Abkalben stehen, ist dabei auszuschließen. Von der mit
aller Sorgfalt und Reinlichkeit gemolkenen und gesammelten Mischmilch wird nun ein
Durchschnittsmnster von etwa 1 1 entnommen und sofort auf 16° abgekühlt. Erst nachdem
dieselbe durch wiederholtes Dmgießen von der Kohlensäure befreit und gleichmäßig gemengt
ist, wird diese Milch zur Labprüfung verwendet.

Eine wenn auch nur wenige Stunden alte Milch ist für die Prüfung des
Kontrolllabs zu verwerfen.

Als endgültigen Wirkungswert eines Kontrolllabs nimmt man das Mittel von
wenigstens 12 Bestimmungen an, welche mit Frühmilch zu verschiedener Zeit, jedoch
unter den gleichen Bedingungen ausgeführt wurden.

Ist der richtige Wirkungswert des Kontrolllabs einmal festgestellt (Titer des
Kontrolllabs), so wird dasselbe jedesmal benutzt, wenn es sich um die Bestimmung des
Wirkungswertes eines unbekannten Labpräparates handelt, und zwar ebensowohl bei An-
wendung einer normalen als anormalen Milch.

3.	Bestimmung des Wirkungswertes der Labpräparate des Handels
unter Anwendung des Kontrolllabs. Sowohl von dem Versuchslab als auch von dem
Kontrolllab werden jedesmal frische Lösungen, und zwar von den früher angegebenen
Stärken bereitet und unter Anwendung einer und derselben Milch die entsprechenden
Gerinnungszeiten bestimmt. Die mit dem Versuchs- und dem Kontrolllab vorgenommenen
Bestimmungen sind immer unter den ganz gleichen Bedingungen auszuführen, wie es bei
der ursprünglichen Titerstellung des Kontrolllabs geschah.

Bezüglich der für solche Bestimmungen zu benutzenden Milch ist folgendes zu
bemerken: Ist die verfügbare Milch eine bestimmt reine und zugleich frisch gemolkene
und die Stärke der beiden Lablösungen nicht zu weit voneinander verschieden, dann sind
die mit den beiden Lablösungen gefundenen Gerinnungszeiten wirklich proportional und
vergleichbar. In allen anderen Fällen, welche in der Praxis am meisten Vorkommen,
nämlich wenn über die Reinheit und Frische der Milch nicht die volle Sicherheit herrscht,
ist die Versuchsmilch vorher bei 75—80° durch 1/2— 3/4 Stunden zu sterilisieren, weil nur
dann die mit den beiden Lablösungen erhaltenen Ergebnisse vergleichbar sind. ,

Wenn mit einer beliebigen Milch unter Berücksichtigung der obigen Bedingungen
sowohl der Wirkungswert des Versuchslabs als auch des Kontrolllabs festgestellt wurde,
dann geschieht das Richtigstellen des ersteren nach folgender einfachen Proportion:
        <pb n="539" />
        ﻿Labpräparate.

515

W, Wj seien die für Normalmilch geltenden Wirkungswerte des Kontroll- bezw.
Versuchslabs und t, tt die mit einer anormalen Milch für das Kontroll- bezw. Versuchslab
gefundenen Gerinnungszeiten, so ist:

für Labpulver Wx —• W ——

L

und für Labfltissigkeiten W1 = W=^-.

8

Hat man die Labstärke einer Labessenz (bezw. eines Lahpulvers) ermittelt und will
wissen, wieviel davon zur Dicklegung einer bestimmten Menge Milch (etwa 500 1) er-
forderlich ist, so verfährt man wie folgt:

Ist die Labstärke bei 35° in 40 Minuten zu 11268 gefunden, so ist 11268 :1 = 500: x
(x = 0,044 1), d. h. man gebraucht zur Dicklegung von 600 1 Milch von dieser Labessenz
44 ccm.

Will mau in 20 Minuten dioklegen, so muß man die doppelte Menge Lab auwenden.
Wird das Dicklegen bei anderen Temperaturen als bei 35° bewirkt, so muß die Labstärke
hierfür besonders bestimmt werden.

Die Kosten des Dicklegens von etwa 1000 1 Milch bei 35° in 40 Minuten bei
einem Preise der Labflüssigkeit von 2 M. für 1 1 erfährt man, wenn die Labstärke wie
oben 11268 ist, nach der Gleichung:

11268 :1000 = 200 : y (y = 17,7 Pf.),

4-	h. die Dicklegung von 1000 1 Milch bei 35° in 40 Minuten kostet 17,7 Pf.

L. Lindet1) hat neuerdings ein Verfahren zur Schätzung der Menge des durch
hab koagulierbaren Kaseins bei der Käsebereitung vorgeschlagen, auf das hier
nur verwiesen werden kann.

Ar i, ^ Assoc. Chim. Sucr. et Distill. 1902, 19, 1061; Zeitschr. f. Untersuchung d.
ftahrungs- und Geuußmittel 1903, 6, 234.
        <pb n="540" />
        ﻿Speisefette und -öle

Für Speisezwecke finden sowohl Fette und öle des Tierreiches wie des
Pflanzenreiches Verwendung.

Sie bestehen aus den Triglyzeriden der Fettsäuren; von letzteren herrschen
Palmitinsäure, Stearinsäure, Ölsäure, Linolsäure (Leinölsäure) am meisten vor.
Während man his vor kurzem annahm, daß die Triglyzeride vorwiegend als ein-
fache, d. h. als Tripalmitin, Tristearin, Triolein usw. vorhanden seien, haben
neuere Untersuchungen zu dem Ergebnis geführt, daß in den natürlichen Fetten
auch gemischte Triglyzeride verschiedener Zusammensetzung Vorkommen, z. B.
Palmitodistearin im Einds- und Hammeltalg, Heptadekyldistearin im Schweinefett,
Oleodiheptadekylin im Olivenöl, Oleopalmitostearin im Kakaofett usw.

Mono- und Diglyzeride sind bisher in den frischen natürlichen Fetten nicht
mit Bestimmtheit nachgewiesen worden; sie kommen aber wahrscheinlich in
ranzigen Fetten und Ölen vor. Außer dem Glyzerin enthalten alle natürlichen
Fette imd öle noch geringe Mengen von aromatischen Alkoholen (Cholesterin,
Phytosterin).

Die tierischen Fette bestehen aus Triglyzeriden, in denen Palmitin-,
Stearin- und Ölsäure vorherrschen; neben diesen kommen in verschiedenen Fetten
geringe Mengen Linolsäure und im Butterfett noch erhebliche Mengen von
Glyzeriden niederer Fettsäuren (Buttersäure, Kapron-, Kapryl-, Kaprinsäure) vor.
Sämtliche tierischen Fette (einschl. des Butterfettes) enthalten ferner
geringe Mengen (0,1—0,5 °/0):l) Cholesterin und kein Phytosterin.

Die pflanzlichen Fette bestehen vorwiegend aus Triglyzeriden, in denen
Ölsäure, Linolsäure und Linolensäure neben Palmitin- und Stearinsäure vorherrschend
sind; neben diesen finden sich in den verschiedenen Fetten und Ölen noch besondere
Fettsäuren, z. B. Kapron-, Kapryl-, Kaprinsäure und Laurinsäure im Kokosfett,
Arachin- und Lignocerinsäure im Erdnußöl, Eapin- und Erucasäure im Eüböl.
Alle pflanzlichen Fette enthalten ferner mehr oder minder geringe
Mengen (0,2—1,2 °/0)* 2) Phytosterin.

Bei dieser großen Ähnlichkeit jn der Zusammensetzung der Fette des Tier-
und Pflanzenreiches ist es im allgemeinen nicht möglich, geringe Mengen eines
Fettes in einem Fettgemische nachzuweisen, geschweige denn seine Menge genau
zu bestimmen. Nur lassen sich auf Grund des Phytosteringehaltes selbst geringe
Mengen der meisten Pflanzenfette in Tierfetten bestimmt nachweisen und einzelne

*) Einschließlich geringer Mengen von Farbstoffen usw. Im Lebertran fand
A. Bömer 0,8 °/0 und im Eieröl sogar 4,5 °/0 Cholesterin.

2) Diese Zahlen beziehen sich auf den Gesamtgehalt an unverseifbaren Bestand-
teilen; letztere enthalten aber bei manchen Ölen nicht unwesentliche Mengen von Farbstoffen
und sonstigen z, TI. nicht kristallisierenden Verbindungen.
        <pb n="541" />
        ﻿Allgemeine Verfahren der Fettuntersuchung.	527

Farben-Eeaktionen lassen geringe Mengen gewisser Öle in Gemischen bestimmt
erkennen.

Eine große Zahl der Verfahren der Fettuntersuchung sind sog. quan-
titative Reaktionen, d. h. quantitative Bestimmungen oder Messungen bestimmter
physikalischer oder chemischer Eigenschaften der Fette, aus denen ein Schluß
auf die qualitativen Eigenschaften der betreffenden Fette gezogen werden kann.
Es ist bis jetzt nicht möglich, die Menge eines Fettes in einem Fettgemische
mit hinreichender Genauigkeit quantitativ zu bestimmen, sofern nicht die Bestand-
teile des betreffenden Gemisches selbst vorliegen, denn außer der großen Ähnlichkeit
vieler Fette verschiedenen Ursprungs treten auch bei den Fetten einer und derselben
Tier- oder Pflanzenart sehr beträchtliche Schwankungen in der Zusammensetzung
und den dadurch bedingten Eigenschaften auf.

Da eine große Anzahl von Verfahren zur Unterscheidung der verschiedensten
Fette angewendet wird und sich daher vielfach wiederholt, so mögen diese all-
gemeinen Verfahren der Fettuntersuchung hier zunächst im Zusammenhänge auf-
geführt werden.

Allgemeine Verfahren der Fettuntersuchung.1)

Für sämtliche im nachfolgenden beschriebenen Verfahren ver-
wendet man das gereinigte, wasserfreie, klare Fett. Feste Fette werden
vorher bei möglichst niedriger Temperatur geschmolzen und ebenso wie
die flüssigen Fette, sofern diese nicht vollkommen klar sind bezw.
heim schwachen Erwärmen klar werden, durch Filtrierpapier filtriert.

Die Verfahren der Untersuchung zerfallen in physikalische und chemische.

A. Physikalische Untersuchungsverfahren,

1.	Bestimmung des spezifischen Gewichtes.

Die spezifischen Gewichte der Fette und öle zeigen durchweg nur sehr
geringe Unterschiede und können nur in den seltensten Fällen zur Unterscheidung
oder Feststellung der Reinheit eines Fettes dienen.

Bei flüssigen Fetten geschieht die Bestimmung des spezifischen Gewichtes
mittels des Pyknometers bei 15° (vergl. unter Milch S. 449).

Bei festen Fetten bestimmt man das spezifische Gewicht zweckmäßig bei
100° nach dem Verfahren von E. Königs oder Wolkenhaar.

E. Königs füllt zu dem Zweck ein weites Eeagensrohr mit dem klaren Fett,
hängt das Rohr bis fast zur Mündung in ein Wasserbad, erhitzt dieses zum Kochen
und bestimmt das spezifische Gewicht mit Hilfe eines eigens konstruierten Aräo-
meters,2) welches mit einer Skala von 0,845—0,870 versehen ist.

D Soweit die Untersuchungsverfahren der auf Grund des §12 des Reichsgesetzes
hetr. den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und deren Ersatzmitteln vom

15.	Juni 1897 vom Bundesrate erlassenen „Anweisung zur chemischen Untersuchung von
Fetten und Käsen“ vom 1. April 1898 (Zentrbl. f. d. Deutsche Reich 1898, 26, 201) ent-
nommen sind, haben wir sie durch „Anführungszeichen“ mit dem Zusatz „Margarine-
Gesetz,“ und soweit sie der Anlage d der Ausführungsbestimmungen D vom 30. Mai 1902
zum Reichsgesetz betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900
(Beilage zu No. 22 [1902] des Zentrbl. f. d. Deutsche Reich) entnommen sind, haben wir
sie durch „Anführungszeichen“ mit dom Zusatz „Fleischbeschau-Gesetz“ kenntlich gemacht.

2) Die Senkspindel usw. sind zu beziehen von C. Gerhardt in Bonn.
        <pb n="542" />
        ﻿518

Speisefette und -öle.

Wolken haar1) hat für den Zweck die Westphalsche Wage ahändern
lassen.

E. Wollny2) hat ein zwar genaues aber umständliches Verfahren zur Be-
stimmung des spezifischen Gewichtes fester Fette hei 0 und 15° beschrieben, jedoch
sei bei der geringen Bedeutung dieser Bestimmung für die Beurteilung der Fette
auf die Quelle verwiesen.

Im allgemeinen liegt bei 15—18° das spezifische Gewicht der festen Fette
zwischen 0.900—0,950, das der fetten öle zwischen 0,910—0,930, das der Mineralöle
zwischen 0,85—0,92, das der Harzöle zwischen 0,96—1,00.

2.	Bestimmung des Schmelz- und Erstarrungspunktes.

Über die Bedeutung der Bestimmung des Schmelz- und Erstarrungspunktes
für den Nachweis von Verfälschungen gilt im allgemeinen dasselbe wie für die
Bestimmung des spezifischen Gewichtes. Auch sind die Ergebnisse der Schmelz-
punkt-Bestimmung in beträchtlichem Maße abhängig von dem angewendeten Ver-
fahren.

Bei flüssigen Fetten bestimmte man früher vielfach den Schmelz- und Er-
starrungspunkt der Fettsäuren, die im allgemeinen auch bei festen Fetten
kennzeichnender sind, als die der Fette selbst. Die Fettsäuren können nach dem
weiter unten (S. 528) beschriebenen Hehnerschen Verfahren dargestellt werden.

a)	„Zur Bestimmung des Schmelzpunktes wird das geschmolzene (Butter-)
Fett in ein an beiden Enden offenes dünnwandiges Glasröhrchen von 1/.2—1 mm
Weite von U-Porm aufgesaugt, so daß die Fettschicht in beiden Schenkeln gleich
hoch steht. Das Glasröhrchen wird 2 Stunden auf Eis liegen gelassen, um das
Fett völlig zum Erstarren zu bringen. Erst dann ist das Glasröhrchen mit einem
geeigneten Thermometer in der Weise durch einen dünnen Kautschuks.chlauch zu
verbinden, daß das in dem Glasröhrchen befindliche Fett sich in gleicher Höhe wie
die Queoksilberkugel des Thermometers befindet. Das Thermometer wird darauf
in ein etwa 3 cm weites Probierröhrchen, in welchem sich die zur Erwärmung
dienende Flüssigkeit (Glyzerin) befindet, hineingebracht und die Flüssigkeit erwärmt.
Das Erwärmen muß, um jedes Überhitzen zu vermeiden, sehr allmählich geschehen.
Der Augenblick, da das Fettsäulchen vollkommen klar und durchsichtig geworden,
ist als Schmelzpunkt festzuhalten.“ (Margarine-Gesetz.)

b)	„Zur Ermittelung des Erstarrungspunktes bringt man eine 2—3 cm
hohe Schicht des geschmolzenen (Butter-) Fettes in ein dünnes Probierröhrchen oder
Kölbchen und hängt in dasselbe mittels eines Korkes ein Thermometer so ein, daß
die Kugel desselben ganz von dem flüssigen Fette bedeckt ist. Man hängt alsdann
das Probierröhrchen oder Kölbchen in ein mit warmem Wasser von 40—50° ge-
fülltes Becherglas und läßt allmählich erkalten. Die Quecksilbersäule sinkt nach
und nach und bleibt bei einer bestimmten Temperatur eine Zeitlang stehen, um
dann weiter zu sinken. Das Fett erstarrt während des Konstantbleibens; die dabei
herrschende Temperatur ist der Erstarrungspunkt.

Mitunter findet man bis zum Anfänge des Erstarrens ein Sinken der Queck-
silbersäule und alsdann während des vollständigen Erstarrens wieder ein Steigen.
Man betrachtet in diesem Falle die höchste Temperatur, auf welche das Queck-
silber während des Erstarrens wieder steigt, als den Erstarrungspunkt.“ (Margarine-
Gesetz.)

*) Repertorium f. analyt. Chemie 1885, II, 236.

2) Milchztg. 1888, 17, 549.
        <pb n="543" />
        ﻿Bestimmung des Schmelz- und Erstarrungspunktes.

519

c)	Für die zolltechnische Bestimmung des Erstarrungspunktes des Talges,
der schraalzartigen Fette — ausgenommen Schweine- und Gänseschmalz —, des
Stearins (harter Stearin- und Palmitinsäure-Gemische) und ähnlicher Kerzenstoffe
dient in Deutschland das Verfahren von Finkener,1) der sich des nebenstehenden
Apparates bedient, dessen Einrichtung ohne weiteres verständlich ist. •

„Man bringt 150 g der Durchschnittsprobe des zu untersuchenden Fettes in
einer unbedeckten Porzellanschale auf einem siedenden Wasserbade zum Schmelzen,
läßt sie nach dem Eintritt der Schmelzung mindestens 10 Minuten oder so lange
auf dem siedenden Wasserbade stehen, bis das geschmolzene Fett eine vollständig
klare Flüssigkeit darstellt, und füllt alsdann aus der außen abgetrockneten Schale
Fett in das Kölbchen des Apparates (Fig. 259) bis zur Marke. Das Kölbchen stellt
man, nachdem der Schliff, wenn nötig, abgeputzt und das
Thermometer eingesetzt ist, sofort in den Kasten, klappt den
Deckel desselben zu und fängt, wenn das Thermometer auf
50° gesunken ist, an, den Stand desselben mit Zwischenräumen
von 2 Minuten abzulesen und aufzuschreiben.

Bei harten Fetten fängt das Thermometer nach einiger
Zeit an, langsamer zu fallen, bleibt mehrere Minuten stehen,
steigt wieder, erreicht einen höchsten Stand und sinkt aber-
mals. Dieser höchste Stand ist der Erstarrungspunkt.

Bei weichen Fetten fängt das Thermometer nach
einiger Zeit an, langsamer zu fallen, bleibt mehrere Minuten
auf einem sich nicht ändernden Stand stehen und sinkt dann,
ohne den vorigen dauernden Stand wieder zu erreichen. Der
beobachtete höchste, sich auf einige Zeit nicht ändernde Stand
gibt den Erstarrungspunkt an.

In zweifelhaften Fällen ist die Bestimmung des Er-
starrungspunktes in der Weise zu wiederholen, daß das Fett
direkt im Kolben, nachdem man das Thermometer heraus-
genommen hat, durch Einstellen in das Heißwasserbad abermals
geschmolzen und demnächst nochmals auf seinen Erstarrungs-
punkt geprüft wird.

Eine genaue Regelung der Temperatur des Zimmers,
m welchem die Untersuchung vorgenommen wird, ist, wenn
dieselbe von einer gewöhnlichen Zimmertemperatur nicht sehr
erforderlich. Das Äbkühlen des mit einer Temperatur von
gebrachten Fettes auf 50° dauert etwa 8/4 Stunde.“

Fig. 259.

Vorrichtung zur
Bestimmung des Er-
starrungspunktes von
Talg.

stark abweicht, nicht
100° in den Kolben

In Frankreich, England und Amerika bestimmt man den Erstarrungspunkt der
Fettsäuren („Titertest“) nach dem Verfahren von Dalican.2 * *) Nach diesem werden 100 g
des Fettes verseift und die Fettsäuren durch Erwärmen mit verdünnter Schwefelsäure ab-
geschieden, mit Wasser wiederholt ausgekocht, nach dem Erstarren mit Filtrierpapier ober-
flächlich abgetrocknet, geschmolzen und durch ein trocknes Faltenlilter in eine Porzellan-
schale filtriert. In dieser läßt man sie erstarren und darauf über Nacht im Exsikkator
stehen. Die Fettsäuren werden dann im Luftbade vorsichtig geschmolzen und ein 16 cm
langes und 31/ä om weites Eeagensrohr etwa bis zu 2/a damit gefällt. Das Rohr wird in
dem Halse einer etwa 2 1 fassenden Flasche befestigt und ein in 1/5-Grade geteiltes Thermo-

1)	Zentralbl. f. d. Deutsche Reich 1896, 54 n. 1900, 610; auch v. Buchka,

Nahrungsinittelgesetzgebung, 1901, 71.

") Vergl. Benedikt-Ulzer, Analyse der Fette und Wachsarten. Berlin, J. Springer.

4- Aufl. 1903, 126.
        <pb n="544" />
        ﻿520

Speisefette und -öle.

meter so angebracht, daß der Qnecksilberkörper sich ungefähr in der Mitte der geschmolzenen
Fettmasse befindet. Sobald am Boden des Gefäßes das Fett zu erstarren beginnt, wird mit
dem Thermometer gleichmäßig nach rechts und nach links gerührt, wobei die Pettmasse
durch ausgeschiedene Pettkristalle undurchsichtig wird. Das Thermometer muß während
dieser Zeit genau beobachtet und die Temperatur in kurzen Zwischenräumen aufgesohrieben
werden. Sie sinkt erst etwas, steigt dann ziemlich rasch bis zu einem Höchstpunkte, hält
sich auf demselben einige Zeit und fällt dann wieder. Der so erreichte Höchstpunkt ist
der Erstarrungspunkt.

In Österreich bestimmt man den Erstarrungspunkt nach dem dem Dalicansehen
ähnlichen Verfahren von Wolfbauer,1) bei dem aber die Fettsäuren zwei Stunden bei
100° getrocknet werden.

Die nach Pinken er ermittelten Erstarrungspunkte sind nach Lewko witsch etwas
höher als die nach Dalican bestimmten und die nach Wolfbauer sich ergebenden liegen
noch 0,2—0,3° höher als die nach Pinkener.

8.	Bestimmung des Brechungsindex (Refraktometergrades).

Wenn auch die Hoffnungen, welche man auf die Ermittelung des Brechungs-
vermögens zur Unterscheidung der Fette gesetzt hatte, wegen der wechselnden
Zusammensetzung der einzelnen Fette und der geschickten Fälschungen unserer Zeit
nicht ganz in Erfüllung gegangen sind, so haben doch die Refraktometer zur Be-
stimmung dieses Brechungsvermögens in einigen Fällen eine Bedeutung gewonnen
und darf die Bestimmung des Brechungsindex bezw. des „Refraktometergrades“ als
das einfachste und brauchbarste Verfahren zur Vorprüfung der Fette bezeichnet
werden.

Als Refraktometer2) für allgemeine Untersuchungen sind in Gebrauch das von
Abbe, Pulfrich, Jean und Amagat, während das unter Mitwirkung von
R. Wollny von der Firma C. Zeiß in Jena hergerichtete Butterrefraktometer
zwar in erster Linie zur Prüfung des Kuhbutterfettes auf Reinheit bestimmt war,
aber auch bei der Prüfung der übrigen Fette wertvolle Dienste leistet und fast
allgemeine Anwendung findet. Wir beschränken uns daher hier lediglich auf die
Aufnahme der Beschreibung dieses Refraktometers und seiner Anwendung nach der
amtlichen „Anweisung zur chemischen Untersuchung von Fetten und Käsen“3) vom

1.	April 1898 zum Gesetz betr. den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und deren
Ersatzmitteln vom 15. Juni 1897. Die nachfolgende Anweisung bezieht sich zunächst
auf die Untersuchung des Butterfettes.

*) Vergl. Benedikt-Ulzer, Analyse der Fette und Wachsarten. Berlin, J. Springer.

4.	Aufl. 1903, 126.

2)	Die Refraktometer beruhen alle auf demselben Grundsatz; Wenn a — Einfalls-
winkel, ß = Brechungswinkel bedeutet, so versteht man unter Brechungsverhältnis,
Breohungsindex oder Brechungsexponent n den Quotienten aus dem Sinus des Einfalls-
winkels und dem Sinus des Brechungswinkels, also n =

Wenn das Licht aus Luft in eine bestimmte Flüssigkeit übergeht, so ist dieses Ver-
hältnis immer konstant; wie groß auch der Einfallswinkel (c) sein mag, es ändert sich
nur mit der Natur der Flüssigkeit und bildet eine kennzeichnende Eigenschaft derselben.

Geht das Licht in ein stärker brechendes Medium über, so entspricht jedem Einfalls-
winkel auch ein Brechungswinkel; im umgekehrten Palle vermag bei einem bestimmten
Einfallswinkel der Lichtstrahl nicht mehr in das dünnere Medium überzutreten, sondern
wird in das stärker brechende Medium durch Reflexion zurückgeworfen, d. h. bei einem
bestimmten Winkel vermag das Licht nicht mehr auszutreten, es tritt Totalreflexion ein.

3)	Zentralbl. f. d. Deutsche Reich 1898, 26, 201; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nah-
rungs- und Genußmittel 1898, 1. 439.
        <pb n="545" />
        ﻿Bestimmung des Brechungsindex (Eefraktometergrades).

521

Bestimmung des Brechungsvermögens mit dem Butterrefraktometer1) der Firma Carl Zeiß,

optische Werkstätte ln Jena.

„Die wesentlichen Teile des Butterrefraktometers (vergl. Fig. 260, S. 622) sind zwei Glas-
prismen, die in den zwei Metallgehäusen A und B enthalten sind. Je eine Fläche der beiden
Glasprismen liegt frei. Das Gehäuse B ist um die Achse C drehbar, so daß die beiden freien
Glasflächen der Prismen aufeinandergelegt und voneinander entfernt werden können. Die
beiden Metallgehäuse sind hohl; läßt man warmes Wasser hindurchfließen, so werden die
Glasprismen erwärmt. An das Gehäuse A ist eine Metallhtilse für ein Thermometer M an-
gesetzt. dessen Quecksilbergefäß bis in das Gehäuse A reicht. K ist ein Fernrohr, in dem
eine von 0—100 eingeteilte Skala angebracht ist; J ist ein Quecksilberspiegel, mit Hilfe
dessen die Prismen und die Skala beleuchtet werden.

Zur Erzeugung des für die Butterprüfung erforderlichen warmen Wassers kann die
in Fig. 261 (S. 622) gezeichnete Heizvorrichtung dienen. Der einfache Heizkessel ist mit einem
gewöhnlichen Thermometer Tx und einem sogenannten Thermoregulator Sx mit Gasbrenner Bx
versehen. Der Bohrstutzen Ax steht durch einen Gummischlauch mit einem 1/2—1 m höher
stehenden Gefäße Cx mit kaltem Wasser (z. B. einer Glasflasche) in Verbindung, der Gummi-
schlauch trägt einen Schraubenquetschhahn Ex. Vor Anheizung des Kessels läßt man ihn
durch Öffnen des Quetschhahns E, voll Wasser fließen, schließt dann den Quetschhalm, ver-
bindet das Sohlauehstfick G, mit der Gasleitung und entzündet die Flamme bei Bx. Durch
Drehen an der Schraube Px regelt man den Gaszufluß zu dem Brenner Bx ein für allemal
in der Weise, daß die Temperatur des Wassers in dem Kessel 40—45° beträgt. An Stelle
der hier beschriebenen Heizvorrichtung können auch andere Einrichtungen verwendet
werden, welche eine möglichst gleichbleibende Temperatur des Heizwassers gewährleisten.
Palls eine Gasleitung nicht zur Verfügung steht, behilft man sich in der Weise, daß man
das hochstehende Gefäß Cx mit Wasser von etwa 46° füllt, dasselbe durch einen Schlauch
unmittelbar mit dem Sohlauchstücke D des Kefraktometers verbindet und das warme Wasser
durch das Prismengehäuse fließen läßt. Wenn die Temperatur des Wassers in dem hoch-
stehenden Gefäße Q, bis auf 40° gesunken ist, muß es wieder auf die Temperatur von 45°
gebracht werden.

Dem Kefraktometer werden zwei Thermometer beigegeben; das eine ist ein gewöhn-
liches, die Wärmegrade anzeigendes Thermometer, das andere hat eine besondere, eigens
für die Prüfung von Butter bezw. Schweineschmalz eingerichtete Einteilung. An Stelle der
Wärmegrade sind auf letzterem diejenigen höchsten Kefraktometerzahlen aufgezeichnet,
welche normales Butterfett bezw. Schweineschmalz erfahrungsgemäß bei den betreffenden
Temperaturen zeigen. Da die Befraktometerzahlen der Fette bei steigender Temperatur
kleiner werden, so nehmen die Gradzahlen des besonderen Thermometers, im Gegensätze
zu den gewöhnlichen Thermometern, von oben nach unten zu.

a) Aufstellung des Kefraktometers und Verbindung mit der Heiz-
vorrichtung. Man hebt das Instrument aus dem zugehörigen Kasten heraus, wobei man
nicht das Fernrohr K, sondern die Fußplatte anfaßt, und stellt es so auf, daß man bequem
in das Fernrohr hineinschauen kann. Zur Beleuchtung dient das durch das Fenster ein-
fallende Tageslicht oder das Licht einer Lampe.

Man verbindet das an dem Prismeugchäuse B des ^fraktometers (Fig. 260Ungebrachte
SchlauchsttickD mit dom Kohrstutzen D. des Heizkessels; glemhze'trg schrebt man über das
™ der Metallhülse des Kefraktometers angebrachte Schlauchstuck E einen 'Qu™hlauch
den man zu einem tiefer stehenden leeren Gefäß oder einem Wasserablaufbecken leitet
Man öffnet hierauf den Schraubenquetschhahn E, und laßt aus dem Gefeße C F g. 261)
Wasser in den Heizkessel fließen. Dadurch wird warmes Wasser durch den Rohrstutzen Dx
(Fig. 261) und mittels des Gummischlauchs durch das Schlauchstuck D (Fig. )
Prismengehäuse B, von hier aus durch den in der	; ^

dem Prismengehäuse A gedrängt und fließt durch die Metallhulse des Thermometers M,

_ 1) Neuerdings (vergl, Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1906.
15) wird an dem Butterrefraktometer eine Mikrometersohraube (Fig. 260 G) angebracht,
16 ein genaueres Ablesen der Kefraktometerzahlen gestattet.
        <pb n="546" />
        ﻿522

Speisefette und -öle.

den Stutzen E und den daran angebrachten Schlauch ab. Die beiden Glasprismen und
das Quecksilbergetäß des Thermometers werden durch das -warme Wasser erwärmt.

Durch geeignete Stellung des Quetschhahns regelt man den Wasserzufluß zu dem
Heizkessel so, daß das aus E austretende Wasser nur in schwachem Strahle ausfließt und
daß bei Verwendung des gewöhnlichen Thermometers dieses möglichst nahe eine Temperatur
von 40° anzeigt.

b)	Aufbringen des geschmolzenen
(Butter-) Eettes auf die Prismenfläohe
und Ablesung der Refraktometerzahl.
Man öffnet das Prismengehäuse des Refrakto-
meters, indem man den Stift P (Eig. 260)
etwa eine halbe Umdrehung nach rechts dreht,
bis Anschlag erfolgt; dann läßt sich die eine
Hälfte des Gehäuses (B) zur Seite legen. Die

Fig. 260.

Butterrefraktometer von Carl Zeiß.

Fig. 261.

Heizvorrichtung.

Stütze H hält B in der in Eigur 260 dargestellten Lage fest. Man richtet das
Instrument mit der linken Hand so weit auf, daß die freiliegende Eläche des Glasprismas B
annähernd horizontal liegt, bringt mit Hilfe eines kleinen Glasstabs drei Tropfen des
filtrierten Butterfettes auf die Prismenfläche, verteilt das geschmolzene Fett mit dem Glas-
stäbchen so, daß die ganze Glasfläche davon benetzt ist, und schließt dann das Prismen-
gehäuse wieder. Man drückt zu dem Zwecke den Teil B an A an und führt den Stift E
durch Drehung nach links wieder in seine anfängliche Lage zurück; dadurch wird der
Teil B am Zurückfallen verhindert und zugleich ein dichtes Aufeinanderliegen der beiden
Prismenflächen bewirkt. Das Instrument stellt man dann wieder auf seine Bodenplatte
        <pb n="547" />
        ﻿Bestimmung des Brechungsindex (Eefraktometergrades).

523

und gibt dem Spiegel eine solche Stellung, daß die Grenzlinie zwischen dem hellen und
dunklen Teile des Gesichtsfeldes deutlich zu sehen ist, wobei nötigenfalls der ganze Apparat
etwas verschoben oder gedreht werden muß. Ferner stellt man den oberen ausziehbaren
Teil des Fernrohrs so ein, daß man die Skala scharf sieht.

Nach dem Aufbringen des geschmolzenen (Butter-) Fettes auf die Prismenfläche
wartet man etwa 3 Minuten und liest dann in dem Fernrohr ab, an welchem Teilstriche
der Skala die Grenzlinie zwischen dem hellen und dunklen Teile des Gesichtsfeldes liegt;
liegt sie zwischen zwei Teilstrichen, so werden die Bruchteile durch Abschätzen ermittelt.x)
Sofort hinterher liest man das Thermometer ab.

1.	Bei Verwendung des gewöhnlichen Thermometers sind die abgelesenen Refrakto-
uieterzahlen in der Weise auf die Normaltemperatur von 40° umzurechnen, daß für jeden
Temperaturgrad, den das Thermometer über 40° zeigt, 0,65 Teilstriche zu der abgelesenen
Refraktometerzahl zuzuzählen sind, während für jeden Temperaturgrad, den das Thermometer
unter 40° zeigt, 0,66 Teilstriche von der abgelesenen Refraktometerzahl abzuziehen sind,

2.	Bei Verwendung des Thermometers mit besondererEinteilung zieht man die
an dem Thermometer abgelesenen Grade von der in dem Fernrohr abgelesenen Refrakto-
meterzahl ab und gibt den Unterschied mit dem zugehörigen Vorzeichen an. Wurde z. B.
lm Fernrohre die Eefraktometerzahl 44,5, am Thermometer aber 46,7° abgelesen, so ist
die Refraktometerdifferenz des Fettes 44,5 — 46,7 = — 2,2.2)

Die Refraktometerprobe kann nur als Vorprüfung herangezogen werden; sie hat für
sich allein keinen ausschlaggebenden Wert.

c)	Reinigung des Refraktometers. Nach jedem Versuche müssen die Ober-
flächen der Prismen und deren Metallfassungen sorgfältig von dem Fette gereinigt werden.
Ries geschieht durch Äbreiben mit weicher Leinwand oder weichem Piltrierpapier, wenn
nötig, unter Benutzung von etwas Äther.

d)	Prüfung der Refraktometerskala auf richtige Einstellung. Vor dem
erstmaligen Gebrauch und späterhin von. Zeit zu Zeit ist das Refraktometer daraufhin zu
prüfen, ob nicht eine Verschiebung der Skala stattgefunden hat. Hierzu bedient man sich
der dom Apparate beigegebenen Normalfiüssigkeit.3) Man schraubt das zu dem Refrakto-
meter gehörige gewöhnliche Thermometer auf, läßt Wasser von Zimmertemperatur durch
das Prismengehäuse fließen (man heizt also in diesem Falle die Heizvorrichtung nicht an),
bestimmt iu der vorher beschriebenen Weise die Refraktometerzahl der Normalflüssigkeit und
lest gleichzeitig den Stand des Thermometers ab. Wenn die Skala richtig eingestellt ist, muß
(ie Normalflüssigkeit bei verschiedenen Temperaturen folgende Refraktometerzahlen zeigen:

Bei einer		Bei einer		Bei einer	
Temperatur	Skalenteile	Temperatur	Skalenteile	Temperatur	Skalenteile
von		von		von	
25°	71,2	19°	74,9	13°	78,6
24°	71,8	18°	75,5	12°	79,2
2&lt;«	72,4	17°	76,1	ii°	79,8
22°	73.0	16°	76,7	10«	80,4
21«	73,6	15 0	77,3	9«	81,0
20«	74,3	140	77,9	8°	81,6

U Vergl. Anmerkung 1 S. 521.

2)	Da die Refraktometerzahlen der Butter aus verschiedenen Jahreszeiten gewisse
mehr oder minder gleichbleibende Verschiedenheiten zeigen, hat E. Baier (Zeitsohr. f.
Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 1145) ein neues Spezialthermo-
meter von der Firma Carl Zeiß in Jena herstellen lassen, welches für „Winterbutter“
(November bis Mai) und „Sommerbutter“ (Juni bis Oktober) verschiedene Einteilungen
besitzt. Vergl. unten S. 561.

3)	Dieselbe ist von der Firma Carl Zeiß in Jena zu beziehen.
        <pb n="548" />
        ﻿524

Speisefette und -öle.

Weicht die Eefraktometerzahl hei der Versuchstemperatur von der in der Tabelle
angegebenen Zahl ab, so ist die Skala hei der seitlichen kleinen Öffnung G (Fig. 260) mit
Hilfe des dem Instrumente beigegebenen Urschlüssels wieder richtig einzustellen.“

Bezüglich der Untersuchung von Schweinefett sowie der übrigen Speise-
fette und öle enthält die amtliche „Anweisung“ noch folgende Bestimmungen;

a) Bezüglich des Schweinefettes: „Will man sich hei der Bestimmung des
Brechungsvermögens eines besonders eingerichteten Thermometers bedienen, so muß
es ein solches sein, das auch für das Schweineschmalz bestimmt ist und eine dementsprechende
Einteilung besitzt.“

h) Bezüglich der übrigen festen Speisefette: „Bei der Bestimmung der Ee-
fraktometerzahl muß man sich des gewöhnlichen Thermometers bedienen.“

c) Bezüglich der Öle: „Bei der Bestimmung der Eefraktometerzahl muß man sich
des gewöhnlichen Thermometers bedienen. Die Ablesung ist hier häufig erschwert und
ungenau, da infolge des verschiedenen Zerstreuungsvermögens der Öle und des dadurch
hervorgerufenen Auftretens breiter farbiger Bänder der beleuchtete und unbeleuchtete Teil
des Gesichtsfeldes nicht durch eine scharfe Linie voneinander getrennt sind. In diesem
Palle beleuchtet man die Prismen nicht mit dem gemischten Tages- oder Lampenlichte,
sondern mit einheitlichem Lichte, z. B. dem einer Natriumflamme.

Als Normaltemperatur für die Bestimmung des Brechungsvermögens der Öle gilt die
Temperatur von 25°. Man stellt bei der Untersuchung der Öle den Thermoregulator des
Heizkessels so ein, daß das Thermometer des Eefraktometers möglichst nahe eine Temperatur
von 25° anzeigt. Die Umrechnung der bei abweichenden Temperaturen abgelesenen Eefrakto-
meterzahlen auf die Normaltemperatur von 25° erfolgt nach denselben Grundsätzen wie hei
dem Butterfette.“

Es empfiehlt sich, die Spezialthermometer von Zeit zu Zeit durch Vergleich
mit einem Normalthermometer auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Der Nullpunkt
des Spezialthermometers für Butter muß der Eefraktometerzahl 44,2 und der des
Spezialthermometers für Schweinefett der Eefraktometerzahl 50,7 bei 40° entsprechen.

Dem neuen Spezialthermometer1) für Winter- und Sommerhutter liegen die
Refraktometerzahlen 43 hei Winterhutter (November—Mai) und 45 hei Sommerbutter
(Juni—Oktober) als Nullpunkte zugrunde.

K. Farnsteiner2) hat neuerdings mit Recht empfohlen, die Spezialthermo-
meter überhaupt fallen zu lassen und stets die Normalthermometer zu verwenden,
auf denen aber, ähnlich wie beim Zeißschen Milchfettrefraktometer (vergl. S. 465),
neben der Temperatur auf der anderen Seite eine Korrektionsskala angebracht ist,
mittels welcher die beobachteten Eefraktometerzahlen auf die Normaltemperaturen
25 und 40° reduziert werden können.

Der Skalenteil 0 des Zeißschen Butterrefraktometers (=100° des Zeißschen
Milohfettrefraktometers, vergl. oben S. 464) entspricht dem Brechungsindex nD =■• 1,4220
und der Skalenteil 100 dem Brechungsindex nD = 1,4895.

Der Vergleich zwischen Refraktometergraden und Brechungsindex wird durch
die nachfolgende Tabelle8) ermöglicht:

Vergl. B. Baier, Erfahrungen über die refraktometrische Prüfung von Butter
und über ein neues Spezialthermometer zum, Butter-Eefraktometer (Zeitschr. f. Untersuchung
d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 1145).

2)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904,,8, 407. Der Korrektions-
skala dieses Thermometers, welches von der Firma Carl Zeiß in Jena geliefert wird, liegt
der Wert 0,55 für 1° Temperaturdifferenz zugrunde.

3)	Vergl. G, Baumert, Das Butter-Eefraktometer (Zeitschr. f. Untersuchung d.
Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 9, 134.
        <pb n="549" />
        ﻿Bestimmung der Polarisation.

525

Skalenteil ...	0	10	20	30	40	50	60	70	80	90	100

Brechungs-

index (nD) . 1,4220 1,4300 1,4377 1,4452 1,4624 1,4593 1,4659 1,4723 1,4783 1,4840 1,4895
+.	8,0	7,7	7,5	7,2	6,9	6,6	6,4	6,0	5,7	5,5

Über die Höhe der Refraktometerzahlen vergl, die tabellarische Über-
sicht S. 542—545. Bei der Würdigung der Refraktometerzahlen ist ferner noch
zu berücksichtigen, dass dieselben mit dem Alter der Fette und Öle (bezw. infolge
von Oxydation überhaupt) nicht unwesentlich zunehmen.

4.	Bestimmung der Polarisation.

Das polarimetrische Verhalten der Fette und Öle ist im allgemeinen nur von
geringer Bedeutung. Die meisten Pflanzenöle drehen (wahrscheinlich infolge ihres
Gehaltes an Phytosterin) schwach links, Sesamöl dagegen zeigt (infolge seines
Sesamingehaltes) eine stärkere Rechtsdrehung; Olivenöl zeigt ebenfalls geringe Rechts-
drehung.

Stärkere Rechtsdrehung dagegen zeigen Rizinusöl, Krotonöl und Harzöl,
pie polarimetrische Untersuchung kann daher namentlich zum Nachweis von Harzöl
ln anderen Ölen, z. B. Leinöl, verwendet werden.

Von Bishop, Peter, Croliley und Le Sueur u. a.1) wurden, auf Kreis-
grade im 200 mm-Rohr umgerechnet,2) folgende Polarisationen erhalten:

Olivenöl .
Süßmandelöl
Eüböl .	.

Erdnußöl.
Nußöl . .
Mohnöl .

Leinöl

Sesamöl .

Rizinusöl
Krotonöl . .
Harzöl

\ -0,13° (Bishop),

' ^ schwach rechts (andere).

— 0,15° (Bishop).
f —0,35 bis —0,46° (Bishop),

' ) —0,08 bis —0,17° (Croßley u. Sueur).

] -0,09° (Bishop),

' | —0,12 bis +0,40° (Croßley u. Sueur).

.	—0,07° (Bishop).

/ + 0° (Bishop),

' \ + 0 bis +0,07° (Croßley u. Sueur).

( —0,07° (Bishop),

' | +0,1° (Croßley u. Sueur).

( +0,67 bis +1,95° (Bishop),

’ \ + 1,03 bis + 1,42° (Sprinkmeyer u. Wagner).
+ 12,82° (Peter).

+ 9,32° (Peter).

+ 60 bis +80° (Valenta).

,	„ ,	.	+.AT1 vlinnen die öle, soweit sie hinreichend

Zur Bestimmung der I olansation +	w müssen sorgfältig filtriert

klar und hell sind, direkt verwendet werdem er™ockner Tierkohle entfärbt werden.

und zu dunkle mit geringen Mengen	* sowie feste Fette werden

öle, welche hierbei nicht hinreichend klar nnü i

mit Petroläther verdünnt, bezw. darin gelöst.

■) Nach Benedikt-Dlcer, A..1,» te

Springer, 4. Aufl. 1903, 506, und J. Lewkowitsch Chemische lechnologie ^
der Öle, Fette und Wachse, Braunschweig, Fnedr. t icweg _	- s&lt;iccharimeter

=) Die Umrechnungen sind unter Zugrundelegung des Faktors. 1 Sacchan
nach Laurent = 0,2167 Kreisgrade erfolgt.
        <pb n="550" />
        ﻿526

Speisefette und -öle.

B. Chemische Untersuchungsverfahren.

1.	Bestimmung der freien Fettsäuren (des Säuregrades) und des Neutralfettes.

a)	Bestimmung der freien Fettsäuren (des Säuregrades). „5—10 g
(Butter-) Fett werden in 30—40 ccm einer säurefreien Mischung gleicher ßaumteile
Alkohol und Äther gelöst und unter Verwendung von Phenolphthalein (in 1 °/0-iger
alkoholischer Lösung) als Indikator mit Xi 10 Normal-Alkalilauge titriert. Die freien
Fettsäuren werden in Säuregraden ausgedrückt. Unter Säuregrad eines Fettes
versteht man die Anzahl Kubikzentimeter Nor mal-Alkali, die zur Sättigung von
100 g Fett erforderlich sind.“ (Margarine-Gesetz.)

Palls sich während der Titration ein Teil des Fettes unlöslich ausscheidet, so setzt
man neue Mengen des Lösungsgemisches hinzu und führt darauf die Titration zu Ende.

Vielfach berechnet man den Gehalt an freien Fettsäuren auch auf Ölsäure. 1 ccm
1/10 Normal-Alkalilauge entspricht 0,0282 g Ölsäure.

Enthält ein Öl noch von der Reinigung her etwa freie Mineralsäureu, so lassen
sich dieselben bestimmen, indem man das Öl mit Wasser ausschüttelt, die wässerige Schicht
von dem Öl trennt und titriert.

h) Bestimmung des Neutralfettes. Man neutralisiert, wie vorhin an-
gegeben, in der alkoholischen Lösung von 1—2 g Fett durch Titration die freien
Fettsäuren, verdünnt mit dem gleichen Volumen Wasser und schüttelt wiederholt
mit Petroläther aus. Der nach dem Abdestillieren des Petroläthers verbleibende
Rückstand wird als Neutralfett gewogen.

2. Bestimmung der Verseifungszahl (der Köttstorferschen Zahl).

Die Verseifungszahl gibt an, wieviel Milligramm Kaliumhydroxyd
zur Verseifung von 1 g Fett erforderlich sind.

„Man wägt 1—2 g (Butter-) Fett in einem Kölbchen aus Jenaer Glas von
150 ccm Inhalt ab, setzt 25 ccm einer annähernd 1/2 normalen alkoholischen Kali-
lauge hinzu, verschließt das Kölbchen mit einem durchbohrten Korke, durch dessen
Öffnung ein 76 cm langes Kühlrohr aus Kaliglas führt. Man erhitzt die Mischung
auf dem kochenden Wasserbade 15 Minuten lang zum schwachen Sieden. Um die
Verseifung zu vervollständigen, ist der Kolbeninhalt durch öfteres Uraschwenken,
jedoch unter Vermeidung des Verspritzens an den Kühlrohrverschluß, zu mischen.
Das Ende der Verseifung ist daran zu erkennen, daß der Kolbeninhalt eine gleich-
mäßige, vollkommen klare Flüssigkeit darstellt, in der keine Fetttröpfchen mehr
sichtbar sind. Man versetzt die vom Wasserbade genommene Lösung mit einigen
Tropfen alkoholischer Phenolphthaleinlösung und titriert die noch heiße Seifen-
lösung sofort mit 1/2 Normalsalzsäure zurück. Die Grenze der Neutralisation ist
sehr scharf; die Flüssigkeit wird beim Übergang in die saure Reaktion rein gelb
gefärbt.

Bei jeder Versuchsreihe sind mehrere blinde Versuche in gleicher Weise, aber
ohne Anwendung von Fett auszuführen, um den Wirkungswert der alkoholischen
Kalilauge gegenüber der 1/2 normalen Salzsäure festzustellen.

Aus den Versuchsergebnissen berechnet man, wieviel Milligramm Kalium-
hydroxyd erforderlich sind, um genau 1 g des Butterfettes zu verseifen. Dies ist
die Verseifungszahl oder Köttstorfersche Zahl des (Butter-) Fettes.“ (Margarine-
Gesetz.)

Beispiel; Angenommen, es seien angewendet 1,7955 g Butterfett, die zur Verseifung
zugesetzten 25,0 ccm Kalilauge entsprächen 23,5 ccm Salzsäure, 1 ccm Salzsäure neutralisiere
genau 28,1 mg Kaliumhydroxyd und es seien 8,9 com Salzsäure zur Neutralisation des
nach der Verseifung noch vorhandenen freien Kaliumhydroxyds erforderlich gewesen.
        <pb n="551" />
        ﻿Bestimmung der Reichert-Meißlschen Zahl.

527

Alsdann sind 23,5 — 8,9 = 14,6 ccm Salzsäure entsprechende Mengen Kaliumhydroxyd zur
Verseifung des angewendeten Fettes erforderlich gewesen und es berechnet sich daher die
Verseifungszahl (V) nach der Gleichung;

14,6x28,1

1,7955

228,5.

Zur Erlangung genauer Verseifungszahlen ist ein sehr sorgfältiges Abmessen der
Kalilauge und Salzsäure unbedingtes Erfordernis.

Bei dunklen und ranzigen Fetten, welche letzteren bei der Verseifung eine dunkel-
braune Farbe annehmen, kann mau die Lösung vor der Titration zweckmäßig mit etwa
50 ccm neutralisiertem Alkohol verdünnen oder nach de Negri und Fabris als Indikator
Alkaliblau 6B (der Höchster Farbwerke) anweuden.1)

Zur Herstellung der alkoholischen Kalilauge werden nach einem Vorschläge
von Henriques 30 g gepulvertes reinstes Kaliumhydroxyd mit 1 1 reinstem
95 °/0-igem Alkohol am Eückflußkühler bis zur Lösung gekocht und die Lösung
nach 24-stündigem Stehen filtriert.

Von anderer Seite ist vorgeschlagen worden, 40 g Kaliumhydroxyd in 1 1
Alkohol zu lösen; in diesem Falle können etwas größere Fettmengen (2—2,5 g)
angewendet werden.

3.	Bestimmung der Keichert-Meißlschen Zahl.

Die Reiche rt-Meißls-che Zahl gibt diejenige Anzahl ccm l/10 Normal-
lauge an, welche zur Neutralisation der aus 5 g geschmolzenem und
filtriertem Fett unter bestimmten, unten beschriebenen Bedingungen
ahdestillierten flüchtigen, wasserlöslichen Fettsäuren erforderlich sind.

Bei der Bestimmung der Reichert-Meißlschen Zahl verwendete man früher
alkoholische Laugen zur Verseifung. Da diese Verfahren mit mancherlei Fehler-
quellen behaftet sind, wird von ihrer Aufführung hier abgesehen, zumal das Ver-
seifungsverfahren nach Leffraann und Beam2) mit Glyzerin-Natronlauge zuver-
lässigere Ergebnisse liefert und in der Ausführung einfacher ist. Dieses Verfahren
ist daher vor allen anderen zur Bestimmung der Reichert-Meißlschen Zahl zu
empfehlen. Man verfährt (nach der amtlichen „Anweisung“ zum Margarine-Gesetz)
folgendermaßen:

„.......Zu genau 5 g Butterfett gibt man in einem Kölbchen von etwa

300 ccm Inhalt 20 g Glyzerin und 2 ccm Natronlauge (erhalten durch Auflösen
von 100 Gewichtsteilen Natriumhydroxyd in 100 Gewichtsteilen W asser, Absetzen-
lassen des Ungelösten und Abgießen der klaren Flüssigkeit). Die Mischung wird
unter beständigem ümschwenken über einer kleinen Flamme erhitzt ; sie gerät als-
bald ins Sieden, das mit starkem Schäumen verbunden ist. Wenn das Ai asser
verdampft ist (in der Regel nach 5—8 Minuten), wird die Mischung vollkommen
klar; dies ist das Zeichen, daß die Verseifung des Fettes vollendet ist. Man erhitzt
noch kurze Zeit und spült die an den Wänden des Kolbens haftenden Teilchen
durch wiederholtes Umschwenken des Kolbeninhaltes ah. Dann läßt man die
flüssige Seife auf etwa 80—90° abkühlen und wägt 90 g Wasser von etwa
8°—90° hinzu.8) Meist entsteht sofort eine klare Seifenlösung, anderenfalls bringt

*) Vergl. Benedikt-Ulzer, Analyse der Fette und Wachsarten. Berlin, Julius
Springer. 4. Aufl, 1903, 173.

2)	Analyst 1891, 10, 153; vergl. auch W. Karsch, Chem.-Ztg. 1896, 20, 607.

3)	Ebenso zweckmäßig und wesentlich einfacher ist es, 90 ccm kaltes, fiisch aus-
gekochtes Wasser zuzusetzen. Man hüte sich aber, das Wasser in den Kolben zu geben,
ehe der Inhalt hinreichend abgekühlt ist, da anderenfalls die Flüssigkeit unter Umständen
mit großer Heftigkeit aus dem Kolben herausgeschleudert wird.
        <pb n="552" />
        ﻿528

Speisefette und -öle.

inan die abgeschiedenen Seifenteile durch Erwärmen auf dem Wasserhade in Lösung.
Man versetzt die Seifenlösung — nach Zugabe einiger erbsengroßen Bimsstein-
stücken — mit 50 ccm verdünnter Schwefelsäure (25 ccm konzentrierte Schwefel-
säure im Liter enthaltend) und verfährt weiter wie bei der Verseifung mit alko-
holischem Kali.“

„Der auf ein doppeltes Drahtnetz gesetzte Kolben wird darauf sofort mittels
eines schwanenhalsförmig gebogenen Glasrohrs (von 20 cm Höhe und 6 mm lichter
Weite), welches an beiden Enden stark abgeschrägt ist, mit einem Kühler (Länge
des vom Wasser umspülten Teiles nicht unter 50 cm) verbunden und sodann werden
genau 110 ccm Flüssigkeit abdestilliert (Destillationsdauer nicht Uber 1/2 Stunde).
Das Destillat mischt man durch Schütteln, filtriert durch ein trocknes Filter und
mißt 100 ccm ab. Diese werden nach Zusatz von 3 bis 4 Tropfen Phenolphthalein-
lösung mit 1/10 Normal-Alkalilauge titriert. Der Verbrauch wird durch Hinzuzählen
des zehnten Teiles auf die Gesamtmenge des Destillats berechnet. Bei jeder Ver-
suchsreihe führt man einen blinden Versuch aus.“ — Hierbei werden die gleichen
Mengen der Eeagentien wie beim Hauptversuch verwendet und auch im übrigen
wird wie bei diesem verfahren. — „Die bei dem blinden Versuche verbrauchten
Kubikzentimeter 1/10 Normal-Alkalilauge werden von den bei dem Hauptversuche
verbrauchten abgezogen. Die so erhaltene Zahl ist die Eeichert-Meißlsche Zahl.
Die alkoholische Kalilauge genügt den Anforderungen, wenn bei dem blinden Ver-
suche nicht mehr als 0,4 ccm 1/10 Normal-Alkalilauge zur Sättigung von 110 ccm
Destillat verbraucht werden.“

Beispiel: Angenommen, man habe bei genau 5 g angewendetem Butterfett zur
Titration 26,0 ccm 1/10 Normal-Alkali lauge verbraucht und der blinde Versuch habe 0,2 ccm
1j10 Normal-Alkalilauge ergeben, so erhält man die Beichert-Meißlsohe Zahl (E) nach der
einfachen Gleichung

K = 26,0 -)-	— 0,2 — 28,4.

4.	Bestimmung der wasserunlöslichen und -löslichen Fettsäuren, sowie
ihrer mittleren Molekulargewichte; Trennung der flüssigen und festen Fettsäuren.

a)	Bestimmung der (wasser-) unlöslichen Fettsäuren (der Hehner-
schen Zahl). Die Hehnersche Zahl gibt die Ausbeute an in Wässer un-
löslichen Fettsäuren einschl. des „Unverseifbaren“ an, welche 100 Teile
Fett liefern.

Wenngleich dieser Zahl eine praktische Bedeutung zum Nachweise von Ver-
fälschungen heute nicht mehr zukommt, so ist doch, abgesehen von der quantitativen
Bestimmung, die Art der Ausführung dieses Verfahrens für manche Fettuntersuchungen
(Bestimmung des Schmelz- und Erstarrungspunktes, des Molekulargewichtes, der
Jodzahl usw. der Fettsäuren) vielfach empfehlenswert. Aus diesem Grunde soll das
Verfahren hier nach der amtlichen Anweisung zum Margarine-Gesetz beschrieben
werden;

„3—4 g Fett werden in einer Porzellanschale von etwa ,10 cm Durchmesser
mit 1—2 g Ätznatron und 50 ccm Alkohol versetzt und unter öfterem Umrühren
auf dem Wasserbade erwärmt, bis das Fett vollständig verseift ist. Die Seifen-
lösung wird bis zur Sirupdicke verdampft, der Eückstand in 100—150 ccm Wasser
gelöst- und mit Salzsäure oder Schwefelsäure angesäuert. Man erhitzt, bis sich die
Fettsäuren als klares Öl an der Oberfläche gesammelt haben, und filtriert durch ein
vorher bei 100° getrocknetes und gewogenes Filter aus sehr dichtem Papiere. Um
ein trübes Durchlaufen der Flüssigkeit zu vermeiden, füllt man das Filter zunächst
        <pb n="553" />
        ﻿Bestimmung der wasserunlöslichen und -löslichen Fettsäuren usw.

529

zur Hälfte mit heißem Wasser an und gießt erst dann die Flüssigkeit mit den Fett-
säuren darauf. Man wäscht mit siedendem Wasser bis zu 2 1 Waschwasser aus,
wobei man stets dafür sorgt, daß das Wasser nicht vollständig abläuft.

Nachdem die Fettsäuren erstarrt sind, werden sie samt dem Filter in ein
Wägegläschen gebracht und bei 100° bis zum beständigen Gewichte getrocknet oder
in Äther gelöst, in einem tarierten Kölbchen nach dem Abdestillieren des Äthers
getrocknet und gewogen. Aus dem Ergebnisse berechnet man, wieviel Gewichts-
teile unlösliche Fettsäuren in 100 Gewichtsteilen Fett enthalten sind, und erhält so
die Hehnersche Zahl.“

Zur Verseifung kann man natürlich auch Ätzkali statt des Ätznatrons verwenden.
Wenn weitere Untersuchungen mit den Fettsäuren angestellt werden sollen, so wendet
man entsprechend größere Substanzmengen an; ferner ist es, um eine Veränderung der
Fettsäuren zu verhüten, unter Umständen z. B. für Jodzahl-Bestimmungen erforderlich,
die ausgewaschenen Fettsäuren in Äther zu lösen, den Äther im Kohlensäurestrome auf
dem Wasserbade zu verdunsten und den Rückstand auch im Kohlensäurestrome bis zur
Gewichtsbeständigkeit zu trocknen.

Zur Bestimmung der sog. Neutralisationszahl der Fettsäuren, worunter die
Milligramm Kaliumhydroxyd verstanden werden, die zur Neutralisation vou 1 g der Fett-
säuren erforderlich sind, löst man 3—5 g Fettsäuren in 60—100 ccm neutralisiertem Alkohol
und titriert unter Verwendung von Phenolphthalein als Indikator mit 1/10 Normal-Alkalilauge.

Die Neutralisationszahlen der Fettsäuren müssen, sofern wasserlösliche Fettsäuren
m nennenswerter Menge nicht vorhanden sind, theoretisch etwas höher liegen, als die Ver-
seifungszahlen der Fette selbst.

Aus den Neutralisationszahlen (N) kann man das mittlere Molekulargewicht (M)
der Fettsäuren unter Berücksichtigung des Molekulargewichts des Kaliumhydroxyds (66,14)
und der Fettmengen, auf welche sich die Neutralisationszahl bezieht (1 g = 1000 mg), be-
rechnen nach der Formel:

M : 56,14 = 1000 ; N oder M = ?6*~.

N

Nach Tortelli und Pergami1) erhält man bei den Fettsäuren — mit Ausnahme
der Stearinsäure — etwas höhere Werte, wenn man die Verseifungszahl (vergl. S. 526)
bestimmt, als wenn man nur die Neutralisationszahl bestimmt, und zwar sollen diese Unter-
schiede infolge Bildung innerer Anhydride oder Laktone um so größer sein, je älter die
hettsäuren sind. Dementsprechend sind dann auch natürlich die mittleren Molekular-
gewichte um so kleiner, wenn man sie aus der Verseifungszahl berechnet, als wenn man
®le uns der Neutralisationszahl ableitet. J. Lewkowitsch2) ist auf Grund seiner Versuche
der Ansicht, daß diese Angaben von Tortelli und Pergami zwar in vielen Fällen zu-
treffend sind, aber z. Zt. noch nicht als allgemein gültige Regel angenommen werden
können.

b)	Bestimmung des Molekulargewichts der flüchtigen wasser-
üslichen und der nichtflüchtigen wasserunlöslichen Fettsäuren. Hierfür
kaoen R. He nriques8), K. Farnsteiner4), A. Juckenack6) und neuerdings

*) Chem. Revue d. Fett- u. Harz-Industrie 1902, 9, 182.

■tj ) J- Lewkowitsch, Chemische Technologie u. Analyse der Öle, Fette u. Wachse,
raunsohweig, pr. Vieweg &amp; Sohn, 1905, 1, 369,

, w Chem. Revue d. Fett- u. Harz-Industrie 1898, 5, 169; Zeitschr. f. Untersuchung
■ Nahrungs- u. Genußmittel 1899, 2, 386.

j ,T Ö Chem. Revue d. Fett- u. Harz-Industrie 1898, 5, 195; Zeitschr. f. Untersuchung

•	Nahrungs- u. Genußmittel 1899, 2, 386.

d tv i Cllem- Levue d. Fett- u. Harz-Industrie 1899, 6, 112; Zeitschr. f. Untersuchung

•	Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 8, 112.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	34
        <pb n="554" />
        ﻿530

Speisefette und -öle.

A. Juckenack und E. Pasternack1) Verfahren beschrieben, auf die hier nur
verwiesen werden kann.

c)	Trennung der flüssigen von den festen Fettsäuren. Hierzu eignet
sich nach J. Lewkowitsch am besten das Verfahren von Tortelli und Ruggeri,2)
welches in folgender Weise ausgeführt wird:

20 g der Probe werden mit 15 ccm einer 50 °/0-igen Kalilauge und 45 ccm
95 °/0-igen Alkohols verseift. Der Überschuß der Kalilauge wird mit Essigsäure
unter Anwendung von Phenolphthalein als Indikator neutralisiert. Alsdann werden
300 ccm einer 7 °/0-igen Bleiacetatlösung zum Sieden erhitzt und die Seifenlösung
in einem dünnen Strahl unter fortwährendem Umschwenken hineingegossen. Der
Kolben wird in kaltes Wasser eingesenkt und darin unter fortwährendem Schütteln
etwa 10 Minuten lang gehalten. Wenn die Uberstehende Flüssigkeit klar geworden
ist, wird sie abgegossen und die Bleiseife dreimal mit 200 ccm warmem, nicht
siedendem Wasser gewaschen. Man läßt die Seife abktihlen und nimmt etwa an-
hängende Wassertröpfchen mittels eines Filtrierpapierröllchens ab. Alsdann werden
220 ccm Äther in den Kolben gegossen, die Masse wird gut durchgeschüttelt und
der Kolben 20 Minuten lang auf dem Wasserbade erwärmt, bis der Äther schwach
siedet. Während dieser Zeit schwenkt man den Kolben öfters um, um alle
Seifenteilchen von den Wänden und dem Boden des Kolbens abzulösen. Der
Kolben wird nun in kaltes Wasser von 8—10° eingesenkt und darin zwei Stunden
lang stehen gelassen. Hierauf filtriert man die Flüssigkeit durch ein Faltenfilter
in einen Kolben von 200 ccm Inhalt mit engem Halse. Der Kolben wird voll-
ständig mit Äther aufgefüllt, gut verkorkt und unter dem Wasserleitungshahne
12 Stunden lang stehen gelassen. Meist scheidet sich dabei noch ein Niederschlag aus.
Die ätherische Lösung wird alsdann durch ein Filter in einen Scheidetrichter
filtriert und die Seife mit 150 ccm einer 20 °/0-igen Salzsäure zersetzt. Man zieht
das ausgefallene Bleichlorid und die saure wässerige Lösung ab und schüttelt den
Äther nochmals mit 100 ccm Salzsäure. Die ätherische Lösung wird nun mit
160 ccm Wasser gewaschen und schließlich durch ein Faltenfilter in einen Kolben
von etwa 300 ccm Inhalt filtriert. Der Äther wird soweit abdestilliert, daß die
Flüssigkeit etwa 40—50 ccm ausmacht. Diese Lösung gießt man in einen anderen
Kolben von etwa 100 ccm Inhalt, welcher mit einem doppelt durchbohrten Kork
versehen ist, und senkt den Kolben bis zum Halse in ein Wasserbad ein. Alsdann
wird ein Strom trockner Kohlensäure oder trocknen Wasserstoffs durch die
ätherische Lösung hindurchgeleitet und das Wasserbad erhitzt, bis der Äther
völlig verjagt ist.

Nach Lewkowitsch3) sind die Jodzahlen der nach vorstehendem Verfahren dar-
gestellten flüssigen Fettsäuren die höchsten; dies spricht dafür, daß die flüssigen Fettsäuren
am vollständigsten von den festen Fettsäuren befreit sind.

Zur quantitativen Trennung und Bestimmung der festen und flüssigen
Fettsäuren mittels der verschiedenen Löslichkeit der Bleiseifen sind zuerst vonVarren-
trap und später von Muter und de Koningh,1) sowie von F. Wallenstein und H.
Fink6) und anderen verschiedene Arbeitsweisen vorgeschlagen, von denen J. Lewkowitsch3)

*) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 193.

2) L’Orosi 1900, April; vergl. J. Lewkowitsch, Chemische Technologie und
Analyse der Öle, Fette und Wachse, Braunschweig, Fr. Vieweg &amp; Sohn 1905, 1, 384.
s) J. Lewkowitsch, Chem. Technologie u. Analyse usw. 1905, 1, 379 ff.

4)	Analyst 1889, 14, 61.

6)	Chem.-Ztg. 1894, 18, 1189.
        <pb n="555" />
        ﻿Bestimmung der Jodzahl.

531

das von ihm etwas abgeändorte Verfahren von Muter und de Koningh bezw. von Laue1)
als das beste empfiehlt. Da die quantitative Trennung bislang für die Praxis nur wenig
verwertbare Werte geliefert hat, und außerdem der Gehalt an flüssigen Fettsäuren aus ihrer
Jodzahl und der Jodzahl der gesamten Fettsäuren mit hinreichender Genauigkeit berechnet
werden kann, so sei auf diese Vorschriften hier nur verwiesen.

K. Farnsteiner2) hat ein auf der Löslichkeit der Bleiseifen der flüssigen Fett-
säuren in kaltem Benzol beruhendes Trennungsverfahren ausgearbeitet, auf das hier eben-
falls nur verwiesen werden kann.

5.	Bestimmung der Jodzahl.

Die Jodzahl gibt an, wieviel Prozent Jod ein Fett oder eine Fett-
säure aufzunehmen vermag.

Das Verfahren beruht auf der Addition von Jod durch die ungesättigten Fett-
säuren, und zwar addieren die

Fettsäuren der . Stearinsäure- Ölsäure- Linolsäure- Linolensäure-Reihe
an Jod...	0	2	4	6 Atome,

a) Verfahren von v. Hühl. Nach der amtlichen „Anweisung“ zum Margarine-
Gesetz verfährt man wie folgt:

Erforderliche Lösungen; „1. Es werden einerseits 25 g Jod, andererseits
30 g Quecksilberchlorid in je 500 ccm fuselfreiem Alkohol von 95 Volumprozent
gelöst, letztere Lösung, wenn nötig, filtriert und beide Lösungen getrennt aufbewahrt.
Die Mischung beider Lösungen erfolgt zu gleichen Teilen und soll mindestens
48 Stunden vor dem Gebrauche stattfinden.

2.	Natriumthiosulfatlösung. Sie enthält im Liter etwa 26 g des Salzes.
Das bequemste Verfahren zur Titerstellung ist das Volhardsche; 3,87 g8) wiederholt
umkrystallisiertes und nach Volhards Angaben geschmolzenes Kaliurnbichromat löst
man zum Liter auf. Man gibt 15 ccm einer 10-prozentigen Jodkaliumlösung in ein
dünnwandiges Kölbchen4) mit eingeriebenem Glasstopfen von etwa 250 ccm Inhalt,
säuert die Lösung mit 5 ccm konzentrierter Salzsäure an und verdünnt sie mit
100 ccm Wasser. Unter tüchtigem Umschütteln bringt man hierauf 20 ccm der
Kaliumbichromatlösung zu. Jeder Kubikzentimeter derselben macht genau 0,01 g
Jod frei. Man läßt nun unter Umschütteln von der Natriumthiosulfatlösung zufließen,
wodurch die anfangs stark braune Lösung immer heller wird, setzt, wenn sie nur
noch weingelb ist, etwas Stärkelösung hinzu und läßt unter jeweiligem kräftigen
Schütteln noch so viel Natriumthiosulfatlösung vorsichtig zufließen, bis der letzte
Tropfen die Blaufärbung der Jodstärke eben zum Verschwinden bringt. Die Kalium-
dchromatlösung läßt sich lange unverändert aufbewahren und ist stets zur Kontrolle
des Titers der Natriumthiosulfatlösung vorrätig, welcher besonders im Sommer öfters
neu festzustellen ist.

Berechnung, Da » ccm her

wird die gleiche Menge Jod von der vertraue wfeviel Jod 1 ccm Natriumthio-
thiosulfatlösung gebunden. Daraus berechne ‘ U ffi ienten für Jod, bringt man
sulfatlösung entspricht. Die erhaltene Zahl, den Koemzie
hei allen folgenden Versuchen in Rechnung.

') Journ. Amer. Chem. Soc. 1893, 1», l10- Genußmittel 1898, 1, 390.

2)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- ^	6 ZaW 3)8666.

“) Unter Zugrundelegung von 0 — 1	Greiner in München zu beziehen.

4) Nach R. Sendtners Angaben von Jom "	„	, und inf0lge des geringen Um-

ermöglichen infolge ihres geringen Gewichtes (W

langes das genaue Abwägen auf jeder analytmci “

34*
        <pb n="556" />
        ﻿532

Speisefette und -öle.

3.	Chloroform, am besten eigens gereinigt.

4.	10-prozentige Jodkaliumlösung.

5.	Stärkelösung: Man erhitzt eine Messerspitze voll „löslicher Stärke“1) in
etwas destilliertem Wasser; einige Tropfen der unfiltrierten Lösung genügen für
jeden Versuch.“

Ausführung der Bestimmung; „Man bringt 0,8—1 g geschmolzenes (Butter-)
Fett in ein Kölbchen der unter No. 2 beschriebenen Art, löst das Fett in 15 ccm
Chloroform und läßt 30 ccm Jodlösung (No. 1) zufließen, wobei man die Pipette
bei jedem Versuch in genau gleicher Weise entleert. Sollte die Flüssigkeit nach
dem Umschwenken nicht völlig klar sein, so wird noch etwas Chloroform hinzugefügt.
Tritt binnen kurzer Zeit fast vollständige Entfärbung der Flüssigkeit ein, so muß
man noch Jodlösung zugeben. Die Jodmenge muß so groß sein, daß noch nach l1/a
bis 2 Stunden die Flüssigkeit stark braun gefärbt erscheint. Nach dieser Zeit ist
die Reaktion beendet. Die Versuche sind bei Temperaturen von 15—18° anzustellen,
die Einwirkung direkten Sonnenlichts ist zu vermeiden.

Man versetzt dann die Mischung mit 15 ccm Jodkaliumlösung (No. 4), schwenkt
um und fügt 100 ccm Wasser hinzu. Scheidet sich hierbei ein roter Niederschlag
aus, so war die zugesetzte Menge Jodkalium ungenügend, doch kann man diesen
Fehler durch nachträglichen Zusatz von Jodkalium verbessern. Man läßt nun unter
oftmaligem Schütteln so lange Natriumthiosulfatlösung zufließen, bis die wässerige
Flüssigkeit und die Chloroformschicht nur mehr schwach gefärbt sind. Jetzt wird
etwas Stärkelösung zugegeben und zu Ende titriert. Mit jeder Versuchsreihe ist
ein sog. blinder Versuch, d. h. ein solcher ohne Anwendung eines Fettes, zur Prüfung
der Reinheit der Reagentien (namentlich auch des Chloroforms) und zur Feststellung
des Titers der Jodlösung zu verbinden.

Bei der Berechnung der Jodzahl ist der für den blinden Versuch nötige Ver-
brauch in Abzug zu bringen. Man berechnet aus den Versuchsergebnissen, wieviel
Gramm Jod von 100 g (Butter-) Fett aufgenommen worden sind, und erhält so die
Bübische Jodzahl des (Butter-) Fettes.

Da sich bei der Bestimmung der Jodzahl die geringsten Versuchsfelder in
besonders hohem Maße multiplizieren, so ist peinlich genaues Arbeiten erforderlich.
Zum Abmessen der Lösungen sind genau eingeteilte Pipetten und Büretten, und
zwar für jede Lösung stets das gleiche Meßinstrument zu verwenden.“

Bei der Untersuchung von ölen treten folgende Abänderungen ein:

„Von nicht trocknenden ölen verwendet man 0,3—0,4 g und bemißt die
Zeitdauer der Einwirkung auf 2 Stunden. Von trocknenden Ölen verwendet man
0,15—0,18 g und läßt die Jodlösung 18 Stunden darauf einwirken. In letzterem
Falle ist sowohl zu Beginn als auch am Ende der Versuchsreihe ein blinder Ver-
such auszuftthren und für die Berechnung des Wirkungswertes der Jodlösung das
Mittel dieser beiden Versuche zugrunde zu legen.“

b) Abgeändertes Verfahren von J. J. A. Wijs.2) Dieses Verfahren beruht auf
der Anwendung einer Lösung von Jodmonochlorid in Eisessig. Es hat, wie

x) Nach Zulkowsky (Zeitschr. analyt. Chem. 1882, 21, 578) werden 60 g zerriebene
Stärke in 1 kg Glyzerin eingerührt und unter fortwährendem Umrühren allmählich bis
auf 190° erhitzt und bei dieser Temperatur einige Zeit erhalten; Kartoffelstärke wird durch
x/2-ständiges Erhitzen, Weizen- und Reisstärke werden erst nach längerer Zeit durch Er-
hitzen auf 180—190° vollständig umgewandelt und sehr leicht löslich in Wasser.

2) Ber. Deutsch, chem. Gesellsoh. 1898, 31, 750; Chem. Revue u. d. Fett- u. Harz-
Industrie 1899, 0, 6; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 497,
1150 u. 1193.
        <pb n="557" />
        ﻿Bestimmung der Jodzahl.

533

die Nachprüfungen von verschiedenen Seiten bestätigt haben, vor dein v. Hüblschen
Verfahren den Vorzug, daß die Lösung in ihrer Wirksamkeit viel beständiger und
die Reaktion schneller beendigt ist. Das Verfahren liefert dieselben Jodzahlen1
wie das von Hüb Ische.

Erforderliche Lösungen:

1.	Jodmonochlorid-Lösung. Man bereitet sie nach einem der beiden folgenden
Verfahren; a) Man löst 13 g Jod in 1 Liter höchst konzentriertem Eisessig (Acidum
aceticum glaciale 99 % Merck; dieselbe darf Kaliumbichromatlösung mit Schwefel-
säure absolut nicht reduzieren), bestimmt in 25 ccm dieser Lösung genau den Titer
und leitet darauf in die Lösung langsam einen durch Waschen von Salzsäure be-
freiten Chlorstrom, bis der Titer verdoppelt ist. Nach einiger Übung läßt sich
dieser Punkt an dem Farbenumschlag genau treffen. — b) Bequemer ist die Her-
stellung aus käuflichem Jodtrichlorid und Jod. Man löst 9 g Jodtrichlorid (schnell
abzuwägen!) in 1 Liter Eisessig von obigen Eigenschaften, pipettiert davon 5 ccm ab,
gibt einige ccm 10 °/0-iger Jodkaliumlösung sowie etwas Wasser hinzu und bestimmt
den Titer mit 1/10 N.-Thiosulfatlösung, dann löst man in der Jodtrichloridlösung
soviel fein zerriebenes Jod, daß der Titer, auf gleiche Weise bestimmt, ein klein
wenig mehr als D/^-mal so groß wird. Wenn man will, kann man die Lösung
noch mit etwas Eisessig verdünnen und, wenn sie nicht völlig klar ist, filtriert
man sie. Lewkowitsch,'2) der das Wijssche Verfahren sehr empfiehlt, schlägt
vor, 9,4 g Jodtrichlorid und 7,2 g Jod auf dem Wasserbade in Eisessig zu lösen
und dabei darauf zu achten, daß während der Behandlung auf dem Wasserbade der
Eisessig kein Wasser anzieht.

2.	Tetrachlorkohlenstoff; er soll mit einer Kaliumbichromat-Lösung und
konzentrierter Schwefelsäure geschüttelt, diese auch nach längerem Stehen nicht
verfärben. Der Tetrachlorkohlenstoff ist dem Chloroform vorzuziehen, weil letzteres
nach Wijs immer etwas Alkohol enthält.

3.	Stärkelösung, Jodkaliumlösung (10°/0-ig) und Thiosulfatlösung
werden in derselben Weise verwendet wie bei dem v. Hüblschen Verfahren.

Ausführung der Bestimmung. Diese erfolgt mit den vorstehend ange-
gebenen Lösungen in derselben Weise wie beim v. Hüblschen Verfahren (Ange-
wendete Substanzmengen: 0,8—1,0 g bei festen Fetten, 0,3—0,4 g bei nichttrocknenden
nnd 0,15—0,18 g bei trocknenden ölen) nur mit folgenden Abweichungen:

a)	Es genügen 10 ccm 10°/o-ige Jodkaliumlösung;

b)	der Jodüberschuß soll etwa 70°/o betragen, d. h. von 100 Teilen zugesetzten
Halogens sollen nur etwa 30°/o zur Addition verbraucht werden;

c)	die Einwirkungsdauer soll für feste Fette und öle mit niedriger Jodzahl
wenigstens 15 Minuten, für öle mit höherer Jodzahl länger und für Leinöl
eine Stunde betragen. J. Lewko witsch empfiehlt als Einwirkungsdauer bei
Fetten und Ölen mit einer unter 100 liegenden Jodzahl 1j2 Stunde, bei halb-
trocknenden ölen 1L—1 Stunde und bei trocknenden Ölen 1 bis höchstens
2 Stunden;

etw . ..	mlt hohen Jodzahlen findet mau nach dem Wijs sehen Verfahren zwar

weiM • lere Werte; diese sind aber, wie Wijs nachgewiesen hat, zweifellos die richtigeren,

m- ,61 ^em v- Hüblschen Verfahren in diesen Fällen eine richtige Titerstellung un-
möglich ist.

Chemische Technologie u. Analyse der Öle, Fette u. Wachse,
Vieweg &amp; Sohn 1906, 1, 274.

t&gt; f J- Lewkowitsch,
-“raunschweig, Fr.
        <pb n="558" />
        ﻿534

Speisefette und -öle.

d)	da der Titer der Jodlösung sich nur wenig ändert — J. Lewkowitsch fand
ihn nach 5 Monaten noch unverändert — so genügt auch hei trocknenden
ölen die einmalige Einstellung derselben durch einen blinden Versuch.

J.	Hanus1) hat an Stelle der Jodmonochloridlösung die Anwendung einer Jod-
monobroinidlösung in Eisessig empfohlen, die vor der ersteren den Vorzug haben soll,
daß sie leichter hergestellt werden kann, und daß eine Einwirkungsdauer von 16 Minuten
auch bei trocknenden Ölen genügt.

C.	Phytosterin-Probe und Phytosterinacetat-Probe nach A. Bömer,

A. Bömer2) fand in allen von ihm untersuchten tierischen Fetten (Schweine-
fett, Rindsfett, Hammelfett, Butterfett, Lebertran, Eieröl) Cholesterin (Schmelzp.
148,4—150,8° korrig.) und in allen pflanzlichen Fetten und ölen (Olivenöl,
Palmbutter, Palmkernfett, Baumwollsamenöl, Erdnußöl, Sesamöl, Eüböl, Rapsöl,
Hanföl, Mohnöl, Leinöl, Rizinusöl) Phytosterine8) (Schmelzpunkte 138,0—143,8°
korrig.) und gründet hierauf seine beiden Verfahren4) zur Unterscheidung
von Tier- und Pflanzenfetten und zum Nachweise von Pflanzenfetten
in Tierfetten, die Phytosterin-Probe und die Phytosterinacetat-Probe.
Von diesen ist die Phydosterinacetat-Probe weit empfindlicher und für den mit
kristallograpbischen Untersuchungen weniger Vertrauten auch im allgemeinen
leichter ausführbar, als die Phytosterin-Probe; dagegen führt die letztere, wenn es
sich nur um den Nachweis handelt, ob Pflanzenfette bezw. größere Beimischungen
von Pflanzenfetten zu Tierfetten vorliegen, weit schneller und mit geringeren
Substanzmengen zum Ziele.

Zur Prüfung der Fette mittels der Phytosterin-Probe und Phytosterinacetat-
Probe ist zunächst die Abscheidung des sog. unverseifbaren Anteils (des „Roh-
Cholesterins bezw. -Phytosterins“) erforderlich, welche nach A. Bömer5) in folgender
Weise erfolgt:

а)	Abscheidung des Roh-Cholesterins bezw. -Phytosterins.6) 100 g Fett
werden in einem Erlenmeyer-Kolben von etwa 1—11/2 1 Inhalt auf dem Wasser-

4) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrunga- u. Genußmittel 1901, 4, 913.

2) Ebenda 1898, 1, 81.

s) Während es sich bei den Cholesterinen aus Tierfetten anscheinend um eine ein-
heitliche Verbindung handelt, zeigen die aus den verschiedenen Pflanzenfetten dargestellten
Phytosterine selbst, wie auch ihre Ester, so große Unterschiede in den Schmelzpunkten,
daß es sich bei ihnen offenbar nicht um eine einheitliche Verbindung, sondern entweder um
verschiedene isomorphe Körper oder wenigstens um Gemische zweier oder mehrerer Körper
in verschiedenen Verhältnissen handelt. Das Phytosterin aus Maisöl, dem A. H. Gill
und Ch. G. Tufts (Journ. Amer. ehern. Soc. 1903, 25, 251 u. 254; Zeitsohr. f. Untersuchung
d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 47 u. 48) den Namen Sitosterin gegeben haben,
ist hierin von den übrigen Phytosterinen nicht verschieden.

4)	E. Salkowski (Zeitschr. analyt. Chom, 1887, 20, 557) hat zuerst die Verschieden-
heit der in tierischen und Pflanzenfetten vorkommenden Alkohole (Cholesterine) zum
Nachweise von Pflanzenfetten in tierischen Fetten, insbesondere von Baumwollsamenöl, Rüböl
und Leinöl im Lebertran verwendet. Er will im Butterfett neben Cholesterin auch Phyto-
sterin gefunden haben und nimmt ferner an, daß das Phytosterin nur in Samenölen und
nicht in den aus dem Fruchtfleisch gewonnenen Ölen (Palmbutter, Olivenöl) vorkomme.

5)	Für die Abscheidung des „unverseifbaren Anteils“ der Fette und Öle nach
A. Bömer ist ein Arbeiten mit verhältnismäßig großen Äthermengen erforderlich; es sind
daher vorwiegend aus diesem Grunde eine Reihe von anderen Vorschlägen gemacht worden,
die ebenfalls Verwendung finden können, von denen aber keines, was Schnelligkeit der
Ausführung betrifft, das nachstehend beschriebene Verfahren erreicht.

б)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1898, 1, 21.
        <pb n="559" />
        ﻿Phytosterin-Probe und Phytosterinaoetafr-Probe.

535

bade geschmolzen und mit 200 ccm alkoholischer Kalilauge (200 g Kalihydrat +11
Alkohol von 70° Tr.)1) auf dem kochenden Wasserbade am Eückflußkühler (als
solcher kann ein etwa 3/4 m langes, hinreichend weites, mit angefeuchtetem
Filtrierpapier umlegtes Glasrohr dienen) verseift, wobei man anfangs häufig und
kräftig umschüttelt, bis der Kolbeninhalt beim Schütteln klar geworden ist, und
dann noch 1/2—1 Stunde unter zeitweiligem Umschütteln die Seife auf dem Wasser-
bade erwärmt. Darauf gibt man die noch warme Seifenlösung in einen Schüttel-
trichter von etwa 2 1 Inhalt, in den man vorher 300 ccm Wasser gegeben hat,
und spült die im Kolben verbliebenen Seifenreste mit weiteren 300 ccm WTasser
in den Schütteltrichter.

Nachdem die Seifenlösung hinreichend abgekühlt ist, setzt man 800 ccm
Äther hinzu und schüttelt den Inhalt etwa x/,—1 Minute kräftig durch. In einigen
Minuten setzt sich die Ätherlösung vollständig klar ab. Man trennt sie in der
üblichen Weise von der Seife, filtriert sie, um etwa vorhandene geringe Mengen der
Seifenlösung zu entfernen, in einen geräumigen Erlenmeyer-Kolben und destilliert
den Äther nach Zusatz von 1—2 Bimstein Stückchen ab. Die Seifenlösung schüttelt
man noch 2- oder 3-mal in derselben Weise mit 400 ccm Äther aus, gibt die Äther-
lösung jedesmal zu dem Destillationsrückstande der vorhergehenden Ausschüttelung
und destilliert die Auszüge in derselben Weise ab. Nach dem Abdestillieren des
Äthers2) bleiben in dem Kolben in der Kegel geringe Mengen Alkohol zurück. Man
entfernt dieselben durch Eintauchen des Kolbens in das kochende Wasserbad unter Ein-
blasen von Luft und verseift den vorwiegend aus Cholesterin (bezw. Phytosterin) und der
durch den Äther gelösten Seife bestehenden Rückstand zur Entfernung etwa noch
vorhandener geringer Mengen unverseiften Fettes nochmals mit 10 ccm obiger
Kalilauge etwa 5—10 Minuten im Wasserbade am Eückflußkühler (wie oben an-
gegeben). Den Inhalt des Kolbens führt man alsdann sofort in einen kleinen
Scheidetrichter Uber, spült mit 20—30 ccm Wasser nach und schüttelt nach dem
Erkalten zweimal mit 100 ccm Äther aus. Nachdem sich in einigen Minuten die
Ätherlösung klar abgesetzt hat,3) läßt man die unterstehende wässerig-alkoholische
Schicht abfließen und wäscht die Ätherlösung 3-mal mit etwa 10 ccm Wasser.
Kach dem Ablaufen des letzten Waschwassers filtriert man den Äther zur Ent-
fernung etwa vorhandener Wassertröpfchen in ein Erlenmeyer-Kölbchen und
destilliert den Äther langsam ab.

Beim Trocknen im Wasserdampftrockenschranke erhält man einen meist festen,
hei tierischen Fetten schön strahlig kristallinen Rückstand, welcher das Cholesterin
bezw. Phytosterin enthält.

Die vorstehenden Mengenverhältnisse müssen genau innegehalten
werden, weil anderenfalls die Ausschüttelungen unter Umständen
Schwierigkeiten bieten,

*) Da sich die alkoholische Kalilauge bei längerem Stehen meist etwas verändert
(Braunfärbung), kann man auch eine wässerige Kalilauge (200 g Kalihydrat mit Wasser
zu 300 ccm gelöst) vorrätig halten und statt der 200 ccm alkoholischer Kalilauge 60 ccm
der wässerigen Lauge und 140 ccm 96°/0-igen Alkohol zur Verseifung verwenden.

2) Um den Äther wieder zu weiteren Ausschüttelungen verwenden zu können, muß
®an ihn durch mehrmaliges Ausschütteln mit Wasser von seinem Alkoholgehalte möglichst

befreien.

8) Sollte sich die Flüssigkeit statt in 2 in 3 Schichten teilen, so setzt man noch
geringe Mengen (10—20 ccm) Wasser hinzu und schüttelt nochmals um.
        <pb n="560" />
        ﻿536

Speisefette und -öle.

Will man nur 50 g oder weniger Fett anwenden, so müssen die anzu-
wendenden Mengen Kalilauge, Wasser und Äther bei der ersten Verseifung ent-
sprechend erniedrigt werden.

b)	Phytosterin-Probe (Untersuchung der Kristallformen).1) Sie beruht auf
der Unterscheidung des Cholesterins und des Phytosterins hezw. ihrer
Gemische durch die Kristallform. Man löst das nach a erhaltene Eoh-
Cholesterin hezw. -Phytosterin je nach seiner Menge in 5—20 ccm absolutem
Alkohol, gibt die Lösung in ein entsprechend großes Kristallisationsschälchen und
läßt unter anfänglichem Bedecken mit einem Uhrglase die Lösung erkalten und ver-
dunsten. Nach einiger Zeit — je nach der Menge des verwendeten Alkohols, unter
Umständen auch erst nach 2—3 Stunden — beginnt die Kristallisation.

Diese weist meistens schon nach ihrem makroskopischen Bilde bei Cholesterin und
Phytosterin große Verschiedenheiten auf. Beim Cholesterin aus Tierfetten beginnt die
Kristallisation mit der Bildung einer dünnen glänzenden Krystalldecke auf der Oberfläche
der Flüssigkeit; bei stärkeren Konzentrationen durchsetzen große dünne, kaum sichtbare
Tafeln die ganze Flüssigkeit. Die Kristalle zeigen aus der Flüssigkeit gebracht und von
der Mutterlauge getrennt, einen starken Seidenglanz. Beim Phytosterin zeigt sich bei
der Kristallisation ein anderes Bild. Aus verdünnten Lösungen scheiden sich, meistens vom
Bande beginnend, bis zu 1 cm lange, verhältnismäßig dicke Nadeln aus. Aus konzentrierten
und verhältnismäßig stark durch sonstige unverseifbare Stoffe verunreinigten Lösungen
scheiden sich gleichmäßig in der ganzen Flüssigkeit sehr feine Nüdelchen ab.

Zur mikroskopischen Untersuchung der Kristalle entnimmt man am
besten mittels eines kleinen Platinspatels einige Kristalle aus der Lösung2) und
bringt sie gleichzeitig mit etwas Mutterlauge auf ein Objektglas, bedeckt mit einem
Deckgläschen und untersucht die Kristalle im gewöhnlichen, aber stark kondensierten
Tageslichte und wenn möglich auch im polarisiertem Lichte. Unter Umständen
empfiehlt es sich, die ersten Kristallisationen wieder in Alkohol zu lösen und sie
nochmals umzukristallisieren.

Die Unterschiede in den Kristallformen sind folgende:

a)	Cholesterinkristalle. Diese stellen dünne Tafeln mit rhombischem
Umriß (Fig. 262 a) dar, die wahrscheinlich dem triklinen Kristallsystem angehören
und bei denen die sog. Auslöschungsrichtungen —- bei der also die Kristalle
unter dem Polarisationsmikroskope bei gekreuzten Nikols dunkel erscheinen —,
wie in den Figuren durch die Pfeile angedeutet ist, fast diagonal verlaufen. Neben
diesen rhombischen Tafeln treten auch häufig die Formen Fig. 262 b, c und, aller-
dings seltener, auch die Form d auf.

ß) Phytosterinkristalle. Diese bestehen meist aus dünnen verhältnis-
mäßig breiten Nadeln mit zweiseitiger Zuspitzung (Fig. 263 a); manchmal fehlt
aber auch die Zuspitzung (Fig. 263 c) und vereinzelt sind die Kristalle an den Enden
auch abgeschrägt, indem die eine der beiden zuspitzenden Flächen fehlt (Fig. 263 b).
Je öfter die Phytosterinkristalle umkristallisiert und je reiner sie somit werden,
desto größer werden sie meist und desto mannigfaltiger wird auch ihre Form. In
■der Kegel haben bei den späteren Kristallisationen die Phytosterinkristalle die

D Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- n. Genußmittel 1898, 1, 21 u. 632.

2)	Von anderer Seite ist empfohlen worden, einige Tropfen der alkoholischen Lösung
.auf dem Objektglase direkt verdunsten zu lassen und diese mikroskopisch zu untersuchen.
Unter den meisten Verhältnissen ist aber eine Untersuchung größerer Kristalle wünschens-
wert und es empfiehlt sich nicht, sich an gewisse oberflächliche Erscheinungen der Kristalle
zu halten, sondern die Natur der Kristalle (Winkel, Auslüschungsrichtuug usw.) genau
zu studieren.
        <pb n="561" />
        ﻿Phytosterin-Probe und Phytosterinaoetat-Probe.

537

X

X

Form breiter sechsseitiger Tafeln (Fig. 263 d), doch beobachtet man auch die
Kristallformen g und h in Fig. 263. Die verschiedenen Formen treten auch bei
ein und derselben Kristallisation vielfach nebeneinander auf. Die Kristallformen
e und f dagegen werden nur selten angetroffen.

Die „Auslösungsrichtungen“

liegen parallel der Längsrichtung
der Kristalle und senkrecht dazu.
Cholesterin- und Phytosterin-
kristalle unterscheiden sich auch
durch die Größe ihrer Winkel;
doch sei in dieser Hinsicht auf
die Quelle verwiesen.

y) Mischungen von
Cholesterin und Phytos-
terin. Diese kristallisieren
nicht in nebeneinander auf-
tretenden Formen von Chole-
sterin und Phytosterin, sondern,
wenn beide Körper in ungefähr
gleichen Mengen vorhanden sind
oder das Phytosterin vor-
herrscht, in den gleichen oder
doch (bis auf die Differenz in

Fig. 262,

Kristallformen des Cholesterins.
Nach A. Börner.

XI

&amp;

Fig. 263.

Kristallformen des Phytosterins.
Nach A. Börner.

"“u fürs aiu nie i m i iui ui/, j j.

den Winkeln) so gut wie gleichen Formen, wie die reinen Phytosterine. Wenn
dagegen Cholesterin in der Mischung bedeutend vorherrschend ist, so ist die
Kristallform des Gemisches weder die des Phytosterins noch Cholesterins, sondern
es entstehen große Mengen äußerst feiner, kurzer Kristallnädelchen (Fig. 264 a),

Oy	t&gt;

Fig. 264.

Kristallformen von Mischungen des Cholesterins mit Phytosterin.
Nach A. Börner.

Fig. 266.

Kristallformen von Mischungen
d. Cholesterins mit Phytosterin.
(Stärker vergrößert als Fig.
264a.) Nach A. Börner.

die sich bei genauerer Untersuchung als dreiseM^ Sachen erkennen lassen
(Fig. 265) und die für derartige Gemische ®"n“J.dünnter Lösung erhält man zu-
Bei sehr langsamem Kristallisieren	Tafein. die am Bande fast aus-
weilen ans dieser Mischung auch große (	, X 264 b) oder auf denen

-»•** “ *- 'T,n "SÄT

zahlreiche Nädelchen in paralleler Stellung Gig. &gt;	&amp;	f l Teil

Mischkristalle beobachtet man selbst noch in Gemischen, m denen
        <pb n="562" />
        ﻿538

Speisefette und -öle.

Phytosterin 10—20 Teile Cholesterin kommen. Ist dagegen der Phytosteringehalt
der Mischung noch geringer, z. B. 1 Teil Phytosterin auf 50 Teile Cholesterin, so
lassen sich die Kristalle von denen des reinen Cholesterins makro- und mikroskopisch
nicht unterscheiden.

c) Phytosterinacetat-Probe. Sie beruht auf dem etwa 10—20° betragenden
Unterschiede der Schmelzpunkte der Acetylester des Cholesterins einer-
seits und der Phytosterine andererseits und der Eigenschaft dieser Ester
in Gemischen nicht zusammen, sondern getrennt zu kristallisieren. Da
die Acetylester der Phytosterine schwerer in Alkohol löslich sind, als der des Cholesterins,
so reichern sich heim fraktionierten Umkristallisieren die ersten Krystallisationen
immer mehr mit den Phytosterinestern an, die man durch ihre höheren Schmelz-
punkte (125,6—137,0° korrig.) von dem Cholesterinester (Schmelzp. 114,3—114,8°
korrig.) unterscheidet hezw. in Gemischen neben diesen nachweist.

Man verbindet am besten die Phytosterinacetat-Probe mit der Phytosterin-
Probe und verfährt nach A. Börner1) in folgender Weise:

Das aus 50 oder besser aus 100 g Fett in der oben (S. 534) beschriebenen
Weise gewonnene Bob-Cholesterin bezw. -Phytosterin löst man in möglichst wenig
absolutem Alkohol (1), führt es unter Nachspülen mit geringen Mengen Alkohol
in ein kleines Kristallisationsschälchen (2) über und läßt kristallisieren.

Die sich zuerst aussoheidenden Kristalle prüft man mittels der „Phytosterin-
Probe“ (S. 536) mikroskopisch auf ihre Kristallform, ob Cholesterin oder Phytosterin
bezw. Mischkristalle vorliegen (3). Nachdem dies geschehen ist, verdunstet man den
Alkohol wieder vollständig auf dem Wasserbade, setzt darauf 2—3 ccm Essigsäure-
anhydrid (4) hinzu, erhitzt, unter Bedeckung des Schälchens mit einem Uhrglase (5),
auf dem Drahtnetze etwa 1/4 Minute zum Sieden und verdunstet nach Entfernung
des Uhrglases den Überschuß des Essigsäureanhydrides auf dem Wasserbade (6).
Darauf erhitzt man den Inhalt des Schälchens unter Bedeckung mit einem Uhrglase
mit so viel absolutem Alkohol wie zur Lösung des Esters erforderlich ist (7) und

*) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1901, 4, 1070. Von dieser
Vorschrift weicht die der Anlage d der Ausführungsbestimmungen D zum „Fleischbeschau-
Gesetz“ für die Untersuchung des Schweineschmalzes auf Pflanzenfette etwas ab; sie lautet:

„100 g Fett werden in einem Kolben von 1 1 Inhalt auf dem Wasserbade geschmolzen
und mit 200 ccm alkoholischer Kalilauge, welche in 1 1 Alkohol von 70 Volumprozenten
200 g Kaliumhydroxyd enthält, auf dem kochenden Wasserbad am Eückflußkühler verseift.
Nach beendeter Verseifung, die etwa 1/2 Stunde Zeit erfordert, wird die Seifenlösung mit
600 ccm Wasser versetzt und nach dem Erkalten in einem Schütteltrichter viermal mit
Äther ausgeschüttelt. Zur ersten Ausschüttelung verwendet man 800 ccm, zu den folgenden
je 400 ccm Äther. Aus diesen Auszügen wird der Äther abdestilliert und der Eückstand
nochmals mit 10 ccm obiger Kalilauge 5—10 Minuten im Wasserbade erhitzt, die Lösung
mit 20 ccm Wasser versetzt und nach dem Erkalten zweimal mit je 100 ccm Äther aus-
geschüttelt. Die ätherische Lösung wird viermal mit je 10 ccm Wasser gewaschen,
danach durch ein trocknes Filter filtriert und der Äther abdestilliert. Der Eückstand
wird in ein Glasschälchen gebracht und darin bei 100° getrocknet. Darauf setzt man
2—3 com Essigsäureanhydrid hinzu, erhitzt, unter Bedeckung des Schälchens mit einem
Uhrglas, auf dem Drahtnetz etwa J/2 Minute lang zum Sieden und verdunstet den Über-
schuß des Essigsäureanhydrids auf dem Wasserbade. Der Eückstand wird vier- bis fünfmal
aus geringen Mengen, etwa 1 bis 1,5 ccm absolutem Alkohol umkristallisiert und Vun der
dritten Kristallisation ab jedesmal der Schmelzpunkt bestimmt. Schmilzt das letzte Kri-
stallisationsprodukt erst bei 117 0 (korrigierter Schmelzpunkt) oder höher, so ist der Nach-
weis von Pflanzenöl als erwiesen zu betrachten.“
        <pb n="563" />
        ﻿Phytosterin-Probe und Phytosterinacetat-Probe.	53g

überläßt die klare Lösung anfangs — bis zum Erkalten auf Zimmertemperatur —
unter Bedeckung mit einem Ulirglase der Kristallisation.

Nachdem die Hälfte bis zwei Drittel der Flüssigkeit verdunstet und der
größte Teil des Esters auskristallisiert ist, filtriert man die Kristalle durch ein
kleines Filter ab und bringt den in der Schale noch befindlichen Eest mit Hilfe
eines kleinen Spatels und durch zweimaliges Aufgießen von 2—3 ccm 95 °/0-igem
Alkohol gleichfalls auf das Filter. Den Inhalt des Filters (8) bringt man wieder
in das Kristallisationsschälchen zurück, löst denselben je nach seiner Menge in
2—-10 ccm absolutem Alkohol und läßt wiederum kristallisieren (9). Nachdem der
größte Teil des Esters auskristallisiert ist, filtriert man abermals ab (10) und
kristallisiert -weiter in derselben Weise so lange um, wie die Menge des Esters aus-
reicht (11). Von der dritten Kristallisation an bestimmt man den Schmelzpunkt (12)
des Esters und wiederholt diese Bestimmung bei jeder folgenden Kristallisation (13).

Ist bei den in dieser Weise ausgeführten Schmelzpunktbestimm-
ungen bei der letzten Kristallisation der Ester bei 116° (Korrigierter
Schmelzpunkt) noch nicht vollständig geschmolzen, so ist ein Zusatz
von Pflanzenfett anzunehmen, schmilzt der Ester aber erst bei 117°
(Korrigierter Schmelzpunkt) oder noch höher, so kann ein Gehalt an
Pflanzenfett mit Bestimmtheit als erwiesen angesehen werden (14).

Erläuterungen zu vorstehendem Verfahren:

1- Man kommt etwas schneller zum Ziele, wenn man aus der nach der zweiten Ver-
seifung erhaltenen ätherischen Lösung den Äther bis auf einen kleinen Rest abdestilliert,
diesen sofort in das Kristallisationsschälchen überführt, hierin den Eest des Äthers
abdunstet, den Rückstand im Wasserdampf-Trockenschranke trocknet und dann in
Alkohol löst.

2. Wir haben zu den Versuchen stets dünnwandige Glasschälchen mit flachem Boden
(von Fr. Hugershoff in Leipzig bezogen) verwendet und zwar zu den ersten
Kristallisationen in der Regel Schälchen von 6 cm, zu den späteren dagegen solche
von 4 cm oberem Durchmesser.

3-	Es empfiehlt sich stets die „Phytosterin-Probe“, d. h. die Bestimmung der Kristall-
form der Alkohole vor der Veresterung, mit der Phytosterinacetat-Probe zu
verbinden, um auch gleichzeitig ein Urteil darüber zu gewinnen, ob größere oder ge-
ringere Mengen von Pflanzenfett vorhanden sind. Selbstredend ist es nicht notwendig,
die Gesamtmenge des Roh Cholesterins zur Phytosterin-Probe in Alkohol zu lösen
und kristallisieren zu lassen; man kann auch sofort einen Teil der ätherischen Lösung
oder einen Teil des festen Rohcholesterins bezw. -phytosterins abtrennen. Immerhin
dürfte sich aber das oben vorgeschlagene Verfahren als am besten erweisen, da einer-
seits die Kristalle größer und daher für die mikroskopische Beobachtung geeigneter
ausfallen werden und andererseits auch auf diese Weise der Substanzverlust am ge-
ringsten sein wird,

4-	Wir verwendeten stets „Acidum aceticum purissimum anhydricum“ von E. Merck in
Darmstadt. Die angegebene Menge von 2—3 com genügt, wenn es sich um Tierfette
oder Gemische dieser mit wenigen Prozenten Pflanzenfett handelt, für die bei diesen
vorkommenden geringen Cholesterinmengen. Enthält das Fett größere Mengen von
Pflanzenfetten oder ist es ein reines Pflanzenfett, und ist die Menge des Rohcholesterins
bezw. -phytosterins infolgedessen größer, so empfiehlt es sich entsprechend mehr
Essigsäureanhydrid zu verwenden.

o. Es empfiehlt sich das Schälchen beim Erhitzen mit dem Essigsäureanhydrid bedeckt
zu halten, einerseits, weil man dadurch eine Belästigung durch die unangenehm auf
die Augen wirkenden Dämpfe des Essigsäureanhydrides vermeidet, andererseits aber
hauptsächlich deswegen, weil auf diese Weise durch das an den Wänden der Schale
und an dem Uhrglase sich wieder verdichtende Essigsäureanhydrid etwaige Teile des
Rohcholesterins, welche sich vorher beim Verdunsten der Lösung an den Wänden
        <pb n="564" />
        ﻿540

Speisefette und -öle.

des Schälchens angesetzt haben, wieder sicher in die Flüssigkeit zurückgebracht und
verestert werden.

6.	Der Verdunstungsrüokstand stellt bei Wasserbadwärme in der Eegel eine hellbraune
klare harzige Masse dar, die beim Erkalten meist trübe und fest wird.

7.	Die erforderliche Menge richtet sich ganz nach der Menge des vorhandenen Eoh-
cholesterins bezw. des Esters. Es dürften im allgemeinen wegen der Schwerlöslich-
keit des Esters (100 ccm absol. Alkohol vermögen bei 17,5° nur 0,60 g Cholesterinester
und 0,47 g Phytosterinester in Lösung zu halten!) bei reinen tierischen Fetten und
solchen mit nur wenig Pflanzenfett, aus denen man etwa 0,1— 0,3 g Eohcholesterin
erhält, 10—25 ccm absol. Alkohol erforderlich sein. Bringt mau beim Erhitzen mit
diesen Alkoholmengen den Ester nicht in Lösung, so nimmt man eben mehr Alkohol.

Es empfiehlt sich, die erste Kristallisation, bei der es vorwiegend darauf an-
kommt, die Ester von den nicht kristallisierenden Verunreinigungen zu trennen, recht
langsam etwa in 1—2 Stunden erfolgen zu lassen. Erfolgt die Kristallisation sofort
nach dem Erkalten, so empfiehlt es sich, nach Zusatz von etwas Alkohol die Kristalle
nochmals durch Erwärmen in Lösung zu bringen.

8.	Es empfiehlt sich, das noch feuchte Filter auf einem Tonteller noch möglichst von der
Flüssigkeit zu befreien.

9.	Bei dieser und den weiteren Kristallisationen kann mau die Menge des zur Lösung
der Kristalle dienenden Alkohols ohne Nachteil so knapp bemessen, daß die größte
Menge der Kristalle schon nach 1/4—1/2 Stunde auskristallisiert ist; nur empfiehlt es
sich auch hier, bis zum Erkalten der Lösung auf Zimmertemperatur das Schälchen mit
einem Uhrglase bedeckt zu halten, damit die Erkaltung und Verdunstung im Anfänge
nicht zu schnell erfolgt.

10.	Man muß natürlich beim Abfiltrieren der weiteren Kristallisationen immer möglichst
kleine Filterchen nehmen oder aber man kann, — was meist noch zweckmäßiger er-
scheint — etwa von der dritten Kristallisation an den feuchten Kristallbrei mit der
Mutterlauge, anstatt ihn durch ein in einem Trichter befindliches Filter zu filtrieren,
mittels eines kleinen Spatels auf die Mitte eines Stückchens möglichst glatten Filtrisr-
papieres auf einen Tonteller bringen und die Mutterlauge von diesem einsaugen
lassen. Nachdem dies geschehen ist, deckt man die Kristalle behufs vollständiger
Befreiung von der noch anhaftenden Mutterlauge mit einigen Tropfen 95 °/0-igen
Alkohols.

11.	Dies hat man naturgemäß zum Teil selbst in der Hand. Läßt man bei den einzelnen
Kristallisationen sehr viel auskristallisieren, so reicht natürlich die Substanz zu
öfteren Kristallisationen aus; läßt man dagegen nur wenig auskristallisieren, so er-
reicht man dadurch eine verhältnismäßig stärkere Anreicherung der Kristalle mit etwa
vorhandenem Phytosterinester.

12.	Es empfiehlt sich, die Schmelzpunktbestimmungen mit einem verkürzten Normal-
thermometer für die Temperaturen 100—150° nach Graebe-Anschütz auszuführen,
und dasselbe bis mindestens zu dem Teilstriche 116° bezw. dem zu erwartenden
Schmelzpunkte in die Heizflüssigkeit eintauchen zu lassen. In diesem Falle ist eine
Korrektur des Schmelzpunktes nicht erforderlich. Benutzt man dagegen ein längeres
Thermometer, so genügt es, den Schmelzpunkt für den aus der Heizflüssigkeit hervor-
ragenden Quecksilberfaden zu korrigieren nach der Gleichung:

S = T + n (T — t). 0,000154

worin bedeutet:

S den korrigierten Schmelzpunkt,

T den beobachteten Schmelzpunkt,

n die Länge des aus der Heizflüssigkeit hervorragenden Quecksilberfadens in
Temperaturgraden,

t die mittlere Temperatur der die hervorragende Quecksilbersäule umgebenden Luft,
gemessen mittels eines zweiten Thermometers, welches man an der Mitte des
hervorragenden Quecksilberfadens anbringt.
        <pb n="565" />
        ﻿Phytosterin-Probe und Phytosterinacetat-Probe.

541

13.	Es erscheint im Interesse der Substanzersparung nicht erforderlich, bei jeder Kristalli-
sation Doppelbestimmungen des Schmelzpunktes auszuführen, da sich die Schmelz-
punkte einer jeden Kristallisation jedesmal durch die Schmelzpunkte der folgenden
Kristallisation, die gleich oder höher sein müssen, kontrollieren lassen.

14.	Die Sohmelzpunktangaben 116 (korr.) bezw. 117° (korr.) beziehen sich auf die voll-
ständige Schmelzung der Ester, während der Beginn des Schmelzens (das Durch-
sichtigwerden) durchweg etwa 0,6° tiefer liegt. Wenn A. Börner bei reinen Essig-
säure-Cholesterinestern den Punkt des vollständigen Schmelzens auch nicht über 114,6°
(korr.) gefunden hat, so hält er es doch für angebracht, erst von 116° an auf einen
Zusatz von Pflanzenfett zu schließen, da die Bestimmung der Schmelzpunkte je nach
der Ausführung derselben von verschiedenen Beobachtern vielfach bei einer und der-
selben Substanz nicht unerhebliche Abweichungen aufweist. Ferner hat er vorläufig
die Grenze — 117° (korr.) —, von der an mit Bestimmtheit auf einen Zusatz
von Pflanzenfett zu schließen ist, absichtlich so weit hinaufgesohoben, obgleich sie
voraussichtlich schon bei 116° (korr.) liegen dürfte, bis ein noch größeres Unter-
suchungsmaterial vorliegt.

Die Phytosterinacetat-Probe eignet sich zum Nachweise aller
Pfanzenfette in allen Tierfetten.1) Sie ist bis jetzt im Prinzip nur eine
qualitative Prüfung, wenngleich bei geringen Zusätzen, wenn die Art der
Pflanzenfette bekannt ist, bei längerer Übung und beim Vergleich mit Mischungen
von bekanntem Gehalt eine annähernde Schätzung der zugesetzten Menge Pflanzen-
fett nicht ausgeschlossen ist.

l) Bei Wollfett ist das Verfahren noch nicht angewendet worden und muß vor-
laufig dahingestellt bleiben, ob dasselbe bei diesem wegen seines hohen Cholesteringehaltes
und wegen des Gehaltes an Isooholesterin den Nachweis von Pflanzenfett bezw. geringer
Mengen desselben ermöglicht.
        <pb n="566" />
        ﻿542

Speisefette und -öle.

Übersichtstabelle analytischer Kon-

I.	Pflanzliche

	Bezeichnung	Spezifisches Gewicht des Fettes		Des Fettes		Der  Fettsäuren	
6	der  Fette und Öle.	bei 15°	bei 100° (Wasser von 15° = 1)	Schmelz-  punkt  Grad	Erstarrungs-  punkt  Grad	N +3  ”3 '“ä  1 “ rC Q.  O ^  Ul  Grad	Cß  5rj1ä  . Ö ^  p  3 E B  S *  +3  GO  Grad
i	A. Feste Fette. Palmfett (-butter). . . .	0.921—0,947	0,857—0,860	27—43	31—39	47—50	39—46
2	Palmkernfett		0,952—0,955	0,867—0,873	23—28	20—24	21—29	20—26
3	Kokosfett (-butter) . . .	0,925—0,926	0,863-0,874	20—28	14—23	24—27	16—23
4	Kakaofett (-butter) . . .	0,945—0,976	0,857—0,858	28-36	20—27	48-53	46—51
5	Mowrafett (Bassia lon- gifolia) 		0,918		25—42	17-36	40—45	38—40
6	Sheafett (Bassia Parkii)	0.963—0,955	0,859	23—28	17—18	40—57	38-52
7	Stillingiafett (-talg) . .	0,916—0,921	0,860	35—53	24—38	39—57	34-56
8	Japantalg (von Rhus-Arten) .	0,970—0,993	0,873—0,875	50—56	46—53	66-62	53—57
9	B. Nichttrocknende Öle.'2)  Olivenöl		0,914—0,920	0,862—0,864	flüssig	— 6 bis +10	19—33	17—25
10	Mandelöl		0,914—0,920	—	11	— 10 bis —22	13—14	5—12
11	Haselnußöl		0,915—0,924	—	h	— 10 bis — 20	17—25	9—20
12	Erdnußöl		0,911-0,926	0,864—0,867		— 7 bis + 3	27—36	22—32
13	Rüböl (Rapsöl)		0,911—0,918	0,863	»	0 bis —10	16-22	12-19
14	Ravisonöl		0,918-0,922	—	11	0 bis — 8	—	—
15	Sesamöl		0.921—0,924	0,871		— 4 bis — 6	21—32	18-29
16	Baumwollsamenöl . . .	0,920-0,930	0,867—0,874		— 1 bis -f- 4	34- -43	31—40
17	Baumwollsamenstearin .	0,919-0,923	—	26—40	16—33	27—3&lt;	21—35
18	Maisöl		0,921—0,927	0,871—0,876	flüssig	—10 bis —15	16—23	13—16
19	Bucheokernöl		0,920—0,923	—	11	— 17 bis —18	23—24	17
20	Sojabohnenöl		0,924—0,927	—	11	8—15	27—29	23—25
21	Leindotteröl		0.920—0,933	—	ii	— 17 bis —19	18-20	13-14
22	C. Trocknende Öle. Sonnenblumenöl . . . .	0,924—0,936	0,919 (bei 90°)	»	—16 bis — 19	17—24	17-18
21	Mohnöl		0.924—0.937	0,873	ii	— 17 bis —19	20-21	16—17
24	Hanföl		0,925—0,931	—		— 28	17—19	14—16
2c	Walnußöl . . -		0,925—0,928	0,870	—15 bis — 28	— 28	15—2(	16—20
2t	Holzöl (Elaeococca). . .	0,933—0,943	—	—	unter —17	30-41	31—37
2r	Leinöl		0,930—0,941	0,881	—16 bis — 2C	— 20 bis — 2r	11—24	13-21

1)	Die Zahlen der Tabelle der 2. Auflage sind ergänzt nach Benedikt-Ulzer, Analyse
Chemische Technologie und Analyse der Öle, Fette und Wachse, Braunschweig 1905, Fr. Yieweg

2)	Einen Teil dieser Öle bezeichnet man auch wohl als halbtrocknende öle,

3)	Anscheinend nicht korrigierter Schmelzpunkt.

stauten von Fetten und Ölen.1)
Fette und Öle.

Uhersichtstabelle.

543

Refraktometerzah 1 (Zeißsches Butter- Refraktometer)		Verse  z	ifungs-  ahl  KOH  1 g ett)	Reichert-  Meißlsche  Zahl  (für 6 g Fett)	Jodzahl			Unver-  seifbarer  Anteil  der Fette  0/	Schmelzpunkt  des  Phytosterins  bezw.  Cholesterins  (korrig.)	d  £5
bei 25°	bei 40°	(mg  für  F			des  Fettes		der  flüssigen  Fettsäuren			
—	36,5	196	-203	0,3—1,0	50-	-52	94,6	wenig	139,1	i
			36,5	241-	-255	3,4-6,8	10-	-18	—	0,23	140,1	2
			33,5—35,5	246-	-268	6,0—8,5	8-	-10	32—54	—	—	3
	46,0—47,8	192-	-202	0,2-1,6	33-	-42	—	—	—	4
—	—	188-	-192	1,7	50-	-64			2,34	_	5
'—	49,0	179-	-192	—	62-	-67	—	3,50	| 		6
			38 (bei 50°)	199-	-204	0,7	19-	-53	97,0	—	—	7
				207-	-238	—	4-	-15	—	1,10—1,63	—	8
62&gt;0—62,8 64,0—04,8	63,0-56,4	185-  188-	-196  -195	0,3—1,5	79-  93-	-94  -102	93—104  102	0,46—1,40	138,0—138,5	9  10
RfS ö nn ~	—	187-	-197	1,0	83-	-90	91—98	0,50	—	11
67,5	57,5	186-	-197	0—1,6	83-	-105	106—129	0,38—0,94	140,3—141,2	12
OÖ,ü	58,5—59,2	168-	-179	0-0,9	94-	-106	121—126	0,50—1.00	140,6—143,7	13
G,6	—	174-	-179	—	101-	-122	124	1,45—1,66	—	14
D’^~-69,0 67 ß n* ,	58,2—60,6	187-	-195	0,1-1,2	103-	-115	129—140	0,95—1,32	140,1—140,4	15
69,4	68,4-61,0	191-	-198	0,5—1,0	101-	-117	|l42—152	)0,73—1,64\	139,1—139,31	16
	—	194-	-195	—	89-	-104		l 0,27	)		17
*1,5	—	188-	-203	0,3-0,7	111-	-131	136—144	1,35—2,86	138,0—138,33)	18
	—	191-	-196	—	104-	-120	—	—	—	19
	—	190-	-193	—	121-	-124	131	0,22	—	20
	—	188		—	133-	-142	165	— '	—	21
72,2  72,0—-74,5	63,4  65,2	188-  189-	-194  -198	0,5  0—0,6	120-  131-	-135  -158	164  150	0,31  0,43-0,50	139,6	22  23
	—	190-	-193	—	140-	-166	—	1.08	140,6	24
	64,8—68,0	186-	-197	—	132-	-152	167	—		25
8l&gt;°-87,5	72,5—74,5	179-  188-	-211  -195	0—0,9	150-  170-	-166  -202	146  190—210	0,42—1,10  0,64—2,30	140,1	26  27

Sohn . Wachsarten, 4. Au:
’ S0wie nach Einzelarbeiten.

Berlin, Julius Springer, 1903,

und J. Lewkowitsch,
        <pb n="567" />
        ﻿544

Speisefette und -öle.

II. Tierische

	Bezeichnung	Spezifisches Gewicht		Des Fettes		Der  Fettsäuren	
d  £	der  Fette und Öle	bei 150	bei 100°  (Wasser von 15°= 1)	Schmelz-  punkt  Grad	Erstarrungs-  punkt  Grad	i 4*  1 |  O  CQ  Grad	1  CO  fcß  3 S  S g ■s  s  w  Grad
1	Kuhbutterfett		0,926—0,946	0,863—0,870	28—35	19—26	38-45	33-38
2	Margarinefett1 2)		0,925—0,930	0,859	32—35	20—22	42	39,8
3	Rindsfett		0,943—0,953	0,860-0,861	42—50	27—38	41—47	39-47
4	Hammelfett		0,937—0,961	0,858—0,860	43—55	31-41	41—57	39—62
5	Oleomargarine		0,924-0,930	0,859-0,860	34	—	42-46	40-43
6	Schweinefett		0,931—0,938	0,869—0,864	34—48	26—32	35—47	34—42
7	Kunstspeisefett1) ....	—	—	—	—	—	—
8	Schmalzöl		0,916	0,863	—	—	—	—
9	Pferdefett		0,916—0,933	0,861	15—54	20—48	36—44	30—38
10	Knochenfett		0,914-0,926	—	21—22	15—17	30-45	36-43
11	Gänsefett		0,916-0,930	—	25—40	18—34	35—41	31—40
12	Eieröl		0,914	0,881	22—25	8—10	36-39	—
13	Dorschlebertran		0,920—0,941	0,874	flüssig	0 bis — 10	21—25	13—24
14	Robbentran		0,916-0,930	0,873		— 2 bis — 3	22—23	16-20
15	Walfisch trän		0,917-0,931	0,872	11	—	14-27	20—27
16	Delphintran		0,927	—		5 bis — 3	—	—
17	IWollschweiß-troh. . .	0,941—0,945	—	31-43	30-30,2	41,8	40
18	/	fett	\ gereinigt .	0,973	0,902  (bei 98,5°)		38-40		

III. Sonstige Fette,

Bienenwachs		0,969—0,975	0,813—0,827	63—70	60-63	—
Fichtenharz		1,070	—	90—100			—
Harzöl		0,960—1,000	—		—	—
Mineralöle		0,850-0,932	—	—	0 bis — 10	—
Paraffin		0,869—0,943	0,750—0,800	50-60	38-82	—
Ceresin 		0,918-0,922		61—68		

J) Dieses Fett enthält fast stets Pflanzenfette. Die höchsten Yerseifungszahlen und Reichert-

2) Bei der Milch einzelner Kühe sind noch niedrigere Zahlen beobachtet worden.

®) Schmelzpunkt des Acetates.

4) Bei japanischem und chinesischem Schweinefett wurden Jodzahlen des Fettes bis 101,7
bis 57,3.

Fette und Öle.

Übersichtstabelle.

545

B-efraktometerzahl
(Zeißsches Butter-
Refraktometer)

bei 25o

bei 40°

68,5

76,0

72,7

65-70

Verseifungs-

zahl

(mg KOH
für 1 g
Fett)

Reichert-I
Meißlsche
Zahl
(fürögFett)]

Jodzahl

des

Fettes

39,4—46,C	219-233	173)—34	26—38
48,6—60,1	192—2204)	0,1—6,51	48—77
45,0—50,0	193—200	0,1—1,0	35-48
47,5-48,7	192-198	0,1-1,2	33-46
—	192—200	0,1-1,0	44—66
48,5-51,5	195—200	1,1	46—771)
53	195—200	0,1-1,6	70—88
41,0	193	—	67—88
61,0—60,0	183—200	0,2-2,1	71-90
—	181—195	—	46-63
50,0—51,5	184—198	0—2,0	59-81
—	184—191	0,4—0,7	69—82
71	171—206	—	123-181
64,0	178—196	0,1-0,2	127-161
56,0	188—224	0,7—12,5	106—140
■—	197—203	11,2	100—127
■—	78—109	7—10	20—21
	98—127	12,3	11-15

der

flüssigen

Fett-

säuren

89—92

92,7

89—116 J)j
117—133
94-95,8)
124—125

167.6

144.7

Unver-
seifbarer
Anteil
der Fette

0,31-0,51

0,25—0,31

0,12—0,17
0,16
0,18-0,19
0,10—0,28

Schmelzpunkt

des

Cholesterins

bezw.

Phytosterins

(korrig.)

0,5-1,8
4,50

0,54—7,83

0,38—1,40

0,65—3,72

38,7—44,0

148,4—150,3
1136,0—142,2^
\ (128-131)3) /

149.2—	150,0
160,0

149.3—	160,0
148,9—150,7

(123-127)3)

150,5

150,5



°,e oa« Wachse.

1

2

3

4

5

6

7

8
9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

^6iß Ischen

42,9-45,6  (berechnet)	88—107	0,3—0,5	4—14	—	52,4—55,6	
“—'	178—182	—	122—137	—	_	_
	—	—	—	—	98,7		
	—	—	—	—	100		
	—	—	2-3	—	100		
			0—0,6		100	—

ahleu sind durch einen Gehalt an Kokosfett bedingt.

Und Solchc der flüssigen Fettsäuren bis 138,7 beobachtet; die Refraktometerzahlen bei 40° gingen
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	35
        <pb n="568" />
        ﻿546

Speisefette und -öle.

Untersuchung und Beurteilung der verschiedenen
Speisefette und -öle.

Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, haben wir die wichtigsten ana-
lytischen Konstanten der hauptsächlichsten Speisefette und -öle, sowie der zu ihrer
Verfälschung dienenden Fette und Öle in den Tabellen (S. 542—545) zusammen-
gestellt. Hinsichtlich der Beurteilung der Speisefette und -öle auf Grund dieser
ihrer Konstanten ist zu berücksichtigen, daß in die Tabellen, soweit wie möglich,
alle bei den betr. Fetten und ölen beobachteten Zahlen Aufnahme gefunden haben,
und daß vielleicht bei der Ermittelung mancher dieser Zahlen nicht hinreichend zu-
verlässig reine oder alte und ranzige Fette und öle Vorgelegen haben.

Die in der Kegel beobachtete Höhe dieser Konstanten wird, soweit dies
erforderlich ist, bei den einzelnen Speisefetten und -ölen noch besonders angegeben
werden.

I.	Butter und Butterschmalz.

Butter ist das erstarrte, aus der Milch abgeschiedene Fett, welches noch
eine gewisse Menge süßer oder saurer Magermilch in gleichmäßiger und feinster Ver-
teilung eingeschlossen enthält.

Der Hauptbestandteil der Butter ist das der Kuhmilch entstammende Fett.

Das Butterfett unterscheidet sich wesentlich dadurch von anderen tierischen
Fetten, daß es neben den Glyzeriden der höheren Fettsäuren (öl-, Palmitin- und
Stearinsäure) auch eine größere Menge von Glyzeriden der niederen, flüchtigen Fett-
säuren (Buttersäure, Kapron-, Kapryl- und Kaprinsäure usw.) enthält.

Die mittlere Zusammensetzung der Butter ist nach zahlreichen Untersuchungen
folgende:

Wasser Fett Kasein Milchzucker Milchsäure Salze
13,45 °/„ 83,70 °/0 0,76 °/0	0,50 »/„	0,12 «/„	1,59 °/0.

Je nach der Bereitungsweise unterscheidet man Butter aus süßem und solche
aus saurem Rahm, je nach Jahreszeit und Fütterungsweise Winterbutter und
Sommerbutter (Grasbutter), je nach der Güte Tafelbutter, Bauern- oder Landbutter,
Faktoreibutter usw.

Um eine größere Haltbarkeit des Butterfettes zu erzielen, wird die Butter
häufig durch Schmelzen von Wasser, Kasein, Milchzucker und Salzen befreit; die
Butter wird, wie man zu sagen pflegt, ausgelassen. Das durch Schmelzen der
Butter von den Milchbestandteilen getrennte klare Fett bildet erkaltet das Butter-
schmalz, die Schmalz- oder Schmelzbutter, in Suddeutschland Rindsschmalz, auch
einfach Schmalz genannt.

Der Zusatz von Kochsalz zur Butter, den man in Suddeutschland nicht
kennt, ist in Mittel- und Norddeutschland fast allgemein üblich und, sofern er sich
in mäßigen Grenzen hält, nicht zu rügen.

Um der Butter, welche im Winter bei Trockenfütterung nahezu weiß ist,
im Sommer bei Grünfütterung dagegen eine mehr oder minder gelbe Farbe hat, das
ganze Jahr hindurch eine gleichmäßige Farbe zu geben, wird die Winterbutter
vielfach gefärbt.

Neuerdings wird, namentlich in Amerika1), ranzige und sonstwie verdorbene
Butter durch Auslassen, Behandeln mit Luft, erneutes Emulgieren mit Milch und
darauffolgende Verbutterung wieder aufgefrischt (Renovated- oder Prozeßbutter).

1) Vergl. Oh. A. Crampton, Die Zusammensetzung von „Prozeß- oder Renovated-
Butter“. — Journ. Americ. Chem. Soc. 1903, 25, 358; Zeitschr. f. Untersuchung d.
Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 43.
        <pb n="569" />
        ﻿Butter und Butterschmalz.

547

Durch fehlerhafte Darstellung oder Aufbewahrung kann die Butter leicht
verderben. Mangelhaftes Auskneten der Butter, d. h. ungenügende Entfernung der
Buttermilch, läßt sie rasch in Zersetzung übergehen, die sich meist in der Zu-
nahme des Gehaltes an freien Fettsäuren äußert. Ferner bewirkt Aufbewahrung
in unreinen Gefäßen, Zutritt von Luft und Licht das schnelle Eanzigwerden
und das Talgigwerden der Butter. Durch die Tätigkeit von Mikroorganismen
entstehen Fehler im Geschmack, Geruch und Aussehen der Butter (verschimmelte
und rote Butter usw.).

Die hauptsächlichsten Verfälschungen der Butter sind:

1.	Absichtliche Erhöhung des Wasser- oder Salzgehaltes der Butter.

2.	Ersatz des Butterfettes durch andere, minderwertige Fette tierischen oder pflanz-
lichen Ursprungs.

3.	Zusätze von Frischhaltungsraitteln, wie Borsäure, Salizylsäure, Formalin usw.

4.	Verkauf von wieder aufgefrischter Butter als frische Butter.

Ein Zusatz von gewichtsvermehrenden Mineralbestandteilen oder von Mehl, geriebenen
Kartoffeln, Quark und dergl. dürfte im allgemeinen nur selten verkommen; dasselbe gilt
von der Verwendung giftiger Farben zum Färben der Butter.

Für das Butterschmalz kommt als Verfälschung fast ausschließlich der Zusatz
von fremden Fetten in Betracht.

Probenahme.*)

Für die Untersuchung und richtige Beurteilung der Butter ist zunächst die
richtige Probenahme von großem Belang. Hierfür ist zu beachten:

1.	Die Entnahme der Proben hat an verschiedenen Stellen des Buttervorrates zu
erfolgen, und zwar von der Oberfläche, vom Boden und aus der Mitte. Zweckmäßig bedient
man sich dabei eines Stechbohrers aus Stahl (etwa 56 cm lang), wie solche z. B. in Hamburg
gebräuchlich sind. Die Menge der Probe soll nicht unter 250 g betragen.

2.	Die einzelnen entnommenen Proben sind mit den Handelsbezeichnungen (z. B.
Dauerbutter, Tafelbutter usw.) zu versehen.

3.	Aufzubewahren bezw. zu versenden ist die Probe in sorgfältig gereinigten Ge-
fäßen von Porzellan, glasiertem Ton, Steingut (Salbentöpfe der Apotheker) oder von dunkel
gefärbtem Glas, welche sofort möglichst luft- und lichtdicht zu verschließen sind. Die
Versendung geschehe ohne Verzug. Insbesondere für die Beurteilung eines Fettes auf
Grund des Säuregrades ist jede Verzögerung, ungeeignete Aufbewahrung sowie Unreinlichkeit
zu vermeiden.

3.

4.

5.

6.

Die chemische Untersuchung kann sich ertrecken auf:

1. die Bestimmung der allgemeinen Bestandteile (W asser, Fett, Kasein, Mi c
zucker, Salze usw.) der Butter.

2 den Nachweis von Frischhaltungsmitteln,

„	„	der Verdorbenheit,

,,	„	wieder auf gefrischter Butter,

„	„	fremder Fette im Butterfett,

„	„	fremder Farbstoffe.

Bei den unter 1—4 aufgeführten Untersuchungen verwendet man die natür-
liche nicht ausgelassene Butter, bei den beiden letzten dagegen das ausgelassene,
klar filtrierte Butterfett.2)

Im wesentlichen nach der amtlichen „Anweisung“ von 1. April 1898 zum Gesetz
hetr. den Verkehr mit Butter usw. vom 15. Juni 1897.

2) Wo, wie in Sttddeutschland, das bereits ausgelassene Fett (Butterschmalz) als
Speisefett Verwendung findet, muß natürlich die Prüfung aut Verdorbenheit in diesem
vorgenommeu werden; ebenso bestimmt man auch den Säuregrad in der Regel nur im
ansgelassenen Butterfette.

35*
        <pb n="570" />
        ﻿548

Speisefette und -öle.

Die G-esamtprobe ist, wenn nötig unter vorsichtigem gelindem Erwärmen,
vor dem Beginn der Untersuchung zu einer gleichmäßigen Masse zu durchmischen.

A. Untersuchung der natürlichen — nicht ausgelassenen Butter.

Zu diesen Untersuchungen verwendet man die, wie vorstehend
angegeben, zu einer gleichmäßigen Masse verarbeitete — nicht aus-
gelassene — Butter.

1.	Bestimmung des Wassers. 5 g der gleichmäßig durchmischten Butter
werden in einer mit grob gepulvertem, ausgeglühtem Bimsstein beschickten, tarierten,
flachen Nickel- oder Platinschale abgewogen. Die Schale wird in einen Soxhletschen
Trockenschrank mit Glyzerinfüllung oder einen Vakuumtrockenapparat gestellt. Nach
einer halben Stunde wird die im Trockenschrank erfolgte Gewichtsabnahme fest-
gestellt; fernere Gewichtskontrollen erfolgen nach je weiteren 10 Minuten, bis keine
Gewichtsabnahme mehr zu bemerken ist; zu langes Trocknen ist zu vermeiden, da
alsdann durch Oxydation des Fettes wieder Gewichtszunahme eintritt.

2.	Bestimmung des „wasserfreien Nichtfettes“. (Kasein, Milchzucker und
Mineralbestandteile.) 5 bis 10 g Butter werden in einem flachen Wägeglase unter
häufigem Umschütteln im Trockenschranke bei 100° vom größten Teile des Wassers
befreit; nach dem Erkalten wird das Fett mit absolutem Alkohol und Äther gelöst,
der Rückstand durch ein gewogenes Filter von bekanntem geringem Aschengehalte
filtriert und mit Äther hinreichend nachgevraschen.

Das getrocknete Filter wird in dem benutzten Wägeglase gewogen und ergibt
die Menge des wasserfreien Nichtfettes (Kasein + Milchzucker -(- Mineralbestandteile
-)- etwa vorhandenes sonstiges Nichtfett).

Zur Bestimmung der Mineralbestandteile wird das Filter samt Inhalt
und der etwa im Wägegläschen verbliebene Rückstand in einer Platinschale mit
kleiner Flamme verkohlt. Die Kohle wird mit WTasser angefeuchtet, zerrieben und
mit heißem Wasser wiederholt ausgewaschen; den wässerigen Auszug filtriert man
durch ein kleines Filter von bekanntem geringem Aschengehalte. Nachdem die
Kohle ausgelaugt ist, gibt man das Filterchen in die Platinschale zur Kohle,
trocknet beide und verascht sie. Alsdann gibt man die filtrierte Lösung in die
Platinschale zurück, verdampft sie nach Zusatz von etwas Ammoniumkarbonat zur
Trockne, glüht ganz schwach, läßt im Exsikkator erkalten und wägt.

Zieht man den auf diese Weise ermittelten Gehalt an Mineralbestandteilen
von der Gesamtmenge des „wasserfreien Nichtfettes“ ab, so erhält man die Menge
des „organischen Nichtfettes“, das im wesentlichen aus Kasein und Milchzucker
besteht.

„Die Bestimmung des Chlors erfolgt entweder gewichtsanalytisch oder
maßanalytisch in dem wässerigen Auszuge der Asche, bezw. bei hohem Koohsalz-
gehalte der Asche in einem abgemessenen Teile des auf ein bestimmtes Volumen
gebrachten Aschenauszugs nach folgenden Verfahren:

a)	Gewichtsanalytisch. Der wässerige Auszug der Asche oder ein ab-
gemessener Teil desselben wird mit Salpetersäure angesäuert und das Chlor mit
Silbernitratlösung gefällt. Der Niederschlag vom Chlorsilber wird auf einem Filter
von bekanntem geringem Aschengehalte gesammelt und bei 100° getrocknet. Dann
wird das Filter in einem gewogenen Porzellantiegel verbrannt. Nach dem Erkalten
befeuchtet man den Rückstand mit einigen Tropfen Salpetersäure und Salzsäure,
verjagt die Säuren durch vorsichtiges Erhitzen, steigert dann die Hitze bis zum
        <pb n="571" />
        ﻿Butter und Butterschmalz.

549

Schmelzen des Chlorsilbers und wägt nach dem Erkalten. Jedem Gramm Chlorsilber
entsprechen 0,247 g Chlor oder 0,408 g Chlornatrium.

b)	Maßanalytisch. Man versetzt den wässerigen Aschenauszug bezw. einen
abgemessenen Teil desselben mit 1—2 Tropfen einer kalt gesättigten Lösung von
neutralem, gelbem Kaliumchromat und titriert ihn unter fortwährendem sanften Um-
schwenken oder Umrühren mit 1/10 Normal-Silbernitratlösung; der Endpunkt der
Titration ist erreicht, wenn eine nicht mehr verschwindende Eotfärbung auftritt.
Jedem Kubikzentimeter 1/lO Normal-Silbernitratlösung entsprechen 0,003545 g Chlor
oder 0,00585 g Chlornatrium.“

Zur Bestimmung des Kaseins wird aus etwa 5—10 g Butter durch Be-
handlung mit Alkohol und Äther und darauffolgendes Filtrieren durch ein schwedisches
Filter die Hauptmenge des Fettes entfernt. Im Filter nebst Inhalt bestimmt man
nach Kjeldahl den Stickstoff und berechnet aus diesem durch Multiplikation mit
6,37 den Kaseingehalt der Butter. Zieht man von dem gefundenen Gehalte an
„wasserfreiem Nichtfett“ die getrennt bestimmten Mengen Kasein-f- Mineralbestandteile
ab, so bleibt in der Kegel ein kleiner Rest, zu dessen Bestandteilen die geringen
in der Butter vorhandenen Mengen Milchzucker gehören.

3. Bestimmung des Fettes. Der Fettgehalt der Butter kann bestimmt werden:

1.	Indirekt, indem man den Gehalt an Wasser + „wasserfreiem Nichtfett“
von 100 abzieht.

2.	Dir eckt nach einem der ersten 3 folgenden Verfahren:

a)	Durch Eindampfen eines aliquoten Teiles der bei der Bestimmung des
„wasserfreien Nichtfettes“ (Kasein + Milchzucker + Salze) erhaltenen, auf ein be-
stimmtes Volumen aufgefüllten Fettlösung.

b)	5 g Butter werden in einer Porzellanschale geschmolzen und mit 20 g Gips
gemischt, dann 6 Stunden lang bei etwa 100° getrocknet und das nach dem Erkalten
erhaltene trockne Pulver mit absolutem Äther im Extraktionsapparate bis zur Er-
schöpfung ausgezogen.

c)	Nach Eöse-Gottlieb. A. Hesse1) hat die Anwendung dieses Verfahrens
(vergl. S. 453) für die Bestimmung des Fettes in der Butter vorgesohlagen. Er
verfährt folgendermaßen: 1,5—2,0 g der gut durchgemischten Butter werden in einer
ungefähr 3 cm langen halbzylindrischen, durch Aufspalten einer dünnwandigen
Glasröhre erhaltenen Wägeform abgewogen und in den Gottliebschen Schüttel-
zylinder geschoben. Durch Zufügen von 8 ccm heißem Wasser — so daß man also
ungefähr 10 ccm Flüssigkeit erhält — bringt man die Butter, nötigenfalls durch
Einstellen des Zylinders in warmes Wasser, zum Schmelzen, mischt mit 1 ccm
Ammoniak und darauf mit 10 ccm Alkohol gut durch, bis sich die Eiweißstoffe
aufgelöst haben, und schüttelt dann, wenn sich die Mischung abgekühlt hat, mit
-o ccm Äther und darauf mit 25 ccm Petroläther durch. Sobald die Fettlösung

lar geworden ist, hebert man sie in ein Kölbchen ab, fügt nochmals 50 ccm Äther
inzu, hebert wieder, ohne durchgeschüttelt zu haben, ab, schüttelt darauf mit
ccm einer Mischung von gleichen Teilen Äther und Petroläther durch und fügt
lese Lösung nach vollständigem Absetzen und Klarwerden zu den ersten beiden Ab-
e erungen im Fettkölbchen; darauf verdunstet man den Äther, trocknet und wägt

uas zurückbleibende Fett.

,	“) N. Gerber hat auch ein acidbutyrometrisches Verfahren zur Bestimmung des Fett-

11 Wassergehaltes der Butter ausgearbeitet. Nach H. Lübrig und F. Wiedmann3)

9 Zoitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 673.

„ „	9 Bericht des ehern. Untersuchungsamtes Chemnitz 1903; Zeitschr. f. Untersuchung

■ JNahrungs- und Genußmittel 1904, 8, 247.
        <pb n="572" />
        ﻿550

Speisefette und -öle.

können diese Verfahren wohl zur Vorprobe dienen, dagegen sind sie als genaue Verfahren
nicht anzusehen. Es sei daher hier nur darauf verwiesen.

4.	Nachweis von Getreidemehl, Kartoffelbrei usw. Vereinzelt hat man Butter
mit Mehl. Kartoffelbrei oder zerriebenem Käsequark verfälscht.

Diese Zusätze ergeben sich leicht durch Auflösen der Butter in Alkohol-
Äther, wobei sie ungelöst Zurückbleiben und durch Sammeln auf einem gewogenen
und getrockneten Filter der Menge nach bestimmt werden können. Man überzeugt
sich ferner durch eine mikroskopische Untersuchung von der Art des Rückstandes
und ermittelt den Stärkegehalt, bezw. den des Stickstoffs (bei Käsequarkzusatz) in
üblicher Weise quantitativ.

5.	Nachweis und Bestimmung von Frischhaltungsmitteln. In diesem Ab-
schnitte sind die Verfahren zur Bestimmung der Frisohhaltungsmittel meist nach
der „Anweisung“ vom 1. April 1898 zum Gesetz betr. den Verkehr mit Butter usw.
vom 15. Juni 1897 und der Anlage d der Ausführungsbestimmungen D vom
30. Mai 1902 zum „Fleischbeschau-Gesetz“ vom 3. Juni 1900 aufgenommen worden,
obgleich manche dieser Frischhaltungsmittel bei Butter noch nicht beobachtet sind
und auch wohl nicht verwendet werden können.

a) Nachweis der Borsäure und ihrer Salze. „10 g Butter werden mit alkoho-
lischem Kali in einer Platinschale verseift, die Seifenlösung eingedampft und ver-
ascht. Die Asche wird mit Salzsäure übersättigt. In die salzsaure Lösung taucht
man einen Streifen gelbes Kurkumapapier und trocknet das Papier auf einem
Uhrglase bei 100°. Bei Gegenwart von Borsäure zeigt die eingetauchte Stelle des
Kurkumapapieres eine rote Färbung, die durch Aufträgen eines Tropfens verdünnter
Natriumkarbonatlösung in Blau übergeht.“ („Anweisung“ vom 1. April 1898 zum
Gesetz betr. den Verkehr mit Butter usw. vom 15. Juni 1897.)

Nach der Anlage d der Ausführungsbestimmungen D vom 30. Mai 1902 zum
„Fleischbeschau-Gesetz“ vom 3. Juni 1900 nimmt man auf 10 g Fett 20 ccm
alkoholische Kalilauge (13 g Kaliumhydroxyd in 100 ccm Alkohol von 70 Volum-
prozent). Auch kann nach diesen Ausführungsbestimmungen bei der Untersuchung
von Margarine das beim Schmelzen des Fettes sich absetzende Wasser direkt
auf Borsäure geprüft werden. Dasselbe Verfahren dürfte sich auch hei der Unter-
suchung von Butter auf Borsäure empfehlen.

Ferner wird nach diesen Ausführungsbestimmungen der von der Prüfung mit
Kurkuma übrig bleibende Teil der salzsauren Lösung alkalisch gemacht, eingedampft,
der Rückstand mit Salzsäure schwach ungesäuert, die Flüssigkeit in eine Woulffsche
Flasche gebracht, mit Methylalkohol versetzt, Wasserstoff durchgeleitet und letzterer
angezündet; bei Gegenwart von Borsäure brennt er mit grüngesäumter Flamme.

Zur quantitativen Bestimmung der Borsäure verascht man 10—20 g Butter
in der oben angegebenen Weise und verfährt im übrigen nach dem S. 480 beschriebenen
Verfahren von Jörgensen. Ferner sei hier auch auf das von A. Beythien1) angegebene
einfache Verfahren zur annähernden Bestimmung der Borsäure in Margarine verwiesen.

b) Nachweis der Salizylsäure und ihrer Salze. „Man mischt in einem Probier-
röhrchen 4 ccm Alkokol von 20 Volumprozent mit 2—3 Tropfen einer verdünnten
Eisenchloridlösung, fügt 2 ccm Butterfett hinzu und mischt die Flüssigkeit, indem
man das mit dem Daumen verschlossene Probierröhrchen 40—50-mal umschüttelt.
Bei Gegenwart von Salizylsäure färbt sich die untere Schicht violett.“ („An-
weisung“ vom 1. April 1898 zum Gesetz betr. den Verkehr mit Butter usw. vom

15.	Juni 1897.)

1)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 764.
        <pb n="573" />
        ﻿Butter und Butterschmalz.

551

Da ein beträchtlicher Teil der Salizylsäure in dem Wasser der Butter gelöst
sein wird und wohl auch sein muß, wenn sie wirklich frischhaltend wirken soll,
so dürfte es sich empfehlen, zu der Prüfung auf Salizylsäure nicht das Butterfett,
sondern die Butter selbst zu verwenden, diese in dem Probierröhrchen bis zum
eben beginnenden Schmelzen zu erwärmen und darauf die alkoholische Eisenchlorid-
lösung hinzuzugeben.

c)	Nachweis von Formaldehyd und Hexamethylentetramin. An Stelle des in
der amtlichen „Anweisung“ vom 1. April 1898 zum Gesetz betr. den Verkehr mit
Butter usw. vom 15. Juni 1897 angegebenen Verfahren empfiehlt sich für den
Nachweis des Formaldehyds die Anwendung der Vorschrift der Anlage d zu den
Ausführungsbestimmungen D vom 30. Mai 1902 zum Fleischbeschaugesetz vom 3. Juni
1900, welche in sinngemäßer Abänderung für Butter wie folgt auszuführen ist:

„50 g Fett werden in einem Kolben von etwa 500 ccm Inhalt mit 50 ccm
Wasser versetzt und erwärmt. Nachdem das Fett geschmolzen ist, destilliert man
unter Einleiten von Wasserdampf 25 ccm Flüssigkeit ah.1)

10 ccm des Destillats werden mit 1 ccm einer durch schweflige Säure ent-
färbten Fuohsinlösung vermischt. Die Anwesenheit von Formaldehyd bewirkt Eot-
färbung. Tritt letztere nicht ein, so bedarf es einer weiteren Prüfung nicht. Im
anderen Falle wird der Rest des Destillats mit Ammoniakflüssigkeit im Überschüsse
versetzt und eingedampft. Bei Gegenwart von Formaldehyd hinterbleiben charak-
teristische Kristalle von Hexamethylentetramin. Diese werden in ein paar Tropfen
Wasser gelöst, von der Lösung je ein Tropfen auf einen Objektträger gebracht
und mit den beiden folgenden Reagentien geprüft:

1.	Mit Quecksilberchlorid im Überschüsse. Es entsteht hierbei sofort ein regulärer
kristallinischer Niederschlag; bald sieht man drei- und mehrstrahlige Sterne,
später Oktaeder. Letztere entstehen in großer Menge bei einer Konzentration2)
von 1:10000, aber auch noch sehr deutlich bei 1:100000.

2.	Mit Kaliumquecksilberjodid und ein wenig verdünnter Salzsäure. Es bilden
sich hexagonale, sechsseitige, hellgelbgefärbte Sterne; bei einer Konzentration2)
von 1:10000 noch sehr deutlich.

Die Gegenwart von Formaldehyd darf als erwiesen nur betrachtet werden,
wenn der erhaltene kristallinische Rückstand die beiden vorstehend beschriebenen
Reaktionen zeigt.“

Durch dieses Verfahren wird, sofern man bei der Destillation mit Phosphor-
säure angesäuert hat, nicht nachgewiesen, ob Formaldehyd als solcher oder etwa
das als Frischhaltungsmittel unter dem Namen „Carin“ neuerdings in den Handel
kommende Hexamethylentetramin-Präparat8) zugesetzt ist, welches letztere
unter der Einwirkung von Säuren sehr leicht in Ammoniak und Formaldehyd

zerfällt.

d)	Nachweis von Alkali- und Erdalkali-Hydroxyden und -Karbonaten. Die Be-
stimmung wird nach der Anlage d der Ausführungsbestimmungen D vom 30. Mai 1902

_*) Bei Gegenwart von Hexamethylentetramin dürfte sich die Anwendung von
®°/o'iger Phoaphorsäurelösung bei der Destillation empfehlen.

') Diese Konzentrationsangaben beziehen sich auf den Nachweis von Formaldehyd
in Fleisch bei Anwendung von 30 g Substanz und 40 ccm Destillat; sie dürften aber auch
hier bei Butter nicht ohne Interesse sein und einen Anhaltspunkt über die etwa vorhandenen
Mengen geben.

3)	Vergl. die preußische Allgemeine Ministerialverfügung betr. die Verwendung von
Hexamethylentetramin als Fleischkonservierungsmittel. — Veröifentl. d. Kaiser!. Gesundheits-
amtes 1905, 29, 93; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 9, 251.
        <pb n="574" />
        ﻿552

Speisefette und -öle.

zum „Fleischbeschau-Gesetz“ vom 3. Juni 1900 ausgeführt, jedoch mit der Ab-
änderung, daß hei Butter und Margarine nicht das geschmolzene Fett, sondern die
natürliche Butter bezw. Margarine verwendet wird. Die Vorschrift lautet;

a)	„30 g geschmolzenes Fett werden mit der gleichen Menge Wasser in
einem mit Eückflußkühler versehenen Kolben von etwa 500 ccm Inhalt vermischt.
In das Gemisch wird 1/2 Stunde lang strömender Wasserdampf eingeleitet. Nach
dem Erkalten wird der wässerige Auszug filtriert.

b)	Das zurüokbleibende Fett wird darauf nach Zusatz von 5 ccm konzentrierter
Salzsäure in gleicher Weise, wie unter a angegeben, behandelt.

Alsdann ist das klare Filtrat von a auf 25 ccm einzudampfen und nach dem
Erkalten mit verdünnter Salzsäure anzusäuern. Bei Gegenwart von Alkaliseife
scheidet sich Fettsäure aus, die mit Äther auszuziehen und nach dem Verdunsten
desselben als solche zu kennzeichnen ist. Entsteht jedoch beim Ansäuern eine in
Äther schwer lösliche oder gelhlichweiße Abscheidung, so ist diese gegebenenfalls
nach der folgenden Ziffer 41) unter b auf Schwefel weiter zu prüfen.

Das klare Filtrat von h ward durch Zusatz von Ämmoniakflüssigkeit und
Ammoniumkarbonatlösung auf alkalische Erden geprüft.“

e)	Nachweis von schwefliger Säure und deren Salzen und von unterschwefligsauren
Salzen. Die Bestimmung wird nach der Anlage d der Ausführungsbestimmungen D
vom 30. Mai 1902 zum „Fleischbeschau-Gesetz“ vom 3. Juni 1900 ausgeführt,
jedoch mit der Abänderung, daß bei Butter und Margarine nicht das geschmolzene
Fett, sondern die natürliche Butter bezw. Margarine verwendet wird. Die Vor-
schrift lautet:

a)	„Zur Bestimmung der schwefligen Säure und der schwefligsauren Salze
werden 50 g geschmolzenes Fett in einem Destillierkolben von 500 ccm Inhalt
mit 60 ccm Wasser vermischt. Der Kolben wird darauf mit einem dreimal durch-
bohrten Stopfen verschlossen, durch welchen drei Glasröhren in das Innere des
Kolbens führen. Von diesen reichen zwei Köhren bis auf den Boden des Kolbens,
die dritte nur bis in den Hals. Die letztere Röhre führt zu einem Liebigschen
Kühler; an diesen schließt sich luftdicht mittels durchbohrten Stopfens eine kugelig
aufgeblasene Ü-Eöhre (sog. Peligotsche Röhre).

Man leitet durch die eine der bis auf den Boden des Kolbens führenden
Glasröhren Kohlensäure, bis alle Luft aus dem Apparate verdrängt ist, bringt
dann in die Peligotsche Röhre 50 ccm Jodlösung (erhalten durch Auflösen von
ß g reinem Jod und 7,5 g Kaliumjodid in Wasser zu 1 1), lüftet den Stopfen des
Destillationskolbens und läßt, ohne das Einströmen der Kohlensäure zu unterbrechen,
10 ccm einer wässerigen 25°/0-igen Lösung von Phosphorsäure hinzufließen. Alsdann
leitet man durch die dritte Glasröhre Wasserdampf ein und destilliert unter stetigem
Durchleiten von Kohlensäure 50 ccm2) über.“

Darauf verfährt man weiter wie folgt;

„Man bringt nunmehr die Jodlösung, die noch braun gefärbt sein muß, in
ein Becherglas, spült die Peligotsche Röhre gut mit Wasser aus, setzt etwas
Salzsäure zu, erhitzt das Ganze kurze Zeit und fällt die durch Oxydation der
schwefligen Säure entstandene Schwefelsäure mit Baryumchloridlösung (1 Teil
kristallisiertes Baryumchlorid in 10 Teilen destilliertem Wasser gelöst). Im vor-
liegenden Falle ist eine Wägung des so erhaltenen Baryumsulfats nicht unbedingt

i) Hier nach der folgenden Ziffer e.

-) Beabsichtigt man eine quantitative Bestimmung der vorhandenen schwefligen
Säure, so dürfte es sich empfehlen, größere Mengen abzudestillieren.
        <pb n="575" />
        ﻿Butter und Butterschmalz.

553

erforderlich. Liegt jedoch ein besonderer Anlaß vor, den Niederschlag zur Wägung
zu bringen, so läßt man ihn ahsitzen und prüft durch Zusatz eines Tropfens
Baryumchloridlösung zu der über dem Niederschlage stehenden klaren Flüssigkeit,
oh die Schwefelsäure vollständig ausgefällt ist. Hierauf kocht man das Ganze
nochmals auf, läßt dasselbe 6 Stunden in der Wärme stehen, gießt die klare
Flüssigkeit durch ein Filter von bekanntem Aschengehalte, wäscht den im Becher-
glase zurückhleibenden Niederschlag wiederholt mit heißem Wasser aus, indem man
jedesmal ahsitzen läßt und die klare Flüssigkeit durch das Filter gießt, bringt
zuletzt den Niederschlag auf das Filter und wäscht so lange mit heißem Wasser,
bis das Filtrat mit Silbernitrat keine Trübung mehr erzeugt. Filter und Nieder-
schlag werden getrocknet, in einem gewogenen Platintiegel verascht und geglüht;
hierauf befeuchtet man den Tiegelinhalt mit wenig Schwefelsäure, raucht letztere
ab, glüht schwach, läßt im Exsikkator erkalten und wägt.

Lieferte die Prüfung ein positives Ergebnis, so ist als erwiesen anzusehen,
daß entweder schweflige Säure, schwefligsaure oder unterschwefligsaure Salze an-
gewendet sind. Liegt ein Anlaß vor, festzustellen, ob die schweflige Säure unter-
schwofligsauren Salzen entstammt, so ist in folgender Weise zu verfahren:

b)	50 g geschmolzenes Fett werden mit der gleichen Menge Wasser in
einem mit Eückflußkühler versehenen Kolben von etwa 500 ccm Inhalt vermischt.
In das Gemisch wird eine halbe Stunde lang strömender Wasserdampf eingeleitet,
der wässerige Auszug nach dem Erkalten filtriert und das Filtrat mit Salzsäure
versetzt. Entsteht hierbei eine in Äther schwer lösliche Abscheidung, so wird
diese auf Schwefel untersucht.“

Zu dem Zwecke wird der abfiltrierte und gewaschene Niederschlag folgender-
maßen weiter behandelt:

„Der erhaltene Niederschlag wird abfiltriert und so lange ausgewaschen, bis
im Waschwasser weder schweflige Säure noch Schwefelsäure nachweisbar sind.
Alsdann löst man den Niederschlag in 25 ccm 5 °/0-iger Natronlauge, fügt 50 ccm
gesättigtes Bromwasser hinzu und erhitzt bis zum Sieden. Nunmehr wird mit Salz-
säure angesäuert und filtriert. Das vollkommen klare Filtrat gibt bei Gegenwart
von unterschwefligsauren Salzen im Fleische auf Zusatz von Baryumchloridlösung
sofort eine Fällung von Baryumsulfat.“

fl Nachweis der Fluorwasserstoffsäure und ihrer Salze. Die Bestimmung wird
nach der Anlage d der Ausführungsbestimmungen D vom 30. Mai 1902 zum „I leisch-
heschau-Gesetz“ vom 3. Juni 1900 ausgeführt, jedoch mit der Abänderung, daß bei
Butter und Margarine nicht das geschmolzene Fett, sondern die natüi liehe Butter
bezw. Margarine verwendet wird. Die Vorschrift lautet:

.	„30 g geschmolzenes Fett werden mit der gleichen Menge Wasser in einem

mit Rückflußkühler versehenen Kolben von etwa 500 ccm Inhalt vermischt. In
Jas Gemisch wird eine halbe Stunde lang strömender Wasserdampf eingeleitet, der
wässerige Auszug nach dem Erkalten filtriert und das Filtrat ohne Rücksicht auf
eine etwa vorhandene Trübung mit Kalkmilch bis zur stark alkalischen Reaktion
versetzt. Nach dem Absetzen und Abfiltrieren wird der Rückstand getrocknet,
zerrieben, in einen Platintiegel gegeben und darauf mit etwa 3 Tropfen Al asser
unJ 1 ccm konzentrierter Schwefelsäure versetzt.

Sofort nach dem Zusatze der Schwefelsäure wird der behufs Erhitzern auf
eine Asbestplatte gestellte Platintiegel mit einem großen I hrglase bedeckt, das auf
Jer I nterseite in bekannter Weise mit Wachs überzogen und beschrieben ist. Um
Jas Schmelzen des AVachses zu verhüten, wird in das Uhrglas ein Stückchen Eis
gelegt.
        <pb n="576" />
        ﻿554

Speisefette und -öle.

Der Nachweis von Fluorwasserstoff ist als erbracht anzusehen, sobald das
Glas sich an den beschriebenen Stellen angeätzt zeigt.“

Ebenso wie beim Nachweise der Borsäure dürfte sich auch hier zur Prüfung auf
Fluorwasserstoffsäure die Verwendung des sich beim Schmelzen der Butter bezw. Margarine
absetzenden AVassers empfehlen.

Über ein Verfahren zum Nachweise von Fluorwasserstoffsäure bei gleichzeitiger
Anwesenheit von Borsäure berichten 0. und Ch. W. Hehner,1) auf das hier nur ver-
wiesen werden kann.

g) Nachweis von chlorsauren Salzen. Zum Nachweise etwa vorhandener chlor-
saurer Salze in Butter und Margarine würde man das beim Schmelzen sich ab-
setzende Wasser nach dem in Anlage d der Ausführungsbestimmungen D vom 30. Mai
1902 zum „Fleischbeschau-Gesetz“ vom 3. Juni 1900 für den Nachweis von chlor-
sauren Salzen in Fleisch angegebene Verfahren verwenden und dabei in folgender
Weise verfahren können;

Das filtrierte Abschmelzwasser wird mit Silbernitrat versetzt. „50 ccm der
von dem durch Silbernitrat entstandenen Niederschlag abfiltrierten klaren Flüssigkeit
werden mit 2 ccm einer 10 °/0-igen Lösung von schwefligsaurem Natrium und 2 ccm
konzentrierter Salpetersäure versetzt und hierauf bis zum Kochen erhitzt. Ein
hierbei entstehender Niederschlag, der sich auf erneuten Zusatz von kochendem
Wasser nicht löst und aus Chlorsilber besteht, zeigt die Gegenwart chlorsaurer
Salze an.“

6.	Untersuchung der Butter auf Verdorbenheit (Ranzigkeit). Über die
Ursachen des Eanzigwerdens der Butter liegt eine neuere eingehende Arbeit
von Orla Jensen2) vor, in welcher er zu dem Ergebnisse kommt, daß das
Eanzigwerden der Butter durch die gemeinsame Wirkung aerober Bakterien und
Schimmelpilze verursacht wird, und zwar findet die Spaltung des Fettes und
die Bildung flüchtiger Säuren anfangs durch die Bakterien Bacillus fluorescens
liquefaciens und Bacillus prodigiosus, später durch die beiden Schimmelpilze Oidium
lactis und Cladosporium butyri statt. Beim Eanzigwerden erfahren die nicht-
flüchtigen Fettsäuren eine starke Zunahme und gleichzeitig bilden sich auch Butter-
säureester und unter Umständen aldehydartige Verbindungen.

Beim sog. Talgigwerden, welches durch die Einwirkung des Lichtes ver-
ursacht wird, nimmt das Butterfett eine weiße Farbe an, die Jodzahl erfährt eine
starke Abnahme und es bilden sich nur geringe Mengen hauptsächlich flüchtiger
freier Fettsäuren; Buttersäureester bilden sich dabei nicht.

Das sog. Butterschmalz ist nicht in dem Maße dem Verderben ausgesetzt,
wie dies bei der Butter infolge ihres Gehaltes an sonstigen Milchbestandteilen der
Fall ist.

Der Gehalt an freien Fettsäuren (Säuregrad), welcher zwar im allgemeinen
mit der Ranzigkeit zunimmt, kann trotzdem nicht als ein Beweis für die Einzigkeit
angesehen werden, da es einerseits Butter mit hohem Gehalt an freien Säuren gibt,
die trotzdem nicht ranzig ist, und andererseits auch Ranzigkeit ohne abnorm hohen
Gehalt an freien Fettsäuren beobachtet wird.

Als das brauchbarste Verfahren zum Nachweise der Verdorbenheit
von Butter ist z. Zt. noch die Geschmacks- und Geruchsprobe an-

1)	Analyst 1902, 27. 173; Zeitscbr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel
1903, 6, 379.

2)	Centralbl. Bakteriol. II. Abt. 1902, 8, 11 ff.; Zeitscbr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
u. Genußmittel 1903, 6, 376.
        <pb n="577" />
        ﻿Butter und Butterschmalz.

555

Zusehen. Doch ist hierbei besondere Vorsicht zu empfehlen, da der Geschmack
gerade hinsichtlich der Beurteilung der Butter sehr verschieden ist. Auch ist zu
berücksichtigen, daß eine Butter, welche zum direkten Genuß nicht mehr brauchbar
ist, trotzdem noch zu Kochzwecken Verwendung finden kann. In zweifelhaften
Fällen dürfte es sich empfehlen, die Geschmacksprohe auch durch einen erfahrenen
Butterhändler ausführen zu lassen.

Im übrigen ist noch folgendes zu erwähnen:

a)	Schimmelige Butter wird durch die mikroskopische Untersuchung er-
kannt. Am besten eignet sich hierzu der nach dem Schmelzen und Filtrieren
bleibende Rückstand. Zu beachten ist, ob das Schimmelwachstum bloß an der
Oberfläche vorkommt, oder ob schon das Innere der Butter davon ergriffen ist. —
Rote Butter, wie solche wiederholt beobachtet wurde, wäre auf die Gegenwart
von Rosahefe zu prüfen. — Auch grüne, Algen enthaltende Butter wurde schon
beobachtet. Im übrigen sei bezüglich der bakteriologischen Untersuchung und
namentlich auch hinsichtlich der Erkennung der Ursachen von sog. Butterfehlern
auf die einschlägige bakteriologische Literatur und insbesondere auch auf die obige
Arbeit von 0. Jensen verwiesen.

b)	Für die bakteriologisch-hygienische Prüfung der Butter (Nach-
weis von Krankheitskeimen und Butterfehlern, soweit sie Bakterien ihre Entstehung
verdanken) sind die in den bakteriologischen Lehrbüchern angegebenen Verfahren
maßgebend. Auch muß diese Prüfung durch einen Bakteriologen von Fach aus-
geführt werden.

c)	Die Bestimmung des Säuregrades. Für gewöhnlich begnügt man
sich damit, den Säuregrad des ausgeschmolzenen Butterfettes zu bestimmen. Hier-
bei ist zu beachten, daß die Butter nur wenig über ihren Schmelzpunkt und nicht
zu lange erwärmt werden darf. Mit dem filtrierten Fett verfährt man nach S. 526.

Da unter Umständen ein Teil der freien Säuren im Wasser der Butter
gelöst sein kann, so ist es mitunter wünschenswert, den Gehalt der natürlichen
Butter an Säuren zu bestimmen. Man versetzt zu dem Zweck etwa 5 g der gut
durchgemischten Butter mit 25 ccm Alkohol, fügt 25 ccm Äther hinzu und titriert
die Emulsion unter Zusatz von Phenolphthalein als Indikator.

Der Gehalt an Säuren pflegt in Säuregraden (vergl. S. 526) ausgedrückt
zu Werden.

t )	7. Erkennung von wiederaufgefrischter Butter. Die wiederaufgefrischte

(Renovated- oder Prozeß-) Butter unterscheidet sich von frischer Butter dadurch,
daß das in ihr enthaltene Fett in mehr oder weniger kristallinischem Zustande
vorhanden und das Wasser sehr innig mit dem Fett verbunden ist. Infolgedessen
zeigt die wiederaufgefrischte Butter beim Schmelzen und Erhitzen nicht die
Eigenschaften der frischen Butter, sondern •— natürlich von der Zusammensetzung
des Fettes selbst abgesehen — die der Margarine. Bei der sog. Schmelz probe
bleibt sie trübe. Nach Ch. A. Crampton,1) der über diese in Amerika schon
v eitverbreitete Renovated- oder Prozeßbutter eingehender berichtet, können zur Er-
ennung dieser Butter dienen: a) das Verhalten des Fettes gegen polarisiertes
ioht nach Bro wn-Taylor-Richards, b) das Verhalten der Butter beim Er-

„	o io/« on H58- Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-

*) Journ. Ämenc. Chem. Soc. 1903, -5,	.	Probe vergi. auch die Arbeit

u. Genußmittel 1904, 7, 43. - Bezüglich der Wate	1	f Chemists 1903,

von G. F. Patrick in Procedinga 20. Annual Convent ot th &gt; Aguc.	m

Washington 1904; Zeitschr. f. Untersuchung d. Aahrung
        <pb n="578" />
        ﻿556

Speisefette und -öle.

hitzen im offenen Gefäß und c) das Verhalten der Butter heim Behandeln mit Milch
(Waterhouse-Prohe). Letztere Probe hält Crampton für die zuverlässigste.

Da die wiederaufgefrisehte Butter zurzeit in Europa noch keine große Rolle
spielt, sei auch auf die Untersuchungsverfahren zu ihrer Erkennung hier nur
verwiesen.

B. Untersuchung des Butterfettes.

„Zur Gewinnung des Butterfettes wird die Butter bei 50—60° geschmolzen
und das flüssige Fett nach einigem Stehen durch ein trockenes Filter filtriert.“
Das Ausschmelzen und Filtrieren ist möglichst zu beschleunigen und jede übermäßig
hohe und lange Erhitzung zu vermeiden.

Das so gewonnene Butterfett dient zur Untersuchung auf fremde Fette
sowie auf fremde Farbstoffe. Vor der Entnahme der Proben zu den verschiedenen
Bestimmungen ist das Butterfett jedesmal wieder bei möglichst niedriger Temperatur
zu schmelzen und gut durchzumischen.

1.	Untersuchung des Butterfettes auf fremde Fette.1)

Zur Untersuchung des Butterfettes auf fremde Fette ist eine große Zahl von
Untersuchungsverfahren vorgeschlagen worden. Trotzdem wird es bis jetzt nicht
immer möglich sein, gewisse Verfälschungen, wenn sie geschickt ausgeführt sind
und sich in mäßigen Grenzen halten, mit voller Bestimmtheit nachzuweisen.

a) Da das Butterfett sich von allen anderen Speisefetten und ölen
durch seinen hohen Gehalt an flüchtigen niederen Fettsäuren, insbesondere Butter-
säure, unterscheidet, so sind die Verfahren, welche diesen Gehalt am besten zum
Ausdruck bringen, als zur Erkennung jeglicher Fremdfette im Butterfette, bezw.
zur Begründung eines Verdachts auf solche am allgemeinsten geeignet anzusehen;
es sind dies:

a)	Die Bestimmung der Eeichert-Meißlschen Zahl, vergl. S. 527.

ß) Die Bestimmung der Verseifungszahl, vergl. S. 526.

Diese beiden Verfahren ergänzen sich und sind daher stets nebeneinander
auszuführen. Ihre Brauchbarkeit erleidet aber dadurch eine Einbuße, daß die nach
ihnen für reines Kuhbutterfett gefundenen Werte in ziemlich weiten Grenzen
schwanken können (Vergl. unter „Anhaltspunkte für die Beurteilung der Butter“

S.	566.)

b)	Zum Nachweise von Pflanzenfetten und ölen aller Art dient die
Phytosterinacetat-Probe nach A. Börner, vergl. S. 538.

Da zur Herstellung von Margarine in Deutschland ein Zusatz von Sesamöl
zum Margarinefett gesetzlich vorgeschrieben ist (vergl. unter c) und außerdem auch
sonst durchweg Pflanzenfette und -öle dazu verwendet werden, so kann die
Phytosterinacetat-Probe auch zur Erkennung der meisten Margarinesorten in Butter
dienen.

c)	Prüfung auf Sesam öl. Da durch die Ausführungsbestimmungen des
Bundesrates vom 4. Juli 1897 zum Gesetz betr. den Verkehr mit Butter usw. vom

15.	Juni 1897 zur Erleichterung der Erkennung von Margarine in Butter vor-
geschricben ist, daß bei der Herstellung von Margarine den dazu verwendeten

*) Für die polizeiliche Prüfung auf Grund des § 8 des Gesetzes betr. den Verkehr
mit Butter vom 15. Juni 1897 ist vom Reichskanzler unter dem 27. August 1897 eine
Verordnung zur Ausführung der refraktometrischen Untersuchung für Polizeibeamte erlassen,
auf die hier nur verwiesen sei, zumal sie sich teilweise mit der amtlichen „Anweisung“
vom 1. April 1898 deckt.
        <pb n="579" />
        ﻿Butter und Butterschmalz.

557

Fetten beim Vermischen vor der weiteren Fabrikation so viel Sesamöl von be-
stimmten Eigenschaften (vergl. unten S. 571) zugesetzt werden muß, daß in
100 Gewichtsteilen der angewendeten Fette und öle mindestens 10 Gewichtsteile
Sesamöl enthalten sind, so kann die Prüfung auf Sesamöl auch zur Erkennung von
vorschriftsmäßig hergestellter deutscher Margarine im Butterfett dienen; dieselbe
wird nach der amtlichen Anweisung vom 1. April 1898 zum oben genannten Gesetz
in folgender Weise ausgeführt:

a) „Wenn keine Farbstoffe vorhanden sind, die sich mit Salzsäure
rot färben,1) so werden 6 ccm geschmolzenes Butterfett mit 0,1 ccm einer alkoholischen
Furfurollösung (1 Raumteil farbloses Furfurol in 100 Raumteilen absoluten Alkohols
gelöst) und mit 10 ccm Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,19 mindestens
1/2 Minute lang kräftig geschüttelt. Wenn die am Boden sich abscheidende Salz-
säure eine nicht alsbald verschwindende deutliche Rotfärbung zeigt, so ist die
Gegenwart von Sesamöl nachgewiesen.

ß) Wenn Farbstoffe vorhanden sind, die durch Salzsäure rot gefärbt
werden, so schüttelt man 10 ccm geschmolzenes Butterfett in einem kleinen
zylindrischen Scheidetrichter mit 10 ccm Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,125
etwa 1j2 Minute lang. Die unten sich ansammelnde rotgefärbte Salzsäureschicht
läßt man abfließen, fügt zu dem in dem Scheidetriohter enthaltenen geschmolzenen
Fette nochmals 10 ccm Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,125 und schüttelt
wiederum x/2 Minute lang. Ist die sich absoheidende Salzsäure noch rot gefärbt,
so läßt man sie abfließen und wiederholt die Behandlung des geschmolzenen Fettes
mit Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,125, bis letztere nicht mehr rot gefärbt
wird. Man läßt alsdann die Salzsäure abfließen und prüft 5 com des so behandelten
geschmolzenen Butterfettes nach dem unter a beschriebenen Verfahren auf Sesamöi.

diesen Versuchen verwende man keine höhere Temperatur, als zur Erhaltung
des Fettes in geschmolzenem Zustande notwendig ist.“

Über die Soltsiensche Zinnchlorür-Reaktion auf Sesamöl vergl. unten

S.	586.

d)	Zum Nachweise von Baumwollsamenöl dient die Halphensche
Reaktion, vergl. unten S. 587.

e)	Nachweis von Kokosfett. Nachdem die Verfälschung der Butter mit
Kokosfett in den letzten Jahren einen größeren Umfang angenommen hat, sind eine
Reihe von Verfahren zum Nachweise dieses Fettes im Butterfett veröffentlicht
worden. Diese Verfahren beruhen durchweg auf der Tatsache, daß das Kokosfett
eine weit geringere Menge flüchtiger und in Wasser löslicher Fettsäuren (Butter-
säure), dagegen eine größere Menge flüchtiger und in Wasser unlöslicher Fett-
säuren (Kapron-, Kapryl- und Kaprinsäure) enthält, als das Butterfett.

Wir beschränken uns darauf, hier das Verfahren von E. Polenske )
zn beschreiben, und verweisen hinsichtlich der zahlreichen übrigen \ erfahren, von
denen das von A. Müntz und H. Coudon8) beschriebene dem Polenskeschen

ö Zum Nachweise dieser Farbstoffe werden 2-3 g Butterfett in 6 ccm Äther gelöst
und die Lösung in einem Probierröhrchen mit 5 ccm konzentrierter Salzsäure vom spezifischen
Gewicht 1,125 kräftig geschüttelt. Bei Gegenwart gewisser Azofarbstoffe färbt sich die
unten sich absetzende Salzsäureschicht deutlich rot. *

a) Arb. a. d. Kaiser!. Gesundh.-Amte 1904, 20, 545; auch Zeitschr. f. Untersuchung
d. Nahrungs- u. Qenußmittel 1904, 7, 273.	,

3)	Revue General du Lait 1904, 3, 362; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
u. Genußmittel 1905, 9, 41.
        <pb n="580" />
        ﻿558

Speisefette und -öle.

Verfahren sehr ähnlich und nur in dem Ausdrucke der Untersuchungsergebnisse
wesentlich abweichend ist, auf die umfangreiche Literatur.1)

Nachweis und Bestimmung von Kokosfett in Butter mittels der
Polenskeschen „Neuen Butterzahl“.

Die Ausführung des Verfahrens unterscheidet sich in keiner Weise von
der Bestimmung der Beichert-MeißIschen Zahl; es ist nur eine weitere Aus-
nutzung derselben. Um übereinstimmende Zahlen zu erhalten, ist es jedoch ge-
boten, nicht allein die Vorschrift zur
Ausführung des Verfahrens genau zu
befolgen, sondern auch ganz besonders
darauf zu achten, daß sich die Größen-
und Form Verhältnisse des Destillations-
apparates so genau als möglich denen
der nebenstehenden Abbildung (Fig.
266) anpassen.2)

5 g Butterfett werden in üblicher
Weise nach Leffmann-Beam (vergl.
S. 527) in einem 300 ccm-Kolben von
Jenaer Glas verseift. Die wässerige
Seifenlösung muß farblos oder nur
schwach gelblich3) gefärbt sein; sie
wird auf etwa 50° erwärmt, alsdann
mit 50 ccm verdünnter Schwefel-
säure (25 ccm konzentrierte Schwefel-
säure auf 1 1) und darauf mit einer
Messerspitze voll groben Bimsstein-
pulvers4) versetzt und nach sofortigem
Verschluß des Kolbens der Destillation
unterworfen. Es ist zweckmäßig, die
Flamme schon vorher so zu regeln,
daß die 110 ccm Destillat in 19—21
Minuten übergehen. Die Kühlung ist
während, der Destillation so ein-
zuriohten, daß das Destillat keines-
wegs warm, aber auch nicht zu
kalt, sondern mit der unter gewöhn-
lichen Verhältnissen sich ergebenden
Temperatur von etwa 20—23 0 abtropft.
Sobald 110 ccm Destillat übergegangen sind, wird zunächst die Flamme ent-
fernt und darauf die Vorlage sofort durch einen Meßzylinder von 25 ccm Inhalt ersetzt.

J) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1901, 4, 752; 1902. 5,
221, 222; 1904, 7, 193.

2)	Nach A. Hesse (Milchwirtsch. Centralhl. 1906,1,13) sind die Größe des Destillations-
kolbens, die Destillatiousdauer und die Größe des zugesetzten Bimssteins von der größten,
die übrigen Verhältnisse dagegen von geringer Bedeutung für das Ergebnis.

3)	Stark ranzige oder talgige Fette, hei denen die Seifenlösung braun gefärbt ist,
sind von der Prüfung auszuschließen.

4)	Durch die Verwendung von grobem Bimssteinpulver wird ein gleichmäßigeres
Sieden erreicht als durch die sonst gebräuchlichen Bimssteinstüoke, mit welchen letzteren
man nach A. Hesse (Milchwirtsch. Centralbl. 1905, 1, 13) abweichende Ergebnisse erhält.
        <pb n="581" />
        ﻿Butter und Butterschmalz.

559

Ohne vorher das Destillat zu mischen, setzt man den Kolben 10 Minuten lang
so tief in Wasser von 15°, daß sich die 110-Marke etwa 3 cm unter der Oberfläche
des Kühlwassers befindet. Nach Verlauf von 5 Minuten bewegt man den Kolben-
hals im Wasser mehrmals nur so stark, daß die auf der Oberfläche des Destillates
schwimmenden Säuren an die Wandungen des Halses gelangen. Nach 10 Minuten
stellt man den Aggregatzustand der auf dem Destillat schwimmenden Säuren fest.
Bei reinem Butterfett bestehen diese Säuren aus einer festen oder halb-
weichen, trüben, formlosen Masse, während sie bei Gegenwart von 10°/0
und mehr Kokosfett in dem Butterfett aus klaren Oltropfen bestehen.1)

Nunmehr wird das Destillat in dem mit Glasstopfen verschlossenen Kolben
durch vier- bis fünfmaliges Umkehren desselben unter Vermeidung starken
Schutteins gemischt und filtriert. Im Filtrat wird die Reichert-Meißlsche Zahl
bestimmt. Das zu verwendende Filter von 8 cm Durchmesser muß fest und glatt
an den Trichterwandungen anliegen.

Nachdem das Destillat ganz abfiltriert ist, wird das Filter sofort dreimal mit
je 15 ccm Wasser, wodurch es jedesmal bis zum Bande gefüllt wird, gewaschen.
Dieses Waschwasser wird vorher zum dreimaligen Nachspülen des Kühlrohres, des
Meßzylinders und des 110 ccm-Kolbens benutzt. Wenn das letzte Waschwasser,
von dem die zuletzt abfiltrierenden 10 ccm durch 1 Tropfen 1/10 Normal-Barytlauge
neutralisiert werden müssen, abgetropft ist, wird dieselbe Behandlung in gleicher
Weise dreimal mit je 15 ccm neutralem, 90°/0-igem Alkohol wiederholt. Die in
dem vereinigten alkoholischen Filtrate gelösten Fettsäuren werden alsdann unter
Zusatz von drei Tropfen Phenolplithaleinlösung mit 1/10 Normal-Barytlauge bis zur
deutlich eintretenden Eötung titriert.

Die Zahl der zur Neutralisation verbrauchten ccm 1j10 N.-Baryt-
lauge stellt die der vorher gefundenen Eeichert-Meißlschen Zahl ent-
sprechende Polenskesche „Neue Butterzahl“ dar.

Nach diesem Verfahren fand Polenske:

Reichert-Meißlsche Zahl „Neue Butter-Zahl“
bei 31 verschiedenen Butterproben	23,3—30,1	1&gt;5— 3,0

ji 4 Kokosfettproben ....	6,8— 7,7	16,8 17,8.

Durch einen Zusatz von Kokosfett wird die Eeichert-Meißlsche Zahl der
Butter herabgesetzt und die „Neue Butter-Zahl“ erhöht. Butterproben mit niedriger
Beichert-Mei 111 scher Zahl haben auch eine niedrigere „Neue Butter-Zahl" und
das Ansteigen der Eeichert-Meißlschen Zahl und der Neuen Butter-Zahl verläuft
1,1 ziemlicher Regelmäßigkeit, so daß bei reinen Butterfetten zu jeder Reichert-
Mei 1(1 sehen Zahl eine nur wenig schwankende „Neue Butter-Zahl“ gehört. Diese
Beobachtung ist die erste Grundlage, auf die sich dies Verfahren stützt.

Einer Erhöhung der Eeichert-Meißlschen Zahl um 1,0 entspricht bis zu
der Zahl 27 eine Erhöhung der Polenskeschen Neuen Butter-Zahl um 0,1,
während den Erhöhungen der Eeichert-Meißlschen Zahl auf 28, 29 und 30
solche der „Neuen Butter-Zahl“ um 0,2, 0,3 und 0,5 entsprechen.

Bei den untersuchten 34 Butterproben fand Polenske folgende Beziehungen
zwischen Eeichert-Meißlscher Zahl und „Neuer Butter-Zahl“, denen die von ihm
fbr den qualitativen Nachweis von Kokosfett in der Butter vorgesohlagene oberste
Grenze (die um 0,5 höher ist als die gefundenen Werte) beigefügt ist.

l)	Diese Erscheinung beruht darauf, daß die Kaprylsäure, die im Kokosfett in
größerer Menge als in der Butter vorhanden ist, erst hei 12° erstarrt.
        <pb n="582" />
        ﻿560

Speisefette und -öle.

Reichert-Meiß Ische  Zahlen (R.-M.-Z.)	Den R.-M.-Zahlen entsprechende Polenskesche N eue Butter-Zahlen (P.-Z.)	Höchstzulässige Polenskesche Neue Butterzahl (P.-Z.)
20-21	1,3-1,4	1,9
21—22	1,4-1,5	2,0
22—23	1,5—1,6	2,1
23—24	1,6-1,7	2,2
24—25	1.7-1,8	2.3
25—20	1,8—1,9	2,4
26—27	1.9—2,0	2,5
27—28	2,0-2,2	2,7
28—29	2,2-2,5	3,0
29-30	2,5—3,0	3,5

Die quantitative Bestimmung des Kokosfettes beruht auf dem Befunde,
daß durch einen Zusatz von 10 °/0 Kokosfett zur Butter die P.-Zahlen derselben
um 0,8—1,2, im Mittel um 1,0 erhöht werden. Man hat zunächst die gefundenen
R.-M.-Zahlen mit der gleichhohen R.-M.-Zahl der Tabelle zu vergleichen und dann
zu ermitteln, ob die gefundene P.-Zahl ebenso hoch oder höher ist, als sie nach
der Tabelle in reinen Butterfetten sein soll. Ist sie größer, dann entspricht jede
Erhöhung der P.-Zahl um 0,1 einem Zusatz von 1 °/0 Kokosfett. Um aber eine
unrichtige Beurteilung der Butter zu verhüten, soll eine Erhöhung der P.-Zahl um
weniger als 0,5 noch nicht als das Vorhandensein von Kokosfett beweisend an-
gesehen werden. Ist aber die Differenz, die sich aus beiden P.-Zahlen ergibt, größer
als + 0,5, dann ist sie ihrem ganzen Betrage nach gemäß Spalte 2 der Tabelle auf
Kokosfett zu berechnen.

Beispiele:

1.	Gefunden; R.-M.-Zahl 24,5, P.-Zahl 3,2. Der R.-M.-Zahl 24,6 entspricht nach der Tabelle
die P.-Zahl 1,75. Hieraus ergeben sich; 3,2 — 1,75 = -)- 1,45 x 10 = 14,5 °/0 Kokosfett.

2.	Gefunden: R.-M.-Zahl 24,5, P.-Zahl 1,8. Hieraus ergehen sich; 1,8 —1,75 = -(-0,06
X 10 = 0,5 = 0 °/0 Kokosfett.

A. Hesse1) und M. Siegfeld2) haben eine Anzahl reiner Butterprohen nach dem
vorstehenden Verfahren untersucht und die Angaben von Polenske im allgemeinen be-
stätigt gefunden; doch waren bei ihren Untersuchungen die Beziehungen zwischen der
R.-M.-Zahl und der P.-Zahl nicht so regelmäßig, wie sie in der obigen Tabelle angegeben
sind, und müssen die höchstzulässigen P.-Zahlen vielleicht noch etwas erhöht werden.

M.	Siegfeld warnt daher, ehe ein größeres Untersuchungsmaterial vorliegt, vor einer
Beanstandung allein auf Grund einer zu hohen P.-Zahl, sofern die Verfälschung nicht
eine sehr grobe ist.

A. Juckenack und R. Pasternaok3) bestimmen zum Nachweise von Kokosfett
in Butter das Molekulargewicht der flüchtigen löslichen Fettsäuren, für welches sie bei
Butterfett (3 Proben) 95,1—98,3 und bei Kokosfett (3 Proben) 132,8—145,1 fanden;

M.	Siegfeld2) fand für Butterfett die Werte 97,2—104,3.

f)	Für den Nachweis von fremden tierischen Fetten (Talg, Oleomargarin,
Schweinefett) in Butter sind besondere zuverlässige Verfahren bis jetzt nicht bekannt

J) Milchwirtsoli. Centralbl. 1905, 1, 13.

2)	Ebenda 1905, 1, 165.

3)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 193.
        <pb n="583" />
        ﻿Butter und Butterschmalz.

561

geworden. Unter Umständen wird der Nachweis durch das Verhalten der Fette
unter dem Polarisationsmikroskope ermöglicht, wo geschmolzen gewesene tierische
Fette kristallinisch erscheinen. J. Lewkowitsch1) hält für den Nachweis tierischer
Fremdfette die Bestimmung des spez. Gewichtes für wertvoll.

g)	Die Bestimmung der Eefraktometer-Zahl (des Brechungsindex) mit
dem Zeiß sehen Butter-Refraktometer ist namentlich wegen ihrer leichten und
schnellen Ausführbarkeit vielfach zur Vorprüfung bei der Marktkontrolle empfohlen
worden. Neuere Untersuchungen haben aber gezeigt, daß die Refraktometer-Zahl der
reinen Butter selbst innerhalb verhältnismäßig weiter Grenzen schwankt; auch
lassen sich Fälschungen mit Kokosfett durch diese Zahl nicht nachweisen, insbesondere
dann nicht, wenn neben Kokosfett auch Margarine, Schweinefett oder ähnliche
Fette zugesetzt sind. Es hat daher die Bestimmung der Refraktometer-Zahl bei
den geschickten Verfälschungen der Neuzeit sehr an Bedeutung verloren.

Über die Ausführung der Bestimmung vergl. oben S. 521.

Als obere Grenzen der Refraktometer-Zahlen bei reinem Butterfett sind nach
R. Wollny anzusehen:

Temp.	Refr.-Zahl	Temp.	Refr.-Zahl	Temp.	Refr.-Zahl	Temp.	Refr.-Zahl
45»	41,5	40»	44,2	35»	47,0	30»	49,8
44»	42,0	39»	44,8	34«	47,5	29«	60,3
43»	42,6	38»	45,3	33»	48,1	28»	50,8
42»	43,1	37»	45,9	32»	48,6	27»	51,4
41»	43,7	36«	46,4	31»	49,2	26»	51.9
40»	44,2	35»	47,0	30»	49,8	25»	52,5

Diese Grenzzahlen liegen auch dem Spezialthermometer für Butterfett von Wollny
zugrunde; über seine Verwendung vergl. oben S. 524.

E. Bai er'2) hat auf Grund eines großen statistischen Materials gezeigt, daß diese
Grenzzahlen nicht ganz zutreffend sind, daß sie vielmehr für Winterbutter zu erniedrigen
und für Sommerbutter etwas zu erhöhen sind. Er hat daher von der Firma Carl Zeiß
in Jena ein Spezialthermometer für Butterfett mit zwei Grenzzahlen herstellen lassen,
v°n denen die niedrigere für Winterbutter, die höhere dagegen für Sommerbutter gilt.
Üic diesen Grenzzahlen zugrunde liegenden oberen Grenzen sind folgende:

Obere Grenze für	bei 25» bei 35» bei 40»

Winterbutter (November bis Mai) . . .	51,2	45,7	43,

Sommerbutter (Juni bis Oktober) ....	53,2	47,7	45,

Bei der Vorprobe des Butterfettes mittels des Refraktometers pflegt man alle jene
Butterproben, welche bei Anwendung der Spezialtbermometer eine positive (+) Differenz
ergeben, als verdächtig für die exakte chemische Untersuchung auszuscheiden.. Indes ist
es ratsam, auch bei geringen negativen (—) Differenzen nicht ohne weiteres die 1 nitung
uach Reichert-Meißl fallen zu lassen, wie überhaupt die chemischen (a und b|
und physikalischen (dl Verfahren in allen irgendwie zweifelhaften Fällen
gleichzeitig anzuwenden.

Wir haben schon oben darauf hingewiesen, daß hierbei grobe Verfälschungen (z. B.
die mit Kokosfett bezw. mit Gemischen von Kokosfett mit anderen Fremdfetten) übersehen
Werden können.

2) J. Lewko witsch, Chemische Technologie und Analyse der üle, Fette und

Wachse; Braunschweig, Fr. Vieweg u. Sohn 190o, i, ■

2i Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußnuttel 1902, 5, 1145. ^
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.
        <pb n="584" />
        ﻿562

Speisefette und -öle.

b) Sonstige Untersuohungsverfahren. Außer den vorgenannten sind noch
eine große Anzahl von Untersuchungsverfahren in der Literatur beschrieben worden. Wir
müssen darauf verzichten, diese hier sämtlich anfzuführen, da sie teils noch wenig erprobt
sind, teils nur grobe Verfälschungen erkennen lassen, die auch durch die oben aufgeführten
Untersuchungsverfahren entdeckt werden können.

Ein auch im Haushalte leicht anwendbares Verfahren, um Margarine bezw. über-
haupt künstlich emulgiertes Fett und daher auch die sog. „wiederaufgefrischte Butter“
von natürlicher Butter zu unterscheiden, das auch bei der Untersuchung im Laboratorium
als Anhaltspunkt mit dienen kann, beruht auf dem Verhalten der Butter beim Aus-
schmelzen. Natürliche Butter liefert beim Auslassen ein klares, durchsichtiges über-
stehendes Fett, während dieses bei Margarine bezw. überhaupt bei künstlich emulgierten
Fetten — daher auch bei der sog. „wiederaufgefrischten“ Butter — trübe ist und bleibt.
C. Bischoff hat für diese Prüfung eine besondere Schmelzvorriohtung anfertigen lassen.

Es empfiehlt sich daher für die Untersuchung des Butterfettes auf
Reinheit folgender Untersuchungsgang;

Man bestimmt von dem zu untersuchenden Butterfette zunächst die Eeichert-
Me iß Ische Zahl und die Verseifungszahl und prüft dasselbe außerdem auch noch
mittels der Furfurol-Eeaktion auf Sesamöl und mittels der Halphenschen Reaktion
auf Baumwollsamenöl. Je nach dem Ausfall dieser Prüfungen sind alsdann folgende
3 Fälle zu unterscheiden:

a)	Liegt die Reichert-MeißIsche Zahl unter einer gewissen Grenze, die
man je nach der Herkunft der Butter, der Jahreszeit und der Sorgfalt, die hei der
Untersuchung geboten ist, auf 22, 24 oder 26 annehmen kann, oder fällt — auch
bei höherer Eeichert-Meißlscher Zahl — eine der vorgenannten beiden Farben-
Eeaktionen positiv aus, so unterwirft man 50—100 g des Fettes der Phytosterin-
acetat-Probe.

b)	Zeigt sich bei verhältnismäßig niedriger Eeichert-Meißlscher Zahl
zwischen dieser und Verseifungszahl gleichzeitig ein für reines Kuhbutterfett
abnormes Verhältnis (vergl. S. 569), so führt man ebenfalls die Phytosterinacetat-Probe
und auch die Bestimmung der Polenskeschen „Neuen Butterzahl“ (S. 558) aus.

c)	Gibt die Untersuchung nach 2 und 3 keinen Anhaltspunkt für die An-
wesenheit von Pflanzenfetten, so liegt noch die Möglichkeit einer Verfälschung mit
tierischen Fremdfetten vor, und es kann dann, falls nicht auffallend niedrige
Reichert-Meißlsche Zahlen gefunden werden, nur durch weitere Ermittelungen
Uber die Herkunft der Butter (nötigenfalls durch die Stallprobe) und unter Umständen
durch die Untersuchung im Polarisationsmikroskope ein Urteil über die Reinheit
des Butterfettes erlangt werden.

2,	Untersuchung des Butterfettes auf fremde Farbstoffe.

Nach der amtlichen Anweisung vom 1. April 1898 zum Gesetze betr. den
Verkehr mit Butter usw. vom 15. Juni 1897 verfährt man in folgender Weise:

„Die Gegenwart fremder Farbstoffe erkennt man durch Schütteln des ge-
schmolzenen Butterfettes mit absolutem Alkohol oder mit Petroleumäther vom
spezifischen Gewicht 0,638. Nicht künstlich gefärbtes Butterfett erteilt diesen
Lösungsmitteln keine oder nur eine schwach gelbliche Färbung, während sie sich
bei gefärbtem Butterfette deutlich gelb färben.

Zum Nachweise gewisser Teerfarbstoffe werden 2—3 g Butterfett in 5 ccm
Äther gelöst und die Lösung in einem Probierröhrchen mit 5 ccm konzentrierter
Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,125 kräftig geschüttelt. Bei Gegenwart
gewisser Azofarbstoffe färbt sich die unten sich absetzende Salzsäureschicht
deutlich rot.“
        <pb n="585" />
        ﻿Butter und Butterschmalz.

563

a)	Wenn heim Auslassen der Butter die sich ahsetzende wässerige

Schicht eine gelhe Farbe haben sollte, so führt man mit der klar filtrierten, wässerigen
Schicht folgende Reaktionen aus:	.

u) Bewirkt ein Zusatz von Ammoniak oder Alkalien eine Bräunung bezw. braunrote
Färbung der Flüssigkeit, so ist die Butter mit Kurkuma gefärbt.

ß) Wird die Flüssigkeit auf Zusatz von konzentrierter Schwefelsäure blau
und scheiden sich auf Zusatz von Wasser schmutziggrüne Flocken aus, so deutet das auf
Orleans hin; geht dagegen die blaue Färbung bald in Lila oder ins Yiolettbraune über
und bewirkt in einer anderen Probe Zitronensäure eine grasgrüne Färbung, so ist auf
Saflor zu schließen.

y) Entsteht auf Zusatz von Salzsäure ein kristallinischer Niederschlag unter gleich-
zeitiger Entfärbung der Flüssigkeit, so war Yiktoriagelb (Dinitrokresolkalium, Safran-
surrogat) zugesetzt; dasselbe geht durch Schütteln der wässerigen Flüssigkeit mit Benzol
in letzteres über und färbt dasselbe gelb. Tritt beim Bilden des gelben Niederschlages
keine Entfärbung der Flüssigkeit ein, so ist Martiusgelb vorhanden; Zusatz von Ätz-
natron zu einer anderen Probe bewirkt dann einen rotbraunen Niederschlag.

d)	Bildet sich auf Zusatz von Bisenchlorid ein flockiger Niederschlag mit schwärzlich-
brauner Farbe, so sollen Ringelblumen, entsteht eine braunschwarze Färbung, so soll
Saflor, entsteht eine dunkelbraunrote Färbung, so soll Safran verwendet sein.

b)	In der Regel wendet man aber die Butterfarben in Öllösung an und diese
Farben gehen durchweg nicht in das Abschmelzwasser über; man muß daher das
Butterfett auf fremde Farbstoffe prüfen.

A. R. Leeds1) verfährt, zu dem Zweck wie folgt:

Von Butter und Kunstbutter werden 100 g in 300 ccm reinem Petroläther (vom
spezifischen Gewicht 0,638) gelöst, die Lösung wird mittels eines Scheidetrichters von Wasser
und Salzen getrennt und im Scheidetrichter wiederholt mit Wasser, im ganzen mit 100 ccm
gewaschen. Sodann läßt man die Fettlösung im Winter in der Kälte, im Sommer in eis-
kaltem Wasser 15—20 Stunden stehen, wobei viel Stearin auskristallisiert. Die hiervon
abdekantierte klare Lösung wird mit 50 ccm 1/10 N.-Kalilauge geschüttelt, wobei die
Farbstoffe dem Petroläther entzogen werden. Die wässerige Farbstofflösung trennt man
von der Fettlösung und säuert sehr sorgfältig mit verdünnter Salzsäure an, bis die Lösung
gegen Lackmuspapier eben sauer reagiert. Hierbei wird der Farbstoff (zugleich mit sehr
Wenig Fettsäure) abgeschieden. Man filtriert ihn durch ein tariertes Filter und wäscht
mit kaltem Wasser. Zu beachten ist, daß die Lösung der Fette in Petroläther stets
eine hellgelbe Farbe hat, die von den Fetten und Ölen selbst herrührt.

Zur Erkennung der einzelnen Farbstoffe versetzt man je 2 3 Tropfen ihrer
alkoholischen Lösung mit je 2—3 Tropfen konzentrierter Schwefelsäure, konzentrierter
Salpetersäure, Schwefelsäure -f Salpetersäure und konzentrierter Salzsäure. Hierbei treten
folgende Reaktionen ein;

(Siehe Tabelle auf Seite 564.)

Stebbins2) schmilzt 50 g des filtrierten Fettes in einem engen Becherglase auf
dem Wasserbade, rührt 5—10 g fein gepulverte Walkerde (weißen Bolus) ein und läßt
Dach 3 Minuten langem Durchrühren auf dem Wasserbade absitzen. Man gießt möglichst
I*el Fett ab, gibt 20 ccm Benzol zu, rührt durch, läßt absitzen, gießt das Benzol auf ein
ilter ab und wiederholt das Auswaschen mit Benzol, bis alles Fett entfernt ist. Das
Filter wird mit Benzol gewaschen und die Filtrate vereinigt. In denselben ist das Karotin
enthalten, auf welches nach der Tabelle auf S. 564 geprüft wird. Die Walkerde wird auf
nem Wasserbade von Benzol befreit, 3-mal mit etwa 20 ccm 94 °/0-igem Alkohol ausgekocht,
nie Auszüge in einer tarierten Schale verdampft, der Rückstand bei 100° getrocknet und
gewogen, bezw. nach den S 664 angegebenen Reaktionen auf die Natur des Farbstoffes

e-fVTVrfift-	ö ö

i) Analyst 1887, 12, 150; Chem.-Ztg. 1887, 11, Rep. 188.

) Journ. Americ. Chem. Soc. 1887, 9, 41 und Analyst 1887, 12, 150.

36*
        <pb n="586" />
        ﻿564

Speisefette und -öle.

♦	Der Farbstoff wird beim Zusatz von			
Farbstoff	konz.  Schwefelsäure	konz.  Salpetersäure	Schwefelsäure -f- Salpeter- säure	konz. Salzsäure
Anatto	indigoblau, geht in Violett über	blau, wird beim Stehen farblos	blau, wird beim Stehen farblos	keine Verände- rung, nur leicht schmutzig-gelb oder braun
Anatto -f- eutfärbte Butter	blau, wird grün und allmählich violett	blau, durch Grün und gebleicht	entfärbt	keine Verände- rung, nur leicht schmutzig-gelb
Kurkuma1)	rein violett	violett	violett	violett; beim Ver- dampfen der HCl kehrt die ursprüng- liche Farbe wieder
Kurkuma -f- entfärbte Butter	violettbis purpurn	violett bis rötlich-violett	violett bis rötlich-violett	sehr schön violett
Safran	violett bis kobalt- blau, wird rötlich- braun	hellblau, wird bellrötlioh-braun	hellblau, wird bellrötlich- braun	gelb, wird schmutzig-gelb
Safran -)- entfärbte Butter	dunkelblau, wird schnell rötlich- braun	blau, durch Grün in Braun	blau, wird schnell purpurn	gelb, wird schmutzig-gelb
Mohrrübe	umbrabraun	entfärbt	gibt N0.2- Dämpfe und Geruch nach verbranntem Zucker	nicht entfärbt
Mohrrübe -j- entfärbte Butter	rötlich-braun bis purpurn, ähnlich Kurkuma	gelb und ent- färbt	gelb und ent- färbt	leicht braun
Ringelblume	dnnkelviolett- grün, bleibend	blau, geht augen- blicklich in Scbmutziggelb- grün über	grün	grün bis gelblich- grün
Saflorgelb	hellbraun	teilweise entfärbt	entfärbt	keine Veränderung
Anilingelb	gelb	gelb	gelb	gelb
Martiusgelb	blaßgelb	gelb, rötliche Fällung	gelb	gelbe Fällung, verpufft beim Be- handeln mit NH3 und Glühen
Viktoriagelb	teilweise entfärbt	teilweise entfärbt	teilweise  entfärbt	die Farbe kehrt wieder beim Neu- tralisieren mit NH3

*) Kurkuma wird durch Ammoniak rötlich-braun und beim Vertreiben des Ammoniaks
kehrt die ursprüngliche Farbe zurück.
        <pb n="587" />
        ﻿Butter und Butterschmalz.

565

C. Anhaltspunkte für die Beurteilung von Butter und Butterschmalz.

1.	Zusammensetzung der Butter. (Gehalt an Wasser, Fett usw.) Hierüber hat der
Reichskanzler folgende Bekanntmachung vom 1. März 1902x) für Deutschland erlassen:

„Auf Grund des § 11 des Gesetzes betr. den Verkehr mit Butter usw. vom
15. Juni 1897 (Eeichs-Gesetzbl. S. 475) hat der Bundesrat beschlossen:

Butter, welche in 100 Gewichtsteilen weniger als 80 Gewichtsteile Fett oder
im ungesalzenen Zustande mehr als 18 Gewichtsteile, im gesalzenen Zustande mehr
als 16 Gewichtsteile Wasser enthält, darf vom 1. Juli 1902 ab gewerbsmäßig nicht
verkauft und feilgehalten werden.“

Über den zulässigen Kochsalzgehalt sind bindende Bestimmungen in Deutschland
nicht getroffen; nach den „Vereinbarungen“ soll der Gehalt an Kochsalz 2 °/0 nicht übersteigen.

Mineralische Beimengungen außer Kochsalz und solche von Getreidemehl, Kartoffel-
brei, Käsequark oder dergl. sind natürlich als Verfälschungen zu beanstanden.

2.	Zusätze von chemischen Frischhaltungsmitteln außer Kochsalz sind zu be-
anstanden. Diese Zusätze sind zwar bei der Butter nicht wie bei den unter das
Fleischbeschau-Gesetz vom 3. Juni 1900 fallenden übrigen Speisefetten (Margarine,
Schweinefett usw.) gesetzlich ausdrücklich verboten (vergl. S. 571). Allein da ihre
Verwendung durch das genannte Gesetz vorwiegend wegen ihrer Gesundheits-
schädlichkeit verboten ist, so dürften sie aus diesem Grunde auch in der Butter zu
beanstanden sein.

3.	Als verdorben zu beanstanden ist talgige Butter, ranzige, grübelnde, ver-
schimmelte, ölige, bittere, wie überhaupt Butter, welche ekelerregendes Aussehen,
ekelerregenden Geschmack oder Geruch besitzt.

Der Säuregrad feiner Tafelbutter hält sich unter 5° und soll 8° nicht überschreiten.
Damit soll jedoch nicht gesagt sein, daß Butter mit höherem Gehalt au freien Fettsäuren
■verdorben ist, denn solche läßt sich sehr wohl zum Kochen verwenden. Auf Grund des
Säuregrades allein kann eine Butter bezw. ein Butterschmalz nicht als verdorben erklärt
werden, solange nicht eine schädliche physiologische Wirkung der freien Fettsäuren in
nicht ranzigem Butterfett nachgewieseu ist,

4.	Die künstliche Färbung der Butter ist, auch wenn sie mit unschädlichen
Farbstoffen geschieht, wohl als Unsitte zu rügen, indessen wird man, da sie seit langer
Zeit gebräuchlich ist, kaum dagegen einschreiten können. Gleichwohl kann es Fälle
geben, wo auch die künstliche Färbung mit unschädlichen Farbstoffen als Fälschung
aufzufassen sein wird, nämlich da, wo beispielsweise garantiert frische Grasbutter
durch alte, künstlich gefärbte Winterbutter ersetzt wurde; freilich wird hier die
Feststellung der künstlichen Färbung allein für den Sachverständigen nicht maß-
gebend sein, vielmehr werden auch noch andere Prüfungsverfahren (Säuregrad)
herangezogen werden müssen.

Färbung mit schädlichen Farbstoffen ist selbstverständlich unzulässig.

5.	Zusatz fremder Fette zu Butter und Butterschmalz. Der Zusatz von
fremden Fetten zu Butter und Butterschmalz ist als Verfälschung zu beanstanden.
Der § 3 des Gesetzes betr. den Verkehr mit Butter usw. vom 15. Juni 1897 be-
stimmt ferner ausdrücklich;

„Die Vermischung von Butter oder Butterschmalz mit Margarine oder anderen
Speisefetten zum Zwecke des Handels mit diesen Mischungen ist verboten.“ Die
Herstellung von Mischungen von Butter und Margarine und der Handel mit diesen
Mischungen sind also auch bei richtiger Deklaration nicht zulässig.

Der wissentliche Verkauf und das wissentliche Feilhalten von durch Zusatz
fremder Fette verfälschter Butter oder von Margarine anstatt Butter sind nach
°	^ des Nahrungsmittelgesetzes vom 14. Mai 1879 strafbar.

1)	Deutscher Reichsanzeiger No. 54 vom 4. März 1902.
        <pb n="588" />
        ﻿566

Speisefette und -öle.

Während an der Tatsache, daß Beimischungen von fremden Fetten zum Butter-
fett als Verfälschungen anzusehen sind, von keiner Seite gezweifelt wird, bietet
die Frage, wann ein Zusatz von fremden Fetten zur Butter als erwiesen
anzusehen ist, unter Umständen große Schwierigkeiten.

Diese Schwierigkeiten sind nicht so sehr dadurch bedingt, daß den Untersuchungs-
Verfahren selbst Mängel bezüglich der zu erreichenden Genauigkeit anhaften, sondern es
liegt das zeitweise vollständige Versagen eines Teiles dieser Verfahren an den großen
Schwankungen in der Zusammensetzung der Butter selbst. Infolge im allgemeinen
abnormer, aber auch zeitweise unter bestimmten Verhältnissen mit einer gewissen Eegel-
mäßigkeit auftretender Umstände gleicht das reine Kuhbutterfett in seiner Zusammensetzung
einem Gemische von normalem Kuhbutterfett mit Kindstalg.

Man hat hie und da angenommen, in derartigen Fällen durch die gleichzeitige Be-
stimmung mehrerer analytischen Konstanten (spezifisches Gewicht, Eefraktometerzahl,
Eeiohert-Meißlsche Zahl, Verseifungszahl, Hehnersohe Zahl, Jodzahl, Molekular-
gewicht der nichtfiüchtigen Fettsäuren usw.) ein zuverlässigeres Urteil über die Eeinheit
eines Butterfettes erhalten zu können, als wenn man nur die Eeiohert-Meißlsche Zahl
und die Verseifungszahl bestimmt. Diese Ansicht ist im allgemeinen nicht zutreffend.
Die nach den vorgenannten Verfahren erhaltenen Werte sind durchweg von denselben Be-
standteilen abhängig, nämlich von dem mehr oder minder hohen Gehalte des Butterfettes an
Glyzeriden der niederen Fettsäuren einerseits und den im umgekehrten Verhältnisse dazu
stehenden mehr Oder minder hohen Gehalte an Glyzeriden der höheren Fettsäuren andererseits.
Es besagen uns daher — wenn wir von einer Verfälschung mit Kokosfett absehen —
auffallend niedrige Werte für das spezifische Gewicht, die Eeichert-MeißIsche Zahl
und die Verseifungszahl hinsichtlich der Eeinheit des betreffenden Butterfettes nach unseren
heutigen Erfahrungen nichts mehr und nichts weniger als auffallend hohe Werte für die
Eefraktometerzahl. die Hehnersohe Zahl, die Jodzahl und das Molekulargewicht der nicht-
flüchtigen Fettsäuren.

Sehr gut werden diese Beziehungen veranschaulicht durch die umfangreichen Unter-
suchungen von Th. E. Thorpe,1) der 367 zuverlässig reine, unter den verschiedensten Ver-
hältnissen in England gewonnene Butterfettproben untersuchte. Thorpe hat aus den
gefundenen Einzelwerten in der Weise Mittelzahlen berechnet, daß er bei den Butterfett-
proben mit den Eeichert-Meißlschen Zahlen 22,0—22,9, 23,0—23,9 .... je die Mittel-
werte für die übrigen Konstanten berechnete und diese nach steigenden Eeichert-
Meißlschen Zahlen 22,5, 23,5 .... ordnete. Auf diese Weise wurden folgende Mittel-
werte erhalten:

Eeichert- Wollny- sche Zahl	Zahl  der  Proben	Spez.  Gewicht  ,	. 37,8°  bew	Ver-  seifungs-  äquivalent	Ver-  seifungs-  zahl	Eefrakto- meterzahl bei 45°	Lösliche Fettsäuren (berechnet als Butter- säure)  °/o	Un-  lösliche  Fett&gt;  säuren  %	Mittleres Molekular- gewicht der unlöslichen Fettsäuren
22,5	7	0,9101	256,4	219,6	42,0	4,3	90,1	266,9
23,5	17	0,9104	263,4	221,4	41,5	4,6	89,7	265,5
24,5	15	0,9108	251,3	223,2	41,5	4,7	89,4	265,0
25,5	27	0,9110	251,1	223,4	41,3	4,8	89,3	264,2
26,5	37	0,9113	248,9	225,4	41,0	4,9	88,9	261,9
27,5	51	0.9114	247,4	226,8	40,6	5,2	88,7	261,7
28,5	78	0,9118	245,7	228.3	40,1	6,4	88,4	260,9
29,5	66	0,9120	244,0	229,9	40,1	6,6	88,3	259,6
30,5	41	0,9123	242,4	231,4	39,9	- 5,8	87,9	260,1
31,3	18	0,9125	241,5	232,3	39,7	5,7	87,9	258,0
32,6	10	0,9130	241,2	232,6	39,4	6,0	87,7	257.8

!) Journ. ehern. Soo. London 1904, 85, 248—259; Zeitschr. f. Untersuchung d.
Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 581. Eingehend hat über diese Arbeit M. Siegfeld
        <pb n="589" />
        ﻿Butter und Butterschmalz.

567

Die Beziehungen zwischen der Jodzahl und dem mittleren Molekulargewicht der
nichtflüohtigen Fettsäuren einerseits und der Reichert-Meißlschen Zahl treten sehr gut
in den nachfolgenden, von M. Siegfeld für die Milch einer großen Molkerei (Milch von
über 1000 Kühen aus über 100 Wirtschaften) zutage:

Reich ert-Meißlsche	Zahl................ 24,2	25,0	26,1	27,4	28,6	29,6	30,8

Jodzahl (nach Wijs)...................... 41,6	44,6	34,2	33,6	31,6	30,7	30,7

Molekulargewicht der nichtflüchtigen Fettsäuren 268,7 265,3 262,7 262,2 259,6 260,7 266,5.

Reines Butterfett hat im allgemeinen eine Reiohert-Meißlsche Zahl von 26—32
und eine Yerseifungszahl von 222—232. Doch ist eine Unterschreitung dieser Zahlen kein
Beweis für eine Verfälschung des Butterfettes mit fremden Fetten, denn unter den ver-
schiedensten durch Jahreszeit, Laktationsstadium, Fütterung, Individualität verursachten
Bedingungen können nicht nur bei der Milch einzelner Kühe, sondern auch hei größeren
Herden weit niedrigere Reichert-Meißlsohe Zahlen auftreten. R. Sendtner1) fand
z. B. für Mischbutter von 133 Kühen bei Fütterung von Maisstärkefabrik-Abfällen
Reiohert-Meißlsche Zahlen bis herab zu 17,6, Köttstorfersche Zahlen bis herab zu
207,1 bei 45,7 Jodzahl und Refraktometerzahl 46,8 bei 40°. van Rijn beobachtete bei
einer Herde von 6 Kühen eine Reichert-Meißlsche Zahl von 17. Für das Milohfett
einzelner Kühe wurden sogar Zahlen wie 13,4 (A. Meyer2)) und 15,6 (A. J. Swaving3))
gefunden.

Reichert-Meißlsche Zahlen unter 24 treten sogar in gewissen Bezirken
Norddeutschlands und in einem Teile von Holland in den Herhstmonaten mit einer
gewissen Regelmäßigkeit auf.

Ferner ist in analytischer Hinsicht noch zu berücksichtigen, daß sich die Reichert-
Meißlsche Zahl beim Aufbewahren der Butter verändern kann; nach

N.	J. Swaving1) nimmt sie bei nicht ausgelassener Butter mehr oder minder ab, und zwar
lm offenen Gefäße mehr als im verschlossenen und hei Lichtabschluß mehr als bei Licht-
zutritt; bei ausgelassenem Butterfett dagegen findet sowohl im verschlossenen wie im
offenen Gefäß eine schwache Zunahme der Reichert-Meißlschen Zahl statt, und zwar
im verschlossenen Gefäße eine etwas stärkere als im offenen; ein Unterschied in der Ein-
wirkung des Lichtes ist hierbei nicht zu erkennen.

Es ist daher nicht möglich, allgemein gültige, praktisch brauchbare
untere Grenzzahlen für die Reichert-Meißlsche Zahl und die Kött-
storfersche Zahl oder obere Grenzzahlen für die Refraktometerzahl,
die Jodzahl, das Molekulargewicht der niohtflüchtigen Fettsäuren usw.
uufzustellen. Trotzdem bleiben aber die Bestimmungen der Reichert-Meißlschen
Zahl und der Verseifungszahl die geeignetsten Verfahren, um die einer Fälschung
verdächtigen Butterfette von den unverdächtigen zu trennen. Um aber einen
Zusatz fremder Fette in verdächtigen Butterfetten bestimmt nachzuweisen,
sind noch andere Verfahren anzuwenden, von denen z. Z. folgende als die zu-
verlässigsten anzusehen sind:

1- In Fällen, in denen sich die Herkunft der Butter aus einer bestimmten
Wirtschaft oder auch einer bestimmten Molkerei — sofern diese nicht etwa auch

„ i ma vofpriert Diesem Referate sind auch die von
im Milchwirtsch. Centralbl. 190o, 1, ll,b_r®„	ter man die durch ein Äquivalent Kalium-

Siegfeld aus dem Verseifungsäquivalent	berechneten Verseifungszahlen der

hydroxyd (56,1 Teile) verseifbare Fettmenge versteht - berechneten
Tabelle entnommen.	, 1ßqPi 9 339

!) Forschuugsberichte über Lebensmittel 1	, ■&gt;

2) Landw. Versuchs-Stationen 1888, 25, 2 uf ß’	4 577

■) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1901, 4,

4)	Ebenda 1898, 1, 759.
        <pb n="590" />
        ﻿CMCOrtliOCOD-COas

568

Speisefette und -öle.

fremde Butter zukauft — sicher nachweisen läßt, empfiehlt sich, wie hei der Milch-
untersuchung, die Stallprobe, bei der, wie bei der Milch, alle näheren Umstände
(Futterwechsel, Witterungswechsel usw.) zu berücksichtigen sind, die auf das Butter-
fett von Einfluß sein können.

2.	Ein Zusatz von Pflanzenfetten und -ölen und solche enthaltenden
Fettzubereitungen (Margarine, Kunstspeisefett usw.) läßt sich mittels der
Phytosterinacetat-Probe bestimmt nachweisen.1)

Fällt diese Probe positiv aus, d. h. beträgt der korrigierte Schmelz-
punkt der letzten Kristallisation 117° oder darüber, so sind dem
Butterfette bestimmt Pflanzenfette oder solche enthaltende Fett-
zubereitungen. zugesetzt worden. Liegt der korrigierte Schmelzpunkt
zwischen 116 und 117°, so ist ein solcher Zusatz anzunehmen, und zwar um so
eher, wenn das Butterfett gleichzeitig eine niedrige Reichert-Meißlsche Zahl
neben niedriger oder hoher Verseifungszahl aufweist und die Reaktionen auf
Baumwollsamenöl oder Sesaraöl positiv ausgefallen sind.

Beispiele: A. Börner2) fand für reine und von ihm selbst gemischte
Butterfette, sowie für solche des Handels folgende Werte:

J

:(

10,

11

12.

13,

		Reichert-	Furfurol-  Reaktion	Korrigierte Schmelzpunkte der Acetate				
Keines Butterfett ....		Zahl  . 27,8	auf  Sesamöl  0	3. Knst.  114,3	4. Knst.  114,3	5. Krist.  114,1	6. Krist.  114,9	7. Krist
Dasselbe Butterfett mit f 1 0	Io ■	—	positiv	116,6	116,3	116,9	117,4	—
Zusatz von Sesamöl \ 3	1	—	positiv	117,3	119,1	120,4	121,2	—
Dasselbe ( a) deutsoher	f 10#/*	. 25,18)	positiv	116,1	116,3	116,4	117,1	117,3
Butterfett mit Mar^arine	&lt;-20 „	. 22,43)	positiv	115,6	117,6	118,6	119,1	120,3
Zusatz von	b) holländ.	(10 „	. 25,13)	0	116,0	116,5	117,1	117.6	117,9
1 Margarine	120 „	. 22,43)	0	117,7	118,8	119,7	121,6	123,7
Verfälschte [holländische		.	18,5	0	119,5	121,0	122,5	126,0	127,4
Butter des &gt; deutsche ■		. 18-19	0	116,3	116,9	117,3	117,7	119,5
		. 25,0	schwach	116,8	117,6	117,9	117,9	120,2
		. 19,6	stark	122,1	122,8	123,4	—	—
,,	. (No. 4 u. 5 zugesetzte		—	stark	128,0	129,2	130,2	131,1	—
maxgaime ^ ^ g u.7		. —	0	128,9	128,9	129,1	130,5	—

3. Da die vorschriftsmäßig hergestellte deutsche — auch die österreichische
und belgische — Margarine einen Zusatz von Sesamöl enthalten muß, so
kann der Nachweis des Sesamöles im Butterfett mittels der Furfurol-Reaktion

(vergl. S. 556) auch zum Nachweise von solcher Margarine dienen, falls die Reaktion
eine deutliche und nicht nur spurenweise auftretende ist.

Bei den vorliegenden Versuchen über den Übergang des die Purfurol-Reaktion und
auch die Zinnohlorür-Keaktion (vergl. S. 586) verursachenden Körpers aus dem Putter in
das Milchfett ist von der Mehrzahl der Versuchsansteller ein solcher Übergang nicht be-
obachtet worden, dagegen ist von einigen Versuchsanstellern [Backhaus,4) UtzB)] eine

*) Von Baumwollsamenöl, Sesamöl, Erdnußöl, Rüböl, Maisöl usw. lassen sich 1—2 °/0
in der Butter nachweisen; dagegen sind hei Anwendung von 60—100 g Butterfett von
Kokosfett, das weit geringere Mengen Phytosterin enthält als jene Öle, nur etwa 5—10 °/0
nachweisbar.

ä) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1902, 5, 1018.

3)	Diese Zahlen sind nicht bestimmt, sondern aus der E.-M.-Zahl der Butter und der
für die Margarineproben angenommenen E.-M.-Zahl (1,0) berechnet.

4)	Bericht des Landw. Instituts Königsberg 1900, 5. 110.

6)	Chem.-Ztg. 1902, 26, 730.
        <pb n="591" />
        ﻿Margarine.	569

sehr schwache Furfurol- und Zinnchlorür-Eeaktion in dem Butterfett von mit Sesamöl-
emulsion bezw. Sesamkuchen gefütterten Kühen beobachtet worden.

Auch ist durch Versuche sicher erwiesen, daß der die Halphensohe Reaktion
auf Baumwollsamenöl verursachende Körper bei der Fütterung von Baumwollsamenmehl
in größerer Menge unverändert in das Butterfett übergeht.1)

4.	Da das Kokosfett — ähnlich verhält sich auch das Palmkernfett — im
Verhältnis zum Butterfett eine niedrige Reichert-Meißlsche Zahl (6,0—8,5), aber
eine höhere Verseifungszahl (246—268) hat, so erweckt eine erhöhte Verseifungs-
zahl neben einer niedrigen Reichert-MeißIschen Zahl hei einem Butterfette den
Verdacht eines Zusatzes von Kokosfett.

Zum Nachweise von Kokosfett im Butterfett kann außer der Phytosterinacetat-
Probe die Bestimmung der Polenskeschen „Neuen Butterzahl“ (vergl. S. 558)
dienen; doch ist von H. Lührig2) auch hei Fütterung mit Kokoskuchen eine er-
höhte „Neue Butterzahl“ beobachtet worden.

5.	Ein Zusatz von tierischen Fremdfetten (Talg, Oleomargarin, Schweine-
fett) zum Butterfett, welcher neuerdings in größerem Maßstabe namentlich in
holländischen „Butterfabriken“ geübt wird, ist nicht immer mit der wünschenswerten
Sicherheit nachzuweisen. Einen Anhalt gibt hier das Verhalten der Butter unter
dem Polarisationsmikroskope bei gekreuzten Nikol sehen Prismen, wo die reine,
frische Butter isotrop, d. h. gleichmäßig dunkel erscheint, während einmal ge-
schmolzen gewesene Fette (Talg, Oleomargarin, Schweinefett usw. und auch Kokos-
fett) mehr oder minder deutliche Polarisationserscheinungen zeigen. Besondere Vor-
sicht ist jedoch für diese Prüfung bei älteren Butterfetten geboten, da in diesen
allmählich neue Kristallisationsbildungen eintreten; diese können indes bei einiger
Übung unschwer von den meist durch die ganze Masse verteilten Kristallen zu-
gesetzter Fette unterschieden werden. Die sog. wiederaufgefrischte (Prozeß-)
Hutter zeigt natürlich, da ihr Fett ja schon geschmolzen war, ebenfalls Kristall-
bildungen unter dem Polarisationsmikroskope. Einen gewissen Anhaltspunkt für
die Erkennung zugesetzter tierischer Fremdfette bietet, wenn Pfanzenfette und -öle
nicht nachweisbar sind, die sog. Schmelzprobe (vergl. S. 562),

II. Margarine.

1. Herstellung und Zusammensetzung. Margarine im Sinne des Gesetzes betr.
den Verkehr mit Butter usw. vom 15. Juni 1897 sind diejenigen der Milchbutter
0(ler dem Butterschmalz ähnlichen Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht ausschließlich
(ler Milch entstammt.

a) Während man zur Herstellung der Margarine ursprünglich nur das
Oleomargarin, d. h. den von einem Teile des Stearins befreiten Rindstalg
verwendete, ist man allmählich dazu übergegangen, zu ihrer Herstellung ein Ge-
misch von verschiedenen tierischen und pflanzlichen Fetten und ölen zu verarbeiten,
Wodurch man im allgemeinen einen weniger „talgigen“ Geschmack der Margarine

erreicht.

Als. Fettmasse finden vorwiegend folgende Fette Verwendung:

°0 Premier jus, das ist gereinigter Talg;

ß) Oie omargarin;

inno ü Vergl. Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 914 u.
19°3, 6, 97.

2)	Ebenda 1905, 9, 734.
        <pb n="592" />
        ﻿570

Speisefette und -öle.

y) Neutral lard, das ist Neutralschmalz, gereinigtes Schweineschmalz, ge-
wonnen aus dem Netz- und Gekrösefett des Schweines;

d)	Baumwollsamenöl (Kottonöl) oder der feste Anteil desselben, das Baum-
wollsamenstearin (Kottonstearin);

s) Sesamöl;

£) Erdnußöl (Arachisöl).

Seltener finden auch andere Fette: Maisöl, Palmkernfett, Palmfett, Kokosfett,
Preßtalg (das bei der Herstellung des Oleomargarins ahgepreßte Stearin) und dergl.
Verwendung.

Im allgemeinen hat jede Margarine-Fabrik ihre besonderen Vorschriften für die
Herstellung ihrer Marken, die meist streng geheim gehalten werden. In Deutsch-
land sind jedoch für die Herstellung einige besondere Vorschriften erlassen. Hier-
über vergl. unter 2.

b)	Die Zusammensetzung der Margarine (Gehalt an Wasser, Fett,

Salzen usw.) ist im allgemeinen dieselbe wie die der Kuhbutter, jedoch ist in der
Regel der Wassergehalt in Margarine etwas geringer als in der Butter; außerdem
ist die Margarine stets gesalzen. Ferner unterscheidet sich das Fett der Margarine
von dem Butterfett unter anderem wesentlich dadurch, daß demselben der hohe
Gehalt des Butterfettes an löslichen, flüchtigen Fettsäuren fehlt.

c)	Die Veränderungen, welche die Margarine und Schmelzmargarine durch
mangelhafte Zubereitung, Aufbewahrung und dergl. erleiden kann, sind denen der
Butter und des Butterschmalzes ähnlich.

2. Gesetzliche Vorschriften über die Herstellung nsw. der Margarine. —
Verfälschungen der Margarine, a) In Deutschland sind für die Herstellung von
Margarine folgende gesetzliche Vorschriften maßgebend:

«) Das „Gesetz betr. den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und
deren Ersatzmitteln“ vom 15. Juni 1897 bestimmt Uber die Herstellung von
Margarine folgendes:

1.	„Die Vermischung von Butter oder Butterschmalz mit Margarine oder anderen Speise-
fetten zum Zwecke des Handels mit diesen Mischungen ist verboten.

Unter diese Bestimmung fällt auch die Verwendung von Milch oder Eahm bei
der gewerbsmäßigen Herstellung von Margarine, sofern mehr als 100 Gewichtsteile
Milch oder eine dementsprechende Menge Rahm auf 100 Gewichtsteile der nicht der
Milch entstammenden Fette in Anwendung kommen.“ (§ 3 des Gesetzes.)

2.	Die §§ 2, 4 und 5 des Gesetzes machen nähere Vorschriften über die Verpackung,
die Herstellungs- und Verkaufsräume usw., die hier übergangen werden mögen.

3.	„Margarine und Margarinekäse, welche zu Handelszwecken bestimmt sind, müssen
einen die allgemeine Erkennbarkeit der Ware mittels chemischer Untersuchungen er-
leichternden, Beschaffenheit und Farbe nicht schädigenden Zusatz enthalten.

Die näheren Bestimmungen werden vom Bundesrat erlassen und im Reichsgesetz-
blatte veröffentlicht.“ (§ 6.)

Der Bundesrat hat hierzu unter dem 4. Juli 1897 folgende Ausführungs-
bestimmungen erlassen:	1

1.	„Um die Erkennbarkeit von Margarine und Margarinekäse, welche zu Handelszwecken
bestimmt sind, zu erleichtern (§ 6 des Gesetzes betr. den Verkehr mit Butter, Käse,

Schmalz und deren Ersatzmittel vom 15. Juni 1897), ist den bei der Fabrikation zur
Verwendung kommenden Fetten und Ölen Sesamöl zuzusetzen. In 100 Gewichts-
teileu der angewandten Fette und Öle muß die Zusatzmenge bei Margarine mindestens
10 Gewichtsteile, bei Margarinekäse mindestens 5 Gewichtsteile Sesamöl betragen.

Der Zusatz von Sesamöl hat bei dem Vermischen der Fette vor der weiteren
Fabrikation zu erfolgen.“

J
        <pb n="593" />
        ﻿Margarine.

571

2.	„Das nach No. 1 zuzusetzende Sesamöl muß folgende Reaktion zeigen:

Wird ein Gemisch von 0,5 Eaumteilen Sesamöl und 99,5 Eaumteilen Baum-
wollsamenöl oder Erdnußöl mit 100 Eaumteilen rauchender Salzsäure vom spezifischen
Gewicht 1,19 und einigen Tropfen einer 2 °/0-igen alkoholischen Lösung von Furfurol
-geschüttelt, so muß die unter der Ölschicht sich absetzende Salzsäure eine deutliche
Eotfärbung annehmen.

Das zu dieser Reaktion dienende Furfurol muß farblos sein.“

ß) Nach. § 4 des Gesetzes hetr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau
vom 3. Juni 1900 fallen auch die „aus warmblütigen Tieren hergestellten Fette . .
unter den Begriff „Fleisch“ im Sinne dieses Gesetzes. Nach dem § 1 der Aus-
führungshestimmungen D vom 8. Juni 1900 sind als „Fleisch“ insbesondere an-
zusehen: „.......Fette, unverarbeitet oder zubereitet, insbesondere Talg, Unschlitt,

Speck, Liesen . . ., Gekröse und Netzfett, Schmalz, Oleomargarin (Premier jus,
Margarin) und solche Stoffe enthaltende Fettgemische, jedoch nicht Butter und ge-
schmolzene Butter (Butterschmalz)..........“

Der § 21 des Gesetzes bestimmt:

Bei der gewerbsmäßigen Zubereitung von Fleisch dürfen Stoffe oder Arten des
Verfahrens, welche der Ware eine gesundheitsschädliche Beschaffenheit zu verleihen
vermögen, nicht angewendet werden. Es ist verboten, derartig zubereitetes Fleisch
aus dem Ausland einzuführen, feilzuhalten, zu verkaufen oder sonst in Verkehr zu
bringen.

Der Bundesrat bestimmt die Stoffe und die Arten des Verfahrens, auf welche
diese Vorschriften Anwendung finden.

Der Bundesrat ordnet an, inwieweit die Vorschriften des Abs. 1 auch auf be-
stimmte Stoffe und Arten des Verfahrens Anwendung finden, welche eine gesundheits-
schädliche oder minderwertige Beschaffenheit der Ware zu verdecken geeignet sind.
Auf Grund dieses § 21 hat der Bundesrat nach der „Bekanntmachung
hetr. gesundheitsschädliche und täuschende Zusätze zu Fleisch und dessen Zu-
bereitungen“ vom 18. Februar 1902 nachstehende Bestimmungen beschlossen;1)

„Die Vorschriften des § 21 Abs. 1 des Gesetzes finden auf die folgenden Stoffe,
sowie auf die solche Stoffe enthaltenden Zubereitungen Anwendung:

Borsäure und deren Salze,

Formaldehyd,

Alkali- und Erdalkali-Hydroxyde und -Karbonate,

Schweflige Säure und deren Salze sowie unterschwefligsaure Salze,
Fluorwasserstoff und dessen Salze,

Salizylsäure und deren Verbindungen,

Chlorsäure Salze.

Dasselbe gilt für Farbstoffe jeder Art, jedoch unbeschadet ihrer Ver-
wendung zur Gelbfärbung der Margarine und zum Färben der Wursthüllen,
sofern diese Verwendung nicht anderen Vorschriften zuwiderläuft.“

Auf Grund des § 16 des Gesetzes gelten diese Bestimmungen auch für das
w das Zollinland eingehende „Fleisch“, also auch für Oleomargarin, Margarine usw.
dch dem § 20 der Ausführungsbestimmungen D vom 3. Juni 1900 sind zubereitete
ette (also auch Margarine) hei der Auslandsfleischbeschau zurückzuweisen:
T wenn sie nicht den für den Inlandsverkehr bestehenden Vorschriften entsprechend
2 ezeichuet sind („Margarine“, „Kunstspeisefett“);

wenn das Fett ranzig, sauer, mit Fäulnis-Geruch oder -Geschmack behaftet oder
innerlich mit Schimmelpilzen oder Bakterienkolonien durchsetzt oder sonst verdorben
befunden wird •

’j über die technische Begründung dieses Bundesratsbeschlusses vergl. Zeitschr.
Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 19CL, *&gt;,
        <pb n="594" />
        ﻿572

Speisefette und -öle.

3.	wenn das Fett in einem Packstück äußerlich derartig mit Schimmelpilzen oder Bakterien-
kolonien besetzt ist, daß der Inhalt des ganzen Packstücks als verdorben anzusehen ist;

4.	wenn eine Probe einen der gemäß § 21 des Gesetzes verbotenen Stoffe (Borsäure usw.)
enthält;

5.	wenn eine Probe als verfälscht oder nachgemacht befunden wird;

6.	wenn eine Probe Margarine den Bestimmungen des Gesetzes vom 15. Juni 1897
(vergl. oben S. 570) nicht entspricht.

b) Abgesehen von den vorstehenden gesetzlichen Bestimmungen sind hinsichtlich
der Verfälschungen der Margarine dieselben Gesichtspunkte maßgebend wie
für Butter; sie unterscheiden sich im wesentlichen aber dadurch von denen der
Butter, daß bei der Margarine die hauptsächlichste Butterfälschung, nämlich der
Zusatz fremder minderwertiger Fette, kaum in Betracht kommt, sofern dieselben nur
zum menschlichen Genüsse geeignet sind. Es würde dagegen aber eine Verfälschung
von Margarine vorliegen, wenn zu ihrer Herstellung verdorbenes Fett oder solches
von krepierten oder in Agonie getöteten oder mit Infektions- oder toxischen Krank-
heiten behafteten Tieren verwendet wird.

3.	Die Untersuchungsverfahren. Die Untersuchungsverfahren für Margarine
sind im allgemeinen dieselben wie für Butter; sie sind durch die amtliche „An-
weisung“ vom 1. April 1898 zum Gesetz betr. den Verkehr mit Butter usw. vom
15. Juni 1897, sowie durch die Anlage d zu den Ausführungshestimmungen D zum
Fleischbeschau-Gesetz vom 3. Juni 1900 vorgeschriehen (vergl. oben S. 548—564).
Außerdem ist noch folgende Prüfung auszuführen:

Schätzung des Sesamölgehaltes der Margarine. „0,5 ccm des ge-
schmolzenen, klar filtrierten Margarinefettes werden mit 9,5 ccm Baumwoll-
samenöl, das, nach dem oben S. 667 beschriebenen Verfahren geprüft, mit Furfurol
und Salzsäure keine Rotfärbung gibt, vermischt. Man prüft die Mischung nach
dem oben S. 567 angegebenen Verfahren auf Sesamöl. Hat die Margarine den
vorgeschriebenen Gehalt an Sesamöl von der vorgeschriebenen Beschaffenheit, so
muß die Sesamöl-Eeaktion noch deutlich eintreten.“

Zu erwähnen ist noch, daß A. Kirschner1) neuerdings ein Verfahren zur
Bestimmung des Butterfettes neben Kokosfett in Margarine veröffenlicht
hat, das, wenn es sich bewähren sollte, wichtig ist hinsichtlich der Beantwortung
der Frage, ob eine kokosfetthaltige Margarine den Bestimmungen des § 3 des
Gesetzes betr. den Verkehr mit Butter usw. vom 15. Juni 1897 entspricht.

4.	Anhaltspunkte für die Beurteilung der Margarine. Die Anhaltspunkte für
die Beurteilung der Butter gelten — mit Ausnahme derer für den Nachweis fremder
Fette in der Butter — im allgemeinen sinngemäß auch für die Margarine. Im
besonderen ist noch folgendes zu bemerken:

1.	Der Beschluß des Bundesrates bezügl. des höchsten zulässigen Wasser-
gehaltes (S. 565) und des mindesten Fettgehaltes gilt nicht für Margarine. Doch wird
man hinsichtlich der Beurteilung des zulässigen Wassergehaltes usw. sich im all-
gemeinen auch bei der Margarine auf denselben Standpunkt stellen dürfen,

2.	Die Margarine muß den oben (S. 570—672) aufgeführten gesetzlichen Be-
stimmungen entsprechen, nämlich:

a) Betreffend den höchstzulässigen Gehalt an Butterfett (S. 570). In dieser
Hinsicht ist folgendes zu bemerken:2)

J) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1905, 9, 65.

2) Vergl. E. Sendtner, Zur Untersuchung der Margarine. — Forschungsberichte
über Lebensmittel usw. 1895, 2, 116.
        <pb n="595" />
        ﻿Schweinefett.

573

Mit der Bestimmung, daß ein Zusatz von so viel Butter gestattet ist, als bei der
Herstellung der Margarine von der Verwendung von 100 Gewichtsteilen Milch oder einer
dementsprechenden Menge Eahm auf 100 Gewichtsteile der nicht der Milch entstammenden
Fette in die Margarine gelangen, kann keine scharfe Grenze für den Butterfettgehalt
gezogen sein, da der Fettgehalt natürlicher Milch in verhältnismäßig weiten Grenzen
schwankt.

Einem Gehalte von 3—6°/0 Butterfett, welche letztere Menge durch Verwendung
einer sehr fettreichen Milch unter Umständen in die Margarine gelangen kann und die
daher als gesetzlich zulässig angesehen werden muß, würden Reichert-MeißIsche Zahlen
von etwa 1,5—2,5 entsprechen, während das Margarinefett meistens Beichert-Meißlsche
Zahlen von 0,7—1,0 hat.

Es können jedoch bei Margarine noch höhere Eeichert-Meißlsche Zahlen Vor-
kommen, ohne daß der Butterfettgehalt die erlaubte Grenze überschreitet, ja sogar ohne
daß überhaupt Butterfett im Margarinefett vorhanden ist, nämlich wenn sie Palmkernfett
und Kokosfett, welche die verhältnismäßig hohen Eeichert-Meißlschen Zahlen 3,5—7
hezw. 6—8,5 haben, enthält.

Zur Erkennung eines Gehaltes an diesen Fetten können ihre sehr niedrigen Jod-
zahlen und hohen Verseifungszahlen dienen.

Vielleicht dürften für diesen Nachweis das Verfahren von A. Kirschner (vergl.
oben S. 572) und die Bestimmung der Polenskescheu „Neuen Butterzahl“ (vergl. S. 658),
sofern letzteres Verfahren für den vorgenannten Nachweis noch besonders ausgearbeitet
wird, bessere Dienste leisten.

b)	Betreffend den Mindestgehalt an Sesamöl (vergl. S. 572).

c)	Betreffend die verbotenen Frischhaltungsmittel (vergl. S. 571). Hierzu
ist zu bemerken, daß die Verwendung der in dem Beschlüsse des Bundesrates nicht
besonders aufgeführten Mittel hierdurch nicht etwa stillschweigend erlaubt ist;
vielmehr bleibt hinsichtlich der Beurteilung etwa sonst vorhandener Frischhaltungs-
mittel das Nahrungsmittelgesetz vom 14. Mai 1879 immer noch maßgebend. Uber
die Verwendung von Hexamethylentetramin vergl. oben S. 551, Anmerkung 3.

d)	Die Gelbfärbung der Margarine ist durch den Beschluß des Bundesrates
(Bekanntmachung vom 18. Februar 1902) ausdrücklich erlaubt (S. 571).

e)	Auf die geltenden gesetzlichen Bestimmungen über Herstellungsräume,
Lagerräume, Verpackung, äußerliche Kenntlichmachung usw. kann hier nur ver-
wiesen werden.

f)	Durch die Ausführungsbestimmungen D zum Fleischbeschau-Gesetz vom
?• Juni 1900 sind besondere Bestimmungen für die Beurteilung der in das Zoll-
xnland eingehenden Margarine festgelegt; vergl. oben S. 571.

3.	Die Verwendung von verdorbenen Fetten und sonstigen zur
menschlichen Ernährung ungeeigneten Fetten ist natürlich zu beanstanden. Diese
■^rt von Verfälschungen kann im allgemeinen nicht durch chemische Untersuchungen,
sondern nur durch eine Kontrolle der Margarinefabriken selbst verhütet werden.

III.	Schweinefett.

Das Schweinefett, auch Schweine-
1. Herstellung und Zusaramensetzu g.	t ^ Butter das am meisten

schmalz, Schmalz, Schmer usw. genannt, •	, qvio-lv/eriden der Palmitin-,

geschätzte Speisefett. Es besteht vorzugsweise au.	minder linolsäurehaltige

Stearin- und Ölsäure, daneben finden sich auc me a	, ^ ds gemischte

Triglyzeride. H. Kreis und A. Hafner») haben an Schweinefett _ das^ g ^ ^

Triglyzerid Heptadekyldistearin C8H5 (C17H330.2) ( 18 ss 2)2

l) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 041.
        <pb n="596" />
        ﻿574

Speisefette und -öle.

hält an unverseifbaren Bestandteilen im wesentlichen nur Cholesterin und kein
Phytosterin.

Das Schweinefett wird gewöhnlich aus dem Eingeweidefett gewonnen; bei
unserem einheimischen sog. Metzgerfett, welches in den Schlächtereien meist über
freiem Feuer ausgeschmolzen wird, findet vorwiegend das Nierenfett (Blumen,
Flohmen, Flaumen, Schmer, Liesen) sowie das Darmfett (Gekrösefett) Verwendung,
seltener das Riickenfett (Speck) oder gar das Fett von anderen Körperteilen des
Schweines.

Der größte Teil des aus dem Auslande eingeftthrten Schweinefettes kommt
aus den Vereinigten Staaten von Amerika, woselbst nicht, wie bei uns, von den
einzelnen Metzgern, sondern in großen Schlächtereien und „Packhäusern“ vielfach
das ganze Fett des Schweines auf Schmalz verarbeitet wird.

Von Amerika eingeführt wird namentlich das Dampfschmalz oder Roh-
schmalz (steam lard), welches in eisernen Kesseln unter Druck durch unmittelbare
Einwirkung von Dampf auf das Fett gewonnen wird, ferner das Neutralschmalz
(neutral lard).

Die Raffination des Schmalzes besteht in einem teilweisen Auspressen des
„Schmalzöles“ bei niedriger Temperatur aus dem für Speisezwecke zu flüssigem
Rohschmalz.

2. Verfälschungen des Schweinefettes und gesetzliche Bestimmungen, a) Die

hauptsächlich in Betracht kommenden Verfälschungen des Schweinefettes sind:

1.	Zusatz von Pflanzenfetten, vornehmlich Baumwollsamenöl und -Stearin
(Kottonstearin), ferner Erdnußöl, Sesamöl, Palmkernfett, Kokosfett usw.

2.	Zusatz von Preßtalg, Rindstaig oder Hammeltalg zur Erhöhung der
Konsistenz.

3.	Gleichzeitiger Zusatz von Talg und Pflanzenfetten.

4.	Beimischung von größeren Wassermengen.

5.	Zusatz von verbotenen Frischhaltungsmitteln.

6.	Verkauf von verdorbenen Fetten.

7.	Der Zusatz von gewichtsvermehrenden fremden Stoffen außer Fetten und
Wasser dürfte wohl kaum in großem Maßstab Vorkommen.

b) Die beim Schweinefett in Frage kommenden besonderen gesetzlichen Be-
stimmungen sind folgende:

1.	Das Gesetz betr. den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und
deren Ersatzmitteln vom 15. Juni 1897. Nach dem § 1 dieses Gesetzes sind
alle dem Schweineschmalz ähnlichen Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht aus-
schließlich aus Schweinefett besteht, als Kunstspeisefett zu bezeichnen. Aus-
genommen hiervon sind unverfälschte Fette bestimmter Tier- und Pflanzenarten,
welche unter den ihrem Ursprung entsprechenden Bezeichnungen in den Verkehr
gebracht werden.

2.	Das Gesetz betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom

3.	Juni 1900. Schweinefett und Kunstspeisefett fallen unter den Begriff „Fleisch“
dieses Gesetzes (vergl. S. 571). Es gelten daher für beide a) das Verbot des Zusatzes
der oben (S. 571) aufgeführten Frischhaltungsmittel und der künstlichen
Färbung und ß) die Äusführungsbestimmungen D zu diesem Gesetze hinsichtlich
der Behandlung des in das Zollinland eingehenden Schweinefettes und Kunstspeise-
fettes (vergl. oben S. 571).

3.	Untersuchungsrerfahren. a) Die Probenahme und Untersuchung
hinsichtlich der allgemeinen Zusammensetzung des Schweineschmalzes —
        <pb n="597" />
        ﻿Schweinefett.

575

d. h. die Bestimmung des etwaigen Gehaltes an Wasser, Fett, Stickstoffsubstanz
und Mineralstoffen — sowie die Bestimmung der freien Fettsäuren geschieht im
allgemeinen wie bei der Butter (vergl. S. 548 u. 554).

Im besonderen sind darüber durch die amtliche Anweisung vom 1. April
1898 zum Gesetz betr. den Verkehr mit Butter usw. vom 15. Juni 1897 noch
folgende Vorschriften erlassen:

1.	Bestimmung des Wassers. „Die Bestimmung des Wassers ist nur dann erforderlich,
wenn beim Schmelzen der Schmalzprobe sich dessen Gegenwart zu erkennen gibt.
Sie erfolgt dann in der gleichen Weise wie bei Butter.“

2.	Bestimmung der Mineralbestandteile. „10 g Schmalz werden geschmolzen
und durch ein getrocknetes dichtes Filter von bekanntem geringen Aschengehalt
filtriert. Man entfernt die größte Menge des Fettes von dem Filter durch Waschen
mit entwässertem Äther, verascht alsdann das Filter und wägt die Asche.“

3.	Bestimmung des Fettes. „Man erhält den Fettgehalt des Schmalzes, indem man
die Werte für den Gehalt an Wasser und Mineralbestandteilen von 100 ahzieht.“
Selbstverständlich müssen auch etwa vorhandene größere Mengen fremder organischer
Beimengungen bei der Berechnung des Fettgehaltes in Abzug gebracht werden.

b)	Der Nachweis der Frischhaltungsmittel erfolgt nach der Anlage d
der Ausführungsbestimmungen D zum Fleischbeschau-Gesetz vom 3. Juni 1900
(vergl. oben S. 550—554).

c)	Der Nachweis fremder Farbstoffe in schweinefetthaltigen Fett-
zubereitungen erfolgt nach S. 562.

d)	Nachweis von fremden Fetten, Zu diesen Untersuchungen darf

nur das durch Schmelzen bei 50—60° und Filtration gewonnene voll-
kommen klare Fett verwendet werden.	'

a) Der Zusatz aller Pflanzenfette und -öle erfolgt am besten und zu-
verlässigsten durch die Phytosterin- bezw. Phytosterinacetat-Probe. Über
die Ausführung dieser Proben vergl. S. 534—541.

Man verwendet am besten 50—100 g Fett; bei zu vermutendem höheren Gehalt
an Pflanzenfetten reichen auch unter Umständen geringere Mengen hin; für die Phytosterin-
Probe allein genügen meist 10—20 g Fett.

ß) Als Vorprobe für den Nachweis einer Reihe von Pflanzenfetten kann die
Bestimmung der Refraktometerzahl (vergl. S. 521) dienen; diese liegt bei reinen
Schweinefetten in der Regel zwischen 48,5 und 51,5 bei 40°. Wollny hat für die
refraktometrische Untersuchung des Schweinefettes ein Spezialthermometer an-
fertigen lassen; die Einrichtung desselben ist eine ähnliche wie die des Spezial-
thermometers für die Butteruntersuchung (vergl. S. 524).

y) Für den Nachweis von Pflanzenölen hat beim Schweinefett die
^Jelmanssche Reaktion1) mit Phosphormolybdänsäure eine gewisse Bedeutung.
Sie wird nach der amtlichen Anweisung vom 1. April 1898 zum Gesetz betr. den
Verkehr mit Butter usw. vom 15. Juni 1897 wie folgt ausgeführt;

„1 g des geschmolzenen, klar filtrierten Schmalzes löst man in einem dick-
wandigen, mit Stöpsel verschließbaren Probierröhrchen in 5 ccm Chloroform, setzt
2 ccm einer frisch bereiteten Lösung von Phosphormolybdänsäure oder phosphor-
n*olybdänsaurem Natrium und einige Tropfen Salpetersäure zu und schüttelt so
kräftig wie möglich. Bei Abwesenheit von fetten ölen bleibt das Gemisch gelb,
bei deren Anwesenheit jedoch tritt eine Reduktion ein: die Mischung nimmt eine
grünliche, bei bedeutenden Zusätzen eine smaragdgrüne Färbung an. Durch Ver-
gleich mit reinem Schmalz läßt sich der Unterschied zwischen Gelb und Grün leichter

Ö Pharm.-Ztg. 1891, 36, 798 u. 1892, 37, 7.
        <pb n="598" />
        ﻿576

Speisefette und -öle.

beobachten. Läßt man einige Minuten stehen, so scheidet sich die Flüssigkeit in
2 Schichten; die untere (Chloroform) erscheint wasserhell, während die obere grün
gefärbt ist. Man vermeide niedere Temperaturen, damit sich das Fett nicht in
festem Zustand wieder abscheidet. Macht man die saure Mischung mit Ammoniak
alkalisch, so geht die grüne Farbe in Blau über, dessen Intensität der vorherigen
Grünfärbung entspricht. Ein nur schwach blauer Schimmer ist unberücksichtigt
zu lassen.“

d)	Kokosfett und Palmkernfett enthaltendes Schweinefett erkennt man
an der erhöhten Verseifungszahl (vergl. S. 526) und auch an der entsprechend
erhöhten Eeichert-Meißlschen Zahl (vergl. S. 527).

s) Baumwollsamenöl (Kottonöl) und -Stearin enthaltendes Schweinefett
gibt die Halphensche Reaktion auf Baumwollsamenöl (vergl. S. 587).

£) Sesam öl enthaltendes Schweinefett gibt die Baudouinsche und Soltsien-
sche Reaktion (vergl. S. 586).

tj) Erdnußöl enthaltendes Schweinefett erkennt man an einem Gehalt an
Arachinsäure und Lignocerinsäure (vergl. S. 584).

#) Der Nachweis von Rinds- und Hammeltalg bietet große Schwierig-
keiten. Die Bestimmung der Jodzahl gibt zwar unter Umständen einen gewissen
Anhalt für das Vorhandensein von Talg in Schweinefett; indes ist zu berück-
sichtigen, daß einerseits eine Erniedrigung der Jodzahl auch durch einen Zusatz
von Kokosfett bedingt sein kann und andererseits bei gleichzeitigem Zusatz von
Baumwollsamenöl die durch den Talgzusatz bedingte Erniedrigung der Jodzahl
wieder ausgeglichen wird. Auch ist zu berücksichtigen, daß ein Gehalt des
Schweinefettes an freien Fettsäuren eine Erniedrigung der Jodzahl bedingt.

H. W. Wiley1) hat zuerst vorgeschlagen, die Kristallform des „Stearins“
zur Erkennung von Talg im Schweinefett zu verwenden. Dieses Verfahren
hat durch die neuesten Untersuchungen von H. Kreis und A. Hafner,2) nach
denen dieses „Stearin“ beim Schweinefett aus Heptadekyldistearin, beim Einds-
und Hammeltalg dagegen aus Palmitodistearin besteht, eine wissenschaftliche Grund-
lage erhalten, indes bietet die Ausführung bis jetzt noch Schwierigkeiten.

A. Goske8) hat folgende Ausführungsweise vorgeschlagen:

1 g Schweineschmalz — nicht mehr — wird in 10 ccm Äther in einem Eeagens-
glase gelöst, letzteres mit Baumwollepfropfen verschlossen und die Lösung bei 12—13°
Zimmertemperatur der Kristallisation überlassen. Sobald sich Kristalle gebildet haben,
wird die klare Lösung vorsichtig ahgegossen, etwas farbloses Arachis- oder Kottonöl zu-
gegeben und die ausgelesenen Kristalle bei 300-faoher Vergrößerung unter dem Mikroskop
betrachtet.

Das „Stearin“ aus etwa zugesetztem Talg kristallisiert in kleinen, büschelförmig
angeordneten Nadeln, die von einem Zentrum ausgehen und harte Kristalldrusen bilden.
„Schmalzstearin“ dagegen bildet zarte, lose zusammenhängende Büschel, die sich aus
schräg abgesohnittenen Tafeln mit einem stumpfen Winkel von 115° zusammensetzen und
oft bis 1/1 mm breit sind.

Das Verfahren ist aber unsicher und kann zu Täuschungen führen. Goske selbst
führt an, daß das gewöhnliche Schweineschmalz sich anders verhält als Dampfschmalz.
P, Soltsien,1) 0. A. Neufeld5) und 0, Hehner6) sprechen ebenfalls gegen die Brauch-
barkeit des Verfahrens.

J) Zeitschr. f. analyt. Chem, 1891, 30, 510.

2)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 641.

3)	Chem.-Ztg. 1892, 16, 1660, 1597 u. 1895, 19, 1043.

&gt;) Pharm.-Ztg. 1893, 88, 634.

5)	Archiv f. Hygiene 1893, 17, 452.

°) Chem.-Ztg. 1894, 18, 367.
        <pb n="599" />
        ﻿Schweinefett.

577

Über weitere in dieser Richtung gemachte Vorschläge, insbesondere auch über
die Bestimmung der Menge des ausgeschiedenen „Stearins“ vergl. J. Lewkowitsch,
„Chemische Technologie und Analyse der öle, Fette und Wachse“, Braunschweig,
Pr. Vieweg &amp; Sohn, 19Q5, 2, 380—384.

Es empfiehlt sich daher für die Untersuchung des Schweinefettes
auf Reinheit folgender Untersuchungsgang:

Man bestimmt von dem zu untersuchenden Schweinefett Refraktometerzahl
und Verseifungszahl, nötigenfalls auch die Jodzahl, führt ferner auch die
Halphensche Reaktion auf Baumwollsamenöl (S. 587), die Baudouinsche oder
Soltsiensche Reaktion auf Sesamöl (S. 586) und die Welmanssche Reaktion auf
Pflanzenöle (S. 575) aus. Ist alsdann

a)	die Refraktometerzahl verhältnismäßig hoch und tritt eine der Farben-
reaktionen positiv auf, oder ist die Refraktometerzahl niedrig und die Verseifungszahl
hoch, oder endlich treten bei normalen Refraktometer- und Verseifungszahlen eine
oder mehrere der Farbenreaktionen positiv ein, so prüft man mittels der Phytosterin-
und Phytosterinacetat-Probe auf einen Zusatz von Pflanzenfetten aller Art;

b)	die Verseifungszahl normal, sind dagegen die Refraktometerzahl und die
Jodzahl sehr niedrig, so führt man nötigenfalls die Kristallisationsprobe auf „Talg-
stearin“ aus.

4.	Anhaltspunkte für die Beurteilung von Schweinefett.

a)	Reines Schweinefett enthält nur Spuren von Wasser, Asche usw. Größere
Mengen von Wasser, ferner Zusätze mineralischer Natur und organische Füllmittel
außer Fett sind gleichfalls als Verfälschungen zu beanstanden.

b)	Schweinefette, welche die Frischhaltungsmittel Borsäure, Formal-
dehyd usw. (vergl. oben S. 571) enthalten, sind auf Grund der Bestimmungen des

undesrates vom 18. Februar 1902 zum „Fleischbeschau-Gesetz“ vom 3. Juni 1900
zu beanstanden.

c)	Der Zusatz fremder Fette zum Schweinefett ist als Verfälschung zu
eanstanden. Alle dem Schweineschmalz ähnlichen Zubereitungen, deren Fett nicht

ausschließlich aus Schweinefett besteht, müssen nach dem Gesetz betr. den Verkehr
unt Butter usw. vom 15. Juni 1897 als „Kunstspeisefette“ bezeichnet werden.
Ausgenommen hiervon sind unverfälschte Fette bestimmter Tier- und Pflanzenarten,
le unter einer ihrem Ursprung entsprechenden Bezeichnung in den Verkehr
gebracht werden.

Bezüglich des Nachweises fremder Fette ist folgendes zu bemerken:

«) Ein Zusatz von Pflanzenfetten ist als bestimmt erwiesen anzusehen,
g6nn die Phytosterinacetat-Probe positiv ausfällt, d. h. wenn der korrigierte
uhmelzpunkt der letzten Kristallisation 117° oder darüber beträgt.

t ,, Beispiele: A. Börner1) fand für reine und mit Pflanzenfetten versetzte Schweine-
l8tte f°lgende Werte:

Korrigierter Schmelzpunkt
der Acetate

dritte Kristallisation .	•

Vierte „	. .

Fünfte

		Dasselbe Fett mit Zusatz von		
Reines  Schweinefett	Baumwollsamenöl		Erdnußöl	
			'i°/„	2°/o'
. 114,3°	117,3°	122,0°	118.7°	121,0°
. 114,3°	117,3»	123,8»	120,5»	122,0°
. 114,6°	118,4»	124,4»	121,0°	123,5°
hung d. Nahrungs- u.		Genußmittel 1901,	4, 1070.	

37
        <pb n="600" />
        ﻿578

Speisefette und -öle.

A. Juckenack und R. Pasternack1) fanden für mit Kokosfett verfälschte
Schweinefette, sowie für weiße Kunstspeisefette des Handels folgende Werte:

Eeichert-
Meißlsche Zahl

M	I

2.	1 Schweinefette.	. ,

3.	I	I

4 1	(

g | Kunstspeisefette . |

2,53

2,55

4,65

0,93

1,60

Ver-	Refraktion
seifungs-	(Schweinefett-
zahl	Skala)
204,65	— 2,1
205,79	-2,6
219,55	— 5,4
197,40	+ 3,3
199,60	+ 4,1

Phytosteriuaoetat-

Probe

loazam (]colTio. Schmelzp. der
6. Kristallisation)

55,60	119,5°

62,52	118,8°

42,18	119,4°

81,36	127,0«

84,09	123,0°

Früher hat man den Nachweis von Verfälschungen des Schweinefettes vorwiegend
durch die Bestimmung der Jodzahl und der Refraktometerzahl sowie verschiedene Farben-
reaktionen zu erbringen gesucht. Die Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt,
daß im Handel reine Schweinefette mit weit höheren Jodzahlen verkommen, als man
früher angenommen hat. — W. D. Riohardson'2) fand für das Bauchschmalz (Leaf lard)
des im Südwesten der Union gehaltenen sog. Eichelmastschweines vom Markte in St. Louis
sogar die Jodzahlen 78,8 bis 82,0 und für das Rückenschmalz dieser Tiere die Jodzahlen

81,5	bis 84,7 —; andererseits kann die Jodzahl eines mit Baumwollsamenöl verfälschten
Schweinefettes ja auch leicht durch Zusatz von Talg, Preßtalg, Kokosfett wieder herab-
gedrückt werden. Zwar kann unter diesen Umständen die Jodzahl der flüssigen Fett-
säuren unter Umständen einen besseren Anhaltspunkt gewähren, als die Jodzahl des Fettes
selbst, allein auch sie schwankt in beträchtlich weiten Grenzen (92—115,5)s) und dazu
kommt noch, daß ihre Bestimmung mit verhältnismäßig großen Schwierigkeiten verknüpft ist.

Auch die verschiedenen Farbenreaktioneu auf das neben Kokosfett vorwiegend
zur Verfälschung dienende Baumwollsamenöl (Bechi, Halphen usw.) haben nur
einen bedingten Wert; einmal, weil der diese Reaktionen verursachende Körper durch die
Fütterung der Tiere mit Baumwollsamenmehl in das Körperfett übergehen kann, so daß
also auch reine Schweinefette die betr. Reaktionen zeigen können; sodann, weil durch
entsprechende Behandlung des Baumwollsamenöles diesem die Reaktionsfähigkeit auf die
betr. Reagenzien genommen werden kann. Andererseits sind namentlich die Bechische
und Welmanssche Reaktion noch in der Richtung unsicher, als sie auch durch nach-
träglich in das Fett hineingekommene Stoffe (Zwiebeln usw.) verursacht werden können.
Aus allen diesen Gründen kommt den hier in Frage kommenden Reaktionen auf
Baumwollsamenöl (Bechi, Halphen, Gantter, Wolmaus) keine entscheidende Be-
deutung zu. Sie sind dagegen sehr geeignete Vorproben und in dieser Hinsicht hat
auch die Welmanssche Reaktion bei Schweinefett einige Bedeutung. Auch haben
die Farbenreaktionen in der Richtung eine gewisse Bedeutung, als sie bei positivem Ausfall
der Phytosterinacetat-Probe einen Anhalt dafür geben, welches Planzenöl zugesetzt ist.

ß) Ein Zusatz von Kokosfett oder von Palmkernfett — welches sich
ähnlich verhält — wird erwiesen4) durch eine erhöhte Verseifungszahl (etwa
Uber 200); gleichzeitig werden Jodzahl und Eefraktometerzahl, sofern neben dem
Kokosfett nicht gleichzeitig noch ein Pflanzenöl (Baumwollsamenöl usw.) vorhanden ist,
wesentlich erniedrigt.

J) Zeitschr, f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 193. Die Kunst-
speisefette gaben positive Halphen sehe Reaktion.

2)	Journ, Americ. ehern. Soc. 1904, 26, 372; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
u. Genaßmittel 1905, 9, 45.

3)	Vergl. J. Lewkowitsch, Chemische Technologie und Analyse der Öle, Fette
und Wachse. Braunschweig, Pr. Vieweg &amp; Sohn, 1905, 2, 369.

4)	F. Morrsohöck hat kürzlich ein weiteres Verfahren zum Nachweise von Kokos-
fett in Schweinefett veröffentlicht. —• Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genuß-
mittel 1904, 7, 586.
        <pb n="601" />
        ﻿Rindsfett und Hammelfett.

579

y) Bezüglich des Nachweises von Talg im Schweinefett ist folgendes zu
bemerken: Als unterste Grenze ist für Schweinefett nach C. A. Neufeld die Jod-
zahl 46 anzunehmen. Schweinefette, welche eine unter diesen Wert fallende Jodzahl
besitzen, sind, sofern Kokosfett und Palmkernfett sowie größere Mengen freier
Fettsäuren nicht vorhanden sind, in der Regel als mit Talg verfälscht anzusehen.
Rindstalg hat nämlich die Jodzahlen 36,6—40,0 und Rindspreßtalg bis zu 17—20 herab.

Bezüglich der Verwendbarkeit der Kristallisation des „Talgstearins“ aus
ätherischer Lösung sei auf das oben (S. 576) Gesagte verwiesen.

d)	Stark ranzige und sonstwie ungenießbare Schweinefette sind als verdorben
zu beanstanden.

e)	Durch die Ausführungsbestimmungen D zum Fleischbeschau-Gesetz vom

3-	Juni 1900 sind besondere Bestimmungen für die Beurteilung des in das Zoll-
mland eingehenden Schweinefettes und Kunstspeisefettes festgelegt (vergl.

S.	571).

f)	Das Färben Schweinefett enthaltender Fettgemische ist auf Grund der
§§ 4 und 21 des Fleischbeschau-Gesetzes vom 3. Juni 1900 und des Bundesrats-
beschlusses vom 18. Februar 1902 verboten (vergl. S. 671). — Beim Schweine-
fett selbst und beim sog. weißen Kunstspeisefett kommt natürlich ein Färben kaum
in Frage.

g)	Der Zusatz von Frischhaltungsmitteln wie Borsäure, Formaldehyd usw.
(vergl. oben S. 671) zu Schweinefett enthaltenden Fettgemischen (Kunstspeisefetten)
lst auf Grund der vorstehend unter f aufgeführten Paragraphen des Fleischbeschau-
Gesetzes verboten.

IV.	Rindsfett und Hammelfett.

a)	Herstellung und Zusammensetzung. 1. Rindsfett (Rinderfett,
Rindstalg, Rindertalg) findet teils als solches im Haushalte für Kochzwecke Ver-
wendung (Nierenfett), der größte Teil des Rindstalgs aber wird noch besonders
raffiniert; hierfür wird das Eingeweidefett (Bandelfett), Herzfett, Lungenfett, Stich-
fett (d. i. Fett der Halsteile), Taschenfett (Fett der Genitalgegend) und Netzfett
verarbeitet. Durch Ausschmelzen bei 60 bis 65° und Abgioßen von den Vor-
reinigungen wird der Talg raffiniert (premier jus). Sodann läßt man das Fett
bei etwa 30° kristallisieren und preßt bei dieser Temperatur aus. Der Rückstand
(Preßtalg) dient zur Kerzenfabrikation und zur Herstellung von Kunstspeisefetten,
Während das abgepreßte Fett (Oleomargarin) vorzugsweise zur Herstellung von

Margarine verwendet wird.

2. Hammelfett (Hammeltalg). Das Fett	Jenfhauptsächfich

findet als Speisefett weniger Verwendung als das Rindsfett,
zn technischen Zwecken.

• ,i v.1. ;n ihrer chemischen Zusammensetzung
Rindsfett und Hammelfett sind si'	niolrt möglich ist; sie bestehen

so sehr ähnlich, daß ein Nachweis des einen un “ und ölsäure. W. Hansen*)

vorwiegend aus Triglyzeriden der Stearin-, ... Talgsorten verschiedene, ge-
sowie H. Kreis und A. Hafner2) fanden m beiden -

mischte Triglyzeride.	, Hammelfettes. Die TJntersuchungs-

b)	Untersuchung des Rinds- u f.. u..tter Butterfett und Schweinefett,

verfahren sind im allgemeinen dieselben wie	&gt;

die in sinngemäßer Weise anzuwenden sind.

2 £rchiy f- Hygiene 1902, 42, 1.

) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 641.

37*
        <pb n="602" />
        ﻿580

Speisefette und -öle.

Zolltechnische Unterscheidung des Talges, der schmalzartigen
Fette1) und des Stearins. Hierzu dient in erster Linie die von den Zollämtern
vorzunehmende Feststellung des Erstarrungspunktes nach dem Finkenerschen
Verfahren (vergl. oben S. 519). Liegt der ermittelte Erstarrungspunkt unter 30,
so sind sie als schmalzartige Fette, liegt er zwischen 30 und 45, so sind sie als
Talge, und liegt er über 45°, so sind sie als Kerzenstoffe zu behandeln.

■ „Bestehen über die Richtigkeit der Ermittelungen nach dem Verfahren der Prüfung
des Fettes in bezug auf den Erstarrungspunkt Zweifel oder Meinungsverschiedenheiten,
so ist durch einen Chemiker die Jodzahl des Fettes zu bestimmen.“

Zu dem Zwecke bringt man etwa 0,35—0,45 g des fraglichen Fettes (genau gewogen)
in eine 500—700 ccm fassende, mit gut eingesohlitfenem Stopfen versehene Flasche, löst
in 20 ccm Chloroform und setzt 20 ccm Hüblsche Jodlösung, die 30—36 ccm 1/10 Normal-
Natriumthiosulfatlösung entsprechen müssen, hinzu. Man verschließt die Flasche gut, läßt
sie 2 Stunden unter öfterem Umschwenken bei 16—20° stehen und titriert dann, nachdem
man noch 20 ccm Jodkaliumlösung (1 : 10) und 200 ccm Wasser hinzugesetzt hat, den
Jodüberschuß mit 1/10 Normal-Natriumthiosulfatlösung zurück. — Die Jodlösung ist
unmittelbar vor dem Gebrauch unter Zusatz von Chloroform, Jodkaliumlösung und Wasser
in den oben angegebenen Mengenverhältnissen zu kontrollieren. Ist sie schwächer, als
oben vorgeschrieben ist, so hat man entsprechend mehr zu nehmen.

Liegt die ermittelte Jodzahl zwischen 30 und 42, so ist das Fett als Talg anzu-
spreohen, bei Abweichungen von diesen Zahlen aber nach Maßgabe des gefundenen Er-
starrungspunktes entweder als Kerzenstoff oder als schmalzartiges Fett zu behandeln.

Die schmalzartigen Fette zeigen höhere Jodzahlen als 42, die Kerzenstoffe dagegen
niedrigere als 30.

Wenn die vorbezeichneten Untersuchungsverfahren sich nicht so weit ergänzen, daß
eine endgültige Entscheidung getroffen werden kann, oder wenn es sich um die Unter-
scheidung des Stearins von dem sog. Preßtalge handelt, d. i. den im wesentlichen aus
Neutralfetten bestehenden, durch das Auspressen von tierischen Fetten bei niederer oder
höherer Temperatur gewonnenen Preßrückständen von nicht sohmalzartiger Konsistenz,
welche nicht mehr als 5°/0 freie Fettsäure enthalten und in der Regel einen Erstarrungs-
punkt über 50° zeigen, so hat der mit der Sache befaßte Chemiker eine Untersuchung
der Durchschnittsprobe auf ihren Gehalt an Fettsäure im Wege des Titrierverfahrens vor-
zunehmen. Wird bei der Titration in der Warenprobe ein Gehalt von mehr als 30, in
Proben von Preßtalg ein Gehalt von mehr als 5 °/# freier Fettsäure ermittelt, so ist die
betreffende Ware als Kerzenstoff anzusehen.“

c)	Gesetzliche Bestimmungen betr. Talg, Oleomargarin, Preßtalg
usw. und sonstige Beurteilung. 1. Talg, Oleomargarin, Preßtalg usw. und
solche Fette enthaltende Gemische fallen unter die Bestimmungen des Gesetzes betr.
die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900. Es ist daher auf Grund
des Beschlusses des Bundesrates vom 18. Februar 1902 verboten:

a)	denselben die oben S. 571 aufgeführten Frischhaltungsmittel (Borsäure,
Formaldehyd usw.) zuzusetzen,

ß) dieselben zu färben; hiervon ist jedoch ausgenommen die Gelbfärbung
der Margarine.

2.	Durch die Ausführungsbestimmungen D zum genannten Gesetze sind besondere
Bestimmungen für die Beurteilung der in das Zollinland eingehenden Talg-
fette festgelegt (vergl. S. 571).

3.	Werden Talge, Oleomargarin und diese enthaltende Fettgemische in einer
der Milchbutter oder dem Butterschmalz ähnlichen Zubereitung in den Handel
gebracht, so dürfen sie gelb gefärbt werden; sie müssen aber dann den vor-
geschriebenen Gehalt an Sesamöl haben (vergl. S. 570).

J) Ausgenommen sind hiervon die Schmalze von Schweinen und Gänsen.
        <pb n="603" />
        ﻿Gänsefett. — Pflanzliche Speisefette und -öle.

581

4.	Im übrigen sind hinsichtlich der Vermischung des Talges, Oleomargarins usw.
mit minderwertigen Fetten, Wasser und dergl., des Verkaufs von verdorbenen
Fetten usw. die Beurteilungsgrundsätze für Schweinefett in sinngemäßer Anwendung
zutreffend.

V.	Gänsefett.

a)	Das Eingeweide- und Brustfett der Gänse wird in vielen Haushaltungen
wegen seines angenehmen Geschmackes als Speisefett verwendet und ist auch vielfach
im Handel verbreitet. Es ist durchscheinend, weiß bis blaßgelb und von körniger
Konsistenz. Wegen seines niedrigen Schmelzpunktes erhält es für seine Verwendung
als Streichfett im Haushalte vielfach einen Zusatz von Schweinefett.

b)	Die Untersuchungsverfahren des Gänsefettes sind dieselben wie für
Schweinefett. Ein Nachweis geringer Zusätze von Schweinefett zum Gänsefett ist
nach den bis jetzt bekannten Untersuchungsverfahren nicht zu erbringen.

c)	Das Gänsefett fällt unter die Bestimmungen des Gesetzes betr. die
Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni; es ist daher der Zusatz der
Frischhaltungsmittel (Borsäure, Formaldehyd usw., vergl. S. 571) und ein
solcher von Farbstoffen — sofern sie beim Gänsefett überhaupt Anwendung
finden sollten — verboten.

d)	Im übrigen sind hinsichlich der Beurteilung des Gänsefettes die für
Schweinefett maßgebenden Grundsätze in sinngemäßer Weise zugrunde zu legen.
Außerdem ist ein Zusatz von Schweinefett zum Gänsefett, sofern er nicht hinreichend
deklariert wird, als eine Verfälschung des Gänsefettes anzusehen.

VI.	Pflanzliche Speisefette und -öle.

Unter den pflanzlichen ölen kommt vorwiegend Olivenöl als das am meisten
geschätzte Speiseöl hier in Betracht; ferner aber finden als Speiseöl auch Erdnußöl,
' esam8l, Baumwollsamenöl, Mohnöl, Rüb- (Raps-) öl, Bucheckernöl und
o ere vielfache Verwendung. Von festen pflanzlichen Fetten dient vorwiegend das
°kosfett zur menschlichen Ernährung.

dci Probenentnahme und Vorbereitung der Öle zur Untersuchung. „Aus
gut durchmischten Öl vorrate sind mindestens 100 g Öl zu entnehmen; die Öl-
... en sind in reinen, trockenen Glasflaschen, die mit Kork oder eingeriehenen Glas-
pseln verschließbar sind, aufzuhewahren und zu versenden. Falls die Öle ungelöste
si , ail,fle^6 enthalten, sind sie zu erwärmen und, wenn sie dann nicht vollkommen klar
&gt; durch ein trockenes Filter zu filtrieren.“ (Amtliche Anweisung vom 1. April 1898.)
na l Anhaltspunkte für die Beurteilung. 1. Die Identifizierung einzelner der
ß ,s. ®nd beschriebenen Fette und Öle, soweit sie nicht durch besonders kennzeichnende
Ionen und Eigenschaften ausgezeichnet sind, sowie der Nachweis von Verfälschungen

sind nicht

.	.. ,-.„v Bezüglich der Farbenreaktionen

immer mit vollkommener Sicherheit mog &gt;— d an ”esehen werden können wenn

sei nochmals hervorgehoben, daß sm nur als mSg ^ ausgeprägter, jeden Zweifel aus-
sie unter strengster Einhaltung aller Yorsc	ZMen (Konstanten) der verschiedenen

schließender Deutlichkeit auftreten. Die «“zel . ersehen, in die auch noch einzelne
Fette und Öle sind aus der Tabelle (S. o42 oi	möglicherweise bei der Be-

Wer nicht besprochene Fette Aufnahme gefunden haben,

nrteilung eines Fettes in Betracht kommen 0I’’\ Ale V0D denen das Olivenöl am meis en
2. Gegen die Verwendung dieser Fet e u .’,tg einzuwenden, falls dieselben
geschätzt wird, für die menschliche Ernährung •	Verfälschung anzusehen, wenn

das bezeichnet werden, was sie sind. Es ist a ei	ajB solches verkauft wird, mi

z- B. ein Sesamöl usw., welches als rein oder einfach
Baumwollsamenöl versetzt ist oder dergl.
        <pb n="604" />
        ﻿582

Speisefette und -öle.

Selbstverständlich sind alle für den menschlichen Genuß dienenden Öle, auch wenn
sie nur als Speiseöle bezeichnet sind, als verfälscht zu erklären, wenn sie Zusätze von
Harzöl oder Mineral- (Paraffin-) Ölen erfahren haben.

3. Bei frisch gepreßten Speiseölen ist der durchschnittliche Gehalt an freien Fett-
säuren im allgemeinen etwas höher als bei den tierischen Fetten. Den niedrigsten Säure-
grad hat in der Regel das Baumwollsamenöl, da es meist mit Alkali entsäuert und gereinigt
wird. Der Säuregehalt kann höchstens für die Gütebeurteilung der Speiseöle von Wert
sein, nicht aber, sofern er sich in mäßigen Grenzen bewegt, für die Frage des Ver-
dorbenseins.

1.	Olivenöl.

a)	Bestandteile, Gewinnung und Verfälschungen. Das Olivenöl (Baumöl) wird
aus dem Fruchtfleische des Ölbaumes (Olea europaea L.) durch Auspressen (Speise-
öle) und darauffolgendes Ausziehen gewonnen. Die feinsten Sorten heißen Jungfernöl,
Provenceröl und Aixeröl.

Das Olivenöl enthält sehr wechselnde Mengen (2—25 °/0) fester Fettsäuren,
die neben geringen Mengen Arachinsäure aus Palmitinsäure bestehen. An flüssigen
Fettsäuren sind vorwiegend Ölsäure, daneben aber auch mehr oder minder geringe
Mengen Linolsäure vorhanden. Holde und Stange1) fanden im Olivenöl das
gemischte Glyzerid Oleodimargarin. Der unverseifbare Anteil des Olivenöles enthält
ebenso wie alle anderen Pflanzenfette Phytosterin, doch ist seine Menge nur gering.
Olivenöl trübt sich im allgemeinen bei etwa 2—4° und scheidet bei etwa — 6° ein
festes Produckt („Stearin“) aus.

Das Olivenöl ist vielfachen Verfälschungen mit anderen Pflanzenölen aus-
gesetzt; so dienen namentlich Sesamöl, Erdnußöl, Baumwollsamenöl, Rüböl, ferner
auch, aber seltener, trocknende öle wie Mohnöl, Leinöl zur Verfälschung des Oliven-
öles und namentlich des sogenannten „Baumöles“ des Handels; vereinzelt ist ein
Zusatz von Mineralöl beobachtet worden. Ebenfalls vereinzelt ist im Handel als
„Malagaöl“ ein mit Grünspan gefärbtes Olivenöl beobachtet worden.

b)	Untersuchungsverfahren und Beurteilung. 1. Von allen Untersuchungsver-
fahren ist die Bestimmung der Jodzahl das genaueste und zuverlässigste zur
Erkennung der hier in Betracht kommenden Verfälschungsmittel.

Die Jodzahl des reinen Olivenöls schwankt im allgemeinen zwischen 79,5 und
85,0. Da die zur Verfälschung dienenden öle mehr oder minder erheblich höhere
Jodzahlen haben, so zeigen verfälschte Olivenöle auch eine mehr oder minder erhöhte
Jodzahl. Es kommen aber auch unzweifelhaft echte Olivenöle mit Jodzahlen bis
88 vor und ausnahmsweise sind zwei reine öle mit den Jodzahlen 92,8 und 98,67
gefunden worden.

In zweifelhaften Fällen kann die Bestimmung der Jodzahl der flüssigen Fett-
säuren gute Dienste leisten, die bei reinen Olivenölen zwischen 92,8—104,2 schwankend
gefunden wurden, während sie bei Erdnußöl 105—129, bei Sosamöl 129—140 und bei
Baumwollsamenöl 142—152 beträgt.

2.	Die Art des zur Verfälschung eines fraglichen Olivenöles verwendeten
Öles wird aus den für die einzelnen in Frage kommenden öle kennzeichnenden
(meist Farben-) Reaktionen erkannt.

a)	Sesamöl. Mit Sesamöl versetztes Olivenöl gibt die Baudouinsche
Furfurolreaktion (S. 586) und die Soltsiensche Zinnchlorürreaktion (S. 586).

Hierzu ist jedoch zu bemerken, daß auch manche reinen Olivenöle bei der
Baudouinschen Reaktion schwache Färbungen geben. In solchen Fällen empfiehlt sich

J) Ber. Deutsch, chem. Gesellsch. 1901, 34, 2406.
        <pb n="605" />
        ﻿Pflanzliche Speisefette und -öle.

583

nach Milliau die Verwendung der bei 106° getrockneten (nicht mit Wasser gewaschenen)
Fettsäuren und nach Tortelli und Ruggeri1) die der flüssigen Fettsäuren.

Id) Erdnußöl (Arachisöl). Der Nachweis dieses Öles wird durch den Nach-
weis bezw, — da Spuren von Arachinsäure auch in Olivenöl verkommen sollen —
die quantitative Bestimmung der Arachinsäure und Lignocerinsäure (S. 584) geführt.

c)	Baumwollsamenöl (Cottonöl). Dieses Öl wird mittels der Halphenschen
Reaktion (S. 587) nachgewiesen. Da es indes möglich ist, durch geeignete Behand-
lung den diese Reaktion des Baumwollsamenöles verursachenden Körper zu ent-
fernen, so kann man sich in Fällen, wo dies anzunehmen ist, zum Nachweise des
Baumwollsamenöles der Salpetersäure-Reaktion (S. 587) bedienen.

d)	Rühöl. Größere Mengen dieses Öles lassen sich unter Umständen an der
Erniedrigung der Verseifungszahl erkennen.

e)	Mohnöl, Hanföl, Leinöl und sonstige trocknende öle erkennt man durch
die beträchtliche Erhöhung der Jodzahl hei Abwesenheit der unter a—d ge-
nannten öle.

f)	Mineralöl. Man findet seine Menge durch Bestimmung des Unverseif-
baren des Öles, wobei zu berücksichtigen ist, daß reine Olivenöle selbst etwa 0,5
bis 1,5 °/0 Unverseifbares enthalten. Man verfährt zur Bestimmung des Un-
verseifbaren wie folgt:

10 g öl werden mit 5 g Kalihydrat und 50 ccm Alkohol verseift, die al-
koholische Lösung mit dem gleichen Volumen Wasser verdünnt und mit Petroleum-
äther, welcher keine Uber 80° siedende Bestandteile enthält, ausgeschüttelt. Der
mit Wasser gewaschene Petroleumäther wird verdunstet, der Rückstand gewogen
und zweckmäßig nochmals in gleicher Weise behandelt.

Oder die verseifte Masse wird vom Alkohol befreit, in einer Porzellanschale
nach Zusatz von Sand vollständig eingetrocknet, der trockne Rückstand in eine
Papierkapsel gebracht und im Soxhletschen Extraktionsapparat mit obigem Petro-
leumäther erschöpft.

3.	Außerdem kann unter Umständen auch die Bestimmung des spezifischen
Gewichtes, des Schmelz- und Erstarrungspunktes der Fettsäuren, sowie
des Brechungsexponenten durch das Refraktometer zur Erkennung von gröberen
Verfälschungen dienen. Letztere Probe ist namentlich als Vorprobe bei Massen-
nntersuchungen mit Vorteil verwendbar.

4.	Kupfer wird in grüngefärbten ölen durch Verbrennen einer größeren
Menge derselben in einem Porzellantiegel und Untersuchung des Rückstandes in
bekannter Weise nachgewiesen.

Man kann nach H. Fresenius und A. Schattenfroh2) das Kupfer im Olivenöl
auch in der Weise quantitativ bestimmen, daß man eine abgewogene Menge Öl in der
3-fachen Menge Äther löst, in einem Scheidetrichter mit verdünnter Salpetersäure kräftig
durchschüttelt, die saure Lösung abfließen läßt und 3-mal, das 1. Mal mit Säure, das 2.
"id 3. Mal mit Wasser behufs Auswaschens nachschüttelt, die abgezogenen Flüssigkeiten
zyr Trockne verdampft, glüht, den Rückstand mit salzsäurehaltigem Wasser aufnimmt, in
Riese Lösung Schwefelwasserstoff leitet und das ausgeschiedene Schwefelkupfer nach dem
iltrieren, Auswaschen und Glühen als Kupferoxyd wägt.

Kupferhaltige Öle sind als verfälscht zu beanstanden.

2.	Erdnußöl (Arachisöl).

Erdnußöl ist das Öl der Samen der Erdnuß (Arachis hypogaea L.). Es ist vor allen
anderen Speisefetten und ölen durch seinen Gehalt an Arachinsäure und Lignocerin-

ö Chem.-Ztg. 1898, 22, 600.

2)	Zeitsohr. f. analyt. Chemie 1895, 34, 381.
        <pb n="606" />
        ﻿584

Speisefette und -öle.

säure ausgezeichnet, die sich in ihm in Mengen von etwa 5 °/0 finden, während
Arachinsäure in anderen Ölen (Olivenöl, Eüböl) nur spurenweise1) Vorkommen soll.

Der Nachweis und die Bestimmung der Arachinsäure (und Lignocerinsäure)
geschieht nach dem von Tortelli und Euggeri* 2 3) abgeänderten Verfahren von

A.	Eenard8) in folgender Weise:

20 g öl werden in einem Kolben von etwa 250 ccm Inhalt mit 50 ccm
alkoholischer Kalilauge (120 g Kalihydrat + 1000 ccm Alkohol von 90°) unter
Aufsatz eines als Eückflußkühlcr dienenden 70 cm langen, gebogenen Glasrohres
auf dem siedenden Wasserbade verseift; darauf setzt man 3 Tropfen Phenolphthalein
hinzu und neutralisiert mit 10 °/0-iger Essigsäure. Diese Seifenlösung gießt man
in dünnem Strahle in eine in einem weithalsigen Erlenmeyer-Kolben befindliche
siedendheiße Lösung von 200 ccm 10 °/0-iger Bleiacetatlösung und 100 ccm Wasser,
wobei man die Flüssigkeit fortwährend gut schüttelt. Darauf kühlt man den
Erlenmeyer-Kolben unter häufigem Umschütteln unter der Wasserleitung 10 Minuten
lang ab, wobei sich die Bleiseife an den Wandungen und auf dem Boden des
Kolbens festsetzt und die Flüssigkeit klar wird; letztere gießt man ab und
wäscht die Bleiseifen noch 3-mal nacheinander mit je etwa 200 ccm heißem Wasser
(70—80°) und kühlt jedesmal wieder ab. Die wenigen noch der Bleiseife anhaftenden
Wassertropfen tupft man mit Filtrierpapier ab und gibt darauf zu der Seife 220 ccm
frisch destillierten Äther, mit welchem man unter Umschütteln den größten Teil
der Bleiseifen von den Wandungen entfernt. Darauf erwärmt man 20 Minuten
lang unter häufigem Umschütteln am EUckflußktthler und kühlt den Kolben
etwa x/2 Stunde lang unter der Wasserleitung ab. Man dekantiert die Äther-
lösung vorsichtig ab, wiederholt die Erwärmung des Eückstandes im Kolben mit
100 ccm Äther und kühlt abermals in obiger Weise ab. Darauf dekantiert man
die Ätherlösung durch dasselbe Filter, bringt schließlich den ganzen Eückstand
auf das Filter und wäscht mit Äther so lange aus, bis das Filtrat keinen Eück-
stand mehr hinterläßt. Alsdann durchbohrt man das auf einen Scheidetrichter
gesetzte Filter und spült seinen ganzen Inhalt mit etwa 220 ccm Äther in den
Scheidetrichter. Darauf setzt man 150 ccm 20°/0-ige Salzsäure hinzu, schüttelt
stark durch, läßt absitzen und die Salzsäure mit dem ausgeschiedenen Bleichlorid
abfließen; die ätherische Fettsäurenlösung schüttelt man noch zweimal mit je
150 ccm WAsser, filtriert sie durch ein kleines Filter in einen Erlenmeyer-Kolben,
wäscht Kolben und Filter mit kleinen Mengen Äther nach und destilliert alsdann
den Äther ab.

Der Eückstand, der aus den gesättigten Fettsäuren des Öles besteht, wird
unter Zusatz eines Tropfens verdünnter Salzsäure mit 100 ccm 90 °/0-igem Alkohol
unter Verwendung eines Glasrohres als Eückflußkühler auf dem Wasserbade bis
ungefähr 60° erwärmt, bis völlige Lösung eingetreten ist. Beim Abkühlen auf
Zimmertemperatur scheiden sich alsdann bei Gegenwart von Arachisöl zunächst
sehr feine Nadeln von Lignocerinsäure und darauf perlrautterglänzende Blättchen
von Arachinsäure ab.4 *) Nach etwa 3-stündigem Stehen bei 15—20° sammelt
man den Niederschlag auf einem Filter, wobei man die durchfiltrierte Flüssigkeit

4) L. Archbutt (Journ. Soc. chem. Indust. 1898, 17, 1009) fand in reinem Eapsöl
bis zu 1,4 °/0 und in Senföl 1,8 °/0 Arachinsäure.

2)	Chem.-Ztg. 1898, 22, 600.

3)	Zeitschr. f. analyt. Chemie 1873, 12, 231.

4)	Bei Gegenwart von Baumwollsamenöl scheiden sich auch die festen Fettsäuren

dieses Öles mit ab.
        <pb n="607" />
        ﻿Pflanzliche Speisefette und -öle.

585

dazu verwendet, um den gesamten Niederschlag auf das Filter zu bringen. Filter
mit Niederschlag wäscht man dreimal mit je 10 ccm 90%-igem und dann
mehrmals mit 70°/o-igem Alkohol aus. Den Rückstand löst man mit siedendem
ahsol. Alkohol vom Filter in einen Erlenmeyer-Kolben, destilliert den Alkohol ah
und löst den Rückstand wiederum in 100 ccm 90 °/0-igem Alkohol; darauf verfährt
man nochmals in genau derselben Weise wie vorher. Schließlich löst man die
Fettsäuren wiederum in absol. Alkohol, verdunstet den Alkohol, trocknet den
Rückstand 1 Stunde lang bei 100° und wägt ihn. Hierauf wird der Schmelzpunkt
der Fettsäuren im Kapillarrohr bestimmt, der in der Regel bei 74—75,5° ge-
funden wird.

Behufs Berechnung des Gehaltes an Erdnußöl in einem Ölgemische ist
zu berücksichtigen, daß die Erdnußöle 4,30—5,40 °/0, im Mittel etwa 4,80 °/0 des
wie vorstehend gewonnenen Fettsäurengemisches (Arachinsäure + Lignocerinsäure)
enthalten und daß die Löslichkeit des letzteren in 90 °/0-igem Alkohol — in 70 °/0-igem
Alkohol ist es unlöslich — folgende ist:

Menge des Fettsäuren-Gemisches	100 ccm 90 »/„-igen Alkohols lösen bei

von 74—75,5°	' 150	17,5°	20°

a)	bis 0,11 g.................. 0,033	g	0.040	g	0,045	g.

b)	0,17—0,47	g................ 0,050	„	0,060	„	0,070	„

c)	0,50—2,70	„................ 0,070	„	0,080	„	0,090	„

Man erhält daher den Gehalt der angewendeten 20 g des betr. Öles an
Erdnußöl, indem man zu der gefundenen Fettsäurenmenge die Korrektur für die in
dem verwendeten 90°/0-igen Alkohol in Lösung gebliebene Fettsäurenmenge hinzu-
addiert und durch 0,048 dividiert.

Die Ergebnisse dieser Berechnung des Gehaltes an Erdnußöl sind nur annähernde.
°sollen indeß nach Tortelli und Euggeri in Olivenöl noch bestimmbar sein. Man kann
.16 Empfindlichkeit des Verfahrens erhöhen, wenn man bei geringen Ausscheidungen nur
Jedesmal 50 ccm 90°/0-igen Alkohol zur Kristallisation verwendet oder größere Mengen
betr. Öles in Arbeit nimmt.

Um zu entscheiden, ob man tatsächlich Arachinsäure oder Lignocerinsäure vor sich
ati bestimmt man den Schmelzpunkt der Fettsäuren; dieser beträgt bei:

Palmitinsäure	Stearinsäure	Arachinsäure	Lignocerinsäure

62,6°	70,0—71,5°	77»	80,5°.

Die Jodzahl des Erdnußöles ist bis jetzt zwischen 83,3—105,0 gefunden
worden, sie liegt in der Regel zwischen 85 und 102.

Zu berücksichtigen ist noch, daß in Fabriken, die Erdnußöl und Sesamöl mit den-
selben Maschinen und Preßtüchern herstellen, bei Erdnußölen häufiger die sehr empfindliche
.i*u^ouinsche Reaktion auf Sesamöl (S. 586) auftritt, während die Soltsiensche Zinn-
® orürreaktiou (S. 586) in solchen Fällen, wenn es sich um bei ordnuugmäßigen Betrieben
&amp;ewonnene Öle handelt, nicht einzutreten pflegt.1)

3.	Sesamöl.

aoc.r.nm orientale und S. indicum. Es enthalt
Sesamöl ist das öl der Samen von Se	Q zwe- woy gekennzeichnete

außer Phytosterin in dem Unverseifbaren ( .,o	,^Jo kristallisierende) bei 123°

Körper, von denen der eine, das Ses ’	. hohe Rechtsdrehung des Öles

schmelzende Nadeln bildet und die verhältmsma g	Kreis2) für einen

(vergl. S. 5251 verursacht, während der zweite, ein öl, das H.

1)	Vergl. A. J. J. Wijs in Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel
^02, 5, 1150 u. G. Fendler ebenda 1903, 6, 411.

2)	Chem.-Ztg. 1903, 27, 1030.
        <pb n="608" />
        ﻿586

Speisefette und -öle.

phenolartigen Körper hält, dem er den Namen Sesamol gibt, die Ursache der
Rotfärbung mit Furfurol ist.

Das Sesamöl ist gekennzeichnet durch die beiden folgenden Farbenreaktionen,
von denen die erstere die empfindlichere1) ist.

a)	Reaktion mit Furfurol und Salzsäure nach Baudouin in der Ver-
besserung von V. Yillavechia und G. Fabris:* 2 3) Man verfährt nach letzteren
nach einem der beiden folgenden Verfahren,8) zu denen man eine farblose Lösung
von 2 g Furfurol in 100 ccm Alkohol verwendet:

«) In einem Prohierglase oder besser in einem kleinen Meßzylinder oder
zylindrischen Scheidetrichter gibt man zu 0,1 ccm Furfurollösung 10 ccm Öl, dann
10 ccm Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,19, schüttelt das Ganze 1/2 Minute
lang und überläßt die Mischung sich selbst. Bei Gegenwart von Sesamöl ist die
am Boden sich abscheidende Salzsäure deutlich karmoisinrot; im anderen Falle
bleibt sie, farblos oder nimmt höchstens eine schmutziggelbe Farbe an.

ß) Oder man verwendet nur 1 ccm konzentrierter Salzsäure und setzt nach
dem Schütteln 10 ccm Chloroform hinzu, alsdann ist bei Gegenwart von Sesamöl
die sich an der Oberfläche abscheidende Salzsäure karmoisinrot gefärbt.

b)	Reaktion mit Zinnchlorür (Bettendorfs Reagens) nach Soltsien4):
Zu 2—3 Volumteilen des zu untersuchenden Öles (oder geschmolzenen Fettes) wird
1 Volumen mit Salzsäure versetzter Zinnchlorürlösung (Bettendorfs Reagens)
gesetzt und das öl so lange kräftig damit geschüttelt, bis eine Emulsion entstanden
ist; darauf setzt man das Reagensglas in ein heißes Wasserbad. Die sich dann
schnell absetzende Zinnchlorürlösung hat bei Gegenwart von Sesamöl eine hell-
himbeerrote bis dunkelweinrote Färbung. Bei einem sehr geringen Gehalte an
Sesamöl kann nach wiederholtem Schütteln die anfängliche Färbung wieder ver-
blassen.

Zur Herstellung von Bettendorfs Reagens werden 5 Teile kristall. Zinnchlorür
mit 1 Teil Salzsäure zu einem Brei ungerührt und letzterer vollständig mit trocknem
Chlorwasserstoff gesättigt. Die so erhaltene Lösung wird nach dem Absetzen durch Asbest
filtriert. Man bewahrt sie am besten iu kleinen, mit Glasstopfen verschlossenen, möglichst
gefüllten Flaschen auf.

Die Jodzahl des Sesamöles ist bis jetzt zwischen 103—116,8 gefunden; sie
liegt in der Regel zwischen 105—115.

i.	Baumwollsamenöl (Kottonöl).

Baumwollsamenöl ist das öl der Samen verschiedener Arten der Baumwollstaude
(Gossypium).

Da das öl verhältnismäßig leicht „Stearin“ abscheidet und fest wird, so
entfernt man vielfach einen Teil des Stearins durch „Demargarinisieren“ und erhält
so das Baumwollstearin (Kottonstearin) sowie das sog. „Winteröl“ im Gegensatz zu
dem nicht demargarinisierten sog. „Sommeröl“. Das Baumwollsamenöl ist das
billigste der zur menschlichen Ernährung dienenden öle und dient daher vielfach
zur Verfälschung der sonstigen Öle und Fette. In großen Mengen wird es zur
Herstellung von Margarine und Kunstspeisefett verwendet und in neuerer Zeit

*) Vergl. oben S. 585 über die Furfurolreaktion bei Erdnußölen.

2)	Zeitschr. f. angew. Chem. 1893, 505.

3)	Vergl. auch die Vorschrift in der Verordnung des Bundesrats vom 27. August
1897 und der amtlichen „Anweisung“ vom 1. April 1898 zum Gesetz betr. den Verkehr
mit Butter usw. vom 15. Juni 1897 (oben S. 556 u. 571).

4)	Zeitschr. f. öffentl. Chemie 1897, 3, 63.
        <pb n="609" />
        ﻿Pflanzliche Speisefette und -öle.

587

kommt es auch unter der Bezeichnung „Salatöl, Tafelöl, Butterbl usw.“ als
Speiseöl in den Handel.

Das öl ist gekennzeichnet durch die Halphensche Reaktion, welche nach
der Anlage d zu den Ausführungshestimmungen D zum Fleischbeschau-Gesetz vom

3.	Juni 1900 wie folgt ausgeführt wird:

„5 ccm Fett werden mit der gleichen Eaummenge Amylalkohol und 5 ccm
einer 1 °/0-igen Lösung von Schwefel in Schwefelkohlenstoff in einem weiten, mit
Korkverschluß und weitem Steigrohre versehenen Eeagensglas etwa 1ji Stunde
lang im siedenden Wasserhad erhitzt. Tritt eine Färbung nicht ein, so setzt man
nochmals 5 ccm der Schwefellösung zu und erhitzt von neuem 1ji Stunde lang.“
Bei Gegenwart von Baumwollsamenöl tritt eine deutliche Entfärbung der Flüssig-
keit ein.

Zu beachten ist, daß der die Halphensche Eeaktion verursachende Körper durch
Erhitzen und sonstige Behandlung des Baumwollsamenöles mehr oder minder vollständig
zerstört werden kann,1) und daß ferner in Butter, Schweinefett und Kinderfett hei Fütterung
der Tiere mit Baumwollsamenmehl die Halphensche Reaktion eintreten kann, ohne daß
den Fetten Baumwollsamenöl beigemisoht ist.

Nach J. Lewkowitsch2) geben die Mehrzahl der Baumwollsamenöle, auch wenn
in ihnen durch Erhitzen der die Halphensche Reaktion gebende Körper zerstört ist,
eine positive Reaktion mit Salpetersäure (Haucheoornesche Reaktion). Dieselbe
wird nach Lewkowitsch am besten in folgender Weise ausgeführt:

Einige ccm Öl werden mit dem gleichen Volumen Salpetersäure vom
spezifischen Gewicht 1,375 durchgeschüttelt und darauf einige Zeit —.-.bis
24 Stunden — stehen gelassen. Die meisten Baumwollsamenöle nehmen
dabei eine kaffeebraune Färbung an.

Da das Baumwollsamenöl bei der Raffination mit Alkalien behandelt wird,
so ist der Säuregehalt der Handelsöle meist sehr gering.

Die Jodzahl des Baumwollsamenöles beträgt im allgemeinen 105—117, die
des Baumwollsamenstearins 89—104; die Jodzahl der flüssigen Fettsäuren '■ ist in
frischen Ölen meist 146—152.

5.	llüböl (Rapsöl, Kolzaöl).

Als Ettböl (Rapsöl, Kolzaöl) kommt das Öl der Samen verschiedener Varietäten
von Brassica campestris in den Handel. Diese öle sind gekennzeichnet durch eine
verhältnismäßig niedrige Verseifungszahl (168—179), die durch den Gehalt des
Öles an Erucasäure bezw. Erucin bedingt ist. Ferner soll das Rapsöl nach
fr- Archbutt3) auch Arachinsäure — er fand 1,4 °/0 enthalten.

Die Jodzahl des EUböles beträgt 94—106.

Die Verfälschungen des Rüböles bestehen vorwiegend in Zusätzen von trocknenden
ölen (Leinöl, Mohnöl), die man durch die erhöhte Jodzahl erkennt, von Harzöl, das durch
seine starke Rechtsdrehung (vergl. S. 525), und von Paraffinöl, das durch die Bestimmung
des Unverseifbaren (vergl. S. 583) erkannt wird.

(i. Sonstige Pflanzenöle.

Außer den vorgenannten kommen noch eine Anzahl weiterer Pflanzenöle für
Speisezwecke zur Verwendung, von denen hier noch genannt werden mögen;

ö Vergl. K. Fischer u. H. Peyau, Beiträge zur Kenntnis des Baumwollsamenöles
und der Halphenschen Reaktion. — Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genuß-
mittel 1905, 9, 81.

2)	J. Lewkowitsch, Chemische Technologie und Analyse der Öle, Fette und Wachse.
Braunschweig, Pr. Vieweg &amp; Sohn, 1905, 2, 107.

3)	Journ. Soc. chem. Industry 1898, 17, 1009.
        <pb n="610" />
        ﻿588

Speisefette und -öle.

a)	Bueheckernöl ans den Samen der Rotbuche (Fagus silvatica L.),

b)	Walnußöl aus den Samen der Walnuß (Juglans regia L.),

c)	Mohnöl aus den Samen des Mohns (Papaver somniferum L.),

d)	Leinöl aus den Samen des Leins (Linum usitatissimum L.),

e)	Maisöl aus den Samenkeimen des Maises (Zea mays L.).

Über die physikalischen und chemischen Konstanten dieser öle vergl. die
Tabelle S. 542—545. Die ersten vier dieser öle gehören zu den trocknenden ölen;
sie sind gekennzeichnet durch eine hohe Jodzahl.

7.	Kokosfett (Kokosmißbutter).

Von den festen Fetten des Pflanzenreiches findet seit einigen Jahren das ge-
reinigte Kokosfett — das Fett der Fruchtkerne von Cocos nucifera L. — unter
den verschiedensten Bezeichnungen (Palmin, Laktine, Vegetaline, Cesarine usw.)
eine ausgedehntere Verwendung. Es ist von den anderen Pflanzenfetten durch
seinen höheren Gehalt an niederen Fettsäuren (Kapron-, Kapryl- und Kaprinsäure)
und die dadurch bedingte hohe Verseifungszahl (246—268) und Reichert-Meißlsche
Zahl (6—8,5) gekennzeichnet. Seine Jodzahl ist sehr niedrig (8—10).

In seinen Eigenschaften und Konstanten dem Kokosfett sehr ähnlich ist das
Palm kernfett — das Fett der Samen von Eiais guineensis Jacq. —, während das
Palmöl (Palmbutter) aus dem Fruchtfleische dieses Baumes gewannen wird.

Über die physikalischen und chemischen Konstanten dieser Fette vergl. die
Tabellen S. 542—545.
        <pb n="611" />
        ﻿Bienenhonig

Bienenhonig oder einfach Honig ist der von den Arbeitsbienen aus den
verschiedensten Blüten aufgesaugte und iti dem Honigmagen verarbeitete znckerreiche
Saft, welcher wieder in den Waben (Wachszellen) zum Zwecke der Ernährung der
jungen Brut abgeschieden wird.

Frisch ausgelassener Honig ist klar und dickflüssig, trübt sich aber allmählich
und erstarrt je nach seiner Zusammensetzung früher oder später zu einer mehr
oder weniger kristallinischen Masse.

Für die Farbe und den Geruch des Honigs sind beinahe ausschließlich die
Hinten maßgebend, von welchen die Bienen den Honig sammeln; außerdem ist die
Art der Gewinnung von einigem Einfluß auf die Farbe und Beschaffenheit des Honigs.1)

Der Koniferenhonig ist dunkler, weniger süß, hat bisweilen einen eigen-
artigen Geruch und Geschmack. Er erstarrt schwieriger wegen seines Gehaltes
an Dextrinen.

Die überseeischen sog. Havannahonige sind in der Regel sehr unrein,
haben eine schmutziggelbe bis braune Farbe sowie meistens einen sehwachen, weniger
angenehmen Geruch und Geschmack.

In manchen Gegenden Deutschlands werden auch ganze Waben in den Handel
gebracht, die teilweise guten Honig enthalten, zuweilen aber auch Korbstöcken
entstammen, deren Inhalt teils aus Honig, Bienenbrut oder gar abgestorbener Brut
besteht.

Die chemische Zusammensetzung des Honigs erhellt aus folgenden Zahlen;

Gehalt	Sh  &lt;d  CD  co  fl  £  °/o	II  | »««WS sl 2 3 *	--® Glukose	■D  co  B  M  P  M  °/o	X  0 g  HH N  0/  Io	OQ  CS  -ca  c3  OQ  0/  Io	o Dextrine usw.	o Pollen ° u. Wachs	fl  &lt;D &lt;D ca Sh  *53 .B  3 *«n &lt;1  01  Io	CD  •S  CO  &lt;  01  Io	Sh  O o  rfl	Sh  P4 fl  &lt;o :cö  O OQ  rfl  Ph  0/  Io
Niedrigster	(8,30)	0,03	(22,23)	(27,36)	63,91	0,10	1,20	Spur	0,03	0,02	0,006
Höchster	(33,59)	2,42	(44,71)	(49,25)	79,12	(12,91)a)	8,50	2,81	0,21	0,68	0,088
Mittlerer	18,96	1,08	(36,20)	(37,11)	73,31	2,63	2,89	0,71	0,11	0,24	0,028

Außerdem enthält der Honig durchweg geringe Mengen Äpfelsäure,8)
Farbstoffe und Pollenkürner meistens von verschiedenen Pflanzen. Auch
kann er aus den Blüten giftiger Pflanzen, wie Rhododendron und Azaleaarten,
giftige Bestandteile aufnehmen.

l)	Yergl T Kellen Zeitschr. f. Untersuchungd.Nahrungs-u. Genußmittel 1899, 2,162.

__ 2) Dieser hohe Gehalt an Saccharose fand sich in Honig von Bienenstöcken, die in
der Nähe einer Rübenzuckerfabrik aufgestellt waren.

3)	Vergl. A Hilger und Wolff, Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. GenuB-

mittel 1904, 8, 110.
        <pb n="612" />
        ﻿590

Bienenhonig.

Normaler Honig zeigt im Polarisationsapparat stets eine Linksdrehung,
jedoch sind Konilerenhonig sowie Könige von trocknen Jahrgängen infolge
des Honigtaues, ferner solche mit hohem Saccharosegehalt häufig rechts-
drehend.

Die Tannenhonige enthalten nach Hilger und Wolff1) verschiedene
Dextrin arten, welche, im allgemeinen die Eigenschaften der Achroodextrine teilen;
die Honigdextrine haben je nach dem Koniferenhonig ein verschiedenes spezifisches
Drehungsvermögen, reduzieren Fehlingsche und Ostsche Lösung sowie Soldainis
Reagens nur schwach nach einigem Kochen, Barfoeds Reagens dagegen überhaupt
nicht; sie bilden keine Osazone; einige werden von Gärungsorganismen angegriffen,
andere nicht. Hilger und Wolff erhielten für die Dextrine aus 4 verschiedenen
Tannenhonigen folgende Werte:

	Herkunft und Jahrgang des Koniferenhonigs	Spez. Drehung cc[D]		Verhältnis der Drehungswinkel	l g Dextrin liefert hei der Inversion Glykose	
No.		des  Honigs	des  Dextrins	einer io°/0-igen Lösung vor und nach der Inversion	nach der Polarisation	nach dem Reduktions- wert
1	Baden, Kinzigtal (1902) .	+ 16,87°	+ 157,00°	1:0,2945	0,8716 g	0,8720 g
2	Baden, Murgtal (1903) . .	+ 7,90°	+ 131,28°	1:0,3330	0,8297 „	0,9080 „
3	Oberelsaß (1903)		+ 12,07»	+ 125,59°	1:0.3000	0,7144 „	0,8362 „
4	Wasserburg am Boden- see (1903)		+ 8,50°	+119,90»	1 :0,3047	0,6920 „	0,8249 „

Die Verfälschungen des Honigs bestehen in Zusätzen von Wasser, Rohr-
zucker, Melasse, Invertzucker (Fruchtzucker), Kunsthonig (Honigzuoker), Stärke-
zuoker und Stärkesirup. Auch wird das Vorkommen von Zuckerhonig in künstlichen
Waben aus Ceresin in der Literatur erwähnt.

Bei hoher Temperatur schimmelt wasserhaltiger Honig und geht häufig in
alkoholische, später in saure Gärung über.

Bei längerem Stehen scheidet sich der Honig oft in einen unteren kristallinischen,
hauptsächlich aus Glukose bestehenden Absatz und einen oberen flüssigen Anteil,
der hauptsächlich die Fruktose enthält. Dieser Umstand verdient bei der Probe-
nahme sowie für die Untersuchung besonders beachtet zu werden. Der Honig
muß stets gehörig durchgerührt und gemischt werden, ehe man zur Probenahme
schreitet. Die Mischproben von etwa 100 g sind in Gläser mit weiter Öffnung zu
füllen und darin mit Kork- oder Glasstöpsel verschlossen aufzubewahren.

1,	Wasser. 6 g Honig werden mit 25 g ausgeglühtem Quarzsand in einer
flachen Platin- oder Glasschale abgewogen, mit 10 ccm Wasser vermischt und im
Wasserbade eingetrocknet. Das Austrocknen geschieht am besten im Vakuum bei
100° (vergl. auch unter Obstkraut weiter unten).

Der Trockenrfickstand bezw. Wassergehalt kann auch bestimmt werden, indem man
das spezifische Gewicht einer etwa 10°/0-igen unfiltrierten Honiglösung bei 15° bestimmt
und hieraus den Gehalt an Trockensubstanz nach der Halenke-Möslingersohen Tabelle
feststellt.

2.	Spezifisches Gewicht. Eine bestimmte Menge Honig (etwa 30 g) wird
nach W. Lenz genau mit dem doppelten Gewicht Wasser gelöst, die Lösung,
wenn nötig, filtriert und von dem klaren Filtrat das spezifische Gewicht bei 15°

9 Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 110.
        <pb n="613" />
        ﻿Bienenhonig.

591

mit dem Pyknometer oder der Westphalsehen Wage usw. bestimmt (vergl. weiter
unten unter Beurteilung).

3.	Polarisation. 10 g Honig werden zu 100 ccm in destilliertem Wasser
gelöst. Diese Lösung wird mittels Tonerdehydrats oder nach Soxhlet durcli
Kieselguhr und Holzschliff oder auch, wenn nötig, durch Zusatz von 3 com Blei-
acetat- und 2 ccm gesättigter Natriumsulfatlösung geklärt, filtriert und unter Be-
rücksichtigung der Temperatur polarisiert (vergl. S. 233).

R. Frühling1) empfiehlt, die kalt bereiteten Honiglösungen, da sie besonders
hei auskristallisierter Glukose Birotation zeigen, mit 1 oder 2 Tropfen Ammoniak
zu versetzen, mit Tonerdebrei — nicht Bleiacetat — zu klären, zur Marke auf-
zufüllen, zu mischen, zu filtrieren und zu polarisieren.

W.	Lenz-) glaubte s. Z., daß eine wie vorstehend unter 2 bereitete Lösung von
Honig im Verhältnis wie 1	2 im Wildschen Polaristrobometer mindestens 6° 30' nach

links drehen müsse. Dieses trifft aber nicht immer zu, da es, wie schon gesagt, auch mehr
oder weniger stark reohtsdrehende Könige gibt. Außerdem zeigt der Kunst- oder Zuoker-
honig auch Linksdrehung. Das optische Verhalten der Honiglösungen gibt daher allein
keinen Anhaltspunkt mehr für die Reinheit eines Honigs.

4.	Invertzucker und Saccharose. 10 g Honig werden mit 200 ccm heißem
Wasser gelöst, mit etwa 2 ccm offizineller Eisenacetatlösung (von 1,086—1,089
spezifischem Gewicht, 170,5 g basisches Ferriacetat in 1 1 enthaltend) geklärt, auf
1000 ccm gebracht und das Filtrat zum Titrieren mit Fehlingscher Lösung

verwendet.

Oder man versetzt 25 ccm dieser Lösung (d. h. eine nicht mehr als 0,245 g
Invertzucker enthaltende Menge Lösung) mit 25 ccm Kupferlösung und 25 ccm
Seignettesalzlösung, verdünnt auf 100 ccm, unterhält letztere 2 Minuten im Sieden,
filtriert und bestimmt das reduzierte Kupferoxydul als Kupfer hezw. Kupferoxyd
(vergl. Tabelle IV am Schluß).

Ferner löst man 10 g in 100 ccm heißem Wasser, fügt nach dem Erkalten
50 ccm Hefen-Invertinlösung (vergl. Lösung 21a unter „Darstellung der Lösungen“)
hinzu, läßt 2 Stunden bei 50—55° stehen, bringt die invertierte Lösung auf 1000 ccm
nnd bestimmt in 25 ccm wie vorhin den Zucker.

Die Differenz zwischen der ersten und letzten Invertzuckerbestimraung,
multipliziert mit 0,96, gibt die Menge Saccharose.

5. Glukose und Fruktose. Zur Bestimmung der Glukose und Fruktose im
H°nig benutzt man die S. 230 und folgende angegebenen Verfahren.

Es sei jedoch bemerkt, daß das titrimetrische Verfahren nach Sachsse-Soxhlet und
das polarimetrische von Neubauer bei Honig keine übereinstimmenden Ergebnisse liefern,
V'ie dieses in sonstigen Gemischen von Glukose und Fruktose z. B. beim Traubenmost
der Fall ist. Vielleicht hat dies darin seinen Grund, daß im Honig neben Glukose und
1 uktose noch eine dritte Zuckerart vorhanden ist, welche sich in ihrem Reduktions- und
rehungsvermögen anders verhält als Glukose und Fruktose.

0. Bestimmung der Honigdextrine. W. Mader3) verfährt zur annähernden
Quantitativen Bestimmung wie folgt;

15 g Honig werden genau abgewogen, in Wasser bei 17,5° gelöst und zu 100 ccm

aufgefüllt.

a) Von dieser Lösung werden 20 ccm = 3,0 g Honig auf 250 ccm aufgefüllt und
ccm hiervon nach Meißl (S. 230) der Invertzucker bestimmt.

H Zeitschr. f. öffentl. Chemie 1898, 4, 410.

2)	Chem.-Ztg. 1884, 8, 613.

3)	Archiv f. Hygiene 1890, 10, 399.

m 26
        <pb n="614" />
        ﻿592

Bienenhonig.

b)	Weitere 20 ccm ersterer Lösung werden mit 195 com Wasser verdünnt und mit
5 ccm Salzsäure von 1,12 spezifischem Gewicht bei nur 60° 30 Minuten lang erhitzt. Nach
der Inversion wird mit konzentrierter Natriumkarbonatlösung neutralisiert und auf 260 ccm
aufgefüllt, filtriert und in 25 ccm oder, wenn der Saecharosegehalt ein außergewöhnlich
hoher ist, bloß in 20 oom-|-ö ccm Wasser mit 60 ccm Fehlingsoher Lösung unter ge-
nauem Einhalten von 2 Minuten Kochdauer die Reduktion vorgenommen.

Die Differenz zwischen den in der invertierten und nichtinvertierten Lösung ge-
fundenen Prozenten mit 0,95 multipliziert ergibt den Gehalt an Saccharose.

c)	Das von der Gesamtinvertzuckerbestimmung (nach b) herrührende Filtrat wird
jedoch, bevor es durch das öftere Auswaschen des Kupferoxyduls allzusehr verdünnt ist,
zu einer abermaligen Inversion benutzt. Nach der Neutralisation der alkalischen Kupfer-
lösung mit Salzsäure werden noch 5 °/0 konzentrierter Salzsäure überschüssig zugesetzt und
2 Stunden im kochenden Wasserbade erhitzt. Sodann wird mit Natriumkarbonatlösung
neutralisiert (wobei sofort erkenntlich ist, ob sich reduzierender Zucker gebildet hat), zu
260 ccm aufgeftillt und 50 oder 100 ccm dieser Lösung mit 60 ccm Pehlingscher Lösung
zur Zuokerbestimmung verwendet.

Die aus den zuletzt erhaltenen Kupfermengen berechneten Zuckermengen entsprechen
hei reinem Honig dem Houigdoxtrin (Gallisin). Da jedoch selbst bei wenig überschüssiger Säure
beim Stehenlassen (etwa über Nacht) das Gallisin zerstört wird, so muß sofort nach der Inversion
die Bestimmung ausgeführt werden. So schlägt denn auch Mader vor, das Filtrat von
der Saccharosebestimmung mit 10 °/0 konzentrierter Salzsäure 2 Stunden im kochenden
Wasserbade zu erhitzen, wobei das Gallisin so weit zerstört werden dürfte, daß bei Gegen-
wart von Stärkesirupdextrinen gute Ergebnisse erhalten werden könnten.

d)	Zur Gewinnung der in Tannenhonigen vorkommenden Dextrine haben
A. Hilger und P. Wolff1) folgendes zweckmäßige Verfahren angegeben: 100 g Honig
werden verflüssigt und mit 200 ccm Methylalkohol angeriehen; die nach 24-stündigem
Stehen sich bildenden flockigen Ausscheidungen, die aus phosphorsaurem und äpfelsaurem
Kalk (bezw. Magnesia) sowie aus Stickstoffverbindungen bestehen, werden abfiltriert und zum
Filtrat 700 ccm Äthylalkohol von 96 Volumprozent unter Umschütteln allmählich zugesetzt.
Die sich bildenden weißen Flocken setzen sich bald an der Gefäßwandung fest und muß
die Flüssigkeit nach kurzem Stehen abgegossen werden, weil sonst ein Teil des Dextrins
wieder gelöst wird. Die an der Gefäßwandung festhaftende Ausscheidung wird in 15 ccm
Wasser gelöst, mit 15 ccm Methylalkohol vermischt, filtriert und in eine Mischung von
200 com Methyalkohol und 800 ccm Äthylalkohol geschüttet; es scheiden sich rein weiße
Flocken aus, die sich alsbald absetzen, aber keine klebrige Masse bilden. Diese Abscheidung
wird, nachdem die Flüssigkeit abgegossen ist, nochmals in vorstehender Weise gelöst und
gereinigt, um so reines Honigdextrin zu erhalten. Dasselbe wird abfiltriert und mit
absolutem Alkohol gewaschen und im Vakuum über Phosphorpentoxyd getrocknet.

7.	Stickstoff. Etwa 5 g Honig werden nach Kjeldahl (S. 138) verbrannt.

8.	Säure. Der Naturhonig enthält stets geringe Mengen Säure (Ameisen-
säure, ferner Milch- und Äpfelsäure); man verwendet 5—10 g Honig in 100 ccm
Wasser und titriert in üblicher Weise mit 1/10 Normal-Alkalilauge unter An-
wendung von Phenolphthalein als Indikator. 1 ccm Normalalkali = 0,046 g
Ameisensäure.

9.	Pollen und Wachs. Etwa 20 g Honig werden in Wasser gelöst, durch
ein vorher getrocknetes und gewogenes Filter filtriert, hinreichend ausgewaschen,
der auf dem Filter verbliebene Rückstand getrocknet und gewogen. Letzterer kann
dann zur mikroskopischen Untersuchung Verwendung finden.

10.	Asche. 10—20 g Honig werden verkohlt, die Kohle mit Wasser aus-
gezogen und letztere nach S. 195 verbrannt. Die Asche wird mit Salpetersäure
aufgenommen und in der Lösung die Phosphorsäure nach dem Molybdän-Verfahren
(S. 160) bestimmt.

*) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 110.
        <pb n="615" />
        ﻿Bienenhonig.

593

11.	Nachweis von Verfälschungen, insbesondere von Stärkesirup und -zucker.

Der Nachweis der Verfälschungen des Honigs mit Stärkezucker und Stärkesirup ist
sehr unsicher, da in den Königen Dextrine nachgewiesen sind, welche mit denen
des Stärkezuckers und Sirups gleiche Eigenschaften besitzen.

Am wenigsten bewährt hat sich

a)	das dialytische Verfahren von 0. Haenle,1) wonach Honig-Dextrine
aller Art leicht dialysierbar sein sollen, die Dextrine des Stärkesirups oder -zuckers
aber nicht. Viele Nachprüfungen haben die Angaben Haenles bis jetzt nicht bestätigt.

b)	Das Gärverfahren. Die ursprünglich zum Vergären des Honigs von

N.	Sieben (1. c.) empfohlene Preßhefe hat sich ebenfalls nicht bewährt, weil sie
auch die Dextrine des Stärkezuckers und -sirups vergärt. Auch Bierhefe vergärt
letztere z. T., reingezüchtete Weinhefe (Saccharomyces ellipsoideus) dagegen kaum.

Für die Ausführung des Gärverfahrens soll man daher nur letztere verwenden.

25 g Honig werden in einem 300 ccm-Kolben mit 200 ccm einer Nährsalz-
lösung2) gelöst, letztere durch 1/4-stündiges Kochen in einem Kolben mit Watte-
verschluß sterilisiert und nach dem Erkalten mit 5 ccm einer dünnflüssigen, gär-
kräftigen, reingezüchteten Weinhefe8) versetzt.

Die Flüssigkeit wird bei einer Temperatur von 20—25° gehalten, bis die
Gärung —, meistens nach 24 bis 48 Stunden — beendet ist, alsdann abgekühlt, mit
Wasser auf 250 ccm gebracht, mit Tonerdehydrat oder nötigenfalls mit Bleiessig
und Natriumsulfatlösung geklärt und filtriert. Man polarisiert die Lösung entweder
direkt oder dampft 200 ccm auf 60 ccm ein und polarisiert diese im 200 mm-Rohr
hei 20°. Zeigt der Vergärungsrückstand eine erhebliche Eechtsdrehung, so ist er
durch Alkoholfällung auf Dextrine zu prüfen (vergl. unter d).

c)	Das Verfahren von E. Beckmann,4) welches darauf beruht, daß die
Dextrine des Stärkezuckers und -sirups, besonders deren Barytverbindung, durch
Methylalkohol leicht gefällt werden, die Dextrine der Naturhonige dagegen nicht.

Das Verfahren wird wie folgt ausgeführt;

Man bringt in ein Eeagensglas 5 ccm klare oder geklärte Honiglösung
(vergl. unter No. 3, S. 591), welche in 100 ccm 20 g — bei auftretenden geringeren
Fällungen 50 g — Honig enthält, versetzt dieselben mit 3 ccm einer Barytlösung,
'"'eiche 2 g Ba(OH)28) enthält, und fügt zu der noch klaren Mischung auf einmal,
Uln ein Ansetzen des Niederschlages an die Wände zu vermeiden, 17 ccm Methyl-

*) 0. Haenle, Chemie des Honigs.

2) Die Nährlösung enthält:

Jlasser....................... 1500	ccm

Weinsäure......................4,00	g

Amnaoniumnitrat................4,00	„

Anunoniumphosphat..............0,60	„

Ammoniumsulfat.................0,25

Kaliumkarhonat .
Kaliumsilikat .	.

Magnesiumkarbonat
Eisensulfat .	.	.

Zinksulfat .	.	.

0,60 g

0,07 „
0,40 „
0,07 „
0,07

Auch kann ebenso einfach eine zuckerfreie Hefenabkochung als Nährlösung ver-
wendet werden.

3)	Dieselbe kann unter anderem durch Dr. Möslinger in Neustadt a. d. Hardt be-
2°gen werden.

4)	Zeitschr. f. anal. Chemie 1896, 85, 263; ferner Zeitschr. f, Untersuchung d. Nah-
Ungs- u. Genußmittel 1901, 4, 1065.

f . ") Die Barytlösung kann nach J. Wagner (vergl. Th. Paul, Untersuchungen über
8-ab;tlon_ierte Fällung. Habilitationsschrift. Leipzig 1894, S. 4) zweckmäßig mit Bernstein-
^ eingestellt werden, von der man vorher 1 Teil in 4 Teile siedende Salpetersäure von
spezifischem Gewicht eina-etraeen, 1L Stunde gekocht, aus Wasser umkristallisiert
bei 60o getrocknet hat.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	38
        <pb n="616" />
        ﻿594

Bienenhonig.

alkohol, welcher nicht frei von Azeton zu sein braucht. Bei reinem Honig bleibt
die Mischung nach dem Umschtitteln klar oder zeigt nur eine schwache flockige
Abscheidung, bei Gegenwart einer auch nur geringen Menge von Stärkedextrin,
Stärkesirup oder festem Stärkezucker entsteht eine sehr deutliche Fällung.

Für die quantitative Bestimmung wird der Niederschlag nach kräftigem ein-
maligem Umschütteln sofort und schnell durch Asbest in einem tarierten, bei 55—60°
getrockneten Goochschen Tiegel abgesaugt, nacheinander mit 10 ccm Methyl-
alkohol und 10 ccm Äther — die hierdurch im Filtrat entstehenden Trübungen
rühren von Honigdextrinen her -— nachgewaschen, bei 65—60° getrocknet und
gewogen.

Dextrinhaltiger Koniferenhonig hat in Mischungen mit Stärkedextrin, -sirup
oder -zucker keinen Einfluß auf die Fällung. Tannenhonig gab für 5 ccm einer
20 °/0-igen Lösung nur 0,0248 g, Umbelliferenhonig in gleicher Weise nur 0,0230 g,
Äpfelhonig desgl. nur 0,0072 g Barytfällung, während die Mischung mit genannten
Stärkezuckorfabrikaten entsprechend dem Dextringehalt bedeutend höhere Fällungen
lieferte. Nach Untersuchungen von Beckmann und Burkhardt gaben verschiedene
Dextrine in 20°/o-iger Lösung folgende Barytfällungen:

Dextrin aus Tannenhonig Stärkezuoker Stärkesirup Handelsdextrine
8,18 »/„	29,3 ®/0	41,3 »/0	78,4-104,9 «/0.

Nach diesem Verfahren lassen sich noch nachweisen Zusätze von:

Stärkedextrin	Stärkesirup	Stärkezucker (festem)

5-10 °/o	10—20°/0	30-40 °/0.

Ähnlich verhalten sich die Dextrine gegen eine Lösung von Bleiessig in
Methylalkohol; auch hierdurch werden die Dextrine des Stärkesirups bezw.
-zuckers in weit größerer Menge gefällt als das Honigdextrin.

Qualitativ lassen sich Stärkesirup und Handelsdextrin im Honig auch
noch daran erkennen, daß sowohl der Honig selbst, als besonders die Fällung mit
Methylalkohol 10 g Honig mit Wasser auf 10 ccm gebracht und mit 125 com
Methylalkohol gefällt — nach Reinigen mit Alkohol und Lösen in Wasser mit
hellgelber Jod-Jodkaliumlösung infolge ihres Gehaltes an Erythro- und Amylo-
dextrin eine rotbraune (bei Stärkesirup) oder eine,rote bis violette Färbung
(bei Handelsdextrinen) zeigen.

d)	Verfahren von Verf. und W. Karsoh.1) Da fester Stärkezucker
wesentlich geringere Mengen von durch Baryt und Methylalkohol fällbaren Dextrinen
enthält, so ist dessen Nachweis nach vorstehendem Verfahren nur bei Zusatz
größerer Mengen zum Honig möglich. Wenn aber Stärkezucker verwendet
wurde, so kann das Verfahren von Verf. und W. Karsch gute Dienste leisten.
Es gründet sich darauf, daß durch Äthylalkohol die rechtsdrehenden Dextrine
sowohl der Naturhonige wie der mit Stärkezucker usw. versetzten Honige gefällt
werden, dagegen nicht die in den Stärkezuckerpräparaten vorhandene Glukose,
bei deren Verbleiben im Honig der mit Stärkezucker versetzte Honig seine Rechts-
drehung beibehalten wird, während bei Naturhonigen nach Entfernung der rechts-
drehenden Dextrine Linksdrehung eintritt.

40 g Honig werden in einem Meßzylinder mit Wasser auf 40 ccm auf gefüllt.
Von der homogenen Lösung werden 20 ccm in einen 250 ccm-Kolben gebracht,
unter langsamem Zutröpfeln und beständigem Umschwenken mit absolutem
Alkohol bis zur Marke aufgefüllt und unter zeitweiligem ümsohütteln 2—3 Tage
stehen gelassen.

1) Zeitsohr. f. analyt. Chemie 1895, 84, 1.
        <pb n="617" />
        ﻿Bienenhonig.

595

Nach, dieser Zeit haben sich alle Dextrine abgeschieden. Nacli dem Um-
schütteln wird filtriert, von dem Filtrat werden 100 ccm vom Alkohol befreit —
aber nicht ganz zur Trockne verdampft —, der noch flüssige Rückstand unter
Zusatz von Bleiessig und Natriumsulfat mit Wasser auf 20 ccm gebracht und die
filtrierte Lösung hiervon polarisiert.

Rechtsdrehende Naturhonige zeigen alsdann Linksdrehung, mit Stärkezucker
bezw. -sirup bis zu 25 °/0 versetzte Honige dagegen Rechtsdrehung.

Letztere könnte allerdings auch von zugesetztem Rohrzucker herrühren, der
ebenfalls nicht durch Alkohol vollständig gefällt wird. Davon aber, ob der Honig
eine große Menge (von 10—18 °/0) Saccharose enthält, kann man sich durch eine
quantitative Bestimmung der Saccharose nach No. 4 (S. 591) überzeugen.

Auch wird die obige alkoholische Lösung nach dem Verdampfen des Alkohols
uud nach Inversion der wässerigen Lösung, wenn die Rechtsdrehung von Saccharose
herrührt, Linksdrehung zeigen.

Melasse im Honig kann nach E. Beckmann an der starken weißen bis
'weißgelblichen Fällung erkannt werden, welche in 25%-igen Honiglösungen durch
Zusatz von Bleiessig und Methylalkohol entsteht. Die Versuche hierüber sind noch
nicht abgeschlossen.

Mehlzusatz. Derselbe macht den Honig schleimig und weißstreifig.

Je nach dem zu vermutenden Gehalt werden 10—20 g Honig mit 70 °/0-igem
Alkohol behandelt, filtriert, mit 70°/o-igem Alkohol und zuletzt mit kaltem Wasser
gewaschen und der unlösliche Rückstand nach einem der S. 239 beschriebenen
Verfahren auf Stärke untersucht. Auch wird der unlösliche Rückstand mikroskopisch
auf Stärke geprüft.

W. Bräu-
sich mittels
würde sich
empfehlen.

Leim und Tragant. Diese Zusätze sind sehr selten und können durch
Fällen der wässerigen Lösung mit Tanninlösung nachgewiesen werden, womit
reiner, durch vorheriges Kochen mit Bolus geklärter Honig nur eine schwache
Trübung und später geringe Flocken gibt.

e)	Sonstige Verfahren zum Nachweise von Naturhonig.
tigam1) behauptet, daß alle Naturhonige Eiweiß enthalten, welches
Salpetersäure und gesättigter Kochsalzlösung abscheiden läßt. Auch
zu dessen Nachweis die Biuretreaktion (vergl. S. 212 unter 3 b)

Tanger'2) schlägt für den Zweck einerseits die Prüfung auf Fermente, andererseits
die Serum di agn ose vor. Man soll aus den Honiglösungen durch Alkohol die
Fermente (Diastase, Invertase) fällen, von Zucker befreien und dann auf eine
Saccharoselösung von bekanntem Polarisationswert einwirken lassen, Berner g aubt
derselbe durch Verfütterung von den Eiweißkörpern der einzelnen Pflanzenbluten
an immunisierte Tiere (Kaninchen) Blutsera erhalten zu können, welche mit, den
Tösungen der zugehörigen Blütenhonige Niederschläge geben. Diese Vorschläge
bedürfen noch der weiteren Ausbildung und Nachprüfung; sie würden aber günstigen
Falles nur gestatten, Naturhonig von Kunsthonig zu unterscheiden, nicht aber \ er-
alschungen mit letzterem oder Stärkesirup festzustellen.

Auch würden sich diese Bestandteile des Naturhonigs leicht künstlich zusetzen

lassen.

Anhaltspunkte für die Beurteilung.

Dicht	der mikroskopischen Prüfung gefundene Pollenkörner, Wachspartikelchen sind

1 zu beanstanden, eie bilden jedoch auch kein Merkmal für die Echtheit des Honigs,

2 Vergl. Zeitschr. f, Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 622.

) Ebenda 1902, 5, 1204.

38*
        <pb n="618" />
        ﻿596

Bienenhonig.

da sie auch im Kunsthonig nachgewiesen wurden. Der Gehalt an verschiedenerlei Pollen-
körnern macht die Annahme von Naturhonig wahrscheinlicher, aber auch nicht sicher.

2.	Das spezifische Gewicht der Lösung 1: 2 soll nicht unter 1,11 betragen, ent-
sprechend einem Wassergehalt von 25 %. .

3.	Der Aschengehalt beträgt hei normalen Königen nicht mehr als 0&gt;3 °/o) doch kann
derselbe bei Königen, die von den Bienen aus dem Honigtau gesammelt werden, bis zu
0,8 °/0 steigen. NachHilger undWolff enthalten linksdrehende Waldhonige 0, 3-0,4%,
rechtsdrehende 0,6—1,28 °/0 Asche.

4.	Die Könige sind mehr oder weniger stark linksdrehend, doch gibt es auch rechts-
drehende Könige, und zwar besonders Koniferen- und Honigtauhonige. Da sich in Königen
unter Umständen ein kristallinischer Absatz bildet, der vorwiegend aus Glukose besteht
und daher reohtsdrehend ist, so muß hierauf Bedacht genommen werden.

Es zeigt sich ferner hier und da die Erscheinung, daß ein Honig wegen eines ge-
ringen Gehaltes an rechtsdrehenden Dextrinen schwach links dreht und daß erst nach der
Vergärung die Bechtsdrehung in den Vordergrund tritt.

Kleine Mengen von Saccharose setzen ebenfalls nur die Linksdrehung des Honigs
herab, größere bewirken Rechtsdrehung. Solche Könige zeigen nach der Inversion ent-
weder eine Zunahme der Linksdrehung oder eine Umwandlung der Bechtsdrehung in
Linksdrehung. Erhebliche Mengen von Dextrinen machen den Honig rechtsdrehend. Diese
Rechtsdrehung verschwindet nicht nach der Inversion.

5.	Der Gehalt des Honigs an Saccharose soll im allgemeinen einige Prozent nicht
überschreiten, jedoch kommt in Königen, die in der Nähe von Rohrzuckerfabriken oder
-lagern von Bienen erzeugt sind, mitunter eine abnorm große Menge Saccharose — es
sind bis zu 18 % beobachtet worden — vor. Dieser Umstand ist daher bei der Beurteilung
zu berücksichtigen.

6.	Enthält der Honig weniger als 1,6 %1) lösliche Niohtzuckerstoffe (berechnet aus
der Differenz von löslicher Trockensubstanz und Gesamtzuoker), so ist auf Zusatz von
künstlichem Invertzucker, Rohrzucker und Glukosezucker zu schließen.

7.	Beträgt die Bechtsdrehung der 10 %-igen vergorenen Honiglösung mehr wie
-(-3° Kreisgrade bei Anwendung des 200 mm-Rohres und gibt sie die qualitativen Dextrin-
reaktionen nach Beckmann, so ist der Honig als mit Stärkezucker oder Stärkesirup versetzt
zu bezeichnen. Dasselbe ist der Fall, wenn die nach dem Vergären quantitativ ermittelte
Dextrinmenge mehr wie 10 % beträgt.

8.	5 ccm einer 20 %-igen Honiglösung dürfen nach dem Beckmannschen Verfahren,
das übrigens noch näher zu prüfen ist, mit 2 %-iger Barytlösung und Methylalkohol ver-
setzt (vergl. 11 c, S. 693), keine 0,1 g übersteigende Pallung geben.

9.	Honiglösung darf, mit Alkohol nach der Vorschrift 11 d (S. 594) gefällt, keine
Bechtsdrehung zeigen, wenn darin nicht größere Mengen Saccharose nachgewiesen sind.

*) R. Racine fand (Zeitsohr. f. öffentl. Chemie 1902, 8, 281) in 39 Honigsorteu
3,92—16,32 % und in einer Probe nur 2,32 % lösliche Nichtzuckerstoffe (Extraktrest), also
wesentlich höhere Werte als die angenommene Mindestgrenze von 1,5 %. Der Gehalt an
Nichtzuoker geht nach Hilger und Wolff (1. c.) bei linksdrehenden Waldhonigen bis
9,47%, bei rechtsdrehenden bis 21,2 % hinauf.
        <pb n="619" />
        ﻿Rohstoffe

und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

I.	Wasser.

Für die Zuckerfabrikation ist ebenso wie für die sonstigen landwirtschaftlichen

Nebengewerbe ein gutes, reines Wasser von großem Belang.

a)	Bin an organischen, fauligen und fäulnisfähigen Stoffen reiches Wasser kann
schon im Diffuseur Zersetzungen bewirken, b) Ein gefärbtes Wasser erschwert die
Klärung der Zuckerlösung, c) Ein an Salzen
reiches Wasser vermindert die Zuckerausbeute;
so hindert 1 Teil Nitrate die 6-faohe Menge
Zucker an der Kristallisation; dann folgen
Sulfate und Alkalikarbonate. Ein Wasser mit
0,48 g Gips (Schwefelsäure auf Gips um-
gerechnet) und 0,3 g Chlomatrium (Chlor auf
Chlornatrium umgerechnet) für 1 1 übte nach
Pfeiffer zwar keinen Einfluß auf das Aus-
sehen der Säfte und des Dicksaftes aus, be-
wirkte aber, daß letztere hei 2- bis 3-stündigem
Kochen im Vakuum eine starke Braunfärbung
annahmen, während ein Wasser mit 0,107 g
Gips und 0,05 g Kochsalz im Liter eine solche
Wirkung nicht äußerte.

Die Diffusionsschnitzel besitzen indes ein
ausgesprochenes Absorptionsvermögen für Kalk-
®alze, so daß bei vorhandenen größeren
Mengen Calciumsulfat und -bikarbonat nur ein
Peil derselben in die Säfte übergeht. Auch
scheidet sich beim Kochen der Füllmassen im
Vakuum ein Teil der Mineralstoffe (zuerst
Kieselsäure, Eisenoxyd und Tonerde, zuletzt
. Meiumsalze) ab, aber diejenigen Salze, welche
Jn der Zuckerlösung gelöst bleiben, erhöhen
heu Gehalt des auskristallisiereuden Zuckers au Salzen und beeinträchtigen die Ausbeute
insofern, als bei der Wertsberechnung des Zuckers für die Raffinierung von der Polarisation
i® 6-fache Menge des Salzgehaltes abgezogen wird.

II.	Zuckerrübe.

Die vollständige Untersuchung der Zuckerrübe (Bestimmung des Wassers,
Proteins usw.) erfolgt wie bei Wurzelgewächsen überhaupt nach S. 266. Für
technische Zwecke gelten besondere Untersuchungsverfahren.

1- Bestimmung des Zuckers in der Bttbe.1) Die Zuckerrüben werden jetzt
meistens nach dem Gehalt an Zucker bezahlt; aber auch dort, wo dieses nicht ge-

*) Vergl. u. a. R. Frühling, Anleitung zur Untersuchung der f. d. Zuckeriudustrie
etracht kommenden Rohmaterialien usw. Braunschweig 1903.

■mmm

Fig. 267.
Rübenmühle von Luclcow.

ln
        <pb n="620" />
        ﻿598

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfahrikation.

schiebt, ist es von Wichtigkeit, den Gehalt der Rühen an Zucker zu erfahren, um
den Gang der Fabrikation beurteilen zu können. Aus dem Grunde sind jetzt
allgemein Untersuchungsverfahren eingeführt, welche den Zuckergehalt direkt zu
ermitteln gestatten. Für alle vorgeschlagenen Verfahren dieser Art kommt es zunächst
darauf an, ein gutes Durchschnittsmuster der Zuckerrüben in der erforderlichen
Reinheit und Feinheit herzustellen.

Man sucht eine nicht zu geringe Anzahl Rühen aus, welche in Form und
Größe und nach ihren sonstigen Eigenschaften einen guten Durchschnitt der Gesamt-
rühen bilden, befreit sie von Köpfen, Schwänzen, sowie durch Waschen oder Abbürsten
von Schmutz und zerkleinert sie zu einem tunlichst feinen Brei. Soll der Schmutz-
gehalt quantitativ bestimmt werden, so werden die Rühen vor und nach dem Waschen
gewogen.

Abgewelkte und trockne Rüben nehmen beim Naßputzen bis zu 2 °/0 ihres
Gewichtes Wasser auf. Durchkältete oder gefrorene Rüben muß man vorher in
einem mäßig warmen Raume Zimmertemperatur annehraen bezw. auftauen lassen.

Die so vorbereiteten Rüben oder die Hälfte oder ein Viertel der einzelnen
Rüben müssen dann weiter zu einem unfühlbaren, geschliffenen Brei zer-
kleinert werden — in den Zuckerfabriken selbst kann man hierzu auch die Schnitzel
verwenden —.

Zur Herstellung des Breies können dienen die Rübenmühle von Luckow,
oder die Pellet-Lomontsche Reibe mit Keilscher Scheibe, oder die für Hand-
und Dampfbetrieb eingerichtete Rüben- und Schnitzelsohleifmaschine von Kiehle.1)

Die erste hat folgende Einrichtung (Fig. 267, S. 597):

P = die aus hartem Gußstahl gefertigte Schleifscheibe (sog. Fräserl, unten durch die
Rübenvorlage R zum Teil verdeckt.

S = Sammelkasten für den geschliffenen Brei,
k = der direkte obere Antrieb mit dem Kugelausrücker a.

K = der Antrieb mittels Vorgelege und dem hierzu gehörigen Ausrücker mit Bremse A.
H = Handantrieb.

Wo derartige Vorrichtungen fehlen, kann man sich auch mit einer Fleisch-
hackmaschine oder mit gewöhnlichen Handreiben oder sog. Gewürzreiben behelfen,
jedoch ist zu berücksichtigen, daß die Auslaugung nach einem der folgenden Verfahren
um so schneller und vollständiger vor sich geht, je feiner der hergestellte Brei ist.

Zur Auslaugung des Zuckers bedient man sich der kalten oder warmen
Digestion mit Alkohol oder mit Wasser.

a) Alkoholverfahren. «) Kalte Digestion nach Stammet. Für die Aus-
führung der Untersuchung wird in einer passend geformten Neusilherschale die
doppelte oder 3-fache Menge der für die einzelnen Polarisationsapparate gültigen
Normalgewichte für 200 oder 300 ccm Flüssigkeit abgewogen, nämlich bei doppeltem
Normalgewicht:

für Saccharimeter von	Normalgewiehte

Soleil-Yentzke-Scheibler mit Zuckerskala	.	26,048	x 2 = 52,096	g	(rund 52,1 g)

Soleil-Duboscq mit Zuokerskala.............. 16,350	x 2 = 32,700	„

Wild mit Zuckerskala........................ 10,000	x 2 —- 20,000	„

Mitscherlich, Wild und Laurent mit Kreisgrad-
teilung ..................................... . 16,000* 2)x 2 = 30,000 „.

x) Bei den zur Samenzucht dienenden Rüben (Mutterrüben) darf den zu untersuchenden
Rüben zur Ermittelung des Zuckergehaltes nur ein geringer Anteil entnommen werden,
damit das demnächstige Wachstum nicht geschädigt wird; man benutzt hierfür zweck-
mäßig die von der Firma Keil &amp; Dolle in Quedlinburg patentierte Sameurüben-Bohrmaschine.

2) Ist 1/5 des Normalgewichtes.
        <pb n="621" />
        ﻿Bestimmung des Zuckers in der Zuckerrübe.

599

Die abgewogene Menge geschliffenen Eübenbreies spült man mittels einer
Spritzflasche mit Alkohol von 90 °/0 in einen mit eingeriebenem Glasstöpsel ver-
sehenen Meßkolben von 200 ccm (oder besser von 201,2 ccm für das erste Sacchari-
meter),1) fügt zu dem Inhalt des Kolbens 4 ccm Bleiessig hinzu, schwenkt um, füllt
bis zur Marke mit Alkohol auf und mischt das mit Glasstopfen versehene Kölbchen
durch kräftiges Schütteln tüchtig durch. Schon nach wenigen Minuten kann filtriert
— wobei der Trichter zur Vermeidung von Verlusten durch Verdunstung bedeckt
wird — und das klare Filtrat im 200 mm-Eohr polarisiert werden.

Hat man die Korrektion für das Volumen des Markes nicht gleich an dem
Meßkolben durch eine entsprechende Größe angebracht, sondern genau auf 200 ccm
aufgefüllt, so muß man die abgelesene Anzahl Grade um das Volumen des Markes
vermindern, also bei Anwendung von 52,1 g Eübenbrei mit 1,2 ccm Mark mit
0,994 multiplizieren. Wenn z. B. abgelesen sind 14,7°, so beträgt der Zuckergehalt
der Rübe

14,7	x 0,994 = 14,61 °/0.

Hat man nicht die für die einzelnen Apparate gültigen Normalgewichte, sondern
andere Gewichtsmengen oder ein Saccharimeter mit Kreisgradteilung angewendet,
so ist zu berücksichtigen, daß nach S. 233 bei 17,1
entspricht;

im Polarisationsapparat von

Mitscherlich, Laurent, Wild mit Kreisgradteilung
Soleil-Ventzke-Scheibler \

Schmidt und Hänsoh

/

mit Zuckerskala

koleil-Dubosoq.............................. 0,16350 „

0 im 200 mm-Eohr	1° Drehung
g Saccharose in	g Glukose in
100 ccm Lösung	100 ccm Lösung
0,7500 g	0,9434 g
0,26048 „	0,3268 „
0,16350 „	0,2051 „

Hat man z. B. 60 g Eübenbrei in 200 ccm Alkohol angewendet und im Mitscherlich-
scheu (Halbschatten-) Apparat im 200 mm-Kohr 5° 38' = 5,63° abgelesen, so berechnet sich
der Zuckergehalt in der Rübe zu

5,63 x 0.75 x 100
30

14,07 und 14,07 x0,9932) = 13,97 °/0.

Bei den Apparaten von Ventzke-Soleil-Scheibler und von Soleil-
Duboscq wird einfaches weißes helles Lampenlicht in 5—10 cm Entfernung vom
Rohr angewendet, bei dem Wildschen Polaristrobometer und den Halbschatten-
aPparaten dagegen homogenes, gelbes Licht, welches durch Einbringen von Ghlor-
üatrium in die nichtleuchtende Flamme eines Bunsenschen Gasbrenners erzeugt wird.

Die Farbenapparate vrerden aber durch die Halbschattenapparate
immer mehr verdrängt.

Als Durchschnittstemperatur der Lösungen gilt 17,5°, d. h. die Zucker-
lösungen mit den Normalgewichten für 100 ccm drehen bei 17,5° der Lösung um
dOOo der Zuckerskala; weicht die Temperatur der letzteren hiervon erheblich ab,
So ist nötigenfalls eine entsprechende Korrektion anzubringen.

9 Das Mark von 52,1 g “rei mmmi. nämlich
mir auf 200 ccm auffüllt, so hat man in Wirklichkeit nur

.	,	-x. 198,0 — q 994 multiplizieren,

keit muß daher die Polansationsgrade mit	,

, ,	„.. „ zn i nüben = 1,4 ccm beträgt; daher in 200 ccm

2)	Korrektion für Mark, welches für 60 g	g

unr 198,6 ccm zuckerhaltiger Alkohol, also Koirektui goo ,
        <pb n="622" />
        ﻿600	Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Um den Inhalt der Beobachtungsröhren genau auf eine bestimmte Tempe-
ratur zu bringen und darauf zu erhalten, verwendet man vielfach Beobachtung®-
rohren mit Messingmantel und WasserumSpülung.

Für die Umrechnung der Drehungsbeträge der verschiedenen Polarisations-
apparate können folgende Werte dienen (vergl. E. Frühling 1903, 54):

1° Ventzke = 1,5932° Laurent,

1°	„	= 0,3469°	Wild (Kreisgrade),	
1°	Laurent = 0,2167°	51	11
1°	„	= 0,6277°	Ventzke,	
1°	Wild (Kreisgrad) =	4,6147°	Laurent,
1°	11 11	2,8827°	V entzke,
1°	11 11	7,5281°	Wild (Zuckerskala),
1°	„ (Zuckerskala) =	0'l328°	Wild (Kreisgrade).

ß) Das warme Extraktions-Verfahren nach Scheibier-Sickel. Hier-
nach wägt man 30—40 g der mittels einer Hackmaschine usw. fein zerteilten Schnitzel
auf einem Tarierblech ab und bringt sie verlustlos in einen Heberextraktionsapparat
(siehe Fettbestimmung S. 222 u. 223), dessen Boden bezw. dessen Heberrohröffnung am
Boden man mit einer Scheibe von dünnem, losem Filz bedeckt hat; in das zum
Apparat gehörige Meßkölbchen, welches in dem verengten Teile des Halses die
Marke 100 ccm trägt und besonders für diese Zwecke angefertigt wird, gibt man
75 ccm absoluten Alkohol, spült mit einem kleinen Teil hiervon die auf dem Tarier-
blech hängenden Eübenbreireste in das Extraktionsrohr, gießt noch so viel Alkohol
nach, bis das Niveau der Flüssigkeit sich nahezu in gleicher Höhe mit der oberen
Heberkrüramung befindet, darauf verbindet man das Meßkölbchen mit dem Extraktions-
apparat und Kühler, erhitzt den Alkohol entweder mit kleiner Flamme oder besser
im kochenden Wasserbade und zieht 1—2 Stunden aus, bis aller Zucker gelöst ist.

Nach dem Erkalten des Kolbeninhaltes am Apparat entfernt man das Kölbchen,
■setzt die nötige Menge Bleiessig zu, füllt bis zur Marke mit absolutem Alkohol auf,
durchschüttelt, filtriert unter Bedecken des Trichters mit einem Uhrglase durch ein
trocknes Filter und polarisiert wie üblich im 200 mm-Eohr. Die gefundenen Drehungs-
grade, multipliziert mit 0,26048 (beim Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat) oder
0,1635 (bei Soleil-Duboscq) oder 0,75 (beim Halbschattenapparate mit Kreis-
gradteilung usw.), geben die Menge Zucker in der angewendeten Menge Eübenbrei.
Angenommen, es sind angewendet 40,50 g Rübenbrei, das alkoholische Filtrat
polarisierte 19,2° im S.-V.-Sch., so sind darin 19,2 x 0,26048 = 5,00 g Zucker ent-
halten oder in 100 g Rüben —— = 12,34 g Zucker.

y) Warme Alkohol-Behandlung nach Tollens-Rapp-Degener. Ein
Vielfaches der Normalgewichte für die einzelnen Apparate (nach S. 598), also z. B.
26,048x 2 = 52,096 g oder rund 52,1 g (für den Soleil-Ventzke-Scheibler-
Apparat) von dem mittels der „Schnitzelmühle“ zerkleinerten Rübenbrei wird in einen
200 ccm-Kolben, dessen Marke möglichst tief unten liegt, verlustlos eingefüllt und
mit Alkohol übergossen, bis der Kolben zu etwa 4/5 gefüllt ist. Der Kolben wird
mit einem gut passenden Korkpfropfen verschlossen, welcher ein weites, als Rück-
flußkühler dienendes Glasrohr trägt, dann in einem Wasserhade 16—20 Minuten
lang im ruhigen Sieden des Alkohols gehalten. Hiernach nimmt man den Kolben
heraus, spült Kork und Rohr mit 90-grädigem Alkohol ab und füllt, ohne ab-
zukühlen, mit Alkohol bis etwa 1 cm hoch über die Marke. Durch abermaliges
nur etwa 2 Minuten anhaltendes Einstellen des Kolbens in das heiße Wasser-
        <pb n="623" />
        ﻿Bestimmung des Zuckers in der Zuckerrübe.

601

bad — bis Blasen im Alkohol aufzusteigen beginnen — läßt man den Inhalt
sich mischen, nimmt sodann heraus, läßt etwa 1/2—s/4 Stunde an der Luft erkalten,
bringt durch Einstellen in kaltes Wasser auf Zimmertemperatur, setzt 10—15
Tropfen Bleiessig zu, füllt das gesunkene Volumen mit Alkohol wieder bis zur
Marke auf, mischt durch Umschütteln, filtriert und polarisiert im 200 mm-Rohr, wie
bei a und b.

b) Wasserverfahren, a) Die kalte Wasserbehandlung nach Pellet sowie
nachKrüger. Von dem wie bei der Alkoholbrei-Behandlung nach S. 598 hergestellten
feingeschliffenen Rübenbrei werden die Normalgewichte, also 26,048 g für Ventzke-
Soleil usw. (S. 598), oder ein Vielfaches (jedoch nicht mehr als 30 g für 200 ccm)
abgewogen und mit Hilfe eines recht weiten, langen Neusilbertrichters in einen
200 ccm-Kolben gefüllt. Der abzuwiegende Rübenbrei muß recht innig gemischt
und von kleinen Wurzeln, Fasern usw. befreit sein, was man entweder durch
Auslesen mit der Pinzette oder dadurch erreicht, daß man den Brei durch ein
grobes Sieb mit 4—6 mm Maschenweite drückt.

Nachdem der Rübenbrei unter Nachspülen mit Wasser in den Kolben ge-
bracht ist, setzt man 4—5 ccm Bleiessig (in der Regel 6 ccm auf je 26,048 g)
zu, entfernt den Schaum durch 1—3 ccm Äther, füllt bis zur Marke mit Wasser
auf, schüttelt kräftig durch, filtriert und polarisiert nach Zusatz von 1—2 Tropfen
Essigsäure womöglich im 400 mm-Rohr.

Wird im 200 mm-Rohr polarisiert, so sind, weil man das Normalgewicht nicht
auf 100, sondern auf 200 ccm gefüllt hat, die Drehungsgrade mit 2 zu multiplizieren.
Für das Mark werden hier 1,35 ccm für 26,048 g Rübenbrei gerechnet, weshalb
die Drehungsgrade bezw. der Zuckergehalt mit 0,9933 zu multiplizieren sind.

Man kann diese Rechnung auch dadurch umgehen, daß man den Brei statt
in ein 200 ccm-Kölbchen in ein solches füllt, dessen Marke 201,35 ccm anzeigt.

Krüger1) wendet die kalte Wasserbehandlung noch in anderer Weise an; er
setzt voraus, daß der Saftgehalt der Zuckerrübe durchschnittlich 95 °/0 beträgt;
demnach sind in dem Normalgewicht 26,048 x 0,95 = 24,745 g Saft, die bei An-
nahme eines durchschnittlichen spezifischen Gewichtes von 1,07 ein Volumen von
24.745

= 23,12 ccm einnehmen. Werden diese mit 76,88 ccm Wasser versetzt, so

erhält man 100 ccm Flüssigkeit, deren Polarisation den Zuckergehalt der Breimenge
von 26,048 g ohne weiteres anzeigt. Auf 76,88 g Wasser kommen daher 26,048 g
Brei, oder auf 2,951 Teile Wasser 1 Teil Brei oder rund wie 3 : 1. Man verwendet
ein gewisses, in einer besonders eingerichteten Pipette abgemessenes Volumen
Wasser und wägt dazu den 3. Teil des Wassergewichtes an Rübenbrei ab; faßt
z- B. die Pipette 78,2 ccm, so sind 26,067 g Brei abzuwägen, faßt sie 77,5 ccm,
so 25,833 g usw. Zu jeder Pipette gehört je nach dem Inhalt ein bestimmtes
Normalgewicht. Der Brei wird in Nickelgefäßen (von sämtlich gleichem Gewicht)
abgewogen, mit der 3-fachen Menge Wasser versetzt, der Inhalt gemischt, nach
~0 Minuten filtriert und im 200 mm-Rohr polarisiert. Die abgelesene Zahl ergibt
direkt den Zuckergehalt des untersuchten Breies.

Das Verfahren Krügers ist zwar nicht ganz genau, aber für praktische
Zwecke ausreichend und besonders bei Massenuntersuchungen empfehlenswert.

ß) Die heiße Wasserbehandlung nach Pellet. Wenn man die Rüben
nicht zu einem feinen Brei hat schleifen können, sondern gröberen Rübenbrei an-
wendet, so kann man auch hier wie bei der Alkoholbrei-Polarisation mit heißem

1) Deutsche Zuckerindustrie 1896, 2464.
        <pb n="624" />
        ﻿602

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Wasser behandeln. Die Normalmenge Brei wird in den Kolben gegeben, mit

4—5 ccm Bleiessig versetzt, der Kolben bis zu 4/5 mit Wasser aulgefiillt und
1/2—1 Stunde bei 76—80° im Wasserbade erwärmt; darauf kühlt man ab, entfernt
den Schaum durch Äther, füllt bis zur Marke auf, filtriert und polarisiert nach
Zusatz von 1—2 Tropfen Essigsäure, wie üblich.

Alle diese Verfahren, Alkohol- wie Wasser-, kalte wie warme Behandlung,
liefern gute und übereinstimmende Ergebnisse, wenn die angegebenen Vorschrifts-
maßregeln beachtet werden. Jedoch ist die warme Alkoholextraktion am ge-
nauesten und für wissenschaftliche Untersuchungen am meisten zu empfehlen. Für
Massenbestimmungen wendet man die von Müller verbesserte PelletscheDurch-
flußröhre an, welche eine ununterbrochene Polarisation gestattet. Die Eöhre hat
an beiden Enden dicht vor den Deckgläsern zwei B,ohrstutzen, durch welche man
mittels Hebevorrichtung die Zuckerlösungen ununterbrochen ein- und austreten
lassen kann.

2. Untersuchung des Saftes. Dieses ältere, jetzt kaum mehr angewendete Ver-
fahren der Untersuchung der Zuckerrüben für technische Zwecke besteht darin, daß
man die von Wurzelfasern, Eübenköpfen und anhaftender Erde usw. befreiten Eüben1)
entweder zu feinem Brei zerreibt oder mit einer kleinen Scknitzelmaschine zu
Schnitzeln zerschneidet, Brei oder Schnitzel zwischen geeigneten dichten Preßtüchern
mittels einer Spindel- oder hydraulischen Presse gehörig auspreßt, den in eine
Flasche gefüllten Saft durch Evakuieren mittels der Wasserstrahlpumpe von Luft
befreit und den Saft zu folgenden Bestimmungen benutzt:

a)	Spezifisches Gewicht. Dieses kann mit dem Pyknometer oder noch bequemer
mit der Westphalschen Wage ermittelt werden (vergl. unter Milch. S. 449;. Unter Umständen
wägt man die zur Polarisation abgemessenen 100 oder 60 ccm des Saftes und erfährt auf
diese Weise gleichzeitig das spezifische Gewicht. Auch kann man hierfür gute Aräometer
verwenden; für Zuokerlösungen insbesondere hat Balling eigene Aräometer angefertigt,
welche nicht das spezifische Gewicht, sondern direkt die Zuckerprozente augeben und daher
„Saccharometer“ genannt werden; hätte man z. B. eine reine Zuckerlösung von 1,07441
spezifischem Gewicht, so würde die Skala des Saccharometers an dem Punkt, bis zü welchem
dasselbe in jene Lösung einsinkt, die Zahl 18,0 tragen, die Lösung also in 100 Gewichts-
teilen = 18,0 Teile Zucker enthalten.

Später hat Brix die Saccharometerskala von Balling aufs neue berechnet und
revidiert; indes haben sich nur geringe Differenzen herausgestellt, welche für die Praxis
keine Bedeutung haben. Saccharometergrade (oder Zuokerprozente) nach Balling und
Brix sind daher im wesentlichen gleich, indes werden die nach dem spezifischen Gewichte
abgelesenen Zuokerprozente bei Eübensäften allgemein als „Grade Brix“ aufgeführt.
Über die den einzelnen spezifischen Gewichten entsprechenden Grade Brix und Beaumö
vergl. am Schluß Tabelle XIII und XIV.

Selbstverständlich bedeuten die für ZuckerrübensafLLösung gefundenen Grade Brix
nicht reinen Zucker, sondern schließen auch die „Nichtzuckerstoffe“ mit ein; sie geben
daher einen mehr oder weniger genauen Ausdruck für „gesamte feste Stoffe“ des Saftes.
Um die wirkliche Zuckermenge des Saftes zu linden, wird ein weiterer Teil des Saftes:

b)	zur Bestimmung der Saccharose durch Polarisation verwendet.
100 ccm des Eübensaftes werden in einem Kölbchen, in dessen Halse sich eine Marke
für 100 ccm und eine solche für 110 com befindet, genau bis zur zweiten Marke — nötigenfalls
unter Anwendung von etwas Äther zur Beseitigung , des Schaumes — mit 10 ccm Bleiessig
(die Bereitung siehe am Schluß unter Lösungen) versetst, tüchtig durchgemischt und 10

*) Hat man eine größere Anzahl Rüben, so nimmt man entweder nur die Hälfte
oder ein Viertel der der Länge nach geteilten Rübe.
        <pb n="625" />
        ﻿Untersuchung des Saftes der Zuckerrübe.

603

bis 15 Minuten ruhig hingestellt. Statt 100 ccm Saft kann man auch 60 ccm und 5 ccm
Bleiessig nehmen.1)

Der geklärte Saft wird durch ein trocknes Faltenfilter filtriert und alsbald polarisiert;
um die durch Zusatz von Bleiessig bewirkte Verdünnung auszugleiohen, polarisiert man
im 220 mm-Rohr, oder wenn man in einem 200 mm-Bohr polarisiert, erhöht man die
Zahl um 1/10.

In den Zuckerfabriken wird für gewöhnlich der Polarisationsapparat von Soleil-
Yentzke-Scheibler angewendet, bei welchem 1 Grad Drehung im 200 mm-Eohr 0,26048 g
Saccharose in 100 ccm der polarisierten Flüssigkeit entspricht.

Hat man daher für einen Zuckersaft im 200 mm-Eohr 52,8° Drehung gefunden, so
berechnet sich der Zuckergehalt in 100 Eaumteilen Saft wie folgt:

(52,8 -|- 5,28) x 0,26048 = 16,13 g Zucker in 100 ccm Saft.

Um hieraus den Zuckergehalt in Gewichtsprozenten des Saftes zu finden, muß man
diese Zahl noch durch das spezifische Gewicht des Saftes dividieren; ist das letztere zu

1,07397 (entsprechend

17,9° Brix) gefunden,

so sind:

15,13

1,07397

= 14,08 Gewichtsprozente

Zucker im Saft.

Für den Fabrikbetrieb hat man besondere Hilfstabellen berechnet, aus denen unter
gleichzeitiger Hinzuziehung der bezüglichen spezifischen Gewichte der Zuckergehalt ohne
weiteres in Gewichtsprozenten ersehen werden kann; die Schmitzschen Tabellen tragen
dabei auch der (allerdings geringen) Veränderlichkeit der spezifischen Drehung Rechnung.

Für die anderen Polarisationsapparate gelten die S. 599 angegebenen Drehungswerte.

Anmerkung. Da der durch Bleiessig entstehende Niederschlag einen nicht un-
bedeutenden Eaum einnimmt, so wird die im Meßkölbchen bis zur Marke verdünnte Zuckerlösung
ein etwas geringeres Volumen als 100 bezw. 50 ccm besitzen; sie ist daher zu konzentriert
und fällt bei Zuckerrübensäften der abgelesene Zuckergehalt um etwa 0,15—0,17 °/0, bei
Füllmassen, bei dem sog. 2. und 3. Produkt um 0,25 °/0, bei Melassen um 0,63 °/0 zu
hoch aus. Um diese Zahlen muß daher das Ergebnis der Untersuchungen vermindert werden,
um ganz richtige Zahlen zu erhalten.

Statt Bleiessig wird auch nach Scheiblers Vorgänge wohl Tonerdehydrat2) als
Klärmittel angewendet; dasselbe eignet sich aber mehr zur Beseitigung von Trübungen
als zum Entfernen von Farbstoffen.

Wird eine zuckerhaltige Flüssigkeit durch Bleiessig allein nicht hell und klar, so
wendet man auch wohl gleichzeitig Knochenkohle an; hierbei ist jedoch zu berück-
sichtigen, daß letztere je nach ihrer Beschaffenheit eine verschiedene Menge Zucker absorbiert.
Man muß daher in jedem Falle das Absorptionsvermögen der Knochenkohle gegen reine
Saccharoselösungen feststellen und darnach eine Korrektion anbringen; 3—6 g getrocknete
Knochenkohle absorbieren z. B. aus Zuckerlösungen mit den Normalgewichten Zucker
(S. 598) zwischen 0,3—0,5 °/0 Zucker und sind daher die Ergebnisse um diese Zahlen zu
erhöhen.

o) Bestimmung der Nichtzuokerstoffe (Wasser) und des Eeinheits-
fiuotienteu. Unter „Eeinheitsquotientcn“ versteht man die Zahl, welche augibt. wie-
viel Prozente Zucker in 100 Gewichtsteilen Trockensubstanz des Saftes enthalten sind.
Fin Rübensaft ist um so besser, je größer dieser Quotient ist, und umgekehrt.

Für gewöhnlich betrachtet man die Angabe der Brixschen Spindel oder die nach
dem spezifischen Gewicht abgelesenen Saccharometergrade als Angabe der Trockensubstanz

*) Sollten die Rübensäfte auf diese Weise nicht klar werden, so mißt man mit der
Pipette 100 oder 50 ccm ab und versetzt diese in einem Kölbchen mit der doppelten
Menge Bleiessig; die gefundenen Grade müssen dann um 1/5 statt um 1/10 erhöht werden.
■) Dasselbe wird durch Fällen von Aluminiumsulfat oder Alaun mit Ammoniak und
üswaschen des Niederschlages bis zum Verschwinden der alkalischen Reaktion gewonnen.
        <pb n="626" />
        ﻿604

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation,

des Saftes und berechnet, wenn wie oben für einen Zuckersaft 18,0° Brix und 14,08°/0
Zucker gefunden sind, den Eeinheitsquotienten nach der Gleichung:

x : 100 = 14,08 :18,0 oder x =

100x14,08

18,0

= 78,2 0

Io-

Dieses ist aber nur der scheinbare Reinheitsquotient; um den wirklichen Rein-
heitsquotienten zu finden, muß man den Gehalt des Rübensaftes an Wasser bezw. an
Trockensubstanz direkt ermitteln.

Man bringt zu dem Zweck in trockne flache Porzellanschälchen etwa 20 g ab-
gesiebten geglühten Quarzsand und ein entsprechend kleines Glasstäbchen, wägt, gibt 10 bis
20 ccm Rttbensaft hinzu, wägt wieder und stellt das Ganze nach innigem Vermischen des
Saftes mit dem Sand in einen Trockenschrank; läßt sich der Zuckersaft nicht gleich mit
dem Sand innig vermengen, so stellt man das Schälchen 15—30 Minuten in den Trocken-
schrank, bis der Saft flüssiger geworden ist, verreibt alsdann die Masse miteinander und
trocknet bei 105—110° bis zur Beständigkeit des Gewichtes.

Die Differenz zwischen der Summe (Wasser -f- Zucker) von 100 gibt die Menge
Niehtzucker; ist also z. B. der Wassergehalt zu 82,42 °/0 gefunden, so ist

Wasser............... 82,42 °/0,

Zucker...............14,08 „

also Niehtzucker .	.	3,50

oder der wirkliche Eeinheitsquotient

14,08 x 100
17,58

80,09 o/o.

Durch Multiplikation des gefundenen Zuckergehaltes mit den Reinheits-
quotienten (scheinbarem oder wirklichem) und durch Division mit 100 erhält man die

14 08 x 78 2

Stammersohe Wertzahl (scheinbare oder wirkliche), also —2—iöö—' = 11,01
(scheinbare Wertzahl) und 14,08= p 1,88 (wirkliche Wertzahl).

3. Bestimmung des Wassers. Die Bestimmung des Wassers wird gewöhnlich
mit dem Rübenbrei ausgeführt. Etwa 10 g des Breies werden in einen flachen
Tiegel (von Kupfer oder Nickel oder Porzellan von etwa 5—6 cm oberem Durch-
messer und 3 cm Höhe) abgewogen, darin tunlichst locker geschichtet, anfänglich
bei 50—60°, zuletzt bei 105—110° bis zur Gewichtsbeständigkeit getrocknet. Hat
man „geschliffenen“ Brei, so verreibt man denselben zweckmäßig mit in dem Tiegel
vorher ausgetrockneten Quarzsande.

Soll für eine ausführliche Untersuchung der Zuckerrübe eine größere Menge
lufttrockner Rübenmasse gewonnen werden, so verfährt man wie bei „Futterrüben“
nach S. 266.

4. Bestimmung des Mark- bezw. Saftgehaltes, a) Durch Auswaschen des
Rübenbreies. Etwa 20 g des möglichst feinen und von gröberen Stücken gänzlich
freien Breies werden auf einem Tarierblech von Neusilber abgewogen, in ein Becher-
glas gebracht, mit etwa 400 ccm Wasser übergossen und damit unter Umrühren
20—25 Minuten in Berührung gelassen. Darauf saugt man die überstehende
Flüssigkeit mittels der Wasserstrahlpumpe ab, indem man in das Becherglas ein
trichterförmig ausgezogenes Glasrohr taucht, dessen trichterförmiger Ansatz (von

1,5	cm Weite) mit einem enganschließenden Pfropfen von feinem Pilz (Klavierfilz)
versehen ist. Sobald der Rückstand im Becherglase hinreichend trocken erscheint,
gießt man neues Wasser auf den Rückstand und wiederholt diese Behandlung so
oft, wie noch lösliche Stoffe an das Wasser abgegeben werden (vergl. auch S. 219,
Fig. 33).
        <pb n="627" />
        ﻿Dünnsaft, Dicksaft, Sirupe, Melassen, Füllmassen, Rohzucker usw.

605

Schließlich bringt man den Rückstand auf ein vorher getrocknetes und ge-
wogenes Filter, spült die an dem Filzfilter hängenden Reste vollständig aufs Filter,
wäscht noch einige Zeit mit heißem Wasser aus, zuletzt 2—3-mal mit Alkohol,
darauf mit Äther, trocknet den Filterrückstand anfangs bei mäßiger Temperatur,
später vollständig hei 100—110°, wägt und verascht. Die Asche (abzüglich der
Filterasche) wird von dem Gesamttrockenrückstand abgezogen und der Rest als
aschefreies Mark in Rechnung gebracht.

Angenommen, es sind 20,0 g Rübenbrei angewendet, welche 0,889 g Trocken-
rückstand mit 0,012 g Asche ergeben haben, so beträgt der Markgehalt 0,877 g oder
4,38 °/0; es sind dann 100— 4,38 = 95,62 °/0 Saft in der Rübe.

b)	Durch Berechnung. Man kann auch den Trockensubstanzgehalt der
Rübe und den des Saftes bestimmen und so den Saftgehalt der Rübe nach der Gleichung:

Saftgehalt x =

100 (100 — a)
100 —b

berechnen, worin a den Trockensubstanzgehalt der ganzen Rübe, b den des Saftes
bedeutet.

Dieses Verfahren ist aber umständlicher und weniger genau, weil sich der
zuckerreiche Rübensaft nur sehr schwierig austrocknen läßt.

III.	Dünnsaft, Dicksaft, Sirupe, Melassen, Füllmassen, Rohzucker,
Absüfswasser und Abfalllauge.x)

1. Bestimmung des Zuckers. Der Dünnsaft pflegt genau wie vorstehend
der Rübensaft untersucht zu werden. Bei Dicksaft, Sirupen, Melassen, Füllmassen
und Rohzucker wird entweder das Normalgewicht (vergl. S. 598) abgewogen oder
sie werden stärker verdünnt und der Gehalt wie üblich berechnet.

Angenommen", es seien 12,121 g Füllmasse in 50 ccm Wasser gelöst und
das Filtrat polarisiere im 200 mm-Rohr im Ventzke-Soleil-Scheiblersehen
Apparat 75,6°, so entsprechen diese = 75,6 x 0,13024 = 9,846 g Zucker oder in
Prozenten: 12,121 ; 9,846 = 100 : x (x = 81,2 °/0). Bei Verdünnung auf 100 ccm
statt auf 50 ccm wäre statt mit 0,13024 mit 0,26048 zu multiplizieren, dann aber
auch nur die halbe Drehung gefunden worden.

Sind weiter z. B. 25,5 g Melasse mit heißem Wasser gelöst, nach dem
Erkalten mit Bleiessig geklärt, auf 250 ccm aufgefüllt und hat das Filtrat in
dem genannten Apparat 18,1° polarisiert, so enthält die Lösung in 50 ccm =

25 5

18,1	x 0,13024 = 2,3573 g Zucker, oder da 50 ccm der Lösung = —= 5,1 g
Melasse entsprechen, so enthält dieselbe in Prozenten:

5,1	; 2,3573 = 100 : x (x = 46,2 °/0 Zucker).

Wenn man wie sonst auf 100 ccm zurückführt, so sind die Drehungsgrade mit
0,26048 zu multiplizieren; 100 ccm der Lösung enthalten aber 25,5 x | = 10,2 g

Melasse, so daß bei Berechnung auf Prozente dasselbe Ergebnis herauskommt.

Die Absüßwässer (von den Filtern, Diffuseuren, Osmoseapparaten usw.)
müssen bei dem geringen Zuckergehalt für Zwecke der Polarisation erst unter Zu-
satz von einigen Tropfen Natriumkarbonatlösung oder Kalkmilch auf dem Wasser-

.	0 Vergl. R. Frühling, Anleitung zur Untersuchung der für die Zuckerindustrie

in Betracht kommenden Rohmaterialien usw. Braunschweig 1903.
        <pb n="628" />
        ﻿606

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

bade eingedickt werden. Angenommen, es seien 500 ccm des Absüßwassers auf
50 ccm eingedampft, in ein 100 ccm-Kölbchen gespült, mit einigen Tropfen Blei-
essig geklärt, auf 100 ccm auf gefüllt und das Filtrat habe im Soleil-Ventzke-
Scheibler-Apparat 2,6° polarisiert, so enthalten die 100 ccm = 2,6 x 0,26048
= 0,68 g Zucker, also das Absüßwasser in Prozenten:

500 : 0,68 = 100 : x (= 0,14 % Zucker).

Die Abfalllauge von der Reinigung des Kalksaccharates wird in folgender
Weise auf Zucker untersucht: 50 ccm derselben werden erst mit Essigsäure neu-
tralisiert, der Uberschuß an letzterer tropfenweise mit einer Lösung von Natrium-
karbonat versetzt, bis ein bleibender Niederschlag von Calciumkarbonat entsteht,
darauf in ein 100 ccm-Kölbchen gespült, mit Bleiessig geklärt und zur Marke auf-
gefüllt. Angenommen, das Filtrat habe im Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat
5,6° polarisiert und die gleichzeitige Bestimmung des spezifischen Gewichtes der Lauge
habe 1,0426 ergeben, so ist: 5,6 x 0,26048 = 1,4587 g in 100 ccm halbverdünnter
Lauge, also in der ursprünglichen Lauge 1,4559 X 2 = 2,9174 Volumprozent
Zucker

2 9174

oder	= Gewichtsprozent.

Bei Benutzung der anderen Polarisationsapparate werden die diesen Drehungs-
graden entsprechenden Werte (S. 599) bei der Berechnung zugrunde gelegt.

2.	Bestimmung der Saccharose neben Invertzucker usw. a) Durch Polari-
sation. Die Drehungsgrade entsprechen bei den Zwischenprodukten, besonders
bei den Nachprodukten aus der Melasseverarbeitung nicht immer wirklicher Saccha-
rose; denn dieselben enthalten vielfach nicht unerhebliche Mengen Verbindungen
von anderem und wie bei Invertzucker von entgegengesetztem Drehungsvermögen.
Wenngleich in der Praxis der Zuckerfabrikation der Gehalt einfach nach den
Drehungsgraden bemessen wird, so mag hier doch erwähnt werden, wie bei einem
Gehalt an Invertzucker und sonstigen invertierbaren Stoffen der wahre Saccha-
rosegehalt durch Polarisation gefunden werden kann.

Man polarisiert nämlich vor und nach der Inversion bei einer bestimmten
Temperatur (T) und setzt die durch die Inversion bewirkte Drehungsverminderung
(S) in die Clergetsche, später von Tuchschmid verbesserte Formel, nämlich:

R (gesuchter Saccharosegehalt) = 142 (jg —^5 x~T)'

Es' wird das halbe Normalgewicht des Zuckerproduktes abgewogen, also
13,024 g in 100 ccm für den Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat, und diese
Lösung nach der Klärung wie üblich polarisiert.

Dieselbe Menge Substanz übergießt man in einem 100 ccm-Kölbchen mit
75 ccm Wasser, fügt 5,0 ccm konzentrierte reine Salzsäure von 1,18 spezifischem
Gewicht hinzu, erwärmt 71/a Minuten1) in einem Wasserbade von 67—70°, kühlt
etwas ab, übersättigt schwach mit einer Lösung von kohlensaurem Natrium, säuert
mit Essigsäure wieder an, kühlt vollständig auf die Anfangstemperatur ab, füllt,

*) Nach der ursprünglichen Vorschrift soll man in 50 com Wasser lösen und 15 bis
20 Minuten erwärmen. Dammüller, Strohmer und Cech weisen aber darauf hin, daß
auf diese Weise Invertzucker zerstört werde.
        <pb n="629" />
        ﻿Dünnsaft, Dicksaft, Sirupe, Melassen, Füllmassen, Rohzucker usw.

607

ohne mit Bleiessig zu klären,1) mit Wasser bis zur Marke auf, mischt, filtriert
und polarisiert.

Angenommen, ein Nachprodukt habe, auf Normalgewicht berechnet, im Soleil-
Ventzke-Scheibler-Apparat vor der Inversion + 93,4° polarisiert, nach der
Inversion—15,0°, so ist letztere Drehung wegen der Verdünnung von 50 ccm
auf 100 ccm nochmals mit 2 zu multiplizieren, also beträgt die ganze Drehungs-
verminderung 93,4 + 15 x 2 = 123,4°; ist die Temperatur der Lösung 20° gewesen,
so ist nach obiger Formel der wahre Saccharosegehalt:

R =

100 x 128,4

12340

oder da

100

142,66 — (20 X 0,5)	132,66

100

93,0 o/o

142,66 — (20 x 0,5)	132,66

= ■ ..p= 0,7538 ist, so kann man auch die gesamte

Drehungsverminderung mit 0,7538 (also 123,4 x 0,7538 = 93,0) multiplizieren.

Die Konstante 142,66 setzt die Anwendung des halben Normalgewichtes (13,024 g)
bei der Beobachtung voraus. Hat man eine andere Zuckermenge in der invertierten und
polarisierten Lösung, so ändert sich die Konstante und ist z. B,:

für g Zucker
in 100 ccm

1,0	==	141,85

2.5	=	141,95

5,0	=	142,12

7.5	=	142,28

für g Zucker
in 100 ccm

10,0	= 142,46

12,5	=	142,63

15,0	=	142,75

20,0	=	143,13.

(Vergl. die zolltechnischen Vorschriften weiter unten.)

h)	Durch Gewichtsanalyse. Bei geringen Mengen Invertzucker in den
Fabrikationserzeugnissen bestimmt man den Invertzucker gewichtsanalytisch, wobei
man jedoch, wenn ein Überschuß von Kupferlösung2) auf ein Gemenge von viel
Saccharose und wenig Invertzucker einwirkt, besondere Korrektionen anbringen muß.

Man verfährt dann nach A. Herzfeld z. B. für Rübenzucker, welcher
weniger als 1 °/0 Invertzucker enthält, wie folgt:

25 g der Probe werden mit Bleiessig zu 100 ccm gelöst, 60 ccm des Filtrats
zur Entfernung des Bleies mit kohlensaurem oder schwefelsaurem Natrium versetzt
und zu 75 ccm aufgefüllt; hiervon werden 50 ccm (= 10 g Substanz) mit 60 ccm
Fehlingscher Lösung erhitzt, das Kochen 2 Minuten lang unterhalten und das
ausgeschiedene Kupferoxydul als Kupfer gewogen. Folgende Tabelle gibt die dem
gefundenen Kupfer entsprechende Menge Invertzucker direkt in Prozenten:

Milligramm Kupfer	Prozent Invertzucker
50	0,060
100	0,300
150	0,562
200	0,847
250	1,127.

E. Meißl hat nach seinem Verfahren S. 230 in derselben Weise solche
vorrektionswerte für Gemische von 90—99 °/0 Saccharose und 10—1 °/0 Invertzucker
uufgostellt und z. B. folgende Beziehungen gefunden:

l)	Zeigt sich die Flüssigkeit gefärbt, so wird sie nach der Behandlung mit Salzsäure
-0^1,0 g Blutkohle geschüttelt und schließlich durch ein doppeltes trocknes Filter

2)	Wenn man dagegen einen Überschuß von Kupferlösung vermeidet also genau
»ach dem Soxhletschen Titrier-Verfahren S. 227 verfährt, so wird nach E. Meißls Ver-
suchen durch die Saccharose keine Fehlingsche Lösung verbraucht.
        <pb n="630" />
        ﻿608

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Reine Invertzuoker- lösungen		1 °/0 Invertzucker,  99 °/0 Saccharose		5 °/0 Invertzucker,  96 °/0 Saccharose		10 °/0 Invertzucker. 90 °/0 Saccharose	
Kupfer  mg	InverL  zuoker  mg	Kupfer  mg	Invert-  zucker  mg	Kupfer  mg	Invert-  zucker  mg	Kupfer  mg	Invert-  zucker  mg
96,0	50	131,5	50	103,2	50	98,0	50
142,9	76	182,0	75	153,6	75	146,0	75
188,9	100	230,0	100	203,3	100	192,7	100
233,2	125	227,5	125	249,0	125	238,2	125
276,8	150	323,6	150	293,4	150	284,0	150
318,9	175	370,8	175	337,0	175	327,8	175
360,3	200	417,3	200	379,3	200	371,1	200
400,1	225	—	—	420,1	225	409,2	225
428,2	245	—	—	439.7	245	436,1	246

B.	Wein hat für die jedem einzelnen Gewicht Kupfer entsprechende Menge Invert-
zucker größere Tabellen berechnet, auf welche verwiesen sei.1)

Da 1 Teil Invertzucker (bei 17,5°) die optische Wirkung von 0,34 Teilen Saccharose
aufhebt, so pflegt man den gefundenen Gehalt an Invertzucker nach Meißls Vorschläge
auch mit 0,34 zu multiplizieren und diese Zahl zu dem Drehungswert zu addieren, um
den wahren Gehalt an Saccharose zu finden.

Angenommen, ein Nachproduckt habe 88,7° Drehung ergeben, der Invertzucker sei
zu 0,59°/0 gefunden; demnach wären durch die linksdrehende Wirkung des letzteren
0,59 x 0,34 = 0,20 °/0 Saccharose verdeckt, also der wirkliche Gehalt an Saccharose
= 88,7 + 0,2 = 88,9 °/0.

Dieses Verfahren gilt aber nur für den festen Kolonialzucker als zulässig, nicht aber
für die Zuckerabläufe aller Art, da in diesen der Invertzucker häufig inaktiv ist.

Um einen Zuckerablauf darauf zu untersuchen, ob er weniger als 2 °/0 Invertzucker
enthält, verfährt man nach der zolltechnischen Vorschrift wie folgt;

In einer vorher tarierten Porzellanschale werden genau 10 g des Zuckers oder des
vorher durch Erwärmen dünnflüssig gemachten Ablaufs abgewogen, in etwa 50 ccm warmem
Wasser gelöst, in der Schale oder in einem Erlenmeyer-Kolben von 200 ccm Inhalt —
bei starker Trübung der Zuokerlösung nach der Filtration — mit 50 ccm Fehlingscher
Lösung (25 com der Kupferlösung und 25 ccm der Seignettesalzlösung) versetzt, zum Kochen
erhitzt und 2 Minuten im Sieden erhalten. Nach Absetzen des Niederschlages hält man
den Kolben gegen das Licht und beobachtet, ob die Flüssigkeit noch blau ist. Erscheint
dieselbe noch blau, so sind weniger als 2 °/0 Invertzucker vorhanden.

Ist die Flüssigkeit nicht mehr blau, so löst man abermals 10 g Zucker oder Zucker-
ablauf in 100 ccm Wasser,-) pipettiert hiervon 2, 4, 6, 8 ccm (also 0,2, 0,4, 0,6 und 0,8 g
Zucker entsprechend) in ein Reagensgläschen, mischt jede Probe mit 5 ccm Fehlingscher
Lösung und erhitzt dieselben der Reihe nach zum Kochen. Bleibt die Flüssigkeit bei An-
wendung von 4 ccm der Zuckerlösung noch blau, ist sie aber bei 6 ccm derselben entfärbt, so
darf man zur quantitativen Bestimmung des Invertzuckers auf 50 ccm Fehlingsche
Lösung nur 4 g des Zuckers oder des Zuckerablaufea verwenden, dagegen 6 g desselben,
wenn die 5 ccm Fehlingsche Lösung durch 6 ccm obiger Zuckerlösung noch blau er-
scheinen, durch 8 ccm derselben aber entfärbt werden.

3. Bestimmung der Rafflnose. In ähnlicher Weise wie der Invertzucker wird
auch nach E. Creydt8) die Raffinose (C18Hg2016 + 5H20), welche sich hei der * 2 3

Ü E. Wein, Tabellen zur quantitativen Bestimmung der Zuckerarten. Stuttgart 1885.

2)	Dieselben werden, wenn nötig, mit etwas Bleiessig, aber unter Vermeidung eines
größeren Überschusses geklärt.

3)	Zeitschr. d. deutschen Vereins f. Rübenzuckerindustrie 1888, 972.
        <pb n="631" />
        ﻿Dünnsaft, Dicksaft, Sirupe, Melassen, Füllmassen, Rohzucker usw.

609

Entzuckerung von Melasse durch Strontian bildet und 1,57-mal so stark nach rechts
dreht als Saccharose, durch Polarisation vor und nach der Inversion bestimmt.

A.	Herzfeld und Dammüller1) haben diesem Verfahren folgende genaue
Form gegeben;

Das halbe Normalgewicht (nämlich 13,024 g für den Soleil-Ventzke-
Scheibler-Apparat) von raffinosehaltigen Zuckerprodukten wird im 100 ccm-Kolben
in 75 ccm Wasser gelöst und mit 5 ccm Salzsäure (von 38,8 °/0 Gehalt an HCl)
71/2—10 Minuten auf 67—70° erwärmt. Nach dem Abkühlen, Auffüllen zur Marke
und Klären mit durch Salzsäure ausgewaschener Knochen- oder Blutkohle wird
die Beobachtung bei 20 0 ausgeführt. Zur Berechnung des Ergebnisses dienen folgende
2 Formeln:

„	. 0,5182 P — J , /T&gt;	P —Z

Z (Saccharose) = —Ö839Ö  un&lt;^ ^ (^a™ose) = Ysö2~’

in welchen P = direkte Polarisation,

J = Polarisation nach der Inversion für das ganze Normalgewicht mit
Umkehrung des Vorzeichens bedeutet.2) Vergl. auch weiter unten unter „Aintl.
Vorschriften“.

Hat man bei einer anderen (t) Temperatur als 20° polarisiert, so berechnet
sich die Größe für die Temperatur 20° nach der Formel:

J20 = Jt + 0,0038 S (20 - t),

worin S die Drehungsverminderung in der Clergetsehen Formel bedeutet.

Diese Formeln, sowie Tabellen und Anweisungen zur Anwendung sind in den Aus-
führungsbestimmungen zum Zuckersteuergesetz vom 18. Juni 1903 enthalten (vergl. weiter
unten).

B.	Tollens3) hält folgende Formel:

_ 0,5182 P — J
~	0,8448

für richtiger.

Th. Breyer4) hat vorstehendes Verfahren auch für andere Temperaturen als 20°
eingerichtet.

Wenn in den auf Raffinose zu untersuchenden Erzeugnissen 2 °/0 Invertzucker und
Ulehr vorhanden sind, liefert das Verfahren keine genauen Ergebnisse mehr. Um auch in
diesen Fällen die Untersuchung zu ermöglichen, bestimmt J. Wortmann5) zuerst den
Invertzucker durch Fehlingsche Lösung, setzt die von diesem herröhrende Linksdrehung
in die Rechnungen ein und berechnet den Gehalt nach umfangreichen Formeln, auf welche
ich nur verweisen kann.

*) Zeitschr. d. deutschen Vereins f. Rühenzuckerindustrie 1889, 722 u. 742: desgl.
40, 265.

2)	Da die Polarisation nach der Inversion stets negativ (—) ist, so ist der Betrag

ner Linksdrehung, da — (— J) = -j- J ist, stets zu addieren und lautet die Formel in Wirk-
lichkeit • Z =	x P -f- J)

0,8390 “	'

Polarisiert ein Nachprodukt z. B. vor der Inversion = -f- 94,5, nach der Inversion
'	43,8°, so berechnet sich der Gehalt an Saccharose nach der Formel zu 90,6 °/0, da

„	(0,5182 x 94,5) + (2 x 13,8) _ 76,0218 _

Z--------0,8390---------- 0^390“ -9U’6 lst

3)	Centralbl. f. Agrikultur-Chemie 1890, 19, 131.

9 Chem.-Ztg. 1889, 18, 559.

6) Zeitschr. d. Vereins f. Rühenzuckerindustrie d. Deutschen Reiches 39, 767.
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	39
        <pb n="632" />
        ﻿610

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

J.	W. Gunning1) behandelt die raffinosehaltigen Zuckererzeugnisse zuerst mit
Methylalkohol, worin die Raffinose löslich ist, und untersucht die raffinosereiohe Lösung
nach Entfernung des Methylalkohols yor und nach der Inversion.

R. Creydt* 2) schlägt auch vor, die Raffinose durch Überführung in Schleimsäure
mittels Salpetersäure zu bestimmen, hat aber bis jetzt noch kein bestimmtes Verhältnis
zwischen Raffinose und Schleimsäure angegeben.

4.	Bestimmung des Wassers. In ein flaches Porzellanschälchen bringt man
20—25 g ausgeglühten Quarzsand, sowie ein kleines Glasstähchen und wägt das
Ganze; darauf gibt man die betreffenden Zuckererzeugnisse (bei Füllmassen und
Melassen 4—5 g, hei Dicksäften 8—10 g, bei Dünnsäften usw. entsprechend mehr)
und wägt abermals; die Dünnsäfte lassen sich gleich mit dem Sande mittels des
Glasstähchens vermischen; hei Melasse usw. stellt man das Schälchen 15—30 Minuten
bezw. so lange in den auf 100° erwärmten Trockenschrank, bis sich die Masse
verflüssigt hat und breiartig mit dem Sande vermischen läßt. Dann trocknet man
im Trockenschrank 4—6 Stunden bei 105—110°, wägt nach dem Erkalten und wieder-
holt das Trocknen 1/2—1 Stunde, bis Beständigkeit des Gewichtes eingetreten ist.

Für sehr genaue Bestimmungen empfiehlt sich bei derartigen Säften ein Aus-
troeknen bei 100° im Vakuum.

5.	Bestimmung der Asche. Zur Bestimmung der Asche in zuckerhaltigen
Flüssigkeiten muß man eine abgewogene Menge erst eindunsten, dann verkohlen,
die Kohle mit Wasser ausziehen und schließlich unter Zuhilfenahme von Sauerstoff
verbrennen (vergl. S. 195).

Oder man verfährt zur Beschleunigung auch nach Scheiblers Vorschläge in
der Weise, daß man die zuckerhaltige Flüssigkeit (etwa 3 g Trockensubstanz ent-
sprechend) in eine flache Platinschale gibt, zur Trockne bringt, dann mit reiner
konzentrierter Schwefelsäure vollständig durchfeuchtet, nach einigen Minuten über
einer möglichst großen Flamme erhitzt und schließlich im Gasmuffelofen völlig
weiß brennt.

Da der mit Schwefelsäure vermischte Zuckerrückstand aufbläht und sogar
beim Erhitzen die kohlige Masse über die Schalewandung übersteigt, so empfiehlt
es sich, die Schale mit einem äußerst sauberen Dreifuß auf Glanzpapier zu stellen,
um die übergestiegenen Kohlenteilchen wieder in die Schale zurückfüllen zu können.

Von der bei Anwendung von Schwefelsäure erhaltenen Asche werden 10 °/0
abgezogen. Zur Bestimmung der einzelnen Aschenbestandteile verfährt man nach

S.	200.

6.	Bestimmung der Farbe. Zur Bestimmung der Farbe der verschiedenen
zuckerhaltigen Fabrikationserzeugnisse und auch zur Bestimmung der Entfärbungskraft
der Knochenkohle dient allgemein das Stammersche Farbenmaß, welches nach
Stamm ers Beschreibung (Fig. 268, S. 611) besteht:

1.	Aus der weiten Saftröhre'I, unten durch eine Glasscheibe geschlossen, oben offen
und seitlich mit einer Erweiterung zum Ein- und Ausgießen der Flüssigkeiten, Die Saft-
röhre ist an dem Stativ mittels zweier Schrauben befestigt und kann erforderlichenfalls
(behufs Reinigung usw.) leicht abgenommen werden.

2.	Aus der Maßröhre III, unten mit einer Glasscheibe verschlossen und innerhalb
der Saftröhre 1 beweglich.

3.	Aus der Farbenglasröhre II, mit III fest verbunden, unten offen, oben mit dem
Farbenglas bedeckt; sie ist mit ihrem unteren Ende mittels zweier Ringe mit Schrauben

*) Zeitschr. f. anal. Chemie 1889, 28, 45.

2) Ebenda 1894, 33, 255. Vergl. hierzu J. Herzfeld ebendort S. 256 und Zeitschr.
f. Rübenzuokerindustrie 40, 265.
        <pb n="633" />
        ﻿Dünnsaft, Dicksaft, Sirupe, Melassen, Füllmassen, Rohzucker usw.	611

fest, aber leicht lösbar mit der Gleitplatte verbunden, welche gemeinschaftlich mit anderen
Führungen die senkrechte Verschiebung der verbundenen Röhren II und III sichern. Der
Grad dieser Verschiebung wird an der Rückseite des Stativs mittels Indikators an einer
Millimeterskala abgolesen, deren Bruchteile noch geschätzt werden können.

Das Farhenglas besteht aus
zwei verbundenen Glasscheiben;
die so hervorgebrachte Färbung ist
als Normalfarbe mit 100 bezeichnet.

Außerdem sind dem Instrumente
zwei einfache Farbengläser bei-
gegehen, die an Stelle des Normal-
glases benutzt werden können;
man erhält so die halbe, anderthalb-
fache oder doppelte Normalfarhe
zur Benutzung bei sehr hellen oder
sehr dunklen Flüssigkeiten. Außer-
dem befindet sich an dem In-
strumente ein matter, weißer
Spiegel, der das gleichmäßig zer-
streute Licht in passendem Winkel
Von unten in die Böhren wirft,
und über den Röhren eine Augen-
kapsel V. Letztere enthält eine
optische Vorrichtung, infolge derer
die beiden gleich oder ungleich
gefärbten Sehfelder als unmittelbar
uneinanderstehende Halbkreise (wie
heim Polarisationsinstrumente) er-
scheinen ; die Einstellung wird
dadurch wesentlich erleichtert und
genauer gemacht. Bei der ein-
facheren Form des Instrumentes
ist nur eine Kapsel ohne optischen
Apparat vorhanden; die zu ver-
gleichenden Farben stellen sich
dann als zwei nebeneinander
liegende Kreise dar.

Man stellt das Instrument
80 gegen das Licht und gibt dem
Spiegel eine solche Neigung, daß
beim Hineinsehen durch die Augen-
kapsel und nach Entfernung des
Parbenglases die Sehfelder beider
Böhren hell erscheinen. Nun legt
Ulan das Farbenglas mit seiner
Passung auf die Röhre II und füllt	Fig- 268. Stammers Farbenmaß.

die Flüssigkeit, deren Farbe ge-

messen werden soll und die vollkommen klar (also hei wahrnehmbarer Trübung durch doppeltes
Pütrierpapier filtriert) sein muß. in die Saftröhre I, welche ebenso wie die Maßröhe III mit ihrer
Glasscheibe und Schraubenkapsel vollkommen dicht verschlossen wird. (Die Verschluß-
schraube bestreicht man zweckmäßig mit etwas Talg. Nun verschiebt man die verbundenen
Maß- und Farbenröhren II und III so weit, bis die Farbe der zwischen den beiden Deck-
gläschen der beiden Röhren I und II befindlichen Flüssigkeitsschicht derjenigen des
Parbengläschens entspricht, indem beide von oben bei dem Lichte betrachtet werden,
welches von dem Spiegel aufwärts durch die Röhre reflektiert wird. Der Nullpunkt der
        <pb n="634" />
        ﻿612

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Skala entspricht der unmittelbaren Berührung der Deckgläschen der Saft- und der Maßröhre;
eine solche kann aber infolge des Vorhandenseins einer Verschlußkapsel bei III nicht
stattflnden, aus diesem Grunde läßt sich das Maßrohr nicht gänzlich bis zum Nullpunkt
der Skala herabsohiebeu. Auch ist bei Verschluß der Röhren ein etwa einzulegender
Gummiring nur zwischen Glas und Kapsel, nicht zwischen Glas und Rohr einzulegen oder
so dünn zu nehmen, daß seine Dicke vernachlässigt werden kann.

Der Stand der Maßröhre oder die Höhe der Flüssigkeitsschicht wird dann an der
Skala der Rückseite des Instrumentes abgelesen. Man tut wohl, einigemal einzustellen
und aus den Beobachtungen das Mittel zu nehmen.

Da die Farbe der Flüssigkeit im umgekehrten Verhältnis zu der Dicke der Schicht
steht, welche erforderlich ist, um eine bestimmte Farbe hervorzubringen, und diese letztere
hier durch 100 ausgedrückt wird, so erhält man die Farbe der Flüssigkeit, indem man die
abgelesene Millimeterzahl in 100 dividiert. Um diese Rechnung entbehrlich zu machen, hat
Stammer nachstehend« Tabelle berechnet, welche die den Ablesungen entsprechenden
Farbenzahlen direokt angibt:

mm	Farbe	mm	Farbe	mm	Farbe	mm	Farbe	mm	Farbe	mm	Farbe	mm	Farbe	mm	Farbe
i	100,00	15	6,67	29	3,54	43	2,33	57	1,75	71	1,41	85	1,18	98	1,02
2	50,00	16	6,25	30	3,33	44	2,27	58	1,72	72	1,39	86	1,16	99	1,01
3	33,33	17	5,88	31	3.23	45	2,22	59	1,69	73	1,37	87	1,15	100	1,00
4	25,00	18	0.00	32	3,13	46	2,17	60	1,67	74	1,35	88	1,14	110	0,90
5	20,00	19	5,26	33	3,03	47	2,13	61	1,64	75	1,33	89	1,12	120	0,83
6	16,67	20	5,00	34	2,94	48	2,08	62	1,61	76	1,32	90	1,11	130	0,77
7	14.29	21	4,76	35	2,86	49	2,04	63	1,59	77	1,30	91	1,10	140	0.71
8	12,50	22	4,55	36	2,78	50	2,00	64	1,56	78	1,28	92	1,09	150	0,67
9	11,11	23	4,36	37	2,70	51	1,96	65	1,54	79	1,27	93	1,08	160	0,63
10	10,00	24	4,17	38	2,63	52	1,92	66	1,52	80	1,25	94	1,06	170	0,59
11	9,09	25	4,00	39	2,56	53	1,89	67	1,49	81	1,24	95	1,05	180	0,56
12	8,33	26	3,85	40	2,50	54	1,85	68	1,47	82	1,22	96	1,04	190	0,53
13	7,69	27	3,70	41	2,44	55	1,82	69	1,45	83	1,20	97	1,03	200	0,60
14	7,14	28	3,67	42	2,38	66	1,79	70	1,43	84	1,19				

Die Reinigung des Instrumentes ist leicht zu bewerkstelligen. Sollen mehrere Be-
obachtungen nacheinander ausgeführt werden, so genügt nach dem Ausgießen der unter-
suchten Lösung das Ausspülen der Röhre mit der neu zu beobachtenden Flüssigkeit. Im
anderen Falle löst man die Schraube der Ringe, welche die Farbenröhre mit der Schiebe-
vorrichtung verbinden, nimmt die Röhren II und III heraus und reinigt die Saft- und
Maßröhre in gewöhnlicher Weise.

Zur Ausführung der Untersuchung löst man von einem Zucker (bezw. von
einem zuckerhaltigen Saft), dessen Gehalt an reinem Zucker durch Polarisation be-
stimmt ist, etwa 20 g oder mehr zu 100 ccm Flüssigkeit und ermittelt auf die be-
schriebene Weise deren Farbe; die berechnete oder in der Tabelle gefundene Zahl
bezieht man auf 100 Gewichtsteile reinen Zuckers. Angenommen, 20 g Rohzucker
von 90,5 °/0, zu 100 ccm aufgelöst, haben 16,0 mm Höhe bedurft, um Farhen-

gleichheit im Apparat zu bewirken, so ist die Farbe =	= 6,25.

Da die angewendeten 20 g Rohzucker nach der Gleichung:

100 ; 90,5 = 20,0 :x(= 18,1 g)

18,1	g reinen Zucker enthalten, so beträgt die Farhenzahl auf 100 Gewichtsteile
reinen Zucker bezogen:

18,1	; 6,25 = 100 : x
x = 34,5,

welche Zahl die Farbe des untersuchten Rohzuckers für 100 Teile darin enthaltenen
reinen Zuckers ausdrückt.
        <pb n="635" />
        ﻿Melassekalk, Kalksacobarat und Strontiansaccharat.

613

7. Bestimmung’ der Reinheit hezw. des Rendements oder der Ausbeute.

Wenn man Wasser, Zucker und Asche in den zuckerhaltigen Fabrikationserzeugnissen
addiert und die Summe von 100 ahzieht, erhält man aus der Differenz die
„organischen Nichtzuckerstoffe“.

Die Reinheit oder der Quotient wird gefunden, indem man den Zucker-
gehalt auf 100 Teile wirkliche Trockensubstanz bezieht (vergl. S. 603).

Unter Ausbeute, Rendement oder Raffinationswert (bei Rohzucker)
versteht man die Zahl, welche angibt, wieviel an kristallisiertem Zucker bei dem
Raffinationsprozeß aus einem Rohzucker zu gewinnen bezw. „auszubringen“ ist.

Hierbei nimmt man an, daß durch 1 Gewichtsteil der in dem Rohzucker ent-
haltenen löslichen Salze (also ausschl. Sand usw.) 5 Gewichtsteile Saccharose am
Kristallisieren verhindert und der Melasse zugeführt werden.

Man löst zur Bestimmung der löslichen Salze 20—30 g Rohzucker in Wasser,
filtriert, bringt das Filtrat auf etwa 200 ccm, verdampft die Hälfte desselben in
einer flachen Platinschale zur Trockne und verascht, wie unter 5, S. 610 be-
schrieben ist.

Angenommen, ein Rohzucker enthält 95 °/0 Zucker und 1,26 °/0 lösliche Salze,
so verhindern letztere 1,26 x5 = 6,30°/0 Zucker am Kristallisieren, also beträgt
das „Rendement“ des betreffenden Zuckers 95,0 — 6,30 = 88,7.

Auch der Invertzucker gilt als melassebildend, d. h. er vermindert die Aus-
beute; man pflegt daher im Ausfuhrhandel den gefundenen Gehalt an Invertzucker
mit 5 zu multiplizieren und von dem Polarisationsbetrage abzuziehen.

Dieses ist aber nicht genau; Stammen schlägt daher vor, Wasser und Zucker
von 100 abzuziehen und den „Nichtzucker“ (aus der Differenz) mit dem Melassen-
verhältnis zu multiplizieren, wie es die Untersuchungen der Melassen in der be-
treffenden Fabrik ergeben haben. Ist z. B. das Melassenverhältnis der betreffenden
Fabrik zu 1,6 gefunden und hat ein Rohzucker 2,0 °/0 Wasser, 95,0 °/0 Zucker und
demgemäß 3 °/0 Nichtzucker ergeben, so ist die theoretische Ausbeute = 95 — (1,6
^ 3,0) = 90,2 °/0. Vermehrt man das Melassenverhältnis um 1, also zu 2,6, so er-
hält man annähernd die wirkliche Ausbeute, nämlich 95 — (2,6 x 3,0) = 87,2 °/0.

C,	Schoibler hat statt dieser mehr oder weniger willkürlichen Verfahren
ein analytisches Verfahren vorgeschlagen, wonach die Ausbeutezahl mit Genauig-
keit direkt gefunden werden soll. Ich verweise dieserhalb auf Frühling und
^ühulzs „Anleitung usw.“

IV.	Melassekalk, Kalksaccharat und Strontiansaccharat.

Unter Melassekalk versteht man das ungereinigte Rohsaccharat, unter Kalk-
saccharat und Strontiansaccharat die gereinigten Erzeugnisse. Die Untersuchungs-
weise derselben ist die gleiche.

, roTvichtes Wo eine Bestimmung des spezi-

1.	Bestimmung des spezifischen G jt dem Pyknometer ausgeführt (S. 449).

fischen Gewichtes notwendig ist, wirdZuckerkalkmilch bezw. Strontian-

2.	Bestimmung des Zuckers, i	f 7„Pkerkalkl werden unter Zerreiben

saccharat (oder auch das halbe Normalgewi	. Essigsäure versetzt, der

mit etwas Wasser ..rdnnnt, Ws «r saure«

geringe Uberschuß an Säure durch einige ^n mer^ "eraul in ein 100 ccm-

abgestumpft, bis eine bleibende Trübung ents •	■	filtriert und polarisiert.

Kölbchen, klärt mit Bleiessig, füllt bis zur Marke ■auf .für welche
Falls das Filtrat noch gelblich gefärbt ist, fügt man Knochenkohle hinzu,
die festzustellende Korrektion anzubringen ist (verg .
        <pb n="636" />
        ﻿614

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Stamm er setzt zu der Zuckerkalkmilch Phenolphthalein als Indikator und
neutralisiert ganz genau mit Essigsäure; die neutralen Lösungen sind für die Halb-
schattenapparate meistens direkt verwendbar, für die anderen Apparate wird Blei-
essig in geringer Menge zugefügt.

8. Bestimmung des Kalkes und Strontians. 2—10 g Saccharat werden unter
Zerreiben mit heißem Wasser (etwa 150 ccm) versetzt und unter Anwendung von
Rosolsäure oder Phenolphthalein als Indikator mit Normal-Salpetersäure oder Normal-
Salzsäure bis zur neutralen Reaktion titriert; 1 ccm Normalsäure entspricht 0,028 g
Kalk oder 0,05175 g Strontian.

Bei Strontiansaccharat pflegt man indes die Berechnung auf das kristalli-
sierte Strontiumhydroxyd (Sr(OH)2 + 8H20) zu beziehen, von welchem 0,13275
= 1 ccm Normalsäure entsprechen; man pflegt aus dem Grunde wohl 750 ccm
Normalsäure auf 1000 ccm zu verdünnen, von welcher verdünnten Säure 1 ccm
= 0,09934 g oder rund 0,1 g kristallisiertes Strontiumhydroxyd entspricht.

4. Bestimmung der Reinheit. Unter Reinheit des Zucker- bezw. Strontian-
kalkes ist der Zuckergehalt auf 100 Teile der nach Abscheidung des Kalkes ver-
bleibenden Trockensubstanz zu verstehen.

Zur Ermittelung der Reinheit muß zunächst der Kalk abgeschieden werden.
Stammer empfiehlt für den Zweck Zusatz von verdünnter reiner Phosphorsäure-
lösung unter gewissen Vorsichtsmaßregeln bis zur neutralen Reaktion — erkennbar
daran, daß die frühere gelbe Farbe in eine schmutzig-graue übergeht —, Filtration
der Flüssigkeit durch ein Faltenfilter, Polarisation und Wasserbestimmung im Filtrat.

Meistens aber wird der Kalk durch Einleiten von Kohlensäure in einen Kolben,
in welchem sich das Saccharat (etwa 200—300 g) befindet, und durch längeres
Erhitzen der mit Kohlensäure gesättigten Flüssigkeit im Wasserbade abgeschieden;
das Filtrat vom abgeschiedenen Calciumkarbonat (dem saturierten Saft) untersucht
man dann in der vorstehend beschriebenen Weise auf seinen Gehalt an Wasser, Zucker
und Asche; die Differenz der Summe dieser von 100 wird als „organischer Nicht-
zucker“ bezeichnet.

Bei der Asche des Filtrats unterscheidet man zwischen Kalkasche und Alkali-
asche. Nachdem man einen Teil des Filtrats eingetrocknet hat, verbrennt man bei
dunkler Rotglut, zieht die Kohle mit Wasser aus, verbrennt die Kohle nach dem
Trocknen vollständig, zieht den Rückstand nochmals mit Wasser aus, trocknet den-
selben, glüht und bringt ihn als Kalkasche in Rechnung. Die beiden wässerigen
Filtrate werden gereinigt, in einer Platinschale auf einem Wasserbade zur Trockne
verdampft, schwach geglüht und als „Alkalisalze“ gewogen.

Die Zusammenstellung der für den saturierten Saft gefundenen Ergebnisse ist
etwa folgende:

—	lu 100 Tellen Saft In 100 Teilen Trockensubstanz	Auf 100 Teile Zucker		
	°/o	°/o	kommen °/0
Wasser ....	. . 73,20		—
Zucker ....	. . 22,80	85,10 (Reinheitsquotient)	—
Alkaliasche . . .	. . 1,11	4,14	4,87
Kalkasche . . .	. .	0,52	1,94	2,28
Organ. Nichtzucker	. .	2,37	8,82	10,39
	V. Scheideschlamm,	Prelsschlamm.	

Diese enthalten stets noch mehr oder weniger Zucker, sowohl frei in Lösung,
als auch in Verbindung mit Kalk.
        <pb n="637" />
        ﻿Soheideschlamm, Preßsohlamm, Ausgelaugte Schnitzel, Preßlinge usw. ß!5

Für den Fabrikbetrieb wird meistens von einer guten Mittelprobe das Normal-
gewicht (also 26,048 g für den Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat, S. 598) ab-
gewogen, mit Wasser angertihrt, in ein 100 ccm-Kölbchen gespült, so lange mit
konzentrierter Essigsäure versetzt, bis das Schäumen unter Kohlensäureentwickelung
beginnt und aller vorhandener Zuckerkalk zersetzt ist, dann mit Bleiessig geklärt,
auf 100 ccm aufgefüllt und das Filtrat im 200 mm-Rohr polarisiert.

Oder man bestimmt in einer Probe des Schlammes nach Scheibler das Wasser,
in einer anderen Probe zersetzt man den Zuckerkalk durch trocknes Kohlen-
säuregas, indem man etwa 50 g Schlamm in einen geräumigen, etwa 1 1-Kolben
füllt, dazu eine durch Wägung ermittelte bestimmte Wassermenge setzt, in den
Kolben über die Flüssigkeit unter fortwährendem Umschütteln trockne Kohlensäure
leitet, bis aller Zuckerkalk zerlegt ist. Man filtriert alsdann durch ein trocknes
Filter, setzt zum Filtrat 1/10 Volumen Bleiessig (also zu 50 ccm = 5 ccm, zu 100 ccm
= 10 ccm Bleiessig) und polarisiert. Enthält der Schlamm z. B. 45,0 °/0 Wasser
(also 50 g = 22,5 g Wasser) und sind 232,2 g Wasser zur Verdünnung zugesetzt,
also im ganzen 254,7 g Wasser vorhanden, hat ferner die Polarisation 2,8° im Soleil-
Ventzke-Scheibler-Apparat, also unter Berücksichtigung des Bleiessigzusatzes

2,8	-)- 0,28 = 3,08° ergeben, so enthalten 100 ccm der Lösung 3,08 x 0,26048

= 0,8022 g Zucker, also die 254,7 ccm Flüssigkeit = ’254&gt;7 x^),8022 = 2,04 g Zucker,

oder da 50 g Schlamm angewendet sind, 2,04x2 = 4,08°/0 Zucker in 100 g
Schlamm.

Weniger genau, aber schneller ist folgendes Verfahren:

Man wägt 60 g gut gemischten Schlamm ab, fügt 15—16 g salpetersaures
Ammon hinzu, spült beides verlustlos in eine Eeibschale mit Ausguß, verrührt
zu einem gleichmäßigen Brei, spült letzteren in einen 200 ccm-Kolben, setzt 10 bis
15 ccm Bleiessig, einige Tropfen Äther zur Entfernung des Schaumes hinzu, füllt
Ws zur Marke auf und polarisiert das Filtrat wie üblich im 200 mm-Rohr. Der
Zuckerkalk setzt sich mit dem salpetersauren Ammon zu salpetersaurem Calcium,
Zucker und Ammoniak um, während das kohlensaure Calcium als Bodensatz un-
verändert bleibt.

VI. Ausgelaugte Schnitzel, Prefslinge usw.

Die ausgelaugten Schnitzel, Preßlinge usw. können im allgemeinen wie die
ursprünglichen Schnitzel bezw. Rübenbrei untersucht werden, nur werden bei den
geringen Mengen vorhandenen Zuckers entsprechend größere Mengen für den Alkohol-
Auszug angewendet.

Stammer verfährt in folgender einfachen Wf f: ^“^ÜUrieft uni
geschliffenen Breies wird mit wenig Bleiessig ve^f^'^^risiert Durch
das Filtrat, welches hinreichend klar ist, im - n Ventzke-Scheibler-
Multiplikation der Polarisationsgrade mit 0,13 (nn &gt;.o ei -	„..rinne Volumen

Apparat) erhält man die Zuckerprozente des Schnitzelsaftes.
des zugesetzten Bleiessigs kann meistens vernachlässig wer en,
man die abgelesene Gradzahl um 1/i0 usw.

Um die Zuckerprozento des Schnitze	^ während die Ver-

zuführen, multipliziert man die Prozentzah	1 Verhältnisses von ausgelaugten

lustberechnung auf Rüben eine Berücksichtigung	der Schnitzel verlangt.

Schnitzeln zu Rüben und des Saft- und Wassergehaltes der Schnitze
        <pb n="638" />
        ﻿616

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Beides kann in jeder Fabrik leicht festgestellt werden. Meistens ist der Gehalt des
Schnitzelsaftes mit 0,75 zu multiplizieren, um den Verlust auf Rüben zu finden.

Bezüglich der Untersuchung der ausgelaugten Schnitzel auf Futterwert
vergl. S. 256.

VII.	Schlempekohle und Abfalllauge (als Düngemittel usw.).

a)	Schlempekohle.

Die bei der Verarbeitung von Melasse verbleibende Schlempe liefert die sog.
Sohlempekohle, indem die Schlempe eingetrocknet und der krümelige Rückstand bis
zur völligen Verkohlung erhitzt wird.

Die Schlempekohle zieht rasch Wasser an, worauf bei der Probenahme und
Aufbewahrung Rücksicht zu nehmen ist. Dieselbe dient zur Darstellung von
Kaliumsalzen; ihr Handelswert ist daher vorwiegend durch den Gehalt an Kali
bezw. an kohlensaurem Kalium bedingt.

Da die Schlempekohle neben dem kohlensauren Kalium noch kohlensaures
Natrium enthält, so kann man den Gehalt an ersterem nicht aus dem Gehalt an
Kohlensäure berechnen, ebensowenig aus dem Gehalt an Kalium allein, weil dieses
auch ferner an Chlor, Schwefelsäure usw. gebunden ist. Es muß daher für die meisten
Zwecke eine vollständige Untersuchung der Schlempekohle ausgeführt werden,

1.	Wasser. 10 g werden bei 105—110° bis zur Gewichtsbeständigkeit ge-
trocknet.

2.	Kohlensäure (vergl. unter Mergel, S. 102).

3.	Die in Wasser unlöslichen Stoffe. 20 g werden mit etwa 200 ccm
Wasser Ubergossen, einige Zeit auf dem Wasserbade erwärmt, durch ein vorher
getrocknetes und gewogenes Filter in einen Liter-Kolben filtriert und der kohlige,
auf das Filter gebrachte Rückstand hinreichend mit heißem Wasser ausgewaschen.
Der Filterinhalt wird bei 105—110° getrocknet und als unlöslicher Rückstand
gewogen.

4.	Untersuchung der wässerigen Lösung. Das Filtrat wird nach dem
Abkühlen auf 1000 ccm aufgefüllt und dient zur Bestimmung:

a)	des Chlors:

50 ccm werden entweder genau mit chlorfreier Salpetersäure neutralisiert und
mit 1/10 N-Silberlösung titriert, oder mit Salpetersäure im Uberschuß versetzt,
dann kochend mit Silberlösung gefällt und das Chlorsilber gewogen;

b)	der Schwefelsäure:

200 ccm des Filtrats werden nach dem Ansäuern mit Salzsäure in üblicher
Weise mit Chlorbaryum gefällt;

. c) der Phosphorsäure:

300 ccm des Filtrats dienen nach Übersättigung mit Salpetersäure zur Fällung
der Phosphorsäure mit molybdänsaurem Ammon (vergl. S. 150);

d)	des Kalis und Natrons:

50 ccm des Filtrats werden mit Salzsäure übersättigt, mit etwas Eisenchlorid
und dann kochend mit Chlorbaryum versetzt; das Filtrat dient zur Bestimmung
von Kali und Natron1) nach S. 29 bezw. 157.

Bei der Umrechnung auf Salze werden Chlor, Schwefelsäure und Phosphor-
säure als an Kalium gebunden angenommen und der Rest auf kohlensaures Kalium
umgerechnet; z. B.:

J) Man kann auch von der Bestimmung der Gesamtalkalien bezw. des Natrons ab-
sehen und letzteres aus dem Rest ungebunden bleibender Kohlensäure berechnen.
        <pb n="639" />
        ﻿Sohlempekolile, Abfalllauge, Hilfsstoffe.	617

Gehalt der Schlempekohle:	Daraus berechnet sich:

Wasser....................3,66	°/0	Wasser.........................3,66	°/0.

Kohlensäure...............18,44	„	Ohlorkalium...................19,48	„

Chlor.....................9,26	„	Kaliumsulfat...................6,04	„

Schwefelsäure	......	2,31	„	Kaliumphosphat.................0,35	,,

Phosphorsäure.............0,12	„	Kaliumkarhonat............... 38,49	„

Kali......................41,53	„	Natriumkarbonat...............14,95	„

Natron....................8,74	„

Unlöslicher Küokstand	.	.	.	17,93	„	Unlöslicher Kückstand . . . 17,93	„

b)	Abfalllauge.

Die Untersuchung der Ahfalllauge auf Düngewert beschränkt sich meistens
auf die Bestimmung des Stickstoffs und Kalis.

1.	Stickstoff. 25 ccm der Lauge werden unter Zusatz von etwas gebranntem
Gips in Hoffmeister sehen Glasschälchen zur Trockne verdampft, samt Glas-
schälchen verrieben und unter Anwendung von 10 ccm Phenolschwefelsäure und
10 ccm konzentrierter Schwefelsäure nach Kj eldahl verbrannt (S. 138). Oder es kann
letzteres Gemisch direkt zu der Lauge gesetzt und wie hei Milch S. 470 verfahren werden.

2.	Kali. 50 ccm Lauge werden in einer Platinschale eingetrocknet, verascht,
die Asche mit salzsäurehaltigem Wasser aufgenommen, in einen 250 ccm-Kolben
filtriert und in 50 ccm des bis zur Marke aufgefüllten, durchgemischten Filtrats
das Kali bestimmt, indem man das Filtrat erst kochend mit Chlorbaryum versetzt
und wie bei Kalisalzen nach S. 29 weiter behandelt.

VIII.	Hilfsstoffe,

a)	Knochenkohle.

1.	Wasser. 15—20 g Knochenkohle werden in einem Trockenkölbchen mit
gut schließendem, eingeschliffenem Glasstöpsel abgewogen, nach Öffnen des Stöpsels
3—4 Stunden im Trockenschranke bei 140—150° erwärmt und nach vorsichtigem
»Schließen und Erkalten gewogen. Man trocknet abermals x/2—1 Stunde, bis das
Gewicht gleichbleibend ist.

2.	Schwefelsäure und Schwefel. Etwa 20 g Knochenkohle werden in
einem Becherglase mit Wasser durchfeuchtet und unter Bedecken mit einem Uhr-
glase mit 100 ccm reiner Salzsäure versetzt; nachdem die Kohlensäure-Ent-
wickelung vorüber ist, wird 10—15 Minuten gekocht, der Gesamtinhalt in ein
250 ccm-Kölbchen gespült, nach dem Erkalten bis zur Marke aufgefüllt, gemischt,
durch ein trocknes Filter filtriert und in einem aliquoten Teil des Filtrats (100
oder 200 ccm) die Schwefelsäure durch Fällen mit Chlorbaryum bestimmt; das
gefällte schwefelsaure Baryum muß nach dem Filtrieren ein oder mehrere Male mit
salzsäurehaltigem Wasser ausgekocht werden.

Zur Bestimmung des Schwefels werden 20 g Knochenkohle mit Wasser
' urchfeuchtet, mit 50 ccm rauchender (schwefelsäurefreier) Salpetersäure übergossen,
/2 Stunde im Wasserbade erwärmt, darauf mit 50 ccm Salzsäure versetzt, auf-
gekocht, in ein 250 ccm-Kölbchen gespült und weiter wie vorhin verfahren.

Von der Gesamtmenge Schwefelsäure wird die zuerst gefundene, fertig ge-
endete abgezogen und aus dem Best durch Multiplikation mit 0,4 der Gehalt an
Schwefel berechnet.

Schwefelsäure wie Schwefel werden als an Calcium gebunden aufgeführt.

3.	Kohlenstoff, Sand und Ton. 10 g der fein geriebenen Knochenkohle
Werden in einer tiefen Porzellansohale unter Bedecken mit einem Uhrglase mit
        <pb n="640" />
        ﻿618

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

etwas Wasser und 50 ccm Salzsäure versetzt, 10 Minuten gekocht, der Rück-
stand auf einem vorher getrockneten und gewogenen Filter gesammelt, mit heißem
Wasser his zum Verschwinden der sauren Reaktion ausgewaschen, darauf bis
zur Beständigkeit des Gewichtes hei 120° getrocknet und gewogen. Nach dem
Wägen gibt man das Filter nebst Inhalt verlustlos in einen vorher gewogenen
Platintiegel und erhitzt letzteren so lange, bis aller Kohlenstoff verbrannt ist. Die
Gewichtszunahme minus Filterasche gibt Ton + Sand und diese, vom ersten Gesamt-
rückstande abgezogen, die Menge Kohlenstoff.

Anmerkung. Eine gut gebrannte oder wieder belebte Knochenkohle darf verdünnte
Natron- oder Kalilauge beim Kochen nicht braun färben.

4.	Entfärbungskraft. Die Entfärbungskraft der Knochenkohle wird im kleinen
mit Hilfe des Stammerschen Farbenmaßes (S. 610) wie folgt bestimmt:

Man stellt zunächst den Zuckergehalt der Durchschnittsmuster des unfiltrierten
und des durch Knochenkohle filtrierten Saftes mittels Polarisation fest, bestimmt
die Farbe beider Säfte, auf 100 Teile Zucker bezogen, und findet aus der Differenz
dieser beiden Zahlen die durch die Kohle entfernte Farhenmenge. Es wird dieselbe
in Prozenten der ursprünglichen Farbe angegeben.

Man kann auch mit Umgehung der Zuckerbestimmung die erhaltenen Farben-
zahlen direkt miteinander vergleichen, wenn man beide Säfte auf gleiches Saccharometer-
gewicht bringt.

Beispiel: Die Polarisation eines unfiltrierten Dünnsaftes ergab 10,2 °/0 Zucker und
die Bestimmung der Farbe bei einer Ablesung von 15 Graden der Skala:	= 6,7.

Auf 100 Teile Zucker berechnet, enthält mithin der Saft nach dem Ansatz:

10,2	: 100 = 6,7 : x (= 66,7 Farbe).

Der durch Knochenkohle filtrierte Dünnsaft ergab 10,4 °/0 Zucker, abgelesene Grade

am Farbenmaß = 45,0, mithin = 2,2 und auf 100 Zucker bezogen:

45,0

10,4 :100 = 2,2 : x (= 21,2 Farbe).

Die Differenz zwischen diesen beiden die Stärke (Intensität) der Farben bezeichnenden
Zahlen 65,7 — 21,2 = 44,5 entspricht der durch die Knochenkohle weggenommenen (absor-
bierten) Parbenmenge, mithin sind:

65,7	; 44,5 = 100: x (= 67,7 °/0)

des im unfiltrierten Dünnsafte enthaltenen Farbstoffs vermittels der Filtration durch die
Knochenkohle entfernt.

Ausführung eines Versuches im Laboratorium:

Man löst zunächst eine beliebige Menge einer Melasse, etwa 200—250 g zu 1000 ccm
und bestimmt die Farbe der Lösung. Die zu prüfende Kohle wird, wenn tunlich, in
frisch ausgeglühtem Zustande, anderenfalls bei 140° getrocknet, zu der Bestimmung ver-
wendet; es muß dabei die Körnung derselben bei den verschiedenen Kohlen, deren Ent-
färbungskraft bestimmt und verglichen werden soll, eine möglichst gleiche sein.

Man übergießt in einer Porzellanschale 100 g der zu prüfenden Kohle mit 400 ccm
obiger Melasselösung und bestimmt durch Wägung das Gesamtgewicht der gefüllten
Schale. Der Inhalt wird hierauf zum Sieden erhitzt und 5 Minuten lang im Kochen
erhalten. Nach vollständigem Erkalten wird, um die Konzentration der Lösung wieder
auf die vorherige Stärke zu bringen, die Schale abermals auf die Wage gebracht und
das beim Kochen verdampfte Wasser genau ersetzt. Nachdem der Inhalt gut gemischt
und filtriert ist, bestimmt man die Farbe abermals. Die Differenz beider Parbenzahlen
entspricht der durch die Kohle bewirkten Entfärbung und wird auf 100 der ursprünglichen
Farbe berechnet.

Beispiel: 200 g einer Melasse auf 1 1 verdünnt, gaben eine Lösung von 24,2 Farbe.
        <pb n="641" />
        ﻿Rohrzucker (Rübenzucker).

619

Nach der Behandlung der Lösung mit Knochenkohle in vorstehend beschriebener
Weise wurde die Karbe zu 3,5 bestimmt. Die Entfärbung betrug mithin; 24,2 — 3,5 = 20,7
und auf 100 der ursprünglichen Farbe berechnet:

24,2	; 20,7 = 100: x (= 85,5 °/0).

5.	Über die Bestimmung der Kohlensäure vergl. unter Mergel (S. 102), über
die Bestimmung der Phosphorsäure unter Düngemittel (S. 149).

6.	Zuckergehalt in der Knochenkohle. Soll die in der Fabrikation ver-
wendete Knochenkohle auf Zuckergehalt untersucht werden, so bestimmt man
in einer Probe das Wasser; eine andere Probe (etwa 100 g) zieht man nach dem
Zerstoßen mit Alkohol aus und polarisiert den Alkoholauszug, wie üblich (vergl.

S.	599).

b)	Saturationsgas.

1.	Bestimmung der Kohlensäure. Um das im Saturationsprozeß verwendete
Kohlensäuregas auf Gehalt an Kohlensäure zu untersuchen, setzt man an den an
der Leitung zwischen der Pumpe und den Saturationsgefäßen angebrachten Probe-
hahn einen Gummischlauch, verbindet diesen mit einer geeigneten Gas-Meßröhre,
läßt das Gas einige Minuten durch dieselbe streichen, bis alle Luft verdrängt und
die Röhre ganz mit dem Gase angefüllt ist, läßt die Kohlensäure durch Kalilauge
absorbieren und berechnet aus dem ursprünglichen und zurückbleibenden Volumen
die Reinheit des Gases.

Weil diese Untersuchung nur selten vorgenommen zu werden pflegt, kann hier
von einer eingehenden Beschreibung abgesehen werden.

2.	Prüfung auf schwellige Säure. Auf eine Beimengung von schwefliger Säure
prüft man in der Weise, daß man das Gas aus dem Probehahn durch eine mit
btärkekleister versetzte Lösung von Jod in Jodkalium oder durch eine verdünnte
Lösung von chlorsaurem Kalium und Indigo strömen läßt. Bei Anwesenheit von
schwefliger Säure wrerden beide Lösungen allmählich entfärbt.

3.	Prüfung auf Schwefelwasserstoff. Der Schwefelwasserstoff gibt sich schon
am Geruch beim Ausströmen aus dem Probehalm zu erkennen; nötigenfalls prüft
®an durch einen mit Bleiessig getränkten Papierstreifen, den man von dem Gas
umströmen läßt und der bei Gegenwart von Schwefelwasserstoff gebräunt bezw.
geschwärzt wird.

Bei Gegenwart von schwefliger Säure kann kein Schwefelwasserstoff vorhanden
sein, weil diese Gase sich gegenseitig zersetzen.

IX.	Rohrzucker (Rübenzucker).

Der fertige Konsumzucker wird im allgemeinen wie der Rohzucker usw.

untersucht.

1.	Wasser. 10 g des feinen Zuckerpulvers werden in einem Trockenkölbchen
(oder einem Tiegel von Kupferblech mit übergreifendem Deckel) bis zur Beständig-
st des Gewichtes (meistens genügen 2—3 Stunden) bei 105—110° getrocknet.

, __ 2. Zucker. Das für die einzelnen Polarisationsapparate geltende Normalgewicht
■ ' 508, also für den Soleil-Yentzke-Scheibler-Apparat 26,048 g für 100 ccm
usw.) ward in Wasser gelöst, wenn nötig, mit Bleiessig, Tonerdehydrat oder Knochen-
ohle (für letztere ist die S. 603 erwähnte Korrektion anzubringen) geklärt und wie
dblich polarisiert.

^ Um die durch etwaige Ungenauigkeit der Skala bedingten Fehler auszugleichen,
uit Scheibler die sogenannte Hundertpolarisation vorgeschlagen. Hierbei
tvird nach dem Ergebnis der ersten Polarisation mit dem Normalgewicht berechnet,
        <pb n="642" />
        ﻿620

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

wieviel der angewendeten Zuckerprobe eine Drehung = 100 °/0 ergeben würde.
Falls die Skala ungenau ist, gibt diese Menge einen von 100 °/0 abweichenden
Gehalt und berechnet man aus diesem Ergebnis die genaue Zahl in folgender Weise:

Angenommen, der Zucker habe 95,2° bezw. °/0 ergeben, so sind nach der
Gleichung:

95,2	: 100 = 13,024 : x (= 13,681 g)

13,681	g für 50 ccm erforderlich, um für eine richtige Skala 100° Polarisation zu
geben. Findet man statt dessen nur 99,8° Drehung, so ist der wirkliche Zucker-
gehalt nach der Gleichung:

13,681	: 13,024 = 99,8 : x (= 95,0),
d. h. statt 95,2 °/0 nur 95,0 °/0.

Sind statt 99,8° Drehung bei der 2. Polarisation 100,3° gefunden, so ist

13,681	:13,024 = 100,3 : x (= 95,48)
der wahre Zuckergehalt 95,48 °/0.

Scheibler hat eine besondere Tabelle berechnet, aus welcher man für jeden
Polarisationswert direkt ablesen kann, wieviel Gramm Zucker statt des Normal-
gewichtes 13,024 für 50 ccm abzuwägen sind, um bei einer richtigen Skala 100°
Polarisation zu erhalten. Die obige Korrektion wird durch die von Schmidt und
Haensch in Berlin hergestellte Keilkompensation für Farben- wie Halbschatten-
apparate erspart.

3.	Invertzucker. Man ist übereingekommen, einen Zucker für frei von Invert-
zucker zu erklären, wenn 10 g desselben, mit 100 ccm heißem Wasser gelöst und
mit 5 ccm Fehlingscher Lösung gekocht, keine Reduktion ergeben. Tritt Reduktion
ein, so bestimmt man den Invertzucker nach S. 606 und bringt für die Polarisation
nach S. 607 eine entsprechende Korrektion an.

4.	Kafllnose. Die Bestimmung der Raffinose im Zucker hat eine besondere
Wichtigkeit erlangt, weil die Steuerbehörde ihr Augenmerk darauf gerichtet hat.
Die Raffinose besitzt nämlich ein stärkeres Rechtsdrehungsvermögen als Saccharose;
es kann darnach ein zur Ausfuhr gelangender Zucker höher polarisieren, d. h.
zuckerreicher erscheinen, als er in Wirklichkeit ist; derselbe würde alsdann eine
höhere Summe bei der Ausfuhr an Steuer-Bonifikation erhalten, als er nach seinem
wirklichen Gehalt an Saccharose beanspruchen kann. Über die Bestimmung der
Raffinose vergl. S. 608.

5.	Asche, 3 g Zucker werden in einer flachen Platinschale mit reiner
konzentrierter Schwefelsäure angefeuchtet und nach S. 610 eingeäschert.

6.	Verunreinigungen. Bei den Konsum-Zuckersorten (Brot-, Würfel-, Pile-
und Farinzucker) pflegen Verunreinigungen oder absichtliche Beimengungen zu den
größten Seltenheiten zu gehören. Nur ein Zusatz von Ultramarin zur Verdeckung
der gelhen Farbe des Zuckers wird öfters beobachtet.

Etwaige Zusätze von Gips, Schwerspat, Kreide, Mehl, Ultramarin usw.
geben sich durch ihre Unlöslichkeit in Wasser zu erkennen — ein guter Konsum-
zucker muß sich leicht, klar und vollständig in Wasser lösen —.

Durch eine Bestimmung der Asche findet man die Menge der beigemengten
mineralischen Zusätze; durch Auflösen einer größeren Menge Zucker in Wasser,
Filtrieren durch ein vorher getrocknetes und gewogenes Filter, Trocknen und
Wägen, sowie durch eine mikroskopische Untersuchung dieses Rückstandes erfährt
man die Menge und Art von etwa vorhandenen organischen Beimengungen.

Um die weniger reinen Zuckererzeugnisse, Raffinerie-Sirupe usw., auf Zusatz
von Stärkesirup, Stärkezucker und Dextrin zu prüfen, macht man einen
        <pb n="643" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuckersteuergesetz.

621

Gärversuch (vergl. S. 593 und unter „Stärkezucker“ usw. weiter unten), hei welchem
diese zum Teil als stark rechtsdrehende Substanzen Zurückbleiben.

Nach Casa-Major löst ein mit Stärkezucker gesättigter Methylalkohol aus
einem fraglichen Gemisch nur den Rohrzucker, nicht aber den Stärkezucker.

Zur Unterscheidung von Rübenzucker und Zuckerrohrzucker wird
angeführt, daß indigschwefelsaures Kalium (Indigkarmin) beim Erwärmen mit kon-
zentrierten Lösungen von Rübenzucker bei einer Temperatur, bei welcher dieser
noch nicht die zum Erstarren nötige Konsistenz hat, infolge geringer vorhandenen
Spuren von salpetersauren Salzen entfärbt wird, dagegen bei Zuckerrohrzucker nicht.

X.	Ausführungs-Bestimmungen (vom 18. Juni 1903) zum Zuckersteuergesetz

(vom 6. Januar 1903).*)

Zu § 2 des Gesetzes.

§ 1. Die bei der Zuokererzeugung ursprünglich gewonnenen Abläufe (Sirup, Melasse)
und ihre weiteren Bearbeitungen unterliegen, sofern ihr Quotient, d. h. der auf Hundert-
teile berechnete Zuckergehalt in der Trockenmasse 70 oder mehr beträgt, der Zuckersteuer
zum Satze von 10 M. für 100 kg Reingewicht.

§ 2. Zur Ermittelung des Quotienten der Zuckerahläufe, welche weniger als 2 vom
Hundert Invertzucker enthalten, sind, sofern nicht die Berechnung des Quotienten nach dem
chemisch ermittelten reinen Zuckergehalte beantragt ist, die von der obersten Landes-
fluanzbehörde bezeichneten Amtsstellen berechtigt. Diese sind dem Reichskanzler behufs
Veröffentlichung im Centralblatte für das Deutsche Reich mitzuteilen.

Die Untersuchung auf Invertzuckergehalt kann mit Genehmigung der Direktiv-
eehörde auch von den Zuckersteuerstellen (§ 34) ausgeführt werden.

Das Verfahren für diese Untersuchung, sowie für die Eeststellung des Quotienten der
Weniger als 2 vom Hundert Invertzucker enthaltenden Abläufe ist in der als Anlage A
beigefügten Anleitung vorgeschrieben.

Führt die Prüfung auf den Gehalt an Invertzucker zu dem Ergebnisse, daß die
weitere Untersuchung steueramtlich nicht stattfinden darf, oder wird von dein Anmelder
Berechnung des Quotienten nach dem chemisch ermittelten reinen Zuckergehalte des
daufs beantragt, so ist die Untersuchung einem von der Direktivbehörde auf die Wahr-
nehmung der Ansprüche der Steuerverwaltung verpflichteten Chemiker zu übertragen.

In beiden Fällen erfolgt die Übersendung der Proben des Ablaufs an den Chemiker
l*nd die Untersuchung auf Kosten des Anmelders. Für das Verfahren in diesen Fällen ist
'us Anleitung in Anlage B maßgebend. Dabei sind Abläufe mit einem Gehalte von 2
T?m Hundert Invertzucker und darüber zur Untersuchung auf Rafflnosegehalt in der Regel
uioht zuzulassen. Ausnahmsweise ist jedoch bei solchen Abläufen die Feststellung des
Quotienten unter Anwendung der Raffinoseformel (Anlage B unter 2 a) dann statthaft, wenn
'le Fabrik auf Vermischung ihrer Abläufe mit Stärkezucker oder Stärkesirup verzichtet
und durch die von der obersten Laudesfinanzbehörde anzuordnenden besonderen Auf-
,c ltsniaßnahmen die Möglichkeit einer Beimischung von Stärkezuoker oder Stärkesirup zu
en Abläufen vor deren Abfertigung aus der Fabrik mit genügender Sicherheit ausgeschlossen
racheint. Ob dies zutrifft und aus welchem Grunde (Abs. 4) die Untersuchung durch den
ismiker zu erfolgen hat, ist dem letzteren von der Amtsstelle mitzuteilen,
di tt Sowo« *He Amtsstellen als auch die Chemiker haben bei der Polarisation der Abläufe
e Vorschriften in der Anlage C zu beachten.

Wo -f ^ ^	Anstalten, in welchen Zuckerabläufe einem Reinigungsverfahren unter-

^ r ®n werden, finden die in den §§ 8—41 des Gesetzes enthaltenen Vorschriften, sowie
c azu erlassenen Ausführungsbestimmungen sinngemäße Anwendung.

zus b-^ ?6r zwe^e Teil „Zuschlag zur Zuokersteuer“ und der dritte Teil „Ausfuhr-
0 US8e“ des Gesetzes von 1896 sind durch das Gesetz von 1903 aufgehoben.
        <pb n="644" />
        ﻿622

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Für Anstalten, welche ausschließlich steuerfreie Zuckerabläufe verarbeiten und deren
Erzeugnisse niemals den Quotienten von 70 erreichen, kann die Beaufsichtigung auf Grund
einer Buchführung, verbunden mit öfterer Ermittelung des Quotienten der bezogenen Ab-
läufe und der hergestellten Erzeugnisse, angeordnet werden. Werden ausschließlich Zucker-
abläufe mit einem Quotienten unter 65 verarbeitet, so kann die Beaufsichtigung auf Grund
einer Buchführung und öfterer Ermittelung des Quotienten der bezogenen Abläufe erfolgen,
auch wenn der Quotient der Erzeugnisse 70 oder mehr beträgt.

In Fällen des Bedürfnisses können von der obersten Landesfinanzbehörde für die in
Abs. 1 und 2 bezeichneten Anstalten Erleichterungen gewährt werden. Dem Reichskanzler
ist von den getroffenen Maßnahmen Kenntnis zu geben.

§ 85. Diese Ausführungsbestimmungen treten mit dem 1. September 1903 in Kraft.

Anlage A.

Anleitung für die Steuerstelleu zur Untersuchung der Zuckerabläufe auf Invert-
zuckergehalt und Feststellung des Quotienten der weniger als 2 vom Hundert
Invertzucker enthaltenden Zuckerabläufe.

I. Allgemeine Vorschriften.

1.	Bei Beginn der Untersuchung ist zunächst eine Prüfung des Ablaufs nach dem
unter II1 beschriebenen Verfahren auf den Gehalt an Invertzucker auszuführen. Sobald
sich dieser Gehalt zu 2 vom Hundert oder mehr ergibt, erfolgt das weitere Verfahren nach
§ 2 Abs. 4, 5 der Ausführungsbestimmungen.

2.	Ergibt die nachfolgend unter II2 beschriebene Untersuchung einen Quotienten
von 70 oder mehr, so ist von der weiteren Prüfung des Ablaufs Abstand zu nehmen, falls
nicht der Anmelder eine Untersuchung durch den Chemiker beantragt.

3.	Die bei der Untersuchung der Abläufe zu verwendenden Gewichte, Meßgeräte und
Spindeln müssen geeicht oder eichamtlich beglaubigt sein.

II.	Ausführung der Untersuchung.

1. Untersuchung der Zuckerabläufe auf Invertzuokergehalt. In einer
Messing- oder Porzellanschale, deren Gewicht auszugleichen ist, werden genau 10 g des
nötigenfalls durch Anwärmen dünnflüssig gemachten Ablaufs abgewogen und durch Zusatz
von etwa 50 ccm warmem Wasser und Umrühren mit einem Glasstab in Lösung gebracht.
Die Lösung bedarf, auch wenn sie getrübt erscheinen sollte, in der Regel einer Filtrierung
nicht. Man bringt sie in einen sogenannten Erlenmeyerschen Kolben von etwa 200 ccm
Raumgehalt und fügt 50 ccm Fehlingscher Lösung hinzu.

Die Fehlingsche Lösung erhält man durch Zusammengießen gleicher Teile von
Kupfervitriollösung (34,6 g reiner kristallisierter Kupfervitriol, zu 500 ccm mit Wasser
gelöst) und Seignettesalz-Natronlauge (173 g kristallisiertes Seignettesalz, zu 400 ccm mit
Wasser gelöst, die Lösung vermischt mit 100 ccm einer Natronlauge, welche 600 g
Natronhydrat im Liter enthält). Beide Flüssigkeiten sind fertig von einer Chemikalien-
handlung zu beziehen und müssen getrennt aufbewahrt werden; von jeder sind 25 ccm
mittels besonderer Pipette zu entnehmen und der Lösung des Zuckerablaufs unter Um-
schütteln zuzusetzen.

Die mit der Fehlingsohen Lösung versetzte Flüssigkeit wird im Kochkolben auf
ein durch einen Dreifuß getragenes Drahtnetz gestellt, welches sich über einem Bunsen-
brenner oder einer guten Spirituslampe befindet, aufgekocht und 2 Minuten im Sieden er-
halten. Die Zeit des Siedens darf nicht abgekürzt werden.

Hierauf entfernt man den Brenner oder die Lampe, wartet einige Minuten, bis ein
in der Flüssigkeit entstandener Niederschlag sich abgesetzt hat, hält den Kolben gegen
das Licht und beobachtet, ob die Flüssigkeit noch blau gefärbt ist. Ist noch Kupfer in
der Lösung vorhanden, was durch die blaue Farbe angezeigt wird, so enthält die Lösung
weniger als 2 vom Hundert Invertzucker, anderenfalls sind 2 oder mehr vom Hundert
dieses Zuckers vorhanden.
        <pb n="645" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuckersteuergesetz.

623

Die Färbung erkennt man deutlicher, wenn man ein Blatt weißes Schreibpapier
hinter den Kolben hält und so beobachtet, daß das Licht durch die Flüssigkeit hindurch
auf das Blatt Papier fällt.

Sollte die Flüssigkeit nach dem Kochen gelbgrün oder bräunlich erscheinen, so liegt
die Möglichkeit vor, daß noch unzersetzte Kupferlösung vorhanden ist und deren blaue
Farbe nur durch die gelbbraune Farbe des Ablaufs verdeckt wird. In solchen Fällen ist
wie folgt zu verfahren:

Man fertigt aus gutem, dickem Filtrierpapier ein kleines Filter, feuchtet es mit etwas
Wasser an und setzt es in einen Glastrichter ein, wobei es am Rande des Trichters gut
lestgedrüokt wird. Der letztere wird auf ein Reagensgläsohen gesetzt. Hierauf filtriert
man etwa 10 ccm der Flüssigkeit durch das Filter und setzt dem Filtrat ungefähr die
gleiche Menge Essigsäure und einen oder zwei Tropfen einer wässerigen Lösung von gelbem
Blutlaugensalz zu. Entsteht hierbei eine stark rote Färbung des Filtrats, so ist noch
Kupfer in der Lösung und somit erwiesen, daß der Zuckerablauf weniger als 2 vom Hundert
Invertzucker enthält.

2.	Bestimmung des Quotienten. Als Quotient im Sinne der Vorschrift im § 1
der Ausführungsbestimmungen gilt diejenige Zahl, welche durch Teilung des hundertfachen
Betrags der Polarisationsgrade des Ablaufs durch die Prozente Brix berechnet wird.

a) Ermittelung der Prozente Brix. Man wägt in einem reinen Becherglase
von etwa 1ja Liter Raumgehalt zusammen mit einem hinlänglich langen Glasstabe 200 bis
300 g des Ablaufs auf 1 g genau ab. Nachdem man das Glas von der Wage herunter-
genommen hat, fügt man etwa 160 ccm heißes destilliertes Wasser hinzu, rührt mit dem
stets im Glase verbleibenden Stabe so lange vorsichtig (um das Glas nicht zu zerstoßen)
um! bis der Ablauf im Wasser sich vollständig gelöst hat, stellt das Glas in kaltes Wasser
uud beläßt es daselbst, bis der Inhalt ungefähr die Zimmerwärme angenommen hat. Hierauf
trocknet man das Glas sorgfältig ab, stellt es wieder auf die Wage, setzt auf die andere
Schale zu den vorhandenen weitere Gewichtsstücke, welche dem Gewichte des Ablaufs ent-
sprechen, und läßt in das Glas so lange destilliertes Wasser von Zimmerwärme, zuletzt
vorsichtig und tropfenweise, einlaufen, bis die Wage abermals einspielt.

Nachdem die zweite Wägung beendet ist, rührt man die Flüssigkeit mit dem
inzwischen im Glase verbliebenen Glasstabe so lange gehörig um, bis sich auch nicht die
geringste Schlierenbildung mehr zeigt. Der ursprüngliche Ablauf ist dann auf die Hälfte
semes Gehalts an Zucker verdünnt.

Zum Zwecke der Spindelung wird ein Teil der so vorbereiteten Flüssigkeit in einen
Glaszylinder hineingegeben. Die Spindelung selbst erfolgt mittels der Brixschen Spindel
nach den für die Spindelung von Branntwein, Mineralöl, Wein usw. bestehenden Regeln (siehe
z- ß- Alkoholermittelungsordnung, Centralblatt für das Deutsche Reich 1900, S. 3(7*).
Zu beachten ist, daß die Prozente auf Fünftelprozente, die Wärmegrade auf ganze Grade
abzulesen sind.

Da die abgelesenen Wärmegrade nicht immer mit der Normaltemperatur (-0 ) uber-
emstimmen, sind die abgelesenen Prozente nur scheinbare. Zu ihrer Umrechnung aut be-
richtigte Prozente Brix dient die am Schlüsse dieser Anlage abgedruckte Tabelle 1. Sie
euthält in der ersten mit „Wärmegrade“ überschriebenen Zeile die Temperaturen von 10 bis
29°, in der ersten mit „Abgelesene Prozente“ überschriebenen Spalte die scheinbaren ab-
gelesenen Prozente. Die folgenden Spalten geben die berichtigten Prozente. Man sucht
die der abgelesenen Temperatur entsprechende Spalte und geht in dieser bis zu derjenigen
^eüe, an deren Anfang, in der ersten Spalte, die abgelesenen Prozente stehen. Die Zahl,
&lt;«if die man trifft, gibt die berichtigten Prozente der verdünnten Lösung. Betragt z. R.
l |e abgelesene Temperatur 22° und die abgelesene Prozentangabe 38,6, so findet man tur
die berichtigten Prozente 38,7.

Die so ermittelten berichtigten Prozente sind mit 2 zu vervielfältigen, um die be-
richtigten Prozente der unverdünnten Lösung zu erhalten.
        <pb n="646" />
        ﻿624

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfahrikation.

h) Polarisation. Bei der Polarisation der Zuokerabläufe ist nach Anlage C zu
verfahren. Jedoch geschieht das Abwägen und Entfärben in nachfolgend angegebener
Weise:

Zur Untersuchung wird nur das halbe Normalgewicht — 13,0 g — des Zucker-
ablaufs verwendet. Man wägt diese Menge in eine Messing- oder Porzellanschale ab, fügt
40—50 ccm lauwarmes destilliertes 'Wasser hinzu und rührt mit einem Glasstabe so lange
um, bis der Ablauf im Wasser sich vollständig gelöst hat. Hierauf wird die Flüssigkeit
in einen Meßkolben von 100 com Kaumgehalt gefüllt und der an der Schale und dem
Qlasstabe noch haftende Best mit etwa 10—20 ccm Wasser in den Kolben nachgespült.
Darauf folgt die Klärung.

Man läßt zunächst etwa 5 ccm Bleiessig in den Kolben einfließen und mischt durch
vorsichtiges Umschwenken. Ist die Flüssigkeit, nachdem der' entstehende Niederschlag sich
abgesetzt hat — was meist in wenigen Minuten geschieht —, noch zu dunkel, so fährt
man mit dem Zusatze von Bleiessig fort, bis die genügende Helligkeit erreicht ist. Oft
sind bis zu 12 ccm Bleiessig zur Klärung erforderlich. Dabei ist jedoch zu beachten,
daß Bleiessig zwar genügend, aber in nicht zu großen Mengen zugesetzt werden darf;
jeder hinzugesetzte Tropfen Bleiessig muß noch einen Niederschlag in der Flüssigkeit
hervorbringen.

Gelingt es nicht, die Flüssigkeit durch den Zusatz von Bleiessig so weit zu klären,
daß die Polarisation im 200 mm-Kohr ausgeführt werden kann, so ist zu versuchen, ob
dies im 100 mm-Eohre möglich ist. Gelingt auch dies nicht, so muß eine neue Lösung
hergestellt und diese vor dem Bleiessigzusatz mit etwa 10 ccm Alaunlösung versetzt werden;
diese Lösungen geben mit Bleiessig starke Niederschläge, welche klärend wirken, und ge-
statten die Anwendung großer Mengen Bleiessig.

Die zur Klärung hinzugefügten Flüssigkeiten dürfen zusammen nicht so viel be-
tragen, daß die Lösung im Kolben über die begrenzende Marke steigt. Nach der Klärung
wird mit Wasser bis zur Marke anfgefüllt und gehörig durchgeschüttelt.

Nachdem die Polarisation ausgeführt ist, sind die abgelesenen Polarisationsgrade mit
2 zu vervielfältigen, weil nur das halbe Normalgewicht des Ablaufs zur Untersuchung ver-
wendet worden ist. Hat man statt eines 200 mm-Eohres nur ein 100 mm-Eohr angewendet,
so sind die abgelesenen Grade mit 4 zu vervielfältigen.

Berechnung des Quotienten. Bezeichnet man die ermittelten berichtigten
Prozente Brix der unverdünnten Lösung mit B und die ermittelten Polarisationsgrade mit P,

so berechnet sich der Quotient Q nach der Formel Q

100 P
B

Bei der Angabe des End-

ergebnisses sind die Bruchteile auf volle Zehntel abzurunden, und zwar, wenn die zweite
Stelle nach dem Komma weniger als 5 beträgt, nach unten, anderenfalls nach oben.

Beispiel für die Feststellung des Quotienten. 223 g eines Zuckerablaufs
sind mit 223 g Wasser verdünnt worden. Die Brixsche Spindel zeigt 35,2 Prozent bei
21°; nach Tabelle 1 ist die berichtigte Prozentangabe 35,3, diese mit 2 vervielfältigt,
gibt 70,6. Die Polarisation des halben Normalgewiohts im 200 mm-Eohre sei 25,2 Grad,
daher beträgt die wirkliche Polarisation 25,2 x2 = 50,4 Grad. Der Quotient berechnet

sich hiernach auf —^ ^ ’	= 71,39 oder abgerundet 71,4.

Schlußbestimmung.

über die Untersuchung ist eine Befundsbescheinigung auszustellen, welche außer
einer genauen Bezeichnung der Probe folgende Angaben zu enthalten hat: das Ergebnis
der Prüfung auf Invertzuckergehalt, die abgelesenen Prozente Brix der verdünnten Lösung,
die Temperatur der Lösung, die berichtigten Prozente Brix nach der Vervielfältigung
mit 2, das Ergebnis der Polarisation für das ganze Normalgewicht (also die abgelesenen
Polarisationsgrade vervielfältigt mit 2 oder — bei Anwendung eines 100 mm-Rohres —
mit 4) und den Quotienten.
        <pb n="647" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuckersteuergesetz.

625

Tabelle I

zur Ermittelung der berichtigten Prozente Brix aus den abgelesenen Prozenten und

Wärmegraden.

Abge-

legene

Prozente

Wärmegrade:

12	13	14	15	16	17	18	19	20	21122	23	24	25	26	27	28

20,0

2

4

6

8

21,0

2

4

6

8

22,0

2

4

6

8

23,0

2

4

6

8

24,0

2

4

6

8

25,0

2

4

6

8

26,0

2

4

6

8

27,0

2

4

6

8

28,0

2

4

6

8

Berichtigte Prozente Brix zu nebenstehenden abgelegenen Prozenten und obigen Wärmegraden.

19,5119,5
19,7 19,7

19,9 19,9

20,1

20,3

20,6

20,7

120,9

20,1

20,3

20,5
20,7
20,9
21,1 21,1
21,3121,3

21,5 21,5
21,7)21,7
21,9 21,9
22,122,1
22,3)22,3

22,6122,6

22,7

22,9

22,7

22,9

23.1	23,1
23,3 23,3

23,623,5
23,6
23,8
24,0)24)1

24.2	24,3

24.4

24.6

24.8
25,0:

25.2

25.4

25.6

26.8
26,0

26.2

26.4

26.6
26,8
27,0

27.2

27.4
27,6
27,8
28,0

28.2

24.6

24.7

24.9
26,1

25.3

25.5

25.7

25.9
26,1

26.3

26.5

26.7

26.9

27.1

27.3

27.5

27.7

27.9

28.1

28.3

19,6 19,6 19,7)19,7)19,8 19,8 19,9 19,9)20,0 20,1)20,1)20,2 20,3 20,3 20,4)20,5)20,5)20,6
19,8)19,8 19,9)19,9 20,0 20,0 20,1 20)l 20,2 20,3)20,3)20,4 20,5 20,5 20,6 20,7 20,7 20,8

—	~	‘	------------------ 20.4 20,6)20,6 20,6 20,7 20,7 20,8)20,9

20,6 20,7!20,7|20,8

20,0 20,0
20,2 20,2
20,4 20,4

20,6

20,8

21,0

21,2

21,4

20,1 20,1 20,2)20,2
20,3 20,3|20,4|20,4
20,6 20,5

20.7

20.9

21,1

21.3

21,6

21.7

21.9

22,1

22.3

20.6
20,8
21,0
21,2
21,4

21,6)21.6
21,8 21)8
22,0 22,0
22.2 22,2
22,4)22,422,5

22,7
22,9
23,1
23,3
23,5

23,6)23,7
23,8
24,0
24,2

24,3 24,4)24,4

24,5 24,6
24.7 24,8
25)0

22,6

22.8

23)0

23,2

22,6

22,8

23,0

23,2

23,4)23,4

23.6

23.7
23,9
24,1

23,8

24,0

24,2

24.9

25.1

25.3

25.5

25.7

25.9

26.1

26.3

26.6

26.7
26,9)

27.1

27.3

27,5

27.7

27.9

28.1

28.3

24,6
24,8j
25,0

25,2 25,2
25,4 25,4

25,6

26,8

26,0

26,2

25,6

25,8

26,0

26,2

26,4)26,4

26,6126,6

26,8
27,0|
27,2

26,8

27,0

27,2

27,4127,4

27,6 27,6
27,8|27,8
28,0

28,0

28,2

28,4

28,2

28,4

20,7

20,6,20,6

20,8

20,921,0
21,1)21,2'
21,3121,4
21,5)21,6

21,7
21,9

21,8
22,0
22,1)22,2
22,3)22,4
22,6

22,5

22,7

22,8

22,9)23,0)

23,1)23,2

23,3)23,4

23,5

23,7

23,9

24,1

23,6

23,8

24,0

24,2

24,3)24,4
"	24,6

24,5

24,7

24,8

24,925,0

25,1)25,2

25,3|25,4

25,5

25,7
25,9
26,1
26,3)26,4
26,5)26,6

25,6

25,8

26,0

26,2

26,7

26,9

27,1

26,8

27,0

27,2

27.3	27,4
27,öj27,6

27,7 27,7
27,9)27,9
28,1

28.3
28,5

28,1

28,3

28,5

20.3
20,5
20,7

20,9

21,1

21.3

20,8
21,0
21,2

21.4)	21,5
21)6 21,7

21.8	21,9
22,0 22,1
22,2)22,3
~~ ‘ 22,5

22,7

22,9
23,1
23,3

23.4)	23,5
23,6)23,7

23.8
24,0
24,2

22,4

22,6

22,8

23,0

23,2

23,9
24,1
24,3
24,4! 24,5
24,6)24,7

24,8

24,9

25,0)25,1

26,2
25,4
25,6

25,8
26,0
26,2
26,4!26,5
26,6(26,7

26,3

25,5

25,7

25,9

26,1

26,3

26,8

27,0)

27,2

26,9

27,1

27,3

27,4)27,5
27,6)27,7

27,9
28,1
28,3

27,8

28,0

28,2

28,4

28,6

28,5

28,7

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

20,3

20,5

20,7

20,9,

21,1

20,8|20,9 20,9

21,1 21,1

21,0

21,2

21,0

21,2

21,3(21,3)21,4

21,3)21,4)21,6)21,6)21,6

21,5 21,6)21,7 21,7

21,7

21,9

21,8

22,0

21,9

21,9

21,8

22,0

22,1)22,1(22,2
22,1)22,2)22,3 22,3 22,4
22,3(22,4)22,5 22)5 22,6
22,5 22,6 22,7 22,7 22,8
‘ ~ ‘ 22,8

22,7

22,9

23,1

23,3

23,0
23.2
23,4
23,5J 23,6
23,7)23,8

23,9

24,1

24,3

24,5

22,9 22,9 23,0

23,1 23,1 23,2
23,3 23,3 23,4
23,5 23,5)23,6
23,7)23,7 23,8

23,9

24,1

24,3

24,0

24.2

24.4

24.6)	24.7
24,7 24,8 24,9

25,025,1

26.2	25,3

26.4	25,5

25.6)	25,7

23,9

24,1

24,3

24,5 24,5

24,9

25,1

25,3

25,5

25,7

25,9

26,1

26,3

24,0

24,2
24,4
24,6
24,7(24,8,

24,9

25,0)

25,1 25,2

25,3;

25,5

25,4

25,6

25,7 25,8

25,8 25,9 25,9 26,0)

26,0
26,2

26,4)26,5
26,5)26,6 26,7
26,7 26,8 26,9

26,1)26,1 26,2
26,3 26,3 26,4
26,5
26,7

26.9

27.1

27.3

27.5
27,7

27.9

28.1

28.3

28.5

26,6

26,8

26,927,0

27,0 27,1 27,1)27,2

27,2 27,3 27,3

27,4 27,6
27,6127,7
27,8)27,9

27,5

27,7

27,4

27,6

27,8)

27,9)28,0

20.7

20.9
21,1

21.3

21.5

21.7

21.9
22,1

22.3
22)6

22.7

22.9
23,1

23.3

23.5
23)7

20.7

20.9
21,1

21.3
21)5

21.7

21.9
22,1

22.3
22,6

22.7

22.9
23,1

23.3

23.6

23.7

23,9:23,9
24,1 24,1

24,3

24,6

24,3

24,5

24,7)24,7

24,9,24,9

25,1

25,3

26,6

25,7

26,9

25,1

25,3
25,5
25,7
26,9
26,1)26,1

26,3,26,3
26,6 26,6

26,7

26,9

27,1

26,7

26,9

27,327,3

27,5)27,5

27,7

27,9

28,1

27,7

27,9

28,1

28,0)28,1)28,1)28,2 28,3)28,3
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28,6;28)7 28,7;28,8)28,9)28,9
28)7)28,8(28,9 28,9)29,0)29,1 29,1

21,0,

21,2

21,1

21,3

21,4(21,6
21,6)21,7
21,821,9:

22,0 22,1)22,1

22,2)22,3 22,3

20,9

21,1

21,3

21,6

21,7

21,9

22,5

22,7

21,0

21,2

21.4

21,6

21,8

22,0

22,2

22.4

22,6

22,8

23,0

23,2

22.4	22,6

22.6	22,7

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24,2

24,4

24,6

24,3

24,6

24,8124,9

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25,225,3

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25,8

24,7)24,8
25,0
26,2
25,4

25,6
25,8

24,4)24,4
24,6

25 7

25(9)26,0)
26,0)26,1)26,2
26.2 26.3

26,426,5

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27,0

26,9

27,1 27,2

27,1 27,2 27,3 27,4

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24.8
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25.4

25.6

25.8
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26.8
27,0
27,2

27.4

26,6

26,8

27,0

27,4)27,5 27,6
27,627,7 27,8

27,8

28,0

28,2

27,9
28,1
28,3

28,4)28,5
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28,8)28,9

29,0

29,2

29,1

29,3

28,0

28,2

28.4

28,6

28,8

29,0

29,2

29.4

27.6

27.8
28,0
28.2
28)4

28.7

28.9
29,1
29,3
29,5

40
        <pb n="648" />
        ﻿626

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Abge-

legene

Prozente

Wärmegrade:

10

11

12 : 13 i 14 15 16 17 18 19 20

21

22

23 1 24 I 25

26

27

28 i 29

29,0

2

4

6

8

30,0

2

4

6

8

31,0

2

4

6

8

32,0

2

4

6

8

33,0

2

4

6

8

34,0

2

4

6

8

35,0

2

4

6

8

36,0

2

4

6

8

37,0

2

4

6

8

38,0

2

4

6

8

28.4
28,6
28,8
29,0

29.2

29.4

29.6

29.8
30,0

30.2

30.4

30.6

30.8
51,0

31.2

31.4

31.6

31.8
32,0

32.2

32.4

32.6

32.8
33,0

33.2

33.4

33.6

33.8

28,5

28,7

28,9

28,7 28,8 28,8
28,9!29,0i29,0
29;i 129,1 29,2 29,2

29.3	29,3

29,5^29,5
29,7 29,7
29,9|29,9
30,1

30.3

28,5 28,6 28,6 28,7 28,7

30,4

30,6

30,1

30,3

29.4

29,6

29,8

30,0

30,2

30.4

29,4

28,9

29,1

29,3

29,5

28,9

28,8
29,0
29,1 29,2
29,3 29,4 29,5
29,5,29,6 29,7

28,9

29,1

29,3

29,6 29,7 29,7 29,8
29,8 29,9 29,9
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30,2 30,3 30,3

30,4

30,5 30,6 30,6
30,7 30,8 30,8
30,8 30,9 31,0 31,0
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31,2 31,3

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31.8
32,0

32.2

32.4

32.6

32.8
33,0

33.2

33.4

33.6

33.8

31.9

32.1

32.3

32.5

32.7

32.9

33.1

33.3

33.5

33.7

33.9

31.4

31,6

31,8

32,0

32,2

32.4

31,4

30.6

30.7
30,9
31,1
31,3
31,5

30.6

30.7
30,9
31,1

30,0

30,2

30.4

30)6

29,9

30,1

30,3

30,5

30,7

28.9

29.1

29.3

29.5

29.7

29.9

30.1

30.3

30.5

30.7

30.8 30,9
31,031,1
31,2)31,3
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30,9 31,0)31,1
31,1 31,2 31,3
31,3)31,4 31,5
31,5 31,6 31,7

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31,8)31,9(31,9
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32,4

32,6 32,6

32,8

33,0

33,2

33,4

32,5

32,7

32,5

32,7

32,8

33,0 33,1
33,2)33,3
33,4} 33,5

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33,7 33,8 33,9
33,9 34,0

32,9 32,9
" ' 33,1
33,3
33,5

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34.2

34.4

34.6

34.8
35,0

35.2

35.4

35.6

35.8
36.0
36)2

36.4	36,4

36.5	36,6

34.2

34.4

34.6

34.8
35,0

35.2

35.4

35.6

35.8
36,0

36.2

34.3

34.5

34.7
34,9
35,1

36.3

35.5

35.7

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36,9

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37,3

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37,0

37,2

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37,6

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34,5

34,7

34,9

35,1

35,3

34,6

34.8

34,9
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33,9
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32.2

32.4

32.6

32.8
33,0

33.2

33.4

33.6

33.8
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34.2

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36.9	36,9 37,0

37,1 37,1
37,3)37,3

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37,737,7

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37.2

37)4

37,6

37,8

34,935,0
35,1)35,2
35,3 36,4

35.5

35.7

35.9

36.1
36,3

36.5

36.7

36.9

37.1

35,6

35,8

36.0

32.1

32.3

32.6

32.7

32.9

33.1

33.3

33.5

33.7

33.9

34.1

34.3

34.5

34.7

34.9

36.1

36.3

35.5

35.7

35.9
36,1

36,2 36,3
36,4 36,5

36,6

36,7

29,0

29,2

29,4

29,6

29,8

29,1

29,3

29,5

29,7

29,9

29,1

29,3

29,2
29,4
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29,7)29,8 29,9

29,3

29,5

30,0 30,1
30,2 30,3
30,4)30,5
30,6130,7
30,8)30,9

29,9)30,0

30,1:30,2
30,3 30,4

31.7

31.9

32.1

32.3

32.5

32.7

32.9

33.1

33.3

33.5

31,8

32,0

32,2

32,4 32,5

31,9

32,1

32,3

30.6

30.7

30.9

31,1

31,3

31,5

31.7

31.9

30.6

30.8
31,0

31,2

31,4

31.6

31.8
32,0

30.1

30.3

30.5

30.7
30,9

31.1

31.3

31.5

31.7

29,3 29,4

29.5

29.7

29.9

30.1

30,3

30.5

30.7

30.9

31.1

29.6
29,8
30,0
30,2

30,4

30.6

29.5
29,7
29,9
30,1
30,3

30.6

30.7

29,6

29,8

29,7

29,9

30,0 30,1
30,2 30,3

30,4

30,5

30,6 30,7
30,8 30,9
30,8 30,9 31,0)31,1
31,0 31,1 31,2 31,3
31,2 31,3 31,4)31,5

31,4 31,5 31,6 31,7
31,6)31,7 31,8)31,9

31,3
31,5
31,7 31,8)31,9

31,9 31,9,32,0 32,1

32,1 32,1)32,2

32,1 32,2)32,3 32,3 32,4
' 32,6
32,8
33,0
33,2

32,3(32,4 32,5 32,6
32,5)32,6)32,7 32,8

32,6)32,7 32,7 32,8 32,9

32,8 32,9 32,9 33,0

33,o!33,1 33,1 33,2
33,2 33,3 33,3 33,4
33,4|33,5|33,6 33,6 33,7
33,8 33.9

33,1

33,3

33,5

33,6 33,7 33,7

33,7 33,8 33,9

33,9 34,0 34,1
34,1)34,2
34,3 34,4
34,5 34)6

34,7

34,9

35,1

35,3

35,5

34,8

33,9

34,1

34,3

34,1

34,0

34,2
34,4 34.

33,0

33)2

33,4

33,6

33,4

32.3

32,5

32,7

32,9

33,1

33.3

32,0 32,1
32,2 32,3

32.4

32.6

32.8
33,0
33,2

33.4

33.6

33.8

32.5

32.7

32.9
33,1
33,3

33.5

33.7

33.9

34,3
34,5

34,7 34,7 34,8 34,9 35,0 35,0

33,5
33,6 33,7

33,8 33,8 33,9 34,0 34)l
34,0 34,0 34,1 34,2 34,3
34,2 34,2 34,3 34,4)34,5

34,3 34,4 34,4 34,5 34,6 34,7
34,5 34,6 34,6 34,7 34,8 34,9

34,5 34,6 34,7 34,8 34,8 34,9

34,9 34,9 35,0

35,0 35,1 35,1 35,2

35,2|35,3 35,3
35,4 35,5 35,5

35,6

35,7 36,8

36,9)36,0
36,1)36,2
36,3)36,4
36,5 36,6

36,8 36,9 36,9

37,0)37,1)37,!

37,2)37,3 37,3
37,3 37,3 37,4 37,5:37,5

37,5 37,5 37,6

37,7 37,7 37,8
37,9 37,9 38,0
38,0 38,1)38,1)38,2
38,2 38,338,338,4
38,4 38,5 38,5 38,6

35,7

35,9

35,7

35.9

36,1 36,1
36,3 36,3
36,5)36,6
36,7)36,7

36.936.9

35.4
35,6
35,8
36,0

36,2

36.4

35.1

36,3

35,5

35,7

35,9

36.1

35.2

35,4
35,6
35,8
36,0

36.2

36,3 36,4
36,5 36,6
36,6 36,7)36,8
36,8)36,9)37,0
37,0 37,1 37,2

37,1)37,1)37,2 37,3 37,4
37,3 37,3 37,4 37,5 37,6

37.6	37,5 37,6 37,7 37,8

37.7	37,7 37,8 37,9 38,0

36,7 36,8

37,0
37,2
37,4
37,6

37,7)37,7 37,8

37,9 37,9 38,0 38,1)38,1 38,2
38,1)38,1 38,2 38,3 38,3 38,4
38,3 38,3 38,4 38,5 38,5 38,6
38,6)38,5)38,6)38,7)38.7 38,8
38,7 38,7 38.8 38,9 38,9 39,0

37,9 37,9 38,0

38,1 38,2

38,3 38,4
38,538,6
38,7'38,8
38,9 39,0 39,1

36,2

36,4

35.6

35.8
36,0

36.2

36.4

36.6

36.8
37,0

37.2

37.4

37.6

37.8
38,0

38.2

38.5

38.7

38.9

35,1

35,3

35,5

36,7

35,6 35,7
35,8135,9
36,9 36,0 36,1

36,1 36,2

35,0

36,2

36,4

35,1

35,3

35,5

36.3

36.6

36.7

36.9

37.1

37.3

37,5

37.7

37.9

38.1

36.4

36.6

36.8
37,0

37.2

37.4

37.6

37.8
38,0

38.2

38,3 38,4

36.3

16.5

36.7

36.9

37.1

37.3

37.5

37.7

37.9

38.1

38.3

38.6

38,5 38,6 38,7
38,7)38,8 38.9
38,9)39,0)39,1
39,139,239,3
39)1 39,2 39)3 39,3 39,4 39,6
        <pb n="649" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuckersteuergesetz.

627

Abge-

legene

Prozente

Wärmegrade:

10 I 11	12 13 14 15 16 I 17 i 18 I 19 20 21 22 I 23 I 24 25 26 I 27 28 29

39,0

2

4

6

8

40,0

2

4

6

8

41,0

2

4

6

8

42,0

2

4

6

8

43,0

2

4

6

8

44,0

2

4

6

8

45.0

2

4

6

8

46,0

2

4

6

8

47,0

2

4

6

8

48,0

2

4

6

8

38.3
38.5
38,7
38,9
39,1

39.3

38.4
38,6
38,8
39,0
39,2

39.4

38,5

38,7

38,5

38,7

39.6	39,6

39.7	39,8 39,9 39,9

38,9 38,9
39,1 39,1
39,3 39,3

39,5 39,5
39,7 39,7

38,6 38,7
38,8 38,9

39,9

40,1

40,0

40,2

40,3 40,4

40,1

40,3

40,1

40,3

40,5 40,6 40,7

40,6 40,5

40.7

40.9

41.1

41.3

41.5

41.7

41.9

42.1

42.3

42.5

42.7

40.8
41,0

41.2

41.4

41.6

41.8
42,0

42.2

42.4

42.6

42,4
42,6
42,8 42,8
42,9 43,0 43,0

40,7

40,9

41,1

41,3

40,9
41,0

41.2

41,4 41,5
41,6 41,7
41,8
42,0

42.2

43.1

43.3
43,5
43,7
43,9

44.1

44.3

43,2

43,2

41.9

42.1

42.3

42,5

42,7

42.9

43.1

43.3

39,0

39.2

39.4

39.6

39.8
40,0

40.2

40.4

40.6

40.8
41,0

41.2

41.4

41.6

41.8
42,0

42.2

42.4

39.1

39.3

39.5

39.7

39.9

40.1

40.3

40.5

40.7

40.9

41.1

41.3

41.6

41.7

41.9

42.1

42.3
42,5

42,6 42,7
42.8 42,9
43(0 “
43,2
43,4 43,5

43,1

43,3

43,4 43,4 43,5 43,6

43,6 43,6
43,843,8
44,0 44,0
44,2

44,4
44,6
44,8

44,2

44,4

44,5 44,6
44,744,8
44,9(45,0 46,0,
45,1 45,2 45,2

45,3

45,5

45,7

45,4

46,6

45,8

46,4
45,6
45,8
45.9 46,0 4ö(0
46,1i46,2 46,2

46,3146,4 46,4
46,5(46,6 46,6

46.7	46,8
46,9 47,0
47,1 j 47,2

47,347,4
47,5 47,6

47.7	47,8
47,948,0

46.8
47,0
47,2

47,4

47,6

47.8
48,0

48,1 48,2 48,2 48,3

43.7

43.9

44.1

44.3

44.5

44.7

44.9

45.1

45.3

45.6

45.7

45.9

46.1

46.3

46.5
46(7

46.9

47.1

47.3

47.5

47.7

47.9

48.1

43 7

43,8 43’9 43;9
44,0 44,1 44,1

38,7 38,8
38,9 39,0
39,1 39,2

39.3

39.5

39.7

39.9

40.1

40.3

40.5

40.7

40.9

41.1

41.3

39,4

39,6 39,7

39,8

40,0 40,1

40,2

40,4

40,6

40.8

41,0 41,1
41,2 41,3
41,4

41,5141,6

41,7 41,8
41,9 42,0

42.1

42.3

42.5

42,7

42,9

43.1

43.3

43.6

43.7

44.2

44.4

44.6
44,8
45,0

45.2

45.4

45.6
45;8
46,0

44,3

44.5

44.6
44,8

44,3

44,5

44,7

44,9

45,0145,1
45,2 45,3
45,4 45,5

45,645,7
45,8 45,9
46,0(46,1

46,2 46,2146,3

46,4

46,4 46,5

46,6 46,6 46,7

46,8

47,0

46,8146,9
47,047,1
47,2 47,2 47,3
47,4(47,4(47,5

47,6147,6 47,7 47,8

42.2

42.4

42.6

42.8
43,0

43.2

43.4

43.6

43.8
44,0

44.2

44.4

44.6

44.8
45,0

46.2

45.4

45.6

45.8
46,0

46.2

46.4

46.6

46.8
47,0

47.2

47.4

47.6

47,8 47,8 47,9

48,0

48,2

48,4

48,0

48,2

48,048,1

48,2(48,3 48,4|48,5j48,5

38,9

39,1

39,3

39,5

39,9

40,3

40,5

40,7

40,9

40,9
41,1
. 41,3
41,5,41,5

41,7

41.9

42.1

42.3

42.6

42.7

42.9

43.1

43.3

43.5

43.7

43.9

44.1

44.3

44.5

44.7

44.9

45.1

45.3

45.5

38.9

39.1

39.3

39.5

39.7

39.9

40.1

40.3

40.5

40.7

41.7

41.9

42.1

42.3

42.5

42.7

42.9

43.1

43.3

43.5

43.7

43.9

44.1

44.3

44.5

39,0(39,1
39,2 39,3

39,1 39,2 39,3

39,4

39,6

39.6

39.7

39,8 39,9

39,3

39,5

39,7

39,9

40,0

40,2

40,4

40.6	40,7
40,840,9

41,041,1

41.2	41,3
41,4(41,5

41.6	41,7
41,8(41,9

42,042,1

42.2	42,3

42,4

42,6

42,8

42,5

42,7

42,9

43,0 43,1

43,2

43,4

43,3

43,5

43,6 43,7
43,8 43,9

44,0 44,1
44,2 44,r

44,4

44,6

44,7 44,8

44

44,7

44,9

44,9145,0 45,1
45,l!46,2 45,3

45.6

45.7
45,9

45,3145,4
45,6(45,6

45.7	46,7(45,8

45,9 45,9 46,0 46,1
46,1 46,1 46,2 46,3
46,3 46,3 46,4 46,5
46,5 46,6 46,6 46,7

46.7	46,7 46,8(46,9

46.9
47,1
47,3
47,5
47,7

47.9

46,9

47,1

47,3

47,5

47,7

47,9
48,1 48,1
48,3 48,3

48,4(48,5

48,6(48,7 48,7

39,4 39,5
39,6 39,7
39,8 39,9
40,0 40,1

39,4

39,6

39,8

40,0

40,2

39.5
39,7
39,9
40,1
40,3

40.5

40,1 40,1 40,2 40,3 40,4
40,3 40,3 40,4 40,5 40,6
40,5 40,5 40,6 40,7 40,8
- “40.7 40,8 40,9 41,0 41,1
40,9(41,0(41,1 41,2 41,3

41,1 41,2(41,3
41,3 41,4 41,5
41,5 41.6 41,7

39.6
39,8
40,0
40,2
40,4

40.6
40,7 40,7 40,8

39.5
39,7
39,9
40,1
40,3

40.5

41,741,8

41,942,0

41,9

42,1

42,1 42,2 42,3

42,3

42,5

42,4

42,6

42,5

41.4

41.6
41,8
42,0
42,2

42.4

42.6

40,9

41,5

41,7

41,9

40.9
41,1
41,3

41.5

41,7

41.9

42,1 42,1
42,3 42,3

42,5

42,7

42.6

42.7

42,7 42,8 42,9(42,9

42,7 42,8 42,9(43,0 43,1
42,9 43,0 43,1 43,2	'

43,1

43,3

43,5

43,2

43,4

43,3

43,5

43,6 43,7 43,8

43,4

43,6 43,7 43,7 43,8 43,9

43,7 43,8(43,9 44,0

43,9

44,1

44,3

44,5

44,0 44,1

44,2

44,4

44,6

44,3

44,7 44,8
44,9 45,0 45,1(45(2

44,2

44,4
44,5 44,6
44,7 44,8
44,9 45,0

45,1

45,3

45,2

45,4

46,6 45,6
45,7(45,8
45,9 46,0

46,1 46,2
46,3 46,4
46.5 46,6
46,7(46,8

46,9

47,0 47,1
47,247,3
47,4 47,5
47,6 47,7
47,8 47,9

48,0

48,2

48,4

48,6

48,8

48,1

48,3

48,5

48,7

48,9

47,0

47,1 47,2
47,3 47,4
47,547,6
47,7(47,8
47,948,0

45,3 45,4
45,5 45,6

45.7	45,8

45.9	46,0

46.1	46,2

46,346,4

46,5)46,6

46.7	46,8

46.9	47,0

47.1	47,2

47,3

47,5

47,4

47,6

43,3

43,5

43,1

43,3

43,5

41,0

41.2

41.4

41.6

41.8
42,0

42.2

42.4

42.6

42.8
43,0

43.2

43.4

43.6

39.7

39.9

40.1

40.3

40.5

40.7

40.9

41.1

41.3

41.5

41.7

41.9

42.1

42.3

42.5

42.7

42.9

43.1

43.3

43.5

43.7

43,9 43,9(44,0(44,1
44,1 44,1 44,2(44,3
44,3 44,3(44,4!44,5

44,5 44,5

44,7

44,9

46,1

45,3

44,7

44,6(44,7
44,8(44,9
44,9 45,0(45,1
45,1 45,2 46,3
46,3:45,4 45,5

45,5(45,5 46,6 46,7

46.7	45,7 45,8 45,9
45,9 45,9 46,0(46,1
46,1(46,1(46,2(46,3
46,3 46,3:46,4 46,5

46,5 46,5 46,6 46,7

46.746.7	46,8 46,9

46,9 46,9
47,1 47,1

47,0

47,2

47,3 47,3 47,4

47,547,5
47,7 47,7

47,6

47,8

47,1

47,3

47,5

47,7

47,9

47,7 47,8 47,947,9 48,0(48,1

47,9(48,0 48,1(48,1
48,1(48,2 48,3(48,3

48,l(48,2(48,3(48.4 48,5(48,5
48,3 48,4 48,5 48,6 48,748,7
48,5 48,6 48,7 48,8 48,9(48,9
48,7 48.8 48,9 49,0 49,1 49,1
48,9 49,0 49,1 49,2 49,3 49,8

48.2	48,3

48.4	48,5

48,648,7
48,8(48,9
49,0 49,1

49.2	49,3

49.4	49,5

40*
        <pb n="650" />
        ﻿628

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfahrikation.

Abge-  lesene  Prozente									W ärmegrade:											
	10	11	12	13	14	15	16	17	18	19	20	21	22	23	24	25	26	27	28	29
49,0	48,3	48,4	48,4	48,5	48,6	48,6	48,7	48,8	48,9	48,9	49,0	49,1	49,1	49,2	49,3	49,4	49,6	49,5	49,6	49,7
2	48,6	48,6	48,6	48,7	48,8	48,8	48,9	49,0	49,1	49,1	49,2	49,3	49,3	49,4	49,5	49,6	49,7	49,7	49,8	49,9
4	48,7	48.8	48,8	48,9	49,0	49,0	49,1	49,2	49,3	49,3	49,4	49,5	49,5	49.6	49,7	49,8	49,9	49,9	50,0	60,1
6	48,9	49,0	49,0	49,1	49,2  49,4	49,2	49,3	49,4	49,5	49,5	49,6	49,7	49,7	49,8	49,9	50,0	50,1	60,1	60,2	50,3
8	49,1	49,2	49,2	49,3		49,4	49,6	49,6	49,7	49,7	49,8	49,9	49,9	50,0	50,1	50,2	60,3	50,3	50,4	60,5
50,0	49,3	49,4	49,4	49,5	49,6	49,6	49,7	49,8	49,9	49,9	50,0	50,1	50,2	50,2	50,3	50,4	50,5	50,5	50,6	50,7

Anlage B.

Anleitung für die Chemiker zur Feststellung des Quotienten der Zuckerabläufe
und zur Ermittelung des Rafllnosegehnlts.

Allgemeine Vorschriften.

Die Vorschriften unter I Ziffer 2 und 3 der Anlage A finden auch auf diese Fest-
stellung Anwendung mit der Maßgabe, daß auch nicht geeichte, jedoch eichfähige Geräte
Verwendung finden dürfen, sofern sie einer genauen Prüfung durch den untersuchenden
Chemiker unterzogen sind; hierüber ist bei der Mitteilung des Ergebnisses ein entsprechender
Vermerk zu machen. Auf die Spindeln und Gewichte bezieht sich diese Ausnahme nicht.

In allen Fällen, in denen eine chemische Ermittelung des Gesamtzuckergehaltes
stattfindet, ist bei der Berechnung des Quotienten an die Stelle der Polarisationsgrade der
Gesamtzuckergehalt, als Rohrzucker berechnet, zu setzen.

Nach den Ausführungsbestimmungen soll die Feststellung des Quotienten eines
Zuokerablaufs einem Chemiker übertragen werden, wenn

a)	bei der Abfertigungsstello oder dem Amte, an welches die Probe versendet ist, zur
Ermittelung des Quotienten geeignete Beamte nicht vorhanden sind;

b)	der Zuckerablauf 2 oder mehr vom Hundert Invertzucker enthält;

c)	der Anmelder die Berechnung des Quotienten nach dem chemisch ermittelten reinen
Zuckergehalte beantragt hat.

Den Chemikern wird bei der Übersendung der Proben von der Amtsstelle jedesmal
mitgeteilt werden, aus welchem der angegebenen Gründe die Untersuchung erfolgen soll
und ob die Anwendung der Raffinoseformel gemäß § 2 Absatz 5 der Ausführungsbestim-
mungen zulässig ist.

In den unter a und b bezeichneten Fällen haben die Chemiker zunächst nach den
Vorschriften der Anlage A zu verfahren, jedoch sind die Prozente Brix durch Ermittelung
der Dichte des unverdünnten Ablaufs bei 20° mittels des Pyknometers zu berechnen. Die
Berechnung darf nur auf Grund der nachstehenden Tabelle 2 geschehen. Ergibt diese
vorläufige Untersuchung einen Quotienten, der kleiner ist als 70, und einen Invertzucker-
gehalt von 2 oder mehr vom Hundert, so tritt die chemische Untersuchung nach den Vor-
schriften des nachstehenden Abschnitts 1 ein.

Die gleichen Vorschriften gelten im Falle unter c, sobald es sich nicht um Berück-
sichtigung des Raffinosegehalts handelt. Ist dagegen auch die Berücksichtigung des Rafflnose-
gehalts vom Anmelder verlangt, so ist bei einem 2 vom Hundert nicht erreichenden Gehalt
an Invertzucker nach den Vorschriften des nachfolgenden Abschnitts 2a zu verfahren.
Enthält der Ablauf 2 oder mehr vom Hundert Invertzucker und ist bei der Übersendung
der Proben von der Amtsstelle mitgeteilt, daß die Anwendung der Raffinoseformel zulässig
ist, so ist nach Abschnitt 2 b zu verfahren. Die Untersuchung auf den Gehalt an Invert-
zucker geschieht in beiden Fällen nach der unter II1 der Anlage A gegebenen Vorschrift.

(Fortsetzung siehe S. 631.)
        <pb n="651" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuckersteuergesetz.

629

Tabelle 2

zur Ermittelung der Prozente Brix aus der Dichte bei 20°.

Pro-  zente  Brix				Zehntel-		Prozente:				
	,0		1 ’2	,3	A	)6	&gt;6	,7	,8	,9
	Dichte bei 20° für die nebenstehenden ganzen Prozente und obenstehenden									
0	0,9982	0,9986	0,9990	Zel  0,9994	mtel-Prozente Bi  0,9998 I 1,0002		ix.  1,0006	1,0010	1.0013	1,0017
i	1,0021	1,0025	1,0029	1,0033	1,0037	1,0041	1,0045	1,0048	1,0062	1,0056
2	1,0060	1,0064	1,0068	1,0072	1,0076	1,0080	1,0084	1,0088	1,0091	1,0095
3	1,0099	1,0103  1,0143	1,0107	1,0111	1,0115	1,0119	1,0123	1,0127	1,0131	1,0135
4	1,0139		1,0147	1,0151	1,0155	1,0169	1,0163	1,0167	1,0171	1,0175
5	1,0179	1,0183	1,0187	1,0191	1,0195	1,0199	1,0203	1,0207	1,0211	1,0215
6	1,0219	1,0223	1,0227	1,0231	1,0235	1,0239	1,0243	1,0247	1,0251	1,0255
7	1,0259	1,0263	1,0267	1,0271	1,0275	1,0279	1,0283	1,0287	1,0291	1.0296
8	1,0299	1,0303	1,0308	1,0312	1.0316	1,0320	1,0324	1,0328	1,0332	1,0336
9	1,0340	1,0344	1,0349	1,0353	1,0367	1,0361	1,0365	1,0369	1,0373	1,0377
10	1,0381	1,0386	1,0390	1,0394	1,0398	1,0402	1,0406	1,0410	1,0415	1,0419
11	1,0423	1,0427	1,0431	1,0435	1,0440	1,0444	1,0448	1,0452	1,0456	1,0460
12	1,0465	1,0469	1,0473	1,0477	1,0481	1,0486	1,0490	1,0494	1,0498	1,0502
13	1,0507	1,0511	1.0515	1,0619	1,0524	1,0628	1,0632	1,0536	1,0541	1,0545
14	1,0549	1,0553	1,0558	1,0562	1,0566	1,0570	1,0575	1,0579	1,0583	1,0587
16	1,0592	1,0596	1,0600	1,0605	1,0609	1,0613	1,0617	1,0622	1,0626	1,0630
16	1,0636	1,0639	1,0643	1,0648	1,0652	1,0656	1,0661	1,0666	1,0669	1,0674
17	1,0678	1,0682	1,0687	1,0691	1,0695	1,0700	1,0704	1,0708	1,0713	1,0717
18	1,0721  1,0765	1,0726	1,0730	1,0736	1,0739	1,0743	1,0748	1,0752	1,0767	1,0761
19		1,0770	1,0774	1,0779	1,0783	1,0787	1,0792	1,0796	1,0801	1,0805
20 '	1,0810	1,0814	1,0818	1,0823	1,0827	1,0832	1,0836	1,0841	1,0845	1,0850
21	1,0854  1,0899	1,0859	1,0863	1,0868	1,0872	1,0877	1,0881	1,0886	1,0890	1,0895
22		1,0904	1,0908	1,0913	1,0917	1,0922	1,0926	1,0931	1,0935	1,0940
23	1,0944  1,0990	1,0949	1,0953  1,0999	1,0958	1,0962	1,0967	1,0971	1,0976	1,0981	1,0986
24		1,0994		1,1003	1,1008	1,1013	1,1017	1,1022	1,1026	1,1031
25	1,1036	1,1040  1,1086	1,1045	1,1049	1,1054	1,1069	1,1063	1,1068	1,1072	1,1077
26	1,1082		1,1091  1,1138	1,1096	1,1100	1,1105	1,1110	1,1114	1,1119	1,1124
27	1,1128	1,1133		1,1142	1,1147  1,1194	1,1152	1,1166	1,1161	1,1166	1,1170
28	1,1175	1,1180	1,1185	1,1189		1,1199	1,1203	1,1208	1,1213	1,1218
29	1,1222	1,1227	1,1232	1,1237	1,1241	1,1246	1,1251	1,1256	1,1260	1,1265
30	1,1270	1,1275	1,1279	1,1284	1,1289	1,1294	1,1299	1,1303	1,1308	1,1313
31	1,1318	1,1323	1,1327	1,1332	1,1337	1,1342	1,1347	1,1351	1,1356	1,1361
32	1,1366  1,1415	1,1371	1,1376	1,1380	1,1385	1,1390	1,1395	1,1400	1,1406	1,1410
33		1,1419	1,1424	1,1429	1,1434	1,1439	1,1444	1,1449	1,1464	1,1459
34	1,1463	1,1468	1,1473	1,1478	1,1483	1,1488	1,1493	1,1498	1,1503	1,1508
35	1,1513	1,1618	1,1623	1,1528	1.1533	1,1538	1,1542	1,1547	1,1552	1,1557
3B	1,1562	1,1567	1,1572	1,1577	1,1682	1,1587	1,1592	1,1597	1,1602	1,1607
ö i	1,1612  1,1663	1,1617	1,1622	1,1627	1,1632	1,1637	1,1642	1,1647	1,1663	1,1658
38		1,1668	1,1673	1,1678	1,1683	1,1688	1,1693	1,1698	1,1703	1,1708
39	1,1713	1,1718	1,1724	1,1729	1,1734	1,1739	1,1744	1,1749	1,1754	1,1759
40	1,1764	1,1770 ,	1,1775	1,1780	1,1785	1,1790	1,1795	1,1800	1,1806	1,1811
41	1,1816	1,1821 1	1,1826	1,1831	1,1837	1,1842	1,1847	1,1852	1,1857	1,1863
42	1,1868	1,1873	1,1878	1,1883	1,1888	1,1894	1.1899	1,1904	1,1909	1,1915
43	1,1920	1,1925	1,1931	1,1936	1,1941	1,1946	1,1951 1	1,1957	1,1962	1,1967
44	1,1972	1,1978  1	1,1983	1,1988	1,1994	1,1999	1,2004 j	1,2010	1,2015	1,2020
        <pb n="652" />
        ﻿630

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Pro-  zente  Brix				Zehntel-		Prozente:				
	,0	,1	,2	.3	,4	,5	,6	,7	,8	,9
45	1,2025	1,2031	1,2036	1,2041	1,2047	1,2052	1,2057	1,2063	1,2068	1,2073
46	1,2079	1,2084	1,2089	1,2095  1,2149	1,2100	1,2105	1,2111	1,2116	1,2122	1,2127
47	1.2132	1,2138	1,2143		1,2154	1,2169	1,2165	1,2170	1,2176	1,2181
48	1,2186	1,2192	1,2197	1,2203	1,2208	1,2214	1,2219	1,2224	1,2230	1,2235
49	1,2241	1,2246	1,2252	1,2257	1,2263	1,2268	1,2274	1,2279	1,2285	1,2290
60	1,2296	1,2301  1,2366	1,2307	1,2312	1,2318	1,2323	1,2329	1,2334	1,2340	1,2345
öl	1,2351		1,2362	1,2367	1,2373	1,2379	1,2384	1,2390	1,2395	1,2401
52	1,2406	1,2412	1,2418	1,2423	1,2429	1,2434	1,2440	1,2446	1,2451	1,2457
53	1,2462	1,2468	1,2474	1,2479  1,2536	1,2486	1,2490	1,2496	1,2502	1,2507	1,2613
54	1,2619	1,2624	1,2530		1,2541	1,2547	1,2563	1,2558	1,2564	1,2670
55	1,2575	1,2581	1,2587	1,2592	1,2598	1,2604	1,2610	1,2616	1,2621	1,2627
56	1,2632	1,2638	1,2644	1,2660	1,2656	1,2661	1,2667	1,2673	1,2678	1,2684
57	1,2690  1,2748	1,2696	1,2701	1,2707	1,2713	1,2719	1,2725	1,2730	1,2736	1,2742
58		1,2754	1,2759	1,2765	1,2771	1,2777	1,2783	1,2788	1,2794	1,2800
59	1,2806	1,2812	1,2818	1,2824	1,2830	1,2835	1,2841	1,2847	1,2853	1,2869
60	1,2865	1,2870	1,2876	1,2882	1,2888	1,2894	1,2900	1.2906	1,2912	1,2918
61	1,2924	1,2929	1,2935	1,2941	1,2947	1,2953	1,2959	1,2966	1,2971	1,2977
62	1,2983	1,2989	1,2995	1,3001	1,3007	1,3013	1,3019	1,3025	1,3031	1,3037
63	1,3043  1,3103	1,3049  1,3109	1,3065  1,3115	1,3061	1,3067	1,3073	1,3079	1,3085	1,3091	1,3097
64				1,3121	1,3127	1,3133	1,3139	1,3145	1,3151	1,3157
65	1,3163	1,3169	1,3175	1,3182	1,3188	1,3194	1,3200	1,3206	1,3212	1,3218
66	1,3224	1,3280	1,3236  1,3298	1,3243	1,3249	1,3265	1,3261	1,3267	1,3273	1,3279
67	1,3286	1,3292		1,3304	1,3310	1,3316	1,3323	1,3329	1,3335	1,3341
68	1,3347  1,3409	1,3363	1,3360  1,3422	1,3366	1,3372	1,3378	1,3384	1,3391	1,3397	1,3403
69		1,3416		1,3428	1,3434	1,3440	1,3447	1,3453	1,3469	1,3465
70	1,3472	1,3478	1,3484	1,3491	1,3497	1,3503	1.3609	1,3516	1,3522	1:3528
71	1,3535	1,3541	1,3647	1.3553	1,3560	1,3566	1,3572	1,3579	1,3585	1,3691
72	1,3698	1,3604	1,3610	1,3617	1,3623	1,3630	1,3636	1,3642	1,3649	1,3655
73	1,3661	1,3668	1,3674	1,3681	1,3687	1,3693	1,3700	1,3706	1,3713	1,3719
74	1,3725	1,3732	1,3738	1,3745	1,3751	1,3757	1,3764	1,3770	1,3777	1,3783
75	1,3790	1,3796	1,3803	1,3809	1,3816	1,3822	1,3829	1,3835	1,3841	1,3848
76	1,3854	1,3861	1,3867	1,3874	1,3880	1,3887	1,3893	1,3900	1,3907	1,3913
77	1,3920	1,3926	1,3933	1,3939	1,3946	1,3952	1,3959	1,3966	1,3972	1,3978
78	1,3985	1,3992	1,3998	1,4005	1,4011	1,4018	1,4025	1,4031	1,4038	1,4044
79	1,4051	1,4058	1,4064	1,4071	1,4077	1,4084	1,4091	1,4097	1,4104	1,4111
80	1,4117  1,4184	1,4124	1,4130	1,4137	1,4144  1,4210	1,4150	1,4157	1,4164	1,4170	1,4177
81		1,4190	1,4197	1,4204		1,4217	1,4224	1,4231	1,4237	1,4244
82	1,4251	1,4257	1,4264	1,4271  1,4338	1,4278	1,4284	1,4291	1,4298	1,4305	1,4311
83	1,4318	1,4325	1,4332		1,4345	1,4352	1,4359	1,4366	1,4372	1,4379
84	1,4386	1,4393	1,4399	1,4406	1,4413	1,4420	1,4427	1,4433	1,4440	1,4447
85	1,4454  1,4622	1,4461	1,4468	1,4474	1,4481	1,4488	1,4495	1,4602	1,4509	1,4516
86		1,4529	1,4536	1,4543	1,4650	1,4557	1,4564	1,4570	1,4677	1,4584
87	1,4691	1,4598	1,4605  1,4674	1,4612	1,4619	1,4626	1,4633	1,4640	1,4646	1,4653
88	1,4660	1,4667		1,4681	1,4688	1,4696	1,4702	1,4709	1,4716	1,4723
89	1,4730	1,4737	1,4744	1,4751	1,4758	1,4765	1,4772	1,4779	1,4786	1,4793
90	1,4800	1,4807	1,4814	1,4821	1,4828	1,4835	1,4842	1,4849	1,4856	1,4863
91	1,4870	1,4877	1,4884	1,4891	1,4898	1,4905	1,4912	1,4919	1,4926	1,4934
92	1,4941	1,4948	1,4955	1,4962	1,4969	1,4976	1,4983	1,4990	1,4997	1,5004
93	1,5012	1,6019	1,6026	1,5033	1,5040	1,6047	1,5064	1,5061	1,5069	1,6076
94	1,5083	1,5090	1,5097	1,5104	1,5112	1,5119	1,6126	1,6133	1,5140	1,5147
        <pb n="653" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuckersteuergesetz,

631

Pro-				Zehntel-		Prozente:				
Brix	,0	,1	,2	&gt;3	,4	,5	,6	,7	,8	,9
95	1,5155	1,6162	1,6169	1,6176	1,6183	1,6191	1,6198	1,5205	1,6212	1,5219
96	1,5227	1,6234	1,5241	1,6248	1,6266	1,6263	1,5270	1,5277	1,6285	1,6292
97	1,6299	1.5306	1,6313	1,6321	1,5328	1,5335	1,5342	1,6350	1,5357	1,5364
98	1,5372	1,6379	1,5386	1,5393	1,5401	1,5408	1,5416	1,6423	1,5430	1,5437
99	1,5446	1,5452	1,6459	1,5467	1,5474	1,5481	1,5489	1,5496	1,5503	1,5611
100	1,5518	—	—	—	—		 '		—	—	—

(Fortsetzung von S. 628.)

1.	Feststellung des Quotienten ohne Rücksicht auf Eaffinosegehalt.

Die folgende Vorschrift gilt in allen Fällen, unbeschadet ob Stärkezucker vorhanden

ist oder nicht.

Man wägt das halbe Normalgewicht (13 g) vom Ablauf ab, löst es in einem Meß-
kolben von 100 ccm Eaumgehalt in 75 ccm Wasser, setzt 5 ccm Salzsäure vom spezifischen
Gewicht 1,19 zu und erwärmt auf 67—70° im Wasserbado. Auf dieser Temperatur wird
der Kolbeninhalt noch 5 Minuten unter häufigem Umschütteln gehalten. Da das Anwärmen
21/a—5 Minuten dauern kann, wird die Arbeit im ganzen 71/.,—10 Minuten in Anspruch
nehmen; in jedem Falle soll sie in 10 Minuten beendet sein. Man füllt nach dem Erkalten
zur Marke auf, verdünnt darauf 50 ccm von den 100 ccm zum Liter, nimmt davon 25 ccm
(entsprechend 0,1625 g des Ablaufs) in einen Erl enmeyersehen Kolben und setzt, um
die vorhandene freie Säure abzustumpfen, 25 ccm einer Lösung von kohlensaurem Natrium
zu, welche durch Lösen von 1,7 g wasserfreiem Salze zum Liter bereitet ist. Darauf ver-
setzt man mit 50 ccm Fehlingsoher Lösung (Anlage AII1), erhitzt in derselben Weise
wie bei einer Invertzuckerbestimmung zum Sieden und hält die Flüssigkeit genau 2 Minuten
im Kochen. Das Anwärmen der Flüssigkeit soll möglichst rasch mittels eines guten Drei-
brenners geschehen und unter Benutzung eines Drahtnetzes mit übergelegter ausgeschnittener
Asbestpappe S'/.j—4 Minuten in Anspruch nehmen; sobald die Flüssigkeit kräftig siedet,
wird der Dreibrenner mit einem Einbrenner vertauscht. Nach dem Erhitzen verdünnt man
die Flüssigkeit in dem Kolben mit der gleichen Eaummenge luftfreien kalten Wassers
und verfährt im übrigen genau nach dem für Invertzuckerbestimmung bekannten Verfahren
der Gewichtsanalyse mittels Reduktion des Kupferoxyduls im Wasserstoffstrom oder Aus-
fällung des Kupfers aus der salpetersaureu Lösung des Kupferoxyduls auf elektrolytischem
Wege. Zur Berechnung des Ergebnisses aus der gefundenen Kupfermenge ist ausschließ-
lich die nachfolgende Tabelle zu benutzen, welche den Eohrzuokergehalt unmittelbar in
Prozenten angibt. Die Umrechnung des Invertzuckers in Rohrzucker ist demnach nicht
erforderlich.

(Siehe Tabelle 3 Seite 632.)

Bei der Berechnung des Quotienten sind im Endergebnisse die Bruchteile auf Zehntel
abzurunden, und zwar, wenn die zweite Stelle nach dem Komma weniger als 5 beträgt,
nach unten, anderfalls nach oben.

Beispiel; 25 ccm des invertierten Zuckerablaufs, enthaltend 0,1626 g des Ablaufs,
geben bei der Reduktion 171 mg Kupfer; diese entpsrechen 52,80 Prozent Zucker. Ange-
nommen der Ablauf zeige 74,6 Prozent Brix, so ist sein Quotient 70,77 oder abgerundet 70,8.

2.	Feststellung des Quotienten der Zuckerabläufe mit Rücksicht auf

Eaffinosegehalt.

a) Besteht Sicherheit darüber, daß der Gehalt an Invertzucker 2 vom Hundert nicht
erreicht, so bedarf es außer der Feststellung der Prozente Brix nur der Bestimmung der
Polarisation nach Anlage A und C vor und nach der Inversion, bezogen auf das ganze
        <pb n="654" />
        ﻿632

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Normalgewicht. Die
Bezeichnen P und J

Inversion ist nach dem unter 1 beschriebenen Verfahren auszuführen,
die Polarisationsgrade, so ist

der Gehalt an Zucker Z =

0.5124. P —J
0,839	'

Tabelle 3

zur Berechnung des Rohrzuckergehalts aus der gefundenen Kupfermenge bei 2 Minuten

Kochdauer und 0,1625 g Ablauf.

II ^	Eohr-	Kup-	Eohr-	Kup-	Rohr-	Kup-	Eohr-	Kup-	Rohr-	Kup-	Rohr-	Kup-	Rohr-
fer	zuoker	fer	zucker	fer	zucker	fer	zucker	fer	zuoker	fer	zuoker	fer	zucker
mg	°/o	mg	°/o	mg	°/o	mg	°/o	mg	°/o	mg	%	mg	°/o
79	23,57	106	32,31	133	40,74	160	49,29	187	67,85	214	66,77	241	75,69
80	23,88	107	32,68	134	41,11	161	49,60	188	58,15	215	67,08	242	76,00
81	24,12	108	33,05	135	41,42	162	49,91	189	58,52	216	67,38	243	76,37
82	24,43	109	33,29	136	41,66	163	50,22	190	68,83	217	67,69	244	76,68
83	24,74	110	33,60	137	42,03	164	50,58	191	59,14	218	68,06	245	77,05
84	26,05	111	33,91	138	42,34	165	50,83	192	69,45	219	68,37	246	77,36
85	25,36	112	34,22	139	42,65	166	61,20	193	59,82	220	68,68	247	77,72
86	25,66	113	34,58	140	42,95	167	51,61	194	60,18	221	69,05	248	78,03
87	25,97	114	34,83	141	43,26	168	51,82	195	60,43	222	69.42	249	78,40
88	26,28	116	35,14	142	43,57	169	52,12	196	60,80	223	69,66	250	78,71
89	26,52	116	35,51	143	43,88	170	62,43	197	61,17	224	70,03	251	79,02
90	27,45	117	35,75	144	44,18	171	52,80	198	61,42	225	70,40	252	79,38
91	27,69	118	36,06	145	44,49	172	53,11	199	61,78	226	70,71	253	79,69
92	28,00	119	36,43	146	44,86	173	53,42	200	62,15	227	71.02	264	80,06
93	28.31	120	36,74	147	45,11	174	53,72	201	62,46	228	71,38	265	80,37
94	28,62	121	36,98	148	45,48	175	64,03	202	62,77	229	71,69	256	80,74
96	28,92	122	37,35	149	45,78	176	54,34	203	63,08	230	72,00	257	81,05
96	29,23	123	37,66	150	46,15	177	54,65	204	63,45	231	72,37	258	81,36
97	29,54	124	37,97	151	46,40	178	55,01	205	63,75	232	72,68	259	81,72
98	29,85	125	38,28	152	46,77	179	55,32	206	64,06	233	73,05	260	82,09
99	30,15	126	38,58	153	47,08	180	55,63	207	64,43	234	73,35	261	82,40
100	30,46	127	38,89	154	47,32	181	55,94	208	64,80	235	73,66	262	82,71
101	30,83	128	39,20	155	47,69	182	56,25	209	65,05	236	74,03	263	83,08
102	31,08	129	39,61	166	48,00	183	56,62	210	66,42	237	74,34	264	83,45
103	31,38	130	39,82	157	48,37	184	56,86	211	65,78	238	74,71	265	83,69
104	31,75	131	40,18	158	48,62	185	67,17	212	66,03	239	76,02	266	84,06
105	32,06	132	40,43	159	48,98	186	57,54	213	66,40	240	75,38		

Will man außerdem den Gehalt an Eaffinosehydrat ermitteln, so dient dazu die
P — Z

Formel E =	.

l,o72

Beispiel: Für einen Ablauf von 56,2 Prozent Brix, 56,6° direkter Polarisation und
— 13,1° Polarisation nach der Inversion (bezogen auf das ganze Normalgewichtl berechnet

sich der Zuckergehalt auf Z = 0^24.56,6^_(—13,1) _ gQ pg 0(jer abgerundet 50,2 Prozent,
der Gehalt an Eaffinosehydrat auf R = —i 57^~ =

oder abgerundet 4,1 Prozent,

der Quotient auf Q =	= 89,32 oder abgerundet 89,3.

56,2

b) Bei einem Gehalte von 2 vom Hundert Invertzucker und darüber muß statt der
direkten Polarisation (P) des vorigen Verfahrens die Bestimmung des Gesamtzuckers in dem
invertierten Ablauf mittels Fehlingscher Lösung treten.

Nachdem die Prozente Brix ermittelt worden sind, bestimmt man den Gehalt des
Ablaufs an Zucker (Z), indem man die durch den invertierten Ablauf aus Fehlingscher
        <pb n="655" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuckersteuergesetz,

633

Lösung abgeschiedene Menge Kupfer (Cu) nach den Vorschriften des Abschnitts 1 und die
Inversionspolarisation (J) — bezogen auf das ganze Normalgewicht — feststellt.

Der Berechnung ist die folgende Formel zugrunde zu legen:

r/ _	582,98 . Cu — J . P2

~ 0,9491 . P, -f 0,3266 . P3’

in welcher Fx und F3 die Eeduktionsfaktoren einerseits des invertierten Rohrzuckers,
andererseits der invertierten Raffmose bedeuten. Nachstehend sind diese Werte unter der
Voraussetzung, daß nur Zucker, Invertzucker und Raffinose vorhanden sind, für die haupt-
sächlich in Betracht kommenden Kupfermengen von 0,120—0,230 g berechnet und ist die
Formel durch Einsetzung der berechneten Werte vereinfacht worden.

Für Cu = 120	mg ist Z	= 247,0 .	Cu —	0,608 . J

130	mg	Z	= 247,4 .	Cu —	0,607 . J

140	mg	Z	= 247,7 .	Cu —	0,606 . J

150 mg Z = 248,1. Cu — 0,605 . J
160	mg	Z	= 248,4 .	Cu —	0,604 . J

170	mg	Z	= 248,7 .	Cu —	0,604 . J

180	mg	Z	= 249,2 .	Cu —	0,604 . J

190	mg	Z	= 249,7 .	Cu —	0,604 . J

200	mg	Z	= 250,0 .	Cu —	0,604 . J

210	mg	Z	= 250,4 .	Cu —	0,605 . J

220	mg	Z	= 251,2 .	Cu —	0,606 . J

230	mg	Z	= 261,7 .	Cu —	0,607 . J.

Da die Reduktionsfaktoren sich nur sehr langsam ändern, so genügt die vorstehende
Berechnung von 0,01 zu 0,01 g Kupfer. Milligramme Kupfer rundet man beim Aufsuchen
des entsprechenden Wertes in der Tabelle auf Zentigramme ah, und zwar unterhalb 5 nach
unten, andernfalls nach oben.

Den Gehalt an Raffinosehydrat findet man nach der Formel;

R = (1,054 . J + 0,344 . Z). 1,178.

Beispiel: Der Ablauf habe eine Inversionspolarisation J = -—8,5° und eine Menge
Kupfer — nach der Inversion und bezogen auf 0,1625 g Ablauf — Cu = 0,184 g ergehen,
dann ist aus der Tabelle für Cu = 180 mg der Wert
Z = 249,2 . Cu — 0,604 . J oder
Z = 249,2.0,184 — 0,604 . (— 8,5)

Z = 60,98 Prozent oder abgerundet 61,0 Prozent.

Daraus berechnet sich nach obiger Raffinoseformel der Gehalt au Raffinosehydrat
H = [1,054 . (— 8,5) -)- 0,344.51,0]. 1,178 = 10,11 Prozent oder abgerundet = 10,1 Prozent.

Sohlußbestimmung.

Über jede Untersuchung ist eine Befundsbescheinigung auszustellen und der Amts-
stelle, welche die Probe eingesendet hat, zu übermitteln. Die Bescheinigung hat außer der
genauen Bezeichnung der Probe sowie einem Vermerk über die Art der verwendeten Meß-
geräte zu enthalten:

1.	in den eingangs unter a bezeichneten Fällen:

«) wenn der Invertzuckergehalt 2 vom Hundert nicht erreicht:

das Ergebnis der Prüfung auf Invertzuckergehalt, die Prozente Brix oder die
Dichte bei 20° und die daraus berechneten Prozente Brix, die direkte Polarisation
und den berechneten Quotienten;

ß) wenn der Invertzuckergehalt 2 oder mehr vom Hundert beträgt:

das Ergebnis der Prüfung auf Invertzuckergehalt, die Prozente Brix oder die
Dichte bei 20° und die daraus berechneten Prozente Brix, die nach dem Ver-
fahren unter 1 gefundene Kupfermenge und den sich daraus ergebenden Gesamt-
} Zuckergehalt, schließlich den berechneten Quotienten;

“• in den eingangs unter b bezeichneten Fällen:
wie zu Iß-,



i
        <pb n="656" />
        ﻿634

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuokerfabrikation.

3.	in den eingangs unter c bezeichnten Fällen:

«) wenn der Invertzuckergehalt 2 vom Hundert nicht erreicht:

das Ergebnis der Prüfung auf Invertzuckergehalt, die Prozente Brix oder die
Dichte bei 20° und die daraus berechneten Prozente Brix, die Polarisation des
Ablaufs vor und nach der Inversion — bezogen auf das ganze Normalgewicht —,
den nach dem Verfahren unter 2 a ermittelten Gehalt an Zucker, gegebenenfalls
den an Raffinosehydrat, schließlich den berechneten Quotienten;
ß) wenn der Invertzuokergehalt 2 oder mehr vom Hundert beträgt:

das Ergebnis der Prüfung auf Invertzuckergehalt, die Prozente Brix oder die
Dichte bei 20° und die daraus berechneten Prozente Brix, die gefundene Kupfer-
menge, die Polarisation nach der Inversion — bezogen auf das ganze Normal-
gewicht —, die nach 2b berechnete Menge Zucker und gegebenenfalls des Raffinose-
hydrats, schließlich den berechneten Quotienten.

Anlage C.

Anleitung zur Bestimmung der Polarisation.

Zur Bestimmung der Polarisation für Zwecke der Steuerverwaltung darf nur ein
Halbschattensaccharimeter benutzt werden. Für dieses entspricht bei Beobachtung im
200 mm-Rohre ein Grad Drehung einem Gehalte von 0,26 g Zucker in 100 ccm Flüssig-
keit bei der Normaltemperatur von 20°; eine Zuckerlösung, welche in 100 ccm 26 g —
das sogenannte Normalgewicht — Zucker enthält, bewirkt sonach eine Drehung von 100°.
Demgemäß zeigen, wenn man im 200 mm-Rohre eine Lösung untersucht, welche in 100 ccm
26 g der Probe enthält, die Grade der Skala die Prozente Zucker an. Wendet man nur
die Hälfte des Normalgewiohts zur Untersuchung an, so müssen die abgelesenen Grade
verdoppelt werden, um Prozente Zucker zu erhalten. Dasselbe gilt für diejenigen Fälle,
in denen die Untersuchung einer das ganze Normalgewicht enthaltenden Lösung in einem
100 mm-Rohre erfolgt. Andererseits machen Untersuchungen von Lösungen des doppelten
Normalgewichts im 200 mm-Rohre, sowie von solchen des einfachen Normalgewichts im
400 mm-Rohre die Halbierung der abgelesenen Grade erforderlich.

Die Untersuchungen sind, namentlich bei Polarisationen nach der Inversion, möglichst
bei der vorangegehenen Normaltemperatur vorzunehmen.

Bei der Polarisation ist wie folgt zu verfahren:

Man stellt auf einer geeigneten Wage zunächst das Gewicht einer Messingsohale
oder eines zur Aufnahme des zu untersuchenden Zuckers dienenden, zweckmäßig an den
beiden Langseiten umgebogenen Kupferblechs fest und wägt darauf das Normalgewicht.
26 g, des zu untersuchenden Zuckers ab. Falls die Zuckerprobe nicht gleichmäßig gemischt
ist, ist es notwendig, sie vor dem Abwägen unter Zerdrücken der etwa vorhandenen Klumpen
gut durchzurühren. Die Wägung muß mit einer gewissen Schnelligkeit geschehen, weil
sonst, besonders in warmen Räumen, die Probe Wasser abgeben kann, wodurch die Polari-
sation erhöht wird. Man löst die abgewogene Zuckermenge alsdann in der Messingschale
auf oder schüttelt sie vom Kupferblech durch einen Trichter in einen Meßkolben von
100 ccm Raumgehalt, spült anhängende Zuckerteilchen mit etwa 80 ccm destilliertem
Wasser von Zimmerwärme, welches man einer Spritzflasche entnimmt, nach und bewegt
die Flüssigkeit im Kolben unter leisem Schütteln und Zerdrücken größerer Klümpchen
mit einem Glasstabe so lange, bis der Zucker sich vollständig gelöst hat. Am Glasstabe
haftende Zuckerlösung wird beim Entfernen des Stabes mit destilliertem Wasser ins Kölbchen
zurüokgespült und dieses eine halbe Stunde lang in Wasser von 20° gestellt. Hierauf wird
die Flüssigkeit im Kolben mittels destillierten Wassers genau bis zur Marke aufgefüllt.
Zu diesem Zwecke hält man den Kolben in senkrechter Stellung gegen das Licht so vor
sich, daß in der Höhe des Auges die Kreislinie der Marke sich als eine gerade Linie
darstellt, und setzt tropfenweise destilliertes Wasser zu, bis der untere, dunkel erscheinende
Rand der gekrümmten Oberfläche der Flüssigkeit im Kolbenhalse in eine Linie mit dem
als Marke dienenden Ätzstrioh fällt. Nach dem Auffüllen ist der Kolbenhals mit Filtrier-
papier zu trocknen und die Flüssigkeit durch Schütteln gut, mindestens 1—2 Minuten lang,
durohzumischen.
        <pb n="657" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuckersteuergesetz.

635

Zuckerlösungen, welche nach der weiterhin zu erwähnenden Filtrierung nicht klar
oder noch so dunkel gefärbt sind, daß sie im Polarisationsapparate nicht hinlänglich durch-
sichtig sind, müssen vor dem Auffüllen zur Marke geklärt oder, wenn erforderlich, ent-
färbt werden.

Die Klärung geschieht in der Kegel durch Zusatz von 3—6 ccm eines dünnen Breies
von Tonerdehydrat nebst 1—3 com Bleiessig. Gelingt die Klärung auf diese Weise nicht,
so ist der Bleiessigzusatz vorsichtig zu vermehren, jedoch nur so weit, daß jeder neu hinzu-
gesetzte Tropfen Bleiessig noch einen Niederschlag hervorruft.

Nach der Klärung wird der innere Teil des Halses des Kölbchens mit destilliertem
Wasser mittels einer Spritzflasche abgespült und die Lösung in der oben angegebenen Weise
bis zur Marke aufgefüllt, Hierauf wird die im Halse des Kölbchens etwa noch anhaftende
Flüssigkeit mit Fließpapier abgetupft, die Öffnung des Kölbchens durch Andrücken eines
Fingers geschlossen und der Inhalt durch wiederholtes Umkehren und Schütteln des Kolbens
gut durchgemischt.

Bezüglich der Klärung gelten folgende allgemeine Bemerkungen;

1.	Die Flüssigkeit braucht um so weniger entfärbt zu sein, je größer die Lichtstärke der
Lampe ist, welche zur Beleuchtung des Polarisationsapparats dient. Man bedient sich
einer Gltihlichtlampe (Spiritus oder Gas) oder einer Petroleumlampe, im Notfall auch
einer gewöhnlichen Gaslampe oder einer elektrischen Lampe, welche zu dem vor-
liegenden Zwecke zugerichtet ist. Doch ist ein chromsäurehaltiges Strahlenfilter
zwischen Lichtquelle und Auge einzuschalten.

2.	Bleiessig darf nie in allzu großer Menge zugesetzt werden. Bei einiger Übung lernt
man sehr bald erkennen, wann mit dem Bleiessigzusatz aufgehört werden muß.

3.	Die Wirkung des Klärmittels ist um so besser, je kräftiger die Flüssigkeit nach dem
Auffüllen zur Marke durchgeschüttelt wird.

Man schreitet alsdann zur Filtrierung der Flüssigkeit mittels eines in einen Glas-
trichter eingesetzten Papierfilters. Der Trichter wird auf einen sogenannten Filtrierzylinder,
welcher die Flüssigkeit aufnimmt, gesetzt und, um Verdunstung zu verhüten, mit einer
Glasplatte oder einem Dhrglase bedeckt. Trichter und Zylinder müssen ganz trocken sein;
ein Feuchtigkeitsgehalt würde eine nachträgliche Verdünnung der Zuckerlösung bewirken.

Zweckmäßig wird das Filter so groß hergestellt, daß man die 100 ccm Flüssigkeit
auf einmal aufgeben kann; auch empfiehlt es sich, falls das Papier nicht sehr dick ist, ein
doppeltes Filter anzuwenden. Die ersten durchlaufenden Tropfen werden weggegossen,
weil sie trübe sind und durch den Feuchtigkeitsgehalt des Filtrierpapiers beeinflußt sein
können. Ist das nachfolgende Filtrat trübe, so muß es auf das Filter zurückgegossen
werden, bis die Flüssigkeit klar durchläuft. Es ist dringend notwendig, diese Vorsichts-
maßregel nicht zu verabsäumen, da nur mit ganz klaren Flüssigkeiten sich sichere polari-
metrische Beobachtungen austellen lassen.

Nachdem auf die beschriebene Weise eine klare Lösung erzielt worden ist, wird
das Rohr, welches zur polarimetrischen Beobachtung dienen soll, mit dem dazu erforder-
lichen Teile der im Filtrierzylinder aufgefangenen Flüssigkeit gefüllt.

In der Kegel ist ein 200 mm-Rohr zu benutzen; wird dabei eine genügende Klar-
heit des Bildes im Polarisationsapparat nicht erreicht, so ist die Benutzung eines 100 mm-
Rohres vorzuziehen.

Die Beobachtungsrohre sind aus Messing oder Glas gefertigt; ihr Verschluß an beiden
Enden wird durch runde Glasplatten, sogenannte Deckgläschen, bewirkt. Festgehalteu
werden die Deckgläschen entweder durch aufzusetzende Sohraubenkapseln oder durch federnde
Kapseln, welche über das Bohr geschoben und von den Federn festgehalteu werden.

Die Rohre müssen gut gereinigt und getrocknet sein. Die Reinigung geschieht
zweckmäßig durch wiederholtes Ausspülen mit Wasser und Nachstoßen eines trocknen
Pfropfens aus Papier oder entfetteter Watte mittels eines Holzstabes. Die Deckgläser müssen
blank geputzt sein und dürfen keine fehlerhaften Stellen oder Schrammen zeigen. Beim
Füllen des Rohres ist seine Erwärmung durch die Hand zu vermeiden. Man faßt deshalb
das unten geschlossene Rohr am oberen Teile nur mit zwei Fingern an, gießt es so voll,
daß die Flüssigkeitskuppe die obere Öffnung überragt, wartet kurze Zeit, um etwa ent-
        <pb n="658" />
        ﻿636

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

standenen Luftblasen Zeit zum Aufsteigen zu lassen — was durch sanftes Aufstoßen des
senkrecht gehaltenen Rohres beschleunigt wird —, und schiebt das Deckgläscheu von der
Seite in wagerechter Richtung über die Öffnung des Rohres. Das Aufschieben muß so
schnell und sorgfältig ausgeführt werden, daß unter dem Deckgläschen keine Luftblase
entstehen kann. Ist das Überschiehen das erstemal nicht befriedigend ausgefallen, so
muß es wiederholt werden, nachdem man das Deokgläschen wieder geputzt und getrocknet
und die Kuppe der Zuokerlösung an der Mündung des Rohres durch Hinzufügen einiger
Tropfen der Flüssigkeit wieder hergestellt hat. Nach dem Aufschieben des Deckgläschens
wird das Rohr mit der Kapsel verschlossen. Erfolgt der Verschluß mit einer Schrauben-
kapsel, so ist mit Sorgfalt darauf zu achten, daß diese nur so weit ungezogen wird, daß
das Deckgläschen nur eben in fester Lage sich befindet; ist das Deokgläschen zu fest an-
gezogen, so kann es optisch aktiv werden, und man erhält bei der Polarisation ein un-
richtiges Ergebnis. Ist die Schraube zu stark angezogen worden, so genügt es nicht, sie
zu lockern, sondern man muß auch längere Zeit warten, bevor man die Polarisation vor-
nimmt, da die Deckgläschen das angenommene Drehungsvermögen zuweilen nur langsam
wieder verlieren. Um sicher zu gehen, wiederholt man alsdann die Beobachtung mehrere
Male nach Verlauf von je 10 Minuten, bis das Ergebnis eine Änderung nicht mehr erleidet.

Nachdem das Rohr gefüllt ist, hält mau es gegen das Licht und überzeugt sich,
ob das Gesichtsfeld kreisrund erscheint und ob insbesondere keine Teile des zur Milderung
der Pressung des Deckgläsohens eingelegten Gummiringes über den inneren Metallrand
der Verschlußkapsel hervorragen. Zeigen sich solche Gummiteile, so ist ein anderes trockenes
Rohr unter Verwendung eines weiter ausgeschnittenen Gummiringes mit der Flüssigkeit
zu füllen. Sodann wird der Polarisationsapparat zur Beobachtung bereit gemacht. Dieser
soll in einem Raum aufgestellt werden, welcher möglichst eine Wärme von 20° zeigt und
welcher durch Verhängen der Fenster und dergleichen nach Möglichkeit verdunkelt ist,
damit das Auge bei der Beobachtung durch seitliche Lichtstrahlen nicht gestört wird. Es
ist darauf zu achten, daß die zum Apparat gehörige Lampe in gutem Stande sei. Man
stellt die Lampe in einer Entfernung von 15—20 cm vom Apparat auf. Nach dem An-
zünden wartet man mindestens eine Viertelstunde, ehe man zur Polarisation schreitet.
Jede Veränderung der Beschaffenheit der Flamme oder der Entfernung der Lampe vom
Apparat, also Jedes Hoch- oder Niedrigschrauben des Dochtes oder der Flamme, jedes Vor-
wärtsschieben oder Drehen der Lampe beeinflußt das Ergebnis der Beobachtung.

Durch Verschiebung des Fernrohres, welches an dem vorderen Ende des Apparats
sich befindet, stellt man diesen alsdann so ein, daß die Linie, welche das Gesichtsfeld im
Apparat in zwei Teile teilt, scharf zu erkennen ist. Man drückt dabei das Auge nicht
an das Augenglas des Fernrohrs an, sondern hält es 1—3 cm davon ab und sorgt dafür,
daß der Körper während der Beobachtung in bequemer Stellung sich befindet, da jede un-
natürliche Stellung zu einer störenden Anstrengung des Auges führt. Wenn der Apparat
richtig eingestellt ist, muß das Gesichtsfeld kreisrund und scharf begrenzt erscheinen.
Man beruhige sich niemals mit einer unvollkommenen Erfüllung dieser Vorbedingung,
sondern ändere die Stellung der Lampe des Apparats oder des Fernrohrs so lange, bis man
das bezeiohnete Ziel erreicht hat.

Man überzeugt sich zunächst von der Richtigkeit dos Apparats, indem man die
Polarisation einer Quarzplatte bestimmt, deren Drehungswert bekannt ist. Man legt die
Platte so in den vorderen Teil des Apparats hinein, daß sie dem Beobachter zugekehrt ist,
schließt den Deckel des Apparats und schreitet nun zur Beobachtung, indem man die
Schraube unterhalb des Fernrohres hin und her spielen läßt, bis die beiden durch die Linie
getrennten Hälften des Gesichtsfeldes gleich beschattet erscheinen.

Das Ergebnis der Nullpunktablesung wird in folgender Weise festgestellt; Man
liest an der mit einem Nonius versehenen Skala des Apparats, welche man durch Ver-
schiebung eines Spiegels scharf sichtbar machen kann, das Ergebnis der Einstellung ab.
Auf dem festliegenden Nonius ist der Baum von 9 Teilen der Skala in 10 gleiche Teile
geteilt. Auf der Skala liest man die ganzen Grade von 0 bis zum letzten Gradstriche vor
dem Nullpunkte des Nonius ab; die Teilung des Nonius wird zur Ermittelung der zu-
zuzählenden Zehntel benutzt; diese sind durch die Nummer desjenigen Nonienstrichs ge-
        <pb n="659" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuckersteuergesetz.

637

geben, welcher sich mit einem der Striche der Skala deckt. Wenn der Apparat richtig
ist, so muß die gefundene Drehung mit dem bekannten Polarisationswerte der Quarzplatte
übereinstimmen. Ist dies nicht der Fall, so muß die Abweichung bei der Polarisation der
Zuckerprobe in Anrechnung gebracht werden.

Man begnügt sich nicht mit einer Einstellung, sondern macht mindestens 6 Ein-
stellungen und berechnet das Mittel der dabei gefundenen Abweichungen. Geben einzelne
Ablesungen eine Abweichung von mehr als 8/10 Teilstrichen von dem Durchschnitte, so
werden sie als unrichtig ganz außer Betracht gelassen. Zwischen je zwei Beobachtungen
gönnt man dem Auge 20—40 Sekunden Ruhe.

Nachdem die Prüfung des Apparats stattgefunden hat, wird das Rohr mit der Zucker-
lösung in den Apparat gelegt. Man wiederholt jetzt die Scharfeinstellung des Fernrohrs,
bis die Linie, welche das Gesichtsfeld teilt, wieder deutlich sichtbar und ein scharfes kreis-
rundes Bild des Gesichtsfeldes erzielt wird. Bleibt das Gesichtsfeld auch nach Veränderung
der Einstellung getrübt, so muß die ganze Untersuchung noch einmal von vorn begonnen
werden. Hat man dagegen ein klares Bild erzielt, so dreht mau die unter dem Fernrohre
befindliche Schraube wieder so lauge, bis gleiche Beschattung eiugetreten ist. Hierauf liest
man an der Skala denjenigen Grad, welcher dem Nullpunkte des Nonius vorangeht, und
an letzterem die Zehntelgrade ah. Wiederum führt man die einzelnen Beobachtungen mit
Zwischenräumen von 10—40 Sekunden so lange aus, bis 5 oder 6 derselben untereinander
um nicht mehr als 3/10 Grade ah weichen; als Endergebnis der Polarisation nimmt man den
Durchschnitt der so ermittelten Werte. Ergab die Prüfung der Quarzplatte nicht den
richtigen Wert, so muß man die Abweichung berücksichtigen, und zwar hinzurechnen,
wenn die Polarisation zu niedrig, und abziehen, wenn sie zu hoch war.

Anlage D,

Bestimmungen über Steuervergütung und Steuerbefreiung. (Im Auszuge.)

I. Zu § 6 Ziffer 1 des Gesetzes.

§ 1. Für die nachbezeiohneten Waren, nämlich:

A.	Schokolade und sonstige kakaohaltige "Waren, soweit für diese nicht die Vergütung
nach Maßgabe der Ausführungsbestimmungen zum Gesetze vom 22. April 1892, be-
treffend die Vergütung des Kakaozolls, beantragt wird,

B.	Zuckerwerk, und zwar;

a)	Karamellen (Bonbons, Boltjes) mit Ausnahme der Gummibonbons,

b)	Dragees (überzuckerte Samen und Kerne, auch unter Zusatz von Mehl),

c)	Raffinadezeltchen (Zucker in Zeltchenform, auch mit Zusatz von ätherischen Ölen
oder Farbstoffen),

d)	Schaumwaren (Gemenge von Zucker mit einem Bindemittel, wie Eiweiß, auch
nebst einer Geschmacks- oder Heilmittelzutat),

e)	Dessertbonbons (Fondants usw. aus Zucker und Einlagen von Schachtelmus,
Früchten usw.),

fl Marzipanmasse und Marzipanwaren (Zucker mit zerquetschten Mandeln),

g)	Kakes und ähnliche Backwaren,

h)	verzuckerte Süd- und einheimische Früchte, glasiert oder kandiert, in Zucker-
auflösungen eingemachte Früchte, als: Schachtelmus (Marmelade), Pasten, Kompott,
Gallerte (Gelee),

C.	zuckerhaltige alkoholhaltige Flüssigkeiten, als:

a)	versüßte Trinkbranntweine,

b)	mit Zucker eingekochte alkoholhaltige Fruchtsäfte (Fruchtsirupe),

D.	flüssigen Raffinadezucker,

E.	den Invertzuckersirup, welcher als Fruchtzucker oder Honigsirup in den Handel ge-
langt,

und

F.	eingedickte Milch,
        <pb n="660" />
        ﻿638	Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

wird, wenn zu ihrer Herstellung im freien Verkehr befindlicher Zucker verwendet worden
ist, bei der Ausfuhr oder der Niederlegung in öffentlichen Niederlagen oder in Privatlagern
unter amtlichem Mitverschluß die Zuckersteuer für den verwendeten Zucker vergütet.

Nach näherer Bestimmung der obersten Landesfinanzbehörde kann auch für Waren
der genannten Art, zu deren Herstellung im freien Verkehr befindliche, nachweislich ver-
steuerte Abläufe verwendet worden sind, die Steuer vergütet werden.

§ 2. Ein Anspruch auf Steuervergütung steht nur demjenigen zu, welcher die Waren
hergestellt und sich vor der Herstellung der Steuerbehörde gegenüber schriftlich verpflichtet
hat, Honig sowie steuerfreie Abläufe und Eübensäfte, ferner, soweit dies nachstehend nicht
ausdrücklich gestattet ist, Stärkezuoker und, abgesehen von dem Palle des § 1 Abs. 2, auch
steuerpflichtige Abläufe nicht zur Bereitung von Waren derjenigen Art zu verwenden, für
welche er die Vergütung in Anspruch nimmt.

Die Aufsicht darüber, daß der übernommenen Verpflichtung entsprochen wird, ist
durch Einsicht der Pahrikbücher und Überwachung des Betriebs nach den von der Direktiv-
behörde zu erlassenden Vorschriften auszuüben.

Pabrikinhabern, welche der übernommenen Verpflichtung zuwidergehandelt haben,
ist die Vergütung der Zuckersteuer hinfort zu versagen.

Die Vergütung erfolgt, soweit nicht bezüglich einzelner Arten von Waren eine
andere Berechnung vorgeschrieben wird, für die Gesamtmenge des nachweisbar vorhandenen
Zuckers mit Einschluß des invertierten, nicht aber für denjenigen Teil des verwendeten
Zuckers, der im Laufe der Herstellung ausgesohieden oder verloren gegangen ist.

Die oberste Landesfinanzbehörde ist ermächtigt, für einzelne Betriebe erforderlichen-
falls weitere Aufsichtsmaßnahmen anzuordnen.

§ 3, Die Vergütungsfähigkeit der Waren ist dadurch bedingt, daß sie mindestens
10 vom Hundert ihres Reingewichts an Zucker enthalten.

Bin Zusatz von Stärkezuoker ist bei den im § 1 unter B a und h genannten Waren
gestattet. Zum Pärben der Zuckerwaren darf in jedem Palle aus Stärkezuoker bereitete
Zuckerfarbe verwendet werden.

§ 4. Die Steuervergütung kann nur beansprucht werden, wenn

a)	zuckerhaltige alkoholhaltige Flüssigkeiten, für welche auch Vergütung der Branntwein-
steuer in Anspruch genommen wird, in der die Vergütung dieser Abgabe bedingenden
Mindestmenge zur Abfertigung gestellt werden,

b)	in den übrigen Fällen die in den gleichzeitig zur Ausfuhr oder Niederlegung an-
gemeldeten Waren enthaltene Zuckermenge mindestens 100 kg beträgt.

Die Direktivbehörde ist befugt, Ausnahmen hiervon zuzulassen.

§ 5. Die zuckerhaltigen Waren, für welche die Gewährung von Steuervergütung
beansprucht wird, sind einer von der obersten Landesfinanzbehörde für befugt erklärten
Steuerstelle anzumelden und vorzuführen. Zur Anmeldung sind Vordrucke nach Muster 4
oder, falls die Gestellung der zuckerhaltigen Waren bei einer anderen Amtsstelle erfolgen
soll, nach Muster 9 zu benutzen. Im letzteren Palle ist die Anmeldung in doppelter Aus-
fertigung einzureichen.

Die Anmeldung hat anzugeben:

1.	Zahl, Verpackungsart, Bezeichnung und Rohgewicht der Packstüoke,

2.	Zahl und Art der inneren Umschließungen,

3.	Art und Reingewicht der zuckerhaltigen Waren,

4.	den Zuckergehalt der einzelnen Waren in Hundertteilen ihres Reingewichts und

5.	die Gesamtzuokermenge, welche in den Waren enthalten ist oder für welche die Ver-
gütung beansprucht wird.

Bezüglich der Zulässigkeit einer Anmeldung des Rohgewichts der zuckerhaltigen
Waren nach dem Gesamtbeträge finden die Vorschriften der §§ 39 und 41 der Ausführungs-
bestimmungen Anwendung.

Statt des wirklichen Zuckergehalts und der wirklich vorhandenen Gesamtzuokermenge
kann der Mindestgehalt an Zucker und eine diesem entsprechende Gesamtzuokermenge an-
gegeben werden.
        <pb n="661" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuckersteuergesetz.

639

§ 8. Die Untersuchung der Waren und die Feststellung ihres Zuckergehalts erfolgt
auf Grund von Proben, die von der Ahfertigungsstelle unter Mitwirkung eines Oberbeamten
und unter Zuziehung des Versenders zu entnehmen sind. Die Untersuchung geschieht auf
Kosten des Versenders durch einen von der Direktivbehörde auf die Wahrnehmung der
Ansprüche der Steuerverwaltung verpflichteten Chemiker nach Maßgabe der Anweisung in
Anlage B.

Es bleibt der obersten Landesfinanzbehörde überlassen, die Peststellung des Zucker-
gehalts solcher Waren, bei denen er zufolge der gesammelten Erfahrungen mit Sicherheit
durch die Polarisation bestimmt werden kann, einer zur Ermittelung des Quotienten der
Zuckerabläufe berechtigten Amtsstelle (vergl. § 2 der Ausführungsbestimmungen) zu
übertragen.

Die Untersuchung der Ware auf den Zuckergehalt braucht stets nur so weit aus-
gedehnt zu werden,, daß das Vorhandensein eines der Anmeldung entsprechenden Gehalts
an Zucker in der Ware nachgewiesen wird.

§ 9. Von jeder Gattung von Waren, welche unter der nämlichen Benennung und mit
dem nämlichen Zuckergehalt angemeldet ist, und wenn bezüglich der Gleichartigkeit der
Ware Zweifel bestehen, von jedem für nicht gleichartig erachteten Teile der Sendung, nach
vorgängiger Feststellung des Gewichts dieses Teiles, muß eine Probe von mindestens 100 g
Gewicht entnommen, im Beisein des Versenders gehörig verpackt uud mit amtlichem Siegel
verschlossen werden, welchem der Versender sein eigenes Siegel beifügen kann.

§ 10. Bei Waren aus Fabriken, deren Inhaber sich schriftlich verpflichtet haben,
unter einer bestimmten Benennung stets nur gleichartige Waren von einer näher an-
zugebenden und durch Hinterlegung von Mustern festzustellenden Beschaffenheit mit dem
nämlichen Zuckerzusatze zur Anmeldung zu bringen, ist nach näherer Bestimmung der
Direktivbehörde von regelmäßiger Untersuchung der Ware durch einen Chemiker abzusehen
und, falls sich bei der Revision keine Abweichung der Ware von den Mustern ergibt, der
in der Anmeldung angegebene Zuckergehalt als richtig anzunehmen. Die Steuerstelle ist
jedoch verpflichtet, auch von anscheinend dem Muster entsprechenden Waren ab und zu
Proben zu entnehmen und auf Kosten der Versender untersuchen zu lassen.

§ 11. Zuckerhaltige Waren, für welche die Gewährung einer Steuervergütung be-
antragt ist, dürfen von dem Zeitpunkte der Abfertigung ab nur unter amtlichem Verschluß
oder unter amtlicher Begleitung versendet werden. Im übrigen finden auf die Abfertigung
die Vorschriften in §§ 61—67 der Ausführungsbestimmungen sinngemäße Anwendung.

§ 15. Karamellen, welche Stärkezucker enthalten, sind nur vergütungsfähig, wenn
sie mindestens 80 Grad Eechtsdrehung zeigen. Die Vergütung wird stets nur für 60 vom
Hundert des Gewichts der Ware gewährt. Die Vergütung ist zu versagen, wenn bei den
von den Aufsichtsbeamten in der Fabrik von Zeit zu Zeit vorzunehmenden Untersuchungen
ermittelt wird, daß die zur Ausfuhr gelangenden stärkezuckerhaltigen Karamellen weniger
als 50 vom Hundert ihres Gewichts an Rohrzucker enthalten.

Für Karamellen, welche Stärkezucker nicht enthalten, ist die volle Vergütung für die
ermittelte Zuckermenge zu gewähren.

§ 16. Für Erzeugnisse der im § 1 unter B h uud C b bezeichneten Art wird mit
Rücksicht auf den natürlichen Zuckergehalt der zur Herstellung der Waren verwendeten
hrüohte die Steuervergütung auf 90 vom Hundert der ermittelten Zuckermenge beschränkt.

Für verzuckerte oder in Zuckerauflösungen eingemachte Früchte gilt diese Be-
stimmung nur für den Fall, daß bei ihrer Herstellung Stärkezuoker nicht verwendet worden
ist. Wenn bei der Herstellung auch Stärkezucker Verwendung gefunden hat, erfolgt die
Vergütung nach Maßgabe des Gehalts an Rohrzucker, welcher nach der in der Anlage E
unter B h Abs. 2 ff. enthaltenen Anweisung gefunden wird.

Für den im § 1 unter D bezeichneten flüssigen Raffinadezucker ist die Steuervergütung
nach einem Zuckergehalte von 75 vom Hundert festzusetzen, solange nicht ein geringerer
ermittelt worden ist.

II.	Zu § 6 Ziffer 2 des Gesetzes.

§ 25. Inländischer Zucker und Zuckerablauf kann zur Viehfütterung unter Be-
0 achtung der nachfolgenden Maßregeln steuerfrei verabfolgt werden:
        <pb n="662" />
        ﻿640

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation,

1.	Der Zucker oder Ablauf ist unter amtlicher Aufsicht zur Verwendung als Nahrungs-
und Genußmittel für Menschen untauglich zu machen (zu denaturieren).

2.	Die Denaturierung ist durch Vermischung mit Ölkuchen, Fleischfuttermehl, Fisch-
futtermehl, Fischguano, Torfmehl, Schnitzel staub, gemahlenen Schnitzeln oder Reisfutter-
mehl in einer Menge von 20 vom Hundert des Reingewichts des Zuckers zu bewirken.
Nötigenfalls ist der Zucker vor der Denaturierung zu vermahlen.

3.	Abläufe gelten als denaturiert, wenn sie unter Zusatz von Stoffen der genannten Art
oder mit trockenen Futterstoffen von schrot-, kleie- oder mehlförmiger Zerkleinerung
in der Weise zu Viehfutter verarbeitet werden, daß sie die flüssige Form verlieren und
ohne Benutzung undurchlässiger Gefäße versandt werden können, oder wenn ihnen
Viehsalz in solcher Menge zugesetzt wird, daß ihr Quotient dadurch unter 70 sinkt.

4.	Das Denaturierungsmittel ist von demjenigen, welcher die steuerfreie Verabfolgung
beantragt, zu stellen; auch ist von diesem für die gehörige Vermischung mit dem
Denaturierungsmittel nach Anleitung der Steuerbehörde Sorge zu tragen.

5.	Die Denaturierung darf nur in einer Zuckerfabrik oder in einer öffentlichen Niederlage
oder in einem Privatlager unter amtlichem Mitverschluß für inländischen Zucker statt-
finden.

§ 26. Zur Herstellung von Ultramarin kann inländischer Rohzucker nach Dena-
turierung durch Vermischung von 40 Teilen Rohzucker mit 35 Teilen unterschwefligsaurem
Natrium (Antichlor) steuerfrei ahgelassen werden.

§ 27. Zur Herstellung von Kupferoxydul kann inländischer Rohzucker nach Dena-
turierung durch Vermischung von 95 Teilen Rohzucker mit 5 Teilen Kupfervitriol steuer-
frei abgelassen werden.

§ 28. Zur Verwendung bei der Herstellung von Seifen kann inländischer Zucker
nach Vermischung mit kochender Seifenmasse steuerfrei abgelassen werden; die Vermischung
hat in dem Verhältnisse von mindestens 4 kg Seifenmasse zu 1 kg Zucker zu erfolgen.

§ 29. In den Fällen der §§ 26—28 findet die Bestimmung im § 26 zu 4 Anwendung.

Die oberste Landesfinanzhehörde kann weitere Aufsichtsmaßuahmen anordneu, auch
in den Fällen der §§ 25—28 eine andere Art der Denaturierung zulassen. Von den ge-
troffenen Maßnahmen ist dem Reichskanzler Kenntnis zu geben.

Anlage E.

Anleitung zur Ermittelung des Zuckergehalts von zuckerhaltigen Waren.

Nach §§ 2, 3 der Anlage D darf für zuckerhaltige Waren mit den dort gedachten
Ausnahmen die Vergütung der Zuckersteuer nur gewährt werden, wenn die Waren ohne
Mitverwendung von Honig, Abläufen, Rübensäften und Stärkezucker hergestellt sind.
Während die Nichtverwendung dieser Stoffe im allgemeinen durch die Überwachung der
Fabrik und die Einsicht der Betriebsbücher ausreichend gesichert erscheint, ist die Nicht-
verwendung von Stärkezucker auch durch die chemische Untersuchung von Proben der
Waren auf Stärkezuckergehalt festzustellen, und zwar soll das Vorhandensein von Stärke-
zucker angenommen werden, wenn für 100° Rechtsdrehung, welche sich aus der direkten
Polarisation berechnet, die Linksdrehung der zu untersuchenden Lösung nach der Inversion
28° oder weniger beträgt.

Der Zuckergehalt der stärkezuckerfreien zuckerhaltigen Waren ist auf verschiedene
Weise festzustellen, je nachdem sie weniger als zwei vom Hundert oder mindestens zwei
vom Hundert Invertzucker enthalten. Infolgedessen ist zunächst die Untersuchung auf
Invertzuokergehalt nach den Vorschriften des Abschnitts III der Anlage A mit der Ab-
weichung vorzunehmen, daß die mit der Fehling sehen Lösung zu kochende Zuckerlösung
nicht 10 g der Probe, sondern 10° Polarisation zu entsprechen hat.

Von zuckerhaltigen Waren, welche weniger als zwei vom Hundert Invertzucker ent-
halten, wird der Zuckergehalt nach dem Clergetsohen Verfahren festgestellt, wobei die
Inversion genau nach den bezüglichen Vorschriften unter 1 der Anlage B zu bewirken,
die Polarisation nach den Vorschriften in der Anlage C auszuführen ist.
        <pb n="663" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuokersteuergesetz.

641

Zur Berechnung des Zuckergehalts Z dient die Formel

100 (P —J)

C —Vst '

P ist die Polarisation vor der Inversion, bezogen auf eine Lösung des in dem ganzen
Normalgewicht der zu untersuchenden Ware enthaltenen Zuckers zu 100 ccm und bestimmt
im 200 mm-Eohr.

J bedeutet die Polarisation der vorstehenden Lösung nach der Inversion im
200 mm-Eohr.

Benutzt man zur Inversion die nämliche Lösung, welche zur ersten Polarisation ge-
dient hat, was zweckmäßig ist, so genügt es, wenn man hierzu 50 ccm der Lösung verwendet.

C ist ein Wert, der von der Menge des in der zu invertierenden Lösung wirklich
vorhandenen Zuckers abhängt. Diese Menge erhält man mit hinreichender Annäherung
durch Vervielfältigung der abgelesenen Polarisation vor der Inversion mit der Zahl Kubik-
zentimeter des zur Inversion benutzten Teiles der ursprünglichen Lösung und mit dem
ganzen Normalgewicht in Gramm und durch Teilung mit 10000. Die so ermittelte Menge,
abgerundet auf ganze Gramm, ergibt den Betrag von C aus der nachfolgenden Tabelle:

Für g Zucker	ist C einzusetzen	Für g Zucker	ist C einzusetzen
in 100 com	mit	in 100 ccm	mit
1 . . . .	,	.	.	.	141,85	8 . . . .	.... 142,32
2 ... .	,	. . . 141,91	9 .	. . .	.	.	.	.	142,39
3 . . . .	.	. . . 141.98	10 ... .	.... 142,46
4	.	.	.	.	. . . . 142,05	11 ... .	. . . . 142,52
5 . . . .	.	.	.	.	142,12	12 ... .	. . . . 142,59
6 , . . .	. . . 142,18	13 ... .	.... 142,66
7	.	.	.	.	. . . . 142,26		

t ist die Temperatur während der Polarisation nach der Inversion im Polarisations-
aPparat in Graden Celsius.

Beispiel; Es sei der in dem halben Normalgewichte der Ware, 13 g, enthaltene
Zucker zu 200 com gelöst; 100 ccm der Lösung entsprechen also dem 1/4 Normalgewichte.
4*ie abgelesene Polarisation vor der Inversion betrage bei Benutzung des 100 mm-Eohres
+ 7 °. Sie ist demnach mit 4 und, weil das 100 mm-Eohr verwendet wurde, nochmals mit
2 zu vervielfältigen. Es ergibt sich P = -f-66°.

Von der Lösung seien 50 ccm zur Inversion benutzt. Die Polarisation nach der In-
version betrage bei Benutzung des 200 mm-Eohres —2,35° und somit für die 100 ccm der
obigen ursprünglichen Lösung —4,7°; da die Lösung dem 1/4 Normalgewicht entspricht, so
ist J = _ 18,81 Ferner ist die Menge des Zuckers, der in den zur Inversion verwendeten

50 ccm enthalten ist, =	= 1,82. Damit findet sich aus der Tabelle für C der Wert

10000

141,91 und es wird nunmehr die Formel zur Berechnung des Zuckergehalts, falls die Tempe-
ratur während der Polarisation nach der Inversion 19° betrug, Z = —14X91	9 5 ~ ~ 56,49

oder abgerundet 66,5 Prozent.

Der Zuckergehalt derjenigen Waren, welche 2 vom Hundert oder mehr Invertzucker
enthalten, ist nach dem unter 1 der Anlage B angegebenen Verfahren zu ermitteln. Zur
' ere°hnung des Zuckergehalts dient die nachstehende Tabelle.

(Siehe Tabelle 4 S. 642.)

TT- „	. , ,	,	g.nrker berechnet und demnächst der Gesamtgehalt

Hierauf wird der Prozentgehalt an Zuck	,	Bruchteile als volle Zehntel-
ais Eohrzucker in Prozenten der Probe ausgedruck .	o

Prozente bleiben unberücksichtigt.	711iässio- die festen Proben

Bei der Herstellung der Lösungen ist es m der Regel nicht ^lässig, die te^, ^ ^

(Schokolade uaw.) mit Wasser in einem Kölbchen 18 J™r d der hierdurch verursachte
unlöslichen Bestandteile einen gewissen Kaum einn	j „sune erst nach der

Fehler oft zu erheblich sein würde. Es ist daher in der Kegel die Losung erst nacn
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.
        <pb n="664" />
        ﻿642

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Filtrierung und dem Auswaschen des Rückstandes, sowie nach Zusatz der Klärungsmittel zu
einer bestimmten Raummenge aufzufüllen oder durch die doppelte Polarisation einer auf
100 ccm und auf 200 ccm verdünnten Lösung die Raummenge der unlöslichen Anteile in
Anrechnung zu bringen.

Tabelle 4

zur Berechnung des Rohrzuokergehalts aus der gefundenen Kupfermenge bei 2 Minuten

Kochdauer.

Cu  mg	Rohr-  zucker  mg	Cu  mg	Rohr-  zucker  mg	Cu  mg	Rohr-  zucker  mg	Cu  mg	Rohr-  zucker  mg	Cu  rag	Rohr-  zucker  mg	Cu  mg	Rohr-  zucker  mg	Cu  mg	Rohr-  zucker  mg
32	16,2	73	35,4	114	65,6	155	76,5	196	97,8	237	119,7	278	142,0
33	16,6	74	36,9	115	56,2	156	77,0	197	98,2	238	120,3	279	142,6
34	17,1	75	36,4	116	66,6	157	77,5	198	98,8	239	120,8	280	143,2
35	17,6	76	36,9	117	57,1	168	78,0	199	99,4	240	121,4	281	143,7
36	18,0	77	37,3	118	57,7	159	78,6	200	99,8	241	121,9	282	144,3
37	18,4	78	37,8	119	58,1	160	79,0	201	100,4	242	122,5	283	144,9
38	18,9	79	38,3	120	58,6	161	79,6	202	101,0	243	123,0	284	146,4
39	19,4	80	38,8	121	59,2	162	80,1	203	101,5	244	123,5	285	146,0
40	19,9	81	39,2	122	59,7	163	80,6	204	102,0	245	124,1	286	146,6
41	20.3	82	39.7	123	60,1	164	81,1	205	102,5	246	124,6	287	147,2
42	20,8	83	40,2	124	60,7	165	81,6	206	103,1	247	126,2	288	147,7
43	21,3	84	40,7	125	61,2	166	82,2	207	103,6	248	126,7	289	148,3
44	21,8	85	41,2	126	61,7	167	82,7	208	104,1	249	126,3	290	148,9
45	22,2	86	41,7	127	62,2	168	83,2	209	104,7	250	126,8	291	149,3
46	22,7	87	42,2	128	62,7	169	83,7	210	105,3	251	127,4	292	149,9
47	23,2	88	42,7	129	63,2	170	84,2	211	105,7	252	127,9	293	150,5
48	23,7	89	43,1	130	63,8	171	84,7	212	106,3	253	128,4	294	151,0
49	24,1	90	43,6	131	64,2	172	85,2	213	106,9	264	129,0	295	161,6
50	•24,6	91	44.1	132	64,7	173	85,8	214	107,4	265	129,5	296	152,2
51	25,1	92	44,6	133	65,3	174	86,3	215	107,9	256	130,1	297	152,8
52	25,6	93	45,0	134	65,7	175	86,8	216	108,5	257	130,6	298	153,3
53	26,0	94	45,5	135	66,2	176	87,3	217	109,0	268	131,2	299	153,9
54	26,6	95	46,0	136	66,8	177	87,8	218	109,5	259	131,7	300	164,5
65	27,0	96	46,5	137	67,3	178	88,4	219	110,0	260	132,2	301	155,0
56	27,4	97	47,0	138	67,7	179	88,8	220	110,6	261	132,8	302	155,6
57	27,8	98	47,5	139	68,3	180	89,4	221	111,2	262	133,4	303	156,2
58	28,3	99	48,0	140	68,8	181	89,9	222	111,6	263	133,9	304	156,7
59	28,8	100	48,6	141	69,3	182	90,4	223	112,2	264	134,4	305	157,3
60	29,3	101	49,0	142	69,8	183	90,9	224	112,8	265	136,0	306	157,9
61	29,7	102	49,5	143	70,3	184	91,4	225	113,2	266	135,6	307	158,5
62	30,2	103	50,1	144	70,8	185	92,0	226	113,8	267	136,0	308	158,9
63	30,7	104	50,5	146	71,4	186	92,4	227	114,4	268	136,6	309	159,5
64	31,2	105	51,0	146	71,8	187	92,9	228	114,9	269	137,2	310	160,1
65	31,6	106	51,6	147	72,3	188	93,5	229	115.4	270	137,7	311	160,6
66	32,1	107	52,1	148	72,9	189	94,1	230	116,0	271	138,2	312	161,2
67	32,6	108	52,5	149	73,3	190	94,5	231	116,5	272	138,8	313	161,8
68	33,1	109	53,1	150	73.9	191	95,1	232	117,0	273	139,4	314	162,4
69	33,5	110	53,7	151	74,4	192	95,6	233	117,6	274	139,8		
70	34,0	111	54,1	162	75,0	193	96,1	234	118,1	275	140,4		
71	34,5	112	54,6	153	75,4	194	96,6	235	118,7	276	141,0		
72	35,0	113	55.1	154	76,0	195	97,2	236	119,2	277	141,6		

Für die Klärung können bestimmte Vorschriften nicht gegeben werden. Gute Dienste
leistet Tonerdebrei oder Bleiessig mit darauffolgendem Zusatz einer gleichgroßen Menge
kalt gesättigter Alaunlösung. Für die Inversionspolarisation erfolgt die Klärung zweckmäßig
durch mit Salzsäure ausgewaschene Knochenkohle,' deren Aufnahmevermögen für Zucker
bekannt ist.

Im einzelnen ist noch folgendes hervorzuheben:
        <pb n="665" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuckersteuergesetz.

643

A,	Schokolade und andere kakaohaltige Waren.

Man feuchtet das halbe Normalgewicht der auf einem Reibeisen zerkleinerten Probe
je in einem 100 und 200 ccm-Kölbchen mit etwas Alkohol an und übergießt das Gemisch
mit 75 ccm kaltem Wasser. Das Ganze bleibt unter öfterem Umschwenken ungefähr
aU Stunden bei Zimmerwärme stehen. Alsdann füllt man genau zur Marke auf, schüttelt
nochmals durch und filtriert. Die klaren Filtrate werden darauf im 200 mm-Eohre polarisiert.
Bedeutet x die Eaummenge der unlöslichen Anteile, a die Polarisation der Lösung im
100 ccm-Kölbchen, b diejenige im 200 ccm-Kölbchen, so ist

und die tatsächliche Polarisation des halben Normalgewichts Schokolade für 100 ccm Lösung:

(100 -x)a
100 ■

B.	Zuckerwerk.

a) Karamellen (Bonbons, Boltjes) mit Ausnahme der nicht yergütungsfähigen

Gummibonbons.

Bei Karamellen, welche vom Anmelder als stärkezuckerhaltig bezeichnet worden sind,
ist durch die Untersuchung festzustellen, daß sie mindestens 80° Rechtsdrehung und
mindestens 50 vom Hundert Zucker nach der vorstehend angegebenen Clergetschen Formel
zeigen. Anderenfalls sind sie als nicht vergütungsfähig zu bezeichnen.

Karamellen, welche als etärkezuckerfrei angemeldet sind, müssen zunächst auf Stärke-
zuckergehalt geprüft werden. Ist kein Stärkezucker vorhanden, so erfolgt die Untersuchung
ähnlich wie bei den Raffinadezeltchen.

h) Dragees (überzuckerte Samen und Kerne, auch unter Zusatz von Mehl).
Dragees werden ähnlich wie Schokolade ausgezogen.

c)	Raffinadezeltchen (Zucker in Zeltohenform, auch mit Zusatz von
ätherischen Ölen oder Farbstoffen).

Man löst das Normalgewicht der Probe im Meßkolben von 100 ccm Raumgehalt, füllt
zur Marke auf und nimmt die Filtrierung erst nachträglich vor.

&lt;6 Schaumwaren (Gemenge von Zucker mit einem Bindemittel, wie Eiweiß,
auch nebst einer Geschmacks- oder Heilmittelzutat).

Die durch Zerreiben zerkleinerte Probe wird wiederholt in der Wärme mit 70-pro-
zentigem Branntwein ausgezogen. Die Auszüge werden filtriert; der Rückstand ist auf dem
Filter mit 70-prozentigem Branntwein auszuwaschen. Die vereinigten Filtrate sind durch
Eindampfen auf dem Wasserbade völlig von Alkohol zu befreien; der Rückstand wird mit
Wasser in ein Kölbchen von 100 ccm Eaumgehalt gespült. Nach Zusatz von Bleiessig und
der doppelten Menge kalt gesättigter Alaunlösuug wird bis zur Marke aufgefüllt und filtriert.

e)	Dessertbonbons (Fondants usw. aus Zucker und Einlagen von
Schachtelmus, Früchten usw.).

Die Probe wird in einem Meßkolben von 100 com Raumgehalt mit Wasser übergossen.
Reibt wenig Rückstand, so kann ohne weiteres zur Marke aufgefüllt werden, anderenfalls
muß die Polarisation wie unter A bestimmt werden.

Ö Marzipanmasse und Marzipan waren (Zucker mit zerquetschten Mandeln).

Die Masse wird zweckmäßig mit kaltem Wasser in einer Porzellanschale zerrieben.
Das Gemisch wird durch feine Gaze oder durch einen Wattebausch filtriert und der Rtick-

41 +
        <pb n="666" />
        ﻿644

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuokerfabrikation.

stand mit Wasser nachgewaschen. Das milchig getrübte Filtrat wird geklärt und ent-
sprechend aufgefüllt. Marzipan ist in der Regel frei von Invertzucker.

g) Kakes und ähnliche Backwaren.

Man übergießt das halbe Normalgewicht der fein zerriebenen Probe in einem Kolben
von ungefähr 50 ccm Raumgehalt mit etwa 30 ccm kaltem Wasser und läßt das Ganze
unter öfterem Umschwenken 1 Stunde stehen. Nach dieser Zeit filtriert man die über-
stellende Flüssigkeit mit Hilfe einer sehr schwach wirkenden Säugpumpe, zieht den Rück-
stand im Kolben noch mehrmals kürzere Zeit mit kaltem Wasser aus, bringt schließlich
die unlöslichen Bestandteile mit auf das Filter und wäscht mehrmals mit kaltem Wasser
nach. Die vereinigten klaren Auszüge werden auf 100 ccm aufgefüllt. Der Zuckergehalt
der Lösung wird in allen Fällen nach dem für die Untersuchung solcher zuckerhaltigen
Waren angegebenen Verfahren ermittelt, welche 2 vom Hundert Invertzucker und darüber
enthalten.

h) Verzuckerte Süd- und einheimische Früchte glasiert oder kandiert; in
Zuckerauflösungen eingemachte Früchte (Schachtelmus, Pasten, Kompott,

Gallerte).

Sind die Waren stärkezuckerfrei, so ist die Bestimmung des Zuckers nach dem unter
1 in Anlage B gegebenen Verfahren auszuführen. Sind sie unter Verwendung von Stärke-
zuoker eingemacht, so ist das weiter unten beschriebene Verfahren anzuwenden. Die Vor-
bereitung der Proben zur Untersuchung hat in folgender Weise zu geschehen:

Die für die Untersuchung entnommenen Früchte werden gewogen und in einen großen
Trichter, in welchem sich ein Porzellansieb befindet, geschüttet. Man läßt die Zuckerlösung
möglichst gut abtropfen und nimmt darauf, falls bei Steinobst die Steine vor dem Einmachen
nicht entfernt worden waren, deren Entfernung vor. Die Steine werden möglichst vom
Fruchtfleisch befreit, gewogen und ihr Gewicht von dem Gesamtgewicht abgezogen. Die
etwa an den Händen haften gebliebenen Teile des Fruchtfleisches und der Zuckerlösung
werden am zweckmäßigsten mit einem Messer entfernt und mit den Früchten in eine gut
verzinnte Fleischhackmasohine oder eine andere geeignete Vorrichtung gebracht. Um einen
gleichmäßigen Brei zu erzielen, läßt man die Masse mehrere Male durch die Maschine gehen,
fügt alsdann die Zuckerlösung hinzu und schickt das Ganze noch 4—5-mal durch die
Maschine. Beim Arbeiten nach diesem Verfahren kann nicht vermieden werden, daß kleine
Mengen des Breies an den inneren Wandungen der Gefäße haften bleiben; doch sind diese
im Vergleiche zum Gesamtgewichte so gering, daß sie, ohne das Ergebnis der Untersuchung
wesentlich zu beeinträchtigen, vernachlässigt werden können. Will man jedoch auf diese
Menge nicht verzichten, so spült man die betreffenden Gefäße mit etwa 100 ccm lauwarmem
Wasser aus, fängt die Flüssigkeit für sich auf, füllt sie zu 100 ccm auf und bestimmt
darin den Rohrzuckergehalt auf dieselbe Weise wie in der Hauptmenge. Die in diesen
Resten ermittelte Rohrzuckermenge ist in entsprechender Weise zu berücksichtigen.

200 g des durch die Zerkleinerung erhaltenen Breies werden auf einer empfindlichen
Tarierwage abgewogen und mit destilliertem Wasser auf 1 1 verdünnt. Man läßt die
Mischung unter häufigem Dmschütteln 24 Stunden an einem kühlen Orte stehen und filtriert
nach dem letzten Absetzen 200 ccm durch ein großes Paltenfilter.

Handelt es sich um glasierte oder kandierte Früchte, so werden diese unter sinn-
gemäßer Abänderung des Verfahrens in gleicher Weise für die Untersuchung vorbereitet.

Zur Ausführung der Zuckerbestimmung werden bei stärkezuckerfreien Früchten 50 ccm
des nach obiger Anleitung erhaltenen Filtrates nach dem unter 1 der Anlage B vor-
geschriebenen Verfahren invertiert und nach der Abstumpfung der Säuren mit einer Natrium-
karbonatlösung, welche 10 g trockenes Natriumkarbonat im Liter enthält, mit Wasser zu
I 1 aufgefüllt. 25 ccm dieser verdünnten Lösung dienen nach Zusatz von 25 ccm Wasser
und 50 ccm Fehlingscher Lösung zur Zuckerbestimmung gemäß dem oben genannten
Verfahren.
        <pb n="667" />
        ﻿Ausführungs-Bestimmungen zum Zuokersteuergesetz.

645

Bei stärkezuokerhaltigen Früchten werden

a)	zur Bestimmung des reduzierenden Zuckers (Invertzucker -(- Stärkezucker) 100 com des
Filtrats auf 500 ccm verdünnt; für gewöhnlich reicht dieser Grad der Verdünnung für
die Ausführung der Bestimmung des reduzierenden Zuckers aus. Will man sich darüber
Sicherheit verschaffen, so kocht man als Yorprohe 2 ccm Fehlingsche Lösung
2 Minuten lang mit 1 ccm des verdünnten Filtrats; wird dabei nicht alles Kupfer
reduziert, so ist die Verdünnung hinreichend. Im anderen Falle müssen 25 ccm des
verdünnten oder 5 ccm des ursprünglichen Filtrats auf 50 ccm aufgefüllt werden. Mit
dieser Verdünnung wird alsdann in allen Fällen die Ausführung der Bestimmung des
reduzierenden Zuckers möglich sein; dazu verwendet man 25 ccm der verdünnten
Lösung, setzt 25 ccm Wasser und 60 ccm Pehlingsohe Lösung zu und verfährt weiter
nach 1 in Anlage B.

b)	Die Bestimmung des Gesamtzuokers erfolgt in der gleichen Weise wie die Zuoker-
bestimmung in den stärkezuckerfreien Früchten.

Der Gehalt der stärkezuckerhaltigen Früchte an Rohrzucker ergibt sich aus dem
Unterschiede der auf 100 g Brei berechneten Mengen Rohrzucker vor und nach der
Inversion.

Ist die bei der Zerkleinerung der Früchte an den inneren Gefäßwandungen haften
gebliebene Menge des Breies besonders gesammelt und der Zuckergehalt darin ermittelt
worden, so ist dieses Ergebnis bei der Berechnung entsprechend zu berücksichtigen.

Behufs Untersuchung von Schachtelmus, Pasten, Kompott, Gallerte u. dergl. werden
200 g der Ware in einer Porzellan-Reibschale mit Wasser zu einem gleichmäßigen Brei
zerrieben und mit Wasser zu 1 1 aufgefüllt. Die Untersuchung erfolgt weiter nach dem
ihr stärkezuckerfreie gezuckerte Früchte angegebenen Verfahren.

C.	Zuckerhaltige alkoholhaltige Flüssigkeiten.

Bei der Polarisation braucht der Alkohol nicht entfernt zu werden; vor der Inversion
muß dies jedoch geschehen.

D.	Flüssiger Raffinadezucker.

Der flüssige Raffinadezucker enthält in der Regel Invertzucker. Die Untersuchung
kann sich darauf beschränken, festzustellen, daß mindestens ein Zuckergehalt von insgesamt
U5 vom Hundert vorhanden ist.

E.	Invertzuokersirup.

Die Feststellung des Zuckergehalts erfolgt nach dem unter 1 in Anlage B an-
gegebenen Verahren.

F.	Eingedickte Milch.

100 g der Milchprobe werden abgewogen, mit Wasser zu einer leicht flüssigen Masse
verrührt und in einen Meßkolben von 500 ccm Raumgehalt gespült. Die Flüssigkeit wird
darauf mit etwa 20 com Bleiessig versetzt, mit Wasser zu 500 ccm aufgefüllt, durchgeschüttelt
UI|d filtriert.

Vom Filtrat werden 75 ccm in einen Kolben von 100 ccm Raumgehalt gebracht und,
wenn erforderlich, mit etwas Tonerdebrei versetzt. Darauf wird mit Wasser zur Marke
aufgefüllt, filtriert und nach Anlage C polarisiert.

Ferner werden 75 ccm desselben Filtrats mit 5 ccm Salzsäure vom spezifischen Ge-
wicht 1,19 versetzt, nach Vorschrift der Anlage B invertiert, zu 100 ccm aufgefüllt und
filtriert, worauf wiederum die Polarisation für 20° bestimmt wird. Hiernach berechnet sich
der Gehalt Z der eingedickten Milch an Rohrzucker aus der Gleichung

Z = 1,26 (1,016 . P — J),

worin P die vor der Inversion, J die nach der Inversion gefundene Polarisation bedeutet.
        <pb n="668" />
        ﻿646

Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.

Beispiel: Die Polarisation P sei —|— 28,10, die Polarisation J werde zu —0,30 er-
mittelt. Setzt man diese beiden Zahlenwerte für P und J in die eben angegebene Formel,
so erhält mau:

Z = 1,25 (1,016.28,10 + 0,30) = 36,06.

Demnach ist der Gehalt der eingedickten Milch an Rohrzucker zu 36,1 vom Hundert an-
zunehmen.

Schlußbestimmung.

Über jede Untersuchung ist der Amtsstelle, welche die Probe eingesendet hat, eine
Befundsbescheinigung zu übermitteln, welche außer der genauen Bezeichnung der Probe
Angaben über die Art und das Ergebnis der Ermittelungen und den daraus berechneten,
in Hundertteilen anzugebenden Zuckergehalt, sowie einen Vermerk über die Art der ver-
wendeten Meßgeräte zu enthalten hat.
        <pb n="669" />
        ﻿Rohstoffe

und Erzeugnisse der Stärkefabrikation.

I.	Wasser.

Für die Stärkefabrikation ist ein gutes Betriebswasser um so mehr von Be-
lang, als für diese natürliches Wasser verwendet wird, während das Wasser für
andere landwirtschaftliche Nebengewerbe erhitzt bezw. gekocht wird, wodurch manche
schädliche Bestandteile entweder zerstört (Kleinwesen) oder ausgeschieden werden. Das
Wasser für die Stärkefabrikation muß nach 0. Saare1) folgende Eigenschaften haben:

1.	Es muß frei sein von darin schwebenden Stoffen, wie organischen Ausscheidungen und
Pflanzenresten (Schlammflocken), Eisenhydroxyd und Algen oder höheren Pilzen. Alle diese
Stoffe oder Organismen können mit der Stärke durch die Siebe gehen, auch in den Schleudern
zum Teil in der Stärke verbleiben, und treten dann in trocknem Zustande in der fertigen
Stärke als sogenannte Stippen auf, welche je nach der Menge, in der sie vorhanden sind,
die Beschaffenheit der Stärke herabdrücken können.

Eisenverbindungen können die Stärke auch gelblich färben.

2.	Es muß frei sein von Gärungserregern, hefenartigen oder Spaltpilzen. Erstere ver-
hindern das Absetzen der Stärke und tragen zum Entstehen der sogenannten fließenden
Stärke bei. Die anderen Kleinwesen bilden in der Stärke organische Säuren (Milchsäure,
Buttersäure), welche durch das sorgfältigste Waschen nicht ganz wieder zu entfernen sind,
und welche in bester Ware nicht vorhanden sein dürfen, oder sie geben außerdem der
Stärke noch einen schlechten Geruch nach Buttersäure oder einen dumpfen, fauligen Geruch.
Js tiefer in die warme Jahreszeit hinein die Fabrikation dauert, um so gefährlicher ist
das Vorhandensein der Mikroorganismen.

3.	Das Wasser darf kein Ammoniak und keine salpetrige Säure enthalten, da die
Anwesenheit dieser Stoffe, ebenso wie eine zu erhebliche Menge von leicht zersetzlicher
organischer Substanz (die im Liter mehr als 10 mg übermangansaures Kalium zur Oxydation
verbraucht) auf Gegenwart faulender organischer Massen und Fäulnis erregender Bakterien

schließen läßt.

Über die Untersuchung des Wassers vergl. weiter unten.

II.	Stärkemehlhaltige Rohstoffe.

1.	Kartoffeln. Über die chemische Untersuchung der Kartoffeln vergl.

266, über die chemische Bestimmung der Stärke S. 238.

Für technische Zwecke wird der Stärkemehlgehalt durchweg nur nach dem
spezifischen Gewicht der Kartoffeln bestimmt, weil der Gehalt der Kartoffeln
an Trockensubstanz und Stärke im allgemeinen mit dem spezifischen Gewicht
derselben steigt und fällt; dieses gilt wenigstens für die Trockensubstanz, während
dieser nicht immer in demselben Verhältnis eine bestimmte Menge Stärke entspricht.

0. Saare, Die Fabrikation der Kartoffelstärke. Berlin 1897. Diesem Werke
sind die nachstehenden Untersuchungsverfahren vorwiegend entnommen.
        <pb n="670" />
        ﻿648

Rohstoffe und Erzeugnisse der Stärkefabrikation.

Denn wie hei Zuckerrüben das Verhältnis von Zucker zu „Nichtzucker“, so ist bei
Kartoffeln je nach Boden, Kultur, Pflanzweite und Düngung das Verhältnis von
Stärke zu „Nichtstärke“ ein verschiedenes, so daß bei einem und demselben
spezifischen Gewicht der Gehalt an Stärkemehl verschieden sein kann.

Für gewöhnlich wird aber das spezifische Gewicht für die Praxis hinreichend
genaue Anhaltspunkte liefern können.

Unter den Verfahren zur Bestimmung des spezifischen Gewichtes seien hier
erwähnt:

a)	Das Stohmannsche Verfahren. Dieses ist in den Laboratorien vielfach
üblich und beruht darauf, daß man das Volumen einer bestimmten Gewichtsmenge

Kartoffeln ermittelt, woraus sich

er

nach der Formel s = — das spe-
zifische Gewicht ergibt (g = ab-
solutes Gewicht der Kar-
toffeln, v = verdrängtes Volumen
Wasser, s = spezifisches Ge-
wicht).

Der Stohmannsche Appa-
rat besteht aus einem auf
Stellschrauben ruhenden, 3—5 1
fassenden Glaszylinder, auf
welchem eine mit einer Metall-
spitze versehene Platte ruht.

Man läßt in den Zylinder
zuerst mittels größerer Gefäße,
zuletzt durch langsames Zu-
tropfen aus einer Bürette so
viel Wasser fließen, daß sich
die Metallspitze und deren Spie-
gelbild genau berühren; dieser
Punkt ist bei einiger Übung
sehr scharf zu treffen, wenn
dafür Sorge getragen wird, daß
am Schlüsse des Wasserzufließens
kein Schwanken des Wasser-
spiegels statthat.

Alsdann wägt man eine bestimmte Menge (vorher sorgfältig gereinigter und
abgetrockneter) Kartoffeln ab und gibt diese in den Zylinder, indem man vor dem
Einfüllen mittels des Hebers annähernd so viel ccm Wasser ausfließen läßt, als das
Gewicht der angewendeten Kartoffeln in g beträgt, also wenn etwa 986 g oder 1040 g
Kartoffeln abgewogen sein sollten, 1 1 Wasser, oder wenn das Gewicht der Kartoffeln
1555 g oder 1463 g beträgt, 1,5 1 Wasser.

Darauf bringt man die Kartoffeln vorsichtig, ohne daß Wasser verspritzt,
in den Zylinder, wodurch das noch rückständige Wasser bis nahe an die Metall-
spitze steigt; den noch fehlenden Rest läßt man aus der graduierten Bürette zu-
fließen, bis sich die Spitze und ihr Spiegelbild wieder genau berühren. Indem
man letztere Menge von der abgelassenen Menge Wasser abzieht, erfährt man die
Menge des von den Kartoffeln verdrängten Wassers.

Fig. 269. Stohmanns Apparat für Bestimmung des
spezifischen Gewichtes der Kartoffeln.
        <pb n="671" />
        ﻿Stärkemehlhaltige Rohstoffe.

649

Angenommen, es sind abgewogen 1040 g Kartoffeln, aus dem Zylinder beim Ein-
füllen abgelassen 1000 ccm (= 1 1), aus der Bürette wieder zugeflossen 71 ccm, so beträgt
die Menge des verdrängten Wassers 1000 — 71 = 929 ccm, also das spezifische Gewicht
der Kartoffeln:

_ g _ 1040
8 — v — 939

1,119,

welcher Zahl nach der Tabelle XVI (am Schluß) 28,0 °/0 Trockensubstanz und 22,2 °/0 Stärke-
mehl in den Kartoffeln entsprechen.

Anm. Man kann auch die ohne Kartoffeln in den Zylinder bis zur Metallspitze
gehende Wassermenge ein für allemal ermitteln und dann jedesmal diejenige Menge Wasser,
welche nach Einfüllen der Kartoffeln bis zur Spitze erforderlich ist, feststelleu. Angenommen,
die erstere Menge Wasser betrage 4026 ccm, die letztere nach dem Binfüllen von 1517 g
Kartoffeln 2668 com, so haben die 1617 g Kartoffeln 4025 — 2668 = 1357 ccm Wasser ver-

1517

drängt, also spezifisches Gewicht derselben = 1357 = 1,H8, entsprechend 27,8 °/0 Trocken-
substanz und 22,0 °/0 Stärke.

Es ist bei Anwendung dieses Verfahrens darauf zu achten, daß die gereinigten
Kartoffeln dieselbe Temperatur wie das Wasser besitzen und daß keine Luftblasen an den-
selben beim Untertauchen unter Wasser haften bleiben; letztere können event. durch Hin-
nnd Herbewegen des Hebers entfernt werden.

b)	Das Verfahren von Fesca (Hurtzig, Reimann u. a.). Dieses beruht auf
dem Archimedischen Grundsatz, daß ein jeder Körper beim Wägen unter Wasser so
viel von seinem Gewicht verliert, als das Volumen der von ihm verdrängten Flüssig-
keit beträgt. Man erfährt also aus dem Gewichtsverlust einer bestimmten Gewichts-
menge eines Körpers unter Wasser in Gramm sein Volumen direkt in Kubik-
zentimeter.

Angenommen, 1037 g Kartoffeln sollen unter Wasser nur 115 g wiegen, so haben
sie an Gewicht verloren 1037 — 115 = 922 g = 922 ccm, welches ihr Volumen ist, also:

_ g _ 1037
8 — v — 922

1,124,

welchem spezifischen Gewicht 29,1 °/0 Trockensubstanz und 23,3 °/„ Stärke entsprechen.

Bei der ältesten Kartoffel wage dieser Art von Fesca bringt man auf die
Wageschale e ein 5 kg- oder 10 kg-Gewicht und stellt durch die Kartoffeln in der
Uber Wasser befindlichen Wageschale f das Gleichgewicht her; man bringt alsdann
        <pb n="672" />
        ﻿650

Rohstoffe und Erzeugnisse der Stärkefabrikation.

die Kartoffeln in den unter Wasser befindlichen Korb g, der auch während des
Wägens der Kartoffeln unter Wasser bleiben muß. Da die Kartoffeln jetzt weniger
wiegen als das ursprüngliche Gewicht auf e, so legt man auf f so viel Gegen-
gewichte, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt ist. Letztere Gewichte geben den
Gewichtsverlust der Kartoffeln unter Wasser an oder, da Grammgewichte = Kubik-
zentimetern sind, ihr Volumen; indem man die Gewichte in f von denen auf e ab-
zieht, erfährt man das Gewicht der Kartoffeln unter Wasser und berechnet aus
diesen Zahlen wie oben das spezifische Gewicht.

Die Wägungen müssen in destilliertem oder doch Eegenwasaer von 17,5° aus-
geführt werden; auch muß der Korb bei dem Wägen der Kartoffeln über Wasser und bei
dem Wägen unter Wasser gleichtief in Wasser eintauchen. Dieses wird am einfachsten
dadurch erreicht, daß man das Gefäß a stets mit Wasser gefüllt hält; das beim Einbringen
der Kartoffeln in den untersten Korb überschüssig vorhandene Wasser läßt man entweder
bei b oder auch durch einen am Boden befindlichen Hahn ausfließen. Die genaue Ein-
stellung des ursprünglichen Gewichtes von 5 oder 10 kg kann durch Schnitte von
Kartoffeln geschehen, dagegen dürfen naßfaule, erfrorene, kranke oder verdorbene, oder
unreife, verschrumpfte oder stark gekeimte Kartoffeln nicht verwendet werden; die Tabellen
gelten nur für gesunde Kartoffeln.

Die vielfach verwendeten Kartoffelwagen von Hurtzig, Reimann u. a. be-
ruhen auf demselben Grundsatz.

Den Faser- bezw. Trebergehalt der Kartoffeln kann man nach 0. Saare
in der “Weise bestimmen, daß man 3 g der lufttrocknen Substanz nach S. 239 auf-
schließt, die Stärke verzuckert, den Rückstand auf einem getrockneten und ge-
wogenen Filter sammelt, bei 106° wägt und verascht. Wenn man in dem auf
gleiche Weise erhaltenen Rückstand einer 2. Probe den Gehalt an Stickstoff be-
stimmt und den Gehalt an Protein (N x 6,25) wie an Asche von dem Gesamt-
Rückstand abzieht, erhält man den Gehalt an Fasern bezw. Trebern.

2.	Getreidearten. Als Getreidearten zur Herstellung von Stärkemehl kommen
in Deutschland vorwiegend Weizen, Reis und Mais in Betracht, vereinzelt auch
Roggen und Gerste. Als sonstige Rohstoffe werden auch wohl Roßkastanien an-
gewendet, die aber behufs Entfernung der anhaftenden Gerbsäure erst mit Soda be-
handelt werden müssen. Über die allgemeine chemische Untersuchung der Getreide-
arten vergl. S. 208—251 und die chemische Bestimmung der Stärke S. 239 u. ff.
L. Gianturco1) hat vorgeschlagen, die Stärke in Wasser zu verteilen, die
Flüssigkeit mit einer Alaunlösung von bestimmtem Gehalt und dann mit über-
schüssigem Ammoniak zu versetzen. Das gefällte Aluminiumhydroxyd reißt die in
der Schwebe befindliche Stärke mit nieder; der gesamte Niederschlag wird filtriert,
getrocknet, gewogen, geglüht und wieder gewogen. Durch Abzug der der zu-
gesetzten Alaunlösung entsprechenden Menge Aluminiumoxyd erhält man die Menge
Stärke + Asche derselben und nach dem Veraschen auch die der Stärke an-
haftende Asche.

0. Saare* 2) hat für die Untersuchung des zur Stärkefabrikation zu verwendenden
Weizens die Bestimmung des Klebers und der Treber mit der der Stärke zu
verbinden versucht. Das Verfahren wird wie folgt ausgeftihrt; 50 g Weizen werden
bis zur Quellreife eingequellt, bei täglicher Erneuerung des Wassers (im Sommer 2,
im Winter 3 Tage) stehen gelassen und in einer Reibschale gut zerquetscht. Der Brei
wird durch ein Seidengazesieb (No. 15) ausgewaschen und die Stärkemilch in einem
Zylinder gesammelt. Nachdem sich die Stärke abgesetzt hat, wird das Wasser ab-

J) Chem.-Ztg. 1900, 24-, Repertorium 208.

2)	Zeitschr. f. Spiritusindustrie 1901, 24, 59.
        <pb n="673" />
        ﻿Chemische Hilfsstoffe. —■ Stärke.

651

gehebert, die Stärke auf einem Filter gesammelt und, sowie es geht, vom Filter ahgelöst,
hei 50° getrocknet, lufttrocken gewogen und dann gepulvert. In diesem Pulver
wird die Menge der wasserfreien Stärke bestimmt, wonach die Gesamtmenge der
erhaltenen wasserfreien Stärke berechnet werden kann, ebenso auch die zu er-
wartende Handelsware mit 15 °/0 Wasser. Durch Auskneten unter Wasser wird
das auf dem Sieh zurückgebliebene Gemisch von Trebern und Kleber möglichst ge-
trennt; dann wird der Kleber in 100—200 ccm etwa 3 °/0-iger Essigsäure langsam
gelöst, durch das Sieh filtriert, um die Reste Kleber aufzulösen, nachgewaschen,
die Lösung im Wasserhade eingetrocknet und lufttrocken gewogen. Die Treber
und der Siebrückstand werden vereinigt und bei 105° getrocknet.

III.	Chemische Hilfsstoffe.

Zur Gewinnung der Stärke aus Reis werden verwendet; Soda oder Natron-
lauge, zu der von Mais: Natronlauge und schweflige Säure und weiter behufs
Abstumpfung der Laugen auch Salzsäure. Über die Untersuchung derselben auf
Gehalt und Reinheit derselben vergl. die Lehrbücher der analytischen Chemie, besonders
das bekannte Werk von G. Lunge, „Chemisch-technische Untersuchungsmethoden“,
Berlin, hei Julius Springer; 5. Aufl. im Erscheinen begriffen.

IV.	Stärke.

1.	Stärkemilch. 0. Saare empfiehlt mehr, als dieses bis jetzt zu ge-
schehen pflege, den Gehalt der zu verarbeitenden Stärkemilch zu beachten, und
zwar mittels einer Beaume-Spindel oder eines Saccharometers. Die zu unter-
suchende Stärkemilch von der vorgeschriehenen Temperatur wird, wie sonst Flüssig-
keiten, in einen Glaszylinder gefüllt und hierin schnell die Spindel eingeführt, jedoch
so, daß dieselbe nicht wesentlich unter den Punkt, hei dem sie schwimmt, beim
Loslassen hinabsinkt. Man liest in der Mitte des an dem Stengel der Spindel
hochgegangenen Flüssigkeitskegels ah. Je 10 Be. entspricht annähernd 2 g wasser-
freier Stärke in 100 ccm oder 20 g in 1 1 (vergl. Tabelle XIV am Schluß).

2.	Feuchte Stärke. Mitunter wird die Stärke nicht getrocknet, sondern im
feuchten Zustande in den Handel gebracht. Für diese kommt vorwiegend die Be-
stimmung des Wassers, der wasserlöslichen Stoffe und Verunreinigungen in Betracht.

a)	Wasser. Die feuchte Stärke muß, um eine Verkleisterung zu vermeiden,
zuerst hei niedrigen Temperaturen vorgetrocknet werden. Zu dem Zweck werden
100—200 g in einer Porzellanschale auf dem Wasserhade hei etwa 30° 12 Stunden
lang schwach erwärmt, der lufttrockne Rückstand gewogen und ein Teil desselben
weiter bei 120° völlig ausgetrocknet. Über die Berechnung des ursprünglichen
Wassergehaltes vergl. S. 255.

h) Wasserlösliche Bestandteile (Fruchtwasserreste). 50 g der nach a
vorgetrockneten Stärke werden mit 300 ccm Wasser von 15° übergossen und unter
öfterem Umschtitteln 1 Stunde lang stehen gelassen. Dann wird durch ein trocknes
Filter filtriert; von dem Filtrat werden 200 ccm auf dem Wasserhade in einer
gewogenen flachen Schale eingedunstet, bei 105° bis zur Gewichtsbeständigkeit
getrocknet und gewogen. Enthielt die lufttrockne Stärke noch 16,27 °/0 Wasser,
also 50 g 8,13 g, so waren in der stärkehaltigen Flüssigkeit im ganzen 308,13 g
Wasser, und wenn der Trockenrückstand in 200 ccm x g betrug, so berechnet sich

die Menge des Wasserlöslichen in 50 g nach dem Ansatz —	Uber die Um-

rechnung des Gehaltes auf ursprüngliche feuchte Stärke vergl. S. 256. Wenn man
        <pb n="674" />
        ﻿652

Rohstoffe und Erzeugnisse der Stärkefabrikation.

das Volumen der Stärke unberücksichtigt lassen will, kann man die 50 g luft-
trockne Stärke auch mit Wasser auf 250 oder 500 ccm auffüllen und von diesem
Filtrat die Hälfte nehmen; man braucht alsdann den Wassergehalt der lufttrocknen
Stärke nicht zu berücksichtigen; die Nichtberücksichtigung des Volumens der Stärke
bedingt aber einen kleinen Fehler.

c)	Feste Verunreinigungen. 50 g Stärke werden mit 200 ccm Wasser
und 100 ccm Malzauszug (200 g geschrotenes Malz in 1 1) bei 75° verflüssigt,
dann auf 70° abgekühlt, mit weiteren 100 ccm Malzauszug versetzt und 1 Stunde
bei 52—56 0 im Wasserbade unter Umrühren erwärmt. Nach Umfüllen in ein großes
Beoherglas wird die Flüssigkeit aufgekocht, stark mit kochendem Wasser verdünnt,
nach dem Absetzen die klare Lösung abgehebert und der Bodensatz auf einem ge-
wogenen Filter gesammelt. Die Bestimmung und Berücksichtigung der Asche und
des Stickstoffs (in einer 2. Probe) geschieht, wie S. 650 angegeben ist.

3. Trockne (Handels-) Stärke. Auch für die Untersuchung der fertigen Stärke
ist, wie O. Saare hervorhebt, die richtige Probenahme von der größten Bedeutung.
Man soll Einzelproben aus 10 °/0 der Säcke bezw. Behälter entnehmen, diese gehörig
mischen, von der Mischung Teilprohen in ein trocknes, dicht verschließbares Glas-
oder Blechgefäß — nicht Musterdüten, Säckchen oder Pappschachteln — füllen,
dicht verschließen und den nochmals ira Laboratorium gut durchgemischten Inhalt
für die Untersuchung verwenden (vergl. auch S. 426).

a)	Wasser. Um auch hier eine Verkleisterung der trocknen Stärke bei
größerem Wassergehalt zu vermeiden, werden 5—10 g der Stärkeprobe in einem
Wägegläschen abgewogen, in einem gewöhnlichen Trockenschranke eine Stunde bei
50° vorgetrocknet, dann die Temperatur in einer halben Stunde auf 120° ge-
steigert und 4 Stunden bei dieser gehalten. Besonders soll die Endtemperatur genau
120° sein.

0. Saare hat auch (1. c. S. 509) ein Verfahren zur Bestimmung des Wasser-
gehaltes der Kartoffelstärke angegeben, welches darauf beruht, daß die Kartoffel-
stärke verschiedener Herkunft stets ein spezifisches Gewicht von 1,65 hat. Da das
Verfahren aber nur für Kartoffelstärke berechnet und außerdem nur für die Praxis
ausreichende Ergebnisse liefert, so sei hier nur darauf verwiesen.

Auch das Verfahren von Scheibler, welches darauf beruht, daß durch
Mischen von 1 Teil Stärkemehl mit 11,4 °/0 Wassergehalt und 2 Teilen Alkohol
von 0,8339 spezifischem Gewicht beide Bestandteile sich indifferent verhalten,
während wasserreichere Stärke Wasser an den Alkohol abgibt und dessen spezifisches
Gewicht erhöht, mag hier nur erwähnt sein.

Der Wassergehalt der Stärke liegt durchweg zwischen 10—15 °/0; ein Wassergehalt
über 18°/0 (nach 0. Saare 20°/0) muß jedenfalls als hoch bezw. als zu hoch für Prima-
ware bezeichnet werden.

b)	Stickstoff. Derselbe wird nach Kjeldahl (S. 137) bestimmt.

Der Stickstoff-Gehalt der Stärke schwankt zwischen 0,03—0,70 °/0 in der Trocken-
substanz, bei reiner Stärke übersteigt derselbe indes nicht 0,16 °/0 in der Trockensubstanz.

c)	Fett. Fett pflegt in der Stärke nur in Spuren bis höchstens 0,2 °/0 vor-
handen zu sein und kann im allgemeinen vernachlässigt werden. Seine quantitative
Bestimmung erfolgt nach S. 220, wobei man die abgewogene Stärkeprohe zweck-
mäßig erst bei 50° vortrocknet.

d)	Stärke. Der Gehalt an Stärke kann meistens aus der Differenz von
100 minus (Wasser -f- Protein + Fett + Asche) berechnet werden. Für eine direkte
quantitative Bestimmung verfährt man nach S. 238 u. ff.
        <pb n="675" />
        ﻿Stärke.

653

e)	Zellreste und Zellsaftreste. 10 g Stärke sollen nach Arthur Meyer
mit 20 g einer 25 %-igen Salzsäure (spezifisches Gewicht 1,134) angerührt, der
entstehende Kleister einige Minuten bei 40° erwärmt, mit 20 ccm Wasser verdünnt,
zum Absitzen hingestellt und die Zellreste in üblicher Weise (wie Rohfaser)
quantitativ bestimmt werden.

Reine Stärke enthält nur Spuren bis 0,3 °/0 Zellreste (bezw. Robfaser).

Auf Zellsaftreste prüft A. Meyer qualitativ in der Weise, daß er die
Stärke mit dem doppelten Volumen Ammoniakflüssigkeit, die 2 g Ammoniak in
100 ccm Wasser enthält, schüttelt. Die Flüssigkeit greift Stärke nicht an, färbt
sich aber um so brauner, je mehr Zellsaft in der Stärke vorhanden ist.

f)	Säure (bezw. Alkali). Auch Stärke, die nicht mit Hilfe von schwefliger
Säure gewonnen ist, kann infolge einer während der Fabrikation eingetretenen Gärung
freie Säure — meistens Milchsäure — enthalten. 0. Saare bestimmt die Säure
wie folgt: 25 g der Stärkeprobe, welche sauer reagierte, werden mit 25—30 com
destilliertem Wasser angerührt und unter lebhaftem Rühren mit 1/10 Normal-Natron-
lauge titriert. Zur Feststellung der Endreaktion rührt man eine neutral reagierende
Kontrollprobe zu ebenso dicker Stärkemilch an, bringt Tropfen von beiden Proben
mit einem Glasstabe auf mehrfach gefaltetes Filtrierpapier und saugt das Wasser
ab; dann setzt man aus einem Röhrchen verdünnte Neutral-Lackmuslösung auf
die abgesaugte Stärkekuppe und titriert, bis die Färbung beider Proben über-
einstiramt. Hierauf macht man eine zweite Probe, bei der die ganze erforderliche
Menge Natronlauge auf einmal zugelassen wird. Zum Beispiel 25 g Stärke ver-
brauchten 1,8 ccm 1/10 N.-Natronlauge (1 ccm = 0,004 g S03), also 100 g
Stärke = 7,2 ccm 1/10 N.-Natronlauge.

Eine Stärke, welche verbraucht

bis	zu	5	ccm	1/10	N.-Natronlauge,	ist	= zart sauer,

„	„	8	ccm	1j10	„	„	= sauer,

Uber	8	ccm	1I10	„	„	= stark sauer.

„Zart sauer“	wird	noch nicht	beanstandet,	aber	angegeben; „sauer“, wenn die

Färbungen weinrot sind, läßt auf organische Säuren schließen; bei „stark sauer“ und
ziegelroter Färbung sind Mineralsäuren anzunehmen.

Die Anzahl der verbrauchten Kubikzentimeter 1/10 N.-Natronlauge, multipliziert
mit 0,009, gibt die Menge Milchsäure, multipliziert mit 0,004 die Menge Schwefel-
säure (S03), und multipliziert mit 0,0032 die Menge schweflige Säure (S02) an. Um-
gekehrt können Mais- und Reisstärke, die unter Zuhilfenahme von Soda bezw.
Natronlauge gewonnen werden, bei ungenügendem Auswaschen alkalisch reagieren.
Hier kann das freie Alkali umgekehrt in derselben Weise durch litration mit
ho N.-Schwefelsäure bestimmt werden.

0. Saare fand den Säuregehalt von Weizenstärke entsprechend 0	3,4 ccm, von

Maisstärke entsprechend von 2,3—25,5 ccm 1j10 N.-Alkali, während der Alkaligehalt hei
Maisstärke in 4 Proben = 37,7—48,1 ccm 1I10 N.-Säure gefunden wurde.

g)	Asche. 5—10 g Stärke werden wie üblich verascht und unter Anwendung der
a'if S. 195 angegebenen Hilfsmittel weiß gebrannt.

Je reiner die Stärke ist, desto weniger Asche enthält sie; beste Stärke pflegt
°,06—0,3 °/0 Asche zu enthalten; bei den unreineren Stärken geht der Gehalt bis zu 1,0 °/0
und darüber hinaus.

b)	Äußeres Aussehen und Großkörnigkeit. Der Glanz oder das
Lüster der Stärke ist um so stärker, die Farbe um so weißer und die Beschaffenheit
der Stärke um so besser, je mehr große Stärkekörner als spiegelnde Flächen vor-
handen sind.
        <pb n="676" />
        ﻿664

Rohstoffe und Erzeugnisse der Stärkefabrikation.

Partie und Glanz werden nach einem Muster feinster Stärke, z. B. dem
Küstriner Muster B.K.M.F. beurteilt.

Die Großkörnigkeit wird durch Ermittelung des mittleren Durchmessers
der Stärkekörner bestimmt. 0. Saare verfährt für den Zweck wie folgt: 5 g
Stärke werden mit 300 ccm Wasser auf geschüttelt und wird hiervon schnell mit
einem spitz ausgezogenen Glasrohr ein Tropfen entnommen, in eine Zählkammer
(eine Hefenzählkammer) gebracht und weiter der mittlere Durchmesser der Stärke-
körner in üblicher Weise ermittelt. 0. Saare fand z. B. den mittleren Durch-
messer verschiedener Kartoffelstärkesorten wie folgt:

Prima-

Abfallstärke Sekunda-Stärke Tertia-Stärke
(Prima)

0,0210 mm	0,0169 mm	0,0125 mm.

Stärke (Superior)

v. Genthin
0,0355 mm	0,0328 mm

i)	Klebfähigkeit der Stärke. Für die Bestimmung der Klebfähigkeit der
Stärke sind eine Reihe Verfahren angegeben, so von Wiesner (vergl. O. Saare

1.	c. 513), von Brown und Neron,1) Dafert* 2 3) und Thomson,8) die aber sämtlich
anscheinend keine allgemeinere Verbreitung gefunden haben. In der Praxis ge-
schieht die Prüfung auf Klebfähigkeit meistens in der Weise, daß man Stärke
(etwa 50 g) mit Wasser (1 1) zu Kleister kocht und diesen vergleichend prüft.
Oder man rührt, wie 0. Saare angibt, 10 g Stärke mit einer kleinen, aber be-
stimmten Menge kalten Wassers an und setzt steigende gewogene Mengen heißen
Wassers (70, 72, 74 g) zu, läßt 6 Stunden stehen und beobachtet, ob sich Wasser
(Grenze der Klebrigkeit) abscheidet. Gute Stärke soll mindestens die 8-fache Menge
Wasser aufnehmen können. Nach A. Schreib4) verfährt man mit angeblich gutem
Erfolge wie folgt: Die Stärke wird erst mit Wasser in einem Porzellantiegel zu
einer Milch ungerührt und dann der Inhalt direkt über einem gewöhnlichen Bunsen-
Brenner unter stetigem Umrühren fertig gekocht. Sobald der Kleister durchsichtig
wird und gleich darauf anfängt aufzuschäumen, entfernt man ihn vom Feuer und
rührt noch einige Zeit gut um. Das Kochen darf nicht über eine Minute dauern.
Bei Anwendung von 4 g Stärke' auf 50 ccm Wasser soll eine gute Stärke einen
nach dem Erkalten festen Kleister geben, der aus dem Schälchen nicht mehr ausfließt.

k) Verunreinigungen. Die Stärke kann in mehrfacher Weise verunreinigt
sein, nämlich zunächst auf natürliche Weise infolge mangelhaften Betriebes durch
Kohlenstaub, Ruß, Staub, Holzteilchen, Fäden von Säcken; auch Reste von Kartoffel-
schalen und Pilzmycel können auf diese Weise in die Stärke gelangen. Infolge
solcher Beimengungen bilden sich in der Stärke schwarze, braune oder gelbliche
Pünktchen, sog. Stippen (auch Stiften genannt), nach deren Anzahl sich die Art
des Betriebes beurteilen läßt. 0. Saare bestimmt die Stippen wie folgt:

Eine Probe der Stärke wird auf Papier ausgebreitet und glatt gestrichen.
An einer beliebigen Stelle ward eine kleine Glasplatte (z. B. ein Objektträger) auf-
gelegt, deren Flächeninhalt bekannt ist, und es werden die unter ihr oder einem
bestimmten Teil von ihr liegenden Stippen gezählt. Die Probe wird mehrmals
durchgemischt und wieder mit dem Glase gezählt. Die Stippenzahl wird dann auf

4)	Liebigs Ann. d. Chemie 199, 165.

2)	Landw. Jahrbücher 1896, 25, 259.

3)	Dinglers Polytechn. Journal 261, 88.

4)	Zeitschr. f. augew. Chemie 1888, 694.
        <pb n="677" />
        ﻿Abfälle der Stärkefabrikation. — Stärkezucker und Stärkesirup.

655

1 qdm Fläche nmgerechnet. Zum Beispiel wurden auf einer Fläche von

76.26,5	= 2014 qmm gezählt : 12 + 22 + 17 -j- 17 + 18 = = = 17, also auf
1 qdm = 5 x 17 = 85 Stippen.

Bei einer stippenreicheren Stärke wurden auf einer Fläche von 26,5.26,5 = 702 qmm

pon	4.740

gezählt: 53 + 49 + 53 + 33 + 49 = -g- = 47,4, also auf 1 qdm =	— = 678Stippen.

Die Art der Stippen stellt man in der Weise fest, daß man sie mittels
einer angefeuchteten Nadelspitze herausnimmt, auf einen Objektträger bringt und
mit einem Tropfen Natronlauge befeuchtet; hierdurch wird die Stärke gelöst, während
der die Stippen verursachende Körper ungelöst bleibt und dessen Art und Herkunft
mikroskopisch festgestellt werden kann. Oder man verfährt mit einer größeren
Probe (25 g) wie bei Mehl nach S. 289.

Mineralische Beimengungen zufälliger oder absichtlicher Art (Gips,
Schwerspat, Calciumkarbonat, Sand) ergeben sich durch eine Bestimmung und Unter-
suchung der Asche oder auch z. B. für Sand nach S. 252.

Über die Feststellung der Art der Stärke vergl. S. 288—323.

V.	Abfälle der Stärkefabrikation.

Bei der Stärkefabrikation fallen noch ab die Schlammstärke bezw. der Stärke-
schlamm aus den Naoherzeugnissen und dasKeibsel oder diePülpe; erstere Ab-
fälle werden meistens in den Stärkesirupfabriken, letztere zur Fütterung verwendet
(vergl. S. 258).

Schlammstärke bezw. Stärkeschlamm wird im allgemeinen wie Stärke-
milch oder feuchte Stärke (vorstehend S. 651) untersucht, Eeibsel undPtilpe auf
Futterwert dagegen nach S. 258. Als besondere Bestimmung für beide Abfälle
kommt nur die der auswaschbaren Stärke in Betracht. Die Art der Aus-
führung dieser Bestimmung ist in beiden Abfällen dieselbe; von der Schlammstärke
verwendet man etwa 100 g, von der Pülpe bezw. dem Eeibsel je nach dem Wasser-
gehalt 500 oder 1000 g. Diese gibt man nach 0. Saare unter ständigem tüchtigen
Durchrühren auf ein grobes Haarsieb oder in ein mit Drahtgaze No. 35 bespanntes
Handsieb, dessen Boden in einen mit Wasser gefüllten Behälter (Eimer oder Schale)
taucht; nachdem man alles durchgerieben hat, hebt man das Sieb heraus, läßt ab-
tropfen, taucht nochmals unter Umrühren ein, drückt dann die auf dem Sieb bleibende
Masse aus und sammelt sie. Die gewonnene stärkehaltige Flüssigkeit wird darauf
umgerührt und durch ein feines, mit Seidengaze bespanntes Sieb gegossen, die zurück-
bleibende Faser nachgewaschen und mit dem ersten Eückstand vereinigt. Der Ge-
samtrücktstand kann in einem Stück Seidengaze No. 15 ausgedrückt, getrocknet
und gewogen werden. Die stärkehaltige durchgelaufene Flüssigkeit dagegen läßt
man in dem Gefäß absitzen, gießt oder hebert die obere klare Flüssigkeit ab,
sammelt den Bodensatz entweder in einer größeren gewogenen Schale (bei größeren
Mengen) oder auf einem gewogenen Filter (bei kleinen Mengen), trocknet erst
1 Stunde bei 50°, dann 4 Stunden bei 120°.

Zieht man von der in den Abfällen nach S. 239 u. ff. bestimmten Menge Ge-
samtstärke die auswaschbare Menge Stärke ab, so erhält man die noch gebundene
Stärke.

Stärkezucker und Stärkesirup.

1-	Wasser. Etwa 5 g werden in derselben Weise wie die Zuckersäfte (S. 610)
getrocknet. Oder man löst 10 g Stärkezucker bezw. -sirup mit Wasser zu 100 ccm,
        <pb n="678" />
        ﻿656

Rohstoffe und Erzeugnisse der Stärkefabrikation.

gibt hiervon nach dem Mischen 25 ccm (oder auch 50 ccm) in ein mit geglühtem
Seesand beschicktes Glasschälchen, trocknet erst bis zum Sirup im Wasserbade ein
und zuletzt bei 100° 4—5 Stunden im Vakuum.

Es empfiehlt sich unter allen Umständen, derartige zuckerhaltige Stoffe,
welche unter gewöhnlichem Luftdruck bei 100° (selbst in Sand verteilt) nicht voll-
ständig ihr Wasser verlieren und bei über 100° sich leicht zersetzen, im Vakuum
auszutrocknen. Vielfach wird daher die indirekte Bestimmung des Extraktes aus
dem spezifischen Gewicht der 10°/0-igen Lösung und dem diesem entsprechenden
Extraktgehalt nach Ballings Tabelle (No. XIII) oder Brix (No. XIV Anhang)
vorgezogen.

2. Glukose und Dextrin. 50 ccm der vorhin dargestellten Lösung werden
auf 500 ccm verdünnt oder 10 g Stärkezucker bezw. -sirup werden zu 1000 ccm
Wasser gelöst und in 25 ccm davon die Glukose nach Meißl-Allihn (S. 230)
bestimmt.

Dieses Verfahren ist indes hier nicht genau. Denn die im Stärkezucker neben
Glukose vorhandenen dextrinartigen Verbindungen reduzieren ebenfalls Kupfer-
lösung, und zwar um so mehr, je größer der Uberschuß an letzterer ist. Aus dem
Grunde wird nach E. Sieben1) die Titration in diesem Falle verhältnismäßig richtigere
Ergebnisse liefern als die Gewichtsanalyse. Aber auch so fallen die Ergebnisse noch
um 1IS bis fast die Hälfte zu hoch aus. E. Sieben nimmt mit anderen an, daß
im Stärkezucker auch Maltose vorkommt, und daß man den wahren Gehalt an
Glukose ziemlich annähernd dadurch findet, daß man denselben durch eine möglichst
neutrale Lösung von Kupferacetat fällt, welches Maltose und Dextrin nicht reduziert.

Man fertigt eine Lösung von tunlichst neutralem Kupferacetat an, be-
stimmt darin den Kupfergehalt durch Reduktion mit überschüssiger Glukose-
lösung, die freie Essigsäure durch Ubersättigen mit titrierter Natronlauge und Zurück-
titrieren mit Schwefelsäure; die Kupferacetatlösung soll zweckmäßig „halbnormal“
sein, d. h. 15,86 g Kupfer im Liter enthalten.

Man löst 10 g des Stärkezuckers bezw. -sirups in 500 ccm Wasser und ver-
setzt hiervon zwei Proben von 25 u. 50 ccm in Medizinflaschen mit je 100 ccm
der Kupferacetatlösung, verschließt mit gut schließenden Pfropfen und behandelt
2 Tage bei 45°. Nach beendeter Reduktion werden 50 oder 75 ccm der klaren
Flüssigkeit abgezogen und, wenn nach 1-tägigem Stehen bei Zimmertemperatur keine
weitere Reduktion erfolgt, mit 45 ccm Seignettesalznatronlauge und 40 ccm einer
1 °/0-igen Glukoselösung versetzt, gekocht und das abgeschiedene Kupferoxydul als
Cu gewogen. Die Differenz zwischen der ursprünglich angewendeten und zuletzt
noch in Lösung befindlichen Kupfermenge gibt die von der Glukose des Stärke-
zuckers reduzierte Menge Kupferoxyd an.

Zur Bestimmung des Dextrins, d. h. der neben Glukose vorhandenen
invertierbaren Stoffe, werden 5 g Stärkezucker in 400 ccm gelöst, mit 40 ccm
Salzsäure von 1,125 spezifischem Gewicht versetzt, eine Stunde lang im Wasser-
bade erhitzt, mit Natronlauge neutralisiert, auf 500 ccm aufgefüllt und in 25 ccm
oder 50 ccm der Zucker nachMeißl S. 230 oder durch Titration bestimmt. Indem
man von dem Gesamtzucker die gefundene Glukose abzieht, den Rest mit 0,9
multipliziert, erhält man die Menge „Dextrin“.

Nach M. Honig* 2) enthält der Stärkesirup neben Glukose zwei Gruppen von
Dextrinen, von denen die eine (Erythro- und Achroodextrin) durch Alkohol von

*) Zeitschr. d. Vereins f. Rübenzuckerindustrie d. Deutschen Reiches 1884, 837.

2)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 641.
        <pb n="679" />
        ﻿Stärkezucker und Stärkesirup.

657

87 Volumprozent fällbar ist, ferner Baryumverbindungen liefert, die in verdünntem
Alkohol (1 Teil Alkohol + 3 Teile Wasser) unlöslich sind, während die andere Gruppe
sich aus in Alkohol löslichen Dextrinen zusammensetzt, deren Baryumverbindungen
in verdünntem Alkohol gleichfalls löslich sind, deren Eeduktionsvermögen kleiner
ist als das der Achroodextrine und die wahrscheinlich aus der Glukose durch
Reversion entstanden ist. Beide Arten von Dextrinen, besonders die letzteren, sind
schwer vergärbar.

Die Trennung der durch Alkohol fällbaren Dextrine nimmt Honig in der Weise
vor, daß er 20 g Stärkesirup mit Wasser zu 500 ccm löst, von der durchgemischten
Lösung 100 ccm = 4 g Substanz in einem mit Stöpsel versehenen 200 ccm-Kolben mit
50 ccm kalt gesättigter Barythydratlösung und darauf mit so viel Alkohol von 95
Volumprozent versetzt, daß nach dem kräftigen Schütteln und Abkühlen durch Ein-
stellen in kaltes Wasser dieser genau bis zur Marke reicht. Auf diese Weise bleiben
noch Dextrine in Lösung, die erst nach Inversion Fe hl in gsche Lösung reduzieren.
Die Menge derselben kann auch, wie Honig zeigt, indirekt berechnet werden. Die
Glukose bestimmt Honig durch Titration einer 1 °/0-igen Lösung nach Soxhlet,
die nach Fällen mit Barythydrat in Lösung bleibenden Dextrine dadurch, daß er 150 ccm
des Filtrats = 3 g Substanz mit verdünnter Schwefelsäure vom überschüssigen Baryt
befreit, 15 ccm Salzsäure (1,125) zusetzt, 1 Stunde im. kochenden Wasserbade er-
hitzt, darauf neutralisiert, auf 200 ccm auffüllt und wie üblich mit Fehlingscher
Lösung kocht. Honig fand in 5 Proben Stärkesirup 30,11—34,40 °/0 Glukose und
21,68—23,00 °/0 in Alkohol lösliche Dextrine.

Lindet1) hat ein Verfahren zur Bestimmung der Glukose und des Dextrins
im Stärkezucker bezw. -sirup angegeben, welches unter der Annahme eines mole-
kularen Drehungswinkels des Dextrins [«]„ von+195° auf einer polarimetrischen
Untersuchung der wässerigen Lösung und einer elementaranalytischen Bestimmung
des Kohlenstoffs beruht. 0. Saare2) bezweifelt aber wegen des Unbekanntseins
der Bestandteile des Stärkezuckers bezw. -sirups die Richtigkeit dieses Verfahrens,
Weshalb hierauf nur verwiesen sei.

3. Bestimmung der vergärbaren Stoffe. 100 g Stärkezucker bezw. -sirup
Werden in 1 1 Wasser gelöst, hiervon etwa 200 ccm in einen 500 ccm-Kolben (K)
gegeben und dazu eine genügende Menge (20—30 g) Preß-
hefe gesetzt. Darauf verschließt man den Kolben mit einem

2-fach durchbohrten Pfropfen, durch dessen eine Öffnung ein
rechtwinkelig gebogenes Glasrohr v bis auf den Boden des
Kolbens geht, während die zweite Öffnung zur Aufnahme eines
Chlorcalciumrohres oder eines kleinen Schrott er sehen Trichters
(K T) dient.

Der so beschickte Apparat wird gewogen, das Rohr v
durch ein -mit Glasstab verstopftes Stück Kautschukschlauch
geschlossen und mehrere Tage (meistens 4 Tage), d. h. so
lange bei 17,5—20° hingestellt, bis keine Gewichtsabnahme
®ehr statthat. Dann öffnet man den Verschluß am Rohr v, legt
ein mit Kalihydrat und Chlorcalcium beschicktes Rohr vor, ver-
bindet das Aufsatzrohr T mit einem Aspirator und leitet zur
Entfernung der eingeschlossenen Kohlensäure einige Zeit trockne
nnd kohlensäurefreie Luft durch.

’) Zeitschr. f. Spiritusindustrie 1901, 24, 41.

2)	Chem.-Ztg. 1902, 26, 384.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.
        <pb n="680" />
        ﻿658

Rohstoffe und Erzeugnisse der Stärkefahrikation.

Darauf wird der Kolken unter Wiederherstellung des Verschlusses hei v ge-
wogen und aus dem Gewichtsverlust an Kohlensäure nach der Gleichung:

C6H1206 = 2C02 + 2C2Hö0

der Gehalt an Glukose hezw. vergärharen Stoffen berechnet, indem man den Ge-
wichtsverlust mit 2,045 oder, weil nach Pasteur nur etwa 95 °/0 der Glukose in
Kohlensäure und Alkohol übergeführt werden, richtiger mit 2,15 multipliziert. An-
genommen, die in 200 ccm Lösung verwendeten 20 g Stärkezucker würden hei der
Gärung 5,56 g an Gewicht verloren haben, so würden diese 5,56 x 2,15 = 11,954 g
Glukose entsprechen, also würden 100 g Stärkezucker 59,77 °/0 Glukose bezvr.
vergärbaren Zucker enthalten.

Oder man ermittelt den Alkoholgehalt in dem vergorenen Rückstand, indem
man von den 200 ccm die Hälfte abdestilliert, von dem Destillat das spezifische
Gewicht bestimmt, die diesem entsprechenden Gewichtsprozente Alkohol aus einer
Alkohol-Tabelle abliest und daraus durch Multiplikation mit 1,956 oder aus ge-
nanntem Grunde richtiger mit 2,06 den Gehalt an Glukose berechnet.

Angenommen, es seien in dem Destillat 5,82 g Alkohol gefunden, so haben
die 200 com = 20 g Substanz 5,82x 2,06 = 11,989 g oder 100 g Stärkezucker
= 59,95 °/0 Glukose bezw. vergärbare Stoffe enthalten.

Man kann nach E. Sieben die Gärungsergebnisse nur auf vergärbare Stoffe
und nicht auf „Glukose“ zurUckführen, weil der Stärkezucker neben Glukose noch
Maltose bezw. dextrinartige Verbindungen enthält, welche ebenfalls mit Hefe zu
Alkohol und Kohlensäure zerfallen.

M. Jodlbauer1) empfiehlt für die Gärversuche bei Zuckerarten eine8°/0-ige
Lösung, nämlich 2 g Zucker in 25 ccm Wasser, dazu 1 ccm der Hayduckschen Nähr-
lösung (enthaltend: 0,025 g Monokaliumphosphat, 0,0085 g Magnesiumsulfat und
0,02 g Asparagin) und 1 g, d. h. 50 °/0 des verwendeten Zuckers von einer frischen,
gereinigten, auf einer Tonplatte entwässerten Bierhefe. Die Gärung wird in einem
Wasserbade vorgenommen, dessen Temperatur mittels eines Thermoregulators auf
38° gehalten werden kann. Das Gasableitungsrohr ist mit einem Kühler ver-
bunden und daran schließt sich ein U-förmiges Rohr, welches mit konzentrierter
Schwefelsäure angefeuchtete Glasperlen enthält, und weiter ein Kaliapparat. In
letzterem wird die entwickelte Kohlensäure aufgefangen und direkt gewogen.

Saccharose gebraucht zur Vergärung doppelt soviel Zeit als Glukose. Zur
Prüfung, ob aller Zucker vergoren ist, soll die verdünnte Gärflüssigkeit in einer
Kontrollprobe mit 1 g salzsaurem Phenylhydrazin und 2 g essigsaurem Natrium
auf dem Wasserbade erhitzt werden; wenn noch nicht aller Zucker vergoren ist,
so färbt sich die Flüssigkeit gelb und liefert einen gelben Niederschlag.

Die letzten Mengen Kohlensäure werden wie vorstehend unter Erwärmen
und Durchleiten von kohlensäurefreier Luft ausgetrieben.

Unter Einhaltung dieser Vorsichtsmaßregel ist nach Jodlbauer 1 Teil
Kohlensäure = 2,029 Teilen Saccharose und = 2,148 Teilen Glukose.

Die unvergärbaren Stoffe des Stärkezuckers bezw. -sirups besitzen stark rechts-
drehende Eigenschaften und beruht hierauf das Verfahren, die Anwesenheit dieser
Erzeugnisse in zuckerhaltigen Flüssigkeiten nachzuweisen. Versetzt man die stark
konzentrierte wässerige Lösung mit 90 °/0-igem Alkohol, so bleiben die am stärksten

*) Zeitschr. d. Vereins f. Rübenzuckerindustrie 38, 308, und Zeitschr. f. anal.
Chemie 1889, 28, 625.
        <pb n="681" />
        ﻿Zuokercouleur.

659

rechtsdrehenden Stoffe (darunter das sog. Amylin) in der alkoholischen Flüssigkeit
gelöst; verdampft man den größten Teil des Alkohols und setzt das 4—6-fache Volumen
Äther zu, so werden sie gefällt und lassen sich durch Lösen in Wasser, Entfärben
mit gereinigter Knochenkohle auf ihre rechtsdrehenden Eigenschaften untersuchen.

Durch Fällen und Reinigen mit Alkohol läßt sich nach Schmitt und
Cobenzl ein Körper „Gallisin“ (C12H24O10) isolieren, welcher zum Unterschiede
von Dextrin Fehlingsche und Knappsche Lösung reduziert, mit schwachen Säuren
in Glukose übergeht und stark rechtsdrehende Eigenschaften besitzt.

4.	Asche. 5—10 g Stärkezucker bezw. -sirup werden eingetrocknet, dann
verkohlt und die Kohle mit Wasser ausgezogen usw. (vergl. S. 195).

5.	In Wasser unlösliche Stoffe. 20 g Stärkezucker oder -sirup werden in
300—500 ccm Wasser gelbst, durch ein vorher getrocknetes und gewogenes Filter
filtriert, hinreichend ausgewaschen und der auf dem Filter verbliebene Rückstand
nach dem Trocknen bei 106° gewogen. Derselbe kann weiter gleichzeitig zur
mikroskopischen Untersuchung dienen.

6.	Viskosität. Der Stärkesirup wird u. a. auch deshalb gern zur Bereitung
von Fruchtsirupen, Zuckerwaren usw. verwendet, weil von ihm zur Erzielung einer
gleichen Zäh- oder Dickflüssigkeit weniger als von Rohrzucker erforderlich ist.
Um die Zähflüssigkeit eines Stärkesirups festzustellen, kann man sich nach Verl1)
des Viskosimeters von Engler oder des Konsistenzraessers von Weiß bedienen.
Uie Gebrauchsanweisung ist den Apparaten beigefügt.

7.	Säure-Gehalt des Stärkesirups. Wenngleich nach 0. Saare2) der Säure-
Gehalt für die Brauchbarkeit des Stärkesirups z. B. für die Bonbons-Herstellung
nicht maßgebend ist, so soll er doch erforderlichenfalls in der Weise bestimmt werden,
daß 50 g Sirup in 50 ccm Wasser gelöst und mit 1/10 N.-Natronlauge versetzt
werden, bis ein Tropfen der Lösung, auf hellem, neutralem Lackmuspapier aus-
gestrichen, eben die Rotfärbung verschwinden läßt, so daß die Farbe des Lackmus-
papiers unverändert bleibt. Andere Papier-Indikatoren dürfen nicht angewendet
werden. Der durch die verbrauchten ccm 1/10 N.-Natronlauge angezeigte Säure-
Gehalt wird auf Schwefelsäure (H.2S04) umgerechnet und als solcher ausgedrückt.

8.	Grädigkeit. Die Grädigkeit eines Stärkesirups wird nach wie vor in
s°g- alten Graden Beaume8) ausgedrUckt; Sirup von 44° Be. ist demnach
ein solcher, welcher ein spezifisches Gewicht von 1,44 bei 14° R. oder 17,5° C,
mit den zulässigen Schwankungen von 1,433—1,447 zeigt. Das spezifische Gewicht
s°ll direkt im Pyknometer — ein bei der Marke abgeschliffenes 50 ccm-Kölbchen
mit Glasdeckel — bestimmt werden. Man bringt eine bestimmte Menge Sirup in
das Pyknometer, wägt, entlüftet alsdann durch Erwärmen, kühlt ab und wägt
Wieder.

Zuckercouleur.

Die Zuckercouleur wird meistens aus Stärkezucker, nur selten aus Rübenzucker
unter Zusatz von etwas Natriumkarbonat hergestellt. Man unterscheidet:

1.	Spirituosen- oder Rumcouleur (zum Färben der Spirituosen), welche
in 80 %-igem Alkohol vollständig löslich sein oder, wie man sagt, „stehen“ muß.

9 Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 3, 217.

~) Zeitschr. f. Spiritusindustrie 1902, 25, 479.

3)	Die Tabelle XIV am Schluß gibt neue Grade Beaumd an; die alten Grade liegen
von 2,0° anfangend bis 50° steigend um 0—1,0° niedriger als die neuen Grade.

42*
        <pb n="682" />
        ﻿660

Rohstoffe und Erzeugnisse der Stärkefabrikation.

2.	Biercouleur (zum Färben von Bier, Wein, Essig usw.), welche noch etwas
Dextrin aufweisen darf, aber auch in 75 °/0-igem Alkohol löslich sein muß.

Man unterscheidet beide Sorten durch Lösen in 80°/0-igem Alkohol, worin
erstere Couleur ganz löslich ist, letztere nicht. Ist eine Zuckercouleur in 75 °/0-igem
Alkohol nicht löslich oder gar zum Teil in Wasser unlöslich, so ist sie zu ver-
werfen.

3.	Die Asche, welche wie bei Zucker (S. 610) bestimmt wird, soll nicht
mehr als 0,5 °/0 betragen. Eine Zuckercouleur, welche z. B. aus Melasse dargestellt
wurde, enthält erheblich mehr Asche.

4.	Die Farbe kann nach S. 610 mit dem Stammerschen Farbenmaß er-
mittelt werden.
        <pb n="683" />
        ﻿Rohstoffe

und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

A.	Rohstoffe.

I.	Wasser.

Für das zur Spiritusfabrikation verwendete Wasser gilt im allgemeinen das-
selbe wie für das zur Bierfabrikation verwendete Wasser (vergl. dort und über die
„Untersuchung des Wassers“ die weiter unten folgenden Abschnitte).

II.	Stärkemehlhaltige Rohstoffe.

1.	Kartoffeln. Über die chemische Untersuchung der Kartoffel vergl. S. 266,
Uber die chemische Bestimmung der Stärke S. 238, über die technische Be-
stimmung der Stärke nach dem spezifischen Gewicht S. 648.

2.	Getreidearten. Als solche kommen in Deutschland vorwiegend Mais und
Koggen in Betracht.

Über die Bestimmung des Stärkemehles in denselben vergl. S. 239 u. ff.,
ferner S. 270.

III.	Zuckerhaltige Rohstoffe.

Als solche findet in Deutschland im großen wohl nur die Melasse Ver-
wendung. Über ihre Untersuchung und die der Zuckerrüben vergl. S. 605 und 597.

Die Melasse wird durchweg nur durch Spindelung mit dem Beaumeschen
Aräometer auf gärungsfähige Stoffe untersucht. Über die Vergleichung der Grade
Beaume mit Graden Balling-Brix siehe Tabelle No. XIV am Schluß. Diese
Art Bestimmung ist aber sehr ungenau, weil die Melasse sehr dickflüssig ist und
äußer Luftblasen Verunreinigungen aller Art enthält, welche die Bestimmung des
spezifischen Gewichtes durch Spindelung sehr unsicher machen; wenngleich sich die
Luftblasen durch schwaches Erwärmen und die Verunreinigungen durch geeignete
Uiltrationsmittel beseitigen lassen, so enthält die Melasse neben dem Zucker doch so
viel „Nichtzucker“ gelöst, daß die einfache Spindelung den wirklichen Zuckergehalt
auch nicht einmal annähernd angeben kann.

Aus dem Grunde läßt hier auch die optische Untersuchung oder das gewichts-
analytische Untersuchungsverfahren im Stich; denn auf das Drehungsvermögen wirken
außer Saccharose verschiedene andere optisch wirksamen Stoffe der verschiedensten
Art, und durch Behandlung der Melasse mit Salzsäure zur gewichtsanalytischen
Bestimmung des Zuckers mit Fehlingscher Lösung werden neben Saccharose eine
Reihe anderer Stoffe der Melasse in solche Ubergeführt, welche Fehlingsche Losung
ebenfalls reduzieren, so daß der Gehalt an Zucker nach diesem Verfahren zu hoch
ausfallen muß.
        <pb n="684" />
        ﻿662	Eohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

Am besten bewährt sich hier die Bestimmung des Zuckers durch die Garprobe.

100 g Melasse werden, wenn sie alkalisch reagiert, erst mit Schwefelsäure
bis zu schwach saurer Reaktion versetzt, auf 1000 ccm mit Wasser verdünnt,
hiervon 100 ccm (von 5—10 °/0 Saccharometeranzeige) zur Austreibung der Kohlen-
säure gelinde erwärmt, dann mit 10—20 ccm einer frisch ausgewaschenen, mit
Wasser zu einem dünnen Brei aufgeschlämmten Brennereihefe versetzt und das
Gemisch in das oben S. 657 beschriebene Gärkölbchen gespült. Nachdem das
Kölbchen beschickt und mit dem Aufsatz verschlossen ist, wird das Ganze gewogen
und einige Zeit, d. h. so lange bei 25—30° stehen gelassen, bis das jedesmal nach
dem Erkalten gewogene Kölbchen nebst Aufsatz keine Gewichtsabnahme mehr zeigt.
Alsdann wird unter ganz gelindem Erwärmen und Umschütteln ein trockner Luft-
strom durchgeleitet, das Ganze nach dem Erkalten nochmals gewogen und aus dem
Gewichtsverlust (Kohlensäure) die Saccharose nach der Gleichung:

CiÄOn + H2ü = 4C02 + 4 C2 H0O

berechnet, d. h. 1 Teil Kohlensäure entspricht 1,943 Teilen Saccharose, oder da
nach Pasteur bei derartigen Versuchen nur 95—96°/0 des Zuckers in Alkohol
und Kohlensäure übergeführt werden, so multipliziert man die gefundene Menge
Kohlensäure (d. h. den Gewichtsverlust) rund mit 2, um die Menge Saccharose zu
finden.

Oder man bestimmt in der rückständigen Flüssigkeit durch Destillation (siehe
weiter unten) den Alkohol und berechnet aus dieser Menge durch Multiplikation
mit 1,859, bezw. unter Berücksichtigung des obigen Verhältnisses mit 1,95 die
entsprechende Menge Saccharose.

Enthält die Melasse, wie bisweilen vorkommt, freie flüchtige Fettsäuren,
welche ebenso wie salpetrige Säure die Gärung beeinträchtigen, so versetzt
man die Schlempe mit Schwefelsäure in geringem Überschuß und destilliert unter
lebhaftem Kochen1) mit vorgelegtem Kühler etwa die Hälfte ab; man neutralisiert
das Destillat alsdann mit Kalk oder Barytwasser, fällt den Überschuß an Kalk
oder Baryt durch Kohlensäure aus, kocht, filtriert, dampft das Filtrat in einem
gewogenen Platinschälchen zu Trockne, wägt nach dem Trocknen bei 100°, glüht
über dem Gebläse, wägt den Rückstand und erfährt durch Abziehen des letzteren
von dem ersten Rückstand die Menge der flüchtigen Säure.

Auf salpetrige Säure prüft man in bekannter Weise mit Jodkaliumstärke-
kleister unter Zutröpfeln von verdünnter Schwefelsäure.

IV.	Malz und V. Hefe.

Über die Untersuchung des Malzes (der Bestimmung des Extraktgehaltes,
des Fermentivvermögens usw.) sowie über Untersuchung der Hefe vergl. unter „Bier
und seine Eohstoffe“.

VI.	Untersuchung der süfsen Maische,

a)	Qualitative Prüfung.* 2)

1. Ermittelung des Verlaufes der Zuckerhildung. Den Verlauf der Zucker-
bildung in den Maischen verfolgt man in den Brennereien mit Jodlösung (Auflösung

*) Sollte die Melasse wegen ausgesohiedener Kristalle (Kaliumsulfat, Chlorkalium)
stark stoßen, so filtriert man die Kristalle erst ab.

2)	Diese wie die ferneren Prüfungen sind durchweg dem bekannten Handbuch der
'Spiritusfabrikation von M. Maercker entnommen.
        <pb n="685" />
        ﻿Untersuchung der süßen Maische.

663

von 1 Teil Jod und 2 Teilen Jodkalium in so viel Wasser, daß die Flüssigkeit
braunrot erscheint). Um das Reagens anzuwenden, muß man erst ein klares Filtrat
darstellen, was in den Brennereien dadurch erreicht wird, daß man die Maische
durch einen langen, strumpfartigen, baumwollenen Beutel filtriert.

Auch muß die Maische vor dem Zusatz der Jodlösung abgekühlt sein; auf
10 Volumen Maischefiltrat nimmt man 1 Volumen Jodlösung.

Die verschiedenen Übergangsstufen der Stärke bis zur Maltose werden durch
die Jodlösung wie folgt gefärbt:

Lösliche Stärke = blau,	i Achroodextrin \ _

Amylodextrin = violett,	| und Maltose / al os"

Erythrodextrin = rot,

Eine Blaufärbung des Maischfiltrates bedeutet also, daß der Maischvorgang
noch nicht beendet oder total verunglückt ist, eine Rotfärbung, daß derselbe zwar
begonnen aber nicht normal verlaufen ist; das Ausbleiben einer Reaktion beweist
dagegen den normalen Verlauf der Zuckerbildung.

2. Prüfung auf unaufgeschlossene Stärke. Man füllt einen Filtrierbeutel etwa
zur Hälfte mit der Maische, preßt unter Zusammendrehen des Beutels kräftig ab,
füllt den abgepreßten Anteil mit Wasser in einen hohen Zylinder und läßt absitzen.
Die unaufgeschlossene Stärke setzt sich zu Boden und kann nach Abziehen der
klaren Flüssigkeit vom Bodensatz, Anrühren des letzteren mit Wasser, Wieder-
absitzenlassen usw. durch Jodlösung nachgewiesen werden.

b)	Quantitative Untersuchung.

1.	Bestimmung der iinaufgeschlosseneu Stärke. 1000 g Maische (bezw. 1 1,
dessen Gewicht ermittelt wird) werden in eine 8—10 1 fassende Flasche gebracht,
mit Wasser fast voll gefüllt, tüchtig durchgeschüttelt und absitzen gelassen; nach
etwa eintägigem Stehen wird die Flüssigkeit abgezogen und diese Behandlung etwa
10-mal wiederholt, bis alle löslichen Stoffe (Maltose und Dextrin) entfernt sind.
Während anfangs 24 Stunden zum Absetzen notwendig sind, kann man später in
24 Stunden 3-mal abziehen. Der auf diese Weise ausgewaschene Rückstand wird
anf ein Filter gebracht, hier weiter mit Wasser und zuletzt mit Alkohol und Äther
ausgewaschen. Bevor der Äther vollständig verdunstet ist, trennt man den Rückstand
v&lt;&gt;m Filter, läßt ihn nach dem Vortrocknen bei 70—80° luftrocken werden und
wägt ihn. Nach dem Pulvern — dasselbe muß sehr fein geschehen — wägt
man einen aliquoten Teil des Rückstandes, etwa 3 g, ab und bestimmt darin die
Stärke nach S. 239, während in einem anderen Teil das Wasser durch vollständiges
Austrocknen bei 105° bestimmt wird (vergl. S. 254).

2.	Bestimmung der Saccharometergrade, der Maltose und des Dextrins, cc) Er-
mittelung der Saccharometergrade. Die vorher abgekühlte Maische wird erst
durch einen trocknen wollenen oder leinenen Spitzbeutel1) koliert und dann noch
womöglich durch ein doppeltes trocknes Faltenfilter filtriert. Das Filtrat wird
mit dem Ballingschen Saccharometer untersucht, indem man die reine trockne
Spindel langsam in das erst auf die Normaltemperatur (durchweg 17,5° für die
Aräometer) gebrachte Filtrat senkt.

Das Ballingsche Saccharometer gibt direkt den Extraktgehalt in Prozenten an.

J Um einer Verdunstung während des Filtrierens vorzubeugen, hat Delbrück
einen besonderen Apparat vorgeschlagen, welcher aus 4 kupfernen Zylindern von je 10 cm
Durchmesser und 45 cm Höhe besteht. In diese Zylinder werden die Filtrierbeutel ein-
gehängt und während der Filtration mit kupfernen Deckeln verschlossen.
        <pb n="686" />
        ﻿664

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikatiou.

Man kann auch das spezifische Gewicht der Maische mittels des Pyknometers
oder der Westphalsohen Wage bestimmen und einer Tabelle die dem spezifischen
Gewicht entsprechenden Saccharometergrade entnehmen. (Vergl. Tabelle No. XIII von
Balling und für höhere Zuckerprozente die von Brix No. XIV am.Schluß.) Die
Grade Balling und Brix weichen nur wenig voneinander ab; diese geringen Ab-
weichungen haben für die Praxis kaum eine Bedeutung.

Wenn das klare Maischefiltrat nicht die Normaltemperatur hat, so muß man
eine der Temperaturabweichung entsprechende Korrektion anbringen. Hierzu be-
dient man sich der folgenden, nach Steinheils Messungen von Pohl berechneten
Korrektionstabelle.

	Korrektion	Saccharo-  meter-  Proz.	Korrektion		Korrektion		
Spez. Ge- wichte hei 15,5°	des spez. Gewichts für 1°		der  1 Saccharo- meter-Proz. für l°	Spez. Ge- wichte hei 15,5"	des spez. Gewichts für 1°	Saccharo-  meter-  Proz.	der  i Saccharo- I meter-Proz. für 1°

1,00406

1,00818

1,01234

1,01655

1,02080

1,02510

1,02943

1,03380

1,03821

1,04265

0,000066

0,000067

0,000069

0,000071

0,000073

0,000075

0,000078

0,000081

0,000084

0,000087

1

2

3

4

5

6

7

8
9

10

0,0163

0,0166

0,0170

0,0175

0,0180

0,0186

0,0192

0,0199

0,0207

0,0215

1,04712

1,05161

1.05613

1,06066

1,06621

1,06977

1,07434

1,07891

1,08348

1,08806

0.000091

0^000095

0,000100

0,000106

0,000112

0,000120

0,000130

0,000145

0,000165

0,000188

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

0,0224

0,0235

0,0247

0,0261

0,0277

0,0296

0,0321

0,0357

0,0397

0,0446

Angenommen, die Sacoharometeranzeige ist zu 20° bei 30° C. gefunden und es soll
dieselbe für 15,5° ermittelt werden. Die Temperatnrdiffereuz ist 30—15,5 = 14,5°, also:
20° Saccharometer = 20	(14,5 x 0,0446) = 20 -|- 0,647 = 20,65° korr. Saccharometer;

ferner 1,08805 spezifisches Gewicht = 1,08805 -)- (14,5 x 0,000188) = 1,08806 -|- 0,00270
= 1,09078 korr. spez. Gewicht.

ß) Bestimmung der Maltose. 10 g süße Maische werden abgewogen,
mit Wasser zu 250 ecm verdünnt, hiervon 25 ccm mit 50 ccm Fehlingscher
Kupferlösung 4 Minuten gekpcht und nach S. 230 bezw. 229 weiter behandelt.
Uber die dem gewogenen Kupfer entsprechende Menge „Maltose“ vergl. Tabelle
No. V am Schluß.

Man kann die Maltose auch titrimetrisch nach Reischauer (vergl. S. 238)
bestimmen, indem man von der vorstehend verdünnten Maische 5 ccm anwendet
und in 6 Probierröhrchen mit 1, 2, 3, 4, 5 und 6 ccm Fehlingscher Lösung
versetzt; es entsprechen:

Maltose	Maltose

1	ccm Fehlingsche Lösung= 7,20 mg [ 4 ccm Fehlingsche Lösung = 29,32 mg

2	„	„	„	=14,46 „ i 5	„	„	„	= 36,82 „

3	„	„	=21,83 „ I 6	„	„	„	=44,36 „

y) Bestimmung des Dextrins. 50 g süße Maische werden in einem
größeren Ausgußzylinder abgewogen, auf 250 ccm verdünnt und gemischt.

Hiervon werden 50 ccm mit etwa 160 ccm Wasser und 15 ccm Salzsäure
(von 1,125 spezifischem Gewicht) versetzt, 2 Stunden lang in einem Wasserbade
bei 100° erwärmt, die Säure mit Natronlauge neutralisiert und das Ganze nach
dem Erkalten auf 500 ccm gebracht. Hiervon dienen 25 ccm zur Fällung mit
50 ccm Fehlingsoher Lösung nach S. 230.

Anm,: Zur Erzielung genauer Ergebnisse versetzt man die 25 ccm invertierte Lösung
behufs Ausfüllung von Phosphaten usw. vorher mit 2—3 ccm Bleiessig, filtriert, beseitigt
        <pb n="687" />
        ﻿Untersuchung der vergorenen Maische.

665

das überschüssige Blei durch Schwefelsäure, filtriert, neutralisiert wieder mit Natronlauge
and fällt dann erst mit Fehlingsoher Lösung.

Bei Berechnung des Dextringehaltes führt man die gefundene Menge Maltose
durch Multiplikation mit 20/19 = 1,053 auf Glukose zurück, zieht diese von der Ge-
samtglukose ah und multipliziert den Rest mit 0,9; sind also z. B. 12% Maltose und
18% Glukose gefunden, so ist der Dextringehalt = [18 —(12 x 1,053)] x 0,9 = 4,83%,
also Gesamtmenge der vergärharen Stoffe 12 + 4,83 = 16,83 %.

Von 100 Teilen vergärharen Stoffen sind daher 71,3 % Maltose; es ist dieses das
Verhältnis von Maltose : Dextrin (M : D); im allgemeinen enthalten die Maischen
70—80% Maltose und 20—30 % Dextrin.

8. Berechnung des Beinheitsquotienten. Wenn wie vorstehend 20,65° Saccha-
rometeranzeige = S, 16,83 % vergärhare Stoffe (Maltose + Dextrin) = D gefunden
sind, so berechnet sich der Reinheitsquotient Q nach der Formal:

Q :

Dx 100

also

16,83 x 100

= 81,50%,

8	’	“	20,65

oder auf Glukosewert (in diesem Falle D = 18) zurückgeführt:

0 = — x = 87 16 °l
**	20,65	’

Der Glukosequotient ist selbstverständlich immer höher, der erste auf Maltose
+ Dextrin berechnete der wirkliche Reinheitsquotient.

4. Berechnung des Trebervolnmens, der aufgeschlossenen und nicht auf-
geschlossenen Stärke.J)

Wiegt 1 1 Maische.........................= 1086,4 g,

das Unlösliche (Treber) von 1 1 Maische =	52,2 „

so wiegt das Lösliche in 1 1 ...	.	1034,2 g.

Wird letztere Zahl durch das spezifische Gewicht des Maischefiltrats, z. B. 1,0813,

dividiert, so erhält man das Volumen des Flüssigen, also	— 956,4 ccm; dann

ist das Volumen des Unlöslichen (Treber) = 43,6 ccm. Wenn ferner der unlösliche
Rückstand nach b, 1 S. 663 = 12,77 % Stärke ergeben hat, das Maischefiltrat 132,48 g
Maltose und 26,13 g Dextrin, so enthält:

1

1 Maische an unaufgeschlossener Stärke

12,77 x 62,2
100

= 6,66 g und

1 1 Maischfiltrat an aufgeschlossener Stärke = 132,48 x 0,95 + 26,13 = 151,98 g.

Im letzteren Falle muß die Maltose durch Multiplikation mit 0,95 auf den
Stärkewert zurückgeführt werden.

Da 1 1 Maische 956,4 ccm Flüssiges (Filtrat) enthält, so ergibt sich die auf-
geschlossene Stärke für 1 1 Maische zu	—1— = 115,33 g.

Von der Gesamtstärke 145,33 + 6,66 = 151,99 g für 1 1 Maische sind daher
!M%xlOO

151,99	= 4,38 % unaufgeschlossen geblieben.

VII. Untersuchung der vergorenen Maische.

Für die Untersuchung der vergorenen Maische ist noch mehr als für die der
süßen Maische zu beachten, daß beim Filtrieren jede Konzentrationsveränderung
durch Verdunstung vermieden werden muß (vergl. hierüber und über sonstige zu be-
achtende Maßregeln S. 663).

r) Vergl. E. Wein, Agrik.-chem, Analyse, 1899, 129.
        <pb n="688" />
        ﻿666

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

1.	Prüfung auf Diastase. Da die Diastase der süßen Maische, welche wirk-
sam aus dem Zuckerbildungsvorgang hervorgegangen sein muß, während der Gärung
eine Nachwirkung auf das Dextrin auszuüben hat, so ist die Bestimmung derselben
sehr wichtig, besonders aber dann, wenn eine mangelhafte Vergärung stattgefunden hat.

M. Märcker verfährt wie folgt: 100 ccm klares Maischefiltrat werden
mit 10 ccm dünnem Stärkekleister — erhalten durch Verkleistern von 1 g Stärke
mit 100 ccm Wasser — versetzt und 1/2 Stunde auf 60° erwärmt. Ist noch hin-
reichend wirksame Diastase vorhanden, so darf die nach dieser Zeit mit Jodlösung
(siehe oben &amp; 663) angestellte Prüfung keine Blaufärbung mehr geben.

Lintner schlägt folgendes Verfahren vor; Einige Korner Guajakharz werden
mit absolutem Alkohol Ubergossen; auf 1—2 ccm dieser stets frisch zuzubereitenden
Lösung setzt man einige Tropfen käufliches Wasserstoffsuperoxyd, indem man eine
etwa entstandene Trübung durch Zusatz von Alkohol aufhebt. Zu dieser Lösung
gibt man tropfenweise klares und ungekochtes Maischefiltrat. Enthält letzteres
wirksame Diastase, so tritt sofort oder doch innerhalb weniger Minuten eine starke
Blaufärbung ein; 0,1 g Diastase auf 200 ccm Wasser gibt diese Reaktion sofort,
andere Fermente, wie Pepsin, Invertin, dagegen geben sie nicht.

2.	Bestimmung der Maltose. 200 ccm Maischefiltrat werden in einem 1ji 1-
Kolben mit 2—3 ccm Bleiessig und einigen Kubikzentimetern einer verdünnten
Phosphorsäurelösung versetzt, auf 250 ccm aufgefüllt, gemischt, filtriert und vom
Filtrat 50 ccm in einem 1/4 1-Kolben abgemessen; man versetzt diese erst zur Aus-
füllung des überschüssigen Bleies mit 5 °/0-iger Schwefelsäure im geringen Über-
schuß, füllt auf 250 ccm auf, filtriert und bestimmt in 25 ccm hiervon = 4 ccm des
ursprünglichen Maischefiltrats nach vorheriger Neutralisation der Schwefelsäure mit
Natronlauge die Maltose nach S. 230.

3.	Bestimmung des Dextrins. 200 ccm Maischefiltrat werden mit 10 ccm Salz-
säure von 1,125 spezifischem Gewicht durch 3-stündiges Erwärmen im kochenden
Wasserbade invertiert und dann wie bei süßer Maische (S. 664) weiter behandelt.

4.	Saccharometrische Prüfung; Bestimmung des Yergärungsgrades. Die
Saccharometer-Anzeige ist für die vergorene Maische noch viel unzuverlässiger als
für die süße, weil in derselben das Verhältnis von nichtzuckerartigen Stoffen zu
Zucker ein noch größeres ist, und weil sich ferner während der Gärung außer
Alkohol noch allerlei Nebenerzeugnisse (wie Milchsäure, Buttersäure, Essigsäure,
Glyzerin usw.) bilden, welche die Saccharometer-Anzeige fehlerhaft beeinflussen.

Um den Einfluß des Alkohols aufzuheben, kann man 200 g des Maischefiltrats
durch Kochen im Wasserbade von Alkohol befreien, nach dem Erkalten wieder auf
das gleiche Gewicht bringen und das entgeistete, auf 17,5° temperierte Maische-
filtrat mit dem Ballingschen Saccharometer bezw. mit der Westphalschen Wage
oder dem Pyknometer auf spezifisches Gewicht prüfen und die letzterem ent-
sprechenden Extraktprozente in Tabelle No. XIII am Schluß ablesen.

Man kann aber auch den fehlerhaften Einfluß des Alkohols durch Rechnung
eliminieren, wenn man den scheinbaren Vergärungsgrad (Saccharometergrade
des alkoholhaltigen Maischefiltrats) und den Alkoholgehalt der Maische ermittelt.

Wenn nämlich:

S = spez. Gewicht der alkoholfrei gedachten Maische,

Sj = spez. Gewicht der alkoholhaltigen Maische,

s = spez. Gewicht einer Mischung von Alkohol und Wasser von der Stärke des
Alkoholgehaltes der Maische ist,
so erhält man folgende Gleichung:

, S = Sa + (1 - s).
        <pb n="689" />
        ﻿Untersuchung der vergorenen Maische.

667

Ist z. B. Sj^ 1,006 (oder 1,5° Sacchar.), s = 0,9866 (oder 10 Yol.-Proz.
Alkohol), so ist

S = 1,006 + (1 — 0,9866) = 1,0194 oder 4,85° Saccharometer
(nach Ballings Extrakttabelle No. XIH am Schluß).

Die folgende Tabelle enthält die nach dieser Formel berechneten Werte der
wirklichen Vergärung aus der beobachteten scheinbaren Vergärung
bei verschiedenem Alkoholgehalt des Filtrats der vergorenen Maische:

Schein- bare Ver- gärung	Wirkliche Vergärung bei einem Alkoholgehalt der vergorenen Maische von:							
	7  Vol,-°/0	8  Vol.-°/0	9  Vol.-°/0	10  Vol.-0/0	11  Vol.-°/0	12  Vol.-°/0	13  Vol.-0/0	14  Vol.-°/0
0,4	2,85	3,15	3,45	3,75	4,05	4,33	4,60	4,88
0.6	3,06	3,35	3,66	3,95	4,25	4,63	4,80	5,08
0,8	3,26	3,65	3,85	4,16	4,45	4,73	5,00	6,28
1,0	3,45	3,75	4,05	4,35	4,65	4,93	5,20	6,48
1,2	3,66	3,95	4,25	4,55	4,86	5.13	5,40	6.68
1,4	3,85	4,15	4,45	4.75	5,05	5,33	5,60	5,88
1,6	4,05	4,35	4,65	4,96	5,26	6,53	5,80	6,07
1,8	4,25	4,55	4,85	5,15	5,45	5,73	6,00	6,27
2,0	4,45	4,75	5,05	5,36	6,65	5,93	6,20	6,46
2,2	4,66	4,95	5,25	5,55	5,86	6,12	6,39	6,66
2,4	4,85	5,15	5,45	5,75	6,05	6,32	6,58	6,85
2,6	5,05	5,35	5,65	5,95	6.24	6,51	6,78	7,05
2,8	5,25	5,55	5,85	6,15	6,44	6,71	6,98	7,24
3,0	5,45	5,75	6,05	6,34	6,63	6,90	7,17	7,44
3,2	6,65	5,95	6,24	6.64	6,83	7,10	7,37	7,63
3,4	5,85	6,15	6,44	6,73	7,02	7,30	7,56	7,83
3,6	6,05	6,34	6,63	6,93	7,22	7,49	7,76	8,02
3,8	6,24	6,54	6,83	7,12	7,41	7,68	7,95	8,22
4,0	6,44	6,73	7,02	7,32	7,61	7,88	8.15	8,41
4,2	6,63	6,93	7,22	7,51	7,80	8,07	8,34	8,61
4,4	6,83	7.12	7,41	7,71	8,00	8,27	8,64	8,80
4,6	7,02	7,32	7,61	7,90	8,20	8,46	8,73	9,00
4,8	7,22	7,61	7,80	8,10	8,40	8,66	8,93	9,20
5,0	7,41	7,70	8,00	8,30	8.58	8,85	9,12	9,39

Beispiel; Wenn die Saccharometer-Anzeige der süßen Maische und Hefe
= 21,50, die der vergorenen Maische = 2,27 °, ferner die Alkoholausbeute 9,5 °/0
ergeben hat, so ist die wirkliche Vergärung nach der Tabelle = 5,4 abzulesen,
folglich beträgt die der Vergärung anheimgefallene Zuckermenge 21,5 — 5,4 = 16,1 /„.

Die einzelnen Maischen verhalten sich aber nach M. Märcker sehr verschieden.
Die Kartoffelmaische enthält verhältnismäßig viel nichtzuckerartige unvergärbare
Stoffe gegenüber dem Zucker; hier entspricht die Saccharometer-Anzeige der ver-
gorenen Maische ziemlich ihrem Gehalt an gärungsfähigen Kohlenhydraten, weil durch
die vielen nichtzuckerartigen Stoffe die Saccharometer-Anzeige ungefähr um so viel
erhöht wird, als sie durch den Alkoholgehalt erniedrigt wird. Bei Maismaischen
dieses wieder anders, weil sie einen größeren Reinheitsquotienten, d. h. mehr
Mucker im Verhältnis zum Nichtzucker enthalten, als Kartoffelmaischen.

5. Bestimmung der Säure. 20 ccm vergorenes Maischefiltrat werden mit 1j10
Normal-Natronlauge unter Tüpfeln auf Lackmuspapier titriert. 1 ccm 1j10 Normal-
Natronlauge = 0,009 g Milchsäure.

Man pflegt auch wohl die für 20 ccm Maischefiltrat verbrauchte Anzahl Kubik-
zentimeter Nor mal-Alkali als Säuregrade auszudrücken. Die Säure der vergorenen
        <pb n="690" />
        ﻿668

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

Maische rührt zum Teil von der zugesetzten Hefe her; mitunter wird der Maische
auch, um eine reinere Gärung und mehr Ausbeute zu erzielen, Schwefelsäure als
solche zugesetzt. Über den Nachweis dieser vergl. S. 259, No. 4. Neuerdings wird
für den Zweck nach Effronts Vorschläge Fluorwasserstoffsäure (oder Fluornatrium
hezw. Fluorammonium, 6,0 g des letzteren für 1 hl Maische) als am wirksamsten
empfohlen. Eine nachteilige Wirkung hei der Verbitterung von dem geringen Fluor-
gehalte der Schlempe wurde bis jetzt nicht beobachtet.

6.	Bestimmung des Alkohols in der vergorenen Maische. a)DurchDestillation.
200 com Maische oder Maischefiltrat1) werden in einen Kolben von etwa 400 com
Inhalt gefüllt und unter Verbindung mit einem Kühlgefäß (vergl. Fig. 272) in ein
100 ccm-Kölbchen abdestilliert, bis ungefähr 100 ccm Destillat übergegangen sind.

Nachdem das Destillat auf die Normaltemperatur 15,5° gebracht und auf genau
100 ccm aufgofüllt ist, ermittelt man das spezifische Gewicht desselben entweder
mittels des Pyknometers, der Westphalschen Wage oder eines genauen Alkohol-
Aräometers. Die Spindeln des letzteren müssen so klein sein, daß sie in 100 ccm

noch bequem schwimmen; die Länge der Skala für 1 °/0 soll mindestens 10 mm be-
tragen, auf jeder Spindel sich nur etwa 8 °/0 befinden und jedes Prozent in 1/5 ge-
teilt sein.

Über die dem spezifischen Gewicht entsprechenden Alkohol-Prozente vergl.
Tabellen No. XVII und XVIII am Schluß. Die gefundenen Alkohol-Prozente müssen
bei Anwendung von 200 ccm durch 2 dividiert werden.

Verdünnt man die 100 ccm Destillat auf 200 ccm und spindelt die letzteren,
oder ermittelt man hiervon das spezifische Gewicht, so entsprechen die gefundenen
Alkohol-Prozente direkt der ursprünglichen Maische.

b)	Indirekte Alkoholbestimmung aus der Differenz im spezifischen Ge-
wicht der alkoholhaltigen und alkoholfreien Maischflüssigkeit.

Wenn man die alkoholhaltige Maische durch Kochen von Alkohol befreit und
letzteren durch ein gleiches Gewicht Wasser ersetzt, so wird das spezifische Ge-

*) Man verwendet meistens das Maisohefiltrat und bringt für den Trebergehalt eine
entsprechende Korrektion an; letztere fällt aber unsicher aus, weshalb es sich empfiehlt,
natürliche Maische zu nehmen. Das Überschäumen kann man nach M. Märoker durch
Zusatz von einem Stückchen Paraffin vermeiden.
        <pb n="691" />
        ﻿Untersuchung der Schlempe.

669

wicht der Maische in demselben Verhältnis erhöht als dasjenige eines Gemisches
von Alkohol und Wasser (mit gleichem Alkoholgehalt).

Man kann daher aus dem spezifischen Gewicht vor und nach dem Kochen der
Maische auf deren Alkoholgehalt schließen.

Ist S • — spezifisches Gewicht der Maische vor dem Kochen,

S-l =	„	„	„	„ nach	dem Kochen,

1 =	„	„	des	Wassers,

so verhält sich:

Sx : S = 1: x oder x = 8 ^ 1 oder x = 1 — (Sj—S).

Man ermittelt daher das spezifische Gewicht des durch wiederholtes Schütteln
in einer geräumigen Flasche von Kohlensäure befreiten und auf 15,5° temperierten
Maischefiltrats (etwa 200 g), kocht dieses auf die Hälfte ein, läßt erkalten, füllt mit
Wasser hei 15,5° wieder bis zu 200 g auf und ermittelt das spezifische Gewicht
dieser entgeisteten Flüssigkeit.

Ist S = 1,008 (vor dem Kochen), St = 1,024 (nach dem Kochen), so ergibt sich:

1 008 x* 1

x =	= 0,9844 oder x = 1 — (1,024 - 1,008) = 0,984.

Eine alkoholische wässerige Flüssigkeit von 0,9844 enthält aber nach Tabelle
No. XVII am Schluß = 9,79 Gewichtsprozente oder 12,13 Volum-Prozente Alkohol.

So viel Alkohol enthält also das Maischefiltrat; um den der ursprünglichen
treberhaltigen Maische zu finden, muß das Tr eh er-Volumen berücksichtigt werden,
kind (wie oben S. 665) für 1 1 Maische 43,6 ccm Treber und 956,4 ccm Maischefiltrat

gefunden, so ist der Alkoholgehalt der ursprünglichen Maische	= 9,36

Gewichtsprozent, Die sonstigen Alkoholbestimmungsverfahren kommen bei Maische
Dicht in Betracht.

VIII. Untersuchung der Schlempe.

Über die Untersuchung der Schlempe vergl. unter „Futtermittel" S. 258.
W Märcker hat in seinem Handbuch der Spiritusfabrikation ein Verfahren an-
gegeben, wie man je nach der Ausbeute an Alkohol die Zusammensetzung der Schlempe
aus der verwendeten Menge Rohstoff berechnen kann. Hierbei geht er von der
Annahme aus, daß mit Ausnahme des Stärkemehles alle anderen Bestandteile des
Rohstoffes in die Schlempe übergehen, und daß für die sonstigen aus der Stärke
entstehenden Gärungsnebenerzeugnisse je nach Maßgabe der für 1 kg Stärke er-
haltenen Alkoholausheute eine Korrektion anzubringen ist usw.

Die Zusammensetzung der Kartoffel kann bis auf den Gehalt an Stärkemehl,
her jedesmal zu ermitteln ist, als ziemlich unverändert angesehen werden. M. Mär oker
Rgt für diese und die Gerste folgende Durchschnittszusammensetzung zu Giunde.

Kartoffeln.
Gerste

Wasser	Nh.-Substanz	Fett	Stärkemehl	Unvergärbar e Extraktstoffe	Rohfaser	Asche
°/o	°/o	»/.	0/  10	°/o	°i  Io	°/o
-1)	2,2	0,2	X	0,7	0,7	1,1
14,3	10,0	2,3	60,0	3,4	8,5	1,5.

Die Vergärung der Stärke fällt verschieden aus; man kann annehmen, daß
ln Maischen, welche mit etwa 20 °/0 Saccharometer angestellt werden, von 100 Teilen
(er m den Maischrohstoffen enthaltenen Stärke unvergoren bleiben:

angenommen

') Der Wassergehalt der Kartoffeln wird je nach dem Stärkemehlgehalt verschieden

er ist also bei 20,0 °/0 Stärke = 75,1 °/0.
        <pb n="692" />
        ﻿670

Kohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

bei guter Vergärung bis auf 1,0—1,5° Saccharometer = 15 °/0,

„ mittlerer „	„	„ 1,5—2,0°	„	=25%,

„ schlechter „	„ 2,0—4,0°	„	=30%.

Da aber ferner ein Teil der Stärke während der Gärung in Nebenerzeugnisse
(Milchsäure, Essigsäure usw.) umgewandelt wird, so empfiehlt es sich, die unvergoren
gebliebenen Kohlenhydrate nach Maßgabe der für 1 kg Stärkemehl erhaltenen
Alkoholausbeute zu berechnen, gleichzeitig aber eine Korrektion für den Nährwert
der Nebenerzeugnisse aufzunehmen.	,

Es gehen von 100 Teilen eingemaischter Stärke in die Schlempe über:

wenn für 1 kg Stärke
gezogen wurden:

in der Schlempe:

60 Literprozente Alkohol = 10 Teile Stärkemehl.

55	„	= 15

60 „ „ = 20

Ferner kann man annehmen, daß von 1000 1 Maischraum gewonnen werden:
bei einem vollkommenen Destillationsapparat 1100 1, bei einem weniger voll-
kommenen 1300 1 Schlempe.

Auf Grund dieser Voraussetzung gibt Märcker folgendes Beispiel zur Be-
rechnung der Zusammensetzung der Schlempe:

Auf einen Maischraum von 4000 1 seien 3000 kg Kartoffeln gemaischt; dieselben
sollen einen Stärkemehlgehalt von 20 °/0 ergeben haben. Auf 100 kg Kartoffeln seien
4 kg Gerste zum Malz und zur Hefe verwendet; von 1 kg Stärke habe man 56 l-°/0
gezogen, es sind demnach 15 °/0 der eingemaischten Stärke unvergoren in die Schlempe
übergegangen. Der Destillierapparat sei zwar nicht von der allerbesten, aber immerhin
doch guter Konstruktion, wonach man annehmen würde, daß 1000 1 Maischraum 1200 I
Schlempe geben.

Nach den oben mitgeteilten Zahlen für die Zusammensetzung von Kartoffeln und
Gerste erhalten wir folgende Übersicht:

Stickstoff-		Stärke-	N-freie	Roh-	Mineral-
Substanz		mehl	Extraktst.	fas er	Stoffe
3000 kg Kartoffeln enthalten. . 66,0	6,0	600,0	21,0	21,0	33,0 kg,
120 kg Gerste enthalten . . . 12,0	2,8	76,1	—	10,2	1,8 „
Im ganzen eingemaischt 78,0	8,8	676,1	21,0	31,2	34,8 kg.
Da alle Bestandteile mit Ausnahme der		Stärke	in ihrer	Menge	unverändert

in die Schlempe übergehen und nach obigen Annahmen bei einer Ausbeute von 55 l-°/0
85 °/0 der Stärke zerstört werden, so enthalten 4800 1 Schlempe aus obigen 4000 1 Maische
folgende Mengen von Nährstoffen:

Stickstoff-Substanz Fett	Stärke	N-fr. Extraktstoffe Rohfaser Mineralstoffe

78,0	8,8	101,4	21,0	31,2	34,8 kg.

122~4	’

Die einfachste Berechnung ist nun die, daß, wenn die Schlempe gleichmäßig auf
die Kopfzahl eines Kuhstalles usw. verteilt wird, man mit der Kopfzahl in obige absolute
Nährstoffmengen dividiert. Wenn z. B. obige Schlempemenge auf 80 Stück Großvieh
verteilt wäre, so würden für das Haupt folgende Nährstoffmengen in Form von Schlempe
verabreicht worden sein:

Stickstoff-Substanz...................................... 0,976	kg,

Stickstofffreie Extraktstoffe............................ 1,530	„

Fett......................................................0,410	„

Eohfaser................................................. 0,390	„

Mineralstoffe............................................ 0,435	„

Im ganzen Trockensubstanz 3,440 kg.
        <pb n="693" />
        ﻿Beurteilung des Brennereibetriebes. — Spiritus, Branntweine und Liköre. 671

Wenn man es für bequemer hält, die Nährstoffmengen für 100 1 zu berechnen, so
würde man, auf 4800 1 Schlempe bezogen, folgende Zahlen für 100 1 Schlempe erhalten:

Stickstoff-Substanz .......................................1,63	kg,

Stickstofffreie	Extraktstoffe..............................2,65	„

Fett.......................................................0,18	„

Eohfaser...................................................0,65	„

Mineralstoffe..............................................0,77	„

Im ganzen Trockensubstanz 5,78 kg.

IX. Anhaltspunkte zur Beurteilung des Brennereibetriebes.

Aus der zur Einmaisohung gelangenden Menge Stärke wird in der Praxis selbst-
verständlich nicht die theoretisch mögliche Menge Alkohol gewonnen, weil der Be-
trieb mit verschiedenen, zum Teil unvermeidlichen Verlusten verbunden ist. Die stetige
Untersuchung der Rohstoffe, Zwischen- und Enderzeugnisse soll Aufschluß geben, wie
hoch die Ausbeute ist, bezw. ob sich die Verluste innerhalb der zulässigen Grenzen be-
wegen. Um zu beurteilen, ob der Betrieb ein regelmäßiger war, gibt M. Märcker (1. c.)
folgende Anhaltspunkte;

1.	Die beim Dämpfen nicht aufgeschlossene und daher der Einwirkung der Diastase
sich entziehende Menge Stärke beträgt:

bei gutem	mittlerem	schlechtem Betriebe

1,5	«/„,	3,0 °/0,	4,5 °/0.

2.	Von der eingemaischten und in gärungsfähige Substanz umgewandelten Stärke
bleiben unvergoren:

3,9	o/0,	6,8 °/0,	H,5 «/„.

3.	In Nebenerzeugnisse werden übergefiihrt und durch Verdunsten von Alkohol
gehen verloren;

9,5	°/0,

4.	Also im ganzen Verluste

14,9	°/0,

also werden in Alkohol übergeführt:
85,1 °/0,

Man erhält für 1 kg Stärke;

60,5

13,5 o/0,	16,8 o/0.
23,3 o/0,	32,8 o/o,
76,7 o/0,	67,2 o/0.
55,0	48,0 l-°/o Alkohol,

B.	Spiritus, Branntweine und Liköre.

Hierher gehören alle alkoholische Flüssigkeiten oder Getränke, die durch
Destillation von vergorenen Maischen oder Flüssigkeiten und durch Vermischen
des Destillats mit Wasser teilweise unter Zusatz von Zucker (eigentliche Liköre)
oder von Pflanzenauszügen (bittere Liköre) hergestellt sind.

Die verschiedenen Sprit-, Branntwein- (Kognak, Eum, Arrak) und Likor-
Sorten werden in mehr oder weniger gleicher Weise untersucht. Xm bezüglich
des Extraktes bedürfen die süßen und bitteren Liköre einer besonderen Prüfung.

Von den nachfolgenden Bestimmungen werden spezifisches Ge-
richt, Alkohol, die Gesamt- und nicht flüchtige Säure sowie die Basen
lm ursprünglichen Spiritus bezw. Branntwein, dagegen Aldehyd,
iurfurol, Ester und höhere Alkohole im Destillat bestimmt.

1. Bestimmung des spezifischen Gewichtes. Das spezifische Gewicht wird
wie üblich mit dem Pyknometer (S. 449) oder der Westphalschen Wage (S. 449)
bei 150 bestimmt.
        <pb n="694" />
        ﻿672

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

Bei den Spritsorten und bei Branntweinen, die wesentlich nur aus Alkohol
und Wasser bestehen, erfährt man aus dem spezifischen Gewicht gleichzeitig an-
nähernd den Alkoholgehalt.

2. Bestimmung des Alkohols. Bei reinen alkoholhaltigen Flüssigkeiten, welche
nur aus Mischungen von Wasser und Alkohol bestehen, wird der Gehalt an
Alkohol in Volumprozenten am einfachsten

a)	mit einem von der Normal-Eichungskommission kontrollierten
Normal-Alkoholometer bestimmt.

Die Alkoholometer sind Aräometer (Densimeter), welche statt des spezifischen
Gewichtes des zu untersuchenden Weingeistes den dazu gehörigen Alkoholgehalt in

Fig. 378.	Fig. 274.	Fig. 275.

Volumprozenten direkt anzeigen. Es gibt solche für Flüssigkeiten von 0—60,
50—100 °/0 Alkohol usw. Für die Ausführung der Bestimmung ist zu beachten, daß
Flüssigkeit und Instrumente die Temperatur des Untersuchungsraumes haben und
Gefäße wie Spindel äußerst rein und trocken sind.

Die Mischung, deren scheinbare Stärke mit dem Alkoholometer ermittelt werden
soll, wird in ein Standgefäß gefüllt, dessen Durchmesser mindestens 2-mal so groß ist als
der größte Durchmesser des zur Anwendung kommenden Instrumentes, und dessen Wände
möglichst durchsichtig und sohlierenfrei sind.

Das Standglas wird mit dem zu prüfenden Spiritus so weit angefüllt, daß nach dem
Eintauchen des Alkoholometers der Plüssigkeitsspiegel noch mehrere Zentimeter unterhalb
des Glasrandes steht. Nach Durchrührung der Füllung wird das Standglas auf einer
Tischplatte fest aufgestellt, hierauf das Instrument langsam eingesenkt, und zwar so, daß
eine Benetzung der Spindel oberhalb der Stelle, bei welcher die definitive Einstellung ein-
tritt, womöglich nicht stattfindet, oder daß wenigstens jedes irgend erhebliche Auf- und
        <pb n="695" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

673

Niederschwanken der Spindel um die Gleichgewichtslage vermieden wird. Nachdem so-
dann das Instrument 1/2 — 1 Minute, und zwar bei schwächerem Spiritus länger als bei
stärkerem, sich selbst überlassen worden ist, wird die Alkoholometerskala in der mittels
"vorstehender Figuren veranschaulichten Weise abgelesen.

Es wird diejenige Linie aufgesucht, in welcher der Plüssigkeitsspiegel die Ein-
teilungsfläche der Spindel schneidet. Mit hinreichender Genauigkeit erreicht man dies, wenn
man das Auge bei aufrechter Stellung des Kopfes dicht unterhalb des Elüssigkeitsspiegels
so hält, daß mau die bei tieferer Augenstellung (siehe Pig. 273) länglich-rund erscheinende
Grundfläche der um die Spindel sich bildenden Flüssigkeitserhöhung zu einer nahezu ge-
raden Linie sich zusammendrängen sieht. Fig. 274 zeigt die Flüssigkeitserhöhung als
gerade Linie, Fig. 273 dieselbe von unten gesehen als länglich-runde Fläche, Fig. 276
von oben gesehen als wirkliche Erhöhung.

Die Stellung des Kopfes ist gerade so zu wählen, daß diese Ablesungslinie in der
mittels Pig. 274 erläuterten Weise noch dicht unter dem dem Auge zugekehrten Rande
des Elüssigkeitsspiegels sichtbar bleibt und sich scharf von der Alkoholometerskala abhebt.

Der Prozentwert des der Ablesungslinie zunächst liegenden Skalenstriches kann bei
gewöhnlichen Ermittelungen als die Angabe des Alkoholometers gelten. Bei genaueren
Ermittelungen hat man den Zwischenraum zwischen der Ablesungslinie und dem zunächst
darunter liegenden Skalenstrich mit dem Skalenintervall unterhalb dieses Striches zu ver-
gleichen und den hiernach in Prozentteilen abgesohätzten Betrag jenes Zwischenraumes zu
dem Prozentwerte des zunächst unter der Ablesungslinie liegenden Skalenstriches hinzu-
zufügen.

Unmittelbar auf die Alkoholometer-Ablesung folgt die Ablesung des Thermo-
meters. Man erfährt auf diese Weise die zu der betreffenden Temperatur der
Flüssigkeit gehörige „scheinbare Stärke“ an Alkohol. Diese ist nur bei einer
bestimmten Temperatur gleich der wahren Stärke, nämlich bei 124/9° R. (= 15,5 0 C.

= 60°p,); denn die geeichten Alkoholometer geben nur bei dieser Normaltemperatur

(12%o r.) die

„wahre Alkoholstärke in Volumprozenten“ (Vol.-Proz. nach Tralles)
aa&gt; die bei anderen Temperaturen gefundenen scheinbaren Spiritusstärken sind, da
die Dichtigkeit einer Mischung aus Alkohol und Wasser bei steigender Temperatur
abnimmt, und zwar in stärkerem Maße, als das Volumen des gläsernen Alkoholo-
meters bei steigender Temperatur zunimmt, bei Temperaturen über + 124/0° R.
größer, bei Temperaturen unter -f- 124/9°R. kleiner als die wahre Spiritusstärke.

Man hat daher, wie gesagt, außer dem Stand der Spindel in der alkoholischen
Flüssigkeit auch noch die Temperatur derselben an dem am unteren Ende befind-
lichen Thermometer abzulesen, indem man das Auge in gleicher Höhe mit dem Ende
der Quecksilbersäule hält.

Den geeichten Normalalkoholometern sind gleichzeitig Reduktionstabellen bei-
geftigt, aus welchen die den einzelnen Temperaturen und Graden entsprechende
Wahre Spiritusstärke direkt abgelesen werden kann. Es sei daher auf diese Tabellen
Verwiesen.

Sind die alkoholischen Flüssigkeitsmengen zu gering, um eine Messung mit
dem Alkoholometer vornehmen zu können, so muß man das spezifische Gewicht
mit dem Pyknometer (S. 449) oder der Westphalschen Wage (S. 450) ermitteln
Und die dem spezifischen Gewicht entsprechenden Alkoholprozente nach den Tabellen
No- XVII oder XVIII (am Schluß) ablesen.

b)	Bestimmung des Alkohols durch Destillation. Wenn die alkohol-
haltigen Flüssigkeiten außer Alkohol und Wasser noch andere Stoffe enthalten, so
mt eine Bestimmung des Alkohols mit den Alkoholometern nicht möglich^ Es wird
dann der Alkoholgehalt am zuverlässigsten wie bei Maische (S. 668) durch Destillation

bestimmt.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	4'!
        <pb n="696" />
        ﻿674

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

Man ermittelt zunächst das spezifische Gewicht der alkoholischen Flüssigkeit
mit dem Pyknometer oder der Westphalschen Wage. Dann destilliert man von
einem bestimmten, hei der Normaltemperatur 15,5° abgemessenen Volumen derselben
etwa * 2/3 ab, läßt das Destillat erkalten, bringt es mit destilliertem Wasser von
der Normaltemperatur auf das Volumen der in Arbeit genommenen Flüssigkeit, oder
man verdünnt letztere mit etwas Wasser und destilliert genau das ursprüngliche
Volumen1) (gemessen bei der Normaltemperatur) ab und bestimmt das spezifische
Gewicht des Destillats.

Flüssigkeiten mit einem Gehalt an aromatischen Stoffen (ätherischen ölen
oder Essenzen) werden vorher mit Kochsalz gesättigt, indem man nach der amt-
lichen Verordnung des Bundesrates vom 8. Dezember 18912) in einer etwa 300 ccm
fassenden Bürette mit Glasstöpsel zunächst 30 ccm Kochsalz aufschichtet, 100 ccm
der alkoholischen Flüssigkeit hinzugibt, mit Wasser bis zum Teilstrich 270 ccm
nachfüllt, durchsohüttelt und so lange Kochsalz zusetzt, bis etwas Kochsalz ungelöst
bleibt. Man klemmt die Bürette in einen.Halter und überläßt eine halbe Stunde
der Ruhe. Die aromatischen Bestandteile scheiden sich oben als ölige Schicht ab
und enthalten keinen Alkohol. Man nimmt dann von der unter der öligen Schicht
befindlichen salzhaltigen Flüssigkeit genau die Hälfte (= 50 ccm ursprünglicher
Flüssigkeit entsprechend) und destilliert wie üblich.

Die Ermittelung des Alkoholgehaltes geschieht wie folgt:

Wenn z, B. 100 ccm Branntwein mit 50 ccm Wasser verdünnt, hiervon 100 ccm
abdestilliert werden und das spezifische Gewicht dieses Destillats = 0,9439 ist, so ent-
spricht letzteres einem Alkoholgehalt von 44,86 Volumprozenten; dieses ist das Verhältnis
des Volumens des in der Mischung enthaltenen Alkohols zum Volumen der Mischung.
Um hieraus Gewichtsprozente, d. h. das Verhältnis des absoluten Gewichtes des in der
Mischung enthaltenen Alkohols zu dem absoluten Gewicht der Mischung zu erhalten, multi-
pliziert man die Volumprozente mit dem spezifischen Gewicht des absoluten Alkohols
= 0,7938 und dividiert durch das spezifische Gewicht der erhaltenen alkoholischen Flüssig-
44 86 x 0 7938

keit, also in diesem Falle: —’ ■	’----= 37,72 Gewichtsprozente, d. h. 37,72 g Alkohol

U.iMoy

in 100 g einer alkoholischen Flüssigkeit von 0,9439 spezifischem Gewicht. Die Alkohol-
tabellen sind durchweg so eingerichtet, daß neben den Volumprozenten gleich die ent-
sprechenden Gewichtsprozente eingetragen sind.3)

Um für die ursprüngliche Flüssigkeit die Gewichtsprozente an Alkohol (= A) zu
ermitteln — und dieses sollte allgemein für alkoholische Flüssigkeit geschehen —, muß
man von einer bestimmten Gewichtsmenge derselben = g eine bestimmte Gewichtsmenge
= D abdestillieren und das spezifische Gewicht des Destillats bestimmen. Aus letzterem
erfährt man nach den Tabellen den Alkoholgehalt des Destillats in Gewichtsprozenten
= d, und der Alkoholgehalt A in Gewichtsprozenten der ursprünglichen Flüssigkeit ist dann:

* Bxd

A =--------

g

Angenommen, es sind 100 ccm eines Liqueurs = 104,39 g (oder spezifisches Gewicht
= 1,0439) abgewogen, diese mit 60 ccm Wasser verdünnt und davon 100 ccm von 0,9519
spezifischem Gewicht abdestilliert, d. h. 100 ccm dieser alkoholischen Flüssigkeit wiegen
95,19 g. Dem spezifischen Gewicht 0,9519 entsprechen 33,63 Gewichtsprozente Alkohol,

') Man destilliert 100 ccm bis auf 2—3 com ab, läßt auf 15,5° erkalten und ergänzt
den Rest bis zur Marke 100 mit destilliertem Wasser von 16,5.°.

2)	Vergl. Zeitsohr. f. anal. Chemie 1892, 31, A. V. S. 10 (Anhang).

3)	Die Tabelle von K. Windisch (vergl. Tabelle No. XVIII im Anhang) gibt neben den
Volumprozenten die Gramm Alkohol in 100 ccm an.
        <pb n="697" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

675

ü- h. so viel Alkohol ist in 100 g eines alkoholischen Wassers von 0,9619 spezifischem
Gewicht enthalten; da wir aber nicht 100 g, sondern nur 95,19 g Destillat haben, so sind
95 19 x 33 63

m demselben nur ————= 31,92 g, also in 100 g der ursprünglichen Flüssigkeit
31,92 x 100	96 19 x 33 53

JoJTjg— oder allgemein ’ 104 39 ’ ‘ ~ 30,37 Gewichtsprozente Alkohol. Da bei den

reinen Branntweinen das spezifische Gewicht oder das Gewicht von 100 ccm vor und nach
der Destillation annähernd gleich ist, so können hier in den meisten Fällen die in den
Tabellen enthaltenen, dem spezifischen Gewicht des Destillats entsprechenden Gewichts-
prozente Alkohol als für 100 g der ursprünglichen Flüssigkeit gelten; ist z. B. das spezi-
fische Gewicht des ursprünglichen Branntweins = 0,9545, das des Destillats = 0,9519,
so wird:

,	95,19x33,53	00 ,n r,

A = —— —------— = 33,42 Gewichtsprozente

oder 33,42 g Alkohol in 100 g des Branntweins; die Zahl 33,42 weicht von der in den
Tabellen enthaltenen 33,53 nur unwesentlich ab.

Nach S. 669 kann man auch die Gewichtsprozente Alkohol in einer alkoholischen
Flüssigkeit finden, wenn man das spezifische Gewicht derselben durch das spezifische
Gewicht der entgeisteten und mit Wasser auf das ursprünglich angewendete Gewicht
wieder aufgefüllten Flüssigkeit dividiert:

Ist S., = spezifisches Gewicht der ursprünglichen Flüssigkeit, z. B. 1,0439,

Sa = spezifisches Gewicht der entgeisteten Flüssigkeit nach Herstellung des
ursprünglich angewendeten absoluten Gewichtes, z. B. 1,0967,

80 ist das spezifische Gewicht des Weingeistes in der Flüssigkeit:

x =

S*

s,2

L0439

1,0967

0,9519;

sucht man den zu diesem spezifischen Gewicht x der alkoholischen Flüssigkeit gehörigen
Alkoholgehalt = a, hier 33,53 Gewichtsprozent, so ist der Alkoholgehalt A in Gewichts-
prozenten der ursprünglichen Flüssigkeit:

a	.	33,53

A=s; 0d6r hl6r 1,0967

: 30,58 Gewichtsprozent,

Q- h. man erhält auch die Gewichtsprozente Alkohol in einer alkoholischen Flüssigkeit,
wenn man den zum spezifischen Gewicht des Weingeistes gehörigen Alkoholgehalt durch
das spezifische Gewicht der von Alkohol befreiten oder entgeisteten Flüssigkeit dividiert.

Bei allen Spirituosen, welche wesentlich nur aus Alkohol und W asser be-
stehen, wird man den Alkoholgehalt am zweckmäßigsten nach dem einfachen
Destillationsverfahren und durch Ermittelung des spezifischen Gewichts des Destillats
bei der Normaltemperatur von 15,5° bestimmen; bei extraktreichen Spiri-
tuosen dagegen ermittelt man gleichzeitig das spezifische Gewicht des entgeisteten
Destillationsruckstandes, nachdem man denselben bei der Normaltemperatur von
0 mit Wrasser auf das ursprüngliche Gewicht (nicht I olumen) gebracht hat.
Sind also 100 ccm eines Likörs von 1,0439 spezifischem Gewicht abdestilliert, so muß
man den Destillationsrückstand mit Wasser wieder zu dem Gewicht 104,39 g (nicht
aber einfach zu 100 ccm) auffüllen.

Ermittelt man in letzterem Falle auch noch das spezifische Gewicht des
Destillats (hier 100 ccm hei Anwendung von 100 ccm Likör), so hat man eine
Kontrolle der Alkoholbestimmung zu der indirekten Bestimmung (Division des ur-
sprünglichen Gewichtes durch das der entgeisteten, auf gleiches Gewicht gebrachten
Flüssigkeit). Gleichzeitig dient das letztere zur Kontrolle der direkten Extrakt-
estimmung und der nach den Extrakttabellen No. XIII, XI oder XIX (im An-
ange) abgelesenen Werte.

43*
        <pb n="698" />
        ﻿676

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

Bei der Destillation der alkoholischen Flüssigkeiten ist zu beachten, oh sich
flüchtige Säuren entwickeln; in diesem Falle setzt man, wenn das spezifische
Gewicht des Destillats bestimmt werden soll, vor dem Destillieren etwas Alkali zu;
tritt hierbei Ammoniak auf, so muß man das Destillat unter Zusatz von Wein-
säure nochmals destillieren. Bei etwaigem Schäumen von Flüssigkeiten setzt man
zweckmäßig etwas Tannin, bei etwaigem Stoßen erbsengroße Stücke von Bimstein
oder eine Platinspirale zu.

Von den unter derartigen Zusätzen erhaltenen Destillationsrückständen kann
dann selbstverständlich das spezifische Gewicht nicht ermittelt, sondern muß eine
zweite Probe von bestimmtem Gewicht genommen werden, welche in Schalen auf
dem Wasserhade von Alkohol befreit und nach dem Erkalten mit Wasser auf das
ursprüngliche Gewicht aufgefüllt wird.

c)	Die sonstigen Bestimmungsverfahren des Alkohols in den Spiri-
tuosen, so- die vaporimetrische von Geißler, die dilatometrische von
Silhermann, das Ehullioskop, das Liquometer von Museuhus und den
Tropfenzähler von Duclaux kann ich hier übergehen, weil sie sehr erhebliche
Abweichungen von dem Destillationsverfahren besitzen oder doch nicht dieselben
sicheren Ergebnisse als letzteres liefern.

3.	Bestimmung des Fuselöles bezw. der höheren Alkohole. Zur Bestimmung
des Fuselöles hezw. der höheren Alkohole in den Spirituosen wird durchweg das
Verfahren:

a)	von Eöse angewendet, welches durch Stutzer und Reitmair sowie
durch Eugen Seil1) abgeändert worden ist.

Chloroform besitzt die Eigenschaft, die höheren Glieder der Alkohole der
Methanreihe leicht aus einer wässerigen Lösung aufzunehmen, während Äthylalkohol
hei einer gewissen Verdünnung nur in geringer Menge gelöst wird.

Schüttelt man einmal einen verdünnten Spiritus und das andere Mal ver-
dünnten Spiritus von demselben spezifischen Gewicht, dem etwas Amylalkohol zu-
gesetzt ist, mit gleichen Mengen Chloroform bei derselben Temperatur, so zeigt
sich im 2. Falle eine erheblich größere Volum Vermehrung des Chloroforms, als mit
reinem verdünnten Alkohol.

Röse benutzte diese Eigenschaft des Chloroforms dem Äthylalkohol und
Amylalkohol gegenüber, das Sättigungsvermögen des Chloroforms für 50 °/0-igen
Spiritus festzustellen und durch steigende Zugabe von kleinen Mengen Amylalkohol
die Volumzunahme des Chloroforms zu ermitteln.

Stutzer und Reitmair änderten das Verfahren dahin ab, daß sie anstatt
des 50 °/0-igen Alkohols einen 30 °/0-igen für die Untersuchung empfahlen, und
Herzfeld gab dem Schüttelapparat eine andere Form, die ein genaues Ahlesen
der Chloroformschicht gestattet.

Zahlreiche Untersuchungen von genannten Autoren und vom Kaiserlichen
Gesundheitsamte wurden mit reinem 30 °/0-igen Alkohol und Mischungen von Äthyl-
alkohol und Amylalkohol in den verschiedenartigsten Verhältnissen durchgeführt,
aus denen Tabellen zusamraengestellt sind, die ein direktes Ahlesen des Amyl-
alkohols hezw. des Fuselöles aus der Volum-Zunahme der Chloroformschicht gestatten.

Zum Ausschütteln wird nach den Mitteilungen von Eugen Seil* 2) im Kaiser-
lichen Gesundheitsamte der nachstehende Apparat benutzt:

Vergl. Zeitschr. f. anal. Chemie 1892, 31, Anhang 2.

2) Arbeiten aus dem Kaiser!. Gesundheitsamte 1888, 4, 109.
        <pb n="699" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

677

Der unten Bauchig aufgeblasene Teil faßt bis zum unteren Teilstrich, der die
Zahl 20 trägt, 20 ccm und dient zur Aufnahme des Chloroforms.

Die Röhre ist von 20—26 ccm durch kleine Teilstriche in je 0,05 ccm ge-
teilt. Der hirnförmige obere Teil hat einen Inhalt von etwa 150 ccm und kann
am Halse mit einem Korkpfropfen verschlossen werden.

Zur Untersuchung eines Branntweins, Kognaks usw. werden 100 com des-
selben unter Zusatz von einigen Tropfen Natronlauge der Destillation unterworfen,
bis 80 ccm übergegangen sind.

Es ist unter allen Umständen nötig, auch farblose
Branntweine mit Natronlauge zu destillieren, um jedwede
Beimengung von harzigen Bestandteilen und Farbstoffen, die
aus den Fässern stammen können, zu entfernen; ferner aber
auch, um vorhandene Ester zu zersetzen.

Ätherische Öle, welche im höchsten Falle 0,04—0,045 °/0
betragen können, da diese Mengen dem Branntwein bereits
ein milchiges Aussehen geben, haben keinen nennenswerten
Einfluß auf die Untersuchung, besonders dann nicht, wenn der
untersuchende Branntwein mit Natronlauge destilliert wird.

Jenes unter Zusatz von Natronlauge erhaltene Destillat
fÜHt man auf 100 ccm auf, mischt gut durch und bestimmt den
Alkoholgehalt durch das spezifische Gewicht.

Der Alkoholgehalt wird bei fast allen Trinkhranntweincn
über 30 °/0 betragen. Es muß also in fast allen Fällen Wasser
zugesetzt werden, um den richtigen Yerdünnungsgrad zu er-
halten, und zwar um so mehr, je gehaltreicher der zu unter-
suchende Branntwein ist.

Von diesem Destillat daher, dessen Alkoholgehalt fest-
gestellt ist, werden 50 ccm, entsprechend 50 ccm Branntwein,
abpipettiert, mit so viel Wasser verdünnt, daß derselbe genau
3() Volumprozente enthält, oder richtiger gesagt, das spezifische
Gewicht 0,96564 zeigt.

Den Zusatz von Wasser zur Verdünnung auf 30 Volum-
prozente kann man, wenn keine Verdünnungstabelle vorhanden
ist&gt; leicht berechnen.

Ist v der Alkoholgehalt des Destillates in Volumprozenten, und hat man x
Wasser zuzusetzen, um den Alkoholgehalt auf 30 Volumprozente zu bringen, so ist
nach dem Zusatz von x Wasser das Volumen gleich 100 + x und zwar mit dem
Ursprünglichen v ccm-Gehalt Alkohol.

Es verhält sich also:

(100 + x): v = 100 : 30.

Also beträgt der erforderliche Wasserzusatz x zu 100 ccm Destillat:

lOOv — 3000	10 v —300

x = ~ ~	30	—	3

Die Berechnung des erforderlichen Wasserzusatzes kann auch erfolgen nach
der Formel:

100 (p — Pj)a

x

P,
        <pb n="700" />
        ﻿678

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

worin p = anfänglicher Gehalt der Flüssigkeit an Alkohol, px = gewünschter
Alkoholgehalt in Gewichtsprozenten, a = spezifisches Gewicht des ursprünglichen
Weingeistes, x wie oben == die zu 100 ccm des Weingeistes zuzufttgende Anzahl
Kubikzentimeter Wasser bedeuten. Man hat daher nach dieser Formel der Alkohol-
tahelle No. XVII am Schluß zu entnehmen, wie viel Gewichtsprozenten die gegebenen
und gesuchten Volumprozente entsprechen.

Die Kontraktion, die bei dem Mischen des Alkohols mit Wasser entsteht, ist
hierbei nicht berücksichtigt.

Notwendig aber ist es, daß man stets hei derselben Temperatur
der weingeistigen Flüssigkeit, nämlich von 15°, arbeitet.

Folgende Tabelle gibt direkt den Wasserzusatz zu 100 ccm Destillat an, um
dasselbe auf 30 Volumprozente zu bringen.

Verdünnung des Alkohols auf 30 Vol.-°/0 bei lö°.

Zu 100 ccm Alkohol vom Yol.-°/0  Gehalt	sind .  zuzusetzen  Wasser  ccm	Zu 100 ccm Alkohol vom Yol.-°/o  Gehalt	sind  zuzusetzen  Wasser  ccm	Zu 100 ccm Alkohol vom Vol.-°/o  Gehalt	sind  zuzusetzen Wasser '  ccm	Zu 100 ccm Alkohol vom Vol.-°/0  Gehalt	sind  zuzusetzen  Wasser  ccm
30	0,0	44	47,1	58	94,9	72	143,2
31	3,3	45	50,6	59	98,3	73	146,7
32	6,6	46	53,9	60	101,8	74	150.2
33	10,0	47	57,3	61	105,2	75	153,6
34	13,4	48	60,7	62	108,6	76	157,1
35	16,7	49	64,1	63	112,1	77	160,6
36	20,1	50	67,5	64	115,6	78	164,1
37	23,4	51	70,9	65	119,9	79	167,6
38	26,8	52	74,3	66	122,4	80	171,1
39	30,2	63	77,7	67	126,9	81	174,6
40	33,5	54	81,2	68	129,4	82	178,1
41	36,9	56	84,6	69	132,8	83	181,6
. 42	40,3	56	88,0	70	136,3	84	185,1
43	43,7	57	91,4	71	139,7	85	188,6

Wie vorhin gesagt, wird nur die Hälfte des auf 100 ccm aufgefüllten
Destillates zur Untersuchung genommen. Man pipettiert also 50 ccm desselben
in einen 100 ccm-Kolben und gibt die Hälfte des berechneten Wassers oder die
Hälfte des aus der Verdünnungstabelle gefundenen Wassers hinzu und füllt nun
den Kolben bis zur Marke mit einem reinen 30 °/0-igen Weingeist, der durch Mischen
von reinem absoluten Alkohol mit Wasser hergestellt ist, auf.

Durch nochmalige Bestimmung des spezifischen Gewichtes überzeugt man
sich, ob der verdünnte Spiritus nun genau 30 Volumprozente Alkohol enthält;
sonst hat man denselben durch Zugabe von einigen Tropfen absolutem Alkohol
oder Wasser genau auf 30 Volumprozente einzustellen.

Ein geringer Unterschied von 0,1 Volumprozent Alkohol mehr oder weniger
veranlaßt schon Differenzen; die äußersten Schwankungen müssen nach Stutzer
zwischen 29,95—30,05 Volumprozenten liegen.

Diesem genau 30 Volumprozente haltenden Spiritus setzt man 1 ccm Schwefel-
säure vom spezifischen Gewicht 1,286 hinzu, um das Auftreten eines sonst beim
Schütteln mit Chloroform zwischen diesem und dem Spiritus entstehenden Häutchens
zu verhindern.

Der vollkommen trockne Schüttelapparat wird alsdann durch eine lange
Trichterröhre mit Chloroform von 15° bis zum unteren Teilstrich, also bis 20 so
        <pb n="701" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

679

gefüllt, daß nach Eintauchen des Apparates in Wasser von 15° der Teilstrich in
der Mitte zwischen dem oberen und unteren Meniskus liegt.

Auf diesen schüttet man den mit Schwefelsäure versetzten 30 °/0-igen Spiritus,
der die Temperatur von genau 150 haben muß, verschließt mit einem Korkpfropfen
(nicht Kautschuk) und läßt nun die gesamte Flüssigkeit durch Umkehrung des
Apparates in die obere Birne laufen.

In dieser wird die Flüssigkeit 2—3 Minuten geschüttelt, alsdann der Apparat
in Wasser von 150 gestellt und die Scheidung des Chloroforms von der spirituösen
Flüssigkeit abgewartet.

Durch nochmaliges Zurückfließenlassen des Chloroforms in die Birne und
einiges Drehen des Apparates um seine Achse lassen sich die letzten Tröpfchen
des Chloroforms in kurzer Zeit sammeln, so daß das Ablesen der Chloroform-
vermehrung nach einer halben Stunde erfolgen kann.

Man achte indes stets daranf, daß das Kühlwasser, in welches der Apparat
eingetaucht bleibt, in seiner ganzen Höhe genau die Temperatur von 15° behält.

Es ist zu berücksichtigen, daß Chloroform beim Schütteln mit verdünntem
reinem Weingeist auch aus diesem einen gewissen Prozentsatz Alkohol aufnimmt,
also sein Volumen vergrößert.

Die Volumzunahme des Chloroforms wird bei Anwendung von 30 °/0-igem
reinen Spiritus vom Kaiserlichen Gesundheitsamte zu 1,64 com angegeben, während
Stutzer und Eeitmair dieselbe zu 1,4 fanden.

Jedenfalls liegt diese Differenz an dem verwendeten Chloroform und dem
zur Verdünnung genommenen Spiritus.

Bei einer genauen Prüfung ist daher für jedes Chloroform und jeden Apparat
der Sättigungspunkt des auf 30 Volumprozente gestellten reinen Alkohols festzustellen
und die gefundene Volumvermehrung (b) von der nach dem Ausschütteln mit dem
geprüften Branntwein (a) in Abzug zu bringen.

Der der Volumvermehrung des Chloroforms entsprechende Gehalt an Amyl-
alkohol bei Anwendung von 50 ccm 30 volumprozentigen Alkohols unter Zusatz von
1 ccm Schwefelsäure (spezifisches Gewicht 1,286) bei 15° ist folgender:

Volumvermehrung des Chloroforms	Gehalt an Amyl- alkohol in den 50 ccm	0,01 ccm Chloroform- vermehrung entspricht
	30 °/0-igem Alkohol	Amylalkohol
0,20 ccm	0,1 ccm	0,0050 ccm
0,35 „	0,2 „	0,0067 „
0,60 „	0,3 „	0,0060 „
0,65 „	0,4 „	0,0062 „
0,80 .,	0,5 „	0,0063 „
0,95 „	0,6 „	0,0063 „
1,10 „	0,7 „	0,0064 „
1,25 „	. 0,8 „	0,0064 ..
1,40 „	0,9 „	0,0064 „ '
1,55 „	1,0 „	0,0066 „
Die aus vorstehender	Tabelle sich ergebende	Menge an Fuselöl muß.

sich auf 50 ccm des Destillates und auch des angewendeten Branntweins bezieht,
mit 2 multipliziert werden, um den Volum-Prozentgehalt des ursprünglichen Brannt-
weins an FuselöJ zu finden.

Zur Ermittelung der Gewichtsprozente Fuselöl in 100 Gewichtsteilen Alkohol aus
der Yolumenzunahme des Chloroforms kann folgende Tabelle dienen:1!

9 Vergl. die steueramtl. Verordnung in Zeitschr. f. anal. Chemie 1892, 31, Anhang, 2.
        <pb n="702" />
        ﻿680

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfahrikation.

Volumen- zunahme des Chloroforms (a—b)  ccm	Fuselöl in 100 Ge- wichts- teilen absol. Alkohol  ff	Volumen- zunahme des Chloroforms (a—b)  ccm	Fuselöl in 100 Ge- wichts- teilen absol. Alkohol  ff	Yolumen- zunahme des Chloroforms (a—b)  ccm	Fuselöl in 100 Ge- wichts- teilen absol. Alkohol  ff	Volumen- zunahme des Chloroforms (a-b)  ccm	Fuselöl in 100 Ge- wichts- teilen absol. Alkohol  ff
0,00	0,00	0,26	0,59	0,51	1,16	0,76	1,73
0,01	0,02	0,27	0,62  0,64	0,52	1,19	0,77	1,76
0,02	0.06	0,28		0,53	1,21	0,78	1,78
0,03	0,07	0,29	0,66	0,54	1,23	0,79	1,80
0,04	0,09	0,30	0,68	0,55	1,25	0,80	1,82
0,05	0,11	0,31	0,71	0,66	1,28	0,81	1,85
0,06	0,14	0,32	0.73	0,57	1,30	0,82	1,87
0,07	0,16	0,33	0,76  0,78	0,58	1,32	0,83	1,89
0,08	0,18	0,34		0,59	1,35	0,84	1,92
0,09	0,20	0,35	0,80	0,60	1,37	0,85	1,94  1,96
0,10	0,23	0,36	0,82	0,61	1,39	0,86	
0.11	0,25	0,37	0,85	0,62	1,42  1,44	0,87	1,98
0,12	0,27	0,38	0,87	0,63		0,88	2,00
0,13	0,30	0,39	0,89	0,64	1,46	0,89	2,03
0,14	0,32	0,40	0,91	0,65	1,48	0,90	2,05
0,15	0,34	0,41	0,94	0,66	1,50	0,91	2,07
0,16	0,36	0,42	0,96	0,67	1,63	0.92	2,10
0,17	0,39	0,43	0,98	0,68	1,55	0,93	2,12
0,18	0,41	0,44	1,00	0,69	1,57	0,94	2,14  2,16
0,19	0,43	0,45	1,02	0,70	1,59	0,95	
0,20	0,46	0,46	1,05	0,71	1,62	0,96	2,19
0,21	0,48	0,47	1,07	0,72	1,64	0,97	2,21
0,22	0,60	0,48	1,09	0,73	1,66	0,98	2,23
0,23	0,62	0,49	1,12	0,74	1,69	0,99	2,26
0,24  0,25	0,55  0,57	0,50	1,14	0,75	1,71	1,00	2,28
Auf	100 ccm absoluten Alkohol her  Fuselöl  Vol.-°/0	Mittel			echnet, enthalten z. B. Fuselöl;1)  Fuselöl  Vol.-»/0	Mittel			
Kartoffel-Eohspiritus .		0,12—0,51	—	Tresterbranntwein .		0,38-2.63	(0,95)	
Äpfel-Rohspiritus . .		0,07—1,07	(0,527)	Hefenbranntwein .		0,20—1,08	(0,739)	
Kombranntwein .	.		0,32—0,86	—	Wacholderbranntwein		0,23-0,75	
Sonstige Branntweine		0,05—1,03	—	Kognak		Spur—1,08	(0,339)	
Kirschbranntwein . .		0,03—2,48	(0,457)	Rum		0,05—0,52	(0,234)	
Zwetschenbranntwein		0.04—0,67	(0,313)	Arrak .		0-0,46	

b)	Bestimmung des Fuselöls nach Marquardt.2) Dieses Verfahren,
welches darauf beruht, den Amylalkohol durch Chloroform auszuschütteln, zu Valerian-
säure zu oxydieren und diese zu bestimmen, dürfte wegen seiner Umständlichkeit
kaum mehr angewendet werden, weshalb ich mich hier mit einem Hinweis darauf
begnüge.

o) E. Beckmann3) hat ein neues Verfahren zur Bestimmung des Fuselöl-
gehaltes alkoholischer Flüssigkeiten beschrieben, das auf der Veresterung des Amyl-
alkohols mittels salpetriger Säure, Trennung des Esters von der überschüssigen
salpetrigen Säure durch Natriumbikarbonatlösung, Zersetzung des Esters mittels

x) Vergl. K. Windisch. Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel
1904, 8, 466.

2)	Berichte d. Deutschen chem. Gesellschaft 1882, 15, 1370 u. 1661.

3)	Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1899, 2, 709; 1901, 4, 1069.
        <pb n="703" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

681

konzentrierter Schwefelsäure und Bestimmung der salpetrigen Säure durch Titration
mit Kaliumpermanganatlösung oder Überführung in Stickoxyd beruht.

Die neuerdings von E. Beckmann1) gegebene abgekürzte Vorschrift ist
folgende:

■ Die zu untersuchende alkoholische Flüssigkeit wird mit Wasser verdünnt, bis
der Gehalt an Alkohol nicht mehr als 20 Volumprozent beträgt. Von dieser Flüssig-
keit werden 50 ccm in einem Scheidetrichter von ungefähr 250 ccm Inhalt dreimal
nacheinander mit je 20 ccm Tetrachlorkohlenstoff einige Sekunden kräftig durch-
geschüttelt. Die einzelnen Portionen des Tetrachlorkohlenstoffs werden in einem
zweiten, gleichgroßen Scheidetrichter vereinigt und zweimal mit je 20 ccm Wasser
ebenfalls kräftig geschüttelt.

Die gewaschene Tetrachlorkohlenstofflösung bringt man in eine starkwandige
Stöpselflasche von etwa 100 ccm Inhalt, fügt zur Veresterung 2 g Kaliumbisulfat
und 1 g Natriumnitrit hinzu, schüttelt durch und läßt einige Minuten stehen. Zur
Entfernung der Alkalisalze wird wieder in einen Scheidetriohter abgegossen und der
Rückstand zweimal mit wenig Tetrachlorkohlenstoff gewaschen. Die überschüssige
salpetrige Säure wird beseitigt durch kurzes Schütteln mit etwa 20 ccm gesättigter,
klarer Natriumbikarbonatlösung. Die Tetrachlorkohlenstofflösung läßt man nun in
etwa 75 ccm konzentrierte Schwefelsäure ausfließen, die in einem anderen Scheide-
trichter bereit gehalten sind. Nach kräftigem Durchschütteln gießt man das Ganze
langsam unter ümschwenken auf etwa 150 g zerstoßenes Eis. Das letztere wird
verflüssigt und man erhält eine Lösung von ungefähr Zimmertemperatur.

Bei der Bestimmung von salpetriger Säure mit Kaliumpermanganat ist zu be-
rücksichtigen, daß das Ende der Reaktion nicht scharf hervortritt, weil die Oxydation
nicht momentan erfolgt. Es empfiehlt sich deshalb, das Permanganat im Überschuß
zuzusetzen und diesen mit Eerroammoniumsulfat zurückzutitrieren. Da der anwesende
Amylalkohol gegen einen Überschuß von Kaliumpermanganat sich nicht ganz in-
different verhält, muß man beim Titrieren möglichst gleiche Bedingungen herstellen
und bei unbekannten Amylalkoholmengen erst eine Annäherungstitrierung ausführen.

Handelt es sich um sehr kleine Mengen Amylalkohol, welche zu entsprechend
Stark verdünnten Lösungen führen, so kann der Überschuß an Permanganat etwa
100 °/0 betragen, während bei 0,05 g Amylalkohol und darüber nur 20 °/0 Überschuß
zu verwenden sind. Nach dem Zusatz von Permanganat läßt man zweckmäßig
5 Minuten vorübergehen, ehe zurücktitriert wird.

Die Konzentration der benutzten Lösungen wird wie folgt bemessen:

1 Mol. = 158,2 Kaliumpermanganat entspricht 5 Mol. Eisen = 279,5 oder
B/a Mol. salpetriger Säure (HN02) bezw. B/2 Mol. Amylalkohol = 5/2 C5H1:tOH = 220,25.

Verwendung findet eine Permanganatlösung, welche ungefähr auf eine Eisen-
lösung mit 0,002795 g Eisen im Kubikzentimeter eingestellt ist; 1 ccm der letzteren
ist 0,0022025 g Amylalkohol äquivalent.

Da nach diesem abgekürzten Verfahren nur 83 °/0 des vorhandenen Amyl-
alkoholes gefunden werden, so sind die vorstehend berechneten Mengen Amylalkohol
noch mit dem Faktor 100 : 83 = 1,2048 zu multiplizieren oder, was auf dasselbe
hinauskommt, es ist statt des Faktors 0,002203 das 1,2048-fache desselben, nämlich
der Faktor 0,002654, zu verwenden.

Das bloße Ausschütteln und Beobachten der Steighöhe nach dem Verfahren a ist
natürlich einfacher als das vorstehende. In den Fällen aber, wo die Ergebnisse hierbei
anormal sind (z. B, hei negativer Steighöhe), kann nach E. Beckmann das mitgeteilte
Verfahren die Zweifel beheben.

ü Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 10, 143.
        <pb n="704" />
        ﻿682

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

d)	Bestimmung der höheren Alkohole nach Ch. Girard,1) Man versetzt
50 ccm der alkoholischen Flüssigkeit von 50 °/0 Alkohol mit 1 g salzsaurem Meta-
phenylendiamin in der Kälte, um die Aldehyde zu binden, läßt eine Stunde stehen,
destilliert und verwendet das Destillat zu der kolometrischen Bestimmung mit konzen-
trierter Schwefelsäure. Als Vergleichsflüssigkeit dient eine Lösung von 0,5 g Isöhutyl-
alkohol in 1 1 50 °/0-igem Spiritus (oder wenn man einen Industriealkohol prüfen
will, so 0,5 g Isohutylalkohol in 1 1 90°/0-igem reinem Alkohol); hiervon, wie von
dem Destillat, füllt man je 10 ccm in ein Eeagensrohr (wie hei der Aldehyd-
Bestimmung vergl. S. 686) und unterschichtet mit 10 ccm Schwefelsäure, indem
man dieselben mittels einer Pipette auf dem Boden des Eeagensrohres austreten
läßt. Dann vermischt man plötzlich und erwärmt unter fortwährendem Bewegen
des Gefäßes etwa 20 Sekunden in der Bunsenflamme. Durch Vergleichung der
Färbung beider Flüssigkeiten ermißt man den ungefähren Gehalt der zu unter-
suchenden Probe, und hat es in der Hand, entweder durch Verdünnung der Ver-
gleichslösung oder durch Vermehrung der Menge der zu untersuchenden Probe
annähernd den Gehalt der letzteren an höheren Alkoholen zu ermessen.'

4.	Bestimmung der Nebenerzeugnisse der Gärung und Destillation in Brannt-
weinen. Durch amtliche Verordnung des Reichskanzlers vom 17. Juli 1895 ist für
die steueramtliche Prüfung eines Branntweines auf Nebenerzeugnisse der Gärung
und Destillation ein Verfahren* 2 *) ausgearheitet, welches auf demselben Grundsatz
beruht, wie die Bestimmung des Fuselöles, nämlich auf der Volumvermehrung des
Chloroforms beim Ausschütteln der auf einen bestimmten Alkoholgehalt gebrachten
Flüssigkeit. Man nimmt für letzteren Zweck nur keine 30 Vol.-°/0, sondern eine

24,7	Gew.-°/0 Alkohol enthaltende Flüssigkeit. Des weiteren sei auf die Ver-
ordnung selbst2) verwiesen.

5.	Die Denaturierungsmittel des Spiritus. Zur Denaturierung des Spiritus
werden verwendet 6—10 °/0 Holzgeist, 0,5 °/0 Terpentinöl, 0,5—1,0 °/0 Tieröl
(Pyridinbasen), 10 °/0 Schwefeläther, ein Gemisch von 200 °/0 Wasser und 3 °/0 Essig-
säure oder 30 °/0 Essig von 6 °/0 Gehalt an Essigsäure, oder 40 g Lavendelöl oder
60 g Eosmarinöl für 1 1, oder 0,5 °/0-ige Schellacklösung in Terpentinöl usw.

Die Essigsäure läßt sich quantitativ leicht durch Destillation und Titration
des Destillats nachweisen.

Vereinzelt soll auch, um geringere Steuersätze bei der Einfuhr zu erzielen,
das spezifische Gewicht durch Zusatz von .Chlorcalcium erhöht werden. Zum
Nachweise wird ein Teil des Spiritus verdampft und im Eückstand durch Silber-
lösung das Chlor und durch Fällen mit Ammoniumoxalat der Kalk bestimmt.

Das allgemeine Denaturierungsmittel besteht in 2% Holzgeist und
1 °/0 Pyridinbasengemisch.

Für die Prüfung der Denaturationsmittel gelten durch bundesrätliche Ver-
ordnung vom 21. Juni 1888 folgende Vorschriften:8)

A.	Anleitung zur Prüfung des Holzgeistes und der Pyridinbasen.

i.	Holzgeist.

a)	Farbe. Die Farbe des Holzgeistes soll nicht dunkler sein als die einer Auflösung
von 2 ccm '/„„-Normal-Jodlösung in 1 1 destilliertem Wasser.

b)	Siedetemperatur, 100 ccm Holzgeist werden in einen Metallkolben gebracht;
auf den Kolben ist ein mit Kugel versehenes Siederohr aufgesetzt, welches durch einen

*) Ch. Girard, Analyse des matteres alimentaires. Paris 1904, 311.

2) Vergl. Zeitschr. f. anal. Chemie 1895, 34, Amtl. Verordn. Anhang, 2.

s) Vergl. Zeitschr. f. angew. Chemie 1888, 402.
        <pb n="705" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

683

seitlichen Stutzen mit einem Liebigschon Kühler verbunden ist. Durch die obere Öffnung
wird ein amtlich beglaubigtes Thermometer mit hundertteiliger Skala eingeführt, dessen
Queoksilbergefäß bis unterhalb des Stutzens hinahreicht. Der Kolben wird so mäßig er-
hitzt, daß das übergegangene Destillat aus dem Kühler tropfenweise abläuft. Das Destillat
wird in einem graduierten Glaszylinder aufgefangen, und es sollen, wenn das Thermometer
75° zeigt, bei normalem Barometerstand mindestens 90 ccm übergegangen sein. Weicht
der Barometerstand vom normalen ab, so sollen für je 30 mm 1 0 in Anrechnung gebracht
werden, also z. B. sollen bei 770 mm 90 ccm bei 75,3 °, bei 760 mm 90 ccm bei 74,7 0
übergegangen sein.

c)	Mischbarkeit mit Wasser. 20 ccm Holzgeist sollen mit 40 ccm Wasser eine
klare oder doch nur schwach opalisierende Mischung geben.

d)	Abscheidung mit Natronlauge. Beim Durchschütteln von 20 ccm Holzgeist
mit 40 ccm Natronlauge von 1.3 spezifischem Gewicht sollen nach '/2 Stunde mindestens
5,0 ccm des Holzgeistes abgeschieden werden.

e)	Gehalt an Aceton. 1 ccm einer Mischung von 10 com Holzgeist mit 90 ccm
Wasser wird in einem engen Mischzylinder mit 10 ccm Doppelt-Normal-Natronlauge (80 g
Natriumhydroxyd im Liter) durchgeschüttelt. Darauf werden 5 ccm Doppelt-Normaljpdlösuug
(264 g Jod im Liter) unter erneutem Schütteln hinzugefügt. Das sich ausscheidende Jodo-
form wird mit 10 ccm Äther von 0,722 spezifischem Gewicht unter kräftigem Schütteln
aufgenommen. Von der nach kurzer Kühe sich abscheidenden Ätherschicht werden 5 ccm
mittels einer Pipette auf ein gewogenes Uhrglas gebracht und auf demselben langsam ver-
dunstet. Dann wird das Uhrglas 2 Stunden über Schwefelsäure gestellt und gewogen.
Die Gewichtszunahme soll nicht weniger als 0,07 g betragen.

f)	Aufnahmefähigkeit für Brom. 100 ccm einer Lösung von Kaliumbromat
und Kaliumbromid, welche nach der unten folgenden Anweisung hergestellt ist, werden
mit 20 com einer in der gleichfalls unten angegebenen Weise verdünnten Schwefelsäure
versetzt. Zu diesem Gemisch, das eine Bromlösung von 0,703 g Brom darstellt, wird aus
einer in 0,1 com geteilten Bürette tropfenweise unter fortwährendem Umrühren so lange
Holzgeist hinzugesetzt, bis dauernde Entfärbung eintritt. Zur Entfärbung sollen nicht
mehr als 30 ccm und nicht weniger als 20 ccm Holzgeist erforderlich sein. Die Prüfungen
der Aufnahmefähigkeit für Brom sind stets bei vollem Tageslicht auszuführen.

Anweisung zur Herstellung derBromlösung. a)Bromsalze. Nach wenigstens
2-stündigem Trocknen bei 100 0 und Abkühlenlassen im Exsikkator werden 2,447 g Kalium-
bromat und 8,719 g Kaliumbromid, welche vorher auf ihre Reinheit geprüft sind, abgewogen
und in Wasser gelöst. Die Lösung wird zu 1 1 aufgefüllt.

ß) Verdünnte Schwefelsäure. 1 Volumen konzentrierter Schwefelsäure wird mit 3
Volumen Wasser vermischt. Das Gemisch läßt man erkalten.

2.	Pyridinbasen.

a)	Farbe wie beim Holzgeist,

b)	Verhalten gegen Kadmiumchlorid. 10 ccm einer Lösung von 1 ccm Pyridin-
basen in 100 ccm Wasser werden mit 5 ccm einer 5 °/0-igen wässrigen Lösung von wasser-
freiem, geschmolzenem Kadmiumchlorid versetzt und kräftig geschüttelt; es soll alsbald
eine deutliche krystallinisohe Ausscheidung eintreten. Mit 5 ccm Neßlerschem Reagens
sollen 10 com derselben Pyridinbasenlösung einen weißen Niederschlag geben.

c)	Siedetemperatur. Man verfährt wie beim Holzgeist, doch soll das Destillat,
erst wenn das Thermometer auf 140° gestiegen ist, mindestens 90 ccm betragen.

d)	Mischbarkeit mit Wasser wie beim Holzgeist.

e)	Wassergehalt. Beim Durchschütteln von 20 ccm Basen und 20 ccm Natron-
lauge von 1,4 spezifischem Gewicht sollen nach einigem Stehenlassen mindestens 18,5 ccm
der Basen abgeschieden werden.

f)	Titration der Basen. 1 ccm Pyridinbasen, in 10 ccm Wasser gelöst, werden
mit Normal-Schwefelsäure versetzt, bis ein Tropfen der Mischung auf Kongopapier einen
deutlichen blauen Rand hervorruft, der alsbald wieder verschwindet. Es sollen nicht weniger
als 10 ccm der Säurelösung bis zum Eintritt dieser Reaktion verbraucht werden.

Zur Herstellung des Kongopapiers wird Filtrierpapier durch eine Lösung von 1 g
Kongorot in 1 1 Wasser gezogen und getrocknet.
        <pb n="706" />
        ﻿684

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

B.	Anleitung zur Untersuchung von Tieröl, Terpentinöl, Äther und Schellack.

1.	Tieröl.

a)	Farbe. Die Farbe des Tieröls soll schwarzbraun sein.

b)	Siedetemperatur. Werden 100 ccm in der für den Holzgeist angegebenen
Weise destilliert, so sollen unter 90° nicht mehr als 5 ccm, bis 180° aber wenigstens
50 ccm übergehen.

c)	Pyrrolreaktion. 2,5 ccm einer 1 °/0-igen alkoholischen Lösung des Tieröls
werden mit Alkohol auf 100 ccm verdünnt. Bringt man in 10 ccm dieser Lösung, die
0,025 °/0 Tieröl enthält, einen mit konzentrierter Salzsäure befeuchteten Fichtenholzspan,
so soll derselbe nach wenigen Minuten deutliche Rotfärbung zeigen.

d)	Verhalten gegen Quecksilberchlorid. 6 ccm der 1 °/0-igen alkoholischen
Lösung des Tieröls sollen beim Versetzen mit 5 ccm einer 2°/0-igen alkoholischen Lösung von
Quecksilberchlorid alsbald eine voluminöse flockige Fällung geben. 5 ccm der 0,025 °/0-igen
alkoholischen Lösung von Tieröl mit 6 ccm der Queoksilberchloridlösung versetzt, sollen
alsbald noch eine deutliche Trübung zeigen.

2.	Terpentinöl.

a) Spezifisches Gewicht. Das spezifische Gewicht des Terpentinöls soll zwischen
0,855 und 0,866 bei 15 0 liegen.

h) Siedetemperatur. Werden 100 ccm in der für den Holzgeist angegebenen
Weise destilliert, so sollen unter 150° nicht mehr als 5 ccm, bis 160°'aber mindestens
90 ccm übergehen.

c)	Mischbarkeit mit Wasser. 20 ccm Terpentinöl werden mit 20 ccm Wasser
kräftig geschüttelt. Wenn nach einigem Stehen beide Schichten sich getrennt haben und
klar geworden sind, so soll die obere wenigstens 19 ccm betragen.

3.	Äther.

a)	Spezifisches Gewicht. Das spezifische Gewicht des Äthers soll nicht mehr
als 0,730 betragen.

b)	Mischbarkeit mit Wasser. 20 ccm Äther werden mit 20 ccm Wasser kräftig
geschüttelt. Nach dem Absetzen soll die Ätherschicht wenigstens 18 ccm betragen.

4.	Schellacklösung.

10 g der Lösung sollen heim Verdunsten auf dem Wasserbade und nach darauf-
folgendem Erhitzen des eingedampften Rückstandes im Trockensohranke während 1/2 Stunde
auf eine Temperatur von 100—105° mindestens 3,3 g Schellack hinterlassen.

(&gt;. Nachweis vou Denaturierungsmitteln im Spiritus und Branntwein. Zum
Nachweise des allgemeinen Denaturierungsmittels kann man den Nachweis des
Methylalkohols oder den des Pyridins wählen.

a)	Nachweis von Methylalkohol. Zum Nachweise des Holzgeistes im
denaturierten Spiritus rektifiziert man das Destillat über calcinierter Soda auf dem
Wasserbade, läßt eine bestimmte Menge dieses Destillats mit dem gleichen Gewicht
Chlorcalcium 24 Stunden stehen, destilliert hierauf und entzieht dem Rückstände
durch Behandeln mit Wasser den Holzgeist.

Zur annähernden quantitativen Bestimmung stellt man zunächst rohes Methyl-
jodid dar, indem man 1 Teil roten Phosphor mit 5 Teilen des zu untersuchenden
Weingeistes Ubergießt und allmählich 10 Teile Jod ein trägt. Das Methyljodid
wird mit Anilin erhitzt, das gebildete Methylanilin in Freiheit gesetzt und durch
ein Gemenge von Kupfernitrat, Kochsalz und Sand in Anilinviolett übergeführt.
Letzteres wird in Alkohol gelöst und der Gehalt an Holzgeist kolorimetrisch ab-
geschätzt. Bei ursprünglich reinem Äthylalkohol erscheint die alkoholische Lösung
(von Äthylanilin) rötlich, bei Gegenwart von 1 °/0 Methylalkohol dagegen violett usw.

Das Verfahren von 0. de Poncy,1) der die verschiedene Löslichkeit der
Oxalate — Methyloxalat ist leicht, Äthyloxalat ist schwer löslich in Wasser — zur

1)	Polytechn. Journ., 254, 500.
        <pb n="707" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

685

Bestimmung des Methylalkohols benutzt, und das Verfahren von Cazeneuve und
Cotton,1) welche die leichtere Oxydierbarkeit des Methylalkohols durch verdünnte
Kaliumpermanganatlösung (1 : 100) zum Nachweise derselben in Äthylalkohol ver-
wenden, sind unsicher.

Aus dem Grunde wird dem Nachweise von Pyridin der Vorzug gegeben.

b)	Nachweis von Pyridin. Da der Nachweis von Pyridin durch Chlor-
cadmium (vergl. vorstehend) nicht gelingt, wenn der Geruch durch Zusatz einer
Säure beseitigt ist, so prüft man nach der amtlichen Vorschrift mit Lackmuspapier
wie folgt:

cc) Das Lackmuspapier bleibt blau; dann werden 10 ccm des Branntweins
mit 5 ccm einer alkoholischen 5°/0-igen Lösung von wasserfreiem Cadmiumchlorid
versetzt und gut durchgeschüttelt. Entsteht sofort eine Ausscheidung, so liegt
denaturierter Branntwein vor; entsteht die Ausscheidung erst nach einiger Zeit, so
liegt ein Gemisch von denaturiertem und nichtdenaturiertem Branntwein vor.

ß) Das Lackmuspapier wird gerötet; dann werden 10 ccm Branntwein
mit 1 g gebrannter Magnesia gut durchgeschtittelt und auf ein Filter gegossen.
Das Filtrat, welches blaues Lackmuspapier nicht mehr röten darf, wird nach An-
leitung a untersucht.

Man kann ferner eine Menge Spiritus unter Zusatz von Schwefelsäure ein-
dampfen und den Eückstand mit Natronlauge erwärmen; hierdurch werden die
Pyridinbasen frei und geben sich durch den narkotischen Geruch zu erkennen.

O. Schweißinger1 2 * *) versetzt die Probe tropfenweise mit einer konzentrierten
alkoholischen Quecksilberchloridlösung, wodurch ein mit Pyridin denaturierter Alkohol
sofort einen dicken, weißen, kristallinischen Niederschlag gibt. In einer Ver-
dünnung von 1 Teil denaturiertem Spiritus : 10 Teilen Wasser tritt der Niederschlag
sofort, in einer Verdünnung von 1 :20 nach einigen Stunden deutlich ein. Zucker-
haltige alkoholische Flüssigkeiten müssen erst destilliert werden; es lassen sich noch
0,025 °/0 Pyridin nachweisen; aus starkem Alkohol wird letzteres auf diese Weise
auch quantitativ gefällt und kann dann durch Wägen des zwischen Fließpapier ab-
getrockneten, vorher mit starkem Alkohol ausgewaschenen Niederschlages und Er-
mittelung des Quecksilbergehaltes darin annähernd quantitativ bestimmt werden.

In verdünnteren alkoholischen Flüssigkeiten, wie Branntwein, kann man nach
Schweißinger den Gehalt an Pyridin durch Titration mit 1/10 Normalsäure und
unter Anwendung von Methylorange — auf Phenolphthalein wirkt Pyridin nicht
ein8) — quantitativ bestimmen; man titriert mit 1/10 Normalsäure so lange, bis die
anfangs goldgelbe Farbe in eine weinrote übergeht; 0,79 g Pyridin erfordern zur
Sättigung 100 ccm 1/10 Normalsäure, also entspricht 1 ccm der letzteren = 0,0079 g
Pyridin.

c)	Nachweis von Terpentinöl, Tieröl und Äther. Diese werden durch
Vermischen des denaturierten Spiritus mit Wasser ausgeschieden und können durch
nachfolgende Destillation getrennt werden.

7. Nachweis von Aldehyd. Aldehydhaltiger Sprit reduziert beim Ermärmen
aramoniakalische Silberlösung und scheidet unter Dunkelfärbung reduziertes Silber aus.

Aber auch andere Verunreinigungen, wie Fuselöl, reduzieren bei längerer
Einwirkung alkalische Silberlösung.

1)	Zeitschr.' f. anal. Chemie 1888, 27, 663.

2)	Pharm. Centralhalle 1890, 31, 141.

s) Durch gleichzeitige Anwendung dieses Indikators kann man sich von der Ab-

wesenheit von Alkalien überzeugen.
        <pb n="708" />
        ﻿686

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation,

Am besten verwendet man nach L. Medicus1) eine auf bestimmte Weise
durch schweflige Säure entfärbte Fuchsinlösung. Man löst 0,5 g reinstes Diamant-
Fuchsin. filtriert und mischt das Filtrat mit einer Lösung von schwefliger Säure,
welche 5 g S02 in 1/2 1 enthält. Hierdurch wird die Fuchsinlösung, wenn das
Fuchsin rein war, nach Verlauf einiger Stunden wasserhell. Von diesem Reagens
setzt man in einem Zylinder 1 Volumen zu 2 Volumen des vorher auf 30 Vol.-°/0
Alkohol verdünnten Branntweins, verschließt den Zylinder behufs Abhaltung der
Luft und beobachtet während etwa 2 Minuten.

Durch Vergleichung der Rotfärbung mit der einer Lösung von bekanntem
Gehalt an Acetaldehyd-Ammoniak (1 : 10000) läßt sich annähernd der Gehalt kolo-
rimetrisch quantitativ ermitteln.

Ch. Girard* 2 3) verwendet zur Darstellung der entfärbten Fnchsinlösung 1 1
destilliertes Wasser, setzt dazu 100 ccm einer Lösung von Natriumbisulfit von
1,3082 spezifischem Gewicht, 150 ccm einer Lösung von 1 g Fuchsin in 1 1 Wasser,
und schließlich 15 ccm Schwefelsäure von 66°. Mit diesem Reagens wird im
städtischen Laboratorium in Paris die Bestimmung der Aldehyde kolofimetrisch in
der Weise ausgeführt, daß eine Lösung von 0,050 g Acetaldehyd in 1 I Alkohol
zum Vergleich dient. Man verwendet zu dem Versuch mit eingeschliffenem Glas-
stöpsel versehene Glaszylinderchen von 1 cm Durchmesser und etwa 20 ccm Inhalt,
die bei 10 ccm Inhalt eine Marke haben. Bis zu dieser Marke wird einerseits der
Branntwein, andererseits die Vergleichsflüssigkeit eingefüllt; alsdann werden hierzu
4 ccm des Reagenzes zugesetzt, 2-mal durchgeschüttelt und dieser Zusatz von 5 zu 5
Minuten unter jedesmaligem 2-maligem Umschütteln wiederholt, bis bleibende Rot-
färbung eintritt. Man vergleicht dann die Höhen in den beiden Zylinderohen und
findet, wenn H die Höhe der Vergleichsflüssigkeit, h die der untersuchten Probe

H

für die gleiche Färbung ist, den Gehalt nach der Gleichung x = 0,050 ^ . Weichen
die Höhen sehr voneinander ab, so verdünnt man bei geringem Gehalt des Brannt-
weins an Aldehyd die Vergleichsflüssigkeit, ist der Gehalt hoch, dann den Branntwein.

Ein weiteres Reagens auf Aldehyd ist das von K. Windisch8) empfohlene
reinste salzsaure Metaphenylendiamin, wovon stets frisch zubereitet eine
10°/o-ige Lösung anzuwenden ist. Man gießt dieselbe tropfenweise zu dem in
einer weißen Porzellanschale befindlichen Spiritus, in welchem die Lösung zu Boden
sinkt; bei einem Gehalt von nur 0,0005 °/0 Aldehyd bildet sich in der Berührungs-
schicht in 2—4 Minuten eine gelbrote bis schwach gelb gefärbte Zone, die nach
länger als 5 Minuten auch bei reinem Alkohol auftritt.

Es empfiehlt sich außerdem, die alkoholischen Flüssigkeiten nicht direkt zu
verwenden, sondern von 500 ccm etwa 100 ccm abzudestillieren und mit letzteren
die Reaktion vorzunehmen.

Nach weiteren Vorschlägen4) soll auch dieses Reagens zur annähernden
kolorimetrischen Bestimmung des Aldehyds verwendet werden können.

In ammoniakfreien Branntweinen kann zum Nachweise von Aldehyd auch
Neßlers Reagens dienen, womit er einen gelbroten Niederschlag gibt.

Crismer empfiehlt, die verdünnte alkoholische Flüssigkeit mit Chloroform
zu schütteln und letzteres mit dem Reagens zu prüfen.

4)	Porsobungsberichte über Lebensmittel etc. 1895, 2, 299.

2)	Ch. Girard, Analyses des matieres alimentaires 1904, 304.

3)	Zeitschr. f. Spiritusindustrie 1886, 519; vergl. auch von demselben Verfasser
Dinglers polytechn. Journal 278, 373.

4)	Chem.-Ztg. 1893, 17, 1641.
        <pb n="709" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

687

8.	Prüfung auf Furfurol. 10 ccm Spiritus oder Branntwein bezw. Destillat
werden mit 10 Tropfen Anilinöl und 2—3 Tropfen Salzsäure versetzt; bei Gegen-
wart von Furfurol tritt mehr oder weniger rosarote Färbung auf. Früher hat man
diese Reaktion irrtümlicherweise dem Amylalkohol zugeschrieben; nach Neßler und
Barth zeigen diese Reaktion die verschiedenen Alkohole in sehr verschiedenem Grade.

L. v. Udranszky1) empfiehlt a-Naphtol zum Nachweise von Furfurol. Ein
Körnchen a-Naphtol wird in 1 ccm Wasser oder Alkohol gelöst oder suspendiert,
mit dem Branntwein gemischt und hierunter vorsichtig konzentrierte Schwefelsäure
geschichtet. Es bildet sich bei Gegenwart von nur 0,000004 g Furfurol ein violetter
und darunter ein grüner Farbenring.

Im städtischen Laboratorium von Paris verwendet man als Reagens; 10 com
50 °/0-igen Alkohol, 10 Tropfen oder 0,5 ccm chemisch reines und farbloses Anilinöl
und 2 ccm reinsten Eisessig, ferner als Yergleichsflüssigkeit eine Lösung von 0,005 g
Furfurol in 1 1. Die kolorimetrische Bestimmung hiermit wird in gleicher Weise
wie bei der des Aldehyds ausgeführt. Rektifizierte (sog. Industrie-) Alkohole ent-
halten durchweg kein Furfurol; in den Branntweinen dagegen wurden, auf 100
Alkohol berechnet, gefunden:

Whlsky branutwein	Shbowitz braimtwein Kognak	Rum

3,0 mg	1,1—7,7 mg 1,5—30,0 mg 1,0 mg	Spur—4,6 mg	1,7—14,5 mg,

9.	Bestimmung der freien Säuren. Der Säuregehalt wird durch Titration
mit 1/10 Normallauge bestimmt; man verwendet 50 ccm, verdünnt (je nach dem
Alkoholgehalt), wenn nötig, mit Wasser und benutzt bei farblosen oder hellen
Spirituosen und Likören Phenolphthalein als Indikator; hei dunkel gefärbten
Likören bedient man sich des Tüpfelverfahrens und wendet empfindliches Lackmus-
papier (Azolithmänpapier) an.

Für gewöhnlich wird der Gehalt an Säuren durch Multiplikation der ver-
brauchten ccm 1/10 Normal-Alkali mit 0,006 auf Essigsäure umgerechnet.

Nicht selten enthalten die Branntweine geringe Mengen von Kohlensäure. Man
prüft qualitativ mit Kalkwasser, erhitzt, wenn nötig, den Branntwein am Bückflußkühler,
um die Kohlensäure zum Entweichen zu bringen, und titriert dann. Die verbleibende
organische Säure wird wie oben als Essigsäure ausgedrüokt.

Nicht immer besteht aber die freie Säure der Spirituosen aus Essigsäure;
der Rum enthält mitunter freie Ameisensäure, das Kirschwasser Blausäure; als
Ester kommen außer Ameisensäure ferner Kaprin- und Buttersäure vor.

Nach E. Seil2) und K. Windisch3) kann man dieselben wie folgt trennen:

Die alkoholische Flüssigkeit wird, wenn die Säuren frei vorhanden sind, von
Alkohol befreit und direkt destilliert.

a)	Zeigt das Destillat eine feste Ausscheidung, so wird mehrmals mit Äther
ausgeschüttelt, der Äther durch Ausschütteln mit wenig Wasser von den wasser-
löslichen Säuren befreit und bei gewöhnlicher Temperatur in einem Schälchen
größtenteils verdunstet; die höheren Fettsäuren werden darauf mit Äther in ein
Wägegläschen mit eingeschliffenem Stopfen übergeführt, der Äther verdunstet und
die zurückbleibenden festen Fettsäuren als Kaprinsäure4) gewogen.

’) Zeitschr. f. physiol. Chemie 1888, 12, 355.

2)	Arbeiten aus d. Kaiserl. Gesundheitsamte 1891, 7, 235 und 1892, 8, 293.

3)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 465.

4)	Das mittlere Molekulargewicht der höheren Fettsäuren kann in der Weise
bestimmt werden, daß man die gewogenen Mengen derselben in Alkohol löst und die Lösung
        <pb n="710" />
        ﻿688

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfahrikation.

b)	Die Ameisensäure bestimmt man in der Weise, daß man das Destillat
neutralisiert, die Hälfte der neutralen Lösung nach Porter und Ruyssen1) mit
Quecksilberchloridlösung (50 g Quecksilberchlorid und 27,5 g Natriumacetat in 1 1)
versetzt und 6 Stunden im Wasserbade erwärmt. Das Quecksilberchlorid wird
nach der Gleichung;

2 Hg Cl2 + HCOOH = Hg2 Cl2 + C02 + 2 HCl
zu unlöslichem Quecksilberchlorür reduziert und kann für sich auf einem trocknen
gewogenen Filter gesammelt, getrocknet und gewogen werden. 1 Gewichtsteil
Hg2Cl2 = 0,0976 Gewichtsteilen Ameisensäure.

c)	Bestimmung der Essigsäure und der Buttersäure. Die zweite
Hälfte der Salzlösung wird eingeengt und mit dem gleichen Volumen einer Lösung,
die im Liter 90 g Kaliumbichromat und 400 g konzentrierte Schwefelsäure enthält,
10 Minuten am Eüokflußkühler erhitzt. Dadurch wird die Vorhandene Ameisensäure
zu Kohlensäure oxydiert. Die nicht veränderten anderen Säuren (Essigsäure und
Buttersäure) destilliert man mit Wasserdampf Uber, wobei man Sorge trägt, daß das
Volumen der destillierenden Flüssigkeit sich nicht zu sehr vermindert. Das Destillat
wird mit 1110 Normal-Barytwasser genau titriert, die Lösung der Baryumsalze ein-
geengt, schließlich in eine Platinschale filtriert, eingedampft, bei 1000 getrocknet
und gewogen. Dann zerreibt man die trocknen Baryumsalze zu einem feinen Pulver
und bestimmt ihren Baryumgehalt, indem man einen abgewogenen Teil in einem
Platintiegel mit Schwefelsäure abraucht und das entstandene Baryumsulfat wägt.
Wurden a Gramm des Baryumsalzgemisches angewendet und daraus b Gramm Baryum-
sulfat erhalten, so enthält die Baryumsalzmischung d = 607,63 . - — 455,37 °/0 essig-
saures Baryum.

Aus dem Verbrauch der Essig- und Buttersäuremischung an 1/10 N.-Baryt-
wasser zur Neutralisation und dem Baryumgehalte des aus dem Säuregemische her-
gestellten Baryumsalzgemisches läßt sich der Gehalt der angewendeten Substanzmenge
an freier Essigsäure und Buttersäure berechnen. Bedeutet

c die Anzahl ccm 1/10 N.-Barytwasser, die zur Neutralisation der Essigsäure
und Buttersäure (also nach der Zerstörung der Ameisensäure durch die Chromsäure-
mischung) erforderlich war,

d die Prozente essigsaures Baryum in der Baryumsalzmischung (vorher be-
rechnet), so enthält die angewendete Substanzmenge:

0,00272. d.c	„ .

x = 36761 + 0,0887dg Essigsäure,

y = 1 . 18178 .	—- g Buttersäure.

Nach einem anderen Vorschläge soll man die trocknen Baryumsalze mit
absolutem Alkohol bei 300 behandeln; hierdurch wird das Baryumbutyrat ge-
löst, während das Baryumacetat ungelöst bleibt. Aus den so getrennten Salzen
soll die Säure in beiden Fällen für sich nach Zusatz von Schwefelsäure wieder

mit 1/10 N.-Lauge titriert (Phenolphthalein als Indikator). Da diese Säuren sämtlich ein-
basisch sind, kann man das Molekulargewicht nach der Formel berechnen,

„	10 000. a

M —. b .

worin a die angewendete Menge der Fettsäuren und b die verbrauchten ccm 1/10 Normal-
Lauge bedeuten.

r) Zeitschr. f. anal. Chemie 1877, 16, 250.
        <pb n="711" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

689

destilliert und titriert werden. Das erstere Verfahren ist aber wohl das richtigere.

K.	Windisch fand auf diese Weise folgende Gehalte:

In den öesamtsäuren I Ameisensäure Essigsäure Buttersäure Höhere Fettsäuren 9
von Kirsch-, Zwetsohen-, t

Tresterbranntwein	.	.	1 2,3—3,8 %	72,3—76,9 %	8,4—15,7 %	8,2—17,0 %.

In 100 00m

Rum................... 0—12,0 mg 4,0—147,0 mg Spur—11,0 mg Spur—12,0 mg

Kognak u. Arrak	.	.	0—10,6 mg 13,4—116,2 mg	3,3—6,0 mg	5,0—6,0 mg.

d)	Bestimmung der Blausäure im Kirschwasser. Dadurch, daß die
Kirschen — vorwiegend werden im Schwarzwald die schwarzen, wilden Kirschen
verwendet — ferner Zwetschen mit den Kernen der Gärung und Destillation unter-
worfen werden, nimmt der Kirschbranntwein oder das Kirschwasser einen schwachen
Gehalt an Blausäure an.

Das beliebte Kirschwasser wird wohl in der Weise naohgeahmt, daß man zu
entsprechend verdünntem Weingeist und etwas Zucker natürliches oder künstliches
Bittermandelöl oder Bittermandelwasser gibt.2)

J.	Neßler und M. Barth3) verfahren zur quantitativen Bestimmung der
Blausäure wie folgt;

10 ccm Kirschwasser werden mit 3 Tropfen einer 0,5 °/0-igen Kupfersulfatlösung und
mit 1,6 ccm einer frisch bereiteten Guajakholztinktur von weingelber Farbe versetzt (5 g
Guajakholz werden mit 100 com Weingeist von 50% kurze Zeit bis zur weingelben
Färbung der Lösung ausgezogen). Man schichtet die Guajaklösung vorsichtig über das
Kirschwasser, vermischt dann plötzlich durch einmaliges Umkehren des verschlossenen
Reagensglases und vergleicht die Stärke der Bläuung sofort mit derjenigen einer frisch
bereiteten Yersuchsskala.

Für die Skala bedient man sich an Stelle des Kirsohwassers einer Verdünnung von
Kirschlorbeerwasser mit 50 %-igem Weingeist. Den Blausäuregehalt des Kirschlorbeer-
waasers stellt man titrimetrisch nach dem Liebigschen Verfahren4) mit Silberlöaung fest
und wählt die Verdünnungen so, daß die Vergleichsflüssigkeiten im Liter 2—10 mg und
nach Bedarf mehr mg Blausäure enthalten. Am zweckmäßigsten wählt man 4 Vergleichs-
flüssigkeiten, deren Blausäuregehalt um je 2 mg in 1 1 auseinanderliegen.

Das Verfahren von Neßler und Barth gibt aber nur die in freiem, nicht
auch die in gebundenem Zustande5) vorhandene Blausäure an. K. Windisch
verfährt zur quantitativen Bestimmung der freien und gebundenen Blausäure
wie folgt:

a) Freie Blausäure. Eine abgemessene Menge Branntwein (300—400 ccm)
wird in einem Halbliterkolben mit einer überschüssigen Menge 1/50 N.-Silbernitrat-

9 Mittleres Molekulargewicht der Fettsäuren 144—174.

2)	Im echten Kirschwasser bewirkt eine Lösung von Silbernitrat wegen der sehr
geringen Menge an Blausäure ein kaum bemerkbares Opalisieren; außerdem soll künst-
liches Kirschwasser nach kräftigem Schütteln mit Quecksilberoxyd (Hydrarg. oxyd.
rubr, praec.) seinen Geruch nach Bittermandelöl nicht verlieren, während in echtem Kirsch-
wasser der Blausäuregeruoh auf diese Weise fast ganz verschwinden soll.

3)	Zeitschr. f. anal. Chemie 1883, 22, 33.

4)	Ebenda 1863, 2, 173.

5)	Um auch die gebundene Blausäure nach diesem Verfahren zu bestimmen, macht
man 5 ccm des Branntweins mit Alkalilauge alkalisch, säuert nach 3—5 Minuten mit
Essigsäure ganz schwach an und verfährt alsdann in derselben Weise weiter, wie bei der
Bestimmung der freien Blausäure.

Landwirtschaftliche Stoffe, S. Auflage.

44
        <pb n="712" />
        ﻿690

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

lösung versetzt, zur Marke aufgefüllt, nach einigem Stehen durch ein trocknes Filter
filtriert und in 400 com Filtrat das überschüssige Silhernitrat mit Rhodanammonium
unter Verwendung von Eisenalaun als Indikator zurücktitriert. 1 ccm 1/60 N.-Silber-
lösung = 5,408 mg Blausäure (HCN).

ß) Gesamte Blausäure. 300—400 ccm Branntwein werden in einem Halh-
literkolhen mit Ammoniak stark alkalisch gemacht, sofort mit einer gemessenen,
überschüssigen Menge 1/50 N.-Silhernitrat versetzt und alsdann sogleich mit Salpeter-
säure wieder angesäuert. Man füllt die Flüssigkeit auf 500 ccm auf, filtriert und
bestimmt das überschüssige Silhernitrat wie vorher.

Der Unterschied zwischen der gesamten und der freien Blausäure entspricht
der gebundenen Blausäure. Wie K. Windisch nachgewiesen hat, ist die ge-
bundene Blausäure in den Steinobstbranntweinen hauptsächlich an Benzaldehyd ge-
bunden. Man erhält den Gehalt an Benzaldehydcyanhydrin, indem man die Menge
der gebundenen Blausäure mit 4,92 multipliziert.

Im Kirsch-, Zwetschen- bezw. Mirabellen-Branntwein werden nur geringe
Mengen freier Blausäure gefunden, nämlich;

In 100 com Branntwein:	1 Auf 100 ccm absoluten Alkohol bezogen:

Freie Gebundene Benzaldehyd-	Freie Gebundene Benzaldehyd-

Blausäure	cyanhydrin	Blausäure	cyanhydriu

0—7,2 mg 0,7—10,6 mg 3,6—52,3 mg. 0—14,1 mg 1,5—23,7 mg 7,5—116,4 mg.

e)	Sollte auf freie Schwefelsäure Rücksicht zu nehmen sein, die in ganz ver-
einzelten Fällen dem Branntwein zugesetzt werden mag, um das Perlen hervorzubringen
oder einem geringeren Branntwein ein besseres Bukett zu erteilen, so dampft man behufs
Nachweisung dieses Zusatzes 150—200 com des Branntweins auf ein kleines Volumen ein
und setzt 12 ccm einer 0,006 °/0-igen Methylviolettlösuug zu; bei Gegenwart von freier
Schwefelsäure wird die Lösung grün gefärbt. Vergl. unter „Essig“.

Zur etwaigen Prüfung auf freie „Salzsäure“ werden 150—200 ccm Branntwein
destilliert und das Destillat mit Silbernitratlösung auf Chlor geprüft.

10. Bestimmung der Esterarten. Zur quantitativen Bestimmung der Ester
versetzt man bei farblosen Branntweinen eine abgemessene Menge Branntwein
mit einer überschüssigen Menge von 1/10 N.-Lauge, kocht 1/,3 Stunde in einem Kolben
aus Jenaer Glas am Rückflußkühler und titriert alsdann den Laugenüberschuß mit
1/10 N.-Säure zurück; als Indikator dient Phenolphthalein. Gefärbte und extrakt-
haltige, insbesondere auch zuckerhaltige Branntweine dürfen nicht mit Lauge ge-
kocht werden. Die Extraktbestandteile, Zucker usw., verbrauchen beim Kochen
beträchtliche Mengen von Lauge, die fälschlich auf Ester umgerechnet würden.
Solche Branntweine werden destilliert, bis die gesamten Ester übergegangen sind,
und diese alsdann im Destillat durch Verseifen mit 1/10 N.-Lauge bestimmt.
Die Ester werden als Essigsäureäthylester (Äthylacetat) berechnet. 1 ccm 1/10 N.-
Lauge = 0,0088 g Äthylacetat.

Will man die Säuren der Ester näher untersuchen, so destilliert man dieselben
ab, kocht das Destillat 15—30 Minuten mit Kalihydratlösung am Kühler, prüft die
Abkochung nach Geruch auf die in Freiheit gesetzten Alkohole und destilliert diese
nötigenfalls ab.

Den Rückstand des Destillats versetzt man zur Abscheidung der an Kalium
gebundenen Fettsäuren mit Schwefelsäure bis zur saueren Reaktion und trennt im
Destillat die flüchtigen Säuren, wie vorhin unter 9 angegeben ist.

An Gesamt-Estern (als Äthylacetat berechnet) in 100 ccm der Branntweine
wurden z. B, im Mittel mehrerer Bestimmungen gefunden:
        <pb n="713" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

691

Beschaffenheit	Whisky	Kirsch-  Brannt-  wein
Anerkannt rein . . Mittlere Güte bezw.	mg  167,6	mg  87,3
Verschnittwaren .	—	94,7
Kunsterzeugnisse . .	—	11,4
Alkoholgehalt Vol.-°/0	57,3	43—60

Zwetschen-  Branntwein	Trester- n.  Hefen-  Branntwein	Kognak	Rum
mg	mg	mg	mg
114,6	153,3	162,0	270,7
		29,3	38,4	66,4
—	28,0	4,7	37,3
48,6	40—47	41—59	45—61

Die Schwankungen für anerkannt reine Getränke an Gesamt-Estern betrugen
z. B. bei Tresterbranntwein zwischen 12,3—272,8 mg, bei Kognak zwischen 13,4
bis 293,9 mg, bei ßura zwischen 43,0—1926,0 mg für 100 ccm.

An einzelnen Estern ergaben sich in 100 ccm der Getränke:

Ameisensäure

mg

Kognak . . 0—6,0
Bum . . . 0—22,0
Arrak ...	7,8

Äthylester der

Essigsäure	Buttersäure

mg

75,9

5,0—1847,0

184,6

mg

6,1

Spur—56,0
4,8

Kaprinsäure

mg

14,1

Spur—27,0
9,4

Die Naturerzeugnisse enthalten hiernach durchweg mehr freie Säuren und
Ester als die Kunsterzeugnisse, das hat seinen Grund darin, daß der zur Herstellung
der letzteren verwendete Sprit verhältnismäßig arm hieran ist und sich nur im
rektifizierten Zustande hierzu verwenden läßt.

11.	Bestimmung der ätherischen Öle. Sind, wie bei Likören, ätherische öle
zugesetzt, so kann man zum Nachweise dieser die alkoholische Flüssigkeit mit Äther
ausschütteln, letzteren bei gewöhnlicher Temperatur langsam verdunsten lassen und
den Eückstand auf Geruch und Geschmack prüfen. Oder man verjagt bei schwer
flüchtigen ätherischen ölen bezw. Stoffen den Alkohol bei 60—70°, durchschüttelt
den Eückstand mit Petroleumäther, um die ätherischen öle zu isolieren, und zieht
weiter den Eückstand von der Petroleumätherbehandlung mit viel absolutem Alkohol
aus, um Glyzerin und Harze zu gewannen.

12.	Bestimmung der wohlriechenden Essenzen. Eine auch nur annähernde
Bestimmung derselben ist nicht möglich. Man pflegt die Flüssigkeit zu destillieren,
um in dem Destillat eine konzentriertere Lösung der Essenz zu erhalten und das
Destillat mit Bromlösung bis zur Gelbfärbung zu titrieren. Dann soll man eine
Lösung von einer bekannten Menge derselben Essenz herstellen und diese in derselben
Weise mit der Bromlösung titrieren.

13.	Bestimmung des Extraktes und der Mineralstoffe. Bei den Spritsorten
und Branntweinen ist der Extraktgehalt nur gering; man verdampft hier 100 ccm
und mehr im Wasser bade zur Trockne, trocknet den Eückstand wie bei Wein
21/« Stunden im Wasserdampftrockenschrank und wägt. Der gewogene Eückstand
wird bis zum Weißbrennen geglüht und wieder gewogen; der Eückstand gibt die
Menge Mineralstoffe.

Bei den Likören mit hohem Zuckergehalt muß man zur Extraktbestimmung
eine entsprechend geringere — höchstens 1—2 g Trockensubstanz entsprechende —■
Menge, etwa 5 oder 10 oder 20 g zum Eintrocknen und Verbrennen verwenden.

Hier wird die direkte Extraktbestimmung am besten durch die Saccharometer-
anzeige ersetzt, d. h. man befreit eine bestimmte Gewichtsmenge des Likörs
von Alkohol, läßt auf die Normaltemperatur erkalten, füllt mit Wasser wieder
auf das ursprüngliche Gewicht auf, ermittelt von dieser entgeisteten Flüssigkeit das

44*
        <pb n="714" />
        ﻿692

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

spezifische Gewicht und liest die diesem entsprechenden Extraktprozente nach
Tabelle No. XIII ab.

14.	Bestimmung des Zuckers und Pflanzenextrakts. Der den Likören zuge-
setzte Zucker besteht fast ausnahmslos aus Rohrzucker; Stärkezucker wird schon
aus dem Grunde nicht gern verwendet, weil das in demselben vorhandene Dextrin
entweder unlöslich in den alkoholischen Flüssigkeiten ist oder doch leicht Trübungen
erzeugt.

Sind ätherische Pflanzenextrakte, welche Zucker und etwa organische Säuren
enthalten, zugesetzt, so kann auch ein Teil des Zuckers in Form von Glukose
bezw. Invertzucker vorhanden sein.

Zur Bestimmung der Zuckerarten stellt man eine 1 °/0-ige Lösung her, also
wenn 10 °/0 Extrakt vorhanden sind, wägt man 10 g Likör ab, verdünnt diese auf
100 ccm und fällt hiervon zur Bestimmung der Glukose oder des Invertzuckers
25 ccm mit Fehlingscher Lösung nach Allihn-Meißl (S. 230).

Ferner werden etwa 9 g mit 70 ccm Wasser und 10 ccm x/5 Normal-Salzsäure
(von 1,0035 spezifischem Gewicht, enthaltend 0,729 g HCl) versetzt, 30 Minuten
im Wasserbade erhitzt, nach dem Erkalten mit Natronlauge neutralisiert und auf
100 ccm aufgefüllt. Hiervon dienen ebenfalls 25 ccm wie vorhin zur Bestimmung
des Invertzuckers nach Allihn-Meißl (S. 230).

Von dem gefundenen Gehalt wird die fertig gebildete Menge Invertzucker
abgezogen, der Rest mit 0,95 multipliziert und so die Menge Saccharose erhalten.

Enthält der Likör weder Invertzucker noch Glukose und Dextrin, so kann die
Saccharose auch durch Polarisation bestimmt werden. Man wägt alsdann für die
Polarisationsapparate mit Zuckerskala die Normalgewichtsmengen (S. 598), also z, B.
für den Soleil-Ventzke-Scheibler-Apparat 26,048 g in 100 ccm Lösung ab und
polarisiert im 200 mm-Rohr; die Drehungsgrade drücken direkt die Gewichts-
prozente Zucker in der angewendeten Substanz aus. Bei den Halbschattenapparaten
mit Kreisgradteilung multipliziert man die Drehungsgrade mit 0,75, um die g Zucker
in 100 ccm Likör zu erhalten.

Farblose Liköre werden direkt polarisiert, gefärbte dagegen vorher mit etwas
gereinigter Tierkohle oder Tonerdebrei entfärbt (vergl. S. 602 u. 603) oder auch bei
Gegenwart von Anilinfarbstoffen vorher mit Äther ausgeschüttelt.

Über die polarimetrische Bestimmung der Saccharose neben Invertzucker
nach dem Clergetschen Verfahren vergl. S. 606.

Die etwa neben Zucker vorhandene Menge Pflanzenextrakt ergibt sich aus
der Differenz zwischen Gesamtextrakt — Saccharose (+ Invertzucker).

15.	Bestimmung der Farbstoffe. Zu den erlaubten Farbeu gehören:

für rot: Kochenille, Karmin, Krapprot (Saft von roten Rüben und Kirschen),

„ gelb: Safran, Saflor, Kurkuma (Ringelblumen, Gelbbeeren),

„ blau: Indigolösung. Lackmus, Saftblau,

„ grün: Mischungen der gelben mit blauen Farben,

„ violett: Mischungen der blauen und roten Farben,

„ braun: Zuckeroouleur bezw. Karamel und Lakritzensaft.

Am häufigsten findet zum Färben der Branntweine, um ihnen äußerlich das
Kennzeichen einer alten abgelagerten Ware zu geben, die Zuckercouleur oder
Karamel Verwendung.

Da Karamel, wenn er aus Rohrzucker hergestellt ist, noch immer unzerstörte
Saccharose enthält, so kann man, wenn nur wenig Extrakt vorhanden ist, eine
größere Menge des Branntweins usw. auf dem Wasserbade einengen und den Rückstand
nach dem Invertieren und Entfärben mit Fehlingscher Lösung auf Zucker prüfen.
        <pb n="715" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

693

Oder man versetzt nach Amthor die alkoholische Flüssigkeit mit Paraldehyd
(auf 10 ccm der Flüssigkeit 30—50 ccm Paraldehyd) und mit so viel Alkohol, daß
die Flüssigkeiten sich mischen; nach 24 Stunden hat sich das Karamel als bräun-
liche Masse ausgeschieden; man löst den Niederschlag in Wasser, engt auf dem
Wasserhade ein, filtriert und prüft das Filtrat durch Zusatz von 1 g salzsaurem
Phenylhydrazin und 2 g essigsaurem Natrium auf Zucker. Bei Gegenwart desselben
entsteht ein gelber Niederschlag bezw. eine gelbe bis rötliche Färbung. Der
Niederschlag löst sich in Ammoniak und wird durch Salzsäure wieder in Flocken
gefällt.

Wenn die braungelbe Färbung eines Branntweines von Holzfarbstoff (Gerb-
säure) durch längeres Lagern in hölzernen Fässern herrührt, so erzeugt Eisenchlorid-
lösung eine sehwarzgrünliche Färbung.

Man verdampft unter Zusatz von Sand zur Trockne und zieht den Rück-
stand mit Äther oder Amylalkohol aus. Eine rote Färbung kann von Fuchsin.
Orseille usw. herrühren (vergl. unter „Wein“); eine gelbe Färbung von Kurkuma,
Safran oder Pikrinsäure usw. (vergl. „Butter“ S. 562 u. ff.).

Für die Liköre werden meistens Anilinfarben zum Färben verwendet.
Über den Nachweis derselben vergl. unter „Wein“.

16. Nachweis der Bitterstoffe. Für die Bereitung der bitteren Liköre
werden mitunter schädliche Bitterstoffe wie Aloe, Gummigutti, Lärchenschwamm,
Sennesblätter, Rhabarber usw. verwendet; unter diesen dürfte Aloe die meiste Ver-
wendung finden. Aloe gibt an Petroleumäther nichts, an Benzol und Chloroform
aloetinartige Körper, an Amylalkohol dagegen Aloin ab.

Man kann daher den bitteren Likör zur Sirupkonsistenz verdampfen und
wiederholt mit farblosem Benzin (von 800 Siedepunkt) ausschütteln; hierdurch werden,
falls sie vorhanden sind, gelöst Absynthin, Colchioin und Colocynthin. Man
teilt den Benzinauszug in 2 Teile; den einen versetzt man mit Salpetersäure von
1,33—1,40 spezifischem Gewicht, eine Violettfärbung deutet auf Colchicin; zu
dem anderen setzt man konzentrierte Schwefelsäure, welche bei Gegenwart von
Colocynthin und Absynthin rot bezw. violett gefärbt wird. Da Colocynthin
nur schwer in Benzin löslich ist, so kann man den ursprünglichen Rückstand auch
mit Chloroform ausschütteln und mit dem Rückstand hiervon die Prüfung vornehmen.

Der Rückstand vom Benzinauszuge wird nach dem Befreien von Benzin mit
Amylalkohol ausgezogen; dieser Auszug soll nicht bitter schmecken und farblos sein.
Hinterläßt er beim Verdampfen auf einem ührglase feine, weiße kristallinische
Ausscheidungen, so läßt dieses auf Pikrotoxin schließen; bei Gegenwart von Aloe
bleibt eine unkristallinische, gelbe, safranartige Masse zurück. Dieselbe zeigt den
eigenartigen Aloegeschmack, gibt mit Brom-Bromkalium, basischem Bleiacetat, salpeter-
saurem Quecksilberoxydul und Gerbsäure Niederschläge ■— letzterer Niederschlag ist
im Uberschuß der Gerbsäure löslich —, reduziert alkalische Kupferlösung und Gold-
lösung beim Erwärmen; wird ein Teil des Rückstandes mit konzentrierter Salpetersäure
gekocht, letztere auf dem Wasserbade verdampft, so bleibt eine Masse, welche, mit
Kalilauge und Cyankalium erwärmt, eine blutrote Färbung annimmt.

Wenn der Rückstand von der Amylalkoholausschüttelung mit Äther aus-
gezogen wird, so können weiter in Lösung gehen; Absynthin, Quassiin,
Menyanthih und.Gentipikrin, von denen die ersten drei ammoniakalische Silber-
lösung, alkalische Kupferlösung reduzieren sowie mit Brom-Bromkalium, Jod-Jod-
kalium, Gerbsäure usw. schwache Trübungen bezw. Niederschläge geben.

Gummigutti löst sich leicht in Chloroform; verdampft man letzteres, so bleiht
&lt;las Harz als gelbrotes Pulver zurück. Dasselbe ist in Ammoniak und Natrium-
        <pb n="716" />
        ﻿694

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfahrikation.

karhonatlösung mit gelbroter Farbe löslich und wird daraus durch verdünnte Säuren
als blaßgelber Niederschlag gefällt. Das Gummiguttiharz ist ferner in kalter, kon-
zentrierter Schwefelsäure mit roter Farbe löslich und wird aus dieser Lösung durch
Wasser unverändert wieder ausgeschieden (dieses Verhalten ist einigermaßen
kennzeichnend).

Nach Dragendorff kann man die verschiedenen Bitterstoffe auch dadurch
trennen, daß man die Lösungen entweder mit basischem oder neutralem Bleiacetat
fällt und die Fällungen entweder im angesäuerten oder ammoniakalischen Zustande
mit Petroleumäther ausschüttelt. So werden die Bitterstoffe der Aloe und Gentiana
teilweise durch basisches Bleiacetat gefällt, nicht aber durch neutrales Bleiacetat usw.

Bezüglich weiterer Trennungsverfahren sei auf G. Dragendorff: Die quali-
tative und quantitative Analyse von Pflanzen und Pflanzenteilen bezw. Ermittelung
von Giften verwiesen.

17.	Nachweis von Metallen. Bei der Destillation des Alkohols kann der
Weingeist bezw. Branntwein aus den Kühlschlangen leicht Kupfer aufnehmen; diese
Menge wird umso größer sein, je mehr Säure ein Gärungserzeugnis enthält; J. Neßler
und M. Barth (vergl. S. 689) fanden z. B.' in 41 Sorten Kirschwasser zwischen
0—9 mg (in einem Falle sogar 18 rag) Kupfer für 1 1. Die Naohweisung und Be-
stimmung erfolgt nach bekannten Verfahren. J. Neßler und M. Barth haben das
Kupfer in den Kirschwassern kolorimetrisch bestimmt, indem sie dieselben mit einer
geringen Menge einer sehr verdünnten Ferrocyankaliumlösung versetzten und die
Stärke der rötlichen Färbung mit der verglichen, welche in den gleichen Flüssig-
keitsmengen mit 2, 5, 7 und mehr mg Kupfergehalt für 1 1 entstanden. Geringere
Mengen Kupfer als 2 mg im Liter sind durch die Bläuung einer dünnen alkoholischen
Guajakharzlösung bei Vorhandensein von Spuren von Blausäure noch bis zu weniger
als 0,6 mg im Liter nachweisbar.

18.	Anhaltspunkte zur Beurteilung der Branntweine. Bei der Beurteilung der
Echtheit und Reinheit eines Branntweines ist in erster Linie zu beachten, daß zwar in
vielen Fällen die chemische Untersuchung wertvolle Anhaltspunkte für die
Begutachtung bietet, daß aber in den meisten Fällen für die Entscheidung
der Frage, ob das Getränk echt und rein ist, die Prüfung des Geruches und
Geschmackes seitens wirklich sachverständiger Fachleute eine sicherere
Grundlage bietet, als die chemische Untersuchung.

Im einzelnen sei noch folgendes bemerkt:

1. die gewöhnlichen Trinkbranntweine, wozu man die Branntweine aus Roggen
und anderen Getreidearten, aus Kartoffeln (auch Industriespiritus genannt) und aus Zucker-
rübenmelasse rechnet, enthalten zwischen 26—45 Volumprozente Alkohol und nur Spuren
bis wenig Abdampfrückstand. Mit der Einführung der Spiritussteuer sind diese Art
Branntweine immer mehr im Gehalt heruntergegangen; wenngleich dieses mit Rücksicht
auf die schädliche Wirkung des Branntweingenusses nur gewünscht werden kann, so ist es
doch zweckmäßig, für dieselben, solange sie noch eine Handelsware bilden, einen bestimmten
niedrigsten Alkoholgehalt zu fordern. Doppelbranutweine sind etwas sorgfältiger gereinigte
Branntweine mit höherem Alkoholgehalt. Mit Unrecht wird die schädliche Wirkung der
Trinkbranntweine vorwiegend ihrem Gehalt an Fuselöl zugeschrieben; die beliebteren
Kornbranntweine enthalten aber durchweg mehr Fuselöl als die gut rektifizierten Kartoffel-
branntweine. Immerhin ist ein hoher Fuselölgehalt (vergl. S. 680) ebenso wie ein hoher
Aldehydgehalt zu beanstanden.

Ebenso sind Branntweine, die zur Vortäuschung eines höheren Alkoholgehaltes mit
Mineral säuren (Schwefelsäure) oder scharf schmeckenden Pflanzenstoffen1) (Aus-
zügen von Pfeffer, Paprika, Paradieskörnern usw.) versetzt sind, zu beanstanden.

1)	Auf das Vorhandensein von scharf schmeckenden Pfianzenstoffen prüft man in
der Weise, daß man die Branntweine in Schalen auf dem Wasserbade eindampft und den
        <pb n="717" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

695

Der Gehalt an freien Säuren und Estern pflegt bei den gewöhnlichen Trink-
hranntweinen nur gering zu sein.

Die Beschaffenheit des zur Verdünnung verwendeten Wassers läßt sich aus
dem Gehalt an Chloriden und Nitraten ermessen (vergl. unter Wasser); hei der Prüfung
auf Ammoniak — unter Umständen aus dem Wasser herrührend — ist zu berücksichtigen,
daß die alkoholischen Getränke an sich eine sehr geringe Menge von Basen enthalten.

2. Verwickelter liegen die Verhältnisse bei den „Edelhranntweinen“. Unter
diesem Namen faßt man alle die Branntweine zusammen, die ausschließlich für Genuß-
zwecke hergestellt werden und in ungereinigtem Zustande in den Handel und zum Genuß
gelangen.

Zu denselben werden gerechnet: Kognak, Rum, Arrak, die Branntweine aus Obst
und Beerenobst, insbesondere Kirsch- und Zwetschenbranntweine, die Branntweine
aus Trestern und Hefen von Weinen aller Art.

Bei den Edelbranntweinen ist zu unterscheiden, ob es sich um einfache oder um
verarbeitete Destillate handelt, d. h. ob sie direkt genußfähig sind oder für den Genuß
noch einer besonderen Verarbeitung unterliegen. Im ersteren Falle enthalten die Edel-
branntweine nur Spuren oder nur wenig Extrakt und Mineralstoffe, die entweder bei der
Destillation mit übergerissen oder beim Lagern aus der Paßwandung aufgenommen werden.
Ist der Alkoholgehalt sehr hoch, was namentlich dann der Fall sein wird, wenn das erste
Destillat, der Rauh- oder Rohbrand, nochmals destilliert wird, so pflegt man ihn durch
Wasserzusatz auf Trinkstärke herabzusetzen; hiergegen ist nichts einzuwenden, wenn aus
dem gleichzeitig niedrigen Preise ermessen werden kann, daß man keine Originalware
(z. B. wie bei Rum, Arrak, Kirschwasser usw.) vor sich hat. Auch gegen die aus der
Paßwandung herrührenden natürlichen Stoffe (besonders Farbstoffe) ist nichts zu erinnern;
im Gegenteil bedingen diese Stoffe, zumal hei der Lagerung durchweg noch andere vorteil-
hafte Veränderungen (Oxydatiou und Bildung ätherischer Verbindungen) im Branntwein
vor sich gehen, eine bessere Beschaffenheit der Getränke. Für die Beurteilung der künst-
lichen Färbung dieser Branntweine, auch mit an sich unschädlichen Farbstoffen (wie
Zuckercouleur) ist stets zu berücksichtigen, ob dadurch eine bessere Beschaffenheit vor-
getäuscht werden soll. *) Eine solche Vortäuschung liegt z. B. vor, wenn der Branntwein
(besonders frisch destillierter) durch Wasser gestreckt und gleichzeitig aufgefärbt wird, um
ihm das Aussehen eines lange gelagerten und vollhaltigen Originalerzeugnisses zu erteilen.
Schädliche Farbstoffe zur Auffärbung sind selbstverständlich unzulässig.

Anders liegen die Verhältnisse bei denjenigen Edelbranntweinen, deren Destillate
für den Genuß noch besondere Zusätze erhalten. Dieses ist besonders bei dem Kognak
der Fall. Demselben werden jetzt ganz allgemein Süßweine (Samos, Sherry, Portwein,
Tokayer), Zuokersirup, Tee-, Rosinenauszüge u. dergl. zugesetzt, um ihm den scharfen Ge-
schmack zu nehmen und früher genußfähig zu machen; auch wird er meistens mit ge-
branntem Zucker gefärbt. Diese Zusätze sollten indes wenigstens eine gewisse Grenze
haben. Der Verband öffentlicher Chemiker'2) hat darüber z. B. folgendes vereinbart;

„Kognak darf nicht mehr als 2 g Zucker, als Invertzucker bestimmt, und nicht
mehr als 1,5 g zuckerfreies Extrakt in 100 ccm enthalten. Der Zusatz von Glyzerin zum
Kognak als Süßungsmittel ist nicht gestattet. Als Farbstoff ist zulässig, was durch die
natürliche Paßlagerung und durch Zusatz von gebranntem Zucker in den Kognak gelangt.“
Unter „französischem Kognak“ oder unter den diesem Begriff entsprechenden Be-
zeichnungen soll nur ein aus Frankreich eingeführter und im Originalzustande belassener
Kognak zu verstehen sein. Aus dem Grunde dürfen Getränke, die zwar aus Weinen, aber
nicht aus dem bekannten französischen Kognak-Wein, sondern minderwertigen Weinen ge-

Rückstand auf Geschmack prüft. Der Rückstand darf nicht scharf oder bitter schmecken
selbstverständlich sind die bitteren Liköre hiervon ausgenommen —. Auf freie Mineral-
säuren prüft man wie bei Essig.

*) Jamaika- und Demarara-Rum pflegen gefärbt zu werden, der Kuba-Rum bleibt
meistens ungefärbt.

2)	Zeitsehr. f. öffentl. Chemie 1901, 7, 393.
        <pb n="718" />
        ﻿696

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

Wonnen sind, nicht als „echte“ oder gar „französische Kognaks“ verkauft oder feilgehalten
werden.

Das Verschneiden hezw. Verlängern von Kognak (auch Rum, Arrak und allen
Edelbranntweinen) mit Sprit, sei es mit oder ohne Zusatz von künstlichen Essenzen, ist
ohne Angabe dieser Behandlung selbstverständlich als Verfälschung anzusehen. Auch
dürfen künstliche Gemische von Sprit mit Essenzen nur als Fagon-oder Kunst-Kognak
(Pagon- oder Kunst-Rum hezw. -Arrak) verkauft und feilgehalten werden. Selbst-
verständlich muß auch die Bezeichnung der übrigen Edelhranntweine den
verwendeten Rohstoffen entsprechen. Wenn man den Kognak nach den vor-
stehenden Ausführungen als ein Erzeugnis der Weiudestillation bezeichnen kann, versteht
man unter Trester- und Hefen-Branntwein die durch Vergären der Weintrester (mit
und ohne Zusatz von Zucker) und durch Destillation hezw. die durch Destillation der Wein-
hefe gewonnenen Erzeugnisse.

Zwetschen-Branntwein (Slivowitz oder Slibowitz) ist ein Erzeugnis aus ver-
gorenen Zwetschen, Kirsch-Branntwein ein solches aus vergorenen Kirschen.

Der Rum wird hauptsächlich in Westindien durch Destillation der vergorenen
Zuckerrohrmelasse und Zuckerrohrrüokstände, der Arrak entweder aus Reis (Java) oder
aus dem Saft der Blütenkolben der Kokospalme durch Vergärung und Destillation ge-
wonnen.

Zum Nachweise der Echtheit dieser Getränke sind verschiedene Vorschläge
gemacht worden:

a)	Das Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Bestandteile betreffend.
Nach H. Struve1) soll z. B. ein Kognak, der Cholin enthält, ein Kunsterzeugnis sein; da
aber dem echten Kognak häufig Süßwein zugesetzt wird, so ist diese Annahme nicht richtig.* 2)
Von anderer Seite ist behauptet, daß das Fehlen von Furfurol in einem Kognak auf ein
Kunsterzeugnis hinweise. Das Furfurol ensteht in den Edelbranntweinen erst hei der
Destillation durch Überhitzen — vorwiegend über freier Flamme •— aus gewissen nicht
flüchtigen Maischehestandteilen und findet sich hauptsächlich im Nachläufe, ganz gleichgültig,
aus welchen Rohstoffen die Maische hergestellt wurde. Es findet sich recht häufig im Kognak
und anderen Edelbranntweinen, aber es fehlt auch nicht selten3) darin, weshalb daher auch
diese Annahme unhaltbar ist.

Vom echten Rum ist behauptet, daß das Vorkommen von freier Ameisensäure
■auf ein Kunsterzeugnis schließen lasse; da aber nach vielen Untersuchungen echter Rum
■ebenfalls freie Ameisensäure enthält und davon frei sein kann, so ist daher weder aus der
An- noch Abwesenheit freier Ameisensäure im Rum ein Schluß auf seine Echt- oder Un-
echtheit zu ziehen.

b)	Der Gehalt an Nebenbestandteilen der Gärung und Destillation, an
den sog. alkoholischen Verunreinigungen z. B. Säuren, Säureestern, höheren
Alkoholen, Aldehyden insgesamt, Furfurol und Basen betreffend. Die Basen und
Furfurol läßt man in der Regel unberücksichtigt, da ihre Menge meistens sehr gering ist.

Von diesen Bestandteilen bilden sich die Säuren der Menge nach vorwiegend hei
der Gärung der Maischen, und von ihrer Menge ist auch die der Ester abhängig; aber
nicht immer entspricht eine große Menge Säure einer großen Menge Ester und umgekehrt.
Kranke und fehlerhafte Weine liefern durchweg Destillate mit hohem Gehalt an flüchtigen
Säuren. Auch die Ester bilden sich anscheinend vorwiegend in der Maische und ist das
Verhältnis zwischen Säure und Estern hauptsächlich von der Destillation abhängig. Der
Acetaldehyd entsteht ohne Zweifel durch Oxydation aus dem Äthylalkohol. Über die
Entstehungsweise sonstiger Aldehyde und der höheren Alkohole ist bis jetzt nichts Näheres
bekannt. Die höheren Alkohole und Aldehyde werden von den Ärzten für besonders

!) Zeitschr. f. analyt. Chemie 1902, 41, 284.

2)	Vergl. auch M. Mansfeld, 14. Jahresbericht der Unters.-Anstalt des allgem.
österr. Apoth.-Vereins für 1901, S. 4.

3)	Vergl. W. Lenz, ferner Th. Wetzko, Zeitschr. f. öffentl, Chemie 1899, 5, 258;
1900, 6, 399 und 1901, 7, 11.
        <pb n="719" />
        ﻿Spiritus, Branntweine und Liköre.

697

schädlich gehalten, während sie von den Branntwein-Erzeugern bezw. -Genießern als be-
sonders eigenartig und wertvoll für die einzelnen Edelbranntweiue angesehen werden.

Über die Bedeutung dieser Verunreinigungen in den Branntweinen für die Be-
urteilung äußert sich K. Windisch1) wie folgt:

„Die Summe dieser alkoholischen Verunreinigungen, ausgedrückt in Milligramm
und berechnet auf 100 ccm wasserfreien Alkohols, wird der Verunreinigungskoeffizient
genannt. F. Lusson,2) der die mit dem Altern der Edelbranntweine verknüpften Ver-
änderungen in der chemischen Zusammensetzung untersuchte, bezeichnete den Gehalt der
gesamten Verunreinigungen an Aldehyden und Säuren (in Prozenten ausgedrückt) als
Oxydationskoeffizient; nur die Aldehyde und die Säuren sollen beim Lagern der Brannt-
weine eine Änderung erleiden, die übrigen Nebenbestandteile aber nicht.

Bezüglich dieser alkoholischen Verunreinigungen wurden folgende Grenzzahlen
aufgestellt:

а)	Nach Ch. Girard und seinen Mitarbeitern X. Bocques, E. Möhler, L. Cuniasse
und Saglier3) beträgt der Verunreinigungskoeffizient bei dem eigentlichen Kognak,
d. h. dom in der Charente (im Bezirk Cognac) gewonnenen reinen Weinbranntwein niemals
weniger als 300 mg, nach F. Lusson nicht weniger als 340 mg.

ß) Nach X. Bocques1) und anderen enthalten die reinen Weindestillate der Charente
etwa gleich viel höhere Alkohole und Ester.

y) Der Oxydationskoeffizient der Edelbrauntweine, d. h. der Gehalt an Aldehyden
und Säuren in 100 Teilen der gesamten Verunreinigungen, ist nach P. Lusson5) abhängig
von dem Alter der Branntweine; er beträgt bei ganz jungen Branntweinen 10, bei 40 Jahren
alten bis 36.

d)	C. Amthor und J. Zink0) fordern bei reinen Kirsch- und ZwetschenbrannU
weinen mindestens 0,01 g Säure in 100 ccm und eine Esterzahl von 8. Als Esterzahl
wird die Anzahl Kubikzentimeter 1/10 N.-Lauge bezeichnet, die zur Verseifung der Ester
in 100 ccm Brauntwein erforderlich ist; der Esterzahl 8 entsprechen etwa 0,07 g Essig-
säureäthylester (Äthylacetat, Bssigäther) in 100 com Branntwein.

Mit welcher Vorsicht jedoch solche Grenzzahlen aufzufassen sind und wie leicht
eine Verallgemeinerung derselben zu falschen Schlußfolgerungen führen kann, ergibt sich
aus einer Arbeit von H. Mastbaum,7) der 20 reine spanische Weindestillate mit folgenden
Ergebnissen untersuchte: 1. Der Verunreinigungskoeflizient sckwankte von 148,4—977,2 mg;
bei 5 von 20 Proben war er kleiner als 300 mg. 2. Das Verhältnis der Ester zu den
höheren Alkoholen schwankte von 9:1 bis zu 1/3: 1, also innerhalb sehr weiter Grenzen.

3.	Der Oxydationskoeffizient nach Lusson schwankte ebenfalls innerhalb weiter Grenzen;
er betrug 6,1—52,9. Da alle Branntweine nur ein oder zwei Jahre alt wraren, läßt sich
irgend ein Zusammenhang zwischen dem Alter der Branntweine und der Höhe des
Oxydationskoeffizienten nicht erkennen.

M. Mansfeld8) schließt aus seinen Versuchen, daß die Bdelbranntweine meist mehr
höhere Alkohle als Ester haben. G. Kaliaudjeff") fand bei jungen Branntweinen den
Oxydationskoeffizienten zu 29,9—56,1, also viel höher als Lusson. Vergleicht man die
in der Literatur vorliegenden Untersuchungen von Weinbranntweinen, so findet man einer-
seits einige, die die Grenzzahlen der französischen Chemiker nicht erreichen, also eines
Zusatzes von Sprit verdächtig wären, andererseits zahlreiche Branntweine, deren Gehalt

x) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 465.

2) Compt. rend. 1897, 124, 829.

8) Ch. Girard und L. Cuniasse, Manuel pratique de l’analyse des alcools et des
spiritueux. Paris 1899. Masson et Cie.

4)	Bull. soc. chim, 1888 [2], 50, 167.

б)	Compt. rend. 1897, 124, 829; Annal. chim. analyt. 1897, 2, 308.

°) Forschungsberichte über Lebensmittel 1897, 4, 362.

7)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Qenußmittel 1903, 6, 97,

8)	Österr. Chem.-Ztg. 1898, 1, 166.

9)	Ebenda, 1901, 4, 57.
        <pb n="720" />
        ﻿698

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

an Verunreinigungen weit über den Grenzzahlen liegt; diese Branntweine würden einen
erheblichen Zusatz von Sprit vertragen, ohne daß sie unter die Grenzzahlen kämen. Auch
das Verhältnis der höheren Alkohole zu den Estern schwankt innerhalb sehr weiter Grenzen.
Es ist hiernach nicht zulässig, die Grenzzahlen, die für die Weinbranntweine des Bezirks
Cognac gelten, ohne weiteres auf Weinbranntweine anderen Ursprungs oder auf andere
Edelbranntweine zu übertragen.“

Auch ist es unzulässig, so verschiedenartige Stoffe, wie die genannten Verunreinigungen,
zusammenzuzählen und aus der Summe derselben das Urteil abzuleiten,

„Immer wird man prüfen müssen, woraus sich diese Summe zusammensetzt, welche
Faktoren dabei vorwiegen, welche mehr zurücktreten. Namentlich gilt dies, worauf schon
Franz Freyer1) hingewiesen hat, von den Säuren der Branntweine. Deren Menge
schwankt ganz besonders stark, und vielfach findet man bei Branntweinen mit einem sehr
hohen Verunreinigungskoeffizienten, daß sie abnorm hohe Mengen von Säure enthalten.
Freyer schlägt daher vor, auf den Säuregehalt Rücksicht zu nehmen und einen 100 mg
in 100 ccm absolutem Alkohol überschreitenden Betrag nicht dom Verunreinigungskoeffizienten
zuzuzählen. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse bei den Estern, die in Branntweinen
aus essigstichigen Maischen im Übermaß vorhanden sein können; dies kommt aber doch
seltener vor als bei den Säuren.

Wenn hiernach auch vor der schablonenhaften Anwendung der von den französischen
Chemikern aufgestellten Grenzzahlen für den Verunreinigungskoeffizienten gewarnt werden
muß, so kann andererseits zugegeben werden, daß es nicht selten möglich ist, durch eine
eingehende Untersuchung festzustellen, daß ein Branntwein wahrscheinlich kein reines
Destillat ist. Der Hauptwert ist dabei auf die Bestimmung der Ester und namentlich der
höheren Alkohole zu legen. In der Hegel handelt es sich bei Edelbranntweinen des
Handels, die nicht aus reinen Destillaten bestehen, entweder um Verschnitte mit reinem
Sprit oder um Zusätze von künstlichen Essenzen, die nur selten reich an Estern sind.
Durch den Verschnitt mit Feinsprit, der nur Spuren von Estern und in der Hegel kein
Fuselöl enthält, werden alle Verunreinigungen der Destillate in ihrer Menge herabgesetzt.

Ähnliches gilt auch von der Mehrzahl der aus Feinsprit und Essenzen hergestellten
künstlichen Bdelbranntwcine. Von Ed. Polenske'2) ist eine große Anzahl von Branntwein-
Essenzen, -Schärfen, -Verstärkungsmitteln usw. untersucht worden. Die dabei gewonnenen
Zahlen lehren, daß nur wenige dieser Essenzen reich an Estern sind; die meisten enthalten
sogar überraschend wenig Ester, besonders in Anbetracht des Umstandes, daß in der Regel
auf 100 1 des fertigen Branntweins nicht mehr als höchstens 1 1, oft noch weniger, Essenz
verwendet wird. Allerdings findet man zuweilen auch Essenzen mit hohem Estergehalte,
wie z. B. die von A. Scala3) untersuchten Eumessenzen mit 7—27 Volumprozent Estern.
Große Mengen höherer Alkohole enthalten fast nur die Essenzen, die zur Herstellung von
künstlichem Kornbranntwein dienen; wahrscheinlich enthalten die Essenzen wirkliches
Kornfuselöl, das bei der Rektifikation des Kornbranntweins gewonnen wird.

Dementsprechend sind die bisher untersuchten Kunst- oder Fagon-Edelbranntweine
meist arm an Säuren, Estern und höheren Alkoholen.“1)

3.	Eine Sonderstellung unter den Edelbranntweinen nehmen nach K. Win di sch die
Kirsch- und Zwetschenbranntweine, sowie die übrigen aus Steinobst hergestellten
Branntweine insofern ein, als sie Blausäure und Benzaldehyd bezw. die Verbindung
beider, Benzaldehydcyanhydrin, sowie meist Benzoesäureäther enthalten. Diese Besonderheit
ist natürlich ebenfalls zur analytischen Bewertung herangezogen worden. Aber auch hier
ist die höchste Vorsicht am Platze. Diese Branntweine enthalten nur dann erhebliche

J) Zeitschr. landw. Versuohswesen in Österreich 1902, 5, 1266.

2)	Arbeiten a. d. Kaiserl. Gesundheitsamte 1890, 6, 294 u. 518; 1894, 9, 135; 1895,
10, 505; 1897, 13, 301; 1898, 14, 684.

3)	II Rhum e le sue falsificazioni. Ricerche di Alberto Scala. Roma 1890.

4)	Vergl. B. Möhler, Compt. rend. 1891, 112, 53, und M. Mansfeld, Zeitschr.
Nahr.-Unters., Hyg. u. Warenk. 1894, 8, 306; 1896, 9, 318; 1896, 10, 319; Jahresberichte
der Unters.-Anstalt des allgem. österr. Apoth.-Vereins 1897—1900.
        <pb n="721" />
        ﻿Essig.

699

Mengen der genannten Bestandteile, wenn in der gärenden Maische die Steine der Erhöhte
zugegen sind. Weiter hat K. Win di sch (I. c.) festgestellt, daß die Blausäure in diesen
Branntweinen langsam verschwindet; es könnte also der Pall verkommen, daß ein nur
wenig Blausäure enthaltender Branntwein schließlich ganz blausäurefrei wird. Die Blau-
säure in den Branntweinen verdankt nur dem Umstande ihre relative Beständigkeit, daß
sie nicht frei, sondern an Benzaldehyd gebunden ist. Der Nachweis und die Bestimmung
der Blausäure und des Benzaldehyds verlieren dadurch jede Bedeutung, daß in dem Bitter-
mandelwasser und dem Kirschlorbeerwasser sowie in den entsprechenden Ölen jederzeit er-
hältliche Präparate zur Hand sind, die Blausäure und Benzaldehyd enthalten und den
Branntweinen zugesetzt werden können. Die Gegenwart von Blausäure und Benzaldehyd
in einem Branntwein ist daher keineswegs ein Beweis dafür, daß derselbe aus Steinobst
hergestellt ist.

C.	Essig.

Unter Essig versteht man ein durch die sog. Essiggärung aus alkoholischen
Flüssigkeiten oder durch Verdünnung von Essigsprit mit Wasser gewonnenes Genuß-
und Frischhaltungsmittel.x)

Man unterscheidet je nach dem verwendeten Rohstoff folgende Essigsorten:

Branntweinessig (Spritessig, Essigsprit), Wein-, Obst-, Obstwein-,
Bier-, Malz-, Stärkezucker- und Honigessig.

Man begegnet im Handel jetzt auch vielfach der Essigessenz (aus den Er-
zeugnissen der, trocknen Destillation des Holzes hergestellt), sowie dem daraus durch
Verdünnung gewonnenen Essig, der den ersteren Sorten gegenüber als „Kunstessig“
aufzufassen ist.

Der Kräuteressig wird durch Ausziehen von Kräutern mit den Essigsorten
gewonnen.

Als Verfälschungen des Essigs kommen vor:

Wasserzusatz, Mineralsäuren (von organischen Säuren auch Oxalsäure,
Weinsäure), scharf schmeckende Stoffe pflanzlicher Natur, ferner Vermischen ge-
suchter und teuerer Sorten, wie Weinessig mit Essigsprit oder Vertrieb des letzteren
als Weinessig usw.

Als zufällige Beimengungen sind zu nennen: Giftige Metalle (Kupfer,
Klei, Zink).

Als krankhafte Erscheinungen treten Pilzbildungen, das Kahmigwerden und
sehr häufig in den durch Gärung gewonnenen Essigsorten die sog. Essigälchen
(Anguillula oxophila) auf.

Für die Untersuchung des Essigs ist etwa 1/2 1 erforderlich, welches
zweckmäßig in einer mit Korkstöpsel verschlossenen Flasche versandt und auf-
hewahrt wird.

Die Bestandteile des Essigs sollen in Gewichtsprozenten aus-
gedrückt werden, d. h. es ist anzugeben, wie viel Gramm der einzelnen
Bestandteile in 100 g Essig enthalten sind.

1.	Bestimmung des spezifischen Gewichts. Wie üblich durch das Pyknometer
oder die Westphalsche Wage (vergl. S. 449). Die Bestimmung des spezifischen
Gewichts ist für die Beurteilung des Essigs von keinem Belang.

2.	Bestimmung des Extrakts und der Mineralstoffe. Durch Eindampfen von
100 ccm Essig, Trocknen bezw. Glühen des Rückstandes wie bei Spiritus und Wein.

9 Vergl. Vereinbarungen der vom Kaiserl. Gesundheitsamte einberufenen Kommission
deutscher Nahrungsmittelchemiker, Heft II. Berlin 1899, 79.
        <pb n="722" />
        ﻿700

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation,

Nur Obst-, Bier- und Weinessig enthalten nennenswerte Mengen Extrakt und
Mineralstoffe; der Branntweinessig ist fast frei davon.

Die Mineralstoffe werden wie üblich auf Phosphorsäure, Kali und Kalk
untersucht.

3.	Bestimmung des Essigsäuregehalts. 10 ccm Essig werden mit der gleichen
Menge Wasser verdünnt und unter Zusatz von Phenolphthalein als Indikator mit
Normal-Alkali (oder besser mit Normal-Ammoniak) in üblicher Weise titriert.

1 ccm Normal-Alkali = 0,060 g Essigsäure. Oder 1 Gewichtsteil Schwefel-
säure = 1,5 Gewichtsteile Essigsäure.

Zur Umrechnung der auf solche Weise gefundenen g Essigsäure in 100 ccm auf
Gewichtsprozente muß man das spezifische Gewicht des Essigs kennen; ist das-
selbe = s und die Anzahl der verbrauchten Kubikzentimeter Normal-Alkali = n, so
findet man bei Anwendung von 10 ccm Essig die Gewichtsprozente = p nach der Formel:

oder man dividiert die für 100 ccm Essig gefundene Menge Essigsäure durch das
spezifische Gewicht des Essigs.

Bei stark gefärbten Essigen muß man die Titration nach dem Tüpfel-
verfahren mit Lackmus- (oder auch Kongorot-1)) Papier ausführen. Auch kann
man nach R. Fresenius, zumal wenn gleichzeitig empyreumatische Stoffe und
freie Mineralsäuren vorhanden sind, abgemessene Mengen Essig, dessen spezifisches
Gewicht bekannt ist, mit Kalium- oder Natriumkarbonat oder Barytwasser neutra-
lisieren, im Wasserbade unter Zusatz von Phosphorsäure und unter Einleiten von
Wasserdampf destillieren, das Destillat in einer genügenden abgemessenen Menge
Normal-Alkali auffangen und den Uberschuß des letzteren zurüoktitrieren.

Alex. Müller hat vorgeschlagen, bei stark gefärbten Essigen eine abgewogene
Menge in einen Glaskolben mit doppelt durchbohrtem Pfropfen — durch dessen eine
Öffnung eine Trichterröhre bis auf den Boden und durch dessen andere Öffnung
ein knieförmiges, gebogenes Ableitungsrohr zu einem vorgelegten Kühler führt —
zu bringen, reinste Chlorammonium-Lösung zuzugeben, alsdann zu erwärmen, indem
man durch das Trichterrohr eine abgemessene Menge Normal-Alkali einfließen läßt.
Es wird eine dem von der vorhandenen Menge Essigsäure nicht gebundenen Normal-
Alkali äquivalente Menge Ammoniak frei, welche durch Titration des Destillats be-
stimmt werden kann.

Fernere Verfahren zur Bestimmung der Essigsäure bestehen darin, daß man
in einem Kohlensäure-Bestimmungsapparat die Menge der von einer gewogenen
Menge Essig aus Alkalikarbonaten ausgetriebenen Kohlensäure quantitativ fest-
stellt und hieraus den Gehalt an Essigsäure berechnet (1 g Kohlensäure = 2,778 g
Essigsäure).

Oder man bringt eine abgewogene Menge von Calciumkarbonat mit einer ge-
wogenen Menge Essig zusammen, erwärmt, filtriert und wägt den ungelöst ge-
bliebenen Teil des Calciumkarbonats zurück (1 g gelöstes Calciurakarbonat = 1,200 g
Essigsäure).

Das Ottosche Acetometer ist eine kalibrierte Röhre, in welche man bis
zu einem gewissen Teilstrich Lackmuslösung, sowie ein bestimmtes Volumen des
zu prüfenden Essigs gibt, alsdann unter öfterem Umschütteln so viel Normal-Alkali

1)	Das Kongorot wird von der Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation in Berlin
hergestellt.
        <pb n="723" />
        ﻿Essig,

701

zufließen läßt, bis die rote Farbe eben in Blau übergeht. Dieses Verfahren hat
aber kaum Vorzüge vor der gewöhnlichen Titrationsweise.

4.	Bestimmung von Alkohol. Zur Bestimmung des Alkohols, welcher durch-
weg nur in sehr geringen Mengen verkommt, werden etwa 400 ccm Essig (von
bekanntem, spezifischem Gewicht) nach genauer Neutralisation abdestilliert, bis das
Destillat 200 ccm beträgt; letzteres unterwirft man nochmals der Destillation,
sammelt 100 ccm Destillat, bestimmt hiervon das spezifische Gewicht und liest den
entsprechenden Alkoholgehalt aus der Tabelle von Helmer (Tabelle XVII am Schluß)
usw. ah; die so gefundene Menge Alkohol muß durch 4 dividiert werden, um die
in 400 ccm vorhandene Menge Alkohol zu erhalten usw.

Qualitativ prüft man auf Alkohol, indem man das Destillat mit einigen
Tropfen einer gesättigten Lösung von Jod in Jodkalium (1 Teil Jodkalium auf
5—6 Teile Wasser) versetzt, verdünnte Kalilauge zufügt, bis die braune Jodfarbe
fast verschwunden ist, darauf kurze Zeit in heißes Wasser stellt und ruhig er-
kalten läßt; bei vorhandenem Alkohol bildet sich ein gelber kristallinischer Absatz
von Jodoform bezw. bei geringen Mengen nur ein deutlicher Jodoform-Geruch.

5.	Prüfung auf Aldehyd. Hierauf prüft man das Destillat nach S. 685.

6.	Prüfung auf freie Mineralsäuren.

a)	Qualitative Prüfung. Man löst 0,1 g Methylviolett (und zwar B 2
No. 56 von der Farbenfabrik Bayer &amp; Co. in Elberfeld) in 1 1 Wasser und setzt zu
20—25 ccm Essig 4—5 Tropfen dieser Lösung zu. Bei Gegenwart von freien
Mineralsäuren entsteht bei viel vorhandener Mineralsäure eine grüne Farbe, hei
wenig vorhandener Mineralsäure eine blaue Färbung.

Einige, Tropfen einer Lösung von Tropäolin 00 erzeugen sofort rote
Wolken. Man soll auf diese W'eise noch 0,1—0,05 °/0 freie Mineralsäure erkennen
können; nötigenfalls ist der Essig vorher zu konzentrieren.

Oder man behandelt nach Föhring den Essig mit einem Stückchen hydra-
tischen Schwefelzinks: bei Anwesenheit von freien Mineralsäuren tritt Schwefel-
wasserstoffentwickelung auf. Dieses Verfahren soll sich auch zur quantitativen Be-
stimmung eignen.

Wenn man 50—100 ccm Essig unter Zusatz von etwas Stärke (0,01 g) auf 1/s ein-
dunstet und dann Jodlösung zusetzt, so tritt bei Gegenwart von freier Mineral-
säure (Schwefelsäure) keine Blaufärbung ein, weil die Stärke in Zucker übergeführt
ist; tritt dagegen Blaufärbung ein, so ist keine freie Schwefelsäure anzunehmen.

A. Vogel verwendet für den Zweck Kaliumjodidstärkelösung,1) welche sich
durch geringe Mengen freier Schwefelsäure nicht bläut, wohl aber nach Hinzufügen
von etwas Kaliumchlorat (Bildung von HC10). Man übergießt daher etwas
Kaliumchlorat mit dem zu prüfenden Essig, erwärmt und setzt obige Kaliumjodid-
stärkelösung zu; bei Anwesenheit von 0,2 °/0 Schwefelsäure tritt Blau- oder Violett-
färbung ein.

Wenn man ferner Essig unter Zusatz von einigen Körnchen Zucker in einer
weißen Porzellanschale auf dem Wasserbade zur Trockne verdampft, so hinter-
bleibt bei Gegenwart von freier Schwefelsäure ein dunkelbrauner bis schwarzer
Heck. J. Neßler wendet mit Zuckerlösung getränkte Papierstreifen an, welche
24 Stunden in dem Essig hängen bleiben, und welche bei Gegenwart von freier
Schwefelsäure gebräunte Streifen nach dem Trocknen zeigen.

x) Zur Bereitung derselben kocht man 3 g Kartoffelstärke mit 250 com Wasser,
versetzt mit 1 g Kaliumjodid und 0,5 g Natriumkarbonat, verdünnt auf 1/,, 1, läßt absitzen
hebt vom Bodensatz ab und verwendet die klare Lösung.
        <pb n="724" />
        ﻿702

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

h) Quantitative Bestimmung, cc) Salzsäure — Salpetersäure kommt
wohl kaum vor — 300 bis 500 ccm Essig werden mit vorgelegtem Kühler destilliert
und im Destillat die etwa vorhandene Salzsäure mit Silberlösung wie üblich
quantitativ bestimmt.

ß) Schwefelsäure (und Salzsäure). Nach A. Hilger1) werden 20 ccm des
fraglichen Essigs nach dem Tüpfelverfahren auf neutralem Lackrauspapier mit Normal-
Alkali genau neutralisiert, die neutrale Flüssigkeit bis auf etwa den 10. Teil ein-
gedampft, mit einigen Tropfen der obigen Methylviolettlösung versetzt, bis auf
etwa 3—4 ccm mit Wasser verdünnt und heiß mit Normal-Schwefelsäure bis zum
Farbenübergange, der sehr scharf eintritt, zersetzt. Die verbrauchte. Menge Normal-
Schwefelsäure wird vom verbrauchten Normal-Alkali abgezogen und der bleibende Rest
an Normal-Alkali auf Schwefelsäure umgerechnet. Es kann auch in der Siedehitze,
am besten in einer Porzellanschale gearbeitet werden.

Das Verfahren beruht darauf, daß das Natriumacetat bei 60—70° bezw. bei
Siedehitze durch Schwefelsäure vollkommen zersetzt wird. 1 ccm Normal-Alkali
= 0,049 g Schwefelsäure (H2 S04).

B. Kohnstein* 2 3) schüttelt 100 ccm des fraglichen Essigs mit frisch aus-
geglühtem Magnesiumoxyd, bis die Flüssigkeit nicht mehr sauer reagiert und filtriert.
Vom Filtrat werden 25-—50 ccm in einer Platinschale zur Trockne verdampft und
der Rückstand bei nicht zu hoher Temperatur geglüht. Essigsaures Magnesium
geht hierbei in unlösliches kohlensaures Magnesium über, während schwefelsaures
und Chlor-Magnesium (herrührend von freier Schwefelsäure und Salzsäure) bestehen
und löslich bleiben. Man löst daher in Wasser, filtriert und bestimmt im Filtrat
nach Entfernung von etwa vorhandenem Kalk die Magnesia als Pyrophosphat,
zieht von dieser Menge die ürsprünglich im Essig vorhandene Magnesia ab und
berechnet aus dem Rest die dieser Magnesia entsprechende Menge freie Schwefel-
oder Salzsäure.

M. Vizern8) macht gegen dieses Verfahren geltend, daß das kohlensaure
Magnesium in Wasser nicht unlöslich ist, und schlägt folgendes, allerdings sicherere
Verfahren vor:

In etwa 50 ccm des fraglichen Essigs wird die Gesamtmenge Mineralsäure,
also Schwefelsäure durch Fällen mit einer salzsauren Chlorbayum-Lösung, Salz-
säure nach Neutralisieren mit Alkali und Wiederansäuren mit Salpetersäure durch
Silberlösung wie üblich bestimmt. Wenn keine freien Säuren dieser Art vorhanden
sind, so entstehen auf diese Weise nur schwache Trübungen. Darauf werden 50 ccm
Essig in einer Platinschale zur Trockne verdampft, der Rückstand geglüht und im
Glührückstande ebenfalls wie oben die vorhandene Menge Schwefel- oder Salzsäure
bestimmt. Die Differenz zwischen der ersten und letzten Bestimmung gibt die
Menge freie Säure, da diese durch Glühen des Rückstandes verflüchtigt werden.

Freie Salpetersäure kann nach S. 145 u. ff. durch Bestimmung derselben
im natürlichen Essig und im eingedampften und geglühten Rückstände ermittelt
werden.

7. Fremde, freie organische Säuren. Freie Weinsäure4 *) wird wie bei
„Wein“ bestimmt.

4)	Archiv f. Hygiene, 8, 448.

2)	Dinglers polyt. Journal 1885, 256, 128.

3)	Chem.-Ztg. 1886, 10, Repertorium S. 83.

4)	In Weinessig kann unter Umständen auch freie Weinsäure als natürlicher Be-

standteil aus dem verwendeten Weine herrühren.
        <pb n="725" />
        ﻿Essig.

703

Etwa vorhandene Oxalsäure gibt sich durch Zusatz von Gipslösung zu
erkennen und kann durch Filtrieren, Glühen und Wägen des Kalkes quantitativ
bestimmt werden. (1 g CaO = 1,286 g Oxalsäure.)

8.	Scharfe Pttanzenstoffe. 50 oder 100 ccm Essig werden mit Alkali oder
kohlensaurem Alkali genau neutralisiert und eingedampft; der mit Wasser wieder
aufgenommene Rückstand darf nicht scharf schmecken oder an Äther keine Be-
standteile abgeben, welche einen scharfen Geschmack besitzen. Uber den chemischen
Nachweis von Bitterstoffen vergl. 693 und unter „Bier“.

9.	Nachweis von Metallen. Zum Nachweise von Metallen werden 200—500 ccm
verdampft, der Rückstand bei farblosen, extraktarmen Sorten direkt mit salzsäure-
haltigem Wasser aufgenoramen und in die (nötigenfalls filtrierte) Lösung Schwefel-
wasserstoff geleitet. Oder man äschert den Trockenrückstand unter Zusatz von
etwas Soda und Salpeter ein und verfährt zum Nachweise bezw. zur quantitativen
Bestimmung der Metalle nach S. 203. Auf Kupfer kann auch bei farblosen Essig-
sorten wie bei Branntwein (S. 694) geprüft werden,

10.	Nachweis von Farbstoffen. Für die Färbung des Essigs kommen dieselben
Farbstoffe wie bei den Spirituosen (S. 692) bezw. dem Wein in Betracht, und
werden die Farbstoffe auch wie bei diesen nachgewiesen.

11.	Nachweis von Frischhaltuugsmitteln. Dem Einmachessig werden mit-
unter zur Erhöhung der haltbarmachenden Wirkung noch stärker wirkende Frisch-
haltungsmittel, vorwiegend Salizylsäure, zugesetzt. Dieselbe weist man nach
Ausschütteln des Essigs mit Äther wie bei Milch S. 479 nach. Behufs Nachweises
der Borsäure wird der Essig alkalisch gemacht, eingedampft, verascht und die
Asche wie bei Milch S. 480 auf Borsäure geprüft. Den Formaldehyd kann man
direkt im Essig, oder nach vorheriger Destillation wie bei Milch S. 482 nachweisen,
wobei zu berücksichtigen ist, daß nach B. Farnsteiner1) Essig, der keinen Zusatz
von Formaldehyd erhalten hat, ebenfalls eine schwache Formaldehydreaktion
gehen kann.

12. Unterscheidung der einzelnen Fssigsorteu. Die einzelnen Essigsorten lassen
sich nur im unvermischten Zustande einigermaßen sicher unterscheiden.

Branntweinessig hat einen rein sauren Geschmack und hinterläßt nur
wenig Abdampf- und Glührückstand — letzterer ist von neutraler oder schwach
alkalischer Reaktion —•.

Wein-, Bier- und Obstessig liefern dagegen mehr oder weniger Abdampf-
rückstand (0,50—-1,50 %) und eine alkalisch reagierende Asche mit mehr oder
weniger Kali und Phosphorsäure. Die Asche beträgt selten weniger als 0,26 °/0.

Der Obst- und Weinessig kann ferner an dem Gehalt von Glyzerin, be-
sonders aber an dem von Äpfelsäure bezw. Weinstein erkannt werden. Zur
Bestimmung von Weinstein verdampft man etwa 1/2 1 Essig auf 100 ccm ein, setzt
nach dem Erkalten ein gleiches Volumen Alkokol zu und läßt eine Zeitlang stehen;
der sich alsdann ausscheidende Weinstein wird gesammelt und wie unter „Wein“
angegeben ist, bestimmt.

Mitunter enthalten die Weinessige auch freie Weinsäure, welche wie bei
»Wein“ bestimmt werden kann. Hierbei ist indes zu bemerken, daß dem Brannt-
wcinessig zuweilen Weinsäure zugesetzt wird.

Die Obst- (Äpfel- und Birnen-) Essige (Cideressig) lassen sich an ihrem
rehalt an freier Äpfelsäure erkennen. Man dampft eine größere Menge des
ss!gs ein und fällt mit Bleiacetat, welches bei Gegenwart von Äpfelsäure einen

l)	f orsohungsberiohte über Lebensmittel 1896, 3, 54.
        <pb n="726" />
        ﻿704

Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.

weißen voluminösen Niederschlag bewirkt. Man kann denselben abfiltrieren, durch
Schwefelwasserstoff zerlegen, das Filtrat von Schwefelbloi zur Trockne verdampfen,
mit Wasser aufnehmen, titrieren, um die Menge Äpfelsäure annähernd quantitativ
zu erfahren, oder man erwärmt das von Schwefelwasserstoff befreite Filtrat mit
Calciumkarbonat, filtriert und weist das äpfelsaure Calcium mikroskopisch an seiner
Kristallform nach.

Bier-, Malz- und Stärkezucker-Essig enthalten durchweg Dextrin,
welches durch Vermischen mit gleichviel starkem Spiritus ausgeschieden werden kann.

0. Hehner1) will an dem Phosphorsäure-Gehalt der Asche erkennen
können, ob Bier- bezw. Malzessig vorliegt. Zunächst läßt sich annähernd der ur-
sprüngliche Troekengehalt der Würze berechnen, indem man zu dem Trocken-
substanzgehalt des Essigs die 1,5-fache Menge der gefundenen Essigsäure hinzurechnet
— denn 120 Teile Essigsäure entsprechen annähernd 180 Teile Glukose —; diese Menge
ist natürlich zu gering, da bei der Essigbereitung sowohl Alkohol als Essigsäure
verflüchtigt wird. Wenn man aber auf 100 °/0 Trockensubstanz der ursprünglichen
Malzwürze 0,7—0,8 °/0 Phosphorsäure rechnen kann, so müssen 100 °/0 berechnete
Trockensubstanz des Essigs (also Extraktgehalt des Essigs -f- die 1,5-fache Menge
Essigsäure desselben) mehr als 0,7—0,8 °/0 oder mindestens diese Menge Phosphor-
säure enthalten, was auch durch Untersuchung von 5 Sorten echter Malzessige be-
stätigt wurde. Essige, welche auf die vorstehend berechnete Menge Trockensubstanz
weniger als 0,7 °/0 Phosphorsäure enthalten, können nach Hehner nicht mehr als
reine Bier- bezw. Malzessige angesehen werden.

Das aus konzentrierter Essigsäure, der Essigessenz, durch Vermischen mit
etwas Essigäther und Aromastoffen und durch Färben mit Zuckercouleur, hergestellte
Erzeugnis bezw. der Holzessig hat nur wenig Ah dampf rückstand und Asche, kann
auch kleine Mengen von Teerbestandteilen (Phenolen, brenzlichen Stoffen usw.)
enthalten.

Für die Unterscheidung des Gärungsessigs von dem aus Essigsäure
(Essigessenz bezw. Holzessig) hergestellten Erzeugnis kann die mikroskopische
und bakteriologische Untersuchung mit herangezogen werden.

Ferner werden für diese Unterscheidung von F. Rothenbach* 2) folgende
Reaktionen angegeben:

50 com des zu prüfenden Essigs werden mit 20—30 ccm reinem, alkoholfreiem
Chloroform im Scheidetrichter geschüttelt. Emulsionen beseitigt man durch Zusatz von
Wasser und starkes Abkühlen des Gemisches. Die Chloroformschicht wird dann durch ein
trocknes Filter filtriert und stark abgekühlt; hierbei tritt eine weißliche Trübung des Chloro-
forms auf. Auf Zusatz von 2—3 ccm Nitriersäure (hergestellt durch Mischen von 10 Teilen
konzentrierter Schwefelsäure und 11 Teilen rauchender Salpetersäure unter Kühlung), die
ebenfalls gekühlt ist, bildet sich bei Gegenwart von Gärungsossig zwischen beiden Flüssig-
keiten eine deutliche duukelrote Zone. Nach vorsichtigem Schütteln nimmt die Chloro-
formschicht eine deutlich rote Färbung an, während die untere Schicht farblos bleibt. Die
Färbung ist längere Zeit beständig. Mit Essenzen hergestellte Erzeugnisse geben keine
gefärbte Zone. Bei dem Gärungsessig ist die Reaktion um so stärker, jo hochprozentiger
der Essig ist.

Oder nach einer anderen Vorschrift:

„In ein Reagensglas wird mittels Pipette 1 com der zu prüfenden Flüssigkeit ge-
bracht, die Flüssigkeit wird hierauf mit 0,1 ccm 1/10 N.-Jodlösung und 0,2 ccm konzen-
trierter Schwefelsäure versetzt, dann umgeschüttelt und abgekühlt.“

x) The Analyst 1891, 16, 81.

2)	Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 817.
        <pb n="727" />
        ﻿Essig.

705

Die auftretenden Erscheinungen sind:

1.	Konzentrierte Essigessenz gibt eine blanke dunkelrote Färbung.

2.	Mit Wasser verdünnte 1 °/0-ige Essenz gibt eine blanke, hellgelbe Färbung.

3.	Keiner Gärungsessig gibt eine dunkelrote Färbung; die Flüssigkeit wird aber bald
trübe und völlig undurchsichtig; an der Oberfläche bildet sich eine grünliche Schicht.

4.	Keiner mit Wasser verdünnter Gärungsessig gibt ebenfalls eine dunkelrote Färbung
und wird bald trübe.

5.	Ein Gemisch von 100 ccm 10°/0-igem Gärungsessig und 20 ccm Essigessenz: blank
gelblichrot.

а.	Destilliert man Gärungsessig und prüft dann das Destillat und den Rückstand,
so beobachtet man folgende Erscheinungen:

a) Das Destillat zeigt eine hellgelbe Färbung und bleibt blank;
ß) der Rückstand zeigt eine duukelrote Färbung und wird trübe und undurch-
sichtig.

b)	Übergießt man neue Essigspäne mit Essigessenz und läßt längere Zeit stehen,
so erhält man nach dem angegebenen Verfahren eine dunkelrote Färbung; die
Flüssigkeit bleibt blank.

13. Anhaltspunkte zur Beurteilung des Essigs. 1. Speiseessig soll im allgemeinen
3,5—4,0 °/0, keinesfalls unter 3% Essigsäure (C2H40.2) enthalten.

G.	Popp1) hat zwar nachgewiesen, daß man zur Verbesserung des Geschmackes von
Speisen, selbst von alkalisch beschaffenen Speisen mit 2 °/0-igem Essig ebensoweit kommt,
als mit 3 °/0-igem Essig, daß ferner 2 °/0-iger Essig zur Haltbarmachung von Nahrungs-
mitteln dieselben Dienste leistet, als 3 °/0-iger Essig; nichtsdestoweniger soll nach G. Popp
aü 3 °/0 Essigsäure als Mindestmenge im Essig — die deutschen Essig-Fabrikanten fordern
sogar 3,5 °/0 — festgehalten werden, weil ein Essig unter 3 °/0 Essigsäure beim Auf-
bewahren durch Kahmhautbildung und das reichliche Auftreten von Essigälchen leicht

verdirbt.

2.	Derselbe soll klar und durchsichtig sein. Durch Essigälchen getrübter oder mit
Pilzwucherungen bedeckter Essig ist zu beanstanden.

Speiseessig darf:

3.	keine giftigen Metalle,

4.	keine scharf schmeckenden Stoffe,

5.	keine Teerbestandteile (Phenole oder brenzliche Stoffe),3)

б.	keine freien Mineralsäuren enthalten.

7.	Essig muß frei von Frischhaltungsmitteln sein, wenn nicht die Bezeichnung einen
besonderen Hinweis auf solche enthält.

*) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 952.

3)	Von einigen Seiten (vergl. E. Hintz, Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u.
Genußmittel 1899, 2, 132) wird der Essigessenz. (Holzessig) wegen ihrer größeren Halt-
barkeit vor dem Gärungsessig der Vorzug gegeben und hervorgehoben, daß auch der
kpritessig ein Kunsterzeugnis ist — im Gegensatz zu dem Bier-, Obst- und Weinessig als
Naturerzeugnissen —. Das kann aber kein Grund sein, daß im Handel der Holzessig von
dem Gärungsessig auch durch seine Bezeichnung unterschieden werden soll, damit der
Aaufer weiß, welches Erzeugnis er vor sich hat.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

45
        <pb n="728" />
        ﻿Bier und seine Rohstoffe

A.	Rohstoffe.

I.	Wasser.

Ein Wasser für die Bierbereitung, wie für die meisten technischen Betriebe
zur Verarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, muß dieselbe gute Be-
schaffenheit besitzen wie Trinkwasser, vor allen Dingen klar, hell, geruchlos
und rein sein.

Ein an organischen Stoffen reiches Wasser liefert ein weniger haltbares Bier
und befördert beim Einweichen der Gerste die Schimmelbildung; ein Wasser, welches
Ammoniak, salpetrige Säure und Schwefelwasserstoff enthält, muß von jeglicher
Verwendung ausgeschlossen werden. Auch ein Eisengehalt von über 4—5 mg in 1 1
gilt als störend.

Im übrigen können recht verschiedenartige Wässer mit gleichem Erfolge für die
Bierbrauerei verwendet werden.

Ein hoher Gehalt des Wassers an den Bikarbonaten von Kalk und Magnesia
soll beim Einweichen der Gerste insofern günstig sein, als er die Lösung von Proteinstoffen
und Phosphorsäure vermindert, dagegen insofern nachteilig, als er den Weichvorgang ver-
langsamt. Nach Ullik hängt indes die Menge der gelösten organischen Stoffe beim Ein-
weichen der Gerste weniger von der Beschaffenheit des Wassers als von der Dauer der
Einweichung ab. Auf den Gärvorgang können die Bikarbonate keinen Einfluß ausüben,
weil sie beim Kochen der Würze ausgefällt werden; höchstens können sie hierbei etwas
Phosphorsäure mit ausfällen, aber es geschieht jedenfalls nicht in dem Maße, daß die Hefe
an diesem wichtigen Nährstoff Mangel leiden könnte.

Ein mäßiger Gehalt an Calciumsulfat (Gips), etwa 200—300 mg für 1 1, wird
als vorteilhaft angesehen, indem er ein zu weit gehendes Auslaugen in der Mälzerei ver-
hindern, die Bruchbildung (Abscheidung der Biweißstoffe) beim Würzekochen unterstützen
und die Hefe mit dem unentbehrlichen Kalk als Nährstoff versorgen soll. Gipsfreie bezw.
-arme Wässer sucht man durch künstlichen Zusatz an Gips anzureichern. Ein zu hoher
Gipsgehalt (über 1000 mg für 1 1) gilt jedoch als nachteilig; ebenso sind größere Mengen
Magnesiumsulfat schon wegen ihrer abführenden Wirkung verwerflich.

Gewisse Mengen von Chlornatrium (bis 750 mg in 1 1) gelten, besonders für die
Herstellung dunkeier, voll- und süßschmeckender Biere, als günstig; das trifft aber nur
dann zu, wenn das Chlornatrium aus natürlichen, nicht verunreinigten Bodenschichten her-
rührt. Entstammt dasselbe aber Bodenschichten, welche mit kochsalzreiohen, menschlichen
oder tierischen Abfallstoffen duroktränkt sind, so ist der höhere Gehalt an Chlornatrium
wegen der sonstigen, dasselbe verunreinigenden Bestandteile zu verwerfen; mehr als 1000 mg
Chlornatrium in 1 1 Wasser beeinträchtigen zudem die Keimung, Gärung wie Klärung.

Größere, 10—20 mg in 1 1 übersteigende Mengen Kali deuten in der Hegel1) auf
Verunreinigungen vorstehender Art hin und sind nachteilig; als besonders nachteilig gelten
xllkalikarbonate bezw. -bikarbonate, weil sie die diastasische Wirkung bezw. Verzuckerung
sowie die Bruchbildung beim Würzekochen schwächen und der Würze einen rauhen
Hopfengeschmaok verleihen.

J) Ausgenommen sind natürlich Verunreinigungen durch Zuflüsse aus der Bau-
industrie.
        <pb n="729" />
        ﻿Wasser. Gerste.

707

Wichtig für die Beurteilung eines Brauereiwassers ist die Frage, wie sich die
Mikroorganismen desselben zu Würze und Bier verhalten. Hansen gibt behufs
Prüfung dieser Frage in 20 bezw. 25 Stück Freudenreich-Kölbchen je 20 ccm Würze oder
Bier, versetzt dieselben nach dem Sterilisieren mit je einem Tropfen (1/25 ccm) des be-
treffenden Wassers und lädt die Fläschchen 8 Tage bei 25° im Thermostaten und 8 Tage
bei gewöhnlicher Zimmertemperatur stehen. Die Zahl der Fläschchen, in welchen die
Nährlösung angegriffen erscheint, wird mit 5 bezw. 4 multipliziert, um das Ergebnis in
Prozenten auszudrücken.

Pr. Sohwackhöfer hat auf diese Weise 60 Brauereiwässer biologisch sowie chemisch
untersucht und dieselben je nach ihrer Verwendbarkeit in 5 Gruppen eingeteilt, aus denen
hier folgende Untersuchungen1) mitgeteilt werden mögen.

(Siehe Tabelle S. 708.)

II. Gerste.

Zur Bierbrauerei ist, wie schon S. 304 erwähnt ist, nur die bespelzte Gerste
geeignet und wird dazu fast ausschließlich die Sommergerste der 2-zeiligen Varietät
Hordeum distichum und H. erectum verwendet, unter welchen besonders die Chevalier-
gerste und deren Abkömmlinge (die Hanna- und ungarische Gerste, ferner die Land-
gersten; Franken-, Saale-, Eeis- und bayerische Gerste) als Braugerste besonders
geschätzt werden. Von einer guten Braugerste wird verlangt, daß sie eine tunlichst
hohe Extraktausbeute liefert, sich leicht verarbeiten läßt und bei sachgemäßer Be-
handlung ein haltbares Bier liefert. Die Beurteilung der Braugerste findet einerseits
Euch äußeren Merkmalen, andererseits nach besonderen Eigenschaften und der
chemischen Zusammensetzung statt. Nach diesen Eichtungen kommen in Betracht:2)

1.	Die Farbe. Die Farbe der Braugerste soll tunlichst gleichmäßig hellweiß
oder hellgelb sein. Eine gelblich-braune oder graue Farbe deutet auf hohen Protein-
gehalt, eine braune und schwarze Farbe der Spitzen auf Pilzwucherungen bei stark
beregneten Gersten und infolgedessen auf eine geringe Keimfähigkeit hin.

2.	Der Geruch soll frisch, strohartig, keinenfalls dumpf und schimmelig sein.

3.	Die Korngröße soll tunlichst gleichmäßig sein; eine mittlere Korngröße,
hei der 1000 Korn 38—44 g wiegen, gilt als die beste; großkörnige Gersten haben
45—60 g5 kleinkörnige — auch noch verwendbare — Gersten 36—38 g Tausend-
Körner-Gewicht. Gersten mit noch niedrigerem Tausend-Kbrner-Gewicht gelten als
unbrauchbar für Brauereizwecke, weil sie — mit Ausnahme der Wintergerste —
Proteinreich und stärkearm sind. Großkörnige Gerste läßt sich nicht so leicht ein-
Weichen als mittelkörnige Gerste.

4.	Das Hektoliter-Gewicht schwankt in folgenden Grenzen:

leichte	mittlere	schwere Gerste

62—63 kg 64—67 kg	68—72 kg.

Ein hohes Hektoliter-Gewicht deutet durchweg auf stärkereiche und protein-
arme Gerste hin und wird daher gewünscht. Indes kann auch eine eiweißreiche,
^ber spelzenarme Gerste ein hohes, eine stärkereiohe, aber bauchige Gerste, deren
Körner sich nicht so dicht Zusammenlegen als flache Gerste, ein niedriges Hektoliter-
Gewicht haben. Uber die Bestimmung des letzteren vergl. S. 443.

Als ein dem Hektoliter-Gewicht entsprechender Ausdruck gilt auch der für
(16 Sp

errigkeit der Gerste; darunter versteht man die Anzahl Liter, welche
1 kg Gerste einnehmen. Man bestimmt die Sperrigkeit mit dem Getreideprüfer

*) Vergl, C. J. Lintner, Grundriß d. Bierbrauerei. Berlin 1898, 24 und 25.

2) Vergl. ebenda. Berlin 1905.

45*
        <pb n="730" />
        ﻿Bier, und seine Rohstoffe.

Gruppe	Chemische Bestandteile, mg in 1 1:												Biologische Untersuchung;				Ungünstig oder  nicht ver- wendbar wegen  Befundes
	Abdampfrückstand	Eisenoxyd	"öS  M	Magnesia	Alkalien	Chlor	Salpetersäure	Schwefelsäure	Kohlensäure	Ammoniak	Salpetrige Säure	Zur Oxydation  erforderlicher Sauerstoff	*  Mikrophyten  in 1 ccm  Wasser  auf	auf  Pepton- Würze-  Gelatine		Zerstö  Proz.  angest  Prol  Würze	rt in  der  eilten  )en  Bier	
L |	263,8	1,2	135,2	3,9	3,0	Spur	0,0	0,0	109,5	0,0	0,0	0,0	56	0	0	0	—
Vorzüglich ge--!	429,6	0,0	140,6	47,6	6,8	2.1	0.0	12,6	159,2	0,0	0,0	1,2	165	0	0	0	—
eignet	'	443,4	2,8	128,6	53,4	3,9	22,0	17,4	69,7	84,2	Spur	0,0	1,4	609	0	0	0		 ‘
TT	I	496,0	0,6	149,8	59,3	45,2	17,0	0,0	71,6	147,8	0,0	0,0	0,6	3260	0	0	0	—
II.	1	540,4	0,0	135,4	74,8	1,7	2.5	0,0	30,8	171,4	0,0	0,0	2,2	785	0	0	0	—
Gut geeignet [	430,8	1,0	128,6	52,3	22,0	11,5	0,0	69,2	109,0	0,0	0,1	0,4	6120	0	8	0	—
III.	,	748,0	2,8	196,0	51,2	83,7	37,1	83,7	88,5	124,0	0,0	1,0	1,8	583	0	0	0	chemischen
Noch verwend- j	766,0	2.8	183,6	29,0	84,4	72,3	37,3	68,4	147,0	Spur	1,9	4,0	4134	0	8	0	desgl.
bar	'	232,4	1,5	96,0	8,5	6,2|Spur		0,0	4,8	80,1	0,0	0,0	0,2	7176	0	32	0	biologischen
!V.	,	778,4	6,6	171,4	71,4	72,7	88,3	4,5	99,6	156,0	2,1	deutlich	2.8	46700	0	70	0	ehern, u. biolog.
Nur im Notfall	287,3	6,2	96,3	13,7	11,1	10.0	0,0	40,6	68,4	0,0	0,0	1,6	6000	0	• 80	8	biologischen
zu verwenden '	390,0	2,5	101,2	28,9	12,0	13,3	32,7	47,2	66,0	0,0	0,0	0,9	8456	0	20	19	desgl.
	2724,4	4,6	836,8	117,5	88,0	16.8	18,4	1278,8	164,0	2,1	5,7	2,2	0	0	—	—	chemischen
V- J	165,2	2,4	69,2	21,0	9,9	2,8	0,0	—		2,0	1,3	2,2	769730	—	100	4	biologischen
Unverwendbar |  : i '■*	771,4	2,8	182,6	76,7	55,1	11,6	0,0	219,4	143,6	23,4	5,1	0,4	121687		100	60	ehern, u. biolog.
        <pb n="731" />
        ﻿Gerste.

709

von Friedr. Lux in Ludwigshafen,1) indem man an einer Wage mit eingeteiltem
Glasgefäß ahliest, wieviel Raum 160 g abgewogene Gerstenkörner einnehmen.

Durch Division der für die Sperrigkeit gefundenen Zahl in 10000 erhält man
das Hektolitergewicht, umgekehrt durch Division mit dem Hektoliter-Gewicht in
10000 die Sperrigkeit.

5. Die Spelzeubeschaffenheit. Die Spelzen können die Beschaffenheit des
Bieres dadurch beeinträchtigen, daß aus ihnen, besonders aus groben Spelzen,
bitter- oder rauhschmeckende Stoffe ausgezogen und ins Bier übergeführt werden
können; aus dem Grunde werden feinspelzige Gersten den grobspelzigen vorgezogen,
obschon der absolute Gehalt an Spelzen bei letzteren nicht erheblich höher ist; er
beträgt nach Fr. Schönfeld'3) bei dünnspelzigen Gersten 6,5—7,5 °/0, bei grob-
spelzigen bis 9,5 °/0, bei Wintergersten bis 11,5 °/0 der Körner.

Ein genaues Verfahren zur Bestimmung der Spelzen gibt es nicht. Ein
Verfahren besteht (vergl, E. Prior,1) S. 57) darin, daß man eine gewogene An-
zahl Körner während 24 Stunden in 5 °/0-iger Schwefelsäure bei gewöhnlicher
Temperatur einweicht, dann mit kaltem Wasser auswäscht und die zurückgebliebenen
Spelzen trocknet und wägt. Nach einem anderen Verfahren (von Hooky und
Klose) sollen die Gerstenkörner — in einer abgewogenen Menge —- mittels der
Luftpumpe luftleer gemacht und dann mit Wasser eingeweicht werden; hierdurch
sollen sich die Spelzen nach wenigen Minuten leicht von den Körnern ablösen und
dem Gewichte nach feststellen lassen.

C. Keimfähigkeit und Keimungsenergie. Eine Gerste ist um so besser, je
höher die Keimfähigkeit und Keimungsenergie ist bezw. je näher dieselben zu-
sammenliegen. Unter Keimungsenergie versteht man den Prozentsatz der inner-
halb 3 Tagen bei Zimmertemperatur gekeimten Körner, unter Keimfähigkeit die
Gesamtmenge der keimfähigen Körner nach 10—12 Tagen. Die Keimungsenergie
soll bei guter Gerste mindestens 90 °/0, die Keimfähigkeit mindestens 95 °/0 betragen,
über die Bestimmung derselben vergl. S. 438—443.

7.	Beschaffenheit des Mehlkörpers oder Endosperms (Schnittprobe). Man
unterscheidet mehlige, halbmehlige, halb- und ganzglasige (oder -speckige) Gerste.
Lei letzterer sind die Zellen von Stärke und Plasma völlig erfüllt, bei mehliger
Gerste schließen dieselben noch Luft, ein; aus dem Grunde läßt sich diese leichter
verarbeiten und liefert mehr Ausbeute als speckige oder glasige Gerste. Die Be-
schaffenheit des Mehlkörpers wird gewöhnlich durch Durchschneiden der Körner
mittels des Farinotoms (z. B. von Printz in Karlsruhe) festgestellt, und werden
Körner, die nur eine Spur einer weißen Stelle (in der Mitte oder am Rande) zeigen,
zu den halbmehligen Körnern gerechnet. Man soll mindestens 5-mal je 100 Körner
Durchschneiden. Da die glasigen Körner durchsichtig sind, so bedient man
sich zur Feststellung der Beschaffenheit des Mehlkörpers auch des Diaphanoskops
von Ashton.

8.	Schimmelige Beschaffenheit. Stark beregnete oder feucht aufbewahrtc
oezw. havarierte Gerste ist mehr oder weniger stark verschimmelt. Über den
Lachweis des Schimmels vergl. S. 253 und 419.

9.	Chemische Zusammensetzung der Gerste. Eine Gerste ist für Brauerei-
zwecko um so besser, je mehr Extraktausbeute sie liefert; diese schwankt zwischen

8	80 °/0 der Trockensubstanz, geht aber bei schlechten Gersten wohl unter 68 °/0

_	9 Vergl. Eugen Prior, Chemie und Physiologie des Malzes und des Bieres.

Leipzig 1896.

') Pr. Schönfeld, Die Herstellung obergäriger Biere. Berlin 1902, 8.
        <pb n="732" />
        ﻿710

Bier und seine Rohstoffe.

herunter. Im allgemeinen ist die Extraktausbeute um so größer, je stärkereichcr
die Gerste ist; aus dem Grunde werden stärkereiche und proteinarme Gersten für
Brauereizwecke vorgezogen. Nach Fr. Schönfeld enthalten;

edle Gersten mittelgute Gersten geringwertige Gersten
Protein . . .	7—10 ®/0	10—12 %	12 — 15 °/0-

C.	J. Lintner hält indes schon 11 °/0 Protein und mehr in der Regel für
zu hoch in einer Brauereigerste.

Uber die Bestimmung des Proteins vergl. S. 208, der Stärke S. 238, der
Eohfaser S. 245 usw. Auch empfiehlt sich für Brauereigerste unter Umständen
die Bestimmung des Gehalts an in kaltem Wasser löslichen Stickstoffverbindungen,
denn je mehr lösliches Eiweiß in der Gerste vorhanden ist, desto größer „scheint“
das diastasische Vermögen des Malzes zu sein, das aus der Gerste erzeugt wird.

III.	Malz.

Für die Untersuchung von Malz haben die Brauerei-Versuchsstationen in
Berlin, Hohenheim, München, Nürnberg, Weihenstephan, Wien und Zürich nach-
stehende Vereinbarungen1) getroffen:

1.	Probenahme. Die zur Untersuchung dienende Malzprohe soll einer wirklichen
Durchschnittsprobe entsprechen. Unter Berücksichtigung, daß aufgeschüttetes Malz in
den verschiedenen Teilen des Haufens ungleiche Zusammensetzung hat, ist die ganze
Malzpartie vorher gründlich um- und überzuschaufeln. Alsdann werden von ver-
schiedenen Stellen möglichst viele gleiche Proben entnommen, gut gemischt und aus
dieser Mischung die Untersuchungsprobe gezogen. Ein Probestecher ist für die Probe-
nahme sehr dienlich, weil er gestattet, aus verschiedenen Tiefen Proben zu holen.
Bei in Silos lagerndem Malze ist es besonders wichtig, aus allen Tiefen die zur
Herstellung der Durchschnittsprobe dienenden Anteile zu erhalten. Von in Säcken
lagerndem Malze sind Stichproben aus mehreren Säcken und aus verschiedenen
Tiefen des Sackinhaltes zur Probemischung zu entnehmen.

2.	Größe und Verpackung der Probe. Die Menge des zur Untersuchung ein-
zusendenden Malzes soll mindestens 500 g betragen. Die Verpackung muß eine
weitere Veränderung des Malzes, hinsichtlich des Wassergehaltes insbesondere, aus-
schließen. Glasflaschen (Bierflaschen) mit Korkstöpsel oder Patentverschluß, Pulver-
gläser mit eingeriebenem Stöpsel, Konservengläser oder auch gut schließende Blech-
gefäße sind dazu geeignet. Steinkrüge, Kartons, Säcke oder Holzschachteln sind
ausgeschlossen.2)

3.	Nähere Angaben. Es sollen zu einer jeden Malzprobe möglichst nähere
Angaben gemacht werden über den Zweck der Einsendung; ferner: a) über Gersten-
provenienz, b) Art des Mälzens, c) Darrung, d) Alter des Malzes vom Abdarren an
gerechnet, e) Lagerung (Silo, Kasten, Säcke oder Haufen).

4.	Untersuchung.

A.	Mechanische Untersuchung, a) Hektolitergewicht. Dasselbe ist
mit dem neuen Getreideprober (der von der deutschen Normal-Eichungskommission
eingeführten Getreidewage) festzustellen, vorläufig ohne Korrektur (vergl. S. 444).

h) Das Tausend-Körner-Gewicht ist mindestens zweimal mit je 500
Körnern zu ermitteln. Das erhaltene Gewicht ist auf Malztrockensubstanz zu be-
rechnen.

x) Zeitschr. f. d. gesamte Brauwesen 1903, 26, 523.

3)	Im Falle der ausnahmsweisen Untersuchung einer in solcher Verpackung ein-
gegangenen Probe ist dies im TJntersuchungsbericht besonders zu bemerken.
        <pb n="733" />
        ﻿Malz.

711

c)	Größe der Körner. Dieselbe ist mittels der Vogelschen Sortiersieb-
vorrichtung festzustellen, welche zweckmäßig mit einem Schüttelapparat betrieben
wird und aus drei Sieben von 2,8, 2,5 und 2,2 mm Schlitzweite besteht. Es sind
100 g Malz (lufttrocken) auf das Sieb zu bringen und durch 5 Minuten in Schüttel-
hewegung zu halten.

d)	Beschaffenheit des Mehlkörpers, durch die Schnittprobe mittels Farino-
toms (von Printz, Heindorf, Grohbecker) auszuführen mit mindestens 200
Körnern. Es wird in Prozenten angegeben der Gehalt an mürben, harten, halb-
ganzglasigen, weißen, gelben und braunen Körnern.

e)	Die Blattkeimentwickelung ist mindestens an 200 Körnern
zustellen. Es werden in Prozenten angegeben:

und

fest-

1.	Blattkeime unter

2.	„ von

3.

1ja Kornlänge.

*/.

a/3

n

4.	Blattkeime von

5-

6.	,, über

!/4 Kornlänge.
1
1

f)	Die Prüfung auf Reinheit des Malzes erstreckt sich auf verletzte Körner,
Schimmel, Unkraut, sonstige Verunreinigungen, sowie auf den Geruch.

B.	Chemische Untersuchung, a) Wasser. Zur Bestimmung des Wasser-
gehaltes im lufttrocknen Malze werden etwa 5 g Malz zerkleinert, in einem
Wägegläschen sofort gewogen und im gut ventilierten Trockenschrank bei einer
Temperatur von 105° oder in einem Vakuumapparat getrocknet. Die Trocken-
dauer darf vier Stunden nicht überschreiten. Wägegläschen mit eingeriebenem
Stöpsel sollen bei etwa 5—6 ccm Höhe einen Durchmesser von 3,5 cm besitzen.

b) Extraktausbeute. Dieselbe kann bestimmt werden im Feinmehl oder
im Grohschrot:

«) Feinmehl, d. i. ein Mahlgut, welches nach
einmaligem Durchgang des Malzes durch die
Mühle 83 °/0 Mehl auf dem Vogel sehen
Sortiersiebe bei 5 Minuten langem Schütteln,
bei 340—360 Touren in einer Minute, liefert.

Zum Maischversuch werden etwa 51 g
Malz gemahlen und davon genau 50 g im
Maischbecher abgewogen.

Grohschrot wird hergesteil t auf der Seck-
Mühle hei Stellung 25°.

Zum Maischversuch werden 50 g Malz
quantitativ geschrotet.

Extraktgewinnnng: 50 g Malzmehl bezw.

Schrot werden mit 200 ccm Wasser von 45° ein-
gemaischt und bei dieser Temperatur genau eine
halbe Stunde gehalten. Sodann wird die Temperatur
in weiteren 25 Minuten auf 70° gebracht, und
zwar derart, daß die Temperatursteigerung gleich-
mäßig in einer Minute um einen Grad erfolgt.

Bei 70° wird eine Stunde verweilt. Zum Maischen
bedient man sich zweckmäßig eines mechanischen
Rührwerkes. Zu schnelles und ungleichmäßiges
Bühren ist zu vermeiden.

ß)

Fig. 277. Apparat zur Ermittelung der
Extraktausbeute aus dem Malz.

Die Zeit, wann die Maische 70° erreicht hat, wird notiert und dann von da
an bis zum Verschwinden der Jodreaktion die Verzuckerungszeit gerechnet. 10 Mi-
nuten nach Erreichung der Maischtemperatur von 70° wird die erste Prüfung mit
        <pb n="734" />
        ﻿712

Bier und seine Rohstoffe.

Jod vorgenommen und dann weiter von 5 zu 5 Minuten. Man bringt zu diesem
Zwecke mittels eines Glasstabes einen Tropfen Maische auf eine Gipslamelle oder
weiße Porzellanplatte und setzt Jodlösung zu.

Die Jodlösung wird bereitet durch Auflösen von 1,276 g Jod und 4 g Jod-
kalium in einem Liter Wasser.

Die Verzuckerung ist als vollendet anzusehen, wenn kein Farbenumschlag
mehr bemerkbar ist.

Die Verzuckerungszeit ist in Intervallen von 5 zu 6 Minuten anzugeben.

Der Geruch der Maische ist zu beachten.

Nach Beendigung des Maischens wird der Becher aus dem Wasserbad genommen,
die Maische mit 200 ccm kaltem Wasser vermischt und rasch auf etwa 17° ab-
gekühlt. Die gekühlte Maische wird alsdann auf der Wage durch Zusatz von Wasser
auf das Gewicht von 400 g gebracht.

Die gewogene und gründlich durchgerührte Maische wird nunmehr auf ein
zur Aufnahme der ganzen Maische genügend großes, nicht befeuchtetes Faltenfilter
gegossen und in eine trockne Flasche bei bedecktem Trichter filtriert. Sobald
100 ccm Würze abgelaufen sind, werden diese zurückgegossen; dann läßt man die
Würze ganz ablaufen. Die Würze kann glänzend, klar, opalisierend, schwach oder
stark getrübt, rasch oder langsam ablaufen. Die gewonnene WTirze dient zur Er-
mittelung des Extraktes und der näheren Extraktbestandteile.

c)	Extraktbestimmung. Die Dichte der Würze wird bei genau 14° R. =
17,5° C. mit enghalsigem Pyknometer bestimmt und aus der B all in gschen Tabelle
(No. XIII im Anhänge) der Extraktgehalt entnommen. Der Wasserwert der Pyknometer
ist von Zeit zu Zeit festzustellen. Die Extraktausbeute ist sowohl auf das lufttrockne
Malz als auch unter Zugrundelegung des ad Ba S. 711 gefundenen Wassergehaltes auf
Malztrockensubstanz zu berechnen. Im Untersuchungsberichte werden beide Werte,
auf 1/10°/o abgerundet, angegeben mit dem Zusatze im Peinmehl bezw. Grobschrot.

Die Extraktausbeute berechnet sich unter Benutzung der Ballingschen Tabelle:
a) für lufttrocknes Malz nach der Gleichung:

P = IÖ(ti(w + 2H)&gt;

b) für wasserfreies Malz;

100 p

Pl = _T’

worin bedeutet:

e = Bxtraktgehalt der Würze, z. B. = 9,35 °/0,
w = Wassergehalt des Malzes in Prozenten, z. B. = 4,35°/0,

H = das zur Herstellung der Würze zugesetzte Wasser (350 g),
f = Malztrockensubstanz, z. B. = 96,65 °/0.

Es ist alsdann Bxtraktausheute des natürlichen Malzes:

q afs

P = t)o|5(4:35 + 700) = 72’68&lt;,/»’

oder auf Trockensubstanz berechnet:

Pi =

100 x 72,68
95,66

75,96 %.

Je rascher ein Malz verzuckert, desto besser, diastasereicher ist es; umgekehrt ist
aber ein schlecht verzuckerndes Malz nicht immer ein unbrauchbares. Die meisten Malze
verzuckern zwischen 15—45 Minuten. Das Optimum der Verzuckerungszeit ist nach
Lintner 30, nach Aubry 45 Minuten, schlecht verzuckernde Malze brauchen 1 Stunde
und länger. Siehe auch weiter unter Bestimmung des Fermentativvermögens des Malzes S, 714.

Gute Malzsorten geben 74—82 °/0 Extraktausbeute der Malztrockensubstanz.

1
        <pb n="735" />
        ﻿Malz.

713

Die Untersuchung von Farbmalz hat in der Weise zu geschehen, daß 26 g desselben
mit 25 g Darrmalz von bekanntem Extraktgehalte gemaischt werden. .

Wenngleich die so erhaltenen Ergebnisse nicht mit der in der Praxis im großen
erzielten Ausbeute iibereinstimmen, so läßt das Verfahren doch bei umsichtiger Ausführung
nicht nur die Größe der Extraktausbeute und damit den Wert des Malzes erkennen, sondern
liefert dem Brauer auch Anhaltspunkte, wie er beim Einmaischen zu verfahren hat, ob er
sehr langsam und vorsichtig die Temperatur der Maische erhöhen muß, oder ob er rascher
damit Vorgehen darf.

d)	Farbe der Würze. Als Ausgangspunkt für die Farbebestimmung dient
1/10 Normal-Jodlösung (12,7 g Jod, 40 g Jodkalium im Liter).

Die Farbentiefe wird ausgedrückt in Kubikzentimeter dieser Lösung, welche
erforderlich sind, um 100 ccm Wasser auf die Farbentiefe obiger “Würze zu bringen.
Eine Umrechnung auf 10-gradige Würze oder Extrakt findet nicht statt.

Ein zweckmäßiger Ersatz für Jodlösung ist eine auf die Jodlösung gestellte
künstliche Farbstofflösung.

e)	Bestimmung des Zucker- (Maltose-) Gehaltes wird nur auf Verlangen
ausgeführt. Die Zuckerbestimmung in der Würze ist gewichtsanalytisch auszuführen
mit der im Verhältnis von 25 ccm auf 250 ccm verdünnten und gut gemischten
Würze. 50 ccm Fehlingsohe Lösung werden in eine Porzellankasserolle (13 cm
lichte Weite, etwa 360 ccm Fassungsraum mit Deckel) gebracht und zum wallenden
Kochen erhitzt. In diesem Momente werden 25 ccm Würze zufließen gelassen und
genau 4 Minuten lang gekocht. Das ausgesohiedene Kupferoxydul wird rasch in
einem ausgeglühten tarierten Glasröhrchen mit Asbestpfropfen abgesaugt, mit heißem
Wasser, dann mit wenig Alkohol und Äther ausgewaschen und getrocknet. Der
getrocknete Niederschlag wird unter Durchstreichen von Luft — zur Zerstörung der
im Niederschlag vorhandenen organischen Teilchen — vorerst schwach geglüht und
erst dann ira Wasserstoffstrom reduziert. Das gewonnene, durch Wägen festgestellte
Kupfer wird unter Zugrundelegung von Weins Tabelle (No. VI am Schluß) auf
Maltose berechnet und als Eohmaltose im Extrakt angegeben.

Letztere bezieht sich auf 100 ccm der Würze; dividiert man noch mit dem
spezifischen Gewicht der Würze, so erhält man die Menge Maltose, welche in 100 g der
Würze enthalten ist.

Also M =

4 Xu x x

wenn M die Maltose in 100 g Würze, n die Verdünnung der Würze, also hier 25 auf
200 ccm, d. h. n = 8-faohe Verdünnung, x = die dem Kupfer entsprechende Maltosemenge,
S das spezifische Gewicht der Würze ist.

Die Maltose soll nach den Beschlüssen obiger Vereinbarungen von Brauerei-Sach-
verständigen nur gewiohtsanalytisch und nicht titrimetrisch nach Reischauer
bestimmt werden.

Aus der Tabelle von Balling No. XIII oder Schultze-Ostermann No. XV (am
Schluß) ersieht man, wieviel Gramm Extrakt in 100 g Würze von bestimmtem spezifischen
• Gewicht enthalten sind, und daraus läßt sich weiter berechnen, wieviel Maltose im
Extrakt der Würze ist. Man berechnet die Menge Maltose in 100 g (Würze-) Extrakt
und gibt an; In 100 g Würze-Extrakt sind m Gramm Zucker (Maltose).

' Ferner stellt man das Verhältnis von Zucker zu Nichtzucker (Z : NZ) in der Würze
lest. Aus obigen Berechnungen weiß man die Menge Extrakt und die Menge Zucker
(Maltose) in 100 g Würze.

Nichtzucker (NZ) ist dann gleich Extrakt (e) — Zucker (M). Die Formel

M(= Z): NZ = 1: x

gibt dann das Verhältnis von Zucker zu Nichtzuoker an.
        <pb n="736" />
        ﻿714

Bier und seine Rohstoffe.

Die folgenden Bestimmungen in einem Malz werden nur auf besonderes Ver-
langen ausgeführt.

f)	Bestimmung der Säure. 100 g feingeschrotetes Malz werden mit 500 ccm
säurefreiem Alkohol von 20 Volumprozent ühergossen und unter öfterem Umrühren
4 Stunden lang (ein Mehr schadet nicht!) stehen gelassen. Darauf wird filtriert
und 100 ccm des Filtrats werden mit 1/10 Normal- (Kali- oder Natron-) Lauge titriert.

1 ccm der Lauge entspricht 0,009 g Milchsäure.

Gute Malze geben 0,2—0,5 °/„ Säure, als Milchsäure berechnet.

g)	Die Schnittprobe wird in derselben Weise ausgeführt wie bei der
Gerste (S. 709).

h)	Bestimmung der diastatischen Kraft(des Fermentativvermögens),
des Malzes. Man bereitet zu dem Zweck nach Lintner eine Normal-Stärkelösung,
indem man reinste Kartoffelstärke mit so viel 7,5 °/0-iger Salzsäure übergießt und
mischt, daß die Säure über der Stärke steht; man läßt 7 Tage bei gewöhnlicher
Temperatur oder 3 Tage bei 400 stehen; nach dieser Zeit hat die Stärke die Fähig-
keit, Kleister zu bilden, verloren. Die so behandelte Stärke wird durch Dekantation
so lange mit destilliertem Wasser ausgewaschen, bis blaues Lackmuspapier keine
saure Reaktion mehr gibt, das Wasser möglichst abgesaugt und die Stärke an der
Luft getrocknet. Dieselbe löst sich jetzt leicht und klar in heißem Wasser; ein
schwaches Opalisieren der Lösung tut ihrer Verwendbarkeit keinen Abbruch.

Man löst 2 g dieser Stärke in 100 ccm Wasser (Normal-Stärkelösung); ferner
zieht man 25 g Malz (Darrmalz fein gemahlen, Grünmalz sorgfältig zerquetscht)
6 Stunden bei gewöhnlicher Temperatur mit 500 ccm Wasser aus und filtriert.
Bei Grünmalz verdünnt man zweckmäßig das Filtrat mit der doppelten, bei sehr
diastasereichem Malz sogar mit der dreifachen Menge Wasser.

Man gibt je 10 ccm der Normal-Stärkelösung in 10 Eeagierröhrchen, welche
sich in einem zweckentsprechenden Halter (am besten Eeischauerschen Stern)
befinden, läßt der Reihe nach 0,1, 0,2, 0,3 ... . bis zu 1,0 ccm Malzlösung zu-
fließen, schüttelt gut durch und läßt bei Zimmertemperatur 1 Stunde lang die
Diastase einwirken. Darauf gibt man in jedes Röhrchen 5 ccm Fehlingsche
Lösung, schüttelt wieder gut durch, setzt den Halter mit den 10 Röhrchen 10 Minuten
in kochendes Wasser und verfährt nach S. 238 weiter.

Die diastatische Kraft oder das Fermentativvermögen eines Malzauszuges wird
= 100 gesetzt, wenn 0,1 ccm eines Extraktes aus 25 g Malz mit 500 ccm Wasser
und 10 ccm obiger Stärkelösung unter den vorstehenden Bedingungen 5 ccm Feh-
lingsche Lösung reduzieren; bei 0,2 ccm ist das Fermentativvermögen dann = 50,
bei 0,4 = 24, bei 0,6 = 16,6 usw.; dasselbe wird auf Malztrockensubstanz berechnet
und beträgt z. B. für;

gutes Grünmalz bayerisches Darrmalz lichtes Malz
bis zu 80 °/0	15—20 °/0	25—30 °/0. IV.

IV.	Hopfen.

Die chemische Untersuchung des Hopfens erstreckt sich meist nur auf die
Bestimmung des Gehaltes an Wasser, ätherischem öl, Gerbsäure, Hopfenharz, bezw.
auf Äther-, Petroläther-, Alkohol- und Wasserextrakt, sowie auf die Prüfung etwaiger
Schwefelung des Hopfens.

Das äußere Aussehen, Geruch, Farbe und die mechanisch-botanische Unter-
suchung des Hopfens sind durchweg sicherer für die Beurteilung desselben als die
chemische Untersuchung.
        <pb n="737" />
        ﻿Hopfen.

715

1.	Wasser. Den Wassergehalt bestimmt man nicht durch Trocknen hei 100°,
sondern durch Trocknen im Vakuum Uber Schwefelsäure. 3—5 g Hopfen werden
in einem Trockengläschen abgewogen und in einen mit Tubus und dichtem Hahn,
sowie mit frischer konzentrierter Schwefelsäure versehenen Exsikkator gestellt, aus
dem man mittels Wasserstrahlpumpe die Luft aussaugt. Der nach eingetretener
Gewichtsbeständigkeit entstandene Gewichtsverlust gibt die Wassermenge an. Der
Gehalt an Wasser soll 10 bis höchstens 17 °/0 betragen.

2.	Asche. Der Trockenrückstand kann wie üblich zur Aschenbestimmung
verwendet werden. Der Aschen-Gehalt schwankt von 6,5—12,0 °/0 in der Trocken-
substanz.

3.	Gerbstoff. 10 g Hopfen werden 2 Stunden mit Wasser gekocht, abfiltriert,
der Rückstand mit Wasser ausgewaschen und das Filtrat auf 1 1 verdünnt. In
20 ccm wird die Gerbsäure mit ammoniakalischer Zinkacetatlösung im Überschuß
ausgefällt und auf 2/s des Volumens eingedampft. Der Niederschlag wird abfiltriert
und mit warmem Wasser ausgewaschen, sodann in verdünnter Schwefelsäure (1:4 [Vol.]
Wasser) gelöst und mit Kaliumpermanganat der Gehalt an Gerbsäure bestimmt.
Zur quantitativen Bestimmung der Gerbsäure nach dem von Neubauer verbesserten
Verfahren von Löwenthal sind erforderlich;

a)	eine Lösung von Indigokarmin; 30 g reinstes teigförmiges Indigokarinin werden
in 1 1 Wasser gelöst, filtriert und das Filtrat auf 70° erwärmt, um die Lösung haltbarer
zu machen;

b)	eine Lösung von übermangansaurem Kalium, 2 g für 1 1 Wasser;

c)	eine Lösung von chemisch reinem Tannin, 0,2 g in 100 ccm.

Titerstelhmg; 20 ccm der Indigokarminlösung werden in einem Becherglase mit

10 ccm verdünnter Schwefelsäure (1 Teil konzentrierte Schwefelsäure und 4 Teile Wasser)
versetzt und mit Wasser bis zu 3/4 1 verdünnt. Man stellt das Becherglas auf weißes
Papier und läßt tropfenweise von der Permauganatlüsung zufließen, bis die blaue Indigo-
lösung in ein glänzendes Goldgelb übergegangen ist; die Färbung der Lösung wird hierbei
zuerst nach und nach dunkelgrün, dann hellgrün, bis schließlich eine grüngelbe Nuance
auftritt, welche der nächste Tropfen der Chamäleonlösung in eine goldgelbe verwandelt.

Nach Feststellung der Beziehung zwischen Indigokarmin und Permanganatlösung er-
uuttelt man die zwischen letzterer und der Tanninlösung von obigem Gehalt. 20 ccm der
Indigolösung und 10 ccm Tanninlösung werden unter Zusatz von 10 ccm verdünnter
Schwefelsäure und Wasser zu a/4 1 verdünnt und darauf genau wie vorhin titriert. Von
den verbrauchten com der Permanganatlösung zieht man die ah, welcher die Indigolösung
allein zur Entfärbung bedurfte, und findet so die Permanganatmenge, welche 10 ccm Tannin-
lösung = 0,02 g Tannin zur Zerstörung verlangen.

Zweckmäßig ist hierbei, daß die 20 ccm Indigolösung eine gleiche Anzahl oder
besser noch einige ccm der Permauganatlösung mehr verlangen als die 10 ccm Tanninlösung.

Der Hopfen soll 2—6 °/0 Gerbsäure enthalten.

Ed. Kokosinski1) hat folgendes Verfahren vorgeschlagen:

10 g ganzer Dolden werden gekocht und das Volumen auf 600 ccm gebracht. Da
der Hopfen, wenn er der Haltbarkeit wegen geschwefelt wurde, schweflige Säure enthält,
so werden zum Wasser, welches zur Bereitung des Auszuges kalt angesetzt wird, einige
Tropfen Wasserstoffsuperoxyd zugesetzt, welches die schweflige Säure in Schwefelsäure
'verwandelt, aber auf Jod keine Einwirkung äußert. Der wässerige Auszug wird voll-
ständig filtriert. Die zur Bestimmung erforderlichen Reagenzien sind: 1. Normal-Soda-
lösung; 2. Normal-Schwefelsäure; 3. 1/50 Normal-Jodlösung; 4. 4/50 Normal-Lösung von unter-
schwefligsaurem Natrium (9,920 g im Liter); 6. eine Lösung von reinem Tannin (aus
Galläpfeln), welche in 100 ccm 0,05 g Gerbstoff enthält; 6. eine frisch bereitete Stärke-
osung. Man nimmt 3 Fläschchen, welche ungefähr 100 ccm Inhalt haben. In das erste

x) Chem. Centralbl. 1891, I, 377.
        <pb n="738" />
        ﻿716

Bier und -seine Rohstoffe,

füllt man 10 com Wasser, in das zweite 10 ccm Lösung der Galläpfelgerbsäure., in das
dritte 10 ccm des Hopfenauszuges. Hierauf gibt man in die drei Fläschchen je 4 ccm
der Normal-Sodalösung und unmittelbar darauf 20 ccm der 3/so Normal-Jodlösung. Wenn
man aus dem zweiten und dritten Fläschchen je einen Tropfen auf die nämliche Stelle
eines Streifens von Kleisterpapier bringt, muß eine stark violette Färbung entstehen.
Wäre dies nicht der Fall, so müßte man in die drei Fläschchen so lange gleiche Mengen
von Jod geben, bis dieses im Überschüsse vorhanden ist. Das Jod läßt man 6 Minuten
lang einwirken und gießt dann, um die Flüssigkeit zu neutralisieren und das überschüssige
Jod zu binden, zuerst 4 ccm Normal-Schwefelsäure und dann 10 ccm der 4/50 normalen Lösung
von unterschwefligsaurem Natrium in jedes Fläschchen. Unmittelbar darauf setzt man zu
dem Inhalte eines jeden Fläschchens einige Tropfen Stärkelösung und sodann aus einer
Bürette Jodlösung, und zwar so viel zu jedem Fläschchen, bis Blaufärbung eintritt. Die
verbrauchte Menge Jodlösung wird notiert. Die Menge der Jodlösung (E), welche auf diese
Weise in das erste Fläschchen mit destilliertem Wasser gegeben worden ist, gibt an,
wieviel Jod durch die Soda, das Licht, die Stärke und durch den Unterschied der ungleichen
Stärke der beiden Lösungen von Jod und unterschwefligsaurem Natrium gebuuden wird.
Die zum zweiten Fläschchen gegebene Menge der Jodlösung (t) entspricht demjenigen
Anteile, welcher für das erste Fläschchen erforderlich war, und demjenigen Anteile, welcher
durch 0,006 g Galläpfelgerbsäure aufgenommen wird. Wenn man daher von der inzahl der
zum zweiten Fläschchen zugesetzten ccm Jodlösung diejenige des ersten abzieht, so er-
hält man die Menge der Jodlösung, welche durch 0,005 g Galläpfelgerbsäure absorbiert wird,

£ __ JgJ

Demnach stellt . die Menge Jodlösung dar, welche von 1 mg Gerbsäure gebunden

wird. Sobald dieser Wert gefunden ist, kann man berechnen, wie viele mg Tannin der Jod-
lösung entsprechen, welche zum dritten Fläschchen, welches den Hopfenauszug, enthält,
gegeben worden ist. Man hat von der Anzahl der ccm Jodlösung (h), welche in das dritte
Fläschchen gebracht worden ist, nur die Menge (E), welche für das erste Fläschchen nötig
war, zu subtrahieren, um die Anzahl ccm (h — E) der von der Hopfengerbsäure gebundenen

Jodlösung zu erhalten.

■J. _

Wird diese Differenz durch . dividier!, so erhält man die An-

5

zahl mg Tannin, welche in 10 ccm Hopfenauszug enthalten sind. Bei diesem Verfahren
vermeidet man die Fehler, welche infolge der Bindung von Jod durch Alkali oder durch
Lichtwirkung entstehen.

Der Gerbstoffgehalt des Hopfens beträgt 1,0—12,7 °/0, im Mittel 3,8 °/0 in der Trocken-
substanz.

4. Äther- und Petrolätherauszug. Beide Auszüge werden in der Weise be-
stimmt, daß man 5 oder 10 g des nach No. 1 getrockneten Hopfenpulvers im
Sox hl et sehen Apparat (S. 222) bis zur Erschöpfung mit Äther bezw. Petroläther
auszieht.

Der Ätherauszug soll die Menge des Gesamt-Harzes, der Petrolätherauszug
die des Weichharzes (+ Bitterstoffe), der Unterschied zwischen beiden die Menge
des Hartharzes angeben. Da aber Äther wie Petroläther noch andere Stoffe als
Harz (+ Bitterstoffe), z. B. auch Hopfenwachs und -öl lösen, so können die auf solche
Weise gewonnenen Zahlen nur einen annähernden Ausdruck für den Harzgehalt
angehen. Es betragen für die Trockensubstanz:

Ätherextrakt (Gesamtbarz)	Petrolätherextrakt (Weichharz)

Schwankungen	Mittel | Schwankungen	Mittel

12,6-25,6 o/0	17,73 °/0.	|	7,6-22,8 %	14,99 °/0.

5.	Alkoholauszug. 10 g Hopfen werden am Rückflußkühler 12 Stunden mit
150 ccm 85 °/0-igem Alkohol gekocht, ahfiltriert und nochmals 12 Stunden mit
86°/0-igem Alkohol gekocht. Die vereinten Auszüge werden eingedarapft, hei 100°
getrocknet und gewogen; der Alkoholauszug schwankt zwischen 15—54°/0 und be-
trägt im Mittel 32,7 °/0 in der Trockensubstanz.
        <pb n="739" />
        ﻿Hopfen.

717

0. Wasseraiiszug. 5 g Hopfen werden mit 50 ccm Wasser ausgekocht, filtriert
und der Eückstaud nach dem Trocknen gewogen. Uber die Berechnung der ge-
lösten Menge Stoffe vergl. S. 225. Die Menge der in Wasser löslichen Stoffe wird
zu 20,5—36,0, im Mittel 27,4 °/0 für die Hopfen-Trockensubstanz angegeben.

Der Unterschied zwischen Alkohol- und Wasserauszug wird auch wohl als
Harz bezeichnet; er beträgt nach den vorstehend mitgeteilten Untersuchungszahlen
rund 5 °/0, ist also bedeutend niedriger als der durch den Äther- und Petrolätherauszug
gefundene Wert.

7.	Mechanisch-botanische Untersuchung. Etwa 100 Hopfendolden von 10—20 g
Gewicht werden nach dem Trocknen über einem Haarsieb mit 0,5 mm weiten
Löchern mittels einer Pinzette — nicht mit den Fingern — zerpflückt und die
einzelnen Teile (Deckblätter, Fruchtspindel und Stiele) auf schwarzes Glanzpapier
abgesiebt; darauf sammelt man die einzelnen Teile für sich, wägt sie einzeln,
addiert die Gewichte und berechnet danach den Prozentsatz an den einzelnen Be-
standteilen. Nach Fr. Haberlandt schwankt bei verschiedenen untersuchten
Hopfensorten der Gehalt an:

Hopfenmehl Spindeln u. Stengeln Dolden- (Deck-) Blättern reifen Früchten
7,92-15,70 °/0	8,50-17,54 °/0	69,79—78,36 °/0	0,02—7,80 °/0.

Es hält aber schwer, das klebrige Hopfenmehl (Lupulin) auf diese Weise auch
nur annähernd richtig von den anderen Bestandteilen zu trennen. Aus dem Grunde
ist vorgeschlagen, den Hopfen vor der Trennung der einzelnen Bestandteile mit
Alkohol oder Chloroform auszuziehen, an der Luft zu trocknen und dann in seine
Bestandteile zu zerlegen.

8.	Prüfung auf Schwefelung. Zu dem Zweck werden etwa 10 g Hopfen mit
so viel destilliertem Wasser befeuchtet und angerührt, daß das Wasser noch über
dem Hopfen steht, und dann etwa 1 Stunde unter öfterem Umrühren stehen gelassen.
Den dadurch gewonnenen Auszug gibt man in ein Kölbchen, fügt einige Stückchen
granuliertes, absolut schwefelfreies Zink, sowie einige Tropfen einer 20 °/0-igen
reinen Salzsäure hinzu, so daß Wasserstoffentwickelung auftritt, und weist den
durch etwa vorhandene schweflige Säure gebildeten Schwefelwasserstoff in geeigneter
Weise mittels eines Papierstreifens nach, den man mit einer alkalischen Bleizucker-
lösung an einigen Stellen betupft hat. Auftretende Bräunung oder Schwärzung
zeigen das Vorhandensein von Schwefelwasserstoff an. Es ist zweckmäßig, nebenher
einen Kontrollversuch ohne Hopfenauszug zu machen.

9.	Wertschätzung des Hopfens. Hierzu können dienen;

a) Form und Größe der Hopfendolden.

Die Dolden guten Hopfens sollen geschlossen und mehr oder weniger eiförmig, nicht
kugelförmig sein; edler Hopfen hat nur mäßig große Dolden. Als erwünschte Größe gilt:
25—30 mm Länge und 15—20 mm Breite an den breitesten Stellen.

h) Die Farbe der Dolden soll eine hellgelbgrüne, glänzende sein; eine hellgrüne
Färbung deutet auf Unreife. Überreifer Hopfen ist rot (staugenroter H.) gefärbt. Auch
durch Lagern nimmt der Hopfen eine stetig stärkere rote Färbung an, verliert den seiden-
artigen Glanz und nimmt einen unangenehmen, trimethylaminartigen, faulig-käsigen Geruch
au- Durch Schwefeln wird dann der Hopfen wieder lichter gefärbt. Die schwarze
k ärbung („Schwärze“ oder „Ruß“ usw.) wird durch einen Pilz, Fumago salicina, hervorgerufen.

c)	Die Doldenblätter sollen weich, dünn und dünnrippig sein, etwa 76°/# der
Hopfenzapfen ausmachen; Rippen etwa 10—11 °/0 derselben.

d)	Das Hopfenmehl der Dolden, der wichtigste Bestandteil des Hopfens, soll von
hellgelber Farbe sein, die Drüsen unter dem Mikroskop zitronengelb, vollglänzend; mehl-
arme Hopfen werden „leicht“, mehlreiche „schwer“ genannt. Der Gehalt an Hopfenmehl
schwankt zwischen 8—16 °/0.
        <pb n="740" />
        ﻿718

Bier und seine Rohstoffe.

e)	Der Geruch des Hopfens soll stark aromatisch, fast betäubend, der Geschmack
rein und angenehm bitter sein. Ordinärer Hopfen riecht scharf, oft an Knoblauch erinnernd.

f)	Feine Hopfensorten haben keine oder nur verkümmerte Früchte; Früchte in den
Dolden deuten auf einen ordinären Hopfen.

V,	Würze.

Die Würze wird im allgemeinen wie Malz bezw. Bier untersucht.

1.	Extraktgehalt. Derselbe wird in der Praxis entweder durch Ballings
Saccharometer oder auch durch Bestimmung des spezifischen Gewichts mit der
Westphalschen Wage oder im Pyknometer (vergl. S. 449) und Aufsuchen des
dem spezifischen Gewicht entsprechenden Extraktgehaltes in der Ballingschen
Extrakttabelle (vergl. Tabelle XIII am Schluß) oder nach der Tabelle Schultze-
Ostermann (Tabelle XY am Schluß) ermittelt.

Auf diese Weise wird jedoch nur annähernd der Extraktgehalt gefunden,
wie er für rein praktische Zwecke einigermaßen genügt.

Für genaue Untersuchungen soll nach N. Rüber1) und H. Ellion2) der
Extraktgehalt im luftverdünnten Raum bei etwa 97° ermittelt werden, zu welchem
Zweck man etwa 10 g Würze wie bei Zuckersäften (S. 610) abwägt.

Die Extrakttabelle von Schultze-Ostermann ist nach Trockensubstanz-
bestimmungen in der Würze bei 70—75° im Wasserhade unter gewöhnlichem Luft-
druck berechnet, hei welcher die Maltose nicht alles Wasser verliert. Aus dem
Grunde gibt diese Tabelle nicht den wirklichen Trockensubstanzgehalt an. H. Ellion
hat daher eine neue Tabelle berechnet, welche den dem spezifischen Gewicht ent-
sprechenden wirklichen Trockensubstanzgehalt angibt, und deren Werte entsprechend
niedriger sind als die in der Tabelle von Schultze-Ostermann (vergl. Tabelle
No. XV im Anhänge, Anm.).

2.	Maltose. 50 ccm Würze werden zu 500 ccm verdünnt, hiervon 25 ccm
mit Fehlingscher Lösung 4 Minuten gekocht, das ausgeschiedene Kupferoxydul
durch ein Asbestfilter filtriert und als Kupfer (oder auch als Kupferoxyd S. 230)
gewogen. Uber die dem gewogenen Kupfer entsprechende Menge Maltose vergl.
Tabelle VI am Schluß.

Will man die Maltose titrimetrisch bestimmen, so verfährt man nach S. 227.

3.	Dextrin. 25—30 ccm Würze werden auf 200 ccm verdünnt, mit 20 ccm Salz-
säure von 1,1285 spezifischem Gewicht versetzt und 3 Stunden in einem kochenden Wasser-
bade erhitzt; nach dem Erkalten wird mit Natronlauge neutralisiert, auf 500 ccm auf-
gefüllt und hiervon werden 25 ccm zur Bestimmung der Glukose nach S. 230 verwendet.

Um hieraus die Menge Dextrin zu finden, muß man die gefundene Menge
Maltose durch Multiplikation mit 20/19 oder 1,052 erst auf Glukose umrechnen,
diese Menge von der Gesamtglukose abziehen und den Rest mit 0,9 multiplizieren.
Angenommen, es sind 14 °/0 Extrakt, 8,5 °/0 Maltose und 13,0 °/0 Glukose gefunden,
so ist die Dextrinmenge =

[13,0 — (8,5 x 1,052)] x 0,9 = 3,65 °/0.

4.	Stickstollsubstanz. 20 ccm Würze werden in dem für die Stickstoff-Be-
stimmungen gewählten Kolben im Wasserbade bis auf ein kleines Volumen ein-
gedunstet, dann tropfenweise —- um ein plötzliches Aufschäumen zu vermeiden — mit
20 ccm konzentrierter Schwefelsäure usw. versetzt, erst mit kleiner, zuletzt mit starker
Flamme bis zur Entfärbung erwärmt und nachKjeldahl (S. 138) weiter behandelt.

5.	Säure. 20 ccm Würze werden mit 1/j0 Normal-Natronlauge nach dem
Tüpfelverfahren titriert, indem man erst annähernd neutralisiert und dann unter

*) Zeitschr. f. angew. Chemie 1890, 314,

2)	Ebenda 1890, 291.
        <pb n="741" />
        ﻿Würze. Hefe.

719

jedesmaligem Zusatz von 0,2 ccm einen Tropfen auf neutrales Laekmuspapier bringt
und so lange fortfährt, bis der rote Ring um den Tropfen verschwindet.

Die Säuremenge wird auf Milchsäure berechnet; 1 ccm 1/10 Normallauge = 0,009 g
Milchsäure.

6.	Asche. 25 ccm Würze werden in einer geräumigen Platinschale zur Trockne
eingedampft, darauf mit ganz kleiner Flamme verkohlt; die Kohle wird leicht zerdrückt,
mit Wasser ausgezogen und zum vollständigen Weißbrennen nach S. 195 verfahren.

7.	Farbentiefe. Siehe vorstehend bei Malz, S. 713.

VI. Hefe.

Geschmack, Aussehen und Haltbarkeit des Bieres sind zum guten Teil durch
die in der zu seiner Herstellung verwendeten Anstellhefe vorhandenen Pilze bedingt.
Neben der Kulturhefe enthält die Anstellhefe unter Umständen sog. wilde Hefen
(echte Saccharomyceten, Mycoderma-, Torulahefen) und Bakterien, die auf die Be-
schaffenheit und Haltbarkeit des Gebräues einen sehr schädlichen Einfluß ausüben.
Es muß daher die Anstellhefe von Zeit zu Zeit auf ihre Zusammensetzung geprüft
werden. Ebenso müssen die Reinzuchtapparate der Brauereien und Hefefabriken,
in denen die Kulturhefe im großen vermehrt wird, einer fortlaufenden biologischen
Kontrolle unterworfen werden, da sie sonst die Quelle gefährlicher Infektionen des
Brauereibetriebes werden können.

1. Gruudzüge der Hefenuntersuchung. Der Nachweis von Verunreinigungen
der Anstell- oder Reinzuchtapparathefe wird durch mikroskopische Untersuchung
oder durch Kultur in Würzetröpfchen oder -strichen unter dem Mikroskop oder,
soweit es sich um wilde Hefen der Gattung Saccharomyces handelt, durch diese be-
günstigende Kulturverfahren bewirkt.

Bei der unmittelbaren mikroskopischen Untersuchung wird die Hefe
am besten mit nicht zu dünner Natronlauge verrührt, die mancherlei störende Aus-
scheidungen (Glutin, Hopfenharz u. a.) löst. Bakterien lassen sich im allgemeinen
auf diese Weise schneller in der Hefe nachweisen als durch Kulturverfahren.

Schwieriger ist die Unterscheidung der verschiedenen Hefenarten durch das
Mikroskop, da sowohl bei Kultur- wie wilden Hefen verschiedenartige Zellform und
-große Vorkommen. Nur sehr geübte Beobachter werden aus dem mikroskopischen
Eil de auf die Beschaffenheit der Hefe schließen können. Im allgemeinen erscheint das
Plasma der Kulturhefen deutlich körnig, das der „wilden“ Saccharomyceten homogen.

Sicherer als die bloße mikroskopische Untersuchung der Hefe, die meist nur
als orientierende Yorprobe dienen kann, ist die Untersuchung nach P. Lindner in
den sog. Tröpfchen- und Adhäsionskulturen. Beide beruhen darauf, die in ge-
ringen Mengen Würze oder Bier auf einem Deckgläschen verteilten verschiedenartigen
Zellen der Anstell- oder Reinzuchthefe auf dem hohlgeschliffenen Objektträger ge-
trennt zur Vermehrung zu bringen und die betr. Vegetationen mikroskopisch zu
untersuchen. Dabei zeigen die Zellen der Kulturhefen außer der schon erwähnten
Körnung des Plasmas später kleine reihenweise angeordnete Kügelchen. In Bier
Slnd die Zellen im allgemeinen gleich groß, in Würze entstehen auch Schlauchformen.
Eie wilden Hefen der Gattung Saccharomyces zeigen in diesen Kulturen außer
dem homogenen Plasma eine schwankende Zellengröße. Die Zellen sind oval bis
wnrstförmig. Die Vermehrung ist stärker als bei den Kulturhefen. Auch trennen
sich die Sproßverbände dieser Hefen leichter als die der untergärigen Kulturhefen,
deren Zellwände infolge Verschleimung verkleben. Bei obergärigen Kulturhefen
fällt dieses Merkmal fort. Die Kahrahefen (Mycoderma) vermehren sich in mehr
°der weniger langgestreckten Zellen mit homogenem Plasma, in denen neben großen
        <pb n="742" />
        ﻿720

Bier und seine Rohstoffe.

Vakuolen oft Fetttröpfchen erscheinen. Sie bilden große, feste Sprofiverbände. Da
diese Hefen sehr sauerstoffbegierig sind, so wachsen sie vorwiegend am Rande der
Flüssigkeit und erstrecken ihr Mycel oft weit Uber diese hinaus. Die Torula-
hefen zeichnen sich durch den fast kugeligen Bau ihrer Zellen aus, in denen in
dem homogenen Plasma oft ein oder mehrere Fetttröpfchen liegen. Die Größe der
Zellen wechselt sehr von der Größe der Kulturhefe bis zu den kleinsten Formen.
Ihre Vermehrungsfähigkeit ist außerordentlich groß. Auch Bakterienapten lassen
sich in den Tröpfchen- und Adhäsionskulturen durch die Art der Kolonien unter-
scheiden, wenn auch nicht so gut wie in Gelatinekulturen. Die zuweilen in der
Betriebshefe vorkommenden Schimmelpilze, ferner die eine Zwischenstellung
zwischen Faden- und Sproßpilzen einnehmenden Monilia-Arten entwickeln sich
in diesen Kulturen gut und kennzeichnend.

Um besonders die in erster Linie gefährlichen wilden Hefen der Gattung
Saccharomyces nachzuweisen, verfährt man nach dem Vorschläge von Hansen
vielfach in der Weise, daß man die Hefe einem Kulturverfahren unterwirft, das die
Vermehrung der echten Hefen begünstigt, und das so entstehende Hefengemisch
dann zur Sporenbildung bringt. Nach Hansen unterscheiden sich die
Saccharomyces-Arten durch die Temperaturgrenzen, innerhalb derer sie Askosporen
erzeugen, und durch die Geschwindigkeit, mit der sie dieselben bei derselben
Temperatur bilden. Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Zeit der
Sporenbildung bei verschiedenen Temperaturen:

Temperatur	s.  cerevisiae	S.  Pastorianus	S.  intermedius	S.  validus	S.  ellipsoideus	S.  turbidans
37,5	keine								
36-37	29 Std.	—	—	—	—	—
35	25	„	—	■ —	—	—	keine
33,5	23 „	—	—	—	keine	31 Std.
31,5	—	keine	—	—	36 Std.	23 „
30	20 Std.	30 Std.	—	—	—	—
29	—	27 „	keine	keine	23 Std.	22 Std.
27,5	—	24 „	34 Std.	35 Std.	—	—
25	23 Std.	—	25	„	28 „	21 Std.	27 Std.
18	50 „	35 Std.	36	„	44 „	33	„	42 „
15	—	50 „	48 „	—	45	„	—
11—12	10 Tage	-	77 „	—	' —	61/* Tage
8,5	keine	5 Tage	—	9 Tage	—	9
7	5)	7 *	7 Tage	—	11 Tage	—
3—4		14	„	17	„	keine	keine	keine
0—5	—	keine	keine	—	—	—

Von diesen Hefen sind S. Pastorianus, S. intermedius, S. validus und S. turbidans
Krankheitshefen, S. cerevisiae eine obergärige Kulturhefe. Bei den untergärigen
Kulturhefen erfolgt die Sporenbildung bei 15—25° erst nach 72 Stunden, so daß
man neben ihnen die schneller sporulierenden wilden Hefen nach diesem Verfahren
leicht nach weisen kann. Doch ist zu bemerken, daß die angegebenen Zahlen je
nach dem Zustande der verwendeten Hefe sich etwas verschieben.
        <pb n="743" />
        ﻿Hefe.

721

Das Aussehen und die Zahl der Askosporen verschiedener wichtigen Hefearten
zeigen folgende Abbildungen:

Q3

Ö	u

Fig. 278! Askosporenblldende Saccharomyceten.

!• Sacch. cerevlsiae, 2. Sacch. Pastorlanus, 3. Saccli. Intermedins, i. Sacch. validus, 5. Sacch. ellipsoldens,
6- Sacch. turbidans. - a Zellen mit Scheidewandbildung, b Zellen mit größerer Zahl von Sporen als
normal, o Zellen mit deutlichen Anlagen zu Sporen (nach Hansen).

2. Die Entnahme und Versendung der Hefeuprobe. Soll Stellhefe einer Brauerei
untersucht werden, so muß die Übersendung in einem sterilisierten Gefäß oder Papier
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	^
        <pb n="744" />
        ﻿722

Bier und seine Rohstoffe.

geschehen. Man sterilisiert ein Gefäß oder eine Düte von Filtrierpapier, sowie ein
dazu passendes Kuvert durch 3-stündiges Erhitzen auf 150° und übersendet beides
in einem zweiten Kuvert der betreffenden Brauerei. In die Düte wird mittels eines
reinen, wenn möglich Uber einem Lampenzylinder oder einem Spirituslämpchen
vorher sterilisierten Löffels rasch eine Probe der zu untersuchenden Hefe gegeben,
wobei die Düte die Flüssigkeit schnell aufsaugt. Diese gibt man nun in das
sterilisierte Kuvert und beide wieder in ein zweites Kuvert.

Soll Bier auf Hefetrübung untersucht werden, so gießt man nach gehörigem
Uraschütteln der Probe einen Teil desselben in ein Spitzglas und deckt dasselbe
mittels eines gut schließenden Deckels zu, oder man scheidet die Hefe durch
Zentrifugieren ab.

Bei der Probeentnahme aus Reinzuchtapparaten muß der Hahn, durch den
das Bier den Apparat verläßt, gründlich gereinigt werden. Aus jedem Apparat
werden kleine sterilisierte Flaschen von 25 ccm Inhalt gefüllt, und zwar die eine
mit dem zuletzt ablaufenden Bier, die andere mit der mit frischer Würze ungerührten
Hefe. Um die Kohlensäure möglichst entweichen zu lassen, werden die Proben
vor dem Versand am besten einen Tag mit einem sterilisierten Wattebausch ver-
schlossen stehen gelassen. Beim Versand tritt an seine Stelle ein abgebrannter Kork.

3. Ausführung der biologischen Hefenaualyse. a) Lindners Tröpfchen-
und Adhäsionskultur. Zur Ausführung dieser Kulturen braucht man hohlge-
schliffene Objektgläser, Deck-
gläser, Vaseline und Pinsel,
Zeichenfeder mit Halter und
sterilisierte Würze oder Bier.
Die Deckgläser werden erst
im Wasserstrahl, dann in
Alkohol zwischen den Fingern
gereinigt, mit einem Lein-
wandläppchen abgerieben und
durch Flambieren oder durch
Einstellen der ganzen Schach-
tel in den Lufttrockenschrank
sterilisiert. Für das Gelingen
der Tröpfchenkultur ist es
wichtig, daß die Deckgläser
einen leichten Fetthauch
tragen, wie er durch die be-
schriebene Art der Reinigung
erzielt wird. Für Adhäsions-
kulturen dagegen müssen die

Fig. 279. Tröpfchenkultur.

Die Nährlösung ist in gleichmäßig dünnen Strichen aufgetragen.

Fig. 280. Tröpfchenkultur im hohlen Objektträger.
Die Flüssigkeit ist in verschiedener Weise aufgetragen.

Gläser völlig fettfrei sein und dürfen deshalb nicht zwischen den Fingern gereinigt
werden. Um die Höhlung des Objektträgers, die mit einer kleinen Flamme so lange er-
hitzt wird, bis das Kondenswasser um ihren Rand verschwunden ist, wird dann mit dem
steil gehaltenen Pinsel ein weniger breit als hoch angelegter Vaselinestreifen gezogen,
auf den man das Deckgläschen mit der abgebrannten Seite auflegt. Darauf wird
bei Anlage von Tröpfchenkulturen aus der in Würze oder Bier verteilten Hefe mit
einer an einem Glasstab oder Nagel befestigten, durch vorsichtiges Erwärmen (nicht
Glühen) sterilisierten Zeichenfeder eine Probe entnommen und eine größere Zahl
von Tröpfchen oder auch kurzen Strichen oder Schlangenlinien auf die flambierte
        <pb n="745" />
        ﻿Hefe.

728

Fig. 281. Die Adhäsionsknltur.

Die kelmhaltige Flüssigkeit ist über das ganze Deckgläschen ln
dünner Schicht ansgehreitet.

Seite des Deckgläschens innerhalb des Vaselineringes aufgetragen. Das Gläschen
wird dann luftdicht auf den Vaselinering aufgedrückt (vergl. Fig. 279 u. 280).
Statt der Zeichenfeder kann man auch Holzstifte oder Zahnstocher benutzen, die
man durch Abkochen oder im Trockenschrank sterilisiert.

Bei der Adhäsions-
kultur wird die entnommene
Probe Uber das ganze Deck-
gläschen in Form einer
dünnen Flüssigkeitslamelle
verteilt und das Gläschen
dann mit Hilfe des quadra-
tischen Yaselinewalles auf
den hohlen Objektträger ge-
kittet (Fig. 281).

Bei beiden Arten der
Kultur muß man dafür sorgen,
daß die Zahl der Zellen
nicht zu groß ist, da sich
sonst die Vegetationen stören.

Andererseits darf die Aus-
saat auch nicht zu klein
sein, da sonst geringe Ver-
unreinigungen der Unter-
suchung entgehen. Bei rich-
tiger Aussaat entstehen Vege-
tationsbilder wie in Fig. 282.

Bei Prüfung der Hefe
aus Eeinzuchtapparaten
empfiehlt L i n d n e r, den Rest
der eingesandten Probe acht
Tuge stehen zu lassen und
dann nochmals mikroskopisch
und nötigenfalls in der

Tröpfchenkultur zu untersuchen, um etwaige geringe Verunreinigungen zu erkennen.
Kieses kombinierte Verfahren macht nach seinen Erfahrungen die sonst übliche

Links Tomla, dann wilde Hefe, zwei Kulturhefen, oben eine
Mycelhefe, am unteren und rechten Rande Bakterien.

Fig. 283. Apparate zur Sporenkultur der Hefe auf Gipsblöcken,
a Blechform zu dem Gipsblock b; c Gipsblock in ein Glasschälchen mit Wasser gebracht;

d feuchte Kammer.

Prüfung auf Sporenbildung überflüssig. Lindners Verfahren zeichnet sich außer
jlurch seine Einfachheit dadurch aus, daß sämtliche Arten der in der Hefe ent-
haltenen Pilze in einem Versuch beobachtet werden können.

46*
        <pb n="746" />
        ﻿724

Bier und seine Rohstoffe.

Zweckmäßig erweist es sich oft, hei diesem wie bei dem weiter unten be-
schriebenen Verfahren die Kulturhefe zum größeren Teil aus der Hefenprobe durch
Austrocknen auszumerzen. Sie stirbt leichter ab als die wilden Hefen, die dann
bei der Kultur auf dem Deckglase schneller hervortreten.

b) Die Untersuchung mittels der Sporenbildung. Um die gefährlichen
Saccharomyces-Arten in der Hefe anzureichern, empfiehlt Will bei Anstellhefe eine
größere Menge in Würze bei 25° 24 Stunden zu belassen, dann von der trüben
Würze einige Kubikzentimeter in frische Würze zu überführen und dieses noch
zweimal zu wiederholen. Dadurch wird das Wachstum der wilden Hefe, die gegen
Schluß der Gärung noch in der Würze suspendiert ist, begünstigt. Bei Hefe aus
Eeinzuchtapparaten läßt Will eine größere Menge in einer mit 4 °/0 Weinsäure ver-
setzten Rohrzuckerlösung 48 Stunden bei 250 gären und bringt den Bodensatz dann
in Würze zur Gärung. Die wilden Hefen vermehren sich in der weinsauren Lösung
stärker als die Kulturhefen.

In beiden Fällen wird der an wilden Hefen angereicherte Bodensatz der
Würzegärungen zur Prüfung der Sporenbildung auf eine poröse, mäßig feuchte
Unterlage gebracht und reichlich gelüftet. Man verwendet zu diesem Zweck meist
Gipsblöcke, die durch Eingießen eines Gipsbreies aus gleichen Teilen gebranntem
Gips und Wasser in runde, flache, vernickelte Blechformen hergestellt werden. Zur
Sterilisation werden die Blöcke eine halbe Stunde in kochendes Wasser gelegt.
Die zu untersuchende Hefe muß möglichst frei von Würze sein und dünn auf-
getragen werden. Ist die Oberfläche des Gipsblockes groß genug, so können gleich-
zeitig mehrere Proben untersucht werden. Der Gipsblock wird in ein sterilisiertes
Deckelschälchen mit aufgekochtem Wasser gelegt und das Ganze in einer großen
Kammer mit feuchtem Fließpapier im Thermostaten bei 25° aufgestellt (Fig. 283).

Zur Feststellung von Bakterien in der Hefe muß in diesem Falle die mikro-
skopische Untersuchung hinzugezogen werden. Um besonders Pediokokken (Sarcina)
nachzuweisen, läßt Claussen 10 ccm 1/2°/0-ige Fluorwasserstoffsäure auf 2—3 g
Hefe eine halbe Stunde einwirken und gibt dann 2—3 Tropfen in Würzegelatine.
Die Hefe wird bei diesem Verfahren getötet und man kann so noch sehr geringe
Mengen Pediokokken nachweisen. Doch erhält man ein Ergebnis erst in 2—3 Wochen.

Die biologische Untersuchung von Hefe erfordert ein größeres Wissen und
praktische Erfahrung in der Hefenkunde. Sie wird daher am besten in den eigens
dazu eingerichteten Laboratorien für Gärungsgewerbe vorgenommen werden. Be-
treffs weiterer Angaben sei auf P. Lindner, Mikroskopische Betriebskontrolle in
den Gärungsgewerben, 4. Auflage, Berlin 1905, verwiesen.

4. Die biologische Untersuchung der Preßhefe. Die in der Bäckerei zum
Treiben verwendeten Hefen sind obergärige Hefen der Gattung Saccharomyces.
Zuweilen werden sie mit untergäriger Hefe verfälscht. Ihr Wert wird durch ihre
Gärkraft bedingt.

a)	Untersuchung der Preßhefe auf untergärige Hefe nach Lindner.
Zur Anwendung gelangen auch hier Tröpfchen- und Adhäsionskulturen, in denen die
obergärigen Preßhefen in sperrigen Sproß verbänden (Fig. 284—287) wachsen, die
ziemlich leicht zerfallen, ohne daß die Zellen wie bei der untergärigen Hefe verkleben.

Auf der letzteren Eigenschaft beruht auch die Lindnersche Prüfung mittels der
Tropfenkultur. Bei dieser wird die Hefe in Würze fein verteilt und mittels einer
sterilen Pipette auf beiden Hälften einer Petri-Schale eine größere Zahl von Tropfen
angelegt, deren jeder höchstens eine Zelle enthalten soll (Fig. 288). Die Schale
wird durch einen Gummiring luftdicht geschlossen. Schüttelt man eine solche Tropfen-
        <pb n="747" />
        ﻿Hefe.

725

kultur vorsichtig, so ballt sich die Hefe in den Tropfen, die untergärige Hefe ent-
halten, flockig zusammen, während die ohergärige staubig aufgewirhelt wird.

b)	Untersuchung der Preßhefe auf untergärige Hefe nach Bau. Die
meisten untergärigen Hefen vergären Melibiose, die meisten obergärigen nicht. Man

Fig. 284.

Keimungsbilder von Preßhefen in der Tröpfchenkultur. Typen sperriger

Sproß verbände.

1 und 2 gehören der Easse XII an, 3 einer Wiener	1, 2 und 3 gehören ebenfalls Wiener

Preßhefe.

Preßhefen an.

Keimungsbilder von untergärigen Bierhefen in der Tröpfchenkultur.

Typen lockerer Sproßverbände.

Bie einzelnen Glieder sind nur noch in lockerem	Der Verband ist rechts schon sehr gelockert. Die

Zusammenhang. Kultur nach 24 Stunden.	abgefallenen Glieder können später aber wieder

miteinander verkleben (Flockenbildung).

verfährt bei dieser Prüfung folgendermaßen: Drei Reagensgläser mit je 10 ccm
veruiirt bei dieser pimung ruig	werden mit Watte verschlossen bei 30"

nb°'lgewaä7Sfrg4r 7. stunden wird ein Röhrchen filtriert. 3 ccm des
aufbewahrt. Nach 24, 48, 72 btunaen w	}	p-ekocht Ist

Filtrates werden mit 1 ccm Fehlingscher Losung o Minuten lang g k	^

die Uberstehende Flüssigkeit in dem nach 24 . um on gclml enthalten Bleibt
waren in der Hefe mindestens 10 °/0 Melibiose vergärende Hefe enthalten.
        <pb n="748" />
        ﻿726

Bier und seine Rohstoffe.

die Blaufärbung erst in dem 48 oder 72 Stunden alten Röhrchen erhalten, so kann
man auf 5 bezw. 1 °/0 Unterliefe schließen. Ist die Flüssigkeit nach 72 Stunden
gelb, so war die Hefe frei von ünterhefe.

Doch ist dieses Verfahren mit Vorsicht zu verwenden, da es auch Melibiose
vergärende Oberhefen bezw. solche nicht vergärende Unterhefen gibt.

c) Prüfung der Hefe auf
Gärkraft. Um in Gärungsgewerben,
insbesondere auch in Bäckereien einen
Anhaltspunkt für den Gebrauchswert
einer Hefe zu gewinnen, bestimmt
man deren Gär- und Triebkraft. Als
erstere bezeichnet man die zucker-
spaltende Kraft innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, als letztere die Lebhaftig-
keit des Eintrittes der Gärung unmittelbar nach der Verteilung der Hefe in der
Zuckerlösung. Beide werden durch die Menge der entwickelten Kohlensäure ge-
messen.

Es sind hierfür zwei Verfahren ausgearbeitet: das eine von Meißl, nach
welchem die Kohlensäure gewogen, das andere von Hayduck und Kusserow, nach
welchem die Kohlensäure volumetrisch bestimmt wird. Ersteres Verfahren verdient
nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen den Vorzug.

a)	Verfahren von
Meißl. 400 g Rübenzucker-
raffinade, 25 g saures phos-
phorsaures Ammon
(NH4H2P04) und 26 g saures
phosphorsaures Kalium
(KHjPO^ werden fein zer-
rieben und innig gemengt.
Von diesem Gemenge gibt
man 4,5 g in ein Erlenmeyer-
Kölbchen (Fig. 289 A) von
70—80 ccm Inhalt, welches
in einem doppelt durchbohrten
Kautschukpropfen ein bis auf
den Boden reichendes, am
oberen Ende mit Kautschuk-
stöpsel b verschlossenes Röhr-
chen a und ein kleines Chlor-
calciumrohr c oder ein soge-
nanntes Gärventil c mit etwas
Schwefelsäure trägt. Das im
Kölbchen befindliche Zuckergemisch wird sodann mit 50 ccm eines eigens her-
gestellten gipshaltigen Wassers gelöst. Letzteres stellt man her, indem man 30 Teile
einer gesättigten Gipslösung mit 70 Teilen destilliertem, luftgesättigtem Wasser ver-
dünnt. Die Sättigung mit Luft geschieht zu dem Zweck, Fehlerquellen zu vermeiden,
welche dadurch entstehen könnten, daß das angewendete destillierte Wasser bald
mehr, bald weniger Luft enthält. Man führt sie aus, indem man das Wasser in
halbvollen Flaschen schüttelt oder Luft durchleitet. In die so hergestellte Lösung
bringt man genau 1 g Hefe und verteilt dieselbe durch Schwenken und Zerdrücken
mittels eines Glasstahes so weit, daß keine Klümpchen mehr erkennbar sind, sondern

	FT		1
II11J—. -Lu	ÖLM	: ! HK	r

Fig. 288.

Petri-Schale mit Tropfenkultur im Querschnitt.
        <pb n="749" />
        ﻿Hefe.

727

eine gleichmäßige Aufschlämmung hergestellt ist. Darauf wird das Kölbchen samt
Inhalt und Kautschukstöpsel h gewogen, in Wasser oder einen Thermostaten
von 30° gestellt und 6 Stunden auf dieser Temperatur erhalten. Nach Ablauf
dieser Zeit nimmt man das Kölbchen heraus, kühlt es rasch ab, nimmt den Kautschuk-
stöpsel h weg, saugt Luft durch, um die Kohlensäure völlig auszutreihen, und wägt
das Kölbchen samt Zubehör abermals. Der Gewichtsverlust gibt die Menge Kohlen-
säure an, welche durch Vergärung des Zuckers entstanden ist und ausgetrieben wurde.

Um die Triebkraft einer Hefe mit der einer anderen vergleichen zu können,
nimmt Meißl eine Normalhefe an, unter der er Hefe versteht, welche unter den
gleichen Bedingungen wie
oben 1,75 g Kohlensäure
entwickelt. Die Triebkraft
dieser Hefe =	100 ge-

setzt, findet man durch die
Proportion 1,76 : n = 100 : x
die Triebkraft 4er Hefe,
welche n g Kohlensäure ent-
wickelt, in Prozenten der
Triebkraft einer Normalhefe.

Gute Preßhefe gibt 76
Ms 85 °/0 Gärkraft.

ß) Verfahren von
Hayduck und Kusserow.

Zu diesem Verfahren ver-
wendet man einen Apparat
(Pig. 290), der dem Dumas-
schen Apparat zur Stick-
stoffbestimmung, bezw. dem
Sch eibl er sehen Kohlen-
säure - Bestimmungsapparat
(S. 102) ähnlich ist und im
Wesentlichen aus einem in
ccm eingeteilten Meßrohr von
500 ccm Inhalt besteht.

Vorerst werden 40 g
Rohrzucker in 400 ccm
Wasser gelöst, sodann 10 g
der zu untersuchenden Hefe
abgewogen, in eine Schale
gegeben und mittels eines
Pistills mit einer kleinen
Menge der obigen Zuckerlösung zerrieben, bis keine Klümpchen mehr wahr-
nehmbar sind. Diese Aufschlämmung gibt man in eine Flasche von 1 1 Inhalt,
spült die Schale noch ein paarmal mit der Zuckerlösung nach und gießt zuletzt
die ganze Zuckerlösung in die Flasche. Der Inhalt wird umgeschüttelt und die
Flasche offen in ein Wasserbad von 30° gestellt, in welchem sie 1 Stunde lang
stehen bleibt. Erst nach Verlauf dieser Zeit verbindet man die Gärflasohe mittels
Gummischlauches mit dem inzwischen mit Wasser bis zum Null-Teilstrich gefüllten
Meßapparat. Zur Verhinderung der Absorption der Kohlensäure durch Wasser gibt
fflan in den Meßschenkel des Apparates etwas Petroleum, welches sodann hei dei
        <pb n="750" />
        ﻿728

Bier und seine Eohstoffe.

Füllung mit Wasser in niedriger Schicht auf diesem schwimmt. Genau nach einer
halben Stunde wird der Hahn der Heßröhre geschlossen, das Wasser in der engen
Eöhre durch den Hahn e (Fig. 290) so weit abgelassen, daß es mit der Höhe des Wassers
hezw. der Petroleumschicht in der weiten Röhre gleich steht, und nun die Anzahl ccm,
welche die entwickelte Kohlensäure ausfüllt, ahgelesen. Bei dem Kusserowschen
Apparat liest man die Menge des durch die Kohlensäure verdrängten, in einem ge-
teilten Meßzylinder aufgefangenen Wassers ah. Diese Zahl kann dann entweder
direkt als Ausdruck der Gärkraft der Hefe angegeben werden, oder man berechnet
das Gewicht des durch 100 g Hefe zersetzten Zuckers, indem man die gefundene
Zahl ccm Kohlensäure mit dem Faktor 0,03841 multipliziert. (342 g Rohrzucker
liefern bei vollständiger Vergärung 176 g Kohlensäure, und da 1 ccm Kohlensäure
0,001977 g wiegt, so ist das Gewicht des Rohrzuckers, welches nötig ist, um 1 ccm
342

Kohlensäure zu liefern: p™ X 0,001977 = 0,003841 g.)

B.	Bier.1)

Bier ist ein durch Gärung aus Gerstenmalz — oder zum geringen Teil für be-
stimmte Sorten aus Weizenmalz —, Hopfen, etwas Hefe und Wasser hergestelltes, noch
in schwacher Nachgärung befindliches Getränk, welches neben unvergorenen, aber
zum Teil noch vergärbaren Extraktstoffen als wesentliche Bestandteile Alkohol und
Kohlensäure* 2) enthält.

Man unterscheidet:

1.	Je nach Art des verwendeten, bei niedrigen oder höheren Temperaturen gedarrten
Malzes helle und dunkle Biere. Tiefdunkle Färbungen werden durch gebranntes Malz
(Parbmalz), oder gebrannte Körnerfrüchte (Gerste), oder durch gebrannten Zucker (Zucker-
couleur), oder durch überhitzte Würze erzielt.

2.	Je nach der Art der Gärung obergärige Biere, bei denen die Gärung bei höheren
Temperaturen in kürzerer Zeit verläuft und die Hefe oben abgeschieden wird (z. B. Weiß-
bier, Gose, westfälisches Altbier, belgische und englische Biere), und untergärige
Biere, für welche die Gärung bei niedrigeren Temperaturen und längerer Gärdauer vor-
genommen wird und die Hefe sich unten absetzt.

3.	Je nach der Stärke der Stammwürze Dünnbiere oder Abzugbiere (mit 8 bis
11 °/0 Stammwürze) und solche mit mehr Stammwürze (12—20°/0). Brstere pflegen nach
kürzerer Lagerung (als Winter- oder Hefenbiere), letztere nach längerer Lagerung (als
Lager- oder Sommerbiere) in den Handel gebracht zu werden. Letzterer Unterschied ver-
schwindet aber immer mehr.

4.	Je nach dem Vergärungsgrad und der Stärke der Stammwürze weinige, d. h.
alkoholreiohe und extraktarme (wie Märzenbier) und vollmundige extraktreiche, wenig ver-
gorene Biere, zu welchen letzteren z. B. Salvator- und Bockbier gehören. Doppeltbier
nennt man an einzelnen Orten ein im Vergleich zu dem ortsüblichen Bier stärker ein-
gebrautes, vorzugsweise obergäriges Bier,

Das Pilsener Bier pflegt stärker gehopft zu sein.

Im übrigen werden die Biere meistens nach den Produktions-Orten (als Münchener,
Dortmunder, Pilsener usw.) unterschieden.

5.	Bei einigen anderen Bieren wird z. B. die Verzuckerung durch Pilzenzyme (wie
beim japanischen Eeisbier) oder die Vergärung durch Schimmelpilzhefen (Jopenbier) oder
Spalthefen (Hirsebier der Neger) bewirkt.

*) Vergl. Vereinbarungen z. einheitlichen Untersuchung usw. Heft III, 1902; Berlin
bei Jul. Springer.

2) Einige Biere, wie Alt-Ale usw., sind fast frei von Kohlensäure.
        <pb n="751" />
        ﻿Ersatzstoffe und Verfälschungen des Bieres.

729

I.	Ersatzstoffe und Verfälschungen des Bieres.

1.	Ersatzstoffe für («erste. Als Ersatzstoffe für Gerste, und zwar, wenn
deren Verwendung nicht, wie in Bayern, Württemberg und Baden, gesetzlich verboten ist,
kommen als erlaubte Ersatzstoffe der Gerste in Betracht: Reis, Mais, Hirse, Hafer und
andere stärkemehlhaltige Erüchte, deren Stärke durch die in dem gleichzeitig verwendeten
Gersten- oder Weizenmalz vorhandene überschüssige Diastase löslich gemacht und zum Teil
in vergärbaren Zucker übergeführt wird.

Während diese Ersatzstoffe zugestanden werden können, zumal wenn die Biere durch
bezeichnende Zusätze, als z. B. Reis-, Mais-Bier usw., vom Gerstenbier unterschieden werden,
so sind andere Ersatzstoffe für Gerste, wie Rohrzucker, Stärkezucker, Maltose, Sirupe,
Pflanzenextrakte (Süßholz), für ein Getränk mit der Bezeichnung „Bier“ nicht zulässig,
weil sie dem Bier eine vom Gerstenbier völlig abweichende, fremdartige Beschaffenheit
erteilen.

Die Verwendung der künstlichen Süßstoffe, wie Saccharin, Dulcin usw., ist nach dom
Gesetz vom 7. Juli 1902 in Deutschland verboten.

2.	Ersatzstoffe für Hopfen. Als erlaubter Ersatzstoff kommt nur der Hopfenextrakt
in Betracht.

Alle sonstigen Bitterstoffe und Gerbstoffe sind als unerlaubt zu bezeichnen.

3.	Zusatz von Mineralstoffen. Dem Biere zugehörig sind auch die in dem be-
treffenden Brauwasser vorhandenen gelösten Stoffe, besonders die gelösten Mineralstoffe,
von denen Calciumsulfat und Galciumkarbonat bis zu einer gewissen Menge als vorteilhaft
angesehen werden. Der Zusatz dieser Salze zu salzarmem Wasser kann daher nicht als
unerlaubt angesehen werden, wie ebensowenig die Verwendung von Kochsalz zu gewissen
Bieren (z. B. englischen) und in einzelnen Gegenden mit salzreichen Quellen.

Die Salze sind aber während des Brauvorganges zuzusetzen; der Zusatz derselben
zum fertigen Biere ist unzulässig, nicht minder der Zusatz von Alkalien oder Alkali-
karbonaten zur Abstumpfung von freier Säure oder zur Erhöhung des Kohlensäuregehaltes.
Ebenso ist der Zusatz von fremden Säuren unzulässig.

4.	Zusatz von Farbmitteln. Der Zusatz von organischen Farbstoffen ist als
Fälschung anzusehen; auch die Verwendung von Zuckercouleur ist verwerflich, weil statt
dessen Farbmalz und gebranntes Getreide als naturgemäßere Farbmittel angewendet werden
können.

5.	Zusatz von Gärungserzeugnissen. Der Zusatz von im Laufe der Gärung ent-
stehenden Stoffen, wie Alkohol, Glyzerin und Kohlensäure, ist unerlaubt und als Ver-
fälschung anzusehen, weil diese Stoffe dem Bier eine von der normalen abweichenden
Beschaffenheit verleihen, welche der Genießer nicht erwartet.

6.	Die Verwendung von Frischhaltungsmitteln, Ein gut ausgelagertes Bier
aus reinen Gärungen, das nur mehr wenig Hefe — nicht wahrnehmbar in der Schwebe —
enthält, zeigt, in reinen, pilzfreien Gefäßen aufbewahrt und vor äußerer Infektion ge-
schützt, eine große Haltbarkeit.

Aus dem Grunde sind alle Frischhaltungsmittel, wie Salizylsäure, saurer schweflig-
saurer Kalk, saures sohwefligsaures Natron oder Kali, Flußsäure und Fluorverbindungen,
Wasserstoffsuperoxyd, Borsäure und borsaure Salze, Benzoesäure und ‘ Saccharin usw., ver-
werflich und deren Verwendung als Fälschung zu betrachten.

Ein natürliches Frischhaltungsmittel des Bieres bildet die Kohlensäure. Das Ein-
Piessen von flüssiger Kohlensäure in das Bier, das sog. Karbonisieren eines schal ge-
wordenen Bieres kann jedoch, nicht gut geheißen werden (vergl. unter 5).

Hierunter fällt nicht die Verwendung der flüssigen bezw. komprimierten Kohlensäure
zum Ausschank des Bieres als Verdrängungsmittel an Stelle von Luft. Diese Art Ver-
wendung der Kohlensäure muß sogar als vorteilhaft bezeichnet werden.

Ebenso unschädlich ist das Pasteurisieren oder Erwärmen des Bieres auf 50—70°
ln geschlossenen Flaschen oder Gefäßen (Metallfässern), ohne daß der Kohlensäuregehalt
        <pb n="752" />
        ﻿730

Bier und seine Rohstoffe.

beeinträchtigt wird. Jedoch ist zu berücksichtigen, daß hierdurch außer den Organismen
auch die yon diesen abstammenden Enzyme abgetötet werden, die vielleicht für die Be-
kömmlichkeit und Verdaulichkeit nicht ohne Bedeutung sind.

II. Bierkrankheiten.

Da das Bier beim Lagern, und zwar bei höheren Temperaturen mehr als bei niederen,
schwach nachgärt, so erleidet es eine fortwährende Veränderung, wenn diese auch für
gut ausgelagertes Bier mit mäßigem unvergorenen Extraktrest nur gering ist. Diese
Nachgärung ist für die Entwickelung und Güte des Bieres sogar notwendig und nicht
schädlich, wenn sie durch Kulturhefe hervorgerufen wird. Ein ursprünglich schlecht ver-
gorenes Bier kann unter diesen Umständen durch Hefe sich trüben, aber später in der
Ruhe und Kälte wieder klar werden.

Neben diesen natürlichen und notwendigen Veränderungen treten aber häufig im
Bier noch krankhafte Veränderungen auf, die hervorgerufen werden können:

1.	Durch Bakterien, Pilze, Enzyme usw. Die Kulturhefe wird von den ver-
schiedensten Mikroorganismen begleitet, die, wenn sie in größerer Anzahl vorhanden sind,
verschiedene krankhafte Erscheinungen hervorrufen können, wie z. B. einen bitteren, bitter-
süßen, säuerlichen, obstartigen oder auch fauligen Geschmack, verbunden mit einem dem
gesunden Bier nicht eigenen Geruch, ferner starke Säuerung durch das Uberhandnehmen
von Säurebakterien; gleichzeitig kann die Viskosität des Bieres sich ändern und letzteres
fadeuziehend1) werden; auch tritt mitunter eine Änderung der Farbe und Verfärbung auf.

Die Art und Natur der die Bierkrankheiten verursachenden Mikroorganismen ist
bis jetzt noch nicht bekannt, jedoch ist sicher, daß ihr Umsichgreifen durch Unreinlichkeit
im Betriebe, unzweckmäßige Brauführung, durch das Wasser, die Luft, durch zu lange
Lagerung und durch fehlerhafte Behandlung beim Lagern begünstigt oder hervor-
gerufen wird.

2.	Durch Fabrikationsfehler; hierzu gehören:

a)	Die Stärketrübungen, die entstehen, wenn nicht alle Stärke in Zucker und
in die sich mit Jod nicht färbenden Dextrine umgewandelt sind; diese Trübungen, von Stärke
bezw. Erythrodextrin herrührend, nehmen mit der Vermehrung dos Alkohols durch die
fortschreitende Nachgärung zu. Die aus nicht genügend aufgeschlossener Würze her-
gestellten Biere geben gleichzeitig eine bessere Nährlösung für gewisse, die Hefe verun-
reinigende Mikroorganismen uud fördern deren Entwickelung und schädliche Wirkung.

b)	Die Glutin- und Eiweiß-Trübung. Erstere tritt beim Abkühlen des Bieres
auf und verschwindet beim Erwärmen, ist also vorübergehend; die durch Eiweiß bewirkte
Trübung ist bleibend.

Diese Ausscheidungen sind durch eine eigenartige Beschaffenheit des Rohstoffes
(zu stickstofifreiohe Gerste), oder durch die Bereitung und Lagerung des Malzes, oder durch
ein unzweckmäßiges Maisch- und Sudverfahren — die Ursachen sind noch nicht genügend
aufgeklärt — bedingt. Die ausgeschiedenen Biweißkörper schließen die im Bier vor-
handenen Hefen und Bakterien mit ein.

c)	Die Harztrübung, die im Verlauf der Nachgärung und Lagerung auftritt, in
einer Ausscheidung kleiner Harztröpfchen besteht und sich als staubige Suspension zeigt;
ferner die Gummitrübung, häufig verbunden mit Eiweißtrübung; sie macht das Bier
schleierig und kann durch geeignete Erwärmung vermindert, wenn auch nicht vollständig
aufgehoben werden.

Die Harz- wie Gummitrübung treten nur bei hellen Bieren auf.

d)	Das Schalwerden der Biere durch Verlust von Kohlensäure infolge schlechter
Kelierführung, sei es infolge zu langen Lagerns oder einer zu hohen Temperatur in den Keller-
räumen. Da die Kohlensäure konservierend wirkt, so zeigen diese Art Biere nur eine
geringe Haltbarkeit, schlagen um und werden ungenießbar.

3.	Bierkrankheiten durch schlechte Korksuhstanz, vorwiegend bei Flaschenbier.

Fadenziehende Biere werden unter Umständen bei längerer Lagerung ohne wesent-
liche Einbuße an Geschmack wieder normal.
        <pb n="753" />
        ﻿Untersuchung des Bieres.

731

III.	Untersuchung des Bieres.

A. Probenentnahme.

Die Probenentnahme des Bieres soll derart geschehen, daß Veränderungen desselben
während und nach der Probenentnahme möglichst hintangehalten werden, sofern dadurch
die chemische Untersuchung beeinträchtigt wird. In der Brauerei hat die Entnahme aus
dem Lagerfaß zu geschehen, und zwar mittels eines als Heber dienenden reinen oder vorher
innen und außen mit Chlorkalklösung desinfizierten und hierauf gründlich gespülten
Schlauches. Besser ist es noch, das Paß an einer außen sorgfältig gereinigten Stelle
ziemlich weit unten anzubohren und den herausspringenden Strahl erst nach kurzem Laufen-
lassen aufzufangen. Aus Sohankfässern bei den Wirten soll in ähnlicher Weise das Bier
mit sterilem Schlauch oder Heber entnommen werden, niemals aus den benutzten Hähnen,
deren Eeinheitszustand selten die Gefahr einer Infektion des Bieres ausschließt.

Zur Aufnahme der Proben sind reine Flaschen aus dunklem Glase hellen Glas-
flaschen vorzuziehen. Steiukrüge dürfen nicht verwendet werden.

Die Korke und Patentverschlüsse müssen sorgfältig gereinigt sein. Korke sind
vorher einige Zeit in Wasser zu kochen, dann auszupressen und gehörig abzuspülen, sowie
erst dann zum Verschluß zu verwenden, wenn sie genügend abgetrocknet sind, Gummi-
verschlüsse und Patentverschlüsse, sowie solche mit Suberiteinlage können verwendet werden,
sofern es sich nicht um Geschmacksproben handelt. Der Gummigeschmack läßt eine scharfe
Kostung nicht zu. Sehr zu empfehlen ist es, sich behufs Verschlußes der Flaschen guter,
mit heißem Paraffin getränkter Korke zu bedienen.

Die Bierproben sind stets sofort nach Füllung der Flaschen luft- und wasser-
dicht zu verschießen, zu siegeln und zu bezeichnen. Das Aufsetzen von Zinnkapseln auf
die Flaschen ist nicht zulässig, es sei denn, daß der Kopf der verschlossenen Flasche bis
3 ccm unter dem oberen Bande vorher in geschmolzenes Paraffin oder Siegellack oder
Pech getaucht war. Der Korkstopfen soll stets dicht über dem Bande der Flasche oben
abgeschnitten werden. Beim Eintreiben der Korke in die Flasche mittels einer Korkpresse
mt die letztere da, wo sie mit dem Pfropfen oder der Flasche in Berührung kommt, sorg-
fältig zu reinigen und pilzfrei zu machen. Die Pfropfen dürfen dann nicht, wie dies
häufig geschieht, unter den Plaschenrand hineingeschlagen werden, so daß eine Mulde
entstellt; war dies dennoch der Fall, so ist diese Vertiefung mit heißem Pech oder Siegel-
lack auszufüllen.

Gefüllte und verschlossene Flaschen müssen außen noch abgewasohen werden, weil
flie anhängenden Bierreste sonst einen guten Nährboden für Pilzvermehrungen abgeben.

Von jedem Biere sind mindestens zwei Flaschen von je 500—750 ccm zu füllen,
oder nach Umfang der Untersuchung auch noch mehr.

Bei der Versendung sind die genommenen Bierproben möglichst vor Wärme zu
schützen; es empfiehlt sich daher, sie sofort in Bis und Holzwolle oder ähnliche rein
gehaltene Stoffe zu verpacken.

Im Laboratorium dürfen Bierproben, wenn sie nicht gleich untersucht werden,
nicht in einem warmen und hellen Kaum aufbewahrt werden, sondern sie sind im kühlen
Keller oder Bisschrank im Dunkeln aufzustellen, nicht zu legen. Bier wird nämlich im
Dichte rascher verändert als im Dunkeln.

Die Untersuchung des Vergärungsgrades und der regelmäßigen Bierbestandteile
ist innerhalb acht Tagen vom Tage der Probenentnahme an zu bewirken. Zeigt sich alsdann
schon ein starker Druck in der Flasche, so war bereits Nachgärung eingetreten.

B. Chemische Untersuchung des Bieres.

Für die Untersuchung des Bieres ist zu beachten:

1.	Daß das Bier, da es eine sehr veränderliche Flüssigkeit darstellt, in tun-
ichst frischem Zustande untersucht und während der Untersuchung kühl auf-
bewahrt werden muß.
        <pb n="754" />
        ﻿782

Bier und seine Rohstoffe.

2.	Daß das Bier für alle Bestimmungen von Kohlensäure befreit
werden muß.

Das geschieht in der Weise, daß man das Bier, wenn es die Laboratoriums-
oder Beohachtungstemperatur angenommen hat, entweder in einem halbgefüllten
Kolben einige Zeit schüttelt oder aus einem großen Becherglase in ein anderes
gießt und dann 3-mal unter Bedecken des Trichters filtriert.

1.	Bestimmung des spezifischen Gewichtes. Dieselbe geschieht entweder
mittels einer genauen Westphalsehen Wage oder mittels des Pyknometers bei 15°
(vergl. S. 449) und hat vorwiegend den Zweck, die in Volumprozenten gefundenen
Werte auf Gewichtsprozente umrechnen zu können. Mitunter dient das spezifische
Gewicht auch zur Bestimmung des scheinbaren Extraktgehaltes nach der Tabelle
von K. Windisch.

2.	Bestimmung des Alkohols und Extrakts. Der Extrakt kann zwar durch
Eindampfen von 10—20 ccm Bier und Trocknen bei 105° (oder besser im Wasser-
bade und Wasserstoffstrom) bis zur Gewichtsbeständigkeit direkt bestimmt werden,
indes ist diese Art der Bestimmung bei der leichten Zersetzlichkeit der Extraktstoffe
nicht genau. Es empfiehlt sich vielmehr, den Extraktgehalt indirekt zu bestimmen
und die Bestimmung mit der des Alkohols zu verbinden.

75 ccm des entkohlensäuerten Bieres werden genau gewogen, mit noch 10 bis
15 ccm Wasser versetzt und unter Vorlage eines Pyknometers von etwa 50 ccm
Inhalt destilliert, bis die Flüssigkeit im Pyknometer die Skala oder die Marke er-
reicht hat. Der Rückstand des Destillates, der Extrakt, wird genau auf das ur-
sprüngliche Gewicht aufgefüllt, durchgemischt und davon das spezifische Gewicht
bestimmt. Aus der Extrakttahelle von Schultze-Ostermann No. XV oder der
von Balling No. XIII (im Anhänge) wird hierzu die Extraktmenge in Gewichts-
prozenten gefunden.

Das Destillat im Pyknometer wird genau hei 15° auf die Marke eingestellt
oder der Stand der Flüssigkeit auf der Skala abgelesen und dann gewogen, wodurch
man das spezifische Gewicht des Destillates erhält. Die diesem entsprechende
Alkoholmenge findet man nach der Hehnersohen Alkoholtahelle No. XVII (am
Schluß); die gefundene Zahl mit dem Gewichte des Destillates multipliziert und
durch das Gewicht des destillierten Bieres dividiert, ergibt die Gewichtsprozente
Alkohol:

Gewicht des alkoholischen Destillates x Alkohol-0/,, der Tabelle
Gewicht des entkohlensäuerten Bieres

Hierzu ist noch zu bemerken:

1.	Eine Neutralisation des Bieres zur Bindung der Säure ist nicht nötig.

2.	Wenn sich in dem Destillationsrtickstand flockige Abscheidungen (von Eiweiß)
gebildet haben, so wird die auf das ursprüngliche Gewicht aufgefüllte Bxtraktlösung vor
der Bestimmung des spezifischen Gewichtes durch ein trocknes Filter filtriert. Ein nennens-
werter Fehler entsteht hierdurch nicht.

3.	Der Bierextrakt darf sich mit Jodjodkaliumlösung (l g Jod und 4 g Jodkalium
für 1 1) weder blau (von Stärke) noch rötlich-blau (von Erythrodextrin) färben.

Bei dunklen Bieren werden 6 ccm der Extraktlösung mit 26 ccm Alkohol vermischt
und stark geschüttelt; der Alkohol wird von dem Gerinnsel abgegossen, darauf im Wasserbade
verdunstet, der Rückstand in 5 ccm destilliertem Wasser gelöst und diese Lösung mit Jod-
jodkaliumlösung geprüft.

4.	Den Alkoholgehalt kann man für viele Zwecke mit genügender Genauigkeit indirekt,
nämlich durch Division des spezifischen Gewichtes des ursprünglichen Bieres durch das des
entgeisteten Bieres, berechnen (yergl. S. 676). Der Quotient beider Zahlen gibt nämlich
das spezifische Gewicht des im Biere enthaltenen Weingeistes. Wenn man daher zu der
        <pb n="755" />
        ﻿Untersuchung des Bieres.

733

erhaltenen Zahl den entsprechenden Alkohol in der Tabelle XVII sucht und letztere Zahl
durch das spezifische Gewicht des Bieres dividiert, erhält man den Alkoholprozentgehalt
des Bieres.

3.	Extraktgehalt der Stammwürze und Vergärungsgrad. Aus Extrakt- und
Alkoholgehalt des Bieres läßt sich der Extraktgehalt der ursprünglichen Würze,
der sog. Stammwürze, sowie der Vergärungsgrad des Bieres berechnen. Man findet
ersteren schon annähernd durch Verdoppelung des Alkoholgehaltes und Addition
dieser Zahl zum Extraktgehalt, genauer jedoch durch die Formel:

100 (E -f 2,0665 A)

Extraktgehalt der Stammwürze e =
und den Vergärungsgrad durch die Formel;

100 1 —

E'

100 + 1,0665 A

worin E den Extrakt-, A den Alkoholgehalt des Bieres bedeutet.

Da während der Gärung etwas Alkohol verdunstet, so stimmt die so berechnete Zahl
nur annähernd mit dem wirklichen Extraktgehalt der ursprünglichen Stammwürze.

4.	Bestimmung des Zuckers (Rohmaltose). Das entkohlensäuerte Bier wird auf
seine etwa 4-fache Menge verdünnt, davon werden 25 ccm mit 50 ccm Fehlingscher
Lösung kalt gemischt, zum Kochen erwärmt und dann noch 4 Minuten im Kochen er-
halten. Man verfährt weiter nach S. 229, liest die dem Kupfer entsprechende Menge
Maltose aus Tabelle VI (am Schluß) ah und rechnet die für 100 ccm Bier erhaltene
Menge Maltose "durch Division mit dem spezifischen Gewicht des Bieres in Gewichts-
prozenten um.

Da das Bier außer Maltose auch noch andere, Eeh 1 ingsche Lösung direkt reduzierende
Kohlenhydrate, wie Isomaltose usw., enthält, so gibt vorstehende Bestimmung nur einen
Ausdruck für den Rohmaltose-Gehalt des Bieres.

Man pflegt daher statt der Maltose bezw. des Zuckers die noch vergärbaren
Stoffe auch in der Weise zu bestimmen, daß man das Bier aufkocht, mit 2 °/0 abgepreßter
Hefe (Typus Fr oh borg) versetzt und nach 24-stündiger Gärung auf Extraktgehalt unter-
sucht. Die Differenz zwischen dem wirklichen Extrakt vor und nach der Gärung gilt als
Gehalt an vergärbaren Stoffen. A. Bau’) will gefunden haben, daß Saazer Hefe2) die
Isomaltose nicht vergärt, während dieses von der gewöhnlichen Bierhefe (Typus Proh-
kerg) geschieht. Er glaubt daher in der getrennten Anwendung beider Hefen in Rein-
kultur ein Mittel auch zur Bestimmung der Isomaltose gefunden zu haben.

5.	Bestimmung des Dextrins. 50 ccm Bier werden mit 15 ccm Salzsäure
yon 1,125 spezifischem Gewicht versetzt, das Ganze auf 200 ccm gefüllt und unter
Aufsetzen eines langen, weiten Glasrohres als Kühler 2 Stunden lang im siedenden
Wasserhad invertiert. Darauf wird die Lösung mit Natronlauge neutralisiert, auf
^50 ccm, bei extraktreichen Bieren auf 300 com, aufgefüllt und die gebildete Glukose
m 25 ccm mit Fehlingscher Lösung, wie S. 230 angegeben, bestimmt. Die ge-
fundene Menge Glukose, mit 20 bezw. 24 multipliziert und mit dem spezifischen
Gewicht des Bieres dividiert, ergibt die in 100 g Bier durch Inversion gebildete
Menge Glukose. Diese ist aber nicht durch die Dextrine des Bieres allein, sondern
■’nch durch die noch vorhandene Maltose entstanden, weshalb man zur Berechnung
der ersteren die aus der gefundenen Menge Maltose entstandene Menge Glukose

Maltose von der Gesamtglukose in Abzug bringen muß. Der Best mit 9/10

^multipliziert, ergibt dann die im Bier enthaltene Menge Dextrin in Gewichtsprozenten
(vergk „Würze“ S. 718, No. 3).

*) Chem.-Ztg. 1893, 17, 499.

2) Zu beziehen von Dr. Rob. Muenoke in Berlin NW., Luisenstraße 58.
        <pb n="756" />
        ﻿734

Bier und seine Rohstoffe.

In den meisten Fällen genügt es, das Verhältnis von Zucker zu Nichtzncker
(Z : NZ) der ursprünglichen Würze, der Stammwürze, festzustellen, um sich ein Bild
von der Zusammensetzung des Extraktes und der Güte des verwendeten Malzes zu
verschaffen. Zu diesem Zwecke werden die gefundenen Gewichtsprozente Maltose von
den Gewichtsprozenten des Extraktes im Bier abgezogen, wodurch man die Menge
des NZ in der ursprünglichen Würze (Stammwürze) erhält. Diese, vom Extrakt-
gehalt der Stammwürze abgezogen, ergibt die ursprünglich vorhandene Menge Z
(Maltose), und nun stellt man das Verhältnis Z : NZ = 1 : x fest. Dieses soll hei
richtig ahgedarrten Malzen zwischen 1 : 0,46 und 1 : 0,54 betragen.

6.	Bestimmung des Stickstoffs. 20 ccm Bier werden in einem Kjeldahl-
Kolben auf dem Wasserhade eingedunstet, dann 20 ccm der für das Kjeldahlsche
Stickstoffbestimmungsverfahren vorgeschriehenen Schwefelsäure, sowie 1 Tropfen
Quecksilber zugesetzt und nun, wie oben S. 138 angegeben, behandelt.

Bei extraktreichen Bieren kann man den größeren Teil des Zuckers vorher
mit einer Spur Hefe vergären, weil sonst heim Zusatz von Schwefelsäure leicht
ein Uberschäuraen statthat.

7.	Bestimmung der Säure. a) Gesamtsäure ausschließlich Kohlen-
säure. 100 ccm Bier werden in einem Becherglase oder besser einer Porzellan-
schale unter stetem Umrühren schwach (1/2 Stunde lang auf etwa 40°) erwärmt,
um die Kohlensäure vollständig auszutreiben. Sodann wird mit 1/10 Normal-Alkali-
lauge nach dem Tüpfelverfahren auf neutralem Lackmuspapier titriert. Die ge-
fundenen ccm mit dem Faktor 0,009 multipliziert, ergehen die Prozente Milchsäure,
oder man gibt die Säuremenge nur in ccm Normallauge für 100 g Bier an.

Man kann sich als Indikator auch einer roten Phenolphthaleinlösung bedienen,
welche nach E. Prior wie folgt hergestellt wird:

1 Teil Phenolphthalein wird in 30 Teilen Weingeist von 30 Volumprozent gelöst;
12 Tropfen dieser Flüssigkeit werden in 20 ccm ausgekochtes Wasser gebracht und mit
0,2 ccm 1/10 N-Alkalilauge rot gefärbt. Von dieser roten Flüssigkeit, welche stets frisch
zu bereiten ist, wird je ein Tropfen in Porzellanniipfchen gebracht und das mit dem
Normal-Alkali titrierte Bier tropfenweise zugegeben, bis ein Tropfen dieser Flüssigkeit die
Phenolphthaleinlösung nicht mehr entfärbt.

b)	Essigsäure. Dieselbe wird am besten nach dem Verfahren von Land-
mann bei Zugabe von etwas Tannin unter Einleiten von Wasserdämpfen abdestilliert
und im Destillat entweder nur qualitativ nachgewiesen oder durch Titration mit
1/I0 Normallauge bestimmt, wobei 1 ccm 1/10 Lauge = 0,006 g Essigsäure ent-
spricht. Der qualitative Nachweis geschieht durch Einengen des Destillats mit
etwas Natronlauge, Versetzen mit gleichen Teilen konzentrierter Schwefelsäure und
Alhohol, worauf sich der bekannte Geruch nach Essigsäure-Äthylester einstellt.

c)	Bestimmung der Kohlensäure. Wenngleich sich der Kohlensäure-
gehalt nach dem Geschmack des Bieres annähernd beurteilen läßt, so ist doch in
vielen Fällen eine quantitative Bestimmung desselben erwünscht.

Man bestimmt die Kohlensäure in einfacher Weise dadurch, daß man durch
eine bestimmte Gewichtsmenge Bier einen kohlensäurefreien Lufstrom leitet und
die Kohlensäure in Barytwasser auffängt, aus welchem sich das kohlensaure Baryum
ausscheidet. Dieses kann entweder als solches gewogen oder durch Schwefelsäure
in schwefelsaures Baryum übergeführt und letzteres gewogen werden.

Zur genauen Bestimmung der Kohlensäure nimmt man am besten vom Fasse
selbst eine Probe. Zu diesem Zwecke macht man einen Kochkolben von etwa 500 ccm
Inhalt, der in einem doppelt durchbohrten Kautschukstopfen eine bis auf den Boden
        <pb n="757" />
        ﻿Untersuchung des Bieres.

735

reichende, unten umgebogene, und eine kurze, schwach gebogene Eöhre trägt, oder
ein zylindrisches Gefäß von verzinntem Kupfer mit 2 Messinghähnen an der Decke
des Gefäßes von nachstehender Form (Fig. 291) luftleer, verschließt die an den
Röhren befindlichen Schläuche mittels gut schließender Quetschhähne und tariert.
Der Schlauch des langen Rohres wird sodann in geeigneter Weise mit einem in das
Faß zu bohrenden Hahn verbunden und nun dieser Hahn und der Quetschhahn am
langen Rohr geöffnet. Hat sich auf diese Weise der Kolben mit etwa 300 ccm Bier
gefüllt, so wird der Quetschhahn wieder geschlossen.

Die Menge des eingefüllten Bieres wird gewogen, die Kohlensäure durch Er-
wärmen ausgetrieben und in Liebig- oder Geißler sehen Kaliapparaten auf-
gefangen. Zu diesem Zweck stellt man folgenden Apparat zusammen;

Der Kochkolben oder das nebenstehende verzinnte Kupfergefäß
wird auf einen Dreifuß gestellt, auf dem er bezw. es später erwärmt
werden kann. Der Schlauch am langen Rohr wird hei geschlossenem
Ventil mit einem Rohr verbunden, das mit Natronkalk gefüllt ist und
den Zweck hat, die später durchzusaugende Luft von Kohlensäure zu
reinigen. Der Schlauch am kurzen Rohre des Gefäßes erhält einen
zweiten Quetschhahn und wird mit einem Rtickflußkühler verbunden.

Dieser steht weiter mit einem Chlorcalciumrohr, einem Liebig- oder
Geißlersehen Kugelapparat, der mit Schwefelsäure gefüllt ist, und
darauf mit einem solchen, der Kalilauge enthält, dann mit einem
Kugelröhrohen, das Kalistüoke enthält, und schließlich wieder mit
einem Chloroalciumrohr in Verbindung.

, Der Kalikugelapparat und das mit Kalistücken gefüllte
Kugelrohr werden vor der nachfolgenden Ausführung der Bestimmung
gewogen.

Schließt der so zusammengestellte Apparat luftdicht, so wird von den beiden ge-
schlossenen Quetschhähnen zwischen Kühler und Kochkolben der dem letzteren nächst-
befindliche geöffnet und darauf der andere nur wenig und vorsichtig, um die im Kolben einen
Druck verursachende Kohlensäure langsam nach den Ahsorptionsapparaten entweichen zu
lassen. Ist dies geschehen, so wird die noch gelöste Kohlensäure durch vorsichtiges Er-
wärmen und darauffolgendes Kochen vollständig ausgetrieben. Zuletzt verbindet man das
letzte Chlorcalciumrohr mit einem Aspirator und saugt, nachdem man auch den Quetsch-
hahn zwischen Koch kolben und dem Natronkalkrohr geöffnet hat, durch den ganzen Apparat
Duft hindurch. Sodann werden der Kalikugelapparat und das mit Kalistücken gefüllte
Kugelrohr gewogen. Die Zunahme des Gewichtes gibt die Menge Kohlensäure in dem
angewendeten bestimmten Gewicht Bier an, woraus sich leicht die Gewichtsprozente be-
rechnen.

Ist das Bier in gut verkorkten Flaschen eingesandt, so bedient man sich zum Auf-
fangen der im Überdruck vorhandenen Kohlensäure eines besonderen, hohlen, unten mit
eiI&gt;er Seitenöffnung versehenen, durchbohrten Pfropfenziehers, dessen oberes Ende mittels
Schlauches mit dem Rückflußkühler verbunden ist. Statt dieses Propfenziehers kann man
®'ch auch eines Korkhohrers bedienen, in dessen unteres Ende über der Höhe des durch
Jhn auszubohrenden Korkstückchens man durch Aufeileu eine kleine Öffnung gemacht hat
ünd dessen oberer Griff durch Ab- und Wiederanschmelzen um einige Zentimeter nach
unten gedrückt worden ist. Man verbindet das frei gewordene obere Ende des Röhr-
chens mittels Kautsohukschlauches mit dem Rückflußkühler, bringt an dem Schlauch einen
geschlossenen Quetschhahn an und bohrt den Korkbohrer in den Kork der Flasche. Sodann
aßt man die unter Druck befindliche Kohlensäure langsam durch vorsichtiges Öffnen des
Quetschhahnes entweichen und erwärmt, nachdem dies geschehen, die Flasche noch in einem
asserhad. Erst wenn die Kohlensäure fast ganz ausgetrieben ist, wechselt man den Kork
und den Korkbohrer mit einem doppelt durchbohrten und in obiger Weise mit Glasröhren
ersehenen Kautschukstopfen aus und saugt Luft durch den Apparat.





Fig. 291. Vorrichtung
zum Einfüllen des
Bieres für die Kohlen-
säurehestimmung.
        <pb n="758" />
        ﻿736

Bier und seine Rohstoffe.

8.	Bestimmung des Glyzerins. 50 ccm Bier werden mit etwa 3 g Kalkhydrat
Ca(0H)2 zum Sirup eingedampft, mit etwa 10 g grob gepulvertem Marmor oder
Seesand gemischt und zur Trockne gebracht, wobei es nicht ratsam ist, daß der
Eückstand ganz trocken oder sogar hart wird. Man trennt denselben vollständig
von der Schale und kocht ihn mit 100-150 ccm starkem (etwa 96°/0-igem)
Alkohol aus. Der alkoholische Auszug wird nach der Filtration verdampft, bezw.
der Alkohol abdestiliiert und der Rückstand wieder mit 10 ccm absolutem Alkohol
gelöst.

Zu dieser Lösung gibt man in 3 Portionen 15 ccm Äther hinzu, jedesmal
die Lösung ordentlich mischend, und läßt absitzen. Die überstehende klare, das
Glyzerin enthaltende Ätheralkohollösung wird abgegossen, der Rückstand nochmals
mit 5 ccm Alkohol behandelt und in 2 Portionen mit 7,5 ccm Äther durchgeschüttelt,
wodurch auch das im Eückstand noch verbliebene Glyzerin ausgezogen wird. Die
Ätheralkohollösung wird im tarierten Wägegläschen bis zum starken Sirup
verdampft, dann noch 1 Stunde im Wassertrockenschrank getrocknet, gewogen und
das erhaltene Glyzerin auf etwa vorhandenen Zucker geprüft. Meist ist es ratsamer,
die Ätheralkohollösung in einer Platinschale einzudampfen, wie oben zu trocknen
und das erhaltene Glyzerin auf einen etwaigen Aschengehalt zu prüfen, der in
Abzug gebracht werden muß.

9.	Bestimmung der Mineralstoffe. Zur Bestimmung der Asche werden 50 ccm
Bier in einer gewogenen Platinschale eingedampft und nach S. 194 verascht.

Zur Bestimmuug der Phosphorsäure dampft man 50—100 ccm Bier mit
einigen Tropfen Soda- oder Barytlösung (etwa 0,2—0,3 g BaO) ein und verascht,
löst die Asche in Salpetersäure und bestimmt die Phosphorsäure nach dem Molybdän-
Verfahren (S. 150) oder man fällt die Phosphorsäure direkt in der mit zitronensaurem
Ammon versetzten Lösung mit Magnesiamischung nach S. 152. Der Phosphorsäure-
gehalt beträgt gewöhnlich zwischen 0,06—0,1 g für 100 g Bier.

Die Schwefelsäure wird bestimmt, indem man weitere 100 ccm Bier mit
Soda und Salpeter eindampft, verascht und die Asche in Salpetersäure löst. Die
Lösung wird durch Zusatz von Chlorammonium salzsauer gemacht und nun in be-
kannter Weise mit Chlorbaryum gefällt.

Zur Bestimmung des Chlors braucht man nur mit etwas Soda einzudampfen
und zu veraschen. Die Asche wird in Salpetersäure gelöst und das gebildete
Natriumchlorid mit salpetersaurem Silber gefällt, der Niederschlag in bekannter
Weise behandelt und gewogen. Einfacher ist es, man neutralisiert die salpetersaure
Lösung genau mit Natronlauge oder Magnesiumoxyd und titriert mittels 1/10 Normal-
Silberlösung unter Anwendung von chromsaurem Kalium als Indikator.

10.	Bestimmung der Farbentiefe. (Yergl. unter Malz S. 713.)

11.	Bestimmung der Viskosität oder Vollmundigkeit. Dieselbe geschieht
mittels des Viskosimeters (vergl. weiter unten unter „Schmieröle“).

12.	Nachweis von Frischhaltungsmittelu. a) Prüfung auf schweflige
Säure bezw. sauren schwefligsauren Kalk. 200 ccm Bier werden wie bei
Wein usw. mit Phosphorsäure im Kohlensäurestrome und unter Vorlage von Jod-
lösung destilliert. Nachdem etwa 100 ccm Destillat übergegangen sind, wird die
Lösung in der Vorlage mit Salzsäure angesäuert und die durch das Jod in Schwefel-
säure übergeführte schweflige Säure nach dem Erhitzen mit Chlorbaryum gefällt
und als schwefelsaures Baryum gewogen.

Bei reinem Bier soll das Destillat nicht mehr als 10 mg schwefelsaures Baryum
ergeben.
        <pb n="759" />
        ﻿Untersuchung des Bieres.

737

b)	Nachweis von Borsäure. Da die Borsäure nach neueren Untersuchungen
in der Natur sehr weit verbreitet ist und auch im Hopfen vorzukommen pflegt, so
ist der qualitative Nachweis geringer Mengen Borsäure im Bier noch kein Beweis
für einen künstlichen Zusatz derselben.

Zum Nachweise derselben werden 100 ccm Bier unter Ubersättigen mit Natrium-
karbonat eingedampft und eingeäschert.

Treten die Borsäure-Reaktionen (vergl. S. 480) mit Kurkuma, besonders die
Kirschrotfärbung bezw. die Blaufärbung nach Zusatz von Natriumkarbonat, sehr
stark auf, so ist ein Borsäure-Zusatz wahrscheinlich, und man bestimmt dann deren
Menge nach den S. 480 angeführten Verfahren (vefgl. auch unter Wein).

c)	Nachweis von Fluorverbindungen. 100 ccm entkohlensäuertes Bier
und mehr werden nach W. Windisch1) zum Sieden erhitzt und mit Kalkwasser
bis zur stark alkalischen Reaktion versetzt. Der entstehende voluminöse Nieder-
schlag, der sich rasch absetzt, enthält die größte Menge des Fluors. Er wird,
nachdem die überstehende klare Flüssigkeit abgehebert ist, zum Kochen erhitzt und
durch ein Leinwandtuch filtriert. Alsdann wird der feuchte Niederschlag in
dem zusammengefalteten Leinwandtuch zwischen Filtrierpapier abgepreßt, mit
einem Messer abgekratzt, in einen Platintiegel gebracht, bei kleiner Flamme ge-
trocknet, geglüht, nach dem Erkalten in dem Tiegel gepulvert, mit 3 Tropfen
Wasser durchfeuchtet und mit 1 ccm konzentrierter Schwefelsäure versetzt. Sofort
nach dem Zusatz der Schwefelsäure wird der behufs Erhitzens auf eine Asbestplatte
gestellte Platintiegel mit einem großen Uhrglas bedeckt, das auf der Unterseite in
bekannter Weise mit Wachs überzogen und beschrieben ist. Um das Schmelzen des
Wachses zu verhüten, wird auf das Uhrglas ein Stückchen Eis gelegt.

Über die quantitative Bestimmung des Fluors durch Ätzverlust vergl.

H.	Ost und A. Schumacher2) oder besser als Siliciumfluorid bezw. Siliciumfluor-
Wasserstoffsäure S. 163 bezw. auch S. 747.

d)	Nachweis von Salizylsäure. 100 ccm Bier werden mit etwas Schwefel-
säure angesäuert und mit 100 ccm eines Gemisches von gleichen Eaumteilen Äther
nnd Petroleumäther ausgeschüttelt. Die hierbei entstehende Emulsion kann durch
Zusatz von Alkohol beseitigt werden. Das Äthergemisch, welches keine oder nur
Spuren Gerbsäure löst, wird verdunstet und der Rückstand nach dem Lösen in
Wasser mit sehr verdünnter Ferrichloridlösung und Milions Reagens geprüft, mit
Welchem letzteren Salizylsäure eine schöne Rotfärbung gibt.

Bleibt letztere Reaktion aus, so kann die Ferrichloridreaktion von Maltol,
aus Farbmalz stammend, herrühren.

Da aber tief dunkle Biere mit Mil Ions Reagens schöne Eotfärbung liefern,
80 empfiehlt sich bei diesen eine weitere Reinigung des ersten Auszuges, indem man
den Rückstand mit Wasser aufnimmt, die Lösung mit Leimlösung versetzt und die
Äusschüttelung mit dem Äthergemisch wiederholt.

Quantitativ wird die Salizylsäure nach dem kolorimetrischen Verfahren
bestimmt.

Da die Rohstoffe des Bieres wie Hopfen und besonders Malz behufs Haltbarmachung
ttutunter mit Salizylsäure versetzt werden, so findet sich unter Umständen aus diesem Grunde
Salizylsäure im Bier.

e)	Nachweis von Benzoesäure wie bei Milch (S. 479).

f)	Nachweis von Formaldehyd wie bei Milch (S. 482).

l)	Wochenschr. f. Brauerei 1896, 13, 449.

') Berichte der Deutschen ohem. Gesellschaft 1893, 26, 151.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3, Auflage.

47
        <pb n="760" />
        ﻿738

Bier und seine Rohstoffe.

13.	Nachweis von Neutralisationsmitteln. Der Nachweis von Neutralisations-
mitteln, als welches vorwiegend Natrinmhikarhonat angewendet wird, ist hei der
geringen Menge, in welcher sie angewendet werden, sehr schwierig und aus dem
Aschengehalt allein nicht zu ermitteln.

Ed. Spaeth1) hat für den Zweck folgendes Verfahren angegeben:

500 ccm Bier werden mit 100 ccm 10 °/0-iger Ammoniakflüssigkeit versetzt
und .12 Stunden (nach neueren Mitteilungen Spaeths* 2) genügen 4—5 Stunden)
stehen gelassen. Alsdann wird filtriert; zweimal je 60 ccm des Filtrates werden
eingedampft, eingeäschert, die Phosphorsäure nach dem Molybdän-Verfahren bestimmt
und auf primäres Phosphat berechnet. Ferner werden 250 ccm des arnmoniakalischen
Filtrates mit 26 ccm Bleiessig gemischt, geschüttelt und nach 6-stündigem Ahsetzen
filtriert. 200 ccm dieses Filtrates werden durch Abdampfen von Ammoniak befreit
und der Rückstand von 30—40 com wieder auf 200 ccm aufgefüllt und filtriert.
175 ccm des Filtrates säuert man mit Essigsäure an und fällt mit Schwefelwasser-
stoff. Nach Beseitigung des entstandenen Niederschlages durch Filtration und nach
Entfernung des Schwefelwasserstoffes durch Hindurchleiten von Luft werden 150 ccm
des Filtrates eingedampft und eingeäschert. Die Asche wird in Wasser gelöst und
nach dem Hinzugehen einer bestimmten Menge 1j10 Normal-Schwefelsäure mit 1IJ0
Normal-Kalilauge unter Anwendung von Phenolphthalein als Indikator zurücktitriert.
Ein größerer Verbrauch an 1/lO Normal-Säure für die Bierasche, welcher dem aus der
gefundenen Phosphorsäuremenge berechneten entspricht, weist auf zugesetzte Neu-
tralisationsmittel hin.

14.	Nachweis von Zuckercouleur und organischen Farbstoffen. Der Zusatz
von Zuokercouleur läßt sich nach Aubry dadurch nachweisen, daß man in das
in einem zylindrischen Stöpselglase befindliche Bier so lange Ammonsulfat gibt, als
sich davon auflöst, dann ein gleiches Volumen Alkohol zusetzt, kräftig durchschüttelt
und absitzen läßt. Nach einigem Stehen bilden sich in der Flüssigkeit 2 Schichten,
von denen die obere fast alle Farbe enthält, wenn diese nur von den Rösterzeugnissen
des Malzes (Farbmalzes) herrührt, während bei stattgehabter Anwendung von Zucker-
couleur und ähnlicher künstlicher Couleur die untere Schicht stärker gefärbt er-
scheint.

Gewisse Teerfarbstoffe erkennt man daran, daß das Bier durch Ansäuern mit
Schwefelsäure eine stark rote Färbung annimmt.

15.	Nachweis von Saccharin. Wenn der von der Prüfung auf Salizylsäure
erhaltene Rückstand einen süßlichen Geschmack hat, so muß man auf Saccharin
prüfen.

200—500 ccm Bier werden nach Ed. Spaeth3) mit etwas Kupfernitrat ver-
setzt, zur Hälfte eingedunstet, dann nach Zusatz von etwas Phosphorsäure und See-
sand vollständig zur Trockne verdampft und der Rückstand wiederholt mit Äther-
Petroläther ausgezogen. Die vereinigten, durch Abscheiden im Scheidetrichter
gewonnenen Auszüge werden im Wasserbade abdestilliert, der Rückstand mit
wenigen Tropfen einer sehr verdünnten Natriumkarbonatlösung gelöst und auf Ge-
schmack geprüft. Ein süßer Geschmack beweist die Anwesenheit von Saccharin.

Zum sicheren Nachweise und zur quantitativen Bestimmung wird der Rück-
stand vom Äther-Petroläther-Auszug mit Natriumkarbonat wie vorhin gelöst, in
einem Porzellanschälchen unter Zusatz von 1—2 g festem Natriumkarbonat zur

*) Forschungsberichte über Lebensmittel usw. 1895, 2, 303.

2)	Zeitschr. f. angew. Chemie 1898, 4.

3)	Ebenda 1893, 579.
        <pb n="761" />
        ﻿Untersuchung des Bieres.

739

Trockne verdampft und dieser Rückstand langsam in schmelzenden Natronsalpeter ein-
getragen. In der Schmelze wird die Schwefelsäure quantitativ bestimmt und daraus
das Saccharin berechnet. 1 Teil Baryumsulfat = 0,7857 g Saccharin, d. h. Ben-

zoesäuresulfimid C0H4 &lt; go &gt; NH.

In dem salzsauren Filtrat von der Baryurasulfat-Fällung kann man unter
Umständen bei vorsichtigem Schmelzen nach Ausschütteln mit Äther auch qualitativ
noch Salizylsäure nachweisen.

16. Prüfung auf Bitterstoffe und Alkaloide. Ein kurzes, als Vorprüfung an-
wendbares Verfahren hat Dietsch angegeben: Man gibt zu etwa 50 ccm Bier so
lange Bleiessig, bis kein Niederschlag mehr erfolgt, läßt diesen absitzen und prüft
die darüberstehende Flüssigkeit auf Geschmack. Dieselbe soll nicht mehr bitter
schmecken, wenn nur Hopfen verwendet worden war (da das Hopfenbitter durch
Bleiessig gefällt wird), während bei Verwendung von anderen Bitterstoffen die
Flüssigkeit bitter bleibt.

Auf Pikrinsäure wird nach Vitali folgendermaßen geprüft: Man schüttelt
10 ccm Bier mit 5 ccm Amylalkohol aus, verdunstet diesen und behandelt den
Rückstand mit Cyankalium oder Schwefelammonium in der Wärme, Das Eintreten
einer blutroten Färbung zeigt die Anwesenheit von Pikrinsäure an.

Nach Dragendorff verfährt man folgendermaßen: 2 1 Bier werden auf dem
UVasserbade bis etwa zur Hälfte eingedampft, dann mit möglichst basischem Blei-
essig so lange versetzt, als ein Niederschlag entsteht. Die Flüssigkeit wird abfiltriert
(der Niederschlag nicht ausgewaschen), mit Schwefelsäure das überschüssige Blei
entfernt, mit Ammoniak fast neutralisiert und auf 250—300 ccm eingedampft.
Darauf wird mit starkem Alkohol ausgeschüttelt, 24 Stunden am kühlen Ort absitzen
gelassen und filtriert. Das Filtrat wird eingedunstet, der wässerige Rückstand
Wehrmals mit farblosem, bei 80° siedendem Benzin ausgeschüttelt. Nachdem das
Benzin bei möglichst niedriger Temperatur abgedunstet ist, enthält der Rückstand
wöglicherweise Brucin, Colchicin (bei Anwendung von Herbstzeitlose), Strychnin,
Eolocynthin (Coloquinten) und Lupulin (Hopfen). Man teilt denselben in 3 Portionen,
setzt zu der einen Salpetersäure von 1,33—1,40 spezifischem Gewicht, worauf Brucin
durch starke Rotfärbung angezeigt wird, Colchicin sich dagegen durch violette
Farbe zu erkennen gibt (Lupulin zeigt eine ähnliche Färbung). Zur zweiten
Dortion gibt man konzentrierte Schwefelsäure, womit Colooynthin Rotfärbung
bewirkt; zur dritten Portion gibt man konzentrierte Schwefelsäure und ein Körnchen
Raliumbichromat, wodurch Strychnin mit stark purpurvioletter Farbe angezeigt
wird. Die mit Benzin ausgeschüttelte Flüssigkeit selbst wird von Benzin befreit
und dann mit Amylalkohol ausgeschüttelt. Die Lösung des Amylalkohols soll nahezu
farblos sein und nicht bitter schmecken. Hinterläßt sie beim Verdunsten auf dem
Uhrschälchen feine weiße kristallinische Ausscheidungen, so läßt sich auf Pikrotoxin
schließen; eine gelbe, safranartige Masse zeigt Aloe an.

Die obige, von Amylalkohol befreite Flüssigkeit wird dann zum dritten Male
und zwar mit Äther ausgeschüttelt, welcher Absinthin (Wermutkraut) aufnehmen
würde, das nach dem Verdunsten des Äthers und nach Zusatz von konzentrierter
chwefelsäure sich durch eine Braunfärbung zu erkennen gibt, die durch Rot in
lauviolett übergeht. Nach der Ätherausschüttelung kann die Flüssigkeit noch
Vuassiin, Menyanthin und Gentipikrin (Enzianbitter) enthalten. Ein stark bitterer
eschmack läßt das Vorhandensein derselben vermuten. Glaubt man einen der
, 0 uufgefunden zu haben, so ist sehr zu empfehlen, einen Vergleich mit wirklich
ueiuem Bier anzustellen.

47*
        <pb n="762" />
        ﻿740

Bier und seine Rohstoffe.

17. Mikroskopische Untersuchung. Für die mikroskopische Untersuchung
läßt man ein trübes Bier in verschlossener Flasche, geschützt vor Sonnenlicht, ruhig
stehen, bis sich die Schwebeteilchen zu Boden gesetzt haben. Zur Beschleunigung
des Absetzens auch hei nur mäßig trüben Bieren kann man zentrifugieren.

Hat sich der Bodensatz gebildet, so wird die Flasche äußerlich zunächst mit
Wasser, dann durch Ab reiben mit Alkohol von anhaftender Hefe gereinigt, das
überstehende klare Bier entweder abgegossen oder ahgehebert, ohne daß der Boden-
satz aufgerührt wird, und letzterer der mikroskopischen Untersuchung auf Hefen-
arten, Bakterien und die S. 730 erwähnten Trübungen untersucht.

Die „echte“ Kulturhefe läßt sich an ihrer mehr rundlich-ovalen Form,
die „wilde“ Hefe an ihrer mehr länglichen oder auch zitronenartigen Form (vergl.

S.	721 u. 723) deutlich von denBakterien, Kokken und Sarcinaarten unterscheiden.

Stärke-Trübungen färben sich unter dem Mikroskop mit Jodjodkalium blau,
Dextrin- oder Kleister-Trübungen rötlich bis rötlich-violett, Eiweiß-Trübung
gelb. In letzterem Falle liefert der Bodensatz mit Milions Reagens auch Rotfärbung.

Harz-Trübungen geben sich als kleine, gelb- bis dunkelbraune Körnchen oder
krümelige Massen zu erkennen, wenn man die umhüllenden oder eingeschlossenen Hefen
und Bakterien durch Zusatz eines Tropfens einer 10 °/0-igen Kalilauge aufgelöst hat.

Zur Ermittelung und Unterscheidung der Mikroorganismen kann das von
Lintner1) empfohlene Verfahren, die Tröpfchenkultur oder Beobachtung im
hängenden Tropfen dienen (vergl. S. 722 u. ff.). Hiernach wird das Bier direkt mittels
sterilisierter Schreib- und Zeichenfeder in mehreren Reihen zu lang ausgezogenen
Tröpfchen auf ein vorher flambiertes Deckgläschen aufgetragen und letzteres mittels
Vaseline auf einem hohlen Objektträger befestigt.

Die in dem Bier enthaltenen Keime wachsen infolge der eingeschlossenen Luft
selbst in älteren Bieren kräftig aus; die jungen Zellen bleiben um die Mutterzellen
gelagert und bilden Gruppen, die bessere Unterschiede zeigen, als einzelne ausgesäete
Zellen. Es gelingt auf diese Weise, nicht nur die Kulturhefe von der wilden Hefe
zu unterscheiden, sondern auch die Bakterien, z. B. die Sarcinaarten und Milch-
säure-Bakterien, auf dem natürlichen Substrat zum Wachstum zu bringen.

IV,	Anhaltspunkte für die Beurteilung.

1.	Eigenschaften eines guten Bieres. Das zum Genuß gelangende Bier soll klar-)
oder höchstens schwach opalisierend sein. Auf der Oberfläche soll sich beim Ausschenken
in ein Glas ein aus kleinen Bläschen bestehender Schaum bilden, der kurze Zeit stehen
bleibt und dann erst allmählich zusammenfällt, während aus der Flüssigkeit stets kleine
Gasbläsohen von Kohlensäure aufsteigen. Der Geschmack muß rein, prickelnd nach Kohlen-
säure und je nach der Biersorte süß malzig oder hopfenbitter sein. Obergärige Biere dürfen
ferner einen säuerlichen Geschmack besitzen, während dieser bei untergärigen Bieren neben
der Kohlensäure nicht hervortreten darf. Bezüglich des Kohlensäuregehaltes ist die Art
des Bieres maßgebend.

2.	Trübungen des Bieres. Bei Beurteilung der Trübungen ist zu berücksichtigen,
daß jedes zum Genuß gelangende, auch reife Bier Hefezellen in der Schwebe enthält, und
daß ein Bier, dessen Trübung ausscbießlich aus Kulturhefe besteht, die sich bei mehrtägigem
ruhigen Stehen absetzt, als unreif zu bezeichnen, nicht aber zu beanstanden ist.3)

J) Lintner. Mikroskopische Betriebskontrolle in den Gärungsgewerben. Berlin 1896,
69, 127 u. ff.

2)	Einige besondere Biersorten, z. B. Weißbier, pflegen nicht klar zu sein; andere
auf der Flasche erzeugten Biere haben einen Bodensatz von Hefe, die sich beim Ausfullen
leicht hebt, aber auch wieder bald zu Boden setzt.

3)	Auf Flaschen reifende Biere haben an sich einen Bodensatz.
        <pb n="763" />
        ﻿Anhaltspunkte für die Beurteilung.

741

Auch schwache Eiweiß-Trübungen und solche von Harz und Gummi sind nicht zu
beanstanden, da sie sich nicht immer vermeiden lassen.

Dagegen müssen größere Ausscheidungen von Stärke und Eiweiß, als von entweder
fehlerhaftem Rohstoff oder fehlerhafter Fabrikation herrührend, verworfen werden.

Desgleichen sind Trübungen, die nur von Bakterien und wilden Hofen1) herrühren,
zu beanstanden. In beiden Fällen zeigt das Bier auch einen abnormen Geschmack

8.	Der Vergäruugsgrad. Der Vergärungsgrad der Biere liegt im allgemeinen
zwischen 45—50 °/0; obergärige Biere sind meistens stärker vergoren als untergärige. Biere
mit schwachem Vergärungsgrad sind durchweg weniger haltbar als stark vergorene Biere;
jedoch gibt es von diesen Regeln auch Ausnahmen. Jedenfalls läßt sich eine feste, all-
gemein gültige Regel für den Vergärungsgrad nicht angeben, da derselbe sehr verschiedenen
Umständen (dem Rohstoff, der Hefe, dem Gärvorgang und dem Geschmack des Publikums)
angepaßt werden muß.

4.	Aus den vorstehenden Gründen läßt sich für den Gehalt an liohmaltose bezw.
besser an noch vergärbaren Stoffen (S. 733) eine bestimmte Grenzzahl nicht festsetzen.

5.	Der Stickstoffgehalt in Prozenten des Bierextraktes beträgt durchschnittlich
1 °/o und sinkt selten unter 0,9 °/0; geht er auf 0,6—0,7 °/0 herab, so ist die Verwendung
von zuckerreichen und stickstoffarmen Ersatzstoffen wahrscheinlich.

Man kann den Stiokstoffgehalt auch auf Trockensubstanz der Stammwürze berechnen;
diese enthält unter normalen Verhältnissen 0,4—0,5 °/0 Stickstoff.

6.	Der Aschengehalt des Bieres geht selten über 0,3°/0 hinaus; ein Mehr kann
auf Zusatz von Neutralisationsmitteln hindeuten.

Für den Gehalt an Phosphorsäure, sowie für den an Chlor und Schwefel-
säure läßt sich eine Grenzzahl nicht festsetzen; der Gehalt hieran richtet sich ganz nach
dem Gehalt der Stammwürze einerseits und nach dem des Brauwassers andererseits.

Im allgemeinen schwankt der Phosphorsäuregehalt im Bier zwischen 0,06 bis
0-09 °/0 und geht dem Stickstoffgehalt parallel, so daß derselbe in Prozenten der Trocken-
substanz der Stammwürze wie letzterer 0,4—0,5 °/0 beträgt.

7.	Die Gesamtsäure des Bieres überschreitet selten eine Menge, die 3 ccm Normal-
Alkali — bei Weißbier bis zu 5 ccm Normal-Alkali — für 100 g Bier entspricht; geht die
Menge unter 1 ccm Normal-Alkali hinunter, so ist das Bier der Neutralisation verdächtig.

Flüchtige Säuren, wie Essigsäure, sind zwar spurenweise in jedem Bier vor-
handen, sollen aller in untergärigen Bieren kaum nachweisbar bleiben. Obergärige Biere
^reichen mitunter einen Gehalt von 0,08 °/0 Essigsäure.

8.	Der Glyzeringehalt eines natürlichen Bieres überschreitet 0,3 g für 100 g Bier
üicht. Jedoch soll man sich nach erfolgter Wägung von der Reinheit des analytisch
gewogenen Glyzerins überzeugen.

9.	Bezüglich der Frischhaltungsmittel ist zu berücksichtigen, daß geringe Mengen
schwefliger Säure in jedem Bier verkommen und vom Schwefeln des Hopfens und der
Gerste herrühren können; wenn jedoch deren Menge mehr als 10 mg Baryumsulfat für
100 ccm Bier entspricht, so ist ein künstlicher Zusatz zum Zwecke der Frischhaltung
“es Bieres anzunehmen.

Spuren von Salizylsäure können von der Frischhaltung von Malz und Hopfen,
Puren von Borsäure, wie schon S. 737 gesagt, aus dem Hopfen herrühren. Mehr als
eine schwache Reaktion ist jedoch nicht zulässig und sind auch die anderen (S. 729) an-
geführten Frischhaltungsmittel, wie ebenso die Neutralisationsmittel, künstliche Färbungen
Und Hopfen-Ersatzstoffe zu beanstanden.

tt .	^ Hierbei ist zu berücksichtigen, daß mitunter absichtlich kleinzellige, den wilden

® en ähnliche Hefen, auch Weinhefen, angewendet werden.
        <pb n="764" />
        ﻿Obst- und Beerenfrüchte sowie deren
Erzeugnisse.

A. Weintrauben, Obst- und Beerenfrüchte.

Die Weintrauben bezw. das Obst und Beerenobst gelangen wohl nur selten als
solche im natürlichen Zustande zur chemischen Untersuchung; man untersucht viel-
mehr meist nur den ausgepreßten Saft bezw. Most.

Sollen indes auch die natürlichen Rohstoffe untersucht werden, so ver-
fährt man:

1.	Bei Weintrauben (und Beerenobst) wie folgt:

Die Trauben werden einzeln oder auch insgesamt gewogen, die Beeren vor-
sichtig abgepfliickt, indem man sie in ein darunter stehendes Gefäß so fallen läßt,
daß kein Saft verloren geht. Die abgepflückten Kämme und Beeren werden jede
für sich gewogen.

Die Beeren werden zunächst leicht zerdrückt, der Saft durch ein Flanelltuch
abgeseiht, dann die rückständige Masse in diesem entsprechend stark ausgepreßt,
der aus Kernen und Schalen bestehende Preßrückstand (Trester) vollständig vom
Preßtuch entfernt und gewogen; die Menge des Saftes ergibt sich aus der Differenz
zwischen Gesamtgewicht der Beeren und des Preßrückstandes.

Saft und Preßrückstand werden getrennt für sich, wie üblich, untersucht
und aus der Zusammensetzung derselben, sowie aus dem Mengenverhältnis beider
Anteile nötigenfalls die prozentige Zusammensetzung der ursprünglichen Beeren
berechnet.

Zur Wasserbestimmung müssen die Preßrückstände nach S. 254 vor-
getrocknet werden; für Saft sind die für Milch bezw. Eübensäfte (S. 469 bezw. 610)
angegebenen Vorsichtsmaßregeln zu berücksichtigen. Zucker und Säure im Saft
werden wie unten bei Most angegeben bestimmt, die übrigen Bestandteile nach den
unter „Untersuchung der Futtermittel“ (S. 208—252) beschriebenen Verfahren.

2.	Obst (Äpfel und Birnen).

Diese werden von Stielen befreit, dann gewogen, tunlichst dünn abgeschält,
durchgeschnitten, Kerne und Mark herausgenommen und alle 3 Teile zusammen
gewogen; das Fruchtfleisch ergibt sich aus der Differenz. Sollen die Abfälle
(Schale, Kerne usw.) untersucht werden, so werden sie nach S. 254 vorgetrocknet,
gemahlen und so der Untersuchung unterworfen.

Das Fruchtfleisch dagegen wird mit der Kartoffelreibe fein zerrieben und
der Brei direkt wie bei Eübenbrei usw. (S. 602 u. ff.) untersucht. Die Unter-
suchung muß, besonders die auf Zucker und Säure, sehr schnell vorgenommen
werden, weil der Obstbrei, wie Fruchtsäfte überhaupt, beim Aufbewahren unter
Luftzutritt sich sehr rasch zersetzen.
        <pb n="765" />
        ﻿Obstkraut, Rübenkraut und Malzkraut.

743

Für gewöhnlich ist indes mehr daran gelegen, die Menge des Ohstsaftes und
dessen Zusammensetzung kennen zu lernen. Man wägt zu dem Zweck eine Anzahl
Apfel oder Birnen ah, zerreibt diese mit einer Reibmaschine, bringt den Brei wie
bei Zuckerrüben in ein Flanellpreßtuch, preßt gehörig aus, wägt den Preßrück-
stand zurück und erfährt die Saftmenge aus der Differenz. Saft und Preßrückstand
(Trester) werden dann wie bereits angegeben weiter untersucht.

B. Obsterzeugnisse.

I.	Obstkraut, Rübenkraut und Malzkraut (oder sog. Maltose).

Unter „Obstkraut“ wird ebenso wie unter „Rübenkraut“ (auch wohl „Sirup“,
„Gelee“ oder „Mus“ genannt) das durch Eindunsten des Obst- bezw. Zuckerrüben-
saftes ohne Zusätze gewonnene Erzeugnis verstanden. Hierzu gesellt sich das sog.
Malzkraut, welches durch Einwirkung von Diastase (Malz) auf Maisstärke usw. ge-
wonnen wird und denselben Zwecken dienen soll.

Das wertvollere Obstkraut wird vielfach durch Rübenkraut, Malzkraut, Rohr-
zucker oder auch durch die billigen Stärke- oder Dextrinsirupe1) verfälscht.

Die Untersuchung und Nachweisung der Verfälschungen kann in folgender
Weise geschehen;2)

1.	Wasser. 3—6 g Kraut bezw. Sirup werden wie Zuckersäfte usw. (S. 610)
behandelt. Oder man löst ebenso zweckmäßig und sicher 10 g in 100 ccm Wässer,
bringt hiervon 25 bezw. 50 ccm in ein flaches, mit hinreichend geglühtem Seesand
beschicktes Glasschälchen, dampft erst bis zur Sirupkonsistenz im Wasserbade ein,
bringt dann in einen Yakuum-Trockenschrank und trocknet 4—5 Stunden im Vakuum
bei 100°. Nur letzteres Trockenverfahren liefert gleichbleibende und richtige Er-
gebnisse.

Ebenso zweckmäßig ist die indirekte Bestimmung nach Windisch (Tabelle XIX
im Anhänge), indem man 25 g mit Wasser auf 100 ccm löst und von der Lösung
das spezifische Gewicht bestimmt.

2.	Optisches Verhalten. 10 g Kraut bezw. Sirup werden in etwa 80 ccm
Wasser gelöst, mit 10 ccm (zuweilen auch mit 15—20 com) Bleiessig versetzt, auf
100 ccm gebracht und im 200 mm-Rohr polarisiert. A. Stutzer8) nimmt eine
5-fache Verdünnung; 100 g werden in einem Becherglase abgewogen, in wenig
heißem Wasser gelöst, unter Abkühlen auf 1/2 1 gebracht, hiervon nach hinreichendem
Mischen 200 ccm genommen, diese mit einem annähernd gleichen Volumen gereinigter
und völlig trockner Knochenkohle versetzt und über Nacht in einem bedeckten
Becherglase stehen gelassen. Am folgenden Tage wird ein Teil der Flüssigkeit
abfiltriert, 100 ccm des Filtrats mit 10 ccm Bleiessig versetzt und das Filtrat
hiervon in einem 220 mm-Rohr polarisiert.

Wir haben gefunden, daß bei einer Verdünnung von 1 : 10 die Lösungen
durch Zusatz von 10 bezw. 15 ccm Bleiessig für die Polarisation durchweg hin-
reichend klar werden. Die Anwendung von Knochenkohle hat den Nachteil, daß
Me neben Farbstoffen usw. auch Zucker absorbiert (vergl. S. 603).

3.	Zuckerarten. 10 g des Krautes werden in 1000 ccm Wasser gelöst, filtriert,
von dem Filtrat 25 ccm nach dem Verfahren von Meißl nach S. 230 mit 50 ccm
Behlingscher Lösung (25 ccm Kupfersulfat- und 25 ccm Seignettesalzlösung) und 25 ccm
Wasser zum Sieden erhitzt und 2 Minuten im Sieden erhalten. Das ausgeschiedene

ü Vergl. J. König, Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1900,

3,	217.

2)	Vergl. Zeitschr. f. anal. Chemie 1889, 28, 404.

3)	Zeitsehr. f. angew. Chemie 1888, 700.
        <pb n="766" />
        ﻿744

Obst- und Beerenfriichte sowie deren Erzeugnisse.

Kupferoxydul wird durch ein in einem Glasröhrchen befindliches, vorher gewogenes
Asbestfilter filtriert und nach der Reduktion als Kupfer oder nach der Oxydation
als Kupferoxyd gewogen.

100 ccm der filtrierten Lösung werden ferner mit 10 Tropfen Salzsäure
30 Minuten im Wasserhade erwärmt, nach dem Erkalten wieder auf 100 ccm auf-
gefüllt und hiervon werden 25 ccm wie vorhin behandelt. Ebenso empfehlenswert
ist die Zollvorschrift S. 631 No. 1.

Der nach der Inversion mehr gefundene Zucker wird als Saccharose in
Rechnung gebracht; dieses ist offenbar nicht ganz richtig, weil auch vorhandenes
Dextrin usw. mit invertiert sein kann. Indes soll auf diese Weise nur der leicht
invertierbare Anteil der Zuckerarten zum Ausdruck gebracht werden.

Über die Bestimmung der Maltose vergl. S. 230 und über die Trennung der
einzelnen Zuckerarten S. 234—238. Über den Nachweis von Stärkesirup vergl.
unter Obstsirup und Honig (S. 593).

4.	Säure. 100 bezw. 200 ccm der vorstehenden filtrierten Lösung werden
unter Zusatz von Phenolphthalein als Indikator in üblicher Weise mit i/^-Normal-
Alkalilauge titriert und die Säure als „Äpfelsäure“ berechnet; 1 ccm 1/10-Normal-
lauge = 0,0067 g Äpfelsäure oder 1 Teil NaaO — 2,161 Teilen Äpfelsäure.

5.	Stickstoff. 3—5 g Substanz werden in einem kleinen, vor der Lampe
geblasenen, leichten Glaszylinderchen von etwa 3—4 com Inhalt oder in Stanniol-
kapseln abgewogen, diese mit Inhalt in einen Glaskolben gegeben und in be-
kannter Weise nach dem Verfahren von Kjehldahl (S. 138) auf Stickstoffgehalt
untersucht. Das Glaszylinderchen bezw. das Stanniol wirken weder bei der Zerstörung
der Substanz durch Schwefelsäure, noch bei der Destillation mit Natronlauge störend.

6.	Mineralstofl'e. 25 g Kraut werden wie üblich in entsprechend großen
Platinschalen erst mit kleiner Flamme verkohlt, die Kohle zerdrückt, mit Wasser
ausgezogen und die noch vorhandene Kohle alsdann nach dem Trocknen weiß ge-
brannt; zu dem Rückstand gibt man die erste wässerige Lösung, verdampft zur
Trockne, glüht und wägt.

Die Asche wird in Salzsäure gelöst, auf 250 ccm gebracht und in je 50 ccm
{= 5 g Substanz) Phosphorsäure (nach dem Molybdän-Verfahren), Kalk, Magnesia
und Kali in üblicher Weise bestimmt.

Dm zu zeigen, wie man auf Grund dieser Bestimmungen die einzelnen Kraut-
sorten bezw. -sirupe unterscheiden kann, möge hier die mittlere1) Zusammensetzung
reiner Sorten mitgeteilt werden:

	*  CD  02  02  £  %	Invert- =	zucker	CD  CO  O  1  o  o3  Ul  01  Io	sw  p  02  rW  o  '•+3  Ul  01  Io	o„Säure=  - 'Äpfelsäure	4-&gt; 'u ,-P CD .2 ^ £h W tsj  01  Io	Asche	&amp;  s s  8i J= ”  0/  Io	^2 Kali	U Kalk	-2 Magnesia	Drehung der Lösung 1:10  0 im Halb- schatten- Apparat im 200mm-Rohr
Obstkraut. .	34,88	52,94	2,77	0,200	2.264	5,23	1,92	0,160	0,96	0,139	0,070	— 4,45
Rübenkraut.	28,01	17,85	43,63	0,727	1,409	6,30	3,80	0,419	1,49  2,18	0.104	0,201	+ 5,36
Möhrenkraut	31,19	40,30  Mal-  tose	12,64	0,612	2,363	7,60	5,85	0,481		0,296	0,123	+ 0,45
Malzkraut. .	24,50	60,77	—	0,516	1,227	22,13	1,37	0,718	0,221	0,104	0,232	+ 19,50

*-) Die Zahlen für Obstkraut bilden das Mittel aus 10 Untersuchungen, für Rüben-
kraut aus 5, für Malzkraut aus 2 und für Möhreukraut aus einer Untersuchung.

2) Differenz der Summe (Wasser Zucker -(- Säure -)- Mineralstoffe) von 100.
        <pb n="767" />
        ﻿Obstkraut, Rübenkraut und Malzkraut.

745

Hiernach dient zur Unterscheidung und zum Nachweise von Verfälschungen
in erster Linie das optische Verhalten der Lösungen, ferner der Gehalt an Invert-
zucker und an invertierharem Zucker.

Zusatz von Eiibenkraut zu Obstkraut vermindert die Linksdrehung, den Ge-
halt an Invertzucker, vermehrt dagegen den Gehalt an Saccharose, an Stickstoff,
Phosphorsäure und Kali.

Zusatz von Stärkesirup und Maltose zu Obstkraut vermindert die Linksdrehung
oder führt sie in .eine größere oder geringere Rechtsdrehung über; ebenso erhöht
Stärkesirup-Zusatz zu Rübenkraut die Rechtsdrehung, wobei dann gleichzeitig der
Gehalt an direkt reduzierendem Zucker erhöht wird. Reines Obstkraut dreht bei
einer Verdünnung von 1: 10 im 200 mm-Rohr des Laurentschen Halbschatten-
Apparates mindestens 4° links, Rübenkraut dagegen mindestens 5° rechts usw.
Obstkraut enthält zwischen 46,80—57,80 °/0 Invertzucker und zwischen 0—6,52 °/0
Saccharose (bezw. invertierbare Zuckerarten), Rübenkraut zwischen 13,67—22,64 %
Invertzucker und 37,76—51,09 °/0 Saccharose; Obstkraut enthält ferner 0,159 bis
0,241 °/0 Stickstoff, Rübenkraut dagegen zwischen 0,617—0,921 °/0 Stickstoff usw.

Als weitere Unterscheidungsmittel gibt Kyll1) an, daß Obstkraut beim Eintauchen
und Herausziehen eines Glasstabes keinen, Rübenkraut dagegen einen laugen Faden hält;
daß ferner bei einer Lösung von 1 Teil Kraut in 100 Teilen Wasser das Filtrat von Obst-
kraut nach Ansäuern mit Salzsäure keinen, Rübenkraut dagegen einen flockigen Nieder-
schlag von organischen Stoffen gibt. Beides ist richtig. Wenn indes Kyll glaubt, nach
diesen Prüfungen noch 10 bezw. 6 °/0 Rübenkraut im Obstkraut erkennen zu können, so
gehört hierzu ohne Zweifel viel Übung und Erfahrung. Wir haben wenigstens in einigen
Pallen bei Zusatz von weit mehr als 5 °/0 Rübenkraut zu Obstkraut keinen Niederschlag
mit Salzsäure erhalten können.

7.	Zink und Kupfer. Beide Metalle können aus den verwendeten Gerätschaften
in die Erzeugnisse dieser Art geraten. Das Zinkoxyd fand sich früher besonders
häufig in gedörrtem (amerikanischem) Obst.

Qualitativ läßt sich das Kupfer häufig dadurch nachweisen, daß man in
die mit Salzsäure angesäuerte Kraut- usw. Lösung einen blanken Eisenstift oder
auch ein blankes Messer legt und etwa 24 Stunden darin liegen läßt. Bei Gegen-
wart von Kupfer überzieht sich die blanke Eisenfläche mit einem roten Anflug von
Kupfer. Quantitativ bestimmt man beide Metalle wie dieses bei „Pflanzenasche“
(S. 203) angegeben ist.

8.	Schweflige Säux-e. Kraut wie sonstige Obst-Erzeugnisse bezwr. Obst-Dauer-
waren werden vielfach geschwefelt bezw. mit schwefliger Säure versetzt, vorwiegend
Uni ihnen, besonders dem Dörrobst, ein schönes Aussehen zu verleihen. Die
schweflige Säure wird zwar, wie beim Wein an Aldehyd, beim Dörrobst und den
Obst-Erzeugnissen an Zucker2) gebunden8); diese Verbindung, „glukosesclrweflige
Säure“, wird aber, wie W. Kerp nachgewiesen hat, in wässeriger Lösung hydrolytisch

1)	Chem.-Ztg. 1889, 13, 66.

2)	Freie schweflige Säure ist im Dörrobst und in den Obst-Erzeugnissen wahrscheinlich
nicht enthalten; wo sie auftritt, muß das Auftreten auf hydrolytische Spaltung zurück-
geführt werden. Der Gehalt an schwefliger Säure geht beim Lagern des Dörrobstes bezw.

pr Obst-Erzeugnisse nur unwesentlich zurück; eine wesentliche Verminderung findet aber
61 der küchengemäßen Zubereitung des geschwefelten Obstes statt. Auch Proteinstoffe
nd Zellulose vermögen anscheinend schweflige Säure anzulagern.
j, 3) Vergl. W. Fresenius u. L. Grünhut, Zeitsohr. f, analyt. Chemie 1903, 42, 33;

■ harnsteiner, Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 33;
in" Kerp, ebenda 1903, (i. 66; 1904, 8, 53; ferner Arbeiten a. d. Kaiser!. Gesundheitsamte

19°4, 21, 180.
        <pb n="768" />
        ﻿746

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

gespalten — und zwar ungleich stärker als die aldehydschweflige Säure —, so daß
die schweflige Säure auch in der gebundenen Form, wenn die Erzeugnisse mit
Wasser behandelt werden, unter Abspaltung von schwefliger Säure schädliche
Wirkungen äußert.

Qualitativ läßt sich die schweflige Säure nach Beythien und Bohrisch
sowie nach H. Schmidt1) seihst in sehr geringen Mengen (1,5—3,0 mg) dadurch
nachweisen, daß man die zu untersuchende Substanz mit Wasser und einer
Säure — am besten Phosphorsäure — ühergießt und einen, mit Stärkelösung
und jodsaurem Kalium befeuchteten Papierstreifen darüber hängt. Falls schweflige
Säure vorhanden ist, tritt schon nach einigen Minuten in der Kälte ■—• schneller
nach Erwärmen der Lösung auf dem Wasserbade — eine von ausgeschiedenem Jod
bewirkte Blaufärbung der Stärke auf, während die schweflige Säure zu Schwefel-
säure oxydiert wird. Auch kann man sich folgender sehr empfindlichen Reaktion
bedienen: Papier wird mit einer sehr verdünnten Jodjodkaliumlösung betupft;
hierdurch entsteht wegen der vorhandenen Stärke im Papier eine Blaufärbung, die
unter der Einwirkung der schwefligen Säure verschwindet. Erwärmung ist dabei
tunlichst auszuschließen.

Zur quantitativen Bestimmung der schwefligen Säure werden je nach dem
Gehalt hieran 10—30 g der Substanz mit 300—500 ccm Wasser in einen Kolben
gebracht, hierzu etwa 7,5 ccm sirupdicke Phosphorsäure gegeben, nachdem der Kolben
wie bei der Bestimmung der schwefligen Säure im Wein mit einem Kühler, der
seinerseits mit einer mit Jodlösung beschickten Vorlage in Verbindung steht, ver-
bunden ist, durch den Apparat vorher genügend lange — bis alle Luft ausgetriehen
ist •— Kohlensäure geleitet; dann wird destilliert, bis etwa 100—125 ccm Destillat
übergegangen sind. Das Destillat, welches von vorhandenem freiem Jod noch braun
gefärbt sein muß, wird nach dem Ansäuern mit Salzsäure über einer Spiritusflamme2)
so lange gekocht, bis alles überschüssige Jod entfernt ist, und alsdann mit Chlor-
baryum gefällt usw. 1 Teil BaS04 = 0,275 Teile S0.2.

9.	Salizylsäure. Wenngleich Salizylsäure zur Frischhaltung des Obstkrautes
weniger als zu der des Obstsirups usw. angewendet wird, so mag deren Nachweis doch
ebenso wie der der Flußsäure, die den Obstsäften neuerdings als „Frut“ zugesetzt wird,
hier mitgeteilt werden. Zum Nachweise der Salizylsäure verdünnt man 50—100 ccm
des Obstkrautes oder -sirups mit der 3-fachen Menge Wasser, säuert mit Schwefel-
säure an und schüttelt 2-raal mit 75 ccm Äther (oder Äther-Petroläther) aus, hebert
den Äther ab, reinigt ihn durch Schütteln mit durch Schwefelsäure angesäuertem
Wasser von Farbstoff, verdampft den abgeheberten bezw. abgetrennten Äther bei
30—40° im Wasserbade, nimmt den Rückstand mit wasserfreiem Äther auf, filtriert
in ein gewogenes Kölbchen, verdunstet den Äther bei niedriger Temperatur, zuletzt
unter Einblasen von Luft, und wägt den Rückstand als Salizylsäure.

Auf diese Weise kann man, wenn andere sich ähnlich verhaltende Verbindungen
(Benzoesäure, Saccharin) nicht vorhanden sind, nach E. Spaeth8) die Salizylsäure
sogar annähernd quantitativ bestimmen.

Der Rückstand soll, mit Wasser aufgenommen, in einer Probe mit Bisen-
chlorid eine Violettfärbung, in einer anderen Probe mit Milions Reagens (Lösung
No. 52 am Schluß) eine schön rote Färbung geben.

0 Vergl. H. Schmidt, Arbeiten a. d. Kaiserl. Gesundheitsamte 1904, 21, 229 u. ff-

2)	Die Anwendung einer Spiritusflamme empfiehlt sich deshalb, weil Leuchtgas
häufig Schwefelverhindungen enthält, welche beim Brennen als Schwefelsäure usw. in die
Lösungen übergehen können (vergl. Anm. 2 S. 749).

3)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1899, 2, 717.
        <pb n="769" />
        ﻿Fruchtsirupe, Fruchtgelees.

747

Hierbei ist zu berücksichtigen, daß einige Beerensäfte (Erdbeeren, Himbeeren)
im natürlichen Zustande Spuren von Salizylsäure enthalten.

10.	Flußsiiure. Behufs Nachweises von Mußsäure versetzt man den 3-fach
mit Wasser verdünnten Obstsirup usw. mit Kalkmilch bis zur stark alkalischen
Reaktion, hebert die Flüssigkeit von dem sich rasch absetzenden Niederschlage,
welcher die größte Menge des Fluors als Fluorcalcium mit enthält, ah, trocknet den
Rückstand ein, bringt ihn alsdann in einen Platintiegel, glüht, durchfeuchtet ihn
mit etwas Wasser, versetzt mit 1—5 ccm konzentrierter Schwefelsäure und prüft
in bekannter Weise auf Fluor, d. h. man bedeckt den Platintiegel mit einem mit
Wachs überzogenen und beschriebenen Uhrglase, erwärmt gelinde, indem man
gleichzeitig in das ührglas ein Stückchen Eis gebracht hat. Soll das Fluor quan-
titativ bestimmt werden, so verrührt man das Obstkraut bezw. -sirup mit Kalk-
wasser bis zur alkalischen Reaktion, verdampft zur Trockne, verascht und verfährt
zur Bestimmung des Fluors in der Asche nach S. 163 c.

Treadwell und Koch1) haben zur quantitativen Bestimmung des Fluors
ira Bier — und für Wein anwendbar — das S. 163 c beschriebene Verfahren dahin
abgeändert, daß sie die entwickelte fileselfluorwasserstoffsäure in einen mit Chlor-
kalium gesättigten 50 °/0-igen Alkohol leiten und die freigewordene Salzsäure unter
Anwendung von Cochenille- oder Lackmoidlösung als Indikator durch Titration mit
1/io N.-Natronlauge (1 ccm = 0,0057 g Fluor) bestimmen. Das Verfahren dürfte auch
hier anwendbar sein; bezüglich der näheren Ausführung sei auf die Quelle verwiesen.

11.	Ameisensäure. Auch diese ist neuerdings mehrfach zur Frischhaltung von
Obst-Erzeugnissen verwendet worden. Uber deren qualitativen wie quantitativen
Nachweis vergl. unter Branntweinen S. 688.

II. Fruchtsirupe, Fruchtgelees.

Unter „Fruchtsirupen“ (gezuckerten Fruchtsäften) sind die unter dem er-
forderlichen Zusatz von Rohr- oder Rübenzucker aufgekochten Säfte der Früchte,
Dach denen die Fruchtsirupe benannt worden sind, zu verstehen.2)

' Dasselbe gilt von den Fruchtgelees und -pasten; sie unterscheiden sich
nur dadurch von den Fruchtsirupen, daß sie bis zu einem Gelee oder einer steifen,
festen Paste eingekocht sind.8)

Die natürlichen Fruchtsäfte bilden nur selten eine direkte Verbrauchsware;
wo dieses der Fall ist, sind unter rohen Fruchtsäften die unveränderten, nötigenfalls
m einwandfreier Weise haltbar gemachten Säfte der Früchte, deren Namen die Säfte
tragen, zu verstehen. Vielfach bezeichnet man jedoch im Kleinhandel die Frucht-
sirupe fälschlich auch als Fruchtsäfte.

Die häufigsten Verfälschungen der Fruchtsirupe und Fruchtgelees bestehen in dem
^usatz von Stärkesirup, künstlichen Farbstoffen und Frischhaltungsmitteln (schwef-
figer Säure, Salizylsäure, Ameisensäure, Flußsäure usw.); ferner wird auch Alkohol,
der z. T. allerdings auch durch Gärung der Säfte entstehen kann, künstlich zugesetzt.
Die größte Rolle unter den Verfälschungen aber spielt die Wässerung, sei es durch
direkten Zusatz von Wasser, sei es durch Zusatz von Nachpresse, dem wässerigen

*) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 510.

,	2) Vergl. hierzu A. Juckenack und E. Pasternaok, Zeitschr. f. Untersuchung

Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 10.

.....	3) Daß Obsikraut, Marmeladen, Jams auch vielfach als „Gelees“ bezeichnet werden,

u irt zu Verwirrungen. Diese Erzeugnisse müssen für die Beurteilung der Reinheit scharf
aiiseinandergehalten werden.
        <pb n="770" />
        ﻿. 748

Obst- und Beereufrachte sowie deren Erzeugnisse.

Auslaugungserzeugnis der Fruchtpreßrückstände. Auch, werden die stark ge-
wässerten Säfte auf den normalen Gehalt an Mineralstoffen und deren Alkalität eingestellt.

Die Zusammensetzung echter und verfälschter Fruchtsirupe erhellt aus
folgenden Zahlen:

Bezeichnung:		Anzahl der Untersuchungen 1	Spez. Gewicht	■a  td  W  Gew.-°/0	Q  CD  Invertzucker	&lt;13  03  O  oä  A  o  o  cö  CO  Gew.-°/0	U  03 —  ’a&gt;  ■c -a  CD U  M -Ö  o * rj Cr}  S3  Gew.-0/«	CD  *P4  :&lt;i &lt;D  1 =§  S c0  3  :cö  co  Gew.-°/0	,03  o  m  'S  CD  a  S  Gew.-°/0	Alkalität  (=ccmN.-Säure  für 100 g)	ÖD  a rtr-'  ä ®«  CD ai CD-2  t-( &lt;D .r-t td  S, |ä  73  0
Himbeer-Sirup ....		45	1,3227	66,26	22,39	42,25	1,82	0,698	0,261	2,49	— 19,8
Brdbeer-Sirup			7	1,3075	62,82	23,66	37,72	1,60	0,315	0,216	1,96	— 19,5
Johannisbeer-Sirup .	.	.		6	1,3274	65,57	30,16	31,45	—	1,055	0,284	2,27	
Kirsch-Sirup			6	1,3387	68,95	—	—	—	0,401	0,267	2,34	— 19,7
Him-	Wasser u. Nach- presse .	.	.	20	1,2812	58,36					0,132	1,23	-19,7
beer-  Sirupe	desgl. u. Teer- farbstoff .	.	20	1,2332	49,98					0,134	1,05	— 19,5
mit	desgl. u. Kirsch- saft .... Stärkesirup .	.	20	1,2658	55,46					0.138	1,39	- 20,4
		20	1,3033	61,66	—	—	—	—	0,191	1,46	+ 39,6

Die Untersuchung wird wie folgt vorgenommen:
1. Wasser wie bei Ohstkraut S. 743.

2.	Extrakt und Alkohol. 50 ccm Saft werden mit 100 ccm Wasser verdünnt,
und von dem Gemisch werden 100 ccm ahdestilliert. In dem Destillat wird wie
hei alkoholischen Getränken (vergl. S. 673 u. f.) der Alkoholgehalt bestimmt und aus
dem spezifischen Gewicht des auf 100 ccm aufgefüllten DestillationsrUckstandes der
Extraktgehalt des Saftes mit Hilfe der Zuckertabelle von K. Windisch (Tabelle XIX
am Schluß) oder der Extrakttabelle von Halling (Tabelle XTTT am Schluß) berechnet.

3.	Optisches Verhalten mul Bestimmung des Gehaltes an Stärkesirup. Nach
Juckenack und Pasternack werden 10 ccm Saft mit Wasser zu 100 ccm ver-
dünnt, mit einer kleinen Messerspitze gereinigter Tierkohle versetzt, filtriert und
im 200 mm- (bezw. 100 mm-) Rohr polarisiert. Andere 10 ccm Saft werden mit
etwa 70 ccm Wasser verdünnt, mit einer kleinen Messerspitze gereinigter Tierkohle
versetzt und nach Zugabe von 5 ccm konzentrierter Salzsäure (spezifisches Ge-
wicht 1,19) fünf Minuten lang auf 68—70° erwärmt (Zoll-Inversionsvorschrift), dann
sofort abgekühlt, auf 100 ccm aufgefüllt, filtriert und im 200 mm-Rohr polarisiert.
Die erhaltene Drehung ist auf die spezifische Drehung (d. h. 100 g Extrakt in 100 ccm
im 100 mm-Rohr) umzurechnen und aus dieser ein etwaiger Gehalt von Stärkesirup
in folgender Weise zu berechnen:

Es sei das spezifische Gewicht des alkoholfreien Saftes = 1,3260 entsprechend
65,99 Gewichtsprozenten Zucker = 87,43 g Zucker in 100 ccm; die Polarisation
des Saftes (10 ccm Saft: 100 ccm im 200 mm-Rohr) betrage —|— 4,3 °/0, also 10 ccm
Saft: 100 ccm im 100 mm-Rohr = +2,15°, mithin der reine Saft im 100 mm-Rohr
= + 21,5° und die spezifische Drehung des Extraktes = + 24,590 (d. h. 100 g
Extrakt zu 100 ccm gelöst im 100 mm-Rohr).

J) Gesamtextrakt weniger Gesamtzucker (als Invertzucker berechnet).

2) Hierunter ist die Drehung von 100 g invertiertem Extrakt in 100 ccm Wasser im
100 xnm-Eohr zu verstehen.
        <pb n="771" />
        ﻿Eruohtsirupo, Fruchtgelees.

749

Wie aus der nachstehenden Tabelle ersichtlich ist, entsprechen einer Drehung
von +24,59° etwa 36 °/0 (wasserhaltigem) Stärkesirup des Handels, oder auf 100 g
des Extraktes (Zucker) treffen etwa 36 g Stärkesirup, also auf 65,99 g des Extraktes
(Zucker) treffen etwa 24 g Stärkesirup, oder in 100 g Fruchtsirup sind gegen 24 g
Stärkesirup enthalten.

Tabelle für die Bestimmung des Gehaltes an Stärkesirup aus der spezifischen

Drehung.

Saccharose  0/  Io	Wasser-  freier  Stärke-  sirup  0/  10	Ent- sprechend Stärke- sirup mit 18°/0 Wasser  0/ •  Io	Spezifische  Drehung  des  Extraktes nach der Inversion  0	Saccharose  0/  10	Wasser-  freier  Stärke-  sirup  6/  Io	Entr  sprechend Stärke- sirup mit 1.8 °/o Wasser  0/  Io	Spezifische  Drehung  des  Extraktes nach der Inversion  0	
100	0	0	— 21,50	48	52	63,44	+	59,41
98	2	2.44	— 18,39	46	54	65,88	+	62,52
96	4	.4,88	— 15.28	44	56	68,32	+	65,64
94	6	7,32	— 12,16	42	68	70,76	+	68,75
92	8	9,76	— 9,05	40	60	73,20	+	71,86
90	10	12.20	- 5,94	38	62	76,64	+	74,97
88	12	14,64	— 2,83	36	64	78,08	+	78,08
86	14	17,08	+ 0,28	34	66	80,52	+	81,20
84	16	19,62	+ 3,40	32	68	82,96	+	84,31
82	18	21,96	+ 6,51	30	70	85,40	+	87,42
80	20	24,40	+ 9,62	28	72	87,84	+	90,63
78	22	26,84	+ 12,73	26	74	90,28	+	93,64
76	24	29,28	+ 15,84	24	76	92,72	+	96,76
74	26	31,72	-j- 18,96	22	78	95,16	+	99,87
72	28	34,16	-f 22,07	20	80	97.60	+	102,98
70	30	36,60	+ 25,18	18	82	100,04	+	106,09
68	32	39.04	+ 28,29	16	84	102,48	+	109.20
66	34	41,48	+ 31,40	14	86	104,92	+	112,32
64	36	43,92	+ 34,52	12	88	107,36	+	116,43
62	38	46,36	+ 37,63	10	90	109,80	+	118,64
60	40	48,80	+ 40,74	8	92	112,24	+	121,65
58	42	61,24	+ 43,85	6	94	114,68	+	124,76
56	44	63,68	+ 46,96	4	96	117,12	+	127,88
54	46	66.12	+ 60,08	2	98	119,66	+	130,99
52	48	68,66	+ 53,19	0	100	122,00	+	134,10
50	50	61,00	+ 56,30					

4.	Zuckerarteu wie bei Obstkraut S. 743, Säure, Stickstoff und Mineraistoll'c

wie S. 744.

5.	Alkalität der Asche. 20—50 g (bezw. ccm) Fruchtsirup werden nach Ed.
^Paeth vorsichtig unter Abhaltung der Yerbrennungsga.se des Leuchtgases1) ver-
ascht, gewogen, zu der Asche 5 ccm N.-Schwefelsäure gesetzt, das Ganze in ein
t&gt;echerglas gespült, 5—10 Minuten schwach erhitzt2) und darauf die überschüssige
^äure mit N.-Lauge zurücktitriert. Die Alkalität der Asche wird ausgedrückt für
°le Asche von 100 g des Sirups bezw. der Substanz.

6.	Schwellige Säure vergl. S. 745, Salizylsäure vergl. S. 746, Fluorwasser-
stoffsäure S. 747, Ameisensäure S. 688.

OH. Lübrig verwendet (Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel
8, 657) schrägliegende größere Asbestplatten, in deren Mitte ein entsprechend kreis-
endes Loch für die Aufnahme der Platinschale eingeschnitten ist.

2) Um ein Stoßen zu vermeiden, kann man eine Platinspirale in die Lösung geben.
        <pb n="772" />
        ﻿750

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

7.	Farbstoffe. Die Fruchtsäfte werden sehr häufig mit Teerfarbstoffen auf-
gefärbt. Über den Nachweis derselben vergl. unter „Wein“. Ein Zusatz von
Kirschsaft wird nach dem Verfahren von Langkopf wie folgt nachgewiesen:

In zwei kleine Erlenmeyer-Kölbchen bringt man je etwas Kupfersulfatlösung
(1 : 10000) und etwas Alkohol. Darauf fängt man in einem der Kölbchen die ersten
2—3 ccm eines Destillates auf, das man aus etwa 50 ccm des zu prüfenden, etwas
verdünnten Sirups gewinnt. Sodann fügt man zu dem Inhalt eines jeden Kölbchens
1—2 Tropfen einer frisch bereiteten alkoholischen Guajakharztinktur hinzu. Bei
Gegenwart von Kirschsaft wird sich die Flüssigkeit in dem Kölbchen, in dem das
Destillat aufgefangen war, schön blau färben. Die Flüssigkeit im zweiten Kölbchen
dient als Vergleichsprobe. Man kann auf diese Weise, wie Juckenack und Paster-
nack angeben, noch sehr gut einen Zusatz von 3 °/0 Kirschsaft nachweisen,

III.	Marmeladen, Jams oder Muse.

Unter Marmeladen oder Jams oder Musen versteht man das mit Zucker
(Eüben- oder Rohrzucker) eingekochte Mark frischer Früchte, d. h. der von Stielen,
Schalen, Steinen, Kernen usw. befreiten Fruchtteile.

„Gemischte Marmeladen“ bestehen aus einem Gemisch von Fruchtmark
verschiedener frischer Früchte und Zucker. Diese Gemische mit gleichzeitigen anderen
Zusätzen tragen häufig besondere Namen wie „Kaiser“, „Bismark“ usw. Unter
„Mus“ oder „Obstmus“ versteht man durchweg das ohne Zuckerzusatz eingekochte
Mark der Früchte, nach denen das Ohstraus benannt wird. Hierzu können auch
die Kompottfrüchte, z. B. Preißelbeeren-Kompott, gerechnet werden.

Eine häufige Verfälschung dieser Erzeugnisse besteht darin, daß das Mark
mit den bei dem Pressen oder der Nachpresse der Früchte zur Herstellung von
Fruchtsäften verbleibenden Rückständen vermischt oder nur diese Rückstände ver-
wendet werden. Der Rüben- oder Rohrzucker wird zum geringen Teil oder auch
fast ganz durch Stärkesirup ersetzt. Durch Zusatz von Gelatine oder Agar-Agar
sucht man weiter — aber seltener — die Konsistenz der Erzeugnisse zu erhöhen.

Die chemische Zusammensetzung der Marmeladen ist von der Obstfrucht, mehr
aber noch von dem wechselnden Zusatz von Zucker abhängig. So wurde u. a. gefunden:x)

(Siehe Tabelle S. 751.)

Die Untersuchung der Marmeladen wird nach den Vorschlägen von A. Jucke-
nack und H. Prause2) wie folgt vorgenommen:

1.	Wasser wie bei Ohstkraut S. 743, oder durch Abziehen des Gehaltes an
unlöslichem Rückstand + löslichem Extrakt von 100.

2.	löslicher und unlöslicher Anteil. 25 g der gut durchgemischten Marmelade
werden in einem reichlich großen Becherglase abgewogen, mit etwa 150 ccm Wasser
übergossen und unter häufigem Umrühren etwa eine Stunde lang auf dem Wasser-
bade erwärmt. Diese Masse wird dann durch Watte, die vorher mitsamt einer
flachen Nickelschale getrocknet und gewogen worden war, in einen 250 ccm fassenden
Kolben filtriert und auf dem Trichter mit heißem Wasser bis zum Verschwinden
der sauren Reaktion der ahlaufenden Flüssigkeit erschöpft. Im allgemeinen wird
hierbei die Flüssigkeit nicht über 250 ccm vermehrt, sonst aber müssen die letzten
Auszüge auf dem Wasserbade eingeengt, mit den ersten Anteilen vereinigt und nach
dem Abkühlen auf 250 ccm aufgefüllt werden. Die auf der Watte zurückbleihenden
unlöslichen Bestandteile werden nach dem Trocknen zur Wägung gebracht.

1)	Selbstverständlich können diese Zahlen nur als allgemeine Anhaltspunkte für die
chemische Zusamensetzung dieser Erzeugnisse dienen.

2)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 26.
        <pb n="773" />
        ﻿Marmeladen, Jams oder Muse.

751

A. Reine Marmeladen, Kompottfrüchte und Muse.

Bezeichnung:

1.	Obst-
u- Frucht-
Mar-
meladen

, Medrigst-
Gehalt .
. Höchst-Ge-
halt .	.

Mittel . .
“• Kompottfrüohte (Prei-
selbeeren) ....
“■ Mus (Pflaumenmus) .

			U.  ©  A	A  o	4-3  B	In 100 g wasser- löslichem Extrakt				Spezifische Drehung nach der Inversion		©  Td  cd
	©  M	©  CO  o	CO 4-3  :0,i4 ■—1 cd  ©  cd  pä  d  °/o	:0	cd  CO  ©			©  'S s	©			Sg
CO  cd  fs  °/o	d  N  ©  &gt;  d  M  °/o	u  cd  A  c  o  cd  Ul  °/o		©  CO  CO  cd  Et  d  °/o	o ©  1 X  i §  cd  u  |	!©  «V—(  pu  ii g  © CO  1  Ul  °/o	o  4^  CO  Id  U  ©  d  S  °/o	©  2*  Sa  r—1 ü  cd ©  °/o	s1 2 * 4 5 Phosphorsäur	der  Marmelade	o des löslichen  Extrakts	öä  S d  cd cd  rd  ©  o  °/o
25,38	13,30	15,72	50,30	1,08	4,63	0,80	0,32	4,97	0,016	— 8,0	— 14,6	0
46,40	18.77	46,40	72,40	7,81	10,79	4,03	2,12	14,30	0,114	— 14,9	— 23,3	0
32,15	58,12x)		64,81	2,95	6,69	1,88	0,96	8,64	0,080	—11,5	— 17,6	0
56,73	|  34,29		39,82	3,45	6.63	3,86	0,64	7,35			— 6,4	— 15,8	0
37,52	41,45  1		58,56	4,44	17,10	3,37	2,14	24,35	0,236	wenige Grade oder Minuten um +0		0

B, Marmeladen, Kompottfrüchte und Muse mit fremden Zusätzen.

1- Obst-
u- Frucbt-
Mar-
meladen	M...

-	Mitl

“• Kompottfrücht«

3-	Muse .

Hoch

hal

Mitte

25,68	1  30,95	47,80	1,36	9,47	0,59	0,36	1,67	0,062	+	9,0	+	14,5
49,40	52,53	74,50	5.02	43,81	1,83	1,52	15,30	0,202	+	88,6	+	127,0
31,18	38,67	65,82	2.93	27,25	1,11	0,86	7,06	0,130	+	60,0	4-	74,1
44,16	34,60	50,46	3,40	16,86	2,88	0,65	6,20	—	+	22,7	+	45,6
38,67	30,65	55,96	5,39	25.31	2,55	2,52	25,91	0,216	+	32,1	+	56,2

Von dem Auszuge der löslichen Bestandteile wird zunächst das spezifische
Gewicht bestimmt und daraus nach den Zuokertahellen No. XIII oder XIX am Schluß
der Extraktgehalt in 100 ccm des Auszuges, entsprechend 10 g Marmelade, ermittelt.
Zur gewichtsanalytischen Extraktbestimmung in Platinschalen (Schalen für Wein-
üntersuchung) dienen 10—15 ccm des Auszuges. Der so bestimmte und der aus
dem spezifischen Gewicht berechnete Extraktgehalt stimmen genügend überein.

B. Optisches Terhalten nach der Inversion. 50 ccm des vorstehenden Aus-
zuges werden mit einer kleinen Menge reiner Tierkohle versetzt, mit starker Salz-
säure (wie oben S. 748 angegeben worden ist) invertiert und nach dem Abkühlen
aüf 100 ccm aufgefüllt. Der durch den Zusatz der geringen Menge Tierkohle ent-
stehende Fehler kann vernachlässigt werden, zumal er durch die geringe Zucker-
ahsorption der Tierkohle zum Teil ausgeglichen wird. Das, wenn nötig, noch mit
etwas gereinigter Infusorienerde geklärte Filtrat wird polarisiert.

4.	Gesamt-Zucker. Zur Ermittelung des gesamten reduzierenden Zuckers
Werden 20 ccm dieser geklärten Lösung nach der Neutralisation auf 100 ccm auf-
gelüllt und in 25 ccm wird der Zucker bestimmt.

5.	Gesamte Säure. 25 g Marmelade werden in etwa 100 ccm warmem
Wasser gut verteilt, einmal aufgekocht und mit 1/4 N.-Lauge titriert. Als Indikator

leat empfindliches Lackmuspapier oder Azolithminpapier.

*) Als Saccharose berechnet.
        <pb n="774" />
        ﻿752

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

Diese austitrierte Flüssigkeit wird nach dem Durchseihen und Ansäuern mit
etwas Phosphorsäure weiter dazu benutzt, um nach dem bekannten Verfahren auf
Saccharin und Salizylsäure zu prüfen, und schließlich wird in ihr noch mit Hilfe
gebeizter Wolle auf künstliche Farbstoffe geprüft.

Die Untersuchung auf Teerfarbstoffe nach Cazeneuve (S. 772) kann in einem
Teile des ursprünglichen Marmeladenauszuges ausgeführt werden.

(!. Stärkesirup. Der Zusatz von Stärkesirup wird unter den bei Fruchtsäften

S.	748 angegebenen Erwägungen berechnet. Die optische Drehung steht selbst-
verständlich in einer Beziehung zu dem zuckerfreien, wasserlöslichen Extrakt (Extrakt
minus direkt reduzierender Gesamt-Zucker); es empfieht sich daher, beide Be-
stimmungen vorzunehmen. Indes lassen sich Stärkesirupmengen bis zu 6 °/0 nicht
einwandfrei nachweisen.

7.	Miueralstofl'e. Die Mineralstoffe, die Alkalität und Phosphorsäure
werden, um von den wasserunlöslichen Stoffen unabhängig zu sein, in dem wasser-
löslichen Extrakt bestimmt. Hiervon werden 100 ccm eingedampft und verascht.
Die Alkalität der Asche wird wie bei Fruchtsirupen S. 749, die Phosphorsäure wie
in jeder Asche (S. 203) bestimmt. Der Gehalt an Phosphorsäure hat hier aber
wenig Bedeutung für die Beurteilung, weil auch der verwendete Stärkesirup etwas
Phosphorsäure enthält bezw. enthalten kann,

8.	Frischhaltungsmittel. Frischhaltungsmittel pflegen, weil nicht notwendig,
diesen Obsterzeugnissen nicht zugesetzt zu werden. Wenn ein Nachweis derselben
erforderlich ist, so verfährt man nach S. 745—747.

9.	Anhaltspunkte für die Beurteilung. Nach den Vereinbarungen deutscher
Nahrungsmittelchemiker gelten für die vorstehenden Obst- und Beerenerzeugnisse folgende
Anhaltspunkte für die Beurteilung;

1.	Die Anwesenheit gesundheitsschädlicher Metalle und die Anwendung künstlicher
Süßstoffe ist unstatthaft.

2.	In den zum Verkauf gelangenden Eruohtsäften usw, sind Konservierungsmittel
(schweflige Säure, Borsäure, Salizylsäure usw.) unstatthaft. Hierbei ist zu beachten, daß
viele Früchte einen kleinen natürlichen Borsäuregehalt1) haben, daß in den Himbeeren,
Erdbeeren und anderen Früchten Stoffe vorhanden sind, die eine ähnliche Reaktion mit
Eisenchlorid wie Salizylsäure geben,* 2) und daß die Preißelbeeren einen natürlichen Benzoe-
säuregehalt3) aufweisen.

3.	Ein Zusatz von organischen Säuren (Weinsäure, Zitronensäure), Stärkezucker,
Stärkesirup, künstlichen Aromastoffen und fremden Farbstoffen zu Fruchtsäften, Gelees,
Marmeladen und Pasten, die als rein bezeichnet oder mit dem Namen einer bestimmten
Fruchtart belegt sind, ist unstatthaft. Bei den als „Obstkraut“ bezeiohneten Erzeugnissen
soll auch ein Zusatz von Rohrzucker deklariert werden.

4.	Ein Zusatz von gelatinierenden Stoffen, Agar-Agar, Gelatine usw. ist nur bei
Gelees aus solchen Früchten statthaft, deren Saft bei geeignetem Einkochen mit Zucker
nicht von selbst gallertartig erstarrt; bei Himbeer-, Johannisbeer-, Apfelgelee usw. und
auch bei Gelees mit der allgemeinen Bezeichnung „Fruchtgelee“ oder dergl. ist ein Zusatz
gelatinierender Mittel zu deklarieren.

5.	Wenn Limonaden und Brauselimonaden die Bezeichnung einer bestimmten Frucht
führen, z. B. als Himbeer-, Brdbeerlimonade oder Brauselimonade bezeichnet sind, so
gelten dafür die unter 4 angegebenen Bestimmungen.

B. Hotter, Landw. Versuchs-Stationen 1890, 38, 437; Zeitschr. f. Nahrungs-
Untersuchung, Hyg. u. Warenkunde 1895, 9, 1; H. Jay und Dupasquier, Compt. rend.
1895, 121, 260 und 896; K. Windisch, Arbeiten a. d. Kaiserl. Gesundheitsamte 1898,
14, 391.

2)	R. Hefelmann, Zeitschr. f. öffentl. Chemie 1897, 8, 171.

3)	E. Mach und K. Portele, Landw. Versuchs-Stationen 1890, 38, 68.
        <pb n="775" />
        ﻿Most.

753

6.	Hinsichtlich der Mengenverhältnisse der einzelnen Bestandteile sind im allge-
meinen keine bestimmten Grenzen aufzustellen.

Hierzu möge noch hinzugefugt werden, daß die Verdünnung der Pruchtsirupe
mit Wasser oder mit sog. Naohpresse, dem wässerigen Auslaugungserzeugnis der
Pruchtpreßrückstände, oder der Zusatz dieser Preßrückstände zu Marmeladen, Jams oder
Musen selbstverständlich als Verfälschungen aufzufassen sind. Die vielfach für den Zusatz
von Stärkesirup geltend gemachten Gründe, nämlich, daß derselbe notwendig sei, um
das Auskristallisieren der Saccharose zu verhindern, oder daß die Käufer vielfach ein
weniger süßes Erzeugnis verlangten, haben sich nicht als stichhaltig erwiesen und werden
auch in der letzten Zeit kaum mehr ernsthaft genommen. Auch die Auffärbung an
sich reiner Fruchtsäfte, um ein Verblassen derselben beim Aufbewahren zu verhindern,
hat sich bei richtiger Herstellung als unnötig erwiesen und verstößt gegen § 10 des
Nahrungsmittelgesetzes, weil dadurch stets ein höherer als tatsächlich vorhandener Frucht-
saftgehalt vorgetäusoht wird.

C,	Wein und dessen Hilfsstoffe.

Uber die Untersuchung der Weintrauben vergl. S. 742.

I.	Most.

Die Untersuchung des Mostes (Wein- wie Obstmost) erstreckt sich in der
Praxis meist nur auf die Bestimmung des Zuckers und der Säure. Zu ein-
gehenderen Untersuchungen für wissenschaftliche Zwecke dient die unten für Wein
bezw. Süßwein angegebene Vorschrift der amtlichen Anweisung für die chemische
Untersuchung des Weines.

Die außerordentlich rasche und weitgehende Veränderlichkeit des Mostes
macht eine sofortige Untersuchung erforderlich. Zur hinlänglichen Haltbarmachung
von Mostproben für die Untersuchung hat P. Kulisch mit Erfolg einen Zusatz
von Senf öl verwendet.

Vor der Untersuchung des Mostes ist eine vorherige sorgfältige Filtration
erforderlich.

Im nachfolgenden finden nur die in der Praxis üblichen Bestimmungen des
Zuck ers bezw. der Trockensubstanz aus dem spezifischen Gewicht und der
Säure ausführlichere Berücksichtigung.

1.	Bestimmung des Zuckers. Der Gehalt an Zucker wird in der Praxis durch
Senkwagen, die sog. Mostwagen festgestellt.

a)	Die am weitesten verbreitete Mostwage von Öchsle, deren Skala von
,FU—130° geht, gibt eigentlich nur das spezifische Gewicht des Mostes an, indem
•Po beiden ersten Stellen 1,0 als sich stetig wiederholend weggelassen sind, z. B.

95°	(Grad)	Öchsle	bedeutet	ein	spezifisches	Gewicht	von 1,095

U5°	„	„	„	„	„	„	„	1,115	usw.

Um aus diesen Graden (bezw. den spezifischen Gewichten) die Zuckerprozente
erfahren, muß man geeignete Tabellen nachschlagen. Gail entwarf solche
abellen, in welchen die den Öchsle sehen Graden entsprechenden Zuckerprozente
e,ithalten sind. Gail berechnete jedoch die Angaben der Öchsleschen Wage für
reille Zuckerlösungen, was für den Most nicht zulässig ist, weil er neben Zucker
üoeh eine Menge sonstiger Stoffe enthält; die Gal Ischen Zuckerprozente sind daher
5511 hoch gegriffen.

C. W. Schmidt-Achert hat die Öchslesche Mostwage dahin abgeändert, daß sie
.a der einen Seite die Öchsleschen Grade, auf der anderen Zuckerprozente angibt. Ein
1 dem Zylinder der gläsernen Senkwage angebrachtes Thermometer zeigt rechts die
Landwirtschaftliche Stoffe, B. Auflage.	4 8
        <pb n="776" />
        ﻿754	Obst- und Beereufrüchte sowie deren Erzeugnisse.

Temperatur der Flüssigkeit an. während sich links ein Korrektionstäfelchen befindet. Die
Normaltemperatur ist gleich dem Nullpunkt auf dem Korrektionstäfeichen. Weicht die
Temperatur des Mostes von der Normaltemperatur ab, so hat man für jeden Grad über
oder unter dem Nullpunkt jenes Täfelchens an der Zuckerprozentskala 1/10°/o zuzuzählen
oder abzuziehen, und zuzusehen, wie viel Öchsle sehe Grade der durch Rechnung ge-
fundenen Zuckermenge entsprechen.

A. Halenke und W. Möslinger1) haben durch Vergleich genau (pykno-
metrisch) ermittelter Öchslegrade mit sorgfältig (im Vakuum) ausgefilhrten
Trockensubstanzbestimmungen in denselben Mosten gefunden, daß von 50—110°
Öchsle je 1° Öchsle bei 15° im Mittel 0,2637 g (0,2633—0,2639 g) Trocken-
substanz entsprechen und haben nach den von ihnen ermittelten Zahlen eine Tabelle
für die Trockensubstanzbestimmung aus dem spezifischen Gewichte entworfen, die
in der Tabelle XX am Schlüsse im Zusammenhang mit den Angaben der 4 ge-
bräuchlichsten Mostwagen aufgenommen ist.

b)	Die von v. Babo konstruierte Klosterneuburger Mostwage ist ein
Saccharometer, dessen Skala die Zuckerprozente direkt annähernd richtig angibt.
Da auf 17 °/0 Zucker im Most durchschnittlich etwa 3 °/0 sonstiger Mostbestandteile
kommen, so brachte v. Babo hei der Klosterneuburger Mostwage diese 3 °/0 der
Art in Abrechnung, daß er an der Skala derselben 17 °/0 = 20 °/0 eines für
reine Zuckerlösungen bestimmten Saccharometers setzte und die 20 Grade in
17 Teile teilte.

c)	Das Ballingsche Saccharometer gibt den Extraktgehalt der Flüssig-
keiten an; man muß daher, um den Zuckergehalt aus demselben zu erfahren, für
die Menge der sonstigen Extraktstoffe gewdsse Abzüge machen.

d)	Die Wragnersche Most wage, welche ebenfalls in Gebrauch ist, enthält
eine den Graden des Beaumeschen Aräometers entsprechende willkürliche Skala.

Tabelle No. XX am Schluß enthält, wie schon gesagt, eine vergleichende
Zusammenstellung der Angaben dieser 4 zur Zeit verwendeten Mostwagen.

Beim Gebrauch der Mostwagen, die von zuverlässigen Mechanikern bezogen werden
sollten, ist darauf zu achten, daß der Most keine Schwebeteilohen (wie Beerenfleisch,
Hülsenreste, Beerenstiele usw.) enthält und tunlichst frisch, d. h. noch nicht in Gärung
und kohlensäurehaltig ist, nötigenfalls muß die Kohlensäure durch ganz gelindes Erwärmen
und Schütteln entfernt werden. Auch soll der Most die für jede Wage bestimmte Normal-
Temperatur (meistens 17,5° C. oder 14° R.) haben. Hält es schwer, den anders tempe-
rierten Most auf diese Temperatur zu bringen, so muß für die Öchslesohe Wage für
je 4 Temperaturgrade Reaumur über 14° R. ein Grad Öchsle zugezählt, und umgekehrt,
für je 4 Temperaturgrade Reaumur unter 14° R. je ein Grad Öchsle in Abzug gebracht
werden, während bei der Klosterneuburger Wage für je 2° über oder unter 14° R. 1/10°/o
zuzuzählen hezw. abzuziehen ist.

Soll der Zuckergehalt des Mostes genau bestimmt werden, so verfährt man
wie hei Wein, sollen Glukose und Fruktose getrennt bestimmt werden, nach
Halenke und Möslinger (S. 236).

2.	Bestimmung der Säure. Da das von Halenke und Möslinger für die
Bestimmung der Säure im Moste ausgearheitete verbesserte Verfahren in die amtliche
Anweisung aufgenommen ist, sei hier auf dieselbe verwiesen (vergl. S. 763).

1 ccm 1/4 N.-Lauge	entspricht	0,01875 g	Weinsäure	oder 0,01675 g	Äpfelsäure.

1 n 1/io n	n	0,0075	„	„	„	0,0067	„	„

*) Zeitsohr. f. anal. Chemie 1895. 84, 263.
        <pb n="777" />
        ﻿Most.

755

Anleitung für die zollamtliche Untersuchung von Verschnitt-Weinen und -Most
auf den Alkohol- bezw. Fruchtzucker- und Extraktgehalt.

Die Untersuchung der Verschnitt-Weine und -Moste hat sich auf die Ermittelung
des Gehalts an Alkohol, Extrakt und Zucker zu erstrecken. Bei fertigem Wein (reinem
vergorenem Traubensaft) kann von der Bestimmung des Zuckergehaltes abgesehen werden.

I.	Entnahme und Vorbereitung der Proben.

Die Proben für die Untersuchung sind, soweit nicht nach den bestehenden Be-
stimmungen Erleichterungen zulässig sind, aus jedem Kesselwagen bezw. aus mindestens
der Hälfte der Gebinde einer zur Abfertigung gestellten Sendung zu entnehmen, und zwar
mittels Steohhebers in einer Menge von je etwa 4/10 1. Eine Vermischung der Proben mit-
einander ist nicht zulässig, es muß vielmehr jede einzelne Probe für sich untersucht werden.

Die Proben sind von ihrem etwaigen Kohlensäuregehalt durch wiederholtes kräftiges
Schütteln möglichst zu befreien und, wenn sie nicht klar erscheinen, demnächst durch ein
doppeltes Ealtenfilter von Papier zu filtrieren. Bei Mosten geht dem Filtrieren ein Durch-
seiheu durch ein reines trocknes Tuch voraus. An diese Vorbereitung der Proben muß
die eigentliche Untersuchung unmittelbar angeschlossen werden.

II.	Ausführung der Untersuchung.

Soweit bei der Untersuchung Spindelungen stattfinden, sind die in der „Tafel zur
zollamtlichen Abfertigung von Verschnitt-Weinen und -Mosten“ enthaltenen Vorschriften
maßgebend.

Die Untersuchung umfaßt:

1.	die Spindelung der Probe,

2.	die Destillation der Probe und die Spindelung des Destillats,

8. die Titrierung der Probe mit Eehlingsoher Lösung.

Die Titrierung (Ziffer 8) erfolgt nur dann, wenn der Zuckergehalt der Flüssigkeit
bestimmt werden soll.

1. Spindelung der Probe. Nachdem die Probe nach Ziffer 1 vorbereitet ist, wird
zunächst die Spindelung derselben nach Maßgabe von § 1 der der Tafel vorgedruckten
Einleitung vorgenommen.

Als Spindeln dienen Alkoholometer bezw. Saccharometer, je nachdem die Probe eine
geringere oder größere Dichte hat als Wasser. Als Standglas benutzt man das dem
Eostillierapparat zur Untersuchung der Liköre, Essenzen usw. beigegebene Meßglas.

2.	Destillation der Probe und Spindelung des Destillats. Demnächst er-
folgt die Destillation einesteils der Probe nach Maßgabe der Vorschriften, betreffend die
Abfertigung von Likören, Fruchtsäften, Essenzen, Extrakten und dergl.1) Dabei kommen
Jedoch der Zusatz von Salz, die starke Verdünnung und das Durohschütteln in der hierzu
dienenden Bürette vor der Destillation in Wegfall. Vielmehr wird in folgender Weise
verfahren: Man mißt von der Probe in dem Meßglas 100 ccm ab, gießt diese in den Siede-
kolben, füllt etwa die Hälfte des Meßglases mit Wasser nach, fügt eine Messerspitze Tannin
hinzu und destilliert. Nachdem das Destillat nahezu die Marke des als Vorlage dienenden
Meßglases erreicht hat, und genau bis zu dieser Marke mit Wasser aufgefüllt ist, wird ge-
korig umgeschüttelt und die Spindelung mittels der Alkoholometer vorgenommen (§ 1 der
er Tafel vorgedruckten Einleitung).

„ ,	3. Titrierung mit Fehlingscher Lösung. Nach erfolgter Destillation und

P'ndelung des Destillats wird bei'Mosten stets, bei Weinen nur, wenn es aus besonderen
ründen notwendig erscheint (z. B. wenn es zweifelhaft ist, ob der Wein vollständig ver-
loren ist), zur Bestimmung des Zuckergehaltes durch Titrierung der Probe mit Fehling-
p ker Lösung geschritten. Hierzu wird der bei der Destillation nicht verwendete Teil der
lobe benutzt. Da nur daun ein hinreichend genaues Ergebnis erzielt werden kann, wenn
16 Flüssigkeit nicht mehr als 1 °/0 Zucker enthält, so ist nötigenfalls der zur Titrierung

x) Vergl. Zeitsohr. f. anal. Chemie 1892, 31, Verordnungen und Erlasse 10.

48*
        <pb n="778" />
        ﻿756

Obst- und Beerenfrüohte sowie deren Erzeugnisse.

bestimmte Teil der Probe vorher zu verdünnen. Einen Anhalt für den Grad der vor-
zunehmenden Verdünnung liefert die Menge des Gesamtextraktes (einschließlich allen
Zuckers). Diese Menge ist nach Ziffer III 3 zu berechnen. Diese Berechnung muß daher
vor der Bestimmung des Zuckergehaltes vorgenommen werden. Die Verhältniszahl für die
Verdünung, d. h. die Zahl, welche angibt, wie weit die Verdünnung vorgenommen werden
muß, ergibt sich, wenn man von der berechneten und nach oben auf ganze Einheiten ab-
gerundeten Zahl für den Gesamtextrakt 3 abzieht. Enthält die Probe z. B. 10,8 °/0, also
abgerundet 11 °/0 Gesamtextrakt, so ist dieselbe 11 — 3, also 8-mal zu verdünnen.

Die Verdünnung wird in Verbindung mit dem Eindampfen (zum Zweck der Ent-
fernung des Alkohols) und Entfärben vorgenommen. Man füllt von der Probe in eine
gehörig gereinigte und getrocknete, oder mit der zu untersuchenden Flüssigkeit aus-
gespnlte Bürette so viel, daß die Flüssigkeit einige Zentimeter über der obersten mit 0
bezeiclmeten Marke steht, und läßt durch den Hahn in das ursprüngliche Gefäß wieder
so viel ab, bis der untere Band der Flüssigkeitsoberfläohe diese Marke 0 genau erreicht.
Aus der Bürette läßt man dann so viel Kubikzentimeter in eine Porzellanschale fließen,
als die Division von 100 durch die Verhältniszahl für die Verdünnung angibt, in obigem

Beispiel , das ist 12,5 ccm. Paßt die Bürette von der O-Marke ab nicht die hiernach
8

erforderliche Menge Flüssigkeit, so wird sie so oft in der vorbeschriebenen Weise gefüllt
und entleert, als nötig ist, um die erforderliche Anzahl Kubikzentimeter in die Schale
zu bringen.

Beträgt die Verhältniszabl mehr als 2, so ist in die Schale so viel Wasser nach-
zufüllen, bis die Gesamtmenge der Flüssigkeit nahezu 50 ccm erreicht hat, in obigem Bei-
spiel also 37,5 ccm.

Nun stellt man die Schale auf ein Wasserbad, d. h, eine Schale mit Wasser, welches
zum Sieden gebracht wird, und fügt, je nach der Menge und Färbung der Flüssigkeit,
eine oder mehrere Messerspitzen gepulverte, möglichst kalkfreie Tierkohle hinzu, um die
rote Farbe der Flüssigkeit vollständig zu beseitigen. Dann wird bis auf etwa 1/3 ein-
gedampft unter häufigem, vorsichtigem Umrühren mit einem Glasstab, welcher während des
Eindampfens in der Schale verbleiben muß. Hierauf setzt man etwa 10 ccm heißes
Wasser hinzu, rührt um und filtriert, indem man die Flüssigkeit den Glasstab entlang auf
das Filter gießt, in ein 100 ccm fassendes Kölbchen. Dann spült man die Schale zur Ge-
winnung des Restes und zum Auslaugen der Tierkohle mehrmals mit geringen Mengen
kochend heißen Wassers aus und gießt dieses an dom Glasstab jedesmal auf das Filter,
so lange fortfahrend, bis das untergestellte Kölbchen nahezu bis zur Marke gefüllt ist.
Nachdem die Flüssigkeit erkaltet ist, füllt man noch mit Wasser genau bis zur Marke
auf, schüttelt durch und beschickt mit der Flüssigkeit die inzwischen gereinigte und ge-
trocknete Bürette in der vorher beschriebenen Weise. Hierauf gibt man aus einer mit
Seignettesalz-Natroulauge und einer anderen mit Kupfervitriollösuug (den beiden Teilen
der nach Soxleth hergestellten Fehlingschen Lösung) gefüllten Bürette je 6 ccm in
einen Kochkolben von etwa J/6 1 Inhalt. Nach Zusatz von etwa 40 ccm Wasser erhitzt
man zum Sieden und läßt die verdünnte Zuckerlüsung aus der Bürette in die heiße
Mischung in der Weise fließen, daß anfangs einige Kubikzentimeter auf einmal hinein-
golaugen, später der Zufluß nur in einzelnen Tropfen erfolgt. Der Zusatz in Tropfen be-
ginnt, sobald die ursprünglich dunkelblaue Farbe der Mischung beim Kochen in ein helles
Blau übergeht. Sollte die erstmalige Füllung der Bürette hierzu nicht hinreichen, so sind
weitere Füllungen vorzunehmen. Nach dem Zusatz eines jeden Tropfens wird bis zum
Aufkoohen erhitzt und die Farbe der Mischung durch Betrachten gegen einen weißen
Untergrund beobachtet. Ist die blaue Farbe eben nicht mehr erkennbar, so liest man an
der Teilung der Bürette die Anzahl der verbrauchten Kubikzentimeter Zuckerlösung bis
auf 1/10 ccm genau ab,

III.	Berechnung der Ergebnisse,

Die Berechnung der Ergebnisse erfolgt mit Hilfe der „Tafel zur zollamtlichen
Abfertigung von Verschnitt-Weinen und -Mosten“ nach Maßgabe der folgenden
Bestimmungen:
        <pb n="779" />
        ﻿Wein.

757

1.	Die wahren Alkoholometer- bezw. Saccharometerprozente der unveränderten Probe
werden aus der Tafel 1 bezw. der Bemerkung in der Einleitung § 2 Ziffer 2 entnommen,
jo nachdem die Spindelung dieser Probe mit einem Alkoholometer oder einem Saccharometer
erfolgt ist.

2.	Der wahre Alkoholgehalt des Destillats in Volumprozenten wird aus der Tafel 1
entnommen.

3.	Aus der Tafel 2 bezw. 3 entnimmt man mit Hilfe der wahren Alkoholometer-
bezw. Saccharometerprozente der unveränderten Probe (Ziffer 1) und des wahren Alkohol-
gehalts des Destillats (Ziffer 2) den Gesamtextrakt (einschließlich allen Zuckers).

4.	Der Zuckergehalt ist aus der Verhältniszahl für die vorgenommene Verdünnung
und der Zahl der bei der Titrierung verbrauchten Kubikzentimeter Zuckerlösung aus Tafel 4
zu entnehmen.

Beträgt die nach Ziffer 4 ermittelte Zahl für den Zuckergehalt nicht mehr als 2,5 g
im Liter, so geben die nach Ziffer 2 und 3 ermittelten Zahlen bereits den ganzen Alkohol-
gehalt bezw. den eigentlichen Extraktgehalt. Beträgt diese Zahl für den Zuckergehalt
mehr als 2,5, so zieht man zunächst 2,5 davon ab. Der so verbleibende Überschuß wird
von der nach Ziffer 3 ermittelten Zahl für den Gesamtextrakt in Abzug gebracht; man
bekommt dadurch den eigentlichen Extraktgehalt, d. h. den Gehalt an Extrakt ausschließ-
lich des Zuckers. Ferner entnimmt man mit demselben Überschuß aus der Tafel 5 den
entsprechenden Alkoholgehalt und zählt diesen zu dem unter Ziffer 2 ermittelten Alkohol-
gehalt des Destillats hinzu; man erhält dadurch den ganzen Alkoholgehalt des dem unter-
suchten Moste oder unvollständig vergorenen Weine entsprechenden fertigen Weines.

Der ermäßigte Zollsatz tritt ein, sobald der ganze Alkoholgehalt mindestens 12
Volumprozente und der eigentliche Extraktgehalt mindestens 28 g im Liter beträgt.

II. Wein.

Nach den Erlassen der Ministerien der Einzelstaaten sind die vom Bundesrat
vom 11. Juni 1896 bezw. vom 2. Juli 1901 erlassenen Vorschriften für die chemische
Untersuchung des Weines hei allen in behördlichem Aufträge vorzunehmenden Unter-
suchung zugrunde zu legen, während die zu wissenschaftlichen Zwecken dienenden
Untersuchungen selbstverständlich davon nicht betroffen werden.

Bei den nach der Anweisung vorzunehmenden Untersuchungen sollen wenigstens
diejenigen Geräte, welche unmittelbar zur Abmessung bestimmter Mengen dienen,
geeicht sein. Im nachfolgenden geben wir die Vorschriften dieser amtlichen An-
weisung im Wortlaut wieder. Ergänzungen, die uns bei der Bestimmung der einzelnen
Bestandteile erforderlich schienen, sind als „Anmerkungen des Verfassers“ angefügt
und die Apparate1) durch Abbildungen erläutert.

Eine ausführliche Bearbeitung hat die „chemische Untersuchung und Beur-
teilung des Weines“ unter Zugrundelegung der amtlichen „Anweisung zur chemischen
Untersuchung des Weines“ u. a. durch K. Windisch2) erfahren, dessen Ausführungen
und Erläuterungen wir im nachfolgenden vielfach gefolgt sind.

Diejenigen Untersuchungsverfahren, für welche in der amtlichen Anweisung
Vorschriften nicht gegeben sind, wurden, soweit dieselben häufiger erforderlich sind.
am Schluß der amtlichen Anweisung angefügt.

A. Amtliche Anweisung zur chemischen Untersuchung des Weines.

1. Von jedem Wein, welcher einer chemischen Untersuchung unterworfen werden
8°h, ist eine Probe von mindestens l1/, 1 zu entnehmen. Diese Menge genügt für die

*) Die geeichten Apparate können von den Firmen: Dr. Eob. Muencke in Berlin,

• Gerhard in Bonn und anderen Firmen bezogen werden.

2) K. Win disch, Die chemische Untersuchung und Beurteilung des Weines. Berlin,
Dei Julius Springer 1896.
        <pb n="780" />
        ﻿758

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

in der Regel auszuführenden Bestimmungeu (s. No. 5). Der Mehrbedarf für anderweite
Untersuchungen ist von der Art der letzteren abhängig.

2.	Die zu verwendenden Flaschen und Korke müssen vollkommen rein sein. Krüge
oder undurchsichtige Flaschen, in welchen etwa vorhandene Unreinlichkeiten nicht erkannt
werden können, dürfen nicht verwendet werden.

3.	Jede Flasche ist mit einem, das unbefugte Öffnen verhindernden Verschlüsse und
einem anzuklebenden Zettel zu versehen, auf welchem die zur Feststellung der Identität
notwendigen Vermerke angegeben sind. Außerdem ist gesondert anzugeben; die Größe
und der Füllungsgrad der Fässer und die äußere Beschaffenheit des Weines; insbesondere
ist zu bemerken, wie weit etwa Kahmbildung eingetreten ist.

4.	Die Proben sind sofort nach der Entnahme an die Untersuchungsstelle zu be-
fördern; ist eine alsbaldige Abseudung nicht ausführbar, so sind die Flaschen au einem
vor Sonnenlicht geschützten, kühlen Orte liegend aufzubewahren. Bei Jungweineu ist
wegen ihrer leichten Veränderlichkeit auf besonders schnelle Beförderung Bedacht zu
nehmen.

5.	Zum Zweck der Beurteilung der Weine sind die Prüfungen und Bestimmungen
in der Regel auf folgende Eigenschaften und Bestandteile jeder Weinprobe zu erstrecken:

1.	Spezifisches Gewicht,

2.	Alkohol,

3.	Extrakt,

4.	Mineralbestandteile,

5.	Schwefelsäure bei Rotweinen,

6.	Freie Säuren (Gesamtsäure),

7.	Flüchtige Säuren,

Unter besonderen Verhältnissen sind
nachbezeichnete Bestandteile auszudehnen;

8.	Nichtflüchtige Säuren,

9.	Glyzerin,

10.	Zucker,

11.	Polarisation,

12.	Unreinen Stärkezucker, qualitativ,

13.	Fremde Farbstoffe bei Rotweinen.

die Prüfungen und Bestimmungen noch auf

14.	Gesamtweinsteinsäure, freie Weinstein-
säure, Weinstein und an alkalische Erden
gebundene Weinsteinsäure,

15.	Schwefelsäure bei Weißweinen,

16.	Schweflige Säure,

17.	Saccharin,

18.	Salizylsäure, qualitativ,

19.	Gummi und Dextrin, qualitativ,

20.	Gerbstoff,

21.	Chlor,

22.	Phosphorsäure,

23.	Salpetersäure, qualitativ,

24.	Baryum,

25.	Strontium,

26.	Kupfer.

Die Ergebnisse der Untersuchungen sind in der angegebenen Reihenfolge aufzuführen.
Bei dem Nachweise und der Bestimmung solcher Weinbestandteile, welche hier nicht auf-
geführt sind, ist stets das angewendete Untersuchungsverfahren anzugeben.

6.	Als Normaltemperatur wird die Temperatur von 15° festgesetzt; mithin sind alle
im folgenden vorgeschriebenen Abmessungen des Weines bei dieser Temperatur vorzunehmen
und sind die Ergebnisse hierauf zu beziehen. Trübe Weine sind vor der Untersuchung
zu filtrieren; liegt ihre Temperatur unter 15°, so sind sie vor dem Filtrieren mit den un-
gelösten Teilen auf 15° zu erwärmen und umzuschütteln.

7.	Die Mengen der Weinbestandteile werden in der Weise ausge-
drückt, daß angegeben wird, wie viel Gramme des gesuchten Stoffes in
100 ccm Wein von 15° gefunden worden sind.

B. Ausführung der Untersuchungen.

1. Bestimmung des spezifischen Gewichtes. Das spezifische Gewicht des Weines
wird mit Hilfe des Pyknometers bestimmt.

Als Pyknometer ist ein durch einen Glasstopfen verschließbares (Fig. 293) oder mit
becherförmigem Aufsatz für Korkverschluß versehenes Fläschchen (Fig. 292) von etwa
60 ccm Inhalt mit einem etwa 6 cm langen, ungefähr in der Mitte mit einer eingeritzten
Marke versehenen Halse von nicht mehr als 6 mm lichter Weite anzuwenden.
        <pb n="781" />
        ﻿Wein.

759

Das Pyknometer wirft in reinem und trocknem Zustande leer gewogen, nachdem
es 1li—1/,2 Stunde im Wagenkasten gestanden hat. Daun wird es, gegebenenfalls mit Hilfe
eines fein ausgezogenen Glookentriohtere (Pig. 294), bis über die Marke mit destilliertem
Wasser gefüllt und in ein Wasserbad von 15° gestellt. Nach halbstündigem Stehen in dem
Wasserbade wird das Pyknometer herausgehobeu, wobei man nur den oberen leeren Teil
des Halses aufaßt, und die Oberfläche des Wassers auf die Marke einstellt. Letzteres ge-
schieht durch Eintauchen kleiner Stäbchen oder Streifen aus Piltrierpapier, welche das über
der Marke stehende Wasser aufsaugen. Die Oberfläche des Wassers bildet in dem Halse
des Pyknometers eine nach unten gekrümmte
Fläche; man stellt die Flüssigkeit iu dem Pykno-
meterhalse am besten in der Weise ein, daß bei
durchfallendem Lichte der schwarze Rand der ge-
krümmten Oberfläche die Pyknometermarke eben
berührt. Nachdem man den inneren Hals des
Pyknometers mit Stäbchen aus Piltrierpapier ge-
reinigt hat, setzt man den Stopfen auf, trocknet das
Pyknometer äußerlich ab, stellt es 1/2 Stunde in
den Wagenkasten uud wägt. Die Bestimmung des
Wasserinhaltes des Pyknometers ist dreimal aus-
zuführen und aus den drei Wägungen das Mittel
zu nehmen.

Nachdem man das Pyknometer entleert und
getrocknet oder mehrmals mit dem zu unter-
suchenden Weine ausgespült hat, füllt man es mit
dem Weiue und verfährt genau in derselben Weise
wie hei der Bestimmung des Wasserinhaltes des
Pyknometers; besonders ist darauf zu achten, daß
die Einstellung der Plüssigkeitsoberfläche stets in
derselben Weise geschieht.

Die Berechnung des spezifischen Gewichtes geschieht nach folgender Formel;

Bedeutet; a das Gewicht des leeren Pyknometers,

b das Gewicht des bis zur Marke mit Wasser gefüllten Pyknometers,
c das Gewicht des bis zur Marke mit Wein gefüllten Pyknometers,
so ist das spezifische Gewicht s des Weines bei 15°, bezogen auf Wasser von derselben
Temperatur:

c — a

Der Nenner dieses Ausdrucks, das Gewicht des Wasserinhaltes des Pyknometers ist
bei allen Bestimmungen mit demselben Pyknometer gleich; wenn das Pyknometer indes
längere Zeit in Gebrauch gewesen ist, müssen die Gewichte des leeren und des mit Wasser
gefüllten Pyknometers von neuem bestimmt werden, da sich diese Gewichte mit der Zeit
nicht unerheblich ändern können.

Anmerkung. Die Berechnung wird wesentlich erleichtert, wenn man ein Pykno-
meter anwendet, welches bis zur Marke genau 50 g Wasser faßt. Das Auswägen des
Pyknometers geschieht in folgender Weise: Mau bestimmt das Gewicht des Pyknometers
in leerem, reinem und trocknem Zustande, wägt dann genau 50 g Wasser ein, stellt das
Pyknometer 1 Stunde in ein Wasserhad von 15° und ritzt an der Oberfläche der Flüssig-
keit im Pyknometerhalse eine Marke ein. Das Auswägen des Pyknometers muß stets von
dem Chemiker selbst ausgeführt werden. Bei Anwendung eines genau 50 g Wasser
fassenden Pyknometers ist in -der oben gegebenen Formel b — a == 50 und s = 0,02 (c — a).

2. Bestimmung des Alkohols. Der zum Zweck der Bestimmung des spezifischen
Gewichtes (No. 1) im Pyknometer enthaltene Wein wird in einen Destillierkolben von
160—200 ccm Inhalt übergeführt und das Pyknometer dreimal mit wenig Wasser nachgespült.
Man gibt zur Verhinderung etwaigen Schäumens ein wenig Tannin in den Kolben und
verbindet diesen durch Gummistopfen und Kugelröhre mit einem Liebigsohen Kühler; als
        <pb n="782" />
        ﻿760

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

Vorlage benutzt man das Pyknometer, in welchem der Wein abgemessen worden ist.
Nunmehr destilliert man, bis etwa 36 ccm Flüssigkeit übergegangen sind, füllt das Pyknometer
mit Wasser bis nahe zum Halse auf, mischt durch quirlende Bewegung so lange, bis
Schichten von verschiedener Dichtigkeit nicht mehr wahrzunehmen sind, stellt die Flüssig-
keit 1/2 Stunde in ein Wasserbad von 15° und fügt mit Hilfe eines Haarröhrchens vorsichtig
Wasser von 15° zu, bis der untere Hand der Flüssigkeitsoberfläche gerade die Marke be-
rührt. Dann trocknet man den leeren Teil des Pyknometerhalses mit Stäbchen aus Filtrier-
papier, wägt und berechnet das spezifische Gewicht des Destillates in der unter No. 1 an-
gegebenen Weise. Die diesem spezifischen Gewichte entsprechenden Gramme Alkohol in
100 ccm Wein werden aus der zweiten Spalte der Tabelle XVIII (im Anhänge) entnommen.

Anmerkung. Bei der Untersuchung von Verschnitt weinen ist der
Alkohol in Volumprozenten nach Maßgabe der dritten Spalte der Tabelle XVIII
anzugeben.

Anmerkung des Verfassers.

Um den Inhalt des Pyknometers leichter in den Kolben überzuführen,
bedient man sich nach K, Windisch eines gebogenen, beiderseits offenen
Glasröhrohens von nebenstehender Form (Fig. 295).

Man hält das Röhrchen an dem erweiterten Endo mit dem Finger zu,
taucht den freien Schenkel in das Pyknometer und entleert den Inhalt desselben
(nach dem Umdrehen des Pyknometers samt Röhrchen und dem Lüften des
Fingers) in den Destillationskolben. Das Röhrchen, in dessen Inneres hierbei
keine Flüssigkeit gelangt, wird äußerlich mit Wasser abgespült.

Als Destillationsvorlage bedient man sich am besten des Pyknometers mit dem
becherförmigen Aufsatz (Fig. 292).

3.	Bestimmung des Extraktes (Gehaltes an Extraktstoffen). Unter Extrakt
(Gesamtgehalt au Extraktstoffen) im Sinne der Bekanntmachung vom 29. April 1892 (Reichs-
Gesetzbl. S. 600) sind die ursprünglich gelöst gewesenen Bestandteile des entgeisteten und
entwässerten ausgegorenen Weines zu verstehen.

Da das für die Bestimmung des Extraktgehaltes zu wählende Verfahren sich nach der
Extraktmenge richtet, so berechnet man zunächst den Wert von x aus nachstehender Formel:

Fig. 295.

X = 1 -f- 8 — Sr

Hierbei bedeutet

s das spezifische Gewicht des Weines (nach No. 1 bestimmt),

Sjl das spezifische Gewicht des alkoholischen, auf das ursprüngliche Maß aufgefüllten
Destillats des Weines (nach No. 2 bestimmt).

Die dem Werte von x nach Maßgabe der Tabelle XIX (vergl. Anhang) entsprechende
Zahl E wird aus der zweiten Spalte dieser Tabelle entnommen.

a)	Ist E nicht größer als 3, so wird die endgültige Bestimmung dos Extraktes
in folgender Weise ausgeführt: Man setzt eine gewogene Platinachale von etwa 86 mm
Durchmesser, 20 mm Höhe und 75 com Inhalt, welche ungefähr 20 g wiegt, auf ein Wasser-
bad mit lebhaft kochendem Wasser und läßt aus einer Pipette 50 ccm Wein von 16° in
dieselbe fließen. Sobald der Wein bis zur dickflüssigen Beschaffenheit eingedampft ist,
setzt man die Schale mit dem Rückstände 21/2 Stunden in einen Trockenkasten, zwischen
dessen Doppelwandungen Wasser lebhaft siedet, läßt dann im Exsikkator erkalten und
findet durch Wägung den genauen Extraktgehalt.

b)	Ist B größer als 3, aber kleiner als 4, so läßt man aus einer Bürette in
die beschriebene Platinsohale eine so berechnete Menge Wein fließen, daß nicht mehr als

1,5	g Extrakt zur Wägung gelangen, und verfährt weiter, wie unter No. 3 a angegeben.

Berechnung zu a und b. Wurden aus a Kubikzentimeter Wein, b Gramm Ex-
trakt erhalten, so sind enthalten:

x = 100— Gramm Extrakt in 100 ccm Wein,
a

c)	Ist E gleich 4 oder größer als 4, so gibt diese Zahl endgültig die Gramme
Extrakt in 100 ccm Wein an.
        <pb n="783" />
        ﻿Wein.

761

Um einen Wein, der seiner Benennung nach einem inländischen Weinbaugebiete
entsprechen soll, nach Maßgabe der Bekanntmachung vom 29. April 1892 zu beurteilen
und demgemäß den Extraktgehalt des vergorenen Weines (s. No. 3 Absatz 1) zu ermitteln,
sind die bei der Zuckerbestimmung (vergl. No. 10) gefundenen Zahlen zu Hilfe zu nehmen.
Beträgt danach der Zuckergehalt mehr als 0,1 g in 100 ccm Wein, so ist die darüber
hinausgehende Menge von der nach No. 3 a, 3 b oder 3 c gefundenen Extraktzahl abzuziehen.
Die verbleibende Zahl entspricht dem Extraktgehalt des vergorenen Weines.

Anmerkungen des Verfassers;

1. Da auch die im Abschnitte a gegebenen Vorschriften nicht hinreichend zergliedert
sind, um Differenzen bei der Extraktbestimmung auszuschließen, so hat die Kommission
zur Bearbeitung einer deutschen Weinstatistik unter genauer und voller Berücksichtigung
des obigen Abschnittes 3a der amtlichen Anweisung folgendes Verfahren vorgeschlagen:1)

50 ccm Wein von 15° werden in
einer Platinschale von 85 mm oberem
Durchmesser, 20 mm Höhe und 76 ccm
Inhalt, welche ungefähr 20 g wiegt, auf
lebhaft kochendem Wasserbade, das mit
Bing oder Ausschnitt von 60 mm lichtem
Durchmesser versehen ist, an einem zug-
freien Orte bis zur dickflüssigen Be-
schaffenheit eingedampft. Diese Operation
nimmt etwa 40 Minuten in Anspruch.

Gegen Ablauf dieser Zeit beobachtet man
unausgesetzt das Portschreiten der Bin-
dampfung, und sorgt, sobald der Wein
schwieriger fließt, durch öfteres Neigen
der Schale nach allen Seiten nach Möglich-
keit dafür, daß alle Teile des jSchalen-
inhalts durch den noch herumfließenden
Anteil immer aufs neue benetzt werden
bis zum Eintritt des Endpunktes der Ab-
dampfung. Letzterer ist erreicht, sobald
die Flüssigkeit sich durch das Neigen
der Schale nicht mehr sofort, sondern erst
nach kurzem Warten ZU einem langsam Troekenschrank für Extraktbestlmmungen im Wein,
fließenden Tropfen vereinigen läßt. Als-
dann wird die Schale außen abgetrocknet und in die Zelle des unten beschriebenen Trooken-
schrankes, dessen Wasser sich bereits im Sieden befindet, gebracht. Nach 21/2-stündigem
Erhitzen, während dessen der Wasserstand unverändert bleiben muß und die Zelle nicht ge-
öffnet worden sein darf, wird die Schale so rasch als möglich mit Deckel, Glas- oder
Glimmerplatte bedeckt herausgenommen und nach dem Erkalten im Exsikkator sofort ge-
wogen.

Da namentlich die Einrichtung des Trockenschrankes von wesentlichstem Einflüsse
auf die Übereinstimmung der Ergebnisse ist, so hat die oben genannte Kommission den
vorstehenden Zellentrookenschrank,2) dessen Anordnungen und Ausmessungen sich als die
zweckmäßigsten bewährt haben, empfohlen (Pig. 296).

Die einzelnen Zellen sind im Lichten 100 mm tief, 100 mm breit und 50 mm hoch.
Sämtliche Zellen befinden sich ganz und beständig unter lebhaft siedendem Wasser, zu
welchem Zwecke der Troekenschrank mit Vorrichtung für gleichbleibenden Wasserstand
oder mit Eüokflußkühler und mit ausreichender Heizvorrichtung versehen ist. Unter dieser

J) W. Möslinger, Extraktbestimmung im Weine. Porschungsberichte über Lebens-
mittel usw. 1896, 3, 286.

2) Derartige Trockenschränke mit 2, 4 und mehr Zellen können von der Firma

C.	Desaga in Heidelberg und anderen Firmen bezogen werden.

Flg. 296.
        <pb n="784" />
        ﻿762

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

Voraussetzung erscheint es unerheblich, wie viele solcher Zellen zu einem Schranke ver-
einigt sind. Die in festen Scharnieren und Angeln gehenden Türchen sind auf der Innen-
seite mit Asbest ausgekleidet, wodurch zugleich die nötige Dichtung bewirkt ist, und führen
behufs Ventilation in der Höhe des Bodens und der Decke der Zelle je eine Horizontal-
reihe von drei kreisrunden Löchern von 2 mm Durchmesser. Im Asbest sind diese Löcher
etwas weiter ausgeschnitten. Zum Schutze der Türenseite gegen die von der Flamme auf-
steigenden Verbrennungsgase ist über die ganze Breite des Schrankes in der Verlängerung
der Unterseite ein etwa 45 mm breites Schutzblech angebracht. Die Schalen sitzen nicht
unmittelbar auf dem Boden der Zellen auf, sondern werden von je einem etwa 10 mm
hohen Dreifüßchen getragen, welches symmetrisch in der Zelle befestigt werden kann.

2. Der Extrakt des Weines besteht vorwiegend aus nichtflöchtigen Säuren, Glyzerin,
Mineralstoffen, wenig Zucker und sonstigen unbekannten Stoffen. L. Gränhut1) glaubt,
daß der Extraktrest, d. h. Extrakt minus (niohtfltichtige Säure -(- Glyzerin -j- Mineralstoffe),
wenn der Säurerest Möslingers (S. 766) geringer als 0,28 ist, mindestens 0,6 g
betragen soll, um einer Extrakterhöhung durch künstlichen Glyzerinzusatz vorzubeugen.

4.	Bestimmung der Miueralbestandteile. Enthält der Wein weniger als
4 g Extrakt in 100 ccm, so wird der nach No. 3a oder 3b erhaltene Extrakt vorsichtig
verkohlt, indem man eine kleine Flamme unter der Platinschale hin und her bewegt. Die
Kohle wird mit einem dicken Platindraht zerdrückt und mit heißem Wasser wiederholt
ausgewaschen; den wässerigen Auszug filtriert man durch ein kleines Filter von bekanntem
geringen Aschengehalte in ein Bechergläsohen. Nachdem die Kohle vollständig ausgelaugt
ist, gibt mau das Filterohen in die Platinschale zur Kohle, trocknet beide und verascht sie
vollständig. Wenn die Asche weiß geworden ist, gießt man die filtrierte Lösung in die
Platinschale zurück, verdampft dieselbe zur Trockne, benetzt den Rückstand mit einer
Lösung von Ammoniumkarbonat, glüht ganz schwach, läßt im Exsikkator erkalten und
wägt. (Vergl. S. 195.)

Enthält der Wein 4 g oder mehr Extrakt in 100 ccm, so verdampft man
26 com des Weines in einer geräumigen Platinschale und verkohlt den Rückstand sehr
vorsichtig; die stark aufgeblähte Kohle wird in der vorher beschriebenen Weise weiter
behandelt.

Berechnung. Wurden aus a Kubikzentimeter Wein b Gramm Mineralbestaudteile
erhalten, so sind enthalten:

x = 100 -- Gramm Mineralbestandteile in 100 com Wein,
a

5.	Bestimmung der Schwefelsäure in Rotweinen. 60 ccm Wein werden in
einem Beoherglase mit Salzsäure angesäuert und auf einem Drahtnetz bis zum beginnenden
Kochen erhitzt; dann fügt man heiße Chlorbaryumlösung (1 Teil kristallisiertes Chlorbaryum
in 10 Teilen destilliertem Wasser gelöst) zu, bis kein Niederschlag mehr entsteht. Man
läßt den Niederschlag absetzen und prüft durch Zusatz eines Tropfens Chlorbaryumlösung
zu der über dem Niederschlage stehenden klaren Flüssigkeit, ob die Schwefelsäure voll-
ständig ausgefällt ist. Hierauf kocht man das Ganze nochmals auf, läßt dasselbe 6 Stunden
in der Wärme stehen, gießt die klare Flüssigkeit durch ein Filter von bekanntem Aschen-
gehalte, wäscht den im Becherglase zurückbleibenden Niederschlag wiederholt mit heißem
Wasser aus, indem man jedesmal absetzen läßt und die klare Flüssigkeit durch das Filter
gießt, bringt zuletzt den Niederschlag auf das Filter und wäscht so lange mit heißem
Wasser aus, bis das Filtrat mit Silbernitrat keine Trübung mehr erzeugt. Filter und
Niederschlag werden getrocknet, in einem gewogenen Platintiegel verascht und geglüht;
hierauf befeuchtet man den Tiegelinhalt mit wenig Schwefelsäure, raucht letztere ab, glüht
schwach, läßt im Exsikkator erkalten und wägt.

Berechnung. Wurden aus 60 ccm Wein a Gramm Baryumsulfat erhalten, so
sind enthalten:

x = 0,6869 a Gramm Schwefelsäure (S03) in 100 com Wein.

Diesen x Gramm Schwefelsäure (S03) in 100 ccm Wein entsprechen:
y = 1,4958 a Gramm Kaliumsulfat (KgSO^) in 1 1 Wein.

*) Zeitsohr, f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1901, 4, 1161.
        <pb n="785" />
        ﻿Wein.

763

6.	Bestimmung der freien Säuren (Gesamtsäuro). 25 ccm Wein werden bis zum
beginnenden Sieden erhitzt und die heiße Flüssigkeit mit einer Alkalilauge, welche nicht
schwächer als 1/4-normal ist, titriert. Wird Normallauge verwendet, so müssen Büretten
von etwa 10 com Inhalt benutzt werden, welche die Abschätzung von 1/xoo com gestatten.
Der Sättigungspunkt wird durch Tüpfeln auf empfindlichem, violettem Lackmuspapier fest
gestellt; dieser Punkt ist erreicht, wenn ein auf das trockne Lackmuspapier aufgesetzter
Tropfen keine Rötung mehr hervorruft. Die freien Säuren sind als Weinsteinsäure zu be-
rechnen.

Berechnung. Wurden zur Sättigung von 25 ccm Wein a Kubikzentimeter
1U Normal-Alkali verbraucht, so sind enthalten:

x = 0,075 a Gramm freie Säuren (Gesamtsäure), als Weinsteinsäure berechnet,

in 100 ccm Wein.

Bei Verwendung von 1/s Normal-Alkali lautet die Formel:

x = 0,1 a Gramm freie Säuren (Gesamtsäure), als Weinsteinsäure berechnet,

in 100 ccm Wein.

Anmerkung des Verfassers:

Bei der Säurebestimmung ist vor allem darauf zu achten, daß der Wein nur bis
zum beginnenden Sieden erhitzt wird, da beim Sieden selbst mit den Wasserdämpfen
auch Essigsäure entweicht. Andererseits wird durch das Erhitzen die Kohlensäure voll-
ständiger ausgetrieben als durch Schütteln und dergl. Überdies schwächt nach A. Halenke
und W. Möslinger1) dieses Erhitzen bis zum beginnenden Sieden die verzögernde
Wirkung der amphoter reagierenden Stoffe ganz erheblich ab, so daß der Endpunkt der
Titration entschieden besser und leichter zu beobachten, also genauer festzustellen ist,

Halenke und Möslinger stellen ein empfindliches Lackmuspapier für die Säure-
titration auf folgende Weise her:

200 mg feingepulverte Azolitminsäure werden in einer geräumigen Porzellanschale
mittels 250 ccm siedend heißen, destillierten Wassers und 1,25 ccm Normalalkali in Lösung
gebracht. Durch diese tiefblaue Tinktur werden Streifen neutralen Filtrierpapiers ge-
zogen und auf Schnüren bei gewöhnlicher Temperatur in einem möglichst dunkel gehaltenen
Zimmer — nicht Laboratoriumsraum — getrocknet. Die Trocknung bis zur gleich-
bleibenden blauvioletten Nuance nimmt bis zwei volle Tage in Anspruch. Von den so
erhaltenen Streifen, welche zur Erhöhung der Gleichmäßigkeit vorteilhaft noch satiniert
werden, sind die durch die Schnüre mißfarbigen Stellen und die Bänder abzutrenneu und
die nach Bedürfnis weiter zerkleinerten Streifen vor Luft und Licht geschützt in
Metallkästen oder Glasbehältern aufzubewahren. Zu dieser Herstellung des Papieres ist
noch zu bemerken, daß die Azolitminsäure nur dann brauchbar ist, wenn sie ein braunes,
in reinem Wasser völlig unlösliches, in alkalihaltigem Wasser dagegen vollkommen ohne
Rückstand lösliches Pulver darstellt. Es erscheinen im Handel auch sog. Azolitmine, die
nichts als etwas veränderte Extrakte von Lackmus sind, die für den vorliegenden Zweck
unbrauchbar sind.

Zur Einstellung der Lauge bedienen sich.Halenke und Möslinger reiner ge-
pulverter, über Schwefelsäure getrockneter Weinsteinsäure.

7.	Bestimmung der flüchtigen Säuren. Man bringt 50 ccm Wein in einen Rund-
kolben von 200 ccm Inhalt uud verschließt den Kolben durch einen Gummipfropfen mit
2 Durchbohrungen; durch die erste Bohrung führt ein bis auf den Boden des Kolbens
reichendes, dünnes, unten fein ausgezogenes, oben stumpfwinklig umgebogenes Glasrohr,
durch die zweite ein Destillationsaufsatz mit einer Kugel, welcher zu einem Liebigschen
Kühler führt. Als Destillatiousvorlage dient eine 300 ccm fassende Flasche, welche an der
einem Rauminhalt von 200 com entsprechenden Stelle eine Marke trägt. Die flüchtigen
Säuren werden mit Wasserdampf überdestilliert. Dies geschieht in der Weise, daß man
das bis auf den Boden des Destillierkolbens reichende enge Glasrohr durch einen Gummi-
schlauch mit einer, ein Sicherheitsrohr tragenden Flasche in Verbindung setzt, in welcher
ein lebhafter Strom von Wasserdampf entwickelt wird. Durch Erhitzen des Destillierkolbens

l)	Zeitschr. f. anal. Chemie 1895, 34, 276.
        <pb n="786" />
        ﻿764

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

mit einer Flamme engt man unter stetem Durchleiten von Wasserdampf den Wein auf
etwa 26 ccm ein und trägt dann durch zweckmäßiges Erwärmen des Kolbens dafür Sorge,
daß die Menge der Flüssigkeit in demselben sieh nicht mehr ändert. Mau unterbricht die
Destillation, wenn 200 com Flüssigkeit übergegangen sind. Man versetzt das Destillat
mit Phenolphthalein und bestimmt die Säuren mit einer titrierten Alkalilösung. Die
flüchtigen Säuren sind als Essigsäure (C2H402) zu berechnen.

Berechnung. Sind zur Sättigung der flüchtigen Säuren aus 50 ccm Wein a Kubik-
zentimeter 1/10 Normal-Alkali verbraucht worden, so sind enthalten:

x = 0,012 a Gramm flüchtige Säuren, als Essigsäure (C2H40.2) berechnet, in 100 ccm Wein.

Anmerkung des Verfassers.

K.	Win di sch schlägt die in Pig. 297 dargestellte Anordnung des Apparates vor.
Als Dampfentwickler empfielt sich eine mit Sohlauchstück und Sicherheitsrohr versehene
Flasche aus Kupfer- oder Eisenblech. Windisoh empfiehlt in Gemeinschaft mitRoettger,1)
besonders bei stark essigstichigen Weinen statt 200 ccm stets 300 ccm überzudestillieren,
um sämtliche flüchtige Säuren bis weit unter 0,01 g in 100 ccm Wein zu erhalten. Sie
finden aber das indirekte Verfahren zur Bestimmung der flüchtigen Säuren für nahezu
ebenso genau; bei Weißweinen wird durch 2-maliges, bei Rotweinen durch 3-maliges Ein-
dampfen des Weines bezw. des mit Wasser bis zum ursprünglichen Volumen wieder auf-

Flg. 297. Apparat zur Destillation der flüchtigen Säuren.

gefüllten Rückstandes bis jedesmal zur Sirupdicke alle flüchtige Säure entfernt und durch
Titration des Weines und des nach dem wiederholten Eindunsten erhaltenen, mit Wasser
bis zum ursprünglichen Volumen gelösten Rückstandes aus der Differenz die Menge der
flüchtigen Säuren.

8. Bestimmung der nichtllüchtlgen Säuren. Die Menge der nichtflüchtigen
Säuren im Wein, welche als Weinsteinsäure anzugeben sind, wird durch Rechnung gefunden.

Bedeutet:

a die Gramme freie Säuren in 100 ccm Wein, als Weinsteinsäure berechnet,
b die Gramme flüchtige Säuren in 100 ccm Wein, als Essigsäure berechnet,
x die Gramme niohtflüchtige Säuren in 100 ccm Wein, als Weinsteinsäure berechnet,
so sind enthalten:

x = (a — 1,25 b) Gramm nichtflüchtige Säuren, als Weinsteinsäure berechnet, in 100 ccm Wein.

Anmerkung des Verfassers.

Nachdem R. Kunz* 2 3) Milchsäure als regelmäßigen Bestandteil des Weines erkannt
und J. Möslinger8) nachgewiesen hat, daß mit dem Auftreten der Milchsäure ein Zurück-
gehen derApfelsäure verbunden ist, wird auch die Bestimmung dieser Säuren im Wein
häufig notwendig.

*) Zeitschr. f, Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 9, 70.

2)	Ebenda 1901, 4, 673.

3)	Ebenda 1901, 4, 1120.
        <pb n="787" />
        ﻿Wein.

765

a)	Milchsäure. R. Kunz versetzt 200 ccm Wein mit Baryumhydroxyd bis zur
alkalischen Reaktion, dampft auf 2/s des Volumens ein, füllt den Rückstand auf 200 ccm
auf, filtriert nach dem Durchmischen, dampft 150 ccm des Filtrats nach Sättigen mit
Kohlensäure auf dem Wasserbade bis zur Sirupkonsistenz ein, zersetzt den Rückstand mit
verdünnter Schwefelsäure und zieht ihn 18 Stunden lang in einem geeigneten Apparat
(Schacherl) mit Äther aus. Der Äther-Auszug wird mit etwa 30 ccm Wasser geschüttelt,
der überstehende Äther verjagt, der Rückstand unter Anwendung eines Wasserdampfstromes
bis zu einer Destillatmenge von 600—800 ccm von flüchtigen Säuren befreit, mit etwas
überschüssigem Baryumhydroxyd unter Anwendung von Phenolphthalein als Indikator ver-
setzt, 16 Minuten auf dem Wasserbade erwärmt und, falls noch alkalische Reaktion be-
stehen bleibt, mit Kohlensäure gesättigt. Darauf dampft man im Wasserbade bis auf
10 ccm ein, spült mit 40 com Wasser in einen Meßkolben von 150 ccm, füllt bis zur Marke
mit 95 °/0-igem Alkohol auf, mischt, filtriert, dampft bis zur Entfernung des Alkohols auf dem
Wasserbade ein, säuert mit Salzsäure an, setzt. Natriumsulfat zu und bestimmt das gefällte
Baryumsulfat in üblicher Weise. 1 Teil Baryumsulfat = 0,7725 Teile Milchsäure.

W. Möslinger verfährt wie folgt:

„Aus 50 oder 100 ccm des zu untersuchenden Weines wird in bekannter Weise
mittels Wasserdampfes die flüchtige Säure abdestilliert und die zurückbleibende Flüssigkeit
in einer Porzellanschale mit Barytwasser bis zur neutralen Reaktion gegen Lackmus ab-
gesättigt. Nach dem Hinzufügen von 5—10 ccm 10°/o-iger Chlorbaryumlösung wird bis
auf etwa 25 ccm eingedampft und mit einigen Tröpfchen Barytwasser aufs Neue genaue
Neutralität hergestellt. Man fügt nun vorsichtig in geringen Mengen unter Umrühren
reinsten 95 °/0 igen Alkohol hinzu, bis die Flüssigkeit etwa 70—80 ccm beträgt, und führt
den Inhalt der Porzellanschale nunmehr unter Naohspülen mit Alkohol in einen 100 ccm-
Kolben über, füllt mit Alkohol auf und filtriert durch ein trocknes Faltenlilter, wobei der
Trichter bedeckt gehalten wird. 80 ccm oder mehr des Filtrates werden unter Zusatz von
etwas Wasser in einer Platinschale verdampft; der Rückstand wird alsdann vorsichtig ver-
kohlt und — ohne die Asche weiß zu brennen, was überflüssig ist — seine Alkalität mit
l/2 N.-Salzsäure in bekannter Weise bestimmt und in Kubikzentimetern N.-Alkalilauge aus-
gedrückt. 1 ccm Aschen-N.-Alkalität entspricht 0,090 g Milchsäure oder, wenn diese in Wein-
säure umzurechnen ist, 0,075 g Weinsäure.

Zieht man es vor, die Mineralstoffe zu beseitigen, ehe man an die Übelführung in
die Baryumsalze und deren Trennung geht, so wird wiederum aus 60 oder 100 ccm Wein
die flüchtige Säure abgetrieben, der Rückstand in der Schale mit etwas Weinsäure versetzt,
wozu meist 0,2 bezw. 0.4 g ausreiohen, und bis zum düuneu Sirup (d. h. bis auf wenige
Kubikzentimeter) eingedampft. Man gießt den Rückstand in einen mit Glasstopfen ver-
sehenen, 50 ccm fassenden, graduierten Stehzylinder, spült mit wenigen Tropfen Wasser,
bis das Volumen der wässerigen Flüssigkeit etwa 5 ccm beträgt, und darauf weiter mit
kleinen Mengen von 95 °/0-igem Alkohol nach, immer unter Umschütteln, bis die Flüssig-
keit 30 ccm beträgt; alsdann fügt man zweimal je 10 ccm Äther hip^u, indem man jedes-
mal kräftig schüttelt. Das Gesamtvolumen beträgt nunmehr 50 ccm. Man schüttelt und
läßt absitzen, bis die Flüssigkeit völlig klar geworden, gießt in eine Porzellanschale ab
und spült mit Äther-Alkohol nach. Unter Zusatz von Wasser wird die Flüssigkeit nun-
mehr zunächst von Äther und Alkohol durch Eindampfen befreit, alsdann mit Barytwasser
neutralisiert und — ohne Zusatz von Chlorbaryum — weiter verfahren wie oben.“

A. Partheil1) hält das Möslingersohe Verfahren schon deshalb für fehlerhaft, weil
die Milchsäure bei der Destillation im Wasserdampfstrome nicht unflüchtig ist, daher mit
den flüchtigen Säuren zum Teil verloren geht. Wenngleich R. Kunz2) diesen Verlust
für unerheblich hält, so weist W. Möslinger (1. c.) noch auf andere Fehlerquellen seines
Verfahrens hin, so daß dasselbe nicht als genau bezeichnet werden kann.

b)	Äpfelsäure. Zur Bestimmung der Äpfelsäure sind mehrere Verfahren in Vor-
schlag gebracht. W. Möslinger (1. c.) glaubt, daß die von Waiden3) angegebene Eigen-

'j Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 1053.

2)	Ebenda 1903, 6, 728.

3)	Berichte d, Deutschen ehern. Gesellschaft 1897, 30, 2889.
        <pb n="788" />
        ﻿766

Obst- und Beerenfrücbte sowie deren Erzeugnisse.

Schaft des Urans in alkalischer Lösung, die Linksdrehung der Äpfelsäure um das 450-fache
zu steigern, zu deren quantitativen Bestimmung geeignet ist; A. Hilger und H. Ley1)
benutzen die Eigenschaft der Äpfelsäure, Palladiumchlorür — lg Äpfelsäure = 0,294 g
Palladium — zu reduzieren, zu ihrer Bestimmung, während R. Kunz* 2) vorschlägt, die
Äpfelsäure durch Erwärmen mit Natronhydrat bei 120—130° in Fumarsäure überzuführen,
diese zuerst zusammen mit der Bernsteinsäure zu bestimmen und dann die Fumarsäure
durch Oxydation mit Kaliumpermanganat zu zerstören und von der Bernsteinsäure zu trennen.

Da alle drei Verfahren noch nicht eingehend durchgeprüft sind, so sei darauf nur
verwiesen.

c)	Bernsteinsäure. Das von R. Kunz (1. c.) zur Bestimmung der Bernsteinsäure
angegebene Verfahren beruht im wesentlichen auf der vollständigen Unlöslichkeit des
bernsteinsauren Baryums in 75°/0-igem Alkohol, der völligen Zerstörung der gleichfalls
in dem Barytniederschlage befindlichen Weinsäure, Äpfelsäure, sowie der Extraktstoffe
durch Kaliumpermanganat in schwefelsaurer Lösung und in der beinahe quantitativen Aus-
ziehbarkeit der Berpsteinsäure aus wässeriger Lösung durch reinen Äther. Auch auf dieses
Verfahren sei nur verwiesen.

d)	Zitronensäure. Während die ersten drei Säuren natürliche Bestandteile des
Weines sind, kommt die Zitronensäure in Trauben- und Obstweinen von Natur nicht
vor; nur in den Beerenmosten (Johannis- und Stachelbeermost) besteht die Säure fast ganz
aus Zitronensäure; in den Trauben- und Obstwein kann sie durch künstlichen Zusatz in
Form von freier Säure oder Tamarindenmus gelangen. K. Win dis oh3) verfährt zum
qualitativen Nachweis der Zitronensäure in Trauben- und Obstwein wie folgt: Man bringt
den Alkoholgehalt eines Weines auf 10—12 g in 100 ccm, versetzt 50 ccm hiervon in
einem Becherglase mit 10 ccm einer 10°/0-igen Lösung von Chlorbaryum, läßt 6 Stunden
oder besser über Nacht stehen, gießt die überstehende klare Flüssigkeit ab, bringt den
Rest mit dem aufgerührten Niederschlag auf ein Filter, läßt gut abtropfen, ohne mit
Wasser auszuwaschen; den Niederschlag spült man nach Durchstoßen des Filters mit
höchstens 15 ccm Wasser in ein Becherglas, erhitzt zum Sieden, zerlegt die Baryumsalze
durch vorsichtiges Zutropfen von verdünnter Schwefelsäure (1 :9), filtriert vom Baryum-
sulfat in ein Probierröhrchen, setzt zu der Flüssigkeit, die nur wenig Äpfelsäure mehr
enthält, 1—2 ccm Eisessig, ebensoviel einer gesättigten Lösung von Bleiacetat, erhitzt
zum Sieden und filtriert heiß. Entsteht in dem Filtrat nach dem Erkalten eine milchige
Trübung, so ist Zitronensäure vorhanden; hat sich ein sandiger, grünlich gefärbter Boden-
satz von Bleitartrat abgeschieden, so erhitzt man das Filtrat nochmals zum Sieden, filtriert
heiß und läßt erkalten; tritt jetzt wieder milchige Trübung auf, so ist mit Sicherheit
Zitronensäure vorhanden.

e)	Säurerest. W. Möslinger4) hat geglaubt, in dem Säurerest, welcher sich durch
Abzug der freien Weinsäure der Hälfte der Bitartrate-j-der 1,26-fachen flüchtigen Säure
von der Gesamtsäure ergibt, der also im wesentlichen aus der halbgebundenen Weinsäure,
freien Äpfelsäure (bgzw. Milchsäure) und Bernsteinsäure besteht, einen wesentlichen An-
haltspunkt gewonnen zu haben, um beurteilen zu können, ob ein reiner oder überstreckter
Traubenwein, ob ein Rosinen-, Trester- oder Hefenwein vorliege. Bei reinen Trauben-
weineu solle der Säurerest mindestens 0,28 g in 100 ccm Wein betragen. Diese Grenzzahl,
wie das Verfahren ist aber von anderer Seite als nicht richtig bezw. unsicher bezeichnet
worden, weshalb hier nur darauf verwiesen sei.

9.	Bestimmung des Glyzerins.

a) In Weinen mit weniger als 2 g Zucker in roo ccm. Man dampft 100 ccm
Wein in einer Porzellanschale auf dem Wasserbade auf etwa 10 ccm ein, versetzt den

4)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1901, 4, 49.

2)	Ebenda 1903, C, 728.

3)	K. Win di sch, Anleitung zur Untersuchung von Most u. Wein f. Praktiker.
Wiesbaden 1904, 235.

4)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1899, 2, 93.
        <pb n="789" />
        ﻿Wein.

767

Rückstand mit etwa 1 g Quarzsand und so viel Kalkmilch von 400/o Kalkhydrat, daß auf
je 1 g Extrakt 1,5—2 com Kalkmilch kommen, und verdampft fast bis zur Trockne. Der
feuchte Rückstand wird mit etwa 5 ccm Alkohol von 96 Maßprozent versetzt, die an der
Wand der Porzellanschale haftende Masse mit einem Spatel losgelöst und mit einem
kleinen Pistill unter Zusatz kleiner Mengen Alkohol von 96 Maßprozent zu einem feinen
Rrei zerrieben. Spatel und Pistill werden mit Alkohol von gleichem Gehalte abgespült.
Unter beständigem Umrühren erhitzt man die Schale auf dem Wasserbade bis zum Beginn
des Siedens und gießt die trübe alkoholische Flüssigkeit durch einen kleinen Trichter in
ein 100 com-Kölbchen. Der in der Schale zurückbleibende pulverige Rückstand wird
unter Umrühren mit 10—12 ccm Alkohol von 96 Maßprozent wiederum heiß ausgezogen,
der Auszug in das 100 ccm-Kölbchen gegossen und dies Verfahren so lange wiederholt,
bis die Menge der Auszüge etwa 95 com beträgt; der unlösliche Rückstand verbleibt in
der Schale. Dann spült man das auf dem 100 ccm-Kölbchen sitzende Trichterohen mit
Alkohol ab, kühlt den alkoholischen Auszug auf 15° ab und füllt ihn mit Alkohol von
96 Maßprozent auf 100 ccm auf. Nach tüchtigem Umschütteln filtriert man den
alkoholischen Auszug durch ein Faltenfilter in einen eingeteilten Glaszylinder. 90 ccm
Filtrat werden in eine Porzellansohale übergeftihrt und auf dem heißen Wasserbade unter
Vermeiden des lebhaften Siedens des Alkohols eingedampft. Der Rückstand wird mit
kleinen Mengen absoluten Alkohols aufgenommen, die Lösung in einen eingeteilteu Glas-
zylinder mit Stopfen gegossen und die Schale mit kleinen Mengen absolutem Alkohol
nachgewasohen, bis die alkoholische Lösung genau 15 ccm beträgt. Zu der Lösung setzt
man dreimal je 7,5 com absoluten Äther und schüttelt nach jedem Zusatz tüchtig durch.
Der verschlossene Zylinder bleibt so lange stehen, bis die alkoholisch-ätherische Lösung
ganz klar geworden ist; hierauf gießt man die Lösung in ein Wägegläschen mit einge-
schliffenem Stopfen.1) Nachdem man den Glaszylinder mit etwa 5 ccm einer Mischung
von 1 Raumteil absolutem Alkohol und Raumteilen absolutem Äther nachgewaschen
und die Waschflüssigkeit ebenfalls in das Wägegläschen gegossen hat, verdunstet man die
alkoholisch-ätherische Flüssigkeit auf einem heißen, aber nicht kochenden Wasserbade,
wobei wallendes Sieden der Lösung zu vermeiden ist. Nachdem der Rückstand im Wäge-
gläschen dickflüssig geworden ist, bringt man das Gläschen in einen Trockenkasten, zwischen
dessen Doppelwandungen Wasser lebhaft siedet, läßt nach einstündigem Trocknen im Ex-
sikkator erkalten und wägt.

Berechnung. Wurden a Gramm Glyzerin gewogen, so sind enthalten:
x = 1,111 a Gramm Glyzerin in 100 ccm Wein.

b) In Weinen mit 2 g oder mehr Zucker in roo ccm. 50 ccm Wein werden in
einem geräumigen Kolben auf dem Wasserbade erwärmt und mit 1 g Quarzsand und so
lange mit kleinen Mengen Kalkmilch versetzt, bis die zuerst dunkler gewordene Mischung
wieder eine hellere Farbe und einen laugenhaften Geruch angenommen hat. Das Gemisch
wird auf dem Wasserbade unter fortwährendem Umschütteln erwärmt. Nach dem Erkalten
setzt man 100 ccm Alkohol von 96 Maßprozeut zu, läßt den sich bildenden Niederschlag
absetzen, filtriert die alkoholische Lösung ab und wäscht den Niederschlag mit Alkohol
von 96 Maßprozent aus. Das Filtrat wird eingedampft und der Rückstand nach der unter
No. 9 a gegebenen Vorschrift weiter behandelt.

Berechnung. Wurden a Gramm Glyzerin gewogen, so sind enthalten:
x = 2,222 a Gramm Glyzerin in 100 com Wein.

Anmerkung. Wenn die Ergebnisse der Zuokerbestimmung nicht mitgeteilt sind,
so ist stets anzugeben, oh der Glyzeringehalt der Weine nach No. 9 a oder 9 b bestimmt
worden ist.

10. Bestimmung dos -Zuckers. Die Bestimmung des Zuckers geschieht gewichts-
analytisch mit Fehlingscher Lösung.

a) Herstellung der erforderlichen Lösungen. 1. Kupfersulfatlösung: 69,278 g
kristallisiertes Kupfersulfat werden mit Wasser zu 1 1 gelöst. V)

V) K. Windisch empfiehlt zylindrische Wägegläschen mit eingeschliffeuem Glas-
stopfen und etwa 7 cm hohen, senkrechten Wänden.
        <pb n="790" />
        ﻿768

Obst- und Beerenfriichte sowie deren Erzeugnisse.

2. Alkalische Seignettesalzlösung; B64 g Seignottesalz (Kalium-Natrium-
tartrat) und 103,2 g Natriumhydrat werden mit Wasser zu 1 1 gelöst und die Lösung durch
Asbest filtriert.

Die beiden Lösungen sind getrennt auf'zubewahren.

b)	Vorbereitung des Weines zur Zuckerbestimmung. Zunächst wird der annähernde
Zuckergehalt des zu untersuchenden Weines ermittelt, indem man yon dem Extraktgehalt
desselben die Zahl 2 abzieht. Weine, die hiernach höchstens 1 g Zucker in 100 ccm enL
halten, können unverdünnt zur Zuckerbestimmung verwendet werden; Weine, die mehr als
1 g Zucker in 100 ccm enthalten, müssen dagegen so weit verdünnt werden, daß die ver-
dünnte Flüssigkeit höchstens 1 g Zucker in 100 ccm enthält. Die für den annähernden
Zuckergehalt gefundene Zahl (Extrakt weniger 2) gibt an, auf das wievielfache Maß man
den Wein verdünnen muß, damit die Lösung nicht mehr als 1 °/0 Zucker enthält. Zur
Vereinfachung der Abmessung und Umrechnung rundet man die Zahl (Extrakt weniger 2)
nach oben zu auf eine ganze Zahl ab. Die für die Verdünnung anzuwendende Menge Wein
ist so auszuwählen, daß die Menge der verdünnten Lösung mindestens 100 ccm beträgt.
Enthält beispielsweise ein Wein 4,77 g Extrakt in 100 ccm, daun ist der Wein zur Zucker-
bestimmung auf das 4,77—2 = 2,77-fache oder abgerundet auf das dreifache Maß mit Wasser
zu verdünnen. Man läßt in diesem Falle aus einer Bürette 33,3 ccm Wein von 15° in ein
100 ocm-Kölbohen fließen und füllt den Wein mit destilliertem Wasser bis zur Marke auf.

c)	Ausführung der Bestimmung des Zuckers im Weine. 100 ccm Wein oder,
bei einem Zuckergehalte von mehr als 1 °/0, 100 ccm eines in der vorher beschriebenen
Weise verdünnten Weines werden in einem Meßkölbchen abgemessen, in eine Porzellan-
schale gebracht, mit Alkalilauge neutralisiert und im Wasserbade auf etwa 25 ccm ein-
gedampft. Behufs Entfernung von Gerbstoff und Farbstoff fügt mau zu dem entgeisteten
Weinrückstaude, sofern es sich um Rotweine oder erhebliche Mengen Gerbstoff enthaltende
Weißweine handelt, 5—10 g gereinigte Tierkohle, rührt das Gemisch unter Erwärmen auf
dem Wasserbade mit einem Giasstabe gut um und filtriert die Flüssigkeit in das 100 ccm-
Kölbchen zurück. Die Tierkohle wäscht man so lange mit heißem Wasser sorgfältig aus,
bis das Filtrat nach dem Erkalten nahezu 100 ccm beträgt. Man versetzt dasselbe sodann
mit 3 Tropfen einer gesättigten Lösung von Natriumkarbonat, schüttelt um und füllt die
Mischung bei 15° auf 100 com auf. Entsteht durch den Zusatz von Natriumkarbonat eine
Trübung, so läßt man die Mischung 2 Stunden stehen und filtriert sie dann. Das Filtrat
dient zur Bestimmung des Zuckers.

An Stelle der Tierkohle kann zur Entfernung von Gerbstoff und Farbstoff au i dem
Wein auch Bleiessig benutzt werden. In diesem Falle verfährt mau wie folgt; 160 ccm
Wein werden in der vorher beschriebenen Weise neutralisiert und entgeistet und der
entgeistete Weinrückstand bei 15° mit Wasser auf das ursprüngliche Maß wieder auf-
gefüllt. Hierzu setzt man 16 com Bleiessig, schüttelt um und filtriert. Zu 88 ccm des
Filtrates fügt man 8 ccm einer gesättigten Natriumkarbonatlösung oder einer bei 20° ge-
sättigten Lösung von Natriumsulfat, schüttelt um und filtriert aufs neue. Das letzte
Filtrat dient zur Bestimmung des Zuckers. Durch die Zusätze von Bleiessig und Natrium-
karbonat oder Natriumsulfat ist das Volumen des Weines um 1/5 vermehrt worden, was
bei der Berechnung des Zuckergehaltes zu berücksichtigen ist.

a)	Bestimmung des Invertzuckers. In einer vollkommen glatten Porzellan-
schale werden 25 ccm Kupfersulfatlösung, 25 ccm Seignettesalzlösung und 26 com Wasser
gemischt und auf einem Drahtnetz zum Sieden erhitzt. In die siedende Mischung läßt
man aus einer Pipette 25 ccm des in der beschriebenen Weise vorbereiteten Weines fließen
und kocht nach dem Wiederbeginn des lebhaften Aufwallens noch genau 2 Minuten. Man
filtriert das ausgeschiedene Kupferoxydul unter Anwendung einer Saugepumpe sofort durch
ein gewogenes Asbestfllterröhrchen1) und wäscht letzteres mit heißem Wasser und zuletzt
mit Alkohol und Äther aus. Nachdem das Röhrchen mit dem Kupferoxydulniederschlage
bei 100° getrocknet ist, erhitzt man letzteren stark bei Luftzutritt, verbindet das Röhrchen
alsdann mit einem Wasserstoff-Entwickelungsapparat, leitet trocknen und reinen Wasser-

*) Uber eine zweckmäßige Anordnung eines derartigen Apparates vergl. S. 229.
        <pb n="791" />
        ﻿Wein.

769

stoff hindurch und erhitzt das zuvor gebildete Kupferoxyd mit einer kleinen Klamme, bis
dasselbe vollkommen zu metallischem Kupfer reduziert ist. Dann läßt man das Kupfer im
Wasserstoffstrom erkalten und wägt. Die dem gewogenen Kupfer entsprechende Menge
Invertzucker entnimmt man der als Anlage beigegebenen Tabelle IV (vergl. Anhang).
(Die Eeinigung des Asbestfilterröhrchens geschieht durch Auflösen des Kupfers in heißer
Salpetersäure, Auswaschen mit Wasser, Alkohol und Äther, Trocknen und Erhitzen im
Wasserstoffstrome.)

ß) Bestimmung der Saccharose. Man mißt 60 ccm des in der vorher be-
schriebenen Weise erhaltenen entgeisteten, alkalisch gemachten, gegebenenfalls von Gerb-
stoff und Farbstoff befreiten und verdünnten Weines mittels einer Pipette in ein Kölbchen
von etwa 100 ccm Inhalt, neutralisiert genau mit Salzsäure, fügt sodann 6 ccm einer
l°/0-igen Salzsäure hinzu und erhitzt die Mischung eine halbe Stunde im siedenden Wasser-
bade. Dann neutralisiert man die Flüssigkeit genau, dampft sie im Wasserbade etwas ein,
macht sie mit einer Lösung von Natriumkarbonat schwach alkalisch und filtriert sie durch
ein kleines Filter in ein 50 com-Kölbohen, das man durch Nachwaschen bis zur Marke
füllt. In 25 ccm der zuletzt erhaltenen Lösung wird, wie unter No. 10 a angegeben, der
Invertzuokergehalt bestimmt.

Berechnung. Man rechnet die nach der Inversion mit Salzsäure erhaltene Kupfer-
menge auf Gramme Invertzucker in 100 com Wein um. Bezeichnet man mit

a die Gramme Invertzucker in 100 ccm Wein, welche vor der Inversion mit Salz-
säure gefunden wurden,

b die Gramme Invertzucker in 100 ccm Wein, welche nach der Inversion mit Salz-
säure gefunden wurden,
so sind enthalten:

x = 0,95 (b — a) Gramm Saccharose in 100 ccm Wein.

Anmerkung. Es ist stets anzugeben, ob die Entfernung des Gerbstoffes und
Farbstoffes durch Kohle oder durch Bleiessig stattgefunden hat.

Anmerkung des Verfassers:

P.	Kulisch1) hat durch eine Eeihe von Versuchen nachgewiesen, daß in einem
nicht verdünnten Weine weit größere Mengen Salzsäure zur völligen Inversion der
Saccharose erforderlich sind, als nach obiger Vorschrift zugesetzt werden sollen. Die
Schwächung der Inversionskraft der Salzsäure wird durch die im Weine vorhandenen Salze
minder stark invertierender Säuren verursacht. P. Kulisch schlägt daher vor, bei Weinen,
welche auf weniger als das fünffache verdünnt werden müssen, größere Mengen Säure zu
nehmen, nämlich bei nicht verdünnten Weinen bis zu 1 ccm 26 °/0-lger Salzsäure, während
bei Weinen, welche zwischen zwei- und fünffach verdünnt sind, 0,5 ccm 25°/0-iger Salzsäure
genügen. Beim Zusatz von 1 ccm obiger Salzsäure ist zu beachten, daß einer Zunahme von
weniger als 0,025 g Zucker auf 100 ccm der verdünnten Zuckerlösung keine Bedeutung
beizumessen ist.

Über die verschiedenen Verfahren zur Bestimmung der Glukose und Fruktose
im Wein vergl. oben S. 234—238.

11. Polarisation. Zur Prüfung des Weines auf sein Verhalten gegen das polarisierte
Licht sind nur große, genaue Apparate zu verwenden, an denen noch Zehntelgrade ab-
gelesen werden können. Die Ergebnisse der Prüfung sind in Winkelgraden, bezogen auf
eine 200 mm lange Schicht des ursprünglichen Weines, anzugeben. Die Polarisation ist
bei 15° auszuführen.

Ausführung der polarimetrischen Prüfung des Weines, a) Bei Weißweinen.
60 ccm Weißwein werden mit Alkali neutralisiert, im Wasserbade auf 1j3 eingedampft,
auf das ursprüngliche Maß wieder aufgefüllt und mit 3 ccm Bleiessig versetzt; der ent-
standene Niederschlag wird abfiltriert. Zu 31,6 ccm des Filtrates setzt man 1,5 ccm einer
gesättigten Lösung von Natriumkarbonat oder einer bei 20° gesättigten Lösung von Natrium-
sulfat, filtriert den entstandenen Niederschlag ab und polarisiert das Filtrat. Der von dem

9	Zeitschr. f. angew. Chemie 1897, 206.

Landwirtschaftliche Stoffe, 8. Auflage.

49
        <pb n="792" />
        ﻿770

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

Weine eingenommene Raum ist durch die Zusätze um x/i« vermehrt worden, worauf Rück-
sicht zu nehmen ist.

b)	Bei Rotweinen, 60 oom Rotwein werden mit Alkali neutralisiert, im Wasser-
bade auf 1/s eingedampft, filtriert, auf das ursprüngliche Maß wieder aufgefüllt und mit
6 ccm Bleiessig versetzt. Man filtriert den Niederschlag ab, setzt zu 38 com des Filtrates
3 ccm einer gesättigten Lösung von Natriumkarbonat oder einer bei 20° gesättigten Lösung
von Natriumsulfat, filtriert den Niederschlag ab und polarisiert das Filtrat. Der von dem
Rotweine eingenommene Raum wird durch die Zusätze um 1/5 vermehrt.

Gelingt die Entfärbung eines Weines durch Behandlung mit Bleiessig nicht voll-
ständig, so ist sie mittels Tierkohle auszuführen. Man mißt 50 ccm Wein in einem
Meßkölbchen ab, führt ihn in eine Porzellanschale über, neutralisiert ihn genau mit einer
Alkalilösung und verdampft den neutralisierten Wein auf etwa 25 ccm. Zu dem ent-
geisteten Weinrückstande setzt man 5—10 g gereinigte Tierkohle, rührt unter Erwärmen
auf dem Wasserbade mit einem Glasstabe gut um und filtriert die Flüssigkeit ab. Die
Tierkohle wäscht man so lange mit heißem Wasser sorgfältig aus, bis je nach der Menge
des in dem Weine enthaltenen Zuckers das Filtrat 75—100 com beträgt. Man dampft
das Filtrat in einer Porzellanschale auf dem Wasserbade bis zu 30—40 ccm ein, filtriert
den Rückstand in das 50 ccm-Kölbchen zurück, wäscht die Porzellanschale und das Filter
mit Wasser aus und füllt das Filtrat bis zur Marke auf. Das Filtrat wird polarisiert;
eine Verdünnung des Weines findet bei dieser Vorbereitung nicht statt.

12.	Nachweis des unreinen Stärkeznckers durch Polarisation, a) Hat man
bei der Zuckerbestimmung nach No. 10 höchstens 0,1 g reduzierenden Zucker in 100 ccm
Wein gefunden, und dreht der Wein bei der gemäß No. 11 ausgeführten Polarisation nach
links oder gar nicht oder höchstens 0,3° nach rechts, so ist dem Weine unreiner Stärke-
zuoker nicht zugesetzt worden.

b)	Hat man bei der Zuckerbestimmung nach No. 10 höchstens 0,1 g reduzierenden
Zucker gefunden, und dreht der Wein mehr als 0,3° bis höchstens 0,6° nach rechts, so
ist die Möglichkeit des Vorhandenseins von Dextrin in dem Weine zu berücksichtigen und
auf dieses nach No. 19 zu prüfen. Ferner ist nach dem folgenden, unter No. 12 d be-
schriebenen Verfahren die Prüfung auf die unvergorenen Bestandteile des unreinen Stärke-
zuokers vorzunehmen.

c)	Hat man bei der Zuckerbestimmung nach No. 10 höchstens 0,1 g Gesamtzucker
in 100 ccm Wein gefunden, und dreht der Wein bei der Polarisation mehr als 0,6° nach
rechts, so ist zunächst nach No. 19 auf Dextrin zu prüfen. Ist dieser Stoff in dem Weine
vorhanden, so verfährt man zum Nachweis der vergorenen Bestandteile des unreinen Stärke-
zuckers nach dem folgenden, unter No. 12 d angegebenen Verfahren. Ist Dextrin nicht
vorhanden, so enthält der Wein die unvergorenen Bestandteile des unreinen Stärkezuckers.

d)	Hat man bei der Zuckerbestimmung nach No. 10 mehr als 0,1 g Gesamtzucker
in 100 ccm Wein gefunden, so weist man den Zusatz unreinen Stärkezuckers auf folgende
Weise nach;

a) 210 ccm Wein werden im Wasserbade auf 1/a eingedampft; der Verdampfungs-
rückstand wird mit so viel Wasser versetzt, daß die verdünnte Flüssigkeit nicht mehr
als 15°/0 Zucker enthält; die verdünnte Flüssigkeit wird in einem Kolben mit etwa 5 g
gärkrät’tiger Bierhefe, die optisch aktive Bestandteile nicht enthält, versetzt und so lange
bei 20—25° stehen gelassen, bis die Gärung beendet ist.

ß) Die vergorene Flüssigkeit wird mit einigen Tropfen einer 20°/o-igen Kalium-
acetatlösung versetzt und in einer Porzellanschale auf dem Wasserbade unter Zusatz von
Quarzsand zu einem dünnen Sirup verdampft. Zu dem Rückstände setzt man unter be-
ständigem Umrühren allmählich 200 ccm Alkohol von 90 Maßprozent. Nachdem sich die
Flüssigkeit geklärt hat, wird der alkoholische Auszug in einen Kolben filtriert, Rückstand
und Filter mit wenig Alkohol von 90 Maßprozeut gewaschen und der Alkohol größtenteils
abdestilliert. Der Rest des Alkohols wird verdampft und der Rückstand durch Wasser-
zusatz auf etwa 100 ccm gebracht. Hierzu setzt man 2—3 g gereinigte, in Wasser auf-
geschlammte Tierkohle, rührt mit einem Glasstabe wiederholt tüchtig um, filtriert die ent-
färbte Flüssigkeit in einen kleinen eingeteilten Zylinder und wäscht die Tierkohle mit
        <pb n="793" />
        ﻿Wein.

771

heißem Wasser aus, bis das auf 15° abgekühlte Filtrat 30 com beträgt. Zeigt dasselbe
bei der Polarisation eine Rechtsdrehung von mehr als 0,5°, so enthält der Wein die unver-
gorenen Bestandteile des unreinen Stärkezuckers. Beträgt die Drehung gerade -)- 0,6°
oder nur wenig über oder unter dieser Zahl, so wird die Tierkohle aufs neue mit heißem
Wasser ausgewaschen, bis das auf 15° abgekühlte Filtrat 30 com beträgt. Die bei der
Polarisation dieses Filtrates gefundene Rechtsdrehung wird der zuerst gefundenen hinzu-
gezählt. Wenn das Ergebnis der zweiten Polarisation mehr als den fünften Teil der ersten
beträgt, muß die Kohle noch ein drittes Mal mit 30 ccm heißem Wasser ausgewaschen
und das Filtrat polarisiert werden.

13. Nachweis fremder Farbstoffe in Rotweinen. „Rotweine sind stets auf
Teerfarbstoffe und auf ihr Verhalten gegen Bleiessig zu prüfen. Ferner ist in dem Weine
ein mit Alaun und Natriumacetat gebeizter Wollfaden zu kochen und das Verhalten des
auf der Wollfaser niedergeschlagenen Farbstoffes gegen Reagenzien zu prüfen. Die bei
dem Nachweise fremder Farbstoffe im einzelnen befolgten Verfahren sind stets anzugeben,“
Da nach dem neuen Weingesetz die Verwendung von Teerfarbstoffen und Kermesbeeren
verboten, die Verwendung von tiefgefärbten südländischen Rotweinen zum Verschneiden
erlaubt ist, so werden Teer-, wie auch Pflanzenfarbstoffe jetzt nur mehr selten zum Auf-
färben des Rotweines verwendet.

Anmerkung des Verfassers:

a) Nachweis von Teerfarbstoffen in Rotweinen. A. Hasterlik1) hat die ver-
schiedenen Verfahren zum Nachweise der Teerfarbstoffe einer eingehenden Prüfung unter-
zogen, dessen Untersuchungen wir im nachfolgenden nach K. Windisch (1. c. S. 165)
größtenteils folgen.

Zum Nachweise von Teerfarbstoffen im Rotwein dienen folgende Verfahren:

1.	Das Verhalten des Weines gegen Bleiessig. Dasselbe kann nur zur
vorläufigen Unterrichtung dienen.

Versetzt man 20 ccm Wein mit 10 ccm Bleiessig, erwärmt die Mischung schwach,
schüttelt abermals gut um und filtriert, so liegt, wenn das Filtrat rot gefärbt ist, der
Verdacht des Vorhandenseins eines Teerfarbstoffes vor. Hierbei ist jedoch zu berück-
sichtigen, daß auch manche farbstoffreichen Rotweine ein schwach rotgefärbtes Filtrat der
Bleiessigfällung liefern. Der Niederschlag mit Bleiessig ist bei reinem Rotwein
schiefergrau, blaugrau, blaugrün oder grün, bei Vorhandensein z. B. von Kermesfarbstoff
rotviolett.

2.	Die Wollprobe nach N. Arato.2) Diese Probe ist von allen Proben wohl am
besten zur Prüfung des Rotweins auf Teerfarbstoffe geeignet. Man verfährt folgendermaßen;

60—100 ccm des verdächtigen Weines läßt man 10 Minuten mit 5—10 com einer
10°/0-igen Kaliumbisulfatlösung und 3—4 Fäden weißer Wolle in einer Porzellanschale
oder einem Becherglase kochen. Die Wolle wird nach dieser Behandlung herausgenommen,
mit Wasser gewaschen und mit wässerigem Ammoniak behandelt. Enthält der Wein Teer-
farbstoff, so nimmt die Wolle nach dem Kochen mit dem Bisulfat eine stärkere rote
Farbe an, als bei reinen Weinen, und nach dem Behandeln mit Ammoniak verwandelt sich
dieselbe nicht in ein schmutziges, grünliches Weiß, sondern bleibt entweder beständig rot
oder nimmt eine gelbliche Färbung an, welche nach abermaliger Behandlung mit Wasser
und nach Auswaschen mit Ammoniak wieder die ursprünglich rote Farbe hervortreten läßt.

Will man jetzt die Natur des fremden Farbstoffes ermitteln, so wäscht man zunächst
die Wolle mit verdünnter Weinsäure, um die Weinfarbstoffe zu entfernen, und preßt die-
selben zwischen Fließpapier ab. Hierauf bringt man die Wolle in ein Reagensglas und
tröpfelt Schwefelsäure darauf, wobei kennzeichnende Erscheinungen für die verschiedenen
Diazokörper auftreten. Ist man genötigt, den Farbstoff von der Wolle zu trennen, so gießt
man so viel Schwefelsäure hinzu, daß die Wolle damit bedeckt ist, quetscht mit einem

3) Mitteilungen aus d. pharm. Institut u. Laboratorium f. angew. Chemie der Uni-
versität Erlangen 1889, Heft 2, S. 51.

2) Arato, Metodo parala iuvestigacion de algunos derivados del acquitran. Buenos
Aires. Zeitschr. f. anal. Chemie 1889, 28, 639.

49*
        <pb n="794" />
        ﻿772

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

Glasstabe das Ganze gehörig durch und läßt 5—10 Minuten stehen. Hierauf verdünnt
man mit Wasser auf 10 ccm, nimmt die Wolle heraus und übersättigt mit Ammoniak.
Nach dem Erkalten übergießt man mit 5—10 com reinem Amylalkohol und, um ein besseres
Absetzen zu erzielen, mit einigen Tropfen Äthylalkohol, schüttelt, hebert ab, verdampft
zur Trockne und behandelt den Rückstand mit Schwefelsäure, wobei man gewisse Parben-
wandlungen, je nach der Natur des Farbstoffs, erhält. In einigen Fällen empfiehlt es sich
aber auch, den Amylalkohol mit Wasser auszuschütteln, welches ihm hierbei sämtlichen
Farbstoff entzieht, und mit der wässerigen Lösung die Prüfung vorzunehmen.

3.	Die Ausschüttelung des Weines mit Äther vor und nach dem Über-
sättigen mit Ammoniak.

100 ccm Wein werden mit 30 ccm Äther in einem Glaszylinder von etwa 30 mm
Weite und 150 ccm Inhalt durehgesohüttelt; andere 100 com Wein werden nach Zusatz
von 6 ccm Ammoniak in derselben Weise ausgeschüttelt und beide Proben getrennt weiter
behandelt. Von den klar abgesetzten Ätherschichten — ist beim Schütteln eine Emulsion
entstanden, so fügt man zur Abscheidung des Äthers einige ccm Alkohol hinzu — hebt
man mit einer Pipette 20—26 ccm Äther klar ab und verdunstet den Äther in einem
Porzellanschälchen über einem 5 cm langen Faden rein weißer Wolle ein. Die Äther-
lösung darf nicht filtriert werden, da geringe Mengen Fuchsin im Filter zurückgehalten
werden können und dadurch dem Nachweise entgehen. Die an den Bändern der Schale
sich absoheidenden Teile des Rückstandes löst man durch vorsichtiges Umschwenken wieder
in dem noch nicht verdunsteten Äther und fixiert so alle in Äther gelösten Bestandteile
auf der Wollfaser, Bei reinen Weinen ist die Wolle mit dem Verdampfungsrückstande
der ammoniakalischen Ätherlösung rein weiß, während der ätherische Auszug des natür-
lichen Weines etwas bräunlich mißfarben wird. Wird dagegen der Wollfaden durch die
ammoniakalische Ätherausschüttelung rot, so sind in dem Weine Teerfarbstoffe vorhanden;
durch Betupfen mit Salzsäure wird der Faden farblos oder gelblich. Übersättigen mit
Ammoniak ruft die rote Farbe wieder hervor.

Aus dem nicht ammoniakalisch gemachten Wein erhält man durch Ausschütteln mit
Äther die sogenannten Säurefarbstoffe, welche die Wollfaser ebenfalls rot färben.

Nach Hasterlik lassen sich durch dieses Verfahren nur Fuchsin, Safranin und
Chrysoidin im Rotweine naohweisen, nicht aber Säurefuchsin (rosanilinsulfosaures Natrium)
und zahlreiche Azofarbstoffe.

4.	Das Ausschütteln des natürlichen, des mit Schwefelsäure ange-
säuerten und des mit Ammoniak übersättigten Weines mit Amylalkohol.

Man schüttelt 100 ccm des natürlichen, des mit Schwefelsäure angesäuerten und
des mit Ammoniak übersättigten Weines mit je 30 com Amylalkohol in Glaszylindern und
beschleunigt nötigenfalls durch Zentrifugieren die Trennung der beiden Schichten.

a) Ist der amylalkoholische Auszug des mit Ammoniak übersättigten Rot-
weines rot gefärbt, so sind Teerfarbstoffe vorhanden.

ß) Ist der amylalkoholische Auszug des ursprünglichen Weines rot gefärbt,
so können Teerfarbstoffe vorhanden sein; aber auch viele junge und farbstoffreiche reine
Weine zeigen dasselbe Verhalten. Versetzt man aber die rote amylalkoholische Lösung
tropfenweise mit Ammoniak, so bleibt sie bei Gegenwart von Teerfarbstoffen rot, während
sie bei reinen Rotweinen in blau, blaugrün oder grün übergeht.

'/) Der amylalkoholische Auszug des mit Schwefelsäure an gesäuerten Rot-
weines ist auch bei reinen Rotweinen fast immer rot gefärbt. Man schüttelt denselben
mit Wasser und prüft die wässerige Lösung mit Ammoniak, wie unter b angegeben ist,
auf Teerfarbstoffe.

Durch diese drei Aussohüttelungen lassen sich auch die Azofarbstoffe und das Säure-
fuchsin uachweisen.

5.	Die Schüttelprobo mit gelbem Quecksilberoxyd nach P. Cazeneuve.

10	com Wein werden in der Kälte mit 0,2 g Quecksilberoxyd 1 Minute lang ge-
schüttelt und nach Absetzen durch ein 3—4-faohes angefeuchtetes Filter filtriert. Dieselbe
Operation ist mit einer zweiten Probe nach einmaligem Aufkoohen vorzunehmen, wiederum
erst gut absetzen zu lassen und durch ein 3—4-faohes Filter zu filtrieren. Zeigt sich in
        <pb n="795" />
        ﻿Wein.

773

diesem Palle das Piltrat trübe, so ist dies ein Zeichen, daß zu kurze Zeit geschüttelt oder
aufgekocht oder absetzen gelassen wurde, aber es ist dies keineswegs die Folge einer Parb-
fälschung. Ein klares, aber gefärbtes Filtrat ist dagegen für die Gegenwart von Teer-
farben beweisend.

Auf diese Weise können nachgewiesen werden: Säurefuchsin, Bordeauxrot B, Roccelin,
Purpurrot, Crocein BBB, Biebrichrot, Ponceau R, Ponceau B, Orange R, Orange RR,
Orange RER, Orange II, Tropaeolin M, Tropaeolin II, Gelb I, Binitronaphtolgelb, Gelb NS,
Kongorot, Amaranthrot, Orseilleextrakt I und 2 B, Benzopurpurin, Biebricher Scharlach,
Heßpurpur.

Ist das Piltrat farblos, dann kann trotzdem fremder Farbstoff vorliegen, und zwar
aus der Reihe derjenigen, welche gleichzeitig mit dem Weinfarbstoff niedergeschlagen
werden; zu denen zählt Cazeneuve das Erythrosin, Eosin, Methylenblau, Coupiersblau,
Diphenylaminblau.

Bei Safranin, Chrysoidin, Chrysoin, Methyleosin, Gelb II, Rot NN, Rot I,
Ponceau ER hängt es wiederum von den Mengenverhältnissen ab, in denen sie angewendet
wurden, da diese Farbstoffe zum Teil von Quecksilberoxyd zurückgehalten werden.

Die vorstehenden Verfahren genügen zum Nachweise von Teerfarben im Rotweine,
doch sind zum sicheren Nachweise derselben, wenn möglich, alle 5 Verfahren anzuwenden.

b) Nachweis von Pflanzenfarbstoffen im Rotweine. Der Nachweis pflanzlicher
Farbstoffe, wie von Malven, Heidelbeeren, Holunder, Ligusterbeeren usw-, ist außerordentlich
unsicher, mit voller Bestimmtheit zu führen unmöglich. Die Unterscheidung dieser Farb-
stoffe von dem Rotweinfarbstoffe scheint lediglich auf dem Einfluß zu beruhen, den der
größere Gerbstoffgehalt und Gehalt an sonstigen Kämme- und Trester-Extraktivstoffen auf
die Parbenreaktionen ausübt.

Nur der Farbstoff der Kermesbeeren (Phytolacca) unterscheidet sich von dem des
Rotweines in auffallender Weise durch den rotvioletten Bleiessigniederschlag. Zu seiner
weiteren Bestätigung kann die Reaktion mit Ätzbaryt, wobei Ausscheidung blauer bis
violetter Flocken erfolgt, sowie die Reaktion mit Alaun und Natriumkarbonat dienen, auf
die hier nur verwiesen sei.1)

Im Anschlüsse an den Nachweis fremder Farbstoffe im Rotwein möge hier auch der
Nachweis fremder Farbstoffe im Weißweine
kurz besprochen werden.

Als Färbemittel für Weißweine kommt fast ausschließlich Karamel in Betracht.
Teerfarbstoffe dürften für diesen Zweck wohl nur höchst selten verwendet werden. Zur
Prüfung auf Teerfarbstoffe dienen die oben unter A angegebenen Verfahren.

Zum Nachweise des Karamels dient das Verfahren von P. Carles mit
Eiweißlösung: Man preßt frisches Hühnereiweiß durch ein dichtes Planellläppchen und
mischt mit dem gleichen Volumen Wasser, Von dieser Eiweißlösung gießt man 2 com in
20 ccm Wein, schüttelt tüchtig durch und filtriert. Entsteht bloß geringfügige Trübung
und steht das Filtrat dem ursprünglichen Wein an Stärke der Färbung nur wenig oder
gar nicht nach, so liegt Grund zu der Annahme vor, daß der Wein mit Karamel gefärbt
ist. Der normale Farbstoff eines Weißweines ist durch Eiweiß fällbar.

Außer diesem Verfahren bestehen noch mehrere Vorschläge2) zum Nachweise von
Karamelfarbstoff; über das Verfahren von C. Amthor mit Paraldehyd vergl. S. 693.

Weine, welche aus eingedampftem Most hergestellt sind, geben natürlich ebenfalls
die Karamelreaktionen, da bei dem Eindampfen des Mostes durch Zersetzung des Zuckers
Karamel gebildet wird.

II. Bestimmung der Gcsanitweiusteinsiiurc, der freien Weinsteinsäure, des Weinsteins
und der an alkalische Erden gebundenen Weinsteinsäure.

a) Bestimmung der Gesamtweinsteinsäure. „Man setzt zu 100 ccm Wein in einem
Becherglase 2 ccm Eisessig, 0,5 ccm einer 20°/0-igen Kaliumacetatlösung und 15 g ge-

*) Vergl. R. Heise, Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamts 1895, 11, 613.

2) Vergl, K. Windisch, Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel
1905, 9, 350.
        <pb n="796" />
        ﻿774

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

pulvertes reines Chlorkalium. Letzteres bringt man durch Umrühren nach Möglichkeit in
Lösung und fügt dann 16 ccm Alkohol von 96 Maßprozent hinzu. Nachdem man durch
starkes, etwa 1 Minute anhaltendes Reiben des Glasstabes an der Wand des Becherglases
die Abscheidung des Weinsteins eingeleitet hat, läßt man die Mischung wenigstens
16 Stunden bei Zimmertemperatur stehen und filtriert dann den kristallinischen Niederschlag
ab. Hierzu bedient man sich eines Goochachen Platin- oder Porzellantiegels mit einer
dünnen Ashestschicht, welche mit einem Platindrahtnetz von mindestens 1/i mm weiten
Maschen bedeckt ist, oder einer mit Papierfilterstoff bedeckten Witt sehen Porzellansiebplatte;
in beiden Fällen wird die Flüssigkeit mit Hilfe der Wasserstrahlpumpe abgesaugt. Zum
Auswaschen des kristallinischen Niederschlages dient ein Gemisch von 16 g Chlorkalium,
20 ccm Alkohol von 95 Maßprozent und 100 ccm destilliertem Wasser. Das Becherglas
wird etwa dreimal mit wenigen Kubikzentimetern dieser Lösung abgespült, wobei man
jedesmal gut abtröpfeln läßt. Sodann werden Filter und Niederschlag durch etwa drei-
maliges Abspülen und Aufgießen von wenigen Kubikzentimetern der Waschflüssigkeit aus-
gewaschen; von letzterer dürfen im ganzen nicht mehr als 20 ccm gebraucht werden. Der
auf dem Filter gesammelte Niederschlag wird darauf mit siedendem, alkalifreiem, destilliertem
Wasser in das Beoherglas zurückgespült und die erhaltene, bis zum Kochen erhitzte Lösung
in der Siedhitze mit J/4 Normal-Alkalilauge unter Verwendung von empfindlichem, blau-
violettem Laokmuspapier titriert.

Berechnung. Wurden bei der Titration a Kubikzentimeter 1/i Normal-Alkalilauge
verbraucht, so sind enthalten:

x = 0,0375 (a -|- 0,6)*) Gramm Gesamtweinsteinsäure in 100 ccm Wein.“
b) Bestimmung der freien Weinsteinsäure. „50 com eines gewöhnlichen aus-
gegorenen Weines, bezw. 25 ccm eines erhebliche Mengen Zucker enthaltenden Weines,
werden in der unter No. 4 vorgeschriebeneu Weise in einer Platinsohale verascht. Die
Asche wird vorsichtig mit 20 ccm 1/4 Normal-Salzsäure versetzt und nach Zusatz von
20 com destilliertem Wasser über einer kleinen Flamme bis zum beginnenden Sieden er-
hitzt. Die heiße Flüssigkeit wird mit 1/4 Normal-Alkalilauge unter Verwendung von
empfindlichem, hlauviolettem Lackmuspapier titriert.

Berechnung. Wurden a Kubikzentimeter Wein angewendet und bei der Titration
b Kubikzentimeter 1/4 Normal-Alkalilauge verbraucht, enthält ferner der Wein c Gramm
Gesamtweinsteinsäure in 100 ccm (nach No. 14 a bestimmt), so sind enthalten:

3,76(20 —b) „	„ . ,Tr .

x = c — —— --------- Gramm freie Wemstemsäure in 100 ccm Wein.

Ist a = 60, so wird x = c -f- 0,075 b — 1,6; ist a = 26, so wird x = c -(- 0,15 b — 3.“
c) Bestimmung des Weinsteins. „50 ccm eines gewöhnlichen ausgegorenen Weines,
bezw. 25 com eines erhebliche Mengen Zucker enthaltenden Weines, werden in der unter
No. 4 vorgeschriehenen Weise in einer Platinsohale verascht. Die Asche wird mit heißem,
destilliertem Wasser ausgelaugt, die Lösung durch ein kleines Filter filtriert und die
Schale sowie das Filter mit heißem Wasser sorgfältig ausgewaschen. Der wässerige
Asohenauszug wird vorsichtig mit 20 ccm 1/4 Normal-Salzsäure versetzt und über einer
kleinen Flamme bis zum beginnenden Sieden erhitzt. Die heiße Lösung wird mit
1U Normal-Alkalilauge unter Verwendung von empfindlichem, blauviolettem Lackmuspapier
titriert.

Berechnung. Wurden d Kubikzentimeter Wein angewendet und bei der Titration
e Kubikzentimeter */4 Normal-Alkalilauge verbraucht, enthält ferner der Wein c Gramm
Gesamtweinsteinsäure in 100 ccm (nach No. 14 a bestimmt), so berechnet man zunächst den
Wert von n aus nachstehender Formel:

n = 26,67 c —

100 (20 — e)
d

*) Die 0,6 com 1/4 Normal-Alkalilauge entsprechen der Löslichkeit des Weinsteins in
der Fällungs- und Waschflüssigkeit. Die Löslichkeit des Weinsteins in denselben beträgt
unter den obigen Bedingungen 1:4600.
        <pb n="797" />
        ﻿Wein, ■

775

a) Ist n gleich Null oder negativ, so ist sämtliche Weinsteinsäure in der Form
von Weinstein in dem Weine vorhanden; dann sind enthalten;

x = 1,2633 o Gramm Weinstein in 100 ccm Wein.
ß) lat n positiv, so sind enthalten:

x = 4,7J20 e) Qramm Weinstein jn iqO com Wein.“
d

d) Bestimmung der an alkalische Erden gebundenen Weinsteinsäure. „Die Menge
der an alkalische Erden gebundenen Weinsteinsäure wird aus den bei der Bestimmung der
freien Weinsteinsäure und des Weinsteins unter No. 14 h und c gefundenen Zahlen berechnet.
Haben b, d und e dieselbe Bedeutung wie dort, und ist;

a) n gleich Null oder negativ gefunden worden, so ist an alkalische Erden
gebundene Weinsteinsäure in dem Weine nicht enthalten;
ß) n positiv gefunden worden, so sind enthalten:

3,75 (e — b)

X — d

Gramm an alkalische Erden gebundene Weinsteinsäure in 100 ccm Wein;

y) n positiv gefunden worden und freie Weinsäure nicht vorhanden, so sind;

x = c —

3,76 (20 — e)
d

Gramm

an alkalische Erden gebundene Weinsteinsäure in 100 ccm Wein enthalten.“

15.	Bestimmung der Schwefelsäure in Weißweinen. „Das unter No. 5 für Rot-
weine angegebene Verfahren zur Bestimmung der Schwefelsäure gilt auch für Weißweine.“

16.	Bestimmung der schwefligen Säure. „Zur Bestimmung der schwefligen Säure
bedient man sich folgender Vorrichtung; Ein Destillierkolben von 400 ccm Inhalt wird
mit einem zweimal durchbohrten Stopfen verschlossen, durch welchen zwei Glasrühren in
das' Innere des Kolbens führen. Die erste Ilöhre reicht bis auf den Boden des Kolbens,
die zweite nur bis in den Hals. Die letztere Röhre führt zu einem Liebigschen Kühler;
an diesen schließt sich luftdicht mittels durchbohrten Stopfens eine kugelig aufgeblasene
U-Röhre (sog. Peligotsche Röhre).

Man leitet durch das bis auf den Boden des Kolbens führende Bohr Kohlensäure,
bis alle Luft aus dem Apparate verdrängt ist, bringt dann in die Peligotsche Röhre
50 ccm Jodlösung (erhalten durch Auflösen von 6 g reinem Jod und 7,5 g Jodkalium in
Wasser zu 1 1), lüftet den Stopfen des Destillierkolbens und läßt 100 ccm Wein aus einer
Pipette in den Kolben fließen, ohne das Einströmen der Kohlensäure zu unterbrechen.
Nachdem noch 5 g sirupdioke Phosphorsäure zugegeben sind, erhitzt man den Wein vor-
sichtig und destilliert ihn unter stetigem Durchleiten von Kohlensäure zur Hälfte ab.

Man bringt nunmehr die Jodlösung, die noch braun gefärbt sein muß, in ein Becher-
glas, spült die Peligotsche Röhre gut mit Wasser aus, setzt etwas Salzsäure zu, erhitzt
das Ganze kurze Zeit und fällt die durch Oxydation der schwefligen Säure entstandene
Schwefelsäure mit Chlorbaryum. Der Niederschlag von Baryumsulfat wird genau in der
unter No. 5 vorgeschriebenen Weise weiter behandelt.

Berechnung. Wurden a Gramm Baryumsulfat gewogen, so sind:

x = 0,2748 a Gramm schweflige Säure (S02) in 100 ccm Wein.

Anmerkung 1. Der Gesamtgehalt der Weine an schwefliger Säure kann auch
nach dem folgenden Verfahren bestimmt werden: Man bringt in ein Kölbchen von un-
gefähr 200 ccm Inhalt 25 ccm Kalilauge, die etwa 56 g Kaliumhydrat im Liter enthält,
und läßt 50 ccm Wein so zu der Lauge fließen, daß die Pipettenspitze während des
Auslaufens in die Kalilauge taucht. Nach mehrmaligem vorsichtigem Umschweuken läßt
man die Mischung 15 Minuten stehen. Hierauf fügt man zu der alkalischen Flüssigkeit
10 ccm verdünnte Schwefelsäure (erhalten durch Mischen von 1 Teil Schwefelsäure mit
3 Teilen Wasser) und einige Kubikzentimeter Stärkelösung und titriert die Flüssigkeit
mit 1/60 Normal-Jodlösung; man läßt die Jodlösung hierbei rasch, aber vorsichtig so lange
zutropfen, bis die blaue Farbe der Jodstärke nach vier- bis fünfmaligem Umschwenken
noch kurze Zeit anhält.
        <pb n="798" />
        ﻿776

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

Berechnung der gesamten schwefligen Säure. Wurden auf 50 ccm Wein
a ccm 1ko Normal-Jodlösung verbraucht, so sind enthalten:

x = 0,00128 a Gramm gesamte schweflige Säure (S02) in 100 ccm Wein.

Zufolge neuerer Erfahrungen ist ein Teil der schwefligen Säure im Weine an
organische Bestandteile gebunden, ein anderer im freien Zustande oder als Alkalibisulfit
im Weine vorhanden. Die Bestimmung der freien schwefligen Säure geschieht nach folgendem
Verfahren: Man leitet durch ein Kölbchen von etwa 100 ccm Inhalt 10 Minuten lang
Kohlensäure, entnimmt dann aus der frisch entkorkten Eiasche mit einer Pipette 50 ccm
Wein und läßt diese in das mit Kohlensäure gefüllte Kölbchen fließen. Nach Zusatz von
5 ccm verdünnter Schwefelsäure wird die Elüssigkeit in der vorher beschriebenen Weise
mit 1/50 Normal-Jodlösung titriert.

Berechnung der freien schwefligen Säure. Wurden auf 50 ccm Wein
a Kubikzentimeter 1/s o Normal-Jodlösung verbraucht, so sind enthalten;

x = 0,00128 a Gramm freie schweflige Säure (S02) in 100 ccm Wein.

Der Unterschied der gesamten schwefligen Säure und der freien schwefligen Säure
ergibt den Gehalt des Weines an schwefliger Säure, die an organische Weinbestandteile
gebunden ist.

Anmerkung 2. Wurde der Gesamtgehalt an schwefliger Säure nach dem in der
Anmerkung 1 beschriebenen Verfahren bestimmt, so ist dies anzugeben. Es ist wünschens-
wert, daß in jedem Ealle die freie bezw. die an organische Bestandteile gebundene
schweflige Säure bestimmt wird.“

17. Bestimmung des Saccharins und Nachweis von Dulcin. „Man verdampft
100 ccm Wein unter Zusatz von ausgewaschenem, grobem Sande in einer Porzellanschale
auf dem Wasserbade, versetzt den Rückstand mit 1—2 ccm einer 30°/0-igen Phosphor-
säurelösung und zieht ihn unter beständigem Auflockern mit einer Mischung von gleichen
Eaumteilen Äther und Petroleumäther bei mäßiger Wärme aus. Man filtriert die Aus-
züge durch gereinigten Asbest in einen Kolben und fährt mit dem Ausziehen fort,
bis man 200—250 ccm Eiltrat erhalten hat. Hierauf destilliert man den größten Teil
der Äther-Petroleumäthermischung im Wasserbade ab, führt die rückständige Lösung aus
dem Kolben in eine Porzellansohale über, spült den Kolben mit Äther gut nach, verjagt
dann Äther und Petroleumäther völlig und nimmt den Rückstand mit einer verdünnten
Lösung von Natriumkarbonat auf. Man filtriert die Lösung in eine Platinschale, ver-
dampft sie zur Trockne, mischt den Trockenrüokstand mit der vier- bis fünffachen Menge
festem Natriumkarbonat und trägt dieses Gemisch allmählich in schmelzenden Kalisalpeter
ein. Man löst die weiße Schmelze in Wasser, säuert sie vorsichtig (mit aufgelegtem
Uhrglase) in einem Becherglase mit Salzsäure an und fällt die aus dem Saccharin ent-
standene Schwefelsäure mit Chlorbaryum in der unter No. 6 vorgesohriebenen Weise.

Berechnung. Wurden bei der Verarbeitung von 100 ccm Wein a Gramm Baryum-
sulfat gewonnen, so sind enthalten:

x = 0,7867 a Gramm Saccharin in 100 ccm Wein.“

Anmerkung des Verfassers:

Bevor man eine quantitative Bestimmung des Saccharins nach vorstehendem Ver-
fahren, dessen Ausführungsweise von Hilger und Spaeth herrührt, ausführt, empfiehlt es
sich, zunächst qualitativ auf das Vorhandensein von Saccharin zu prüfen. Dies kann dadurch
geschehen, daß man den nach obigem Verfahren gewonnenen Rückstand des Äther-Petrol-
ätherauszuges auf seinen Geschmack prüft. Saccharin ■— dieselbe Eigenschaft zeigt aber
auch Dulcin — läßt sich durch den stark süßen Geschmack noch in sehr geringen Mengen
scharf erkennen. Zur Erkennung des Dulcins soll man nach C. Morpurgo1) den Äther-
rückstand mit 2 Tropfen Phenol und 2 Tropfen konz. Schwefelsäure kurze Zeit erwärmen,
zu der bräunlich-roten, sirupartigen Elüssigkeit einige ccm Wasser hinznfügen und zu
dieser Mischung, nachdem sie in ein Reagensglas umgefüllt und erkaltet ist, ein wenig
Ammoniak oder wässerige Natronlauge zufließen lassen. Das Erscheinen einer blauen oder

L) Chem.-Ztg. 1893, 17, Repert. 135.
        <pb n="799" />
        ﻿Wein.

777

veilchenblauen Zone an der Berührungsfläche beider Flüssigkeiten soll die Anwesenheit
des Dulcins beweisen.

Zum Nachweise von Saccharin kann auch die Überführung desselben in Salizylsäure
und der Nachweis der letzteren dienen. Der in der oben angegebenen Weise erhaltene
Rückstand des Äther-Petrolätherauszuges wird mit wenig Natronlauge auf dem Wasserhade
zur Trockne verdampft und mit 3/a—1 g Ätznatron 1/2 Stunde im Silbertiegel (am besten
im Olbade) bei 250° geschmolzen. Die mit Wasser aufgenommene und mit Schwefelsäure
angesäuerte Schmelze zieht man mit Äther aus, verdampft diesen und prüft den Rückstand
mit Bisenchloridlösung auf Salizylsäure.

Selbstverständlich muß man sich vorher durch Prüfen des Rückstandes des Äther-
Petrolätherauszuges mit Eisenchloridlösung von der Abwesenheit von Salizylsäure in dem
Weine überzeugt haben. Ist in dem Weine Salizylsäure vorhanden, so schmilzt man den
Rückstand des Äther-Petrolätherauszuges mit Soda und Salpeter und prüft die Schmelze
auf Schwefelsäure, die sich bei Anwesenheit von Saccharin aus der Sulfogruppe des
Saccharins bildet.

Über weitere Verfahren zum qualitativen Nachweis von Saccharin siehe K. Windisch
1. c. S. 141.

18.	Nachweis der Salizylsäure. „50 ccm Wein werden in einem zylindrischen
Soheidetriohter mit 50 ccm eines Gemisches aus gleichen Raumteilen Äther und Petroleum-
äther versetzt und mit der Vorsicht häufig umgeschüttelt, daß keine Emulsion entsteht,
aber doch eine genügende Mischung der Flüssigkeiten stattfindet. Hierauf hebt man die
Äther-Petroleumätherschioht ab, filtriert sie durch ein trockenes Filter, verdunstet das
Äthergemisch auf dem Wasserbade und versetzt den Rückstand mit einigen Tropfen
Eisenchloridlösung. Eine rotviolette Färbung zeigt die Gegenwart von Salizylsäure an.

Entsteht dagegen eine schwarze oder dunkelbraune Färbung, so versetzt man die
Mischung mit einem Tropfen Salzsäure, nimmt sie mit Wasser auf, schüttelt die Lösung
mit Äther-Petroleumäther aus und verfährt mit dem Auszug nach der oben gegebenen
Vorschrift.“

19.	Nachweis von arabischem Gummi und Dextrin. „Man versetzt 4 ccm Wein
mit 10 ccm Alkohol von 96 Maßprozent. Entsteht hierbei nur eine geringe Trübung,
welche sich in Flocken absetzt, so ist weder Gummi noch Dextrin anwesend. Entsteht
dagegen ein klumpiger, zäher Niederschlag, der zum Teil zu Boden fällt, zum Teil an
den Wandungen des Gefäßes hängen bleibt, so muß der Wein nach dem folgenden Ver-
fahren geprüft werden.“

„100 ccm Wein werden auf etwa 5 ccm eingedampft und unter Umrühren so lange
mit Alkohol von 90 Maßprozent versetzt, als noch ein Niederschlag entsteht. Nach
2 Stunden filtriert man den Niederschlag ab, löst ihn in 30 ccm Wasser und führt die
Lösung in ein Kölbchen von etwa 100 ccm Inhalt über. Man fügt 1 ccm Salzsäure von
1,12 spezifischem Gewicht hinzu, verschließt das Kölbchen mit einem Stopfen, durch
welchen ein 1 m langes, beiderseits offenes Rohr führt, und erhitzt das Gemisch 3 Stunden
im kochenden Wasserbade. Nach dem Erkalten wird die Flüssigkeit mit Sodalösung
alkalisch gemacht, auf ein bestimmtes Maß verdünnt und der entstandene Zucker mit
Fehlingscher Lösung nach dem unter No. 10 beschriebenen Verfahren bestimmt. Der
Zucker ist aus zugesetztem Dextrin oder arabischem Gummi gebildet worden; Weine
ohne diese Zusätze geben, in der beschriebenen Weise behandelt, höchstens Spuren einer
Zuckerreaktion.“

Anmerkung des Verfassers:

Um zu entscheiden, ob einem Weine Dextrin oder Gummi zugesetzt ist, benutzt
man die wässerige Lösung des durch den Alkoholzusatz entstandenen Niederschlages, die
bei Gegenwart von Dextrin rechtsdrehend, dagegen bei Anwesenheit von arabischem Gummi
linksdrehend ist. Die Lösung der aus dem Gummi durch Erhitzen mit Salzsäure ent-
stehenden Galaktose dreht stärker rechts, als die aus dem Dextrin gebildete Glukose. Ein
■weiteres Unterscheidungsmittel von Gummi und Dextrin bildet das Verhalten gegen Blei-
ossig, durch welchen Gummi aus seinen Lösungen gefällt wird, Dextrin aber nicht.
        <pb n="800" />
        ﻿778

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

20.	Bestimmung des Gerbstoffes.

a) Schätzung des Gerbstoffgehaltes. „In 100 ccm von Kohlensäure befreitem
Weine werden die freien Säuren mit einer titrierten Alkalilösung
bis auf 0,5 g in 100 ccm Wein abgestumpft, sofern die Bestimmung
nach II. No. 6 einen höheren Betrag ergehen hat. Nach Zugabe
von 1 ccm einer 40 #/0-igen Natriumaoetatlösung läßt man eine
:	10 °/0-ige Eisenchloridlösung tropfenweise so lange hinzufließen, bis

kein Niederschlag mehr entsteht. Ein Tropfen der 10 °/0-igen
Eisenchloridlösung genügt zur Ausfällung von 0,06 g Gerbstoff,
j	b) Bestimmung des Gerbstoffgehaltes. Die Bestimmung

des Gerbstoffes kann nach einem der üblichen Verfahren erfolgen;
I	das angewandte Verfahren ist in jedem Falle anzugeben.“

i	Anmerkung des Verfassers:

1. Zur annähernden quantitativen Bestimmung des Gerb-
I	Stoffes im Wein kann das Verfahren von J. Neßler und M. Barth1)

I	dienen, welches auf der Messung des Volumens des schwarzen

i	Niederschlages von gerbsaurem Eisenoxyd in eigens für diesen

Zweck konstruierten, kalibrierten Röhrchen beruht, welche in ihrem
■	unteren Teil verengt und in Zehntelkubikzentimeter geteilt sind

(vergl. Eig. 298). Setzt sich der Niederschlag ab, dann sind je
3	3 ccm Niederschlag nach 24 Stunden annähernd entsprechend 0,10 °/0

Fig. 298.	Gerbstoff.

c./f8«*?"1 fur	Demnach läßt sich für die annähernde Ermittelung des

Gerbstoff-Bestimmungen.	b

*/, natürl. Größe. üerbstofigehaltes aus der Menge des nach 24 Stunden abgesetzten

Eisenuiederschlages folgende Tabelle zusammeustellen:2)

ccm Niederschlag nach 24 Stunden	Gerbstoffgehalt des Weines  01  Io	ccm Niederschlag nach 24 Stunden	Gerbstoffgehalt des Weines  0'  10
0,1	0,003	1,0	0,033
0,2	0,007	2,0	0,066
0,3	0,010	3,0	0,10
0,4	0,013	4,0	0,13
0,5	0,017	5,0	0,17
0,6	0,020	6,0	0,20
0,7	0,023	9,0	0,30
0,8  0,9	0,027  0,030	12,0	0,40

Setzt sich der Niederschlag aus irgend einem Grunde nicht ab, dann ist eine Ver-
gleichsprüfung der Farbenstärke oder Undurchsichtigkeit mit Flüssigkeiten von be-
kanntem Gerbstoffgehalt vorzunehmen. In dem in Fig. 298 abgebildeten Gläschen nach
obigem Verfahren angestellte Versuche haben nachstehende Anhaltspunkte für die Schätzung

*) Bei manchen Weinen scheidet sich nach Barth neben der schwarzen Gerbstoff-
verbindung des Eisens ein voluminöser, gallertartig grauer Niederschlag aus; derselbe
scheint zum Teil aus Eisenverbindungen pektinartiger Körper zu bestehen (der Phosphor-
säuregehalt des Weines allein bedingt ihn nicht), wenigstens läßt sich die Bildung dieses
Niederschlages völlig umgehen, wenn man vorher eine Alkoholfällung in der Weise vor-
nimmt, daß man 12 ccm Wein mit 30 com Weingeist versetzt, umschüttelt, nach dem Ab-
setzen des Niederschlages 35 ccm (entsprechend 10 ccm ursprünglichem Weine) abfiltriert,
auf etwa 6 ccm eindunstet, mit Wasser auf 10 ccm bringt und nun behandelt, wie oben
angegeben.

2) Vergl. M. Barth, Weinanalyse 1884, 29.
        <pb n="801" />
        ﻿Wein.

779

des Gerbstoffgehaltes ergeben. Die Eisenniedersohläge wurden durch Aufschütteln gleich-
mäßig in der Flüssigkeit verteilt und es zeigten sich:

bei 0,05 °/0 Gerbstoffgehalt die oberen 18 mm dicken Plüssigkeitsschichten völlig undurch-
sichtig, die unteren 8 mm dicken Flüssigkeitsschichten nur äußerst schwach
durchscheinend;

„	0,02	„	Gerbstoff obere	Schichten durchscheinend, untere	durchsichtig;

„	0,01	„	obere und untere Schichten deutlich durchsichtig; die Flüssigkeit	dunkelblaugrau;

„	0,005	„	die Flüssigkeit	lichtblaugrau;

„	0,002	„	„	„	noch deutlich grünlichgelb;

„	0,001	„	„	„	sehr schwach grünlichgelb.

Weine mit mehr als 0,05 °/0 Gerbstoff, bei denen sich die Gerbstoffniederschläge nach
24 Stunden nicht völlig absetzen, sind mit gemessenen Mengen Wasser so weit zu ver-
dünnen, bis ihr Gerbstoffgehalt innerhalb der aufgeftihrten Zahlenwerte liegt.

Bei Rotweinen mit hohem Gerbstoffgehalt führt man die Fällung des Gerbstoffes als
Eisenoxydsalz am besten zunächst in graduierten Zylindern zu 25 ccm aus, erleichtert das
Absetzen des Niederschlages alsbald durch Verdünnen von 11 auf 22 ccm, und erst, wenn
er sich auch dann nicht absetzen mag, nimmt man mit dem entsprechend verdünnten
Wein eine kolorimetrische oder opakimetrische Yergleichsprüfung in dem oben beschriebenen
Gläschen vor.

Genauere Ergebnisse erhält man nach dem Oxydationsverfahren von Neubauer-
Loewenthal1), bei welchem die Gerb- und Farbstoffe des Weines in der Kälte durch
Kaliumpermanganat in schwefelsaurer Lösung oxydiert werden.

Bezüglich der Ausführung dieser sowie anderer Verfahren zur Qerbstoffbestimmung
im Wein muß auf die Quellen oder auf die ausführlicheren Werke, wie des Verfassers
Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genußmittel, Berlin bei Julius Springer, oder
K. Windisch (1, c. S. 165ff.) verwiesen werden (vergl. auch S. 715).

2.	Nach M. Barth1 2) enthalten Tresterweine verhältnismäßig mehr Gerbsäure
als Traubenweine, welche den Extraktgehalt einseitig und unzulässig erhöht. Die Trester-
extraktbestandteile entsprechen mindestens dem 5-fachen Betrage der aus den Trestern in
Lösung gehenden Qerbstoffmenge, Barth forderte daher (1899), daß bei solchen Weinen,
die im Wege einer normalen Kellerbehandlung einen Teil ihres Extraktes der Auslaugung
von Trester verdanken, nach Abzug der 5-fachen Menge des Gerbstoffgehaltes vom Ge-
samtextrakt noch ein Rest verbleiben muß, welcher der Forderung der Bekanntmachung
des Bundesrates vom 29. April 1892 entspricht, also 1,5 g Extraktrest zeigt; verbleibt
nach Abzug der 5-fachen Menge des Gerbstoffgehaltes vom Gesamtextrakt weniger als
1,5 g Extraktrest, so liegen Tresterweine bezw. Gemische von diesen mit Traubenweinen
vor. Dieser Vorschlag M. Barths scheint, abgesehen davon, daß die Grenze für den
Extrakt jetzt 1,6 g in 100 ccm beträgt, bis jetzt keine allgemeine Berücksichtigung gefunden
zu haben.

21. Bestimmung des Chlors. „Man läßt 50 ccm Wein aus einer Pipette in ein
Becherglas fließen, macht ihn mit einer Lösung von Natriumkarbonat alkalisch und er-
wärmt das Gemisch mit aufgedecktem Uhrglase bis zum Aufhören der Kohlensäure-
entwickelung. Den Inhalt des Becherglases bringt man in eine Platinschale, dampft ihn
ein, verkohlt den Rückstand und verascht genau in der bei der Bestimmung der Mineral-
bestandteile (No. 4) angegebenen Weise. Die Asche wird mit einem Tropfen Salpetersäure
befeuchtet, mit warmem Wasser ausgezogen, die Lösung in ein Beoherglas filtriert und
unter Umrnhren so lange mit Silbernitratlösung (1 Teil Silbernitrat in 20 Teilen Wasser
gelöst) versetzt, als noch ein Niederschlag entsteht. Man erhitzt das Gemisch kurze Zeit
im Wasserbade, läßt es an einem dunklen Orte erkalten, sammelt den Niederschlag auf
einem Filter von bekanntem Aschengehalte, wäscht denselben mit heißem Wasser bis zum
Verschwinden der sauren Reaktion aus und trocknet den Niederschlag auf dem Filter bei
100°. Das Filter wird in einem gewogenen Porzellantiegel mit Deckel verbrannt. Nach

1)	Annal. Oenol. 1873, 2, 1.

2)	Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1899, 2, 106.
        <pb n="802" />
        ﻿780

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

dem Erkalten benetzt man das Chlorsilber mit einem Tropfen Salzsäure, erhitzt vorsichtig
mit aufgelegtem Deckel, bis die Säure verjagt ist, steigert hierauf die Hitze bis zum
beginnenden Schmelzen, läßt sodann das Ganze im Exsikkator erkalten und wägt.

Berechnung. Wurden aus 50 ccm Wein a Gramm Chlorsilber erhalten, so sind
enthalten:

x = 0,4945 a Gramm Chlor in 100 ccm Wein, oder
y = 0,816 a Gramm Chlornatrium in 100 ccm Wein.“

22.	Bestimmung der Phosphorsäure. „50 ccm Wein werden in einer Platin-
schale mit 0,5—1,0 g eines Gemisches von 1 Teil Salpeter und 3 Teilen Soda versetzt und
zur dickflüssigen Beschaffenheit verdampft. Der Rückstand wird verkohlt, die Kohle mit
verdünnter Salpetersäure ausgezogen, der Auszug abfiltriert, die Kohle wiederholt ausge-
waschen und schließlich samt dem Eilter verascht. Die Asche wird mit Salpetersäure be-
feuchtet, mit heißem Wasser aufgenommen und zu dem Auszuge in ein Beoherglas von
200 ccm Inhalt filtriert; zu der Lösung setzt man ein Gemisch1) von 25 ccm Molybdän-
lösung (150 g Ammoniummolybdat in l°/0-igem Ammoniak zu 1 1 gelöst) und 25 ccm
Salpetersäure von 1,2 spezifischem Gewicht und erwärmt auf einem Wasserbade auf 80°,
wobei ein gelber Niederschlag von Ammoniumphosphomolybdat entsteht. Man stellt die
Mischung 6 Stunden an einen warmen Ort, gießt dann die über dem Niederschlage
stehende klare Flüssigkeit durch ein Filter, wäscht den Niederschlag 4—5 mal mit einer
verdünnten Molybdänlösung (erhalten durch Vermischen von 100 Baumteilen der oben
angegebenen Molybdänlösung mit 20 Eaumteilen Salpetersäure von 1,2 spezifischem Gewicht
und 80 Raumteilen Wasser aus), indem man stets den Niederschlag absetzen läßt und die
klare Flüssigkeit durch das Filter gießt. Dann löst man den Niederschlag im Beoher-
glase in konzentriertem Ammoniak auf und filtriert durch dasselbe Filter, durch welches
vorher die abgegossenen Flüssigkeitsmengen filtriert wurden. Man wäscht das Becherglas
und das Filter mit Ammoniak aus und versetzt das Filtrat vorsichtig unter Umrühren
mit Salzsäure, solange der dadurch entstehende Niederschlag sich noch löst. Nach dem
Erkalten fügt man 5 ccm Ammoniak und langsam und tropfenweise unter Umrühren
6 ccm Magnesiamischung (68 g Chlormagnesium und 165 g Chlorammonium in Wasser
gelöst, mit 260 ccm Ammoniak von 0,96 spezifischem Gewicht versetzt und auf 1 1 auf-
gefüllt) zu und rührt mit einem Glasstabe um, ohne die Wandung des Becherglases zu
berühren. Den entstehenden kristallinischen Niederschlag von Ammonium-Magnesium-
phosphat läßt man nach Zusatz von 40 ccm Ammoniaklösung 24 Stunden bedeckt stehen.
Hierauf filtriert man das Gemisch durch ein Filter von bekanntem Aschengehalte und
wäscht den Niederschlag mit verdünntem Ammoniak (1 Teil Ammoniak von 0,96 spezifischem
Gewicht und 3 Teile Wasser) aus, bis das Filtrat in einer mit Salpetersäure angesäuerten
Silberlösung keine Trübung mehr hervorbringt. Der Niederschlag wird auf dem Filter
getrocknet und letzteres in einem gewogenen Platintiegel verbrannt. Nach dem Erkalten
befeuchtet man den aus Magnesiumpyrophosphat bestehenden Tiegelinhalt mit Salpeter-
säure, verdampft dieselbe mit kleiner Flamme, glüht den Tiegel stark, läßt ihn im Exsikkator
erkalten und wägt.

Berechnung. Wurden aus 50 ccm Wein a Gramm Magnesiumpyrophosphat er-
halten, so sind enthalten;

x = 1,2751 a Gramm Phosphorsäureanhydrid (P205) in 100 com Wein.“

23.	Nachweis der Salpetersäure. 1, In Weißweinen, a) „10 com Wein werden
entgeistet, mit Tierkohle entfärbt und filtriert. Einige Tropfen des Filtrates läßt man in
ein Porzellanschälchen, in welchem einige Körnchen Diphenylamin mit 1 ccm konzentrierter
Schwefelsäure übergossen worden sind, so einfließen, daß sich die beiden Flüssigkeiten
nebeneinander lagern. Tritt an der Berührungsfläche eine blaue Färbung auf, so ist
Salpetersäure in dem Weine enthalten.

*) Die Molybdänlösung ist in die Salpetersäure zu gießen, nicht umgekehrt, da
anderenfalls eine Ausscheidung von Molybdänsäure stattfindet, die nur schwer wieder in
Lösung zu bringen ist.
        <pb n="803" />
        ﻿Wein.

781

b)	Zum Nachweis kleinerer Mengen von Salpetersäure, welche bei der Prüfung nach
No. 23 unter la nicht mehr erkannt werden, verdampft man 100 com Wein in einer
Porzellanschale auf dem Wasserbade zum dünnen Sirup und fügt nach dem Erkalten so
lange absoluten Alkohol zu, als noch ein Niederschlag entsteht. Man filtriert, verdampft
das Filtrat, bis der Alkohol vollständig verjagt ist, versetzt den Rückstand mit Wasser
und Tierkohle, verdampft das Gemisch auf etwa 10 ccm, filtriert dasselbe und prüft das
Filtrat nach No. 23 unter la.

2.	In Rotweinen. 100 ccm Rotwein versetzt man mit 6 com Bleiessig und
filtriert. Zum Filtrate gibt mau 4 ccm einer konzentrierten Lösung von Magnesiumsulfat
und etwas Tierkohle. Ulan filtriert nach einigem Stehen und prüft das Filtrat nach der
in No. 23 unter la gegebenen Vorschrift. Entsteht hierbei keine Blaufärbung, so behandelt
man das Filtrat nach der in No. 23 unter 1b gegebenen Vorschrift.

Anmerkung. Alle zur Verwendung gelangenden Stoffe, auch das Wasser und die
Tierkohle, müssen zuvor auf Salpetersäure geprüft werden; Salpetersäure enthaltende Stoffe
dürfen nicht angewendet werden.“

Anmerkung des Verfassers:

Soll die Salpetersäure im Weine quantitativ bestimmt werden, so verfährt man am
besten nach dem Verfahren von Sohulze-Tiemann. Vergl. darüber unter Salpetersäure-
hestimmung S. 144 und unter „Wasser“.

24 und 25. Nachweis von Baryum und Strontium. „100 ccm Wein werden
eingedampft und in der unter No. 4 angegebenen Weise verascht. Die Asche nimmt man
mit verdünnter Salzsäure auf, filtriert die Lösung und verdampft das Filtrat zur Trockne.
Das trockne Salzgemenge wird spektroskopisch auf Baryum und Strontium geprüft. Ist
durch die spektroskopische Prüfung das Vorhandensein von Baryum oder Strontium fest-
gestellt, so ist die quantitative Bestimmung derselben auszuführen (vergl, S. 106 u. 107).“

26. Bestimmung des Kupfers. „Das Kupfer wird in 1/2—1 1 Wein elektrolytisch
bestimmt. Das auf der Platinelektrode abgeschiedene Metall ist nach dem Wägen in
Salpetersäure zu lösen und in üblicher Weise auf Kupfer zu prüfen.“

C.	Sonstige Bestimmungen.

Für eine Reihe von Untersuchungsverfahren des Weines sind in der amtlichen
Anweisung keine Vorschriften gegeben worden. Soweit dieselben nicht oben bereits im
Anschlüsse an die einzelnen Vorschriften der amtlichen Anweisung Berücksichtigung ge-
funden haben, sollen im nachfolgenden noch diejenigen Verfahren beschrieben werden,
■welche bei der Untersuchung des Weines häufiger angewendet werden, während bezüglich
der sonstigen, seltener vorkommenden Bestimmungen auf die ausführlicheren Werke ver-
wiesen werden muß.

1.	Bestimmung des Gesamtstickstoffs. Die Bestimmung des Gesamtstickstoffs
im Weine erfolgt nach dem Verfahren von Kjeldahl.

50 ccm Wein (bei Süßwein 25 ccm) werden anfangs vorsichtig mit kleiner Flamme,
später auf dem Wasserbade bis zum dünnen Sirup im Kjeldahl-Kolben eingedampft; darauf
setzt man 20 com Schwefelsäure usw. zu und verfährt im übrigen wie oben S. 138.
Zuckerreiche Weine läßt man zweckmäßig wie Bier (S. 734) vorher mit einer Spur Hefe
vergären, wobei nötigenfalls der in der Hefe zugesetzte Stickstoff berücksichtigt werden muß.

2.	Nachweis und Bestimmung der Borsäure, a) Nachweis derBorsäure.
50 ccm Wein werden in einer Platinschale eingedampft und verascht. Die Asche wird
mit 10 ccm Wasser aufgenommen und die Lösung mit 2 ccm Salzsäure versetzt. Darauf
taucht man einen Streifen gelbes Kurkumapapier in die Lösung und trocknet das Papier
auf einem Uhrglase bei 100°. Bei Gegenwart von Borsäure nimmt das Kurkumapapier
nach 4—5 Minuten eine braunrote Farbe an, die durch Aufträgen eines Tropfens verdünnter
Natriumkarbonatlösung in blauschwarz übergeht. (Vergl. S. 480.)

b)	Bestimmung der Borsäure. Da geringe Mengen von Borsäure als normale
Weinbestandteile ermittelt worden sind, so ist es zur Beurteilung, ob ein Zusatz von
Borsäure stattgefunden hat, bei starker qualitativer Reaktion notwendig, die Borsäure
        <pb n="804" />
        ﻿782

\ Obst- und Beerenfrücbte sowie deren Erzeugnisse.

quantitativ zu bestimmen. Das kann wie in der Milch S. 480 geschehen. Auf die Ver-
fahren von Th. Kosenblatt1) und P. A. Gooch8) sei nur verwiesen.

3.	Nachweis von Pluor wie bei Milch S. 482 oder Bier S. 737 bezw.- S. 747.

4.	Nachweis von Wismut. Wismut muß in der salzsauren Lösung der Asche
durch Schwefelwasserstoff nachgewiesen werden; ein hierdurch entstandener brauner Nieder-
schlag deutet auf Schwefelwismut. Derselbe kann höchstens noch Kupfer — Blei ist wohl
nicht anznnehmen — einschließen und ist davon nach den bekannten Verfahren zu trennen.
Zur quantitativen Bestimmung des Wismuts löst man das Schwefelwisraut in Salpetersäure,
fällt mit kohlensaurem Ammon und wägt dasselbe nach dem Glühen als Wismutoxyd
(Bi203). Man kann es aus der tunlichst neutralisierten Lösung auch durch Pallen mit
Kaliumbichromat als Bismutylchromat [(Bi0).2Cr207] bestimmen; dasselbe wird auf einem
gewogenen Filter gesammelt und bei 120° getrocknet,

5.	Die Bestimmung von Eisenoxyd, Manganoxyd, Kalk, Magnesia, Kali,
Natron usw.

Die Bestimmung dieser Bestandteile erfolgt in der nach No. 4, S. 762 hergestellten
Asche, jedoch nötigenfalls unter Verwendung einer größeren Menge Wein nach den be-
kannten Verfahren der quantitativen anorganischen Analyse. Vergl. Untersuchung der
Pflanzenaschen S. 200. K. Windisch weist das Eisen im Wein qualitativ dadurch
nach, daß er 10 ccm Wein in einem Probierröhrchen zur Oxydation von Eisenoxydul-
verbindungen erst kräftig mit Luft schüttelt, darauf die Säure bis auf 0,6 g in 100 com
mit Alkali abstumpft, 1 ccm einer 40°/0-igen Lösung von Natriumacetat und etwa 1 ccm
einer 1 °/0-igen Tanninlösung zugibt und schüttelt. Bei Anwesenheit von Eisen tritt Blau-
färbung auf.

D.	Anhaltspunkte für die Beurteilung des Weines.

1.	Beurteilung des Weines nach Maßgabe des Weingesetzes. Auf Grund des
Weingesetzes vom 24. Mai 1901 ist „Wein das durch alkoholische Gärung aus dem Safte
der Weintraube hergestellte Getränk“. Das Gesetz erstreckt sich dann weiter auf einige
erlaubte Arten der Weinbehandlung, auf verbotene Herstellungsverfahren und auf ver-
botene Zusätze. Die Bestimmungen des Gesetzes hierüber müssen bei der Beurteilung eines
Weines berücksichtigt werden und bedürfen noch einiger Erläuterungen.* 2 3 * *)

Erlaubte Arten der Weinbehandlung. Nach Maßgabe des neuen Weingesetzes sind
erlaubt, d. h. im Sinne des § 10 des Nahrungsmittelgesetzes vom 14. Mai 1879 nicht als
Verfälschung oder Nachahmung anzusehen:

1.	Die anerkannte Kellerbehandlung einschließlich der Haltbarmachung, auch
wenn dabei Alkohol oder geringe Mengen von mechanisch wirkenden Klärungsmitteln
(Eiweiß, Gelatine, Hausenblase und desgl.), von Tannin, Kohlensäure, schwefliger Säure
in den Wein gelangen. Jedoch darf die Menge des zugesetzten Alkohols nicht mehr als
1 Volumprozent (1 Kaumteil auf 100 Raumteile Wein) betragen; nur Dessertweinen (Süd-
Süßweiuen) darf mehr Alkohol zugesetzt werden.

Anmerkung. Der Nachweis eines höheren Alkoholzusatzes ist oft sehr schwer; er
gründet sich hauptsächlich auf das innerhalb weiter Grenzen schwankende Alkohol-Glyzerin-
verhältnis.

Es gibt noch verschiedene andere Kellerbehandlungen. Die Präge, ob sie erlaubt oder
unerlaubt sind, hängt wesentlich davon ab, ob sie zu den „anerkannten“ Kellerbehand-
lungen gehören.

2.	Der Verschnitt von Wein mit Wein, auch von Rotwein mit Weißwein; der
Verschnitt darf als Rotwein verkauft werden.

3.	Die Entsäuerung des Weines mit reinem gefälltem kohlensaurem Kalk.

J) Zeitschr. f. anal. Chemie 1887, 26. 18.

2)	Analyst 1887, 12, 92 u. 132.

3)	loh folge hierin vorwiegend den Ausführungen von K. Windisch, Das Wein-

gesetz vom 24. Mai 1901, Berlin 1902, und Untersuchung von Most und Wein für Praktiker,

Wiesbaden 1904, 289.
        <pb n="805" />
        ﻿Wein.

783

4.	Der Zusatz von technisch reinem Rohrzucker, Rübenzucker, Invert-
zucker und technisch reinem Stärkezucker, auch in wässeriger Lösung, unter
folgenden Bedingungen:

a)	Der Zusatz darf nur erfolgen, um den Wein zu verbessern; er darf also nur bei wirklich
verbesserungsbedürftigen (zu sauren oder zu zuckerarmen) Mosten stattflnden.

b)	Durch den Zusatz darf die Menge des Weines nicht erheblich vermehrt werden.

Es muß also die Eigenart des Weines erhalten bleiben, und insofern setzt sich
der Zusatz von Zuckerwasser (das Gallisieren) von selbst eine Grenze. Im übrigen
sind Punkt a und b je nach Lage des einzelnen Palles zu beurteilen.

c)	Der gezuckerte .Wein darf

1.	nach seiner Beschaffenheit,

2.	nach seiner chemischen Zusammensetzung,

3.	namentlich auch in seinem Extrakt und Mineralstoffgehalt

nicht unter den Durchschnitt der ungezuckerten Weine des Weinbaugebietes, dem der
Wein nach seiner Benennung entsprechen soll, herabgesetzt werden.

Anmerkung. Zur Beurteilung, ob dieser Eorderung Genüge geleistet ist, muß
neben der Zusammensetzung des fraglichen Weines auch die mittlere chemische Zusammen-
setzung der Naturweine des betreffenden Weinbaugebietes und Jahrganges bekannt sein.
Für letzteren Zweck soll und kann die seit Jahren veröffentlichte sog. Weinstatistik
dienen.

Nach den Ausführungsbestimmungen des Bundesrates vom 2. Juli 1901 dürfen
durch die Zuckerung des Mostes (Zusatz von Zuckerwasser) die Bestandteile des Weines
nicht unter folgende Grenzzahlen für 100 ccm sinken:

_	. _ . , ,	Extrakt nach Abzug der	, . _

Gesamt-Extrakt nichtflüchtigen Säure GesamtSäure Mineralstoffe

Weißwein .... 1,6 g	1,1 g	1,0 g	0,13 g

Rotwein . ... 1,7 „	1,3 „	1,2 „	0,16 „

Bezüglich dieser Grenzzahlcn ist Folgendes zu beachten:

«) Die Grenzzahlen gelten nur für gezuckerte (gallisierte) Weine, nicht für
Naturweine. Letztere können auch in den Handel gebracht werden, wenn die Grenz-
zahlen nicht erreicht sind.

Die Frage, ob ein Naturwein vorliegt, läßt sich unter Umständen durch eine
Bestimmung der Menge von Chlor und Salpetersäure — herrührend von dem zur
Streckung verwendeten, an Chloriden und Nitraten reichem Wasser — entscheiden. Natur-
Weine pflegen 0,002—0,020 g durchweg nur 0,002—0,006 g Chlor in 100 ccm Wein
zu enthalten; größere Mengen treten nur in einem Naturwein dann auf, wenn der be-
treffende Weinbergsboden reich an Chloriden ist. Salpetersäure kommt in einem Natur-
wein, wenn überhaupt, so nur in sehr geringer Menge vor. Geringe Mengen Salpeter-
säure können auch durch Spülen der Bottiche und Fässer mit salpotersäurehaltigem Wasser
in den Wein gelangen. Andererseits aber kann auch, weil es salpetersäurefreie bezw.
-arme Wässer gibt, oder weil durch die Gärung und Lagerung Salpetersäure zerstört wird,
aus dem Ausbleiben der Salpetersäure-Reaktion noch nicht geschlossen werden, daß eine
Verlängerung durch Wasser nicht stattgefunden hat. Eine starke Salpetersäure-Reaktion
macht aber einen Wein als Naturwein immer verdächtig.

In anderen Fällen kann auch der Gehalt an Magnesia und Natron Anhaltspunkte
über eine zu große Streckung des Weines geben. Der Magnesia-Gehalt des Weines
schwankt für 100 ccm Wein von 0,010—0,031 g oder von 2,0—15,0°/0 der Asche; der
Natron-Gehalt schwankt nach 0. Krug1) — auf Grund von 49 untersuchten Natur-
weinen — zwischen 0,0004—0,006 mg für 100 ccm Wein und beträgt in den bei weitem
meisten Fällen kaum mehr als 1 °/0 der Asche.

ß) Jeder gezuckerte Wein muß in seinem Extrakt- und Mineralstoff-Gehalt den vor-
stehenden Grenzzahlen entsprechen; aber darum allein genügt er dem Weingesetz noch
nicht; auch die anderen Bestandteile bezw. die gesamte Zusammensetzung darf nicht

x) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u, Genußmittel 1905, 10, 417.
        <pb n="806" />
        ﻿784

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

unter den Durchschnitt der ungezuckerten Weine des betreffenden Weinbaugebietes herab-
sinken.

Anmerkung. Zur Beurteilung dieser Frage kann unter Umständen die Bestimmung
des Extraktrestes S. 762 und des Säurerestes S. 766 dienen.

y) Gezuckerte Weine, die den Vorschriften des Weingesetzes nicht genügen, dürfen
weder feilgehalten noch verkauft werden; sie gelten im Sinne des Gesetzes als Kunstweine
und dürfen daher auch nicht mit anderen Weinen verschnitten („rückverbessert“) werden,
um sie auf den vorgesohriebenen Extrakt- und Mineralstoff-Gehalt zu bringen.

d)	Gezuckerte, den Vorschriften des Weingesetzes genügende Weine dürfen ohne
Deklaration der Zuckerung — nur auf Befragen des Käufers ist die Angabe zu machen —
unter der Bezeichnung „Wein“, nicht aber unter einer Bezeichnung in den Handel ge-
bracht werden, welche die Annahme erwecken könnte, daß sie Naturweine sind.

2. Unerlaubte bezw. verbotene Herstellungsverfahren für Traubenweine.
Nach § 3 des Weingesetzes vom 24. Mai 1901 sind für die gewerbsmäßige Herstellung
oder Nachmachung von Wein folgende Verfahren verboten:

a)	Die Herstellung von Tresterwein bezw. ein Aufguß von Zuokerwasser und
Wasser auf ganz oder teilweise entmostete Trauben, auf Trauben und Weißweintrauben-
maisohe; zur vollen Rotweintraubenmaische ist jedoch der Zusatz wässeriger Zuckerlösungen
unter den unter 1 No. 4 c angegebenen Bedingungen erlaubt. Auch ist die Trocken-
zuckerung (Zusatz von festem Zucker) zur Weißweinmaische, die Vergärung von Weiß-
weinmost oder Weißwein über fremden Trauben nicht ausdrücklich verboten.

Anmerkung. Die unter Verwendung eines Aufgusses von Zuokerwasser auf ganz
oder teilweise ausgepreßte Trauben hergestellten Weine (Tresterweine, petiotisierte
Weine) sind ärmer an Extraktstoffen, freien Säuren und Stickstoff, als die normalen
Traubenweine, dagegen stets reich an Gerbstoff (S. 779) und mitunter auch an Mineral-
hestandteilen (namentlich Kalk), welche in erheblicheren Mengen (auch Salpetersäure) durch
das verwendete Wasser in den Tresterwein gelangen können. Während reine Tresterweine
gewöhnlich ziemlich sicher erkannt werden können, ist der Nachweis eines Zusatzes von
Tresterwein zu Traubenwein meist sehr schwierig. Aus einem hohen Gerbstoffgehalte
allein darf niemals auf einen Verschnitt mit Tresterwein geschlossen werden.

b)	Die Herstellung von Hefenwein durch Aufguß von Zuckerwasser auf Hefe.

Anmerkung. Hefenweine sind gewöhnlich arm an Extrakt, Säuren und Gerbstoff,

dagegen verhältnismäßig reich an Mineralstoffen; Hefenpreßweine auch reich an Stickstoff.

c)	Die Herstellung von Rosinen- und Trookenheerweinen bezw. die Ver-
wendung von getrockneten Früchten (auch in Auszügen oder Abkochungen) oder einge-
dickten Moststoffen, unbeschadet der Verwendung bei der Herstellung von solchen
Getränken, welche als Dessertweine (Süd-, Süßweine) ausländischen Ursprunges in den
Handel kommen. Betriebe, in welchen eine derartige Verwendung stattfinden soll, sind
von dem Inhaber vor dem Beginne des Geschäftsbetriebes der zuständigen Behörde an-
zuzeigen.

Anmerkung. Rosinen- und Trockeubeerweine zeigen im allgemeinen in der Zu-
sammensetzung keine Abweichung von natürlichen Traubenweinen.

d)	Die Verwendung von künstlichen Süßstoffen (Saccharin, Dulcin usw.).

e)	Die Verwendung von Säuren, säurehaltigen Stoffen, insbesondere von Weinstein
und Weinsäure, von Bukettstoffen, künstlichen Moststoffen oder Essenzen; jedoch dürfen
aromatische oder arzneiliche Stoffe hei der Herstellung von solchen Weinen, welche als
landesübliche Gewürztränke oder als Arzneimittel unter den hierfür gebräuchlichen Be-
zeichnungen (Wermutwein, Mai wein, Pepsiuwein, Chinawein u. dgl.) in den Verkehr
kommen, verwendet werden.

f)	Der Zusatz von Obstmost und Obstwein, von Gummi oder anderen Stoffen, durch
welche der Extraktgehalt erhöht wird.

Getränke vorstehender Art dürfen nicht gewerbsmäßig hergestellt, feilgehalten
oder verkauft werden. Für die Herstellung eines Haustrunkes oder Gesindeweines dürfen
        <pb n="807" />
        ﻿Wein.

*

785

Trester-, Hefen- und Rosinenwein verwendet werden, ebenso für die Branntweinbereitung,
letzteres jedoch nur unter Stenerkontrolle.

Anmerkung. Der Gehalt der Weine an Gesamtsäure schwankt im allgemeinen
zwischen 0,4 und 1,5 g in 100 ccm Wein.

Weine aus reifen Trauben enthalten in der Regel keine freie Wbinsäure, sehr saure
Weine aus unreifen Trauben dagegen enthalten häufig freie Weinsäure; außerdem kann
freie Weinsäure aus Weinstein durch die Kellerbehandlung (häufiges Schwefeln) gebildet
"werden.

Zahlreiche Untersuchungen nach den (nicht ganz fehlerfreien) Verfahren von
J- Neßler und M. Barth, bezw. von Berthelot und A. de Pleurien haben ergeben,
daß die freie Weinsäure in Weinen mit höchstens 0,8 g Gesamtsäure in 100 ccm Wein
nicht mehr als J/6 bis höchstens 1/5 der gesamten nicht flüchtigen Säuren des Weines aus-
maoht, dagegen soll in Weinen mit mehr als 0,8 g Gesamtsäure der Gehalt an freier
Weinsäure oft viel höher sein.1)

Der Weinsteingehalt der Weine schwankt innerhalb sehr weiter Grenzen. Der
Zusatz von Weinstein zum Weine kann durch die chemische Untersuchung nicht ermittelt
werden.

Unter den „säurehaltigen Körpern“, deren Zusatz zum Weine gleichfalls verboten
ist, sind in erster Linie die Obstweine zu verstehen. Wenn auch die Obstweine im reinen
Zustande von den Traubenweinen sich wesentlich (namentlich durch das Pehlen von Wein-
steinsäure und deren Salzen) unterscheiden, so ist es doch meist nicht möglich, durch die
chemische Untersuchung einen Verschnitt von Traubenwein mit Obstwein nachzuweisen.

Der Apfelwein hat in der- Regel weniger Alkohol und Säuren, dagegen mehr säure-
freien Extrakt und mehr sog. Pektinstoffe als der Traubenwein.

Ein Zusatz von Bukettstoffen zum Weine läßt sich bis jetzt durch die chemische
Untersuchung nicht erbringen.

3.	Verbotene Zusätze. I. Nach § 7 des Weingesetzes vom 24. Mai 1901 dürfen
die nachbenannten Stoffe, nämlich;

1- lösliche Aluminiumsalze (Alaun u. dergl.),

2.	Baryumverbindungen,

3.	Borsäure,

4.	lösliche Pluorverbindungen,

5- Glyzerin,

6.	Kermesbeeren,

7.	Magnesiumverbindungen,

8.	Salizylsäure,

9. Oxalsäure,

10.	unreiner(freien Amylalkohol enthaltender)
Sprit,

11.	unreiner (nicht technisch reiner) Stärke-
zucker,

12.	Strontiumverbindungen,

13.	Teerfarbstoffe,

14.	Wismutverbindungen,

oder Gemische, welche einen dieser Stoffe enthalten, Weinen, weinhaltigen und weinähn-
lichen Getränken, welche bestimmt sind, anderen als Nahrungs- oder Genußmittel zu
dienen, bei oder nach der Herstellung nicht zugesetzt werden.

Zur Beurteilung des Weines auf Grund der vorstehenden Bestimmungen des Wein-
gesetzes ist noch folgendes zu bemerken (im allgemeinen nach K. Windisch 1. c.);

Anmerkungen. Zu 1. Es ist nicht möglich, den Alaun als solchen im Weine
hachzuweisen. Bei den geringen Mengen Alaun, die beim Schönen des Weines, namentlich
beim Klären des Schaumweines, in denselben gelangen, ist es meist nicht möglich, auf
Grund des Tonerdegehaltes einen Alaunzusatz uachzuweisen, da auch der Tonerdegehalt
des reinen Weines schwankend ist. Die Anwendung der Klärerde wird von dem Verbot
nicht getroffen.

Zu 2. Baryumverbindungen sind zum Bntgipsen vorgeschlagen; ihre Ver-
wendung ist auch verboten, selbst wenn keine Spur Baryum im Wein verbleibt.

Zu 3. Es wurde bereits oben darauf hingewiesen, daß die Borsäure ein normaler
Bestandteil des Weines ist. Doch sind die im natürlichen Weine enthaltenen Borsäure-
Wengen so gering, daß sie nach dem üblichen Verfahren kaum nachgewiesen werden können.
Da die Borsäure nur in größeren Mengen konservierend wirkt, so muß sie sich, falls ein

1) B. Haas, Zeitschr. f. Nahrungsmittel-Untersuchung, Hygiene u. Warenk, 1890, 4, 258.
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	60
        <pb n="808" />
        ﻿786

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

künstlicher Zusatz stattgefunden hat, auch quantitativ bestimmen lassen. Kipper fand
als natürlich vorkommenden Bestandteil in 1 1 Wein 0,00152 g, F. Schaffer in 31 Sorten
0,008—0,060 g Borsäure in 1 1.

Zu 4. Auch Fluor soll spurenweise als natürlicher Bestandteil im Wein ver-
kommen; diese Spuren würden sich aber nach den S. 163 c und 747 angegebenen Ver-
fahren nicht oder doch kaum nachweisen lassen.

Zu 5. Zahlreiche Versuche haben ergeben, daß bei der Gärung des Mostes auf
100 Gewichtsteile Alkohol meist 7—14 Gewichtsteile Glyzerin entstehen. Die Weine ent-
halten auf 100 g Alkohol selten mehr als 14 g Glyzerin. Bei einem Weine, der auf 100 g
Alkohol mehr als 14 g Glyzerin enthält, ist zu berücksichtigen, daß

a)	bei langem Lagern des Weines infolge der Verdunstung des Alkohols durch die
Faßwandungen usw. und dadurch, daß beim Auffüllen mit anderem Wein immer neue
Alkohol- und Glyzerinmengen in den lagernden Wein gelangen, von denen der Alkohol
wieder zum Teil verdunstet und so fort, allmählich eine Anreicherung an Glyzerin
stattfindet;

b)	durch die Einwirkung des Kahmpilzes ein Teil des Alkohols oxydiert werden kann;

c)	gerade unter den feinsten Weinen solche mit einem höheren Glyzerinverhältnisse
Vorkommen können, nämlich dann, wenn die Gärung von an Hefenährstoffen sehr reichen
Mosten unter besonders günstigen Verhältnissen verlief.

Brat eine erhebliche Überschreitung des gewöhnlichen Alkohol-Glyzerinverhältnisses
läßt bei solchen Weinen einen Glyzerinzusatz als sicher erscheinen. Hierbei ist wieder
zu berücksichtigen, daß man ein höheres Glyzerinverhältnis (10—14 g Glyzerin auf 100 g
Alkohol) nur bei Weinen mit einem höheren Gehalt an sonstigen „neutralen Extrakt-
stoffen“ findet.

Infolgedessen hat die Kommission zur Bearbeitung einer Weinstatistik für Deutsch-
land den Beschluß gefaßt,1) daß eine Beanstandung wegen Glyzerinzusatzes dann ange-
zeigt ist, wenn bei einem 0,5 g in 100 ccm Wein übersteigenden Gesamtglyzeringehalte

a) der Extraktrest (Extrakt vermindert um die nichtllüchtigen Säuren) zu mehr als
*/, aus Glyzerin besteht, oder

ß) bei einem Verhältnis von Glyzerin zu Alkohol von mehr als 10:100 der Gesamt-
extrakt nicht mindestens 1,8 g in 100 ccm oder der nach Abzug des Glyzerins vom Extrakte
verbleibende Kest nicht 1 g in 100 ccm beträgt (vergl. auch Bxtraktrest nach Grünhut

S.	762).

Zu 6. Die Kermesbeeren, welche als giftig gelten, werden wegen des blauroten
Saftes vorwiegend in südlichen Ländern, weniger bei uns, zur Färbung des Rotweines
benutzt.

Zu 7. Magnesiumverbindungen dürften schon wegen der abführenden
Wirkungen selten zur Weinbereitung verwendet werden. Die Verwendung läßt sich nur
durch eine quantitative Bestimmung feststellen, wobei zu berücksichtigen ist, daß die
natürlichen Weine 0,010—0,031 g Magnesia in 100 ccm zu enthalten pflegen.

Zu 8. Nach L. Medicus1 2) soll auch ein Bestandteil der Traubenkämme mancher
Trauben die Salizylsäurereaktion mit Eisenchlorid geben, wenn man 100 ccm
Wein dem vorgeschriebeuen Verfahren unterwirft. Wenn man aber nur 50 ccm mit dem
Äther-Petroläthorgemisch ausschüttelt und den Verdunstungsrückstand mit 10 ccm Wasser
aufnimmt, gibt der Bestandteil der Traubenkämme die Salizylsäurereaktion nicht mehr.

Nach den Untersuchungen von Mastbaum3) u. a. ist der Bestandteil tatsächlich
Salizylsäure (etwa 1 mg in 1 1).

Zu 9. Oxalsäure ist erst vereinzelt als Zusatz zu Wein beobachtet worden;
sie ist giftig. Behufs Nachweises derselben entfernt man durch Eindunsten auf dem Wasser-
bade den Alkohol, füllt mit Wasser wieder auf dasselbe Volumen, säuert mit Essigsäure

1)	Zeitschr. f. anal. Chemie 1894, 33, 630.

2)	Bericht über die 9. Vers. d. fr. Vereinigung bayer. Vertreter der angew. Chemie in
Erlangen. Berlin 1890, S. 42, bei Julius Springer.

3)	Chem.-Ztg. 1901, 25, 466.
        <pb n="809" />
        ﻿Wein.

787

au und setzt Chlorcaloium zu. Bei Anwesenheit von Oxalsäure entsteht sofort ein
Niederschlag von Calciumoxalat, dessen Menge durch Wägen des Kalkes oder durch Titration
mit Kaliumpermanganat bestimmt werden kann. Ein hei längerem Stehen entstehender
Niederschlag muß auch auf Schwefelsäure und Weinsäure untersucht werden.

Zu 10. Der Nachweis von unreinem (freien Amylalkohol enthaltendem) Sprit zum
Weine dürfte sich innerhalb der erlaubten Grenze des Alkoholzusatzes bis jetzt wohl
schwer auf chemischem Wege erbringen lassen.

Zu 11, Die Ausleseweine des Herzoglich Nassauischen Kabinettskellers verhalten sich
nach den Untersuchungen von C. Schmitt und dem Kaiserlichen Gesundheitsamte bei der
Prüfung auf unreinen Stärkezucker so, als ob sie einen Zusatz von solchem erfahren haben.
Soweit die bisherigen Untersuchungen reichen, darf man indes wohl annehmen, daß sich
die Stoffe, die das Verhalten von unreinem Stärkezucker zeigen, nur in den Ausleseweinen,
nicht aber in den gewöhnlichen Handelsweinen finden (K. Windisoh 1. o.). Ferner kann
eine Rechtsdrehung des Weines bei der Prüfung auf unreinen Stärkezucker auch durch
gewisse Bestandteile mancher Honigsorten (Koniferenhonige) verursacht sein. Wegen des
hohen Preises des Honigs dürfte jedoch ein Zusatz von Honig zum Wein kaum in Be-
tracht kommen.

Zu 12. Von den Strontium Verbindungen gilt dasselbe wie von den Baryumver-
bindungen. Baryum und Strontium werden in üblicher Weise bestimmt (S. 107).

Zu 13. Uber den Nachweis von Teerfarbstoffen vergl. S. 771.

Zu 14. Wismutverbindungen sind vereinzelt zur Frischhaltung, besonders von
Apfelweinen, beobachtet worden. Über den Nachweis vergl. S. 782.

II.	Weine usw., welchen einer der vorbezeichneten Stoffe zugesetzt ist, dürfen weder
feilgehalten noch verkauft, noch sonst in den Verkehr gebracht werden. Dasselbe gilt für
Rotwein, dessen Gehalt an Schwefelsäure in 1 1 Flüssigkeit mehr beträgt, als sich in
2 g neutralem sohwefelsaurem Kalium vorfindet (nämlich 0,9184 g S03). Diese Bestimmung
findet jedoch auf solche Rotweine keine Anwendung, welche als Dessertweine (Süd-, Süß-
weine) ausländischen Ursprungs in den Verkehr kommen. Sie dürfen mehr Schwefelsäure
enthalten.

Für sämtliche in den Apotheken feilgehaltenen Weine, auch Dessertweine und Weiß-
weine, schreibt der Nachtrag zum deutscheu Arzneibuche (3. Ausgabe, Berlin 1895, S. 348)
dieselbe oberste Grenze des Schwefelsäuregehaltes vor, wie das Weingesetz für Rotwein.

4.	Beurteilung des Weines nach Maßgabe des Nahrnngsmittelgesetzes und
auf Grund seiner sonstigen Beschaffenheit. Für andere Behandlungen und Zusätze
zum Wein, die im Weingesetz nicht ausdrücklich genannt sind, findet das Nahrungsmittel-
gesetz vom 14. Mai 1879 mit den §§ 10—14 zur Beurteilung von Fragen sinngemäße An-
wendung. Außer den genannten Frisohhaltungsmitteln sind noch Wasserstoffsuperoxyd,
Pormaldehyd, Benzoesäure, Abrastol usw. in Gebrauch. Derartige Behandlungen und Zu-
sätze werden dann je nach den obwaltenden Umständen nach dem Nahrungsmittelgesetz
zu beurteilen sein, obschon sie sich auch nach dem Weingesetz, welches künstliche Frisch-
haltungsmittel tunlichst auszusohließen sucht, von selbst verbieten. In diesem Sinne sind
auch die geschwefelten, essigstichigen und anderen kranken Weine zu beurteilen.

a) Der Gehalt an schwefliger Säure. Durch das nicht zu umgehende Schwefeln
der Lagerfässer gelangen stets geringe Mengen schwefliger Säure in den Wein. Dieses
Rt nach § 2 No, 1 des Weingesetzes erlaubt, während nach § 20 No. 1 der Bundesrat
befugt ist, die Grenzzahlen für den Gehalt an schwefliger Säure festzusetzen. Da dieses
bis jetzt nicht geschehen ist, so können hier nur die verschiedenen Ansichten über diese
Präge mitgeteilt werden. Die vom Wein aufgenommene schweflige Säure bleibt als solche
nicht lange bestehen, sondern wird alsbald zum geringen Teil in Schwefelsäure, zum größten
Peil in gebundene, vorwiegend in aldehydsohweflige Säure übergeführt, und letztere gilt
für bedeutend weniger schädlich als die freie schweflige Säure. Der Gehalt der Weine an
gesamtschwefliger Säure wurde nach zahlreichen Bestimmungen für 1 1 zu 10—300 mg ge-
funden, wovon nur 0—160 mg, durchweg nur 0—40 mg, ungebunden als freie schweflige Säure
vorhanden waren. Die Forderungen über die höchste zulässige Menge an schwefliger
Säure lauten sehr verschieden; die serbische Regierung will nur 20 mg, der Köuigl.

50*
        <pb n="810" />
        ﻿788

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

ungarische Landessanitätsrat nur 30 mg gesamtschweflige Säure für 1 1 zulaesen, während
ein Gutachten der medizinischen Fakultät Wien 8 mg freie und 200 mg gebundene schweflige
Säure für 1 1 als zulässig erklärt und deutsche Nahrungsmittelchemiker in Gemeinschaft
mit Ärzten sich auf folgende höchste Grenzzahlen geeinigt haben, nämlich:

200 mg gesamt- (freie und gebundene) schweflige Säure für 1 1, wovon
180 mg an organische Weinbestandteile gebundene schweflige Säure und
20 mg als freie schweflige Säure in 1 1 vorhanden sein dürfen.

L. Grünhut und W. Fresenius1) benutzen zum Nachweise eines überstarken
Sohwefelns den Alkalitätsfaktor der Weinasche, worunter sie die Gesamtalkalität, die 0,1 g
Mineralstoffen entspricht, ausgedrückt in Kubikzentimetern Normal-Alkali, verstehen; also

.Gesamtalkalität x 0.1
Alkalltatsfaktor = - ...	, ■	.

Mineralstongehalt

Dieser Faktor wurde in einer großen Anzahl von Weinen, die in normaler Weise
geschwefelt waren, zu 0,8—-1,0 gefunden. Wenn bei einheimischen Weinen der Alkalitäts-
faktor unter 0,65 sinkt und deren Gehalt an Schwefeltrioxyd (S03) gleichzeitig mehr als
20°/0 der Asche beträgt, so können dieselben als übermäßig geschwefelt bezeichnet
werden, auch wenn der Gehalt an freiem und gebundenem Schwefeldioxyd (S02) in normalen
Grenzen liegt.

b) Essigstichige Weine. Gute (gewöhnliche Trink-) Weine pflegen nur 0,015 bis
0,060 g Essigsäure in 100 ccm zu enthalten; Weine mit einem Gehalt von 0,100—0,150 g
Essigsäure in 100 ccm gelten als krank, solche mit einem Gehalt von 0,160—0,200 g in
100 com als verdorben. Die Freie Vereinigung bayerischer Vertreter der angewandten
Chemie1 2) hat folgende Anhaltspunkte für die Beurteilung der Weine auf Grund ihres Ge-
haltes an flüchtiger Säure (Essigsäure) gegeben;

a) Das erste jugendliche Stadium des Weines ausgenommen, sollen deutsche Weiß-
weine hinsichtlich der flüchtigen Säure als normal gelten, wenn sie nicht mehr als 0,09,
deutsche Kotweine, wenn sie nicht mehr als 0,12 g flüchtige Säure in 100 ccm aufweisen.

ß) Als nicht mehr normal, aber noch nicht zu beanstanden, sollen deutsche Weiß-
weine gelten, welche zwar über 0,09, aber nicht über 0,12, deutsche Rotweine, die zwar
über 0.12, aber nicht über 0,16 g flüchtige Säure in 100 com enthalten,

y) Deutsche Weißweine, die über 0,12 und deutsche Rotweine, die über 0,16 g
flüchtige Säure in 100 ccm enthalten, stellen keine normale Handelsware mehr vor, sind gut-
achtlich in dieser Weise zu bezeichnen und zu beanstanden, auch dann, wenn die Kostprobe
nichts Auffälliges ergibt.

d)	Ein Weiß- oder Rotwein ist dann als verdorben im Sinne des Nahrungsmittel-
gesetzes anzusehen, wenn bei einem Gehalt von über 0,12 bezw. 0,16 g flüchtiger Säure
in 100 ccm auch die Kostprobe ganz zweifellos und überzeugend das Verdorbensein erweist.

s) Deutsche Edelweine und Weine, die länger als 10 Jahre im Faß gelagert haben,
werden von den Bestimmungen in a, ß und y nicht getroffen. Die Beurteilung derselben
nach ihrem Gehalt an flüchtiger Säure hat unter Berücksichtigung der besonderen, von
Fall zu Fall verschiedenen Verhältnisse zu geschehen.

c) Einflufs von Krankheiten auf die Zusammensetzung des Weines. Durch ver-
schiedene Einflüsse können Weine schleimig (zäh, weich), schwarz, braun, trübe oder bitter
werden; sie können auch sonst Farbe, Geschmack und Geruch wesentlich ändern; ferner
kann der Farbstoff der Rotweine sich in fester Form absoheiden, ohne daß alle diese Er-
scheinungen an und für sich berechtigen, die Weine deshalb als unecht zu bezeichnen.

Ein Schwarzwerden, Braunwerden des Weines kann stattfinden, wenn derselbe
längere Zeit mit rostendem Eisen (Faßreifen, Nägelnl in Berührung kommt. Die schwarze
Trübung ist gerbsaures Bisen, welches sich allmählich absetzt oder durch Schönen beseitigt
werden kann.	f

Das Bräunen oder Puchsigwerden des Weines kann aber auch durch eine
fehlerhafte, mangelhafte Hauptgärung und eine infolgedessen später bei Luftzutritt wieder

1)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 927.

2)	Porschungsberichte über Lebensmittel 1897, 4, 329.
        <pb n="811" />
        ﻿Wein.

789

eintretende Nachgärung hervorgerufen werden. Diese Krankheit kann durcli Lüften des
Weines und wiederholtes Abziehen desselben auf frische Fässer unter gleichzeitigem Schönen
gehoben werden.

Mancher Wein wird während und bald nach der Gärung fadenziehend, schleimig,
zäh, wenn (meist unter dem Einfluß frühzeitiger Essigbildung hei langsamer, ungleich-
mäßiger Gärung) ein kleiner Teil des Zuckers in Mannit übergegangen und dann die
Schleimgärung eingetreten ist. Ganz besonders ist dies der Pall bei mit Rohrzucker ver-
setztem Wein, wenn derselbe aus Mangel an genügender Hefe nicht invertiert wird und so
sehr leicht unregelmäßig vergärt.

Das Bitterwerden kommt ganz besonders hei Rotweinen vor und beruht auf einer
Zersetzung des ursprüglich darin vorhandenen Gerbstoffes.

Kahmig-(Kuhnig-)werden des Weines. Wenn von der Oberfläche ruhig lagernder
Weine mit weniger als 10 Gewichtsprozenten Weingeist nicht sehr sorgfältig die Luft ab-
gehalten wird, so bildet sich darauf eine weiße Decke von einer üppig wuchernden Kahm-
(Kuhnen-) Pilzvegetation (Mycoderma vini); durch den Kahmpilz, als energischen Sauerstoff-
Überträger, wird der Weingeist des Weines zu Kohlensäure verbrannt, aber auch Extrakt-
bestandteile, unter anderen Säure, werden aus dem Weine aufgezehrt. Solche stark verkulmte
Weine besitzen nach Entfernung der Kuhnendecke faden Geruch und Geschmack, niederen
Weingeistgehalt, wenig Säure. Bei fortschreitender Zerstörung des Weingeistes können
sie in vollständige Fäulnis übergehen.

Siedelt sich bei schlecht vor Luft geschützten Weinen statt des Kahmpilzes der
Essigpilz (Mycoderma aceti) an, so wird der Weingeist nicht zu Kohlensäure, sondern zu
Essigsäure oxydiert. Der Bssigpilz (Mycoderma aceti) kann noch bei 12 Gewichtsprozenten
Weingeist im Wein wachsen.

Das Umschlagen oder Brechen des Weines findet man vorwiegend hei Rotweinen.
Die Weine, auch wenn sie vollständig vergoren sind, trüben sich unter schwacher Kohlen-
säureentwickelung. Der Wein nimmt einen unangenehmen Geruch und Geschmack an und
wird schließlich ganz ungenießbar. Rotweine werden braun. Die Krankheit wird durch
mehrere Mikroorganismen verursacht. Es findet vorwiegend eine Zersetzung des Wein-
steins statt.

Der sog. Böckser, ein Geruch und Geschmack des Weines nach faulen Eiern,
entsteht durch Sohwefelwasserstoffbildung im Woin. Schwefelwasserstoff kann im Wein
auftreten durch Aufnahme von Schwefelverbiudungen seitens der Rehenwurzeln aus dem
Boden, oder durch längeres Verbleiben von Schwefel im gärenden Wein, der mit geschwefelten
Traubentrestern (Mittel gegen Traubenkrankheit) oder durch Abtropfen schmelzenden
Schwefels, vom Einbrennen herrührend, in den Wein gelangt, oder endlich durch faulige
Zersetzung der am Boden des Fasses noch befindlichen Hefe des Weines.

Geruch und Geschmack des Weines können noch geändert werden durch andere
Eäulniserzeugnisse der Hefe, durch faule Trauben oder schlechte, schimmelige Fässer, zu
langes Lagern in nur teilweise gefüllten Fässern usw.

Der Farbstoff des Rotweins ist außerordentlich leicht ausfällhar. Mit jeder
Weinsteinabscheidung im Wein durcli Kälte oder sonstige Einflüsse verliert der Rotwein
zugleich auch merkliche Mengen von Farbstoff.

Wenn gewisse Stoffe von teilweise fauligen Trauben im Rotwein sich unter
dem Einfluß der Luft ahsetzen, so können sie unter Umständen den gesamten Farbstoff
mit ausfällen und dem Wein ein mißfarbiges Aussehen verleihen.

Auch geringe Mengen von Fuchsin können sich mit solchen Stoffen niederschlagen;
sie können aber auch von den Faß Wandungen aus durch einen andern fuchsinfreien Rot-
wein, welcher später in das Faß kommt, teilweise wieder gelöst werden.

Nachgärung. Wenn in einem Weine während des Sommers eine starke Gärung
auftritt, so gestattet dies noch nicht die Annahme, daß ein Zusatz von Zucker oder
zuokerreichen Stoffen, z. B. Honig u. a., stattgefunden habe, denn die erste Gäl’ung kann
durch verschiedene Umstände verhindert oder der Wein kann mit zuckerreichem Wein
Verschnitten sein.
        <pb n="812" />
        ﻿790

Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse.

III.	Süfsweine.

Für die Untersuchung der Süßweine gelten die Vorschriften der amtlichen
„Anweisung für die chemische Untersuchung des Weines“ ebenso wie für gewöhnliche
Weine, wobei besonders die für die mehr als 4 g Extrakt enthaltenden Weine aufgeführten
Vorschriften zu beachten sind. Für die Bestimmung des Extraktes muß man das
spezifische Gewicht der Extraktlösung, d. h. die von Alkohol befreite, wieder auf dasselbe
Volumen aufgefüllte Lösung benutzen; das spezifische Gewicht wird mit dem Pyknometer
(S. 449) bestimmt und hiernach der Extraktgehalt aus Tabelle XIX am Schluß ent-
nommen.

Auch für die Beurteilung der Süßweine gelten die Vorschriften des Weiugesetzes
vom 24. Mai 1901. Indes läßt im Gegensatz zu den gewöhnlichen Weinen das Wein-
gesetz hinsichtlich der Beurteilung für Süßweine folgendes zu:

1.	Die Bestimmung, daß Rotweine im Liter nicht mehr Schwefelsäure enthalten
dürfen, als in 2 g neutralem schwefelsaurem Kalium enthalten sind, findet auf Rotweine,
welche als Dessertweine (Süd-, Süßweine) ausländischen Ursprungs in den Verkehr kommen,
keine Anwendung.

2.	Bei Süßweinen, welche nicht als deutsche in den Handel kommen, ist ein Zusatz
von mehr als 1 Baumteil Alkohol auf 100 Raumteile Wein nicht verboten.

3.	Bei Weinen, welche als Dessertweine (Süd-, Süßweine) ausländischen Ursprungs
in den Verkehr kommen, gilt ein Zusatz von getrockneten Früchten (Rosinen) oder ein-
gedickten Moststoffen zu Most oder Wein nicht als Verfälschung.

Im allgemeinen ruht die Beurteilung der Süßweine zur Zeit noch auf sehr schwachen

Füßen.

E.	List verlangte von einem konzentrierten (d. h. einem durch Konzentration des
Mostes gewonnenen, etwa 20 g Zucker enthaltenden) Süßweine, daß er mindestens 4 °/0
zuckerfreien Extrakt und 0,04 g Phosphorsäure enthalte. Diese Anforderung wurde
später als nur für Medizinalweine zutreffend bezeichnet. Auf dem internationalen Nahruugs-
mittelohemiker-Kongreß in Wien (1891) wurde auf Antrag von L. Rößler der Beschluß
gefaßt, daß von gut bereiteten Tokayern ein Phosphorsäuregehalt von nahezu 0,06 g P206
in 100 ccm Wein zu fordern sei.

Zu diesen Grenzzahlen, die einen Ausdruck der Konzentration des verwendeten
Mostes geben sollen, ist noch zu bemerken, daß der Bestimmung des zuckerfreien Extraktes
seinerzeit andere Verfahren bezw. Tabellen zugrunde gelegt wurden, als sie heute durch
die amtliche Anweisung vorgesohrieben sind, und daher jene Zahlen noch mehr an Bedeutung
verlieren.

Eine große Bedeutung für die Beurteilung der Art der Herstellung der Süßweine
kommt den Bestimmungen des Stickstoffs, des Glyzerins — so ungenau das Verfahren
an sich auch bei Süßweinen sein mag — sowie unter Umständen auch der getrennten
Bestimmung der Glukose und Fruktose (vergl. S. 234) zu.

Letztere Bestimmungen sind deshalb von großer Bedeutung, weil sie einen teilweiseu
Einblick in die Art der Bereitung der Süßweine gestatten; da nämlich bei der Gärung
die Glukose rascher zersetzt wird als die Fruktose, so deutet ein wesentlich höherer
Gehalt eines Süßweines an Fruktose als an Glukose (etwa im Verhältnis von 120—500 und
mehr Fruktose : 100 Glukose) auf eine stattgehabte teilweise Vergärung des Mostes hin.
Ebenso kann man den Gehalt des Süßweines an Glyzerin für diese Zwecke mit
heranziehen.

Ein sehr niedriger Gehalt eines Süßweines an Stickstoffsubstanz bei einem
hohen Zuckergehalt deutet auf einen Zusatz von Rohrzucker zum Most oder Wein hin.

IV.	Obst- und Beerenweine (einschl. Süfs- und Schaumweine).

DieUntersuohungder Obst- und Beerenweine erfolgt ganz wie die der entspreoh enden
Traubenweine mit niedrigem bezw. hohem Extraktgehalt bezw. wie die des Trauben-
schaumweines.
        <pb n="813" />
        ﻿Obst- und Beerenweine. — Alkoholfreie Getränke.

791

Die Beurteilung derselben ist aber eine wesentlich andere. Nach dem Wein-
gesetz vom 24. Mai 1901 werden die Obst- und Beerenweine zu den „weinähnliohen
Getränken“ gerechnet und linden darauf die wichtigen Bestimmungen in § 2 und 3 dieses
Gesetzes keine Anwendung. Nur die aus Obst- und Beerenwein hergestellten Schaum-
weine müssen eine besondere Bezeichnung tragen und ist der Zusatz der in § 7 genannten
Stoffe (yergl. S. 785) auch für Obst- und Beerenweine verboten; alle sonstigen ungehörigen
Vorkommnisse müssen nach dem Nahrungsmittelgesetz vom 14. Mai 1879 beurteilt werden.

Bezüglich des Gehaltes an Essigsäure und schwefliger Säure gilt dasselbe,
was bei Traubenwein S. 787 u, 788 gesagt ist.

Da der Wein nur bei einem gewissen Gehalt an Alkohol und Säure haltbar ist, so
muß bei den Obst- und Beerenweinen, die für den Versand bestimmt sind, weil der Most
vielfach zu arm an Zucker und Säure ist, ein Zusatz hieran gemacht werden. Will man
den Alkohol als solchen zusetzen, so darf auch hier nur der reinste Weinsprit ver-
wendet werden; besser ist aber schon der Zusatz von reinem Zucker zu Most, weil das
bei der Gärung sich bildende Glyzerin ebenfalls die Haltbarkeit erhöht. Der Zusatz von
Säuren, als welche man Weinsäure und Zitronensäure anwendet, läßt sich besonders bei
Birnen weinen vielfach nicht umgehen, weil die Birnen mitunter nur 0,1—0,2 °/0 Säure
enthalten. Auch pflegt der Säure-Rückgang (Übergang der Äpfelsäure in Milchsäure)
bei Äpfel- und Birnenweinen besonders stark zu sein. Die Herstellung von Trester-
wein, also Zusatz von Wasser und Zucker zu den Obsttrestern und abermaliges Keltern,
ist bei diesen Weinen erlaubt. Auch gegen das Einpressen reiner Kohlensäure bei durch
Schönen oder Filtrieren schal gewordenen Obstweinen läßt sich nichts erinnern.

Die Unterscheidung der Obst- und Beerenweine von Traubenweinen durch die
chemische Analyse ist sehr schwierig und kaum möglich; nur das völlige Pehlen von
Weinsäure und Weinstein ist entscheidend für Obst- und Beerenweine. K. Kulisch1)
sagt darüber:

„Der Alkoholgehalt der Obstweine ist meist so niedrig, wie ihn Traubenweine nur
in ganz geringen Jahren zeigen. Im Verhältnis dazu ist ihr Säuregehalt nicht entsprechend
hoch, dagegen der nach Abzug der Säure verbleibende Extraktrest, sowie der Aschengehalt
höher als bei geringen Traubenweinen. Der Stickstoffgehalt der Äpfelweine ist sehr viel
niedriger, als man ihn gewöhnlich bei Traubenweinen beobachtet. Die Asche der Äpfel-
weine ist an Phosphorsäure ziemlich arm. Diese Angaben haben natürlich nur dann
Geltung, wenn reine, unverbesserte und uuvermischte Obstweine vorliegen. Wenn diese
mit etwas Traubenwein verschnitten sind, kann man aus einem niedrigen Gehalt an Wein-
stein und freier Weinsäure keinerlei Schlüsse mehr ziehen, da es Traubenweine gibt, die
an beiden Substanzen einen sehr geringen Gehalt aufweisen. Nur das vollkommene Pehlen
beider kann als beweisend gelten.“

V.	Alkoholfreie Getränke.

Wogen der Bewegung gegen den Mißbrauch alkoholischer Getränke werden zurzeit
durch Pressen und Sterilisieren von Obst- und Beerenfrüchten auch sog. „alkoholfreie Weine
und Getränke“ als Ersatzmittel hergestellt; weil unter „Wein“ ein durch Gärung hergestelltes,
alkoholhaltiges Getränk verstanden wird, so können diese Erzeugnisse auf die Bezeichnung
»Wein“ keinen Anspruch machen; sie verdienen eher den Namen „Pruchtsäfte“.

Die Untersuchung erfolgt dementsprechend auch ganz wie die der gewöhnlichen
Bruchtsäfte, Pruchtsirupe S. 743 u. 747. Otto und Tolmacz2) bestimmen den Bxtrakt-
gehalt mit der Öchsleschen Mostwage und dem Ballingschen Saccharometer, Gesamtsäure
wie hei Wein, die geringen Mengen Alkohol durch Destillation (unter qualitativer Prüfung
nach der Jodoformprobe S. 260), Invertzucker und Saccharose wie üblich, und die Zuckerarteu
nach der Clergetschen Formel S. 606 u. 641; für die Polarisation werden 50 ccm Flüssigkeit
m der Kälte mit gereinigter Tierkohle versetzt, gut durchgemischt, filtriert — bei stark

ü Landw. Jahrbücher 1890, 19, 83.

2) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 9, 267.
        <pb n="814" />
        ﻿792

Obst- und Beerenfrüehte sowie deren Erzeugnisse.

gefärbten Flüssigkeiten mehrmals durch Tierkohle filtriert — und die Kohle mit so viel
destilliertem Wasser ausgewaschen, daß die Gesamtmenge des Filtrats das Doppelte der
angewendeten Saftmenge beträgt. Die Inversion für die Polarisation wird nach der Zoll-
vorschrift (S. 631) ausgeführt.

Für die Beurteilung der Reinheit können dieselben Anhaltspunkte dienen wie
bei den Fruohtsäften S. 752.

Da alle Fruchtsäfte sehr leicht in Selbstgärung übergehen, wird man von alkohol-
freien Getränken keine völlige Abwesenheit von Alkohol verlangen können, sondern einen
Gehalt bis etwa 0,5 Volumprozent Alkohol zulassen müssen.

VI.	Schaumweine.

Für Schaumwein kommt als besonderer Bestandteil die Kohlensäure in Betracht;
soll dieselbe chemisch quantitativ bestimmt werden, so kann dieses wie bei Flaschenbier

S.	735 geschehen. Man hat für den Zweck auch Druckmesser, d. h. Korkbohrer mit Mano-
meter eingerichtet, welche den Kohlensäuregehalt aus dem abzulesenden Druck zu ermessen
gestatten. Für die Bestimmung der übrigen Bestandteile des Schaumweines muß die Kohlen-
säure erst entfernt werden, was wie bei Bier 8. 732 zu geschehen pflegt. Der entkohlen-
säuerte Wein wird ganz wie die Süßweine bezw. bei den sog. Trocken------d. h. zucker-

freien oder zuokerarmen — Schaumweinen wie gewöhnlicher Trinkwein untersucht.

Zur Beurteilung der Schaumweine gibt K. Windisch1) folgende Anhaltspunkte:

Nach dem Weingesetze dürfen Tresterweine, Hefenweine, Eosinenweine, Weine aus
eingedicktem Most, solche mit Zusatz von künstlichen Süßstoffen und überstreckte Weine
nicht zur Herstellung von Schaumweinen verwendet werden. Der Zusatz von Bukettstoffen
(Essenzen) und organischen Säuren ist vielfach üblich und als erlaubt anzusehen. Ein
Zusatz von Apfelwein zum Traubenschaumwein ist ohne Deklaration nicht gestattet. Die
Beimischung der in § 7 des Weingesetzes genannten Stoffe (S. 785) ist auch bei den Schaum-
weinen verboten. Viele Schaumweine sind arm an Extrakt- und Mineralstoffen. Die zur Her-
stellung der besseren Schaumweine vielfach angewendeten Claretweine werden aus blauen
Trauben unter Anwendung von einem ganz schwachen Kelterdruok gewonnen; sie enthalten
daher hauptsächlich den Saft des Beerenfleisches, nicht aber den Saft, der in den Teilen um die
Kerne (den Butzen) und in den Hülsen enthalten ist. Der Most aus dem Beerenfleische ist
ärmer an Extrakt- und Mineralstoffen als der Butzen- und Hülsenmost und daher kommt es,
daß naturreine Claretweine oft nicht den Grenzzahlen des Weingesetzes in bezug auf den
Extrakt- und Mineralstoffgehalt genügen. Bei der zweiten Gärung auf der Flasche kommt
wiederum ein kleiner Teil der Extrakt- und Mineralstoffe zur Abscheidung und durch den
Likörzusatz findet nochmals eine Verdünnung dieser Stoffe statt. Hierauf ist bei der Be-
urteilung der Schaumweine Rücksicht zu nehmen.

Das Weingesetz bezw. die auf Grund desselben erlassene Bundesratsverorduung gibt
genaue Vorschriften über die Bezeichnung der Schaumweine. Das Land, in dem der
Schaumwein auf Flaschen gefüllt worden ist, muß auf der Flasche angegeben sein; ferner
müssen Schaumweine, die aus Obst- oder Beerenweinen hergestellt sind, eine entsprechende
Bezeichnung tragen. Dagegen ist eine Deklaration, ob der Schaumwein durch Flaschen-
gärung oder durch künstliches Imprägnieren mit Kohlensäure hergestellt ist, nicht vor-
geschrieben.

VII.	Hilfsstoffe bei der Weinerzeugung.

Bei der Weinerzeugung, sowohl beim Anbau der Beben wie bei der Gärung, werden
eine Reihe Hilfsstoffe benutzt, die zu untersuchen vielfach von Belang ist. Ich folge darin
den Anleitungen von K. Windisch.* 2)

J) K. Windisch, Anleitung zur Untersuchung von Most und Wein für Praktiker.
Wiesbaden 1904, 299.

2) Ebenda 320 u. ff.
        <pb n="815" />
        ﻿Hilfsstoffe bei der Weinerzeugung.

793

1.	Hilfsstoffe für die Bekämpfung yon Rebkrankheiten. a) Zur Bekämpfung
der Blattfallkrankheit, die durch den Pilz Peronospora yiticola verursacht wird, dient
die aus Kupfersulfat und Kalk hergestellte Kupferkalkbrühe. Das hierzu empfohlene
Kupfersulfat enthält nach Windisch häufig Ferro-, Zinksulfat und andere billigere
Sulfate; die Untersuchung auf Reinheit ist bekannt und findet sich in jedem Lehrbuch der
analytischen Chemie. Über die Untersuchung von gebranntem Kalk siehe S. 112. Es
muß, weil unzersetztes Kupfersulfat für Eebenblätter schädlich wirkt, so viel Kalkmilch
zu der Lösung von Kupfersulfat gesetzt werden, daß die Brühe nach sorgfältigem Mischen
alkalisch reagiert.

b)	Zur Bekämpfung des Traubenpilzes (Aescherig, Oidium Tuckeri) werden die
Reben mit Schwefel bestreut. Als solchen verwendet man entweder Schwefelblüte oder
feinstgepulverten Stangensohwefel, Letzterer ist wegen seiner größeren Reinheit vor-
zuziehen. Gepulverter Stangensohwefel bildet unter dem Mikroskop, mit verdünntem
Alkohol angefeuchtet, unregelmässige Stücke mit scharfen Kanten; Schwefelblüte dagegen
runde Körnchen. Brsterer löst sich ganz in Schwefelkohlenstoff, Schwefelblüte dagegen nicht.

Durch Schwefelkohlenstoff lassen sich auch die Verunreinigungen des Schwefels
nachweisen und quantitativ bestimmen, indem man den ungelösten Teil auf einem gewogenen
Filter sammelt und wägt. Aus der Farbe bezw. dem Aussehen des Rückstandes läßt sieh
schon erschließen, ob derselbe von ungelöstem Schwefel der Schwefelblüte oder von sonstigen
Verunreinigungen herrührt. Sind letztere unverbrennlich, so kann man sie auch durch
Verbrennen des Schwefels in einem Porzellantiegel — nicht in einem Platintiegel —
bestimmen. Das Sohwefelpulver soll höchstens 0,25 °/„ mineralische Verunreinigungen
enthalten. Der wichtige Reinheitsgrad des Sohwefelpulvers wird mit dem Sulfurimeter
von Chanoel (vergl. Windisch, 1. c. S 337) ermittelt, welches darauf beruht, daß
Schwefel (5 g) nach dem Schütteln mit Äther in einer kalibrierten Röhre von bestimmtem
Inhalt einen um so größeren Raum einnimmt, je feiner gemahlen er ist.

Der Verband landw. Versuchs-Stationen i. D. R. hat für die Untersuchung und Be-
urteilung des Weinbergschwefels folgende Vereinbarungen1) beschlossen:

1.	„Bei Bestimmung des Reinheitsgrades nach Chancel ist es notwendig,
chemisch reinen, über Natrium destillierten Äther zu verwenden.“

2.	„Auch wenn chemisch reiner Äther verwendet wird, kann eine Über-
einstimmung der Ergebnisse nur erreicht werden, wenn Apparate von
gleichmäßigen Dimensionen benutzt werden (zweckmäßig sind folgende
schon von Portele [Weinlaube 24, 376] empfohlenen Dimensionen; Gehalt
bis zur Marke 100 bei 17,5° [unterer Meniskus] 25 ccm, Länge des Rohres
bis zum Teilstrich 100 175 mm, Länge des geraden Rohres vom Teilstrich
10—100 154 mm, innerer Durchmesser des Rohres 12,68 mm), wenn bei Aus-
führung der Bestimmungen nach dem Durchschütteln j ede Erschütterung
vermieden wird und wenn bei einer einheitlichen Temperatur, zweck-
mäßig bei 17,5° gearbeitet wird.“

3.	„Bei der Bestimmung des Reinheitsgrades ist ein Analysenspielraum
von 5° Chancel zu gewähren.“

4.	„Die Minderwertsberechnung geschieht wie folgt; Die Differenz zwischen
den Preisen von je 100 kg Schwefel von dem nächst höheren und dem
nächst niedrigeren Reinheitsgrad ist zu dividieren durch die Differenz
zwischen den Reinheitsgraden selbst und so der Preis von 1° Chancel
für 100 kg Schwefel festzustellen. Ist bei der Untersuchung ein über 5°
Chancel geringerer Reinheitsgrad gefunden worden, als garantiert ist,
so wird der Minderwert für 100 kg Schwefel ermittelt, indem man die
Zahl der fehlenden Grade mit dem, wie beschrieben, gefundenen Preis
von 1° Chancel multipliziert.“

2.	Hilfsstoff'e bei der Gärung. Als Hilfsstoffe bei der Gärung kommen in Betracht
Rohr- und Invertzucker sowie technisch reiner Stärkezucker. Über die Unter-

9 Landw. Versuchs-Stationen 1905, 61, 353.
        <pb n="816" />
        ﻿794

Obst- und Beerenfrtichte sowie deren Erzeugnisse.

suchung des Eohr- und Invertzuckers, wovon nur die reinste Sorte verwendet werden
soll (vergl. S. 619). Ein mit Ultramarin gebläuter Rohrzucker ist nachteilig für die
Weinbereitung. Um auf Ultramarin zu prüfen, bringt man eine kleine Menge Zucker mit
wenig Wasser durch Erhitzen zum Schmelzen; das Ultramarin gibt sich dann als ungelöster
blauer Farbstoff zu erkennen. Über die Untersuchung des Stärkezuckers vergl. S. 655.

VIII.	Hilfsstoffe bei der Kellerbehandlung.

1. Schönungsmittel. Als solche kommen in Betracht:

a)	Hausenblase (Schwimmblase von Aoipenser Huso und anderen Hausenarten). Zur
Verfälschung dienen auch die Schwimmblasen anderer Fische, sowie eigens zubereitete
Schaf- und Ziegendärme. K. Windisch empfiehlt keine gemahlene Hausenblase, sondern
die beste (russische) Hausenblase von weißer, durchscheinender Beschaffenheit sowie ohne
Geruch und Geschmack zu verwenden; sie enthält etwa 15 °/0 Stickstoff und 0,6 °/0 Asche.

b)	Gelatine. Sie findet in zwei Formen, der Gelatine Lain6 und der Gelatine
für Kochzweoke, Verwendung. Brstere, ein französisches Erzeugnis, löst sich infolge
längeren Kochens bei der Zubereitung leichter in Wasser, gelatiniert nicht mehr, wirkt
aber auch nur schwach schönend. Von der Kochgelatine sollen nur dünne, farblose, durch-
sichtige Blätter, deren Lösung weder leimartig noch seifenartig oder schwach faulig schmeckt,
verwendet werden.

c)	Eiweifs. K. Windisch empfiehlt stets die Anwendung von natürlichem Bier-
eiweiß, nicht das getrocknete Eiweiß; letzteres, ein gelblich weißes Pulver, soll nicht faulig
riechen und schmecken.

d)	Kasein. Das getrocknete Milchkasein soll ein lockeres, weißes Pulver ohne Ge-
ruch und Geschmack bilden und sich in kaltem oder lauwarmem Wasser beim Verrühren
zu einer milchig trüben Flüssigkeit lösen.

e)	Spanische Erde (Tierra di vino). Dieselbe ist als Verwitterungserzeugnis vom
Feldspat ein äußerst feinpulveriger Ton, der leicht riechende Stoffe aufnimmt. Um auf den
Geruch zu prüfen, übergießt man sie mit Wasser; stark riechende spanische Erde soll nicht
verwendet werden. Manche spanische Erden des Handels enthalten auch erhebliche Mengen
von kohlensaurem Kalk, welcher einen Rückgang der Säure im Wein bewirken kann. Die
Bestimmung des kohlensauren Kalkes erfolgt nach S. 15 bezw. S. 102, der Ton wird nach

S.	107 untersucht.

f)	Tannin. Falls die Anwendung von Gerbstoff zum Schönen des Weines erforderlich
ist, soll man nur reinsten Galläpfelgerbstoff anwenden, der einen reinen zusammenziehenden
Gerbstoffgeschmack besitzen und sich in Wasser zu einer klaren, nur wenig gefärbten
Flüssigkeit lösen soll.

Außer diesen altbewährten Schönungsmitteln werden vielfach noch neue besondere
Mittel für diesen Zweck im Handel angepriesen, die aber durchweg eine verwerfliche Zu-
sammensetzung besitzen. So bestand nach K. Windisch Heins Schnellklärmittel
aus zwei Flüssigkeiten, von denen die eine Zinksulfat, die andere Ferrocyankalium enthielt.
Münters Sohnellklärmittel bestand ebenfalls aus zwei Flüssigkeiten; die eine enthielt
Ferrocyankalium und Kaliumkarbonat, die andere Zinksulfat, Borsäure, Salizylsäure, Hausen-
blase und Gelatine, Durch beide Klärmittel gelangt Zink in den Wein; letzteres verbietet
sich auch wegen des Gehaltes an Borsäure und Salizylsäure.

Limpidol war eine Lösung von Eiweiß in Kali unter Zusatz von Borax, der verboten
ist; Albumine liquide war eine durch schweflige Säure haltbar gemachte, mit einem gelben
Farbstoff versetzte Hausenblasensohöne, Clarifiant Lamolle dasselbe, aber ohne gelben
Farbstoff.

2. Sonstige Hilfsstelle hei der Kellerbehaudlung.

a) Schwefel zum Einbrennen der Fässer. Hierzu soll nur reiner, kein mit Ge-
würzen vermischter Schwefel verwendet werden. Die aus reinem Schwefel hergestellten
Schwefelschnitte sind rein gelb. Mitunter kann der Schwefel auch Arsen enthalten. Man
prüft hierauf nach S. 178, K. Windisch schlägt folgendes einfache Verfahren vor;

„Man bröckelt den Schwefel von der Schnitte ab, bringt 1 g davon in ein Probier-
röhrchen, gibt 15 Tropfen Ammoniak (Salmiakgeist) und 2 ccm destilliertes Wasser hinzu,
        <pb n="817" />
        ﻿Hilf'sstoffe bei der Kellerbeliandlung. — Abfälle von der Weinbereitung. 795

schüttelt das Ganze tüchtig durch und läßt es 1/2 Stunde stehen. Alsdann filtriert man die
Flüssigkeit durch ein kleines Filter in ein Probierröhrchen, fügt zu dem Filtrate 30 Tropfen
Salzsäure und 16 Tropfen einer Oxalsäurelösung, stellt einen blanken Streifen Messingblech
in die Flüssigkeit und erhitzt auf 60—100°, indem man das Probierröhrchen in ein
kochendes Wasserbad taucht. Bei Gegenwart von Arsen in dem Schwefel entsteht auf dem
Messingblech sofort ein eisenfarbiger bis schwarzer Überzug von metallischem Arsen.
Arsenhaltige Schwefelschnitte dürfen nicht verwendet werden,

b)	Kohlensaurer Kalk. Zum Entsäuern der Weine soll nur reiner, gefällter
kohlensaurer Kalk verwendet werden. Über die Untersuchung vergl. S. 101.

c)	Holzkohle. Dieselbe wird angewendet, um dem Weine fremdartige Geruchstoffe
zu entziehen; hierzu eignet sich am besten Kohle von Lindenholz oder von anderen Laub-
hölzern, nicht aber solche von Nadelhölzern; sie muß gut gebrannt sein und darf keine
teerigen Stoffe mein' enthalten. Auch wirkt frisch geglühte Holzkohle besser als längere
Zeit gelagerte Holzkohle.

d)	Tierkohle. Sie dient zur Entfernung von Farbstoffen aus dem Wein, z. B. von
Rotweinfarbstoff aus Claretweinen. Die Tier- oder Knochenkohle muß fein gepulvert,
durch Auskoohen mit starker Salzsäure und sorgfältiges Auswaschen mit Wasser gereinigt
und feucht auf bewahrt werden. Über die Untersuchung vergl. S. 617.

e)	Kohlensäure. Zur Auffrischung matt gewordener Weine oder auch zur Her-
stellung von Schaumweinen wird jetzt allgemein flüssige Kohlensäure in schmiedeeisernen
Flaschen (Bomben) verwendet. Selbstverständlich muß auch hier die reinste Kohlensäure
verwendet werden. Üm sie zu prüfen, leitet man sie nach K. Windisch erst in eine
kleine Menge Wein und stellt fest, ob dieser einen fremdartigen Geruch und Geschmack
annimmt. Über die sonstige Untersuchung der Kohlensäure vergl. L. Grünhut, Chem-
Ztg. 1896, 1!), 655.

f)	Alkohol. Zum Spülen der Fässer und Flaschen mit Alkohol, wodurch nicht über
1 Volumprozent Alkohol in den Wein gelangen darf, soll nur reinster, fuselfreier Alkohol,
sog. Fein-(Wein-)sprit von etwa 96 Volumprozent verwendet werden. Über die Unter-
suchung auf Reinheit vergl. S. 671 u. ff.

IX.	Abfälle von der Weinbereitung.

Zu den Abfällen der Weinbereitung gehören:

1. Das Weingeläger (Weinhefe und Rohweinstein). Die abgesetzte Weinhefe wird
vielfach mit Zuokerwasser übergossen und nochmals der Gärung unterworfen. Man erzielt
auf diese Weise den Hefenwein als Haustrunk oder durch Destillation den Hefen-
branntwein. Die rückständige Hefe wird vereinzelt zur Düngung verwendet; richtiger
aber ist ihre Verarbeitung auf saueres weinsaures Kalium bezw. Weinsäure gleichzeitig
mit dem sich ausscheidenden Rohweinstein in den Fässern während der Gärung. Zur
Wertbestimmung der Rohweinsteine und Weinhefen wendet man das zuerst von Golden-
berg, Geromont &amp; Co. angegebene, später von F. Gantter und R. Fresenius ver-
besserte Verfahren1) an:

„6 g fein gemahlener und gepulverter Rohweinstein oder Weinliefe werden mit
9 com verdünnter Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,1 mindestens 2 Stunden bei Zimmer-
temperatur digeriert. Die Masse wird dann quantitativ mit destilliertem Wasser in ein
100 ccm fassendes Meßkölbchen gespült. Nach dem Auffüllen auf 100 ccm und tüchtigem
Umsohütteln filtriert man durch ein trocknes Faltenlilter in ein trocknes Gefäß und mißt
sofort vom Filtrate 60 ccm in ein Becherglas ab. Hierbei ist darauf zu achten, daß die
50 ccm genau der Hälfte der 100 ccm des Meßkölboheus entsprechen.

Die abgemessenen 50 ccm werden in dem mit einem Uhrglase bedeckten Becher-
glase vorsichtig mit 18 ccm Pottaschelösung (10 ccm = 2 gK3C03) gekocht, und zwar vom
Kochen an 10 Minuten lang, bis sich der kohlensaure Kalk pulverig abgeschieden hat.
Nachdem das Uhrglas mit Wasser abgespült ist, wird der Inhalt des Becherglases durch

l) Zeitsohr, f. anal. Chemie 1890, 29, 677 und 579, ferner 1898, 37, 312.
        <pb n="818" />
        ﻿796

Obst- und Beerenfrttchte sowie deren Erzeugnisse.

ein Saugfilter abfiltriert, das Becherglas mit siedendem Wasser bis zur neutralen Reaktion
ausgespült, der kohlensaure Kalk auf dem Eilter ebenfalls mit siedendem Wasser aus-
gewaschen und die alkalische Flüssigkeit aus der Koohflasche schließlich in eine Porzellan-
schale gebracht. Die Flüssigkeit in der Porzellanschale wird auf dem Wasserbade bis auf
etwa 15 ccm eingedampft, nach dem Erkalten sofort mit 3 ccm Eisessig versetzt und
5 Minuten lang gerührt. Danach kann man die Untersuchung sogleich fortsetzen, aber auch
ruhig einige Zeit und nötigenfalls bis zum nächsten Tage stehen lassen.

Nun gibt man 100 ccm Alkohol von 94—96 °/0 zu und rührt wiederum 6 Minuten
lang, bis der entstandene Weinsteinniedersohlag, welcher anfangs käsig-flockig ausfällt,
fein körnig-kristallinisch geworden ist.

Der Weinsteinniederschlag wird dann sofort in folgender Weise auf ein konisches
Saugfilter gebracht: Man läßt den Niederschlag erst in der Schale ordentlich absitzen, gießt
den darüber stehenden Alkohol durch das Filter und spült zuletzt den Niederschlag
selbst auf das Filter. Nun wird zuerst die Schale mit Alkohol bis zum Verschwinden
der sauren Reaktion ausgespült und dann der Niederschlag auf dem Filter selbst gleichfalls
bis zum Verschwinden der sauren Reaktion ausgewaschen. Schließlich wird der Nieder-
schlag samt Filter in ein Beoherglas gebracht, der in der Porzellanschale haftende Wein-
stein mit siedendem Wasser dazugespült, so daß man etwa 100—120 ccm Flüssigkeit hat;
diese werden mit 1/2 Normal-Kalilauge titriert.

Die Berechnung ist bei Weinhefen unter Berücksichtigung der früher bekannt ge-
gebenen Korrektur vorzunehmen. 9

Bei der Untersuchung von Weinstein und weinsaurem Kalk werden 3 g der Substanz
angewendet, diese ebenfalls mit 9 ccm Salzsäure digeriert; die Masse wird dann aber auf
100,5 ccm verdünnt und von dem Filtrate werden 50 ccm zur Untersuchung weiter ver-
wendet. Bei Weinstein und weinsaurem Kalk fällt die Korrektur in der Berechnung weg.

Die x/2 Normal-Kalilauge ist auf chemisch reinen Weinstein einzustellen, und zwar
unter Benutzung desselben Laokmuspapiers, welches zu der Titration dient.“

B. Philips &amp; Co. haben dieses Verfahren dahin abgeändert, dass sie 10 g Wein-
stein oder Hefe mit 150 ccm Wasser aufkoohen und mit Normalnatronlauge genau
neutralisieren; hierdurch geht alles Kaliumbitartrat in Lösung, während Calciumtartrat
unangegriffen bleibt. Mit der Lösung wird wie vorstehend verfahren, d, h. man bringt
die Lösung samt Niederschlag auf 200 ccm — bei Hefe auf 203 ccm •— und scheidet den
Weinstein ab. Da aber die Lösung kein kohlensaures Kalium enthält, so setzt man nicht
5' ccm, sondern nur 3 com Eisessig zu. Auf diese Weise findet man den wirklichen Gehalt
an Kaliumbitartrat, während die Differenz zwischen diesem Wert und dem nach vorstehendem
Verfahren gefundenen Ergebnis — Bestimmung der gesamten Weinsäure — den Gehalt an
Calciumtartrat in Äquivalenten Bitartrat liefert.

2. Wein- und Obsttrester. Die Trester von den weißen, süß gepreßten Trauben
(bezw. Obst) lassen sich, weil sie keine nennenswerten Mengen Alkohol und Weinstein
enthalten, entweder direkt frisch oder nach dem Binsäuern (mit Salzzusatz) zur Fütterung
verwenden. Die Trester von den auf den Trestern vergorenen Rotweinen lassen sich aber
wegen des verhältnismäßig hohen Gehaltes an Weinstein und Alkohol nicht direkt ver-
füttern. weil sie Wehen (bei trächtigen Kühen) und Durchfall hervorrufen. Diese Trester
werden daher vorher nach Verdünnen mit Wasser abgebrannt, um den Tresterbranntwein
zu gewinnen, und wenn dann die in der Blase befindliche Flüssigkeit, die den größten
Teil des Weinsteins gelöst enthält, abgegossen wird, so ist auch dieser Tresterrüokstand
zur Fütterung geeignet.

Die Untersuchung von Wein- und Obsttrestern auf Putterwert erfolgt nach S. 258,

J) Bei gefundenem Weinsäuregehalt von 20 °/0 sind 0,7 °/0 in Abzug zu bringen und
bei (20 -f- n) °/0 zu rechnen (20 -)- n) °/0 — (0,7 -fix 0,02) °/0 Weinsäure.
        <pb n="819" />
        ﻿Wasser

A.	Untersuchung von Trink- und häuslichem
Gebrauchswasser.

I.	Örtliche Voruntersuchung und Probenahme.

Die richtige Probenahme eines Wassers ist für das Ergebnis der Untersuchung nicht
minder wichtig, wie die chemische und bakteriologische Untersuchung selbst. Gerade
dadurch, daß man das Wasser entweder nicht in der richtigen Weise entnimmt oder in
ungenügend gereinigte Gefäße füllt und letztere mit unreinen, bereits gebrauchten
Korken usw. verschließt, werden vielfach die gröbsten Versehen begangen und damit die
weitere Untersuchung eines Wassers mehr oder weniger wertlos.

Aus dem Grunde soll als erster Grundsatz einer richtigen Wasseruntersuohung
gelten, daß die Proben tunlichst von dem Sachverständigen seihst entnommen
werden.

Der Probenahme soll aber

1.	eine Untersuchung der örtlichen Verhältnisse

vorhergehen.

Hierbei ist zu beachten, ob das Wasser

a)	ein sog. Oberflächenwasser ist, d. h. einem Teiche, See, Aufstaubchälter
(Zisterne), Flusse, einem nicht eingedeckten Brunnen (Ziehbrunnen) oder einer nicht ein-
gedeckten Quelle oder einer Talsperre entstammt.

Solche Wässer sind meistens nicht ganz klar, im Sommer mehr oder weniger warm und
aus dem Grunde weder angenehm noch appetitlich als Trinkwasser. Auch können sie aus der
Luft oder durch Abgänge aus menschlichen Wohnungen leicht Krankheitskeime aller Art
aufnehmen. Mitunter findet man in solchen offenen Wasserbehältern oder unbedeckten
Brunnen sogar tierische Kadaver aller Art.

Derartige Verunreinigungen können in erhöhtem Maße bei Talsperrenwasser,
welches durch Oberflächenwasser aus weiter Umgebung erhalten wird, auftreten. Es muß
daher bei Beurteilung gerade dieses Wassers die Beschaffenheit des Geländes im ganzen Begen-
sammelgebiet berücksichtigt werden. Als vorteilhaft wird angesehen, wenn das die Becken
speisende Oberflächenwasser in größerer Entfernung vom Einlauf in das Sammelbecken
Wiesenflächen, die vor Verunreinigungen geschützt werden, durchrieselt und die Umgehungen
dieser Wiesen an höher gelegenen Talhängen bewaldet sind. Auch auf die Beschaffenheit
des Bodens der Sammelbecken ist zu achten; er darf nicht moorig oder sumpfig, sondern
muß tunlichst frei von organischen Stoffen sein. Die Stauhöhe über der Talsohle soll
tunlichst nicht unter 10—12 m sinken,

b)	ein Gr und wasser ist, d. h. ein auf einer undurchlassenden Bodenschicht (Ton
oder festem Gestein) sich ansammelndes, alle Bodenräume ausfüllendes, versickertes Hegen- oder
Oberflächenwasser, welches bei sackartiger Ausdehnung der undurchlassenden Schicht ent-
weder ruht, d. h. stillsteht oder bei mehr oder weniger horizontaler oder geneigter Lage
der undurchlassenden Schicht sich langsam im Boden fortbewegt. Dieses Wasser pflegt ent-
weder durch gedeckte Kesselbrunnen (Schachtbrunnen) oder Röhrenbrunnen (Abessinier-
brunnen) gehoben zu werden. Die sog. Ziehbrunnen gehören auch zu den Schachtbrunnen;
        <pb n="820" />
        ﻿798

Trinkwasser.

sie sind nur weniger tief und sehr häufig Verunreinigungen von außen ausgesetzt, daher,
wie oben angegeben, zu den Oberflächen wässern zu rechnen. Bei artesischen Brunnen ist
diese Möglichkeit ausgeschlossen.

Bei Grundwasser in genügender Tiefe und einem reinen Boden ist eine Ver-
unreinigung nicht zu befürchten, wenn die Brunnen den weiter unten gestellten hygienischen
Anforderungen entsprechen, d. h. wenn sie so eingerichtet sind, daß weder von oben noch
von den Seiten offene, unfiltrierte Tagewässer irgendwelcher Art zufließen können.

Aus dem Grunde sind zu beachten:

a) die Tiefe des Brunnens, d. h. die Tiefe der Wasserschicht unter der Erd-
oberfläche, aus welcher das Wasser geschöpft wird, ferner der gewöhnliche Stand des
Grundwassers, seine Schwankungen und seine Stromrichtung;

ß) die Beschaffenheit des Bodens, und zwar sowohl der unteren Bodenschichten,
in welchen der Wasserspiegel des Brunnens sich befindet, als auch der Bodenschichten
oberhalb des Wasserspiegels, durch welche unter Umständen das Regen- und Tagewasser
zum Brunnen filtriert; ob das Gelände aus Acker, Wiesen oder Wald besteht;

y) die Art der Wandung des Brunnens, also ob Röhrenbrunnen oder Kessel-
brunnen vorliegen, und bei letzteren, ob die Wandung aus Bruch- oder Backsteinen, mit
Kalk- oder Zementmörtel gemauert ist, ob der Wasserbehälter aus Steinmauerung besteht
oder mit Holz, und mit welchem Holz gefaßt ist;

&lt;S) die Lage und Bedeckung des Brunnens, ob die Bedeckung bezw. die
Wölbung des Brunnens sicher wasserdicht ist, so daß von oben kein Wasser eiudringen
kann ; ob dieselbe höher, wie notwendig, oder tiefer liegt als die umliegende Bodenoberfläche,
ob der Brunnen an einem Abhange oder in einer Vertiefung liegt;

e) die Umgebung des Brunnens, ob und in welcher Entfernung vom Brunnen
sich Aborte, Jauchebehälter, Düngergruben oder Stallungen; ob und in welcher Entfernung
sich Rinnsale, Abzugsgräben oder Bäche, die Schmutzwasser aus einem Hause oder aus be-
wohnten Ortschaften oder von Fabriken bezw. industriellen Anlagen und von welchen mit
sich führen, befinden.

Hierbei kann aber nicht genug betont werden, daß man bezüglich der Beurteilung
über die etwaigen Beziehungen einer Brunnenverunreinigung zu den unreinen Abläufen
sehr vorsichtig sein muß. Wenn sich z. B. ein Brunnen durch Abort- oder Jauohestoffe ver-
unreinigt zeigt, so darf mau nicht ohne weiteres die nächstgolegene Abort- oder Jauchegrube
hierfür verantwortlich machen, es sei denn, daß sich der Zufluß des Inhaltes derselben in
den Brunnen direkt verfolgen oder sehen läßt. Wenn das nicht der Fall ist, so ist zu be-
rücksichtigen, daß auch entfernt liegende Abort- oder Jauchegruben an der Verunreinigung
beteiligt sein oder diese allein verursachen können, nämlich dann, wenn auf oder in die
wasserführende Schicht für den betreffenden Brunnen auch der Inhalt dieser Abort-
oder Jauchegruben gelangt oder die nächstgelegenen Gruben dieser Art völlig wasserdicht
sind und nichts in den Boden gelangen lassen. Über den zu liefernden Nachweis vergl.
weiter unten.

c)	Quell wasser; dasselbe unterscheidet sich nur dadurch vom Grundwasser, daß es
sich im Boden auf undurchlassenden Schichten fortgesetzt mehr oder weniger rasch fort-
bewegt und an einer niedriger gelegenen Stelle offen zutage tritt. Für die Zusammen-
setzung und Beschaffenheit eines Quellwassers kommen daher dieselben Umstände in Be-
tracht wie für das Grundwasser; die Zusammensetzung wie Beschaffenheit des Quellwassers
sind ganz von den Boden- bezw. Gebirgsschichten abhängig, welche es durchfließt. Viel-
fach wird das Quellwasser für besonders rein gehalten. Dieses trifft aber nur bedingungs-
weise zu. Wenn die Bodenschichten, die es durchrieselt, genügend dicht, tief und frei von
Verunreinigungen sind, so kann ein Quellwasser sehr rein und stets gleichmäßig kühl sein,
wenn es gleichzeitig in den Boden- bezw. Gebirgsschichten einen genügend langen Weg
zurückgelegt hat. Wenn das Regenwasser aber in offenen Spalten und Rissen versickert, so
kann es auch recht häufig verunreinigt sein, und zwar um so mehr, je mehr die oberen Boden-
schichten Verunreinigungen ausgesetzt sind. Solche Quellwässer zeigen dann häufig, be-
sonders nach starken Regengüssen, sogar eine trübe Beschaffenheit sowie eine schwankende
        <pb n="821" />
        ﻿Örtliche Untersuchung.

799

Temperatur und bedürfen behufs Verwendung als Trinkwasser gerade so gut einer vor-
herigen Reinigung wie Oberflächenwasser.

Im allgemeinen gibt man für Wasserversorgungen einem gut filtrierten Grundwasser
den Vorzug.

d)	Filtriertes Wasser; trübes oder zeitweise verunreinigtes Teich-, See-oder Fluß-
wasser wird allgemein der Filtration durch Sandschichten, Sandsteine usw. unterworfen;
eisenhaltige Grundwässer werden erst gelüftet und daun filtriert. Hierbei ist sowohl die
Filtermasse, wie die Art der Filtration zu ermitteln, und ferner, ob die zur Filtration ge-
langenden Wässer fortgesetzt oder nur zeitweise verunreinigende Zuflüsse aus bewohnten
Ortschaften oder von Fabriken bezw. industriellen Anlagen erhalten und von welchen.

Für größere Wasserversorgungsanlagen ist eine gemeinsame Reinigung durch
Sandfilter am zweckmäßigsten. Die sog. Hausfilter sind nur ein Notbehelf; da bei
allen früher oder später ein Durchwachsen von Keimen eintritt, so bedürfen sie einer sehr
häufigen Reinigung. Bei Leitungswasser ist auch die Art der Masse der Leitungs-
röhren zu berücksichtigen, ob dieselben aus Eisen, Kupfer, Blei oder Zinn mit Bleimantel
bestehen.

2. Untersuchung des Wassers an Ort und Stelle. Nachdem man die unter b
erwähnten inneren und äußeren Verhältnisse des Brunnens festgestellt hat, bestimmt man:

a)	Die Tiefe des Brunnens bezw. des Grund Wassers, so-
fern diese nicht schon bekannt ist; zu dem Zweck muß der
Brunnen entweder aufgedeckt oder ein neues Bohrloch angelegt
werden.

Die Tiefe kann dann zweckmäßig, wenn das Wasser nicht
sehr flach steht und mit einer Meßstange erreicht werden kann,
mit dem nebenstehenden v. Pettenkofersohen Schalenapparat
(Pig. 299) gemessen werden. Derselbe besteht aus mehreren kleinen
Schälchen, die in einer Entfernung von 0,5 cm an einem Stabe an-
gebracht sind; letzterer hängt an einem Meßbande; das oberste
Schälchen bildet den Nullpunkt des Meßbandes. Bei der Messung
wird der Apparat in den Brunnen gelassen, bis er ins Wasser ein-
taucht, dann das Meßband an der Bodenoberfläche — bezw. einem
festen Punkt für längere Zeit fortgesetzte Messungen — abgelesen.

Darauf wird der Meßapparat herausgezogen und uachgesehen, wieviel
Schälchen nicht in das Wasser eingetaucht haben; diese Zahl muß
mit 0,5 multipliziert und das Produkt zu der abgelesenen Band-
strecke hinzugezählt werden, um die genaue Tiefe des Wasserspiegels
unter der Bodenoberfläche bezw. dem festen Punkt zu erhalten.

b)	Die Beschaffenheit des Bodens. Die Beschaffenheit der Bodenschichten bis
zur Wasserschicht des Brunnens, sowie der Bodenschicht, in welcher das Brunnenwasser
sich sammelt, ist schwieriger zu ermitteln als die Tiefe des Brunnens, weil ein ein-
faches Aufdecken des Brunnens keinen Aufschluß gibt. Für geringere Tiefen bis zu 3 m
kann man sich des S. 5 abgebildeten Tellerbohrers bedienen, für größere Tiefen sind kräftigere
Bohrvorrichtungen erforderlich; in anderen Fällen können neue Brunnenanlagen oder
sonstige Bohrungen in der Nähe des fraglichen Brunnens Aufschluß geben. Die Bohrungen
selbst werden in unmittelbarer Nähe des Brunnens tunlichst an zwei Seiten vorgenommen.

An diese Ermittelungen schließen sich dann die über die Art der Brunnenwandung,
Bedeckung usw. nach 1b.

c)	Prüfung des Wassers auf Geschmack, Geruch und Aussehen, ob hell und
klar usw.

Der Geruch des Wassers tritt durchweg am deutlichsten beim schwachen Erwärmen
desselben auf, der Geschmack dagegen wird zweckmäßig bei etwa 15° ermittelt.

Zur Beurteilung des Aussehens, ob hell und klar, getrübt oder gefärbt, bedient
man sich am besten etwa 70 cm langer und 20 mm weiter Zylinder von farblosem Glase,
in welchen sich auch die Schwebestoffe niedersolllagen und leicht beurteilt werden können.
Die mit Wasser gefüllten Zylinder stellt man auf weißes Papier und beurteilt das

Flg. 289.

Schalenapparat zur
Messung des Grund-
wasserstandes nach
v. Pettenkofer.
        <pb n="822" />
        ﻿800

Trinkwasser.

Aussehen, indem man sowohl von oben in die Zylinder, als auch seitwärts durch die-
selben sieht.

d)	Ermittelung der Temperatur und der Reaktion des Wassers.

Wenn das Wasser einigermaßen zugänglich ist, so senkt man ein in Zehntelgrade
eingeteiltes Thermometer in das Wasser, läßt es geraume Zeit darin und beobachtet den
Stand desselben direkt so oft und so lange, bis keine Änderung mehr eingetreten ist.

Bei tieferem Quell- und Grundwasser senkt man eine große Eiasche mit dem darin
befindlichen Thermometer in das Wasser, läßt sie, nachdem sie sich gefüllt hat, noch
20—30 Minuten darin verweilen und liest die Temperatur unmittelbar nach dem Empor-
ziehen ab.

Bei einem nicht zugänglichen Brunnen oder wenn das Wasser aus einer Leitung
ausströmt, verfährt man in der Weise, daß man das Wasser mittels eines großen Trichters
oder weiten Rohres bis auf den Boden eines großen Gefäßes (Eimer oder Kübel) leitet,
in dieses das Thermometer taucht und das Wasser so lange durch- und überfließen läßt, bis
die Temperatur gleichbleibend geworden ist.

Mit dieser Ermittelung kann gleichzeitig die der Reaktion des Wassers verbunden
werden, wozu man sich des empfindlichen roten sowohl wie blauen Lackmuspapiers, welches
man in einem dicht schließenden Gefäß aufbewahrt hat, bedient. Um die geringen Ver-
änderungen besser unterscheiden zu können, befeuchtet man Streifen desselben Lackmus-
oder Kurkumapapiers mit destilliertem kohlensäurefreiem Wasser und vergleicht die
Färbungen. Stark koblensäurehaltiges Wasser zeigt häufig eine schwach saure Reaktion,
während längere Zeit gestandenes oder gekochtes Wasser alkalisch reagiert.

e)	Probenahme des Wassers. Das erste Erfordernis für die Probenahme des
Wassers ist die vollständige Reinheit der Gefäße, sowohl derjenigen, welche zum Schöpfen,
als auch derjenigen, welche zum Versenden bezw. Aufbewahren dienen. Für letzteren
Zweck empfehlen sich Flaschen von weißem Glase mit Glasstöpselverschluß.

k)	Für Zwecke der chemischen Untersuchung werden die Flaschen vorher mit
Salzsäure, darauf mit heißem Wasser gereinigt, zuletzt mit kaltem, destilliertem und weiter
mit dem zu entnehmenden Wasser nachgespült. Statt der Glasstöpsel kann man sich auch
der Korkpfropfen bedienen, jedoch dürfen diese noch nicht gebraucht, sondern müssen
neu sein und dazu wiederholt mit dem zu entnehmenden Wasser gewaschen werden.

Bei einem offenen, zugänglichen Wasser hält man die Flasche einfach einige
Zentimeter unter der Oberfläche, und zwar so, daß weder die etwaige staubige oberste
Schicht des Wassers in die Flasche treten kann, noch Schlamm aus den untersten Schichten
aufgerührt wird. Wenn man das Wasser nicht mit dem Arm erreichen kann, befestigt
man je nach der Entfernung die Flasche an einer Stange unter Beschwerung mit einem
Gewicht und senkt sie auf diese Weise vorsichtig unter das Wasser.

Bei	Flüssen sind	die	Proben nicht nur an	verschiedenen Stellen	der Oberfläche

(an beiden	Seiten und in	der	Mitte), sondern auch	tunlichst aus verschiedener Tiefe zu

entnehmen, weil sich beispielsweise spezifisch schwere Zuflußwässer, z. B. salzreiche Ab-
wässer, nur schwierig und erst allmählich gleichmäßig mit dem Flußwasser vermischen.
Auch soll die Probenahme längere Zeit hindurch durch Schöpfung von Einzelproben fort-
gesetzt werden, wenn es sich um ein in seiner Zusammensetzung schwankendes Flußwasser
handelt. Hierbei müssen dann auch Proben von den verunreinigenden Zuflüssen selbst,
sowie aus dem Fluß oberhalb dieser Zuflüsse entnommen werden. Die zweckmäßigste
Art der Probenahme richtet sich indes ganz nach der Lage des Einzelfalles.

Handelt es sich um	ein	Brunnenwasser, so	wird die Pumpe erst	einige Minuten

in Betrieb	gesetzt und so	lange gepumpt, bis sicher	alles Wasser aus den	Leitungsröhren

entfernt ist; dann wird die Flasche untergehalten, erst wie oben einige Male mit dem
Wasser nachgespült und dann gefüllt.

Bei einem Leitungswasser öffnet man den Hahn, läßt erst einige Minuten das
in der Rohrleitung stehende Wasser ausfließen und verfährt dann wie vorhin. Als aus-
reichend darf die Zeit des Ausfließens angesehen werden, wenn ein vorgehaltenes Thermo-
meter seinen Stand nicht mehr ändert.
        <pb n="823" />
        ﻿Probenahme.

801

Soll das Wasser aus größeren Tiefen entnommen werden, so kann man sich eines
ähnlichen Schöpfgefäßes bedienen, wie es unter „Untersuchung von Schmutzwasser“ ab-
gebildet ist.

Zweckmäßiger sind noch Schöpfvorriohtungen der nachstehenden Art.

Eine Glasflasche mit künstlich durch eine Messingplatte beschwertem Glasstöpsel be-
findet sich in einem Messiuggestell, das auf dem Boden entweder mit einer Bleiplatte oder
durch ein unten in der Mitte herunterhängendes Gewicht so beschwert ist, daß die Flasche
von selbst untersinkt. Nachdem man die Flasche bei geschlossenem Glasstöpsel auf die
gewünschte Tiefe in das Wasser gesenkt hat, öffnet man die Flasche durch Ziehen an de
mittleren Schnur, läßt die Schnur, wenu die Flasche gefüllt ist,
wieder sinken und zieht die geschlossene Flasche heraus.

Ähnliche SchöpfvorrichtungBn für Wasser aus größeren
Tiefen haben R. Fresenius,1) v. Esmarch,'2) W. Ohlmüller,3)

A. Bujard4) u. a. angegeben; B. Fischer3) benutzt Metall-
zylinder, in deren Boden und Deckel sich gut schließende Ventile
befinden, die sich beim Herabsinken in Wasser von selbst öffnen,
beim Heraufziehen dagegen von selbst schließen.

Der Inhalt der Geiäße wird nach der ersten Füllung aus-
gegossen und erst der Inhalt der 2. Füllung für die Untersuchung
verwendet.

Für die Zwecke der vollständigen chemischen
Untersuchung eines Wassers sind 10 1, für die einer
beschränkten mindestens 2—31 erforderlich.

ß) Die Probenahme für die mikroskopische und
biologische Wasseruntersuchung. Bakteriologische Trink-
wasseruntersuchungen werden in der Praxis meist an Kessel-
brunnen, Sammelbrunnen und Zapfhähnen der Wasserleitungen,
seltener aber an Rohrbrunnen, Bohrlöchern und offenen Gewässern
auszuführen sein. Soll an Bohrlöchern mit völliger Sicherheit die
Keimfreiheit des erbohrten Wassers festgestellt werden, so ist
große Vorsicht nötig. Das gewöhnlich empfohlene längere Aus-
pumpen genügt nicht, um die im Bohr enthaltenen, von der Erd-
oberfläche stammenden Keime zu beseitigen. Es muß zunächst
das Kohr desinfiziert werden, was am besten mittels gespannten
Wasserdampfes geschieht; um eine Probe mittels besonderer
Apparate in der Tiefe zu entnehmen, sind die Apparate vorher
ebenfalls zu sterilisieren. Diese Apparate beruhen alle auf
dem Grundsatz, daß eine sterilisierte Flasche in der ge-
wünschten Tiefe geöffnet und nach Füllung geschlossen wird,
oder daß an einem sterilen, luftleeren, in eine feine Spitze aus-
gezogenen Glase diese in der Tiefe durch ein Gewicht oder durch Zug abgebrochen wird. Be-
schreibungen solcher Apparate befinden sich u. a. Centralbl. f. Bakteriologie I, Or,, 1902, 82, 469,
845; 1901, 29, 994; Zeitschr, f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 561; ferner
Sclavo in Th. Weyls Handbuch der Hygiene 1896,1, 670 sowie G. Walter und A. Gärtner,
Handbuch d. Untersuchung usw. d. Wassers 1896, 669. Hat man solche Apparate nicht zur
Verfügung und muß man das Wasser mittels der Handpumpe heben, so ist diese vorher
ebenfalls nach Möglichkeit zu sterilisieren. In solchem Fall kann zum Sterilisieren des
Bohrrohres und der Pumpe auch mit Vorteil Chlorkalk benutzt werden, verbunden mit
vorheriger gründlicher mechanischer Reinigung aller Teile durch Bürsten. Auch bei

4) B. Fresenius, Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse, 6. Aufl., 189.

2)	Vergl. Th. Weyl, Handbuch d. Hygiene 1, 572 und 673.

3)	W. Ohlmüller, Die Untersuchung des Wassers. Berlin 1896, 7.

4)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u, Genußmittel 1904, 7, 221.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

Flg. 300.

Schöpfgefäß für Wasser aus
größeren Tiefen.

51
        <pb n="824" />
        ﻿802

Trinkwasser.

großer Vorsicht darf ein geringer Keimgehalt der so erlangten Wasserproben nicht zu
streng beurteilt werden.

Mittels der Apparate für Probeentnahmen aus der Tiefe sind auch bei etwaigen Unter-
suchungen der tieferen Schichten offener Gewässer oder von Sammelbrunnen die Proben zu
entnehmen. Für die Probenahme aus den oberen Schichten solcher Wässer gut geeignet
sind sterilisierte, mit Kautschukstopfen und Gummikappe verschlossene Keagensgläser.

Betreffs der Zahl der zu entnehmenden Proben machte. Mez1) folgende Vorschläge;

Bei Brunnen und Zapfhähnen wird zunächst der erste Hub bezw. das zuerst ab-
laufende Wasser in sterilisierten Gefäßen aufgefangen. Diese ersten, längere Zeit in der
Brunnenröhre oder in der Leitung gestandenen Wassermengen sind für die Artenfest-
stellung von Bedeutung, da in ihnen eine stärkere Vermehrung der Bakterien statt-
gefunden hat und manche sonst leicht zu übersehende Art deutlicher hervortritt. Zum
Auffangen des Wassers benutzt man sterilisierte, mit Wattestopfen verschlossene 500-ccm-
Kolben oder sterilisierte Glasflaschen von 200—260 ccm Inhalt mit eingeschliffenem Stopfen,
die durch eine übergebundene Schicht sterilisierter Watte und eine Papierkappe keimdioht
abgeschlossen sind. In diesen Flaschen kann die Wasserprobe, nachdem der Watteverschluß
wieder angebracht ist, auch versandt werden, während aus den Kolben kleinere Proben
in geeignete Versandgefäße flbergefüllt werden müssen.

Nach dieser ersten Probenahme läßt man einige Zeit das Wasser abpumpen oder aus-
laufen und entnimmt nun eine zweite Probe für die Bestimmung der Bakterien zahl.

Bei Kesselbrunuen kann man ferner, um die Beschaffenheit des Wassers im Kessel
kennen zu lernen, nach etwa ^-ständigem Pumpen eine dritte Probe entnehmen.

Während dieser Zeit werden etwa 16—20 1 Wasser in Flaschen aufgefangen und
■durch gutes Filtrierpapier an einem staubfreien Ort filtriert. Sodann wird das Filter
durchgestoßen und der auf ihm verbliebene Rückstand mit einer kleinen Taschenspritze in
•etwa 200 g fassende sterilisierte Pulvergläser mit weiter Öffnung und Glasstopfen hinein-
gespritzt. Diese Probe dient für die mikroskopische Untersuchung. Kolkwitz* 2)
empfiehlt an Stelle des Filtrierpapiers ein feines Netz (Planktonnetz).

Nach der Probenahme ist, wenn möglich, der Kessel des Brunnes nach vorsichtiger
Entfernung der Bedeckung zu befahren und auf seitliche Zuflüsse und die etwaige Vegetation
der Wände zu achten. Weiße und sehwarzgrüne schleimige Streifen, die vielleicht aus
Zooglöen von Pilzen oder blaugrünen Algen bestehen (Indikatoren für Verunreinigung bei
Abschluß oder geringem Zutritt von Luft), grüne Algenbeläge. Tierreste, Staub usw., die
auf eine Verbindung des Kessels mit der Außenwelt schließen lassen, sind zu beachten
und Proben davon zu entnehmen. Die Pilz- und Algenbeläge entfernt man mit einem
scharfen Bleohlöffel und bringt sie in kleinen Gläsern unter. Etwaige Schlammablagerungen
am Boden des Brunnens entnimmt man mit einem Schöpfer. Auch die sich dort immer
zuerst entwickelnden Eisenbakterien kann man auf diese Weise gut fassen. Ein besonders
geeigneter Schöpfer für solche Zwecke wird von E. Thum, Leipzig, Johannisallee 3, im
Preise von 5—8 Mk. hergestellt.

Bezüglich der Probenahme in den Fällen, in denen es sich um den Nachweis von
Krankheitserregern handelt, kann hier nur auf die Vorschriften in den bakteriologischen
Handbüchern verwiesen werden, da solche Untersuchungen nur von geübten Bakteriologen
ausgeführt werden können.

Die entnommenen Wasserproben werden am zuverlässigsten gleich an Ort
und Stelle für die bakteriologische Untersuchung weiter verarbeitet, und
zwar zu Rollröhrchen- oder Sohalenkulturen (vergl. weiter unten).

Die Rollröhrchen wie Schalen werden zunächst genügend mit Papier, dann mit
Watte umhüllt, aufeinandergelegt, dann mehrmals mit Papier und Watte umgeben, um sie
genügend gegen Kälte wie Wärme zu schützen, und im Laboratorium weiter untersucht.

Müssen dagegen die Wasserproben verschickt werden, so schmilzt man die Apparate
(Kapillaren) an den Röhrchen schnell zu, versieht sie mit Etiketten und verpackt sie nach

J) C. Mez, Die mikroskopische Wasseranalyse. Berlin 1898.

2) Mitteilung d. Kgl. Prüfungsanstalt f. Wasserversorgung, Heft II, 23.
        <pb n="825" />
        ﻿Untersuchungen an Ort und Stelle.

803

Umhüllung mit Papier zwischen Watte in einem wasserdichten Kasten (Deckelverschluß
mit Gummipackung). Diesen Kasten stellt man in einen größeren, ebenfalls wasserdichten
Kasten und umgibt ihn alsdann mit Bisstückchen, so daß die Temperatur 5° nicht über-
steigt. Wo man Eis nicht zur Verfügung hat, empfiehlt Bertarelli1) in dem Zwischen-
raum eine Lösung 1300 g Rhodankalium in 1 1 Wasser herzustellen; diese hält sich mehrere
Stunden um 5° herum. Bei höheren Temperaturen nimmt die Keimzahl schnell zu.

8. Chemische Untersuchungen an Ort und Stelle. Eine örtliche chemische
Untersuchung empfiehlt sich unter allen Umständen für diejenigen Bestandteile eines
Wassers, welche beim Versand eine Verflüchtigung (wie freie Kohlensäure, Schwefel-
wasserstoff) oder eine Zersetzung (wie salpetrige Säure und Ammoniak) erleiden
können. Auf erstere beiden Bestandteile ist unbedingt an Ort und Stelle zu prüfen, während
für letztere beiden Bestandteile die örtliche Untersuchung nicht so unbedingt erforderlich ist.

Über die Art der Ausführung dieser Untersuchungen vergl. weiter unten, für den
Nachweis freier Kohlensäure, des Ammoniaks und der salpetrigen Säure unter „Trinkwasser“,
bezw. für den Nachweis von Schwefelwasserstoff unter „Schmutzwasser“.

4.	Direkter Nachweis von verunreinigenden Zuflüssen. Wenn es sich um Be-
antwortung der Frage handelt, ob ein Brunnen oder eine Quelle durch irgend einen be-
stimmten Zufluß aus der Umgebung verunreinigt wird, so richtet sich die Beweisführung
ganz nach der Art des vermuteten verunreinigenden Zuflusses.

Wenn das verunreinigende Wasser seitlich direkt dem Brunnen bezw. der
Quelle usw. zufließt und beobachtet werden kann, so entnimmt man Proben von dem zu-
fließenden Wasser und aus dem Behälter oder der Rinne, welche das vermutliche verun-
reinigende Wasser führen, untersucht beide, um festzustellen, ob sie gleiche Bestandteile
enthalten.

Läßt sich ein solcher offener seitlicher Zufluß nicht beobachten, enthält aber der
vermutliche verunreinigende Zufluß irgend einen seltenen kennzeichnenden Bestandteil,
z. B. Rhodanverbindungen aus Gaswasser oder größere Mengen von Chloriden oder Zink-,
Kupfersalze oder Kaliseifen usw., so kann man den Nachweis dadurch führen, daß man
das betreffende Brunnen- oder Quell- oder Plußwasser auf diese Bestandteile bezw. deren
Umsetzungserzeugnisse untersucht.

Auch Abortstoffe lassen sich zuweilen nach dem Verfahren von P. Grieß direkt
in einem Brunnenwasser nachweisen (vergl. weiter unten).

Andere kennzeichnende Verunreinigungen geben sich durch den Geruch zu erkennen,
z. B. Leuchtgasbestandteile aus undichten Röhren, Petroleum von Ausflüssen aus Petroleum-
lagern usw.

Unter Umständen erleiden die Bestandteile der verunreinigenden Zuflüsse beim
Durchfiltrieren durch den Boden eine Umsetzung, z. B. die Sulfate von Zink, Kupfer, Bisen,
die Kaliseifen mit Kalk- und Magnesiaverbindungen des Bodens, indem sich die Sulfate
oder fettsauren Salze der letzteren Basen bilden und das Wasser eine außergewöhnlich
erhöhte Menge von Calcium- und Magnesiumsulfat oder von Kaliumsulfat und Kalium-
karbonat annimmt, während die ersteren Basen vom Boden absorbiert werden. Es kann
dann indirekt der Nachweis der Verunreinigung durch die quantitative Bestimmung dieser
Bestandteile, in dem Wasser erbracht werden.

Der Ammoniak- und organische Stickstoff aus Abort- und Jauchegruben wird im
Boden zu Salpetersäure oxydiert und gibt sich im Wasser durch einen erhöhten Gehalt
au letzterer zu erkennen.

In anderen Fällen bleibt nichts anderes übrig, als die Bodenschichten zwischen dem
Brunnen und dem vermutlichen verunreinigenden Zufluß aufzugraben oder durch Bohrungen
auf die fraglichen verunreinigenden Bestandteile zu untersuchen. Verunreinigungen aus
Abortgruben z. B, geben sich durch einen hohen Gehalt des Bodens an Stickstoff und
Kohlenstoff, Leuchtgasbestandteile durch den Gehalt an Naphthalin zu erkennen.

*) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 370.

51*
        <pb n="826" />
        ﻿804

Trinkwasser.

Wiederum in anderen Fällen kann man den Zusammenhang zwischen dem verun-
reinigenden Zufluß und dem Brunnen dadurch nachweisen, daß man ersterem einen stark
färbenden, schmeckenden oder riechenden Stoff zufügt, der durch die Bestandteile des
verunreinigenden Zuflusses selbst in starker Verdünnung nicht verändert wird, und der
sich alsdann, wenn ein solcher Zusammenhang besteht, nach einiger Zeit in dem Brunnen-
oder Quellwasser ebenfalls nachweisen lassen muß.

H.	Nördlinger1) empfiehlt für den Zweck Saprol, welches sich noch in einer
Verdünnung von 1 : 1000000 durch seinen leuchtgas- und naphthalinartigen Geschmack zu
erkennen gibt und daher nach kürzerer oder längerer Zeit im Brunnenwasser durch den
Geschmack ebenfalls nachgewiesen werden kann.

J. Mayrhofer hat sich mit bestem Erfolge des Kaliumsalzes des Fluorescins, des
Uraninkalis, bedient, welches sich noch in einer Verdünnung von 1: 4 Milliarden Wasser
in der Weise nachweisen läßt, daß man 2—4 1 Wasser mit 1—2 Messerspitzen voll feinster
Tierkohle 1/4 Stunde schüttelt, die Kohle nach dem Absitzen auf einem kleinen Filter
sammelt, trocknet und mit 10 ccm Alkohol auszieht, welcher durch einige Tropfen Alkali
alkalisch gemacht ist. Mittels der konvergierenden Lichtstrahlen — eine größere Lupe
genügt schon — läßt sich der Farbstoff durch sein prächtiges Schillern leicht nachweisen.
Andere Färbungsmittel, wie Auramin, Safranin, Kongorot, Neutralfuchsiu, Pariser Violett,
Methylenblau, sind weniger empfindlich. Unter Umständen können auch gefärbte Bakterien,
wie Bacterium violaceum, B. prodigiosum und B. rubrum, gute Dienste leisten.

Ebenso wie die Verunreinigungen selbst sehr zahlreich sind, so gestaltet sich auch
der Nachweis derselben sehr mannigfaltig und verschieden. Es ist daher kaum möglich,
hierüber für jeden Fall gültige Anweisungen zu geben. Der erfahrene Sachverständige
wird aber, wenn er unter Berücksichtigung aller örtlichen Verhältnisse mit Um-
sicht und Vorsicht zu Werke geht, schon den richtigen Weg für derartige Nach-
weise finden.

Es sei ferner noch hervorgehoben, daß ein Quell-, Fluß- und Brunnen- bezw.
Grundwasser je nach den Niederschlägen nicht unerheblichen Schwankungen in der Zu-
sammensetzung unterworfen sein kann.

Um daher ein völlig zutreffendes, sicheres Urteil über die Beschaffenheit einer
Wasserversorgungs-Quelle zu erhalten, ist es notwendig, das Wasser öfters und zu ver-
schiedenen Jahreszeiten zu untersuchen.

Gesichtspunkte für die Untersuchung des Wassers.

Zur vollen Untersuchung eines Wassers gehört:

I.	die physikalische Untersuchung (Feststellung der Temperatur, des
Aussehens, des Geschmackes und Geruches, in seltenen Fällen auch des spezifischen
Gewichtes);

2.	die chemische Untersuchung (Bestimmung derjenigen chemischen Be-
standteile, welche zur Beurteilung des vorliegenden Falles erforderlich sind);

3.	die mikroskopische Untersuchung (mikroskopischer Nachweis der im
Wasser bezw. in den Schwebestoffen vorhandenen tierischen und pflanzlichen
Lebewesen);

4.	die bakteriologische Untersuchung (kultureller Nachweis der indem
WTasser vorhandenen Keime von Mikrophyten und ihrer Art).

Für die richtige Beurteilung eines Trinkwassers sind im all-
gemeinen alle 4 Untersuchungen gleich wichtig. Jedoch kann man für
besondere Fälle und Fragen Beschränkungen eintreten lassen.

l)	Pharm. Centralhalle 1894, 35, 109.
        <pb n="827" />
        ﻿Untersuchungen im Laboratorium.

805

Notwendige Bestimmungen.

1.	Von der physikalischen Unter- (
suchung:

Feststellung des Aussehens, des Geruches
und Geschmackes.

2.	Von der chemischen Untersuchung:

a)	Abdampfrückstand bei 110°,

b)	Glühverlust,

c)	Kaliumpermanganatverbrauch bezw.
Sauerstoffverbrauch,

d)	Chlor,

e)	Schwefelsäure,

f)	Ammoniak,

g)	salpetrige Säure,

h)	Salpetersäure,

i)	Eisen undManganbeiLeitungswasser, [

k)	Kalk,

l)	Magnesia,

m)	Blei bei Leitungswasser.

3.	Mikroskopische Untersuchung der
sichtbaren Schwebestoffe bezw. desBoden-
satzes auf organische Bestandteile, sowie |
auf pflanzliche und tierische Lebewesen.

4.	Feststellung der Anzahl der Mikro-
phytenkeime.

Wünschenswerte Bestimmungen.

1.	Von der physikalischen Unter-
suchung;

Feststellung der Temperatur.

2.	Von der chemischen Untersuchung:

a)	Gewichtsbestimmung der organischen
und unorganischen Schwebestoffe,
wenn solche sichtbar sind,

b)	Bestimmung der Kohlensäure in den
einzelnen Bindungsformen,

c)	Phosphorsäure und Kieselsäure,

d)	gasförmig gelöster Sauerstoff und
vielleicht Stickstoff,

e)	Schwefelwasserstoff,

fj Tonerde, Mangan, Kupfer, Zink und
Alkalien,

g)	Albuminoidammoniak,

h)	Gesamtstickstoff.

3.	Mikroskopische Bestimmung der
Arten der niederen pflanzlichen und
tierischen Lebewesen.

4.	Feststellung der ArtenderBakterien,
besonders wenn es sich um die Frage
handelt, ob das Wasser die Ursache von
ansteckenden Krankheiten ist.

Ausführung der Untersuchungen.

a)	Physikalische Untersuchung des Wassers, Hierüber vergl. vor-
stehend S. 799.

Falls eine Bestimmung des spezifischen Gewichtes des Wassers erforderlich
sein sollte, wird sie mittels des Pyknometers (S. 449) bezw. wie bei Wein (S. 758)
vorgenommen.

b)	Chemische Untersuchung des Wassers. Die chemische Untersuchung
eines Wassers richtet sieh in erster Linie nach der Fragestellung und der Art der
Nutzungszwecke eines Wassers. Letztere sind für gewerbliche Zwecke bereits bei
den einzelnen gewerblich wichtigen Stoffen angegeben.

Sämtliche Bestimmungen werden auf 1 1 berechnet und zweck-
mäßig in Milligramm angegeben.

1. Schwebestoffe. Die Bestimmung der Schwebestoffe wird für ein Trink-
wasser nur in seltenen Fällen notwendig. Falls dies der Fall ist, verfährt man
wie bei Schmutzwasser (vergl. folgenden Abschnitt).1)

*) Nach K. Kißkalt (Hygien. Eundsohau 1904, 14, 1036) wird die Menge der
Schwebestoffe im Wasser auch wohl in der Weise bestimmt, daß man das Wasser in einen
mit seitlichem Bodenabflußrohr versehenen Zylinder gibt, diesen auf die Snellensche
Schriftprobe No. 1 stellt und so lange Wasser ausfließen läßt, bis man die einzelnen Buch-
staben deutlich erkennen kann. Kißkalt selbst schlägt vor, das Wasser in einen 20 cm
langen, 7 cm weiten Zylinder aus geschwärztem Blech, der oben offen, unten mit einer
Glasplatte versehen ist, zu geben, durch den Zylinder in einem dunkeln Zimmer einen
Lichtstrahl (elektrisches oder Gasglühlicht) fallen zu lassen und die Stärke des auf das
Papier fallenden Lichtes mit Hilfe des Webersohen Photometers im Verhältnis zu der
natürlichen Lichtquelle in Meterkerzen zu bestimmen.
        <pb n="828" />
        ﻿806

Trinkwasser.

2.	Abdampfrückstand. Eine größere Menge Wasser, etwa 250 ccm. wird in
einer ausgegliihten und gewogenen Platinscbale auf dem Wasserbade zur Trockne
verdampft, der Rückstand im Dampftrockenschrank (also bei 95—98°) 1 Stunde,
darauf etwa 2 Stunden lang im Lufttrockenschrank bei 110° getrocknet, im Exsikkator
erkalten gelassen und gewogen. Das Trocknen muß so lange fortgesetzt werden,
bis 2 Wägungen übereinstimmende Ergebnisse liefern.

Anmerkung. Wird beim Trocknen des Rückstandes nur eine Temperatur von
90—95° eingehalten, so bleibt sämtliches Kristallwasser der mit solchem kristallisierenden
Mineralsalze im Rückstand und wird mitgewogen; selbst bei 110° wird nicht alles Kristall-
wasser ausgetrieben; wendet man aber noch höhere Temperaturen an, so hat man einen
größeren Verlust an organischen Stoffen, welche sich schon teils mit den Wasserdämpfen
verflüchtigen, zu befürchten. Will man die Menge des wirklichen Trockenrückstandes
annähernd ermitteln, so muß aus den quantitativen Einzelbestimmungen die Art und
Menge der Salze (wie Calcium- oder Magnesiumsulfat) und damit die Menge des Kristall-
wassers berechnet werden, welche von der Menge des Abdampfrückstandes abzuziehen ist.

Der Ahdampfrückstand sieht bei reinem Wasser weiß bis hellgrau aus, bei ver-
unreinigtem Wasser dagegen hellbraun bis dunkelbraun, im allgemeinen um
so dunkler, je unreiner das Wasser ist, d. h. je mehr organische Stoffe es enthält. Die
Mißfärhung des Abdampfrückstandes tritt bei vorhandenen größeren Mengen gelöster
organischer Stoffe besonders hervor, wenn man den Ahdampfrückstand langsam über freier
Flamme erhitzt.

3.	Glühverlust. Die den Ahdampfrückstand enthaltende gewogene Platin-
schale wird auf einem Platindreieck oder einem spiraligen Platindraht in eine größere
Platinschale gestellt, Uber welche man zur Rückstrahlung der Wärme in einiger
Höhe ein breites Platinblech ausspannt. Durch Erhitzen der äußeren Schale bis zur
mäßigen Rotglut wird der Ahdampfrückstand allmählich ausgegltiht. Der erste
Gltihrückstand wird mit kohlensäurehaltigem, destilliertem Wasser (oder auch mit
reinem Ammoniumkarbonat) befeuchtet und nochmals schwach geglüht. Die Differenz
zwischen den Wägungen des Ahdampfrückstandes und des so erhaltenen Glüh-
rückstandes bedeutet nach Abzug des Kristallwassers annähernd die Menge der im
Wasser enthaltenen organischen Stoffe, während der Glührückstand die Menge der
wasserfreien Mineralstoffe ergibt.

Sind Nitrate, Chlorcalcium oder ChlormagBesium vorhanden, so entstehen auch hei
diesem Verfahren geringe Verluste auf Kosten der Mineralstoffe. Nitrate werden durch
organische Stoffe reduziert, Chlorcalcium und Chlormagnesium setzen sich heim Eindampfen
des kohlensäurehaltigen Wassers leicht um und verlieren beim Trocknen und Glühen ihr
Chlor. Beiden Fehlerquellen kann vorgebeugt werden, wenn man dem Wasser eine
genau bestimmte Menge Natriumkarbonatlösung zusetzt und dann eindampft. Chlorcalcium
und Chlormagnesium werden dadurch in Karbonate verwandelt, während das Chlor und
bei den Nitraten die Salpetersäure an das Natrium gebunden werden.

4.	Oxydierbarkeit (organische Stoffe). Die im Ahdampfrückstand enthaltene
und durch Glühverlust bestimmte Menge der organischen Substanz ist jedoch nicht
die gesamte im Wasser vorkommende Menge derselben, vielmehr enthält dieses
meist noch flüchtige organische Stoffe. Diese, sowie weitere leicht zersetzliche
organische Stoffe und oxydationsfähige Verbindungen beeinträchtigen namentlich
den Geschmack und Geruch des Wassers, und es ist deshalb für die Beurteilung
der Güte eines Wassers von großer Wichtigkeit, einen Ausdruck für diese Stoffe
zu gewinnen.

Zu ihrer vergleichenden Bestimmung benutzt man die Eigenschaft derselben,
reduzierend auf stark sauerstoffhaltige, leicht umsetzbare Salze, so namentlich auf
Kaliumpermanganat zu wirken; Kuhei und Schulze haben darauf Verfahren
        <pb n="829" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

807

gegründet, die immer noch die brauchbarsten für diesen Zweck geblieben sind.
Kübel läßt die Kaliumpermanganatlösung in saurer, Schulze dagegen in alka-
lischer Lösung einwirken. Das Verfahren von Kübel ist einfacher und gibt über-
einstimmendere Zahlen,1) dagegen ist beim Schulzeschen Verfahren die Mineralisierung
der organischen Stoffe eine vollständigere.

Trübe Wässer müssen, wenn sie sich nicht rasch klären, vor der Titration durch
ein vorher ausgeglühtes Asbestfilter filtriert werden; an organischen Stoffen reiche
Wässer müssen so verdünnt werden, daß der Verbrauch an Kaliumpermanganat für 100 ccm
Wasser nicht 10—20 com der 1/10(l Normal-Lösung übersteigt. Hierbei ist stets mit einer
Wassermenge von 100 ccm zu arbeiten und die Oxydierbarkeit des zur Verdünnung ver-
wendeten Wassers abzuziehen.

a)	In saurer Lösung, Nach Kübel werden 100 ccm des zu untersuchenden
Wassers, welche am besten in Meükölbchen abgemessen werden, mit 5 ccm verdünnter
Schwefelsäure (1 : 3) und mit 10 ccm oder so viel 1/100 Normal-Kaliumpermanganat-
lösung (vergl. unter Lösungen No. 22 am Schluß) versetzt, daß das Wasser auch
nach dem Kochen noch stark rot gefärbt ist. Dieses wird sodann erhitzt und, vom
Beginn des Kochens an gerechnet, noch genau 5 Minuten lang gekocht. Darauf
gibt man 10 com bezw. eine gleiche Anzahl Kubikzentimeter einer 1/100 Normal-
Oxalsäurelösung (vergl. unter Lösungen am Schluß No. 22) zu, läßt einige Minuten
stehen, bis sich die ausgeschiedenen Flocken von Manganoxyduloxyd gelöst haben,
und titriert so lange mit 1/100 Normal-Kaliumpermanganatlösung, bis eine schwache
Rötung auftritt. Die Gesamtzahl der verbrauchten Kubikzentimeter 1j10a Normal-
Kaliumpermanganat weniger 10 ccm — oder wenn 10 ccm 1/100 Normal-Kalium-
permanganat nicht genau 10 ccm 1/100 Normal-Oxalsäure entsprechen — weniger der
Anzahl Kubikzentimeter 1/100 Normal-Kaliumpermanganat, welche 10 ccm 1/100 Normal-
Oxalsäure entsprechen, ist die Zahl der für 100 ccm “Wasser verbrauchten Kubik-
zentimeter Kaliumpermanganatlösung.

b)	In alkalischer Lösung. Bei dem Verfahren von Schulze werden
100 ccm Wasser mit 1/2 ccm Natronlauge (1 Teil reinstes Natriumhydroxyd in
2 Teilen Wasser), sodann mit 10 ccm oder so viel 1/100 Normal-Kaliumpermanganat-
lösung versetzt, daß das Wasser auch beim Kochen noch rot gefärbt ist. Das Kochen
erfolgt in derselben Weise wie vorhin, aber 10 Minuten lang. Die gekochte Flüssig-
keit läßt man auf 50—60° erkalten, fügt 5 ccm verdünnte Schwefelsäure (1 : 3)
und 10 ccm bezw. eine gleiche Anzahl Kubikzentimeter 1/100 Normal-Oxalsäure zu
und titriert ebenfalls mit derselben Kaliumpermanganatlösung, bis wieder Eosafärhung
eintritt.

Die Differenz aus der Gesamtzahl der Kubikzentimeter Kaliumpermanganat
weniger der Anzahl Kubikzentimeter Kaliumpermanganat, welche 10 ccm 1/100 Normal-
Oxalsäure entsprechen, gibt wieder die für 100 ccm Wasser erforderliche Menge der
1/ioo Normal-Kaliumpermanganatlösung an.

Die nach einem dieser beiden Verfahren gefundene, der im Wasser vorhandenen
Menge organischer Stoffe entsprechende Anzahl Kubikzentimeter Kaliumpermanganat-
lösung kann man auf verschiedene Weise zum Ausdruck bringen. Angenommen, es
entsprechen 10 ccm Kaliumpermanganatlösung genau 10 ccm Oxalsäure* 2) und es sind

J) Bei stark kochsalzhaltigen Wässern liefert das Kubelsche Verfahren infolge der
Chlorentwickelung unrichtige, d. h. zu hohe Ergebnisse.

2)	Dieses trifft nur selten, höchstens für den Anfang der Bereitung der Lösungen
zu, da sich besonders die Oxalsäure-Lösung schnell zersetzt. Differenzen zwischen beiden
Titrierflüssigkeiten von 0,1—0,2 ccm können unberücksichtigt bleiben; sind dieselben
aber größer, so muß eine Umrechnung stattflnden (vergl. Lösung No. 22 am Schluß unter
Darstellung von Lösungen).
        <pb n="830" />
        ﻿808

Trinkwasaer.

von ersterer 10 ccm durch ursprünglichen Zusatz und 5 ccm durch nachheriges
Zurücktitrieren verbraucht, so erfordern die in 100 ccm Wasser vorhandenen
organischen Stoffe zur Oxydation 5 ccm Kaliumpermanganatlösung oder 1 1:

0,316 X 5,0 X 10 = 15,8 mg Kaliumpermanganat
oder 0,08 X 5,0 x 10 = 4,0 „ Sauerstoff,
oder wenn man mit Wood und Kübel als Norm annimmt, daß 1 Gewichtsteil
Kaliumpermanganat im allgemeinen 5 Gewichtsteilen organischer Substanz entspricht,
so enthält 1 1 Wasser: 1,58x 5,0x 10 = 79,0 mg organische Stoffe.

«) Es ist viel darüber gestritten, welche Ausdrucksweise die richtigere ist; wenn man
bedenkt, daß es sich hier um relative Werte handelt, so erscheint es gleichgültig, ob man
sagt, es sind zur Oxydation der organischen Substanz so und so viel Milligramm Kalium-
permanganat oder Sauerstoff erforderlich, oder ob man sagt, ein Liter Wasser enthält, auf diese
Maßeinheit zurüokgeführt, so und so viel organische Stoffe oder erfordert zur Oxydation der
organischen Stoffe so und so viel 1/100 Kaliumpermanganatlösung. Über die wahre Natur dieser
Stoffe erhalten wir weder durch die eine noch die andere Ausdrucksweise Aufschluß; sie
soll und kann uns nur einen Anhaltspunkt dafür geben, ob ein Wasser viel oder wenig
leicht oxydierbare organische Stoffe enthält, und dafür ist jede Ausdrucksweise zulässig,
wenn man einigermaßen siohergestellt hat, wie viel ein reines gutes Wasser von obiger
Kaliumpermanganatlösung gebraucht. Man wird aber finden, daß für ein reines Wasser zur
Oxydation der organischen Stoffe selten über 4 ccm obiger Kaliumpermanganatlösung er-
forderlich sind; alles, was darüber ist, ist vom Bösen, zumal wenn auch die anderen Be-
standteile des Wassers sich gleichzeitig abnorm verhalten.

ß) Wenn man die Summe der Mineralstoffe und die auf vorstehende Weise berechneten
organischen Stoffe addiert und mit dem Abdampfrtickstand vergleicht, so ist die Summe
mitunter erheblich größer als der Abdampfrückstand, Das kann nicht befremden, wenn
man bedenkt, daß das Wasser stets mehr oder weniger organische Stoffe enthält, welche
sich beim Eindampfen mit den Wasserdämpfen verflüchtigen. Hiervon liefert das destillierte
Wasser einen Beweis, welches fast stets eine gewisse Menge durch Kaliumpermanganat
oxydierbarer Stoffe enthält.

y) Sind in dem Wasser noch andere Kaliumpermanganat reduzierende Stoffe (Nitrite,
Eisenoxydulverbindungen, Schwefelwasserstoff usw.) vorhanden, dann wird deren Menge
entweder in besonderen Proben bestimmt und in Rechnung gebracht, oder die in Ver-
wendung genommene Wassermenge (100 ccm) wird mit 3 Tropfen verdünnter Schwefelsäure
(1: 3) und mit der titrierten Kaliumpermanganatlösung bei gewöhnlicher Temperatur bis zur
bleibenden Rötung behandelt. Die so verbrauchte Anzahl Kubikzentimeter des Oxydations-
mittels wird von der Gesamtmenge Kaliumpermanganatlösung in Abrechnung gebracht.

d) Unerläßlich ist es, stets nur eigens mit Schwefelsäure und Kaliumpermanganat-
lösung gereinigte Glasgefäße zu diesen Bestimmungen zu verwenden.

5.	Ammoniak. Dasselbe wird gewöhnlich ebenfalls nur qualitativ nachgewiesen
und genügt eine Schätzung nach der bei folgender Reaktion eintretenden Färbung.

Etwa 100 ccm Wasser werden mit etwa 1/2 ccm Natriumhydratlösung (1 : 2)
und 1 ccm Natriumkarbonatlösung (2,7 : 5) — sowie bei schwefelwasserstoffhaltigen
Wässern mit einigen, d. h. genügenden Tropfen 10 °/0-iger Zinkacetatlösung — versetzt,
der Niederschlag absitzen gelassen und die überstehende Flüssigkeit mit Neßlerschem
Reagens — alkalischer Quecksilberjodidlösung — versetzt. Je nachdem eine schwach
gelbe oder eine rotbraune Färbung oder gar ein rotbrauner Niederschlag entsteht,
enthält das Wasser wenig oder viel Ammoniak. Über die Bereitung des Neßlersehen
Reagenzes vergl. unter Lösungen No. 25 am Schluß.

Hat sich so qualitativ Ammoniak in einem Wasser nachweisen lassen, so
empfiehlt sich bei nicht zu großen Mengen eine quantitative kolorimetrische
Bestimmung desselben.

Da die jedesmalige Herstellung der Farbentöne aus Lösungen von bekanntem
Ammoniak-Gehalt umständlich ist, so hat Verfasser für die kolorimetrische Be-
        <pb n="831" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

809

Stimmung von Ammoniak (ebenso von salpetriger Säure und Eisenoxyd). Kolori-
meter mit fester Farbenskala herstellen lassen, indem der durch die vorgesohriebenen
Reagenzien in Lösungen von bekanntem Gehalt hervorgerufene Farbenton in 6 Ab-
stufungen von einem Maler fixiert und hiernach nachgebildet worden ist.

Die Einrichtung1) der Kolorimeter (vergl. Fig. 301) ist folgende;

Das Kolorimeter mit den 6 Farbenstreifen ist um die Achse drehbar; in den seitlich
angebrachten Schirm wird der Zylinder mit der Vergleichsflüssigkeit gestellt. Als Z3rlinder
habe ich die von Hehner gewählt, welche bei 25, 50, 75 und 100 ccm eine Marke haben
und für die kolorimetrischen Bestimmungen bereits eingeführt sind. In die Zylinder gibt
man stets 100 ccm des zu untersuchenden Wassers und die vorgesohriebenen Mengen
Reagenzien. Die Farbenstreifen haben dann mit dem Durchmesser und der Flüssigkeits-
säule des Zylinders bis 100 ccm gleiche Breite und Höhe, wodurch die Vergleichung er-
leichtert wird. Wenn der Zylinder mit der Flüssigkeit in den
Seitenschirm gesetzt ist, stellt man durch Drehen des Kolorimeters
den Farbenton der Flüssigkeit auf den am besten stimmenden
Farbenstreifen ein, indem man den Apparat in annähernd gleicher
Höhe mit dem Auge aufstellt, seitwärts2) vor denselben tritt und
die Parbentöne bei auffallendem, zerstreutem Lichte ver-
gleicht, und zwar so, daß im Zylinder keine oder tunlichst wenig
Spiegelung auftritt. Der jedem Parbenstreifen entsprechende
Gehalt für 100 ccm Flüssigkeit ist über dem Parbenstreifen auf
der Oberfläche des Kolorimeters angegeben; durch Multiplikation
der angegebenen Zahlen mit 10 erhält man den Gehalt für 1 1.

Liegt der Farbenton der Flüssigkeit zwischen zwei Farben-
streifen des Kolorimeters, so nimmt man den zwischenliegenden
mittleren Wert oder stellt durch Verdünnen mit 1/i oder x/2 usw.
reinem destillierten Wasser genauer auf einen Parbenstreifen
ein, indem man den Grad der Verdünnung bei der Berechnung
auf 1 1 berücksichtigt. Die Verdünnung um die Hälfte muß
auch erfolgen, wenn der in der Flüssigkeit hervorgerufene

Farbenton stärker ist und höher liegt, als die Farbentöne auf dem Kolorimeter reichen.3)

Die 6 Farbentöne auf dem Streifen des Kolorimeters für die Bestimmung des
Ammoniaks bedeuten folgenden Gehalt und sind in folgender Weise gewonnen:

Fig. 301.

Kolorimeter für die Be-
Stimmung des Ammoniaks.

Farbenton	Salmiaklösung4) auf je  100 ccm mit destilliertem	Gehalt an NH3 in 100 ccm	Zusatz von 1 ccm Natronlauge (1: 2) und
	Wasser verdünnt		Neßlers Reagens
1	1 ccm	0,05 mg |	
2	2 „	0,10 „ [	1,0 ccm.
3	5 „	0,26 „ )	
4	10 „	0,50 „	1,5 „
6	15 „	0,75 „	\	2,0 „
6	20 „	1,00 „ /	5	55

*) Chem.-Zeitung 1897, 21, 599.

2)	Das heißt, man stellt sich so auf, daß der Glanz der Farbenstreifen hervortritt
und dem der Flüssigkeit im Zylinder ähnlich ist.

3)	Da die Augen der einzelnen Beobachter für die Unterscheidung einzelner Farben
und Farbentöne sich verschieden verhalten, außerdem der in dem Zylinder im Wasser
hervorgerufene Farbenton in gewissem Grade von der Art und Stärke der Beleuchtung
in den Laboratoriumsräumen abhängt, so empfiehlt es sich, daß jeder Beobachter durch
einmalige Herstellung der Titerllüssigkeit und durch einmalige Hervorrufung der
Farbentöne in derselben für die oben angegebenen Mengen die Skala für sein Auge und
die räumlichen Verhältnisse nachprüft und die Gehaltszahlen nötigenfalls verbessert, um so
eine feste, bleibende Skala zu erhalten.

4)	Nach dem Vorschläge von Frankland und Armstrong (Walter-Gärtner,
        <pb n="832" />
        ﻿810

Trinkwasser.

Bei den höheren Farben tönen empfiehlt es sich, mehr als 1 ccm Neßlers
Reagens zuzusetzen, weil hierdurch die Stärke des Farbentones etwas erhöht wird.

Zur Ausführung der Bestimmung in einem Wasser werden zunächst 300 ccm
Wasser, wenn sich in demselben qualitativ mit Neßlers Reagens Ammoniak nachweisen
ließ, in einem verschließbaren Zylinder mit 2 com obiger Natriumkarbonatlösung und
1 ccm obiger Natronlauge (bezw. auch einigen Tropfen Zinkacetatlösung) versetzt,
nach Verschließen des Zylinders durchgeschüttelt und so lange beiseite gestellt, bis sich
der Niederschlag zu Boden gesetzt hat. Die Uberstehende Flüssigkeit läßt sich dann
durchweg klar in den Hehnerschen Zylinder umgießen; wird dieselbe jedoch nicht
genügend klar, sondern muß sie filtriert werden, so ist das Filtrierpapier vorher in
einem ammoniakfreien Raume durch Auswaschen von Ammoniak zu befreien und
dann erst zur Filtration in den Hehnerschen Zylinder zu verwenden. Man füllt
letzteren bis zur Marke 100 an und setzt 1 ccm Neßlers Reagens zu; tritt
gleich eine starke, ins Rötliche gehende Färbung ein, so nimmt man 2 ccm
desselben, setzt den Zylinder nach Durchmischen der Flüssigkeit in den Schirm und
vergleicht die Färbung mit denen des Kolorimeters. Würde die Färbung gleich
mit dem höchsten Farbenton No. 6 (= 1,0 mg NH3 in 100 ccm oder 10,0 mg in
1 1) übereinstiramen, so gießt man 50 ccm aus, ersetzt dieselben durch destilliertes
Wasser, mischt und vergleicht abermals. Stimmt jetzt der Farbenton auf No. 4, so
war die erstere Schätzung richtig; man nimmt dann noch 50 ccm des ursprünglichen
geklärten oder filtrierten Wassers, setzt 60 ccm destilliertes Wasser und 1 bezw.
1,5 ccm Neßlers Reagens zu und beobachtet nochmals. Auch kann man noch
25 ccm des Wassers nehmen, mit 75 ccm destilliertem Wasser verdünnen und den
durch den Farbenstreifen angezeigten Gehalt zur Berechnung auf 1 1 mit 40 multi-
plizieren, Eine noch stärkere Verdünnung anzuwenden, empfiehlt sich nicht, weil
sich die Beobachtungsfehler zu sehr vergrößern. Wenn aber ein Wasser so viel
Ammoniak enthält, daß man mehr als um das 4-fache verdünnen muß, damit der
Farbenton innerhalb der Skala des Kolorimeters liegt, dann kann das Ammoniak
auch, wie schon oben gesagt, durch Destillation von 1j2 oder 1 1 Wasser mit ge-
brannter Magnesia titrimetrisch bestimmt und die kolorimetrisohe Bestimmung
wenigstens kontrolliert werden (vergl. unter Schmutzwasser).

6.	Salpetrige Säure, a) Qualitativer Nachweis. Ein farbloses, klares
Wasser kann man direkt für den Nachweis verwenden; ein gefärbtes oder unklares
Wasser sucht man durch Hinzufügen von 3 ccm Sodalösung (1 : 3), 0,5 ccm Natron-
lauge (1 : 2) und von einigen Tropfen Alaunlösung (1 :10), bei sohwefelwasser-
stoffhaltigen Wässern unter gleichzeitigem Zusatz einiger Tropfen Zinkacetatlösung
(1 : 10), zu klären und verwendet das filtrierte Wasser.

a) Etwa 50 ccm Wasser werden mit etwa 1/2 ccm Zinkjodidstärkelösung
(vergl. unter Lösungen No. 24 am Schluß), darauf nach dem Mischen mit 5—6
Tropfen verdünnter Schwefelsäure versetzt und wieder gemischt.

Oder man löst in 50—100 ccm Wasser einige kleine Körnchen Jodkalium,
fügt etwa 1 ccm frisch bereiteter Stärkelösung und dann 1—2 ccm verdünnter
Schwefelsäure hinzu. Entsteht sogleich eine stark blaue Färbung durch Jodstärke,
so ist sehr viel, tritt die Färbung erst nach einigen Minuten und schwach auf, so

Untersuchung und Beurteilung der Wässer, 1895, 4. Aufl., 116) werden 3,147 g reines
fein gepulvertes und bei 100° getrocknetes Ammoniumchlorid in 1 1 Wasser gelöst und
von der durchgemischten Lösung, wovon 1 com = 1 mg Ammoniak (NH3) enthält, 50 ccm
zu 1 1 verdünnt. Von dieser Lösung entspricht 1 com = 0,05 mg Ammoniak (NH3).
        <pb n="833" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

811

ist sehr wenig salpetrige Säure im Wasser. Zwischenstufungen der Färbung lassen
das Mehr oder Weniger von salpetriger Säure im Wasser leicht erkennen.

Da diese Reaktion durch organische Substanz, Ferrisalze, Superoxyde (Braunstein),x)
Chromate usw. beeinflußt, ferner eine später (nach etwa ö Minuten und mehr) eintretende
Reaktion auch durch Bakterien heryorgerufen werden kann —• der Einwurf Kämmerers,
daß anstatt Schwefelsäure Essigsäure zur Ansäuerung angewendet werden müßte, hat sich
nach Versuchen von mehreren Seiten als nicht zutreffend erwiesen —, so wird für den
qualitativen Nachweis der salpetrigen Säure die vorstehende Prüfung zweckmäßig durch
das folgende, von Parnsteiner, Buttenberg und Korn2 3 * *) vorgeschlagene Verfahren,
welches eine Störung der Substanzen, die in saurer Lösung Jod aus Jodiden frei machen,
ausschließt, kontrolliert werden müssen:

Etwa 50 ccm Wasser werden in einem Erlenmeyer-Kölbchen von 100 ccm Inhalt
mit einer kleinen Messerspitze von fein geriebenem Eerrosulfat sowie etwa 1 ccm verdünnter
Schwefelsäure versetzt und nach Verschließen mit einem reinen Kork tüchtig durch-
geschüttelt, um etwa vorhandene, oxydierend wirkende Gase mit der Lösung in innige Be-
rührung zu bringen. Nach einigen Minuten setzt man in den Hals des Kölbchens einen
Kork ein, der an einem Einschnitte an seiner unteren Fläche einen mit Jodzink-Stärke-
lösung getränkten, feuchten Streifen von Filtrierpapier trägt. Letzterer darf in die
Flüssigkeit nicht eintauchen. Ist salpetrige Säure in Mengen von mehr als etwa 2 mg für
1 1 zugegen, so färbt sich das Papier entweder nach wenigen Minuten oder spätestens nach
l1/2 Stunden blau.

Diese Art der Ausführung der Reaktion gewährt einen weit höheren Grad von
Sicherheit als das erst beschriebene Verfahren; denn als Träger der oxydierenden Wirkung
können nur Gase in Frage kommen, welche auf Ferrosulfat keine oxydierende Wirkung
ausüben.

ß) Etwa 100 ccm Wasser werden in einem hohen Glaszylinder mit 1—2 ccm
verdünnter Schwefelsäure (1 : 3) und dann mit 1 ccm einer farblosen Lösung von
schwefelsaurem Metaphenylendiamin (5 g Metaphenylendiamin mit verdünnter Schwefel-
säure bis zur sauren Reaktion versetzt und auf 1 1 gefüllt) versetzt; je nachdem
wenig oder viel salpetrige Säure vorhanden ist, entsteht eine braune bis gelbbraune,
selbst rötliche Färbung eines Azofarbstoffes (Triamidoazobenzol, Bismarckbraun).

y) E. Riegler8) weist die salpetrige Säure durch Natriumnaphthionat und
/?-Naphthol nach. 2 g chemisch reines Natriumnaphthionat und 1 g /?-Naphthol
puriss. werden in 200 ccm Wasser gebracht, mit diesem kräftig durchgeschüttelt
und die Mischung filtriert. Die Lösung ist farblos und soll sich im Dunkeln ohne
Veränderung auf bewahren lassen.

Behufs Prüfung eines Wassers gibt man etwa 10 ccm Wasser in ein Probe-
röhrchen, fügt 10 Tropfen von dem Naphtholreagens zu, ferner 2 Tropfen konzen-
trierte Salzsäure und schüttelt die Mischung einige Male gut durch; läßt man als-
dann in das schief gehaltene Proberöhrchen etwa 20 Tropfen Ammoniak einfließen,
so tritt bei Gegenwart von salpetriger Säure an der Berührungsgrenze ein mehr
oder weniger rot gefärbter Ring auf; schüttelt man dann gut durch, so wird die
ganze Flüssigkeit je nach der Menge der vorhandenen salpetrigen Säure mehr oder
weniger rot oder rosa gefärbt erscheinen. Da verdünnte Lösungen des Reagenzes

J) Vergl. A. Bömer, Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1898.

1, 401,

") Farnsteiner, Buttenberg und Korn, Leitfaden f. d. chem. Untersuchung von
Abwasser. München 1902, 23.

3)	Zeitsohr. f. anal. Chemie 1896, 35, 677, und 1897, 36, 377. Zuerst hat Riegler

die Naphthionsäure allein angewendet; weil diese aber aus verschiedenen Bezugsquellen

sich verschieden verhalten hat, so hat er die obigen Reagenzien vorgezogen.
        <pb n="834" />
        ﻿812

Trinkwasser.

veilchenblau fluoreszieren, so muß die Farbenerscheinung im (lurchfallenden Licht
betrachtet werden.

Die Reaktion beruht darauf, daß die Naphthionsäure durch die salpetrige Säure in
Diazonaphthalinsulfosäure verwandelt wird, welche mit ^-Naphthol und Ammoniak einen
roten Azofarbstoff bildet. Die salpetrige Säure soll sich noch in einer Verdünnung von 1:100
Millionen Wasser nachweisen lassen.

Ist auf diese Weise salpetrige Säure in einem Wasser qualitativ nachgewiesen,
so empfiehlt sich:

b) Die quantitative Bestimmung derselben. Diese kann am einfachsten

a) auf kolorimetrischem Wege erfolgen, und habe ich für den Zweck eben-
falls ein Kolorimeter hergestellt, welches in derselben Weise wie das für die kolori-
metrische Bestimmung von Ammoniak (S. 809) eingerichtet ist.

Zur Feststellung der Farbentöne ist Zinkjodidstärkelösung1) (genau nach
der Vorschrift No. 24 unter Darstellung der Lösungen am Schluß hergestellt) unter
Zusatz von verdünnter Schwefelsäure (1 : 3) verwendet.

Die Farbentöne auf dem Kolorimeter sind in folgender Weise gewonnen und
gehen folgenden Gehalt an:

	Nitritlösnng* 2)	Gehalt an	Zusatz	von		
	auf je 100 ccm	salpetriger			Dauer	
ton	destill. Wasser	Säure	Zinkjodidstärke-	Schwefel-	der Beobachtung	
	verdünnt	(N2Os)	lösung	säure 1:3		
i	1,5 ccm	0,015	2 ccm	3 ccm	bis zu	6—6 Min.
2	2,5 „	0,025	2 „	3 „	55	55	2—3 „
3	5,0 „	0,050	3 „	2 „	55	55	2 „
4	10,0 „	0,100	3	1 „	55	55	2
5	15,0 „	0,150	3 „	1 „	55	55	1 „
6	20,0 „	0,200	3	1 „	unter	1 „

*) Die kolorimetrisohe Bestimmung der salpetrigen Säure kann auch nach dem Ver-
fahren von Preuße und Tiemann mit Metaphenylendiamin ausgeführt werden, und
dieses Verfahren hat den Vorzug, daß die organischen Stoffe hierauf weniger nachteilig
einwirken. Die durch dieses Reagens bewirkten gelben Farbentöne sind aber für das Auge
nicht so unterschiedlich wie die durch Zinkjodidstärkelösung bewirkten blauen Farbentöne.
Aus dem Grunde habe ich einstweilen davon Abstand genommen, hierfür eine Skala nach-
bilden zu lassen.

Das von B. Riegler vorstehend empfohlene Naphthol-Reagens ist für den Zweck
vielleicht zu empfindlich.

2) Als Lösung für salpetrige Säure wird Silbernitrit angewendet, welches in der
Weise (vergl. Walter-Gärtner 1. c. S. 401) hergestellt wird, daß man eine konzentrierte
Lösung von Kaliumnitrit mit Silberlösung versetzt, das ausgefällte Silbernitrit abfiltriert
und auf dem Filter mit wenig kaltem, destilliertem Wasser nachwäsoht, das Silbernitrit
dann durch möglichst wenig kochendes Wasser löst und auskristallisiereu läßt. Die
Mutterlauge wird abgegossen, die Kristalle von Silbernitrit zwischen Fließpapier aus-
gepreßt und getrocknet. Das Silbernitrit kristallisiert sehr leicht, hat eine bestimmte
Zusammensetzung, die beständig ist, und verdient deshalb vor dem käuflichen Kaliumnitrit
den Vorzug, weil letzteres von sehr schwankender Zusammensetzung ist und der Gehalt der
Lösung daher stets durch Titration mit Permanganatlösung festgestellt werden muß.

0,406 g des so dargestellten reinen, trocknen Silbernitrits werden in einem Liter-
Kolben mit heißem Wasser gelöst, durch eine reine Kalium- oder Natriumchloridlösung
zersetzt, die Flüssigkeit nach dem Erkalten, ohne zu filtrieren, mit destilliertem Wasser
zu 1 1 aufgefüllt und nach dem Durchmischen beiseite gestellt, bis sich der Niederschlag
von Chlorsilber abgesetzt hat. Von der überstehenden klaren Flüssigkeit werden 100 ccm
abpipettiert, zu 1 1 verdünnt und diese Lösung nach dem Durchmischen zu den Versuchen
verwendet. 1 ccm derselben enthält 0,01 mg salpetrige Säure (N203).
        <pb n="835" />
        ﻿813

Chemische Untersuchung.

Die Stärke des Farbentones hängt ganz von der Zeit der Be-
obachtung ab; bei den Farbentönen 2—6 wird der Farbenton um so
dunkler, je länger man stehen läßt. Es empfiehlt sich daher, daß jeder
Beobachter durch einen einmaligen Kontrollversuch in vorstehender Weise fest-
stellt, wieviel Zeit der Beobachtung in Minuten notwendig ist, damit sich der
Farbenton der Normalnitritlösnngen mit den Tönen der Farbenskala für sein Auge
deckt. Diese Zeit muß dann auch der Beobachter bei der Prüfung eines zu unter-
suchenden Wassers einhalten.

Bei der quantitativen Bestimmung der salpetrigen Säure bringt man 100 ccm
des wie oben geklärten Wassers in den Zylinder, setzt 3 ccm der Zinkjodidstärkelösung
sowie 1 ccm verdünnter Schwefelsäure (1 : 3) zu und beobachtet die Färbung in der
angegebenen Weise. Tritt sofort starke Blaufärbung ein, die einem der höchsten
Farbentöne oder mehr entspricht, so gießt man 50 ccm aus, verdünnt mit destilliertem
Wasser auf 100 ccm und beobachtet abermals. Die Bestimmung wird dann wiederholt,
indem man 50 ccm des Wassers gleich mit 50 ccm destilliertem Wasser, oder
25 ccm desselben mit 75 ccm destilliertem Wasser verdünnt, die Reagenzien zu-
setzt und wieder vergleicht. Wenn die Reaktion nach 5—6 Minuten langem Stehen
ausbleibt, so erhöht man den Zusatz der Schwefelsäure (1 :3) um 2 ccm und
beobachtet wieder während einiger Minuten. Die Prüfung muß bei Abschluß
des direkten Sonnenlichtes vorgenommen werden. Organische Stoffe wirken
nur dann nachteilig auf die Reaktion, wenn sie in sehr großer Menge vorhanden
sind. Trübe aussehende oder gefärbte Wässer klärt man in derselben Weise,
wie vorstehend unter No. 6 a angegeben ist, und verwendet die filtrierte Flüssigkeit.

Bei einem sehr hohen Gehalte eines Wassers an salpetriger Säure, der
eine zu starke Verdünnung notwendig machen würde, bestimmt man die salpetrige
Säure quantitativ am besten:

ß) nach dem Verfahren von Feldhaus-Kubel.

Man bereitet zu dem Zweck eine 1/100 N.-Kaliumpermanganat-Lösung (0,315 g
Kaliumpermanganat in 11), ferner eine 1/B0 Normal-Eisenammonsulfat-Lösung (3,9208 g
in 11 Wasser), von welcher bei genauer Einstellung 10 ccm = 10 ccm 1/100 N.-Kalium-
permanganat-Lösung entsprechen; 1 ccm der letzteren entspricht 0,19 mg salpetriger
Säure.

100 ccm des zu prüfenden nitrithaltigen Wassers werden mit einem Uber-
schuß von 1/100 N.-Kaliumpermanganat-Lösung (5, 10 ccm usw.) versetzt und mit
5 ccm verdünnter Schwefelsäure (1 : 3) angesäuert. Darauf setzt man ebensoviel oder
die der Anzahl Kubikzentimeter der zugesetzten Kaliumpermanganat-Lösung ent-
sprechende Anzahl Kubikzentimeter Eisenammonsulfat-Lösung zu und titriert mit
Kaliumpermanganat zurück bis zu eben eintretender Rotfärbung.

Zieht man von der Gesamtmenge der verbrauchten Kubikzentimeter Kalium-
permanganat-Lösung die zur Oxydation der hinzugesetzten Eisenammonsulfat-Lösung
erforderlichen Kubikzentimeter dieser Lösung ab und multipliziert die Differenz in
Kubikzentimeter mit 0,19, so erhält man die in 100 ccm Wasser enthaltenen Milli-
gramm salpetriger Säure.

Sind von der Kaliumpermanganat-Lösung z. B. im ganzen verbraucht 10 + 2,4 ccm
und entsprechen 10 ccm der Eisenammonsulfat-Lösung = 9,9 ccm Kaliumpermanganat-
Lösung, so sind:

(10 -j- 2,4) — 9,9 = 2,5 ccm 1/100 N.-Kaliumpermanganat-Lösung zur Oxydation
der salpetrigen Säure verwendet, also in 100 ccm Wasser 2,5 x 0,19 = 0,475 mg,
oder in 1 1 Wasser 0,475x 10 = 4,75 mg N203 vorhanden.
        <pb n="836" />
        ﻿814

Trinkwasser.

Wenn die Titration in der Kälte bei 16° yorgenommen wird, so wirken die
organischen Stoffe nicht oder kaum schädlich.

7.	Salpetersäure, a) Qualitativer Nachweis, a) Der qualitative Nach-
weis geschieht am besten in folgender Weise: Man stellt sich eine Lösung von
Diphenylamin dadurch her. daß man 20 g Diphenylamin in 20 ccm verdünnter
Schwefelsäure (1 : B) löst und diese Lösung mit reiner konzentrierter Schwefelsäure
auf 100 ccm auffüllt. Nach dem Erkalten ist die Lösung für den Gebrauch fertig.
Etwa 2 ccm derselben werden in ein kleines, reines Schälchen gegeben und in
dasselbe etwa x/2 ccm des zu prüfenden Wassers tropfenweise zufließen gelassen,
ohne umzurühren. Oder man löst einige Körnchen reinen Diphenylamins in einem
Porzellanschälchen in 5 ccm reiner konzentrierter Schwefelsäure, läßt langsam
1 ccm des Wassers zufließen und rührt um. Ist Salpetersäure im Wasser enthalten,
so bilden sich sofort oder nach kurzer Zeit blaue Streifen oder Strahlen; erscheinen
solche nach 2—3 Minuten nicht, so rühre man um, und eine jetzt eintretende
Färbung, die nur schwach sein wird, zeigt immer noch Spuren an. Es ist not-
wendig, dieselbe Reaktion mit salpetersäurefreiem, destilliertem Wasser nebenher zu
machen, das man sich herstellt, indem man destilliertes Wasser nochmals mit etwas
Kalilauge destilliert.

Noch empfindlicher ist die Abänderung von Cimmino,1) nach welcher man
in einem Eeagensrohre zu 1 ccm des zu untersuchenden Wassers B—4 Tropfen salz-
säurehaltige (5—10 °/0) Diphenylamin-Schwefelsäure und 2 ccm konzentrierte Schwefel-
säure gibt und umschüttelt. Bei Anwesenheit von 1 Teil Salpetersäure in 1000 000
Teilen Wasser tritt nach dieser Ausführungsweise noch eine Blaufärbung der
Flüssigkeit auf.

ß) Statt des Diphenylamins kann man auch etwas Brucin in einem Porzellan-
schälchen in reiner konzentrierter Schwefelsäure lösen und dazu 1 ccm des zu
prüfenden Wassers langsam zufließen lassen. Eine Rotfärbung zeigt die Gegenwart
von Salpetersäure an. Die Rotfärbung tritt um so stärker auf, je mehr Salpeter-
säure vorhanden ist. Auch hier empfiehlt es sich, einen blinden Versuch mit
salpetersäurefreiem destilliertem Wasser anzustellen.

Die Gegenwart von salpetriger Säure stört diese Reaktion nicht, dagegen können
auch andere Oxydationsmittel, z. B. Chlorate, Hypochlorite und Chromate usw., die
Färbung hervorrufeu.

y) Wenn keine salpetrige Säure vorhanden ist, kann man nach Farnsteiner,
Buttenberg und Korn (1. c.) auch 5 ccm des auf 1/6 eingedampften filtrierten
Wassers bei gewöhnlicher Temperatur mit Ferrosulfat sättigen und mit dieser
Lösung in einem Reagensglase etwa 5 ccm konzentrierte Schwefelsäure vorsichtig
überschiohten. Bei Gegenwart größerer Mengen Salpetersäure tritt sofort oder
nach einiger Zeit, besonders bei mäßigem Umschwenken, an der Berührungsstelle
ein roter bis braunschwarzer Ring auf.

d) Bei Abwesenheit von salpetriger Säure kann man auch etwa 10 ccm Wasser
mit Schwefelsäure ansäuern, ein Körnchen Zink und einige Tropfen Jodzinkstärke-
lösung zusetzen. Bei Anwesenheit von Salpetersäure tritt Blaufärbung auf.

Wird die Reduktion durch Zusatz von nur Zink und Schwefelsäure lange
genug fortgesetzt, so geht die Reduktion bis zur Bildung von Ammoniak und kann
dieses wie oben S. 808 nachgewiesen werden. Das Eintreten der Reaktion zeigt
alsdann, wenn das Wasser frei von Ammoniak war, die Gegenwart von Salpeter-
säure an.

*) Zeitschr. f. analyt. Chemie 1899, 38, 429.
        <pb n="837" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

815

Da die Prüfungen y und d nur bedingungsweise sicher sind, so wird man sich in
der Eegel der Reaktionen a und ß bedienen.

b) Quantitative Bestimmung. Die quantitative Bestimmung der Salpeter-
säure geschieht am einfachsten

a)	nach dem Verfahren von K. Ul sch. 1 1 des zu untersuchenden Wassers
wird in einer Schale rasch über freier Flamme bis auf etwa 30 ccm eingedampft.
Diese werden in einen Kochkolben von etwa 600 ccm Inhalt gegeben, die Schale
noch mehrmals nachgespült, so daß die ganze Menge des Wassers etwa 60—80 ccm
beträgt; hiermit verfährt man genau wie mit einer Salpeterlösung nach S. 147
unter b. Wenn das Wasser bestimmbare Mengen Ammoniak enthält, die beim Ein-
dampfen mit den Wasserdämpfen nicht verflüchtigt werden, so müssen diese be-
sonders bestimmt und von der gefundenen Gesamtmenge Ammoniak abgezogen werden.

ß) Überführung in Stickoxydgas. Nach Sehulze-Tiemann bestimmt
man die Salpetersäure im Wasser, indem man dieselbe unter Einwirkung von Salz-
säure und Eisenchlorür zu Stickoxyd reduziert und das Volumen des letzteren mißt.
Zur Ausführung kann der Wagnersche Apparat S. 144 dienen. Tiemann1) hat
den Apparat Wagners insofern abgeändert, als er anstatt der Trichterröhre eine
gebogene Glasröhre anwendet, welche durch Kautschukschlauch mit einer zweiten
geraden, in ein Beoherglas mit Salzsäure tauchenden Glasröhre verbunden ist.
W. Stüber2) hat den Tieraannschen Apparat noch weiter verbessert.

100—300 ccm des zu prüfenden Wassers werden in einer Schale vorsichtig
bis zu etwa 50 ccm eingedampft und diese zusammen mit den etwa durch Kochen
abgeschiedenen Erdalkalimetallkarbonaten in das Kölbchen a (Fig. 22 a, S. 144)
gespült. Nitrate gehen in den beim Kochen sich bildenden Niederschlag nicht Uber;
es genügt also, wenn man die Schale einige Male mit wenig heißem, destilliertem
Wasser auswäscht.

Man verschließt das Kölbchen mit dem doppelt durchbohrten, mit Trichter-
und Gasableitungsöhre versehenen Stöpsel, läßt durch die Trichterröhre etwas
destilliertes Wasser laufen und schließt den Hahn der Trichterröhre in der Weise,
daß der untere Teil der letzteren bis zum Hahn vollständig mit Wasser gefüllt
ist. Alsdann kocht man bei offener Gasableitungsröhre das zu prüfende Wasser in
dem Kochkölbchen noch weiter ein und bringt in die Glaswanne d verdünnte
Natronlauge, so daß die aus dem Eohre entweichenden Wasserdämpfe durch die
alkalische Flüssigkeit streichen. Nach einigen Minuten drückt man den Kautschuk-
schlauch bei c mit den Fingern zusammen. Sobald durch Kochen die Luft voll-
ständig entfernt worden ist, steigt die Natronlauge schnell in das Vakuum zu-
rück und man fühlt einen gelinden Schlag am Finger. Man kocht noch weiter das
Wasser bis auf etwa 10 ccm ein, bringt sodann eine der Meßröhren Uber das Ende
des Entwickelungsrohres und läßt nun durch den Scheidetrichter etwa 20 ccm einer
nahezu gesättigten Eisenchlorürlösung, sodann zweimal etwas Salzsäure einfließen,
jedoch stets mit der Vorsicht, daß das Trichterrohr nicht vollständig leer läuft.
Man kocht so lange weiter, bis sich das Gasvolumen in der Meßröhre nicht mehr
vermehrt.

Es kommt zuweilen vor, daß im Verlauf des Versuches die Entwickelung
von Stickoxyd nachläßt, obschon die Farbe der Eisenchlorürlösung auf die An-
wesenheit noch erheblicher Mengen dieses Gases in dem Zersetzungskolben hin-
deutet. Durch einen kleinen Kunstgriff ist die vollständige Austreibung des Stick-

x) Walter-Gärtner, Untersuchung und Beurteilung des Wassers, 1896, 4. Auf!., 154.

2) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 10, 329.
        <pb n="838" />
        ﻿816

Trinkwasser.

oxyds unter allen Umständen ohne Schwierigkeit zu erreichen. Der Kunstgriff
besteht darin, daß man die Operation unterbricht, wenn noch spärlich Gas ent-
wickelt wird, indem man bei c einen Quetschhahn anlegt, die Flamme beseitigt und
den Kolben kurze Zeit erkalten läßt. Durch Verringerung des Druckes im Innern
des Kolbens wird das in der Flüssigkeit noch gelöste Stickoxydgas frei und läßt sich
dann durch erneutes Kochen leicht in die Meßröhre überführen.

Nach dem vollständigen Übertreiben des Stickoxyds wird die Meßröhre in
den hohen Glaszylinder Fig. 22 b, S. 144 gebracht, welcher so weit mit kaltem
Wasser, am besten von 15—18°, gefüllt ist, daß sie darin vollständig untergetaucht
werden kann.

Nach 15—20 Minuten prüft man die Temperatur des in dem Zylinder be-
findlichen Wassers mittels eines empfindlichen Thermometers und notiert den
Barometerstand. Darauf ergreift man die graduierte Eöhre am oberen Ende mit
einem Papier- oder Zeugstreifen, um jede Erwärmung derselben durch direkte
Berührung mit der Hand zu vermeiden, zieht sie senkrecht so weit aus dem Wasser,
daß die Flüssigkeit innerhalb und außerhalb der Eöhre genau dasselbe Niveau
hat, und liest das Volumen des Gases ab. Dasselbe wird nach folgender Formel
auf 0° und 760 mm Barometerstand reduziert:

_ V.(B — f).273
Vl~ 760.(273 + t)’

wobei Vx das Volumen bei 0° und 760 mm Barometerstand, V das abgelesene Volumen,
B den beobachteten Barometerstand in Millimetern, t die Temperatur des Wassers
in Graden der Zentesimalskala und f die von der letzteren abhängige Tension des
Wasserdampfes in Millimetern bezeichnet.

Die folgende Tabelle gibt die Tensionen des Wasserdampfes an, welche den
in Frage kommenden Temperaturen entsprechen:

Temperatur	Tension	Temperatur	Tension
= t	= f	= t	= f
10°	9,2 mm	17°	14,4 mm.
n°	9,8 „	18°	lo,3 „
12°	10,5 „	19°	16,3 „
13°	11,2 „	20°	17,4 „
14«	11,9 „	21°	18,5 „
15°	12,7 „	22°	19,7 „
16°	13,5 „	23°	20,9 „

Multipliziert man die durch ausgedrtickten Kubikzentimeter Stickoxyd mit
2,413, so erhält man die denselben entsprechenden Milligramme Salpetersäure
(N206) für die angewendete Menge Wasser.

Bei diesem Verfahren ist es für das Gelingen des Versuches durchaus not-
wendig, daß jede Spur von Luft durch Kochen der Flüssigkeit aus dem Apparat
verdrängt ist; auch darf die zur Zersetzung angewendete Flüssigkeitsmenge keine
zu große sein, da wenig Stickoxyd sonst nur schwer vollständig auszutreiben ist.

Um die Salzsäure luftfrei zu machen, erhitzt man dieselbe vor dem Versuch
einige Zeit zum Sieden.

B. Pfyl1) hat das Verfahren von Schulze-Tiemann dahin abgeändert, daß
er das durch Eisenchlorür und Salzsäure gebildete Stickstoffoxyd, nachdem es unter
Luftabschluß in einer Waschflasche durch 15 °/0-ige Natronlauge gewaschen ist, in
ein Absorptionskölbchen mit 1/10 Normal-Permanganatlösung leitet, von letzterer das

*) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 10, 101.
        <pb n="839" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

817

Stickstoffoxyd absorbieren läßt und den Überschuß der angewendeten Permanganat-
lösung durch Mohrsches Eisenoxydulsalz zurücktitriert. Pfyl hat für dieses Ver-
fahren einen besonderen Apparat1) angegeben, der vor dem von Schulze-
Tiemann angegebenen den Vorzug der bequemeren und sichereren Handhabung hat;
auch sollen nach diesem Verfahren noch 0,25 com 1/30 Normal-Kaliumnitrat an-
gezeigt werden, während nach Tiemann 1 ccm 1/80 N.-Kaliumnitratlösung nicht
mehr bestimmbar ist.

C. Böhmer hat in ähnlicher Weise die Oxydation des Stickoxyds durch
Chromsäure vorgesohlagen (S. 218).

y) Kolorimetrische Bestimmung der Salpetersäure nach Noll.2)
Noll verfährt nach dem Vorgänge Lun ge s und Wincklers zur kolorimetrischen
Bestimmung der Salpetersäure wie folgt; 10 com Wasser, welche nicht mehr als
0,5 mg Salpetersäure (N2 05) enthalten dürfen — also hei höherem Gehalt entsprechend
weniger, aber mit destilliertem Wasser auf 10 ccm gebracht — werden in einer
etwa 100 ccm fassenden Porzellanschale mit 20 ccm Brucin-Schwefelsäure — 0,5 g
kristallisiertes Brucin in 200 ccm reiner Schwefelsäure vom spezifischen Gewicht
1,840 — versetzt und die Mischung nach etwa 1/1 Minute, während welcher Zeit
umzurühren ist, in einen Hehn er sehen Zylinder (vergl. Fig. 301 S. 809), der
70 ccm destilliertes Wasser enthält, gegossen. Gleichzeitig werden 2 bezw. 5 ccm
Kaliumnitratlösung, welche genau 0,2 bezw. 0,5 mg Salpetersäure (N205) — 0,1871 g
Kaliumnitrat in 1 1 — enthalten, mit 8 bezw. 5 ccm destilliertem Wasser verdünnt
und in ebenderselben Weise behandelt. Nach dem Umrühren der Flüssigkeiten
mit einem Glasstabe und nach Entweichen der Luftblasen wird die Färbung in beiden
Zylindern verglichen und, falls die Stärke der Färbung verschieden ist, von der stärker
gefärbten Flüssigkeit so viel abgelassen und mit der gleichen Menge destilliertem
Wasser wieder auf gefüllt und umgerührt, bis die Farbenstärke in beiden Zylindern
die gleiche ist.

Angenommen, man habe als Vergleichsflüssigkeit 2 ccm Kaliumnitratlösung und 8 ccm
destilliertes Wasser angewendet und man habe von dem zu prüfenden Wasser 20 com ab-
lassen und wieder mit 20 ccm destilliertem Wasser verdünnen müssen, um Farbengleichbeit
zu erhalten, so enthalten die 80 ccm Verdünnung (= 8 ccm ursprünglichem Wasser) 0,2 mg

N,05 oder 1 1 =	= 25 mg N205.

Wenn zur Erzielung der Farbengleichheit mehr als 60 ccm abgelassen werden
müssen, so ist die Bestimmung unter entsprechender Verdünnung zu wiederholen.

Auch muß die Einwirkungsdauer der Brucin-Schwefelsäure auf die zu vergleichenden
salpeterhaltigen Flüssigkeiten genau die gleiche sein.

Ferner darf beim Vermischen des zu untersuchenden Wassers mit konzentrierter
Schwefelsäure eine Verfärbung nicht eintreten und dürfen fremde, oxydierende Stoffe nicht
■vorhanden sein.

Unter Beachtung dieser Umstände liefert das Verfahren von Noll nach den ver-
gleichenden Untersuchungen von Farnsteiner, Buttenberg und Korn (1. c. S. 29) mit
dem Verfahren von Schulze-Tiemann gut übereinstimmende Ergebnisse.

d) Das Indigo verfahren von K. Warington möge als das am wenigsten
zuverlässige Verfahren zur quantitativen Bestimmung der Salpetersäure hier nur
erwähnt sein.

*) Der Apparat kann von der Firma Dr. Bender und Dr. Hohein in München
(Gabelsbergerstr. No. 76 a) bezogen werden.

2) Zeitschr. f. angew. Chemie 1901, 1317.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

52
        <pb n="840" />
        ﻿818

Trinkwasser.

s) Das von M. Busch1) vor geschlagene Verfahren, welches auf der Schwer-
löslichkeit des Nitrats der synthetisch gewonnenen Base „Diphenyl-endanilo-dihydro-
triazol“ beruht, bedarf noch wohl einer weiteren Ausarbeitung.

8.	Chlor. 100 ccm Wasser werden mit etwa 1 ccm einer Lösung von neu-
tralem Kaliumchromat versetzt und mit 1ll 0 Normalsilbernitratlösung so lange
titriert, bis sich durch Ausscheidung von chromsaurem Silber ein rötlicher Nieder-
schlag bildet bezw. die Flüssigkeit eine rötliche Färbung annimmt.

1 ccm der 1j10 Normalsilbernitratlösung entspricht dann 0,003546 g Chlor oder
0,00685 g Chlornatrium.

Es ist nicht immer zutreffend, die Menge des gefundenen Chlors auf Chlornatrium
zu berechnen, da dasselbe nicht selten auch als Chlormagnesium und Chlorcalcium im
Wasser enthalten sein kann.

Enthält ein Wasser freie Mineralsäuren, welche die Bildung des chromsauren Silbers
verhindern, so muß das Chlor entweder titrimetrisch nach dem Verfahren von Yolhard oder
gewiohtsanalytisch bestimmt werden.

Bei geringen Mengen Chlor in einem Wasser (unter 10 mg in 1 1) werden
zweckmäßig 500 ccm mit Salpetersäure angesäuert, sofort mit Silbernitrat versetzt
und so lange erwärmt, bis sich das Chlorsilber flockig abgeschieden hat. Die
Wägung des Chlorsilbers geschieht am besten nach der Reduktion im Wasserstoff-
strome als metallisches Silber (1 g Ag ■= 0,3284 g CI).

Enthält ein 'Wasser viel organische Stoffe, so müssen diese unter Umständen
vorher zerstört werden (vergl. hierüber unter folgendem Abschnitt „Schmutzwasser“).

9.	Schwefelsäure. 200 ccm Wasser werden mit etwas Salzsäure angesäuert,
zum Kochen erhitzt und dazu etwa 10—20 ccm ebenfalls zum Kochen erhitzte
Chlorbaryumlösung gefügt.

Nachdem das Kochen noch einige Minuten fortgesetzt wurde, läßt man den
Niederschlag an einem warmen Orte, etwa auf dem Wasserbade, absitzen und
filtriert durch ein aschenfreies Filter. Der mit heißem Wasser ausgewaschene
Niederschlag wird getrocknet, in einem gewogenen Platintiegel verascht, geglüht
und gewogen. Aus dem Gewicht des schwefelsauren Baryums wird durch Multi-
plikation mit 0,3429 die Menge der Schwefelsäure gefunden.

Hat man vor der Fällung mit Chlorbaryum die Kieselsäure abgeschieden, so
muß der Rückstand wegen der Schwerlöslichkeit des Calciumsulfats genügend mit
heißem, salzsäurehaltigem Wasser ausgewaschen werden.

10.	Kohlensäure, a) Nachweis und Bestimmung von freier Kohlen-
säure. Zur qualitativen Prüfung auf freie Kohlensäure löst man 1 Teil Eosol-
säure in 500 Teilen 80°/o-igem Weingeist, versetzt mit etwas Ätzbaryt oder
Natronlauge bis zur beginnenden rötlichen Färbung und verwendet von dieser Lösung
etwa 1/2 ccm auf 50 ccm des zu prüfenden Wassers. Bei Gegenwart von freier
Kohlensäure wird die Flüssigkeit gelblich, bei Gegenwart von nur doppelkohlen-
sauren Salzen bleibt sie rot.

Auch kann man zur Kontrolle durch Alkali eben rotgefärbte Phenolphthalein -
lösung verwenden, welche durch Wasser mit dem geringsten Gehalt an freier
Kohlensäure entfärbt wird.

Es empfiehlt sich unter allen Umständen, Wasser, welches keine
freie Kohlensäure enthält, zum Vergleich in derselben Weise zu be-
handeln.

*) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 9, 464.
        <pb n="841" />
        ﻿Chemische Untersuchung.	819

Zur quantitativen Bestimmung der freien Kohlensäure’pipettiert H. Tril-
lich1) 100 ccm Wasser in ein Erlenmeyer-Kölhchen, setzt 10 Tropfen Phenolphthalein-
lösung zu und titriert nun über weißem Papier mit 1ho Normal-Natronlauge, bis
die Flüssigkeit deutlich rot bleibt. Der Versuch ist zu wiederholen, indem man
die erst ermittelte Laugenmenge nahezu auf einmal zusetzt und dann unter TJm-
schütteln fertig titriert. Na OH + C02 = NaHCOg.

1 ccm 1/10 Normal-Natronlauge = 4,4 mg Kohlensäure.

b)	Bestimmung der halbgebundenen und freien Kohlensäure zu-
sammen. Man verfährt nach dem v. Pettenkoferschen Verfahren in der von
Trillich1) angegebenen Abänderung, indem man die freie + halbgebundene Kohlen-
säure mit Barythydrat ausfällt, worauf man den Uberschuß an Barythydrat zurück-
titriert.

Man benötigt:

1.	Barytwasser von der Zusammensetzung desjenigen zur Kohlensäurebestimmung in
der Luft (3,5 g in 1 1 gelöst und absitzen gelassen),

2.	Baryumohloridlösung 1:10, ganz neutral,

3.	Salzsäure, wovon 1 ccm = 1 mg Kohlensäure entspricht. Man verdünnt 7 com Salz-
säure von 1,124 spezifischem Gewicht auf 1 1 Wasser so, daß 22 ccm der Säure
10 ccm 1/10 Normal-Natronlauge neutralisieren,

4.	die Indikatorlösungen von Phenolphthalein, Cochenille oder Methylorange.

Man bringt in ein Absetzglas von 200 ccm Inhalt, das mit Kautschukstopfen
verschließbar ist, mittels Pipetten:

100 ccm Wasser,

45 ccm Barytwasser,

5 ccm Baryumohloridlösung,

im ganzen also 150 ccm, schüttelt gut durch und läßt 12 Stunden ruhig stehen.

Durch den Zusatz des Barytwassers wird:

a)	die im Wasser enthaltene freie und halbgebundene Kohlensäure zu unlöslichem
Baryumkarbonat gebunden;

b)	das im Wasser mittels halbgebundener Kohlensäure gelöste Calciumkarbonat
seines Lösungsmittels (durch den Vorgang a) beraubt und daher ebenfalls
unlöslich;

c)	im Wasser enthaltenes Alkalikarbonat mit dem Baryumchlorid in Alkalichlorid
und unlösliches Baryumkarbonat umgesetzt;

d)	alle im Wasser enthaltene Magnesia als Magnesiumhydroxyd gefällt, einschließ-
lich des Magnesiumkarbonates, das sich mit dem Baryumchlorid umsetzt in
unlösliches Baryumkarbonat und lösliches Magnesiumchlorid, das sofort wieder
als Magnesiumhydroxyd gefällt wird;

e)	alle Schwefelsäure an Baryt gebunden und an dessen Stelle die äquivalente
Menge der mit Schwefelsäure verbundenen Basen treten.

Während des Absitzens stellt man den Titer des Barytwassers fest, indem man
100 com destilliertes kohlensäurefreies (ausgekochtes) Wasser,

45 com Barytwasser,

5 ccm Baryumohloridlösung

gut mischt, hiervon mit einer Pipette 50 ccm = 1/8 der Gesamtflüssigkeit entnimmt,
in einem Kölbchen mit einigen Tropfen Phenolphthaleinlösung versetzt und aus einer

x) H. Trillich, Die Münchener Hochquellenleitung aus dem Mangfallthale. München,
M. Riegersohe Univ.-Buohhandlung, 1890, II. Teil, 63 u. f., und Emmerich und Trillich,
Anleitung zu hygienischen Untersuchungen. München 1892, 116.

52*
        <pb n="842" />
        ﻿820

Trinkwasser.

Bürette so lange Salzsäure, wovon 1 com = 1 mg Kohlensäure entspricht, zufließen
läßt, bis die rote Flüssigkeit eben farblos ist.

Nach 12 Stunden ist der Niederschlag im Glase ganz kristallinisch geworden;
man entnimmt nun mittels einer Pipette 50 ccm, ohne den Niederschlag aufzurütteln,
und titriert in gleicher, oben beschriebener Weise mit Salzsäure, Die Differenz im
Salzsäureverbrauch drückt diejenige Menge Baryt aus, welche

a)	zur Fällung der freien und halbgebundenen Kohlensäure,

b)	zur Fällung der Magnesia

verbraucht wurde. Man hat daher die Magnesia im Wasser gewichtsanalytisch zu
bestimmen und durch Multiplikation mit 44/40 = 1,1 auf Kohlensäure umzurechnen.

Wurden z. B. für 50 ccm der gemischten Lösung bei der
Titerstellung. .	.	. a ccm Salzsäure, bei der

Titration des Wassers b ccm Salzsäure verbraucht
und ist der Magnesiagehalt des Wassers m mg in 100 ccm, so enthält 1 1 Wasser
(3 x [a — b] — 1,1 x m) X 10 mg freie und halbgebundene Kohlensäure.

Beispiel: Enthält ein Wasser in 100 ccm 3,3 mg Magnesia (MgO) = m; 60 ccm
der gemischten Lösung brauchten

zur Titerstellung a 12,7 com Salzsäure (1 ccm = 1 mg Kohlensäure),

„ Titration	b 7,0 com Salzsäure.

Dann enthält 1 1 Wasser

(3 x [12,7 — 7,0] — 1,1 X 3,3) X 10 mg = (3 x 6,7 — 3,63) x 10 = 134,7 mg
freie -(- halbgebundene Kohlensäure.

c)	Bestimmung der Gesamtkohlensäure. Nach Entnahme von 50 ccm
sind im Absetzglase noch 100 ccm und der Niederschlag enthalten. Man titriert
nun den gesamten Eest mit Salzsäure, zieht von dem Gesamtsäureverbrauch den für
die 100 ccm Flüssigkeit ab, der aus der Bestimmung der freien + halbgebundenen
Kohlensäure bekannt ist, und erfährt so den Säureverbrauch für den gesamten
Niederschlag, der alle Kohlensäure und alle Magnesia enthält.

Man übersättigt stark mit der titrierten Salzsäure, z. B. 100 ccm, stellt die
Flasche in warmes 'Wasser, dann in heißes, damit alle Kohlensäure entweicht,
setzt Cochenilletinktur zu und titriert mit 4/10 Normal-Natronlauge die saure, gelbe
Flüssigkeit, bis sie eben alkalisch, d. h. rot wird.

Würden zur Neutralisation von 100 ccm Lösung Niederschlag d ccm Salzsäure
gebraucht, so braucht man für den Niederschlag allein d — 2 b ccm Salzsäure und 1 1
Wasser enthält dann ([d — 2 b] — l,lxm)xl0mg Gesamtkohlensäure, z. B. 100 ccm
Flüssigkeit Niederschlag erforderten 43,3 ccm Salzsäure (d). 1 1 Wasser enthält dann
([43,3 — 2 x 7,0] — 1,1 x 3,3) x 10 mg = (29,3 — 3,63) x 10 = 256,7 mg Gesamtkohlensäure.

Man kann die Gesamtkohlensäure, also die freie, halbgebundene und an
Basen gebundene Kohlensäure auch in der Weise bestimmen, daß man dem zu
untersuchenden Wasser in hinreichender Menge vollkommen klares Kalkwasser
zusetzt, nach mindestens 24-stündigem Absitzen den entstandenen Niederschlag sammelt
und aus ihnen mittels Salzsäure die Kohlensäure wieder frei macht, um sie in einem
Liebigsohen oder Geißlerschen Kaliapparat (über Anordnung des Apparates siehe
unten) aufzufangen und zu wägen. Enthält ein Wasser Alkalikarbonate, so setzt
man zweckmäßig etwas Calciumchlorid hinzu. Bei reinen Wässern, d. h. bei
solchen, die keine kalkhaltigen Schwebestoffe enthalten, kann man den Niederschlag
von Calciumkarbonat abfiltrieren, schnell mit kochendem Wasser auswaschen, in
Essigsäure lösen, die essigsaure Lösung mit oxalsaurem Ammon fällen und aus der
gewogenen Menge von Kalk (CaO) durch Multiplikation mit 0,7843 die Kohlensäure
berechnen.
        <pb n="843" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

821

Am besten verfährt man jedoch in folgender Weise: 250 ccm des zu unter-
suchenden und in einen 1/2 1-Kochkolben gebrachten Wassers werden mit 250 ccm1)
gesättigtem und filtriertem Kalkwasser, dem man etwas Calciumchlorid zugesetzt hat,
versetzt. Das gesättigte Kalkwasser stellt man so her, daß man reinen, gebrannten
Kalk auf dem Wasserbade löscht und die Kalkmilch mit kaltem Wasser verdünnt,
so daß noch ungelöstes Calciumhydroxyd zurückbleibt. Dieses Kalkwasser filtriert
man durch ein Faltenfilter direkt in den 500 ccm-Kolben bis zur Marke. Nach
öfterem Umschtitteln läßt man stehen, bis der anfänglich flockige Niederschlag sich
körnig abgeschieden hat, filtriert dann rasch durch ein Faltenfilter, gibt dieses, ohne
auszuwaschen, in den Kolben zurück und schaltet letzteren in den vorher bis auf
den Kolben zusammengestellten Kohlensäurebestimmungsapparat ein. Durch Zugabe
von Salzsäure wird die Kohlensäure frei gemacht, in einem Liebigschen Kaliapparat
aufgefangen und gewogen.

Anmerkung. Den Apparat zur Kohlensäurebestimmung stellt man sich in derselben
Weise wie bei einer Elementaranalyse zusammen. Der Kolben, in welchem die Zersetzung des
Calciumkarbonats stattfindet, trägt einen doppelt durchbohrten Kautschukstopfen. ln der einen
Bohrung steckt ein kugelförmiges Trichterrohr für die Salzsäure. Letzteres ist wieder mit
einem rechtwinklig gebogenen Glasröhrehen verschlossen und dieses mittels Gummisohl auch es
mit einem Kaliapparat in Verbindung gesetzt, um beim Durchleiten von Luft die Kohlen-
säure der letzteren zu absorbieren. In der zweiten Bohrung steckt ein rechtwinklig ge-
bogenes Glasrohr, an welches sich U-Eöhren: 1. mit wenig Chlorcalcium, bloß im Bug,
2. ganz mit Chloroalcium gefüllt, 3. mit Kupfervitriolbimsstein, 4. wieder mit Chloroalcium
gefüllt, anschließen. Köhrchen 1 hält die sich beim Versuch entwickelnden und sich wieder
verdichtenden Wasserdämpfe zurück, 2 und 4 absorbieren noch die letzten Reste Wasser, 3 hält
etwa entbundenes Salzsäuregas zurück. Das wasserfreie Calciumchlorid erhält man beim
Glühen am leichtesten neutral, wenn man der einzudampfenden Chlorcalciumlösung etwas
Salmiak hinzufügt. Kupfervitriolbimsstein bereitet man, indem man Bimssteinstückcheu in
einer konzentrierten Kupfersulfatlösung bis zum völligen Austreiben der Luft kocht, dann
trocknet und schließlich bis zur Entwässerung des aufgesogenen Kupfervitriols erhitzt.

An U-Böhre 4 schließt sich der zum Auffangen der zu bestimmenden Kohlensäure
dienende Kaliapparat (Kalilauge 1 ; 1) und an diesen, eine Waschflasche mit konzentrierter
Schwefelsäure, welche mit einem Aspirator in Verbindung steht.

11.	Schwefelwasserstoff. Schwefelwasserstoff kommt in einem Brunnenwasser
wohl nur sehr selten und nur dann vor, wenn es entweder aus gipshaltigen Erd-
schichten, in denen sich Eeduktionsvorgänge vollziehen, stammt, oder wenn es eine
sehr starke direkte Verunreinigung durch Fäkalstoffe oder sonstige schwefelwasser-
stoffhaltige Abwässer, wie Hefenwasser usw., erfahren hat.

Uber die qualitative und quantitative Bestimmung desselben vergl. den folgenden
Abschnitt: „Untersuchung von Schmutzwasser“.

12.	Phosphorsäure. Noch seltener wie Schwefelwasserstoff findet sich Phos-
phorsäure in einem Wasser; ihr Vorkommen deutet wohl stets auf eine besondere
Verunreinigung des Wassers durch Abgänge aus menschlichen "Wohnungen oder
durch sonstige phosphorsäurehaltige Abwässer hin. Uber die Bestimmung der-
selben vergl. den folgenden Abschnitt: „Untersuchung von Schmutzwasser“.

13.	Kieselsäure. Gelöste Silikate kommen fast in jedem Wasser, aber durch-
weg nur in Spuren oder nur in sehr geringen Mengen vor. Trübe Wässer ent-
halten mitunter freie auf geschlämmte Kieselsäure oder Kieselsäure in Form von
Ton. Letztere werden filtriert und von dem Filtrat oder von dem natürlichen Wasser

Wenn ein Wasser, z. B. ein Mineralwasser, sehr viel Kohlensäure enthält, muß
man weniger Wasser und mehr Kalkwasser anwenden. Unter allen Umständen empfiehlt
es sich, durch Zusatz von weiteren Mengen klarem Kalkwasser zum Filtrat zu prüfen, ob
keine Fällung mehr entsteht.
        <pb n="844" />
        ﻿822

Trinkwasser.

direkt 1—2 1 mit Salzsäure in einer Platinschale oder gut glasierten Porzellanschale
zur Trockne eingedampft. Den Rückstand durchfeuchtet man nochmals mit Salzsäure,
trocknet auf dem Wasserhade, zuletzt entweder im Luft- oder auf dem Sandbade aus,
nimmt mit salzsäurehaltigem Wasser auf, filtriert und wägt den unlöslichen Rück-
stand als gelöste Kieselsäure.

Läßt sich der Rückstand in der Porzellanschale durch Reiben mit einem Gummi-
wischer nicht quantitativ von den Wandungen entfernen, so erwärmt man kurze Zeit mit
verdünnter, chemisch reiner Kalilauge und scheidet durch Eindampfen mit Salzsäure
— jetzt in einer Platinschale — die Kieselsäure aus der Lösung wieder ah.

14. Eisen und Tonerde, a) Gewichtsanalytische Bestimmung. Enthält
das Wasser etwa größere Mengen von humussaurem Eisen (oder Tonerde), was
leicht schon an der Farbe oder an dem Geschmack des Wassers erkennbar ist, so
dampft man eine größere Menge Wasser, etwa 1ji oder 1 1 mit etwas Salzsäure
unter Zusatz von einigen Körnchen chlorsauren Kaliums auf etwa 100 ccm ein,
fügt Ammoniak hinzu, bis die Flüssigkeit eben schwach alkalisch ist, und erhitzt
so lange zum Kochen, bis der Geruch nach Ammoniak nicht mehr wahrnehmbar
ist. Den Niederschlag filtriert man durch ein aschenfreies Filter, wäscht heiß aus,
trocknet, glüht und wägt ihn als Eisenoxyd + Tonerde. Sollen beide getrennt be-
stimmt werden, so verfährt man nach S. 19 bezw. 24.

b)	Kolorimetrische Bestimmung des Eisens. Wenn ein Wasser nur
geringe Mengen Eisen in Form von Oxydul oder Oxyd enthält, die aber doch für
seine Beurteilung z. B. für Färbereien oder Bleichereien, oder für die Be-
urteilung der Wirkung eines Filters bei Reinigung eines stark eisenhaltigen
Grundwassers von Belang sind, so würden zur quantitativen Gewichts- oder titri-
metrischen Bestimmung des Eisens größere Mengen des Wassers zu verdampfen
sein, wobei durch Aufnahme von Eisen aus Gefässen oder dem Staube der Labora-
toriumsluft leicht Fehler entstehen können, die im Verhältnis zu der wirklich vor-
handenen Menge Eisen zu groß sein würden.1)

In diesem Falle bedient man sich zweckmäßig der kolorimetrischen Be-
stimmung des Eisens mittels Rhodanammoniums oder Perrocyankaliums.

Ich habe in derselben Weise, wie für die kolorimetrische Bestimmung des
Ammoniaks und der salpetrigen Säure, so auch für die des Eisens mittels Rhodan-
ammoniums eine feste Farbenskala (Kolorimeter) mit Farbentönen für 6 verschiedene
Gehalte des Wassers an Bisen hersteilen lassen, auf welchem Kolorimeter die einzelnen
Farbenstreifen folgenden Gehalt anzeigen und in folgender Weise erhalten wurden:

	Eisenalaunlösung2)		Gehalt für 100 ccm		
ton	zu je 100 ccm mit Wasser verdünnt	Eisen  Fe	Eisenoxydul  FeO	Eisenoxyd  Fe2 03	Zusatz
1  2  3  4  5  6	1,0 ccm  2.0 „  4,0 „  6,0 „  9,0 „  16,0 „	0,10 mg 0,20 „ 0,40 „ 0,60 „ 0.90 „ 1,50 „	0,129 mg 0,258 „  0,514 „  0,771 „  1,167 „  1,928 „	0,143 mg 0,285 „ 0,571 „ 0,857 „ 1,286 „ 2,143 „	2—3 ccm Rhodanammon- - lösung3) (1:10) und 1 ccm konz. Salzsäure.

*) v. PeiIitsch(Journ. f. Gasbel. u. Wasservers. 1904, 47, 502) scheidet geringe Mengen
Eisenoxyd dadurch aus dem Wasser ab, daß er eine größere Menge desselben durch eine 5 cm
hohe Schicht von völlig eisenfreier Watte in einem Allihuschen Röhrchen (S. 229)filtriert.

2)	Als Vergleiohsfliissigkeit dient eine Lösung von Eisenalauu oder Kaliumferrisulfat

[Ee2(S04)3 -)- K2S04	24HsO], die in 1 ccm 0,1 mg Eisen enthält und dadurch erhalten wird,

daß man 0,898 g dieses reinen, durch Pressen zwischen Fließpapier von hygroskopischem
Wasser befreiten hellvioletten Salzes unter Zusatz von wenig Salzsäure mit Wasser zu 11 löst.

3)	DasRhodanammoniiimmuß rein seinund, mitverdünuter Salzsäureversetzt,klar bleiben.
        <pb n="845" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

823

Zur Ausführung der kalorimetrischen Bestimmung des Eisens in einem Wasser
wird ein bestimmtes Volumen (etwa 200 oder 500 ccm desselben) mit einigen
Körnchen Kaliumchlorat und 1 ccm konzentrierter eisenfreier Salzsäure von 1,19
spezifischem Gewicht in einer eisenfreien Porzellanschale einige Zeit, bis alles
Eisenoxydul in Oxyd übergeführt ist, gekocht, unter Bedecken der Schale und unter
Abhaltung des Luftstaubes erkalten gelassen, dann je nach dem Eisengehalte des
Wassers auf das angewendete Volumen (also 200 oder 500 ccm) oder die Hälfte
mit destilliertem Wasser auf gefüllt, hiervon 100 ccm in obiger Weise mit 2—3 ccm
Ehodanammonlösung und 1 ccm konzentrierter eisenfreier Salzsäure versetzt und
die entstandene Färbung mit den Farbentönen des Kolorimeters verglichen. Hat
man das gekochte und eingedunstete Wasser nur auf die Hälfte verdünnt, so müssen
die am Kolorimeter angegebenen Gehaltszahlen mit 2 multipliziert werden usw. Die
Gehaltszahlen am Kolorimeter bedeuten Milligramm Eisen (Fe) für 100 ccm: durch
Multiplikation derselben mit 9/7 erhält man Eisenoxydul (Fe 0), durch Multiplikation
mit 10/7 erhält man Eisenoxyd (Fe2Og).

Bezüglich der Anwendung des Kolorimeters und der Kontrolle der Farbentöne durch
Verdünnung des zu untersuchenden Wassers gilt dasselbe wie bei dem Kolorimeter für
Ammoniak und salpetrige Säure. Muß eine mehr als 10-fache Verdünnung des zu unter-
suchenden Wassers vorgenommen werden, um eine der höchsten Farbentöne der Skala zu
erhalten, so empfiehlt es sich, die Bestimmung des Eisens im Wasser nach Eindunsten
einer größeren Menge p/ä—1 1) entweder maß- oder gewichtsanalytisch in bekannter
Weise auszuführen.

E. v. Eaumer1) schlägt zur Bestimmung geringer Mengen Eisen in einem
Wasser vor, etwa 10—12 1 in eisenfreien Porzellenschalen bis auf etwa 250 ccm
einzudunsten, dann unter Zusatz von einigen Kristallen von Kaliumbisulfat in einer
Platinschale zur Trockne zu verdampfen, den Trockenrückstand zu glühen, mit schwefel-
säurehaltigem Wasser aufzulösen, in einem Kölbchen mit einigen Körnchen reinsten
Zinks zu reduzieren und das Eisen wie üblich mit Kaliumpermanganat zu titrieren.

15. Mangan. Wie Eisen, so bewirkt auch Mangan selbst in geringsten
Mengen nicht selten das Auftreten von Pilzen in Wasser (nämlich von Crenothrix
manganifera zum Unterschiede von Cr. polyspora, die durch Eisen begünstigt werden
soll2)). A. Bey thien, H. Hempel undL.Kraft3) empfehlen zur Bestimmung kleinster
Mengen Mangan im Wasser das zuerst von v. Knorre4) vorgeschlagene Verfahren der
Überführung des Mangans in Superoxyd durch Ammoniumpersulfat. 5—10 1 Wasser
werden unter Zusatz von etwa 5 ccm Schwefelsäure wie vorstehend bei Bestimmung
des Eisens nach v. Eaumer eingedampft, der Eückstand mit einigen Körnchen
Kaliumbisulfat geglüht, mit Wasser aufgenommen und filtriert. Das Filtrat wird
auf etwa 150 ccm verdünnt, mit 5 ccm Schwefelsäure (1 -j- 3) und 10 ccm Amraonium-
persulfatlösung 20 Minuten gekocht, das ausgeschiedene Mangansuperoxyd nach dem
Abkühlen durch Zusatz von 10 com Wasserstoffsuperoxyd, dessen Titer zu einer Kalium-
permanganatlösung vorher festgestellt ist, gelöst und der Uberschuß an zugesetztem
Wasserstoffsuperoxyd durch die Permanganatlösung zurücktitriert. Letztere wird
auf Eisen eingestellt; entspricht 1 ccm derselben 5,61 mg Eisen (Fe), so ist nach

55

dem Ansatz: Eisen-Titer x	= 5,61 x 0,491 derMangan-Titer = 2,7545 mg Mangan.

x) Zeitsohr. f. anal. Chemie 1903, 42, 590.

2)	Vergl. C. A. Neufeld, Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel
1904, 7, 478.

3)	Ebenda 1904, 7, 215 und 1906, 9, 529.

4)	Zeitschr. f. angew. Chemie 1903, 905.
        <pb n="846" />
        ﻿824

Trinkwasser.

Die Stärke des Wasserstoffsuperoxyds soll so gewählt werden, daß der Titer
annähernd mit dem der Permanganatlösnng über einstimmt.

16.	Kalk und Magnesia. Das Filtrat von der Fällung des Eisens und der
Tonerde oder, wenn der Ahdampfrückstand beträchtlich ist, neue 200 ccm Wasser
werden mit 10 ccm Salzsäure angesäuert und wie oben von Eisen und Ton-
erde befreit, das Filtrat wieder zum beginnenden Kochen erhitzt, nach Zusatz
von Ammoniak mit oxalsaurem Ammon versetzt, noch einige Zeit im Kochen erhalten
und der Niederschlag auf dem Wasserbade absitzen gelassen. Nach einigen Stunden
filtriert man das oxalsaure Calcium ab, wäscht mit heißem Wasser aus, trocknet,
verascht, glüht 10 Minuten im Gebläse, bis alles oxalsaure Calcium in Calciumoxyd
übergeführt ist, und wägt letzteres.

Das Filtrat vom Kalk dampft man, falls die Flüssigkeit durch das öftere
Auswaschen sich stark vermehrt hat, etwas ein, läßt erkalten und fügt phosphor-
saures Natrium und Ammoniak hinzu. Nach längerem, energischem Umrühren,
eventuellem Reiben mit dem .Glasstab an den Wandungen des Glases entsteht meist
ein körnig kristallinischer Niederschlag von phosphorsaurem Ammon-Magnesium,
welcher, nachdem er mehrere Stunden gestanden und sich vollständig abgesetzt hat,
durch ein tunlichst aschenfreies Filter filtriert, getrocknet, im Platintiegel verascht,
auf dem Gebläse geglüht und nach dem Erkalten als pyrophosphorsaures Magnesium,
Mg2P207, gewogen wird. Das gefundene Gewicht, mit 0,3624 multipliziert, ergibt
die entsprechende Menge Magnesiumoxyd.

Ein anderes sehr einfaches Verfahren, den Kalk für sich zu bestimmen,
ist folgendes:

100 ccm Wasser werden mit 25 ccm (bei sehr harten Wässern mit 60 ccm)
1/10 Normal-Oxalsäurelösung (6,3 g kristallisierte Oxalsäure in 1 1) und mit etwas
Ammoniak versetzt, darauf zum Kochen erhitzt. Nach vollständigem Erkalten spült
man das Ganze in ein 200 ccm-Meßkölbchen (der, Niederschlag braucht nicht ganz
mit Ubergespült zu werden), füllt genau auf 200 ccm auf und filtriert durch ein
trocknes Filter in ein trocknes Glas, indem man das anfangs trüb durchlaufende
Filtrat zurückgibt. 100 ccm des Filtrates werden sodann wieder erwärmt und
mit 1/io Normal-Chamäleonlösung titriert, bis die Flüssigkeit schwach rot erscheint.
Man zieht die verbrauchten Kubikzentimeter Chamäleonlösung von 25 oder 50 ab,
multipliziert den Rest mit 2 und sodann diese Zahl mit 0,0028 und 10, um so die
in 1 1 Wasser enthaltene Menge Kalk (CaO) zu erfahren.

17.	Kali, Natron (Natriumkarbonat). Zur Bestimmung von Kali und Natron

dampft man je nach der vorhandenen Menge mehr oder weniger Wasser...mindestens

0,5 g Trockenrückstand entsprechend — ein und verfährt nach Ausfällen der
Schwefelsäure durch Chlorbaryum nach S. 29 oder unter Zusatz von Barythydrat
nach S. 204.

Wenn ein Wasser nach längerem Stehen deutlich alkalisch reagiert oder nach
dem Eindampfen deutliche alkalische Reaktion auf Kurkumapapier zeigt, so ist
kohlensaures Natrium — kohlensaures Kalium wohl kaum — in demselben
vorhanden.

Zur quantitativen Bestimmung des kohlensauren Natriums werden je nach
dem Ausfall der Reaktion ein oder mehr Liter Wasser in einer gut glasierten
Porzellansohale — oder besser in einer großen Platinschale — auf einen kleinen Rest
eingedampft und die Flüssigkeit durch ein kleines Filter filtriert. Nach dem Aus-
waschen von Schale und Filter mit ausgekochtem, destilliertem Wasser wird das
Filtrat mit 1/l0 N.-Salzsäure unter Anwendung von Methylorange als Indikator
titriert [1 ccm 1/10 N.-Salzsäure = 0,005 305 g kohlensaurem Natrium (Na2COs)].
        <pb n="847" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

825

In der titrierten Flüssigkeit bestimmt man die etwa vorhandene Menge
Magnesia, zieht die der letzteren entsprechende Säuremenge von dem gesamten
Säureverbrauch ab und berechnet aus dem Unterschiede den Gehalt an kohlensaurem
Natrium (0,002018 g MgO = 1 ccm 1/10 N.-Salzsäure).

18.	Blei, Kupfer und Ziuk. Blei, Kupfer und Zink können aus den
Leitungsröhren, letztere beiden auch aus dem Boden durch Verunreinigung desselben
mit Kupfer- und Zink salzen in ein Wasser gelangen und in einer größeren Menge
eingedampften Wassers nach S. 42 bezw. 203 quantitativ bestimmt werden. In
vielen Fällen wird man sich bloß mit dem qualitativen Nachweis begnügen müssen.

Kleine Mengen Kupfer lassen sich, wie S. 694 angegeben ist, kolorimetrisch
bestimmen. Die kolorimetrische Bestimmung des Bleies mit Schwefelwasserstoff in
alkalischer Lösung (Natronlauge) und des Zinks mit Ferrocyankalium ist weniger
genau.

Anmerkung. Die bleilösende Wirkung eines Wassers hängt vorwiegend von
der gleichzeitigen Anwendung von Sauerstoff und freier Kohlensäure ab. Zur direkten
Prüfung eines Wassers auf seine bleilösende Eigenschaft empfiehlt Ruzicka1) 11,5 cm
lange Bleirinnen, die durch Aufschneiden einer 2 cm dicken Bleiröhre bergestellt und nach
Reinigung mit Salpetersäure und Wasser in das betreffende Wasser eingehängt werden.
Die Bleirinnen werden in das Wasser, welches bis zum Rande in Zylinder mit Glasstöpsel
gefüllt ist, gehängt; die Zylinder werden wieder geschlossen und in einem Kasten im
Dunkeln bei gewöhnlicher Temperatur aufbewahrt.

19.	Härte. Die Härte eines Wassers hängt ab von dem Gehalte desselben an
Kalk- und Magnesiasalzen. Wall man dieselben nicht genau nach den oben be-
schriebenen Verfahren bestimmen, so kann man sich des einfachen Verfahrens der
sog. Härtebestimmung bedienen, z. B. wenn es sich um die Beurteilung eines WTassers
zum Zwecke der Kesselspeisung oder zu anderen technischen Zwecken handelt.
Dieses Verfahren beruht darauf, daß man dem zu untersuchenden Wasser Seifenlösung
zusetzt, wodurch die fettsauren Alkalien sich mit den gelösten Kalk- und Magnesia-
salzen zu unlöslichen fettsauren Kalk- und Magnesiasalzen und in die entsprechenden
Salze der Alkalien umsetzen: Das Ende der Reaktion, also der Überschuß an
Seifenlösung, wird an dem beim Schütteln erzeugten und dann bleibenden Schaum
erkannt.

Es ist bekannt, daß hartes Wasser durch Kochen weicher wird bezw. daß
sich durch das Kochen Kalk- und Magnesiasalze und zwar nur die als doppeltkohlen-
saure Salze gelöst gewesenen abscheiden. Die Härte des ungekochten Wassers
nennt man Gesamthärte, die durch Kochen abgeschiedenen Salze machen die
vorübergehende oder temporäre Härte aus und die noch gelöst bleibenden
Kalk- und Magnesiasalze (die Sulfate, Nitrate und Chloride derselben) bilden die
bleibende oder permanente Härte.

a)	Verfahren von Clark.

a)	Bestimmung der Gesamthärte. Zunächst wird die zu benutzende
Seifenlösung auf die Lösung eines Kalksalzes und zwar am besten auf eine Gipslösung
von bekanntem Gehalt eingestellt. Diese bereitet man wie folgt:

Man stellt eine entweder bei genau 14° oder eine bei genau 20° gesättigte
Gipslösung her. Nimmt man von der ersteren 145 ccm oder von der letzteren
142 ccm und füllt diese mit destilliertem Wasser auf 1 1, so enthalten 100 ccm
dieser Lösung genau so viel Gips, als 0,012 g CaO = 12 Härtegraden entsprechen.
Die Seifenlösung soll so hergestellt werden, daß genau 45 ccm derselben 100 ccm

r) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 518.
        <pb n="848" />
        ﻿826

Trinkwasser.

der genannten Gipslösung, also 12 Härtegraden entsprechen. Uber die Bereitung
der Seifenlösung vergl. unter Darstellung von Lösungen No. 26 a am Schluß.

Die Ausführung des Verfahrens ist folgende:

100 ccm des zu untersuchenden Wassers — oder wenn vorauszusetzen, daß
das Wasser hart ist, 10 ccm desselben — bringt man in ein Stöpselglas von
200 ccm Inhalt, bei Verwendung von 10 ccm hartem Wasser füllt man mit
destilliertem Wasser bis zu einer bei 100 ccm angebrachten Marke auf. Zu diesen
100 ccm läßt man anfangs reichlich, später nur je 1 ccm oder 1/2 ccm, zuletzt
nur tropfenweise von der Seifenlösung zufließen, bis nach kräftigem Schütteln (von
oben nach unten) ein dichter zarter Schaum entsteht, welcher sich, ohne wieder
zusammenzusinken, mindestens 5 Minuten lang wesentlich unverändert auf der
Oberfläche der Flüssigkeit hält. Der Verbrauch an Seifenlösung soll 45 ccm nicht
übersteigen und sich annähernd bei dieser Zahl halten. Hat man daher zu der
Verdünnung eines als hart vermuteten Wassers weniger Seifenlösung verbraucht,
so nimmt man nach diesem Vorversuch statt 10 ccm etwa 20, 25 oder 50 ccm
Wasser und verdünnt dieselben mit der entsprechenden Menge destillierten Wassers
auf 100 ccm, so daß annähernd 45 ccm Seifenlösung verbraucht werden. Die An-
zahl der Kubikzentimeter Seifenlösung wird sodann mit dem Verdünnungsfaktor
multipliziert und die entsprechenden Härtegrade aus nachstehender Tabelle fest-
gestellt.

ß) Bestimmung der bleibenden oder permanenten Härte. 300 oder
500 ccm Wasser werden in einem geräumigen Kolben mindestens 1/0 Stunde lang
im Sieden erhalten, wobei das verdampfende Wasser öfters durch destilliertes ersetzt
wird. Nach dem Erkalten bringt man das gekochte WTasser in einen 300 oder 500 ccm
fassenden Meßkolben, füllt mit destilliertem Wasser bis zur Marke auf, schüttelt
gehörig um und filtriert durch ein trocknes Faltenfilter. 100 ccm des Filtrates
(bezw. 50 ccm zu 100 ccm verdünnt) titriert man wie oben mit der Seifenlösung.

Die in der Tabelle (S. 827) angegebenen Härtegrade sind deutsche und
gehen ebensoviel Teile Calciumoxyd in 100000 Teilen Wasser an. In Frank-
reich versteht man unter Härtegraden Einheiten Calciumkarbonat in 100000
Teilen Wasser; die französischen Härtegrade lassen sich daher durch Multiplikation
mit 0,56 in deutsche umrechnen.

(Siehe Tabelle 8. 827.)

b)	Verfahren von Bourtoon und Boudet.

Dieses Verfahren unterscheidet sich von dem ersteren dadurch, daß dabei eine
konzentriertere Seifenlösung und ein Normalvolumen von nur 40 ccm Wasser zur
Anwendung gelangt.

Über Darstellung der Seifenlösung vergl. No. 26b unter „Darstellung von
Lösungen" am Schluß.

Behufs Bestimmung der Gesamthärte mißt man mit einer Pipette 40 ccm des
Wassers ab und läßt sie in ein zylindrisches, mit Stöpsel versehenes Glasgefäß
von 60—80 ccm Inhalt fließen, welches bei 40 ccm mit einer Marke versehen ist.
Von einem Wasser, welches mehr als 30 französische — 16,8 deutsche Härtegrade
besitzt, wendet man nur 10—20 ccm an, füllt mit destilliertem Wasser bis zur
Marke auf und multipliziert mit 4 oder 2, je nach dem Verdünnungsgrad.

Die Seifenlösung wird durch eine Tropfbürette (Hydrotimeter) zugegeben,
bei der der Raum von 2,4 ccm in 23 gleiche Teile, sogen. Grade, geteilt ist; die
Gradteilung geht bis 32 nach unten fort.
        <pb n="849" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

827

ccm  Seifenlösung	Härtegrade	Differenz	ccm  Seifenlösung	Härtegrade	Differenz
L4	0		24	5,87	0,27
2	0,15	0,15	25	6,15	0,28
3	0,40	0,25	26	6,43	0.28
4	0,65	0,26	27	6,71	0,28
5	0,90	0,25	28	6,99	0.28
6	1,15	0,25	29	7,27	0,28
7	1,40	0,25	30	7,55	0,28
8	1,65	0,25	31	7.83	0,28
9	1.90	0,26	32	8,12	0,29
10	2,16	0,26	33	8,41	0,29
11	2,42	0,26	34	8,70	0.29
12	2,68	0,26	35	8,99	0,29
13	2,94	0,26	36	9,28	0,29
14	3,20	0,26	37	9,57	0,29
16	3,46	0,26	38	9,87	0,30
16	3,72	0.26	39	10,17	0,30
17	3,98	0,27	40	10.47	0,30
18	4,25	0,27	41	10,77	0,30
19	4,52	0,27	42	11,07	0,30
20	4.79	0,27	43	11,38	0,31
21	5,06	0,27	44	11,69	0,31
22	5,33	0,27	45	12,00	0,31
23	5,60	0,27			

Die Seifenlösung ist so eingestellt, daß davon genau 23 Grade genügen, um

8,8	mg durch Kohlensäure in Lösung gehaltenes Calciumkarbonat oder eine diesem
äquivalente Menge eines anderen neutralen Erdalkalisalzes (z. B. Magnesiumkarbonat)
in 40 ccm Wasser zu zersetzen und gleichzeitig den Schaum zu erzeugen. Für die
Schaumbildung in 40 ccm destilliertem Wasser ist 1° Seifenlösung erforderlich,
welcher bei jedem Versuch in Abzug zu bringen ist.

8,8	mg Calciumkarbonat in 40 ccm Wasser sind aber =	= 22 mg

dieses Salzes in 100 ccm, d. h. 22° Seifenlösung zeigen 22 mg Calciumkarbonat
in 100 ccm bezw. 100 g Wasser an, oder 10 Seifenlbsung entspricht 1 Teil Calcium-
karbonat in 100000 Teilen Wasser (= einem französischem Härtegrade).

Die bleibönde Härte wird mit derselben Seifenlösung in dem wie unter a ß
ausgekochten und filtrierten Wasser bestimmt.

Wilson sucht die Unregelmäßigkeiten bei der Umsetzung der die Härte des
Wassers bedingenden Salze mit der Seifenlösung dadurch zu umgehen, daß er auf
100 ccm des Wassers 4 ccm gesättigte Natriumkarbonatlösung zusetzt.

Man kann die Härtegrade auch aus dem gefundenen Kalk- und Mag-
nesiagehalt berechnen, indem man die Magnesia durch Multiplikation
mit 1,4 auf den Kalkwert umrechnet, zu dem Kalkgehalt addiert und
Jeden Teil Gesamtkalk für 100000 Teile Wasser oder 1 mg für 100 ccm
Was ser=l Härtegrad setzt, oder was dasselbe ist, indem man die für
11 gefundenen mg durch 10 dividiert; z. B. sind gefunden 121,4 mg CaO
und 7,8 mg MgO für 1 1, so betragen die Härtegrade des Wassers
121,4 + (7,8xJ,4)_132,3_13)2 ^

10

10

20. Kesselsteinbildner. Man kann die Menge der Kesselsteinbildner auch
direkt in der Weise ermitteln, daß man zunächst nach No. 2 (S. 806) den Gesamt-
        <pb n="850" />
        ﻿828

Trinkwasser.

Abdampfrückstand für 1 1 bestimmt, darauf 1 I Wasser (oder mehr) in einer
Porzellanschale bis auf einen kleinen Eest einkocht, die Flüssigkeit durch ein aschen-
freies Filter filtriert, Schale und Filter mit ausgekochtem (kohlensäurefreiem)
destilliertem Wasser auswäscht, das Filtrat eindunstet, trocknet, schwach glüht und
wägt. Wenn man diesen Rückstand von dem Gesamtrückstande für 1 1 abzieht, erhält
man ziemlich annähernd die Menge der Kesselsteinbildner für 1 1 Wasser.

21. Bestimmung des gelösten Sauerstoffs. Zur Bestimmung des im Wasser ge-
lösten Sauerstoffes sei das von L. W. Winkler1) empfohlene Verfahren hier be-
schrieben. Dasselbe zeichnet sich durch einfache, leichte Ausführbarkeit, wie nicht
minder durch Genauigkeit vor den anderen Verfahren (Tiemann, Bimsen, Mohr,
Schützenberger) aus.

Wesen des Verfahrens. Manganohydroxyd wird bei Gegenwart von Alkali
durch den Sauerstoff zu Manganihydroxyd oxydiert; dieses, durch Salzsäure in Man-
ganichlorid übergeführt, zerfällt sogleich in Manganochlorid und Chlor; letzteres
setzt aus Jodkalium Jod in Freiheit, welches durch Thiosulfatlösung titriert wird.

Dazu sind folgende Reagenzien nötig:

1.	Manganochloridlösung durch Lösen von 80 g Manganochlorid (MnCl2.4H20i in
so viel Wasser, daß die Lösung 100 ccm beträgt.

2.	Jodkaliumhaltige Natriumhydroxydlösung. Man bereitet eine annähernd 12-fach
normale Lösung von nitritfreiem Natriumhydroxyd (also etwa 480 g Na OH in 1 1) und
löst in 100 ccm dieser Lösung etwa 15 g Jodkalium.

3.	1j100 N.-Thiosulfatlösung (2,4764 g Natriumthiosulfat in 1 1 Wasser). Diese
Lösung braucht nicht gerade 1/100-normal, sondern muß nur genau eingestellt sein, entweder
mittels sublimierten, über Schwefelsäure getrockneten Jods oder mit Kaliumbichromat
(vergl. S. 531).

Ist sie genau 1/100-normal, so entspricht 1 ccm = 0,0012697 g Jod = 0,00008 g
Sauerstoff = 0,055825 ccm Sauerstoff (bei 0° und 760 mm Druck).

4.	Stärkelösung (yergl. unter Lösungen No. 24 am Schluß).

5.	Reine rauchende Salzsäure.

Die Bestimmungen führt man in starkwandigen, mit gut eingeschliffenen Glas-
stöpseln versehenen, ungefähr 250 ccm fassenden Flaschen aus, deren Inhalt genau
bestimmt ist. Die Flasche füllt man vollständig mit dem zu untersuchenden Wasser
an, indem man es durch einen Heber ruhig einfließen läßt. Sodann bringt man
sofort mittels einer mit langer, enger Ausflußspitze versehenen Pipette von ungefähr
1 ccm Inhalt, welche man in das Wasser bis nahe an den Boden des Gefäßes ein-
senkt, zuerst 1/2 ccm der jodkaliumhaltigen Natriumhydroxydlösung, sodann 1/2 ccm
der Manganochloridlösung hinein und verschließt die Flasche sofort, mit der Vor-
sicht, daß keine Luftblasen in ihr Zurückbleiben. Der ausfließende Kubikzentimeter
Wasser wird hei der Berechnung berücksichtigt. Man wendet einige Male um, um
den Inhalt zu mischen, und läßt den flockigen Niederschlag sich absitzen. Hat sich
der Niederschlag vollständig gesetzt, so öffnet man, ohne daß der Niederschlag auf-
gerührt wird, vorsichtig und bringt mittels einer geeigneten Pipette 5 ccm
rauchende Salzsäure auf den Boden der Flasche, verschließt abermals und mischt
den Inhalt. Die austretende klare Flüssigkeit kommt nicht in Betracht. Der Nieder-
schlag löst sich rasch. Die Flüssigkeit wird alsdann quantitativ in ein Becherglas
gespült und unter Zusatz von Stärkelösung mit Natriumthiosulfat titriert. Aus den
verbrauchten Kubikzentimetern Thiosulfatlösung wird der Sauerstoffgehalt berechnet.

Paßt das zur Bestimmung dienende Fläschchen z. B. 256 ccm Wasser, von dem
nach Zusatz von */2 ccm Natriumhydroxyd und '/2 ccm Manganochloridlösung nur mehr

B Berichte d. deutsch, ehern. Gesellschaft 1888, 21, 2843 und 1889, 22, 1764.
        <pb n="851" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

829

255 ccm vorhanden sind, und sind zur Titration 31,4 ccm der Vioo Normal-Thiosulfatlösung
verbraucht, so berechnet sich der Sauerstoffgehalt zu: 0,056826x 31,4 =1,7529 oder für
, .	1,7529x 1000	„0_

1 1 =------255“..“ = 6-87 ccm-

G. Romijn1) hat für die Bestimmung des Sauerstoffs im Wasser den nachstehen-
den empfehlenswerten Apparat2) angegeben. Man füllt denselben mit Wasser, indem
man ihn bei geöffneten Hähnen entweder langsam unter den Wasserspiegel senkt oder
ihn mittels eines Aspirators oder durch Ansaugen mit dem Munde füllt. Hach Füllung
des Apparates und nach Schließung der Hähne wird das in dem
obersten Röhrchen befindliche Wasser ausgeschwenkt und in dasselbe
1 ccm einer Manganohlorürlösung (12 g in 100 ccm) und 1 ccm
Jodkaliumlösung (8,5 g in 100 ccm) gefüllt, diese durch Öffnen des
unteren und oberen Hahnes in die mit Wasser gefüllte Birne ge-
bracht, indem man unten genau 2 ccm ausfließen läßt. Man mischt
und fügt dann auf dieselbe Weise 1 com Seignettesalzlösung von
1.255 spezifischem Gewicht und 1 ccm Salzsäure von 1,105 spezifischem
Gewicht in derselben Weise in die Birne; nach abermaligem Durch-
mischen überläßt man 10 Minuten der Ruhe, läßt den Inhalt der
Birne in einen Kolben fließen und titriert das frei gewordene Jod
mit Thiosulfat und Stärkelösung wie vorhin.

Bei Gegenwart von Nitriten muß diese Sauerstoff-
bestimmung in etwas veränderter Weise ausgeführt werden,
da bei der Einwirkung von salpetriger Säure auf Jodwasser-
stoff neben freiem Jod Stickstoffoxyd entsteht, welches bei
jodometrischen Arbeiten insofern störend wirkt, als es aus der Luft Sauerstoff auf
den Jodwasserstoff zu übertragen vermag.

i

Fig. 302. Apparat
zur Bestimmung des
Sauerstoffs im Wasser.

üm den störenden Einfluß der salpetrigen Säure auszuschließen, wird die
Bestimmung so modifiziert, daß die salpetrige Säure zu Salpetersäure oxydiert
wird. Dies wird dadurch erreicht, daß das Kaliumjodid erst nachträglich, nach der
Ansäuerung mit Salzsäure zur Flüssigkeit gegeben wird.

Durch das heim Ansäuern aus dem Manganichlorid frei werdende Chlor wird
die salpetrige Säure zu Salpetersäure, sowie auch teilweise die im Wasser enthaltene
organische Substanz oxydiert. Um die auf diesem "Wege verloren gegangene Menge
Sauerstoff zu erfahren, ist eine Korrektion nötig. Der Wert dieser Korrektion er-
gibt sich, wenn man eine gemessene Menge des auf seinen Sauerstoffgehalt zu
untersuchenden “Wassers mit überschüssiger Manganichloridlösung versetzt und be-
stimmt, wieviel von dem wirkungsfähigen Chlor verschwunden ist.

Soll also in einem nitrithaltigen Wasser der Sauerstoff bestimmt werden,
so benutzt man jene Natriumhydroxydlösung, in welcher kein Kaliumjodid enthalten
ist. Das weitere Verfahren ist das oben erörterte, nur ist zum Ansäuern die
doppelte Menge Salzsäure zu verwenden. Nach dem Mischen wartet man 2 bis
3 Minuten und versetzt die Flüssigkeit erst hierauf mit Kaliumjodid, Die zur
Korrektion benötigte Manganichloridlösung wird nur beim Gebrauche bereitet, und
zwar in folgender Weise: Man gibt in einen halben Liter destillierten Wassers
ungefähr 1 ccm von der reinen, kein Kaliumjodid enthaltenden Natriumhydroxyd-
lösung, nachher 5—10 Tropfen von der Manganochloridlösung. Nach dem Mischen
Wird so viel Salzsäure zur Flüssigkeit gegeben, daß der Niederschlag sich löst.
Es ist angezeigt, zu der schon sauren Flüssigkeit einige Gramme kristallisiertes

J) Zeitaohr. f. angew. Chemie 1897, 658.

2)	Zu beziehen von Greiner &amp; Friedrichs in Stützerbach i. Thür.
        <pb n="852" />
        ﻿830

Trinkwasaer.

Manganochlorid zu setzen; man braucht dann weniger Salzsäure zur Lösung des
Niederschlages.

Von dieser Manganichloridlösung werden zweimal 100 ccm abgemessen. Die
ersten 100 ccm verdünnt man mit 100 ccm destilliertem Wasser, zu den anderen
werden 100 ccm von dem zu untersuchenden Wasser gegeben.

Nach dem Vermischen wartet man 2—3 Minuten, setzt dann zu beiden Kalium-
jodid und bestimmt das ausgeschiedene Jod mit derselben Thiosulfatlösung, mit
welcher der Sauerstoff bestimmt wird. Aus der Differenz der in beiden Fällen
verbrauchten Thiosulfatlösung ergibt sich der Wert der Korrektion für 100 ccm
Wasser. Man berechnet den Wert der Korrektion für die bei der Titrierung des
Sauerstoffs angewendete Wassermenge und addiert ihn zu der dort verbrauchten
Natriumthiosulfatlösung.

22.	Nachweis von Auswurfstoffen in einem Wasser. Unter Umständen lassen
sich tierische Auswurfstoffe (sowie Verwesungserzeugnisse von Tier- und Pflanzen-
teilen) direkt in einem Wasser nachweisen; der Nachweis beruht darauf, daß die-
selben stets in geringer Menge Phenol, Kresol, Skatol, Indol und andere Stoffe
enthalten, welche mit Diazokörpern, wie Diazosulfobenzol, intensiv gelb gefärbte
Verbindungen liefern.

100 ccm des zu prüfenden Wassers werden nach P. Gries in einem hohen
Glaszylinder aus farblosem Glase mit etwas Natronlauge und einigen Tropfen einer
frisch bereiteten Lösung von Diazobenzolsulfosäuren vermischt. Bei Anwesenheit
von menschlichen oder tierischen Auswurf- bezw. Verwesungsstoffen tritt innerhalb
5 Minuten eine Farbenveränderung (Gelbfärbung) ein. Zum Vergleich dienen
100 ccm destilliertes Wasser, welches in derselben Weise behandelt und mit ersterem
Zylinder auf eine weiße Unterlage gestellt wird.

Menschenharn soll auf diese Weise noch in einer Verdünnung von 1 ; 5000,
Pferdeharn in einer solchen von 1 : 50000 eine deutliche Gelbfärbung zeigen.

Etwaige Anwesenheit von Kotbestandteilen in einem Wasser gibt sich
durch die mikroskopische Untersuchung des Bodensatzes zu erkennen, worin sich
unter Umständen Stärkekörnchen im ganzen oder gequollenen Zustande, ferner aber
Überreste der Fleischnahrung (Muskelfaser mit und ohne Querstreifen) vorfinden.

Inwieweit der Bakterienbefund eine Verunreinigung des Wassers durch
Fäkalien anzeigen kann, wird weiter unten unter „Bakteriologische Untersuchung des
Wassers“ besprochen.

In den seltensten Fällen wird aber der direkte Nachweis von menschlichen
oder tierischen Auswurf- bezw. Verwesungsstoffen gelingen, sondern derselbe wird
meistens indirekt geliefert werden müssen. Da diese Auswurf- und Verwesungs-
stoffe reich an stickstoffhaltigen, organischen Verbindungen sind, so werden sie diese,
wenn sie nicht direkt in den Brunnen fließen, sondern im Boden wie in den meisten
Fällen versickern, an den Boden abgeben und wird letzterer nach und nach mit
immer größeren Mengen Stickstoff, Kohlenstoff bezw. Ammoniak und Kohlensäure,
ferner Schwefelverbindungen angereichert.

Man wird daher, abgesehen davon, daß sich Eeste von Kotbestandteilen im
Boden werden erkennen lassen, durch eine Bestimmung des Kohlenstoffs (S. 13) —
durchschnittlich enthält Ackerboden 1,0 bis 2,5 °/0 Kohlenstoff — oder durch eine
Bestimmung der gasförmigen und gebundenen Kohlensäure (S. 36 und 15), durch
Bestimmung des Stickstoffs und Ammoniaks (S. 37 und 38), der Schwefelsäure
und des Schwefels (S. 39) im Boden der näheren Umgebung des Brunnens An-
haltspunkte für solche Verunreinigungen gewinnen.
        <pb n="853" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

831

Da der Stickstoff der organischen Stoffe im Boden mehr oder weniger rasch
in Salpetersäure, der Schwefel in Schwefelsäure, der Kohlenstoff in Kohlensäure
übergeführt wird, diese Säuren aber aus dem Boden Basen — vorwiegend Kalk,
Magnesia usw. — aufnehmen, so wird man in solcherweise verunreinigtem
Wasser eine erhöhte Menge von Nitraten, Sulfaten und Karbonaten gegenüber
nicht verunreinigtem Quell- oder Grundwasser derselben Gegend und Lage finden.
Gleichzeitig zeigen derartige verunreinigte Wässer, weil die menschlichen und
tierischen Abfallstoffe reich an Chlornatrium sind und dieses bezw. das Chlor vom
Boden nicht absorbiert wird, eine erhöhte Menge an Chloriden, und wenn die Ver-
unreinigung des Bodens stark um sich gegriffen hat oder der Boden nicht die
genügende Oxydationskraft besitzt, eine erhöhte Menge an organischen Stoffen
neben mehr oder weniger Ammoniak und salpetriger Säure, oder gar Schwefel-
verbindungen wegen mangelnden Luftzutritts, infolgedessen die organischen Stoffe
und der Stickstoff nicht vollständig oxydiert werden, oder der Sauerstoff durch
Bakterien den Verbindungen desselben in Nitraten oder Sulfaten entnommen wird.
Durchweg zeigen derartig verunreinigte Wässer auch einen erhöhten Gehalt an Kali.

Während ein einseitiger hoher Gehalt eines Wassers an organischen
Stoffen oder Chloriden, oder Nitraten, oder Sulfaten aus natürlichen Bodenschichten
(z. B. für organ. Stoffe aus Schiefergebirgen, für Chloride und Sulfate aus mergel- und
gipshaltigen Böden, für Nitrate aus Salpetererden1)) herrühren kann, so läßt ein
gleichzeitiger hoher Gehalt an allen diesen Bestandteilen bei gleichzeitiger
Anwesenheit von Ammoniak,J) einen sicheren Schluß auf die besagte Verunreinigung
zu, besonders dann, wenn benachbarte Quell- und Brunnenwässer in derselben Lage
und unter denselben natürlichen Bodenverhältnissen keinen so hohen Gehalt an den
genannten Bestandteilen aufweisen.

Für die Beurteilung der Beschaffenheit eines fraglichen Wassers muß daher
die Beschaffenheit und Zusammensetzung des natürlichen Quell- oder Grundwassers
einer Gegend oder Ortschaft mit in Betracht gezogen werden, weil dieselben je
nach der Beschaffenheit der Bodenschichten, welche sie durchfließen oder in welchen
sie sieh sammeln, Bestandteile in verschiedener Menge aufnehmen und eine ver-
schiedene Zusammensetzung zeigen.

Sind aber diese Verhältnisse bekannt, dann hält es nicht schwer, auf Grund
der vorstehenden Ausführungen durch die chemische Untersuchung zu ermitteln, ob
und in welchem Grade ein fragliches Wasser in besagter Weise verunreinigt ist
oder nicht.

23.	Nachweis von Leuchtgas-Bestandteilen im Wasser. Infolge Undichtigkeit
von Gasröhren in der Nähe von Brunnen können auch mitunter Leuchtgas-Bestand-
teile in ein Brunnenwasser gelangen.

Dieselben geben sich bei größerer vorhandener Menge schon durch den Geruch
zu erkennen.

*) Letztere kommen nur für die regenfreien oder regenarmeu tropischen Länder und
für hiesige Gegenden nur dann in Betracht, wenn Begenwasser, durch reine Sandschichten
filtriert, sich auf undurchlasaenden Schichten ansammelt und dort durch Verdunstung immer
konzentrierter wird (vergl. Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905,
10, 139).

2) Das im Begenwasser vorkommende Ammoniak ist für diese Frage belanglos, weil
es nur in geringer Menge im Begenwasser vorhanden ist und im Boden alsbald in Salpeter-
säure übergeführt wird.
        <pb n="854" />
        ﻿832

Trinkwasser.

C. Himly1) versetzt zum Nachweise dieser Bestandteile eine größere Menge
solchen Wassers mit Chlorwasser, setzt die Mischung dem Sonnenlichte aus und
schüttelt mit Quecksilberoxyd, um überschüssiges Chlor zu entfernen. Bei Gegenwart
von Leuchtgas tritt alsdann ein unverkennbarer Geruch nach Elaylchlortir oder
ähnlichen gechlorten Kohlenwasserstoffen auf.

Eine Verunreinigung durch Gas- und Teerwasser gibt sich nach H. Vohl* 2 3)
unter Umständen auch durch einen Gehalt an Schwefelammonium kund oder
durch die Gegenwart von kohlensaurem, schwefelsaurem und besonders von unter-
schwefligsaurem Ammonium, hezw. durch den erhöhten Gehalt von Kalk- und
Magnesiasalzen dieser Säuren infolge von Umsetzungen im Boden oder auch, weil
dieselben bei der Reinigung des Leuchtgases Verwendung finden.

Von Wichtigkeit ist es weiterhin, solche Wässer auch auf Rhodan mittels
Eisenchlorids zu prüfen.

Auch nimmt der umliegende Boden durch die Leuchtgas-Ausströmungen
Naphthalin auf, welches nach G. Königs8) dadurch nachgewiesen werden kann,
daß man den Boden in großen Steinbehältern unter Zuführung eines Dampfstromes
der Destillation unterwirft. Das auf dem abgekühlten Destillat schwimmende
Naphthalin wird abgehoben, durch mehrmalige Destillation mit Kalilauge gereinigt
und in alkoholischer Lösung durch Pikrinsäure nachgewiesen, womit es eine in
langen Nadeln anschießende Verbindung gibt.

II.	Mikroskopische und biologische Untersuchung des Wassers.

Außer der chemischen Untersuchung des Wassers ist eine mikroskopische
und biologische empfehlenswert; in manchen Fällen ist letztere fast allein ausschlag-
gebend. Die mikroskopische Untersuchung erstreckt sich auf unorganische und
organische tote feste Stoffe, sowie auf die Fauna und Flora des Wassers, soweit
sie durch das Mikroskop erkennbar ist, die biologische auf die Feststellung der Zahl
und der Arten der im Wasser enthaltenen Bakterien und mancher höheren Pilze
mittels des später zu beschreibenden Kochschen Plattenkulturverfahrens bezw. be-
stimmter Kulturverfahren und unter Umständen auf den Nachweis der Erreger der
Cholera, des Typhus, des Milzbrandes und anderer Seuchen.

Für die Prüfung der Leistungsfähigkeit von Sandfiltern, sowie für die Be-
urteilung der aus größeren Tiefen durch undurchlässige Rohrleitungen kommenden
Wässer kommt vorwiegend nur die bakteriologische Untersuchung — und zwar
nur die Bestimmung der Keimzahl — in Betracht; ebenso natürlich bei den auf den
Nachweis pathogener Bakterien gerichteten Untersuchungen. In allen anderen Fällen
— bei Untersuchung von Kesselbrunnen, Sammelbrunnen, Wasserleitungen
und offenen Gewässern — muß außerdem die mikroskopische Untersuchung
ausgeführt werden.

In den meisten Laboratorien wird bisher nur die bakteriologische Unter-
suchung, und zwar auch nur die Bestimmung der Zahl der Bakterien vorgenommen.
Abgesehen von den erwähnten selteneren Fällen gibt diese Art der Untersuchung
aber keinen sicheren Anhalt für die Beschaffenheit eines Wassers. Einerseits ge-
langen bei dem Kochschen Plattenkulturverfahren, das für die bakteriologische
Untersuchung in erster Linie in Betracht kommt, nicht alle im WTasser lebenden
Bakterienarten zur Entwickelung, andererseits schwankt die Bakterienzahl in einem

J) Untersuchungen des Univ.-Labor. Kiel, 1878.

2)	Berichte der deutschen ehern. Gesellsch. Berlin 1877, 10, 1815.

3)	Repertorium f. anal. Chemie 1881, 1, 59.
        <pb n="855" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

8B3

und demselben Wasser, ohne daß der hygienische Wert des Wassers beeinflußt
würde, je nach der Zeit und Art der Probenahme, der Zeit zwischen Probenahme
und Verarbeitung, der Art.des Nährbodens usw. so sehr, daß eine Beurteilung nach den
erhaltenen Zahlen unzulässig erscheint und auch von der Aufstellung irgendwelcher
Grenzzahlen abgesehen werden muß. Dazu kommt, daß die Hoffnung, mittels dieses
Verfahrens die Erreger der ansteckenden Krankheiten, soweit sie zu den Bakterien
gehören, leicht und sicher aus infiziertem Wasser zu züchten, sich nicht erfüllt hat.
Der Nachweis der für unsere Breiten in erster Linie in Betracht kommenden
Typhusbakterien im Wasser gehört trotz-zahlloser Verfahren noch immer zu den
wissenschaftlichen Leistungen, die für die Laboratorien der Praxis ausgeschlossen sind.

Auch die späteren Vorschläge, neben der Zahl der Bakterien die Zahl der
Arten für die Beurteilung des Wassers heranzuziehen, die auf der Erwägung be-
ruhen, daß in einem stark und oft verunreinigten Wasser die Zahl der Arten größer
sein wird, haben keinen Anklang gefunden, da einerseits bei dem Kampf der Arten
nicht nur eine Vermehrung, sondern ebensogut eine Verminderung der Arten durch
Verdrängung weniger gut angepaßter eintreten, andererseits ebenso wie die Zahl der
Keime so auch die Zahl der Spezies ohne erkennbare Gründe großen Schwankungen
unterworfen sein kann.

Ebensowenig wie die Zahl der Arten hat die von anderer Seite vorgeschlagene-
Berücksichtigung der die Gelatine peptonisierenden Bakterienarten für die
Beurteilung des Wassers Wert, da auch zu den harmlosen Wasserbakterien solche
Arten gehören.

Die mikroskopische und biologische Untersuchung berücksichtigt nicht
nur die Bakterien, sondern außer toten Stoffen alle Pflanzen und Tiere im Wasser.
Ihre theoretische Grundlage ist die Tatsache, daß die Flora und Fauna des WTassers
das Ergebnis bestimmter physikalischer, chemischer und meteorologischer Verhält-
nisse ist und mit diesen in eigenartiger Weise wechselt.

Für die Beurteilung kommen nur die allgemein verbreiteten, an die Verhält-
nisse angepaßten Arten in Betracht.

Die für gewisse Verhältnisse im Wasser kennzeichnenden Lebewesen nennt
man „Leitorganismen“. Sind diese nicht in großer Zahl vorhanden, so lassen
sich doch meist kennzeichnende Lebensgemeinschaften (Biocoenosen) nachweisen, aus
denen der erfahrene Beobachter seine Schlüsse ziehen kann.

Die mikroskopische und biologische Wasseruntersuchung verlangt daher in
erster Linie eine genaue Kenntnis der Arten im Gegensatz zu dem älteren, nur die
Keimzahl berücksichtigenden bakteriologischen Verfahren.

Bei sorgfältiger Ausführung gibt sie sichere Auskunft sowohl über statt-
gefundene 'Verunreinigungen der Trink- und Gebrauchswässer als auch über etwa
bestehende Verunreinigungsmöglichkeiten.

Im folgenden kann nur das Wichtigste über die Methodik der mikroskopischen
und biologischen Untersuchung der Trinkwässer sowie über ihre Flora und Fauna
nvitgeteilt werden. Für eingehendere Studien sei in erster Linie das grundlegende
Werk von Mez, „Mikroskopische Wasseranalyse“, Berlin 1898, Verlag von J. Springer;
ferner die Abbildungswerke von B. Eyferth, „Die einfachsten Lebensformen“, Braun-
schweig 1900; von Kirchner und Blochmann, „Die mikroskopische Pflanzen- und
Tierwelt des Süßwassers“, Hamburg 1891 und 1895; ferner die Einzeldarstellungen
von Zacharias, „Die Tier- und Pflanzenwelt des Süßwassers“, Weber-Leipzig 1891;
•I- Kräpelin, „Die Fauna der Hamburger Wasserleitung“, 1886, Naturw. Verein
Hamburg; Hugo de Vries, „Die Pflanzen und Tiere in den dunklen Räumen der
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	53
        <pb n="856" />
        ﻿834

Trinkwasser.

Rotterdamer Wasserleitung“, Jena 1891; Zschokke, „Faunistische Studien an
Gebirgsseen“, Verhandl. d. naturw. Gesellschaft zu Basel, Bd. IX; Schewiakoff,
„Über die geographische Verbreitung der Süßwasserprotozoen“, Heidelberg 1892,
und viele andere faunistische Studien im Zoologischen Anzeiger. Weitere Literatur
findet man bei Kolkwitz und Marsson, Mitteil, aus d. Königl. Prüfungsanstalt
f. Wasserversorgung usw., Berlin 1902, Heft 1.

1. Bestimmung der Zahl der Bakterien. Uber die Probenahme des Wassers
für die bakteriologische Untersuchung vergl. S. 801.

Das einzig brauchbare Verfahren zur Bestimmung der Zahl der Bakterien
ist das Kochsche Plattenkulturverfahren, das darauf beruht, die einzelnen
Keime gut voneinander getrennt in einem festen Nährboden zur Entwickelung zu
bringen und aus der Zahl der dabei entstehenden Kolonien auf die Zahl der Keime
zu schließen. Mängel dieses Verfahrens bestehen darin, daß in Wirklichkeit nicht
immer jede Kolonie nur einem Keime entspricht und daß manche Wasserbakterien
auf den meist verwendeten Nährböden überhaupt nicht zur Entwickelung gelangen.

Weniger zu empfehlen ist für die Bestimmung der Bakterienzahl die manchmal
empfohlene direkte mikroskopische Zählung der Keime in gefärbten Präparaten,
da hierbei die Unterscheidung der toten und lebenden Zellen schwierig ist. Eine
genaue Anleitung für solche quantitativen Bestimmungen gibt Klein.1)

Nährböden für die Wasseruntersuchung. Gewöhnlich verwendet man
die nach den Kochschen Vorschriften hergestellte Fleisch wasserpepton-
gelatine, die in folgender Weise hergestellt wird:

500 g feingehacktes, möglichst fettfreies Rindfleisch werden in einen etwa 2 1
fassenden Kolben gebracht, mit 1 1 gewöhnlichen Wassers übergossen und darin
24 Stunden lang an einem kühlen Ort, im Sommer womöglich im Eisschrank stehen
gelassen. Das erhaltene Fleischwasser wird sodann durch ein mäßig dichtes Tuch
filtriert, schließlich der ganze Brei darauf gegeben und dieser so lange ausgepreßt,
bis man 1000 ccm Fleischwasser erhält. Dieses gibt man wieder in einen 2 Liter-
Kolben, dazu 10 g Peptonpulver, 5 g Kochsalz und anteilweise 100 g reine feste
Gelatine, worauf man das Ganze auf dem Wasserbade erwärmt, bis die Gelatine
vollständig verflüssigt ist. Alsdann wird die Lösung neutralisiert, d. h. so lange
vorsichtig mit konzentrierter Sodalösung versetzt, bis das rote (nicht zu stark rote)
Lackmuspapier blau erscheint, und mit einem in Wasser verrührten Eiweiß zur Aus-
scheidung der Eiweißstoffe und Klärung etwa 1/2 Stunde im kochenden Wasserbade
erhitzt, bis das sich ausscheidende Eiweiß zu großen Flocken sich zusammengeballt
hat. Man prüft noch einmal, ob die Gelatine auch alkalisch geblieben ist; nötigenfalls
gibt man noch etwas kohlensaures Natrium hinzu und filtriert durch ein Faltenfilter.
Die Filtration führt man, um eine zu frühe Erstarrung der Gelatine zu vermeiden, am
besten in dem,angewärmten Kochschen Dampfsterilisierapparat (Fig. 303, S. 835) oder
im Heißwassertrichter aus. Das Filtrat, welches klar und wenig gefärbt sein muß, ist
die fertige Nährgelatine, welche nur noch sterilisiert zu werden braucht. Man verteilt
sie zu diesem Behufe sogleich in vorher sterilisierte Reagensgläser, auf welche man
dichte, etwa 1 cm in das Röhrchen hineinreichende Wattepfropfen aufgesetzt hat,
oder für den späteren Gebrauch zunächst in sterilisierte Erlenmeyer-Kölbchen von etwa
250 ccm Inhalt, aus denen sie gegebenenfalls in Reagensgläser abgefüllt wird.
Diese, sowie alle Glassachen, werden dadurch sterilisiert, daß man sie in einem
Trockenschrank auf 150—160° 1 Stunde lang erhitzt, wobei die Watte schwach
gebräunt wird. Nachdem man die Röhrchen (am besten 155 mm lang und 16 mm

*) Centralbl. f. Bakteriologie I. Abt. 1900, 24, 834.
        <pb n="857" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

835

weit) 5—6 cm hoch mit Gelatine gefüllt hat, gibt man sie in einen runden Draht-
korh oder in ein Einsatzgefäß mit durchlochtem Boden und erhitzt sie Stunde
lang in dem kochenden Dampfsterilisierapparat (Fig. 303), und zwar an 3 auf-
einanderfolgenden Tagen je 1-mal. Ist die Gelatine klar geblieben, so ist sie zum
Gebrauch geeignet.

Statt dieser Fleischwasserpeptongelatine werden neuerdings auch Nähr-
gelatinen einfacherer Herstellungsweise empfohlen, da die im Fleischwasser
enthaltenen Stoffe die Entwickelung mancher Wasserbakterien verhindern, so daß die
Zahl der Kolonien zu gering wird. Folgende Vorschriften seien mitgeteilt: Reichs-
gesundheitsamt: Fleischextrakt Liebig 10 g, Pepton Witte 10 g, Kochsalz 5 g,
Gelatine 100 g, Wasser 1000 g, gegen Lackmus neutralisiert und sodann mit 1,5 g
kristallisierter Soda versetzt; Thomann:1) Fleischextrakt Liebig 6 g, K2TTPQ4
2 g, Gelatine 100—200 g, sonst wie die erste Vorschrift; Abba:1 2 3) Fleischextrakt

Fig. 303. Dampfsterilisationsapparat.

Fig. 304. Plattengießapparat.

Liebig 6 g, Wasser 1000 g, Gelatine 150 g; Pakes8) empfiehlt, 100 g Gelatine
in 1 1 des zu untersuchenden Wassers ohne Zusätze zu lösen und zu neutralisieren.

Statt der Gelatinenährböden werden auch solche von Agar empfohlen, die
den Vorteil haben, durch peptonisierendc Bakterien nicht verflüssigt zu werden.
Außer dem Fleisohwasserpeptonagar (Herstellung wie die der entsprechenden
Gelatine, nur mit 2 °/0 Agar versetzt und 1/2 Stunde im Autoklaven bei 125° erhitzt)
wird zuweilen der von Hesse und Niedner4) empfohlene Albumoseagar ver-
wendet, der aus l,25°/0Agar, 0,75°/0 Nährstoff Heyden und 98°/0 Wasser besteht.
Auf ihm wachsen viele Wasserbakterien besser als auf den Fleischwassernährböden,
so daß die mit ihm gefundene Keimzahl höher ist, andererseits aber Schmutzwasser-
kakterien weniger gut, so daß er die biologischen Verhältnisse im Wasser eher ver-

1)	Centralb). f. Bakteriol. II, 1900, 6, 796.

2)	Zeitschr. f. Hyg. 1900, 3B, 372.

3)	Centralbl. f. Bakteriol. II, 1901, 7, 386.

4)	Zeitsohr. f. Hygiene 1898, 29, 460.

53*
        <pb n="858" />
        ﻿836

Trinkwasser.

schieiert als klärt. Prall1) empfiehlt Gemische von Gelatine und Agar, besonders
ein solches von 5°/0 Gelatine und 0,75°/0 Agar mit Fleischextrakt und Pepton Witte.
Nach unseren Erfahrungen leisten die einfacher zusammengesetzten Gelatinenährböden
gute Dienste. In wichtigen Fällen wird man mehrere Nährböden nebeneinander
verwenden. Hauptsache ist, daß man die Nährböden selbst herstellt und nicht
fertig kauft.

Herstellung der Zählplatten. Drei Gelatineröhrchen werden in Wasser
von etwa 35° verflüssigt. Der sie verschließende Wattestopfen wird durch Drehen
gelockert und abgebrannt, um etwaige Luftkeime zu vernichten. Darauf wird aus
den Wasserproben mittels einer in einem Stahlblechkasten durch längeres Erhitzen
auf 250° sterilisierten, in 1/10 ccm eingeteilten 1 cem-Pipette eine kleine Probe
entnommen und nach Entfernung des Wattestopfens in das möglichst wagerecht
gehaltene Röhrchen einlaufen gelassen. Die Menge des Wassers richtet sich nach
seinem Bakteriengehalt. Bei sofortiger Verarbeitung eines sehr reinen Wassers wird
man bis zu 1 ccm gehen dürfen. Um auf jeden Fall brauchbare Platten zu erzielen,
impft man drei Röhrchen mit 1, 0,5 und 0,25 ccm. Bei voraussichtlich verunreinigtem
Wasser stellt man erst Verdünnungen mit sterilisiertem Leitungswasser her.

Die Gelatine wird nun durch vorsichtiges Heben und Senken des Röhrchens
(nicht durch Schütteln) mit dem Wasser völlig vermischt, dann wird der Rand
des Röhrchens bei aufgesetztem Wattepfropfen abgebrannt und dann die Gelatine
auf eine Glasscheibe oder in eine sog. Petri-Schale ausgegossen. Im ersteren Falle
ist dazu ein besonderer Plattengießapparat (Fig. 304, S. 835) nötig, dessen obere
Schale mit Wasser und Eisstücken2) gefüllt wird, damit die darauf gelegte Platte
von mattem Glase kalt gehalten wird. Auf diese Platte bringt man zuerst eine
kleine Wasser wage, um mittels dieser den Apparat vollständig wagerecht zu stellen.
Sodann legt man auf die große Glasplatte eine Platte für die Kultur, deren man
mehrere vorher in einem Kasten von Stahlblech durch Erhitzen auf 160—160°
sterilisiert und im Kasten erkalten gelassen hat.

Die Größe dieser Kulturplatten beträgt am besten 85/136 oder 105/130 mm.
Die Kulturplatte wird sofort mit dem zum Apparate gehörigen Glassturze bedeckt.
Ist dies geschehen, so nimmt man den teilweise abgebrannten Wattepfropf von dem
mit dem zu untersuchenden Wasser beschickten Gelatineröhrchen weg und gießt
die Gelatine auf die Kulturplatte aus, verteilt sie gleichmäßig mit dem Rande des
Röhrchens und läßt sie erstarren.

Mehrere solcher Kulturen werden in einer sog. feuchten Kammer — zwei über-
einander greifende flache Glasschalen — aufbewahrt, damit die Gelatine nicht trocken
wird, zu welchem Zwecke man auf den Boden der Glasschale eine mit Quecksilber-
chlorid-Lösung (1 : 1000) angefeuchtete Scheibe Filtrierpapier legt. Die Platten-
kulturen selbst stellt man, wenn mehrere Kulturen angesetzt werden sollen, auf
Glasbänken übereinander.

Verwendet man Agar, so müssen die Röhrchen zur Verflüssigung im kochenden
Wasserbade längere Zeit erhitzt werden. Vor der Impfung mit dem zu unter-
suchenden Wasser muß man sie auf 40° ahkühlen lassen und dann schnell arbeiten,
da der Agar bei dieser Temperatur bald erstarrt. Agar kann nicht auf Platten,
sondern nur in Petri-Schalen ausgegossen werden, da er umgekehrt aufbewahrt wer-
den muß, um das aus ihm immer noch wieder austretende Wasser ahlaufen zu lassen.

J) Arbeiten aus ’d. Kais. Gesundheitsamte 1902, 18, 436.

2) Statt der obigen Vorrichtung hat man jetzt auch einen einfachen Plattengieß-
apparat von Kupferblech, der durch fließendes Wasser abgekühlt wird.
        <pb n="859" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

837

Zweckmäßiger ist es, den Agar nicht im Röhrchen mit dem Wasser zu mischen, sondern
dieses in die Petri-Schale zu pipettieren, den Agar darüber zu gießen und nun in
der Schale zu mischen.

Gelatineplatten und Agarschalen werden am besten bei etwa 20° aufbewahrt.
Nach zwei bis drei Tagen sind sie mit Kolonien mehr oder minder dicht besetzt.
Je nach der Dichte der Kolonien wird man die Auszählung der Platten früher oder
später vornehmen. Bei dünn bewachsenen Platten kann man, wenn es der Fall
erlaubt, die Auszählung
bis zum zehnten Tage
hinausschieben und die
Zählung mittels der Lupe
vornehmen.

Zu diesem Behufe
legt man die Platte auf eine
sog. Zählplatte (Fig. 305),
eine durch Gravierung	Fig, 305. zatipiatte für Piattehkuituren.

in Quadratzentimeter und

Quadratmillimeter geteilte Glasplatte, und zählt sämtliche in 1 qcm oder 1 qmm
liegende Kolonien. Letzteres wiederholt man an mehreren (6 bis 10) Stellen der
Platte und nimmt zuletzt das Mittel aus den erhaltenen Zahlen. Die Mittelzahl
mit der Anzahl der Qua-
dratzentimeter, welche die
Gesamtfläche der Gelatine
bedeckt, multipliziert, er-
gibt die in 1 ccm oder
*/2 ccm usw. Wasser ent-
haltenen Keime, von
welchen jeder eine mit un-
bewaffnetem Auge sicht-
bare Kolonie gebildet hat.

Bei Anwendung von 0,5,

0,25 oder 0,2 ccm Wasser
wird die Anzahl auf 1 ccm
Wasser umgerechnet.

Hat man die Kulturen
in Petrischen Schalen
angelegt, so bedient man
sich zweckmäßig der Zähl-
platte von Lafar (Fig.

306). Bei derselben sind Hg- 806' zählPlatte für Sohalenkulturen (nach Lafar).

die einzelnen Sektoren des Kreises in Felder von je 1 qcm Inhalt eingeteilt. Man zählt
mehrere Felder von je 1 qcm aus und berechnet darnach aus der Mittelzahl die
Gesamtzahl nach der Formel r2?r, oder man berechnet, wieviel Keime auf einen
Sektor etwa von 60° kommen, und erhält die Gesamtzahl durch Multiplikation mit 6.

Bei dichter bewachsenen Platten führt man die Zählung der Kolonien besser mit
dem Mikroskop bei etwa 40- bis 60-facher Vergrößerung aus. Zu diesem Zwecke
bestimmt man die Größe des Gesichtsfeldes, indem man mittels des Zeichenapparates
ein genaues Bild davon auf einem in Höhe der Gelatineplatte befindlichen Zeichen-
brett entwirft, den Durchmesser des Bildes mißt und durch die doppelte Ver-
        <pb n="860" />
        ﻿838

Trinkwasser.

größerungsziffer der Linsen dividiert. Aus dem so erhaltenen Radius des Gesichts-
feldes berechnet sich dieses nach der Formel r%r. Man nimmt nun etwa fünfzig
Zählungen vor, wobei man unter Umständen ein Okularnetzmikrometer benutzen muß,
und berechnet aus dem erhaltenen Mittel der Zählungen die Kolonienzahl der Schalen.

Die mikroskopische Zählung gibt genauere Werte als die Lupenzählung und
gestattet ein schnelleres Urteil als diese, da im Mikroskop schon nach kurzer Zeit
Kolonien sichtbar werden, die durch die Lupe erst mehrere Tage später erkenn-
bar sind.

Um eine zu schnelle Verflüssigung der Gelatineplatten zu verhindern, kann
man die verflüssigenden Kolonien durch Betupfen mit einem Höllensteinstift in der
Entwickelung etwas hemmen. Die auf den Platten etwa entstehenden Kolonien von
Schimmelpilzen werden besonders gezählt. Will man, was unbedingt zu empfehlen
ist, die Zählplatten schon am Ort der Probenahme herstellen, so verwendet man
hierzu zweckmäßig die Gefäße von Eoszahegyi (Fig. 307), flache, kreisrunde, dünne
Flaschen mit etwas gebogenem Halse, die im Laboratorium
mit etwa 10 ccm Nährgelatine gefüllt und mit einem Watte-
stopfen geschlossen, sterilisiert, am Ort der Probenahme
nach Verflüssigung der Gelatine mit der zu impfenden
Wassermenge versehen und nach gründlicher Mischung
beider flach hingelegt werden. Man erhält so eine Gelatine-
platte innerhalb der Flasche. Da in die Flaschen ein
Liniennetz eingeätzt ist, so machen sie die Zählplatte ent-
behrlich. In Ermangelung dieser Gefäße kann man die Zähl-
platten auch in sog. Esmarchschen Rollröhrchen anlegen.
Diese sind größere Eeagensgläser, in denen die Gelatine
nach der Impfung durch Rollen der Gläser unter einem kühlen Wasserstrahl oder
in kalter Luft an den Wandungen in dünner Schicht zum Erstarren gebracht wird.
Für die Auszählung hat man bestimmte Apparate, auf die hier nur verwiesen sei.
Die Rollröhrchen haben den Nachteil, daß verflüssigende Kolonien sie bald unbrauchbar
machen. Dagegen vermeidet man mit ihnen, wie mit den Roszahegyi-Flaschen,
den bei dem gewöhnlichen Plattenverfahren unvermeidlichen Fehler, der durch das
Zurückbleiben eines Teiles der Gelatine in dem geimpften Röhrchen entsteht.

2. Die Bestimmung der Bakterieuarten. Für diesen Zweck sind möglichst
dünn besäete Platten nötig. Es ist sehr zu empfehlen, für die Bestimmung der
Arten stets Gelatinenährböden oder sowohl diese wie Agarnährböden zu verwenden,
da die für die Diagnose der einzelnen Arten sehr wichtige Form der Kolonien oft
nur auf den erstgenannten Nährböden hervortritt. Die Anlage der Platten ge-
schieht in derselben Weise, wie sie oben beschrieben wurde, nur ist hier noch mehr
als bei den Zählplatten äußerste Sauberkeit nötig, um nicht Keime aus der Um-
gebung des Menschen in die Kulturen gelangen zu lassen, die zu Fehlschlüssen
führen können. In welcher Weise die Diagnose einer Bakterienart gestellt werden
kann, muß man aus Sonderwerken, insbesondere dem erwähnten Handbuch von
Mez und dem Atlas und Grundriß der Bakteriologie von Lehmann und Neumann
(München 1904) erlernen. Es gehört dazu längere Übung und praktische Erfahrung,
wenn man nicht zu Fehlschlüssen gelangen soll.

Für den leichteren Nachweis mancher Leitbakterien werden Zusätze zu den
Nährböden empfohlen. So kann für den Nachweis des als Indikator für Fäkal-
verunreinigung vielfach betrachteten Bacterium coli ein von v. Drigalski-Conradi1)

Fig. 807.

Flasche für Bakterien-
kulturen.

*) Zeitsohr. f. Hygiene 1902, 39, 283.
        <pb n="861" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

839

empfohlener Nährboden von folgender Zusammensetzung verwendet werden: 2 1
Fleischwasser, 20 g Pepton Witte, 20 g Nutrose, 10 g Kochsalz, 60 g Agar (mit
Soda neutralisiert); dazu 260 ccm Lackmuslösung nach Kubel-Tiemann mit 30 g
Laktose; zum ganzen werden 4 ccm 10%-ige Sodalösung, 20 ccm einer 0,1 °/0-igen
frischen Lösung von Kristallviolett B (Höchster Farbwerke) gesetzt. Auf diesem
Nährboden erscheinen Koli-Kolonien leuchtend rot.

Da es nicht immer gelingt, die Leitorganismen, wenn sie in geringer Zahl
vorhanden sind, auf den Platten nachznweisen, so wendet man, um besonders häufige
und kennzeichnende Arten zu fassen, zuweilen auch ein „Anreicherungs verfahren“
an, indem man eine Probe des Wassers in eine Nährlösung bringt, die der gesuchten
Art besonders günstige Entwickelungsbedingungen bietet, und aus der an dieser
Art angereicherten Flüssigkeit nach einiger Zeit Platten anlegt. Dieses Verfahren
bietet vor dem Plattenverfahren auch den Vorteil, daß man größere Wassermengen
bequem untersuchen kann. Insbesondere für Bacterium coli sind solche Anreicherungs-
verfahren ausgearbeitet worden. Kaiser1) empfiehlt dazu Heuinfus. 600 g Heu
werden mit 6 1 kochendem Wasser Ubergossen und 15 Minuten stehen gelassen.
Das abgepreüte Filtrat wird auf 5 1 ergänzt, filtriert, im Autoklaven eine Stunde
sterilisiert, nach zwei bis drei Tagen filtriert und wieder sterilisiert. Zu diesem
Infus wird so viel des zu untersuchenden Wassers gesetzt, daß ein 3°/0-iges Infus
entsteht. Ferner wird zum Nachweise des Bacterium coli und seiner Verwandten
die Ausführung einer Garprobe mit dem Wasser in Glukosebouillon im Einhorn-
schen Gärkölbchen empfohlen. Man wird am besten tun, gegebenenfalls alle diese
ziemlich einfachen Verfahren anzuwenden.

Für den Nachweis der im Darm stets vorhandenen anaeroben Fäulnisbakterien
im Wasser hat Eichmond1 2) die Impfung von 10 ccm sterilisierter Milch mit 1 ccm
des Wassers, 10 Minuten langes Erwärmen auf 50°, Bebrütung unter Luftabschluß
bei 37 0 empfohlen. Innerhalb zweier Tage eintretende Gerinnung, Gasentwickelung
und Gestank sollen das Wasser verdächtig machen,

3.	Die Bestimmung der auf Gelatine- und Agarplatten wachsenden höheren
Pilze. Die besondere Untersuchung eines Wassers auf Schimmel- und Hefepilze
wird — abgesehen von den für Brauzwecke bestimmten Wässern — nur selten
vorgenommen. Doch ist zu beachten, daß nach Mez gerade für Fäkalverun-
reinigungen manche Schimmel äußerst kennzeichnend sein sollen. Die Untersuchung
erfolgt in derselben Weise wie die auf Bakterien, nur verwendet man statt der alka-
lischen Nährböden besser saure. Ein sehr guter Nährboden ist eine nicht neutra-
lisierte 10°/0-ige Würzegelatine oder 10°/o-ige Pflaumengelatine (100 g entkernte
Backpflaumen auf 1 1 Wasser). Mez empfiehlt ferner sterilisiertes Schwarzbrot in
Petri-Schalen. Betreffs der Diagnose der Arten muß wieder auf die genannten
Handbücher verwiesen werden.

4.	Die mikroskopische Untersuchung. Alle nicht durch die beschriebenen
Kulturverfahren nachweisbaren Pflanzen, Tiere und toten Beste werden durch un-
mittelbare mikroskopische Untersuchung der für diesen Zweck hergestellten Probe
bestimmt. Soweit es sich dabei um abgekratzte Beläge, Krusten, Sedimente u. a.
handelt, werden diese einfach in etwas sterilisiertem Wasser ausgebreitet und
Präparate hergestellt. Die durch die oben (S. 802) beschriebene Filtration aus einer
größeren Wassermenge gesammelten schwebenden Lebewesen und Stoffe werden auf

1)	Arch. f. Hygiene 1905, 52, 121. Hier findet sich auch eine Zusammenstellung der
älteren, auf B. coli und seinen Nachweis im Wasser bezüglichen Veröffentlichungen.

2)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 524.
        <pb n="862" />
        ﻿840

Trinkwasser.

ein kleines Filter gebracht und dann mit wenig Wasser in ein Schälchen gespült. Die
Objekte werden dann in allen Fällen, in wenig Wasser aufgeschwemmt, in der all-
gemein üblichen Weise unter dem Mikroskop^ untersucht. Über besondere Verfahren
für die Untersuchung der Diatomeen und Protozoen vergleiche man die An-
gaben bei Mez.

5.	Die in Trink- und Gebniuchswässern verkommenden Lebewesen und un-
belebten Stoffe und die Beurteilung der Wässer nach ihnen. Bei der Beurteilung
der Trink- und Gebrauchswässer interessiert besonders die Frage, ob sie durch
Fäkalienabflüsse oder Hausabwässer verunreinigt sind oder ob eine Gefahr der Ver-
unreinigung durch Verbindung mit der Erdoberfläche vorliegt.

Aus den Befunden der mikroskopischen und biologischen Untersuchung lassen
sich nach dieser Dichtung hin folgende Schlüsse ziehen, wobei wir uns im wesent-
lichen den Angaben von Mez anschließen:

Unbelebte Stoffe. Auf eine Verunreinigung mit Fäkalien deuten Fäkal-
reste, mikroskopisch kleine Papier- und Strohreste, auf eine solche durch Hausab-
wässer Ultramarin, Kaffeesatz, Reste von Kartoffelschalen, allerlei Textilfasern hin;
Reste größerer Tiere, Haare (z. B. von Ratten) u. a. lassen auf Zugänge von der
Oberfläche schließen.

Belebte Wesen. Von direkt schädlichen Lebewesen seien, abgesehen
von den hier nicht zu behandelnden pathogenen Bakterien, einige tierische Parasiten
erwähnt. Es sind dies der Spulwurm (Ascaris lumbricoides L.), der Madenwurm
(Oxyuris vermicularis L.) und der Peitschenwurm (Trichocephalus dispar Bud.).
Außerdem kommt in kleinen Wasserschnecken (Limnaeus-Ärten) der Larvenzustand
des Leberegels (Distomum hepaticum), des Erregers der Leberfäule der Schafe vor.

Für die Verunreinigung der Trink- und Gebrauchswässer durch Fäkal-
abflüsse bezeichnet Mez u. a. folgende Pilze als typische Leitorganismen: Bacterium
coli, B. alcaligenes, B. cloacae (wohl identisch mit B. vitulinum L. et N.), B. aerogenes,
Harnstoffbakterien, von der Gattung Vibrio (Microspira) die Arten V. aureus, flavus,
flavescens, albensis, terrigenus u. a., von höheren Pilzen u. a. Oospora nivea
Sacc. et Vogl., Pilobolus crystallinus Tode, Sporodesmium echinulatum Speg., mehrere
Arten der Gattung Stilbum u. a. Nach Mez macht schon das Vorkommen einer
dieser Arten im Wasser eine Verunreinigung durch Fäkalien wahrscheinlich, das
von mehreren (4—5) sicher. Betreffs des als besonders typisch angesehenen
Bacterium coli und seiner Verwandten geben allerdings manche Autoren an, daß es
ein überall vorkommender Pilz sei; andererseits ist durch genaue Untersuchungen
aber nachgewiesen, daß es im reinen Wasser meist fehlt. Man darf bei solchen
Untersuchungen nicht vergessen, daß besonders in belebten Gegenden die Luft wohl
stets auch Staub von Fäkalien enthält.

Für Verschmutzung durch Hauswässer sind nach Mez typisch u. a. fol-
gende Pilzarten; Bacterium termo1) (B. vulgare L. et N.), B. pyocyaneum, B. Güntheri,
B. vernicosum, B. syncyaneum, B. pituitosum, Essigsäurebakterien, Bacillus aureus,
B. flexilis, B. Flüggeanus, B. laevis, B. tenuis, B. saprogenes, Micrococcus aureus,
M. albicans, Microspira lingualis und viele andere Bakterienarten, von höheren
Pilzen Fusarium, Monilia sitophila, Mucor racemosus, Oospora-Arten, Trichothecium
domesticum, Saccharomyces-, Mycoderma-, Torula-Arten, von Algen die zu den
Nostocaceen gehörenden Arten der Gattung Oscillatoria, von Tieren die Rhizopoden
Amoeba brachiata und Platoum stercoreum. In Wässern, die mit Hausabwässern ver-

1) Betreffs der von Mez angewendeten, von anderen Handbüchern etwas abweichenden
Nomenklatur muß man das Nähere in seinem Handbuch selbst nachschlagen.
        <pb n="863" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

841

unreinigt sind, kommen nach Mez stets eine ganze Eeihe dieser und anderer
Arten vor.

Fig. 308. Pflanzliche und tierische Lebewesen aus Wasser, das mit Fäkalien oder
Hausabwässern verunreinigt ist. (Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Vergrößerung.)
a Pilobolus Oedipus Mont. (50), b Oospora lactis Sacc. (150), c Myxotrichum chartarum Kze. (200), d Stilbum
erythrocephalum Ditm. (50), e Mucor racemosus Fres. (100), f Fusarium aquaeductum Lagerh. (800),
g Oscillatoria clavatum Mez (150), h O. membranacea Mez (150), i O. antliaria JÖrgens (150), k Amoeba
verrucosa Ehbg. (200), 1 Platoum stercoreum denk (350). Nach Mez.

Ob für ein noch nicht verschmutztes Wasser die Gefahr einer Verunreinigung
durch vorhandene Verbindungen mit der Oberfläche besteht, dafür ist nach Mez
besonders der Nachweis von grünen Algen von Bedeutung, da diese in jedem Ober-
flächenwasser Vorkommen und sich auch in luftdichten Brunnen immerhin einige
Zeit lebend erhalten, wenn sie sich dort auch nicht vermehren.
        <pb n="864" />
        ﻿842

Trinkwasser.

\

Fig. 309. Tierische Organismen aus Brunnenwasser, in dem Fäulnisvorgänge verlaufen, ohne daß
eine Verschmutzung von außen erfolgt ist.

a Paramaecium Aurelia (150), b P. putrinum (300), c Oxytricha Pellionella (200), d Chilodon cucullus (200),
e Euplotes Charon (300), f Glaucoma scintillans (250), g Vorticella microstoma (200), h Colpoda cucullus
(250), i Enchelys arcuata (150), k Cyclidium glaucoma (250), 1 Nassula ornata (150), m Urostyla grandis
(200), n Monas lens (350), o Peranema trlchophorum (350), p Bodo globosus (1500), q Antophysa vegetans,

r dieselbe (400).
        <pb n="865" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

843

Fig. 310. Faden von Crenothrlx
mit differenzierter Scheide and
Gliedern.

Fig. 311. Crenothrix polyspora (nach Zopf). Änskeimung der Konidien aus dem geschlossenen

Sporanglum.
        <pb n="866" />
        ﻿844

Trink wasser.

Auch etwaige Fäulnisvorgänge, die unabhängig von einer von außen statt-
findenden Verschmutzung in Brunnen verlaufen und auf den Geruch und Geschmack
des Wassers unvorteilhaft einwirken, lassen sich durch den Nachweis gewisser Lebe-
wesen mit Sicherheit erkennen und ihrem Wesen nach aufklären. So ist die Schwefel-
bakterie Beggiatoa alba der sicherste Indikator für Schwefelwasserstoff. Merkliche
Fäulnisvorgänge gehen stets Hand in Hand mit einer hohen Bakterienzahl und
Anhäufung von Protozoen. Nach Mez lassen auf Geschmacksfehler u. a. stets
folgende Arten schließen; Von Pilzen alle Beggiatoa- und Spirillum-Arten, von
Ehizopoden Amoeba verrucosa, Hyalodiscus guttulata und limax, von Flagellaten
Monas guttulata, vivipara, vulgaris, sämtliche Bodo-Ärten, Anthophysa vegetans,
von Ciliaten Paramaecium Aurelia, caudatum, putrinum und viele andere.

Außerordentlich wichtig ist der rechtzeitige Nachweis der sog. Eisen-
bakterien im Wasser, da diese nicht nur durch Ausscheidung roter Flocken das
Wasser unappetitlich machen, sondern auch durch mächtige Wucherungen Röhren
verstopfen können. Wo Wasser mit einem Gehalt von Ferrokarbonat mit der Luft
in Berührung tritt, entwickelt sich in ihm bald eine Vegetation dieser Eisenbakterien.
Diese Bakterien führen ihren Namen deshalb, weil sie Eisenoxyd, in höherem Grade
aber noch Manganoxyd und nach Angaben von Jackson1) zuweilen auch Aluminium-
oxyd in den Membranen aufspeichern.

Der wichtigste dieser Pilze ist Crenothrix polyspora Cohen, der in Brunnen
auf dem Grunde in zottigen Vegetationen vorkommt, die graubraun bis schwarz
gefärbt sind, im ersteren Falle meist auch noch grauweiße Flocken enthalten.
Letztere bestehen aus zarten farblosen Fäden, die braunen bis schwarzen Massen
aus braun oder schwarz gefärbten Fäden oder leeren Scheiden (s. u.) von außer-
ordentlicher Dicke. Über die Entwickelung dieses wichtigen Pilzes sei nach Zopf
folgendes mitgeteilt:

Die Sporen (Konidien) der Crenothrix polyspora, von größter Kleinheit, werden
umschlossen von einer zarten Membran, welche später durch Quellung in einen
Gallertmantel übergeht. Darauf findet ein Anwachsen dieser Sporen zu gegliederten
Fäden statt, indem sich durch Einschnürung zunächst 2, dann 4 vegetative Zellen
bilden; durch hierauf eintretende Streckung der Glieder und weitere Zweiteilung
derselben verlängern sich solche Fäden allmählich. Gleichzeitig differenzieren sich
die Seitenwände der einzelnen Glieder in 2 Lamellen, von denen die innere ein
Bestandteil des Gliedes bleibt, während die äußere zu einer Scheide sich abgrenzt
(vergl. Fig. 310, S. 843).

Durch Heraustreten der einzelnen Glieder aus der Scheide, welche letztere die
Eigenschaft besitzt, zu vergallerten, erlangt jede einzelne Zelle die Fähigkeit, ebenso
wie die Sporen sich durch weitere Teilung zu vermehren. Nicht selten tritt der
Fall ein, daß sich die vegetativen Gliederfäden auch schon aus den Konidien ent-
wickeln, bevor dieselben ihren Fruchtbehälter, das Sporangium, verlassen haben.
Die jungen Fäden durchbrechen hierbei die meist schon gallertartig gewordene
Membran, um in das umgebende Wasser hineinzu wachsen. Da der Auskeimungs-
vorgang meist an ganzen Gruppen dicht gelagerter Konidien stattfindet, so bilden
sich in der Regel große Fadenbüschel, welche die verschiedenen Alterszustände mit
ihren wechselnden Dickenverhältnissen aufweisen.

Nicht unter allen Verhältnissen führt die Auskeimung der Konidie zur un-
mittelbaren Bildung vegetativer Fäden. Unter gewissen Ernährungsbedingungen

Q Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 656.
        <pb n="867" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

845

Fig. 312. Eine Palm eilen -
Kolonie von Crenothrix zur
Faden-Kolonie ausgekeimt.

gefärbter Crenothrixfaden,
scheinbar verzweigt.

Fig. 313. Bruchstück eines
alten, durch Eisen braun gefärb-
ten Crenothrixfadens.

Fig. 315. a scheinbar ungegliedert durch
eingelagertes Eisen, b derselbe
Faden nach Behandeln mit Salzsäure.

Fig. 316. In Teilung
befindlicher Crenothrix-
faden mit Bildung von
Konidien.
        <pb n="868" />
        ﻿846

Trinkwasser.

findet zunächst eine Zweiteilung der Konidie statt, von denen jede durch wieder-
holte Teilung Tochterzellen bildet, welche in hezug auf Form, Größe und sonstige
Beschaffenheit die vollste Übereinstimmung mit der Konidie besitzen.

Diese den verschiedensten Generationen angehörenden Sporen nehmen, einge-
bettet in eine gemeinsame Gallerthülle, oft eine ziemlich bedeutende Ausdehnung an.

Der Ähnlichkeit wegen, welche diese Gallertkolonien mit den Entwickelungs-
stufen der Palmellaceen zeigen, werden diese Formen Palmellenzustände bezeichnet.
Werden die Gallertkolonien in einem Tropfen Wasser kultiviert, so vermag jede
Spore zu einem vegetativen Faden auszukeimen, so daß büschel- und rasenartige
Vegetationsformen daraus entstehen.

Die Scheiden der älteren Fäden lagern Eisenoxyd und Manganoxyd ein, und
zwar anscheinend mit Vorliebe letzteres, ' selbst wenn der Gehalt des Wassers an
Mangan geringer als der an Eisen ist. Nach Untersuchungen von Beythien,
Hempel und Kraft1) verhält sich die Menge des Eisens zum Mangan in den
Scheiden wie 1:4 bis 1:11.

Durch sehr vorsichtige Anwendung von verdünnter Salzsäure gelingt es, aus
solchen Scheiden das Eisen zu lösen, so daß nunmehr die Struktur des Crenothrix-
fadens wieder deutlich sichtbar wird. Daß auch die farblosen Fäden bereits etwas
Eisen enthalten, läßt sich durch Behandlung mit Salzsäure und Ferrocyankalium
leicht nachweisen.

Beim Ahsterhen des Crenothrixfadens entstehen oft an den Gliederstellen stark
eingedrückte Partien von rosenkranzartigen Formen, welche indes keine besondere
Bedeutung für das Leben der Pflanzen zu haben scheinen.

Die vegetativen Gliederfäden vermögen sich zu etwas höher ausgebildeten
Fäden zu entwickeln, die schließlich das Merkmal einer Art Fruktifikation an-
nehmen. Durch Querwände teilen sich die Gliederzellen zunächst in mehr oder
minder niedrige Scheiben, vertikal zu diesen, also parallel zur Achse des Fadens
tritt sekundäre Teilung ein, worauf die abgeschnürten Teile durch Abrundung
kuglige oder sphärische Gestalt annehmen (s. Fig. 316, S. 845).

Dieser Entwickelungsabschnitt stellt die Bildung der Konidien dar, welche
nunmehr in der vorhin beschriebenen 2-fachen Weise imstande sind, entweder durch
Palmellenbildung oder durch direkte Fadenbildung zu neuen Pflanzen auszuwachsen.

Eine andere in Brunnen nicht seltene Eisenbakterie, die sich von Crenothrix
durch die Bildung dichotom oder unregelmäßig verzweigter Fäden unterscheidet, hat
Schorlen1 2) als Clonothrix fusca beschrieben. Alle Angaben darüber, daß Clado-
thrix zu den Eisenbakterien gehöre, dürften auf diese Art zurückzuführen sein.

Ein dritter wichtiger Eisenpilz ist Chlamydothrix (Gallionella) ferru-
ginea (Ehrbg.) Mig., der überall an Eisenteilen, die im Dunkeln im Wasser rosten,
vorkommt. Beythien3 4) beschreibt einen Fall, in dem sich dieser Pilz in den
eisernen Leitungsröhren einer mit eisenfreiem Quellwasser gespeisten Wasserleitung
angesiedelt hatte und das Wasser verdarb. Adler1) hat diese Art auch in thera-
peutischen Eisenwässern gefunden. Dieselbe bildet braune Fäden, in denen auch
nach Behandlung mit Salzsäure keine Struktur zu erkennen ist. Die Fäden sind
entweder unregelmäßig gewunden und liegen einzeln oder zu Flocken vereinigt, oder

1)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 215.

2)	Gentralbl. f. Bakteriol. II. 1904, 12, 681.

3)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 9, 530.

4)	Gentralbl. f. Bakteriol. II. 1903, 11, 215.
        <pb n="869" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

847

sie erscheinen als feine, aus einzelnen Gliedern zusammengesetzte Ketten, die etwa
doppelt so dick wie die einfachen Fäden sind. Mit stärkeren Vergrößerungen er-
kennt man, daß diese scheinbaren Ketten Schrauben sind, die aus zwei eng ver-
schlungenen Fäden gebildet werden.

Auch unter den Tieren gibt es Eisen und Mangan speichernde Arten. Hier
interessiert nur die schon oben erwähnte Flagellate Antophysa vegetans, die in
Brunnen und in medizinischen Eisenwässern vorkommt.

Anforderungen an ein Trinkwasser und Anhaltspunkte zur Beurteilung.1)

A.	In physikalischer und chemischer Hinsicht.

1.	Das Wasser soll klar, farblos und geruchlos sein und keinen fremd-
artigen Beigeschmack besitzen.

Die Temperatur des Wassers soll für unsere Verhältnisse etwa der mittleren
Jahrestemperatur entsprechen, möglichst beständig sein und tunlichst 12° nicht übersteigen.

Das Wasser soll weiter während 24 Stunden keinen nennenswerten Bodensatz
liefern.

An diesen Anforderungen kann man jedoch nicht unter allen Umständen streng
festhalten.

Geringes Opalisieren des Wassers, ja auch geringe Trübungen eines Grundwassers,
wie solche unter besonderen Umständen durch Ton oder Eisenoxyd in der Schwebe bedingt
sind, geben bei sonst guter Beschaffenheit, und wenn anderes Wasser nicht zu erhalten ist,
zu einer Beanstandung keinen Anlaß. Hieraus folgt weiter, daß man auch hinsichtlich
des Bodensatzes unter Umständen Zugeständnisse machen muß.

Unbedingte Farblosigkeit ist nicht immer zu beanspruchen, denn bei Tiefbrunnen
(artesischen Brunnen), welche Wasser aus einer Braunkohlenformation zuführen, oder bei
Brunnen in Moorgegenden kann gelbliche Färbung bei sonst einwandfreier Beschaffenheit
Vorkommen. Weun solches Wasser auch einen geringen Gehalt an Schwefelwasserstoff und
Eisen aufweist, so muß es dann für die Zwecke der Wasserversorgung eines Gemeinwesens
beanstandet werden, nicht aus gesundheitlichen, sondern aus technischen Gründen und in
Eücksicht auf Wohlgescmaok und Aussehen; in dem Einzelfalle darf es aber unbeanstandet
gelassen werden.

Bei Versorgung größerer Gemeinwesen durch Grundwasser entspricht gewöhnlich das
Wasser am Entnahmeort der Anforderung bezüglich der Temperatur, jedoch zeigt das Ge-
samtwasser und vor allem das Wasser der einzelnen Hausleitungen häufig bedeutend höhere
Temperaturgrade. Bei Versorgung mit Oberflächenwasser sind höhere Temperaturen und
Schwankungen derselben unvermeidlich.

Die Schwebestoffe eines Wassers sucht man durch geeignete Filter zu entfernen.
Im großen sind Filter vorwiegend aus Kies, Sand oder porösem Sandstein oder künstlich
hergestellten Filtersteinen, im kleinen solche aus Kohle, Eisenoxydgrus, Kieselgur, Asbest
in der verschiedensten Form, poröse Porzellanrohre usw. in Gebrauch. Jedoch können nur
gemeinsame, große Filter empfohlen werden.

2.	Die Gesamtmenge der gelösten Bestandteile eines Wassers wird abhängig
sein von den Bodenverhältnissen, aus welchen das betreffende Wasser stammt; sie hat daher
nur einen unterrichtenden Wert. Wichtiger für die Beurteilung ist die Kenntnis, aus
welchen Bestandteilen sie sich zusammensetzt; wird beispielsweise das Gewicht des Ab-
dampfrückstaudes im wesentlichen durch die Menge der Kalksalze herbeigeführt, so wird
die Beurteilung sich der über die Härte des Wassers anschließen, oder sind Salze in solcher
Masse vertreten, daß sie den Geschmack des Wassers beeinflussen, so daß es die Eigenart
eines Mineralwassers annimmt, so bildet die Kenntnis des Rückstandes eine Ergänzung des
Befundes der Geschmacksprüfung.

x) Nach den Vereinbarungen zur einheitl. Untersuchung und Beurteilung von Nahrungs-
u. Genußmitten f. d. Deutsche Reich. Berlin 1899, II, 170.
        <pb n="870" />
        ﻿848

Trinkwasser.

In dieser Hinsicht wird immer der Abdampfrückstand im Zusammenhang mit den im
Gewichte am stärksten vertretenen Bestandteilen des Wassers besprochen werden müssen;
durch organische Stoffe soll der Abdampfrückstand eines Wassers bei guter Beschaffenheit
nicht wesentlich gefärbt sein, vor allem aber darf er sich bei dem Erhitzen nicht schwärzen.

Für die Zwecke der Wasserversorgung eines Gemeinwesens dürfte, wenn eine Auswahl
zwischen verschiedenen Wässern vorhanden ist, ein an gelösten Bestandteilen ärmeres Wasser
immer vorzuziehen sein.

3.	Der Permanganatverbrauch muß stets nach einheitlichem Verfahren bestimmt
werden. Derselbe liefert einen Wert, welcher alle oxydierbaren Bestandteile des Wassers
umfaßt und dabei den Gehalt an gelösten organischen Bestandteilen desselben nur teilweise
zum Ausdruck bringt.

Zur Wasserbeurteilung dürfte der Permanganatverbrauch nur insoweit in Betracht
zu ziehen sein, als er auch wirklich auf Rechnung der gelösten organischen Stoffe zu setzen
ist. Aber auch in diesem Sinne ist der Permauganatverbrauch eines Wassers zur Beurteilung
nur insofern heranzuziehen, als er in Vergleich gestellt wird mit Ergebnissen von Wasser
gleicher Herkunft an Stellen, wo dieses noch seine natürliche Beschaffenheit bewahrt
hat. Zuweilen wird dann ein höherer Permanganatverbrauch andere Untersuchungs-
ergebnisse, welche auf eine Verunreinigung schließen lassen, stützen; dies kann jedoch bei
der Verschiedenartigkeit der organischen Stoffe und ihrem wechselnden Verhalten zum
Permanganat nicht immer zutreffen.

4.	Die Stickstoffverbiudungen anlangend, so pflegen in einem Wasser von
natürlicher Reinheit Ammoniak, salpetrige Säure und eiweißartige Verbindungen nicht,
Salpetersäure nur in geringen Mengen vorzukommen.

a)	Das etwa vorhandene Ammoniak ist in der Regel ein Erzeugnis der Fäulnis
und als solches in einem Wässer bedenklich. Die Menge des im Eegenwasser vorkommenden
Ammoniaks ist nur sehr gering und kommt auch insofern nicht in Betracht, als es durchweg
bei der Filtration durch den Boden alsbald in Salpetersäure übergeführt wird.

Bei Tiefbrunnen, welche geringe Mengen von Eisen, reichliche Mengen gelöster
organischer Stoffe enthalten und niedrige Keimzahlen aufweisen, kommen mitunter geringe
Mengen Ammoniak vor, welches dann, weil durch Reduktion von Salpetersäure entstanden,
für das Wasser als nicht belastend aufgefaßt werden darf und daher nicht zu beanstanden ist.

Rührt das Ammoniak von mineralischen Verunreinigungen, z. B. von Ammoniak-
fabriken, Gasometer-Wasser, Ammoniak-Sodafabriken oder dergleichen Quellen her, so wird
man in dem Wasser neben dem Ammoniak noch sonstige eigenartige Bestandteile des
verunreinigenden Abwassers finden.

b)	Die salpetrige Säure in einem Wasser rührt entweder von einer Reduktion
der Salpetersäure oder von einer unvollständigen Oxydation des Ammoniaks her. Ihr Vor-
kommen zeigt daher stets an, daß es dem Wasser oder den Bodenschichten, welche das
Wasser durchfließt, an genügendem Sauerstoffzutritt fehlt, und erscheint in solchem Palle
die Annahme gerechtfertigt, daß das Wasser bezw. der Boden etwaige Verunreinigungen
durch Abfallstoffe nicht mit Sicherheit unschädlich machen kann.

c)	Noch bedenklicher als Ammoniak und salpetrige Säure ist das sog. Albuminoid-
Ammoniak, weil dasselbe das Vorhandensein leicht zersetzungsfähiger organischer Stoffe
anzeigt.

d)	Findet sich in einem Wasser als Stickstoffverbindung nur Salpetersäure, so
ist dadurch eine vollständige Oxydation der Stickstoffverbindungen erwiesen. Kommt die-
selbe aber in größeren Mengen vor, besonders gleichzeitig neben viel organischen
Stoffen (Permanganatverbrauch), Chloriden, Sulfaten, besonders Kalisalzen und
Bakterien, so läßt das auf eine direkte oder indirekte Verunreinigung durch menschliche
oder tierische Abfallstoffe schließen, und bleibt dann zu erwägen, ob die vollständige
Oxydation und mit ihr ein zuverlässiger Reinigungsvorgang beständig und von Dauer
sein wird.

Zur Beurteilung dieser Verhältnisse muß man auch hier die Beschaffenheit des
fraglichen Wassers mit der des unbeeinflußten natürlichen Grundwassers der betreffenden,
Gegend oder des Ortes in Vergleich ziehen.
        <pb n="871" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

849

In Oberfläohenwasser ist die Gegenwart von Ammoniak, salpetriger Säure und
Salpetersäure auf ähnliche Vorgänge wie im Grundwasser zurückzuführen, nämlich auf
die Zersetzung stickstoffhaltiger Stoffe durch Mikroorganismen und darauf folgende Oxydation,
und ist sinngemäß zu beurteilen. Wird jedoch das Oberflächenwasser einer Reinigung
durch künstliche Filtration unterzogen, so sind die erwähnten drei ersten Stickstoffver-
bindungen von geringem Belang für eine etwaige schädliche Wirkung, da die eigentlich
schädlichen Stoffe, die pathogenen Keime, durch die Filter zurückgehalten werden. Immer-
hin aber ist ein solches Wasser kein geeignetes Trinkwasser.

Bei übersandten Proben ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß sich salpetrige Säure
durch Eeduktionswirkung gebildet haben kann, wie umgekehrt nachträgliche Oxydations-
vorgänge das Bild verändern können.

5.	Die Chlorverbindungen rühren im Wasser zum Teil aus den natürlichen
Bodenschichten her; in diesem Falle sind sie für die Beurteilung nur dann von Belang,
wenn sie in solcher Menge vertreten sind, daß sie den Geschmack des Wassers beeinflussen.
Sie können aber auch aus Abfallstoffen bedenklicher Art herstammen; der menschliche und
tierische Harn, die Abwässer des Haushalts und der Küche sind reich an Chlornatrium.
Besteht letzterer Verdacht, so wird der Chlorgehalt des Wassers in Zusammenhang mit
anderen ermittelten Bestandteilen, welche auf derartige Verunreinigungen deuten, wie
Ammoniak, salpetrige Säure, verhältnismäßig große Mengen von Salpetersäure, zu prüfen
sein; hier werden insbesondere die Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse und der
Vergleich des Wassers mit einem bestimmt reinen Wasser gleicher Herkunft die Beweis-
führung erleichtern.

6.	Die Schwefelsäure tritt zunächst in der Verbindung als Gips auf und gibt
hierdurch Aufschluß über die geologischen Verhältnisse der Bodenschichten; in den Braun-
kohlen- und ähnlichen Formationen ist sie oft das Oxydationserzeugnis schwefelhaltiger
Verbindungen. In ersterem Falle beeinflußt sie die bleibende Härte des Wassers und ist
mit dieser zu beurteilen.

7.	Die Kohlensäure in festgebuudener Form ist für die hygienische Beurteilung
ohne Belang; von Wichtigkeit ist nur die Ermittelung der freien Kohlensäure, Der
Befund der halbgebundenen Kohlensäure kann als Kontrolle dienen für die Bestimmung
der vorübergehenden Härte, welche letztere dadurch bedingt ist, daß diese Säure aus ihren
Verbindungen mit Kalk und Magnesia als solche bei der Siedehitze entweicht, worauf ent-
sprechende Mengen dieser Basen als Monokarbonate ausfallen. Die freie Kohlensäure ver-
leiht dem Wasser einen erfrischenden Geschmack; doch ist ihre Anwesenheit nicht erforder-
lich, da diese Eigenschaft auch den Bikarbonaten zukommt; im Gegenteil kann sie dadurch,
daß sie bei gleichzeitiger Anwesenheit von Sauerstoff bleilösend wirkt, nachteilig sein.1)

8.	Phosphorsäure ist für gewöhnlich in einem Trinkwasser nicht enthalten; ihr
Vorkommen deutet immer auf eine Verunreinigung durch menschliche oder tierische Ab-
gänge hin und ist daher ein Phosphorsäure enthaltendes Wasser zu beanstanden.

9.	Schwefelwasserstoff soll in einem für Genußzwecke bestimmten Wasser nicht
vorhanden sein, höchstens kann man in Einzelfällen bei Tiefbrunnen Spuren unbeanstandet
lassen, wenn dieses Gas im natürlichen Boden durch Reduktion von Sulfaten entstanden ist.
Durch Lüftung ist es dann leicht zu beseitigen.

10.	Kieselsäure, Tonerde und Eisen geben Aufschluß über die Art der Boden-
schichten, mit welchen das Wasser in Berührung gestanden hat. Von besonderer Bedeutung
ist nur das Bisen. Wie bereits oben angedeutet wurde, gibt ein geringer Eisengehalt im
Einzelfalle zu einer Beanstandung keine Veranlassung, dagegen hat die Verwendung eines
Wassers, welches sich bei dem Aufbewahren in nicht ganz gefüllter Flasche unter öfterem
Schütteln und Lüften nach 48 Stunden trübt, für Leitungszwecke ihre Bedenken, da in
einem solchen Wasser z. B. Crenothrix polyspora gedeiht und zu Verstopfungen des Rohr-
netzes führen kann (vergl. S. 844).

9 Man sucht die freie Kohlensäure durch Zusatz von Natriumkarbonat oder dadurch
zu beseitigen, daß man das Wasser durch Galoiumkarbonat (Kalksteingrus) filtriert. Anderer-
seits soll der Luftzutritt in die Leitungsrohre tunlichst verhindert werden.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

54
        <pb n="872" />
        ﻿850

Triukwasser.

Der Eisengehalt eines Wassers läßt sich leicht durch Lüftung und Filtration
auf eine nicht mehr in Betracht kommende Menge verringern.

Mangan kommt nur selten und dann auch nur in sehr geringen Mengen im Trink-
wasser vor.

Es wird demselben eine ähnliche Bedeutung in bezug auf Wachstumsbeförderung
von Algen zugeschrieben, wie dem Eisen. Im Einzelfalle dürfte das Vorhandensein sehr
geringer Mengen zu einer Beanstandung keine Veranlassung geben.

11.	Die Beurteilung eines Wassers hinsichtlich des Gehaltes an Kalk und Magnesia
wird am einfachsten, wenn man sich auf die berechneten Härtegrade stützt. Bei gemein-
samen Wasserversorgungsanlagen ist ein Wasser von mittlerer Härte einem solchen von
hoher Härte vorzuziehen. Gesundheitliche Bedenken stehen der Verwendung eines harten
und auch sehr harten Wassers in der Hegel nicht im Wege, wohl aber machen sich bei
Verwendung eines solchen Übelstände für den Gebrauch im Haushalte, beim Kochen,
Waschen usw. fühlbar. Es dürfte daher stets geraten sein, auf das Eintreten letzterer
Übelstände mindestens aufmerksam zu machen, wenn sich die Gesamthärte, in deutschen
Härtegraden ausgedrückt, 10—15 nähert.

Im Einzelfalle dürften keine gesundheitlichen Bedenken zu hegen sein, auch Wasser
mit noch mehr als 30 Härtegraden — es sind sogar Leitungswässer mit über 50 deutschen
Härtegraden im Gebrauch — zuzulassen, da die Erfahrung lehrt, daß diese von den regel-
mäßigen Verbrauchern gut vertragen werden, wenn sie auch für die an Wasser anderer
Beschaffenheit Gewöhnten nicht gleich bekömmlich sind.

12.	Die Alkalimetalle sind für die Beurteilung von Wichtigkeit, wenn man ihre
Herkunft nicht auf ein natürliches Vorkommen, sondern auf eine Verunreinigung zurück-
auführen ist. So kann Natrium in seiner Chlorverbindung von menschlichen und tierischen
Abfällen herstammen und wird dann sinngemäß mit dem Chlor zu beurteilen sein (vergl.
No. 6). Ist die Gegenwart von Kalium auf ähnliche Umstände zurückzuführen, so muß
man einen strengeren Maßstab anlegeu, da bekanntermaßen dieses Alkalimetall vom Boden
stark absorbiert wird und demgemäß sein Auftreten im Wasser eine abgeschwächte Ab-
sorptionskraft des Bodens anzeigt. Für gewöhnlich beträgt der Kaligehalt in reinen
Wässern nur wenige Milligramm, durch häusliche Abgänge verunreinigte Wässer enthalten
dagegen größere Mengen Kali.

13.	Blei soll in einem für Genußzwecke bestimmten Wasser nicht vorhanden sein.
Bei der Verwendung von Bleiröhren für Hausleitungen empfiehlt es sich, das in den Köhren
gestandene Wasser vor dem Gebrauch durch Ablaufenlassen zu entfernen.

Die Lösung von Blei erfolgt vorwiegend durch Vermittelung von Sauerstoff und
freier Kohlensäure; an den Lötstellen der Kohre wird diese durch galvanische Wirkung
begünstigt. Auch alle an organischen Stoffen reichen und gleichzeitig weichen Wässer
sind für Leitungszwecke von vornherein bedenklich, weil sich in denselben leicht freie
Kohlensäure neben Sauerstoff bilden kann. Man hat zur Verhütung des Bleiangriffes vor-
geschlagen, die Bleirohre durch Behandeln mit kieselsäurehaltigem Wasser mit einer
Schutzdecke von Bleisilikat oder durch Behandeln mit Schwefelnatrium mit einer Schutz-
decke von Schwefelblei zu versehen, aber ohne Erfolg; auch eine innere Verzinnung der
Bleirohre oder die Anwendung von Zinnrohren mit Bleimantel haben sich nicht bewährt.
Am zweckmäßigsten würden Zinn- oder Messingrohre sein, aber sie sind zu teuer. Man
wird daher noch immer auf die Anwendung von Bleirohren für die Wasserleitungen an-
gewiesen sein und vor allem auf die Beseitigung der freien Kohlensäure nach No. 7 Anm. 1
bedacht sein müssen.

Geringe Spuren von Zink und Kupfer, wie solche bei der Verwendung galvanisierter
Eisenröhren oder Kupferröhren im Wasser Vorkommen, dürften zu einer Beanstandung keine
Veranlassung geben.

14.	Die Menge des freien Sauerstoffes läßt insofern einen Schluß auf die Rein-
heit eines Wassers zu, als sie in dem Maße geringer wird, in welchem oxydationstähige
Stoffe vorhanden waren. Die Bestimmung des freien Sauerstoffs ist ferner von Bedeutung
für die Möglichkeit der Bleilösungsfähigkeit des Wassers; sie kann ferner Aufschluß geben
über die Abnahme des Eisengehaltes des Grundwassers in gewissen Tiefen des Bodens, bis zu
        <pb n="873" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

851

welchen der Sauerstoff eindringt und das lösliche Oxydulhydrat zu unlöslichem Oxydhydrat
oxydiert, in welcher Form das Eisen durch die filtrierende Wirkung des Bodens mechanisch
zurückgehalten wird.

B.	In mikroskopischer Hinsicht.'

Da ein gutes Trink- und häusliches Gebrauchswasser hell und klar sein soll, so sind
schon aus dem Grunde alle mikroskopisch im Bodensatz erkennbaren Stoffe, besonders
organischer Art, bedenklich, und zwar um so mehr, je reicher die Schwebe- und Sinkstoffe
an den erwähnten pflanzlichen oder tierischen Lebewesen sind.

Im allgemeinen kann angenommen werden:

1.	Daß ein Wasser, welches neben Crenothrix und anderen Pilzfäden, sowie neben
Infusorien viel Diatomeen enthält, Zuflüsse von mehr pflanzlichen Zersetzungsherden er-
halten hat; ein solches Wasser ist zwar unrein, aber deswegen noch nicht gesundheits-
schädlich oder -gefährlich.

2.	Finden sich aber neben den chemischen Anzeichen der Fäulnis auch die ver-
schiedensten Pilzfäden, Zoogloeen von Bakterien, Infusorien und Radiolarien aller Art
oder gar körperliche Verunreinigungen, welche durch ihre Herkunft bedenklich sind, wie
Abfallstoffe aus der Küche, dem Haushalt, Reste von Kot u. dergl., so kann ein solches
Wasser in besonderen Fällen direkt gesundheitsschädlich werden und ist dann die Be-
anstandung hiermit zu begründen.

Im übrigen sei bezüglich der Beurteilung nach dem mikroskopischen Befunde auf
die Angaben in dem Abschnitt II No. 5 S. 840 verwiesen.

C.	In bakteriologischer Hinsicht.

Die gewöhnlich im Wasser vorkommenden Bakterien sind an und für sich nicht ge-
sundheitsschädlich; ihre Zahl ist aber ein Maßstab für die größere oder geringere Reinheit
eines Wassers, denn jede Verunreinigung, abgesehen von solchen aus manchen industriellen
Betrieben, deren Nachweis leicht chemisch gelingt, bedingt eine Vermehrung der Keime.

Eine große Anzahl von Bakterien deutet also fast immer auf die Möglichkeit
einer Infektion hin. Solche Infektionsmöglichkeit ist aber bei allen Oberflächenwässern,
Bächen, Flüssen, Seen gegeben, namentlich erstens bei solchen stark bewohnter Gegenden
— solche Wässer sollen, wenn sie sonst chemisch rein sind, nur nach genügender Filtration
genossen werden — oder zweitens bei Brunnen, welche gegen das Eindringen von Staub
von oben her nicht genügend geschützt sind, oder drittens durch Zuflüsse stark bakterien-
haltiger Wässer. Oberflächenwässer und Brunnenwässer, welche chemisch gut und nicht
durch faulige Zuflüsse verunreinigt sind, können daher zum Genüsse zulässig gemacht
werden, erstere durch Filtration, letztere durch genügenden Abschluß von oben. Wässer
aber, welche Zuflüsse von Fäulnisherden erhalten, sind vom Genüsse auszuschließen oder
■es müssen, wenn es Wässer aus Brunnen sind, diese gründlich gereinigt und so umgebaut
werden, daß derartige Zuflüsse überhaupt nicht mehr stattfinden können.

Als Anhaltspunkte für die Beurteilung eines Gebrauchswassers auf Grund des bak-
teriologischen Befundes können folgende dienen:

1.	Ein reines gutes Wasser soll nur wenige Bakterien oder Keime von Mikrophyten
■enthalten.

In einem reinen Grundwasser aus nicht verunreinigten Bodenschichten übersteigt
bei tadelloser Anlage die Anzahl der Keime von Mikrophyten selten 50 für 1 ccm. Ist die
Anlage aber keine völlig vollkommene, so kann die Zahl der Keime bedeutend — auf 100
bis 200 Keime in 1 ccm — anwachsen. Ähnliche Verhältnisse können bei neuen und um-
gebauten Anlagen Vorkommen, besonders, wenn erhebliche Erdbewegungen stattgefunden
haben. In anderen Fällen kommen aber, so besonders im Wasser aus dem Schiefergebirge,
mehrere hundert und mehr Mikrophytenkeime in 1 ccm vor, ohne daß diese schädlich sind.
In diesen letzteren Fällen ist jedoch darauf hinzuweisen, daß solche Wässer nicht gleich-
mäßig gut filtriert sind, und damit die Möglichkeit einer Infektion nicht unbedingt
ausgeschlossen ist.

2.	Schwankt die Anzahl der Bakterien, d. h. ist sie zu gewissen Zeiten höher als
zu anderen Zeiten, so ist das ein Zeichen für zeitweise besondere Verunreinigungen eines

54*
        <pb n="874" />
        ﻿852

Trinkwasser.

Wassers, sei es aus den Bodenschichten, oder durch besondere Zuflüsse, oder durch un-
genügend wirkende Filtration.

3.	Ein Wasser, welches pathogene Mikroorganismen enthält oder begründeten Ver-
dacht für das Vorhandensein derselben gibt, ist stets vom Genüße auszusohließen.

Über die Beurteilung eines Wassers nach den Bakterien arten vergl. die Angaben
in Abschnitt II S. 832.

D.	Gesamtbeurteilung auf Grund des chemischen und bakteriologischen

Befundes.

1.	Trifft bei einem Wasser hohe Keimzahl mit dem Vorhandensein von Ammoniak,
salpetriger Säure, großen Mengen gelöster organischer Stoffe (hoher Permanganatverbrauch,
Schwärzen des Abdampfrückstandes bei dem Erhitzen und Vorhandensein von Albuminoid-
Ammoniak usw.) zusammen, so muß das Wasser unbedingt verworfen werden.

2.	Liegt hoher Keimgehalt einerseits und liegen andererseits keinerlei belastende
Umstände hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung vor, so ist die Annahme be-
rechtigt, dass das Wasser rein ist. Die hohe Keimzahl kann dann bedingt sein durch
Fehler in der Wassergewinnungaanlage. In einem solchen Falle muß zunächst die Wasser-
gewinnungsanlage einer genauen Musterung unterworfen werden.

3.	Ist ein Wasser verhältnismäßig reich an gelösten Bestandteilen im Gesamten und
weist es hohe Gehalte an Nitraten und Chloriden auf, bei gleichzeitigem Vorhandensein
von Ammoniak und mittleren Mengen an gelösten organischen Stoffen, so entstammt das
Wasser einem verunreinigten Boden, wie er sich als Untergrund von Städten, Gehöften usw.
häufig findet. Ein solches Wasser kann bei einer einzelnen Untersuchung niedere Keim-
zahlen geben, aber hei einer Wiederholung hohe, ja auch sehr hohe Keimzahlen. Wenn
man bei niederem Keimgehalt auf Grund einer einmaligen Untersuchung ein solches
Wasser auch nicht geradezu beanstanden muß. so dürfte es doch stets geraten sein, darauf
hinzuweisen, daß ein solches Wasser unter anderen Verhältnissen verunreinigt werden
kann. Denn während zu einer Zeit die Filtrationsfähigkeit des Bodens noch eine genügende
war, kann sie unter veränderten Verhältnissen nicht mehr ausreichen, und dann kann eine
Verunreinigung des Wassers eintreten.

4.	Die alleinige örtliche Besichtigung einer Wasserversorgungsquelle
(Brunnen) kann niemals einen sicheren Aufschluß über die Beschaffenheit eines unter-
irdischen Wassers geben, oder nur dann, wenn direkte Zuflüsse äußerlich sichtbar sind.

Anhang. Bei der Wichtigkeit einer richtigen Wasserversorgung, auch für einzelne
Haushaltungen, mögen hier einige Hauptgesichtspuukte2) aufgeführt werden, welche bei
der Anlage eines Brunnens zu beachten sind:

1.	der Brunnenmantel muß bis in die wasserführende Schicht hinein oder mindestens
6 m tief vom umgebenden Erdboden aus, wasserdicht sein;

2.	der Brunnenmantel muß bis in die wasserführende Schicht wasserdicht an das
umgehende Erdreich, das Aushuhgelände, angeschlossen werden, so daß

3.	nur der offene Boden des Schachtes wasserdurchlässig ist und allein als Eintritts-
stelle für das Grundwasser dient.

In der Fig. 317 sind M1 Bruchsteine und M2 Ziegelsteine; beide sollen zur Dichtung
in Zement- oder Traßmörtel gelegt und der ganze Brunnenmantel innen glatt mit Zement-
mörtel verputzt sein. Der Baum zwischen dem Aushubgelände und dem Brunnenmantel
wird am besten mit Lehm, Letten, Ton oder selbst mit Zement oder Traß ausgestampft;

4.	die ganze Umgebung muß so nivelliert werden, daß alles auffallende Wasser und
aller Schmutz durch natürliches Gefälle stets vom Brunnen weg und niemals zu ihm hin-
geführt wird (wie es die Lage des Hofpflasters St und der Steinplatten PI' in der beige-
gegebenen Figur wiedergeben);

5.	die wasserdichte Brunnenwand muß den Erdboden etwas überragen in Form eines
mindestens 15 cm hohen Brunnenkranzes pl;

6.	der Kessel oder Schacht des Brunnens muß auf dem Brunnenkranze pl durch in
Zement gelegte, mit Falz zusammenstoßende Steinplatten Pl oder durch gußeiserne Deckel

a)	Vergl. F. Hüppe, Journ. f. Gasbeleuchtung u. Wasserversorgung 1889, 32, 15.
        <pb n="875" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

853

sicher abgeschlossen sein, welche Gedecke den Brunnenkranz mit ableitendem Gefälle über-
ragen müssen. Diese Deckplatten müssen aber zur Ermöglichung der Zirkulation der
Außenluft mit der Sohachtluft Öffnungen L haben. Damit durch diese Öffnungen keine
Verunreinigung des Kessels erfolgen kann, muß

7.	das Brunnen- oder Pumphaus BrH dicht aufgesetzt werden, dessen Innenraum
mit der Außenluft durch die Ventilationsöffnung V in Verbindung steht, welche durch ein
feines Drahtgitter geschlossen ist;

/

Fig. 317. Ein hygienischen Anforderungen entsprechender Brunnen.

8.	das aus dem Brunnenauslauf BrA ausfließende Wasser muß sicher vom Brunnen
weggeführt werden. Zu diesem Zwecke muß das aus dem Ausgusse a abfließende Wasser b
direkt auf die schräg abfallenden Platten gelangen können.

B.	Untersuchung von Schmutzwässern.

Für die große Anzahl von Schmutzwässern läßt sich zwar keine Anleitung
zur Untersuchung geben, welche in jedem einzelnen Falle zur Richtschnur dienen
        <pb n="876" />
        ﻿854

Schmutzwasser.

könnte; denn die zu "beantwortenden Fragen sind gar zu mannigfaltig und womöglich
in jedem besonderen Falle verschieden. Aber es gibt wenigstens eine Art von
Sohmutzwässern, deren Untersuchung von einem allgemeinen Gesichtspunkte aus
besprochen werden kann, nämlich die mit mehr oder weniger reichlichen
Mengen organischer, fauliger oder fäulnisfähiger Stoffe.

Diese Art Schmutzwässer haben in landwirtschaftlicher Hinsicht ein mehr-
seitiges Interesse, einerseits weil auch die Abwässer der landwirtschaftlichen Neben-
gewerbe zu dieser Gruppe gehören, andererseits weil sie zwar schädlich für Fisch-
zucht, Viehtränke, Waschen, Spülen usw. sind, aber doch auch wieder Vorteile für
die Landwirtschaft bringen können, wenn sie z. B. zur Berieselung benutzt werden.

Die sonstigen Schmutzwässer mit vorwiegend mineralischen und in land-
wirtschaftlicher Hinsicht schädlichen Verunreinigungen (z. B. freien Mineralsäuren,
Chlornatrium, Chlorcalcium, Chlormagnesium, Ehodanammonium (Gasfabriken), Ferro-,
Zink-, Kupfersulfat bezw. -nitrat, Ferrochlorid usw. usw.) bieten bei der Unter-
suchung für den Chemiker weniger Schwierigkeit und werden im allgemeinen unter
Berücksichtigung der abnormen Bestandteile wie gewöhnliches Wasser untersucht.

Die Schmutzwässer mit größeren Mengen organischer Stoffe zeigen indes von
den normalen Eigenschaften verschiedene Abweichungen, welche einer besonderen
Berücksichtigung bedürfen.

Vielfach wird darüber geklagt, daß die Untersuchungen verschiedener Chemiker
gerade von dieser Art „Abwässer“ erhebliche Unterschiede zeigen und zu Unzuträg-
lichkeit geführt haben. Das hat einerseits in der Art der Probenahme, andererseits
in der Art der Untersuchung seine Ursache. Aus dem Grunde sind auch hier ein-
heitliche Verfahren von Belang.

I.	Probenahme.

Als allgemeine Grundsätze müssen gelten:

1.	nur die von Sachverständigen selbst entnommenen Proben sind für ge-
richtliche oder im Verwaltungswege erforderlichen Untersuchungen maß-
gebend;

2.	die verwendeten Glasgefäße (Flaschen) und Korke müssen durchaus rein
und die entnommenen Proben genügend groß sein (meistens sind 4—6 1 des
betreffenden Wassers erforderlich);

3.	die verwendeten Glasgefäße und Korke müssen jedesmal mit dem be-
treffenden Wasser vor dem Füllen mehrmals durch- oder ausgespült
werden.

Als Glasgefäße benutzt man am zweckmäßigsten Weinflaschen (6—8 Stück und
mehr) für jede Probe; die Weinflaschen werden in einer Kiste untergebracht, die mit ge-
polsterten passenden Fächern versehen ist, in welche die Flaschen aufrecht hineingestellt
werden können. Die Etiketten mit Bezeichnung der Probe werden an den Hals der Flaschen
geklebt, so daß sie während des Versandes durch die Polsterung nicht abgescheuert werden.
In Ermangelung von solchen gepolsterten Paokkisten können auch Strohhälsen benutzt
werden.

4.	Die entnommenen Proben müssen einem wirklichen Durchschnitt des be-
treffenden Wassers entsprechen.

Diese Forderung ist die wichtigste, aber auch die am schwierigsten zu erfüllende.
Es sind zu dem Zwecke je nach der Art des Abwassers und den örtlichen Verhältnissen
verschiedene Punkte zu berücksichtigen und muß hier vor allen Dingen der Sachverständige
mit größter Umsicht verfahren.

1. Probenahme eines Schmutz wassers selbst. Für diese ist zu berücksichtigen:

a)	Ob das Schmutz- oder Abwasser den ganzen Tag beständig in der-
selben Beschaffenheit abfließt.
        <pb n="877" />
        ﻿Probenahme.

855

In diesem Palle kann die Probe zu einer beliebigen Zeit des Tages entnommen
■werden.

b)	Ob das Sohmutzwasser zwar beständig, aber mit ungleicher Be-
schaffenheit abflieht (wie z. B. bei städtischem Abwasser, bei welchem Menge wie
Schmutz in den Morgenstunden bis gegen Mittag am größten sind, gegen Abend nochmals
einen Höchstbetrag erreichen, um in der Nacht bis zu den ersten Morgenstunden auf einen
Niedrigstwert herunterzugehen).

Um in solchen Pallen gute Mittelproben zu erhalten, ist es erforderlich, entweder
von Zeit zu Zeit (alle 15 Minuten während etwa 2 Stunden und womöglich zu verschie-
denen Tageszeiten) eine Weinflasche vollzufüllen, die Einzelprohen später in ein ent-
sprechend großes Gefäß zusammenzugießen und das Gemisch zur Untersuchung zu ver-
wenden; oder von Zeit zu Zeit mit einem Schöpfgefäß Proben in ein größeres, vorher gut
gereinigtes, mit dem Abwasser nachgespültes Paß zu geben, den Gesamtinhalt nach der
Probenahme gehörig durchzumischen und hiervon Probe für die Untersuchung zu entnehmen.

c)	Ob ein Schmutzwasser nur während einer gewissen Zeit des Tages
oder bei Nacht oder stoßweise abfließt (wie z. B. die meisten Steiukohlengruben-
wässer).

In diesem Palle ist die Probe zu der Zeit zu entnehmen, wo das Schmutzwasser
abgelassen wird. Nötigenfalls muß sich der Sachverständige sogar bei Nacht und ohne
Wissen des Angeschuldigten hierüber Gewißheit verschaffen; ist letzteres bei weiteren
Entfernungen nicht immer möglich, so kann der Sachverständige unter Umständen einen
Vertrauensmann hinzuziehen und diesen mit genauen Anweisungen versehen.

Es ist aber darauf hinzuwirken, daß die Schmutzwässer beständig und in kleineren
Mengen abgelassen werden; denn dadurch kann unter Umständen einer zu starken Ver-
unreinigung der öffentlichen Gewässer vorgebeugt werden.

d)	Ob es sich bei der Verunreinigung eines bestimmten Wassers um ein
oder mehrere Schmutzwässer handelt.

Es müssen dann selbstverständlich von allen diesen Schmutzwässern, die in Betracht
kommen können, unter Berücksichtigung der Stellen Proben entnommen werden.

In diesem Palle sind auch die Mengenverhältnisse der einzelnen Schmutz-
wässer besonders zu ermitteln.

e)	Wenn es sich darum handelt, gleichzeitig die Wirkung eines Reinigungs-
verfahrens (sei es Berieselung oder chemische Fällung mit mechanischer Abklärung) fest-
zustellen, so ist zu berücksichtigen, daß das abfließeude gereinigte Wasser dem auf- oder
einfließenden Wasser entsprechen muß.

Hat man z. B. die Durchsohnittsprobe von dem ungereinigten Wasser alle 10 Minuten
von 8—10 Uhr vormittags geschöpft und gebraucht das Wasser z. B. 3 Stunden, um die
Reinigungsanlage (sei es Rieselfläohe oder Klärvorrichtung) zu durchfließen, so beginnt man
mit der Probenahme des gereinigten Wassers 3 Stunden nach Anfang der ersten Probe-
nahme des ungereinigten Wassers, also erst um 11 Uhr, und setzt diese, indem man eben-
falls alle 10 Minuten gleichgroße Einzelproben schöpft, bis 1 Uhr fort usw.

Als Hilfsmittel zur Erkennung, ob das abfließende gereinigte Wasser dem un-
gereinigten entspricht, kann unter Umständen ein Indikator (vergl. S. 804) dienen;
meistens benutzt man dazu den Chlorgehalt; derselbe muß in der ein- bezw. auf- und
abfließenden Probe Wasser gleich sein.

2. Probenahme des verunreinigten Wassers. Es genügt nicht, in einem frag-
lichen Abwasser allein schädliche Bestandteile nachgewieseu zu haben, sondern es ist auch
meistens der direkte Beweis zu erbringen, daß ein Pluß-, Bach- oder Stauwasser, welches
verunreinigt sein soll, durch Aufnahme des Abwassers eine schädliche Beschaffenheit an-
genommen hat bezw. anuimmt. Denn die schädlichen Stoffe wirken nur von einer gewissen
Menge an, und dann wieder jeder in einem verschiedenen Grade schädlich.

Zu dem Zweck sind Proben zu entnehmen:

a) Oberhalb der Einmündungsstelle und zwar tunlichst nahe derselben, aber
nicht so nahe, daß infolge Rückstaues bereits eine teilweise Vermischung mit dem be-
treffenden Abwasser stattgefunden haben kann.
        <pb n="878" />
        ﻿856

Schmutzwasser.

h) Unterhalb der Einmündungsstelle, und zwar so weit unterhalb, daß eine
vollständige und gleichmäßige Vermischung des Abwassers mit. dem Flußwasser usw.
stattgefunden hat.

Krümmungen im Plußlaufe, Stauvorrichtungen, Strauchwerk und dergl. begünstigen
die Durchmischung. Bei kleineren Bächen kann man auch durch Hineinwerfen von
Strauchwerk die Durchmischung befördern.

Bei einem größeren Fluß in einem flachen Flußbett ohne diese Verhältnisse mit
geringer Stromgeschwindigkeit kann das Abwasser mit dem Flußwasser oft meilenweit
fließen, ohne daß sich beide völlig durohgemischt haben.

Auch kann das Wasser aus verschiedenen Tiefen des Wasserlaufes (an der Oberfläche,
in den Mittelschichten und am Boden) verschieden sein, besonders wenn das Haupt- und
Zuflußwasser verschiedenes spezifisches Gewicht besitzen.

Unter allen Umständen empfiehlt es
sich, in einem derartigen Palle

a) Probenvon den beiden Seiten und aus
der Mitte des Plußlaufs;

ß) wo möglich an der Oberfläche und
tiefer unten an den 3 Stellen in folgender
Weise zu entnehmen:

Entweder man bindet eine Flasche, und
zwar von tunlichst weißem Glase an eine
Stange, hält diese an die betreffende Stelle
und läßt sie sich direkt füllen oder man
wirft ein an einer Kette befestigtes unten in
einem Doppelboden mit Blei beschwertes
Schöpfgefäß von Zinkblech — oder besser von
emailliertem Eisenblech, besonders bei zink- und säure-
haltigen Wässern — von nebenstehender Form (Pig. 318)
in die betreffende Stelle des Flußlaufs, läßt
dieses sich füllen und gießt den Inhalt in
eine Flasche von weißem Glase um, nachdem
man diese wie das Schöpfgefäß stets vorher
mit Wasser von der betreffenden Stelle des
Flußwassers ausgespült hat. Beim Umfüllen
in die Flasche müssen etwa zu Boden ge-
sunkene Schwebestoffe mit umgefüllt werden.

Ist eine Brücke oder ein Steg vorhanden, so
bewirkt man am bequemsten die Probenahme von diesen
herab; in anderen Fällen, bei breiten Flußwässern, muß man einen Kahn zu Hilfe nehmen
und von diesem aus die Proben wo möglich an 5 verschiedenen Stellen in derselben Breit-
fläche entnehmen.

Je mehr Einzelproben in der Breite und Tiefe an derselben Flußstelle entnommen
werden können, desto besser und zuverlässiger werden die Ergebnisse. Die Binzeiproben
werden später in einem größeren Glasgefäß miteinander gut durchgemischt und von der
Mischung Teilproben zur Untersuchung verwendet.

c)	Bei der Probeentnahme unterhalb der Einflußstelle des fraglichen Abwassers
hat man darauf zu achten, ob der Fluß zwischen dieser Einflußstelle und der Probeentnahme-
stelle noch andere Abwässer oder Nebenflüsse aufnimmt.

Man hat dann von jedem Zufluß unterhalb vorschriftsmäßige Proben zu entnehmen
und auf schädliche Bestandteile zu untersuchen.

d)	Bei stillstehenden Gewässern, bei Teichen und Seen mit gar keinem oder
nur geringem Wasserabfluß kann man unter Umständen die Größe der Verunreinigung
auch aus der Beschaffenheit und Menge des verunreinigenden Zuflusses ermessen. Hierbei
muß aber eine verteilte Probenahme an verschiedenen Stellen und aus verschiedenen Tiefen
noch mehr beobachtet werden als bei einem fließenden Gewässer.
        <pb n="879" />
        ﻿Probenahme.

857

e)	Bei einem fließenden Gewässer mit vielen rasch wechselnden Zuflüssen
von Abwässern und mit vielen Nebenflüssen, kann man unter Umständen die Größe der
Verunreinigung durch ein fragliches Abwasser auch dadurch finden, daß man neben der
jedesmaligen Zusammensetzung die Menge des Wassers sowohl des Flusses, wie der
einzelnen Zuflüsse bestimmt und hieraus die Größe der Verunreinigung bei Niedrig-, Mittel-
und Hochwasser berechnet.

Die Wassermengen können in vereinzelten Fällen dadurch ermittelt werden, daß
man einen freien Überfall, über welchen sämtliches Wasser abfließt, schafft und dasselbe
eine bestimmte Zeit lang in einem untergestellten, ausgemessenen Gefäß auffängt, oder
indem man Breite und Tiefe der Wassersohicht des senkrechten Überfalles — nachdem dieser
konstant geworden ist — mißt und die Menge des Wassers (Q) nach der Formel berechnet:

Q =* Qi + Q2

oder	Q = b2/3^v/2g[(h + k) ä/3 k 2/3] + /i b ff, y/ 2g (h + k) %

worin fi = Eeibungs-Koeffizient von 0,5—0,8,
b = Breite des Überfalles,

\l 2 g = Fallgeschwindigkeit nach der ersten Sekunde,

h = Höhe des vollkommenen Überfalles oder Differenz zwischen ruhigem Ober-
und Unterwasser,

hj = Höhe des unvollkommenen Teiles des Überfalles,

k = Geschwindigkeitshöhe bezw. die der ankommenden Geschwindigkeit ent-
sprechende Druokhöhe bedeutet.

Wenn der Überfall ein vollkommener ist, oder wenn das Unterwasser niedriger steht
als die Wehrkurve, dann geht der 2. Teil der Gleichung Q3 in Q über und es bleibt dann
nur der erste Teil der Formel

Bei größeren Wasserläufen berechnet man die Menge des Wassers mit Hilfe des
Woltmansehen Flügels.

Es empfiehlt sich, die Wassermengen tunlichst stets von einem Hydro-
teohniker feststellen zu lassen.

f)	Unter Umständen — besonders bei Verunreinigungen durch Metallverbindungen —
gibt der Schlamm oder der auf Steinen oder Pflanzen haftende Überzug
Aufschluß über die Ursache und Quelle der Schädigung.

g)	In anderen Fällen können die beschädigten Pflanzen oder Bäume oder die ver-
endeten Fische den Beweis der schädigenden 4 Ursache erbringen.

h)	Wiederum in anderen Fällen ist die Fauna und Flora der Gewässer in Betracht
zu ziehen (vergl. weiter unten).

8. Vorprüfungen an Ort und Stelle. Als Vorprüfungen sind an Ort und
Stelle auszuführen:

a)	Die Feststellung des äußeren Ansehens des Wassers; ob es hell und klar
oder ob gefärbt und wie getrübt, ob weiß, dunkel, schwarz usw. getrübt ist?

Als einheitliches Maß für den Ausdruck der trüb enBeschaffenheit können
die mit dem unten beschriebenen Diaphanometer ermittelten Werte dienen.

Man darf sich aber nicht von dem bloßen Aussehen bei der Beurteilung der wirk-
lichen Reinheit oder Unreinheit eines Wassers leiten lassen; denn ein hell und klar aus-
sehendes Wasser kann unter Umständen von schädlicherer Beschaffenheit sein als ein trübe
aussehendes Wasser. Auch kann ein an sich klares Wasser in einem schwarz-schlammigen
Flußbett schmutzig erscheinen, ohne wesentlich verunreinigt zu sein. Die Frage der
Schädlichkeit der trüben Beschaffenheit eines Wassers hängt ganz von der Art der
Schwebestoffe und davon ab, ob die trübe Beschaffenheit derart ist, daß durch sie infolge
Lichtabhaltung die Flora und damit auch die Fauna bezw. die Fischzucht geschädigt wird.

b)	Die P e s t s t e 11 u n g d e s Geruches, ob nach Schwefelwasserstoff, Ammon iak, Rüben-
wasser, Hefenwasser usw. Zur sicheren Erkennung des Schwefelwasserstoffs hält man einen
mit Bleiessig oder mit einer alkalischen Bleiessiglösung getränkten Streifen Papier in die
mit Wasser gefüllte Flasche und läßt diesen nötigenfalls einige Zeit unter Bedecken der Flasche
darin hängen. Ebenso kann zum weiteren qualitativen Nachweis von Ammoniak Neßler-
sches Reagens dienen, welches zu dem alkalisch gemachten filtrierten Wasser zugesetzt wird.
        <pb n="880" />
        ﻿858

Schmutzwasser.

o) Die Reaktion ist mittels empfindlichen neutralen Lackmuspapiers
festzustellen, welches direkt in das fließende Wasser gehalten wird.

d)	Die Temperatur ist mittels eines empfindlichen Thermometers mit Celsius-
Graden zu ermitteln und das Thermometer so lange in das fließende Wasser zu halten,
bis der Stand des Quecksilbers sich nicht mehr ändert.

e)	Die freien Gase und flüchtigen Säuren. Ist es von Belang, in einem
Wasser die Menge der freien Gase und flüchtigen Säuren, wie Sauerstoff, Kohlensäure,
Schwefelwasserstoff, Chlor, Salzsäure usw. quantitativ zu bestimmen, so müssen dieselben
entweder an Ort und Stelle bestimmt, oder doch so gebunden werden, daß
ihre Menge während des Versandes keine Veränderungen erleidet. So kann Sauerstoff
nach dem Verfahren von Winkler, Kohlensäure durch Zusatz von kohlensäurefreiem
Kalkwasser, Schwefelwasserstoff durch Zusatz von Cadmiumchlorür oder arsenigsaurem
Natrium und Alkali, Salzsäure durch Silberlösuug usw. gebunden und die weitere chemische
Untersuchung im Laboratorium ausgeführt werden.

f)	Salpetrige Säure. Die salpetrige Säure muß ebenfalls, wenn sie besonders
in Betracht kommt, an Ort und Stelle bestimmt werden.

In den meisten Fällen genügt eine qualitative Prüfung in dem nötigenfalls filtrierten
Wasser mittels Jodkalium, etwas frischem Stärkewasser und einigen Tropfen verdünnter
Schwefelsäure oder mit Metaphenylendiamin (vergl. S. 810 u. ff.).

g)	Die bakteriologische Untersuchung. Dieselbe muß an Ort und Stelle in
Petrischen Schalen angestellt werden; die einzelnen Arten von Bakterien auf den Nähr-
platten werden später im Laboratorium in üblicher Weise ermittelt. Unter Umständen
können auch größere Proben des betreffenden Wassers in besonders gereinigten und sterili-
sierten Glasflaschen entnommen, müssen dann aber sorgfältigst in Eis verpackt werden, um
sie im Laboratorium weiter untersuchen zu können (vergl. S. 834 und 838).

h)	Haltbarmachung der Proben. Wegen der leichten Zersetzbarkeit der Ab-
wässer mit viel organischen stickstoffhaltigen Stoffen, empfiehlt sich nicht nur für den
Versand, sondern auch für die Aufbewahrung im Laboratorium der Zusatz von Prisch-
haltungsmittelu. K. Parnsteiner, P. Buttenberg und 0. Korn1) schlagen für den
Zweck vor, auf 1—2 1 des unflltrierten Wassers 2 ccm Chloroform zuzusetzen und das
so haltbar gemachte Wasser zur Bestimmung des Abdampfrüokstandes, der Schwebestoffe,
des Glühverlustes, der Salpetersäure, der salpetrigen Säure und des Chlors zu verwenden,
dagegen die Bestimmung der Oxydierbarkeit, der organischen Stiokstoffverbinduugen, des
Ammoniaks und organischen Kohlenstoffs in einem anderen Teile des Abwassers vorzu-
nehmen, welcher vorher filtriert und dann auf je 11 Filtrat mit 2 ccm 25°/0-iger
Schwefelsäure versetzt worden ist.

H. Groß e-Bohle2) zeigt, daß sich in dem mit Chloroform haltbar gemachten
Schmutzwasser suspendierte organische Stoffe, organischer Kohlenstoff und organischer
Stickstoff fehlerlos bestimmen lassen. Auch die Bestimmung der Oxydierbarkeit ist mög-
lich, wenn hierzu nicht mehr als 10 ccm des Wassers erforderlich sind. Gleichzeitig muß
aber mit dem gleichen Volumen eines gleiche Mengen Chloroform enthaltenden Wassers
ein blinder Versuch gemacht und die hierfür gefundene Menge Kaliumpermanganat in Ab-
zug gebracht werden. Eine etwaige Zunahme des Abwassers an Mineralstoffen beim Auf-
bewahren kann nach II., Große-Bohle aus dem Glase der Flasche herrühren.

II. Chemische Untersuchung.

Bei der eigentlichen chemischen Untersuchung im Laboratorium sind vorab folgende
Punkte zu beobachten:

a) Die chemische Untersuchung muß tunlichst gleich nach der Probe-
nahme erfolgen; nötigenfalls ist anzugeben, wann nach der Probenahme die Unter-
suchung vorgenommen ist; ob und wie die Wässer haltbar gemacht sind?

J) K. Parnsteiner, P. Buttenberg und 0. Korn, Leitfaden für die chemische
Untersuchung von Abwasser. München und Berlin 1902, 4.

ä) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 969.
        <pb n="881" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

859

Nicht nur die Abwässer mit viel organischen Stoffen zersetzen sich selbst in gut
verschlossenen Flaschen, besonders im Sommer, ungemein schnell, sondern auch in Ab-
wässern mit vorwiegend mineralischen Bestandteilen können sich beim längeren Aufbe-
wahren Umsetzungen vollziehen, die auf die Beurteilung von Einfluß sein können.

b)	Die von demselben Wasser bezw. von derselben Stelle entnommenen
Einzelproben sind in eine größere reine Flasche umzufüllen, durchzumischen
und hiervon Teilproben nach jedesmaligem Durchmischen zu entnehmen.

c)	Die vorhin aufgeführten Vorprüfungen No. 1—6 sind tunlichst alle
zu wiederholen bezw. zu kontrollieren.

Was den Geruch anbelangt, so tritt derselbe häufig erst durch Erwärmen auf 40
bis 50° oder durch ümschwenken einer kleinen Probe in einem Becherglase deutlich hervor.

d)	Unter Umständen empfiehlt es sich ferner, die Farbe des filtrierten Wassers und
deren Veränderlichkeit besonders zu verfolgen, sowie festzustellen, ob das Wasser klar
filtrierbar ist, ob und innerhalb welcher Zeit die Schwebestoffe sich absetzen.

e)	Die Untersuchung muß nach vollständig gleichen, in einem Streitfälle von den be-
treffenden Chemikern jedesmal vorher zu vereinbarenden Verfahren erfolgen. Die Verein-
barung muß sich vorwiegend auf die Art der Bestimmung der Schwebe- und gelösten Stoffe,
Länge des Trocknens der Rückstände, Bestimmung der organischen Substanz, des orga-
nischen und Ammoniak-Stickstoffs, Schwefelwasserstoffs usw. erstrecken.

Hierbei sei noch besonders betont, daß man bei Bestimmung der organischen Stoffe
durch Kaliumpermanganat nicht nur je nach dem Verdünnungsgrad, sondern auch je nach
der Menge des ursprünglich zugesetzten Kaliumpermanganats in saurer oder alkalischer
Lösung sehr verschiedene Ergebnisse erhält.

f)	Die chemische Untersuchung soll nur auf die Bestandteile, welche
für die jedesmal zu beantwortende Frage von wirklicher Bedeutung sind,
ausgedehnt werden.

1.	Gesamte gelöste Stoffe sowie organische und unorganische Schwebestoffe.

Die Schwebestoffe bezw. das schmutzige Aussehen eines Wassers werden meistens für
schädlicher angesehen als sie in Wirklichkeit sind. Es empfiehlt sich daher, deren
Art durch eine genaue Untersuchung festzustellen.

a) Eine Menge von 250—1000 ccm (je nach dem Gehalt an Schwebe-
stoffen) wird durch ein getrocknetes und gewogenes Filter filtriert, das Filter 2-mal
mit wenig destilliertem Wasser nachgewaschen, darauf bei 100—105° getrocknet,
gewogen und eingeäschert. Die Asche minus Filterasche gibt die Menge der
mineralischen Schwebestoffe, Gesamtrückstand minus Gesamtasche die Menge der
organischen Schwebestoffe.

Hat man genügend große Goochsche Platintiegel zur Verfügung
(vergl. S. 250), so kann man sich zweckmäßig dieser unter gleichzeitiger
Benutzung eines Aspirators bedienen. Der als Filter benutzte Asbest muß
völlig rein, d. h. tunlichst mit Salzsäure ausgekocht und geglüht sein.

Sollen die mineralischen Schwebestoffe näher untersucht werden, so löst man
den Aschenrückstand in Salzsäure (oder Salpetersäure zur Bestimmung der Phosphor-
säure nach dem Molybdän verfahren) und verfährt wie sonst.

Das Gesamtfiltrat einschl. Waschwasser oder ein aliquoter Teil desselben wird
in einer Platinschale zur Trockne verdampft, 2 Stunden bei 100—105° im Trocken-
schrank nachgetrochnet und gewogen. Darauf wird der Rückstand — nötigenfalls
mit den S. 195 angegebenen Hilfsmitteln — geglüht, bis alle Kohle verbrannt ist,
mit Ammoniumkarbonatlösung angefeuchtet, getrocknet, schwach erhitzt und wieder
gewogen. Letzteres Gewicht gibt die Menge der gelösten Mineralstoffe, ersteres
Gewicht minus letzterem die Menge der organischen Stoffe, d. h. richtiger des Glüh-
verlustes; denn dieser besteht unter Umständen auch zum Teil aus Ammonsalzen
und chemisch gebundenem Wasser, welches durch Trocknen bei 100—105° nicht
        <pb n="882" />
        ﻿860

Schmutzwasser.

fortgeht. Bei Gegenwart von viel Gips und Chloriden ist die letztere Menge sogar
sehr erheblich, so daß der Glühverlust keinen Maßstab für die Menge der orga-
nischen Stoffe abgeben kann,

b) Vorstehendes Verfahren zur Bestimmung der Schwebestoffe ist aber unter
Umständen langwierig und nicht genau, wenn, wie häufig, die betreffenden Schmutz-
wässer schlecht filtrieren; denn dann erfährt das Wasser schon während der
Filtration eine Veränderung, welche das Ergebnis beeinträchtigt.

Man kann dann auch in der Weise verfahren, daß man einen Teil des gut
durchgesohüttelten Wassers durch ein trocknes Faltenfilter filtriert und je 100—250 com

des unfiltrierten und des filtrierten
Wassers auf dem Wasserbade ein-
trocknet, 2 Stunden bei 100—105°
trocknet, wägt, die beiden ge-
wogenen Rückstände bis zum Weiß-
brennen glüht, mit Ammonium-
karbonat durchfeuchtet, eintrooknet,
zum Verjagen des Ammoniumkar-
bonats schwach erhitzt und wieder
wägt. Die Differenz der Glüh-
verluste des unfiltrierten und des
filtrierten Wassers gibt die Menge
der organischen Schwebestoffe, so-
wie die Differenz der Glührück-
stände des unfiltrierten und des fil-
trierten Wassers die Menge der
unorganischen Schwebestoffe an.
Falls ein freien Kalk enthaltendes
Abwasser vorliegt, so leitet man
erst Kohlensäure bis zum Über-
schüsse ein und verfährt wie sonst;
die dem freien Kalk entsprechende
Menge Kohlensäure bringt man vom
Gesamtrückstand in Abzug.

2. Trübung»- bezw. Durch-
sichtigkeitsgrad. Das äußere Aus-
sehen (Farbe und Trübungsgrad)
gibt in vielen Fällen schon wichtige Anhaltspunkte für die Beurteilung und über
die Herkunft eines Wassers. Die Färbung eines Wassers zu beurteilen, bietet
keine Schwierigkeit; dagegen läßt die Beurteilung des Trübungs- oder Durch-
sichtigkeitsgrades dem persönlichen Empfinden zu viel Spielraum; denn die Be-
zeichnungen für diese Eigenschaften wie „schwach“, „ziemlich stark“, „stark weißlich
trübe“, „schwach bezw. stark rot- oder schwarzflockig trübe“, opalisierend usw.
sind sehr dehnuugsfähig. Das oben S. 805 erwähnte Verfahren, den Grad der Durch-
sichtigkeit mit Hilfe der Snellenschen Schriftprobe No. 1 festzustellen, kann schon ein-
heitlichere Werte liefern, ist aber auch noch recht unzuverlässig. Andere Vorschläge,
so von Hazen und Whipple,1) als Vergleichsmaß eine Aufschwemmung von Kiesel-
säure in Wasser oder von Burgeß,2) eine Farblösung von Kobaltsulfat und Kalium-

*) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1903, 6, 666 u. 567.

4) Ebenda, 1904, 7, 129,

Beflejozons- A
jtrtsmxv

Absorption#- j
jhLS

v

^ /Schieber mit roten
ic.yrü/ien Gläsern,

-Okularrohr

r|/| Lummer -BrodMm. 'scher
~\/\ I PrtSTTwrvkörjier

|	Qlaskörjier zumAusgleich

'—I—* des Lichtuerlustes

I durch das Refleccionsprisma

I

I

A

J





FliissigkeüshöTie

MidLUnie

Matte
Glasscheibe

Fig. 319. Schematischer Längsschnitt durch das
Diaphanometer.
        <pb n="883" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

861

bichromat, beide von bestimmtem Gehalt zu wählen, sind nur für wenige Färbungen
und Trübungen brauchbar und bieten bei der großen Mannigfaltigkeit der Trübungen
und Färbungen der Abwässer in zahlreichen anderen Fällen keinen richtigen Ver-
gleich. Diese Ühelstände veranlaßten den Verfasser, nach einem Hilfsmittel zu
suchen, die Farbentiefe und den
Trübungsgrad eines Schmutz-
wassers durch Messung der
Lichtdurchlässigkeit für
weißes Licht auf ein einheit-
liches Maß zurückzuführen.

Dieses glaubt der Verfasser1)
durch das Diaphanometer,
welches von dem Optischen
Institut A. Krüß in Hamburg
angefertigt wird, erreichen zii
können.

Die Einrichtung des
Diaphanometers beruht wie
bei dem Duboscqschen Kolo-
rimeter auf der Anwendung
von Tauchrohren und der Ver-
gleichung durch ein Lummer-
Brodhun’sches Prisma; sie
erhellt aus den Abbildungen
Fig. 319 und 320.

Man sieht durch das Okular
das Gesichtsfeld durchschnitten
durch einen senkrechten Streifen.

Dieser erhält sein Licht durch
die eine Tauchröhre, die Seiten-
teile des Gesichtsfeldes werden
durch die andere Tauchröhre
erleuchtet. Sind beide Hellig-
keiten gleich, so verschwindet
die Begrenzung des Streifens,
man hat ein gleichmäßig be-
leuchtetes Gesichtsfeld.

In der rechten Täiiich.-
röhre wird die Flüssigkeitshöhe	Fig' 320' Äußere Ansicht des Diaphanometern

variiert, um gleiche Beleuch-
tung herzustelleh. Die linke Tauchröhre dient für gewöhnlich nur dazu, gleiche
optische Verhältnisse mit der rechten Seite herbeizuführen, nämlich das System
Glasplatte — Flüssigkeit — Glasplatte. Der linke Zylinder wird auf Null einge-
stellt, dann ist in ihm eine Schicht von 10 mm Flüssigkeit wirksam; diese Schicht
ist auch im rechten Zylinder unterhalb des Nullstriches vorhanden und es bleibt
als Unterschied in der Wirkung der beiden Seiten nur die Länge der im rechten
Zylinder über dem Nullstrich vorhandenen Flüssigkeitsschicht übrig.

J) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Geaußmittel 1904, 7, 129 u. 687.
        <pb n="884" />
        ﻿862

Schinutzwasser.

Oberhalb des linken Zylinders können 5 Gläser (Fig. 320 a) vorgeschaltet
werden, nämlich das Glas 0, welches eine Lichtdurchlässigkeit von 90 °/0 besitzt
und nur bei äußerst schwach getrübten Flüssigkeiten zur Verwendung kommt
oder die Gläser 1, 2, 3, 4. Jedes dieser Gläser besitzt eine Lichtdurchlässigkeit
von 50 °/0, also ein Glas 50 °/0, zwei Gläser 25 °/0, drei Gläser 12,5 °/0 und vier
Gläser 6,25 °/0. Mit diesen vier Gläsern läßt sich bis zu einer Lichtdurchlässig-
keit einer Schicht von 10 mm Dicke von 93 °/0 messen, durch das Glas 0 wird
eine Erweiterung auf 99 °/0 erreicht.

Vor das Okular ist durch einen Schieber ein rotes und ein grünes Glas
einzuschalten.

Gebrauchsanweisung. Das Arbeiten mit dem Diaphanometer gestaltet
sich trotz der scheinbaren Umständlichkeit der Anordnung sehr einfach.

Das Diaphanometer wird vor einem Fenster so aufgestellt, daß die am Stativ
befindliche Milchglasplatte voll durch Tageslicht beleuchtet ist; direktes Sonnenlicht
ist zu vermeiden.

Die Einschaltungsgläser (0, 1, 2, 3, 4) müssen stets sauber geputzt sein,
ebenso die Glasgefäße. Von den äußeren Gefäßen können die Füße abgeschraubt
und dann die Grundplatten geputzt werden.

Beide Tauchröhren werden auf 100 gestellt und dann so viel Flüssigkeit in
die äußeren Zylinder gegossen, daß die Tauchröhren eben eintauchen. Alsdann wird
die linke Tauchröhre auf Null gesenkt und dort festgeschraubt.

Blickt man nun durch das auf das Gesichtsfeld eingestellte Okular, so er-
scheint der mittlere Streifen heller als die Umgebung. Es wird das rote Glas
vorgeschoben und darauf werden alle Rauchgläser No, 1, 2, 3, 4 über den linken
Zylinder vorgeschlagen. Erscheint alsdann der mittlere Streifen dunkler als die
Umgebung, so wird Glas 4, wenn nötig auch Glas 3 und 2 wieder zurückgedreht,
bis der mittlere Streifen etwas heller als die Außenteile des Gesichtsfeldes ist. Ist
dieses auch bei Glas 1 noch nicht der Fall, so muß Glas 0 benutzt werden. Hier-
auf senkt man das rechte Tauchrohr, bis Helligkeitsgleichheit erzielt ist, liest an
der Teilung der Flüssigkeitshöhe ab und dividiert die abgelesene Zahl durch die
Anzahl der benutzten Gläser.

Mit dem so erhaltenen Messungsergebnis entnimmt man aus der Tabelle I,
bezw. für das Glas 0 aus der Tabelle H, die Lichtdurchlässigkeit der untersuchten
Flüssigkeit für rotes Licht. Dabei wird man zweckmäßig meistens die für eine
Schichtendicke von 10 mm angegebene Zahl benutzen, für sehr dunkle Flüssigkeiten
ist auch die Lichtdurchlässigkeit für eine Schicht von 5 mm, für sehr klare die-
jenige für 100 mm Dicke angegeben.

Die gleiche Beobachtung wird alsdann auch mit dem grünen Glase gemacht
und ebenso die Lichtdurchlässigkeit für grünes Licht ermittelt.

Da das Verfahren auf der Voraussetzung beruht, daß die Flüssigkeit in ihrer
ganzen Länge gleichmäßig ist, so muß man bei trüben Flüssigkeiten, mit rasch
sich niedersohlagenden Schwebestoffen, möglichst schnell arbeiten.

Aus den beiden Zahlen, welche aus der Tabelle I bezw. II für die beiden Ab-
lesungen in Bot und Grün erhalten werden, wird das Verhältnis Grün/Eot gebildet.
Aus der Tabelle III wird der zu diesem Verhältnis gehörige Faktor k entnommen
und mit ihm die Durchlässigkeit für Rot multipliziert. (Vergl. die Tabellen S. 863.)

Das so erhaltene Endergebnis stellt die Durchlässigkeit der untersuchten
Flüssigkeit für weißes Licht dar.

(Fortsetzung des Textes siehe S. 864.)
        <pb n="885" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

863

Tabelle 1

für die Gläser No. 1—4.

Bei Anwendung von mehr als einem Glas muß die eingestellte Plüssigkeitshöhe durch die Zahl
• der Gläser dividiert werden.

riüssig- keits- höhe hei Hellig- kelts- gleich- heit	Lichtdurchlässig-  keit in Prozenten  für eine Schicht  von		Flüssig- keits- höhe bei Hellig- keits- gleich- heit	Lichtdurchlässig- keit in Prozenten  für eine Schicht  von		Fiüssig-  keits-  höhebei  Hellig-  keits-  gleich-  heit	Lichtdurchlässig- keit in Prozenten  für eine Schicht  von		Flüssig- keits- höhe bei Hellig- keits- gleich- heit	Lichtdurchlässig- keit in Prozenten  für eine Schicht  von	
	10 mm	5 mm		10 mm	5 mm		10 mm	5 mm		10 mm	5 mm
100	93,3	96,6	37	82,9	91,0	22	73,0	86,4	8,5	44,2	66,5
95	92,9	96,4	36	82,5	90,8	21	71.9	84,8	8	42,0	64,8
90	92,6	96,2	35	82,0	90,6	20	70,7	84,1	7,5	39,7	63,0
85	92,2	96,0	34	81,6	90,4	19	68,4	83,3	7	37,2	61,0
80	91,7	95,8	33	81,1	90,1	18	68,0	82,5	6,5	34,4	58,7
75	91,2	95,5	32	80,6	89,7	17	66,5	81,6	6	31,5	66,1
70	90,6	95,2	31	80,0	89,4	16	64,8	80,5	5,5	28,4	53,3
65	89,9	94,8	30	79,4	89,1	15	63,0	79,4	5	25,0	50,0
60	89,1	94,4	29	78,8	88,8	14	60,9	78,0	4,5	21,4	46,3
00	88,1	93,9	28	78,1	88,4	13	58,7	76,6	4	17,7	42,1
50	87,1	93,3	27	77,4	88,0	12	56,1	74,9	3,5	13,8	37,6
45	85,7	92,6	26	76,6	87,5	11	53,2	72,9	3	9,9	31,5
40	84,1	91,7	25	75,8	86,9	10	60,0	70,7	2,5	6,2	24.9
39	83,7	91,5	24	74,9	86,5	9,5	48,2	69,4	2	3,1	17,6
38	83,3	91,3	23	74,0	86,0	9	46,3	68,0	1,5	1,0	10,0
									1	0,0	3,1

Tabelle II

für Glas No. 0.

Hiüssig-	Lichtdurchlässig-		Flüssig-
kohe bei	keit in Prozenten		keits- höhe bei
Heilig.	für eine	Schicht	Heilig-
keits-	von		keits-
gleich-			gleich-
heit			heit
	10 mm	100 mm	
100	99,0	90,0	30
95	98,9	89,5	25
90	98,8	89,0	20
85	98,8	88,4	15
80	98,7	87,7	10
75	98,6	86,9	9
70	98,5	86,1	8
65	98,4	85,0	7
60	98,3	83,9	6
55	98,1	82,6	5
50	97,9	81,0	4
46	97,7	79,1	3
40	97,4	76,8	2
35	97,0	74,0	1

LIchtdurohlässig-
keit in Prozenten
für eine Schicht
von

10 mm	100 mm
96,5	70,4
95,9	65,6
94,9	59,1
93,2	49,5
90,0	34.9
89,0	31,0
87,7	26,0
86,0	22,0
83,9	17,3
81,0	12,2
76,8	7,2
70,4	3,0
59,1	0,5
34,9	

Tabelle III.

Grün  Bot	k	Grün  Bot	k
0,05	0,11	1,06	1,04
0,10	0.23	1,10	1,08
0,15	0.32	1,15	1,12
0,20	0,38	1,20	1,15
0,25	0,42	1,25	1,19
0,30	0,47	1,30	1,22
0,35	0,51	1,35	1,25
0,40	0,56	1,40	1,28
0,46	0,60	1,45	1,31
0,50	0,64	1,60	1,34
0,55	0,68	1,55	1,37
0,60	0,72	1,60	1,40
0,65	0,76	1,65	1,43
0,70	0,80	1,70	1,46
0,75	0,84	1,75	1,48
0,80	0,87	1,80	1,50
0,85	0.90	1,85	1,53
0,90	0,94	1,90	1,55
0,95	0,97	1,95	1,58
1,00	1,00	2,00	1,60
        <pb n="886" />
        ﻿864

Schmutzwasaer.

Beispiel:

Yorgeschlagene	Einstellung	Auf 1 reduziert:

Gläser;	rot	grün	rot	grün
No. 1, 2, 3	75	69	25,0	19,7
Lichtdurehlässigkeit (nach Tabelle I)	75,8 o/0	10 «Io
Grün/Eot		.	. . 0,92	
k (nach Tabelle III) .	.	.	. .	. 0,95	
Lichtdurehlässigkeit für weißes Li	cht 75,8 X 0,95 =	= 72,0 °/0.

Das Diaphanometer läßt sich auch als Kolorimeter für Farbstofflösungen ver-
schiedenster Art benutzen. Konzentrierte Lösungen oder Trübungen wirken nur
etwas anders als verdünnte, indem erstere selbstleuchtend werden, d. h. die Zahlen
für die Lichtdurchlässigkeit der sehr stark getrübten bezw. der sehr stark gefärbten
Flüssigkeiten nehmen nicht in demselben Verhältnis zum Gehalt ab, wie dieses bei den
wenig getrübten und wenig gefärbten Flüssigkeiten der Fall ist. Darum erhält
man aber bei denselben Messungen mit dem Diaphanometer unter sich vergleich-
bare Werte.

3.	Alkalität. Zur Bestimmung der durch freien Kalk, Ammoniak usw. be-
dingten Alkalität titriert man 200 ccm mit 1/10 Normal-Schwefelsäure unter An-
wendung von Phenolphthalein als Indikator, indem man dieselbe auf CaO in Milli-
gramm für 1 1 ausdrückt.

i. Freie Säuren. Die freien Säuren lassen sich unter Anwendung von Lack-
mus-Tinktur nur dann mit titrierter Alkalilauge bestimmen, wenn das Wasser als
Basen nur Alkalien und alkalische Erden enthält. Sind auch Metalloxyde, z. B.
von Eisen, Zink, Kupfer vorhanden, so läßt sich die Menge der freien Säuren nur
dadurch feststellen, daß man die Gesamtmenge der Säuren und der Basen bestimmt,
auf Salze umrechnet und den verbleibenden Rest als freie Säuren annimmt. Hierbei
nimmt man diejenige Säure als ungebunden an, die nach der Natur des Abwassers
als im Überschuß vorhanden anzunehmen ist (vergl. No. 16 S. 871).

5. Verbrauch von Kaliumpermanganat bezw. Oxydierbarkeit. Die durch
übermangansaures Kalium zu oxydierenden Stoffe werden stets in dem filtrierten
Wasser bestimmt. Dabei ist, wenn gereinigtes und ungereinigtes Wasser ver-
gleichend untersucht werden sollen, die Verdünnung so zu wählen, daß zu dem
gleichen Volumen verdünnten Wassers annähernd eine gleiche Anzahl Kubikzenti-
meter 1/ioo N.-Kaliumpermanganatlösung verwendet wird.

Man verdünnt also entweder 25, 50 oder 100 ccm des filtrierten Abwassers
auf 1000 com und nimmt hiervon entweder 26 oder 50 ccm usw., so daß die Flüssig-
keit beim Kochen mit 20 com 1/100 N.-Kaliumpermanganatlösung noch gerötet bleibt.
Die Oxydation wird in alkalischer und saurer Lösung vorgenommen (vergl. S. 807).
Aus der verbrauchten Menge Kaliumpermanganat wird, da hier außer organischen
Stoffen auch größere Mengen Eisenoxydul-, Schwefelverbindungen und Nitrite oxydiert
werden können, die zur Oxydation erforderliche Menge Sauerstoff berechnet.

1 ccm 1/100 N.-Kaliumpermanganatlösung = 0,00008 mg Sauerstoff.

In England sind statt vorstehenden allgemeinen Verfahrens noch einige be-
sondere Verfahren zur Messung der Sauerstoffabsorption in Gebrauch, nämlich:1)

a) Four Hours Test (Vierstundenprobe). 70 ccm des zu untersuchenden Wassers
(bezw. mehr bei wenig vorhandener oder weniger bei viel vorhandener organischer
Substanz) werden mit 10 ccm Schwefelsäure (1 : 3) und 50 ccm Kaliumpermanganat-

1)	Vergl. Farnsteiner, Buttenberg und Korn (1. c.) 13.
        <pb n="887" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

865

lösung, von der 10 ccm = 1,0 mg Sauerstoff entsprechen (0,396 g Kaliumpermanganat
in 1 1 Wasser),1) versetzt und 4 Stunden in einer verschlossenen Flasche unter
zeitweisem Umschütteln — wenn oxydierbare Schwebestoffe vorhanden sind — bei
gewöhnlicher Temperatur stehen gelassen. Wenn die Permanganatlösung vor Ab-
lauf von 4 Stunden merklich blasser wird, setzt man eine 2. und, wenn nötig, eine
3. Menge obiger Säure und Permanganatlösung zu. Nach Ablauf von 4 Stunden
werden einige Tropfen 10°/o-iger Jodkaliumlösung zugesetzt und, die durch das
überschüssig zugesetzte Kaliumpermanganat ausgeschiedene Menge Jod durch Titration
mit Natriumthiosulfat bestimmt; letztere enthält etwa 7 g Natriumthiosulfat in 1 1
und ist so eingestellt, daß 25 ccm = 50 ccm Kaliumpermanganat entsprechen; dieses
Verhältnis wird vor jedem Versuch durch einen blinden Versuch mit 70 ccm
destillierten Wassers, 10 ccm obiger Schwefelsäure und 50 ccm Kaliumpermanganat-
lösung bestimmt.

Aus dem Unterschiede der zugesetzten und nicht verbrauchten Menge Per-
manganatlösung berechnet sich die Menge des absorbierten Sauerstoffs.

Anmerkung. Nach Tidy läßt man die obige Kaliumpermanganatlösung und
Schwefelsäure 2 bezw. 3 Stunden, nach dem „Three Minutes Test (Dreiminuten-
probe)“ 3 Minuten bei gewöhnlicher Temperatur ein wirken, im übrigen aber wird wie bei
der „Vierstundenprobe“ verfahren.

b) incubator Test (Bebrütungsprobe). Zuerst wird eine Bestimmung des dem
Permanganat in 3 Minuten entzogenen Sauerstoffs ausgeführt, hierauf wird eine
Flasche vollständig mit der Probe gefüllt, 6 oder 7 Tage im Brutschrank (bei 27 °)
gehalten und hiervon wiederum die Sauerstoffabsorption während 3 Minuten wie
oben bestimmt. Falls während der Bebrütung Fäulnis stattgefunden hat, wird die
Sauerstoffabsorption infolge der gebildeten Fäulniserzeugnisse wie Schwefelwasser-
stoff usw. eine größere sein; hat das Wasser durch die Bebrütung keine Zersetzung
erfahren, sondern ist es frisch geblieben, so wird die Sauerstoffabsorption während
3 Minuten dieselbe sein, wie nach der Bebrütung; ja es kann nach der Bebrütung
sogar eine etwas geringere Sauerstoffahsorption beobachtet werden, weil durch die
Bebrütung mit Hilfe des gasförmig vorhandenen und des Nitrat-Sauerstoffs eine
schwache Oxydation der organischen Stoffe bewirkt werden kann.

Die Bestimmung des Kaliumpermanganatverbrauches geschieht wie bei a.

6. Organischer Kohlenstoff. Degener2) hat früher ein Verfahren angegeben,
den organischen Kohlenstoff in einem Schmutzwasser durch Zusatz von Chromsäure
zu oxydieren und als Kohlensäure zu bestimmen. Das Verfahren aber hat den
Nachteil, daß eine größere Menge Wasser auf 20—30 ccm eingedampft werden
muß, wodurch organische Stoffe sowohl verflüchtigt als zersetzt werden können.
Verfasser8) hat daher folgendes Verfahren als verhältnismäßig einfach und genau
in Vorschlag gebracht:

500 ccm des Wassers (oder 250 ccm bei den an organischen Stoffen sehr
reichen Wässern) werden, wenn es trübe ist — und das ist hei den städtischen und
industriellen Abwässern mit viel organischen Stoffen wohl stets der Fall — durch
einen großen Goochschen (Porzellan- oder Metall-) Tiegel (von etwa 100 ccm In-

*) Das Wasser soll zur Oxydation der vorhandenen organischen Substanz vorher mit
Kaliumpermanganat versetzt werden, bis es sehr schwach rötlich erscheint.

2)	Zeitschr. d. Vereins f. Rübenzucker-Industrie d. deutschen Reiches 1882, 59.

3)	Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1901, 4, 193.

Landwirtschaftliche Stoffe, 8. Auflage.

65
        <pb n="888" />
        ﻿866

Sohmutzwasser.

halt) mit Asbestfilter unter Anwendung der Säugpumpe schnell1) filtriert und der
ahgesaugte Rückstand im Tiegel mit etwas destilliertem Wasser nachgewaschen.

a) Das Filtrat gibt man in einen Eundkolhen k (Fig. 321 links), setzt 10 ccm
verdünnter Schwefelsäure zu und verbindet, wie es Fig. 321 veranschaulicht, mit
dem Kühler, aber ohne die Verbindung mit dem übrigen Teil des Apparates herzu-
stellen. Das Wasser wird also — mit offenem Kühlerrohr — zuerst eine halbe
Stunde unter fortwährendem Kühlen gekocht, bis alle fertig gebildete Kohlensäure
ausgetrieben ist. Darauf läßt man erkalten, setzt 3 g Kaliumpermanganat — in
den meisten Fällen genügen auch 2 g —, 10 ccm einer etwa 30°/0-igen Merkuri-
sulfatlösung®) (d. h. 20 g Quecksilberoxyd in 100 ccm verdünnter Schwefelsäure
gelöst) sowie noch weitere 40 ccm verdünnte Schwefelsäure zu und verbindet
wiederum mit dem Kühler. Jetzt aber stellt man die Verbindung des Kühlers mit
den Rohren a—e her, wie es die Fig. 321 zeigt.

Das Peligotsche Rohr a ist bis zum unteren Ende der großen Kugeln mit etwa
20 ccm konzentrierter Schwefelsäure gefüllt, das Rohr b enthält Chlorcalcium, o und d
Natronkalk und e zur Hälfte Natronkalk, zur Hälfte Chloroalcium. Der Kolben k (Fig. 321
links) ist mit einem doppelt durchbohrten Gummipfropfen geschlossen, durch dessen eine Öffnung
ein Glasrohr zum Kühler führt, während durch die andere Öffnung ein Glastrichterrohr t,
welches oben ein mit Natronkalk gefülltes Glasrohr m trägt, bis nahezu auf den Boden
des Kolbens reicht; das Glasrohr m soll die von links zutretende Luft von Kohlensäure be-
freien; der Kühler dient zur Verdichtung der Wasserdämpfe, die Rohre a und b sollen
die letzten Reste Wasserdampf beseitigen, während das Rohr e den Zutritt von Wasser

*) Bei schwer filtrierenden Flüssigkeiten kann man die Filtration unter Umständen
durch Fällen mit einer Losung von Bisen- oder Aluminiumalaun und Dinatriumphosphat
ohne Beeinträchtigung der Ergebnisse unterstützen.

2) Diesen Zusatz habe ich deshalb angewendet, weil bekanntlich auch bei den Stick-
stoffbestimmungen nach Kjeldahl die Quecksilbersalze die vollkommene Verbrennung
wesentlich unterstützen.
        <pb n="889" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

867

und Kohlensäure von rechts her abhält. Die Röhrchen o und d dienen zur Bindung
der durch die Oxydation gebildeten Kohlensäure; sie werden daher vor und nach
dem Versuch gewogen. Der Natronkalk in dem Rohre c bindet die Kohlensäure, wenn die
Entwickelung nicht gar zu rasch vor sich geht, sehr vollkommen, so daß das zweite
Natronkalkrohr d meistens kaum eine Gewichtsvermehrung zeigt. Auch kann man die
Rohre o und d für mehrere Versuche — bis sechs und mehr, je nach den entwickelten
Mengen Kohlensäure — benutzen; erst wenn das Rohr d einige Milligramm Gewichts-
zunahme zeigt, muß der Natronkalk in dem Rohre c erneuert werden.

Man kann auch konzentrierte Kalilauge im Liehigsehen Kaliapparat zur Bindung
der Kohlensäure verwenden, indes hat Kalilauge den Übelstand, daß sie beim Stoßen der
Flüssigkeit, was häufig bei der Oxydation der Schwebestoffe in dem kleinen Kölbchen k
stattfindet, leicht verspritzen kann.

Nach Verbindung des Apparates erwärmt man den Kolben k mit kleiner
Flamme, so daß nur langsam und gleichmäßig Gashlasen sich entwickeln, in der-
selben Weise wie bei einer Elementaruntersuohung; den Gang der Gasentwickelung
beobachtet man in dem mit wenig konzentrierter Schwefelsäure beschickten Rohr a.

Wenn nach einigem Kochen. der Flüssigkeit die Gasentwickelung aufhört
und die Flüssigkeit in Rohr a zuriiekzusteigen beginnt, entfernt man für einen
Augenblick die Flamme unter dem Kolben k, verbindet mit einem Aspirator, öffnet
den Hahn am Trichterrohr t und leitet so lange — etwa 1/2 Stunde — einen
schwachen Luftstrom durch, bis alle Kohlensäure aus dem Apparat entfernt und
durch die Natronkalkrohre c und d zur Bindung gelangt ist. Während des Durch-
leitens der Luft kann der Inhalt in Kolben k anfangs durch eine kleine Flamme bei
gutem Kühlen in schwachem Sieden erhalten bezw. erwärmt werden, um die Ent-
fernung der Kohlensäure aus dem Kolben und Kühler usw. zu unterstützen. Der
Inhalt der Rohre m, b und e braucht nur zeitweise nach wiederholter Benutzung
erneuert zu werden. Die konzentrierte Schwefelsäure im Rohre a dagegen erneuert
man zweckmäßig nach je zwei bis drei Bestimmungen.

Die mit Glashähnen versehenen Rohre c und d werden nach Beendigung des
Versuches weggenommen, geschlossen etwa 1/2 Stunde beiseite gestellt, dann kurze
Zeit geöffnet, wieder geschlossen und gewogen.

Falls man auch die fertig gebildete Kohlensäure auf diese Weise be-
stimmen will, so verbindet man den Kolben k durch das Kfthlrohr von Anfang an mit
den Absorptionsröhren, wägt Rohre c und d vor und nach dem Auskochen des Wassers
mit alleinigem Zusatz von Schwefelsäure und verfährt für die Bestimmung des gelösten
organischen Kohlenstoffs dann weiter, wie bereits angegeben ist.

Sollten in einem Wasser flüchtige, organische Kohlenstoffverbindungeu
vorhanden sein, die sich in ähnlicher Weise wie Kohlensäure nicht wieder mit den Wasser-
dämpfen verdichten sollten, so würde man zu wenig organischen Kohlenstoff finden. Man
müßte in einem solchen Falle — der allerdings äußerst selten sein dürfte — die fertig
gebildete Kohlensäure und den organischen Kohlenstoff nach sofortigem Zusatz von Schwefel-
säure, Kaliumpermanganat und Merkurisulfat zusammen und in einer zweiten gleichgroßen
Menge Wasser die fertig gebildete Kohlensäure für sich allein nach Zusatz von Kalk-
Wasser -f- Chlorcalcium usw. bestimmen, letztere Menge von ersterer Gesamt-Kohlensäure ab-
ziehen, um aus dem Rest der Kohlensäure durch Multiplikation mit 0,2727 den organischen
Kohlenstoff zu berechnen.

b) Behufs Bestimmung des organischen Kohlenstoffs in den Schwebe-
stoffen der angewendeten 500 ccm Wasser gibt man den Rückstand im Gooch-
schen Tiegel samt Asbestfilter1) in ein etwa 250 ccm großes Kölbchen k (Fig. 321

r) Das ganze Filter läßt sich nach Auflockerung der gut abgesaugten Bodenmasse
mittels eines Platiuspatels leicht verlustlos ausheben.; nötigenfalls wischt man den Tiegel
mit etwas geglühtem weichem Asbest aus.

53*
        <pb n="890" />
        ﻿868

Schmutzwasser.

rechts), setzt 10 ccm 20 %-ige Merkurisulfatlösung, 5 g Chromsäure — oder 10 ccm
einer 50 °/0-igen Chromsäurelösung — zu, verbindet das kleine Kölbchen mit dem
Kühler (vergl. Fig. 321, S. 866) und durch den letzteren mit den genannten
Ahsorptionsrohren. Darauf läßt man unter starker Durchleitung von Kühlwasser
durch das Trichterrohr m langsam 50 ccm konzentrierte Schwefelsäure zufließen,
erwärmt mit einer ganz kleinen Flamme allmählich, so daß nur Gasblase für Gasblase
entwickelt wird, zuletzt stärker, bis keine Gasblasen mehr durch die Peligotsche
Röhre aufsteigen. Die Flüssigkeiten in Kolben k und Rohr a fangen dann an zu
stoßen.1) Man verbindet von da an mit dem Aspirator und leitet wie vorhin einen
langsamen Luftstrom durch, bis man sicher ist, daß die gebildete Kohlensäure aus
dem Kolben entfernt ist. Auch hier wird die Flüssigkeit im Kolben k während des
Durchleitens von Luft anfänglich in schwachem Sieden erhalten.

Sollte der Rückstand im Goochsohen Tiegel (bezw. die Schwebestoffe des Wassers)
Calcium- oder Magnesiumkarbonat enthalten, so würde man denselben nach Binfüllen in
den kleinen Kolben k vor dem Zusatz von Chromsäure vorher wie bei a Nachsatz S. 867
mit verdünnter Schwefelsäure kochen müssen.

Die Anwendung von Kaliumpermanganat an Stelle von Chromsäure zur Oxydation des
organischen Kohlenstoffs in den abfiltrierten Schwebestoffen empfiehlt sich nicht, weil
dabei die Oxydation bezw. Entwickelung von Kohlensäure durchweg so stürmisch verläuft,
daß diese in den Absorptionsrohren c und d nicht vollständig gebunden wird.

7. Schwefelwasserstoff. Eine genaue Bestimmung des Schwefelwasserstoffs in
den an organischen Stoffen reichen Abwässern ist kaum möglich. Annähernd erfährt
man denselben dadurch, daß man zunächst etwas Stärkekleister zu etwa 200 ccm
Wasser setzt und nun so lange titrierte Jodlösung hinzufügt, bis Bläuung eintritt.
Hierdurch erfährt man annähernd die erforderliche Menge Jodlösung. Jetzt gibt
man diese auf einmal in einen Kolben, setzt rasch andere 200 ccm des Wassers zu,
schüttelt durch, setzt Stärkelösung zu und läßt noch so viel Jodlösung zufließen,
bis eben Blaufärbung eintritt. Auf diese Weise vermeidet man eine teilweise Ver-
flüchtigung des Schwefelwasserstoffs während des Titrierens.

Darstellung der Jodlösung: 6,3485 g gereinigtes Jod werden mit Hilfe von 9 g
jodsäurefreiem Jodkalium-) in 200 ccm Wasser gelöst; man gibt sodann die Lösung in
einen 1/ä 1-Kolbeu mit Glasstöpsel, füllt bis zur Marke auf und mischt, 100 ccm dieser
1/10 Normallösung werden (in einem Literkolben mit Glasstöpsel) auf 1000 ccm verdünnt
und letztere (l/100 Normallösung) zur Bestimmung des Schwefelwasserstoffs in dem Wasser
benutzt. 1 ccm dieser Jodlösung ist = 0,0012697 g Jod = 0,00017 g Schwefelwasserstoff.

Zur Prüfung des Jodtiters kann man 2,476 g reinstes unterschwefligsaures Natrium
zu 1 1 lösen und diese Lösung nach Zusatz von Stärkelösung gegen die Jodlösung
titrieren, 20 com der Natriumsalzlösung müssen im Palle der Richtigkeit des Titers —
und der Reinheit des Natriumsalzes — genau durch 20 ccm der Jodlösnng eben blau ge-
färbt werden. (Zur genauen Feststellung des Jodgehaltes vergl. Fresenius: Quantitative
Untersuchung, 6. Aufl., S. 489.) Oder man stellt mit Kaliumbichromat ein (vergl. S. 531).

Stärkelösung: 1 Teil reinste Stärke wird mit 100 Teilen kaltem Wasser nach
und nach angerührt und unter stetem Umrühren zum Kochen erhitzt. Dann läßt man er-
kalten und gießt die Flüssigkeit von einem etwaigen Bodensatz ab (vergl. unter Lösungen
No. 24 am Schluß). Man kann sich aber auch der nach Zulkowski dargestellten Stärke-
lösung bedienen (vergl. S. 532, Anmerkung 1).

*) Ein Mittel, dieses unangenehme Stoßen zu vermeiden, habe ich bis jetzt nicht
finden können.

2) Man prüft dasselbe auf Jodsäure dadurch, daß man eine mit Stärke versetzte
Lösung mit, etwas Salzsäure vermischt. Ist Jodsäure vorhanden, so wird Jod ausgeschieden
und die Flüssigkeit blau. Wenn letztere ungefärbt bleibt, so ist das Jodkalium verwendbar.
        <pb n="891" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

869

Wenn die Titration der Abwässer wegen starker Färbung usw. mit Jodlösung
nicht möglich ist, so kann man das Wasser auch mit ammoniakalisoher Silber-
lösung versetzen, das ausgeschiedene Schwefelsilber filtrieren, in Salpetersäure
lösen, wieder als Chlorsilber fällen und wägen. 1 g AgCl = 0,1164 g Schwefel-
wasserstoff.

Aber auch dieses Verfahren ist nicht genau, weil die organische Substanz in
diesen Wässern leicht Süberlösung reduziert.

Unter Umständen (bei schwachem Gehalt) kann man die Bestimmung des
Schwefelwasserstoffs auch kolorimetrisch ausführen, indem man zu etwa 100 ccm
Wasser 1 ccm Nitroprussidnatrium (2 g dieses Salzes in 1 1 Wasser) setzt und
die entstehende Violettfärbung mit einer Skala vergleicht, welche man sich aus je
2 ccm Natronlauge (1 : 2), 1 ccm Nitroprussidnatriumlösung und bestimmten Mengen
eines Schwefel Wasserstoff wassers von genau bekanntem Gehalt und durch Verdünnen
des Ganzen bis zu 100 ccm hergestellt hat.

8. Ammoniak. Je nach dem Gehalt werden 250, 500 oder 1000 ccm des
filtrierten Wassers in einer geräumigen Retorte mit gebrannter Magnesia ver-
setzt, am vorgelegten Kühler entsprechend lange destilliert, indem das Destillat in
einer Vorlage mit titrierter Schwefelsäure aufgefangen und der Überschuß der
letzteren zurücktitriert wird. Bei der leichten Zersetzbarkeit der stickstoffhaltigen
Verbindungen mancher Abwässer wird leicht zu viel Ammoniak erhalten.

!). Suspendierter und gelöster organischer Stickstoff -j- Ammoniak. Je 200 ccm
des gut durchgemischten, unfiltrierten und des durch ein trocknes Filter filtrierten
Abwassers — bei geringhaltigen Wässern 500 ccm, bei gehaltreicheren 100 ccm —
werden behufs Zerstörung der Salpetersäure mit etwas saurem schwefligsauren Natrium,
Eisenchlorid und einigen Tropfen Schwefelsäure versetzt, in Hoffmeisterschen
Glasschälohen unter Zusatz von etwas Gips zur Trockne verdampft, der trockne
Rückstand samt Glasschälchen zerdrückt, verlustlos in einen Kolben gebracht und
nach Kjeldahl (S. 138) verbrannt.

Das Eindampfen der angegebenen Wassermengen unter vorstehenden Zusätzen
— mit Ausnahme von Gipszusatz — kann aber auch recht gut direkt in dem Glas-
kolben von 500—600 ccm Inhalt geschehen; wenn die Flüssigkeit bis auf etwa
10—20 ccm im Kolben eingedunstet ist, werden nach dem Erkalten 20 ccm
konzentrierte Schwefelsäure zugesetzt und darauf wird, wie S. 138 angegeben, weiter
verfahren.

Die Differenz zwischen dem Stickstoffgehalt des unfiltrierten und filtrierten
Wassers ist die Menge des in suspendierter Form vorhandenen Stickstoffs.

Es ist hier besonders darauf zu achten, daß die verwendeten Reagenzien
(Schwefelsäure usw.) völlig frei von Stickstoffverbindungen, z. B. frei von Salpeter-
säure sind,

10. Bestimmung des organisch gebundenen Stickstoffs (bezw. des sog. Albn-
minoid-Amnioniaks). Die Menge dieses Stickstoffs kann aus der Differenz des nach
No. 9 gefundenen gelösten organischen Stickstoffs und des nach No. 8 gefundenen
Ammoniakstickstoffs berechnet werden.

Soll dieser Stickstoff noch besonders bestimmt werden, so wendet man am zweck-
mäßigsten das Verfahren von Wanklyn, Chapmann und Smith an, welches darin
besteht, daß man je nach der vorhandenen Menge Stickstoff 1—2 1 Wasser erst
unter Zusatz von einigen Kubikzentimetern Natriumkarbonatlösung längere Zeit in
einer geräumigen Retorte mit vorgelegtem, schräg aufstehendem Kühler wie bei der
Ammoniakbestimmung kocht, um alles fertig gebildete Ammoniak, welches in einer
        <pb n="892" />
        ﻿870

Schmutzwasser.

Vorlage aufgefangen wird, auszutreiben. Nach dem Erkalten setzt man 100 ccm einer
Lösung zu, welche 200 g Kalihydrat und 8 g Kaliumpermanganat im Liter enthält,
und kocht wieder mehrere Stunden; das alsdann entwickelte Ammoniak wird in einer
neuen, mit dem Kühler verbundenen Vorlage aufgefangen und wie üblich bestimmt.

11.	Salpetersäure. Falls eine Bestimmung der Salpetersäure erforderlich ist,
verdampft man 1 1 unter Zusatz von etwas Kalilauge und zuletzt von etwas Kalium-
permanganat bis auf etwa 50 ccm und bestimmt darin die Salpetersäure wie in
gewöhnlichem Wasser nach dem Schlösingschen Verfahren1) S. 144.

12.	Salpetrige Säure. Vergl. unter „Trinkwasser“ (S. 810).

Zur annähernden quantitativen Bestimmung, die hier sehr schwierig ist,
destilliert man etwa 500 ccm des mit Schwefelsäure angesäuerten Wassers im
Kohlensäurestrome und prüft das Destillat nach S. 810.

18. Eiweiß-Verbindungen, Zucker, Stärke usw. Die Abwässer werden (nötigen-
falls bei kalkhaltigen Wässern nach Sättigen mit Kohlensäure) auf ein geringes
Volumen eingedunstet, wenn Schwefelwasserstoff zugegen, hiervon durch Bleiessig
befreit und bei 60° mit dem Millonschen Reagens* 2) (eine Lösung von salpeter-
saurem Quecksilberoxydul, welche salpetrige Säure enthält) versetzt. Wenn Eiweiß-
stoffe zugegen sind, wird die Lösung rosenrot. Oder man erkennt die Eiweißstoffe an
der Violettfärbung durch die Biuret-Reaktion (Zusatz von Natronlauge und einem
oder einigen Tropfen verdünnter Kupfersulfatlösung).

Die Prüfung der Abwässer auf Zucker, Stärke, Hefe usw. erfolgt nach ent-
sprechender Konzentration — bezw. bei Stärke und Hefe nach dem Zentrifugieren —
in bekannter Weise mit Fehlingscher Lösung bezw. mikroskopisch usw.

14.	Chloride. 100 ccm des filtrierten Wassers — bei hohem Gehalt ent-
sprechend weniger — werden zum Kochen erhitzt, ein oder mehrere Körnchen
Kaliumpermanganat hinzugesetzt und so lange gekocht, bis die Flüssigkeit voll-
ständig hell und klar geworden ist und die Manganoxyde sich flockig abge-
schieden haben. Hat man etwas zu viel Kaliumpermanganat zugesetzt, so daß die
Flüssigkeit rot gefärbt bleibt, so fügt man einen oder einige Tropfen absoluten
Alkohol zu, bis Entfärbung eintritt. Dann wird filtriert, ausgewaschen und das
wasserhelle Filtrat wie üblich mit 1/10 Normalsilberlösung titriert.

Sollte man zur Zerstörung der organischen Stoffe viel Kaliumpermanganat
verbraucht haben und das Filtrat eine alkalische Reaktion besitzen, so neutralisiert
man entweder vor der Titration mit Essigsäure, oder man säuert mit Salpetersäure
an und bestimmt das Chlor gewichtsanalytisch durch Fällen mit Silberlösung oder
titrimetrisch nach Volhard.

15,	Freies Chlor. Man verwendet je nach dem Gehalt 100—500 ccm des zu
prüfenden Wassers, versetzt mit 1 g reinstem Jodkalium, sowie mit genügender Salz-
säure und titriert das freigewordene Jod durch 1/10 Normal-Thiosulfatlösung (24,8 g
in 1 1 Wasser), indem man zunächst letztere bis zur schwachen Gelbfärbung zu-
fließen läßt, dann frische, kalte Stärkelösung (1 g auf 100 ccm Wasser) zusetzt und bis
zur Entfärbung zu Ende titriert. 1 ccm Normal-Thiosulfatlösung = 0,003545 g Chlor.

*) Das Ulscbsche Verfahren liefert bei Wässern, die viel organischen Stickstoff
enthalten, unter Umständen zu viel Stickstoff (vergl. K. Farnsteiner und W. Stüber,
Zeitschr, f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1905, 10, 329 u. 330).

2) Dasselbe wird wie folgt bereitet: 1 Teil Quecksilber wird in 2 Teilen Salpeter-
säure von 1,42 spezifischem Gewicht gelöst, erst in der Kälte, zuletzt in der Wärme. Nach
vollständiger Lösung fügt man auf 1 Volumen Lösung 2 Volumen Wasser zu, läßt einige
Stunden absitzen und bewahrt die abgegossene klare Flüssigkeit in einem mit Glasstöpsel
versehenen Fläschchen auf.
        <pb n="893" />
        ﻿Chemische Untersuchung.

871

Das Verfahren ist nicht ganz fehlerfrei, liefert aber für Abwässer genügend
richtige Ergebnisse.

Unter Umständen kann statt der Thiosulfatlösnng auch 1/10 Normal-Arsen-
lösung (4,950 g arsenige Säure in 200 ccm Wasser mit 10 g Natriumbikarhonat
gelöst und auf 1 1 verdünnt) angewendet werden, indem man das Ende der Reaktion
nach dem Tüpfelverfahren auf Jodkaliumstärkepapier (getränkt mit einer filtrierten
Lösung von 1 g Stärke in 100 ccm gekochtem Wasser und Zusatz von 0,1 g Jod-
kalium) feststellt. Auch hier ist 1 ccm Arsenlösung = 0,003545 g CI = 0,012697 g Jod.

16.	Freie Salzsäure und Schwefelsäure. Die Bestimmung der freien Salz-
säure und Schwefelsäure ist vielfach ebenso wünschenswert als schwierig (vergl.
No. 4, S. 864). Eine Titration der freien Säuren mit titrierter Alkalilauge ist
nur dann möglich, wenn nicht gleichzeitig an sich sauer reagierende Metallsalze
vorhanden sind, die durch freies Alkali zersetzt werden. Eine Titration selbst bis
nur zur Bildung eines Niederschlages ist ungenau. In vielen Fällen kann man sich
in der Weise helfen, daß man sämtliche Basen und Säuren bestimmt, diese auf
Salze umrechnet und den verbleibenden Überschuß an Säuren als freie Säuren, und
zwar nach der Säure berechnet, die in der größten Menge vorhanden ist. Das hat
aber seine Schattenseiten, wenn gleichzeitig Ferro- und Ferrisalze neben viel or-
ganischen Stoffen vorhanden sind. Die quantitative Bestimmung der Ferrosalze
gelingt dann nur annähernd, wenn die Titration mit Kaliumpermanganat in der
Kälte und rasch ausgeführt wird. Sind aber gleichzeitig auch salpetrige und
schweflige Säure vorhanden, so läßt dieses Verfahren ganz im Stich.

Das Eindampfen des Wassers und Ausziehen mit absolutem Alkohol nach
Fresenius Vorschläge ist nur anwendbar, wenn nur nicht flüchtige Schwefel-
säure u. a. vorhanden sind.

In vielen Fällen kann der Vorschlag von Friedr. Hoffmann1) aushelfen,
nämlich das sauere Wasser mit Ferrocyankalium zu versetzen, absitzen zu
lassen und einen aliquoten Teil der klaren, Uberstehenden Flüssigkeit zu titrieren.
Hierdurch werden die meisten Schwermetalle gefällt; sind auch Ferrosalze vor-
handen, so würde man gleichzeitig Ferricyankalium zusetzen müssen; aber wenn
gleichzeitig Aluminium- oder Chromisalze usw. vorhanden sind, so versagt auch
dieses Verfahren.

Handelt es sich um eine quantitative Bestimmung von freier Schwefelsäure
neben Salz- oder Salpetersäure, so kann man sich vielleicht des Verfahrens von
Adolf Müller'2) bedienen, nämlich die Schwefelsäure (freie wie gebundene) durch
Titration mit einer Lösung von salzsaurem Benzidin zu bestimmen.

Immerhin hat die Bestimmung der freien Säuren (Salzsäure und Schwefel-
säure) in einem Schmutzwasser in vielen Fällen große Schwierigkeiten, in manchen
Fällen wird man durch eine gleichzeitige sinngemäße Anwendung zweier oder aller
vorstehend angedeuteten Verfahren zum Ziele gelangen können.

17.	Sonstige Mineralstoffe. Die sonstigen Mineralstoffe (Kalk, Magnesia, Kali,
Natron, Schwefelsäure) werden in den geglühten Abdampfrückständen wie üblich
bestimmt.

Für die Bestimmung von selteneren Bestandteilen, z. B. Zink, Kupfer usw.,
sind durchweg entsprechend größere Mengen Wasser unter Zusatz von geeigneten
Säuren usw. vorher einzudampfen.

Zur Bestimmung der Phosphorsäure verdampft man eine größere Menge
Wasser (1/2—2 1 je nach dem Gehalt) in Platinschalen zur Trockne, glüht, schmilzt

*) Chem.-Ztg, 1893, 17, 1318.

2) Berichte d. deutschen ehern. Gesellschaft 1902, 35, 1587.
        <pb n="894" />
        ﻿872

Schmutzwasser

mit Soda und Salpeter (S. 165, No. 2 oder S. 780, No. 22), löst in Salpetersäure,
fällt mit molybdänsaurem Ammon und verfährt wie sonst nach S. 150.

18. Prüfung auf Haltbarkeit bezw. Gärversuche mit den Abwässern. Seitens
der Behörden wird vielfach vorgeschrieben und als eine genügende Bedingung eines
Reinigungsverfahrens angesehen, daß sich das betreffende Wasser 5, 10 oder mehr
Tage klar hält und nicht in Fäulnis übergeht, oder daß es in einer Tiefe von etwa
1/2 m durchsichtig erscheint usw. Diese Anforderungen sind recht ungenau und
erfüllen nicht ihren Zweck.

Bei den mit Chemikalien, besonders unter Mitanwendung von Kalk gereinigten
Abwässern läßt es sich sehr leicht durch überschüssigen Zusatz von Kalk erreichen,
daß sie hell und klar aussehen und sich in gut verschlossenen Flaschen wochen-
lang klar halten, ohne Bakterien und Fäulnis aufkommen zu lassen. Der über-
schüssige freie Kalk verhindert eben die Bildung bezw. Entwickelung der Fäulnis-
bakterien usw. Läßt man aber die gereinigten, überschüssigen freien Kalk ent-
haltenden Abwässer in offenen Gefäßen tage- und wochenlang stehen, so bildet
sich zwar allmählich eine weißliche Trübung bezw. ein Bodensatz von sich aus-
scheidendem unlöslichem kohlensaurem Calcium (mit mehr oder weniger organischen
Stoffen), oder das kohlensaure Calcium löst sich unter Umständen bei hinreichender
Kohlensäurebildung wieder auf und das Abwasser enthält wieder zahlreiche Bakterien,
ohne daß Fäulnisgeruch auftritt. Hier haben die Fäulnisbakterien mit der allmäh-
lichen Abstumpfung des freien Kalkes durch Kohlensäure sich wieder eingestellt
und eine mehr oder weniger vollständige Zersetzung und Vergasung der gelösten
organischen Stoffe zur Folge gehabt, ohne daß sich diese Zersetzung äußerlich dem
bloßen Auge oder dem Geruchssinn zu erkennen gibt. Auch ein an sich fauliges,
stark nach Schwefelwasserstoff oder Ammoniak riechendes Schmutzwasser verliert
beim Aufbewahren in offenen Gefäßen infolge Selbstreinigung durch die Tätig-
keit der Mikroorganismen unter Hinzutritt des Luftsauerstoffs äußerlich seine Fäul-
nisbeschaffenheit, wird geruchlos und sogar mehr oder weniger farblos, d. h. nicht
schmutzig aussehend.

Eine derartige Vorschrift hat daher wenig praktischen Wert. Es läßt sich
aus dem Verhalten des gereinigten Abwassers beim Aufbewahren in verschlossenen
oder offenen Gefäßen kein sicherer Schluß ziehen, wie sich dasselbe unverdünnt
oder verdünnt in der Natur, d. h. in einem Bach- oder Flußwasser verhalten wird.
Denn wenn der im Uberschuß vorhandene freie Kalk durch die in den natürlichen
fließenden Wässern stets vorhandene freie oder Bicarbonat-Kohlensäure abgestumpft
wird, so stellen sich die überall vorhandenen Fäulnisbakterien schnell und zahlreich
wieder ein, und wenn die Entwickelung derselben bei wärmeren Temperaturen eine
gesteigerte oder die Menge und die Stromgeschwindigkeit des betreffenden Bach-
wassers eine verhältnismässig geringe ist, so daß es an genügendem Sauerstoff fehlt,
so kann recht wohl einerseits wieder Schlammbildung, andererseits Fäulnis mit
üblen Gerüchen in dem Wasser auftreten.

Nichtsdestoweniger ist es unter Umständen von Belang, die Haltbarkeit der
ungereinigten und gereinigten Abwässer im natürlichen oder verdünnten Zustande
(1 : 5 oder 1:10) durch Aufbewahren in offenen und verschlossenen Gefäßen zu
ermitteln, bezw. zu verfolgen, innerhalb welcher Zeit sich die vorhandenen orga-
nischen Stoffe zersetzen und verschwinden. Man verfährt alsdann wie folgt:

a) Je 2 Flaschen mit 1/2—1 1 Wasser werden offen hingestellt.

b) ,	. 2	11 11	11  11	,.	mit sterilisierter Watte	verschlossen.
c) ,,	9  ! -1 11	11 11		,.	mit gut schließenden  schlossen.	Korken ver-
        <pb n="895" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

873

Davon wird je 1 Flasche bei niederen Temperaturen, 0—10°, je 1 Flasche
bei 10—20° aufbewahrt.

Enthält ein Abwasser freien Kalk, so setzt man je 2 Flaschen in derselben
Weise an, je 2 andere Flaschen nach vorheriger Abstumpfung des Kalkes durch
Kohlensäure.

Ist eine bestimmte Verdünnung gewünscht, so wählt man diese, indem man
das Abwasser mit der vorschriftsmäßigen Menge von längere Zeit gekochtem und
unter Watteverschluß erkaltetem destilliertem Wasser verdünnt.

Ist ein Abwasser frei von Fäulnisbakterien, so beschickt man nötigen-
falls eine 2. Eeihe Flaschen, welche man mit irgend einer in fauliger Gärung be-
griffenen Flüssigkeit gleichmäßig infiziert.

Die einzelnen Proben werden dann jede Woche oder nach Ablauf der vor-
geschriebenen Zeit mikroskopisch bezw. auch nach dem Plattenkulturverfahren (S. 834)
untersucht, ferner chemisch;

1. auf Ammoniak, 2. salpetrige Säure, 3. Schwefelwasserstoff, 4. Oxydierbar-
keit durch Kaliumpermanganat, 5. Gesamtstickstoff, Farbe, Geruch usw. nach vor-
stehenden Vorschriften (vergl. auch das Testverfahren S. 865).

Auf diese Weise wird man wenigstens einige Anhaltspunkte über die größere
oder geringere Zersetzbarkeit der organischen Stoffe und damit über die größere
oder geringere Schädlichkeit des Abwassers für die Flußläufe erhalten. Denn da es
in der Natur darauf ankommt, daß die in die Flußläufe abgeführten organischen
Stoffe schnell oxydiert und vergast werden, so wirkt ein Abwasser dieser Art im
allgemeinen um so weniger schädlich auf längere Strecken, je schneller sich die
vorhandenen organischen Stoffe zersetzen.

III.	Die mikroskopische und biologische Untersuchung der Abwässer.

Für den Nachweis von Verunreinigungen der Gewässer durch Abwässer kommt
neben der chemischen in erster Linie die mikroskopische Untersuchung in Betracht,
während die bakteriologische in diesen Fällen noch weniger Anhaltspunkte als bei
den Trinkwässern bietet. Außer den mikroskopischen Lebewesen (dem Plankton)
geben auch die größeren Vertreter der Flora und Fauna, sowie die leblosen organischen
und unorganischen Schwebestoffe oft wertvolle Anhaltspunkte für die Beurteilung.

Die mikroskopische Untersuchung leistet besonders wertvolle Dienste, wenn
es sich um Verunreinigung der Gewässer durch fäulnisfähige Stoffe handelt. In
diesem Falle ist sie der chemischen unter Umständen gleichwertig. Dagegen wird
letztere in allen den Fällen, in denen eine Verunreinigung der Gewässer durch or-
ganische und unorganische Stoffe der Technik stattgefunden hat, den Vorrang ver-
dienen, wenn auch hier die mikroskopische und makroskopische Beobachtung der
Flora und Fauna wertvolle Ergänzungen zu dem chemischen Befunde liefern kann.

1.	Die Probenahme für die mikroskopische Untersuchung. Bestimmte Vor-
schriften lassen sich für die Probenahme nicht geben. Ganz allgemein ist zu be-
achten, daß man bei Abwasseruntersuchungen auf jeden Fall selbst die Proben an
Ort und Stelle entnehmen, den verschmutzten Wasserlauf sorgfältig oberhalb
und unterhalb des Einflusses der Abwässer auf weitere Strecken abgehen und, wenn
nötig, abfahren muß. Sehr zu beachten ist, daß die Mischung der Abwässer mit
dem Vorfluter oft nur langsam erfolgt und die Wirkung der ersteren sich dann
an einem Ufer deutlicher als am anderen zeigt. Bei der Begehung eines ver-
unreinigten Gewässers achte man auf die Farbe, Klarheit, den Geruch des Wassers
an den verschiedenen Stellen. Die im Wasser schwebenden Lebewesen sind mittels
        <pb n="896" />
        ﻿874

Schmutzwasser.

Filtration durch feine Netze (Planktonnetze) zu sammeln. Sehr zu beachten sind
die Pilz- und Algenvegetationen am Ufer, auf dem Boden, an Pfählen, eingetauchten
Pflanzenteilen, Mühlenrädern, Wehren. Sehr wichtig ist unter Umständen die Unter-
suchung des Schlammes, der mit einem Schöpfer oder mit einem am Boden schleifen-
den Scharrnetz entnommen und auf Sieben ahgesieht wird. Dabei kommen ins-
besondere die größeren Lebewesen in Betracht. Auch die im oder am Wasser
stehenden Wasserpflanzen, hezw. ihr Verschwinden oder Wiederkehren sind zu be-
achten.

Das Bild eines durch fäulnisfähige Stoffe verunreinigten Wassers ist nach
der Jahreszeit sehr verschieden.

Nach Mez herrschen im lichtarmen Winter die weißen und grauen Wasser-
pilze vor, die am Boden, Ufer und Holzwerk in langen Zotten hängen. Im Sommer
dagegen findet man sie nur an Wehren, Mühlrädern und ähnlichen Orten mit be-
wegtem Wasser, während alsdann die am Ufer in schw'arzgrünen Rasen wachsenden
Schmutzw'asseralgen mehr hervortreten. Im Sommer ist auch die bakteriologische
Untersuchung wichtig, die dann eine sehr hohe Keimzahl und die Anwesenheit von
Fäkalbakterien ergeben wird. Das Winterbild eines Schmutzwassers ist im allgemeinen
kennzeichnender als das Sommerbild.

Fig. 322. Spliaerotilus natans Kützing.
a Flocken des Pilzes in natürlicher Größe, b Fäden (i: 1000). Nach Mez.

An Apparaten für die Probenahme bei der Begehung von beschmutzten Vor-
flutern sei außer dem schon erwähnten Planktonnetz, dem Schlammschöpfer
und Scharrnetz noch der Pfahlkratzer zur Entnahme der an Holzwerk sitzenden
Vegetation, ein scharfer Löffel für Diatomaceen und ein Haken zum Abreifien von
Wasserpflanzen erwähnt.

Näheres über die Ausrüstung und die Probenahme findet man in dem schon
erwähnten Werk von C. Mez, sowie in Arbeiten von Kolkwitz und Marsson.1)

2. Die Lebewesen der Abwässer. Die Flora und Fauna der Abwässer ist sehr
artenreich. Praktisch besonders wichtig ist aber eine geringe Zahl von Arten, die sich
in Abwässern in besonders reichem Maße vorfinden und, da sie auch von dem
weniger Geübten bei sorgfältiger Untersuchung durch das Mikroskop leicht bestimmt
werden können, hier eingehender beschrieben werden sollen. Es sind dies einige
größere Pilze: Leptomitus lacteus, Spliaerotilus natans und Sph. fluitans,
Beggiatoa alba und B, leptomitiformis, einige Arten der Gattung Oscillatoria
der blaugrünen Algen und von den Protozoen Garchesium Lachmanni.

B Mitteilungen aus der Königl. Prüfungsanstalt f. Wasserversorgung usw. Heft 1. 33,
Heft 2, 23 und 27.
        <pb n="897" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

875

Sphaerotilus natans (Fig. 322, S. 874) bildet in offenen Gewässern flutende
schleimige Flocken von weißlicher, zuweilen auch rötlicher Farbe, die man besonders
an seichten Stellen mit starker Strömung findet, und die zumal beim Aufbewahren

Fig. 32B. Beggiatoa-Kolonie auf einer Algenzelle (Vergr. 340-fach).

Die Pflanzen a, b und c sind vollständig und zeigen den Gegensatz von Basis und Spitze, indem an
ersterer deutliche Gliederung mit nur vereinzelten Schwefelkörnern bemerkbar ist, während an der
Spitze des Fadens bei undeutlicher Gliederung eine reichliche Ablagerung von rundlichen Schwefel-
körnern eingetreten ist. Ferner tritt an dem Ende des Fadens eine schwache Erweiterung desselben
neben der Bildung von Mikrokokken deutlich auf. Die beiden Fäden a und d zeigen an einer Stelle
eine bei Beggiatoa häufig vorkommende spiralige Krümmung. In e—h sind Fäden dargestellt, von
denen nur noch die basalen, der Algenzelle aufsitzenden Stücke vorhanden, dagegen die Endstücke
abgestoßen sind, welche letzteren in Form von schlangenförmigen Stücken an den Enden mit 2 Cilien
versehen als selbständige Individuen im Wasser umher schwärmen.

in einer Flasche widerlich süß riechen. Siedelt sich der Pilz in Eöhren an, so bildet
er eng anliegende Häute. Er gehört zu den Fadenhakterien. Seine Fäden sind
2—3 jx dick und bestehen aus kurzen, in einer farblosen Scheide liegenden Zellen.
Er kommt in großen Mengen nur im Winter vor, hält sich aber während des
        <pb n="898" />
        ﻿876

Schmutzwasser.

Sommers an Wehren und Mühlrädern auf. Nach den Angaben von Mez lebt Sphae-
rotilus nur in stark verunreinigtem Wasser. Man findet ihn in Vorflutern, die
ungereinigte städtische Abwässer und solche von Brauereien, Brennereien, Mälzereien

und Zuckerfabriken aufnehmen. Doch
gibt Marsson1) an, daß dieser Pilz
ebenso wie der weiter zu beschreibende
Leptomitus lacteus in reinen Wässern
bei unbedeutenden örtlichen Verun-
reinigungen in vereinzelten Zöpfen
erscheint. Wasserläufe, die größere
Mengen der Vegetationen dieser Pilze
enthalten, werden aber stets als über
das zulässige Maß verschmutzt gelten
müssen. S c h i k o r a hat als Sph. fluitans
einen dem Sph. natans sehr ähnlichen
Pilz beschrieben, dessen Fäden 3 fi
dick sind, aus Einzelzellen von 6,6 fi
Länge bestehen, schleimige, verklebende
Scheiden besitzen und unregelmäßig
verzweigt sind. Er bildet in Riesel-
gräben graubraune Vließe.

Beggiatoa alba (Fig. 323 bis
326 ist eine andere in Abwässern in
großen Mengen auftretende Spaltpilz-
art, die in einzelnen Fäden, wie schon
erwähnt, auch in reinem Wasser ver-
kommt und dann meist begrenzte ört-
liche Zersetzungsvorgänge anzeigt.

Beggiatoa wuchert am Boden
und an faulenden Gegenständen im
Wasser als feiner, weißlicher, sammet-
artiger Belag, der sich im Wasser
leicht verteilt. Der Pilz lebt vor-
wiegend in stehendem oder nur schwach
bewegtem Wasser.

Untersucht man ein Stückchen des Pilzrasens
unter dem Mikroskop, so findet man, daß er aus
unzähligen feinen, unverzweigten Fäden besteht,
welche nur bei stärkerer Vergrößerung eine
Struktur aufweisen. Die Fäden selbst sind von
sehr geringer, aber etwas verschiedener Stärke,
die jüngeren 1 f.i, die älteren bis 5 fi messend.
In den älteren Fäden sieht man oft dunkle Körner,
die aus Schwefel bestehen.

Die Struktur der Fäden ist häufig schon ohne An-
wendung von Reagenzien zu erkennen; sie besteht in einer
Gliederung in Längs- und Kurzstäbchen und bei älteren Fäden
in Scheiben. Bei Anwendung von alkoholischen Anilinfarbstoff-



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Fig. 324.
Beggiatoa.
Fragment eines
Fadens bei 900-
fach er Vergr.,
in welchem die
einzelnen Kurz-
stäbchen in
niedrige Zylin-
derscheiben
zerfallen sind.

Fig. 325.
Beggiatoa.
Ein Faden bei
900-fach. Vergr.,
in welchem die
Zylinderscheibe
durch Längstei-
lung, also pa-
rallel zur Achse
des Fadens in
Mikrokokken
zerlegt wird.

Fig. 326.
Beggiatoa.
Scheinbar ungeglieder-
ter Faden bei 600-facher
Vergr. mit reicher Ein-
lagerung von Schwefel.

L) Vierteljahresschr. f. gerichtl. Chemie 1901, 21, Suppl.-Heft, 61.
        <pb n="899" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

877

Fig. 327. Leptomitus lacteua.

No. 1—6 verschiedene Zustände von Leptomitus lacteus, m Cellulinkörner, s die Strukturen, 11' die
Sporanglen, p zur Ruhe gekommene Schwärmsporen, die aus den Sporangien 1 No. 4 entschlüpft
waren, p' solche, die bereits keimen und teilweise Strukturen an den jungen Schläuchen besitzen. In
1 1' No. 1 sind einige Sporen im Innern der Sporanglen zur Ruhe gekommen. Bei s' verschließen die
Cellulinkörner die Strukturen und bilden die Scheidewand der Glieder. No. 6. Schwärmsporen im
Augenblicke der Einwirkung von Jod. No. 6. Spitze eines Fadens, dessen jüngstes, noch nicht er-
wachsenes Glied schon ein neues Glied bei 1 anlegt.
        <pb n="900" />
        ﻿878

Sohmutzwasser.

lösungen, schwefligsaurem Natrium usw. tritt die Struktur der Fäden noch deut-
licher hervor. Die Bntwickelungszustände der Beggiatoa werden durch die Figuren
323—326 S. 876 u. 876 dargestellt.

Die Beggiatoa-Fäden sind beweglich und schwingen hin und her. Diese Be-
wegungen gehen ein gutes Merkmal für die Diagnose.

Beggiatoa oxydiert Schwefelwasserstoff zu dem in den Zellen sich ahlagernden
Schwefel und diesen weiter zu Schwefelsäure. Der Pilz deutet daher nur auf einen
Schwefelwasserstoffgehalt des Wassers hin und zur Beurteilung ist die Feststellung
des Ursprunges dieses Gases von Wichtigkeit. Stammt der zur Unterhaltung einer
kräftigen Beggiatoa-Vegetation in verunreinigten Vorflutern nötige Schwefelwasser-
stoff aus den Abwässern, so ist die Verschmutzung als eine über das zulässige Maß
hinausgehende zu betrachten.

a als Dauerformen auftretende Fadenglieder mit Keimschiäuchen (430), h, c Gemmen aus Kulturen auf
Mehlwürmern und 5°/0-iger sauerer Gelatine mit 2°/0 Fleischextrakt. b (450), c (530). Nach Kolkwitz.

Eine zweite häufig auftretende Art ist Beggiatoa leptomitiformis, deren
Fäden nur 1,8—2,5 u dick sind.

Leptomitus lacteus (Fig. 327 u. 328) lebt wie Sphaerotilus in grauen Easen
in Wasserläufen. Auf Wasserrädern, Wehren usw. bildet er dicke, pergamentartige
Häute. Die Leptomitusrasen sind zuweilen rostbraun, häufiger aber grauschwarz bis
schwarz gefärbt. Erstere Färbung kommt durch Ablagerung von Ferrihydroxyd,
letztere durch solche von Schwefeleisen zustande. Der die Ausscheidung des
Schwefeleisens bewirkende Schwefelwasserstoff entsteht durch Fäulnis der älteren
Leptomitusfäden.

Mit dem Mikroskop sind die Leptomitusrasen leicht von den ähnlichen des
Sphaerotilus natans zu unterscheiden. Leptomitus, der zu den Oomyceten gehört,
bildet verzweigte Fäden, die bis zu 45 fi dick sind, Strukturen besitzen und in
jedem der dadurch entstehenden Fadenglieder ein Cellulinkorn enthalten. Die Fäden
der an Wasserrädern wachsenden Easen besitzen nach Mez sackartige oder finger-
artige Haftorgane, zeigen dagegen die Strukturen weniger deutlich. Von den ver-
        <pb n="901" />
        ﻿Mikroskopische und biologische Untersuchung.

879

wandten Saprolegnia-Arten ist Leptomitus leicht zu unterscheiden, da dieser Pilz
weder Strukturen noch Cellulinkörner besitzt, noch für gewöhnlich in Rasen wächst.
Leptomitus lacteus vermehrt sich durch Schwärmsporen, dagegen nicht durch
Oosporen. Statt der letzteren bildet er nach Kolkwitz1) als Dauerformen sehr
resistente Mycelstücke aus, die unter Umständen nur aus einem Fadenglied bestehen,
teils auch gemraenartige Gebilde (Fig. 328). Diese Dauerformen können sich im
Schlamm lange Zeit halten und ermöglichen dem Pilz das Uberstehen ungünstiger
Lebensverhältnisse. Die Schwärmsporen bildet der Pilz, sobald ein Abwasser so weit
gereinigt ist, daß er sein Fortkommen nicht mehr findet. Sporangien sind daher in
Vorflutern ein Indikator für eine gewisse Reinigung. Kolkwitz, der den Pilz
zuerst in Reinkultur gezüchtet und ihn eingehend untersucht hat, gibt an, daß die
günstigsten Nährstoffe für ihn die hochmolekularen, organischen Stickstoffver-
hindungen sind, während Kohlenhydrate keine Bedeutung für ihn haben. In
Wässern, die den Stickstoff in einfacheren Verbindungen enthalten und nicht mehr
fäulnisfähig sind, kommt er nicht mehr fort. Wässer mit deutlich saurer oder
alkalischer Reaktion töten ihn. In stagnierenden Gewässern unterliegt Leptomitus
der Konkurrenz der Fäulnisbakterien. Bei Temperaturen von 250 gedeiht er üppig,
bei solchen von 30° und darüber stirbt er ab.

Leptomitus tritt wie Sphaerotilus im Winter auf und ist im Sommer viel
seltener zu finden als letztere Art. Nach Kolkwitz wird man sein Auftreten als
kennzeichnend für noch fäulnisfähige Wässer betrachten müssen, während anderer-
seits sein Fehlen aus den oben angegebenen Gründen noch kein Indikator für ge-
nügende Reinheit eines Wassers ist. Auch durch mechanische Verhältnisse,
besonders durch das Fehlen von Unebenheiten des Bodens in schnell fließenden
Wässern, kann Leptomitus unter sonst günstigen Bedingungen an der Ansiedelung
verhindert werden.

Außer diesen Pilzen scheint auch ein schon öfter beobachteter, aber noch
nicht genauer untersuchter und bestimmter Pilz, der meist als Fusarium aquae-
ductum aufgeführt wird, zu den eigentlichen Abwasserpilzen zu gehören.

Von Oscillatorien kommen nach Mez Osoillatoria tenerrima, 0. brevis,
0. tenuis, 0. antliaria und besonders oft 0. Froelichii in Betracht. Die Artbestimmung
ist bei diesen Algen von größter Bedeutung. Die Oscillatorien der Abwässer zeigen
sämtlich deutliche Eigenbewegung. Mez gibt folgenden Bestimmungsschltissel:

I. Fäden bis 4 /i dick; Zellen öfter länger als breit.

a) Zellen im Verhältnis zur Breite kürzer.....................0. tenerrima.

(Fäden in Bündeln oder einzeln, meist gerade, lebhaft blaugrün, mit oft ge-
bogenen Enden.)

II. Fäden meist über 4 /,t dick; Zellen höchstens so lang wie dick.

a) Fäden 4—8 /t, Zellen 1/2—1-mal so lang wie dick, an den Scheidewänden

nicht eingeschnürt; Lager grün.

a) Fäden brüchig, kurz..........................................0. brevis.

(Fäden in dünnhäutigen, tiefblau- oder schwärzlich-grünen Lagern, ge-
rade, an den Enden verjüngt, lebhaft blaugrün.)
ß) Fäden lang, nicht brüchig.

1. Zellinhalt hellblaugrün..................................0. tenuis.

(Fäden in schleimig-flockigen oder dünnhäutigen, tief grünen Lagern,
gerade oder schwach gekrümmt, hellblaugrün.)

J) Mitteil, aus d. Königl, Prüfungsanstalt f. Wasserversorgung usw. Heft 2, 34.
        <pb n="902" />
        ﻿880

Schmutzwasser.

b)

Fig. 329. Oscillatoria
Froelichii nach Mez (300).

die

2.	Zellinhalt tiefblaugrün ............................0. antliaria.

(Fäden in schleimigen, schwarzgrünen Lagern, gerade oder schwach
gekrümmt, tiefgrün.)

Fäden 8—75 fx lang, Zellen wenigstens dreimal so breit wie lang.

Fäden 15—20	dick......................................0. Froelichii.

(Fäden in schleimig-häutigen oder schwimmend knollenförmigen, schwarz-
grünen Lagern, gerade oder wenig gekrümmt, blaugrün oder schwärzlich
olivengrün.)

Die Oscillatoriarasen überziehen die Uferböschungen besonders in der Nähe
des Wasserspiegels als schleimig-dünne Häute, die bei warmem Wetter zu schwärz-
lichen, papierartigen Massen zusammentrocknen. Die
Abwässer-Oscillatorien riechen dumpfig-stinkend. Nach
Mez lieben diese Algen Hausabwässer, besonders Fäkal-
jauchen. Örtlich beschränkte Oscillatoriawuoherungen
deuten nur auf begrenzte Verschmutzung (z. B. Abfluß
gedüngter Wiesen u. a.) hin, in größerer Ausdehnung
auf eine Uber das zulässige Maß gehende Verschmutzung.
Da die Oscillatorien auch im Sommer wachsen, so muß
man in solchen Fällen an geeigneten Stellen (Mühlrädern, Schleusen u. a.) nach etwa
vorhandenen kleinen Easen von Sphaerotilus suchen, ferner auf Beggiatoa und
Carchesium Lachmanni achten.

Carchesium Lachmanni (Fig. 330) ist die einzige Protozoe dieser Gattung,
in Abwässern lebt. Die während des ganzen Lebens mit Cilien versehenen Tiere
stehen auf Stielen mit doldentraubiger Endverzweigung,
so daß alle Tiere einer Kolonie sich in ungefähr gleicher
Höhe befinden.

Carchesium Lachmanni findet sich im Winter, aber
auch im Sommer als weißer Schleim an Hölzern und
an im Wasser schwimmenden Pflanzenteilen. Nach Mez
kommt dieses Tier sowohl in stark wie in schwach
verunreinigten Wässern vor und kann für eine genauere
Beurteilung nur in Verbindung mit den anderen Ab-
wasserorganismen herangezogen werden.

Außer dieser Protozoe kommen in Abwässern
noch die schon auf S. 842 angeführten schwimmenden
Arten vor, die sich aber auch, wie dort schon erwähnt
wurde, in. reinem Wasser entwickeln können, das mit
Schlamm bei der Probenahme verunreinigt wurde. Einen
Schluß auf den Grad der Verunreinigung gestatten diese
Organismen nicht.

Ebenso wie die Anwesenheit gewisser in Abwässern lebenden Organismen
kann auch das Pehlen anderer an reines oder weniger stark verunreinigtes Wasser
angepaßten Lebewesen über das Bestehen und den Grad einer Verunreinigung Aus-
kunft geben.

Mez führt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu machen, 39 Algenarten auf,
die nach seinen Erfahrungen in durch fäulnisfähige Abwässer leicht verunreinigtem
Wasser noch Vorkommen können, ferner 37 Arten, die auch in stark verschmutztem
Wasser leben. Von letzteren kommen besonders die makroskopisch sichtbare Vege-
tationen bildenden Arten Confervabombycina, Conjugata communis, C. crassa,

Fig. 330. Carchesium
Lachmanni nach Mez (160).
        <pb n="903" />
        ﻿Hg. 331. Algen, die auch in durch fäulnisfähige Stoffe stark verschmutztem Wasser Vorkommen,
a Amphora ovalis Ktz. (500), b Scalptrum i'usiforme O. K. (250), o Navicula viridis -Elz. (350), d N. cuspldata
Ktz. (900), e Gomphonema aouminatum FMg. (500), f Cocconeis pediculus JShbg. (650), g Nitzschia acicularis
W. Sm. (500), h Hantzschla amphioxys Orun. (500), i Cymatopleura Solea Breh. (260), k Synedra Lina
Ehhg. (300), 1 Closterium Leibleinii Ktz. (100), m C. acerosum Ehhg. (100), n Drsinella Botrytis O. K. (300),
o Vauoherla sessllis D. C. (90), p Conjugata crassa 0. K. (100), q Conferva bombycina Ag. (300). Nach Mez.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	56
        <pb n="904" />
        ﻿882 Verunreinigung der Gewässer, deren Schädlichkeit und Nachweisung.

C. gracilis, C. nitida, C. porticalis, Vaucheria dichotoma, Y. sessilis und
Y. uncinata in Betracht.

G. Lindau,1) der sehr eingehende Untersuchungen an verschiedenen Vorflutern
ausgeführt hat, kommt zu dem Schluß, daß, abgesehen von Sphaerotilus natans und
Leptomitus lacteus, spezifische Leitpflanzen für Verunreinigungen bisher nicht be-
kannt sind. Alle Pilze und Algen, die in verschmutzten Wässern Vorkommen,
leben auch in nicht verunreinigten. Doch werden die verschiedenen Gruppen dieser
Pflanzen durch organische Stoffe in verschiedener Weise begünstigt oder gehemmt,
so daß ein Beobachter mit reichen praktischen Erfahrungen bei gleichzeitiger
Beachtung der Flora zweifellos nicht verunreinigter Stellen desselben Gewässers
aus den Lebensgenossenschaften einen Schluß auf eine etwaige Verunreinigung ziehen
kann. Nach Lindau sind Spaltalgen (Oscillatoria u. a.) in reinem Wasser in ge-
ringer Zahl vorhanden und werden durch Verunreinigungen in der Vermehrung
stark gefördert. Grünalgen sind in reinem Wasser häufiger, treten aber auch in
viel stärkerem Maße in verunreinigtem auf. Bacillariaceen (Diatomaceen) herrschen
unter den Algen in reinem Wasser vor, treten aber bei Verschmutzungen sehr
zurück. Zu beachten ist aber hierbei noch, daß die Jahreszeit auf die Menge der
einzelnen Algengruppen sehr verschieden einwirkt. Die Spaltalgen sind besonders
zahlreich in der Zeit vom Ende des Winters bis zum Beginn des Sommers, die
Grünalgen erreichen ihre Höchstzahl im Frühjahr, die Bacillariaceen eine solche im
Frühjahr und vom August bis Oktober.

Eine Flora, die für bestimmte Verunreinigungen (durch Fäkalwässer,
Brennerei-, Papierfabrikwässer u, a.) kennzeichnend wäre, ist zurzeit nicht
bekannt.

Wie mit der Flora verhält es sich auch mit der Fauna. Nach Schiemenz1)
sind spezifische Leittiere für Verunreinigungen nicht bekannt, und nur das tiber-
wiegen gewisser Arten und bestimmte Genossenschaften verraten eine Verunreini-
gung. Die Berücksichtigung der größeren Flora und Fauna wird von manchen
Beobachtern für praktisch, von anderen für weniger wuchtig gehalten. Angaben
darüber geben u. a. Schorler2) und Schiemenz.1)

3. Unorganische Stoffe der Abwässer. Ablagerungen von Ultramarin, Kaffee-
satz, Papierresten, Textilfasern pfanzlichen Ursprunges deuten auf Hausabwässer hin.
In den Abwässern der Papier- und Zellulosefabriken findet man Zellulosefasern,
unter Umständen auch Strohreste. Stärkekörner kommen in den Abwässern der
Stärkefabriken, Teilchen von Gerberlohe in solchen von Gerbereien vor usw.

C.	Die Verunreinigung der Gewässer, deren Schädlichkeit

und Nachweisung.

Für die Beurteilung der Schädlichkeit des durch ein Abwasser verunreinigten
Bachwassers ist zu berücksichtigen, daß ein solches sich selbst zu reinigen
vermag. Die Selbstreinigung des Flußwassers besteht darin, daß die ihm zu-
geftihrten organischen Stoffe, Schwefelwasserstoff oder Schwefelverbindungen unter
Mitwirkung von Mikroorganismen oxydiert und vergast, oder daß z. B. Säuren
durch vorhandenes kohlensaures Calcium im Wasser oder im Flußbett neutrali-
siert werden.

*) Vierteljahresschr. f. gerichtl. Medizin 1901, 21, Suppl.-Heft, 61.

2) Zeitsohr, f. Gewässerkunde 1898, 25; Centralbl. f. Bakteriologie II. Abt., 7, 396.
        <pb n="905" />
        ﻿Verunreinigung der Gewässer usw. — Schädlichkeit für die Fischzucht. gg3

Die Niederschlagung von Schwebestoffen in den Ausbuchtungen an den Ufern
oder vor Stauwerken kann nicht zu den Selbstreinigungsvorgängen gerechnet werden,
weil der abgesetzte Schlamm bei Hochfluten wieder aufgerührt und mit fort-
getrieben werden kann, um dann in erhöhtem Maße nachteilig zu wirken. Aus
dem Grunde kann auch der Vorgang, bei welchem schädliche Metallverbindungen
durch gleichzeitigen Zufluß von entweder kalk- oder schwefelwasserstoffhaltigem
Wasser niedergeschlagen und nur zeitweise ausgeschieden werden, nicht zum Selbst-
reinigungsvorgang gerechnet werden, weil sie zu anderen Zeiten oder in anderer
Form wieder als schädliche Bestandteile hervortreten können. Wenn indes derartige
Ausscheidungen oder eine Selbstreinigung in Betracht zu ziehen sind, so muß die
Probeentnahme des verunreinigten Bachwassers stets an der Stelle erfolgen,
wo die etwaige schädliche Wirkung in Frage steht.

Wenn z. B. ein Bachwasser durch ein Abwasser verunreinigt wird und diese
Verunreinigung wird noch 10 km unterhalb geltend gemacht, so genügt es nicht,
die Verunreinigung alsbald unterhalb des Zuflusses festzustellen, sondern man muß
dieselbe auch an der betreffenden fraglichen Stelle 10 km unterhalb und zwar
bei hohem, mittlerem oder wenigstens bei niedrigem Wasserstande nachweisen können.

Für die Beurteilung der Schädlichkeit eines durch Abwasser verunreinigten
Bachwassers ist ferner der jedesmal in Frage kommende Nutzungszweck
desselben zu berücksichtigen. Denn die schädlichen Bestandteile eines Abwassers
wirken für die einzelnen Nutzungszwecke eines Bachwassers, nämlich für Fisch-
zucht, Viehtränke, für gewerbliche Zwecke, für Boden und Pflanzen in ganz ver-
schiedener Weise schädlich.

Die mit fauligen und fäulnisfähigen stickstoffhaltigen organischen Stoffen be-
ladenen Abwässer sind ausnahmslos in gesundheitlicher Hinsicht nachteilig, in landwirt-
schaftlicher Hinsicht für die Berieselung dagegen durchweg bei Abwesenheit sonstiger
Verunreinigungen vorteilhaft, ja sogar gesucht. Kochsalz in einem Wasser ist
schon in einer Menge von 1 g für 1 1 für die Berieselung zu verwerfen, dagegen
für die Fischzucht und Viehtränke noch zulässig usw. Süßwasserfische können sich
an ein Wasser bis zu einem Gehalt von 10—13 g Kochsalz für 1 1 gewöhnen und
bei Vieh kann noch ein Wasser mit 3—4 g Kochsalz für 1 1 durststillend wirken.
Trotzdem können aber derartig stark verunreinigte W’ässer nicht als geeignete
Fischerei- und Tränkwässer bezeichnet werden.

Es sind daher die Fragen der Schädlichkeit für die einzelnen Nutzungszwecke
des Wassers strenge auseinanderzuhalten und verfährt man, wenn in demselben
überhaupt schädliche Bestandteile in nachweisbarer Menge nachgewiesen sind, behufs
Nachweises der Schädlichkeit für die einzelnen Nutzungszwecke wie folgt:

1. Schädlichkeit für die Fischzucht. Dieselbe ergibt sich meistens aus der
beobachteten Tatsache, daß nach Einführung des Abwassers in den betreffenden
Bach die Fische eingegangen sind.

Man kann dieselbe feststellen:

a) Durch Ermittelung der Fauna und Flora der verunreinigten
Gewässer. Die hierfür von der auf Veranlassung von Herrn Prof. Dr. C. Weigelt
in Berlin einberufenen Kommission des Deutschen Fischerei-Vereins auf-
gestellten allgemeinen Grundsätze sind folgende:

Jedes natürliche Gewässer, in welchem Fische auf die Dauer leben sollen, muß eine
hinreichende Menge von Tieren und Pflanzen enthalten, welche den Fischen zur Nahrung dienen.

Werden in einem Fischgewässer die natürlichen Lebensbedingungen durch Verun-
reinigungen verändert, so reagiert hierauf die Flora und Fauna entsprechend dem Grad
und der Art der Verunreinigung, und zwar in doppelter Richtung:

56*
        <pb n="906" />
        ﻿884 Verunreinigung der Gewässer, deren Schädlichkeit und Nachweisung.

a) Bei hochgradiger Verunreinigung durch Stoffe, welche, wie z. B. die Metallgifte,
dem organischen Lehen absolut schädlich sind, kann alles tierische und pflanzliche Leben
vernichtet werden. In diesem Falle wird ein so verunreinigtes Gewässer, das äußerlich
häufig durchaus rein und klar erscheint, frei von Pflanzen und Tieren sein können.

ß) Bei weniger starken Verunreinigungen oder wenn dieselben durch Stoffe erfolgen,
welche, wie z. B. viele organische Abfälle der Stärkezuckerfabriken, Brauereien, Brenne-
reien, Zellulosefabriken, Mühlen, als solche dem organischen Leben nicht an sich schädlich
sind, wird die Tier- und Pflanzenwelt nicht immer und notwendigerweise völlig ver-
schwinden, sondern nur ihre ursprüngliche Beschaffenheit verändern, indem sie den neuen
Lebensbedingungen entsprechend zum Teil erkrankt und abstirbt, zum Teil sich in ein-
seitiger Weise entwickelt. Es wird daher unter Umständen möglich sein,
aus dem Studium der Flora und Fauna einen Rückschluß auf eine etwa
vorhandene Wasserverunreinigung zu ziehen (vergl. S. 874 u. ff.).

Eine Wasserverunreinigung ist als durch Flora und Fauna erwiesen zu
betrachten:

«) Wenn die in dem Wasser vorhandenen Fische von Krankheiten er-
griffen werden, bezw. daran eingehen, welche nachweisbar unter normalen Verhältnissen
nicht entstanden wären.

Von derartigen Krankheiten sind z. B. beobachtet: Blutungen der Kiemen infolge
mechanischer Beize durch Brauneisenstein, Braunkohlen, Steinkohlen usw., Atemnot
und Anämie infolge von Verunreinigungen der Kiemen durch Papiermasse oder Abfälle
von Werg- und Knnstwollfabriken, Trübungen der Hornhaut bezw. vollständige Zerstörung
des Augenbulbus infolge ätzender Stoffe im Wasser, Zerstörung großer Flächen der Oberhaut
und der Schuppen durch Säuren bezw. Alkalien mit nachfolgender Pilzinfektion usw. usw.

Bei der Beurteilung derartiger Erkrankungen ist jedoch große 'Vorsicht geboten.

Es darf nicht vergessen werden, daß in der Natur unter den Fischen große Epi-
demien nicht selten auftreten, z. B. die Sporozoenerkrankungen der Barben in der Maas
und Mosel und anderen Flüssen, ähnliche Sporozoeninfektionen in Forellenteichen (Hirn-
infektion), die sog. Pockenkrankheit der Karpfen, die Forellenseuche, veranlaßt durch einen
spezifischen Bacillus (Emmerich), ein schleimiger Überzug, hervorgerufen durch Saprolegnia-
Arten, Mucor mucedo usw. Es muß ferner betont werden, daß es eine Eeihe von epi-
demischen Erkrankungen gibt, deren Ursache bisher durchaus nicht erkannt ist.

Unter Berücksichtigung des gegenwärtig noch ungenügenden Standes der wissen-
schaftlichen Erkenntnis auf dem Gebiet der Fischkrankheiten darf daher die Feststellung
der Ursache für ein durch Wasserverunreinigung erfolgtes Fischsterben nur auf Grund
ganz konkreter Beobachtungstatsaohen erfolgen, niemals darf dieselbe aber aus der Unter-
suchung des Fisches indirekt erschlossen werden, wenn derselbe keine bestimmten Merk-
male einer natürlichen Erkrankung zeigen sollte.

Auf diesem bisher noch wenig bebauten Gebiet der Pathologie der Fische darf nur
der histologisch und pathologisch-anatomisch geschulte Mikroakopiker als ausschlaggebender
Sachverständiger betrachtet werden,1)

ß) Wenn die niedere Tierwelt

1.	entweder vollständig ausgestorben ist, bezw. nur noch in vereinzelten
Exemplaren hier und da vorkommt, so daß sie als Fischnahrung, soweit sie überhaupt
dazu geeignet erscheint, nicht mehr in Betracht kommen kann,

2.	oder ihren ursprünglichen Charakter auffällig geändert hat.

ü Gegenüber dem häufig in der Praxis gemachten Einwand, daß Fische, welche
durch schädliche Abwässer getötet sind, infolge von Sprengungen mit Dynamit, ungelöschtem
Kalk usw. zugrunde gegangen sein sollen, sei hier bemerkt, daß es möglich ist, aus dem
anatomischen Befund an der Fischteiche einen nötigenfalls gewaltsamen Tod durch Spreng-
mittel festzustellen. Bei den mit Dynamit, Kalk usw. gesprengten Fischen ist die Schwimm-
blase meist geplatzt. Ebenso ist auch die Wirbelsäule häufig in Stücke zerrissen. Wenn
Fische zur Untersuchung eingesandt werden sollen, so empfiehlt es sich, dieselben möglichst
frisch, in Eis und Stroh einzeln in Pergamentpapier gewickelt, zu verschicken.
        <pb n="907" />
        ﻿Schädlichkeit für die Fischzucht.

885

In beiden Fällen hat der Untersuchende einen Vergleich mit einer benachbarten,
möglichst gleichartigen, aber von einer Verunreinigung nicht betroffenen Strecke desselben
Gewässers herbeizuführen; der Unterschied im Reichtum und in der Zusamensetzung der
Fauna ist, wenn möglich, unter Ermittelung von Zahlen, bezw. unter Anführung der Arten
in den vergleichenden Gewässerstrecken festzustellen.

ad 1. Eine eingehende Untersuchung der Fauna eines Gewässers wird mit aller
wünschenswerten Sicherheit den Mangel jeglichen tierischen Lebens feststellen können.

Es wird dazu notwendig sein, daß mit feinen Gazenetzen an den verschiedensten
Stellen sowohl im freien Wasser wie an den Uferrändern, namentlich hinter Vorsprüngen,
wo das Wasser stagniert, sorgfältig gefischt wird. Es ist ebenso notwendig, den Boden
des Wassers, wie etwa darin vorhandene Pflanzen, die Überzüge auf Steinen, faulenden
Holzteilen, Pfählen usw. auf das Vorkommen von Tieren zu prüfen. Da diese Untersuchungen
nur mit dem Mikroskop und von zoologisch bezw. botanisch geschulten Sachverständigen
ausgeführt werden können, so sind genauere Vorschriften für den Fang und die Unter-
suchung überflüssig, weil dieselben jedem der vorher erwähnten Sachverständigen geläufig
sind. Wenn in den nach der oben gegebenen Vorschrift eingesandten Proben keine Spuren
lebender Organismen vorgefunden werden, so darf hieraus noch nicht mit Sicherheit aut
das gänzliche Fehlen derselben in dem betreffenden Gewässer selbst geschlossen werden,
sondern dieser Befund muß durch eine Untersuchung seitens des Sachverständigen an Ort
und Stelle bestätigt werden.

Schwieriger gestaltet sich die Untersuchung, wenn infolge von Verunreinigungen
die Fauna nicht vollständig vernichtet, sondern vorerst mehr oder weniger im Rückgang
begriffen ist. Es entsteht dann die Aufgabe, die Tierwelt quantitativ zu bestimmen.
Zu diesem Zweck ist das Verfahren der Hensenschen Planktonbestimmung (d. h. mit
dem Doppelkegelnetz) anwendbar, aber nur mit größter Vorsicht und unter verschiedenen
Vorsichtsmaßregeln. Das einzige bisher bekannte Verfahren der quantitativen Bestimmung,
das Hensensche Planktonverfahren, besitzt nämlich leider nur so beschränkte Verwendbar-
keit, daß es nur in den seltensten hier in Betracht kommenden Fällen anwendbar erscheint.
Ausgeschlossen ist dasselbe jedenfalls in der zurzeit vorliegenden Form für die fließenden
Gewässer, namentlich für die kleineren Flüsse und Bäche, weil in denselben die frei flottierende
Menge der Tiere im Verhältnis zu den am Boden und am Ufer vorkommenden Tieren so
sehr zurücktritt, daß aus dem Plankton kein sicherer Schluß auf die im ganzen vorhandene
Masse der Tierwelt gezogen werden kann. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei den
kleineren und flachen, stehenden Gewässern (Seen und Teichen).

So bleibt die Anwendung des Planktonverfahrens nur auf die großen und tieferen
Seen beschränkt, in welchen eben das Plankton die am Ufer und am Boden lebende Tier-
menge tibertrifft oder derselben etwa gleichkommt.

Da für die vorliegende Anweisung die größeren Seen praktisch nur selten in Be-
tracht kommen, so kann an dieser Stelle davon Abstand genommen werden, für die An-
wendung des Planktonverfahrens besondere Vorschriften zu geben, welche im übrigen aus
der Arbeit von Apstein: „Das Süßwasserplankton“ (Kiel und Leipzig 1896, Lipsius u.
Fischer) zu ersehen sind.

Es wird somit meist nur ein länger andauerndes Studium, welches sich u. a. auch
auf das Auftreten von Kummerformen zu erstrecken hat, zum Ziele führen.

ad 2. Die tierischen Organismen sind gegen Veränderungen ihrer Lebensbedingungen
in verschiedenem Grade empfindlich. Die einen leben nur in sauerstoffreichem und klarem
Wasser, andere gedeihen dagegen in faulenden, sauerstoffarmen Gewässern, die einen tiefen,
sandigen Untergrund und schnell fließendes Wasser haben, andere halten sich besser auf
modrigem Grund an ruhigen Stellen usw. usw.

So sind z. B. für die schnell strömenden, reinen Gewässer der Forellenregion be-
sonders kennzeichnend:

der gemeine Flohkrebs, Gammarus pulex,

die Napfsohneoke, Ancylus fluviatilis,

die Larve der Kriebelmücke, Simulia ornata,

die Larven einzelner Köcherfliegen (Phryganiden), Hydropsyche, Ryacophila, Aigo-
plestron, Brachycentrus.
        <pb n="908" />
        ﻿886 Verunreinigung der Gewässer, deren Schädlichkeit und Nach Weisung.

Diese Formen verschwinden vollständig auch in rasch fließenden Wässern, wenn die-
selben durch Abwässer, welche organische Stoffe in reichlicherem Maße enthalten, ver-
unreinigt werden.

ln stehenden, von Natur aus an organischen Stoffen reichen Gewässern linden sich
dagegen häufig:

gewisse Flagellaten (z. B. Monas riv.),

Fäulnisinfusorien (z. B. Paramaecium, Chilodon),

gewisse Würmer (z. B. Tubifex rivulorum, Limnodrilus Dudekeminaus),

Muscheln und Schnecken (Anodonta anal.),

Stechmückenlarven (Pulex pipiens) usw.

Diese Formen treten auch zum Teil in auffallend großer Menge in fließenden Ge-
wässern auf, wenn dieselben mit organischen Stoffen angereichert werden, also auch bei
Verunreinigungen mit Abfällen organischer Natur.

y) Eine Wasserverunreinigung ist ferner als erwiesen zu betrachten:

1.	wenn die Flora des Gewässers, und zwar sowohl die höheren wie die niederen Pflanzen,
abstirbt oder einen schnellen und auffälligen Rückgang zeigt;

2.	wenn unter den niederen Pflanzen die grünen, reines Wasser liebenden Algen zurück-
treten oder verschwinden und andere, organischer Verbindungen zu ihrer Ernährung
bedürfende Algen und Pilze überhandnehinen.

Die Verfahren zur Untersuchung dieser Verhältnisse entsprechen im allgemeinen den
Gesichtspunkten, welche für die vergleichende Untersuchung der Tierwelt (sub ß) bereits
als maßgebend hervorgehoben sind.

ad 1. Die Zusammensetzung und der Vegetationszustand des Bestaudes an höheren
und niederen Pflanzen in einem Wasserbehälter gibt oft Anhaltspunkte für die Beurteilung
des Wassers.

In dieser Hinsicht ist darauf zu achten, ob an einer der Verunreinigung verdächtigen
Stelle sich die Pflanzen nach Menge und Artenzahl von denjenigen anderer Stellen des-
selben oder auch eines ähnlichen benachbarten Gewässers unterscheiden. Ferner ist fest-
zustellen, ob auffallende Veränderungen in der Flora, besonders das Absterben oder Kränkeln
aller Pflanzen oder eines Teiles derselben, vor kurzem stattgefunden haben und ob sie
schnell oder allmählich vor sich gegangen sind. Plötzliches Absterben der Pflanzen eines
Wasserbehälters muß, wenn nicht eine andere Ursache ersichtlich ist, als ein Zeichen
starker Verunreinigung des Wassers betrachtet werden. Ebenso deutet vollständiges Fehlen
höherer Pflanzen in Teilen eines Gewässers, welches im übrigen den gewöhnlichen Pflanzen-
bestand aufweist, auf starke Verunreinigung der vegetationslosen Strecken hin; mit der
fortschreitenden Reinigung eines fließenden Gewässers stellen höhere Pflanzen sich all-
mählich wieder ein. So zeigte sich in bestimmten Fällen, daß stromabwärts von der
Quelle der Verunreinigung in einem Flusse nach einer ganz vegetationslosen Strecke nach-
einander wiederauftraten: von Wasserpflanzen Potamogeton peotinatus, Ranunculus flui-
tans, Lemna minor, Ceratophyllum demersum, von Uferpflanzen Sparganium ramosum,
Sagittaria sagittaefolia, Glyceria spectabilis, Butoraus umbellatus, Alisma Plantago. Da-
gegen scheinen gegen Verunreinigungen besonders empfindlich und daher Anzeichen sehr
reinen Wassers zu sein: die Seerosen Nuphar luteum und Nymphaea alba, auch wohl
Scirpus lacustris.

ad 2. Im allgemeinen lieben die rein grün gefärbten Algen, welche entweder frei
im Wasser schwimmen oder Überzüge, Büschel, Rasen usw. auf im Wasser liegenden
Gegenständen bilden, reines Wasser, und man darf deshalb das Vorhandensein einer reich-
lichen und normal wachsenden Vegetation grüner Algen — namentlich in stehendemoder
langsam fließendem Wasser — als Zeichen der Reinheit des letzteren ansehen, Ansamm-
lungen von Bazillarien (Diatomeen) finden sich in Wässern von sehr verschiedener Be-
schaffenheit; deshalb ist es nötig, wenn man aus ihrem Vorhandensein einen Schluß auf
die Beschaffenheit des Wassers ziehen will, die vorkommenden Arten genau zu unter-
scheiden. Auch gibt es grüne Algenarten, wie Vaucheria, Scenedesmus, Pediastrum, die
außer in reinem auch in verunreinigtem Wasser Vorkommen. Deshalb wird die Beurteilung
        <pb n="909" />
        ﻿Schädlichkeit für die Fischzucht.

887

der Beschaffenheit eines Wassers auf Grund der Zusammensetzung der niederen Flora vor-
läufig in der Regel noch sachkundigen Botanikern überlassen werden müssen.

Ein Zeichen für eine vor kurzer Zeit eingetretene Verunreinigung eines Gewässers
ist das Vorhandensein der normalen niederen Vegetation, aber in abgestorbenem
oder kränkelndem Zustande. Das Absterben der Algenzellen gibt sich in der Regel durch
Zusammensinken des lebenden Zellinhaltes und durch Mißfärbungen oder Umfärbungen der
gefärbten Inhaltsbestandteile zu erkennen.

ä) Weiter ist es ein Beweis für die Anwesenheit organischer Verunreini-
gungen im Wasser, wenn sich in demselben vorfinden;

1.	größere Mengen von Bakterien, besonders auch Sphaerotilus natans, der in Wasser-
läufen, die durch gewisse Fabrikabwässer verunreinigt sind, häufig in ungeheuren
Massen alle im Wasser befindlichen Gegenstände überzieht und große, schmutzige,
wolleähnliche Flocken und Rasen bildet, ferner auch Beggiatoa-Arten, die als kreide-
weiße, oft schimmelartige Überzüge und Anflüge erscheinen;

2.	gewisse Fadenpilze, wie namentlich Leptomitus lacteus (im Auftreten und Aussehen
ganz mit Sphaerotilus übereinstimmend);

3.	zahlreiche Algen aus der Abteilung der Cyanophyceen; dieselben sind daran kenntlich,
daß in ihrem Inhalt nicht rein grüne Farbstoffe enthalten sind, sondern blaugrüne,
blaue, olivengrüue und ähnliche Färbungen Vorkommen. Besonders die Familie der
Oscillatorien (lange, biegsame, mit einer vorwärts kriechenden Bewegung begabte
Fadenalgen) liebt verunreinigtes Wasser und größere Mengen von Oscillatorien sind
deshalb ein Anzeichen für solches.

Die obige Kommission hat folgende Vorschrift zur Probenahme aus verun-
reinigten Gewässern zum Zweck der Untersuchung der darin vorkommenden Tiere und
Pflanzen gegeben:

a) Die Proben sind in reinen Glasgefäßen aufzuheben, welche mit dem zu untersuchen-
den Wasser vor der Füllung dreimal sorgfältig ausgespült werden müssen. Bier- oder
Weinflaschen sind hierzu unbrauchbar.

ß) Für jede Untersuchung sind mindestens 2 Proben erforderlich, nämlich:

1,	Eine Wasserprobe mit den im Wasser lebenden kleinen Tieren und
Pflanzen. Für diese Probe ist ein etwa 1 1 haltendes Glas mit weiter Öffnung
und gutem Kork- oder Schraubenverschluß (Einmacheglas) am Ufer zu 3/4 mit
Wasser zu füllen und in demselben sind von den im Wasser vorhandenen Pflanzen
mehrere (10—20) Exemplare recht oft abzuspülen und abzustreifen, um die daran
befindlichen Organismen zu gewinnen. Einige wenige Pflanzen werden schließlich
in dem Glase belassen. Ebenso sind die verschiedenartig gefärbten Überzüge,
Anflüge usw., welche sich auf den im Wasser liegenden Steinen, Holzteilen und
Pflanzen usw. vorfindon, abzukratzen oder mitsamt der Unterlage, wenn diese
nicht zu groß oder zu schwer ist, in das Sammelgefäß zu werfen. Etwa auf der
Oberfläche des Wassers schwimmende Flocken, Watten, Fladen und dergl., sowie
leicht zu sammelnde Tiere, wie Schnecken, Muscheln, Insektenlarven u. a , sind
gleichfalls in das Glas einzusetzen. Besteht keine Sicherheit, daß das Gefäß mit
der Probe innerhalb etwa 24 Stunden in die Hände des Untersuchenden gelangen
kann, so ist es zweckmäßig, den ganzen Inhalt des Glases haltbar zu machen,
indem man denselben sofort in ein doppelt so großes Glas überfüllt, in welchem
sich ungefähr 3/.t 1 einer Lösung von 1 °/0 Formalin oder von konzentrierter Pikrin-
säure -)- 2 °/0 Essigsäure*) befindet.

2.	Eine Bodenprobe. Dieselbe ist in der Weise zu gewinnen, daß der Schlamm
oder Sand vom Grunde am Ufer gesammelt und in ein Glas von 1jl—1/2 1 Inhalt
gebracht wird, welches zu sji mit Wasser aufzufüllen ist.

0 Das Formalin ist in jeder Apotheke zu erhalten. Zum Gebrauch werden 3 Teile
des käuflichen Formalins mit 100 Teilen destilliertem Wasser gemischt. Ebenso ist auch
die Pikrinessigsäure daselbst erhältlich.
        <pb n="910" />
        ﻿888

Verunreinigung der Gewässer, deren Schädlichkeit und Nach Weisung.

3.	Aus größeren Gewässern wird zweckmäßig noch eine dritte Probe ent-
nommen, welche mit Hilfe eines feinmaschigen Gazenetzchens (nötigenfalls Planktou-
netz) zu gewinnen ist. Das Netzchen ist wiederholt (5—10-mal) zum Zwecke des
Fanges der Tiere langsam durch das Wasser zu ziehen und sein Inhalt in ein Glas
mit weiter Öffnung überzuspülen.

h) Die Schädlichkeit eines Wassers für die Fischzucht kann ferner festgestellt
werden durch Untersuchung der Fische, sei es, daß sie gerade verendet oder
noch lebend für den Zweck gefangen wurden, wenn es sich um Verunreinigungen
mit Kupfer, Zink, Blei, Arsen, Farbstoff usw. handelt. Man verfährt hierbei in der
Weise, daß man die Fische bezw. die Eingeweide und das Fleisch getrennt wie bei
einer Leichenuntersuchung auf den fraglichen schädlichen Bestandteil untersucht.

c)	Durch Untersuchung des Wassers und direkte Versuche über
seine Schädlichkeit für Fische. Dieser Weg ist besonders dann einzu-
schlagen, wenn mehrere und verschiedenartige Abwässer an der Verunreinigung
beteiligt sind oder wenn die Bestandteile des Abwassers je nach Jahreszeit und
Witterung sich verändern. So wirken Abwässer mit organischen Schwebe-
stoffen, z. B. solche mit Küchenabfällen, aus Ortschaften usw., solange sie frisch
sind,1) nicht schädlich, sondern erst nachdem sie in Fäulnis übergegangen sind,
wodurch in dem Wasser der Sauerstoffgehalt vermindert wird und Schwefelwasser-
stoff, Ammoniak, Ptomaine usw. gebildet werden.

Die bisherigen Versuche Uber die Schädlichkeit verschiedener Bestandteile der
Schmutzwässer für Fische sind meist, besonders diejenigen von C. Weigelt,1 2) in
der Weise angestellt, daß die Fische aus einem kleinen Behälter mit gesundem
Wasser in einen solchen mit verunreinigtem Wasser gebracht und dann die Wirkung
des letzteren beobachtet wurde. Die so erhaltenen Ergebnisse sind, wie Weigelt
selbst sagt, nur in den seltensten Fällen auf die natürlichen Verhältnisse übertrag-
bar, da schon die plötzliche Veränderung des Aufenthaltes und des Wassers nach-
teilig auf die Fische gewirkt haben kann, während die Einwirkung in der Natur
sich allmählich vollzieht und der Fisch einer freieren Bewegung fähig ist. Deshalb
führten wir3) die Versuche in der Weise aus, daß die einzelnen Fische (Karpfen,
Schleien, Goldorfen und Forellen u. a.) aus einem größeren gemeinschaftlichen Be-
hälter in kleinere Behälter gebracht werden, die mit demselben Wasser gefüllt sind
wie der große Behälter, und hier erst die Fische einen Tag ohne Änderung der
Verhältnisse bleiben; dann erst wird das Wasser verändert, indem letzteres durch
Leitungswasser, welchem der betreffende schädliche Bestandteil in einem Glasballon
zugesetzt worden ist, allmählich verdrängt und ersetzt wird. Wenn auch durch
diese Versuchsanstellung den natürlichen Verhältnissen besser entsprechende Ver-
suchsbedingungen geschaffen werden, so muß doch betont werden, daß nicht nur
die einzelnen Fischarten, sondern auch die einzelnen Fische derselben Art je nach
Körpergewicht und Alter sich gegen einen Schädling sehr verschieden verhalten
können, daß daher auch die bei diesen Versuchen gefundene Schädlichkeitsgrenze
keine für jeden und alle Fälle zutreffende Gültigkeit hat, sondern nur allgemeine
Anhaltspunkte liefern kann. Man wird deshalb unter Umständen selbst direkte
Versuche mit den in Frage kommenden Stoffen anstellen müssen, wobei auch noch

1)	Manche Fische halten sich z. B. mit Vorliebe an solchen Stellen in Flüssen auf,
wo sich Abfälle dieser Art in frischem Zustande in dieselben ergießen; auch verzehren sie
mit Vorliebe frischen Menschen-Kot.

2)	Landw. Versuchs-Stationen 1879, 28, 321, und Archiv für Hygiene 1885, 3, 70.

s) Landw, Jahrb. 1897, 26, 75.
        <pb n="911" />
        ﻿Schädlichkeit für Viehzucht, Gewerbe.

889

besonders die Temperatur des Wassers zu beachten ist; denn im allgemeinen
nimmt die Schädlichkeit eines Stoffes mit der Temperatur eines Wassers zu.

Bezüglich der bisherigen Beobachtungen über die Schädlichkeit einzelner
Schmutzwässer für Fische vergl. des Yerf.s „Verunreinigung der Gewässer, deren
schädliche Folgen usw.“. Berlin bei Julius Springer, 2. Aufl. 1899.

2.	Schädlichkeit für die Viehzucht. Was die Schädlichkeit eines verunreinigten
Bachwassers für das Vieh anbelangt, so gelten im allgemeinen dieselben Bedingungen,
welche für den Menschen maßgebend sind.

Zwar sind die landwirtschaftlichen Nutztiere nicht so empfindlich wie der
Mensch und vertragen dieselben vorübergehend bei vereinzelter Aufnahme ein un-
reines, sogar schwach fauliges Wasser, dessen einmaliger Genuß bei dem Menschen
schon schwerwiegende Folgen haben würde; indessen ist auf die Dauer für die land-
wirtschaftlichen Nutztiere dasselbe reine Wasser notwendig wie für den Menschen.
Dieses gilt besonders für Milchvieh, dessen Milch durch den Genuß eines unreinen
Wassers — wenn auch nur durch Aufnahme von Infektionskeimen von außen aus
der durch das Wasser verunreinigten Luft — leicht eine fehlerhafte Beschaffenheit
annehmen, für trächtiges Vieh, bei dem der Genuß von einem mit fauligen Stoffen
und abführenden Salzen (Chloriden, Sulfaten, Nitraten in größerer Menge) verun-
reinigtem Wasser leicht Abortus verursachen, für Pferde, wo schlechtes Wasser
Störungen der Darmtätigkeit und damit Kolikanfälle hervorrufen kann.

Direkt giftige oder nach allmählicher Anhäufung im Organismus giftig
wirkende Bestandteile (wie Blei) können in einem etwa verendeten Tier wie üblich
nachgewiesen werden. Dasselbe ist der Fall, wenn die Tiere Futter (Heu) ver-
zehrt haben, welches unter dem Einfluß eines verunreinigten Wassers gewachsen
ist, z. B. unter dem Einfluß eines mit Zinksulfat, Blei- oder Kupferverbindungen usw.
gewachsenen Futters. Man findet dann diese Bestandteile in abnormer Menge im
Kot oder bei einem verendeten Tier in den Futterresten des Magen- und Darm-
inhaltes, unter Umständen auch im Harn.

Denn außer der direkten schädlichen Wirkung der verunreinigenden Bestand-
teile im aufgelösten Zustande beim Genuß des Wassers ist in Betracht zu ziehen,
ob die Tiere auch Futter verzehrt haben, welches diese Bestandteile, sei es mecha-
nisch anhängend oder im assimilierten Zustande, enthält.

Lösliche Zink-, Kupfer- oder Bleisalze, arsenigsaure Verbindungen usw. werden
z. B. mehr oder minder von den Pflanzen aufgenommen und erzeugen ebenso wie
freie Mineralsäuren, Eisenvitriol, ein sog. saures oder abnormes Futter, in
welchem das natürliche Verhältnis von Basen zu Säuren gestört ist, und welches
ebenso wie ein unter dem Einfluß von Hüttenrauch gewachsenes Putter eine
fehlerhafte Veränderung des Blutes, eigentümliche Knochenerkrankungen, eine Ver-
minderung des Milohertrages und allgemeine Abmagerung usw. usw. bewirken kann
(vergi. auch unter „Nachweis von Hüttenrauchbeschädigungen“).

Zur Entscheidung der Frage der Schädlichkeit eines verunreinigten Bach-
wassers für das Vieh wird man schwerlich wegen der Kostspieligkeit Versuche an
einem sonst gesunden Tiere anstellen können, aber es kann als Kegel gelten, daß
alle Bestandteile eines Abwassers, welche entweder an sich fremdartig und abnorm
sind, oder welche die gewöhnliche natürliche Beschaffenheit eines Wassers ver-
ändern oder ein unter ihrem Einfluß gewachsenes abnormes Futter erzeugen, für
Zwecke der Viehhaltung unzulässig sind.

3.	Schädlichkeit für gewerbliche Zwecke. Auch hier kann im allgemeinen
als Kegel gelten, daß alle Bestandteile, welche ein Bach- oder Flußwasser durch
        <pb n="912" />
        ﻿890 Verunreinigung der Gewässer, deren Schädlichkeit und Nachweisuug.

Aufnahme eines Abwassers für den Genuß des Menschen oder Tieres unbrauchbar
machen, auch für gewerbliche Zwecke nachteilig sind.

Ein trübes, durch irgendwelche Schlammstoffe oder durch Farbstoffe ver-
unreinigtes Wasser ist z. B. nicht zum Spülen, Waschen, Bleichen oder als Kessel-
speisewasser geeignet. Abnorme Mengen von Chloriden (Chlornatrium, Chlorcalcium,
Chlormagnesium) oder von Sulfaten verursachen die Bildung von harten Seifen
hezw. von Kesselstein oder eine Beschädigung der Kesselwandungen, befördern ein
Kosten (Oxydation) von Maschinenteilen usw.

Gewisse gewerbliche Betriebe (Zucker- und Stärkefabriken, Brennereien und
Brauereien, Färbereien usw.) erfordern gerade ein sehr reines Wasser. Ein höherer
Gehalt an Chloriden beeinträchtigt z. B. die Zuckerausbeute aus Zuckerrüben und
die Gärung, wie ebenso ein durch organische Schmutzstoffe verunreinigtes Wasser
eine fehlerhafte Gärung verursacht usw. (vergl. S. 597, 647, 706).

4. Schädlichkeit für den Boden. Wenn ein mit Abwasser verunreinigtes
Bach- hezw. Flußwasser zur Berieselung benutzt wird, so kann sich die Schädlich-
keit nach 3 Richtungen geltend machen:

a)	dadurch, daß die etwa vorhandenen Schwebe- oder Sehlammstoffe, wie
Eisenoxydschlamm, aufgeschlämmter Ton, ölige Stoffe, organische Fasern, Aschen-
und Schlackenmassen, den Boden verschlammen hezw. verfilzen und dadurch
einerseits denselben mit einer die normale Vegetation unterdrückenden Schlamm-
schicht bedecken, andererseits die Poren des Bodens verstopfen und infolge Ver-
hinderung von Luftzutritt eine Versauerung bewirken;

b)	dadurch, daß sie dem Boden an sich abnorme und giftige Stoffe wie
Schwefelverbindungen, Metalloxyde, arsenige Säure, Ehodanammonium (Gaswasser)
und Farbstoffe usw. zuführen, welche entweder direkt schädlich für die Pflanzen
wirken oder, wie die Schwefelverbindungen, Farbstoffe usw., die Oxydationsvorgänge
im Boden beeinträchtigen und nach Oxydation dieser Verbindungen schädliche
Stoffe liefern (vergl. S. 81);

c)	dadurch, daß sie im gelösten Zustande wie freie Mineralsäuren oder
Chloride (Chlornatrium, Chlorcalcium, Chlormagnesium) oder wie die Sulfate (Ferro-
sulfat, Kupfer- und Zinksulfat) hezw. die Nitrate wichtige Pflanzennährstoffe des
Bodens, wie Kali, Kalk, Magnesia, auswaschen und den Boden mit der Zeit hieran
berauben. Für die freien Mineralsäuren ist dieses an sich einleuchtend; aber auch
kochsalzhaltiges Wasser wirkt ebenso wie chlorcalcium- und chlormagnesiumhaltiges
Wasser (schon von 0,5—1,0 g für 1 1 an) stärker lösend auf die Pflanzennährstoffe
des Bodens als reines, destilliertes Wasser, und die Metallsulfate wirken schon in
geringster Menge in der Weise nachteilig, daß sie sich mit den kohlensauren, humus-
sauren oder kieselsauren Salzen von Kalk, Magnesia und Kali umsetzen, infolgedessen
die leicht löslichen Sulfate der letzteren mit dem Sieker- oder Abrieselwasser fortge-
führt werden, während die Metalloxyde im Boden Zurückbleiben und sich dort anhäufen.

Die Chloride und sonstige nichtabsorbierbaren Salze wirken ferner noch in
der Weise schädlich, daß sie eine festere Aneinanderlagerung des Tones bewirken
und dadurch den Boden dicht schlämmen, welche Eigenschaft sogar bis zur
Ertraglosigkeit des Bodens führen kann (vergl. S. 82).

Um daher die Frage der Beschädigung des Bodens durch ein mit Abwässern
verunreinigtes Bachwasser zu beantworten, muß man je nach den obwaltenden
Verhältnissen nicht nur den betreffenden Bestandteil hezw. das Salz selbst im
Boden vorfinden, sondern auch die dichte Lagerung oder den geringeren Gehalt
an Kalk, Magnesia und Kali usw. gegenüber dem in der Nähe befindlichen Boden
        <pb n="913" />
        ﻿Schädlichkeit für Boden, Pflanzen.

891

derselben Art nachweisen, welcher nicht unter dem Einfluß des Abwassers ge-
litten hat.

Die Probenahme des Bodens wird ganz nach S. 4 ausgeführt; man ent-
nimmt an 4—8 verschiedenen Stellen der fraglichen Fläche Proben des Ober- und
Untergrundes, ferner in derselben Weise von höher und womöglich tunlichst nahe
gelegenen Flächen (sei es Wiese, Acker oder Wald) mit derselben Bodenart, auf
die erwiesenermaßen das betreffende Wasser nicht gelangt ist oder gelangen
konnte. Handelt es sich um Beschädigung von Wiesen, und kann man von nahe
gelegenen, aber nicht mit dem unreinen Wasser berieselten Wiesen mit gleicher
Bodenart gesunde Gegenproben erhalten, so ist dies um so besser.

Befinden sich ferner im Untergrund Grundgestein bezw. einzelne Gesteinsfrag-
mente, durch deren Verwitterung der Boden entstanden ist, so werden auch diese
sorgfältig gesammelt und mit untersucht, weil sie als Beweis dafür dienen können,
ob die abnormen Bestandteile schon im Grundgestein enthalten sind oder nicht.

Ist eine Fläche in verschiedenem Grade durch ein verunreinigtes Wasser
verdorben, so werden von den verschiedenartig verdorbenen Stellen Proben ent-
nommen und getrennt für sich untersucht.

Man soll sich nie mit einer einzigen Durchschnittsprobe, wmder von ver-
dorbenem noch unverdorbenem Boden begnügen, sondern mehrere, mindestens 2 ent-
nehmen, wenn es sich um eine Parzelle handelt, sonst so viel, als fragliche Parzellen
in Betracht kommen.

Die entnommenen Bodenproben werden, wie bei Bodenuntersuchung (S. 6)
angegeben ist, gleichmäßig für die chemische Untersuchung vorbereitet und
kocht man von denselben etwa 100 g mit 150 ccm konzentrierter Salzsäure +
250 ccm Wasser 2 Stunden lang unter Ersatz des verdunstenden Wassers. In der
salzsauren Lösung werden die Basen, sowohl die von den abnormen Wasserbestand-
teilen herrührenden, als die natürlich vorhandene^, sowie Schwefelsäure usw. nach
S. 24—30 bestimmt.

Chlor bestimmt man nach S. 39 in einem besonderen Teile der Probe durch
Behandeln von 100 g Boden mit 1000 ccm destilliertem Wasser und Verwendung
von 500 ccm des Filtrats. Wird Blei im Boden vermutet, so zieht man zweck-
mäßig mit Salpetersäure aus und verfährt nach S. 42; für den Nachweis von
Arsen vergl. S. 178.

Bei Böden, welche durch Chloride oder Sulfate oder Nitrate beschädigt sind,
findet man durchweg nur verhältnismäßig wenig Chloride oder Schwefelsäure oder
Salpetersäure mehr als in gesunden, nicht beschädigten Böden, Das erklärt sich
dadurch, daß die Chloride als solche nicht vom Boden absorbiert werden und Sul-
fate und Nitrate sich mit den Bodensalzen umsetzen, so daß die Schwefelsäure bezw.
Salpetersäure in Verbindung mit anderen Basen (Kalk usw.) mit dem Sieker- oder
Abrieselwasser ausgewaschen werden.

5. Schädlichkeit für die Pflanzen. Wenn ein Grundstück mit landwirtschaft-
lichen Nutzpflanzen bezw. Bäumen durch irgend ein verunreinigtes Abwasser ver-
dorben ist, so muß sich dieses auch äußerlich an der Vegetation kundgeben, sei es
durch dünnen Stand oder Auftreten abnormer Pflanzen (z. B. von Zinkveilchen für
mit Zinkverbindungen, von Atriplex hastata für mit Kochsalz verdorbene Böden)
oder durch kümmerliche Entwickelung bis zum vollständigen Ahsterben. Es ist
daher genau die Vegetation der fraglichen Flächen mit der von nahe gelegenen,
nicht beschädigten Flächen zu vergleichen und sind die Unterschiede festzustellen,
weil unter Umständen Abnormitäten durch die Witterung (Frost, Trockenheit usw.)
        <pb n="914" />
        ﻿892

Verunreinigung der Gewässer, deren Schädlichkeit und Nachweisung,

bedingt sein können; andererseits sind die Pflanzen bezw. Bäume auf etwaige durch
Pilze oder Insekten verursachte Krankheiten und Abnormitäten zu untersuchen.
Wenn ein an Grundnässe leidendes, versumpftes Grundstück vorliegt, kann auch
die Abnormität in der Vegetation zum größeren oder geringeren Teil hierdurch
mitbedingt sein.

Wo es ferner möglich ist, soll man sich über das Wachstum der Pflanzen
und Bäume, bezw. über die Erträge vor und nach der Einwirkung des verunreinigten
Wassers, sei es nach einer sorgfältigen und hinreichend sicheren Buchführung
oder durch Zeugenaussagen, Aufschluß verschaffen.

Aber hiermit darf man sich noch nicht begnügen. Wenn eine offenbare Be-
schädigung der Vegetation vorliegt, welche durch andere Ursachen nicht erklärt
werden kann, so muß man die schädlichen Bestandteile des Wassers auch in oder
an den Pflanzen nachweisen können.

Zwar gehen manche pflanzenschädliche Bestandteile, z. B. arsenige Säure —•
sie wirkt desorganisierend auf das Protoplasma der Wurzeln — nur in äußerst
geringer Menge in die oberirdischen Pflanzenteile über, andere schädliche Stoffe,
wie Rhodanammonium, erfahren, wenn sie überhaupt aufgenomraen werden, alsbald
eine Zersetzung, so daß man sie schwerlich in den Pflanzen auffinden wird, aber
eine Reihe von derartigen schädlichen Stoffen wird direkt von den Pflanzen aufge-
nommen und kann darin in erhöhter Menge nachgewiesen werden, so die Chloride.
Metall sulfate usw.

Behufs Bestimmung derselben werden zu einer Zeit mit lebhaftem Wachstum
(am besten im Juni bis Mitte Juli) gute und hinreichende Durchschnittsproben der
Pflanzen bezw. Blätter und Zweige der Bäume von den beschädigten und ebenso
gleichzeitig von denselben Pflanzen und Bäumen von nicht beschädigten, möglichst
nahe gelegenen Grundstücken mit tunlichst derselben Bodenart entnommen und
beide in ganz gleicher Weise nach dem Veraschen auf die fraglichen Bestandteile
untersucht (vergl. unter „Pflanzenasche“ S. 194 u. ff.).

Bei Bäumen sammelt man zweckmäßig Wurzeln, Holz, Zweige und Blätter
für sich und unterwirft diese getrennt der Untersuchung, ebenso Samen und Knollen
bezw. Wurzeln getrennt von Stengeln bezw. Blättern. Auch gibt unter Umständen
eine Untersuchung der Asche auf Stickstoff, Fett, Rohfaser usw. Aufschluß darüber,
wie durch die Einwirkung des verunreinigten Wassers die Beschaffenheit der land-
wirtschaftlichen Nutzpflanzen beeinträchtigt worden ist.

(!, Schädlichkeit für das Grund- bezw. Brunnenwasser. Ein verunreinigtes
Bach- oder Flußwasser kann unter Umständen auch dadurch schädlich wirken, daß
es in den Boden versickert, weiter ins Grundwasser gelangt und dadurch Brunnen
verunreinigt. Dasselbe ist der Fall, wenn das Eegenwasser von Schutt- und
Schlackenhalden oder Schwefelkiesabbränden oder endlich das Abwasser aus Klär-
und Reinigungsanlagen in den Boden versickert.

Man muß in solchen Fällen die fraglichen Bestandteile entweder direkt im
Grund- bezw. Brunnenwasser nachweisen können oder wenigstens deren Umsetzungs-
erzeugnisse. So setzen sich, wie schon erwähnt, die Metallsulfate bezw. freie
Schwefelsäure oder Salzsäure im Boden mit dem kohlensauren Calcium bezw.
kohlensauren Magnesium zu Sulfaten der letzteren und unlöslichen Karbonaten der
Metalle um; man wird daher in solchen Fällen, wenn auch nicht die ursprünglichen
Sulfate bezw. freien Säuren, so doch eine erhöhte Menge schwefelsaures bezw. Chlor-
calcium oder Chlormagnesium im Wasser vorfinden.
        <pb n="915" />
        ﻿Schädlichkeit für das Grund- bezw. Brunnenwasser.

893

Selbstverständlich muß man auch hier Grund- und Brunnenwasser von ge-
sundem, nicht infiziertem Boden tunlichst oberhalb der Grundwasserströmung zum
Vergleich heranziehen.

Dabei empfiehlt es sich, an mehreren Stellen zwischen dem fraglichen Brunnen
und der verunreinigenden Quelle Grundwasserproben zu entnehmen, um den Gang
desselben im Boden zu verfolgen und den Zusammenhang zwischen Brunnen und
verunreinigender Quelle zu beweisen.

Mit vorstehenden Ausführungen habe ich nur die wichtigsten Gesichtspunkte
andeuten wollen, die bei Beantwortung von Fragen, welche die Flußverunreinigung
und deren Schädlichkeit betreffen, zu beachten sind. Ebensowenig wie für Vor-
schriften zur Untersuchung der Schmutzwässer, so ist es auch hier nicht möglich,
für alle und jeden Fall allgemein gültige, zu beachtende Regeln zu geben, weil die
Verhältnisse gar zu vielseitig sind.

Die chemische Untersuchung selbst bietet in den seltensten Fällen Schwierig-
keiten ; bezüglich der Schädlichkeit der verunreinigenden Bestandteile der Abwässer
sind in des Verfassers Schrift: „Die Verunreinigung der Gewässer, deren schädliche
Folgen usw.“ (Berlin bei Julius Springer, 2. Aufl. 1899) weitere Anhaltspunkte ent-
halten, und wo solche fehlen, da müssen nötigenfalls direkt neue einschlägige Ver-
suche angestellt werden.
        <pb n="916" />
        ﻿Beschädigungen

der Vegetation durch Rauch und Staub.

Neben der Schädigung von Boden und Pflanzen durch flüssige und feste Ab-
gänge aus Fabriken bilden nicht selten auch die gas- und staubförmigen Erzeugnisse
besonders der Hüttenwerke Gegenstand von Klagen und Beschwerden der Grund-
besitzer in industriereichen Gegenden.

Der Agrikulturchemiker wird daher häufig auch mit dem Nachweise dieser
Art Beschädigungen beauftragt, weshalb hier eine kurze Anleitung, wie diese Be-
schädigungen nachgewiesen werden können, gegeben werden möge.

Je nach der Natur des in einem Hüttenwerk oder einer Fabrik verarbeiteten
Rohstoffes, der fertigen Erzeugnisse und der Abfallstoffe hat sich die Untersuchung
zu richten auf schädliche Gase bezw. Dämpfe, wie z. B. Schwefelsäure, schweflige
Säure, Chlor, Salzsäure, Schwefelwasserstoff, Fluorwasserstoff, Salpetersäure, Am-
moniak, oder auf feste staubförmige Körper, wie Metalloxyde, Soda, Kalk, Kohlen-
teilohen, lösliche Metallsulfate und Metallohloride usw.

A.	Nachweis von Beschädigungen
durch gasige und saure Bestandteile des Rauches.

Die schädliche Wirkung der sauren Rauchbestandteile beruht nach Jul.
v. Schröder1) darauf, daß die Säuren bezw. löslichen Metallsulfate und -Chloride
sich mit den Wasserdämpfen der Luft auf die Blätter, Nadeln und Pflanzenteile
niederschlagen, nicht durch die Spaltöffnungen, sondern von der ganzen Blattober-
fläche aufgenommen werden, Wasser aus der Pflanzensubstanz anziehen, die Tran-
spiration in den Blättern bezw. Nadeln herabsetzen, somit die normale.' Wasser-
zirkulation abändern, durch welche Störung bei hinreichend starker und anhaltender
Einwirkung die Pflanze oder der Baum schließlich abstirbt.

Nach C. v. Nägeli* 2) ist indes die so entzogene Wassermenge (oder bei
schwefliger Säure auch die entzogene Sauerstoffmenge) nicht groß genug, um die
Wirkungen des Vertrocknens und Absterbens der Blätter hervorzurufen. C. von
Nägeli nimmt an, daß die Säure (schweflige Säure) die Lebenstätigkeit des Proto-
plasmas in den Zellen der Blätter bezw. Nadeln unterdrückt, so daß das Vertrocknen
der letzteren nur eine sekundäre Erscheinung ist, welche immer eintritt, wenn in
dem Gewebe der Blätter durch irgend eine schädliche Ursache die regelmäßigen
Vorgänge gestört werden.

J) Landw. Versuchs-Stationen 1872, 15, 321, 1873, 16, 447 und 1879, 23, 392, ferner in
J. v. Schröder und C. Reuß, Die Beschädigung der Vegetation durch Rauch. Berlin 1883.

2) C. y. Nägeli, Theorie der Gärung. München 1879, 86 u. 87.
        <pb n="917" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.

895

Nach E. Haselholl und G. Lindau1) wirken aber die einzelnen Säuren in
physiologischer Hinsicht auf das Plasma verschieden; die schweflige Säure bewirkt
eine bedeutende Erniedrigung der Transpiration, die Salzsäure eine solche der
Assimilation.

A. Wieler3) ist der Ansicht, daß die schweflige Säure bezw. Säuren über-
haupt nur durch die Spaltöffnungen der Pflanzen eindringen, womit im Einklänge
stehe, daß die Schädigungen durch saure Rauchgase zu einer Zeit, wo die Spalt-
öffnungen am meisten offen seien (wie z. B. bei nebeliger, feuchter Luft und bei
Belichtung), am stärksten auftreten. In jedem Palle beruht die schädliche Wirkung
auf einer Formveränderung bezw. schließlichen Zerstörung des Plasmas; die Wasser-
abgabe der Blätter wird durch die Säure nicht — oder nur in vereinzelten Fällen —
beeinflußt. Bei der schwefligen Säure liegt vielleicht eine eigenartige Wirkung in
der Weise vor, daß sie sich mit Assimilaten (Aldehyden des Proteinmoleküls,
Glukose usw.) verbindet und in solcher Verbindung in den Zellen aufgespeichert
oder in andere Organe geleitet wird und sich bald in Form von Schwefelsäure ab-
spaltet. Gleichzeitig wird durch sie und andere Säuren die Ableitung der Assimilate
gehemmt, was entweder auf eine Verminderung der Fermenttätigkeit oder der
Ferment- (Diastase-) Erzeugung zurückgeführt werden muß. Auf alle Fälle ist mit
diesen Wirkungen eine Hemmung des Längenwachstums der Pflanzen verbunden,
mag man eine direkte Störung des Plasmas der sich streckenden Zellen oder indirekt
eine Hemmung der Diastaseerzeugung oder -tätigkeit annehmen.

J. v. Schröder, C. Eeuß und W. Schmitz-Dumont8) nehmen an, daß die
sauren Rauchgase, auch wenn sie mit den meteorischen Niederschlägen auf und in
den Boden gelangen, nicht das Wachstum der Pflanzenwurzeln schädigen,
sondern eine Schädigung der Pflanzen nur auftritt, wrenn die Säuren bezw. sauren
Rauchgase mit den Blattorganen der Pflanzen in Berührung kommen. Die Wirkung
vom Boden aus kann nur eine indirekte sein.

Welches aber auch die Ursache der Einwirkung der sauren Rauchgase sein
mag, jedenfalls kann an der Schädlichkeit derselben nicht gezweifelt und muß der
Nachweis der Beschädigung in erster Linie an den Blättern bezw. Nadeln und
weiter vielleicht auch im Boden geführt werden. Indes hat man für den Nachweis
dieser Beschädigungen eine Reihe von Umständen zu beachten, um in der Beur-
teilung nicht fehl zu gehen.

I.	Vorprüfung und Ortsbesichtigung.

Behufs Nachweises dieser Beschädigungen ist zunächst zu beachten;

1.	Die richtige Zeit der Besichtigung und Probenahme. Da die durch
saure Rauchgase und Metalldämpfe bewirkten Beschädigungen (Flockenbildung) eine
gewisse Ähnlichkeit mit vergilbten Blättern oder mit durch Nachtfrost oder Dürre
bewirkten Beschädigungen haben können, so muß die Besichtigung und Probenahme
zu einer Zeit stattfinden, wo ein lebhaftes Wachstum vorhanden ist und wo keine Nacht-
fröste oder große Trockenheit eingewirkt haben. Die passendste Zeit wird daher
im allgemeinen Juni bis Anfang August sein. Aber auch dann hat man sich stets
darüber Rechenschaft zu geben, ob für die Zeit und die Gegend Nachtfröste oder

’) E. Hasel hoff und G. Lindau, Beschädigung der Vegetation durch Rauch.
Berlin 1903, 249.

2)	A. Wieler, Untersuchungen über die Einwirkung schwefliger Säure auf die
Pflanzen. Berlin 1905.

3)	Tharandter Porstl. Jahrbücher 1896, 46, 1.
        <pb n="918" />
        ﻿896

Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub,

anhaltende Dürre ausgeschlossen waren. Der Probenahme hat alsdann eine genaue
Besichtigung und Untersuchung der äußeren Vegetationsverhältnisse in nächster
und weiterer Umgehung der fraglichen schädlichen Quelle voranzugehen. Dahei sind

2.	die herrschenden Windverhältnisse der (Hegend zu berücksichtigen.
Wenn nämlich, wie durchweg in Deutschland, Süd-, Südwest- und Westwinde
vorherrschen, so muß sich die Beschädigung auch vorwiegend nach der entgegen-
gesetzten Richtung, also im Osten bis nach Norden hin stärker geltend machen
als in der anderen Richtung von der fraglichen Rauohquelle aus; dieses um so
mehr, als die Süd- bis West- und nördlichen Winde durchweg feuchter als die öst-
lichen Winde zu sein pflegen und auf diese Weise ebenfalls stärker einwirken.
In enggeschlossenen Tälern folgen die Rauchgase indes nicht immer den allgemein
wehenden Winden, sondern je nach den Verhältnissen einer oder nur zwei Rich-
tungen, wobei sie sich unter Umständen an einer oder einigen Stellen vorwiegend
niederschlagen.

Auch in freier Ebene schlagen sich die Rauchgase bei feuchter und drückender
Luft nicht selten regelmäßig an bestimmten Stellen nieder und rufen dort vor-
wiegend Beschädigungen hervor, während näher und entfernter liegende Stellen
verschont bleiben bezw. äußerlich keine Beschädigungen wahrnehmen lassen.

B. Die äußeren sowie inneren Merkmale und Erscheinungen an den
Pflanzen und Bäumen. Bei Beschädigungen durch saure Rauchgase treten bestimmte
eigenartige äußere Merkmale besonders an den Blättern und Nadeln der Pflanzen
bezw. Bäume hervor, die als ein Beweis für diese Beschädigungen angesehen werden
können. Hierbei muß aber, wie schon oben angedeutet wurde, berücksichtigt
werden, daß durch verschiedene andere Ursachen Erscheinungen an den Blättern
bezw. Nadeln auftreten können, die den durch saure Rauchgase hervorgerufenen
mehr oder weniger ähnlich sind. Solche Ursachen können z. B. sein:

a) Prost, wodurch nach Fr. Nobbe1) an den Blättern Ränderungen bewirkt
werden können, die denen durch Salzsäure ähnlich sind. Selbst beim Erfrieren
in der Knospe kann Prost auf den späteren Blättern braune und gelbe Flecken
zur Folge haben. Wenn eine solche Frostwirkung als möglich anzunehmen ist,
empfiehlt sich eine öftere Beobachtung während verschiedener Wachstumszeiten.

ß) Dürre und zu starke Besonnung. Anhaltende Dürre bewirkt häufig
Spitzenfärbungen und Nadelvertrocknen bei Nadelhölzern, sowie Bänderungen bei
Blattpflanzen. Das Braun- bezw. Botbraunwerden der Nadeln bei Nadelhölzern,
die sog. Schüttkrankheit, hat häufig seinen Grund darin, daß die Nadeln durch
starke Besonnung zu lebhafter Wassertranspiration veranlaßt werden, der Boden
aber die nötige Feuchtigkeit nicht liefern kann.

y) Ungünstige Bodeneinflüsse, Mangel an Nährstoffen, stauende
Nässe, Ortstein usw. Hierdurch werden Wurzel-Krankheiten oder -Verkümme-
rungen hervorgerufen, von denen auch die oberirdischen Organe in Mitleidenschaft
gezogen werden. Kalimangel bewirkt z. B. nach Wilfarth* 2) eine gelb-bräun-
liche Verfärbung des ganzen Blattes, gelbbraun gefärbte Flecken und Streifen zwischen
den Blattnerven, Stickstoffmangel gelbliche, Eisenmangel fahle Verfärbung
(Bleichstichtigkeit) des Blattes.

d)	Pflanzliche Parasiten. Viele parasitische Pilze, die im Innern der
Pflanzen leben, wie Uredineen, Chytridiaceen, die Konidienformen von Äskomyceten,

*) Tharandter Dorath Jahrbücher 1877, 27, 7.

2) Arbeiten d. Deutschen Landw.-Gesellschaft 1902, Heft 68, 96.
        <pb n="919" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.

897

besonders die Äcidienform der üredineen erzeugen gelbe oder rötliche Mecken auf
den Blättern, die den durch saure Rauchgase gebildeten ähnlich sind. Hier aber
läßt ein Querschnitt durch die Flecken und Betrachtung desselben unter dem Mikro-
skop leicht eine Entscheidung treffen; denn im Falle einer Pilzbeschädigung wird
inan das Pilzmycel in oder zwischen den Zellen finden.

s) Tierische Parasiten. Als solche, Eauchbeschädigungen vortäuschende
Insekten kommen z. B. in Betracht: Aphis cerasi (Kirschblattlaus), Ehynchites alliariae
(Blattrippenstecher), Chrysomela populi (Pappelblattkäfer), Chermes laricis (Lärchen-
blattlaus), besonders auch die Nonnenraupe usw.; sie alle erzeugen der Säurewirkung
ähnliche Blattflecken. Haben letztere eine solche Entstehungsursache, so wird man
an den angefressenen Nadeln oder Blättern, Kotresten, trocknen Eaupenhäuten und
anderen Merkmalen die Ursache der Schädigung aufdecken können. Jedoch soll man
in solchen Fällen, wenn Zweifel bestehen, einen Phytopathologen hinzuziehen.

£) Ferner sei noch darauf hingewiesen, daß nach unseren Versuchen Soda-
und Kalkstaub an Blättern ebenfalls Verletzungen, braune Flecken und Bände-
rungen (bezw. gelbe Spitzen bei den Nadelhölzern) hervorrufen können, welche den
durch die sauren Rauchgase hervorgerufenen ähnlich sind.

Alle diese und andere Umstände, welche das Wachstum der Pflanzen und
Bäume schädigend beeinflußt haben können, sind bei der Ortsbesichtigung eingehend
zu berücksichtigen. Im übrigen werden sich die Rauchbeschädigungen durchweg
durch verschiedene äußere und innere Erscheinungen kundgeben.

a) Äufsere Erscheinungen an den Pflanzen und Bäumen. Auf Rasenflächen
zeigen sich bei Beschädigungen durch saure Rauchgase oft gelb bis braun gefärbte
Stellen, auf denen der Graswuchs entweder ganz zerstört ist oder sich die einzelnen
Halme durch ein rostfleckiges, gelbes Aussehen von gesunden Halmen unterscheiden.

Bei Baum-Beschädigungen ist die Rinde der Stämme, welche der fraglichen
schädlichen Quelle zugekohrt ist, nicht selten schwarz gefärbt, korrodiert oder
gar zum Teil ganz abgefressen, während auf der Schutzseite normale Beschaffenheit
vorhanden sein kann.

Die Kronen der Bäume sind bei stärkeren Einflüssen abgestorben, die Zweige
entblättert und geschwärzt.

Bei Nadelhölzern fallen die Nadeln ab, die jüngeren Zweige trocknen ein
und fallen ebenfalls zu Boden; die so gebildete dicke Schicht („Geniste“) zer-
setzt sich schwer und kann nach Haselhoff und Lindau1) in rauchbeschädigten
Wäldern, z. B. Fichtenwäldern mit als äußeres Merkmal für eine Rauchbeschädigung
dienen.

Vorwiegend aber sind es die Blätter bezw. Nadeln der Bäume, Garten-
und FeldfrUchte selbst, auf deren Aussehen man zu achten hat.

Besonders kennzeichnend sind hier die gelbbraun erscheinenden Ränder
der Blattspreiten und die zwischen den Blattnerven vorhandenen, ebenso gefärbten
größeren oder kleineren Flecken, welche nicht selten an ihren Grenzen einen
dunkler gefärbten Rand haben.

Bei starker Einwirkung ist oft das ganze Blatt bis auf einen schmalen
Streifen zu beiden Seiten der Mittelrippe gelb gefärbt.

Die Nadelhölzer sind besonders empfindlich gegen schädliche Gase, denn
bei ihnen findet man zuerst deutliche Anzeichen einer Schädigung. Vielfach
sind die Zweige ganz von Nadeln entblößt oder die letzteren stechen auffallend

J) B. Haselhoff und G. Lindau, Die Beschädigung der Vegetation durch Rauch.
Berlin 1903, 102.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	57
        <pb n="920" />
        ﻿ggg	Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub,

durch ihre gelben Spitzen gegen die gleichmäßig tiefgrttne Farbe gesunder Exem-
plare ab.

Nachfolgende Zeichnungen geben ein Bild von dem äußeren Aussehen solcher-
weise' beschädigter Blätter, wie sie in dem Werk „Die Beschädigung der Vegetation
durch Bauch“ von Jul. von Schröder und C. Keuß, Berlin 1883, abgebildet sind.

Die Abbildungen: Blatt von Eiche Fig. 332, von Birke Fig. 333 (S. 899),
von Eberesche Fig. 334 (S. 900), von Rotbuche Fig. 335 und 336 (S. 901), von
Linde Fig. 337 (S. 902), Nadeln von Fichte Fig. 338 schwach, Fig. 339 (S. 902)
stark beschädigt, Kiefer Fig. 340 (S. 903) stark beschädigt, Lärche Fig. 341
(S. 903) •— die hellen Stellen der Nadeln sind gelb bis rotbraun und bedeuten die
Beschädigungen — sind nach der Natur, von Eauchverletzungen im Harzgebirge
durch schweflige bezw. Schwefelsäure hervorgerufen, aufgenommen, während
Fig. 342 (S. 903) Blatt des Apfelbaumes, Fig. 343 Blatt des Birnbaumes und
Fig. 344 (S. 904) vom Kirschbaum durch Salzsäure bewirkte Verletzungen in der
Nähe einer Fabrik, welche Kochsalz auf Salzsäure und Natriumsulfat verarbeitete,
darstellen.

Hier sehen die Salzsäureverletzungen allerdings etwas anders aus als die
Verletzungen durch Schwefelsäure bezw. schweflige Säure. Bei den Eichen treten
meistens Flecken in den Interkostalfeldern auf, die sich zentrifugal ausbreiten; bei
der Salzsäurewirkung beginnt das Absterben vom Bande her, so daß Blatt-
ränderungen entstehen; indes haben von Schröder und Beuß bei eigenen künst-
lichen Versuchen über die Einwirkung von schwefliger und Schwefelsäure auf
Blätter ganz ähnliche Randverletzungen erhalten.

E. Hartig1) hat auch als äußeres Kennzeichen einer Fichtenbeschädigung
durch Bauch die Erscheinung angeführt, daß bei abgeschnittenen Fichten-
zweigen aus Eauchgegenden, wenn sie wenige Tage der freien Luft und Sonne
ausgesetzt werden, eine graugrüne Färbung der Nadeln auftritt, die gegen die
freudiggrüne Färbung gesunder Fichtenzweige erheblich absticht. Die be-
schädigten Nadeln schrumpfen ein, werden trocken und fallen ab.

Gegen diese Behauptung Hartigs wird aber von E. Ramann2) geltend ge-
macht, daß das von Hartig angegebene Verhalten bei jedem Pichtenzweig Vor-
kommen könne, daß auch ein deutlicher Unterschied im Nadelfall hervortrete, je
nachdem der Ast im Schatten oder im Licht gewachsen sei. Jede Eauchbe-
schädigung verursacht Nadelfall; aber nicht jeder Nadelfall darf auf Eauchbe-
schädigung zurückgeführt werden.

b) Innere Merkmale an Blättern und Nadeln. B. Hartig glaubt (1. C.), bei
Fichten — nicht bei anderen Nadelhölzern — aus der Rötung der Schließzellen
zu beiden Seiten der Spaltöffnungsapparate auf eine Beschädigung durch schweflige
Säure oder Schwefelsäure enthaltende Rauchgase — Salzsäure hatte keine Eötung
verursacht — schließen zu können und zieht sogar diesen mikroskopischen Nach-
weis der chemischen Untersuchung vor, ja hält letztere Untersuchung selbst für
überflüssig. Demgegenüber weist E. Ramann (1. c.) mit Recht darauf hin, daß
bisher der Nachweis nicht erbracht ist, daß andere schädigende Einwirkungen nicht
auch eine Rötung der Schließzellen hervorzurufen vermögen, daß das von Hartig
gefundene Merkmal bei Pichten wohl ein Hilfsmittel hei dem Nachweise von
Rauchbeschädigungen sei, daß dasselbe aber kaum die chemische Untersuchung er-
setzen könne.

1) Forstl. Naturw. Zeitschr. 1896, 5, 245.

’2) Zeitschr. f. Forst- und Jagdwesen 1896, 28, 551.
        <pb n="921" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.

899

Fig. 332. Durch Rauch beschädigtes Blatt der Eiche.

Fig. 333. Durch saure Rauchgase beschädigte Blätter der Birke.

57*
        <pb n="922" />
        ﻿900

Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub.

A. Wiel er1) hat aber direkt nachgewiesen, daß die Eötung der Schließzellen
hei gesunden und weniger beschädigten Fichten ebenso häufig auftritt als bei stark
beschädigten, und zwar überall bei beginnendem Absterben der Nadeln älterer Jahr-
gänge. Die Rötung der Schließzellen beruht auf einer Ausscheidung von Gerb-
säure, wie bei den herbstlichen Verfärbungen der Blätter, und die Abscheidung der
Gerbsäure hat in allen Fällen anscheinend die gemeinsame Ursache in dem Aus-

Flg. 834. Durch saure Rauchgase beschädigte Blätter der Eberesche.

trocknen des Zellinhaltes, infolgedessen die Gerbsäure oder ihre Abkömmlinge nicht
mehr gelöst bleiben können. Zu denselben Ergebnissen sind auch P. Sorauer und
E. Eamann1) gelangt. Die Eötung der Schließzellen tritt nicht bei starken, aber
schnell vorübergehenden Säurewirkungen ein, sondern nur bei lang andauernder
Einwirkung in einem mittleren Zeitabschnitt der Erkrankung. Die Niederschlagung
der Gerbsäure bei den herbstlichen Verfärbungen wie bei Eauchbeschädigungen

0 Botan. Centralblatt 1899, 80, 50 und 114.
        <pb n="923" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.

901

Fig. 336. Ältere, durch saure Rauchgase beschädigte Blätter der Rotbuche.
        <pb n="924" />
        ﻿902

Beschädigungen der Vegetation durch Rauch und Staub,

Fig. 337. Durch saure Bauchgase beschädigtes Blatt der Linde.

Fig. 338.

Zweig einer schwach beschädigten Fichte,

Fig. 339.

Zweig einer stark beschädigten Fichte.
        <pb n="925" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.

903

kann aber nach E. Haselhoff und G. Lindau1) auch darin ihren Grund haben,
daß hierbei die Chlorophyllkörner, Stärke usw. korrodiert und gelöst werden, in-

Fig. 340. Zweig einer Kiefer. (Blätter hezw.
Nadeln, Fig. 332—341, sämtlich durch schweflige
Säure hezw. Schwefelsäure beschädigt.)

Fig. 341. Zweig einer durch Rauch
beschädigten Lärche.

Fig. 342. Blatt eines Apfelbaume»
(durch Salzsäure beschädigt).

folgedessen Gerbsäure sich niederschlägt. Auch sonst hat die Rauchbeschädigung
noch Ähnlichkeit mit der herbstlichen Verfärbung. Mit dem Verschwinden des

l) E. Haselhoff und G. Lindau, Die Beschädigung der Vegetation durch Rauch,
1903, 25, 85.
        <pb n="926" />
        ﻿904

Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub.

Chlorophylls hei den herbstlichen Verfärbungen treten gelbe oder braun gefärbte
Öltropfen auf; dasselbe ist bei den Eauchbeschädigungen der Fall, Wie Haselhoff
und Lindau zeigen, zerfließen die Chlorophyllkörner durch die Säurewirkung und
bilden mit dem Plasma eine homogene Masse, die sich zuletzt braun färbt; hierbei
treten häufig ölartige Tropfen auf, die sich ebenfalls braun färben, worauf weiter
eine Bräunung der Zellmembran folgt. Außer der Austrocknung der Zelle gibt es
auch noch andere Ursachen zur Verfärbung der Blätter, welche der durch Säure-
wirkung gleich oder ähnlich ist. Die mikroskopische Untersuchung kann daher
bis jetzt keinen sicheren Anhalt für Eauchbeschädigungen geben.

Fig. 343. Blatt eines Birnbaumes.

Fig. 344. Blätter eines Kirschbaumes.

(Durch Salzsäure beschädigt.)

Weiter aber darf man daraus, daß die Erscheinungen an und in den Blättern
bezw. Nadeln Ähnlichkeit mit den durch allgemeine Naturvorgänge bedingten Er-
scheinungen haben, nicht schließen, daß die Eauchbeschädigungen nicht beanstandet
werden dürfen. Die Verfärbungen der Blätter im Herbst oder durch anhaltende
Dürre verlaufen langsam und allmählich und wandern die gebildeten Lösungs-
erzeugnisse in den Stamm zurück; bei den Eauchbeschädigungen aber handelt
es sich um einen naturwidrigen, in kürzester Zeit verlaufenden Eingriff in
die Wachstumsverhältnisse der Blätter bezw. Nadeln, und wenn die Verfärbungen
der Blätter im Herbst oder nach anhaltender Dürre dem Wachstum der Pflanze
oder des Baumes eine Grenze setzen, so ist von den durch Eauchbeschädigung her-
vorgerufenen Verfärbungen dasselbe anzunehmen, d. h. sie schädigen das Wachstum
der Pflanze oder des Baumes unausgesetzt, und zwar in naturwidriger Weise. Auch
braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß ebenso wie die Blätter und Nadeln
        <pb n="927" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.	905

alle anderen Organe, die wie Blattstiele, Ranken, Nebenblätter und Stengel Chloro-
phyll enthalten, in gleicher Weise wie erstere durch saure Rauchgase geschädigt
werden.

c) Innere Veränderung der Stammorgane. Die durch die Einwirkung der
sauren Rauchgase hervorgerufene Schädigung der Assimilationsorgane hat natui*-
geinäß auch eine geringere Erzeugung von organischer Substanz (von Baustoffen)

t'lg. 345. Stücke von Hirnschnitten einer Fichte von Grevenbrück, gefällt im Herbst 1901.
Ä rauchgeschädigter, etwa 33 Jahre alter Baum, dessen Jahresringe sich von 1886 ab verengern.
B gesunder Baum, etwa 26 Jahre alt. Natürliche Größe. Nach Haselhoff und Lindau.

zur Folge und muß weiter auch das Wachstum der Zellen im Innern des Stammes
beeinträchtigen. Das Zuriickgehen des Zuwachses macht sich dann in einer Ver-
schmälerung der Jahresringe bezw. in einer Verminderung des Durchmessers geltend.
Diese Erscheinung, auf die zuerst C. Reuß aufmerksam gemacht hat, macht sich
am deutlichsten bei den Nadelhölzern bemerkbar, weniger bei den Laubhölzern, weil
bei diesen infolge der unbegrenzten Neubildungsfähigkeit der Blätter (vergl. unter
No. 4) die Schädigung eine langsamere als bei den Nadelhölzern ist. Haselhoff
und Lindau führen (1. c. S. 104 u, ff.) eine Reihe solcher Schädigungen auf, von
denen eine, nämlich von einer Fichte, hier mitgeteilt werden möge.
        <pb n="928" />
        ﻿906

Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub.

In Pig. 345, S. 905 stellt A einen Kreisausschnitt vom Hirnschnitt1) eines
rauchbeschädigten, 33-jährigen Fichtenstammes dar, B ein entsprechend großes Stück
von einer gesunden Fichte. Beide Hirnschnitte stammen aus derselben Gegend
(Grevenbrück i. Westf.); Fichte A hat seit 1875 unter dem Einfluß der Rauchgase
einer Schwefelsäurefabrik gestanden, während Fichte B aus einer völlig rauchfreien,
eine Stunde von der Fabrik entfernten Stelle stammte. Die Verschmälerung der
Jahresringe tritt erst deutlich von 1885, also erst 10 Jahre nach Errichtung der
Fabrik hervor; das hat seinen Grund darin, daß der Betrieb der Schwefelsäurefabrik
im Anfänge nur gering war und erst allmählich vergrößert wurde. Der kranke
Stamm A hat trotz des um 7 Jahre höheren Alters einen beträchtlich geringeren
Durchmesser als B. Der schmale Jahresring 11 bei A und ebenso Jahresring 19
bei B müssen wohl auf andere Ursachen (Trockenheit oder Raupenfraß) in dem be-
treffenden Jahr zurückgeführt werden. Von dem 20. Jahresringe an (1885) tritt
aber bei A eine erhebliche und beständige Verschmälerung der Jahresringe ein.

C. Reuß unterscheidet zwischen chronischen, d. h. dauernden, und akuten,
d. h. einzelnen heftigen aber vorübergehenden Rauchbeschädigungen; nur bei
ersteren kann eine anhaltende Verschmälerung der Jahresringe eintreten, während
akute Raucheinwirkungen nur einjährige Pflanzen, selten Bäume dauernd schädigen
können.

Wenn Rauchbeschädigungen einerseits, Insektenfraß oder Pilzwuche-
rungen andererseits gleichzeitig auftreten, so wird vielfach die Frage zu beant-
worten sein, ob Insektenfraß und Pilzwucherungen die Folge der Rauchwirkungen,
bezw. in welchem Umfange sie an der Schädigung beteiligt sind? Diese Fragen sind
nach bisherigen Erfahrungen schwer zu beantworten. Von einigen Seiten wird geltend
gemacht — und diese Ansicht hat etwas für sich—, daß schwächliche oder kranke Bäume
bezw. Pflanzen eher von Insekten und Pilzen befallen werden, bezw. denselben
weniger Widerstand zu leisten imstande sind, als gesunde, kräftige Pflanzen und
Bäume, daß Insekten und Pilze in rauchbeschädigten Wäldern überhaupt keinen
Schaden mehr anrichten können. Von anderer Seite* 2) wird dann aber den Insekten
und Pilzen die Hauptschuld an der Schädigung zugeschrieben. Wenn Insektenfraß
und Pilzwucherung nur vorübergehend in einem oder einigen Jahren auftreten, die
Raucheinwirkungen aber anhalten, dann wird man durch Vergleichung der Ver-
schmälerung der Jahresringe oder der Erscheinungen an Blättern und Nadeln in
den einzelnen Jahren annähernd feststellen können, ob und welchen Anteil Insekten-
fraß und Pilzwucherung an der Schädigung haben. Bei fortgesetzter Einwirkung
beider Schädigungsursachen wird man die Frage überhaupt nicht genau beantworten
können; ohne Zweifel ist aber der RaucheinWirkung stets ein Teil der Schädigung
mit zuzuschreiben.

4.	Der verschiedene Grad der Erkrankung der einzelnen Bauingattungen und
Feldfrüchte. Die einzelnen Baumgattungen und Feldfrüchte sind sehr verschieden
empfindlich bezw. widerstandsfähig gegen saure Rauchgase. Manche empfindliche
Sorten zeigen schon bei einer geringgradigen Einwirkung eine deutlich wahrnehmbare
äußere Erkrankung; andere, weniger empfindliche Sorten dagegen können erhebliche

*) Zur Gewinnung solcher Ausschnitte bedient man sich zweckmäßig des von Preßler
eingerichteten Zuwachsbohrers, dessen Handhabung im „Leitfaden für Holzmeßkunde“
von Schappach beschrieben ist. Wenn die Schnitte geglättet oder poliert werden, lassen
sich die Jahresringe deutlich sehen und messen.

2) Ein befremdendes Aufsehen erregte nach dieser Richtung seinerzeit die Schrift
von B. Borggreve, Waldschäden im obersohlesischen Industriebezirk 1895.
        <pb n="929" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.

907

Mengen des schädlichen Stoffes in sich aufgenommeu haben, ohne daß sie äußerlich
die schädliche Einwirkung erkennen lassen.

Im allgemeinen wird die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen beeinflußt durch
die der betreffenden Pflanze mehr oder weniger zusagende Bodenbeschaffenheit und
die klimatischen Verhältnisse derart, daß diejenigen Pflanzen die größte Widerstands-
fähigkeit zeigen, welche unter normalen Verhältnissen für den betreffenden Boden
und das betreffende Klima am besten passen.

Auf Grund vieler Beobachtungen und Ermittelungen stellen v. Schröder und
Eeuß in ihrem genannten Werke, und zwar für das Harzgebirge folgende Reihenfolge
der Widerstandsfähigkeit der Waldbäume (von oben nach unten abnehmend) auf:

1.	Spitzahorn, Acer platanoides,

2.	Eiche, Quercus-Arten

3.	Berg- und Feld-Ahorn, Acer pseudopla-
tanus campestris,

4.	Balsam- und Schwarzpappel, Populus bal-
samifera nigra,

6. Aspe, Populus tremula,

6.	Ulme, Ulma effusa,

7.	Esche, Fraxinus excelsior,

8.	Weiß- und Sahlweide, Salix alba und
S. caprea,

10.	- Kastanie, Aesculus hippocastanum,

11.	Apfelbaum, Pirus malus,

12.	Winterlinde, Tilia parvifolia,

13.	Eberesche, Sorbus aucuparia,

14.	Boterle, Ainus glutinosa,

15.	Birke, Betula alba,

16.	Sommerlinde, Tilia grandifolia,

17.	Hainbuche, Carpinus betulus,

18.	Rotbuche, Fagus silvatica,

19.	Vogelkirsche, Prunus avium,

20.	Kiefer, Pinus silvestris,

21.	Fichte, Abies excelsa.

9.	Akazie, Robinia pseudoacacia,

Die Eiche ist, wie viele Untersuchungen gezeigt haben, das widerstandsfähigste
Laubholz; sie geht am nächsten an die Rauchquelle heran, während Birken, Buchen,
besonders aber die Nadelholzarten sich als sehr empfindlich gegen Hüttenrauch er-
wiesen haben.

Zwar werden die Nadeln der letzteren nicht so leicht vom Rauch beschädigt
als die Blätter der Laubbäume; sie haben dafür aber nur eine beschränkte Neu-
bildungsfähigkeit, während die Blätter der Laubbäume eine ungleich geringere
Widerstandsfähigkeit, aber dafür eine fast unbegrenzte Neubildungsfähigkeit besitzen.
Wenn bei den Nadelhölzern ein junger Trieb abgestorben ist, so wird in derselben
Wachstumszeit durchweg kein neuer gebildet, und so kommt es, daß die Nadel-
hölzer in Fällen von Eauchheschädigungen trotz der geringeren Empfindlichkeit der
Nadeln in Beständen eher abzusterben pflegen als Laubhölzer.

Zu den empfindlichsten Bäumen sind auch die Obstbäume zu rechnen, und
zwar sind es hier die Pflaumen und Kirschen, welche weniger Rauch vertragen und
schneller leiden als Äpfel und Birnen.

Selbstverständlich leiden die einzelnen Individuen einer und derselben Baumart
nicht gleich stark. Wie unter den Menschen und Tieren z. B. das besser ernährte
Individuum eine Krankheit abwendet oder übersteht, so widersteht auch das kräftig
ernährte Individuum eines Baumes in üppigem Wachstum dem Anprall der schäd-
lichen Dämpfe ohne Zweifel eher als ein an sich schwächliches Individuum.

So kann es kommen, daß z. B. der eine Apfelbaum bereits abgestorben ist,
während ein anderer noch mäßiges Wachstum und einen Fruchtansatz zeigt.

Unter den landwirtschaftlichen Feld- und Gartenfrüchten sind Kartoffeln
und Hackfrüchte am widerstandsfähigsten, dann folgen die Halmfrüchte, von denen
das Wintergetreide am meisten aushält; am empfindlichsten sind Klee, Futtergewächse
und Gräser im Jugendzustande.

Wir hatten Gelegenheit, Untersuchungen von durch Hüttenrauch geschädigten
Feld- und Gartenfrüchten auszuführen, welche zeigen, wie verschieden die Größe
        <pb n="930" />
        ﻿908	Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub.

der Aufnahme von Schwefelsäure1) durch dieselben unter sonst gleichen Verhältnissen
sein kann.

Es wurden in 1000 Teilen sand- und wasserfreier Blattsubstanz nachstehende
Mengen Schwefelsäure (SOs) gefunden:

Pflanzen:	gesund	krank	Differenz zwischen gesund u. krank
Bohnen 		6,119	6,561	0,442
Buchweizen		5,176	5,880	0,705
Gras		7,105	8.336	1,231
Roggen		3,684	5,610	1,926
Weizen		2,179	4,412	2,233
Kohl		27,29	30.843	3,553
Hafer		2,926	6,788	3,862
Kartoffeln		13,00	17,500	4,500

Im übrigen muß nochmals betont werden, daß die vorstehende Empfindlich-
keitsskala nur einen relativen Wert hat, d. h. daß sie nur da mit einer gewissen
Regelmäßigkeit auftritt, wo die Gewächse unter den ihnen günstigen Bedingungen
wachsen. Sind diese Bedingungen je nach Bodenart, Düngung, Witterung usw. für
die einzelnen Arten ungünstige, so kommen auch vielfach Abweichungen von vor-
stehenden Regeln vor.

Stehen aber die Gewächse unter den gleichen und günstigen Verhältnissen,
dann ist die vorstehende Empfindlichkeitsskala insofern für die praktische Begut-
achtung von Bedeutung, als darnach im allgemeinen die einzelnen Bäume und
Pflanzengattungen erkrankt sein müssen. Wenn in einer Waldparzelle unter sonst
gleichen Verhältnissen die Eichen oder Buchen mehr erkrankt und abgestorben sind
als die Nadelhölzer, oder desgleichen in einem Obsthof die Äpfelbäume mehr als die
Pflaumenbäume, so ist entweder eine Rauchbeschädigung durch saure Dämpfe aus-
geschlossen oder es sind neben dieser noch andere Ursachen der Erkrankung
vorhanden.

Die durch schweflige Säure, Schwefelsäure oder Salzsäure oder Metallsulfate
bewirkten braunen Ränderungen und Flecken der Blätter bezw. Nadeln sehen sich
äußerlich mehr oder weniger gleich, d. h. man kann aus den äußeren Erscheinungen
nicht schließen, ob eine Beschädigung durch Salzsäure oder Schwefelsäure bezw.
schweflige Säure vorliegt (vergl. S. 898).

5.	Grad der Erkrankung je nach der Entfernung von der Kauchquelle. i,er
Grad der Erkrankung der Gewächse muß, wie schon unter 2, S. 896 geltend ge-
macht ist, da am stärksten sein, wo sich die Rauchgase am meisten und im kon-
zentriertesten Zustande niederschlagen. Mitunter kommt es vor, daß bei Bäumen,
die durch einen Vorbau (z. B. ein Haus usw.) zum Teil vor den sauren Rauchgasen
geschützt sind, entweder nur der obere oder seitliche Teil, der von den Rauchgasen
regelmäßig berührt wird, beschädigt ist, während der übrige Teil grün und nicht
beschädigt erscheint. In gebirgigen Gegenden macht sich die schädliche Einwirkung
nicht selten nur in einer gewissen Höhenlage, die vorwiegend und regelmäßig den
Rauchgasen ausgesetzt ist, geltend, während die unteren und höheren Lagen keine
Beschädigungen zeigen. Im übrigen tritt die Beschädigung naturgemäß in der
Nähe der Rauchquelle stärker hervor, als weiter entfernt. Häufig beobachtet man

9 Bei Garten- und Eeldgewächsen ist der Gehalt an Schwefelsäure allerdings auch
sehr von der Art der Düngung abhängig.
        <pb n="931" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.	909

drei oder mehr Zonen um die Eauchquelle herum. In der ersten ist alles abge-
storben, in der zweiten weiteren Entfernung zeigen die Bäume schon vielfach
trockne Kronen und Äste, während die Blätter und Nadeln die äußeren Krank-
heitserscheinungen deutlich hervortreten lassen; in der dritten Zone fangen nur
letztere Erscheinungen an, an Blättern und Nadeln sich eben bemerkbar zu machen.

In nächster Nähe der Eauchquelle machen Schwefelsäure und lösliche Metall-
sulfate, wenn solche vorhanden sind, sioli am stärksten geltend, weil sie als die
spezifisch schwersten Bestandteile der Eauchgase sicli am ersten niederschlagen.

Mit der größeren Entfernung von der Eauchquelle muß dann auch der Gehalt
der Gewächse an dem schädigenden Bestandteil abnehmen. Dieses pflegt auch
durchweg der Fall zu sein; so fanden wir z. B. bei einer durch Eauchgase einer
Zinkblende-Eösthütte verursachten Beschädigung in derselben Richtung von letzterer
für 1000 Teile sandfreie Pflanzentrockensubstanz an Schwefelsäure (S08) in einer
Entfernung von:

		2 km		4 km	6 km	von der Fabrik
	Eiche	Weimutskiefer	Eiche	Weimutskiefer	Eiche	Weimutskiefer
Blätter . . .	8,26	6,98	5,60	5,46	4,92	3,89
Junge Zweige	2,85	2,42	2,44	2,48	2,48	1,94

Auch dieser Grad der Erkrankung und der verschiedene Gehalt an dem
schädigenden Bestandteil je nach der Entfernung von der Eauchquelle kann als
Anhaltspunkt mit dienen zur Entscheidung der Frage, ob vorwiegend oder nur eine
Eauchbeschädigung vorliegt oder nicht. Denn wenn die Beschädigung durch andere
Ursachen bewirkt worden ist, muß der Gehalt an dem vermuteten schädigenden
Bestandteil in einer geringeren oder größeren Entfernung von der schädigenden
Quelle mehr oder weniger gleich sein. II.

II. Probenahme.

Nachdem man sich über alle vorstehenden Punkte Rechenschaft gegeben hat,
schreitet man zur Probenahme der Gegenstände für die botanische und chemische
Untersuchung.

An solchen Orten, an denen die Blätter die oben beschriebenen Erscheinungen
zeigen, die auf eine Erkrankung durch äußere Einflüsse schließen lassen, hezw. an
denen Pflanzen oder Bäume durch Eauchgase beschädigt sein sollen, entnimmt man
von jeder Art der in Frage kommenden Pflanzen, und zwar von verschiedenen
Stellen diejenigen Blätter nebst den fleischigen Blattstielen, welche vorwiegend jene
vorher beschriebenen Merkmale tragen, und zwar so viel, daß das Gewicht derselben
etwa 1/2—1 kg beträgt.

Kennzeichnend für die Eauchbeschädigungen ist es meistens, daß beim Abbrechen
der Blätter und Zweige die Hände stark geschwärzt, dagegen bei gesunden Bäumen und
Pflanzen nur schmutziggrün werden.

Von Bäumen nehme man die Proben möglichst aus der Krone und von den
Spitzen der Zweige, von Feldfrüchten ganze Pflanzen, jede Art für sich, von
mehreren Stellen der fraglichen Grundstücke.

Dabei ist besonders zu achten auf Art, äußere Gestalt und Färbung
der Flecken, etwaigen Insektenfraß (hezw. Insektenreste) und Pilzwuche-
rungen bezw. Fruktifikationen. Um die Blätter bezw. Nadeln, Zweige usw. hier-
auf im Laboratorium noch besonders mikroskopisch zu prüfen, wird ein Teil der
entnommenen Proben in eine Blechkapsel gefüllt oder zwischen Papier eingelegt,
ein anderer Teil wird zweckmäßig in bis zu einem Drittel mit Wasser verdünnten
Alkohol gesteckt, während die für die chemische Untersuchung bestimmten Proben
iu reine, dichte Säckchen gefüllt werden können.
        <pb n="932" />
        ﻿910

Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub.

Man entnimmt die ersten Proben in der Nähe der schädigenden Eauchquelle,
weitere in der 2. oder 3. Zone in größerer Entfernung von derselben, bezw. von
den Grundstücken, für welche die Säurebeschädigung in Betracht kommt, verfolgt
dann die Vegetation in derselben Eichtung von der Fabrik, bis man an Stellen
kommt, wo äußere Krankheitserscheinungen gar nicht mehr zu bemerken sind,
sondern ein gesundes, kräftiges Wachstum vorhanden ist.

Hier entnimmt man von ganz denselben gleichalterigen Baumarten, Feld-
oder Gartenfrüchten, welche an den fraglichen Stellen als beschädigt angesehen
worden sind, gesunde Gegenproben, indem man jedesmal die Zeit der Probe-
nahme, den Standort, die Lage zu und die Entfernung von der Eauch-
quelle, hauptsächlichste Windrichtung, Witterungsverhältnisse, Alter und
Entwickelungszustand der Pflanzen usw. niederschreibt.

Die gesunden Gegenproben müssen von denselben Arten auf tunlichst der-
selben Bodenart entnommen werden. Weil dieses aber nicht immer angeht und
häufig der Binwand gemacht wird, daß der erhöhte Gehalt an Säure (Schwefel- oder
Salzsäure) von einem Mehrgehalt des Bodens herrühren könnte, so empfiehlt es sich,
stets an den Stellen, wo die Pflanzen- hezw. Blattproben entnommen werden, auch
Bodenproben zu entnehmen, und zwar von Ober- und Untergrund, von letzterem
jedesmal bis zur Tiefe der Wurzeln, also auf Wald- und Obstbauraparzellen bis zu
1 m Tiefe (vergl. S. 4). Die Entnahme der Bodenproben hat, wie noch ausdrück-
lich hervorgehoben werden muß, nicht den Zweck, um etwa aus der Bestimmung
der Schwefelsäure oder des Chlors usw. des Bodens der beschädigten Fläche etwa die Ein-
wirkung der sauren Eauchgase herleiten zu wollen. Denn eine Erhöhung des
Gehaltes des Bodens an der betreffenden Säure aus den Eauchgasen
läßt sich wohl selten oder kaum jemals nachweisen. Die Probeentnahme
und Untersuchung des Bodens auf den schädigenden Bestandteil hat vielmehr ledig-
lich den Zweck, festzustellen, wie sich der Gehalt hieran in dem Boden von
geschädigten und gesunden Flächen verhält. Der Boden wird zweckmäßig in Holz-
kistchen oder auch sehr dichten Säckchen verpackt.

Bei Feld- und Gartengewächsen ist dazu auch die Art und Menge der vor-
hergegangenen Düngung zu vermerken.

Die so entnommenen Proben werden im Laboratorium in üblicher Weise für
die Untersuchung vorbereitet; man läßt sie in einem säurefreien Eaum an der Luft
abtrocknen, verfährt mit dem Boden nach S. 6 und ff., während die Blatt- und
Pflanzenproben bei 50—60° vorgetrocknet und mittels einer Schrotmühle ge-
pulvert werden (vergl. S. 254).

III.	Chemische Untersuchung der entnommenen Pflanzenteile.

1.	Bel Beschädigung durch Schwefelsäure und schweflige Säure. Unter den
Säuren, welche eine Beschädigung der Vegetation hervorrufen, nehmen die schweflige
Säure und Schwefelsäure den größten Umfang ein; denn sie finden sich nicht nur
in den Eöstgasen von Schwefel und Schwefelmetallen, sondern in jedem Steinkohlen-
und Braunkohlenrauch, Auch in Kokereien, Superphosphat-, Ultramarin-, Soda-,
Sulfitzellulose-Fabriken, Glashütten, Ziegeleien und Schlackenhalden usw. treten
häufig größere Mengen dieser Säuren auf. Da die Säuren nach den Versuchen
von Stöckhardt und von Schröder in die Blätter eindringen, bezw. von diesen
aufgenommen werden, so müssen die solcherweise beschädigten Blätter
bezw. Pflanzen einen erhöhten Gehalt an Schwefelsäure aufweisen.
        <pb n="933" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.

911

In den meisten Fällen genügt es:

a)	Die Gesamtmenge des Schwefels zu bestimmen. Für den Zweck
werden 10 g der lufttrocknen, feinpulverigen Substanz mit 50 ccm einer Sodalösung,
welche 50 g reines wasserfreies Natriumkarbonat in 1 1 enthält, in einer Platin-
schale gut gemischt, zur Trockne verdampft und über einer Spiritusflamme1) verkohlt.

Die verkohlte Masse wird nach S. 194 mit Wasser ausgelaugt, die ausgelaugte
Kohle vollständig verbrannt,2) Lösung + Asche mit so viel schwefelsäurefreier
Kaliumpermanganatlösung8) vermischt, daß die Flüssigkeit dauernd gefärbt
bleibt, um das gebildete Schwefelnatrium in Sulfat überzuftthren, dann unter
Zusatz von Salzsäure im Wasserbade zur Trockne verdampft, um die Kieselsäure
abzuscheiden, der Rückstand mit salzsäurehaltigem Wasser aufgenommen, filtriert
und im Filtrat die Schwefelsäure mittels Chlorbaryums gefällt, indem man den er-
haltenen Niederschlag wie üblich durch Auskochen mit Salzsäure reinigt.

Der nach Aufnehmen der Asche mit Salzsäure auf dem Filter verbleibende
Rückstand dient zur Bestimmung des Sandes, indem man ihn mit einer mäßig
konzentrierten Lösung von Soda und Ätznatron auskocht, filtriert und einäschert.

Die Menge der vorhandenen Schwefelsäure wird auf sand- und wasserfreie
Substanz sowie auf Prozente der Äsche umgerechnet.

Diese wie die anderen Untersuchungen werden stets ganz gleichmäßig
bei kranken wie gesunden Gegenproben ausgeführt.

b)	Bestimmung der in Wasser löslichen Schwefelsäure, bezw. des
anhängenden Flugstaubes. Bei Begutachtungen von Rauohschäden wird nicht
selten eingewendet, daß die Bestimmung der Schwefelsäure nach vorstehendem
Verfahren unzulässig sei, weil dieselbe nicht bloß die fertig gebildete Schwefelsäure,
auf welche es hier allein ankomme, einschließe, sondern auch den an Eiweiß oder
Metallen gebundenen Schwefel. Wenngleich bis jetzt nicht erwiesen ist, daß die durch
die Blätter aufgenommene schweflige Säure oder Schwefelsäure als solche längere
Zeit bestehen bleiben und die letztere nicht ebenso wie die durch die Wurzeln auf-
genommene Schwefelsäure zu organischen Verbindungen reduziert wird, so empfiehlt
es sich doch, unter Umständen auch eine Bestimmung der in Wasser löslichen
Schwefelsäure vorzunehmen und damit eine Bestimmung der löslichen und unlös-
lichen Metalle zu verbinden. Man erfährt auf diese Weise auch, ob neben den
Säuren lösliche Metallsulfate bezw. Metallohloride und weiter Flugstaub eingewirkt
haben. Denn fast stets kommt neben den Rauchgasen auch Flugstaub in Betracht.
Behufs Nachweises dieser Bestandteile werden 25—50 g der feingepulverten Substanz
nach S. 224 zuerst mit Wasser gekocht und ausgewaschen und die wässerige
Lösung in zwei Teile geteilt; die eine Hälfte verdampft man unter Zusatz von
kohlensaurem Natrium bis zur deutlich alkalischen Reaktion zur Trockne, äschert
ein und verfährt wie unter a zur Bestimmung der Gesamt-Schwefelsäure.

9 Da Leuchtgas häufig nicht unwesentliche Mengen Schwefelverbindungen enthält,
die möglicherweise als Verbrennungserzeugnisse (schweflige und Schwefelsäure) in den
Sohaleninhalt gelangen können, wird die Veraschung zweckmäßig über einer Spiritusflamme
aus reinem, nicht denaturiertem Spiritus vorgenommen.

2)	H. Wislicenus u. a. haben vorgesohlagen, die verkohlte Masse mit Wasser-
stoffsuperoxyd zu durchfeuchten, auf dem Wasserbade einzutrocknen und dann weiter
zu verbrennen. Das Verfahren ist empfehlenswert, jedoch ist vor allem zu berücksichtigen,
daß das gewöhnlich im Handel vorkommende Wasserstoffsuperoxyd häufig sehr unrein ist
(Chloride, Sulfate enthält), das chemisch reine Wasserstoffsuperoxyd, das nur angewendet
werden kann, aber sehr teuer ist.

3)	Vergl. Schmitz-Dumont, Tharandter forstw. Jahrbücher 1896, 1. Beim Ein-
äschern unter Zusatz von Natriumkarbonat bilden sich wechselnde Mengen von Schwefelnatrium.
        <pb n="934" />
        ﻿912

Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub.

Die andere Hälfte wird für sich oder unter Zusatz von etwas Salpeter ein-
gedampft und eingeäschert, um in der Asche die löslichen Metallverbindungen
(Blei, Kupfer, Zink usw.) wie üblich (vergl. S. 203) zu bestimmen.

Den Rückstand von der Behandlung mit Wasser durchfeuchtet man mit
einer Lösung von kohlensaurem Natrium wie unter a, trocknet, verascht, verdampft
die Asche mit Salzsäure zur Trockne, nimmt mit Salzsäure auf, teilt die Lösung
in 2 Teile und bestimmt wie vorhin in der einen Hälfte die Schwefelsäure, in der
anderen die Metalle.

Man erfährt auf diese Weise die Menge des unlöslichen Schwefels und der
unlöslichen Metalle, welche in Form von Oxyden oder Schwefelverbindungen einen
Anhaltspunkt für die Menge des vorhandenen Flugstaubes geben. Letztere geht
durchweg mit der vorhandenen Schwefelsäure parallel.

Auch hat es nach verschiedenen vergleichenden Bestimmungen keinen Einfluß
auf die Schlußfolgerungen, ob man nur die in Wasser lösliche Schwefelsäure bezw.
Schwefelverbindungen oder den Gesamt-Schwefel zugrunde legt; denn die Beziehungen
im Gehalt zwischen „krank“ und „gesund“ bleiben dieselben. So fand Verfasser
an Schwefelsäure für die sandfreie Trockensubstanz der Blätter bezw. Nadeln:

:e	Birnbaum		Pflaumenbaum	
gesund	krank	gesund	krank	gesund
0/  0	0/  0	01 / 0	0/  / 0	0/  / o
0,501	0,404	0,300	0,523	0,420
0,282	0,389	0,149	0,507	0,223

krank
01
Io

1.	Durch Einäschern mit Soda . 0,696

2.	Durch Ausziehen mit Wasser 0,664

Hier stellt sich sogar das Verhältnis der in Wasser löslichen Schwefelsäure
zwischen krank und gesund als ein weiteres heraus wie bei der Gesamt-Schwefel-
säure, was darauf hinzudeuten scheint, daß durch die Einwirkung der Säure-Dämpfe
der Lebensvorgang in den Blättern bezw. Nadeln gestört wurde, infolgedessen nicht
soviel Schwefelsäure zu unlöslichen organischen Verbindungen umgewandelt worden ist,
als bei den gesunden Bäumen.

A. Wieler (1. c. S. 376) hält auch die Bestimmung der schwefligen Säure
in den Blättern und Nadeln, wenigstens von in der Nähe der schädigenden Fabrik
wachsenden Bäumen und Pflanzen, durch das Destillationsverfahren für wichtig.
In weiter Entfernung von der Eauchquelle konnte er aber in den beschädigten
Blättern nicht mehr schweflige Säure nachweisen als in gesunden Blättern.

c)	Bestimmung der Asche und der Kohlensäure derselben. Das
Eindringen der Säuren von außen in die Blätter bezw. Nadeln hat häufig ein
Naohwandern von Basen aus dem Innern in letztere zur Folge, wodurch einerseits
der Aschengehalt in den erkrankten Blättern bezw. Nadeln erhöht, andererseits der
Kohlensäuregehalt der Asche unter Umständen vermindert werden kann.

Verfasser fand z. B. bei einer gleichzeitig durch schweflige Säure bezw.
Schwefelsäure und durch Salzsäure aus einer chemischen Fabrik verursachten Be-
schädigung unter anderen für die sandfreie Trockensubstanz der Blätter:

1.	Weinstock, krank

„ gesund

2.	Weiden, krank .

„ gesund .

3.	Salatbohnen, krank

„	gesund

Gesamtasche			Kohlensäure in d. Asche von 100 g Trocken- substanz	Kohlensäure
(kohle- und saudfrei)	Schwefelsäure	Chlor		in Prozenten der Asche
0/  Io	°/	01	0/	0/  Io
	Io	Io	Io	
. 11,73	1.075	0,827	0,818	6,97
.	9,34	0,477	0,192-	1,304	13,97
. 10,17	2,202	0,998	0,364	3,58
.	8,89	1,303	0,446	1,271	14,30
.	17,07	0,939	1,567	0,612	■ 3,58
. 13,76	0,336	0,658	1,339	9,66
        <pb n="935" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.

913

Es kann daher unter Umständen die Bestimmung der Gesamtasche und
der Kohlensäure in letzterer mit als Anhaltspunkt dienen, ob eine Säureheschädigung
vorliegt.

Für die Bestimmung der Asche verfährt man nach S. 194. Man äschert 10g
der feingepulverten Substanz ein und erhitzt so lange, bis die Asche weiß gebrannt
ist. Alsdann wird die Asche mit kohlensaurem Ammon durchfeuchtet, zur Trockne
verdampft, der Rückstand gelinde erwärmt, bis alles kohlensaure Ammon verjagt
ist, nach dem Erkalten gewogen und in der Asche in irgend einem Kohlensäure-
Bestimmungsapparat entweder indirekt aus dem Gewichtsverlust oder auch direkt
durch Auffangen in Kalilauge (S. 15, 4 /S) die Kohlensäure bestimmt.

Die salzsaure Flüssigkeit dient dann nach S. 200 weiter zur Bestimmung des
Sandes (und nötigenfalls der Kohle).

Es trifft aber nicht immer zu, daß die solcherweise durch Säuren be-
schädigten Blätter bezw. Nadeln mehr Asche und weniger Kohlensäure in letzterer
enthalten1); man kann daher im Falle des Nichtzutreffens nicht schließen, daß
keine Säure- bezw. Rauchbeschädigung stattgefunden hat. Wenn nämlich die Be-
schädigung schon tief eingegriffen hat und das Wachstum des Baumes bezw. der
Pflanze längere Zeit stark gestört worden ist, so wird die Pflanze nicht mehr im-
stande sein, das Mißverhältnis zwischen Basen und Säuren in den Blättern bezw.
Nadeln auszugleichen.

Man kann auch einwenden, daß die erhöhte Menge Asche und Schwefelsäure
durch eine Mehraufnahme von Alkali- und Erdalkalisulfaten bedingt worden ist.

Es wird aber bei wirklichen Säurebeschädigungen sich immer herausstellen,
daß der Mehrgehalt an Schwefelsäure gegenüber „gesunden“ Pflanzen auch in
Prozenten der Asche bestehen bleibt.

d)	Botanisch-mikroskopische Untersuchung. Dieselbe kann die che-
mische Untersuchung unterstützen und hat den Vorzug, daß sie sich verhältnismäßig
schnell ausführen läßt. Nach Haselhoff und Lindau (1. c. S. 391) soll man einen
Querschnitt durch die Flecken der in Alkohol aufbewahrten (oder halbtrocknen)
Blätter bezw. Nadelspitzen machen und daran leicht beobachten können, wie sich die
Inhaltsstoffe der Zellen verändert haben. Man muß dabei in erster Linie auf die
Chlorophyllkörner und ihre Auflösungserzeugnisse, sowie auf die braunen Massen
des Gerbstoffes in den Zellen achten (vergl. S. 898). Der Nachweis der letzteren
ist durch Eisensalze, Kaliumbichromat oder Chloralhydrat leicht zu führen. Nur
selten — etwa bei Niederschlägen in den Epidermiszellen — wird es notwendig
sein, auch Flächenschnitte mit heranzuziehen. Auf alle Fälle müssen Schnitte von
Blättern bezw. Nadeln von wirklich gesunden Bäumen bezw. Pflanzen in gleichem
Entwickelungszustande zum Vergleich herangezogen werden und werden gleichzeitig
angefertigte Zeichnungen die Verhältnisse am deutlichsten zur Anschauung bringen.

A. Wieler (1. c. S. 81) gibt an, daß sich alle Membranen des Mesophylls mit
Methylenblaulösung bei gesunden wie bei den durch schweflige Säure geschädigten
Laubholzblättern blau färben, bei letzteren aber viel langsamer, und dann einen
grünlichen Ton annehmen. Wenn die gefärbten Präparate mit Glyzerin gewaschen
werden, so werden die Membranen der lebenden Mesophyllzellen wieder farblos,
während in den getöteten Zellen der grüne Farbenton der Membranen, ebenso wie
in den verholzten Membranen der Gefäßbündel, erhalten bleibt.

Die schädliche Wirkung der schwefligen Säure beginnt bei einer dauernden
Einwirkung mit 1/i0ooooo schwefliger Säure in der Luft; bei einer Verdünnung von

B Vergl. E. Fricke, Landw. Versuchs-Stationen 1887, 34, 277.

Landwirtschaftliclie Stoffe, 3. Auflage.

58
        <pb n="936" />
        ﻿914

Beschädigungen der Vegetation durch Rauch und Staub.

1:1500000 bis 1:1750000 soll sie nach A. Wieler aufhören. Über den Nach-
weis derselben in der Luft vergl. weiter unten.

2.	Bei Beschädigung durch Salzsäure hezw. Chlor. Salzsäure und Chlor treten
vorwiegend bei der Herstellung von Natriumsulfat für die Sodabereitung und bei
der Chlorkalkfabrikation auf; aber auch aus Glas- und Düngefabriken, bei der Ver-
hüttung von Nickel- und Kobalterzen usw. entweichen Salzsäuredämpfe.

Bei Beschädigung der Vegetation durch Salzsäure bestimmt man das Chlor,
indem man 10 g lufttrockne, feingepulverte Substanz wie vorstehend nach S. 901 1 a
mit 50 ccm einer 5 °/0-igen Lösung von Natriumkarbonat versetzt, wie dort ein-
äschert, aber die Asche mit salpetersäurehaltigem Wasser aufnimmt und im Filtrat
das Chlor wie üblich mit Silbernitrat fällt.

Da die hier in Betracht kommenden Chlorverbindungen — auch die Metall-
Chloride mit Ausnahme etwa von Chlorblei — in Wasser löslich sind, so kann man
bei Salzsäurebeschädigungen ganz von der Bestimmung des Chlors in der wässerigen
Lösung absehen.

Wie eine Beschädigung durch Salzsäure, so ist auch diejenige durch freies
Chlor, welches bei der Chlorkalkfabrikation entweichen kann, nachzuweisen. Im
freien Zustande wirkt das Chlor durch Zerstörung des Chlorophylls stärker schädlich
als Salzsäure, es geht aber durch den Wasserdampf der Luft bald in letztere über
und wirkt dann wie diese.

Bei Salzsäurebeschädigungen in der Nähe von Salinen oder von der See kann
geltend gemacht werden, daß der erhöhte Gehalt an Chlor in den Gewächsen auch
durch Verwehen von kochsalzhaltigem Wasser bedingt sein kann. Dieses muß sich
alsdann durch einen gleichzeitig erhöhten, dem Chlor entsprechenden Gehalt der
Blätter bezw. Nadeln an Natron geltend machen. Man bestimmt für den Zweck
in der Asche —■ selbstverständlich in der ohne Zusatz von Soda dargestellten
Asche — den Gehalt an Natron nach S. 29.

In morphologischer Hinsicht unterscheidet sich eine Beschädigung von
Salzsäure- und chlorhaltigen Rauchgasen nach Haselhoff und Lindau dadurch
von der durch schweflige Säure, daß die Chlorophyllkörner schneller entfärbt werden
und häufiger Gerbstoff auftritt, als bei Einwirkung der schwefligen Säure. Diese
ruft weiter (vergl. S. 897) Flecken hervor, die meistens in den Interkostalfeldern
entstanden sind und sich zentrifugal ausbreiten; die Gegend der Blattrippen wider-
steht am längsten. Bei der Salzsäurewirkung dagegen beginnt das Absterben vom
Rande her, so daß Blattränderungen entstehen.

Die Schädlichkeitsmengen betragen 1/10000 Salzsäure und 1/60000 Chlor in
der Luft. Trockenheit verringert, wie bei allen Rauchgaswirkungen, die Schäd-
lichkeitsgrenze.

3.	Untersuchung auf Arsen. Wenn in den Rauchgasen auch flüchtige Arsen-
Verbindungen verkommen oder wenn letztere mit dem Flugstaub auf die Gewächse
aufgetragen sein sollten, so ist auch eine Bestimmung des Arsens von Belang. Man
zieht alsdann 50 oder 100 g der feingepulverten lufttrocknen Substanz mit chemisch
reiner — gleichzeitig wie alle anderen verwendeten Reagenzien — auf Arsen zu
prüfender Salzsäure von 1,10—1,12 spezifischem Gewicht unter Verdünnen mit
AV asser (1 : 3) aus, setzt chlorsaures Kalium zu und verfährt mit dem salzsauren
Auszuge nach S. 178.

4.	Beschädigung durch Stickstoffsäuren. Die Stickstoffsäuren1) (Salpeter-
säure, Untersalpetersäure, salpetrige Säure), welche mitunter bei der Fabrikation von

9 Landw. Jahrbücher 1894, 23, 1031.
        <pb n="937" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.

915

Salpetersäure, Schwefelsäure, Oxalsäure, bei der Auflösung hezw. Beizung von Metallen,
beim Vergolden von Kupfer, Messing usw. in die Luft entweichen, wirken in ähnlicher
Weise auf die Vegetation wie die schweflige Säure und die Salzsäure. Diese Wirkung gibt
sich äußerlich auch hier in dem Auftreten brauner bezw. gelber Flecken und Ränder bezw.
gelber Nadelspitzen zu erkennen. In den Zellen verschwinden nach Haselhoff und Lindau
Chlorophyll- und Stärkekörner spurlos; der übrige Inhalt färbt sich durch sich ausscheidendo
Gerbsäure braun bis fast schwarz, auch die Membranen färben sich häufig durch Humin-
säure gelb bis dunkelbraun. Unter Umständen wird das äußere Krankheitsbild durch einen
höheren Gehalt an Stickstoff und Asche in den beschädigten Blattorganen im Ver-
gleich mit gesunden eine Bestätigung finden können.

Luft mit 1 Teil N204 auf 20000 Teile Luft oder 0,05 g N204 in 1 cbm Luft wirkt
bestimmt schädigend auf Bäume. Die gewöhnliche reine Luft enthält etwa 0,00003 g
Salpetersäure in 1 cbm.

5.	Beschädigung durch Ammoniak. Ammoniak entwickelt sich fortgesetzt bei
allen Fäulnisvorgängen an der Erdoberfläche, in Aborten, Viehställen, aus Tuchfabriken,
die Urin verwenden. Diese Mengen wirken indes kaum jemals schädlich.

In größeren Mengen jedoch kann Ammoniak mitunter infolge von Betriebsstörungen
bei der Ammoniakdestillation ans Gaswasser oder in Ammoniak-Soda-Pabriken usw. auf-
treten; man hat alsdann vereinzelt eine Beschädigung der in der Nähe stehenden, von den
Dämpfen bestrichenen Bäume usw. beobachtet.

Derartige Beschädigungen durch die chemische Untersuchung nachzuweisen, ist bis
jetzt nicht unternommen bezw. gelungen, denn die Einwirkungen finden meistens nur vor-
übergehend statt, so daß etwa ein erhöhter Gehalt an Stickstoff in den Blättern hezw.
Nadeln nicht wohl anzunehmen ist.

Nach einigen hiesigen Versuchen1) wirkt Ammoniak in der Luft in der Weise auf
die Blätter der Bäume, daß die Randungen zunächst anfangeu sich zu bräunen und diese
Bräunung nach und nach das ganze Blatt überzieht; bei starker Einwirkung erscheint
letzteres ganz geschwärzt. Junge Blätter leiden viel eher als ältere. Auch hier erwies
sich, wie gegen saure Rauchgase, die Eiche als am widerstandsfähigsten.

Im Innern des Blattes zeigen die Zellen nach Haselhoff und Lindau durchweg
dieselbe Plasmolyse wie bei den Säurewirkungen; es scheiden sich Öltropfen und Gerbstoffe
aus; da letzterer unregelmäßig in den Zellen abgelagert ist, so erscheinen die Blätter
im durchscheinenden Licht wie schwarz punktiert. Das Ammoniak wirkt erst schädlich
bei einem Gehalte von 60—100 mg in 1 cbm Luft, während für gewöhnlich in der Luft
bis höchstens 0,056 mg Ammoniak in 1 cbm Vorkommen.

6.	Beschädigung durch Flußsäure. In der Nähe von Superphosphat-, Glas-,
Tonwaren-, chemischen Fabriken, Ziegeleien* 2 3) usw., die fluorhaltige Rohstoffe ver-
arbeiten, bezw. Fluorwasserstoffsäure darstellen, pflegt der letzteren ebenso wie den
bereits genannten Mineralsäuren eine pflanzenschädliche Wirkung zugeschrieben zu
werden. In den Fabriken, durch deren Betrieb gasförmige Fluorwasserstoffsäure
entwickelt wird, gibt sich letztere außer durch den scharfen Geruch auch dadurch
zu erkennen, daß die Fensterscheiben in den Fabriken und in der Nachbarschaft
blind (geätzt) sind, bezw. nepe Fensterscheiben in kürzester Zeit blind werden.

Eine Prüfung der Schädlichkeit der Flußsäure für das Pflanzenwachstum an
der hiesigen Versuchs-Station8) ergab die außerordentliche Giftigkeit derselben für
das Wachstum der Pflanzen. Die äußeren Krankheitserscheinungen sind dieselben
wie bei den Beschädigungen durch schweflige Säure und Salzsäure.

9 Vergl. M. Börner, B. Haselhoff und J. König, Landw. Jahrbücher 1892, 21, 421,

2)	Vergl. u. a. Ramann und Wislicenua, Sind Ringofengase den Pflanzen schäd-
lich? Verlag der Tonindustriezeitg., Berlin NW. 5.

3)	Denksohr. d. landw. Versuchs-Station Münster i. W., 1896, 204.

58*
        <pb n="938" />
        ﻿Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub.

916

Dasselbe fand W. Schmitz-Dumont1), der in seinen Versuchen unter einer
geschlossenen Glasglocke 1/10000 Volumen HF1 in der Luft anwendete. Fichten
zeigten schon nach 2-maliger einstündigen Einwirkung alle äußeren Erscheinungen
einer Eaiichgaseinwirkung wie durch schweflige Säure. Eichen und Ahorn erwiesen
sich auch hier als viel widerstandsfähiger. In derselben Weise wirkte eine Ver-
dünnung von 1/aooooo Fluorwasserstoff (HF1) in der Luft bei öfterer und längerer,
nämlich 6—10-maliger Einwirkung während eines Monats.

Die quantitative Bestimmung des Fluors in den durch dasselbe be-
schädigten Pflanzen gehört zu den schwierigsten analytischen Arbeiten. W. Schmitz-
Dumont* 2 3 *) setzt für den Zweck zu 20 g Pflanzentrockensubstanz 5 g Natriumkar-
bonat, durchfeuchtet mit Wasser, trocknet, verascht, zersetzt in der Asche das
überschüssige Natriumkarbonat mit Salzsäure, verdampft wieder vollständig zur
Trockne und behandelt den bei 150° getrockneten ■— völlig wasserfreien ■— Rück-
stand nach S. 163 weiter.

Mg. 316.

Vorrichtungen zur Bestimmung des Fluors.

E. Eamann und Graf zu Leiningen8) halten dieses Verfahren indes bei
kleinen Mengen nicht für geeignet und empfehlen folgendes Verfahren:

Vorbereitungen zur Untersuchung;

a)	Boden und Tone, welche nicht viel organische Substanz enthalten, werden
bei 150 0 getrocknet und sind nach dem Pulvern zur Untersuchung fertig. Bei Gegen-
wart von viel organischer Substanz erhitzt man die Proben vorher in einer Ver-
brennungsröhre unter Durchleiten von Luft und Vorlage von Kalkspatstücken.

b)	Pflanzenproben läßt man lufttrocken werden, durchfeuchtet mit 10°/o-iger
Natriumkarbonatlösung und trocknet bei 125°—150° in einer Platinschale. Man
verascht alsdann bei möglichst niedriger Temperatur, nämlich bei beginnender Rotglut j
nach dem Verkohlen durchfeuchtet man die Masse mit Wasser und einigen Tropfen
Wasserstoffsuperoxyd, verdampft zur Trockne und erhitzt wieder ganz schwach.
Ganz kohlenfrei braucht die Asche nicht zu sein. Man zieht die erhaltene Asche mit

J) Tharandter forstl. Jahrbücher 1896, 46 und 60.

-} Ebenda 1896, 46, 50.

3) Graf zu Leiningen, Die quantitative Bestimmung des Fluors. Inaug.-Disser-

tation, München 1904.
        <pb n="939" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Eauchgase.

917

heißem Wasser gründlich aus und versetzt das Filtrat in der Hitze mit Essigsäure
his zur sauren Reaktion und darauf mit Natriumkarbonat, bis die Flüssigkeit wieder
alkalisch ist. Nunmehr gibt man zu der heißen Flüssigkeit siedendheiße Chlorcaloium-
Lösung, vermeidet aber jeden Überschuß. Der erhaltene Niederschlag wird auf ein
gehärtetes Filter gebracht, mit Wasser ausgewaschen und in eine Platinschale ge-
geben; in dieselbe Schale bringt man sodann die mit Wasser ausgezogene Asche
und trocknet die Schale.

Austreiben des Fluors. (Fig. 3461.) Die auf vorstehende Weise erhaltene
Asche und der mit Chlorcalcium erhaltene Niederschlag werden mit 3—6 g feinst ge-
pulvertem Bergkristall innig vermischt und in der Platinschale S mit der 10-fachen
Menge vom sauren Kaliumsulfat versetzt.

Boden und Ton werden ohne weiteren Zusatz mit dem doppelten Gewicht
sauren Kaliumsulfates versetzt. Man setzt nun den Deckel von Platinblech auf die
Schale und verbindet denselben mit der Waschflasche W. Dieselbe wird gefüllt mit
Kalilauge (1 Teil Kalihydrat: 3 Teilen Wasser). An die Waschflasche schließen sich
zwei U-Röhren, die mit Glasperlen und Kalilauge gefüllt sind; das Ganze wird an
eine Säugpumpe angeschlossen. Die Kalilauge in der Waschflasche ist mit Lackmus
blau gefärbt; sollte der Inhalt sauer werden, so ist die Waschflasche sofort gegen eine
frisch gefüllte auszuwechseln. Zu Beginn erhitzt man die Schale ganz allmählich,
zum Schluß mit voller Flamme. Man läßt, wenn keine Dämpfe mehr übergehen,
erkalten, pulvert den Inhalt der Platinschale in einem Mörser, mischt mit einem
Viertel des Volumens der ganzen Masse mit saurem Kaliumsulfat und wiederholt
das Erhitzen noch einmal. Nun bringt man die Flüssigkeit aus der Waschflasche
und den beiden ü-Röhren in eine geräumige Platinschale, versetzt mit wenig
Wasserstoffsuperoxyd und erhitzt längere Zeit auf dem Dampfbade. Nach dem
Zusatz von Lackmustinktur neutralisiert man mit Salpetersäure, so daß die Flüssigkeit
noch eben alkalisch bleibt. — Diese Operation erfordert die größte Aufmerksamkeit.

Den Abdampfrückstand in der Schale zieht man mit Wasser aus, filtriert und
dampft das Filtrat mit einer Lösung von Zinkoxyd, das ehlorfrei sein muß, und
Ammonkarbonat zur Trockne, filtriert und wiederholt das Verfahren noch einmal.
Das nun erhaltene Filtrat wird mit Natriumkarbonat versetzt, zum Sieden erhitzt
und mit siedender Chlorcalciumlösung gefällt, und zwar nur mit so viel, daß noch
ein Überschuß von Natriumkarbonat vorhanden bleibt. Man erwärmt noch einige
Zeit, filtriert durch ein gehärtetes Filter, wäscht gut aus und spült den Nieder-
schlag in eine Platinschale. Nach dem Trocknen glüht man den Niederschlag ganz
schwach, verdampft mit wenig überschüssiger Essigsäure zur Trockne, nimmt mit
heißem Wasser auf, filtriert und wäscht gründlich mit heißem Wasser nach.

Bestimmung des Fluors. Den so erhaltenen Niederschlag von Fluor-
calcium spült man in den Platintiegel t (Fig. 346II), trocknet und setzt die Platin-
kuppel auf. In den Tubus derselben bringt man das gewogene Ätzröhrchen
(Fig. 346HI); dasselbe ist gefüllt mit Perlen von Borosilikat-Glas, die unten auf einem
Platindrahtnetz ruhen; oben ist das Röhrchen mit einem eingeschliffenen Glasrohre
versehen; hierdurch wird es mit einem Aspirator verbunden, nachdem man zwischen
Aspirator und Röhrchen noch ein Rohr r, gefüllt mit Glasperlen und konzentrierter
Schwefelsäure, eingeschaltet hat. Man saugt nun durch das Knierohr b (Fig. 346II)
konzentrierte, besonders gereinigte Schwefelsäure in den Platintiegel und verbindet
alsdann das Knierohr mit der Waschflasche c, gefüllt mit konzentrierter Schwefel-
säure. Der Platintiegel wird in ein Bad von Paraffin gestellt und das Paraffin
auf 190—200° erhitzt. Man saugt während des Erhitzens einen langsamen Luft-
        <pb n="940" />
        ﻿918	Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub.

ström durch den Apparat und schüttelt den Tiegel öfter um. damit sich die Sub-
stanz gut mit der Schwefelsäure vermischt. Die Zersetzung ist beendet, sobald an
der Einmündungsstelle des Glasrohres in den Aspirator kein saurer Geruch mehr
auftritt. Länger als 24 Stunden wird eine Untersuchung nur selten dauern. Das Ätz-
röhrchen wird sodann auf eine Saugflasche gesetzt, das eingeschliffene Glasrohr ab-
genommen und werden 200 ccm zum Sieden erhitzte 25°/0-ige Kalilauge durch das
Röhrchen gesaugt; hierauf wäscht man mit viel Wasser, etwas Alkohol und Äther
nach, trocknet ll/o Stunden bei 150° und wägt nach dem Erkalten.

1 g Gewichtsverlust entspricht 1,3132 g Fluor. Bei richtigem Gang der
Untersuchung dürfen die obersten Glasperlen nicht angeätzt sein, da sonst ein
Verlust an Fluor zu befürchten wäre.

7.	Beschädigung durch Asphaltdämpfe. Eine Beschädigung der Vegetation
durch Asphaltdämpfe ist früher von H. Alten und W. Jännicke1) und später von
P. Sorauer* 2) beobachtet worden. Dieselbe ist nach letzterem gekennzeichnet durch
eine schwarze Verfärbung des Laubes, wie sie bisher bei keiner anderen Rauch-
heschädigung beobachtet worden ist. Mitten in den Interkostalfeldern — seltener
vom Rande her — treten braune bis schwarze Flecken auf; die Substanz der
Flecken stirbt ab und durchweg verdorrt das ganze Blatt. Äußerst kennzeichnend
ist, daß zuerst die obere Epidermis leidet. Bei plötzlicher starker Einwirkung fallen
die Zellen ohne Inhaltsfärbung völlig zusammen und kleben als Schicht den Palis-
sadenzellen auf; die Oberhaut wird durch die Asphaltdämpfe angeätzt. Bei lang-
sam wirkendem Dampf wird aber auch hier Gerbstoff in den Zellen niederge-
schlagen. Nach Haselhoff und Lindau (1. c. S. 317) hat man daher bei Pflanzen-
beschädigungen durch Asphaltdämpfe in erster Linie sein Augenmerk auf die
gerhstoffreichen Blätter (wie Rosen, Kastanien) zu richten. „Gerbstoffniederschläge
in den Epidermiszellen oder völliger Verfall derselben, Abschilfern der zum Schutze
des bloßliegenden Mesophylls gebildeten Wundkorklagen: das sind die leicht erkenn-
baren und mit keiner anderen Rauschbeschädigung zu verwechselnden botanischen
Symptome der Asphaltvergiftung.“ Durch die chemische Untersuchung läßt sich
diese Beschädigung nicht nachweisen.

Alten und Jännicke3) suchen die Niederschlagung der Gerbsäure in den
Rosenblättern durch die Anwesenheit löslicher Eisensalze in den Asphaltdämpfen
zu erklären. Da aber solche Eisensalze in Asphaltdämpfen nicht vorhanden sind,
so muß die Erscheinung wohl auf einer Ätzwirkung durch die Asphaltdämpfe selbst
beruhen. Es kann aber sein, daß die einzelnen Asphalte sich in etwas verschieden
verhalten, da die zuerst sich entwickelnden Destillationserzeugnisse am schädlichsten
wirken.

8.	Beschädigungen durch sonstige Dämpfe und Gase. Wie Asphalt- wirken
auch Teerdämpfe schädlich auf die Pflanzen. Auch hier ist der Nachweis nur
durch die botanisch-mikroskopische Untersuchung zu führen. Nach Haselhoff und
Lindau (1. c. S. 300) sind „die durch Teerdämpfe beschädigten Blätter vielfach
bräunlich glänzend (wie lackiert), später oft stumpf werdend; sie bekommen dann
braune Flecken, in denen das Gewebe abstirbt. Durch die stattfindende starke
Plasmolyse wird der Turgor der Blätter vernichtet; Blätter und Stengel sinken
schlaff herab. In den Zellen findet häufig eine Auflösung der Chlorophyllkörner
und Entmischung des Plasmas unter Auftreten von gelblichen oder bräunlichen

9 Zeitachr. f. Pflanzenkrankheiten 1891, 156, und 1892, 33.

2)	Ebenda 1897, 10 und 84.

3)	Botanische Zeitung 1891, 49, 195 und 649.
        <pb n="941" />
        ﻿Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.

919

öltropfen statt. Der kontrahierte Zellsaft wird infolge der Ausscheidung von Gerb-
stoff braun bis schwarzbraun gefärbt“. In gleicher Weise wirken nach P. Sorauer1)
die Dämpfe von Holzimprägnieranstalten und nach R. Junger’* 2) solche von
Zaunpfählen, die mit Karbolineum bestrichen sind.

Nicht selten kommt auch eine Beschädigung von Bäumen und Sträuchern
durch Leuchtgas vor, aber nicht von den Blättern, sondern von den Wurzeln aus,
wenn die Leitungsrohre, wie häufig, undicht werden. Eine Beschädigung der ober-
irdischen Teile kann wohl nur bei Zimmerpflanzen auftreten, und dann auch wohl
seltener durch das Leuchtgas selbst als durch die Verbrennungserzeugnisse (vor-
wiegend schweflige Säure und Schwefelsäure). Die durch Leuchtgas beschädigten
Wurzeln sind nach Haselhoff und Lindau (1. c. S. 32) im Innern häufig bläu-
lich gefärbt. Da die Stärke der Färbung von der Mitte nach der Peripherie hin
abnimmt, so schließt L. Kny3) daraus, daß das Gas in gelöstem Zustande mit dem
Bodenwasser von den Wurzelspitzen aufgenommen wird. C. Wehner4 *) fand aber
auch bei durch Leuchtgas abgestorbenen Ulmen ungefärbte Wurzeln, so daß die
Frage nach der Aufnahme des Gases noch einer weiteren Aufklärung bedarf.

Der bei der Leuchtgasfabrikation, bei Teerschwefelereien, Kokereien, bei der
Verarbeitung von Sodarückständen auftretende Schwefelwasserstoff wirkt nach
den Versuchen von Turner und Christen6) in einer Menge von 0,43 Volumprozent
in der Luft noch nicht schädlich; ein Gehalt von 5,33 Volumprozent hatte nach
12 Stunden keine Schädigung, nach 24 Stunden dagegen eine vollständige Er-
schlaffung der Blätter und Stengel hervorgerufen, ohne daß sich die Pflanzen in
reiner Luft wieder erholen konnten. Auch H. Steffeck6) beobachtete durch Ab-
gase von Kokslagern mit deutlich durch den Geruch erkennbaren und durch Schwärzung
von Bleipapier nachweisbaren Mengen Schwefelwasserstoff ein Welkwerden der
Blätter oder eine Beeinträchtigung des Wachstums von Gartengewächsen aller Art.
Die geschädigten Blätter erscheinen anfänglich braun und später mehr oder weniger
vollständig geschwärzt. Uber die Schädlichkeit noch sonstiger seltenen Rauchgase
und Dämpfe, sowie über in dieses Gebiet einschlägige Fragen vergl. die eingehenden
Schriften von E. Haselhoff und G. Lindau: Die Beschädigung der Vegetation durch
Rauch, Berlin 1903, sowie A. Wieler, Untersuchungen über die Einwirkung der
schwefligen Säure auf die Pflanzen, Berlin 1906.

IV.	Untersuchung des Bodens.

Wie oben bemerkt, empfiehlt es sich, den Boden, der an denselben Stellen
wie die Pflanzen entnommen wurde, ebenfalls auf die Bestandteile, welche in den
Blättern und Nadeln bestimmt wurden, also z. B. Schwefelsäure oder Chlor usw., zu
untersuchen, um zu ermitteln, ob der mit kranken Pflanzen bestandene Boden ent-
sprechend mehr als der mit gesunden Pflanzen bestandene Boden an den fraglichen
Bestandteilen enthält.

Die Bestimmung der Schwefelsäure hezw. des Chlors im Boden geschieht
unter Anwendung von 50—100 g nach S. 29 hezw. nach S. 39, die der Metalle
nach S. 42 bezw. 203; arsenige Säure wird in 500—1000 g Boden nach S. 169
bestimmt.

4)	Arbeiten d. Deutschen Landw.-Gesellschaft 1900, 50, 110, 189.

2)	Ebenda 1901, 60, 128.

3)	Botan. Ztg. 1871, 29, 862, 867.

4)	Zeitsohr. f. Pflanzenkrankheiten 1900, 11, 267.

5)	E. Wolff, Die chem. Forschungen a. d. Gebiete d. Agrikulturchemie 1847, 475.

°) Arbeiten d. Deutschen Landw.-Gesellschaft 1896, 24, 27.
        <pb n="942" />
        ﻿920	Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub.

Machen sich in dem mit kranken Bäumen hezw. Pflanzen bestandenen Boden
gegenüber dem mit gesunden Bäumen und Pflanzen bestandenen Boden dieselben
Unterschiede geltend wie bei den Gewächsen, und zwar im Obergrunde mehr als
im Untergründe, so kann dieser Befund, wenn sich für den erhöhten Gehalt keine
andere Ursache als die Rauchquelle finden läßt, mit zur Bekräftigung der für die
Gewächse gefundenen Ergebnisse dienen.

Rührt der erhöhte Gehalt des Bodens an löslichen Sulfaten und Chloriden
aus anderen Quellen her, so ist Vorsicht in der Schlußfolgerung zu empfehlen und
nur auf eine Bauchbeschädigung zu erkennen, wenn die äußeren Erscheinungen
der Vegetation hierüber keinen Zweifel lassen.

In den meisten Fällen wird man freilich einen solchen Mehrgehalt, wenigstens
an den Säure-Bestandteilen des Rauches, im Boden nicht finden, aber darum soll
nach A. Wieler (1. c. S. 290) bei Beurteilung von Rauchschäden dem Boden doch
eine größere Aufmerksamkeit als bis jetzt geschenkt werden. Die Rauchblößen in
der Nähe der Rauchquellen lassen sich dadurch erklären, daß die Rauchgase über-
haupt kein Pflanzenwachstum aufkommen lassen. Die Rauchblößen um höhere ab-
gestorbene Bäume herum können ebenfalls auf dieselbe Ursache oder auch wie die
Ansammlung großer Massen unzersetzter Nadeln unter chronisch beschädigten
Fichten darauf zurückgeführt werden, daß infolge Einwirkung der sauren Rauch-
gase das Leben der Mikroben, die eine Zersetzung der organischen Stoffe bewirken,
verhindert wird. Es bildet sich saurer Humus, der bekanntlich die Beschaffenheit
des Bodens verschlechtert und weiter das Pflanzenwachstum schädigt. In der Tat
konnte A. Wieler im Boden beschädigter Waldflächen eine größere Menge freier
Humussäuren — über deren Bestimmung vergl. S., 90 —■ gegenüber gesunden Böden
nachweisen. Man wird in solchen Fällen durch Düngung mit Kalk oder Mergel den
Boden wieder aufbessern können.

B.	Untersuchung der Rauchgase und Brennstoffe.

Nicht selten ist es von Belang, in den Rauchgasen den Gehalt an Säure, be-
sonders an schwefliger Säure festzustellen.

Die Rauchbeschädigungen können ferner nicht allein durch Röstgase aus Röste-
reien für Schwefelmetalle oder aus chemischen Fabriken, sondern auch und nicht
selten durch alleinigen Steinkohlen- oder Braunkohlenrauch verursacht werden,
nämlich dann, wenn dieser sich beständig in konzentriertem, d. h. in wenig mit
Luft verdünntem Zustande auf die Pflanzen bezw. Bäume niederschlägt und der
Brennstoff viel flüchtigen Schwefel enthält. So können durch Kalkbrennereien,
Ziegeleien, Töpfereien, Kokereien, Eisenhütten oder überhaupt größere Fabrik-
anlagen mit niedrigen Schornsteinen, durch Eisenbahn-Lokomotiven beim häufigen
Durchfahren eng geschlossener Täler usw. recht häufig Rauchbeschädigungen her-
vorgerufen werden und in allen solchen Fällen muß auch das Brenngut auf Schwefel,
besonders auf flüchtigen Schwefel untersucht werden.

1. Untersuchung der Rauchgase. Die hier in Betracht kommenden Unter-
suchungsverfahren richten sich stets nach dem Rohstoff, welcher in der betreffenden
Fabrik zur Verarbeitung gelangt. Es muß deshalb dem untersuchenden Chemiker
überlassen bleiben, hier das geeignete Verfahren zu wählen.

In allen Fällen wird man sich eines Aspirators bedienen, mit Hilfe dessen
eine bestimmte Menge Schornsteinluft durch eine in einer U-Röhre befindliche
Flüssigkeit (je nach dem zu bestimmenden Bestandteil Bromwasser, Silberlösung
Normal-Kalilauge, Normal-Schwefelsäure, Jodjodkaliumlösung usw.) durchgesaugt wird.
        <pb n="943" />
        ﻿Untersuchung der Rauchgase und Brennstoffe.

921

Die hei Eauchbeschädigungen am meisten in Betracht kommende schweflige
Säure wird, wenn nur zu vernachlässigende Mengen Stickstoffsäuren vorhanden sind,
am zweckmäßigsten nach Eeich bestimmt.

Fig. 347. Reich scher Apparat zur Untersuchung von Röstgasen.

Man saugt den Schornsteinrauch mittels eines Aspirators durch Wasser,
welches mit einer bestimmten Anzahl Kubikzentimeter Jodlösung und etwas Stärke-
lösung versetzt ist. Die Entfärbung der Jodlösung zeigt das Ende der Eeaktion
        <pb n="944" />
        ﻿922

Beschädigungen der Vegetation durch Hauch und Staub.

an. Aus der in einem Meßzylinder aufgefangenen, dem durchgeführten Gase gleichen
Wassermenge und aus der Menge des verbrauchten Jods berechnet man den Gehalt
der Schornsteinluft bezw. der Röstgase an Volumprozenten schwefliger Säure.

Die Einrichtung vorstehenden Apparates (Fig. 347) ist eine sehr einfache. In
die etwa x/4 ihres Inhaltes mit Wasser gefüllte Flasche A werden durch die mittlere
Öffnung des 3-fach durchbohrten Korkes einige Kubikzentimeter 1/10 Normal-Jodlösung
und so viel Stärkekleister eingeführt, daß die Flüssigkeit tiefblau erscheint. Als
Aspirator dient die Flasche B mit dem Heberrohr h, dessen unterer Kautschukansatz
durch einen Quetschhahn zu verschließen ist. Nachdem man sich von dem dichten Ver-
schluß des Apparates überzeugt hat, wird der Stopfen in eine zu bohrende Öffnung
des Schornsteins bezw. des Eauchabzugkanals eingesetzt und nun durch vorsichtiges
öffnen der Quetschhähne m und i ein langsamer Luftstrom so lange durchgeleitet,
bis die Flüssigkeit in der Flasche A eben gerade entfärbt wird. Alsdann schließt
man die beiden Hähne, läßt durch die mittlere Durchbohrung des Stopfens 10 ccm
1Iio N.-Jodlösung einfließen und saugt abermals so lange Schornsteinluft durch, bis
wieder Entfärbung der Jodlösung eingetreten ist. Das Volumen der durchgesaugten
Luft ist gleich dem des ausgeflossenen Wassers, welches in dem untergestellten
Meßzylinder gemessen wird.

Die Einwirkung der schwefligen Säure auf das Jod geht nach folgender
Gleichung vor sich: 2 J + S02 + 2H20 = 2HJ + H2S04; also sind 10 ccm der
1Iio Normal-Jodlösung (0,127 g J oder richtiger 0,12697 g J enthaltend) gleich
0,032 g (bezw. richtiger 0,03203 g) S02.

Da 1000 ccm S02 bei 760 mm Atmosphärendruck und 0° Temperatur gleich
ist x/2 S02 x Krith, also 32 x 0,089578 = 2,8665 g, so sind die gefundenen 0,032 g
S02 = 11,16 ccm S02.

Durch Division dieser Zahl durch die Kubikzentimeter durchgesaugter
Luft + der gefundenen Kubikzentimeter S02 erhält man den Prozentgehalt an
schwefliger Säure in der Schornsteinluft.

Angenommen, es sollen 10 ccm 1110 N.-Jodlbsung durch ein Volumen Schorn-
steinluft gleich dem von 134 ccm Wasser entfärbt worden sein, so beträgt mit
Einschluß der schwefligen Säure das Volumen Schornsteinluft im ganzen 134

+ 11,16 = 145,16 ccm und der Gehalt derselben an schwefliger Säure =	—

= 7,69 Volumprozent.

Bei etwaiger Bestimmung der Salzsäure in Rauchgasen läßt man ein be-
stimmtes, hinreichendes Volumen der letzteren durch überschüssige Silbernitrat-
lösung gehen, wobei man den erhaltenen Niederschlag, um das von den Rauchgasen
reduzierte Silber zu entfernen, abfiltriert, ihn dann in Ammoniak löst, das Chlor-
silber aus dem Filtrat mit Salpetersäure wieder ausfällt und als solches wägt.

Oder man saugt die Schornsteinluft durch überschüssige reine, d. h. chlor-
freie Kalilauge, kocht diese zur Oxydation der organischen Eauchbestandteile mit
Kaliumpermanganat, bis die Lösung farblos ist, filtriert, säuert mit Salpetersäure
an und fällt das Chlor wie üblich als Chlorsilber.

Da 1 Teil AgCl = 0,254 Teilen HCl und 1 1 HCl = 18,25 x 0,089578 =
1,63479 g wiegt, so ist 1 Teil AgCl = 166,37 ccm HCl. Die Umrechnung auf
Prozent-Gehalt der Eauchluft erfolgt wie bei schwefliger Säure.

Man kann auch die Gesamtsäuren (Schwefel-, schweflige Säure und Salz-
säure usw.) in den Rauchgasen dadurch bestimmen, daß man die Rauchgase durch
Alkalilauge saugt und die Säuren in üblicher Weise bestimmt; man pflegt dann die
Gesamtsäuren auf S03 umzurechnen und ein Rauchgas nach einer preußischen berg-
        <pb n="945" />
        ﻿Untersuchung der Rauchgase und Brennstoffe.

923

polizeilichen Verordnung als unschädlich anzusehen, wenn der Gehalt an Säure
5 g S03 in 1 chm nicht übersteigt. Diese Verordnung kann aber für alle Säuren
oder alle örtlichen Verhältnisse keine Gültigkeit haben.

Um die Säuren in der die Fabrik umgebenden Luft nachzuweisen, tränkt
H. Ost1) reinen (d. h. von Schwefelsäure, Fluor usw. freien), lockeren Baum-
wollestoff in 4- oder 3-eckigen Stücken von etwa je 250 qcm einerseits mit
Barytwasser, andererseits mit Kalkwasser, läßt trocknen und hängt die hergestellten
Zeugstücke, in denen die Basen nach dem Trocknen als Karbonate vorhanden sind,
in Bäumen auf. Nach einiger Zeit werden die Baryumkarbonat-haltigen Stücke auf
Schwefelsäure, die Calciumkarbonat-haltigen Streifen auf Fluor geprüft. Verschiedene
Versuche beweisen die Brauchbarkeit des Verfahrens; indes muß berücksichtigt
werden, daß Spuren von z. B. Schwefelsäure überall in der Luft vorhanden sind.
A. Wiel er (1. c. S. 356) leitet zu dem Zweck größere Mengen Luft mittels eines
Aspirators durch eine titrierte Lösung von Kaliumbikarbonat.

Von anderer Seite ist vorgesohlagen, das Regenwasser in der Umgebung der
Eauchquelle in verschiedener Entfernung von derselben aufzufangen und dieses auf
den oder die nachzuweisenden Bestandteile zu untersuchen.

P. Sorauer* 2) schlägt vor, als schnellwachsende Pangpflanze die Busch-
bohne (Phaseolus vulgaris), Haselhoff und Lindau Polygonum oder Rheum,
A. Wieler eine Weinrebenart3) im Umkreise der fraglichen Rauchquelle an-
zubauen und an diesen durch die mikroskopische und chemische Untersuchung die
etwaige Schädigung nachzuweisen.

Alle diese Untersuchungen können in fraglichen Fällen die Beweisführung
verschärfen; der entscheidende Beweis kann aber nur durch die Untersuchung der
beschädigten Pflanzen und Bäume seihst erbracht werden.

2. Bestimmung des Schwefels in den Brennstoffen. Die Feststellung des Ge-
samtschwefels ist für die Beurteilung einer Kohle auf ihre Schädlichkeit nicht maß-
gebend, da der in Form von Sulfaten oder Sulfiden in der Asche zurückbleibende
Schwefel mit bestimmt wird.

Die schweflige Säure, wird vielmehr fast ausschließlich geliefert durch den
vorhandenen Schwefelkies, welcher beim Erhitzen unter Luftzutritt in schweflige
Säure und basisch schwefelsaures Eisenoxyd und dieses weiter in Schwefelsäure und
Eisenoxyd zersetzt wird.

Aber selbst diesen in Form von S02 und S08 übergehenden Schwefel darf man
nicht ohne weiteres in seinen vorhandenen Mengen als schädlichen Schwefel be-
zeichnen, denn hiervon wird eine gewisse Menge durch die alkalischen Erden der
Asche gebunden.

Demnach werden Kohlen mit gleichem Schwefelkiesgehalt, aber verschiedenen
Mengen kohlensaurem Calcium um so weniger schweflige Säure abgeben, je höher
der Gehalt an letzterem ist.

Die Menge des schädlichen Schwefels, d. h. desjenigen, welcher als S02 gas-
förmig entweicht, ergibt sich einfach aus der Differenz zwischen der Menge des
Gesamtschwefels und desjenigen, welcher nach dem vollständigen Veraschen der
Kohle in Form von Schwefelsäure oder Sulfiden — über die Oxydation des gleich-
zeitig vorhandenen Schwefels in der Asche vergl. S. 911 — in der Asche zurückbleibt.

3j Chem.-Zeitung 1896, 20, 165.

2)	Jahresbericht f. Agrikulturohemie 1900, 486.

3)	In den Epidermiszellen, Palissaden- und Schwammparenchymzellen der Weinrebe
tritt bei Einwirkung von schwefliger Säure ein roter Farbstoff auf, der bei nicht be-
räucherten und bei mit Salzsäure beräucherten Pflanzen ausbleibt.
        <pb n="946" />
        ﻿924

Beschädigungen der Vegetation durch Bauch und Staub.

a)	Bestimmung des Gesamtschwefels in den Steinkohlen nach
Eschka. 0.5—1 g der feingepulverten Kohle werden mit einem Gemenge von 1 g
gebrannter Magnesia und 0,5 g wasserfreier Soda im Platintiegel innig gemengt und
bis zur völligen Einäscherung im schief liegenden Tiegel über einer Weingeistlampe
geglüht. (Magnesia und Soda müssen natürlich frei von Schwefelsäure sein).

Nach dem Erkalten wird der Tiegelinhalt mit Wasser in ein Becherglas ge-
spült, Bromwasser bis zur bleibenden Gelbfärbung zugesetzt und mit Salzsäure ge-
kocht. In der zu filtrierenden Flüssigkeit wird die vorhandene Schwefelsäure mit
Chlorbaryum gefällt.

Durch Multiplikation der gefundenen Menge BaS04 mit 0,1376 erhält man
die Menge des in der angewendeten Substanz enthaltenen Gesamtschwefels.

b)	Bestimmung des indifferenten Schwefels. Zur Bestimmung des
indifferenten, d. h. des in Form von Sulfaten hezw. Sulfiden vorhandenen Schwefels
wird eine neue Probe des Brennstoffes verascht, die Asche mit salzsäurehaltigem
Wasser aufgenommen und im Filtrat die Schwefelsäure mit Chlorbaryum gefällt.
Die Differenz zwischen Gesamtschwefel und dem in Form von Sulfaten und Sulfiden
in der Asche gebundenen Schwefel gibt die Menge des flüchtigen, mit den Brenn-
gasen entweichenden Schwefels.

c)	Bestimmung des flüchtigen Schwefels. Zur direkten Bestimmung
des flüchtigen „schädlichen“ Schwefels eignet sich am besten das Verfahren von
A. Sauer1):

0,5—1 g Substanz werden in einem Platinschiffchen zwischen 2 Asbestpfröpf-
chen in ein Verbrennungsrohr eingeschoben. An der hinteren Seite wird das Rohr
mit einem mit Sauerstoff gefüllten Gasometer verbunden, während am vorderen Ende
eine U-Eöhre mit stark gefärbtem Bromwasser vorgelegt wird (vergl. Fig. 7, S. 40).

Nachdem der Schiffoheninhalt zum Glühen gebracht ist, wird ein ganz schwacher
Sauerstoffstrom durch die Röhre geleitet, so daß keine heftige Verpuffung eintritt.
Sobald die Verbrennung beendet, also keine Funkenerscheinung mehr wahrzunehmen
ist, wird das Rohr in seiner ganzen Länge erhitzt und ein lebhafter Luftstrom
durchgesaugt, wodurch sämtliche nicht gebundene Schwefelsäure hezw. schweflige
Säure in das vorgelegte Bromwasser getrieben wird.

Nach dem Erkalten wird das Verbindungsrohr mit Wasser ausgespült und
das Waschwasser mit dem Inhalt der IT-Eöhro in einem Becherglase gemischt.
Durch Kochen der Flüssigkeit unter Zusatz einiger Tropfen Salzsäure entfernt man
das überschüssige Brom, filtriert die mit übergegangenen teerartigen Produkte ab und
fällt mit Chlorbaryum. Das gewogene Baryumsulfat x 0,1376 gibt den flüchtigen
Schwefel und dieser, multipliziert mit 2, die aus dem Brennmaterial entwickelungs-
fähige Menge schwefliger Säure.

C.	Nachweis der Beschädigung durch Staub.

Wenn eine Beschädigung der Vegetation durch saure Rauchgase und Dämpfe
vorliegt, so wirkt vielfach gleichzeitig Flugstaub, enthaltend Metalloxyde, Metall-
sulfate und -sulfide, Kohlenruß usw., ein.

Daß Metallsulfate und -Chloride, wenn sie auf die betauten oder be-
feuchteten Blätter gelangen, in derselben Weise schädlich wirken können wie die
freien Säuren, ist schon oben S. 911 gesagt. Wir konnten in einem Falle, wo
Flugstaub einer Nickelfabrik die umliegenden Grundstücke geschädigt hatte, in den

9 Zeitsohr. f. anal. Chemie 1873, 12, 32 und 178.
        <pb n="947" />
        ﻿Nachweis der Beschädigung durch Staub.

925

Pflanzen (Kartoffeln, Vietsbohnen, Pferdebohnen) das sonst im Boden nicht ver-
kommende Nickel nachweisen. Die wasserfreien Metallsalze sind für trockne
Blätter nicht schädlich.

Die auf Pflanzen verwehten Schwefelmetalle (wie Schwefelzink, Schwefel-
kupfer und Schwefeleisen) können oxydiert und infolgedessen kann eine nachteilige
Wirkung hervorgerufen werden, indem die in Sulfate übergeführten Verbindungen in
derselben Weise wie die löslichen Metallsulfate der Rauchgase Korrosionen der
Pflanzenorgane hervorrufen.

Von den Metalloxyden kann man kaum annehmen, daß sie unter dem Ein-
fluß von Wasser und den geringen Mengen Kohlensäure oder Salpetersäure des
Regenwassers usw. in eine lösliche Form ühergeführt und so von den Blättern auf-
genommen werden.

Auch ist bis jetzt nicht durch direkte Versuche erwiesen, in welcher Art und
Weise dieser Staub durch Verstopfen der Poren und Spaltöffnungen der Blätter
das Wachstum beeinträchtigt; gewiß aber ist dieser unlösliche Staub, auch Kohlen-
ruß, selbst wenn er nicht direkt schädlich ist, für die Lebenstätigkeit doch wohl
nicht ganz belanglos, was schon daraus geschlossen werden kann, daß das Wachs-
tum von stark bestaubten Bäumen, Sträuchern und Pflanzen in Städten und an
Straßen nach dem Abspülen durch nur wenig Regen ein viel lebhafteres ist als im
bestaubten Zustande.

Auch kann derartiger auf Pflanzen auflagernder Staub (Metalloxyde, Metall-
Sulfate und -Sulfide und besonders arsenige Säure) bei landwirtschaftlichen Feld-
pflanzen und Gartengewächsen, welche den Menschen und Tieren zur Nahrung
dienen, sehr nachteilige Folgen haben. Vor allen Dingen können die Bestandteile
des Flugstauhes, wenn sie in größerer Menge in den Boden gelangen und gelöst
werden, das Wachstum der Pflanzen von den Wurzeln aus schädigen; sie wirken
dann in derselben Weise, als wenn sie durch Rieselwasser in den Boden gelangt
wären (vergl. unter Abwasser S. 889, ferner ausführlich in Haselhoff und Lindau
1. c. S. 342 und des Verf.s Verunreinigung der Gewässer usw., Berlin 1899).

Über den Nachweis solchen Staubes ist schon S. 911 unter b das Nötige
gesagt. Bei dem Nachweis der Flugstaubbestandteile im Boden ist zu beachten,
daß geringe Mengen von Zink, Kupfer und Blei durch den Dünger, dem Metall-
geräte aus der Wirtschaft beigemengt gewesen -sind, in den Boden gelangen oder
auch in dem natürlichen Boden vorhanden sein können.

Zu dem Flugstauh kann auch die Asche von Brennstoffen, der Kalk aus
Kalkbrennereien und Sodastaub aus Fabriken,1) welche calcinierte Soda herstellen,
gerechnet werden. Kalk und Soda, ebenso die Asche der meisten Brennstoffe, können
durch ihre stark alkalische Beschaffenheit in der Weise nachteilig wirken, daß sie,
durch den Tau gelöst, ätzend und humifizierend auf die Blattsuhstanz wirken.

Der Sodastaub ruft hierbei ähnliche äußere Erscheinungen (braune Ränder
und Flecken auf den Blättern, gelbe Spitzen der Nadeln) hervor, wie die sauren
Rauchgase.

J) Bei Darstellung der calcinierten Soda entwickelt sich ein derartiger Staub, daß
kräftigst ventiliert werden muß, damit die Arbeiter es in den Räumen aushalten können.
Wird dieser Staub nicht aufgefangen, so kann er durch den Wind oft stundenweit fort-
getragen werden. Ferner wird in Holzzellulose-Pabriken, die Natronlauge verwenden, die
benutzte Lauge, um das Natron wieder zu gewinnen, zur Trockne verdampft, der Rück-
stand behufs Beseitigung der organischen Stoffe verascht und geglüht. Auch hierbei wird
Soda mit den Dämpfen fortgeführt, welche dann, wenn sie sich in nächster Nähe nieder-
schlagen wird, die Vegetation schädigen kann.
        <pb n="948" />
        ﻿926

Beschädigungen der Vegetation durch Rauch und Staub.

In vielen Fällen wird man diese Art Staub in Form eines weißen Anfluges
auf den Blättern, Zweigen, Stengeln usw. finden, und man kann die Natur desselben
dadurch nachweisen, daß man den Anflug mit etwas Wasser absplilt, auf Reaktion
und mit chemischen Reagenzien prüft, bezw. die wässerige Abspülung quantitativ
untersucht. Bei anhaltender Einwirkung von Sodastaub auf Pflanzen haftet das
Natron nicht bloß äußerlich an den Pflanzen, sondern dringt auch in die Pflanzen-
substanz ein und bewirkt, wie wir in Versuchen hierüber gefunden haben, nicht
nur eine Erhöhung des Natrongehaltes der Pflanzensubstanz, sondern häufig auch
eine entsprechende Erhöhung des Gehaltes an Säuren (Kieselsäure, Phosphorsäure,
Schwefelsäure), welche also umgekehrt wie bei den Säurebeschädigungen behufs
Ausgleiches der überschüssigen Base aus dem Innern der Pflanzen nachwandern1).
Für Kalk sind bis jetzt derartige Beobachtungen nicht gemacht, indes ist nicht un-
wahrscheinlich, daß er, weil auch in Wasser löslich, sich ähnlich verhält.

Um daher diese Art Beschädigung sicher nachzuweisen, wird man zweck-
mäßig eine vollständige Untersuchung der Asche der einzelnen Pflanzenteile (Blätter,
Zweige, Stengel und Wurzelknollen) ausführen (vergl. S. 200).

Bei der Probenahme von kranken und gesunden Pflanzen in gleicher Wachs-
tumsstufe verfährt man genau wie bei den Säurebeschädigungen (S. 909).

1) In den Ähren der Halmfrüchte fanden wir umgekehrt eine geringere Menge
Kieselsäure als bei unbestäubten Pflanzen; dieses beruht offenbar auf einer Lösung und
Wegführung der Kieselsäure durch das Natron (vergl. Landw. Jahrbücher 1892, 21, 407,
und „Die landw. Versuchs-Station Münster“, Münster 1896, 205; ferner auch Bbermayer,
Landw. Versuchs-Stationen 1877, 20, 392). Bbermayer glaubt, daß die Soda beim
Trocknen in die Blätter eiudringt und das Natron einerseits durch in denselben vorhandene
organische Säuren, andererseits durch sich bildende Humussäuren gebunden wird; auf der
Bildung von Humussäure unter dem Einfluß des Natrons soll dann die Dunkelfärbung der
Blätter beruhen. Nach den hiesigen Versuchen gehen aber unter dem Einfluß des Natrons
noch tiefere Umsetzungen in den Blättern vor sich.
        <pb n="949" />
        ﻿Untersuchung der Schafwolle

Um Uber die Beschaffenheit der Wolle einer Schafrasse ein möglichst klares
und praktisches Urteil zu gewinnen, nimmt man die Untersuchung nach folgenden
Verfahren vor, welche hauptsächlich auf den Angaben von W. Henneberg,1)
E. Schulze und M. Märcker* 2) beruhen.

1.	Probenahme am Tier. Die Proben sind unmittelbar vor der gewöhnlichen
Schurzeit, nachdem die Tiere kurz vorher in üblicher Weise gewaschen worden
sind, von mehreren Durchschnittstieren, und zwar von folgenden Stellen jedes
einzelnen Tieres je eine Probe zu nehmen: 1. vom Blatt, 2. von der Seite, 3. von
der Mitte des Kreuzabhanges, 4. vom Widerrist, 5. vom Hals dicht am Genick,

6.	von der Mitte der Keule, 7. von der Mitte des Bauches. Die Proben von reich-
lich 2,5 cm Durchmesser werden dicht an der Haut abgeschnitten, ohne Zerrung,
damit sie möglichst ihre natürliche Form behalten, sogleich in hinreichend weite
und lange, mit Stöpseln verschließbare Glasröhren von bekanntem Gewicht gebracht
und gewogen. Die Nummern des Versuchstieres und die Körperstelle, von welcher
die Probe herrührt, sind auf einer angeklehten Etikette zu notieren.

Wenn die Wolle auch auf ihre physikalischen Eigenschaften untersucht oder einem
geübten Sachverständigen zur praktischen Beurteilung vorgelegt werden soll, so sind von
jeder der angegebenen Stellen des Tieres noch zwei weitere Proben zu nehmen, und zwar
eine Probe unmittelbar vor der Wäsche, die andere unmittelbar vor der Schur, also die
letztere gleichzeitig mit den obigen für die chemische Untersuchung bestimmten Proben.
Diese weiteren Proben werden ebenfalls sofort eingekapselt und gewogen.

2.	Herstellung einer Durchschnittsprobe für die Untersuchung. Man nimmt
jede von einer bestimmten Körperstelle herrührende Probe für sich in Untersuchung,
entweder von jedem einzelnen Tiere oder auch, indem man von den entsprechen-
den Proben mehrerer Tiere gleiche Teile abwägt und auf solche Weise für jede
weitere Behandlung eine Durchschnittsprobe sich verschafft.

Sollen auch Proben von ungewaschener Wolle untersucht werden, so ist zunächst
jede einzeln zu wägen, darauf in einer kleineren Probe durch Trocknen bei 100° der
Wassergehalt zu bestimmen und das Übrige mit kaltem, weichem Wasser unter mäßigem
Drücken mit den Händen zu waschen, bis das Wasser klar abfließt, dann zu trocknen und
im lufttrooknen Zustande wieder zu wägen. Die weitere Behandlung wird ganz wie bei
der gewaschenen Wolle vorgenommen.

Zur chemischen Untersuchung der Wolle nehmen E. Schulze und M. Märcker
(1. c.) folgende Bestimmungen vor:

3.	Feuchtigkeit. Die Wolle (etwa 20—30 g) wird in einer geräumigen Koch-
flasche abgewogen, dann vollständig ausgetrocknet (am zweckmäßigsten, indem man
die Kochflasche in ein Gefäß mit siedendem Wasser eintaucht und einen Strom von
trocknem Wasserstoffgas durch dieselbe durchleitet). Der Gewichtsverlust gibt den
Gehalt der Wolle an Feuchtigkeit an.

*) Landw, Versuchs-Stationen 1864, 6, 366 und 498.

2) Journ. f. prakt. Chemie 1869, 108, 193,
        <pb n="950" />
        ﻿928

Untersuchung der Schafwolle.

4.	Wollfett (in Äther löslich). Die getrocknete Wolle wird hierauf mit
wasserfreiem Äther übergossen und die Lösung nach halbstündigem Stehen abgespritzt;
diese Operation wird wiederholt, bis der Äther nichts mehr aufnimmt. Die ätherische
Fettlösung wird durch Schütteln mit Wasser gereinigt, indem man nach dem Durch-
schütteln (etwa 24 Stunden) stehen läßt, die klare Ätherschicht abhebt, die wässerige
Schicht mit Äther nachwäscht, bis letzterer nichts mehr aufnimmt. Das beim Ver-
dunsten des Äthers zurückbleibende Fett wird bei 100° getrocknet und gewogen.
Der beim Verdunsten des Waschwassers bleibende Rückstand wird zu dem in
Wasser löslichen Anteil der Wolle hinzuaddiert.

Das Wollfett, das Lanolin des Handels, läßt sich durch Alkohol in einen
leicht und einen schwer löslichen Teil zerlegen; ersterer enthält sehr viel freies
Cholesterin; neben diesem kommt nach E. Schulze noch Isocholesterin vor.

5.	Wollschweiß (in Wasser löslich). Die mit Äther erschöpfte Wolle wird
hierauf mit kaltem, destilliertem Wasser bis zur Erschöpfung ausgezogen. Die
wässerigen Auszüge werden durch Abspritzen1) von der Wollfaser getrennt, dann
vereinigt und gemessen. Zur Bestimmung ihres Gehaltes an festen Teilen wird eine
abgemessene Menge der Lösung, nachdem sie zuvor durch Filtration von den bei-
gemengten Schmutzteilen befreit ist, in einer gewogenen Platinschale im Wasser-
bade zur Trockne verdampft. Die Schale mit dem Rückstand trocknet man auf
heißem Sande im luftverdünnten Raum, bis ihr Gewicht beständig ist. Der Rück-
stand bildet nach völliger Austrocknung eine braune, leicht zerreibliche Masse.

Zur näheren Bestimmung der in Wasser löslichen Bestandteile (des Woll-
schweißes) verwendet man 100—150 g Wolle und zieht dieselben vollständig mit
Wasser aus, wozu etwa 8—10 1 erforderlich sind.

Hierzu wird eine gute Mittelprobe der Roh-, d. h. vorher nicht mit Äther
ausgezogenen Wolle verwendet; durch die Seifen des wässerigen Auszuges wird
auch etwas Fett aus der Wolle gelöst; um letztere Menge zu bestimmen, kann man
den wässerigen Auszug mit Äther durchschütteln und dessen Abdampfrüokstand
wägen.

Im übrigen verfährt man bei etwa 8 1 wässerigem Auszug wie folgt:

a)	Trockensubstanz; 500 ccm werden in der Platinschale eingedampft,
der Rückstand bei 110° getrocknet und gewogen.

b)	Stickstoff: 300 ccm werden nach schwachem Ansäuern mit Schwefelsäure
im Kjehldahl-Kolben eingekocht oder unter Zusatz von etwas Gips in Hoff-
meister sehen Glassohälchen im Wasserbade eingedampft, der Rückstand samt Schäl-
chen zerrieben und nach Kjehldahl (S. 138) verbrannt. Die Schafwolle enthält in
Prozenten der lufttrocknen Rohwolle 0,4 bis 0,8 °/0 in Wasser löslichen Stickstoff.

c)	Ammoniak wird in 200 ccm nach dem Schlösingschen Verfahren be-
stimmt (vergl. S. 142). In Prozenten der Rohwolle sind etwa 0,01—0,11 °/0 Am-
moniak vorhanden.

d)	Kohlensäure: 3000 ccm werden zur Trockne eingedampft und in dem
Rückstand die Kohlensäure ermittelt (vergl. S. 15).

Die Kohlensäure ist als an Kali gebunden zu betrachten. In Prozenten der
Trockensubstanz des Wasserextrakts sind etwa 1,7—6,0 °/0, in Prozenten der luft-
trocknen Rohwolle 0,35—1,30 °/0 Kohlensäure vorhanden.

1)	Man gibt die Wolle in eine Spritzflasche, in welcher das bis auf den Boden
reichende Glasrohr unten eine kleine trichterförmige Erweiterung hat, die mit Leinwand
umbunden ist; nach hinreichender Digestion wird jedesmal die wässerige Lösung wie in
einer Spritzflasche abgespritzt und in einem größeren Gefäß gesammelt. Auf diese Weise
gelangen keine Wollfasern in den Auszug.
        <pb n="951" />
        ﻿Untersuchung der Schafwolle.

929

e)	Asche: 200 ccm werden in einer Silberschale eingedampft, der Rückstand
verkohlt, die Kohle mit Wasser ausgekocht, die Lösung eingedampft und der Rück-
stand mit der durch Verbrennen der Kohle erhaltenen Asche vereinigt. Die nähere
Untersuchung der Asche erfolgt nach den gewöhnlichen Verfahren der Aschen-
untersuchung (S. 200 u. ff.).

6.	In Alkohol lösliche und schwerlösliche Seifen. Die mit Äther und Wasser
erschöpfte Wolle behandelt man mit Alkohol. Es lösen sich in demselben noch ge-
ringe Mengen von Seife.

Um die in Wasser und Alkohol un- oder schwerlöslichen Seifen der Erd-
alkalien zu entfernen, läßt man der Ausziehung mit Alkohol noch eine solche mit
verdünnter Salzsäure (im Liter 4 ccm konzentrierte Salzsäure) folgen. Man wäscht
mit Wasser nach, bis alle Säure entfernt ist. Der Auszug wird eingedampft, der
Rückstand auf heißem Sande im luftverdünnten Raum getrocknet, bis sein Gewibht
gleichbleibend ist.1)

Die genannten Seifen können bei der Behandlung mit Salzsäure zersetzt
werden; um die Wolle ganz frei von Fettsäuren zu erhalten, ist es daher not-
wendig, der Ausziehung mit Salzsäure noch eine solche mit Alkohol und Äther
folgen zu lassen.

7.	Reine Wollfaser und Schmutz. Die in vorstehender Weise behandelte
Wollfaser ist frei von allen löslichen Bestandteilen, aber noch verunreinigt durch
Schmutz (Sand-, Futter- und Kotteilchen usw.). Man entfernt denselben am besten
durch Schütteln und Zerzupfen der Wolle, zuletzt durch Auslesen mit der Pinzette.
Ein geringer Verlust an Wollfaser ist dabei kaum zu vermeiden. Es ist zweckmäßig,
den ausgeschüttelten und ausgezupften Schmutz auf einem Bogen Papier zu sammeln
und auf einem engmaschigen Siebe mit Wasser zu waschen. Die im Schmutze ent-
haltenen Wollfäserchen ballen sich dabei zusammen und lassen sich zum größten
Teile wiedergewinnen, während der Sand usw. durch die Maschen des Siebes fällt.
Die Wollfaser wird im Wasserstoff ström getrocknet und dann gewogen.

Den Gehalt der Wolle an Schmutz bestimmt man aus dem Verluste.

In der reinen Wollfaser kann ferner bestimmt werden:

a)	Asche und Sand; ein Teil des Rückstandes von der nach und nach er-
folgten Behandlung mit Äther, Wasser usw. (etwa 1/8 oder 1/4) wird eingeäschert,
die Asche in Salzsäure gelöst, ausgewaschen, der Rückstand mehrmals mit einer
konzentrierten Lösung von Natriumkarbonat ausgekocht, filtriert, wieder aus-
gewaschen und der Rückstand als Sand gewogen.

Die Asche der Wollfaser und die des wässerigen Auszuges geben die Ge-
samtasche; der Aschengehalt der Wollfaser beträgt nur 0,08—0,40 °/0. Man zer-
schneidet ferner zur Kontrolle einen Teil der Wolle und äschert diesen wie üblich
direkt ein.

b)	Stickstoff. In üblicher Weise nach Kjeldahl S. 138. Wollfaser-Stick-
stoff + Stickstoff im Wasserauszug geben Gesamt-Stickstoff; nötigenfalls verwendet
man zur Bestimmung des Gesamt-Stickstoffs eine gute Mittelprobe (2—3 g) der luft-
trocknen Rohwolle direkt zur Stickstoff-Bestimmung.

c)	Schwefel. Ein Teil der Wollfaser wird im Silbertiegel mit Ätzkali und
etwas Salpeter zusammengeschmolzen, die Schmelze in Salzsäure gelöst und die
Schwefelsäure wie sonst durch Chlorbaryum gefällt.

9 Bei schmutzreichen Wollen gehen durch die verdünnte Salzsäure nicht unbe-
trächtliche Mengen Kalk in Lösung. Der größte Teil desselben rührt vermutlich nicht
von Kalkseifen, sondern von dem im Schmutze enthaltenen Kalkstaub her.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

59
        <pb n="952" />
        ﻿930

Untersuchung der Schafwolle.

d)	Kohlenstoff, Wasserstoff nsw.: durch gewöhnliche Elementaranalyse
unter Anwendung von chromsaurem Blei mit vorgelegtem Kupferoxyd und
metallischem Kupfer.

M. Märcker und E. Schulze finden z. B. für die Elementarzusammen-
setzung der asehenfreien Wolle im Mittel:

49,71 °/0 C, 7,33% H, 15,79% N, 3,58% S und 23,59% 0.

e)	Spezifisches Gewicht. Das spezifische Gewicht der reinen Wollfaser
wird, wenn nötig, in Schwefelkohlenstoff bestimmt und in üblicher Weise auf
Wasser umgereohnet.

Als Beispiel für die Zusammensetzung der Schafwolle können folgende Unter-
suchungen von M. Märcker und E. Schulze für 100 Teile lufttrockne Wolle dienen:

Von

Landschafen

°/o

Wasser.................................................. 23,48

Wollfett (gereinigt mit Wasser).......................... 7,17

_	(■	in	Wasser löslich (Wollschweiß)	.	.	.	21,18

. Ur° ■	I	„	Alkohol löslich.............. 0,35

s u enwoise	&lt;	verdünnter Salzsäure löslich.	.	.	.	1,45

Behandlung	[	”	Alkohol und lther löslich ...	0,29

Beine Wollfaser......................................... 43,20

Schmutz.................................................. 2,93

Kamhouület-

Vollblnt-

Schafen

“/«

12,28

14,66

21.83
0,55
5,64
0,57

20.83
23,64
        <pb n="953" />
        ﻿Bienenwachs.

Das Bienenwachs, ein Verdauungserzeugnis der Biene (Apis mellifera) aus
dem gesammelten Nektar oder Pollen, wird von derselben an den Eingen des Hinter-
leibes in Form von dünnen Blättchen abgesondert und zum Bau der sechseckigen
Zellen benutzt, welche bestimmt sind, Brut und Honig anfzunehmen.

Die Wachse anderer Apis-Arten1) weichen in ihrer Zusammensetzung beträcht-
lich von dem Wachse von Apis mellifera ab.

Behufs Herstellung der Handelsware werden die den Körben entnommenen
Waben von dem Honig durch gelindes Erwärmen, Abpressen oder auch durch
Zentrifugieren entleert, die Wachsmassen durch Schmelzen in heißem Wasser von
noch anhaftendem Honig und Unreinigkeiten befreit, schließlich die geschmolzene
Masse in flache Gefäße ausgegossen und in Form von Kuchen (Wachsböden) in den
Handel gebracht.

Als solches bildet das Wachs eine zitronengelbe, oft helle, oft mit einem
Stich ins Graue erscheinende Masse von honigartigem Geruch und balsamartigem
Geschmack. Es enthält auch stets geringe Mengen von Pollenkörnern.

Bei niederer Temperatur ist das Wachs spröde, sein Bruch feinkörnig; beim
Kauen setzt es sich nicht an die Zähne; in Chloroform und Schwefelkohlenstoff löst
es sich bei geringem Erwärmen und läßt sich leicht mit festen und flüssigen Fetten
des Tier- und Pflanzenreiches zusammenmischen. Äther löst bei mittlerer Tempe-
ratur nur die Hälfte des Wachses auf, Benzol nur etwa 20 °/0. Mit verdünnten
Lösungen der kaustischen und kohlensauren Alkalien erhitzt, läßt es sich nicht
verseifen, dagegen wird es durch alkoholische Kalilauge verseift, wobei Myricyl-
alkohol frei wird.

*) D. Hooper (Apoth.-Ztg. 1904, 19, 699; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-
und Genußmittel 1906, 9, 496) fand für das Wachs von Apis dorsata, A. indica und A. florea
aus Britisch-Indien folgende Werte:

Schmelzpunkt	Säurezahl	Yerseifungszahl	Verhältniszahl

60,0—68,0	4,4—10,2	75,6—130,5	4,8—11,4.

Nach G. Büchner (Chem.-Ztg, 1905, 29, 79) kommen diese indischen Ghedda-
waohse, welche sich durch große Plastizität, hellere Farbe und einen besonders beim
Verseifen hervortretenden feinen Fliedergeruch auszeichnen sollen, bereits in Deutschland
in den Handel. 36 Proben dieser Wachse ergaben folgende Zahlen:

Säurezahl Ätherzahl	Verseifungszahl	Verhältniszahl

5,33—12,20	75,23—111,45	81,77—120,17	7,4—17,9.

Er fand für die Gheddawachse ferner im Durchschnitt die Jodzahl 10, Schmelzpunkte
von 63—65°, einen Gehalt an Kohlenwasserstoffen von 8,6 °/0 und eine Büchner sehe Zahl
von 1,5.

Ebenso zeigt nach R. Berg (Chem.-Ztg. 1903, 27, 752) das Hummelwachs, welches
fast schwarz und etwas klebrig ist und einen sehr starken, unangenehmen Geruch besitzt,
niedrige Säure-, Ester- und Verseifungszahlen, dagegen hohe Refraktometerzahl, Jodzahl
und Buchnersche Zahl.

59*
        <pb n="954" />
        ﻿932

Bienenwachs.

Auf den Siedepunkt erhitzt, verdampft das Wachs teilweise, indem eine weiß-
liche Substanz, die sog. Wachsbutter, übergeht; bei stärkerem Erhitzen findet eine
Zersetzung statt, ohne daß indes Acrolein-Geruch auftritt.

Durch Bleichung an der Sonne, oft unter Zusatz fremder Körper, wie Wein-
stein, Alaun, Borax usw., wird das weiße Wachs erhalten, welches sich dem gelben
gegenüber verhält wie ranziges Fett zu frischem. Neuerdings wird auch durch
alleinige Bleichung mit chemischen Mitteln (z. B. Kaliumbichromat und Schwefel-
säure) weißes Wachs hergestellt.

Das Bienenwachs besteht aus einem Gemisch von etwa 14 °/0 Cerotinsäure
und etwa 86 °/0 Myrioin (Palmitinsäure-Myricylester) neben geringen Mengen von
Kohlenwasserstoffen.

Verfälschungen. Das Wachs kommt sehr häufig verfälscht in den Handel
Die Verfälschungen bestehen vorwiegend im Zusatz von Talg, Stearinsäure, Paraffin,
Ceresin, Japanwachs, Karnaubawachs, Erdwachs, Harz usw.; hin und wieder kommen
auch grobe Verfälschungen durch Zusatz von Wasser, Mineralstoffen, Stärke usw.
vor. P. Lemaire1) traf im Handel auch mehrfach künstlich gefärbtes Wachs an.
Zum Nachweise von Wasser, Mineralstoffen usw. (vergleiche nachstehend unter
No. 1) verwendet man die ungeschmolzene Probe, wie sie vorliegt, und schneidet
davon mit dem Messer feine Späne ab; zu allen sonstigen Bestimmungen verwendet
man die durch Schmelzen* 2 *) und Filtration im Wasserdampftrockenschranke ge-
reinigte Wachsmasse.

1.	Bestimmung des „Abganges“; Prüfung auf Wasser, mineralische Bei-
mengungen usw. a) Das Eohwachs enthält meist noch geringe Mengen fremder Be-
standteile (Wasser, Schmutzteile usw.), die bei der Gewinnung aus den Waben nicht
vollständig entfernt, worden sind. Vielfach wird seitens der Wachsschmelzer die
Aufgabe gestellt, diesen sog. „Abgang“ zu bestimmen. Hierbei kommt es meist
nicht so sehr auf große Genauigkeit der Ergebnisse, als vielmehr darauf an, daß
sich das Verfahren der Praxis des Wachsschmelzens möglichst anschließt.

Zu diesem Zwecke kocht man nach E. Berg8) 50—100 g oder, wenn mög-
lich, noch mehr Wachs in einer geräumigen Porzellanschale unter stetem Umrühren
etwa 10 Minuten mit etwa 10 °/0 verdünnter Schwefel- oder Oxalsäure (1 :10).
Dann läßt man die Probe in Euhe absitzen und erkalten und schabt möglichst vor-
sichtig etwa anhaftenden Schmutz von der Unterseite des Wachskuchens ab. Der
Wachskuchen wird mit Filtrierpapier abgetrocknet, einige Stunden im Exsikkator
belassen und dann gewogen. Der Schmutz wird nochmals ein paar Minuten lang
mit der Säure zum Sieden erhitzt und das hierbei gewonnene Wachs zur Haupt-
menge hinzugefügt.

b) Wasserbestimmung. Enthält ein Wachs größere Mengen Wasser, so
kann man dieses wie in der Butter (vergl, S. 548) bestimmen. Ch. B. Davis4 *)

4) E6p. Pharm. 1904, [3], 16, 356; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Ge-
nußmittel 1905, 0, 631.

2)	Unter Umständen empfiehlt es sich, zur Entfernung von Honigteilen usw. vorher
das Wachs auch noch mit Wasser auszukoohen.

Bei Wachs, welches durch Filtration im geschmolzenen Zustande nicht vollkommen
klar erhalten werden kann, empfiehlt G. Büchner (Chem.-Ztg. 1901, ‘25, 21), dieses in
Chloroform in der Wärme zu lösen, dann die Lösung zu filtrieren und das Chloroform zu
verdunsten.

s) Chem.-Ztg. 1903, 27, 752.

4) Jonrn. Americ. Chem. Soc. 1901, 23, 487; Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs-

und Genußmittel 1902, 5, 215.
        <pb n="955" />
        ﻿Bienenwachs.

933

empfiehlt für die Bestimmung des Wassers im Wachs die Verwendung eines bis zur
halben Höhe mit dickem Filtrierpapier beschickten, hei 110° getrockneten, -weit-
halsigen Wägegläschens, in das man die Wachsproben hineingibt, um nach dem
vollständigen Trocknen bei 110° den Gewichtsverlust zu bestimmen.

c) Zur Prüfung auf mineralische Beimengungen sowie Stärke usw.
werden etwa 0,5 g Wachs in 5 ccm Chloroform unter geringem Erwärmen gelöst.
Bei Gegenwart von fremden mineralischen Körpern oder Stärke verraten sich diese
Körper durch eine starke Trübung oder durch einen Bodensatz, in dem die Art der
stärkehaltigen Stoffe durch das Mikroskop leicht nachzuweisen sein wird.

Durch Veraschen einer anderen Probe Wachs erfährt man den Gehalt an
mineralischen Bestandteilen, welche letztere auf Gips, Kreide, Bleiglätte usw. zu
prüfen sein würden.

2.	Bestimmung des spezifischen Gewichtes. Das spezifische Gewicht wird wie
bei den Fetten (S. 517) bestimmt1) oder in der Weise, daß durch Vermischen von
Alkohol und Wasser eine Flüssigkeit hergestellt wird, in der ein Stückchen des zu
prüfenden Wachses sich bei 15° in der Schwebe erhält, ohne weder an die Ober-
fläche zu steigen, noch zu Boden zu sinken. Es ist darauf zu achten, daß an dem
eingetauchten Stückchen keine Luftbläschen haften bleiben.

Das spezifische Gewicht des gelben und weißen Wachses liegt zwischen
0,965—0,975, jedoch scheint es auch bei manchen Sorten bis 0,955 herabzusinken.
Zusätze von Stearinsäure, Japanwachs und Karnaubawachs erhöhen das spezifische
Gewicht, solche von Paraffin, Ceresin und Talg erniedrigen es.

3.	Bestimmung des Schmelzpunktes. Die Ermittelung desselben geschieht,
wie bei festen Fetten (S. 518) beschrieben ist, mittels eines an einem Thermometer
befestigten Kapillarröhrchens.

Der Schmelzpunkt des gelben Wachses liegt zwischen 63,5—64,5°, der des
weißen Wachses zwischen 64—65°.

4.	Bestimmung der Kefraktion. Die Bestimmung geschieht in derselben
Weise wie bei den Speisefetten mittels des Zeißsehen Butter-Refraktometers (vergl.
S. 520), doch bedarf man dafür eines Thermometers, welches noch Temperaturen
von 75—80° anzeigt, da die Bestimmung der Refraktion wegen des hohen Schmelz-
punktes bei etwa 70° vorgenomraen werden muß. J. Werder1 2) und R. Berg3 4)
fanden für Bienenwachs und verschiedene Verfälschungsmittel folgende (bei 84° be-
stimmte) auf 40° reduzierte Refraktometer-Zahlen:

wS'	wachs	Parafto	Ceresin	^

J. Werder 42,6—45,4	47,0	66,0	25,5	41,0	30,0 1

R. Berg . 42,9-45,9	47,6-49,7	65,7—69,0	23,6-30,8	32,2—42,2	29,8-33,3/ 4o~0U

Hiernach ist die refraktometrische Prüfung, die für reines Bienenwachs meist
Werte von 44—45 ergibt, eine wertvolle Vorprobe, bei der sich z. B. größere
Beimengungen von Paraffin- und Stearinsäure durch eine Erniedrigung, Karnauba-
wachs dagegen durch eine Erhöhung der Refraktometerzahl zu erkennen geben.
Die Bleichung des Wachses ist nach J. Werder auf die Refraktion ohne Einfluß,
so daß weißes und gelbes Wachs dieselben Refraktometerzahlen zeigen.

1)	H. Mastbaum (Zeitschr. f. angew. Chem. 1902, 15, 929) bedient sich zur Be-
stimmung des spezifischen Gewichtes eines abgeänderten Regnaultschen Pyknometers.

2)	Chem.-Ztg. 1898, 22, 59,

3)	Ebenda 1903, 27, 752.

4)	Nach S. 544 und 545 hinzugesetzt.
        <pb n="956" />
        ﻿934

Bienenwachs.

5. Bestimmung der Jodzahl. Für den Nachweis von Talg und Harz leistet
auch die Bestimmung der Jodzahl unter Umständen gute Dienste. R. Berg1)
empfiehlt für diese Bestimmung folgendes Verfahren: 0,75 g Wachs werden mit
40 ccm Chloroform hei wenigstens 20° gelöst und darauf 25 ccm Hüblsche Jod-
lösung hinzugesetzt, wobei gewöhnlich das Wachs schon teilweise wieder ausfällt,
was indes auf die Bestimmung nicht von Einfluß ist. Nachdem die Lösung minde-
stens 12 Stunden gestanden, wird in der üblichen Weise (S. 531) die Bestimmung
zu Ende geführt.

Die Jodzahlen des Wachses und der verschiedenen Fälschungsmittel sind
folgende:

Gelbes

Wachs

6-

Weißes

Wadis

.Tap an-
wachs

Karnauba-

wachs

Harz

Paraffin	Ceresin	(„Stearin“	Talg1 2

des Handels)

13	1—176)	8,5—10,5	4,8—9	1,7—3,1	0—0,6	4-25	35-48	100—1804 5)

6. Bestimmung der Säurezahl, Esterzahl und Yerseifungszahl. Zum Nach-
weise der Reinheit hezw. eines Zusatzes fremder fettartiger Stoffe ist die Bestimmung
der freien Säure und die Yerseifungszahl des Palmitinsäure-Esters von größtem
Wert, da die Menge des zur Neutralisation der freien Säure verwendeten Kali-
hydrates, sowie des zur vollständigen Verseifung verbrauchten Kalihydrates und
ferner das Verhältnis dieser erhaltenen Zahlen zueinander bei reinem Bienenwachs
konstante Werte sind oder doch nur innerhalb ganz geringer Grenzen schwanken.

Nach von Hühl werden von dem durch Umschmelzen gereinigten Wachs
3—4 g in einem Erlenmeyer-Kolben mit 20 ccm Alkohol von 95 °/0 im Wasserbade
zum Sieden erhitzt, mit einigen Tropfen Phenolphthalein-Lösung versetzt und siedend
heiß unter tüchtigem ümschwenken mit alkoholischer 1/2 N.-Kalilauge,r&gt;) wie sie
zur Bestimmung der Köttstorfer sehen Zahl verwendet wird und die vorher gegen
1/2 N.-Salzsäure eingestellt sein muß, titriert. Da häufig während dieser Operation
bereits ein Festwerden der Masse eintritt, muß man die schwach rot erscheinende
Flüssigkeit nochmals erwärmen und, falls die Färbung verschwindet, noch so viel
Kalilauge zusetzen, bis die rötliche Farbe in der Flüssigkeit bestehen bleibt.

Die auf diese Weise zur Sättigung der freien Säure für 1 g des angewendeten
Wachses gebrauchten Milligramme Kalihydrat (KOH) bezeichnet man als Säurezahl,

Hierauf fügt man noch 25—35 ccm derselben Kalilauge hinzu, erwärmt be-
hufs vollständiger Verseifung unter Ersatz des verdampften Alkohols durch neutralen
Alkohol noch 3/4—1 Stunde auf dem Drahtnetze oder auf der Asbestplatte und
titriert siedend heiß unter tüchtigem Umschwenken und nötigenfalls unter wieder-
holtem Erwärmen den Überschuß des Alkalis durch x/2 N.-Salzsäure zurück.

Die zur Verseifung der Ester von 1 g Wachs erforderlichen Milligramme
Kalihydrat (KOH) bezeichnet man als Äther- oder Esterzahl.

Säurezahl + Esterzahl ergehen die Yerseifungszahl.

Neuerdings ist in der Literatur6) mehrfach darüber gestritten worden, in welcher
Weise die Verseifung ausgeführt werden muß, um die richtigen Ester- hezw. Verseifungs-

1)	Chem.-Ztg. 1903, 27, 762.

2)	Nach S. 544—545 hinzugesetzt.

3)	Die Jodzahlen schwanken je nach der Art des Bleichverfahrens.

4)	Sehr schwankend.

5)	Es empfiehlt sich nach G. Büchner (Chem.-Ztg. 1901, 25, 21), zur Herstellung
der alkoholischen Kalilauge absoluten Alkohol zu verwenden und ferner zur Lösung des
Wachses etwa 80—100 ccm 96°/0-igen Alkohol zu verwenden.

6)	Chem.-Ztg. 1891, 15, 476; Zeitschr. f. öffentl. Chem. 1904, 10, 404 und 1905, 11,
6 u. 68; ferner Chem.-Ztg. 1903, 27, 752 und 1905, 29, 32.
        <pb n="957" />
        ﻿Bienenwachs.

935

zahlen zu erhalten; namentlich sollen hei ceresin- und paraffinhaltigem Wachs die Zahlen
zu niedrig ausfallen, wenn man nur eine Stunde lang verseift. Man wird daher unter
Umständen gut tun, bei gefundenen niedrigen Ester- bezw. Verseifungszahlen länger zu
erhitzen — von einigen Autoren wird 4—8-stündiges Erhitzen für erforderlich gehalten —
oder, wie G. Büchner1) vorschlägt, durch zeitweise Konzentration der Flüssigkeit —
mittels aufgesetzten Soxhletschen Extraktionsapparates mit Kugelkühler — die Ver-
seifung zu beschleunigen.

Bei gelbem Bienenwachs liegt die Säurezahl im allgemeinen zwischen
19—21 und die Esterzahl zwischen 73—76; das Verhältnis dieser beiden Zahlen,
die sog. Verhältniszahl, liegt im allgemeinen zwischen 1:3,6—1:3,8 und be-
trägt im Ättel 1 : 3,75.

Bei weißem Bienenwachs steigt die Säurezahl bis 24* 2), die Esterzahl ist
74,5—76,5; im Durchschnitt betragen die Zahlen jedoch auch, wie bei gelbem
Bienenwachs, 20 bezw. 75, so daß auch die Verhältniszahl 1 : 3,75 bestehen bleibt.

Bei den meisten Stoffen, die zur Verfälschung des Bienenwachses dienen, sind
die nach dem Hü bl sehen Verfahren erhaltenen Werte wesentlich andere, wie folgende
Tabelle zeigt:

Gegenstand;		Säurezahl	Esterzahl	Verhältniszahl
Gelbes Bienenwachs 				19—21	73—76	1:3,75
Weißes Bienenwachs			20—24	74,5—76,6	1 : 3,75
	Japanwachs		20	200	1: 10
Ver- fälschungs- mittel :	Karnaubawachs		4	75	1:19
	Talg	  Stearinsäure		4  195	176  0	1:44  195; 0
	Harz .	.				110	1,6	1:0,015
	Paraffin, Ceresin		0	0	o

Bei der Beurteilung der Bienenwachse auf Grund der vorstehenden Zahlen
sind folgende Fälle zu unterscheiden:

1.	Ergibt die Untersuchung eines Wachses für reines Bienenwachs normale
Zahlen und sind auch spezifisches Gewicht und Schmelzpunkt nicht abweichend, so
darf man die Probe in der Regel als rein ansehen. Doch kommen nach G. Büchner
auch „Gewerbewachs“ genannte Wachskompositionen aus Stearinsäure und Preß-
talg bezw. Japantalg und Ceresin oder Paraffin vor, die normale oder doch an-
nähernd normale Säure-, Ester-, Verseifungs- und Verhältniszahlen zeigen; man
erkennt diese Verfälschungen durch die Bestimmung der Buchnerschen Zahl
(vergl. No. 7).

2.	Liegt die Esterzahl wesentlich unter 73, die Säurezahl unter 19, und ver-
halten sich die gefundenen Zahlen dennoch ungefähr wie 1 :3,75, so deutet der Be-
fund auf Zusatz eines indifferenten Körpers (Paraffin oder Ceresin) hin.

3.	Ist das Verhältnis wesentlich größer als 1 : 3,75, also die Esterzahl eine
höhere, so ist ein Zusatz von Japanwachs, Karnaubawachs oder Talg anzunehmen.

4.	Erhält man bei gelbem Wachs eine höhere Säurezahl als 24, so daß das
Verhältnis wesentlich kleiner wird als 1 :3,75, so ist ein Zusatz von Harz oder
Stearinsäure anzunehmen.

9 Chem.-Ztg. 1905, 29, 32.

2)	Bei chemisch gebleichtem, reinem Wachs fanden L. Medien s und C. A. Wellenstein
(Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 1092) sogar eine Zunahme
der Säurezahl von 18,88 auf 24,71 und ein Sinken der Verhältniszahl von 3,85 auf 2,95 °/0.
        <pb n="958" />
        ﻿936

Bienenwachs,

Deuten vom reinen Bienenwachs abweichende Zahlen auf eine
Verfälschung hin, so ist unter Berücksichtigung der vorstehend unter
2—4 aufgeführten Hinweise nach den weiter unten angegebenen Ver-
fahren auf den vermutlich zugesetzten Stoff näher zu prüfen.

Hehn er verfährt in ähnlicher Weise, jedoch unterscheidet sich sein Verfahren von
dem Hüb Ischen dadurch, daß er statt des Äthylalkohols Methylalkohol verwendet und die
Ergebnisse nicht in Milligramm KOH angibt, sondern die in der Probe enthaltenen Ge-
wichtsprozente Cerotinsäure und Myricin unter der Annahme berechnet, daß 1 ccm N.-Lauge
0,41 g Cerotinsäure neutralisiert und 0,676 g Myricin verseift. Dabei wurden gefunden:

Cerotinsäure . . . 12,17—15,91 °/0, im Durchschnitt 14,40 °/0.

Myricin.......... 85,95—96,02 „ „	„	88,09 „

7.	Bestimmung der Bnchnersehen Säurezahl. Zum Nachweise von sog.
Wachskompositionen, auch „Gewerbewachs“ genannt, die aus Gemischen von Stearin-
säure, Preßtalg oder Japantalg und Ceresin oder auch Paraffin bestehen und normale
oder doch annähernd normale Säure-, Ester-, Verseifungs- und Verhältniszahlen
haben, hat G. Büchner1) ein Verfahren beschrieben, das unter Umständen sogar
gestattet, ungefähr die Menge der Kompositionen zu bestimmen. Es beruht darauf,
daß, wenn man reines Bienenwachs mit heißem 80 °/0-igem Alkohol behandelt, nach
dem Erkalten des Alkohols nur eine geringe Menge Cerotinsäure in Lösung bleibt,
während bei Gegenwart von Stearinsäure und Harzkompositionen größere Mengen
von Stearinsäure und Harzsäuren in Lösung bleiben. Man verfährt folgendermaßen;

In ein Eundkölbchen bringt man 5 g Wachs, setzt 100 ccm 80°/0-igen
Alkohol (850 ccm 96 °/0-iger Alkohol + 190 ccm Wasser) hinzu, stellt das Gesamt-
gewicht fest, erwärmt bis zum schwachen Sieden und erhält unter öfterem Um-
schütteln 5 Minuten auf dieser Temperatur. Alsdann bringt man den Kolben unter
beständigem Umschütteln in kaltes Wasser und läßt darin stehen, bis der Kolben-
inhalt Zimmertemperatur angenommen hat. Der Kolben wird auf die Wage
gebracht und mit 80 °/0-igem Alkohol auf das ursprüngliche Gewicht ergänzt.
Darauf* 2 * * *) filtriert man durch ein Ealtenfilter und titriert 50 ccm des Filtrates mit
alkoholischer 1/10 N.-Kalilauge unter Anwendung von Phenolphthalein als Indikator.
Büchner fand auf diese Weise folgende „Säurezahlen“:

Reines Bienenwachs Palmen- Karnanba- T(,nantoin- Preß- Kolo- Stearin-
gelb weiß wachs wachs	Japa uai,, talg phoninm säure

ccm !/10 KOH; 3,6-3,9 3,7—4,1 1,7—1,8 0,76—0,87 14,93—15,3	1,1	150,3	65,8

8.	Nachweis und Bestimmung von Paraffin und Ceresin. a) Für den quali-
tativen Nachweis ist das Verfahren von S. Weinwurm8) empfehlenswert.
Man verfährt in folgender Weise:

5 g Bienenwachs werden mit 25 ccm alkoholischer 1/2 N.-Kalilauge voll-
ständig verseift; die verseifte, durch Abdampfen von Alkohol vollständig befreite
Masse wird mit 20 com konzentriertem Glyzerin versetzt, bis zur vollständigen
Lösung im Wasserbade erwärmt, noch einige Zeit darin weiter erwärmt und dann
werden 100 ccm kochend heißes Wasser hinzugefügt. Bei reinem echten Bienen-
wachs ist die erhaltene Lösung mehr oder weniger klar, durchsichtig bis durch-

r) Chem.-Ztg. 1895, 19, 1422.

2) Nach R. Berg (Chem.-Ztg. 1903, 27, 752) empfiehlt es sich, erst nach 12 Stunden,

während deren Verlauf man einige Male schüttelt, zu filtrieren, da man anderenfalls, wahr-

scheinlich infolge Entstehung mit Cerotinsäure übersättigter Lösungen, zu hohe Zahlen erhält.

a)	Chem.-Ztg. 1897, 21, 619.
        <pb n="959" />
        ﻿Bienenwachs.

937

scheinend, so daß ein mit normaler Letterngröße bedrucktes, unter den Kolben ge-
legtes Papier durch die Lösung vollständig leserlich ist; bei Vorhandensein von nur
6°/0 fremden Kohlenwasserstoffen (oder Harz) ist die Lösung trübe und das Lesen
der Druckschrift durch diese nicht mehr möglich. Ein Zusatz von 8 °/0 Ceresin
bringt schon einen starken Mederschlag hervor.

Nach E. Berg1) geben auch die an Myricylalkohol reichen Wachse anderer Apis-
Arten hierbei eine Trübung. J. Lewkowitsch* 2 3) weist ferner darauf hin, daß auch Zu-
sätze von Insektenwachs und Karnaubawachs eine trübe Lösung geben, so daß z. B. Ge-
mische aus gleichen Teilen Bienenwachs und Insektenwaohs oder Karnaubawachs ebenso
starke Trübungen geben, wie reines Bienenwachs, das 5 °/0 Paraffin enthält. Auf die von
E. Berg angegebenen Anhaltspunkte zur Unterscheidung von Paraffin und Ceresin sei hier
gleichfalls hingewiesen.

h) Für die quantitative Bestimmung der Kohlenwasserstoffe im
Bienenwachs empfiehlt sich das Verfahren von A. und P. Buisine,8) das in folgen-
der Weise ausgeführt wird:

2—10 g geschmolzenes WTachs werden mit Kali-Kalk verseift, die Seife nach
dem Erkalten gepulvert, mit der dreifachen Menge Kali-Kalk gemischt und diese
Mischung in einer birnenförmig aufgeblasenen Eprouvette 2 Stunden bei 250° er-
hitzt. Dann läßt man erkalten, pulvert die festgebackene Masse erst für sich,
später auch die Eprouvette, und zieht das Pulver mehrere Stunden im Soxhlet-
schen Extraktionsapparat mit Petroläther aus. Letzterer wird verdunstet und die
Kohlenwasserstoffe werden bei 110° getrocknet und gewogen.

Der Kohlenwasserstoffgehalt von echtem gelben Bienenwachs schwankt nach den
Untersuchungen von A. und P. Buisine zwischen 12,72—13,78°/0 und nach L. P. Kehler
zwischen 12,5 und 14,5°/0. C. Ahrens und P. Hett4) haben nach einem etwas abge-
änderten Verfahren von A. und P. Buisine in 12 Proben Bienenwachs 12,7—17,6°/0
Kohlenwasserstoffe gefunden.

9. Nachweis von Glyzeriden (Talg usw.). Größere Mengen von Glyzeriden
geben sich durch eine erhöhte Ester- hezw. Verseifungszahl zu erkennen.

Der bestimmte Nachweis geringer Mengen sowie die quantitative Bestimmung
gründen sich auf den Nachweis des Glyzerins hezw. auf dessen quantitative Be-
stimmung.

G. Büchner5 * *) verfährt zum Nachweise der Glyzeride wie folgt: Der Ver-
seifungsrückstand von der Bestimmung der Verseifungszahl nach von Hühl wird
in einer Porzellanschale auf dem Wasserhade vom Alkohol befreit, der Rückstand
mit Wasser aufgenommen und filtriert. Das Filtrat wird eingeengt, mit Kalium-
bisulfat versetzt und in bekannter Weise geprüft, ob sich Akrolein entwickelt.
Wenn größere Mengen von Glyzeriden vorhanden sind, kann der Nachweis des
Akroleins auch direkt durch Vermischen des Wachses mit Kaliumhisulfat geschehen.
Soll die Menge des Glyzerins quantitativ8) bestimmt werden, so verfährt man

4) Chem.-Ztg. 1903, 27, 752.

2)	J. Lewkowitsch, Chemische Technologie und Analyse der Öle, Fette und Wachse.
Braunschweig 1905, Fr. Vieweg &amp; Sohn, 2, 491.

3)	Vergl. K. Mangold, Chem.-Ztg. 1891, 15, 797.

4)	Zeitschr. f. öffentl. Chem. 1899, 5, 91.

5)	Chem.-Ztg. 1901, 25, 21.

6)	Die beiden nachstehend genannten Verfahren sind beschrieben in J. Lewko-

witsch, Chemische Technologie und Analyse der Öle, Fette und Wachse, Braunschweig

1905, Fr. Vieweg &amp; Sohn, 1, 306 ff.
        <pb n="960" />
        ﻿938

Bienenwachs.

nach dem Verfahren von Benedikt und Zsigmondy1) oder dem Azetinverfahren
von Benedikt und Cantor.* 2 3 4 *)

10.	Nachweis von Stearinsäure. Größere Mengen von Stearinsäure — hezw.
von technischem „Stearin“, welches neben Stearinsäure stets Palmitinsäure und
auch etwas Ölsäure enthält —• in einem Wachs gehen sich durch die Erhöhung der
Säurezahl nach von Hühl und der Buchnerschen Zahl (vergl. unter No. 7) zu
erkennen, doch ist zu berücksichtigen, daß auch ein Harz- (Colophonium-) Gehalt
die Säurezahl stark erhöht. Zum Nachweise geringer Mengen Stearinsäure dient
das von H. Röttger8) ahgeänderte Eehlingsche Verfahren:

1 g Wachs wird mit 10 ccm 80°/0-igem Alkohol einige Minuten in einem
Eeagensrohre gekocht. Nach dem Ahkühlen wird die alkoholische Lösung filtriert
und das Filtrat mit Wasser oder nach G. Büchner1) noch besser mit alkoholischer
Bleiacetat- oder Chlorcalcium-Lösung verdünnt. Reine Wachse gehen eine klare
oder nach 1—2 Stunden höchstens eine leicht opalisierende Lösung. Mit 1 °/0
Stearinsäure versetzte Wachse dagegen gehen schon eine durch heim Schütteln sich
flockig abscheidende Stearinsäure getrübte Flüssigkeit; doch ist hierbei zu beachten,
daß auch Colophonium eine (milchige) Trübung gibt, und daß in chemisch gebleichten
weißen Wachsen unter Umständen geringe Mengen von Fettsäuren vorhanden sind,
die dann eine ähnliche Trübung geben, als wenn geringe Mengen Stearinsäure zu-
gesetzt wären.

11.	Nachweis von Harz (Colophonium). Hierfür emphielt sich in erster Linie
die Storchsche Reaktion (vergl. S. 952), die man entweder mit dem Wachs selbst
oder mit dem durch Ausziehen mit 50°/0-igem Alkohol und Eindunsten des er-
kalteten, filtrierten Alkohols gewonnenen Rückstand anstellt. Man erkennt einen
Harzgehalt aber auch schon an der Trübung, welche entsteht, wenn man den
filtrierten Auszug mit 50°/o-igem Alkohol mit dem gleichen Volumen Wasser versetzt.

Von anderer Seite wird zum Nachweise von Harz auch die Donathsohe Reaktion
empfohlen;

5 g Substanz werden mit 20 ccm roher Salpetersäure (spezifisches Gewicht 1,32 bis
1,33) zum Sieden erhitzt und darauf mit einem gleichen Volumen Wasser verdünnt. Nach
Zusatz von so viel Ammoniak, daß die Flüssigkeit darnach riecht, erscheint letztere bei
Gegenwart von Harz infolge gebildeter Nitrokörper mehr oder weniger rot bis rotbraun,
während reines Wachs nur eine hellgelb gefärbte Flüssigkeit liefert.

Größere Mengen von Colophonium geben sich auch schon durch den Geruch
in der erwärmten Probe zu erkennen.

12.	Nachweis von Pllanzenwachs (Karnaubawachs und Japauwachs), Woll-
wachs und Insektenwachs, a) Ein Zusatz von Karnaubawachs zum Bienenwachs
gibt sich außer durch die Erniedrigung der Säurezahl durch die beträchtliche Er-
höhung der Refraktometerzahl (vergl. No, 4, S. 933) und des Schmelzpunktes zu
erkennen. Nach R. Berg6) beginnen mit Karnaubawachs verfälschte Proben hei
etwa 68—70° an zu schmelzen, sind aber bei 79—80° noch nicht ganz flüssig.

Ferner erhält man bei Gegenwart von Karnaubawachs eine positive Wein-
wurmsche Reaktion (vergl. oben unter No. 8, S. 936).

9 Chem.-Ztg. 1885, 9, 976.

2)	Zeitschr. f. angew. Cbem. 1888, 460; vergl. auch J. Lewkowitsch, Chem.-Ztg.
1889, 1B, 13, 93, 191 u. 659.

3)	Chem.-Ztg. 1890, 14, 606.

4)	Ebenda 1901, 25, 21.

6) Ebenda 1903, 27, 752.
        <pb n="961" />
        ﻿Bienenwachs.

939

b)	Japan wachs (Japantalg) gibt sich durch eine erhöhte Ester- und Ver-
hältniszahl zu erkennen.

c)	Wollfett bezw. Wollwachs erkennt man an dem Vorhandensein von
größeren Mengen von Cholesterin und Isocholesterin — geringe Mengen Cholesterin
kommen auch in Talg und „Stearin“ vor — mittels der Hager-Salkowskischen
oder der Liebermannschen Cholestol-Eeaktion (vergl. S. 952) und durch die
Kristallform (vergl. S. 537).

d)	Insektenwachs (Chinesisches Wachs) von Coccus ceriferus. Seine Gegen-
wart erniedrigt die Säurezahl und erhöht die Verhältniszahl des Bienenwachses;
ferner fällt bei Anwesenheit von Insekteuwachs auch die Weinwurmsche Probe
(vergl. oben unter No. 8, S. 936) positiv aus.

e)	Schließlich sei hier nochmals (vergl. S. 931 Anmerkung 1) darauf hin-
gewiesen, daß sich die Wachse mancher fremdländischen Apis-Arten, z. B. die
Gheddawachse, ferner das Hummelwachs vom echten Wachse der Honigbiene (Apis
mellifera) in ihrer Zusammensetzung wesentlich unterscheiden; jene Wachse können
aber nicht als echte Bienenwachse angesehen werden.
        <pb n="962" />
        ﻿Schmiermittel.

Die Schmiermittel sind entweder fest hezw. von salbenartiger Konsistenz
oder flüssig.

Die festen Schmierfette, welche hauptsächlich zum Schmieren von
Wagenachsen Verwendung finden, sind meist Gemische von Teer, Destillations-
rückständen der Petroleumraffinierung, Harz und Harzöl mit 10—30 °/0 Ätzkalk
(hezw. Kalkseifen), auch wohl Ton, Wollschweißfett oder Eühölsatz von der Raffi-
nierung des Eüböls mit Schwefelsäure.

Zum Schmieren von Maschinenteilen finden Verwendung:

a)	Pflanzliche und tierische Fette und öle, und zwar von ersteren
vorwiegend Eühöl, Olivenöl, Rizinusöl, von letzteren Knochenöl, Spermazetiöl, Talg.

h) Mineralöle. Von diesen kommen vorwiegend die von 250—300° siedenden
Anteile des Rohpetroleums und der Schieferöle in Betracht.

Die billigen, für Eisenbahnwagen benutzten Schmieröle bestehen nur zum
geringeren Teile aus raffinierten Destillaten, vielmehr zum größten Teile aus
raffinierten Rückständen. Die Raffinierung geschieht mit konzentrierter Schwefel-
säure unter Einblasen von Luft und durch nachherige Entfernung der Säure durch
Waschen mit Laugen hezw. Wasser.

c)	Gemische der unter a und b genannten öle, z. B. Gemische von Eühöl
und Paraffinöl unter dem Namen „Vulkanöl“ oder solche von Klauenöl und Harzöl
als „Kodöl“.

d)	Als minderwertige Schmieröle, die häufiger den unter a und b ge-
nannten Schmierölen beigemischt werden, sind zu nennen die Harzöle, die bei der
Destillation des Colophoniums gewonnen werden, und die Teer öle. Zu letzteren
gehören die Steinkohlenteeröle, nämlich die zwischen 240—350° übergehenden
Anteile des Steinkohlenteers, und die hochsiedenden Braunkohlenteeröle.

Ein gutes Schmieröl soll folgende Eigenschaften besitzen; es soll;

1.	die Reibung möglichst vermindern und zu dem Zweck einen hinreichenden Grad
von Schlüpfrigkeit besitzen,

2.	an der Luft nicht verharzen,

3.	keine chemische Wirkung auf die Metallteile ausüben, also weder sauer sein noch
zum Sauerwerden neigen,

4.	einen gewissen Grad von Zähflüssigkeit (Viskosität) besitzen, so daß es weder
zwischen den reibenden Flächen herausgepreßt noch bei schneller Bewegung heraus-
geschleudert wird.

6.	sein Volumen und seinen Flüssigkeitszustand durch Temperaturwechsel nicht
wesentlich verändern; es soll also hei niederen Temperaturen flüssig bleiben und bei hohen
Temperaturen nicht zu dünnflüssig werden,

6.	weder ungelöste Beimengungen noch feste Körper gelöst enthalten.

In den letzten Jahrzehnten sind die Schmieröle aus dem Pflanzen- und Tier-
reiche fast vollständig durch die weit billigeren Mineralschmieröle verdrängt worden.
        <pb n="963" />
        ﻿Schmieröle.

941

Nach D. Holde1) unterscheidet man bei den Mineralschmierölen in den
Maschinenbetrieben, je nach ihrem Verwendungszwecke und der Konsistenz, folgende
Sorten:

No.	Bezeichnung der  Öle		Eigenschaften der Öle		Zäh- flüssigkeit nach Engler hei 20“  (fe)	Er-  starrungs-  punkt  (ep)	Entflammungs- punkt nach Pensky  (fp&gt;
1.	Spindelöle (für Spinnereimaschinen)		unter sehr geringem Druck gehende leicht- flüssige Destillate		5—10	unter — 20°	160—200°
2.	Bismaschinen-  Kompressoröle		leichtflüssige Destillate		5—7	unter — 20°	140—180»
3.	Leichte Maschinen-, Transmissions-, Motoren- und Dyna- moöle		mäßig zähflüssige Destillate		13—25		170—220°
4.	Schwere Trans- missions- und Maschi- nenöle		zähflüssige Destillate		25—45 (bis 60)	—	190—220»
5.	Dunkele Eisenb ahn- wagen- und - Lokomotiv- ö) e	’ Sommer- öl* 2)  Winter-  öl2)	zähflüssige, meist raffinierte &gt; Rückstände; zum geringeren Teil raffinierte Destillate		45—60	unter — 5°	über 140°
6.					25—46	unter — 20°	über 140°
7.	Dampf-Zylinder öle		sehr dickflüssige bis salbenartige Destillate		fe bei 50° 23—453)	—	220—316°3)

I.	Schmieröle.4)

1.	Prüfung der Konsistenz von Zylinderölen und ähnlichen dickflüssigen
Ölen hei gewöhnlicher Temperatur. „Für betriebstechnische Zwecke genügt
die Feststellung der Konsistenz im 15 mm weiten ßeagensglase bei 30 mm Auf-

*) D. Holde, Untersuchung der Mineralöle und Fette, 2. Aufl,, Berlin bei Julius
Springer, 1905, 74.

2)	Die angeführten Werte für Zähflüssigkeit, Erstarrungs- und Entflammungspunkt ver-
langt die preußische Staatsbahnverwaltung. Die verschiedenen anderen deutschen Staats-
bahnverwaltungen und viele andere große industrielle Werke haben für die Lieferung der
verschiedenen Mineralschmierölen ebenfalls bestimmte Bedingungen aufgestellt; hierüber
finden sich in dem Holdeschen Werke genauere Angaben, auf die hier verwiesen sei.

3)	Heißdampf-Zylinderöle haben öfter fe bei 50° = 50—60 und fp 280—300° und
darüber.

4)	Für die Untersuchung der Mineralsohmieröle bestehen für Deutschland die vom
deutschen „Verbände für die Materialprüfungen der Technik“ im Jahre 1900 unter dem
        <pb n="964" />
        ﻿942

Schmiermittel.

füllung. Eine erste Probe ist im unerhitzten Zustande, eine zweite nach 10 Minuten
langem Erhitzen im kochenden Wasserhade zu prüfen. Beide Proben werden un-
mittelbar nach erfolgter Vorbehandlung 1 Stunde lang im Wasserbade der Beob-
aohtungstemperatur ausgesetzt, welche den praktischen Erfordernissen anzupassen
ist. Dann wird durch Umdrehen des Probeglases die Konsistenz ermittelt.“

„Für zolltechnische Zwecke (Feststellung der Tara) ist ein kalibriertes
Standglas von 40 mm lichter Weite und 60 mm Höhe bis zu 30 mm mit öl zu

füllen. Ist die Oberfläche des 1 Stunde
auf + 15° gehaltenen Öles nach 2
Minuten langem Umkehren des Glases
unverändert, so ist das Öl als salben-
artig, sonst als flüssig zu bezeichnen.“
„Auch bei diesen Versuchen
empfiehlt es sich, eine erste Probe im
ursprünglichen Zustande, eine zweite
nach dem Erhitzen des Öles im
kochenden Wasserbade zu prüfen.“
2. Bestimmung des Flüssigkeits-
grades (Viskosität). Die Bestimmung
des Flüssigkeitsgrades oder der Vis-
kosität ist für die Beurteilung der
Schmieröle von der größten Bedeutung.
Man bestimmt sie in den Unter-
suchungsämtern und den Mineralöl-
fabriken des Festlandes fast aus-
schließlich mit dem Engl er sehen
Viskosimeter und bezeichnet als
„Zähflüssigkeitsgrad“ , oder „Viskosi-
tätsgrad nach En gier“ die Verhältnis-
zahl, welche angibt, wie vielmal mehr
Zeit ein Öl von einer bestimmten
Temperatur gebraucht, bis 200 ccm
aus der Öffnung des En gl er sehen
Apparates ausfließen, als die gleiche
Menge Wasser von 20°.

Man prüft die Viskosität bei Maschinen- und Eisenbahnölen bei 20 und 50°
bezw. bei Zylinderölen auch bei 1000.1)

„Um zufällige grobe Verunreinigungen der Öle zu entfernen, gießt man sie vorher
durch ein Sieb von 1/s mm Maschenweite. Sehr dicke Öle sind hierfür schwach zu erwärmen.
Über den Rüokstandshefund ist ein Vermerk in das Prüfungsergehnis aufzunehmen. . . .
Wasserhaltige Öle sind vor den Versuchen entweder durch Schütteln mit Chlorcalcium und

Titel „Grundsätze für die Prüfung von Mineralschmierölen“ gemachten Vorschläge. Die
diesen entnommenen Vorschriften sind im nachfolgenden in Anführungszeichen gesetzt.

Ebenso sind vom „Sohmiermaterial-Komitee im niederösterreichischen Gewerheverein
in Wien“ in den Jahren 1900 und 1901 „Vorschriften für die einheitliche Prüfung von
Mineralschmierölen“, sowie Durchführungserläuterungen dazu herausgegeben (vergl. Österr.
Chem.-Ztg. 1901, 4, 202 und 1902, 5, 2).

r) Bei höheren Temperaturen (160—200°) sind nach D. Holde mit dem Englerschen
Apparat für Zylinderöle meßbare Unterschiede von praktischer Bedeutung kaum mehr
vorhanden.

Fig. 348.

Englersches Viskosimeter.
        <pb n="965" />
        ﻿Schmieröle.

943

Filtrieren durch ein trockenes Filter oder durch vorsichtiges Erwärmen auf 110° in offener
Schale bis zum ruhigen Fließen zu entwässern. Mit dem entwässerten Öle ist eine
Kontrollbestimmung auszuführen. “

Das Englersche Viskosimeter (Pig. 348) besteht aus der mittels Deckel A' zu
schließenden Kapsel A, deren Form und Größenverhältniaae aus der Abbildung zu ersehen
sind. Die Mitte des konisch verlaufenden Bodens mündet in ein 3 mm weites und 20 mm
langes Ausflußrohr a, welches aus Messing angefertigt ist. Dasselbe kann mit dem gut
eiugepaßten Ventilstift b verschlossen und geöffnet werden. 24 mm über dem trichter-
förmigen Boden trägt die Kapsel 4 Stifte c, die zum Abmessen des Öles dienen, indem der
Innenkasten, bis hier gefüllt, 240 ccm faßt. Durch eine Öffnung des Deckels wird das
Thermometer in das zu prüfende Öl eingesenkt.

Der ganze Apparat ist von einem oben offenen Messingmantel B umgeben, welcher
für gewöhnlich mit Wasser und bei Viskositätsbestimmungen für höhere Temperatur mit
Paraffinöl angefüllt wird.

Ein Dreifuß dient als Träger des Apparates. Der beigegebene Meßkolben, welcher
die Marken 200 und 240 ccm trägt, muß genau unter die Ausflußöffnung des Apparates
gestellt werden, so daß das ausfließende Öl nicht die Wandungen des Halses streift.

Zur Eichung des Apparates, d. h. zur Bestimmung der Zeit, welche zum Aus-
fluß von 200 com Wasser erforderlich ist, wird Wasser von 20° in den Innenkasten genau
bis zu den Markenstiften c gegeben, wozu 240 ccm erforderlich sind. Auch der Kaum
zwischen dem Innenkasten A und dem Mantel B wird mit Wasser1) von derselben Tem-
peratur gefüllt, alsdann der Stopfen geöffnet und nun mittels einer Sekundenuhr oder
besser eines Chronoskops die Zeit bestimmt, in der ein untergestellter 200 ccm-Kolben ge-
füllt ist. Die Ausflußzeit soll bei richtig gebauten Apparaten 60—52 Sekunden betragen.

Die Bestimmung der Zähflüssigkeit eines Öles wird, nachdem der Apparat
vollkommen gereinigt und trocken ist, wie vorhin beschrieben, mit 240 ccm (bezw. bis zu
den Markeustiften) des auf die erforderliche Versuchstemperatur (20°, 50° usw.) erwärmten
Öles vorgenommen. Durch Division der Auslaufzeit von 200 ccm Wasser in die Auslauf-
zeit von 200 ccm Öl findet man den Viskositätsgrad nach Engler für das betreffende Öl.

Es ist selbstverständlich genau darauf zu achten, daß der Apparat stets rein und
trocken verwendet wird und die Temperaturen möglichst genau innegehalten werden. Die
zulässigen Temperaturschwankungen betragen nach D. Holde 0,05—0,16° für 20°, 0,2°
für 30°, 0,4° für 40°, 0,6° für 50° usw. Bei Versuchen, die bei höheren Temperaturen
ausgeführt werden, ist die Volumenzusammenziehung des ausgelaufenen Öles zu berück-
sichtigen. Nach D. Holde dehnen sich 240 ccm Öl für je 10° Erwärmung um 1,7 ccm aus.
Man bringt alsdann eine Korrektur an, welche auf je 5 Minuten Ausflußzeit für 1 ccm
Auffüllungsfehler -)-1 Sekunde beträgt.

Im Handel unterscheidet man hinsichtlich der Viskosität zwischen Spindel-
ölen (für leichte Belastung und große Geschwindigkeit) mit einer Viskosität unter
10 Englerschen Graden hei 20° und zwischen Maschinenölen (für schwere Be-
lastung) mit einer Viskosität über 10 Englerschen Graden. Uber die Viskosität
anderer Schmieröle und die von der preußischen Eisenbahn-Verwaltung an Wagen-
und Lokomotivöle gestellten Anforderungen vergl. S. 941.

Zur mechanischen Prüfung der Öle hinsichtlich ihres Reibungskoeffizienten
dienen die sog. ölprobiermasehinen, bezüglich deren Einrichtung auf die Literatur
verwiesen sei, insbesondere auf D. Holdes „Untersuchung der Mineralöle und Fette,
sowie der ihnen verwandten Stoffe mit besonderer Berücksichtigung der Schmier-
mittel“ (Berlin bei Julius Springer, II. Aufl., 1905).

3.	Untersuchung des Verhaltens der Schmieröle in der Killte (Bestimmung
des „Kältepunktes“). Das Verhalten der Schmieröle in der Kälte, insbesondere die
Bestimmung der Temperatur, bei der die Öle zu erstarren beginnen (des Kälte-

9 Bei Viakoaitätsbestimmungen über 50° verwendet man als Heizflüssigkeit Paraffinöl.
        <pb n="966" />
        ﻿944

Schmiermittel.

Punktes), ist für manche Verwendungszwecke von großer Bedeutung. Der Kälte-
punkt ist hei den fetten Ölen abhängig von dem Gehalt an den verschiedenen Glyzeriden
und hei den Mineralölen von ihrem Gehalt an Paraffin.

Für die meisten praktischen Zwecke genügt das Reagensglas-Verfahren, für
die Beurteilung der dunkelen Eisenhahnöle dagegen ist die Prüfung des Fließvermögens
in der Kälte nach dem Ü-Rohr-Verfahren vorgeschriehen.

a)	Reagensrohr-Verfahren zur Bestimmung des Kältepunktes.
Hofmeister1) empfiehlt folgendes Verfahren: Das öl wird in ein Reagensglas von
15 mm Weite bis zu einer etwa 30 mm über dem Boden befindlichen ringförmigen,
mit weißer Farbe ausgelegten Strichmarke eingefüllt. Diese Gläser werden zu 8 bis
9 in ein Gestell (Fig. 349) eingesetzt, welches in die Salzlösung im Gefäß a aus ver-
nickeltem Zinkblech eingestellt wird (Fig. 350). Der Ständer c trägt an dem Rohr d

Fig. 34,9.	Fig. 350.

Gefrierpunkt-Bestlmmungsapparat nach Hofmeister.

eine Scheibe, auf welche die Gläser aufgesetzt werden; ferner zwei Ringreifen g,
welche sie halten, Federn h zum Andrücken für jedes Gläschen und in dem dicken
Teile e die Klemmschraube f. Das Gefäß a steht in einer Kältemischung aus Eis
und Kochsalz* 2) in dem irdenen Gefäß h.

Als Salzlösungen zum Füllen des Gefäßes a dienen solche, welche enthalten:

Gefrierpunkt	Salz in 100 ccm

0° —

—	3°	13 g Kaliumnitrat

—	40 3) desgl. -\-2 g Chlornatrium

—	5° desgl. -j- 3,3 g Chlornatrium

Gefrierpunkt

—	8,7°

—	10° 3)

—	14° 3)

—	15,4°

Salz in 100 ccm
35 g Chlorbaryum
22,5 g Chlorkalium
20 g Chlorammonium
25 g Chlorammonium

Diese Lösungen behalten so lange die Temperatur ihres Gefrierpunktes, als einer-
seits noch feste Bestandteile in der Lösung enthalten sind und andererseits noch nicht die

J) Mitteil, techn. Versuchsanstalten, Berlin 1889, 24; vergl. Benedikt-Ulzer,
Analyse der Fette und Wachsarten. Berlin bei Julius Springer, 4. Auf!., 1906, 130.

2)	Als Kältemischungen zur Erzielung niedriger Temperaturen können auch dienen;
Eine Mischung von entweder 1 Teil Kochsalz und 2 Teilen Schnee oder zerstoßenem Eis, wo-
durch eine Temperatur von — 20° erzielt wird, oder eine Mischung von 1 Teil Chlor-
ammonium, 2 Teilen Kochsalz und 5 Teilen Eis (—30°), oder eine Mischung von 5 Teilen
Kochsalz, 5 Teilen Ammoniumnitrat und 12 Teilen Eis (—40°).

3)	Nach D. Holde.
        <pb n="967" />
        ﻿Schmieröle.

945

ganze Masse erstarrt ist. Man entspricht diesen Bedingungen durch zeitweises Heraus-
nehmen der Lösungen aus der Kältemischung. Wenn die Salzlösungen beim Gefrieren
diese Eigenschaft zeigen sollen, so muß man nach Annäherung an den Gefrierpunkt der
Lösung ein Stückchen Eis und ein Stückchen des hetr. Salzes in die Lösung hineinwerfen.

Die Probe bleibt 1—2 Stunden in der Lösung, worauf bei kurzem Heraus-
nehmen und Neigen des Eeagensglases festgestellt wird, ob noch eine Änderung
des Flüssigkeitsspiegels eintritt. Die Temperatur, bei welcher ein öl nicht mehr
fließt, ist sein „Kältepunkt“. Ist dieser erreicht, so senkt man, nachdem das
Eohr sofort in die kalte Lösung zurückversetzt ist, einen Glasstab ein und prüft
nach 1/i Stunde, ob dieser noch leicht beweglich ist und sich aus dem Öl heraus-
ziehen läßt — „dünnsalbiges“ öl — oder ob sich der Glasstab nur schwer be-
wegen läßt und das Glas beim Herausziehen mitgehoben wird — „dicksalbiges“ öl.

Zur näheren Bezeichnung der Konsistenz dienen die Bezeichnungen: „schwer-
fließend, fadenziehend, dünnsalbig, dicksalbig, schmalzartig, hutterartig, talgartig“.

Um nicht alle obigen Kältelösungen der Reihe nach ausprobieren zu müssen, empfiehlt
es sich nach D. Holde, zu einem Vorversuch ein Reagensglas mit einer 7—8 cm hohen
Schicht Öl zu beschicken, ein Thermometer in dem Glase so zu befestigen, daß die Queck-
silberkugel in der Mitte des Öles steht, das Reagensrohr in eine Mischung von Bis und
Kochsalz zu bringen und bei zeitweisem kurzem Herausnehmen aus dieser das Öl auf
Konsistenz und sonstige Beschaffenheit (z. B. Beginn der ersten Ausscheidungen) zu prüfen.

b)	Bestimmung des Fließvermögens in der Kälte nach dem U-Eohr-
Verfahren von D. Holde. Bezüglich der Ausführung dieser Bestimmung sei auf
Holdes „Untersuchung der Mineralöle und Fette usw.“ (Berlin bei Julius Springer,
1905) S. 132 verwiesen; der dazu erforderliche Apparat ist zu beziehen von der
Firma G. A. Schultze in Berlin, Köpenickerstraße 128.

Der Kältepunkt der Öle ist wesentlich von ihrer vorhergegangenen Behandlung ab-
hängig; durch Erhitzen der Öle kann der Kältepunkt verschoben werden; ferner können
auch Veränderungen nach wiederholtem Proben und Wiedererwärmen auf Zimmertemperatur
auftreten; es können daher auch dieselben Öle hei der Prüfung zu verschiedener Zeit ganz
verschiedene Kältepuukte zeigen. Man prüft daher stets 2 unerhitzte und 2 im Probe-
röhrchen 10 Minuten im Wasserbade hei 50° erhitzte Proben. Bei dem im erhitzten Zustande
geprüften Öle ist die Prüfung zu wiederholen, wenn das Öl bei der ersten Prüfung genügt hat.

Zur Entfernung mechanischer Verunreinigungen wird das Öl hei Zimmerwärme durch
ein Sieb von 1/3 mm Maschenweite gegossen.

4.	Bestimmung des Flammpunktes, des Brennpunktes und der Verdnnipfungsmenge.

a)	Flammpunkt. „Die Festsetzung einer Mindestgrenze für den Flammpunkt
ist für Eisenbahnöle, Maschinenöle, Zylinderöle usw. erwünscht, um das Schmieröl
in einfacher Weise als frei von leichtflüchtigen ölen und als nicht feuergefährlich zu
kennzeichnen, ferner zum Nachweise, daß es sich um ein und dasselbe öl handelt,
und weil der Flammpunkt bis zu einem gewissen Grade mit wesentlichen Eigen-
schaften der öle Zusammenhänge Die Höhe dieser Grenzen ist für die verschiedenen
Sorten von ölen nach Maßgabe der besonderen Betriebsbedürfnisse festzusetzen.“

„In allen Fällen, in denen es sich um Erzielung möglichst großer Genauigkeit
handelt, ist die Pensky-Martenssche Vorrichtung, in anderen Fällen auch der
offene Tiegel zu benutzen. Mit dem Ergebnis ist jedesmal anzugeben, welche Vor-
richtung benutzt worden ist.“

a) Der Pensky-Martenssche Apparat.1) Von einer eingehenderen Be-
schreibung des nachstehend (Fig. 851) abgebildeten Apparates sehen wir hier ab,

*) Der Apparat wird vou der Firma Sommer und Runge in Berlin SW. 48, Wilhelm-
straße 122, angefertigt.	,

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	60
        <pb n="968" />
        ﻿946

Schmiermittel.

da demselben eine eingehende Beschreibung beigefügt zu werden pflegt. Zur Aus-
führung der Bestimmung verfährt man nach D. Holde in folgender Weise;

Die Ölprobe wird in das Gefäß, das in dem Eisenkörper H mit dem Messing-
mantel L ruht, bis zur Marke M aufgefüllt und durch den Dreibrenner erhitzt.
Sobald das öl etwa die Temperatur 100° erreicht hat, wird es beständig mit dem
Handrührer J bewegt und von 120° an wird unter fortgesetzter Bewegung des
Rührers das Zündflämmchen Z durch Drehung des Griffes G von 2° zu 2° und
später, wenn das Zündflämmchen beim Eintauchen größer erscheint, von Grad zu

■bestlmmnng.

Fig. 352.

„Offener Tiegel“ zur Flammpunktbestimmung.

Grad so lange in den Dampfraum des Gefäßes E getaucht, bis ein deutliches Auf-
flammen der Dämpfe in dem Dampfraum eintritt. Die hierbei am Thermometer T
abgelesene Temperatur, bei welcher die Korrektur für den herausragenden Queck-
silberfaden zu berücksichtigen ist, bezeichnet den „Flammpunkt“ des Öles.

Die Temperatur darf während der Erhitzung auf 120° noch 6—10°, von 20° unter-
halb des Flammpunktes an nur 4—6° in der Minute steigen. Bei Doppelbestimmungeu
betragen die Differenzen meist nicht über 3°. Öle, welche schon einmal zum Versuche
benutzt worden sind, sind für die Wiederholung der Probe unter Umständen nicht mehr
geeignet. Bei der Prüfung der Thermometer senkt man diese bis zur Hülse in das
Temperaturbad ein und ermittelt so die Korrektur für den herausragenden Faden und den
etwaigen Fehler des Thermometers...
        <pb n="969" />
        ﻿Schmieröle.

947

ß) Die Prüfung im offenen Tiegel (Fig. 352) wird nach den Vorschriften
der preußischen Staatshahnen in folgender Weise vorgenommen:

Das Öl wird in einen zylindrischen, glasierten Porzellantiegel a von 4 cm
Höhe und 4 cm lichter Weite bis auf 1 cm vom Rande gefüllt und der Tiegel in
eine halbkugelförmige Blechschale b von 18 cm Durchmesser gestellt, in welcher
sich eine Sandlage von 1,5 cm Höhe befindet. Der Tiegel wird auf den Sand ge-
stellt. Nachdem ein Thermometer c so in das öl eingehängt ist, daß die Queck-
silberkugel ganz von Öl umgeben wird, fängt man an, mit dem Bunsen-Brenner
zu erwärmen, und verfolgt die Temperatur-Steigerung, indem man von 100° an nur
langsam mit der Erhitzung vorangeht.

Von 100° oder von 120° an prüft man von 5 zu 5° und von 145° an von
Grad zu Grad mit einer etwa 10 mm langen Zündflamme das öl auf entzündbare
Gase, indem man die Zündflamme jedesmal 4 Sekunden über dem Tiegel hält und
von den entwickelten Dämpfen bestreichen läßt. Hierbei läßt man das Zündrohr g
so über den Rand der Blechschale gleiten, daß die Flamme langsam und gleichmäßig
in wagerechter Richtung Uber den Rand geführt und die vertikalstehende Flamme
2—3 mm von der Oberfläche entfernt bleibt1). Die Erwärmung wird so lange
fortgesetzt, bis bei Annäherung des Flämmchens ein vorübergehendes Aufflammen
Uber der Öloberfläche oder eine durch einen schwachen Schall wahrnehmbare Ver-
puffung eintritt.

b)	Brennpunkt. Hierunter versteht man die Temperatur, bei der bei vorübergehender
Annäherung einer Flamme ein ruhiges Fortbrennen an der Oberfläche des Öles stattfindet.
„Die Bestimmung des Brennpunktes ist im allgemeinen bei Schmierölen neben der Flamm-
punktbestimmung entbehrlich. Jedoch empfiehlt es sich, in besonderen Fällen, z. B. bei
auffallend niedrigem Flammpunkt und bei Fragen der Feuergefährlichkeit, auch den Brenn-
punkt zu bestimmen.“ Man schließt die Bestimmung des Brennpunktes an die des Flamm-
punktes im offenen Tiegel an (vergl. oben unter a ß).

„Die Bestimmung erfolgt in offenen, 4 cm weiten und 4 cm hohen Porzellantiegeln
auf flacher Sandbadschale. Die Tiegel sind zur Hälfte in Sand einzubetten. Das Erhitzen
soll stetig erfolgen und die Temperatursteigerung soll etwa 4° in der Minute, im äußersten
Falle 6° in der Minute betragen.“

c)	Verdampfungsmenge. „Die Bestimmung der Verdampfungsmenge beim Erhitzen
der Öle im offenen Gefäß (Porzellantiegel) ist nur ausnahmsweise erforderlich, nämlich um
in besonderen Fällen die Verdampfbarkeit von solchen Ölen zu vergleichen, welche bei
Heißdampf- und Hochdruckmasohinen zu hocherhitzten Ölbädern und dergleichen Ver-
wendung finden.“

„Die Bestimmung soll in 4 cm weiten und 4 cm hohen Porzellantiegeln erfolgen.
Die Tiegel sollen im Sandbad, zur Hälfte in dieses eingehüllt, auf die in Frage kommende
Temperatur erhitzt werden. Zu den Versuchen ist stets ein Vergleichsöl heranzuziehen
und die Erhitzung ist bei den Vergleichsversuchen gleich schnell (20 oder 30 Minuten) zu
bewirken. Es sind stets 2 Versuche auszuführen, aus deren Ergebnissen das Mittel zu
nehmen ist.“

D. Holde* 2) hat für die Bestimmung der Verdampfbarkeit besondere Apparate
herstellen lassen3), auf die hier verwiesen sei.

*) Eine stets gleichartige Annäherung der Flamme wird durch den Apparat mit
mechanischer Flammenführung von Marcusson erreicht, der von den „Vereinigten Fabriken
für Laboratoriumsbedarf“ in Berlin hergestellt wird.

2)	Mitteil, techu. Versuchsanstalten. Berlin 1902, 67.

3)	Die Apparate werden von der Firma Paul Altmann in Berlin NW., Louisen-
straße 47, geliefert.

60*
        <pb n="970" />
        ﻿948

Schmiermittel.

5.	Bestimmung des Säuregehaltes, a) Bei hellen Ölen werden 10 g in
einem neutralen1) Gemisch von 50 ccm Alkohol und 25 ccm Äther gelöst und unter
Anwendung von Phenolphthalein als Indikator mit alkoholischer 1/10 N.-Natronlauge
bis zur Rotfärbung titriert.

Die gefundenen Kubikzentimeter 1/10 N.-Lauge entsprechen bei Anwendung
von 10 g öl direkt den (Burstyn’sehen) „Säuregraden“ (= „Säurezahlen“). Inder
Mineralölindustrie ist es bislang üblich, den Säuregehalt der öle auf Schwefelsäure-
anhydrid (1 ccm 1/10 N.-Lauge = 0,0040 g S08) umzurechnen; bei fetten ölen da-
gegen berechnet man den Säuregehalt meist auf Ölsäure (1 ccm 1/10 N.-Lauge
= 0,0282 g Ölsäure).

b)	Bei dunkelen Ölen2) durchschüttelt man 20 ccm öl in einem Zylinder
mit Glasstopfen kräftig mit 40 ccm neutralem absolutem Alkohol, läßt absitzen und
verwendet von der alkoholischen Flüssigkeit 20 ccm zur Titration nach a. Der
gefundene Wert wird durch Division durch das spezifische Gewicht des Öles auf
Gewichtsprozente umgerechnet.

Beträgt der Säuregehalt mehr als 0,03 °/0 SO;i, so muß mau die Ausschüttelung nach
dem Ahgießen des im Zylinder verbliebenen Alkoholrestes noch mehrmals mit 40 ccm
Alkohol wiederholen und die gefundenen Werte zu dem ersten addieren. Nach D. Holde
kann man sich jedoch mit genügender Genauigkeit die folgenden Ausschüttelungen ersparen,
wenn man folgende Korrektur für die 2. und 3. Ausschüttelung in Rechnung setzt:

Erste Ausschüttelung (°/0 S03) 0,015- 0,025—0,033—0,069—0,089—0,099-0,115—0,145 °/0

Korrektur................... 0,005 0,010 0,015 0,020 0,025 0,030 0,035 °/0.

c)	Mineralsäuren, als welche wohl nur Schwefelsäure in Frage kommt,
weist man in einem öle dadurch nach, daß man 100 g öl nach dem Erwärmen mit
100 ccm Wasser gehörig durchschüttelt, nach Trennung der Flüssigkeit einen Teil
der wässerigen Schicht klar filtriert und diesen mit einigen Tropfen einer alkoholischen
Lösung von Methylorange (Tropaeolin 00) versetzt. Bei der geringsten Spur freier
Mineralsäure färbt sich das mit dem öl geschüttelte Wasser deutlich rosa, während
freie Fettsäuren auf die ursprünglich goldgelbe Färbung gar nicht verändernd
ein wirken.

Nach D. Holde enthalten helle raffinierte Mineralöle keine oder nur Spuren (bis
0,03°/0 S03) von freier Säure, dagegen steigt der Säuregehalt in dunklen Ölen bis 0,3°/0
S03 oder, wenn Abfallöle mit verarbeitet sind, auch bis 0,6 °/0 S03. In der Regel beträgt
aber auch bei dunklen Ölen der Säuregehalt nicht mehr als 0,15°/o S03.

Öle, welche weniger als 0,01 °/0 S03 entsprechende Säuremengen enthalten, werden
als „säurefrei“ bezeichnet.

6.	Bestimmung des Asphaltgehaltes. „Die Bestimmung der Löslichkeit heller
Mineralöle in Benzin und Benzol ist im allgemeinen entbehrlich; nur wenn Trübungen
zweifelhafter Beschaffenheit vorliegen, wird eine solche Prüfung nötig.“

„Dunkle öle sollen in Benzol völlig löslich sein.“

„Zur Ermittelung des Asphaltgehaltes dient die Bestimmung der Lös-
lichkeit in reinem Petroleurabenzin. Das Benzin soll das spezifische Gewicht 0,69
bis 0,71 bei + 15° und die äußersten Siedegrenzen 65° und 95°C. haben. Die Auf-

1)	Ist das Gemisch nicht neutral, so wird es vorher unter Verwendung von
Phenolphthalein als Indikator mit der alkoholischen 1/10 N.-Natronlauge neutralisiert.

’) De Negri und Fabris haben für die Titration dunkeier Fette die Anwendung
von Alkaliblau 6h von Meister, Lucius und Brüning empfohlen, das in saurer Lösung
blau, in alkalischer rot ist. Wenn die Anwendung dieses Indikators möglich ist, kann die
Titration der Säure auch, hei dunkelen Fetten nach dem Verfahren unter a erfolgen.
        <pb n="971" />
        ﻿Schmieröle.

949

lösung soll für qualitative Versuche im Reagensglase von 15—20 mm Weite im
Verhältnis von 1 Raumteil öl zu 40 Eaumteilen Benzin erfolgen. Nach 24-stündigem
Stehen unter Ausschluß direkten Sonnenlichtes soll beobachtet werden, ob sich ein
Niederschlag gebildet hat. Bei positivem Ausfall der qualitativen Probe wird die
quantitative Bestimmung mit 5 g öl unter sonst gleichen Bedingungen wie
bei der qualitativen Probe ausgeftihrt.“

„In den ölen nicht gelöste Asphaltstoffe dürfen im allgemeinen nicht zugegen
sein. Die Gegenwart solcher Stoffe kann durch Bestimmung des Asphaltgehaltes
im filtrierten und nicht filtrierten öl ermittelt werden.“

„Die Festsetzung der Grenzzahlen für den Asphaltgehalt ist den Verbrauchs-
zwecken anzupassen.“

7.	Bestimmung des Gehaltes an leichten Ölen und Paraffin.

a)	Die Destillationsprobe. „Die Destillationsprobe ist bei der technischen
Prüfung der Schmieröle nur dann vorzunehmen, wenn bei auffällig niedrigem Flamm-
punkt der Verdacht auf Gegenwart leichter öle vorliegt und deren Kennzeichnung
erforderlich ist. Die Destillationsprobe ist bei zolltechnischen Prüfungen zur Klassi-
fizierung des zu prüfenden Materiales anzuwenden (s. Centralbl. für das Deutsche
Reich 1898, S. 279).“ Die Erhitzung des Öles soll nicht Uber 320° hinausgehen.

Für die zolltechnischen Prüfungen ist ein besonderer Destillierapparat1)
aus Metall vorgeschrieben. Aus dem vernickelten Metallkesselchen dieses Apparates
werden 100 ccm Öl (Eohbenzin, Rohpetroleum, Mineralöl usw.) in der Weise
destilliert, daß die Temperatur von 120—150° etwa 4° und von da bis 320° 8 bis
10° in der Minute steigt; bei 320° wird die Destillation unterbrochen.

Bei der zolltechnischen Prüfung sind für Deutschland nach dem Erlaß des
Bundesrats (1898) folgende Gesichtspunkte maßgebend:

1.	Als Benzin, Ligroin und Petroleumäther sind nur leichte Mineralöle zu be-
handeln, d. h. Öle, welche hei der Destillation mindestens 90 Volumprozent unter 1500
siedende Teile ergeben.

2.	Als Schmieröle sind diejenigen Mineralöle zu verzollen, welche einen Siedepunkt
von mehr als 300° haben.

3.	Dem Zollsätze von Schmieröl unterliegt ferner Mineralöl mit einer 0,830 überschreiten-
den Dichtigkeit, wenn bei der fraktionierten Destillation desselben bis 300° weniger
als 70 Volumprozent Öl übergehen. Jedoch wird Eohpetroleum (rohes Mineralöl,
welches einer Destillation behufs Sonderung der Bestandteile noch nicht unterlegen
hat), auch wenn es die vorstehend angegebenen Merkmale der Schmieröle zeigt, nur
dann als Schmieröl verzollt, wenn es einen höheren Bntflammungspunkt als 50° Abel
zeigt, oder ein höheres spezifisches Gewicht als 0,885 bei 15° besitzt, oder bei der
fraktionierten Destillation im En gl ersehen Apparat von 150° an bis zu 320° weniger
als 40 Volumprozent Öl übergehen läßt, oder einen höheren Paraffingehalt als 8 Ge-
wichtsprozent ergibt.

b)	Bestimmung des Paraffingehaltes. „Die Bestimmung des Paraffingehaltes
kann im allgemeinen bei Schmierölprüfungen entbehrt werden. In besonderen Fällen,.,
z. B. hei Prüfung der Herkunft von ölen, in Streitfällen usw. kann das Alkohol-
Äther-Verfahren von Holde zur Paraffinbestimmung benutzt werden.“ Über die
Ausführung dieses Verfahrens, welches auch für die zollamtliche Untersuchung desj
Rohpetroleums vorgeschrieben ist, vergl. D. Holdes Untersuchung der Mineralöle
und Fette. Berlin bei Julius Springer, 1905, 2. Aufl., 21 (1. Aufl., 182).

*) Der Apparat (Preis 180 M.) wird von der Firma Sommer &amp; Runge in Berlin
SW. 48, Wilhelmstraße 122, angefertigt.
        <pb n="972" />
        ﻿950

Schmiermittel.

8.	Bestimmung von Wasser und Asche.

a)	Bestimmung des Wassers. In hellfarbigen ölen gibt sich ein Wassergehalt
durch die emulsionsartige Trübung nach dem Schütteln kund. Nach D. Holde
kann man auch das öl mit einer Messerspitze voll entwässertem Kupfersulfat er-
wärmen. Schon Spuren von Wasser geben sich durch Grün- bis Blaufärbung des
Kupfersalzes zu erkennen.

„Der Wassergehalt der Öle ist nur dann quantitativ zu bestimmen, wenn die
qualitative Probe einen merklichen Wassergehalt erkennen ließ. Bei ölen, die unter
240° C. im Pensky-Apparat entflammen, erfolgt die Bestimmung so, daß die Ge-
wichtsverluste gewogener, etwa gleichgroßer Mengen (je 10—15 g) des ursprüng-
lichen und des entwässerten Öles beim Erhitzen in Glasschalen auf dem kochenden
Wasserbade bis zum Verschwinden jeglicher Schaumhildung bestimmt werden. Aus
dem Unterschiede der Gewichtsverluste beider Proben ist der Gehalt an Wasser im
ursprünglichen Öl zu berechnen. Die Entwässerung des Öles vor dem Erhitzen
geschieht durch Schütteln des schwach erhitzten Öles im Erlenmeyer-Kolhen mit
Chlorcalcium und nachheriges Filtrieren auf trockenem Filter.“

b)	Bestimmung der Asche. Wenn das öl in Benzin oder Benzol vollkommen
löslich ist, ist eine Bestimmung des Aschengehaltes überflüssig. Zur Bestimmung
des Aschengehaltes verfährt man nach D. Holde folgendermaßen:

20—30 g öl werden in einem Porzellantiegel abgewogen; darauf senkt man
in denselben ein als Docht dienendes zusammengerolltes aschenfreies Filter1), läßt
dieses sich voll öl saugen und zündet es darauf an. Wenn das öl vollkommen
heruntergebrannt ist (nach 3—4 Stunden), wird der Rückstand vollständig verascht.

Bei dunklen asphalthaltigen Ölen ist dieses Verfahren nicht anwendbar, da
das Filter sehr bald verkohlt und die Flamme erlischt. Bei diesen wird der Tiegel
mit dem öl mit kleiner Flamme so lange vorsichtig erhitzt, bis es bei der An-
näherung einer Flamme an die Oberfläche von selbst weiter brennt. Die Erhitzung
wird mit kleiner Flamme so lange fortgesetzt, bis die flüssigen Teile des Öles ver-
brannt sind; alsdann wird der Tiegelinhalt mit starker Flamme unter teilweiser
Bedeckung des Tiegels mit dem Porzellandeckel bis zum Verschwinden der Kohle
geglüht.

Gut raffinierte Maschinenöle dürfen höchstens 0,01 °/0, Zylinderöle höchstens 0,1 °/0
Asche enthalten. Ein etwaiger höherer Aschengehalt kann nach den bekannten analytischen
Verfahren auf seine Bestandteile untersucht werden.

9.	Analytische Konstanten der Schmieröle und ihrer Yerfälschiiiigsmittel.
Die analytischen Konstanten der meisten als Schmieröle dienenden Öle und Fette
sind bereits in den Tabellen S. 542—545 aufgeführt. Die wichtigsten dieser Werte
seien hier unter Zufügung einiger weiteren öle nochmals übersichtlich zusammen-
gestellt:

^Siehe Tabelle S. 951.)

10.	Nachweis von Harz und Harzöl im Mineralöl. „Zur Prüfung auf Harzöl
wird eine kleine Probe des Öles (5 ccm) stark mit Schwefelsäure vom spezifischen
Gewicht 1,62 geschüttelt. Wenn nach Trennung der Schichten eine Gelb- bis Braun-
färbung, nicht aber die dem Harzöl eigentümliche Rotfärbung der Säureschicht ein-
tritt, ist das öl harzölfrei. Bei eingetretener roter oder zweifelhafter dunkler
Färbung der Säure ist das Öl nach den bekannten quantitativen Verfahren (Storoh-

*) Das Filter wird zweckmäßig durch einen Platindraht mit Schlinge, der quer über
den Tiegel gelegt wird, festgehalten.
        <pb n="973" />
        ﻿Schmiermittel.

951

sehe Extraktion mit 96 °/0-igem Alkohol, Polarisation usw.) näher auf den Gehalt
an Harzöl zu prüfen. Das hohe spezifische Gewicht des Harzöles (über 0,970 bei 15°)
und seine große oder vollständige Löslichkeit in absolutem Alkohol lassen das öl
leicht im. Mineralöl erkennen.“

Nach D. Holde enthalten helle Mineralöle nicht mehr als 0,6 °/0, dunkle
nicht mehr als 1 °/0 natürliche alkohollösliche Harze; schlecht raffinierte Öle können
bis zu 3,5 °/0 enthalten.

o'  &lt;	Nähere  Bezeichnung	Spezifisches Gewicht bei 16°	Refraktion  bei 25°	Polari- sation im 100 mm- Rohr (Kreis- grade)	Ver-  seifungs-  zahl	Jodzahl	Gehalt an Unverseif- barem  °/  /«
1.  2.	Knochen- und Klauenöle  Trane (Dorschlebertran u.	0,914—0,916	(1,4672 bis l,4707heil8°)	—	191—203	44—75	—
3.	Robbentran) ....	0,916—0,941	72,7—75,0	—	171—206	123—181	0,4—7,8 (?)
	Wollschweißfett (roh).	.	0,941—0,945	—	—	78—109	20—21	38,7—44,0
4.	Olivenöl		0,914—0,920	62,0—62,8	— 0,07 bis + Spur	186—196	74—94	0,5—1,4
5.	Rüböl		0,911—0,918	68,0  Brcchungseiponent (Abbe) bei 48°	— 0,04 bis -0,23°	168-179	94—106	0,5—1,0
6.	Rizinusöl		0,961—0,974	1,475—1,480	+ 6,41°	176—183	82-85	0,3—0,4
7.	Mineralöle		0,850-0,932	1,490-1,507	0 bis + 3.1°	0	unter 14	100
8.	Paraffin ....	0,869—0,943	—	0	0	2-3	100
9.	Ceresin		0,918—0,922	—	0	0	0—0,6	100
lo.	Pichtenharz		1,045—1,075	—	—	147—192	55—185	5—15
u.	Harzöl		0,960—1,000	1,535—1,550	+ 30 bis + 40°	"	43—48	69—95

a)	Polarimetrische Prüfung. Die Mineralöle sind im allgemeinen optisch
inaktiv, doch kommen auch öle mit schwacher Eechtsdrehung (bis + 1,2° im 100 mm-
Rohr und vereinzelt bis +3,1°) vor. Die Drehung ist nach D. Holde im all-
gemeinen um so höher, je höher der Siedepunkt liegt. Dagegen zeigen die Harz-
öle im 100 mm-Eohr eine Eechtsdrehung von 30—40°. Von fetten Ölen, die als
Schmiermittel in Frage kommen, zeigt nur das Rizinusöl eine starke Eechtsdrehung,
während die übrigen nur eine schwache Rechts- oder Linksdrehung zeigen; hierüber
vergl. S. 525.

b)	Eefraktometrische Prüfung. Gegenüber den Mineralölen zeichnet
sich das Harzöl durch einen auffallend hohen, Olivenöl, Rüböl und Klauenfette durch
einen niedrigen Brechungskoeffizienten aus. Über die Höhe der Brechungskoeffizienten,
die mittels des Abbe sehen Refraktometers bestimmt werden, vergl. die vorstehende
Tabelle. Das Butter-Refraktometer (vergl. S. 521) kann zur Untersuchung der Mineral-
öle ebenfalls verwendet werden, doch muß die Prüfung hei höherer Temperatur er-
folgen, da bei der üblichen Temperatur von 25 bezw. 40° die Skala des Refrakto-
meters, welche nur bis zum Brechungskoeffizienten 1,4895 geht, nicht ausreicht.

c)	Jodzahl, Säurezahl und Verseifungszahl. Bei Abwesenheit von
fetten ölen geben sich Harz und Harzöl in Mineralölen durch erhöhte Jodzahl,
sowie Harz auch durch erhöhte Säurezahlen (130—180) bezw. Verseifungszahlen
        <pb n="974" />
        ﻿952

Schmiermittel.

(147—192) zu erkennen (S. 935 u. 951). J. Lewkowitsch1) fand auch in tech-
nischen Harzölen noch 5—31 °/0 Harzsäuren.

d)	Liehermann-Storchsche Reaktion. Harz und Harzöl geben die
Liehermann-Storchsche Reaktion, die in folgender Weise1) ausgeführt wird:
Je 1—2 ccm öl und Essigsäureanhydrid werden unter leichtem Erwärmen kräftig
durchgeschüttelt; nach dem Absitzen zieht man das Essigsäureanhydrid mittels einer
fein ausgezogenen Pipette ab und versetzt es in einem Reagensglase mit einigen
Tropfen Schwefelsäure vom spezifischen Gewicht 1,53. Bei Gegenwart von Harz und
Harzöl tritt Rotviolettfärbung auf, die jedoch nur kurze Zeit beständig ist. Diese
Reaktion geben die natürlichen Harze der Mineralöle nicht — mit diesen entsteht eine
gelblich-braune bis tief schmutzigbraune Färbung1 2 3) —, dagegen treten ähnliche
Färbungen (Rosenrot bis Blau) bei Gegenwart von viel Cholesterin und Phytosterin
auf (Liebermannsche Cholestol-Reaktion)8).

Zur Abscheidung von Harz werden nach D. Holde 8—10 ccm öl im Reagens-
glase mit dem gleichen Volumen 70 °/0-igen Alkohols heiß geschüttelt. Nach dem
Erkalten wird die alkoholische Lösung abfiltriert und eingedampft. Der Rückstand,
der bei Gegenwart von Harz eine harzartige —■ nicht ölige — Konsistenz hat,
zeigt die Liehermann-Storchsche Reaktion in verstärktem Maße und gibt mit
alkoholischer Natronlauge Harzseife.

e)	Quantitative Bestimmung von Harz. Bei'Abwesenheit von fetten
ölen und freien Fettsäuren wird das öl mit alkoholischer Kalilauge gekocht und
aus der Harzseifenlösung werden die Harzsäuren, die ungefähr der gleichen Menge
Harz entsprechen, durch Zusatz von Salzsäure abgeschieden und zur Wägung gebracht.

Zur Bestimmung des Harzgehaltes bei Gegenwart von fetten ölen dient das
von Dl Holde2) verbesserte Verfahren von Twitchell bezw. Gladding, auf das
hier nur verwiesen werden kann.

f)	Quantitative Bestimmung von Harzöl. Diese geschieht bei Ab-
wesenheit von fetten ölen und deren Fettsäuren nach dem Verfahren von Storch
in folgender Weise4 *): 10 g öl werden mit der 5-fachen Menge 96°/0-igem Alkohol
leicht erwärmt und geschüttelt. Die abgegossene gekühlte Lösung wird, nachdem
man das im Kolben zurückgebliebene Mineralöl mit wenig Alkohol von derselben
Stärke gewaschen hat, in einen tarierten Erlenmeyer-Kolben gebracht und der
Alkohol auf dem Wasserbade abdestilliert. Der Rückstand (A) wird gewogen und
darauf mit der 10-fachen Menge Alkohol behandelt. Das in Lösung gegangene
Harzöl (B) wird nach dem Verdunsten des Alkohols gewogen. Das darin noch ge-
löste Mineralöl berechnet sich wie folgt: Sind zum Ausziehen der 10 g Mineralöl a g
und zum Lösen des ersten Rückstandes A im ganzen b g Alkohol verbraucht, so

^___jj

lösen a—b g Alkohol A—B g Mineralöl, also lösen b g Alkohol —j,- x b g Mineral-
öl. Diese Menge ist von dem Gewichte b abzuziehen, um die Harzölmenge zu
erhalten.

11. Nachweis und Bestimmung von fettem Öl in Mineralöl und von solchem
in fetten Ölen. Hierfür werden die öle mit alkoholischer Alkalilauge erhitzt (ver-

1)	Vergl. J. Lewkowitsch, Chem. Technologie und Analyse der Öle, Fette und
Wachse. Braunschweig, Pr. Vieweg und Sohn, 1905, 1, 417 und 418.

2)	Vergl. D. Holde, Untersuchung der Mineralöle und Fette. Berlin bei Julius
Springer, 1905, 2. Aull., 169.

3)	Ber. d. Deutschen Chem. Gesellsch. 1885, 18, 1804.

4)	Vergl. D. Holde, Untersuchung der Mineralöle und Fette. Berlin bei Julius

Springer, 2. Aufl., 1905, 181.
        <pb n="975" />
        ﻿Schmieröle.

953

seift) und die verseifte Masse entweder eingetrocknet und mit Petroläther ausgezogen
oder nach dem Verdünnen mit Wasser mit Petroläther ausgeschüttelt.

a)	Ausziehen der eingetrockneten Seifen mit Lösungsmitteln. Nach
Allen und Thomson verfährt man in folgender Weise; 10 g öl werden in einer
Porzellanschale von 13 cm Durchmesser mit 60 ccm 8°/0-iger alkoholischer Natron-
lauge auf dem Wasserhade unter fortwährendem Umrühren verseift, bis die Seifen-
lösung zu schäumen beginnt; darauf wird die Seife durch Zusatz von 15 ccm Alkohol
in Lösung gebracht und die Lösung zur Überführung des Natronhydrats in Karbonat
mit 5 g Natriumbikarbonat verrührt. Man setzt alsdann etwa 50 g geglühten Sand
hinzu und trocknet unter häufigem Umrühren der Masse mit einem Glasstabe zuletzt
im Wasserdampftrockenschranke vollkommen. Den Inhalt der Schale bringt man
quantitativ in die Hülse eines Soxhletschen Extraktionsapparates und zieht das
Mineralöl und die sonstigen unverseifbaren Stoffe vollkommen mit einem unter 80°
siedenden Petroläther aus. Der Petroläther wird abdestilliert und der Rückstand
gewogen.

b)	Ausschüttelung der Seifenlösung mit Lösungsmitteln. Dieses
Verfahren führt schneller als das unter a) aufgeführte Verfahren zum Ziele und
gestattet außerdem auch noch eine weitere Untersuchung der verseiften Fettsäuren.
Von den zahlreichen hierfür vorgeschlagenen Verfahren sei hier nur das von
Morawski und Demski1) bezw. von Honig und Spitz2) aufgeführt; man verfährt
wie folgt: Etwa 10 g Fett werden mit 25 com alkoholischer Kalilauge (100 g Kali-
hydrat in 70 ccm Wasser gelöst und mit Alkohol auf 1 1 aufgefüllt) und mit 25 ccm
Alkohol in einem Erlenmeyer-Kölbchen mit aufgesetztem Kühler auf dem Wasser-
bade verseift, mit 50 ccm Wasser versetzt und bis zur klaren Lösung der Seife
erwärmt. Nach dem Erkalten der Seifenlösung führt man diese in einen Scheide-
trichter über, wäscht das Kölbchen mit etwa 10—20 ccm 50°/0-igem Alkohol,
darauf mit 50 ccm unter 80° siedendem Petroläther nach und führt beide Flüssig-
keiten ebenfalls in den Scheidetrichter über, dessen Inhalt man darauf einige Zeit
kräftig schüttelt.

Nachdem sich die beiden Flüssigkeitsschichten vollständig getrennt haben, läßt
man die Seifenlösung in das Verseifungskölbchen zurückfließen, wäscht die Petrol-
ätherlösung zwei- bis dreimal mit je 10—15 ccm 50°/o-igem Alkohol aus und gibt
die Waschwässer zu der alkoholischen Seifenlösung, die man darauf noch zweimal
in derselben Weise mit Petroläther auszieht. Die Petrolätherlösungen werden
alsdann nacheinander durch ein kleines trooknes Filter in ein tariertes Erlenmeyer-
Kölbchen filtriert und das Filter noch mit einigen ccm Petroläther nachgewaschen.
Nach dem Abdestillieren des Petroläthers und Trocknen des Rückstandes im Wasser-
dampftrockenschrank bringt man den unverseifbaren Rückstand (Mineralöl, Harzöl
und sonstiges Unverseifbare) zur Wägung.

Ist der Rückstand flüssig,8) so können Mineralöle, Harzöle oder Teeröle
vorliegen.	*

U Dinglers Polyteohn, Journ. 25S, 39.

2)	Zeitschr. f. angew. Chem. 1891, 565.

3)	Sind die unverseifbaren Anteile dagegen fest, so wird eine genügende
Menge derselben mit dem gleichen Gewichte Essigsäureanhydrid 1—2 Stunden am Rück-
llußkühler gekocht. Es können dann folgende 3 Fälle eintreten:

a)	Die Substanz löst sich vollständig auf und bleibt auch nach dem Erkalten in
Lösung: Pettalkohole.

b)	Die Substanz löst sich beim Kochen vollständig auf, erstarrt aber, vorausgesetzt,
daß man nicht zu viel Essigsäureanhydrid verwendet hat, beim Erkalten zu einem Kristall-
        <pb n="976" />
        ﻿954

Schmiermittel.

Die alkoholische Seifenlösung kann zur Untersuchung der Art des verseiften
Fettes dienen. Man entfernt aus ihr den Alkohol vollständig, löst die Seife in warmem
Wasser, führt die Seifenlösung nach dem Erkalten in einen Scheidetrichter über, setzt
Salzsäure bis zur stark sauren Reaktion und darauf 50—100 ccm Äther hinzu, schüttelt
gehörig durch, läßt die wässerige Flüssigkeit abfließen, wäscht die ätherische Fettsäure-
lösung mehrmals mit etwa 10 com Wasser bis zur neutralen Reaktion des letzteren aus,
filtriert darauf die Ätherlösung durch ein trocknes Filter und destilliert den Äther ab.
Der Rückstand, welcher aus den Fettsäuren des vorhanden gewesenen fetten Öles besteht,
kann durch Bestimmung des Schmelzpunktes, der Refraktion, Polarisation, Säurezahl, Jod-
zahl usw. näher auf seine Natur untersucht werden (vergl. S. 516 ff.).

J. Marcusson1) hat zum Nachweise, ob in ein er Mischung mit Mineralöl ein
pflanzliches oder tierisches fettes Öl vorliegt, ein Verfahren ausgearbeitet, welches
auf der Abscheidung des in letzteren Ölen vorhandenen Cholesterins bezw. Phytosterins
beruht.

12. Sonstige Untersuchungen, a) Zum Nachweise von Pflanzenölen in
den als Schmieröle dienenden tierischen ölen (Knochenöl, Trane) dient die
Phytosterin- und Phytosterinacetat-Probe (vergl. S. 534 ff.).

Im übrigen sei bezüglich der Unterscheidung der verschiedenen fetten
öle, die als Schmieröl dienen, auf ihre analytischen Konstanten auf S. 542—545
und Tabelle S. 951 verwiesen; vergl. ferner über Olivenöl S. 582, Rüböl S. 587.

Rizinusöl ist gekennzeichnet durch seine verhältnismäßig starke Rechts-
drehung (vergl. S. 525), ferner dadurch, daß es in jedem Verhältnis mit absolutem
Alkohol und Eisessig mischbar ist.

Die als Schmiermittel für Lederwaren dienenden Trane (Dorschlebertrane,
Robbentrane) sind außer durch ihren eigenartigen Geruch gekennzeichnet durch ihre
hohen Jodzahlen (123—181).

h) Die Steinkohlenteeröle sind gekennzeichnet durch ihren kreosotartigen
Geruch und durch ihr hohes spezifisches Gewicht (über 1,0). In Gemischen mit
Mineralölen erkennt man sie außer durch diese Eigenschaften auch an ihrem Ver-
halten gegen konzentrierte Salpetersäure von 1,35 spezifischem Gewicht, mit der
reines Mineralöl nur eine sehr geringe Temperaturerhöhung gibt, während sich
Teeröl damit stark erhitzt. II.

II. Konsistente Schmierfette.

Von den konsistenten Schmierfetten interessieren uns hier besonders die zum
Schmieren der Wagenachsen dienenden Wagenfette (Wagenschmieren), auf deren
Bestandteile oben (S. 940) bereits hingewiesen ist.

Ihre Untersuchung erstreckt sich vorwiegend auf die Bestimmung des Gehaltes
an Säuren, Öl, Seife, Wasser und Beschwerungsmitteln, sowie auf die Ermittelung
der Natur der letzteren.

D.Holde2) schlägt zur Untersuchung dieser Schmierfette folgende Verfahren vor;

brei: Cholesterin oder Phytosterin bezw. deren Ester. (Prüfung auf Schmelzpunkt
nach S. 538.)

c)	Die Substanz mischt sich nicht mit dem heißen Essigsäureanhydrid, sondern
schwimmt als ölige Schicht auf derselben und erstarrt nach dem Erkalten zu einem festen
Kuchen; Paraffin oder Ceresin.

ö Mitteil. d. teclin. Versuchsanstalten Berlin 1900, 18, 261 und 1901, 19, 269;
vergl. D. Holde, Untersuchung der Mineralöle und Fette. Berlin bei Julius Springer,
1906, 2. Aull., 304.

2) D. Holde, Untersuchung der Mineralöle und Fette. Berlin bei Julius Springer,
1906, II. Aufl., 211 ff.
        <pb n="977" />
        ﻿Konsistente Schmierfette.

955

1.	Bestimmung der freien Säure. 5—10 g Fett werden in etwa 50 ccm
eines neutralisierten Gemisches von 90 Volumprozent Benzin (spezifisches Gewicht 0,70)
und 10 Volumprozent absolutem Alkohol kurze Zeit am Rückflußkühler erhitzt.
Nicht künstlich beschwerte Fette lösen sich ganz oder fast vollkommen auf. Un-
gelöstes wird warm abfiltriert und ausgewaschen. Man setzt darauf zur Lösung
30 ccm neutralisierten 50 %-igen (nicht stärkeren!) Alkohol hinzu und titriert unter
häufigem Durchschütteln und mehrfachem Erwärmen mit 1/10 N.-Natronlauge bei
Gegenwart von Phenolphthalein, bis die untere alkoholische Schicht rosa gefärbt
bleibt. Die beiden Schichten trennen sich in der Wärme sehr leicht. Die Be-
rechnung des Säuregehaltes erfolgt in der Kegel auf Schwefelsäure (vergl. oben S. 948).

Die Prüfung auf freie Mineralsäuren erfolgt in der oben (S. 948) an-
gegebenen Weise.

2.	Bestimmung des Gehaltes an Seife. Die gesamte nach 1 erhaltene Flüssig-
keit wird zur Zersetzung der Seife heiß mit überschüssiger verdünnter Salzsäure
durchgeschüttelt. Die salzsaure Schicht wird abgegossen und nach dem Auswaschen
der Mineralsäure wird die Benzinlosung unter Zusatz von 20 ccm absolutem Alkohol
und Phenolphthalein titriert. Die so ermittelte Säurezahl, abzüglich der nach 1 ge-
fundenen Menge vorhandener freier Säure, stellt die in Form von Seife vorhandene
Säure dar, die meist als Kalkseife vorhanden ist.

3.	Bestimmung des nnverseifteu und unverseifbaren Fettes. Aus der nach 2
von Seifen befreiten Benzinlösung wird das Benzin abdestilliert. Der Rückstand
besteht aus Neutralfett und unverseifbaren Stoffen (Mineralöl, Harzöl usw.),. Diese
beiden Bestandteile können nach dem oben S. 953 angegebenen Verfahren von
Honig und Spitz getrennt ermittelt und durch eine weitere Untersuchung nach

S.	963 (unten) kann ihre Natur festgestellt werden.

4.	Bestimmung des Wassers. Diese erfolgt nach Marcusson am besten in
der Weise, daß eine größere Probe des Fettes (etwa 60—100 g) unter Vorlegung
eines graduierten, unten eng ausgezogenen Rohres im Ölbade mit Toluol unter Zu-
gabe von Bimssteinstückchen destilliert wird, bis kein WTasser mehr übergeht. Die
Menge des Wassers kann direkt an der Graduierung der Röhre abgelesen werden.

5.	Prüfung auf freien Kalk. Geringe Mengen von freiem Kalk finden sich,
von der Fabrikation herrührend, in vielen konsistenten Fetten. Qualitativ prüft
man auf seine Gegenwart durch Kochen des Fettes mit Phenolphthalein enthaltendem,
neutralem 80 °/0-igem Alkohol. Auftretende Rotfärbung rührt in der Regel von
freiem Ätzkalk her. Die quantitative Bestimmung erfolgt in folgender Weise:
10 g Fett werden mit 50 ccm Benzol und 6 ccm Alkohol 1/4 Stunde am Rückfluß-
kühler erwärmt; das Ungelöste wird abfiltriert und mit heißem Benzol-Alkohol
völlig ausgewaschen. In dem fett- und seifenfreien Rückstände wird der Ätzkalk
in bekannter Weise bestimmt.

In diesem Rückstände finden sich auch die etwa vorhandenen organischen
Besohwerungsmittel (Stärke, Ruß usw.).

0. Bestimmung der Miueralstolfe und anorganischen Füllmittel. Die Wagen-
fette enthalten vielfach fremde Mineralstoffe wie Ton, Calciumkarbonat, Ätzkalk,
Gips, Schwerspat usw. (bis zu 30 °/0 und mehr) beigemengt. Ihre Menge und Art
wird durch Veraschung nach S. 950 und Untersuchung der Asche S. 200 ermittelt.
        <pb n="978" />
        ﻿Anhang

Darstellung der Lösungen der Reagenzien.

Uber die Prüfung der Reagenzien auf Reinheit vergl. die Schrift von
C. Krauch, „Die Prüfung der Reagenzien auf Reinheit“, Berlin bei Julius
Springer 1896 und E. Merck, „Die Prüfung der Reagenzien auf Reinheit“, Darm-
stadt 1905. Yergl. hierzu weiter Mercks Reagenzien-Yerzeichnis, enthaltend die
gebräuchlichen Reagenzien und Reaktionen, geordnet nach Autornamen, Darm-
stadt 1903.

1.	Normal-Schwefelsäure bezw. Normal-Salzsäure. Als Normalsäure pflegt
allgemein Normal-Schwefelsäure angewendet zu werden, welche in 1 1 = 40 g
(richtiger1) 40,03 g) S08 oder 49 g (richtiger1) 49,038 g) H2S04 enthält. Bei An-
wendung von Salzsäure hat die Normalsäure = 36,458 g HCl in 1 1.

Man stellt zunächst annähernd richtige Lösungen her, indem man entweder
52—53 g reine konzentrierte englische Schwefelsäure mit Wasser zu 1 1 verdünnt,
oder indem man Schwefelsäuremischungen von 1,032—1,033 spezifischem Gewicht
(mit 41—42 g SO,j in 1 1) herstellt; für die Bereitung der Normal-Salzsäure dient
eine verdünnte Salzsäure von 1,018—1,019 spezifischem Gewicht (mit 37—39 g
HCl in 1 1).

a)	Zur genauen Einstellung2) füllt man eine Quetschhahnbürette mit der
betreffenden Säure, eine zweite mit einer Natronlauge, welche annähernd die Normal-
menge von 31 g (richtiger1) 31,05 g) Na20 in 1 1 enthält, läßt dann 20 ccm der
Säure in ein etwa 100 ccm Wasser enthaltendes Becherglas ablaufen, färbt mit
Cochenillelösung gelb oder mit Lackmustinktur schwach rötlich und setzt sodann
so viel von der Natronlauge zu, bis die Flüssigkeit eben rot bezw. blau erscheint.
Nach einigen Minuten liest man den Flüssigkeitsstand in beiden Büretten ab. Man
erfährt so, in welcher Beziehung die Natronlauge zur Säure steht.

Man füllt alsdann Säure- und Laugebürette aufs neue, wägt von vollkommen
reinem und wasserfreiem kohlensauren Natrium8) zweimal etwa 1,0—1,5 g
ab, bringt sie in einen Erlenmeyer-Kolben von etwa 300 ccm Inhalt und löst in je
100—150 ccm Wasser.

*) Vergl. nachstehende neue Atoragewichtstafel.

2)	Nach R. Fresenius. Anleitung zur quant. Analyse, 6. Aull,, 2, 251.

3)	Das reine wasserfreie kohlensaure Natrium stellt man sich aus käuflichem, mög-
lichst reinem doppeltkohlensauren Natrium her. Man zerreibt dasselbe, bringt es in einen
Trichter, welcher in der Spitze ein kleines Filter enthält, drückt das doppeltkohlensaure
Natrium fest, ebnet die Oberfläche, legt eine mehrfache Lage Filtrierpapier darauf, gießt
wiederholt kleine Mengen kalten destillierten Wassers auf und setzt dieses Auswaschen so
lange fort, bis die ablaufende Losung sich als ganz frei von Schwefelsäure und von Chlor
erweist. Man trocknet dann das ausgewaschene Salz und erhitzt es mäßig in einer Platin-
schale, um das doppeltkohlensaure Salz in wasserfreies, einfach kohlensaures Salz überzuführen.
Dieses zerreibt man und hebt es zum Gebrauche auf. Vor dem Abwägen erhitzt man eine
geeignete Menge im Platintiegel längere Zeit mäßig und bringt das noch heiße Pulver in
ein warmes, trocknes, zu verschließendes Röhrchen, welches im Exsikkator aufbewahrt wird.
        <pb n="979" />
        ﻿Darstellung der Lösungen der Reagenzien.

957

Man erwärmt die Lösungen des kohlensauren Natriums, setzt Kongorot-
oder Cochenillelösung oder Lackmustinktur zu und fügt aus der Bürette in kleinen
Teilen unter Umschwenken soviel von der Säure zu, daß die Flüssigkeit rötlich-
gelblich bezw. rötlich-violett geworden ist.

Man erhitzt sodann zum gelinden Sieden und erhält eine Zeitlang darin. Die
Flüssigkeit wird hierbei in dem Maße, als die freie Kohlensäure entweicht, rot bezw.
bei Anwendung von Lackmustinktur wieder blau. Man läßt weitere Säure zufließen,
bis auch nach etwa 5 Minuten langem Kochen die Flüssigkeit deutlich gelb bezw.
gelbrot bleibt, und läßt alsdann aus der Laugenhlirette so viel Natronlauge vorsichtig
zutropfen, bis die Flüssigkeit eben hellrot bezw. blau erscheint. Nach einigen
Minuten liest man den Flüssigkeitsstand in beiden Büretten ah, berechnet aus der
verbrauchten Lauge nach dem oben gefundenen Verhältnisse die überschüssig zu-
gesetzte Säure, zieht diese von der im ganzen verbrauchten Menge Säure ah und
erhält so die Menge, welche zur Sättigung der abgewogenen Menge des kohlensauren
Natriums gedient hat, und damit auch den genauen Gehalt der darin enthaltenen
Säure; denn 1 Äquivalent kohlensaures Natrium oder 53,05 g desselben entsprechen
1 Äquivalent Säure, also 40 g bezw. 40,03 g Schwefelsäure oder 36,458 g Salz-
säure usw.

F.	Mach1) verfährt in der Weise, daß er reinstes, wasserfreies Natrium-
karbonat 2-mal umkristallisiert, von dem gereinigten Salz eine kalt gesättigte Lösung
herstellt und aus dieser Lösung durch Einleiten von durch Soda gewaschener Kohlen-
säure das Karbonat als Natriumbikarhonat ausfällt. Hiervon werden 0,6—0,7 g
in einem mit Deckel versehenen Platintiegel abgewogen, durch vorsichtiges Erwärmen
zunächst entwässert und sodann 1/2 Stunde auf einer ganz kleinen Flamme, wobei
der Boden des Tiegels nicht zum Glühen kommen darf, erhitzt. Nach dem Erkalten
wird gewogen und dann das Erhitzen nochmals 1/2 Stunde fortgesetzt, wobei das
Gewicht sich äußerst selten um mehr als 0,1 mg verringert. Das Karbonat wird
sodann mit warmem Wasser in einen Erlenmeyer-Kolhen gespült, mit 20 ccm ein-
zustellender Säure versetzt, die Kohlensäure auf dem siedenden Wasserhade verjagt
und wie oben angegeben ist, verfahren.

Beispiel: Angenommen, es sei gefunden, daß 20 ccm der Säure = 19,6 ccm
Natronlauge entsprechen; zu 1,2 g kohlensaurem Natrium seien verbraucht 22 ccm
Säure und zum Zurücktitrieren der überschüssig zugesetzten Säure 1,2 ccm Natron-
lauge; da 20,0 ccm Säure = 19,5 ccm Natronlauge sind, so entsprechen 1,2 ccm
Lauge = 1,23 ccm Säure. Zur Sättigung des kohlensauren Natriums sind somit
verbraucht 22—1,23 = 20,77 ccm Säure.

Diese enthalten also die den 1,2 g verwendeten kohlensauren Natriums
äquivalente Menge Schwefelsäure oder Salzsäure usw., welche hei ersterer, berechnet
aus dem Ansätze:

53,05 ; 40,03 = 1,2 : x,

zu 0,90543 g Schwefelsäure sich ergibt; hei letzterer, aus dem Ansätze:

53,05 : 36,468 = 1,2 : x,

zu 0,82469 g Salzsäure.

Da diese Mengen in 20,77 ccm enthalten sind, so ergibt sich für 1000 ccm
ein Gehalt von 43,5931 g Schwefelsäure oder 39,7058 g Salzsäure.

Differiert der Säuregehalt aus den beiden Bestimmungen um nicht mehr als
0,1 g auf 1000 ccm berechnet, so wird das Mittel aus beiden Bestimmungen als
richtig angenommen. Ist die Differenz jedoch größer, so muß noch eine dritte
Bestimmung ausgeführt werden.

M Landw. Versuchs-Stationen 1905, 63, 71.
        <pb n="980" />
        ﻿958

Anhang.

Aus der so hergestellten, etwas stärkeren Säurelösung wird die Normalsäure
bereitet, indem man dieselbe so verdünnt, daß in 1000 ccm, gemessen bei 17,6°,
die Äquivalentzahl der betreffenden Säure in Grammen enthalten ist.

Wären, wie in obigem Beispiel, in 1000 ccm nach der ersten Bestimmung
43,5981 g, nach der zweiten 43,6409 g, im Mittel also 43,6170 g Schwefelsäure
gefunden, so müßten nach der Gleichung:

40,03 : 1000 = 43,617 : x; x = 1089,6

je 1000 ccm der verwendeten Schwefelsäurelösung durch Zusatz von destilliertem
Wasser zu 1089,6 ccm verdünnt werden. Es geschieht dies einfach in der Weise, daß
man einen Literkolben bis an die Marke mit der Säure, deren Temperatur auf 17,5°
gebracht ist, füllt, dieselbe vorsichtig in die größere, zum Aufbewahren bestimmte
trockne Flasche gießt, dann den Kolben mit 89.6 ccm Wasser, welche man mit
einer Bürette oder Pipette abmißt, ausspült und in die große Flasche nachfüllt.
Man bringt dann nochmals etwa die Hälfte der Flüssigkeit in den Kolben zurück,
spült um, bringt wieder in die Flasche, mischt und bewahrt auf.

An Stelle von Natriumkarbonat kann man auch Kaliumkarbonat, aus
reinem Kaliumbitartrat durch Veraschen hergestellt, verwenden (vergl. unter Normal-
alkali S. 960).

b)	Zur weiteren Prüfung der Säureflüssigkeit löst man 6,61 g chemisch reines,
wasserfreies, schwefelsaures Ammon (mit 21,24% N) in 1 1 Wasser und bestimmt
in 100 ccm der durchgemischten Lösung das Ammoniak nach S. 142 durch
Destillation mit frisch gebrannter Magnesia, indem man 20 ccm Säure vorlegt.
Da 100 ccm Ammoniaksalzlösung = 0,661 g Salz = 0,1404 g Stickstoff enthalten,
so muß man, wenn das Salz rein und die Säure richtig eingestellt ist, genau
10 ccm der letzteren zur Bindung des Ammoniaks gebrauchen.

F. Mach1) reinigt das Ammoniumsulfat zunächst durch mehrmaliges Um-
kristallisieren aus Wasser, bereitet von dem gereinigten Salz eine kalt gesättigte
Lösung und gießt diese tropfenweise unter fortwährendem Umrühren in etwa das
doppelte Volumen absoluten Alkohols. Der sehr feinkörnige Niederschlag wird ab-
gesaugt, zuerst mit Alkohol, sodann mit gekühltem, destilliertem Wasser gewaschen
und mit Fließpapier von der größten Menge Feuchtigkeit befreit. Von diesem in
gut schließenden Gefäßen aufbewahrten Salz werden vor jeder Titerstellung 2—3 g
im Trockengläschen zunächst 2 Stunden im Wassertrockenschrank bei etwa 96° ge-
trocknet, verrieben, nochmals 1 Stunde getrocknet und im geschlossenen Wäge-
gläschen im Exsikkator bis vor dem Abwägen zur Destillation aufbewahrt.

c)	Als drittes Mittel kann, wie F. Mach (1. c.) anfuhrt, zur Ergänzung der
beiden ersten auch Kaliumtetroxalat dienen, welches eine stets gleichbleibende
Zusammensetzung zu besitzen pflegt. 0,5 g desselben werden auf einem Uhrgläschen
abgewogen, mit ausgekochtem und wieder abgekühltem, jedoch zweckmäßig noch
warmem Wasser in einen Erlenmeyer-Kolben gespült, so daß die Flüssigkeit etwa
100 ccm beträgt, und nach dem Lösen und Abkühlen mit Phenolphthalein als Indikator
direkt titriert. Um die Angaben dieses Indikators auch auf Kongorot beziehen zu
können, werden gleichzeitig 20 ccm Titriersäure mit 100 ccm desselben ausgekochten
Wassers versetzt und unter Anwendung von Phenolphthalein titriert, wobei sich in
der Regel gegenüber den bei Anwendung von Kongorot gefundenen Kubikzentimetern
Lauge Unterschiede von -j- 0,1 bis 0,15 ccm ergeben, die in der Hauptsache durch
geringe vorhandene Kohlensäure verursacht werden. Durch einfache Verhältnis-

*) Landw. Versuchs-Stationen 1905, 63, 71.
        <pb n="981" />
        ﻿Darstellung der Lösungen der Reagenzien.

959

rechnung läßt sich dann die der Berechnung zugrunde zu legende Laugenmenge
berechnen.

Anm, Wenn die titrierten Lösungen auch noch zu anderen als bloß Stickstoff-
bestimmungen verwendet werden, z. B. für die Titration von organischen Säuren, wobei
gleichzeitig oder nur wie bei Butter. Fetten, Bier usw. der Säuregehalt in verbrauchten
Kubikzentimetern Normal-Alkali ausgedrückt wird, so empfiehlt es sich, stets genau normale
Säurelösungen vorrätig zu halten und darauf die Alkalilauge einzustellen.

Dient indes die titrierte Säure vorwiegend nur zu Stickstoffbestimmungen und nur
vereinzelt zu obigen Zwecken, so kann man auch von der Herstellung einer ganz genauen
Normalsäure, welche durchweg nicht mit einer einmaligen Verdünnung und Titerstellung
erreicht wird, daher viel Zeit erfordert, absehen, indem man nur eine annähernd normale
Lösung (also 41—43 g S03 oder 37—38 g HCl in 1 1 enthaltend) darstellt und hierin
genau den Säuregehalt, wie vorstehend angegeben ist, ermittelt.

Die Lauge wird alsdann annähernd auf 1/4 Normal verdünnt, gegen die Säure ein-
gestellt und der Stickstoff-Faktor nach dem bekannten Säuregehalt jedesmal besonders be-
rechnet.

Selbstverständlich macht man sich zweckmäßig von der titrierten Säure je nach
der Höhe des Verbrauchs einen Vorrat von 10, 20 und mehr Litern.

Behufs Einfüllung der titrierten Säuren bedient man sich zweckmäßig solcher BürettenJ),
bei welchen unten ein Glasröhrchen angesetzt ist, durch welches mittels eines Heberrohres
aus der höher stehenden Glasflasche jedesmal die Säure eingefüllt wird. Bürette wie Vor-
ratsflasche sind mit Pfropfen verschlossen, durch welche ein kapillar ausgezogenes, mit
Glaswolle angefülltes Glasröhrchen führt, welches Luft ein- und austreten läßt, aber eine
Wasserverdunstung in hinreichender Weise verhütet. Der Pfropfen der Säureflasche ist,
wenn sie nicht unten einen Tubus behufs Abfüllung bat, mit doppelt durchbohrtem Pfropfen
verschlossen, durch dessen eine Öffnung das Heberrohr, durch dessen zweite Öffnung das
Kapillarröhrchen führt.

2.	Normal-Alkali. Als Älkalilaugen werden entweder Natronlauge oder Baryt-
lauge angewendet.

a)	Natronlauge. Für die Natronlauge ist es von Belang, daß sie kohlen-
säurefrei ist. Man löst für den Zweck 850 g oder auch die doppelte Menge
(1700 g) Natriumhydroxyd, um einen größeren Vorrat zu bereiten, in 10 1 destilliertem
Wasser und setzt so lange Kalkwasser zu, bis bei neuem Zusatz keine Fällung oder
Trübung mehr eintritt.

Viel besser als die Behandlung mit Kalkwasser zur Darstellung einer kohlen-
säurefreien Natronlauge ist das von K. Müller-Hildesheim angewendete Verfahren,
nämlich Zusatz von Barytwasser im Überschuß und nachheriger Zusatz von Natrium-
sulfat, um den Überschuß an Ätzbaryt wieder auszufällen. Die üherstehende Lauge
darf mit Schwefelsäure keinen Niederschlag mehr geben. — Diese Lösung wird vor
Kohlensäurezutritt geschützt aufbewahrt und hiervon werden aliquote Teile zur
Darstellung von Normallauge verwendet.

Mit Hilfe eines Aräometers oder einer Normalsäure bereitet man sich aus
dieser sehr konzentrierten, kohlensäurefreien Lauge eine etwas über normal starke
Flüssigkeit, so daß dieselbe etwa 32—34 g Na20 im Liter enthält, oder daß etwa
18—19,5 ccm derselben zur Sättigung von 20 ccm einer Normalsäure erforderlich sind.

Angenommen, man habe zu 20 ccm Normalsäure 18,6 ccm der einzustellenden
Natronlauge verwendet, so müssen auf je 18,4 ccm 20—18,4 = 1,6 ccm Wasser
zugesetzt oder 1000 ccm der Lauge nach der Gleichung 18,4:20 = 1000 ; x (x = 1087)
auf 1087 ccm verdünnt werden, um Normallauge zu erhalten.

1) Man hat für den Zweck auch Büretten mit Selbsteinstellungsvorriohtung ein-
gerichtet; dieselben stellen sich, wenn über 0 eingefüllt ist, von selbst auf 0 ein.
        <pb n="982" />
        ﻿960

Anhang.

Selbstverständlich muß das zum Verdünnen benutzte destillierte Wasser
kohlensäurefrei sein.1) Falls dasselbe mit Barytwasser eine Trübung gibt, wird
es gekocht und in einer mit einem Natronkalk- oder Kalihydratstüeke enthaltenden
Rohre verschlossenen Flasche erkalten-gelassen. Man verwendet für die Stickstoff-
Bestimmungen zweckmäßig 1/4 Normallauge.

Wenn die Lauge vorwiegend oder nur zu Stickstoff-Bestimmungen dient, so
ist es, wie gesagt, nicht notwendig, daß dieselbe genau normal bezw. genau 1/4
normal ist. Es erspart Zeit, wenn man eine annähernd genaue 1jA Normallauge
bereitet, deren Titer man genau gegen die Säure von bekanntem Gehalt feststellt
und von der man jedesmal den Stickstoff-Faktor berechnet.

Zur direkten Titerstellung der Alkalilauge kann man sich nach A. Born-
träger2) des reinen Kaliumbitartrats bedienen. Reines Kaliumbitartrat wird zur
weiteren Reinigung mit 1 Teil Wasser und 1/10 Teil Salzsäure von 1,13 spezifischem
Gewicht erhitzt, erkalten und kristallisieren gelassen, der Niederschlag ausgewaschen,
noch einmal aus Wasser umkristallisiert und bei 100° getrocknet; 1,8819 g dieses
Salzes entsprechen 10 ccm Normalalkali oder Normalsäure. Zur Titerstellung der
Säure wird vorstehende Menge des Salzes oder die 2-fache Menge vorsichtig verascht
(verkohlt), die Kohle mit Wasser ausgezogen und wie vorstehend S. 957 gegen die
Säure eingestellt.

Das Einfüllen der Lauge in die unten mit einem Glasröhrchenansatz versehene
Bürette geschieht zweckmäßig wie bei der Säureflüssigkeit mittels eines Heberrohres; indes
werden hier die Bürette und Vorratsflasche behufs Luftein- und -austrittes mit einem mit
Natronkalk beschickten Glasrohr verschlossen, um jegliche Kohlensäure der Luft fern
zu halten.

b)	Barytlauge. Wenn die Stickstoffbestimmungen nach dem Natronkalk-
verfahren — was indes wohl kaum mehr geschieht — ausgeführt werden, so empfiehlt
sich unter allen Umständen die Anwendung von Barytlauge, weil das sich bildende
Baryumsulfat wegen seiner weißen Farbe und weil es Farbstoffe mit niederreißt,
den Farbenübergang bei den stark gefärbten Flüssigkeiten besser erkennen läßt.
Aus demselben Grunde eignet sich die Barytlauge besser als Natronlauge zur Be-
stimmung der Säure im Rotwein oder in stark gefärbten Pflanzenauszügen, zumal
wenn man diese vorher, um die Menge des Baryumsulfates zu erhöhen, ein be-
stimmtes Volumen (10 ccm) titrierte Schwefelsäure zusetzt.8)

Auch bei Bestimmung der flüchtigen Säuren in der Butter (S. 527) und zu
sonstigen Säure-Titrationen wird vielfach Barytlauge vorgezogen. Man bereitet
eine annähernd gesättigte Lösung, indem man auf je 1 I Wasser 35 g Barythydrat,
nötigenfalls unter Zusatz von 5 g Chlorbaryum, also auf 10 1 350—400 g Baryt-
hydrat usw. abwägt, längere Zeit digeriert und unter tunlichster Abhaltung von
Luft filtriert. Die stets schwach trübe Flüssigkeit bleibt stehen, bis sie klar ge-
worden ist, d. h. bis sich alles kohlensaure Baryum zu Boden gesetzt hat. Die
klare Lauge wird alsdann genau gegen die Säure eingestellt und wie bei Natron-
lauge vollständig vor Kohlensäurezutritt geschützt. Der Titer muß indes von Zeit
zu Zeit und öfter wie bei Natronlauge kontrolliert werden.

9 Man kann daher auch 700—800 g Natronhydrat gleich in 50 1 Wasser (in einem
Ballon) lösen, hierzu erst genügend Barythydrat und darauf Natriumsulfat zusetzen, absitzen
lassen, die Flüssigkeit vor Kohlensäure-Zutritt schützen und diese direkt verwenden.

2)	Zeitschr. f. analyt. Chemie 1892, 31, 43.

3)	Selbstverständlich muß man dann die den 10 ccm Schwefelsäure entsprechenden
ccm Barytlauge in Abzug bringen.
        <pb n="983" />
        ﻿Darstellung der Lösungen der Reagenzien.

961

3.	Lackmustinktur. Zur Bereitung einer empfindlichen Lackmustinktur ver-
fährt Fr. Mohr1) wie folgt:

Der Lackmus wird mit heißem destilliertem Wasser erschöpft, die filtrierte
Lösung verdampft, mit Essigsäure übersättigt (wobei sich Kohlensäure entwickelt),
sodann weiter bis zur Konsistenz eines dicken Extraktes eingedampft. Man bringt
die Masse in eine Flasche und übergießt sie mit einer größeren Menge 90°/o-igen
Alkohols. Der blaue Farbstoff wird gefällt, ein roter Farbstoff und essigsaures
Kalium lösen sich. Man filtriert, wäscht mit Weingeist aus, löst den zurück-
bleibenden Farbstoff in warmem Wasser und filtriert. — Auch wird empfohlen, um
die Lackmuslösung haltbarer zu machen, den Rückstand in wenig Glyzerin zu lösen.
Die Lackmuslösung muß in offenen, bloß mit Baumwollepfropf bedeckten Gefäßen
aufbewahrt werden, da sie sich in verschlossenen Gläsern bald entfärbt.

Man prüft sie, indem man etwa 100 ccm Wasser damit deutlich blau färbt,
die Lösung in zwei Teile teilt und zu dem einen Teil eine sehr geringe Menge einer
verdünnten Säure, zum anderen eine Spur Natronlauge setzt. Färbt sich jene Hälfte
deutlich rot, diese deutlich blau, so ist die Lackmustinktur brauchbar. Es darf also
weder Säure noch Alkali vorwalten.

Man kann sich aber auch nach dem Vorschläge von Halenke und Möslinger
der Azolitminsäure bedienen (vergl. S. 763).

4.	Cochenilletinktur und Kongorot, a) Cochenilletinktur: Dieser von
Luckow empfohlene Indikator wird bereitet, indem man etwa 6 g gepulverte
gute Cochenille mit 1/2 1 eines Gemenges von 300 ccm destilliertem Wasser und
200 ccm Alkohol bei gewöhnlicher Temperatur einige Stunden unter häufigem Um-
schütteln behandelt und sodann durch schwedisches Filtrierpapier filtriert. Die
Lösung hält sich in verschlossenen Flaschen sehr gut.

Mit Säuren gibt sie gelbrote, mit Alkalien violett-karminrote Färbung.

Anwesenheit von Kohlensäure in der zu titrierenden Flüssigkeit wirkt nicht
so störend als bei Lackmus. Bei Anwesenheit von essigsauren Salzen, von Eisen-
und Tonerdesalzen ist dieselbe jedoch nicht zu verwenden.

b) Kongorot: Statt der Cochenille wird neuerdings vielfach auch Kongorot
als Indikator für saure und alkalische Flüssigkeiten angewendet. Man löst für den
Zweck 1,0 g Kongo rot in 1 1 50°/o-igem Alkohol.

Im freien Zustande ist der Farbstoff blau, seine Alkalisalze sind scharlach-
rot. Die rote Lösung des Indikators wird daher durch Säuren, selbst in geringer
Menge, blau gefärbt, durch Zusatz von Alkali wieder in Rot uragewandelt. Freie
Kohlensäure färbt die blaue Lösung blauviolett.

Da Alaun ohne Einfluß auf den Farbstoff ist, so kann die Lösung nach
Herzfeld auch zur Prüfung des Papiers auf freie Säure verwendet werden.

5.	Phenolphthalein. Man löst 1 Teil Phenolphthalein in 30 Teilen Alkohol
von etwa 90 Volumprozent und fügt auf etwa 100 ccm einer zu titrierenden Flüssig-
keit 1 bis 2 Tropfen dieses Indikators zu.

Durch Alkali erhält man eine rote Flüssigkeit, während durch Säuren Farb-
losigkeit eintritt. Phenophthalein-Lösung ist bei Gegenwart von Ammoniumsalzen,
also zur Titration bei den üblichen Stickstoffbestimmungen nicht geeignet.

6.	Bosolsäure. 1 Teil reine Rosolsäure wird in 500 Teilen 80°/0-igem Al-
kohol gelöst und mit etwas Ätzbaryt bis zur beginnenden rötlichen Färbung versetzt.

l) Journ. f. prakt. Chemie 84, 424, — Zeitschr. f. anal. Chemie 1861, 1, 386.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	61
        <pb n="984" />
        ﻿962

Anhang.

Dieser Indikator wird durch Säuren blaßgelb, durch Alkali schön rosenrot
gefärbt. Bei Gegenwart von Ammoniak kann Eosolsäure als Indikator nicht ver-
wendet werden.

Die Rosolsäure-Lösung dient besonders zur Prüfung auf freie Kohlensäure
im Wasser. Bei Gegenwart von freier Kohlensäure wird die Flüssigkeit gelblich;
ist letztere jedoch nicht, sondern sind nur doppeltkohlensaure Salze vorhanden,
so bleibt die Flüssigkeit rot. Man wendet auf etwa 50 ccm Wasser 1/2 ccm der
Eosolsäure-Lösung an.

7.	Uranlösung. 500 g chemisch reines, essigsaures oder salpetersaures Uran1)
werden in 18—14 1 Wasser aufgelöst und mit 100 ccm Salpetersäure von 1,2 spez.
Gewicht versetzt. Der Wert dieser Lösung w'ird gegen eine Lösung von saurem
phosphorsaurera Kalk festgestellt, deren Gehalt an P,05 gewichtsanalytisch be-
stimmt ist.

Der Titer dieser Lösungen wird entweder mittels einer eisen- und tonerde-
freien Superphosphatlösung von bekanntem Gehalt, z. B. von 16 °/0 löslicher Phos-
phorsäure oder einer Lösung von Tricalciumphosphat (7,5 g) mit einer entsprechenden
Menge Schwefelsäure festgestellt. Die Phosphorsäurelösung soll genau 0,1 g P205
in 50 ccm oder 2 g P205 in 1 1 enthalten; hat ein eisen- und tonerdefreies Super-
phösphat genau 16 °/0 lösliche Phosphorsäure, so sind für 1 1 nach der Gleichung
x : 2,0 = 100 ; 16, x = 12,5 g Superphosphat für 1 l abzuwägen. Stellt man das
Superphosphat selbst aus Tricalciumphosphat her, so bestimmt man darin zuerst
die Phosphorsäure und schließt hiernach dasselbe mit Schwefelsäure von etwa 1,53
spezifischem Gewicht auf, indem man auf 1 g P205 = 1,127 g SOä oder auf 1 g
Ca3(P04)2 = 0,516 g SO,j rechnet; enthält das Tricalciumphosphat vielleicht geringe
Mengen kohlensaurcs Calcium, so setzt man auf 1 g desselben 0,8 g S03 mehr zu.
Da Schwefelsäure von 1,530 spezifischem Gewicht (= 50° Be.) bei 15 0 = 51,1 °/0 S03
enthält, so ist in 2 g derselben annähernd 1 g S03 enthalten.

Die Phosphorsäurebestimmungen werden stets nach dem Molybdän verfahren
(S. 150) ausgeführt,

Hat man auf solche Weise eine Superphosphatlösung von genau 0,1 g P205
für 50 ccm dargestellt, so würde man hierzu genau 20 ccm Uranlösung gebrauchen,
welche für 1 ccm — 0,005 g P205 anzeigt.

Gebraucht man von der in obiger Weise dargestellten Uranlösung z. B. 18,2 ccm
zu den 50 ccm Superphosphatlösung mit 0,1 g P205, so ist die Lösung für 1 1 nach
der Gleichung:

x ; 1000 = 20,0 : 18,2,

x = 1099, zu verdünnen, d. h. 1 1 der Uranlösung muß auf 1099 ccm verdünnt
werden. Mit der so verdünnten Lösung macht man genau nach S. 149 einen
weiteren Titrationsversuch, indem man wie vorhin zu 50 ccm Phosphorsäurelösung
10 ccm Ammoniumacetatlösung setzt und erst 19,8 ccm Uranlösung in der Kälte
zufließen läßt, dann bis nahe zum Kochen erwärmt und, falls mit Ferrooyankalium
keine Reaktion eintritt, weitere 0,2 ccm Uranlösung zusetzt. Gebraucht man dann
in einer zweiten, vorher erwärmten Probe genau 20 ccm Uranlösung zu 0,1 g P205,
so ist die Uranlösung richtig eingestellt; tritt aber die Reaktion schon bei 19,8 com
ein, so muß weiter nach der Gleichung:

x : 1000 = 20,0 : 19,8

1 1 dieser Lösung auf 1010 ccm verdünnt und nochmals gegen die Phosphorsäure-
lösung geprüft werden.

9 Nach den Vereinbarungen des Vereins deutscher Düngerfabrikanten. Berlin 1903.
        <pb n="985" />
        ﻿Darstellung der Lösungen der Reagenzien.

963

Enthält letztere in 50 ccm nicht genau 0,1 g, sondern nur 0,0975 g P205,
so müßte man zu 60 ccm derselben nicht 20 ccm, sondern 19,5 ccm Uranlösung
gebrauchen, damit 1 ccm der letzteren genau 0,005 g P206 anzeigt. Dementsprechend
ist dann die Berechnung zur Verdünnung auszuführen; gebraucht man z. B. zu
60 ccm dieser Phosphorsäurelösung 18,4 ccm der ursprünglichen Uranlösung, so ist
dieselbe nach der Gleichung x : 1000 = 19,5 :18,4 zu verdünnen usw.

Da sich Ammoniaksuperphosphate gegen die Uranlösung anders verhalten
als reine Superphosphate, so empfiehlt es sich, die Uranlösung auch gegen Phos-
phorsäurelösungen mit etwa 5°/0 Stickstoff auf 10 °/0 lösl. Phosphorsäure in Form von
Ammoniumsulfat zu prüfen und darnach den Titer für diese Art Superphosphate
festzustellen.

8.	Lösung von essigsaurem Ammon (oder essigsaurem Natrium) nud Ferro-
zyankalinm. 100 g chemisch reines essigsaures Ammon und 100 ccm konzen-
trierte Essigsäure werden mit Wasser auf 11 gebracht; statt des essigsauren Ammons
kann auch essigsaures Natrium in derselben Weise angewendet werden. Vom Ferro-
cyankalium (chemisch reinem und zerriebenem) löst man 0,5 g in 40 ccm Wasser
und stellt die Lösung vor jedem Gebrauch frisch her.

9.	Molybdänlösung. 150 g molyhdänsaures Ammon werden mit Wasser zu
1 1 Flüssigkeit gelöst und in 1 1 Salpetersäure von 1,2 spezifischem Gewicht ge-
gossen, oder es werden nach Wagner-Stutzer 150 g molyhdänsaures Ammon
in möglichst wenig Wasser gelöst, 400 g Ammonnitrat zugefügt, die Flüssigkeit mit
Wasser zu 1 1 verdünnt und diese Lösung in 1 1 Salpetersäure von 1,19 (bezw.
1,20) spezifischem Gewicht eingegossen.

Statt des molyhdänsauren Ammons können auch 125 g Molyhdänsäure in
einem Literkolben in 100 ccm Wasser aufgeschlämmt und unter Zufügen von etwa
300 ccm 8 °/0-igem Ammoniak (unter Vermeidung eines größeren Überschusses dieses
Lösungsmittels) gelöst werden. Sodann werden 400 g Ammonnitrat hinzugefügt,
mit Wasser zu 1 1 verdünnt und diese Flüssigkeit in 1 1 Salpetersäure von 1,19
(bezw. 1,20) spezifischem Gewicht eingegossen. Auch hiervon bereitet man zweck-
mäßig gleich einen größeren Vorrat.

Die so bereitete Molybdänlösung bleibt in beiden Fällen 24 Stunden an einem
warmen Ort (bei etwa 35°) stehen und wird, falls, wie häufig, ein gelber Niederschlag
von phosphormolybdänsaurem Ammon entstanden ist, filtriert. Die Molybdänlösung
ist vor ihrer Verwendung nötigenfalls durch Dinatriumphosphatlösung von bekanntem
Gehalt auf Reinheit zu prüfen.

Der bei woohenlangem Aufbewahren der Molybdänlösung entstehende gelbe Bodensatz
besteht aus einer gelben Modifikation der Molybdänsäure.

10.	Verdünnte Molybdänlösung zum Auswaschen. Falls solche zum Aus-
waschen statt der Ammoniumnitratlösung verwendet wird, verdünnt man die vor-
stehende Molybdänlösung im Verhältnis von 1 : 3 mit Wasser.

11.	Amnionnitratlösnng zum Auswaschen. 160 g Ammonnitrat werden mit
10 ccm Salpetersäure und Wasser zu 1 1 Flüssigkeit gelöst.

12.	Zitronensäure- und Aminoniumzitratlösung zum Fällen der l’hosphorsäure.
a) Zitronensäurelösung. 500 g Zitronensäure werden in 1 1 Wasser gelöst
und hiervon 20 ccm = 10 g verwendet, indem letztere vor dem Zusatz von Magnesia-
mixtur mit Ammoniak neutralisiert werden.

b) Ammoniumzitratlösung. Zum Fällen der Phosphorsäure nach
dem Zitratverfahren (vergl. S. 152) werden 1100 g reine Zitronensäure in 4000 g
24°/0-igem Ammoniak von 0,91 spezifischem Gewicht gelöst, mit Wasser auf 101

61*
        <pb n="986" />
        ﻿964

Anhang.

verdünnt, vor dem Gebrauch, wenn nötig, filtriert und von der klaren Lösung
50 ccm auf 50 ccm Phosphorsäurelösung verwendet.

c)	Zitrathaltige Magnesiamixtur. Statt des getrennten Zusatzes von
Zitratlösung und Magnesiamixtur kann man beide Lösungen auch vereinigen und
dieses Gemisch nach P. Wagner wie folgt herstellen;

2000 g Zitronensäure werden in 20°/0-igera Ammoniak gelöst und mit 20°/0-igem
Ammoniak auf 10 1 aufgefüllt. Von dieser Lösung wird 1 1 mit 1 1 Magnesiamixtur
(No. 14) vereinigt und gemischt.

d)	Eisenzitrat-Magnesiamixtur. Für eisenarme und kieselsäure-
reiche Phosphat- (Thomasmehl-) Lösungen wird, um die Ausfällung von Kieselsäure
hintanzuhalten, nach Weibull eine eisenhaltige Magnesiamixtur verwendet.

Man setzt nach P. Wagner zu 1 1 der vorstehenden Zitrat-Magnesiamixtur (c)
10 ccm einer 20°/0-igen Eisenchlorürlösung.

Au mann1) verwendet folgende Eisenzitrat-Magnesiamixtur:

35 ccm 12°/0-ige Eisenchloridlösung (FeCl:j) + 400 ccm 50°/0-ige Zitronen-
säurelösung -j- 460 ccm 23 °/0-iges Ammoniak + 600 ccm nachstehender Magnesia-
mixtur (No. 14); von diesem Gemisch werden 60 ccm zu 50 ccm des Zitronensäure-
Auszuges (0,5 g Substanz entsprechend) gegeben.

e)	Zitrathaltige Magnesiamixtur nach Wagner und Kunze (für die
Fällung von Phosphorsäure und Kieselsäure in der Wärme nach S. 156):

2 kg Zitronensäure und 400 g Chlorammonium werden in eine 10 1-Flasche
gebracht, mit etwa 4 1 Wasser und darauf mit 3,5 1 20°/o-igem Ammoniak übergossen.
Die Flasche bleibt mit einem Gummistopfen verschlossen, bis die Salze gelöst sind
und die Flüssigkeit sich abgekühlt hat. Dann fügt man 550 g Chlormagnesium zu
und füllt mit Wasser zu 10 1 auf.

13.	Zitronensäure- und Ammoiiiumzitratlösuiig zum Lösen von Phosphorsäure.

a) Zitronensäurelösung zum Lösen von Phosphorsäure (Thomasphosphat-
mehl).2) Angewendet wird eine 2°/0-ige Lösung. Behufs Herstellung eines größeren
Vorrates wird 1 kg reine, kristallisierte Zitronensäure in Wasser und unter Zusatz
von 5 g Salizylsäure — zur Vermeidung von Pilzwachstum — auf 10 1 verdünnt.
Durch Vermischen von 1 Volum teil dieser Lösung mit 4 Volumteilen Wasser erhält
man die verdünnte 2°/0-ige Lösung.

b) Zitratlösung zum Lösen der Phosphorsäure, cc) Verfahren von
P. Wagner. 150 g Zitronensäure werden in einem Literkolben in Wasser gelöst,
mit Ammoniak neutralisiert, dann unter Zusatz von 10 g Zitronensäure auf 1 1
verdünnt. Durch Verdünnung von 1 1 dieser Lösung mit 4 1 Wasser erhält man
die zu den Untersuchungen dienende verdünnte Lösung.

ß) Verfahren von A. Petermann. 500 g Zitronensäure werden in
Ammoniak von 0,91 spezifischem Gewicht bis zur neutralen Keaktion — wozu
etwa 700 ccm gebraucht werden — gelöst; die auf 15° abgekühlte Flüssigkeit wird
durch Zusatz von Wasser auf das spezifische Gewicht 1,09 gebracht und auf je 1 1 mit
50 ccm Ammoniak von 0,91 spez. Gewicht versetzt; die Lösung bleibt etwa 48 Stunden
stehen und wird dann filtriert; sie hat ein spezifisches Gewicht von 1,082—1,083.

14.	Magnesiamixtur. 550 g kristallisiertes Chlormagnesium und 700 g Chlor-
ammonium werden in 6,5 I Wasser gelöst, mit 3,5 1 Ammoniakflüssigkeit von

9 Chem.-Ztg. 1902, 2«, 297 und 355.

2) Nach der früheren Vorschrift wurde Ammoniumzitrat angewendet; 150 g Zitronen-
säure wurden mit genau 23 g Ammoniakstickstoff (== 27,93 g NH3) und Wasser zu 1 1
gelost und für den Gebrauch 2 I dieser Lösung mit 3 1 destilliertem Wasser verdünnt.
        <pb n="987" />
        ﻿Darstellung der Lösungen der Reagenzien.

965

8 % NH3-Gehalt auf 10 1 aufgefüllt und die Lösung nach mehrtägigem Stehen
filtriert.

Der Verein Deutscher Düngerfabrikanten hat folgende Darstellung vereinbart:

550 g Chlormagnesium und 1060 g Chlorammonium werden in Wasser gelöst,
mit 3,5 1 konzentriertem Ammoniak von 0,91 spezifischem Gewicht versetzt und
mit Wasser auf 10 1 aufgefüllt.

15.	Ammouiakflüssigkeit (zum Auswaschen). 21/2°/0-ige Ammoniakflüssigkeit
(oder 1 Teil käufliches 10°/o-iges Ammoniak + 3 Teile Wasser).

16.	Bereitung von haltbarem Kupferoxydhydrat nach Stutzer. 100 g Kupfer-
sulfat werden in 5 1 Wasser gelöst und mit 2,6 g Glyzerin versetzt. Aus dieser
Lösung wird durch Zusatz von verdünnter Natronlauge, bis die Flüssigkeit alkalisch
reagiert, das Kupfer als Oxydhydrat ausgefällt. Letzteres wird abfiltriert, alsdann
durch Anreiben mit Wasser, welches im Liter 5 g Glyzerin enthält, aufgeschlammt.
Durch wiederholtes Dekantieren und Filtrieren entfernt man die letzten Spuren von
Alkali. Der Filterrückstand wird mit Wasser, dem man 10 °/0 Glyzerin zugesetzt
hat, verrieben und bis zu einer Verdünnung gebracht, daß derselbe eine gleich-
mäßige, mit einer Pipette aufsaugbare Masse bildet. Dieselbe wird in gut ver-
schlossenen Flaschen und im Dunkeln aufbewahrt. Den Gehalt der breiigen Masse
an Kupferoxydhydrat bestimmt man durch Eindunsten eines abgemessenen Volumens
und Glühen des Rückstandes. Statt dieses Verfahrens bedient man sich zurzeit ein-
facher des Verfahrens von F. Barnstein, S. 210.

17.	Bereitung der Verdauungsflüssigkeit nach Stutzer, a) Herstellung
des Magensaftes. Die innere abgelöste Schleimhaut frischer, mit kaltem Wasser
abgewaschener Schweinemägen wird mit einer Schere in kleine Stücke zerschnitten
und für jeden Schweinemagen mit 5 1 Wasser und 100 ccm einer Salzsäure über-
gossen, welche in 100 ccm 10 g HCl enthält. Zur Frischhaltung setzt man 2 bis
3 g Salizylsäure hinzu, läßt unter bisweiligem Umschütteln 1—2 Tage lang stehen
und filtriert alsdann die Flüssigkeit zuerst durch ein Flanellsäckchen, alsdann durch
Filtrierpapier. In gut verschlossenen Flaschen hält sich die Flüssigkeit monatelang
wirksam. Es empfiehlt sich, die Schleimhaut mehrerer Mägen (etwa von 6) gleich-
zeitig auszuziehen, da es Vorkommen kann, daß bei der Verarbeitung eines einzelnen
Magens mit zufällig wenig Pepsin eine mangelhaft wirkende Verdauungsflüssigkeit
erhalten wird. An Stelle dieses Magensaftes kann man auch nach B. Sjollema ein-
facher das in den Apotheken käufliche Pepsin verwenden (vergl. S. 219 und 220).

b) Herstellung der Pankreaslösung. Vom Fett möglichst befreites
Eindspankreas wird in einer Fleischhackmaschine zerkleinert, mit Sand verrieben
und 24—36 Stunden an der Luft liegen gelassen. Sodann vermischt man in einer
Eeibschale je 1000 g zerriebene Masse mit 3 1 Kalkwasser und 1 1 Glyzerin von
1,23 spezifischem Gewicht, läßt die Mischung unter bisweiligem Umrühren 4 bis
6 Tage stehen, preßt das Un^sliche ab, filtriert die Flüssigkeit zunächst durch ein
lockeres Filter, erwärmt dieselbe 2 Stunden lang auf 37—40° und filtriert darauf
in gut verschließbare Flaschen.

Um die Haltbarkeit zu erhöhen, versetzt man nach dem Filtrieren mit so
viel Chloroform, daß in der umgeschüttelten Flüssigkeit einige Tropfen des Chloro-
forms ungelöst am Boden des Gefäßes liegen bleiben.

Zur Herstellung eines alkalischen Pankreasauszuges für den eigentlichen
Verdauungsversuch werden 250 ccm der vorstehenden Lösung mit 750 ccm einer
Sodalösung zusammengemisoht, welche in den 750 ccm 5,0 g wasserfreies Natrium-
karbonat gelöst enthält. Man läßt diese Mischung im Wasserbade bei 37—40°
        <pb n="988" />
        ﻿966

Anhang.

1—2 Stunden stehen, entfernt die bisweilen auftretende flockige Abscheidung durch
Filtration und verwendet von der nunmehr brauchbaren, völlig klaren Flüssigkeit
zu dem Yerdauungsversuch 100 ccm.

Da diese Flüssigkeit leicht zur Zersetzung neigt, muß dieselbe für jeden
Yerdauungsversuch stets frisch dargestellt werden. Will mau dieselbe länger als
24 Stunden aufbewahren, so empfiehlt es sich, nochmals einige Tropfen Chloroform
zuzusetzen.

18.	Darstellung der Fehlingschen Lösung nach Soxhlet. Chemisch reines
Kupfersulfat wird 1-mal aus verdünnter Salpetersäure, 3-mal aus Wasser um-
kristallisiert und zwischen Fließpapier trocken gepreßt, dann 12 Stunden an der
Luft liegen gelassen und hiervon werden 34,630 g zu 500 ccm gelöst.

Die Seignettesalzlösung bereitet man — tunlichst häufig frisch — in der
Weise, daß man 173 g weinsaures Natriumkalium in 400 com Wasser löst und
dazu 100 ccm Natronlauge hinzufügt, welche 516 g Natriumhydroxyd in 1 1 enthält.

Durch Vermischen gleicher Volumen Kupfer- und Seignettesalzlösung, welche
getrennt aufbewahrt und erst beim Gebrauch gemischt werden, erhält man die
Fehlingsche Lösung.

19.	Sachssesche Quecksilberlösiing zur Bestinimuug der Zuckerarteu. 18 g

reines und trocknes Jodquecksilber — erhalten durch Fällung von Sublimatlösung
mit Jodkalium, Auswaschen und Trocknen des Niederschlages bei 100° — werden
mit Hilfe von 25 g Jodkaliuni in Wasser gelöst, dazu 80 g in Wasser gelöstes
Ätzkali hinzugefügt und auf 1000 ccm gebracht. Die Lösung enthält 7,9295 g
Quecksilber im Liter.

Zur Erkennung der Endreaktion (nach dem Titrierverfahren) dient am besten
eine alkalische Zinnoxydullösung, welche durch Übersättigen einer Lösung
von käuflichem Zinnchlorür mit Ätzkali bereitet wird. Man verfolgt das Fort-
schreiten der Reduktion an einigen Tropfen, welche man aus der Flüssigkeit hebt
und mit der Zinnlösung versetzt. Anfangs entsteht eine schwarze Fällung, schließ-
lich eine braune Färbung, und wenn alles Quecksilber ausgefällt ist, bleibt die
Farbe unverändert.

20.	Knappsche Quecksilberlösung zur Bestimmung der Zuckerarten. 10 g

reines, trocknes Cyanquecksilber werden in Wasser gelöst, 100 ccm Natronlauge von
1,145 spezifischem Gewicht hinzugefügt und auf 1000 ccm aufgefüllt. Die Lösung
enthält 7,9365 g Quecksilber im Liter.

Zur Erkennung der Endreaktion benutzt man hier am besten mit Essigsäure
angesäuertes Schwefelwasserstoffwasser, in welches man einige Tropfen der titrierten
Lösung hineingibt. Das Tüpfelverfahren, nach welchem man einen Tropfen der
Flüssigkeit auf schwedisches Filtrierpapier gibt und dazu einen Tropfen Schwefel-
ammonium, ist nach Soxhlet nicht so empfindlich. Wenn die Flüssigkeit mit Schwefel-
wasserstoff in essigsaurer Lösung keine Bräunung mehr gibt, ist die Reaktion beendet.

21.	Darstellung derDlastase und des Invertins, a) Darstellung der Diastase
nach J. C. Lintner.1) 1 Teil Gerstengrünmalz wird mit 2—4 Teilen 20°/0-
igem Alkohol 24 Stunden behandelt.2) Der abgesaugte Auszug wird mit dem

*) Journ. f. prakt. Chemie 1886, 34, 386.

a) Nach einer anderen Vorschrift werden 2 kg frisches Grünmalz in einem Mörser
mit einer Mischung von 1 1 Wasser und 2 1 Glyzerin ühergossen und durchgemischt, dann
8 Tage stehen gelassen. Darauf wird die Flüssigkeit möglichst gut ausgepreßt und
filtriert, das Filtrat mit dem 2- bis 2,5-fachen Volumen Alkohol gefällt, der Niederschlag ab-
filtriert, mit Alkohol und Äther ausgewaschen, über Schwefelsäure getrocknet und für den
Gebrauch in glyzerinhaltigem Wasser gelöst.
        <pb n="989" />
        ﻿Darstellung der Lösungen der Reagenzien.

967

doppelten, höchstens 21/2-fachen Volumen absolutem Alkohol gefällt. (Mehr Alkohol
zu verwenden, ist nicht ratsam, da sonst nur noch schleimige Stoffe mit wenig
Diastase gefällt werden.) Der Niederschlag scheidet sich beim ümrühren in gelblich-
weißen Flocken ab, die sich rasch zu Boden setzen. Die über dem Niederschlag
stehende Flüssigkeit wird abgegossen. Den ersteren bringt man auf ein Filter,
saugt den Alkohol .möglichst rasch ab, bringt den Filterrückstand dann in eine
Eeibschale, um ihn mit absolutem Alkohol einzuschlämmen, filtriert wieder unter
Auswaschen mit absolutem Alkohol, zerreibt den Niederschlag mit Äther und bringt
ihn nach dem Absaugen zum Trocknen im Vakuum über Schwefelsäure. Die
gründliche Entwässerung mit Alkohol und Äther ist notwendig, um die Diastase
als lockeres, gelblich-weißes Pulver von kräftiger Wirksamkeit zu erhalten.

Die Eohdiastase kann durch wiederholtes Auflösen in Wasser und Fällen mit
Alkohol gereinigt werden. Sie benetzt sich nur schwer mit Wasser, muß daher
vor der Verwendung in einem Eeibschälchen mit Wasser angeriehen werden.
Durch Auflösen in Glyzerin erhält man eine haltbare Lösung.

Zur Darstellung der Diastase aus Weizenmalz gibt J. C. Lintner folgendes
Verfahren an:

1 kg feines Weizenmalzschrot wird mit Wasser zu einem dünnen Brei an-
gerührt und nach 6—12-stündiger Behandlung durch Papier filtriert, wobei schließlich
mit so viel Wasser nachgewaschen wird, daß das Volumen des Filtrates dem zum
Ausziehen angewendeten Wasser-Volumen gleich ist.

Das Filtrat wird allmählich unter Umrühren mit absolutem Alkohol versetzt,
bis eben ein flockiger Niederschlag sich scharf abzuscheiden beginnt. Dann wird
filtriert und das Filtrat mit dem l1/^- bis 2-fachen Volumen Alkohol versetzt.
Der sich hierbei ausscheidende Niederschlag wird gesammelt und wie vorhin be-
handelt. — Durch wiederholtes Auflösen in Wasser und Fällen mit Alkohol kann
der Niederschlag (Diastase) noch weiter gereinigt werden. Der bei der ersten Zu-
gabe von Alkohol entstehende Niederschlag enthält nur sehr wenig Diastase; ebenso
der Niederschlag, der entsteht, wenn mehr Alkohol zugegeben wird.

A. Schulte im Hofe stellt die Diastase nach dem letzten Verfahren dar,
jedoch mit der Abweichung, daß er die erste Filtration durch einfaches Abpressen
umgeht und gleich Alkohol zufügt.

Die Darstellung von Grünmalz geschieht, wenn dasselbe nicht käuflich zu
haben ist, am besten in folgender Weise: Man läßt Gerste oder Weizen etwa
24 Stunden einweichen, gibt die eingeweichte Frucht in eine geräumige Schale und
wendet, besonders nach dem zweiten oder dritten Tage, einigemal im Tage um,
unter Besprengung mit so viel Wasser, daß die Körner feucht bleiben. Sind die
Wurzeln ungefähr so lang oder l1/2-mal so lang wie die Körner, so ist das Grün-
malz fertig, was etwa am 6. bis 8. Tage der Fall sein wird. Die Keimtemperatur
ist am besten etwa 16°.

b) Darstellung von Invertin bezw. Invertase. Das Invertin stellt
man nach F. W. Thompson1) dadurch her, daß man Hefe mit Sand verreibt, die
zerriebenen Hefezellen mit Wasser auszieht und die filtrierten Auszüge mit Alkohol
fällt. Hierdurch wird das Invertin als sirupartige Masse erhalten, die getrocknet
und gepulvert werden kann.

Man kann nach Thompson die Hefe aber auch direkt verwenden. Man
trägt von derselben VlO der zu inventierenden Zuckermenge in die auf 560 erwärmte
Zuckerlösung ein und ex'hält bei dieser Temperatur. Hierbei tritt nur eine Inversion

*) Zeitschr, f. anal. Chemie 1894, 3B, 243 und 246.
        <pb n="990" />
        ﻿968

Anhang.

und keine Vergärung ein. Nach Kjeldahl1) wird die Gärkraft der Hefe auch
durch Zusatz einer geringen Menge einer alkoholischen Thymollösung aufgehoben.

0. Kellner, Mori und Nagarka2) zerreiben zur Darstellung von Invertin
300 g frische, sehr reine Unterliefe mit Glasstückchen, ziehen mit Wasser aus und
filtrieren durch Asbest. Von der so erhaltenen Lösung wird 1 Volumen mit 2 Volumen
Kohlenhydratlösung vermischt und bei 55° invertiert. Zusatz von alkoholischer
Thymollösung macht die Invertinlösung nicht nur haltbar, sondern hebt auch die
gärende Wirkung derselben, wie schon gesagt, auf.

22.	Vioo Normal-Kaliumpermanganat- und 1/100 Normal-Oxalsäurelösung für die
Bestimmung der organischen Substanz in Wasser. Man löst 0,3165 g (0,32—0,34 g)
kristallisiertes Kaliumpermanganat in 1 1 destilliertem Wasser, ebenso 0,63 g reine
kristallisierte Oxalsäure in 1 1 destilliertem Wasser und stellt das Verhältnis dieser
Lösungen zueinander fest. Man läßt aus der Bürette 10 ccm Oxalsäurelösung in
ein Becherglas fliessen, verdünnt mit etwa 50 com reinstem Wasser, setzt 5 ccm
verdünnte Schwefelsäure (1 Volumen konzentrierte Schwefelsäure und 3 Volumen
Wasser) zu, erwärmt auf etwa 60° und titriert mit der Permanganatlösung, bis eine
schwach rosarote Färbung entsteht und sich einige Minuten hält. Bei richtiger
Konzentration der Permanganatlösung entsprechen 10 ccm derselben genau 10 ccm
Oxalsäurelösung, d. h. 10 ccm der letzteren mit 6,3 mg Oxalsäure sind gleich
3,16 mg Kaliumpermanganat = 0,8 mg verfügbarem Sauerstoff, welche zur Um-
wandlung der 6,3 mg Oxalsäure in Kohlensäure und Wasser erforderlich sind.

Zur Titerstellung verfährt man indes am zweckmäßigsten in der Weise, daß man
100 ccm eines Wassers (destilliertes oder auch Trinkwasser) mit 10 ccm der Permanganat-
lösung genau nach S. 807 in saurer und alkalischer Lösung kocht, 10 ccm Oxalsäurelösung
zusetzt und, wenn sich alles Manganoxyduloxyd gelöst hat, mit Permanganatlösung bis zur
bleibenden schwachen Rosafärbung zurücktitriert.

Zu diesem von organischen Stoffen freien Wasser setzt man (nötigenfalls unter
Wiederanwärmen auf 50—60 °1 10 ccm der Oxalsäurelösung zu und titriert mit der Per-
manganatlösung bis zur bleibenden Rosafärbung. Ist letztere Lösung genau 1/100 normal,
so gebraucht man jetzt 10 ccm derselben. Werden zu 10 ccm 1/100 Normal-Oxalsäure statt
10 ccm verbraucht 9,6 ccm oder 10,6 ccm Permanganatlösung, so muß man von der ge-
samten Anzahl Kubikzentimeter der bei einem Wasser verbrauchten Permanganatlösung
z. B. 10 -j- 4,7 = 14,7 ccm statt 10 abziehen: 9,6 bezw. 10,6, also 14,7 — 9,6 = 5,1 oder im
letzteren Falle 14,7 —10,6 = 4,1 com, welche nach den Gleichungen:

9,6 :10 = 5,1; x (= 5.8)
oder 10,6 :10 = 4,1: x (= 3,9)

umzurechnen sind.

Letztere Zahlen werden dann durch Multiplikation mit den entsprechenden Faktoren
entweder auf Kaliumpermanganat oder Sauerstoff oder organische Stoffe (vergl. S. 808)
umgerechnet.

Differenzen von 0,1—0,2 com zwischen den beiden Titerflüssigkeiten können un-
berücksichtigt bleiben.

Man geht also von der Oxalsäure als Normallösung aus, weil sie am zuverlässigsten
ist. Die 1j10g N.-Oxalsäurelösung zersetzt sich aber besonders am Licht sehr rasch. Man
bewahrt sie daher am zweckmässigsten im Dunkeln auf und muß sie tunlichst oft
erneuern, oder man kann derselben zur besseren Haltbarkeit nach E. Fricke 1 g Borsäure
auf 1 1 zusetzen.

23.	Natriumphosphorwolframutlösung. Es werden 120 g pliosphorsaures
Natrium und 200 g wolframsaures Natrium in 1 1 destillierten Wassers gelöst und
zu dieser Lösung 100 ccm verdünnter (1 ; 3) Schwefelsäure hinzugefügt.

J) Zeitschr. f. anal. Chemie 1883, 22, 588.

-) Zeitschr. f. physiol. Chemie 1890, 14, 297.
        <pb n="991" />
        ﻿Darstellung der Lösungen der Reagenzien.

969

24.	Zinkjodidstärkelösung nnd einfache Stärkelösung, a) Zinkjodidstärke-
lösung. Man zerreibt 4 g Stärkemehl in einem Porzellanmörser mit wenig Wasser
und fügt die dadurch entstandene milchige Flüssigkeit unter Umrühren nach und
nach zu einer im Sieden befindlichen Lösung von 20 g käuflichem, reinem Zink-
chlorid in 100 ccm destilliertem Wasser. Man setzt das Erhitzen unter Ergänzung
des verdampfenden Wassers fort, bis die Stärke möglichst gelöst und die Flüssigkeit
fast klar geworden ist. Alsdann verdünnt man mit destilliertem Wasser, setzt 2 g
käufliches, reines und trocknes Zinkjodid hinzu, füllt zum Liter auf und filtriert.
Die klare Flüssigkeit wird in einer gut verschlossenen Flasche aufbewahrt; sie darf
sich, mit dem 50-fachen Volumen destillierten Wassers verdünnt, beim Ansäuern mit
verdünnter Schwefelsäure nicht blau färben.

b) Einfache Stärkelösung. Man verteilt die Stärke mit etwas kaltem
Wasser und übergießt sie dann unter Umrühren mit dem 100-fachen Gewicht
kochenden Wassers. Den dünnen Kleister gibt man in hohe Zylinder, läßt absitzen
und benutzt das Abgegossene, wenn es einigermaßen klar ist, entweder direkt oder
filtriert vorher.

Die Lösung entmischt und zersetzt sich leicht; man muß daher vor dem
Gebrauch stets umschütteln und die Darstellung tunlichst oft erneuern.

Wie Chlorzink, so macht auch Kochsalz die Stärkelösung sehr haltbar
und hat Kochsalz den Vorzug, daß es unbedenklich in allen Fällen, wo Stärke-
lösung erforderlich ist, angewendet werden kann. Man löst für den Zweck in der
frisch bereiteten Stärkelösung Kochsalz bis zur Sättigung, füllt erstere in kleinere
Flaschen von 100—150 ccm Inhalt und bewahrt sie im Keller auf.

Uber die Darstellung löslicher Stärke durch Glyzerin vergl. S. 532, Anm. 1.

25.	Neßlers Reagens. 50 g Kaliumjodid werden in etwa 50 ccm heißem
destilliertem Wasser gelöst und mit einer konzentrierten Quecksilberchloridlösung
versetzt, bis der dadurch gebildete rote Niederschlag sich nicht mehr löst; hierzu
sind 20—25 g Quecksilberchlorid erforderlich. Man filtriert, vermischt mit einer
Lösung von 150 g Kalihydrat in 300 ccm Wasser, verdünnt auf 1 1, fügt noch
eine kleine Menge (etwa 5 ccm) der Quecksilberchloridlösung hinzu, läßt den
Niederschlag absitzen und dekantiert. Die Lösung muß in wohlverschlossenen
Flaschen aufbewahrt werden. Wenn sich nach längerem Stehen noch ein Boden-
satz bildet, so nimmt man die zum Versuche nötige Menge der über dem Nieder-
schlage stehenden klaren Flüssigkeit mit einer Pipette heraus.

26.	Seifenlösuug zur Bestimmung der Härte des Wassers, a) Nach Clark.
150 g Bleipflaster werden auf dem Wasserbade erweicht und mit 40 g Kalium-
karbonat verrieben, bis eine völlig gleichförmige Masse entstanden ist. Man zieht
letztere mit starkem Alkohol aus, läßt absitzen, filtriert, destilliert aus dem Filtrat
den Alkohol ab und trocknet die zurückbleihende Seife im Wasserbade.

Für die Titerstellung werden 20 g derselben in 1000 ccm verdünntem
Alkohol von 56 Volumprozent gelöst und entweder gegen Chlorbaryum (nach
Clark) oder gegen Gipslösung (nach von Koehenhausen) eingestellt.

Man löst 0,559 g bei 100° getrocknetes reines Barymnitrat (Ba[N08]2) oder
0,523 g reines trocknes Chlorbaryum (Ba Cl2-j-2 H20) in destilliertem Wasser, füllt
bis zum Liter auf, bringt 100 ccm dieser Lösung (entsprechend 12 mg Kalk oder
12 deutschen Härtegraden) in ein Stöpselgias und läßt aus einer Bürette so lange
von der Seifenlösung zufließen, bis ein stehenbleibender Schaum entsteht. Bei
richtiger Konzentration soll man 45 ccm der Seifenlösung gebrauchen; gebraucht
man weniger, so muß man entsprechend verdünnen. Angenommen, man habe nur
        <pb n="992" />
        ﻿970

Anhang.

20 ccm verbraucht, so muß man je 20 Eaumteile der Seifenlösung mit 25 Eaum-
teilen Alkohol von 56 Volumprozent verdünnen. Die verdünnte Lösung wird noch-
mals geprüft, bis man die richtige Konzentration erreicht hat.

Um mit Gipslösung den Titer einzustellen, macht man sich entweder genau
bei 14° oder genau bei 20° eine gesättigte Gipslösung; von der ersteren nimmt
man 145 ccm, von der letzteren, d. h. der bei 20° gesättigten Lösung, 142 ccm
und füllt diese mit destilliertem Wasser auf 1 1; 100 ccm dieser Lösungen ent-
halten genau so viel Gips, als 0,012 g CaO = 12 Härtegraden entsprechen. Die
Einstellung der Seifenlösung erfolgt dann wie vorhin.

b) Nach Bourtoon und Boudet. Man löst 10 Teile der obigen Kaliseife in
260 Teilen Alkohol von 56 Volumprozenten, filtriert die Lösung, wenn nötig, noch
heiß, läßt erkalten und füllt damit das Hydrotimeter bis zum Teilstrich 0 an.
Darauf bringt man 40 ccm der hierunter angegebenen Baryumnitratlösung in das
bei dem Verfahren von Bourtoon und Boudet beschriebene Stöpselglas und
setzt von der Seifenlösung bis zur Schaumbildung hinzu. Werden hierzu weniger
als 22 auf dem Hydrotimeter verzeichnete Grade gebraucht, so ist die Seifenlösung
mit Alkohol von 56 Volumprozenten zu verdünnen, bis genau 22° der Seifenlösung
40 ccm der Baryumnitratlösung entsprechen.

Eine so hergestellte Seifenlösung setzt im Winter zuweilen Flocken ab.
Dieselben lösen sich leicht, wenn man die zugestöpselte Flasche in warmes Wasser
stellt; der Titer der Lösung wird dadurch nicht verändert.

Zum Einstellen löst man 0,574 g bei 100° getrocknetes Baryumnitrat (wie
oben unter a) in destilliertem Wasser und füllt zum Liter auf. 100 ccm dieser
Lösung enthalten so viel Baryum, als 22 mg Calciumkarbonat (oder 12,3 mg Kalk)
entspricht; 40 ccm derselben entsprechen 8,8 mg Calciumkarbonat. Die Lösung
zeigt daher eine Härte von 22 französischen = 12,3 deutschen Graden.

27.	Verdünnte Schwefelsäure. 1 Volumteil konzentrierter reiner Schwefel-
säure wird vorsichtig mit 3 Volumteilen Wasser in der Weise gemischt, daß man
erstere in einem sehr dünnen Strahle unter Umrühren in letzteres eingießt.

28.	Kalilauge und Natronlauge. 10 Teile Ätzkali bezw. Ätznatron werden in
100 Teilen Wasser gelöst.

29.	Kalkmilch und Kalkwasser. 100 g Ätzkalk werden gelöscht und hiervon
durch Zusatz von Wasser bis zu 1000 ccm ein dünnflüssiger Brei hergestellt; dieser
heißt Kalkmilch, während die klare, überstehende Flüssigkeit das Kalkwasser bildet.

30.	Königswasser. 1 Teil reine konz. Salpetersäure wird mit 3—4 Teilen
reiner konz. Salzsäure gemischt. Diese Mischung muß unmittelbar vor dem Ge-
brauch erfolgen.

31.	Natrium karbonatlösimg, 10 Teile reine kristallisierte Soda werden in
100 Teilen kohlensäurefreiem Wasser gelbst.

32.	Natriumphosphatlösung. 10 Teile reines Natriumphosphat, 100 Teile Wasser.

33.	Ammoniumkarhonatlösung. 1 Teil käufliches reines Ammoniumkarbonat
wird in 4 Teilen Wasser unter Zusatz von 1 Teil Ammoniakflüssigkeit (0,96 spezi-
fisches Gewicht) gelöst.

34.	Chlorammoniumlösung. 10 Teile reines Chlorammonium, 80 Teile Wasser.

35.	Ammoniumoxalatlösung. 10 Teile reines kristallisiertes Ammoniumoxalat,
250 Teile Wasser.

36.	Chlorbaryumlösung. 10 Teile reinstes Chlorbaryum, 100 Teile Wasser.

37.	Bleiessig. 600 g Bleiacetat werden mit 200 g Bleiglätte gemischt, auf
dem Wasserbade bis zum Schmelzen erhitzt und mit 2 1 Wasser tibergossen. Nach
        <pb n="993" />
        ﻿Darstellung der Lösungen der Reagenzien.

971

12-stündigem Stehen an einem warmen Orte unter hisweiligem Umschütteln filtriert
man und bewahrt das Filtrat in gut verschlossenen Flaschen auf.

38.	Silbernitratlösung. 1 Teil reines, geschmolzenes salpetersaures Silber
wird in 20 Teilen Wasser gelöst. Zur Darstellung von 1/10 Normalsilberlösung
werden 16,998 g (rund 17 g) reinstes salpetersaures Silber mit destilliertem Wasser
zu 1 1 aufgelöst oder man löst 10,794 g reines metallisches Silber in Salpeter-
säure, verdampft zur Trockne und löst den Rückstand in 1 1 Wasser. Die Silber-
lösungen müssen vor Licht geschützt in braunen Flaschen aufbewahrt werden.
(Uber die Darstellung des salpetersauren Silbers vergl. weiter unten unter „Auf-
bereitung der Silberrückstände“ S. 975.)

39.	Platiuchloridlösung. 1 Teil trocknes Platinchlorid wird in 10 Teilen
Wasser gelöst. (Uber die Darstellung des Platinchlorids vergl. unter „Aufbereitung
der Platinrückstände“ S. 975.)

40.	Ferricyankaliumlösung. 10 Teile Ferricyankalium, 120 Teile Wasser.

41.	Ferrocyankaliumlösung. 10 Teile Ferrocyankalium, 120 Teile Wasser.

42.	Chlorcalciumlösnng. 10 Teile Chlorcalcium, 60 Teile Wasser.

43.	Rhodankaliumlösung. 10 Teile Rhodankalium, 100 Teile Wasser.

44.	Eiseuchloridlösuug. 10 Teile Eisenchlorid, 100 Teile Wasser.

45.	Bleiacetatlösung. 10 Teile Bleiacetat, 100 Teile Wasser.

46.	Natriumacetatlösung. 10 Teile Natriumacetat, 100 Teile Wasser.

47.	Neutrales zitronensaures Ammoniak. 250 g zitronensaures Ammoniak
werden in Wasser gelöst, mit Ammoniak genau neutralisiert und auf 1 1 aufgefüllt.

48.	Lösung von Diphenylamin zur Prüfung auf Salpetersäure. 2 g reinstes,
bei 54° schmelzendes Diphenylamin werden in 20 ccm verdünnter Schwefelsäure
(1 Volumen konzentrierte Schwefelsäure und 3 Volumen Wasser) gelöst und diese
Lösung mit konzentrierter Schwefelsäure auf 100 ccm auf gefüllt.

Zur Prüfung der Milch auf Salpetersäure (S. 485) nimmt man nach Mös-
linger zweckmäßiger eine viel geringere Konzentration, nämlich nur 20 mg
Diphenylamin auf 100 ccm verdünnte Schwefelsäure (vergl. S. 814).

49.	Lösung von Metapheuylendiamin zur Prüfung auf salpetrige Säure. 5 g
reinstes, bei 63° schmelzendes Metaphenylendiamin werden unter Zusatz von ver-
dünnter Schwefelsäure bis zur deutlich sauren Reaktion in destilliertem Wasser ge-
löst und mit letzterem zu 1 I aufgefüllt. Falls die Lösung gefärbt ist, wird sie vor
dem Gebrauch (Prüfung auf salpetrige Säure) mit ausgeglühter Tierkohle entfärbt.

50.	Indigolösung zur Prüfung auf Salpetersäure. 1 Teil reines, fein zer-
riebenes käufliches Indigotin (Indigoblau) wird unter stetem Umrühren und Ver-
meiden einer Erwärmung langsam in kleinen Mengen in 6 Teile rauchende Schwefel-
säure eingetragen; falls die Reaktion zu heftig wird, fügt man etwas konzentrierte
Schwefelsäure hinzu und kühlt durch Einstellen in kaltes Wasser ab. Wenn alles
Indigotin eingetragen ist, läßt man einige Zeit stehen, gießt in die 40-fache Menge
destilliertes Wasser und filtriert. Falls die Indigolösung zur quantitativen Be-
stimmung der Salpetersäure dienen soll, rechnet man etwa 1 g Indigotin auf 1 1
Wasser und verdünnt so weit, daß 5 ccm der Lösung 5 ccm Kaliumnitratlösung
(0,0962 g KNOg in 1 1), die mit 5 ccm konzentrierter Schwefelsäure versetzt sind,
eben blaugrün färben.

5 ccm Indigolösung entsprechen dann 60 mg Salpetersäure (HNOg).

51.	Darstellung des Naphtholreagenzes zur Prüfung auf salpetrige Säure.

2 g reines Natriumnaphthionat und 1 g /J-Naphthol puriss. werden in 200 ccm Wasser
        <pb n="994" />
        ﻿972

Anhang.

gebracht, kräftig mit demselben durchgeschlittelt und die Lösung filtriert. Dieselbe
läßt sich im Dunkeln ohne Veränderung aufbewahren (vergl. S. 811).

52.	Milions Reagens. 1 Teil Quecksilber wird in 2 Teilen Salpetersäure von
1,42 spezifischem Gewicht zuerst in der Kälte, zuletzt in der Wärme gelöst. Nacli
vollständiger Lösung fügt man auf 1 Volumen Lösung 2 Volumen Wasser zu, läßt
einige Stunden absitzen und bewahrt die abgegossene klare Flüssigkeit in mit Glas-
stöpseln versehenen Fläschchen auf.

Die Wirkung der Millonschen Lösung beruht auf dem gleichzeitigen Vorhanden-
sein von salpetriger Säure; man setzt daher nötigenfalls bei der Prüfung auf Eiweiss
etwas salpetrigsaures Kalium zu.

53.	Quecksilberjodid-Jodkalium (Brückes Reagens). 13,5 g Quecksilberjodid,

49,8	g Jodkalium für 1 1 Wasser.

Bereitung der Lösungen der Reagenzien nach Blochmann.

Da die Konzentrationsverhältnisse der oben angegebenen Reagenzien meistens
ganz willkürlich sind, so schlägt Blochmann1) vor, dieselben den stöchiometrischen
Verhältnissen anzupassen und die Reagenzien als Normallösungen, Zweifach-Normal-
lösungen und Halb-Normallösungen anzuwenden, und zwar:

zweifach-normal: die Lösungen der Säuren, der Alkalien, der Ammonium-
und Natriumsalze mit Ausnahme des Binatriumphosphats;

halb-normal: die Lösungen der Edelmetalle (einschl. Quecksilberchlorid) und
des Baryumnitrates;

normal: die übrigen Reagenzien.

Durch diese Wahl der Konzentration bewirkt man, daß gleiche Raumteile
der verschiedenen Reagenzien einander entsprechen oder doch in einem einfachen
Verhältnis zueinander stehen, was in vieler Beziehung ein zweckmäßigeres Arbeiten
gestattet und einem übermäßigen Verbrauch von Reagenzien vorbeugt. Auch erhält
man leicht aus der Menge des verwendeten Reagenzes ein ungefähres Urteil über die
Mengenverhältnisse, in denen die einzelnen Bestandteile in der zu untersuchenden
Lösung vorhanden sind.

Für Reagenzien, welche sich in Wasser nicht in der normalen Menge lösen,
macht man hei gewöhnlicher Temperatur gesättigte Lösungen und bezeichnet diese
Lösungen als = Wasser, z. B. Kalkwasser, Bromwasser usw.

Für die oxydierend und reduzierend wirkenden Reagenzien sei die Stärke so
bemessen, daß ein Liter der Lösung 8 g Sauerstoff (= x/2 Gramm-Molekül) abzugeben
oder aufzunehmen vermag.

Die konzentrierten Säuren sind entweder wasserfrei (konzentrierte Schwefel-
säure) oder gesättigt (konzentrierte Salzsäure). Als konzentrierte Salpetersäure
genügt ein Gemisch gleicher Gewichtsteile wasserfreier Säure und Wasser.

Es seien nachfolgend die für die wichtigsten Reagenzlösungen anzuwendenden
Gewichtsmengen angegeben:

1, Konzentrierte Säuren.

Konzentrierte Salzsäure . .
„	Salpetersäure

„	Schwefelsäure

Spez. Gew.
. 1,160
.	1,305

. 1,840

Gew.-°/0

31,8	etwa	10-faoh	normal.

48,1	„	10 „

96,0	„	20 „

1)	Erste Anleitung zur qualitativen chemischen Analyse von R. Blochmann,
Königsberg 1890.
        <pb n="995" />
        ﻿Darstellung der Lösungen der Reagenzien.

973

2.	Normallösuugeu.

a) * 2/4 normal.

(1 1 enthält 2 Mol.-Äquival. der Verbindung in Gramm.)
Säuren.

	Spez. Gew.	Gew ,-°/0	1 1	enthält	
Salzsäure		. . 1,034	7,1	2 HCl		= 73,0 g
Salpetersäure ....	. . 1,070	11,8	2 HN03		= 126,0 „
Schwefelsäure . . .	. . 1,063	9,2	o bt-2 8ü4 * 2		~ 98,0 „
Essigsäure		.	.	1.017	11,8	2 C2 H, 02		= 120,0 „
Oxalsäure		. . 1,042	12,3	oCoH„04, 2aq * 2		= 126,0 „
AVeinsäure ....	. . 1,066	14,1	P 04H808  2 2 "		= 150,0 „
		Alkalien.			
Kalilauge		. . 1,085	10,3	2 KOH		= H2,0 g
Natronlauge ....	. . 1,084	7,4	2 Na OH		= 80,0 „
Ammoniak		. . 0,985	3,6	2 NH3		= 34,0 „
		Salze.			
Schwefelammonium 9 .	. . 1,000	6,8	o (NH,)2S  2		= 68,0 g
Chlorammonium .	.	.	. . 1,032	10,4	2 NH4C1		= 107,0 „
Ammoniumkarbonat2) .	. . 1,026	9,4	o (^-^-4)2 ^^3  J 2		= 96,0 „
Natriumkarbonat . .	. . 1,105	9,6	„ Na2 C03 ^ 2		= 106,0 „
Natriumacetat .	. .	. . 1,080	25,2	2 NaC2H3 02,	3aq	= 272,0 „
	b)	1/1 normal.			
(1 1 enthält 1 Mol.-Äquival. des Salzes			in Gramm.)'		
	Spez. Gew.	Gew.-°/0	1 1	enthält	
Binatriumphosphat3) .	. .	1,048	11,4	Na^HPO.j, 12 aq  3		= H9,2 g
Magnesiumsulfat .	.	. . 1,059	11,6	MgS04, 7 aq 2		= 123,0 „
Chlorbaryum ....	. . 1,088	11,2	BaCl2, 2aq  2		= 122,0 „
Chlorcalcium ....	. . 1,043	10,5	CaCl2, 6aq  2		= 109,5 „
Eisenohlorid ....	. . 1,038	5,2	Fe2Cl6  6		= 54,2 „
Bleiacetat 		. . 1,118	16,9	Pb(C2H802)2,  2	3aq	II  GO  J£&gt;  "Cn

9 1/3 1 Ammoniak ist mit Schwefelwasserstoff durch Einleiten des Gases zu sättigen
und hierauf mit 1/2 1 Ammoniak (spezifisches Gewicht 0,985) zu vermischen. Die Lösung
wird sehr bald unter Bildung von Ammoniumpolysulfid gelb.

2)	80 g käufliches (anderthalb-) Ammoniumkarhonat" und 1/s 1 Ämmaniak (spezifisches
Gewicht 0,985) sind zu lösen und mit Wasser auf 1 1 zu verdünnen.

3)	Das Mol.-Äquival. ist auf Phosphorsäure bezogen.
        <pb n="996" />
        ﻿974

Anhang.

Kupfersulfat . .	.	Spez. Gew.  . . . 1,076	Gew.-°/0  11,6	1 1 enthält CuSOj, 5 aq  2
Jodkalium ....	. . . 1,120	14,8	KJ
Kaliumchromat .	.	. . . 1,075	9,0	K2Cr04  2
Perrocyankalium	. . . 1,060	10,0	K4FeCy6, 3aq  4

c) 1/ss normal.

(1 1 enthält 1/2 Mol.-Äquival. des Salzes in Gramm.)

Gew.-°/0	1 1 enthält

Platinchlorid ....	. . 9,5	,, PtCl4, 2HCl k	2	= 102,3 g
Silbernitrat ....	. . 8,0		= 85,0 „
Qucksilberchlorid . .	. . 6,4	i, HgC1*  2 2	= 67,8 ,.
Baryumnitrat....	. . 6,2	„ Ba(N03)2 ,2 2	= 65,2 „

3. Oxydierend und reduzierend wirkende Reagenzien.

(1 1 = 4/2 0 = 8 g Sauerstoff.)

Gew.-°/c

Kaliumbiohromat .... 4,7
Natriumhypochlorit ... 4,73)

Kaliumnitrit................4,2

Zinnchloriir................10,5

4.	Gesättigte Lösungen.

(== Wasser.)

Gewichts-°/0

Schwefelwasserstoffwasser .	.	. etwa	0,48	H2S	etwa	1/4	normal.

Barytwasser........................ „	3,2	Ba(OH),2	„	* 2 3 4/5	„

Kalkwasser......................... „	0,7	Ca(OH)ä	„	4/22	„

Gipswasser......................... „	0,20	CaS04	„	1/33	„

Bromwasser......................... „	3,2	Br	„	2/6	„

Jodlösung4)........................ „	4,5	J	„	2/3

1 1 enthält

K2Gr,0;

6

Na CIO
2

KN02

2

SnCl2, 2aq

= 49,2 g

= 42,5 „

4)	Etwa 60 g Pt entsprechend.

2)	Etwa 50 g Ag entsprechend.

3)	Entspricht etwa der vierfachen Menge eines Chlorkalkes mit 25 °/0 wirksamem Chlor.

4)	Löst man 50 g Jod und 76 g Jodkalium in wenig (etwa 50 ccm) Wasser und
verdünnt hierauf zu 1 1, so erhält man eine Lösung vom spezifischen Gewicht 1,10, welche
4,6 Gewichtsprozente Jod enthält und mit gesättigtem Bromwasser gleichwertig ist.
        <pb n="997" />
        ﻿Aufarbeitung einiger Rückstände.

1.	Platinrückstäude. Das aufbewahrte Kaliumplatinchlorid, sowie das aus
den Waschwässern durch Chlorammonium als Ammoniumplatinchlorid gefällte und
abfiltrierte Platin wird mit ungefähr derselben Menge Oxalsäure gut und innig-
unter Anfeuchten mit Wasser gemischt und dieses Gemenge eingetrocknet. Die
trockne Masse glüht man anhaltend in einer Muffel oder einem Porzellantiegel.
Das durch die Oxalsäure reduzierte Platin wird hinreichend unter Auskochen mit
destilliertem Wasser bis zum Verschwinden der Chlorreaktion ausgewaschen. Sodann
kocht man mit Wasser, dem ein Drittel Salzsäure1) zugefügt ist, hierauf einmal mit
reiner Salzsäure, zweimal mit destilliertem Wasser, und schließlich bringt man den
Platinmohr auf ein Filter, wäscht nochmals aus und trocknet bei Zimmertemperatur.

Der so gereinigte Platinmohr wird in einem Königswasser gelöst, welches
aus 6 Teilen Salzsäure und 1 Teil Salpetersäure besteht. Man bringt den Platin-
mohr zuerst mit der Salzsäure in eine geräumige Porzellanschale, erwärmt auf
dem Wasserbade und fügt die Salpetersäure in kleinen Mengen hinzu. Man läßt
die Lösung etwas erkalten, filtriert durch schwedisches Filtrierpapier und ver-
dampft das Filtrat in einer Porzellanschale auf dem Wasserbade so weit, bis eine
mit einem Glasstabe herausgenommene Probe zu erstarren anfängt. Darauf setzt
man vorsichtig kleine Mengen Salzsäure hinzu, verdampft wieder und wiederholt
dies so oft, bis alle Salpetersäure verjagt ist.

Hierauf dampft man noch 2-mal mit destilliertem Wasser ein, um auch die
überschüssige Salzsäure zu entfernen.

Nach dem letzten Eindampfen darf sich kein Geruch nach Chlor oder Salz-
säure mehr zeigen. Das zu einem rotbraunen, kristallinischen Kuchen erstarrte
Platinchlorid löst man in 2 Teilen Wasser und filtriert wieder durch schwedisches
Filtrierpapier.

Prüfung: 1 g Platinchlorid muß sich in 10 ccm Alkohol völlig klar lösen;
2 g werden stark geglüht, das rückständige Metall wird mit verdünnter Salpeter-
säure (5 ccm Salpetersäure von 1,20 spezifischem Gewicht+20 ccm Wasser) auf
dem Wasserbade 1/4 Stunde behandelt, die Lösung filtriert, das Filtrat eingedampft
und geglüht; es dürfen höchstens 4—5 mg Rückstand verbleiben.

2.	Silberrückstäude. Man gießt aus dem Gefäße, in welchem die Rückstände
sich befinden, die klare überstehende Flüssigkeit möglichst ah und wäscht das Chlor-
silher mit warmem Wasser aus. Sodann rührt man es mit Wasser in einer Porzellan-
schale an, setzt überschüssiges reines Alkali zu, erhitzt zum Sieden und trägt von
Zeit zu Zeit kleine Stückchen Glukose ein. Das Chlorsilber wird hierdurch zu
metallischem Silber reduziert, welches sich als schwere, körnige, graue Masse zu
Boden setzt. Man achte darauf, daß die Flüssigkeit stets alkalisch reagiert.

11 Palls Silber in den Rückständen sein sollte, kocht man vorher auch mit Salpeter-
säure für sich allein aus.
        <pb n="998" />
        ﻿976

Anhang.

Nach der völligen Reduktion des Chlorsilbers wäscht man durch Dekantieren
mit heißem Wasser aus und behandelt eine kleine Menge des erhaltenen Silbers
unter Erwärmen mit etwas reiner (chlorfreier) Salpetersäure; wenn hierdurch keine
völlige Lösung erzielt wird, sondern noch unlösliches Chlorsilber zurückbleibt, so
war die Reduktion eine unvollständige und muß diese durch erneuten Zusatz von
Alkali und Glukose zu Ende geführt werden. Das reine, vollkommen ausgewaschene
Silber kann man in nicht zu starker Salpetersäure lösen, dann mit Wasser ver-
dünnen und durch Eindampfen in einer Porzellanschale zum Kristallisieren bringen.
Das auskristallisierte salpetersaure Silber wird durch Umkristallisieren gereinigt.

Oder man trocknet das ausgewaschene metallische Silber, wägt es, befeuchtet
es mit einer Lösung von Borax und salpetersaurem Kalium (5 °/0 vom Gewichte
des Silbers geglühter Borax und 0,5 °/0 salpetersaures Kalium) und trocknet wiederum
das Gemenge. Um das so vorbereitete Silber zum Regulus zu schmelzen, bringt
man es in kleinen Portionen auf ein Kalksteinstück, in welches man eine kleine
Höhlung gemacht hat, und schmilzt es hier mittels des Gebläses. Den Regulus
wirft man in eine mit Wasser gefüllte Porzellanschale, deren Boden mit Fließ-
papier bedeckt ist (um ein Einschmelzen in das Porzellan zu verhüten). Das Silber
wird schließlich mit sehr verdünnter Schwefelsäure ausgekocht, getrocknet und so
aufbewahrt oder sofort zu salpetersaurem Silber verarbeitet, indem man es in Salpeter-
säure löst, die Lösung eindunstet und das salpetersaure Silber auskristallisieren läßt.

3.	Uranrückstände. Zur Aufbereitung der Uranrückstände empfiehlt sich das
Reichardtsche Verfahren, welches von Laube1) etwas modifiziert ist.

Die von der Phosphorsäuretitration herrührenden Rückstände werden von
der klaren überstehenden Flüssigkeit durch Abhebern zum größten Teil befreit und
sodann die aus dem Niederschlag bestehende breiige Masse in einem Topfe durch
Einleiten von W'asserdampf oder in einem eisernen Kessel direkt über freiem Feuer
zum Sieden erhitzt; alsdann setzt man so lange gewöhnliche Kristallsoda zu, bis
der Niederschlag im wesentlichen gelöst erscheint. Man filtriert von dem ungelöst
bleibenden phosphorsauren Eisen- und Tonerde-Niederschlage ab und fügt zu der
erkalteten Flüssigkeit so viel Ammoniak hinzu, daß sie deutlich darnach riecht, hierauf
unter Umrühren so lange von einer aus gleichen Teilen Ammonsulfat und Magne-
siumsulfat bestehenden Mischung, bis alle Phosphorsäure als phosphorsaures Ammon-
magnesium gefällt ist. Nachdem sich die Flüssigkeit nach etwa 12 Stunden geklärt
hat, hebert man sie ab. Den Rückstand wäscht man unter wiederholtem Abgießen
mit ammoniakalischem Wasser aus, filtriert die Waschwässer und bringt den Rück-
stand zuletzt aufs Filter. Die vereinigten alkalischen Flüssigkeiten werden in
geräumigen, zur Hälfte damit angefüllten Töpfen mit Salz- oder Schwefelsäure
neutralisiert und durch Kochen von gelöster Kohlensäure vollständig befreit. Man
fällt siedendheiß das Uran mit Ammoniak als Ammoniumuranat. Der Niederschlag
läßt sich anfangs mit heißem Wasser durch Dekantieren leicht auswaschen, später
muß man dem Waschwasser eine geringe Menge eines Amraonsalzes zufügen, weil
sich derselbe sonst nicht vollständig absetzt.

Nach beendetem Auswaschen kann der Niederschlag, falls man Urannitrat
zu erhalten wünscht, in einem Uberschuß von Salpetersäure gelöst werden. Aus
der durch Eindampfen konzentrierten Lösung scheiden sich Kristalle aus, welche
man auf einem Trichter sammelt und mit wenig kaltem Wasser auswäscht. Das so
erhaltene Salz ist chemisch rein, enthält vielleicht Spuren von Chlor, Schwefelsäure

9 Zeitschr. f. angew. Chemie 1889, 675.
        <pb n="999" />
        ﻿Aufarbeitung einiger Rückstände.

977

und Ammoniak. Das Ammon und andere Verunreinigungen befinden sich in der
Mutterlauge, die man am besten bis zur nächsten Aufbereitung aufbewahrt.

4.	Molybdänrückstände. P. Wagner1) verfährt folgenderweise:

Die sauren Molybdänflüssigkeiten werden für sich in Flaschen aufbewahrt,
ebenso die ammoniakalischen Filtrate. Bei der Aufarbeitung wird die saure, klar
abgeheberte Flüssigkeit in einer großen Porzellanschale auf dem Wasserbade
ziemlich stark (10 1 ursprüngliche Flüssigkeit auf etwa l1/2 1) eingedampft.
Dabei scheidet sich fast der ganze Molybdänsäuregehalt der Flüssigkeit in Form
einer festen, der Porzellanschale anhaftenden Kruste ab. (Es darf nicht über freiem
Feuer oder im Sandbade eingedampft werden, weil sonst die Schale durch die Krusten-
hildung zerspringt.) Man läßt die Porzellanschale etwas erkalten, beseitigt die
Mutterlauge, spült die Molybdänsäurekruste mit etwas Wasser ab, welches man in
die Aufbewahrungsflasche zurückgießt, setzt die Schale wieder auf das Wasserbad
und fügt die ammoniakalische Flüssigkeit hinzu, in welcher sich die Molybdänsäure-
kruste alsbald auflöst. Man läßt abdampfen, bis schließlich sämtliche ammoniaka-
lisohe Flüssigkeit in die Schale gebracht und in demselben Verhältnis wie oben
eingedampft worden ist; es wird heiß durch ein Faltenfilter in eine andere Schale
filtriert und einige Tage kalt stehen gelassen.

Die Mutterlauge trennt man sodann von dem auskristallisierten molybdän-
sauren Ammon, spült die Kristalle mit etwas Wasser ab, das man zur Mutterlauge
fügt, und reinigt das Salz durch Umkristallisieren.

Die Mutterlauge engt man bis auf 1/2 1 ein, läßt auskristallisieren, gießt
die zweite Mutterlauge fort, läßt die ausgeschiedene Kristallmasse trocknen und
löst sie bei der nächsten Aufarbeitung der Molybdänrückstände in der Kristalli-
sationslauge wieder auf.

Weil aber die sauren Molybdänlösungen jetzt vielfach Zitronensäure
enthalten, so empfiehlt es sich, die Molybdänsäure umgekehrt durch Phosphorsäure
wieder auszufällen, die Niederschläge zu sammeln, alsdann zu filtrieren, auszu-
waschen, in Ammoniak zu lösen und in dieser Lösung durch Zusatz einer genügenden
Menge von Magnesiamixtur die Phosphorsäure wieder auszufällen. Das Filtrat
wird dann nach und nach eingedunstet, zum Kristallisieren erkalten gelassen, das
auskristallisierte molybdänsaure Ammon durch Lösen in ammoniakalischem Wasser
und Umkristallisieren gereinigt. Die letzten Ausscheidungen bestehen vorwiegend
aus Molybdänsäure; sie wird von der Mutterlauge getrennt und zu den neuen Rück-
ständen gegeben.

W. Venator1 2) empfiehlt, die Lösungen von phosphormolybdänsaurem Ammon
durch Zusatz von Eisenchlorid und Ammoniak von Phosphorsäure zu befreien, im
Filtrat die Molybdänsäure durch Chlorbaryura zu fällen, den ausgewaschenen und
getrockneten Niederschlag durch Behandlung mit Ammonsulfat zu zersetzen, das
gebildete Baryumsulfat abzufiltrieren und im Filtrat das molybdänsaure Ammon
durch Kristallisation vom Ammonsulfat zu trennen.

5.	Jodrückstände. A. Ölig und J. Tillmans3) verarbeiten die bei der
Bestimmung der Hüblschen Jodzahl abfallenden Jodrückstände in der Weise, daß
sie das Chloroform in einem Scheidetrichter abtrennen und die wässerige Flüssigkeit

1)	P. Wagner, Lehrbuch der Düngerfabrikation, 1877, 192.

2)	Chem.-Ztg. 1886, 9, 1068.

3)	Zeitscbr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1906, 1t, Heft 2.

Landwirtscqaftlictie Stoffe, 8. Auflage.	62
        <pb n="1000" />
        ﻿978

Aufarbeitung einiger Rückstände.

in einer Porzellanschale mit überschüssiger Sodalösung eindampfen. Das hierbei
sich abscheidende Quecksilberoxyd, aus dem ebenfalls wieder Quecksilber gewonnen
werden kann, wird abfiltriert, das Filtrat zur Trockne verdampft und der Rückstand
behufs Zerstörung des tetrathionsauren Natriums unter dem Abzüge geglüht. Die
geglühte Masse wird in tunlichst wenig Wasser gelöst, filtriert, mit starker Salz-
säure angesäuert, schwach erwärmt, dann mit mehr konzentrierter Salzsäure und
einer konzentrierten Kaliumbichromat-Lösung versetzt, wodurch das Jod nach
einiger Zeit ausgeschieden wird. Dasselbe wird abfiltriert, mit etwas Wasser ge-
waschen und mittels eines besonderen Apparates gereinigt. Bezüglich der Anord-
nung des letzteren muß auf die Abhandlung selbst verwiesen werden.
        <pb n="1001" />
        ﻿Tabellen.
        <pb n="1002" />
        ﻿Tabelle la und Ib zur Berechnung der Kohlensäure aus dem Volumen usw. 981

Tabelle la.

Berechnung der mit dem Scheiblerschen Apparat gefundenen ccm
Kohlensäure auf mg Kohlensäure.

Die Zahlen geben das Gewicht von 1 ccm Kohlensäure in tausendstel Milligramm an.

-S  a  s  cä  pq	mm	742	744,5	747	749	751	753,5	756	758	760	762,5	765	767	769	771	774
	Pariser Zoll und Linien	5"'	6"'	rjm	8'"	9"'	10"'	11"'	28"	1'"	2"'	3'"	4"'	6'"	6'"	’-jm
	28°	1778	1784	1791	1797	1804	1810	1817	1823	1828	1833	1837	1842	1847	1852	1856
	27	1784	1790	1797	1803	1810	1816	1823	1829	1834	1839	1843	1848	1853	1858	1863
	26	1791	1797	1803	1809	1816	1822	1829	1835	1840	1845	1849	1864	1859	1864	1869
	25	1797	1803	1810	1816	1823	1829	1836	1842	1847	1852	1856	1861	1866	1871	1876
	24	1803	1809	1816	1822	1829	1835	1842	1848	1853	1858	1862	1867	1872	1877	1882
	23	1809	1815	1822	1828	1835	1841	1848	1854	1859	1864	1868	1873	1878	1883	1888
t/j	22	1815	1821	1828	1834	1841	1847	1864	1860	1865	1870	1875	1880	1885	1890	1895
o	21	1822	1828	1836	1841	1848	1854	1861	1867	1872	1877	1882	1887	1892	1897	1902
rH	20	1828	1834	1841	1847	1854	1860	1867	1873	1878	1883	1888	1893	1898	1903	1908
	19	1834	1840	1847	1853	1860	1866	1873	1879	1884	1889	1894	1899	1904	1909	1914
g	18	1840	1846	1853	1869	1866	1872	1879	1885	1890	1895	1900	1905	1910	1915	1920
a	17	1846	1853	1860	1866	1873	1879	1886	1892	1897	1902	1907	1912	1917	1922	1927
03	16	1853	1860	1866	1873	1879	1886	1892	1898	1903	1908	1913	1918	1923	1928	1933
Eh	15	1859	1866	1872	1879	1886	1892	1899	1905	1910	1915	1920	1925	1930	1935	1940
	14	1865	1872	1878	1885	1892	1899	1906	1912	1917	1922	1927	1932	1937	1942	1947
	13	1872	1878	1885	1892	1899	1906	1913	1919	1924	1929	1934	1939	1944	1949	1954
	12	1878	1885	1892	1899	1906	1912	1919	1925	1930	1935	1940	1945	1950	1965	1960
	11	1885	1892	1899	1906	1913	1919	1926	1932	1937	1942	1947	1952	1957	1962	1967
	10	1892	1899	1906	1913	1920	1926	1933	1939	1944	1949	1964	1959	1964	1969	1974

Tabelle Ib.

Berechnung der mit dem Scheiblerschen Apparate gefundenen ccm
Kohlensäure auf kohlensäures Calcium,

Die Zahlen drücken tausendstel Milligramm aus.

[ Barometer i	mm	742	744,5	747	749	751	753,5	756	768	760	762,5	766	767	769	771	774
	Pariser Zoll und Linien	5'"	6'"		8'"	9'"	10'"	11'"	28"	1",	2'"	3'"	4'"	5'"	6'"	
	28°	4041	4056	4070	4085	4099	4114	4128	4143	4155	4166	4177	\  4187)4197		4208	4218
	27	4055	4070	4085	4099	4114	4129	4143	4158	4169	4179	4190	42004211		4222	4232
	26	4069	4084	4099	4114S4129		4144	4168	4172	4183	4193	4204	4214 4225		4236	4247
	25	4083	4098	4113	4128 4143		4158	4172	4186	4197	4208	4219	42304241		4252	4262
	24	4097	4112	4127	4142I4167		4172	4186	4200	4211	4222	4233	4244 4256		4266	4277
	23	4111	4126	4141	4156 4171		4186	4200	4214	4226	4237	4248	4269 4270		4281	4292
m	22	4125	4140	4155	4170 4185		4200	4214	4228	4240	4252	4263	42744286		4296	4307
O	21	4139	4154	4169	4184 4199		4214	4229	4243	4255	4267	4279	4290 4301		4312	4322
5--	20	4153	4169	4184	4199 4214		4229	4243	4257	4269	4281	4292	4303(4314		4325	4336
	19	4168	4183	4198	4213 4228		4243	4258	4272	4284	4296	4307	4318 4329		4340	4351
a	18	4182	4198	4213	4228'4243		4258	4272	4286	4298	4310 4321		4332 4343		4354	4365
a	17	4197	4212	4227	4242	4257	4272	4286	4300	4312	4324	4336	4346 4357		4368	4379
fH  CD	16	4211	4226	4241	4266	4271	4286	4300	4314	4326	4338	4349	4360 4371		4382	4393
Eh	15	4225	4241	4256	4271	4286	4301	4315	4329	4341	4363	4364	4375 4386 4397			4408
	14	4240	4256	4271	4286	4301	4316	4331	4345	4357	4368	4379	4390 4401 4412			4423
	13	4255	4271	4286	4301	4316	4331	4346	4361	4373	4384	4395	4406 4417 4428			4439
	12	4270	4286	4301	4316	4331	4346	4361	4376	4388	4399	4410	4421 4432 4443			4454
	11	4285	4301	4316	4331	4346	4361	4376	4391	4403	4415	4426	4437 4448 4459			4470
	10	4300	4316	4332	4348	4364	4378	4394	4407	4419	4430	4441	4453(4464(4475			4486
        <pb n="1003" />
        ﻿982 Tabelle II. 1. Dietrichs Tabelle für die Absorption des Stickstoffgases.

Tabelle II.

1.	Dietrichs Tabelle für die
in 60 ccm Bntwickelungsflüssigkeit (50 ccm Brom-Natronlauge und 10 ccm Wasser) bei einem

bei einer Entwickelung

Entwickelt	1	2	3	4	5	6	7	8	9	10	11	12
Absorbiert	0,06	0,08	0,11	0,13	0,16	0,18	0,21	0,23	0,26	0,28	0,31	0,33
Entwickelt	26	27	28	29	30	31	32	33	34	35	36	37
Absorbiert	0,68	0,71	0,73	0,76	0,78	0,81	0,83	0,86	0,88	0,91	0,93	0,96
Entwickelt	61	52	53	54	55	56	57	58	59	60	61	62
Absorbiert	1,31	1,33	1,36	1,38	1,41	1,43	1,46	1,48	1,51	1,63	1,56	CO
Entwickelt	76	77	78	79	80	81	82	83	84	85	86	87
Absorbiert	1,93	1,96	1,98	2,01	2,03	2,06	2,08	2,11	2,13	2,16	2,18	2,21

2. Dietrichs Tabelle für die Gewichte
in Milligramm bei einem Drucke 720—770 mm Queck-

&amp;						M i 1	1 i m e	t e r					
Teup. n.	720	722	724	726	728	730	732	734	736	738	740	742	744
10"	1,13380	1,18699	1,14018	1,14337	1,14656	1,14975	1,15294	1,15613	1,15932	1,16251	1,16570	1,16889	1,17208
11	1,12881	1,13199	1,13517	1,13835	1,14153	1,14471	1,14789	1,15107	1,15424	1,15742	1,16060	1,16378	1,16696
12	1,12376	1,12293	1,13010	1,13326	1,13643	1,13960	1,14277	1,14493	1,14910	1,15227	1,15543	1,15860	1,16177
13	1,11875	1,12191	1,12506	1,12822	1,13138	1,13454	1,13769	1,14085	1,14401	1,14716	1,15032	1,15348	1,15663
14	1,11360	1,11684	1,11990	1,12313	1,12628	1,12942	1,13257	1,13572	1,13886	1,14201	1,14515	1,14830	1,15145
15	1,10859	1,11172	1,11486	1,11799	1,12113	1,12426	1,12739	1,13053	1,13366	1,13680	1,13993	1,14306	1,14620
16	1,10346	1,10658	1,10971	1,11283	1,11596	1,11908	1,12220	1,12533	1,12845	1,13158	1,13470	1,13782	1,14095
17	1,09828	1,10139	1,10450	1,10761	1,11073	1,11384	1,11695	1,12006	1,12317	1,12629	1,12940	1,13251	1,13562
18	1,09304	1,09614	1,09924	1,10234	1,10544	1,10854	1,11165	1,11775	1,11785	1,12095	1,12405	1,12715	1,13026
19	1,08774	1,09083	1,09392	1,09702	1,10011	1,10320	1,10629	1,10938	1,11248	1,11757	1,11866	1,12175	1,12484
20	1,08246	1,08554	1,08862	1,09170	1,09478	1,09786	1,10024	1,10402	1,10710	1,11018	1,11327	1,11635	1,11943
21	1,07708	1,08015	1,08322	1,08629	1,08936	1,09243	1,09550	1,09857	1,10165	1,10472	1,10779	1,11086	1,11393
22	1,07166	1,07472	1,07778	1,08084	1,08390	1,08696	1,09002	1,09308	1,09614	1,09921	1,10227	1,10533	1,10839
23	1,06616	1,06921	1,07226	1,07531	1,07836	1,08141	1,08446	1,08751	1,09056	1,09361	1,09966	1,09971	1,10276
24	1,06061	1,06365	1,06669	1,06973	1,07277	1,07581	1,07858	1,08189	1,08493	1,08796	1,09100	1,09404	1,09708
25	1,05499	1,05801	1,06104	1,06407	1,06710	1,07013	1,07316	1,07619	1,07922	1,08225	1,08528	1,08831	1,09134

2. Dietrichs Tabelle für die Gewichte eines Kubikcentimeters Stickstoff. 983

Tabelle II.

Absorption des Stickstoffgases

spezifischen Gewicht der Lauge yon 1,1 und einer Stärke, daß 500 ccm 200 mg entsprechen,
von 1 bis 100 ccm Gas.

13	14	15	16	17	18	19	20	21	22	23	24	25
0,36	0,38	0,41	0,43	0,46	0,48	0,51	0,53	0,66	0,58	0,61	0,63	0,66
38	39	40	41	42	43	44	45	46	47	48	49	50
0,98	1,01	1,03	1,06	1,08	1,11	1,13	1,16	!-*■  'I—1  GO	1,21	1,23	1,26	1,28
63	64	65	66	67	68	69	70	71	72	73	74	75
1,61	1,63	1,66	1,68	1,71	1,73	1,76	1,78	1,81	1,83	1,86	1,88	1,91
88	89	90	91	92	93	94	95	96	97	98	99	100
2,23	2,26	2,28	2,31	2,33	2,36	2,38	2,41	2,43	2,46	2,48	2,51	2,53

eines Kubikcentimeters Stickstoff

silber und bei den Temperaturen yon 10—25° Celsius.

					M i 1	1 i m	t e r						Celsius ||
746	748	750	752	754	756	768	760	762	764	766	768	770	a
1,17527	1,17846	1,18165	1,18484	1,18803	1,19122	1,19441	1,19760	1,20079	1,20398	1,21717	1,21036	1,21355	10°
1,17014	1,17332	1,17650	1,17168	1,18286	1,18603	1,18921	1,19239	1,19557	1,19875	1,20193	1,20511	1,20829	11
1,16433	1,16810	1,17127	1,17444	1,17760	1,18077	1,18394	1,18710	1,19027	1,19344	1,19660	1,19977	1,20294	12
1,15979	1,16295	1,16611	1,16926	1,17242	1,17558	1,17873	1,18189	1,18505	1,18820	1,19136	1,19452	1,19768	13
1,15459	1,15774	1,16088	1,16403	1,16718	1,17032	1,17347	1,17661	1,17976	1,18291	1,18605	1,18920	1,19234	14
1,14933	1,15247	1,15560	1,15873	1,16187	1,16500	1,16814	1,17127	1,17440	1,17754	1,18067	1,18381	1,18694	15
1,14407	1,14720	1,15032	1,15344	1,15657	1,15969	1,16282	1,16594	1,16906	1,17219	1,17531	1,17844	1,18156	16
1,13873	1,14185	1,14496	1,14807	1,15118	1,15429	1,15741	1,16052	1,16363	1,16674	1,16985	1,17297	1,17608	17
1,13335	1,13645	1,13955	1,14266	1,14576	1,14886	1,15196	1,15506	1,15816	1,16126	1,16436	1,16746	1,17056	18
1,12794	1,13103	1,13412	1,13721	1,14030	1,14340	1,14649	1,14958	1,15267	1,15576	1,15886	1,16195	1,16504	19
1,12251	1,12559	1,12867	1,13175	1,13483	1,13791	1,14099	1,14408	1,14716	1,15024	1,15332	1,15640	1,15948	20
1,11700	1,12007	1,12314	1,12621	1,12928	1,13236	1,13543	1,13850	1,14157	1,14464	1,14771	1,15078	1,15385	21
1,11145	1,11451	1,11757	1,12063	1,12369	1,12675	1,12982	1,13288	1,13594	1,13900	1,14206	1,14512	1,14818	22
1,10681	1,10886	1,11191	1,11496	1,11801	1,12106	1,12411	1,12716	1.13021	1,13326	1,13631	1,13936	1,14241	23
1,10012	1,10316	1,10620	1,10924	1,11228	1,11532	1,11835	1,12139	1,12443	1,12747	1,13051	1,13355	1,13659	24
1,09437	1,09740	1,10043	1,10346	1,10649	1,10952	1,11255	1,11558	1,11861	1,12164	1,12467	1,12770	1,13073	25
        <pb n="1004" />
        ﻿984

Umrechnung des gewogenen Kupferoxyds auf Kupfer.

Tabelle III.

Umrechnung des gewogenen Kupferoxyds auf Kupfer, zum Gebrauch
für alle Zuokerarten,1) Nach A. Pernau.

CuO	Cu	CuO	Cu	CuO	Cu	CuO	Cu	CuO	Cu	CuO	Cu
mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg
10	8,0	54	43,1	97	77,5	141	112,6	185	147,8	229	182.9
11	8,8	55	43,9	98	78,3	142	113,4	186	148,6	230	183,7
12	9,6	56	44.7	99	79,1	143	114,2	187	149,4	231	184,5
13	10,4	57	45,6	100	79,8	144	116,0	188	150.1	232	185,3
14	11,2	58	46.3	101	80,6	145	ii5;s	189	150j9	233	186,1
15	12,0	59	47,1	102	81,4	146	116,6	190	151.7	234	186,9
16	12,8	60	47,9	103	82,2	147	117,4	191	152,5	235	187.7
17	13,6	61	48,7	104	83,0	148	118,2	192	153,3	236	188,5
18	14,4	62	49,5	105	83,8	149	119,0	193	154,1	237	189,3
19	15,2	62,6	50,0	106	84.6	160	119,8	194	154.9	238	190,0
20	16,0	63	50,3	107	85,4	151	120,6	195	156,7	239	190,8
21	16,8	64	51,1	108	86,2	152	121,4	196	166,5	240	191,6
22	17,6	66	61,9	109	87,0	153	122,2	197	157,3	241	192,4
23	18,4	66	52,7	110	87,8	154	123,0	198	158,1	242	193,2
24	19,2	67	63,5	111	88,6	155	123,8	199	158.9	243	194,0
25	20,0	68	54,3	112	89,4	156	124,6	200	159;7	244	194,8
26	20.8	69	65,1	113	90,2	157	125,4	201	leojs	245	195,6
27	21,6	70	56,9	114	91,0	158	126,2	202	161,3	246	196,4
28	22,4	71	56,7	115	91,8	159	127,0	203	162,1	247	197,2
29	23,2	72	57,5	116	92,6	160	127.8	204	162,9	248	198,0
30	24,0	73	58,3	117	93,4	161	128,6	205	163,7	249	198,8
31	24,8	74	59,1	118	94,2	162	129,4	206	164,5	250	199,6
32	25,6	76	59,9	119	95,0	163	130,2	207	165,3	251	200,4
33	26,4	76	60,7	120	95,8	164	131,0	208	166,1	252	201,2
34	27,2	77	61,5	121	96,6	165	131,8	209	166,9	253	202,0
35	28,0	78	62,3	122	97,4	166	132,6	210	167*7	254	202,8
36	28,7	79	63,1	123	98,2	167	133,4	211	168,6	265	203,6
37	29,5	80	63,9	124	99,0	168	134,2	212	169,3	256	204,4
38	30,3	81	64.7	125	99,8	169	134,9	213	170,1	257	205,2
39	31,1	82	66,5	126	100,6	170	135,7	214	170,9	258	206,0
40	31,9	83	66,3	127	101,4	171	136.5	215	171,7	259	206,8
41	32,7	84	67,1	128	102,2	172	137,3	216	172,5	260	207,6
42	33,6	85	67,9	129	103,0	173	138,1	217	173,3	261	208,4
43	34,4	86	68,7	130	103,8	174	138,9	218	174,1	262	209,2
44	35,1	87	69,5	131	104,6	175	139,7	219	174,9	263	210,0
40	35,9	88	70,3	132	105,4	176	140;5	220	175,7	264	210,8
	36,7	89	71,1	133	106,2	177	141,3	221	176,5	265	211,6
	37,5	90	71,9	134	107,0	178	142,1	222	177,3	266	212,4
	38,3	91	72,7	136	107,8	179	142,9	223	178,1	267	213,2
	39,1	92	73,5	136	108,6	180	143.7	224	178,9	268	214,0
		93	74,3	137	109,4	181	144,5	225	179,7	269	214,8
	40,7	94	75.1	138	110,2	182	146,4	226	180,6	270	216,6
	41,5	95	75,9	139	111,0	183	146,2	227	181,3	271	216,4
	42,3	96	76,7	140	111,8	184	147,0	228	182,1	272	217,2

als K„,!LWeili daa bei den Zuckerbestiramungen gebildete Kupferoxydul jetzt durchweg
KmrfW Ä gewogen, die nachstehenden Reduktionstabellen sich aber noch auf gewogenes

Kunfer P,.iS,°.	diese Tabelle, welche die Umrechnung von Kupferoxyd auf

Jvupter erleichtert, hier Platz finden.
        <pb n="1005" />
        ﻿Umrechnung des gewogenen Kupferoxyds auf Kupfer.

985

CuO  mg’	Ou  mg	CuO  mg	Cu  mg	CuO  mg	Cu  mg	CuO  mg	Cu  mg	CuO  mg	Cu  mg	CuO  mg	Cu  mg
273	218,0	326	269,6	377	301,1	428	341.8	479	382,6	530	423,3
274	218.8	326	260,4	378	301,9	429	342,6	480	383,3	531	424.1
275	219,6	327	261,2	379	302,7	430.	343,4	481	384,1	532	424,9
276	220.4	328	262,0	380	303,5	431	344,2	482	384,9	633	425,7
277	221,2	329	262.8	381	304,3	432	345,0	483	385,7	534	426.5
278	222,0	330	263,6	382	305,1	433	345,8	484	386,6	535	427,3
279	222,8	331	264,4	383	305,9	434	346.6	485	387,3	536	428,1
280	223,6	332	265,2	384	306,7	435	347.4	486	388,1	537	428,9
281	224,4	333	266,0	386	307,5	436	348,2	487	388,9	538	429,7
282	225,2	334	266,8  267,6	386	308,3	437	349,0	488	389,7	539	430,6
283	226,0	336		387	309,1	438	349,8	489	390,6	540	431,2
284	226,8	336	268,4	388	309,9	439	350,6	490	391,3	541	432,0
285	227,6	337	269,2	389	310,7	440	351,4	491	392,1	542	432,8
286	228,4	338	270,0	390	311,5	441	352,2	492	392,9	543	433.6
287	229,2	339	270,8	391	312.3	442	363,0	493	393,7	544	434^4
288	230,0	340	271,6	392	313,1	443	363,8	494	394,5	646	436,2
289	230,8	341	272,4	393	313,9	444	364.6	495	395,3	646	436,0
290	231,6	342	273,2	394	314,7	446	356,3	496	396,1	647	436,8
291	282,4  233,2	343	274,0	395	315,6	446	356,1	497	396,9	548	437,6
292		344	274,8  275,6	396	316,3	447	356,9	498	397.7	549	438,4
293	234.0	345		397	317,1	448	357,7	499	398,6	550	439,2
294	234,8	346	276,4	398	317,9	449	358,6	500	399,3	651	440;0
295	235,6	347	277,2	399	318,7	450	359,3	501	400,1	652	440,8
296	236,4	348	278,0	400	319,4	461	360,1	502	400,9	553	441,6
297	237,2	349	278,7	401	320,2	452	360,9	503	401,7	554	442,4
298	238,0  238,8	360	279,6	402	321,0	453	361,6	504	402,5	656	443,2
299		351	280,3	403	321,8	454	362,4	605	403,3	666	444,0
300	239,6	352	281,1	404	322,6	455	363,2	506	404,1	667	444.8
301	240,4	363	281,9	405	323,4	456	364,0	607	404,9	658	445,6
302	241.2	354	282,7	406	324,2	457	364,8	508	405,7	559	446,4
303	242,0	356	283,5	407	325,0	458	365,6	509	406,6	660	447,2
304	242,8	356	284,3	408	325,8	459	366,4	510	407.3	661	448,0
305	243,6	367	285,1	409	326,6	460	367.2	511	408,1	662	448,8
306	244,4	358	285,9	410	327,4	461	368,0	512	408,9	563	449,6
307	245,2	359	286.7	411	328,2	462	368,8	613	409,7	564	460.4
308	246,0	360	287,5	412	329,0	463	369,6	614	410,5	665	451,2
309	246,8	361	288,3	413	329,8	464	370,4	616	411,3	666	452,0
310	247,6	362	289,1	414	330,6	465	371,2	616	412,1	667	452.8
311	248,4	363	289.9	415	331,4	466	372,0	517	412,9	568	453,6
312	249,2	364	290,7	416	332,2	467	372,8	518	413,7	569	454.4
313	250,0	366	291,5	417	333,0	468	373,6	519	414,6	670	455^2
314	250,8	366	292,3	418	333,8	469	374,4	620	415,3	671	456,0
315	251,6	367	293,1	419	334,6	470	375,2	621	416,1	572	456,8
316	252,4	368	293,9	420	336,4	471	376,0	522	416,9	673	467.6
317	253,2	369	294,7  295.5	421	336,2	472	376,8	523	417,7	674	458,4
318	254,0	370		422	337,0	473	377.6	524	418,5	576	459,2
319	254,8	371	296,3	423	337,8	474	378,4	625	419,3	576	460,0
320	265,6	372	297,1	424	338,6	475	379.2	626	420.1	577	460,8
321	256,4	373	297,9	426	339,4	476	380,0	527	420^9	678	461,6
322	267,2	374	298,7	426	340,2	477	380,8	628	421,7	579	462,4
323  324	258,0  258,8	375  376	299,5  300,3	427	341,0	478	381,6	529	422,5	680	463,2
        <pb n="1006" />
        ﻿10

II

1-1

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

26

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37

38

39

40

41

42

43

44

45

46

47

48

49

60

51

52

53

54

55

mg

99,

100,

100,

101,

101,

102,

102,

103,

103,

104,

104,

105,

105,

106,

106.

107.

107,

108,

109,

109,

110,

110.

111,

111,

112,

112,

113,

113,

114,

114,

115,

115,

116,

116,

117,

118,

118,

119,

119,

120,

120,

121.

121,

122.

122

Tabelle IV. Bestimmung der Glukose nach Allihn-Meißl.

Tabelle IV.1)

Bestimmung der Glukose nach Allihn-Meifsl (vergl. S. 230).

Kupfer  mg	Glukose  mg	Kupfer-  ne	Glukose  mg	Kupfer  mg	Glukose  mg
56	28,8	102	51,9	148	75.5
57	29,3	103	62,4	149	76,0
58	29.8	104	52,9	150	76,5
59	30,3	106	53,5	151	77,0
60	30,8	106	54,0	152	77,5
61	31,3	107	64,5	153	78,1
62	31,8	108	55,0	164	78,6
63	32,3	109	55,5	156	79,1
64	32,8	110	56,0	156	79,6
65	33,3	111	56,5	157	80,1
66	33,8	112	67,0	158	80,7
67	34,3	113	57,5	159	81,2
68	34,8	114	58,0	160	81,7
69	35,3	116	58,6	161	82,2
70	35,8	116	59,1	162	82,7
71	36,3	117	59,6	163	83,3
72	36,8	118	60,1	164	83,8
73	37,3	119	60,6	165	84,3
74	37,8	120	61.1	166	84,8
75	38,3	121	61,6	167	85,3
76	38,8	122	62,1	168	85,9
77	39,3	123	62,6	169	86,4
78	39,8	124	63,1	170	86,9
79	40,3	125	63.7	171	87,4
80	40,8	126	64,2	172	87,9
81	41,3	127	64,7	173	88,5
82	41,8	128	65,2	174	89,0
83	42,3	129	65,7	175	89,5
84	42,8	130	66,2	176	90,0
85	43,4	131	66,7	177	90,5
86	43,9	132	67,2	178	91.1
87	44.4	133	67,7	179	91,6
88	44.9	134	68,2	180	92.1
89	45,4	135	68,8	181	92,6
90	46,9	136	69,3	182	93,1
91	46,4	137	69,8	183	93,7
92	46,9	138	70,3	184	94,2
93	47,4	139	70,8	185	94,7
94	47,9	140	71,3	186	95,2
95	48.4	141	71,8	187	95,7
96	48,9	142	72,3	188	96,3
97	49,4	143	72,9	189	96,8
98	49,9	144	73,4	190	97,3
99	50,4	145	73,9	191	97,8
100	60,9	146	74,4	192	98,4
101	51,4	147	74,9	193	98,9

die 4 folgenden Tabellen sind entnommen aus E.
rmung der Zuckerarten. Stuttgart 1888.
        <pb n="1007" />
        ﻿!upf«

mg

240

241

242

243

244

245

246

247

248

249

250

251

252

253

254

255

256

257

258

259

260

261

262

263

264

265

266

267

268

269

270

271

272

273

274

275

276

277

278

279

280

281

282

283

284

Bestimmung der Glukose nach Allihn-Meißl.

987

Glukose	Kupfer	Glukose	Kupfer	Glukose	Kupfer	Glukose
mg	mg	mg	mg	‘ mg	mg	mg
148,3	330	173,1	375	198,6	420	224,5
148,8	331	173,7	376	199.1	421	225,1
149,4	332	174,2	377	199.7	422	225,7
149,9	333	174,8	378	200,3	423	226,3
160,5	334	175,3	379	200,8	424	226,9
151,0	335	175,9	380	201,4	425	227,5
151,6	336	176,5	381	202,0	426	228,0
162,1	337	177,0	382	202,5	427	228,6
152,7	338	177,6	383	203.1	428	229,2
163,2	339	178,1	384	203,7	429	229,8
153,8	340	178,7	385	204,3	430	230,4
164.3	341	179,3	386	204,8	431	231,0
164,9	342	179,8	387	205,4	432	231,6
156,4	343	180,4	388	206,0	433	232,2
156,0	344	180,9	389	206,6	434	232,8
156,5	345	181,5	390	207.1	435	233,4
157,1	346	182,1	391	207,7	436	233,9
157,6	347	182,6	392	208,3	437	234,5
168,2	348	183,2	393	208,8	438	235,1
158,7	349	183,7	394	209,4	439	235,7
169,3	350	184,3	395	210,0	440	236,3
159,8	351	184,9	396	210,6	441	236,9
160,4	362	185,4	397	211.2	442	237,5
160,9	353	186,0	398	211,7	443	238,1
161,5	354	186,6	399	212,3	444	238,7
162,0	355	187,2	400	212,9	446	239,3
162,6	356	187,7	401	213,5	446	239,8
163,1	357	188,3	402	214,1	447	240,4
163,7	358	188,9	403	214,6	448	241,0
164,2	359	189,4	404	215,2	449	241,6
164,8	360	190,0	405	215,8	450	242,2
166,3	361	190,6	406	216,4	451	242,8
165,9	362	191,1	407	217,0	452	243,4
166,4	363	191,7	408	217,5	453	244,0
167,0	364	192,3	409	218.1	454	244,6
167,5	365	192,9	410	218,7	455	245,2
168,1	366	193,4	411	219,3	456	245,7
168,6	367	194,0	412	219,9	457	246,3
169,2	368	194,6	413	220,6	468	246,9
169,7	369	195,1	414	221,0	459	247,6
170,3	370	195,7	415	221,6	460	248,1
170,9	371	196,3	416	222,2	461	248,7
171,4	372	196,8	417	222,8	462	249,3
172,0	373	197.4	418	223,3	463	249,9
172,5	374	198,0	419	223,9		

i!!
        <pb n="1008" />
        ﻿988

Tabelle V a. Bestimmung des Invertzuckers nach E. Meißl.

Tabelle Ta.

Bestimmung des Invertzuckers aus dem gewogenen Kupfer
nach E. Meifsl (vergl. S. 230).
        <pb n="1009" />
        ﻿Tabelle Yb. Bestimmung des Invertzuckers im Rübenzucker nach A. Herzfeld. 989

Tabelle Yb.

Bestimmung des Invertzuckers im Rübenzucker
nach A. Herzfeld aus den abgewogenen Milligrammen Kupferoxyd.

CuO	Cu	lnver1&gt;  Zucker	CuO	Cu	Invert-  zucker	CuO	Cu	Invert-  zucker
mg	mg	°/o	mg	mg	01  10	mg	mg	Ol  Io
62,6	50,0	0,050	116	92,6	0,258	170	135,7	0.481
63	60,3	0,051	117	93,4	0,262	171	136,6	0,485
64	51,1	0,054	118	94,2	0,266	172	137,3	0,489
65	51,9	0.058	119	95,0	0,271	173	138,1	0,493
66	52,7	0,061	120	96,8	0,276	174	138,9	0,498
67	53,6	0,064	121	96,6	0,280	175	139,7	0,501
68	54,3	0,067	122	97,4	0,285	176	140,5	0,606
69	55.1	0,070	123	98,2	0,289	177	141,3	0,511
70	56,9	0,074	124	99,0	0.294	178	142,1	0,515
71	66,7	0,077	125	99,8	0,299	179	142,9	0,521
72	67,5	0,080	126	100,6	0,303	180	143,7	0,625
73	68,3	0,083	127	101,4	0,307	181	144,6	0,530
74	59,1	0,086	128	102,2	0,311	182	145.4	0,535
75	59,9	0,090	129	103,0	0,315	183	146,2	0,539
76	60,7	0,093	130	103,8	0,319	184	147,0	0.544
77	61.5	0,096	131	104,6	0,323	185	147,8	0,549
78	62,3	0,099	132	105,4	0,327	186	148,6	0,553
79	63,1	0,103	133	106,2	0,331	187	149,4	0,568
80	63,9	0,108	134	107,0	0,335	188	150,1	0,562
81	64,7	0,111	135	107,8	0,339	189	150,9	0,668
82	65,6	0.115	136	108,6	0,343	190	151.7	0.672
83	66,3	0,119	137	109,4	0.348	191	152,5	0,577
84	67,1	0,123	138	110,2	0,352	192	153,3	0,582
85	67,9	0,128	139	111,0	0,356	193	164,1	0,586
86	68,7	0,131	140	111,8	0,360	194	154,9	0,592
87	69,5	0,135	141	112.6	0,364	195	155,7	0,596
88	70,3	0,139	142	113,4	0,368	196	156,5	0.601
89	71,1	0,143	143	114,2	0,372	197	157,3	0,605
90	71,9	0,148	144	115,0	0,376	198	158,1	0,609
91	72,7	0,161	145	115,8	0,380	199	158,9	0,615
92	73,5	0,154	146	116,6	0,384	200	159,7	0,619
93	74,3	0,158	147	117,4	0,388	201	160,5	0,624
94	75,1	0,162	148	118.2	0,393	202	161,3	0,629
95	75,9	0,167	149	119,0	0,397	203	162,1	0,633
96	76,7	0.170	150	119,8	0,401	204	162,9	0,639
97	77.5	0,174	151	120,6	0,405	205	163,7	0,643
98	78,3	0,178	152	121,4	0,409	206	164,5	0,648
99	79.1	0,182	153	122,2	0,413	207	166,3	0,653
100	79,8	0,186	164	123,0	0,417	208	166,1	0,657
101	80,6	0,190	155	123,8	0,422	209	166,9	0,663
102	81,4	0,194	156	124,6	0,426	210	167,7	0,667
103	82,2	0,198	157	125,4	0,430	211	168,5	0,672
104	83,0	0,202	168	126,2	0,434	212	169.3	0,676
105	83,8	0,207	169	127,0	0,438	213	170.1	0,680
106	84,6	0,211	160	127,8	0.442	214	170.9	0,686
107	85,4	0,215	161	128,6	0,446	216	171.7	0,690
108	86,2	0,220	162	129,4	0,450	216	172,5	0,695
109	87,0	0,225	163	130,2	0,454	217	173,3	0,700
110	87,8	0,230	164	131,0	0,458	218	174,1	0,704
111	88,6	0,234	165	131,8	0,462	219	174,9	0,709
112	89,4	0,238	166	132,6	0,466	220	175,7	0,713
113	90,2	0,243	167	133,4	0,470	221	176,6	0,717
114	91,0	0,248	168	134,2	0,474	222	177,3	0,722
115	91,8	0,253	169	134,9	0,478	223	178,1	0,726
        <pb n="1010" />
        ﻿990 Tabelle Vb. Bestimmung des Invertzuckers im Rübenzucker nach A. Herzfeld.

CuO	Cu	Invert-  zucker	CuO	Cu	Invert-  zucker	CuO	Cu	Invert-  zucker
mg	mg	0/  Io	mg	mg	0 /  Io	mg	mg	0/  Io
224	178,9	0,731	282	225,2	0,985	339	270,8	1,247
225	179,7	0,735	283	226,0	0,990	340	271,6	1,251
226	180,5	0,740	284	226,8	0,996	341	272,4	1,255
227	181.3	0,744	285	227,6	0,998	342	273,2	1.260
228	182,1	0,748	286	228,4	1,003	343	274,0	1,265
229	182,9	0,763	287	229,2	1,008	344	274,8	1,270
230	183,7	0,757	288	230,0	1.013	345	275,6	1,274
231	184,5	0,761	289	230,8	1,017	346	276,4	1,278
232	185,3	0.766	290	231,6	1,021	347	277,2	1,283
233	186.1	0,770	291	232,4	1,026	348	2781)	1.288
234	186,9	0.775	292	233,2	1,031	349	278,7	1,292
235	187,7	0,779	293	234,0	1,036	350	279,5	1.296
236	188,5	0,783	294	234,8	1,040	351	280,3	1,301
237	189,3	0,788	295	235,6	1,044	352	281,1	1,305
238	190,0	0,792	296	236,4	1,049	353	281.9	1.311
239	190,8	0,796	297	237,2	1,054	354	282^7	1,315
240	191,6	0,801	298	238,0	1,058	355	283,5	1,319
241	192,4	0,805	299	238,8	1.063	356	284,3	1,324
242	193,2	0,809	300	239,6	1,067	357	285,1	1,328
243	194,0	0,814	301	240,4	1,072	358	285,9	1,334
244	194,8	0,818	302	241.2	1,077	359	286,7	1,338
245	196,6	0,822	303	242^0	1,081	360	287,5	1,342
246	196,4	0,827	304	242,8	1,086	361	288,3	1,347
247	197,2	0,831	305	243.6	1,090	362	289,1	1,351
248	198,0	0,836	306	244,4	1,095	363	289,9	1,357
249	198,8	0,840	307	245,2	1,100	364	290,7	1,360
250	199,6	0,844	308	246,0	1,104	365	291,5	1,365
251	200,4	0,849	309	246,8	1,109	366	292’.3	1,370
252	201,2	0,853	310	247,6	1,114	367	293,1	1,374
253	202,0	0,858	311	248,4	1.117	368	293^9	1.380
264	202,8	0,862	312	249,2	1,123	369	294'?	1,383
255	203,6	0,866	313	250,0	1,127	370	295'6	1,388
256	204,4	0,871	314	250,8	1,132	371	296'3	1,393
257	205,2	0,875	315	251,6	1,136	372	297'l	1,397
258	206,0	0,880	316	262,4	1,141	373	297'9	1,403
259	206,8	0,884	317	253,2	1,145	374	298'7	1,406
260	207,6	0,888	318	254,0	1,150	375	299,5	1,411
2bl	208,4	0,893	319	254,8	1,155	376	300'3	1,416
262	209,2	0,897	320	255,6	1,159	377	30l’l	1.420
263	210,0	0,902	321	256,4	1,164	378	301'9	1,425
264	210,8	0,906	322	257,2	1,168	379	302^7	1,429
265	211,6	0,910	323	258,0	1,173	380		1,434
266	212,4	0,915	324	268,8	1,178	381	304,3	1,439
267	213,2	0,919	325	259,6	1,182	382	306,1	1.443
268	214,0	0,924	326	260,4	1,187	383	306'9	1,448
-sby	214,8	0,928	327	261,2	1,191	384	306’7	1,452
271	215,6  2ie;4	0,932  0,937	328  329	262,0  262,8	1,196  1,201	385  386	307;5  308,3	1,457  1.462
273	217,2  218,0	0,941  0,946	330  331	263,6  264,4	1,205  1,209	387  388	309’l 309,9	1,466  1,471
A (4	218,8	0,950	332	265,2	1,214	389	310'7	1.475
275	219,6	0,953	333	266,0	1,219	390	31l'6	1,480
276	220,4	0,959	334	266,8	1,225	391	312’3	1,485
277	221,2	0,963	335	267,6	1,228	392	313,1	1,489
278	222,0	0,968	336	268,4	1,233	393	313'9	1,494
	22^B	0,972	337	269,2	1,237	394	314’?	1.498
£OÜ  281	223,6  224,4	0,976  0,981	338	270,0	1,242	395	315^5	1,500
        <pb n="1011" />
        ﻿31

32

33

34

36

36

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56

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79

Tabelle VI. Bestimmung der Maltose nach E. Wein.

991

1

Tabelle VI.

ng der Maltose nach E. Wein (vergl. S. 230).

Kupfer	Maltose	Kupfer	Maltose	Kupfer	Maltose	Kupfer	Maltose
mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg
85	73,2	139	121,5	193	169,8	247	218.1
86	74.1	140	122,4	194	170,7	248	219,0
87	75,0	141.	123,3	195	171,6	249	219,9
88	76,9	142	124,2	196	172,5	250	220,8
89	76,8	143	125,1	197	173,4	251	221,7
90	77,7	144	126,0	198	174,3	252	222,6
91	78,6	145	126,9	199	176,2	253	223,5
92	79,5	146	127.8	200	176,1	254	224,4
93	80,3	147	128,7	201	177,0	255	225,3
94	81,2	148	129,6	202	177,9	256	226,2
95	82,1	149	130,5	203	178,7	257	227,1
96	83,0	150	131,4	204	179,6	258	228,0
97	83,9	151	132,3	205	180,5	259	228,9
98	84,8	162	133,2	206	181,4	260	229,8
99	86,7	153	134,1	207	182,3	261	230,7
100	86.6	154	136,0	208	183,2	262	231,6
101	87,5	155	136,9	209	184,1	263	232,6
102	88,4	156	136,8	210	185,0	264	233.4
103	89,2	157	137,7	211	186,9	265	234,3
104	90,1	168	138,6	212	186,8	266	235,2
105	91,0	159	139,6	213	187,7	267	236,1
106	91,9	160	140,4	214	188,6	268	237,0
107	92.8	161	141,3	215	189,5	269	237,9
108	93,7	162	142,2	216	190,4	270	238,8
109	94,6	163	143,1	217	191,2	271	239,7
110	96,5	164	144,0	218	192,1	272	240,6
111	96,4	165	144,9	219	193,0	273	241,5
112	97,3	166	145,8	220	193,9	274	242,4
113	98,1	167	146,7	221	194,8	275	243,3
114	99,0	168	147.6	222	195,7	276	244.2
116	99,9	169	148,5	223	196,6	277	245,1
116	100,8	170	149,4	224	197,5	278	246,0
117	101,7	171	160,3	225	198,4	279	246,9
118	102,6	172	161,2	226	199,3	280	247,8
119	103,5	173	162,0	227	200,2	281	248,7
120	104,4	174	152,9	228	201,1	282	249,6
121	105,3	175	163,8	229	202,0	283	250,4
122	106,2	176	154,7	230	202,9	284	251,3
123	107,1	177	155,6	231	203,8	385	252,2
124	108,0	178	156,6	232	204,7	286	253,1
125	108,9	179	157,4	233	205,6	287	254,0
126	109,8	180	158.3	234	206,6	288	354,9
127	110,7	181	159,2	235	207,4	289	255,8
128	111.6	182	160,1	236	208,3	290	256,6
129	112,5	183	160,9	237	209,1	291	257,5
130	113,4	184	161,8	238	210,0	292	258,4
131	114,3	185	162,7	239	210,9	298	259,3
132	115,2	186	163,6	240	211,8	294	260,2
133	116,1	187	164,5	241	212,7	295	261,1
134	117,0	188	166,4	242	213,6	296	262,0
135	117,9	189	166,3	243	214,5	297	262,8
136	118,8	190	167,2	244	215,4	298	263,7
137	119,7	191	168.1	245	216,3	299	264,6
138	120,6	192	169,0	246	217,2	300	265,5
        <pb n="1012" />
        ﻿992 Tabelle VII. Bestimmung der Stärke bezw. des Dextrins nach E. Wein.

Tabelle VII.

Bestimmung der Stärke bezw. des Dextrins nach E. Wein
(vergl. S. 238 und 226).

Kupfer  mg	Stärke  oder  Dextrin  mg	Kupfer  mg	Stärke  oder  Dextrin  mg	Kupfer  mg	Stärke  oder  Dextrin  mg	Kupfer  mg	Stärke  oder  Dextrin  mg	Kupfer  mg	Stärke  oder  Dextrin  mg
10	5,6	56	25,9	102	46,7	148	67,9	194	89,5
11	6,9	67	26,4	103	47,2	149	68,4	195	90,0
12	6,4	58	26,8	104	47,6	160	68,9	196	90,5
13	6,8	59	27,3	105	48,1	151	69,3	197	91,0
14	7,3	60	27,7	106	48,6	152	69,8	198	91,4
15	7,7	61	28,2	107	49,1	153	70,3	199	91,8
16	8,1	62	28,6	108	49,6	154	70,7	200	92,3
17	8,6	63	29,1	109	50,0	155	71,2	201	92,8
18	9,0	64	29,5	110	50,4	166	71,6	202	93,3
19	9,5	65	30,0	111	50,9	157	72,1	203	93,8
20	9,9	66	30,4	112	51,3	158	72,6	204	94,3
21	10,4	67	30,9	113	51,8	169	73,1	205	94,8
22	10,8	68	31,3	114	62,2	160	73,6	206	95,2
23	11,3	69	31,8	115	62,7	161	74,0	207	96,7
24	11,7	70	32,2	116	63.2	162	74,5	208	96,2
25	12,2	71	32,7	117	53,6	163	76,0	209	96,7
26	12,6	72	33,1	118	64,1	164	75,4	210	97.1
27	13,1	73	33,6	119	54,6	165	75,9	211	97,6
28	13,5	74	34,0	120	55,0	166	76,3	212	98,1
29	14,0	76	34,5	121	55,4	167	76,8	213	98,6
30	14,4	76	34,9	122	65,9	168	77,3	214	99,0
31	14,9	77	35,4	123	56,3	169	77,8	215	99,5
32	15,3	78	35,8	124	56,8	170	78,2	216	100,0
33	15,8	79	36,2	125	57,3	171	78,7	217	100,4
34	16,2	80	36,7	126	57,8	172	79,1	218	100,9
35	16, i	81	37,2	127	58,2	173	79,6	219	101,4
36	17,0	82	37,6	128	58,7	174	80'l	220	101,9
37	17,6	83	38,1	129	69,1	175	804	221	102,4
38	17,9	84	38,6	130	69,6	176	81,0	222	102,9
39	18,4	85	39,1	131	60,0	177	81,5	223	103,3
40	18,8	86	39,5	132	60,5	178	82,0	224	103,8
41	19,3	87	40,0	133	60,9	179	824	226	104,3
42	19,7	88	40,4	134	61,4	180	82,9	226	104,8
43	20,2	89	40,9	135	61,9	181	834	227	105,2
44	20,6	90	41,3	136	62,4	182	83,8	228	105.7
4o	21,1	91	41,8	137	62,8	183	844	229	106,2
4b	21,6	92	42,2	138	63,3	184	84*8	230	106,7
4 {	22,0	93	42,6	139	63,7	185	854	231	107,1
4o	22,4	94	43,1	140	64,2	186	85,7	232	107,6
49	22,9	95	43,6	141	64,6	187	864	233	108,1
oU	23,3	96	44,0	142	65,1	188	86,7	234	108,6
Ol	23,8	97	44,5	143	65,6	189	87,1	236	109,1
02	24,2	98	44,9	144	66,1	190	87,6	236	109,6
üO	24,7	99	46,4	146	66,5	191	88,1	237	110,1
54	26,1	100	46,8	146	67,0	192	884	238	110,6
00	25,5	101	46,3	147	67,4	193	89,1	239	1114
        <pb n="1013" />
        ﻿mg

240

241

242

243

244

245

246

247

248

249

260

251

252

253

254

255

266

257

258

259

260

261

262

263

264

265

266

267

268

269

270

271

272

273

274

275

276

277

278

279

280

281

282

283

284

Bestimmung der Stärke bezw. des Dextrins nach E. Wein. 993

Kupfer  mg	Stärke  oder  Dextrin  mg	Kupfer  mg	Stärke  oder  Dextrin  mg	Kupfer  mg	Stärke  oder  Dextrin  mg	Kupfer  mg	Stärke  oder  Dextrin  mg
285	133,5	330	155,8	375	178,7	420	202,1
286	134,0	331	166,3	376	179,2	421	202,6
287	134,5	332	156,8	377	179,7	422	203,1
288	135,0	333	157,3	378	180,2	423	203,7
289	135,5	334	167,8	379	180,7	424	204,2
290	135,9	336	168,3	380	181,3	425	204,7
291	136.4	336	158,8	381	181,8	426	205,2.
292	136,9	337	169,3	382	182,3	427	205,7
293	137,4	338	159,8	383	182,8	428	206,3
294	137,9	339	160,3	384	183.3	429	206,8
295	138,4	340	160,8	385	183,8	430	207,4
296	138,9	341	161,3	386	184,3	431	207,9
297	139,4	342	161,8	387	184,9	432 '	208,5
298	139,9	343	162,3	388	185,4	433	209,0
299	140,4	344	162,8	389	185,9	434	209,5
300	140,9	345	163,4	390	186,4	435	210,0
301	141.4	346	163,9	391	186,9	436	210,5
302	141,9	347	164,4	392	187,6	437	211,0
303	142,4	348	164,9	393	188,0	438	211,6
304	142,9	349	165,4	394	188,6	439	212,1
305	143,4	350	165,9	395	189,0	440	212,7
306	143,9	351	166,4	396	189,6	441	213,1
307	144,4	352	166,9	397	190,0	442	213,7
308	144,9	353	167,4	398	190,5	443	214,3
309	145,4	354	167,9	399	191,1	444	214,8
310	145,8	355	168,4	400	191,6	445	215,3
311	146,3	356	168,9	401	192,2	446	215,9
312	146,8	. 357	169,5	402	192,7  193,2	447	216,4
313	147,3	358	170,0	403		448	216,9
314	147.8	359	170,5	404	193,7	449	217,5
315	148,3	360	171,0	406	194,2	460	218,0
316	148,8	361	171,5	406	194,8	451	218,5
317	149,3	362	172,0	407	196,3  195,8	462	219,1
318	149,8	363	172,5	408		453	219,6
319	160,3	364	173,1	409	196,3	454	220,1  220,6
320	150,8	365	173,6	410	196,8	455	
321	151,3	366	174,1	411	197,4	456	221,1  221,7
322	151,8	367	174,6	412	197,9	467	
323	152,3	368	175,1	413	198.4	458	222,2
324	152,8	369	175,6	414	198,9	469	222,7
325	153,3	370	176,1	415	199,4	460	223,3
326	153,8	371	176,6	416	200,0	461	223,8
327	154,3	372	177,1	417	200,5	462	224,4
328  329  lohe Stoff	154,8  155,3  e, 3. Auflaj	373  374	177.7  178,2	418  419	201.0  201,5	463  t	224,9  3
        <pb n="1014" />
        ﻿994

Tabelle VIII. Bestimmung der Laktose nach Pr. Soxhlet.

Tabelle VIII.

Bestimmung der Laktose nach Fr. Soxhlet (vergl. S. 230).

Kupfer	Lak-  tose	Kupfer	Lak-  tose	Kupfer	Lak-  tose	Kupfer	Lak-  tose	Kupfer	Lak-  tose	Kupfer	Lak-  tose
mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg
100	71,6	151	109,6	201	147,7	251	185,5	301	225,2	351	264,7
101	72.4	152	110,3	202	148,6	252	186,3	302	225,9	352	265.5
102	73,1	163	111,1	203	149,2	263	187.1	303	226,7	353	266,3
103	73,8	154	111.9	204	150,0	254	187,9	304	227,5	354	267,2
104	74.6	155	112,6	205	150,7	255	188,7	305	228,3	355	268,0
106	75,3	156	113,4	206	161,5	256	189,4	306	229,1	356	268.8
106	76,1	157	114,1	207	152,2	257	190,2	307	229,8	357	269,5
107	76,8	168	114.9	208	153,0	258	191,0	308	230,6	358	270,4
108	77,6	169	115,6	209	153,7	269	191,8	309	231,4	359	271,2
109	78,3	160	116,4	210	154.0	260	192,5	310	232,2	360	272.2
110	79.0	161	117,1	211	155,2	261	193,3	311	232,9	361	272,9
111	79,8	162	117,9	212	156.0	262	194.1	312	233,7	362	273,7
112	80.5	163	118,6	213	156.7	263	194,9	313	234,5	363	274,5
113	81,3	164	119,4	214	167,6	264	195,7	314	235,3	364	275,3
114	82.0	165	120,2	215	158,2	265	196,4	315	236,1	365	276,2
115	82,7	166	120,9	216	159,0	266	197.2	316	236,8	366	277,1
116	83,5	167	121,7	217	159,7	267	198,0	317	237,6	367	277,9
117	84.2	168	122,4	218	160,4	268	198,8	318	238,4	368	278,8
118	85,0	169	123,2	219	161,2	269	199,5	319	239.2	369	279,6
119	85.7	170	123,9	220	161,9	270	200,3	320	240.0	370	280,6
120	86,4	171	124,7	221	162,7	271	201,1	321	240,7	371	281,4
121	87,2	172	125,5	222	163,4	272	201,9	322	241,5	372	282,2
122	87,9	173	126,2	223	164,2	273	202,7	323	242,3	373	283,1
123	88,7	174	127,0	224	164.9	274	203,6	324	243,1	374	283,9
124	89,4	175	127,8	225	165,7	275	204,3	325	243,9	375	284,8
125	90,1	176	128,5	226	166,4	276	205,1	326	244,6	376	285,7
126	90,9	177	129,3	227	167,2	277	205.9	327	245,4	377	286,6
127	91,6	178	130,1	228	167,9	278	206,7	328	246,2	378	287,4
128	92,4	179	130,8	229	168,6	279	207,5	329	247.0	379	288.2
129	93,1	180	131,6	230	169,4	280	208,3	330	247,7	380	289,1
130	93,8	181	182,4	231	170.1	281	209,1	331	248,5	381	289,9
131	94,6	182	133,1	232	170,7	282	209,9	332	249,2	382	290,8
132	95,3	183	133.9	233	171,6	283	210,7	333	250,0	383	291,7
133	96,1	184	134,7	234	172,4	284	211,5	334	250,8	384	292,6
134	96,9	185	135,4	235	173,1	285	212,3	335	251,6	385	293,4
135	97,6	186	136.2	236	173,9	286	213,1	336	252,5	386	294,2
136	98,3	187	137,0	237	174,6	287	213,9	337	253,3	387	296,1
137	99,1	188	137,8	238	175,4	288	214,7	338	254,1	388	296,0
138	99,8	189	138,5	239	176,2	289	215,5	339	254,9	389	296,8
139	100,5	190	139,3	240	176,9	290	216,3	340	255,7	390	297,7
140	101,3	191	140,0	241	177,7	291	217,1	341	256,5	391	298,5
14 L	102,0	192	140,8	242	178.6	292	217,9	342	257,4	392	299,4
142	102,8	193	141,6	243	179,3	293	218,7	343	258,2	393	300,3
143	103,5	194	142,3	244	180,1	294	219,5	344	259,0	394	301,1
144	104,3	195	143,1	246	180,8	295	220,3	345	259,8	395	302,0
145	105,1	196	143,9	246	181,6	296	221,1	346	260,6	396	302,8
146	105,8	197	144,6	247	182,4	297	221,9	347	261,4	397	303,7
147	106,6	198	145,4	248	183,2	298	222,7	348	262.3	398	304,6
148	107,3	199	146,2	249	184,0	299	223,5	349	263,1	399	305.4
149  150	108,1 108,8	200	146,9	250	184,8	300	224,4	360	263,9	400	306,3
        <pb n="1015" />
        ﻿Tab. IX. Bestimmung d. einz. Zuckerarten m. Fehlingscher Lösung n. Kjeldahl. 995

Tabelle IX.

Bestimmung der einzelnen Zuckerarten mit Fehlingscher Lösung
nach J. Kjeldahl (vergl. S. 235).

fl  M	Glukose |	Fruktose	t, o  o  fl 2 .h-1	CSJ	m  o  -u  5  cö  13  o	§ oso  S”T  O	Maltose	Kupfer	Glukose  i	Fruktose	Invert-  zucker	CD  t»  O  M  ci  13  O	i °!°c  cö	|	Maltose  0,2 H,2 0,j
mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg
					15 ccm	Pehli	ngsch	e Lösu	ng.				
5	2,2	2,6	2,5	2,5	3,4	3,7	53	25,2	28,4	27,1	28,3	37,1	41,1
6	2,7	3,1	3,0	3,0	4,1	4,6	54	25,7	29,0	27,6	28,8	37,8	41,9
7	3,1	3,6	3,5	3,5	4,7	5,2	55	26,2	29,5	28,1	29,4	38,6	42,8
8	3,5	4,1	4,0	4,0	5,4	6,0	56	26,8	30,1	28.7	30,0	39,3	43,6
9	4,0	4,6	4,5	4,5	6,0	6,7	57	27,3	30,7	29.3	30,6	40,0	44,4
10	4,4	5,2	5,1	5,0	6,7	7,5	58	27,8	31,2	29,8	31,2	40,7	46,2
11	4,9	6,7	5,6	5,6	7,4	8,2	59	28,4	31,8	30,4	31,7	41.5	46,0
12	5,4	6,2	6,1	6,1	8,1	9,0	60	28,9	32,4	30,9	32,3	42,2	46,9
13	6,8	6,7	6,5	6,6	8,8	9,7	61	29,4	32,9	31,4	32.9	43.0	47,7
14	6,3	7,2	7,0	7,1	9,5	10,5	62	29,9	33,5	32,0	33,5	43,7	48,5
15	6,7	7,8	7,5	7,6	10,2	11,2	63	30,6	34,1	32,6	34,1	44,5	49,3
16	■ 7,2	8,3	8,0	8,1	10,8	12,0	64	31,0	34,7	33,1	34,7	45,2	50,2
17	7,7	8,8	8,5	8,7	11,5	12,8	65	31,6	35,2	33,7	35,3	46,0	51,0
18	8,1	9,4	9,0	9,2	12,2	13,5	66	32.1	35,8	34,2	35,9	46,7	51,8
19	8,6	9,9	9,5	9,7	12,9	14,3	67	32,7	36,4	34,8	36,5	47,6	52,7
20	9,0	10.4	10,0	10,2	13,6	15,1	68	33,2	37,0	35,4	37,1	48,2	53,5
21	9,5	10,9	10,5	10,7	14,3	15,8	69	33,8	37.6	36,0	37,7	49,0	54,4
22	9,9	11,5	11,0	11,3	15,0	16,6	70	34,3	38,1	36,5	38,3	49,7	55,2
23	10,4	12,0	11,5	11,8	15,7	17,4	71	34.9	38,7	37,1	38,9	50,5	56,0
24	10,9	12,5	12,0	12,3	16,4	18,1	72	35,4	39,3	37,6	39,5	51,3	56,9
25	11,4	13.1	12,5	12,9	17,1	18,9	73	36,0	39,9	38,2	40,1	52,0	57,7
26	11,8	13,6	13,0	13,4	17,7	19,7	74	36,6	40,5	38,8	40,7	52,8	58,6
27	12,3	14,1	13,5	13,9	18,4	20,4	75	37,2	41,1	•39,4	41,3	53,6	59,4
28	12,8	14.7	14.0	14.4	19,1	21,2	76	37,7	41,6	39.9	42,0	54,4	60,3
29	13,3	16,2	14,6	16,0	19,8	22,0	77	38,3	42,2	40,5	42,6	55,2	61,2
30	13,7	15,8	16,0	15,5	20,5	22,8	78	38,9	42,8	41,1	43,2	55,9	62,0
31	14,2	16,3	15,5	16,0	21,2	23,6	79	39.4	43,4	41,7	43,8	56,7	62,9
32	14,7	16,8	16,0	16,6	21,9	24,4	80	40,0	44,0	42,3	44,4	57,6	63,8
33	15,2	17,4	16,6	17,1	22,6	25,1	81	40,6	44,6	42,9	45,1	58,3	64,6
34	15,7	17,9	17,1	17,7	23,3	25,9	82	41.2	45.2	43,5	45,7	59,1	65,5
35	16,2	18.6	17,6	18,2	24,1	26,7	83	41,8	46,8	44,1	46,4	59,9	66,4
36	16,6	19,0	18,1	18,7	24,8	27,5	84	42,4	46,4	44,7	47,0	60,7	67,2
37	17,1	19.5	18,6	19,3	25,5	28,3	85	43,0	47,0	45,3	47,6	61,5	68,1
38	17,6	20,1	19,1	19,8	26,2	29,1	86	43,6	47,6	45,9	48,3	62,2	69,0
39	18,1	20,6	19,4	20,4	26,9	29,9	87	44,2	48,2	46,5	48,9	63,0	69,8
40	18,6	21,2	20,2	20,9	27,6	30,7	88	44,8	48,8	47,1	49,6	63,8	70,7
41	19,1	21,7	20,7	21,5	28,3	31,5	89	45,3	49,4	47,7	60,2	64,6	71,6
42	19,6	22,3	21.2	22,0	29.1	32,3	90	46,0	50,0	48,3	50,8	65,4	72,4
43	20,1	22,8	21,7	22,6	29,8	33,1	91	46,6	50,6	48,9	51,5	66,2	73,3
44	20,6	23,4	22.3	23,2	30,5	33,9	92	47.2	51,3	49,5	52,2	67,0	74,2
45	21,1	23,9	22,8	23,7	31,3	34,7	93	47,8	51,9	50,1	52,8	67,8	75,1
46	21,6	24,5	23,3	24,3	32.0	35,5	94	48,5	52,5	50,8	53,5	68,6	76,0
47	22.1	25,1	23,9	24,8	32,7	36,3	95	49,1	53,1	51,4	54,2	69,3	76,9
48	22,7	25,6	24,4	25,4	33,4	37,1	96	49,7	53,7	52,0	54,8	70,3	77,8
49	23,2	26,2	25,0	26,0	34,2	37,9	97	50,3	54,3	52,6	55,5	71,1	78,7
60	23,7	26,7	25,5	26,5	34,9	38,7	98	51,0	55,0	53,2	56,2	71,9	79,5
51	24,2	27,3	26,0	27,1	36,6	39,5	99	51,6	65,6	53,9	56,8	72,7	80,4
62	24,7	27,9	26,6	27,7	36,4	40,3	100	52,3	56,2	54,5	57,5	73,5	81,3

1

63*
        <pb n="1016" />
        ﻿996 Tab. IX. Bestimmung d. einz. Zuckerarten m. Fehlingscher Lösung n. Kjeldahl.

Kupfer	Glukose |	Fruktose	Invert-  zucker	Galaktose	Laktose  CAOu  + H,0	Maltose  c12e,3o1:,	Kupfer	Glukose	Fruktose	Invert-  zucker	Galaktose	&lt;V S  g o °„  iJ S~r  o	Maltose I
mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	rag	mg	mg	mg
101	52,9	56,8	66,1	58,2	74,3	82,2	61	27,5	30,6	29,3	30,6	41,3	47,6
102	53,6	57.4	55,8	58,9	76,2	83,2	62	28,0	31,1	29,8	31,2	42.0	48,4
103	54,2	58,1	66,4	69,6	76,0	84,1	63	28,4	31.6	30.3	31,7	424	49,2
104	54,9	58,7	57,1	60,3	76,8	85,0	64	28,9	32,1	3o;s	32,3	43.4	50,0
105	55,6	59,3	57,7	61,0	77,7	85,9	65	29,4	32,6	31,3	32,7	44,1	50,8
100	o6,2	59,9	58,3	61,7	78,5	86,8	66	29,9	33,2	31,8	33,3	44,8	51.6
107	66,9	60,6	69,0	62,4	79,3	87,7	67	30,3	33,7	32,3	33,8	45,5	62,4
108	57,6	61,2	59,7	63,1	80,1	88,6	68	30,8	34,2	32,8	34,3	464	53,2
109	68,2	61,9	60,3	63,7	81.0	89,5	69	31,3	34,7	33,3	34,8	46,9	64.0
110	68,9	62,5	61,0	64,4	81,8	90,4	70	31,8	36,2	33,8	35,4	47,6	o4,B
111	59,6	63,1	61,6	65,2	82,7	91,4	71	32,2	35,8	34,3	36,0	48,3	56,6
112	60,3	63,8	62,3	65.9	83,5	92,3	72	324	36,3	34,8	36.4	49,0	56,4
113	61,0	64,4	63,0	66,6	84,4	93,2	73	33,2	36,8	35,3	se;9	49,7	57,3
114	61,7	65,0	63,6	67,4	85,2	94,2	74	33,7	37,4	35,8	37,5	60,4	58,1
115	62,4	66,7	64,3	68,1	86,1	96,1	75	34,2	37,9	86,3	38'0	51,1	58,9
116	63,1	66,3	65,0	68,8	86,9	96,1	76	34,6	38,4	36,8	38,5	61.8	69,7
117	63,8	67,0	65,7	69,5	87,8	97,0	77	35,1	38,9	37,3	39,1	52,5	60.5
118	64,6	67,7	66,4	70,3	88,6	97,9	78	36,6	39,5	37,8	39,6	53,2	61,3
119	65,3	68,3	67,1	71,0	89,5	98,9	79	36,1	40,0	38,3	40,1	53,9	62,1
120	66,0	69,0	67,8	71,7	90,3	99,8	80	36.6	40,5	38,8	404	54,6	63,0
121	66,8	69,6	68,5	72,6	91,2	100,8	81	37.1	41,1	39,4	41,2	65,3	63,8
122	6 7,5	70,3	69,2	73,3	92,1	101,7	82	37,5	41,6	39^9	4L7	56,0	64,6
123	68,3	70,9	69,9	74,0	93,0	102.7	83	38,0	42.1	40,4	42,3		66,4
124	69,0	71,6	70,6	74,8	93,9	103,6	84	38,5	42;7	40^9	42,8	57,7	66.2
	25	ccm Fehlingsche Lösung.					86  86	39,0  39,6	43,2  43.8	41,4  41,9	43,3  43,9	58,2  58.9	67,1  67.9
125	69,8	72,3	71,3	75,6	94,8	104.6	87	40.0	44,3	42|4	444	59,6	684
126	70,6	72,9	72,0	'Sß, 3	95,6	105.5	88	40!ö	44,8	42^9	44,9	604	69,6
127	71,3	73,6	72,7	77,1	96,5	106,5	89	40,9	46,4	434	46,5	61,1	70,3
128	72,1	74,3	73.6	77,9	97,4	107,4	90	41,4	46,9	43,9	46'0	61.8	71,2
129	72,9	74,9	74,2	78.7	98,3	108,4	91	41,9	46^2	444	46^6	62,5	72,0
40	30	com Fehlingsohe Lösung,					92  93	42,4  42,9	47,0  47,5	45,0  46,5	47,1  47,7	63,2  64,0	72,8  73.6
	17,8	19,8	19,1	19,8	26,7	30.9	94	43*4	48J	46'0	48,2	644	74,5
41	18,2	20,3	19,5	20,4	27,4	31,7	96	43.9	48^6	464	48'7	65.4	75,3
42	18,7	20,8	20,0	20,9	28,1	32,5	96	44,4	49,1	47^0	49'3	66,1	76,1
43	19,1	21,3	20,6	21,4	28,8	33,3	97	44,9	49*7	47'6	49‘8	66,8	76,9
44	19,6	21,8	21,0	21,9	29,5	34,1	98'	45,4	50,2	48,1	50,4	67,6	77,8
45	20,1	22,4	21,5	22,4	30,2	34,9	99	45,9	50,8	48'6	50'9	68,3	78,6
46	20,6	22,9	22,0	22,9	30,8	35,6	100	46.4	6i;s	49,1	6l'ö	69,0	79,4
47	21,0	23,4	22,5	23,4	31,5	36,4	101	46,9	5L9	49'7	62,0	69,7	80,3
48	21,5	23,9	23,0	23,9	32,2	37,2	102	47,4	52*4	60 j 2	62,6	70,5	81,1
49	21,9	24,4	23,4	24,4	32,9	38.0	103	47,0	63jo	50 7	53,1	71,2	81,9
50	22,4	24,9	23,9	26,0	33,6	38,8	104	48,4	63^5	51,2	534	72,0	82,8
51	22,8	25,4	24,4	25,5	34,3	39,6	106	48,9	544	51 8	54 2	72,7	83,6
52	23,3	26,9	24,9	26,0	35,0	40,4	106	49,4	64je	52,3	54’8	73,4	84,4
oo	23,8	26,5	25,4	26,5	36,7	41,2	107	49,9	55'2	52,8		74,2	86,2
	24,2	27,0	25,9	27,0	36,4	42,0	108	50.4	664	63 3		74,9	86,1
55	24,7	27,5	26.4	27,5	37,1	42,8	109	50,9	66,3	53 9	56^4	75.7	86,9
57  58  59  60	25.2  26.6  26.1  26,6  27,0	28,0  28,6  29,0  29,5  30,1	26,9  27.3  27.8  28.3  28.8	28,1  28,6  29.1 29,6  30.1	37.8  38.6 39,2  39.9  40.6	43,6  44,4  46,2  46,0  46,8	110  111  112  113  114	51.4 51,9 52,6 63,0  53.5	563  57,4  58.0  6S;6  59,1	54.4 54,9  56.5 66,0  56.6	57,0  57,5  58.1 684  59.2	76.4 77,1 77,9 78,6  79.4	874  88,6  89,4  90,3  91,1
        <pb n="1017" />
        ﻿Tab, IX. Bestimmung d. einz. Zuokerarten m. Pehlingsoher Lösung n. Kjeldahl. 997

| d Kupfer j	&lt;D  03  O  M  3  rag	&lt;13  03  O  -+-3  2  fH  Ph  rag	15 2  13  &gt; «  Ö Ö  mg	13  CD  O  M  cö  0  mg	Laktose  | C.AA,  + H,0	g Maltose  CiAA,	| Kupfer	O  CD  O ,*  53  5  mg	d&gt;  CD  O  S  f-t  Ph  mg	g Invert-  ^ znoker	,3 Galaktose	Laktose  | CiAA,  -f ILO	cd _r&lt;  CD O  O	«54  13 w  k_J	&lt;51  ^ 0 mg
115	54,0	59.6	57,1	59,8	80,1	91,9	169	83,1	90,9	87,3	91,3	121,4	138.7
116	54,5	60,2	57.6	60,3	80.8	92,8	170	83,7	91,5	87,9	91,9	122.2	139,6
117	55,0	60,7	58,1	60,9	81.6	93,6	171	84,2	92,1	88,4	92,5	123,0	140,5
118	55.5	61,3	58,7	61,5	82,3	94,5	172	84,8	92,7	89,0	93.1	123,8	141,4
119	56,0	61,8	69,2	62,0	83,1	95,3	173	85,4	93,3	89,6	93,7	124,6	142,3
120	56,6	62.4	59,8	62,6	83,8	96.1	174	86,0	93,9	90,2	94,3	126,4	143,2
121	57,1	63,0	60,3	63.1	84,6	97,0	175	86,5	94,5	90,8	94.9	126,3	144.1
122	57,6	63.5	60,8	63,7	85,3	97,8	176	87,1	95,2	91,4	95,5	127,1	145.0
123	58.1	64,1	61,4	64,3	86,1	98,7	177	87,7	95.8	92,0	96,2	127,9	145,9
124	58,6	64,6	61,9	64,8	86.8	99,5	178	88,3	96,4	92.6	96,8	128,7	146,8
125	59,2	65.2	62,6	65,4	87,6	100,4	179	88,8	97,0	93,2	97,4	129,5	147.7
126	59,7	65,8	63,0	66,0	88,3	101,3	180	89,4	97,6	93,8	98,0	130,3	1486
127	60.2	66,3	63,5	66,5	89,1	102,1	181	90,0	98,3	94,4	98,6	131,1	149.5
128	60,7	66,9	64,1	67,1	89,8	103,0	182	90,6	98,9	95,0	99,3	131,9	150,4
129	61,2	67,5	64,6	67.7	90,6	103,8	183	91,2	99,5	95,6	99,9	132,7	151,3
130	61,8	68,0	65,2	68,3	91,3	104,7	184	91,8	100,1	96.2	100,5	133,5	152,2
131	62,3	68,6	65,7	68,8	92,1	105,5	185	92,4	100,8	96,9	101,1	134,4	153,1
132	62,8	69,2	66,3	69,4	92,8	106,4	186	93,0	101,4	97,5	101,8	135,2	154,0
133	63,4	69,8	66,9	70,0	93.6	107,3	187	93,5	102.0	98,1	102,4	136.0	154.9
134	63.9	70,3	67,4	70.6	94.3	108.1	188	94,1	102,7	98,7	103.0	136,8	155.8
135	64,4	70,9	67,9	71,1	95,1	109,0	189	94,7	103,3	99,3	103,6	137,6	156,7
136	64,9	71,5	68.5	71,7	95,9	109,8	190	95,3	103,9	99.9	104,3	138,4	157,6
137	65,5	72.0	69.0	72.3	96,6	110,7	191	95,9	104,5	100,5	104,9	139,2	158,6
138	66,0	72,6	69,6	72,9	97,4	111,6	192	96,5	106,2	101,1	105,5	140,1	169,5
139	66,6	73,2	70.2	73,4	98,1	112,4	193	97,1	105,8	101,7	106,2	140,9	160.4
140	67,1	73,7	70,7	74,0	98,9	113,3	194	97,7	106,4	102,3	106,8	141,7	161,3
141	67.6	74,3	71,2	74,6	99,7	114,1	195	98,3	107,1	103,0	107,4	142,6	162,2
142	68,2	74,9	71.8	75,2	100,4	115,0	196	98,9	107,7	103,6	108,1	143,4	163,1
143	68,7	75,5	72,4	75,8	101,2	115,9	197	99,5	108,3	104,2	108,7	144,2	164,0
144	69,2	76,1	72,9	76,4	101,9	116,7	198	100,1	108,9	104,8	109.4	145,0	165,0
145	69,8	76,6	73,5	76,9	102,7	117,6	199	100,7	109.6	105,4	110,0	146,9	165,9
146	70,3	77,2	74,0	77,5	103,6	118,5	200	101,4	110,2	106,1	110,6	146,7	166,8
147	70,9	77,8	74,6	78,1	104.2	119,3	201	102,0	110,8	106,7	111,3	147,5	167,7
148	71,4	78,4	75,2	78,7	105,0	120,2	202	102,6	111,5	107,3	111,9	148,4	168,7
149	72.0	79,0	75,8	79,3	105,7	121,1	203	103,2	112,1	107,9	112,6	149,2	169,6
150	72,5	79,6	76,3	79,9	106,5	121,9	204	103,8	112,8	108,6	113,2	160,0	170,5
161	73,0	80,2	76,9	80,5	107,3	122,8	205	104,4	113,4	109,2	113,9	150,9	171,5
152	73,6	80,7	77,4	81,1	108,1	123,7	206	105,0	114,4	109,8	114,5	151,7	172,4
153	74,1	81,3	78,0	81,6	108,8	124,6	207	105,7	114,7	110,6	115,2	152,5	173.3
154	74,7	81,9	78,6	82.2	109,6	125.2	208	106,3	116,4	111,1	115,8	153,3	174,2
155	75,2	82,5	79,1	82,8	110,4	126,3	209	106,9	116,0	111,7	116,5	154,2	175,2
156	76.8	83,1	79,7	83,4	111,2	127,2	210	107,6	116,7	112,4	117,1	155,0	176,1
157	76,4	83,7	80,3	84,0	112,0	128.1	211	108,2	117,3	113,0	117,8	155,9	177,0
158	76,9	84,3	80,9	84,6	112,7	129,0	212	108,8	118,0	113,7	118,5	156,7	178,0
159	77,5	84,9	81.5	85,2	113,5	129,9	213	109,4	118,6	114,3	119.1	157,6	178,9
160	78,0	85,5	82,0	85,8	114,3	130,7	214	110,1	119,2	114,9	119,8	158,4	179,8
161	78,6	86.1	82,6	86,4	116,1	131,6	215	110,7	119,9	115,6	120,4	159,3	180,8
162	79,2	86,7	83.2	87,0	115,9	132,5	216	111.1	120,5	116,2	121,1	160,1	181.7
163	79,7	87,3	83,8	87,6	116,7	133,4	217	112,0	121,2	116,9	121,8	161,0	182.7
164	80,3	87,9	84,4	88,2	117,5	134,3	218	112,6	121,9	117,6	122,4	161,8	183,6
165	80,8	88,5	84,9	88,8	118,3	135,2	219	113,3	122,5	118,2	123,1	162,7	184,6
166	81.4	89,1	85,5	89,4	119,0	136,0	220	113,9	123,2	118,8	123,8	163,6	185,5
167	82.0	89,7	86,1	90,0	119,8	136,9	221	114,5	123,9	119,6	124,4	164,4	186,5
168	82,5	90,8	86,7	90,7	120,6	137,8	222	115,2	124,6	120,2	125,1	165,2	187,4
        <pb n="1018" />
        ﻿998 Tab. IX. Bestimmung d. einz. Zuckerarten m. Pehlingscher Lösung n. Kjeldahl.

cn

fl

fl

3

B



o M

&gt; s

fl ö

c3

o

|&lt;o

h-1 q

mg

mg

mg

mg

mg

223	115,8
224	116,5
225	117,1
226	117.8
227	118,4
228	119,1
229	119,7
230	120,4
231	121,1
232	121,8
233	122,4
234	123,1
235	123,8
236	124,4
237	125,1
238	125,8
239	126,6
240	127,1
241	127,8
242	128,5
243	129,2
244	129,9
246	130,6
246	131,3
247	132,0
248	132,7
249	133,4
250	134,1
251	Ä,8
252	136,6
253	136,2
254	136,9
255	137,6
256	138,3
267	139,1
268	139,8
259	140,5
260	141,2
261	142,0
262	142,7

125.2

125.9
126.6

127.2

127.9
128,6

129.3
130,0

130.6

131.3
132.0

132.7

133.4

134.1

134.8

135.5

136.1

136.8

137.6

138.2

138.9
139^

140.3
141,0

141.7

142.4

143.5
143*8

144.5
145,2
146,0

146.7

147.7

148.1

148.8

149.6

150.2

150.9

151.6

120,8

121.5
122,1
122,8

123.4
124^4

124.8

125.6
126,1

126.8

127.5
128.2

128.9

129.6

130.2

130.9

131.6

132.2

132.9

133.6

134.3
136,0

135.7

136.4

137.1

137.8

138.5

139.2

139.9

140.6
141.4

142.1

142.8

143.6
144;2

144.9

145.6

146.3

147.1
147,8

125.8
126,6

127.2

127.8
128,6

129.2

129.9

130.5

131.2

131.9

132.6

133.3
134,0

134.7

135.4
1364

136.8

137.6

138.2

138.9

139.6

140.3
141,0

141.7

142.4

143.1

143.8

144.5	!

145.2
146,0

146.7

147.8

148.1

148.9

149.6

150.3
151,0
151,8
152,5

163.2

166,1

167.0

167i9

1684

169.6

170.5

171.3

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1734
174,0

174.8

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176.6

177.5

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179.2
180,1
181,0

181.9

182.8
1834

184.6

186.6

186.3

187.2
188,1
189,0

189.9

190.8

191.7
192,6

193.5

194.6

195.4

196.3
197,2
198,1
199,0

199.9

200.8

100

101

102

103

104

105

106

107

108

109

110
111

50

44.7
46,1
46,6
46,1
46,6
47,0
47,5
48,0

48.4
48,9

49.4

49.8

com Pehlingsche Lösung.

49.1

49.6

50.2

50.7

61.2

51.7

52.2

62.7

53.2
53^8

64.3

64.8

47.2

47.7

48.2

48.7
49,2.

49.7

50.2

50.7

51.2

51.7

52.2
52,6

49.5
50,0

50.5
51,0

51.6
52,0

52.6

63.1

53.6

54.1

64.6

65.1

71,4

72.1
72,9

73.6

74.3

75.1
76.8
76;5

77.2
78,0

78.7

79.4

©	H  CO O  O	ffi  ’cö W  g a ^ o	Kupfer	Glukose	Fruktose	Invert-  zucker	Galaktose	Laktose  0^0,1  + 3,0	Maltose |
mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg	mg
188,4	112	50,3	65,3	53,1	55,7	80,2	93,0
189,3	113	50.8	55,8	63.6	56,2	80,9	93.9
190,3	114	51.2	56,3	64,1	66.7	81,7	94,7
191,2	115	51,7	66,8	64,6	57,2	82,4	95,6
192,2	116	52,2	57,4	55.1	57,7	83,1	96.4
193,1	117	62,7	57,9	66,6	58,3	83,9	97,3
194,1	118	63,1	58,4	56,1	58,8	84.6	98,1
195.1	119	53,6	58,9	56,6	69,3	85,4	99,0
196,0	120	54,1	59,4	57,1	59,8	86,1	99,8
197,0	121	64,6	59.9	67,6	60.3	86.8	100,7
197,9	122	66,0	60,5	58,1	60,9	87,6	101,6
198.9	123	55,5	61,0	58,6	61,4	88,3	102,4
199,9	124	56.0	61,5	59,1	61,9	89,1	103,3
200,8	125	66,5	62,0	59,6	62,4	89,8	104,1
201.8	126	56,9	62,5	60,0	62,9	90,5	105,0
202,7	127	67,4	63,1	60,5	63.5	91,3	105,8
203,7	128	57,9	63,6	61,0	64,0	92,0	106,7
204,7	129	58,4	64,1	61,5	64.5	92,8	107,6
205,6	130	68,8	64,6	62,0	65,0	93,5	108,4
206,6	131	59,3	65,2	62,5	65,6	94.2	109,3
207,6	132	59,8	65,7	63,0	66,1	95,0	110,1
208,5	133	60,3	66,2	63,5	66,6	96,7	111,°
209,5	134	60.8	66,7	64,0	67,2	96,6	111,9
210,5	136	61,2	67,2	64.5	67,7	97,2	112,7
211.6	136	61.7	67,8	65,0	68,2	97,9	113,6
212,4	137	62,2	68,3	66.5	68,7	98,7	114,4
213,4	138	62,7	68.8	66,0	69,3	99.0	115,3
214,4	139	63,2	69,3	66,5	69,8	100,2	116,2
215,4	140	63,7	69,8	67,0	70.3	100,9	117,0
216.4	141	64,1	70,4	67,6	70&gt;	101,7	117,9
217,4	142	64,6	70,9	68,0	7M	102,4	118,7
218,3	143	65,1	71,4	68,6	71.9	103,2	119,6
219.3	144	65,6	72,0	69,1	72^	103,9	120,0
220,3	145	66,1	72,5	69,6	73.0	104,7	121,3
221,3	146	66,6	73,0	70.1	73,6	105,4	122,2
222,3	147	67,1	73,6	70*6	74.0	106,2	123,1
223,3	148	67.5	74,1	71,1	74,6	106,9	123,y
224,3	149	68,0	74,6	71,6	75,1	107,7	124,8
225.3	150	68,5	75.2	72,1	76,6	108,4	l2o,&lt;
226.3	151	69,0	75,7	72,6	76,2	109,2	126,0
	152	69,5	76.2	73:1	76,7	109,9	127,4
	153	70,0	76,7	73,6	77,2	110,7	128,4
82,9	154	70,5	7L3	74,2	77,8	111,4	
83,7	155	71,0	77.8	74^7	78,3	112,2	13U,ü
84,6	156	71,5	78.3	75,2	78,9	112,9	13(V
85,4	157	71,9	78,9	75,7	79,4	113,7	131, •
86,2	158	72,4	79,4	76,2	79.9	114,4	132,0
87,1	159	72,9	79,9	76,7	80,5	115,2	133,4
87,9	160	73,4	80,5	77,2	81,0	115,9	134,3
88,8  89,6	161  162	73,9  74,4	81,0  81,6	77,7  78,2	81,5  82,1	116,7  117,4	l3o,2  136,0
90.6	163	74,9	82,1	78,8	82,6	118,2	136,0
91,3	164	75,4	82,6	79,3	83,2	118,9	l3 jp
92,2	166	75,9	83,2	79,8	83,7	119,7	138,7
        <pb n="1019" />
        ﻿Sh

&lt;4-h

B*

M

mg

166

167

168

169

170

171

172

173

174

175

176

177

178

179

180

181

182

183

184

185

186

187

188

189

190

191

192

193

194

195

196

197

198

199

200

201

202

203

204

205

206

207

208

209

210

211

212

213

214

215

216

217

218

219

einz. Zuokerarten m. Fehlingscher Lösung u. Kjeldahl. 999

g Invert- 015 zucker	O  w  o  3  cö  o  mg	Laktose  I c12h220u  + h20	g Maltose  ^ C12H,,0u	Sh  &lt;4-i  PH  M  mg	J| Glukose	■j| Fruktose	g Invert-  0&lt;5 zucker	Galaktose	Laktose  | c12h22011  + h2o	„ Maltose  M CI2H220u
80,1	84,2	120,4	139,5	220	103,9	113,5	109,0	114.2	161,5	187,2
80,8	84,8	121,2	140,4	221	104,4	114.0	109,6	114,8	162,3	188,1
81,4	85,3	121,9	141,3	222	105,0	114,6	110,1	115,3	163.1	189,0
81,9	86,9	122,7	142.1	223	105,5	116,2	110,6	115,9	163,8	189,9
82,4	86,4	123,4	143.0	224	106,0	115,7	111,1	116,5	164,6	190,8
82,9	87.0	124,2	143,9	225	106,6	116,3	111,7	117,0	165,4	191,7
83,4	87,5	124,9	144,8	226	107,1	116,9	112,3	117,6	166,2	192,6
84,0	88,0	126,7	145,6	227	107,6	117,5	112,8	118,2	167.0	193.6
84,5	88,6	126,4	146,6	228	108,1	118.0	113,3	118,7	167,7	194,4
85.0	89,1	127,2	147,4	229	108,7	118,6	113,9	119,3	168,5	195,3
85,5	89,7	127,9	148,3	230	109,2	119,2	114,5	119,9	169,3	196,2
86.0	90,2	128,7	149,2	231	109,7	119,7	115,0	120,5	170,1	197,1
86,6	90,8	129,4	150,0	232	110,3	120,3	115,6	121.0	170,9	198,0
87,1	91,3	130,2	150.9	233	110,8	120,9	116,1	121,6	171,6	198,9
87.6	91,9	130,9	151,8	234	111.3	121,4	116.6	122,2	172,4	199,8
88,1	92,4	131,7	162,7	236	111,9	122,0	117,2	122,8	173,2	200,7
88,7	93,0	132,4	163,5	236	112,4	122,6	117,8	123,3	174,0	201.6
89,2	93,5	133,2	164,4	237	112,9	123,2	118,3	123,9	174,8	202,5
89.7	94,1	133,9	156,3	238	113,6	123,7	118,9	124,5	175,6	203,4
90,2	94,6	134,7	166,2	239	114,0	124,3	119,4	126,1	176,3	204,3
90,8	95,2	136,5	157.1	240	114,6	124,9	120,0	126,7	177,1	206,2
91,3	96,7	136,2	157,9	241	115,1	125,4	120,6	126,2	177,9	206,1
91,8	96,3	137,0	158,8	242	115,6	126,0	121,1	126,8	178,7	207,0
92,3	96,8	137,7	159,7	243	116,2	126,6	121,7	127,4	179,4	207,9
92,9	97,4	138,6	160,6	244	116,7	127,2	122,2	128,0	180,2	208,8
93,4	97,9	139,3	161,5	245	117,2	127,8	122,8	128,6	181,0	209,7
93,9	98,6	140,0	162,3	246	117.8	128.3	123,3	129.1	181.8	210,6
94,6	99,0	140,8	163,2	247	118.3	128,9	123,9	129,7	182,6	211,6
96,0	99,6	141,5	164,1	248	118,9	129,5	124,5	130,3	183,3	212,4
96,6	100,2	142,3	165,0	249	119,4	130.1	125,0	130,9	184,1	213,4
96,1	100,7	143,1	166,9	250	119,9	130,7	125,6	131,5	184,9	214,3
96,6	101,3	143,8	166,8	251	120.5	131,3	126,2	132,1	185,7	216,2
97,1	101.8	144,6	167,6	262	121,0	131,8	126,7	132,7	186,6	216,1
97,6	102,4	145,3	168,5	253	121,6	132,4	127,3	133,2	187,2	217,0
98,2	102,9	146,1	169,4	264	122,1	133,0	127,8	133,8	188,0	217.9
98,7	103,6	146,9	170,3	255	122,7	133.6	128,4	134,4	188,8	218;8
99,3	104,1	147,6	171,2	266	123,2	134,2	129,0	135,0	189,6	219,7
99,8	104,6	148,4	172.1	257	123.8	134,7	129,5	135,6	190,4	220,6
100,3	105,2	149,2	173.0	258	124,3	135,3	130,1	136,2	191,1	221,5
100,8	105,7	160,0	173.8	259	124,9	135,9	130,7	136,8	191,9	222,4
101,4	106.3	150,7	174,7	260	125,4	136,5	131,2	137,4	192,7	223,3
102,0	106,9	161,5	175,6	261	126,0	137,1	131.8	138,0	193,5	224,3
102,5	107,4	152,3	176,5	262	126,5	137,7	132,4	138,6	194,3	225,2
103.0	108,0	153,0	177,4	263	127,1	138,3	133,0	139,1	195,1	226,1
103,6	108,5	153,8	178,3	264	127,6	138,8	133,6	139,7	195,9	227,0
104,1	109,1	154,6	179,2	266	128.2	139,4	134,1	140,3	196,7	227,9
104,6	109,2	165,3	180,1	266	128,7	140,0	134,6	140,9	197,4	228,8
105,2	110,2	156.1	181.0	267	129,3	140,6	135,2	141,5	198,2	229,7
106,7	110,8	156,9	181.9	268	129,9	141.2	135,8	142,1	199,0	230,7
106,3	111.4	157,7	182,8	269	130,4	141,8	136,4	142,7	199,8	231.6
106.8	111,9	158.4	183,6	270	131,0	142.4	137,0	143,3	200,6	232,5
107,4	112,6	169,2	184,5	271	131,5	143,0	137,5	143,9	201,4	233,4
107,9	113,1	160,0	185,4	272	132,1	143,6	138,1	144,6	202,2	234,3
108,4	113,6	160,7	186,3	273	132,6	144,2	138,7	145.1	203,0	236,2
        <pb n="1020" />
        ﻿1000 Tal- IX- Bestimmung d. einz. Zuckerarten m. Pehlingscher Lösung n. Kjeldahl.

mg

274

275

276

277

278

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280
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285

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287

288

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290

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392

293

294

295

296

297

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299

300

301

302

303

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306

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311

312

313

314

315

316

317

318

319

320

321

322

323

324

325

326

327

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mg

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133.8

134.3

134.9

136.5
136,0

136.6

137.2

137.7

138.3

138.9

139.4
140,0

140.6	!

141.1

141.7

142.3
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144,0

144.6

145.1

145.7

146.3

146.9

147.5
148,0

148.6

149.2

149.8

150.4

150.9

151.5
162,1

152.7
153;3

153.9

154.5

155.1

155.6

156.2

156.8

157.4
158,0 !

158.6
159^2

159.8

160.4
161,0

161.6	:

162.2	I

162.8

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164,0 {

144.8

145.4
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146.6

147.1

147.7

148.3

148.9

149.5

150.1

150.7

151.3

151.9

152.5

153.1

153.7

154.3

154.9

155.6

156.2

156.8

157.4
158,0

158.6

159.2

159.8

160.4
161,0

161.7

162.3

162.9

163.5

164.1

164.8

165.4
166,0

166.6

167.2

167.8

168.5

169.1

169.7

170.3

170.9

171.6

172.2

172.8

174,7

175,3

176,0

176,6

177,2

g Inyert-  zuoker	&lt;X&gt;  w  o  -t-3  ^4  d  '"cö  o  mg	Laktose  | G12H2.2Ou  + H.,0	g Maltose  Cls,tt&gt;.,011	B Kupfer	CD  CO  o  3  mg	j| Fruktose	■£ £ g i  mg	CD  t»  O  3  d  "“d  o  mg	Laktose  | C12H,,2On  + H.,0	„ Maltose
139,3	145.7	203,8	236,2	328	164,6	177.9	171,5	179,1	247,4	286,5
139.9	146,3	204,6	237,1	329	165,2	178,5	172,1	179,7	248,2	287,0
140,4	146,9	206,4	238,0	330	165,8	179,1	172,7	180,3	249,0	288,4
141,0	147,5	206,2	238,9	331	166,4	179,8	173,4	181,0	249.8	289,4
141,6	148,1	207,0	239,8	332	167,0	180,4	174,0	181,6	250.6	290,3
142,1	148.7	207,8	240,8	333	167,6	181,0	174,6	182,3	251,6	291,3
142,7	149,3	208,6	241,7	334	168.2	181,7	175.2	182,9	252,3	292,2
143,3	149,9	209,4	242,6	335	168,9	182,3	175,9	183.5	253,1	293,2
143,9	150,5	210,2	243,5	336	169,5	182,9	176,6	184,2	253,9	294,1
144,5	151,1	211,0	244,5	337	170,1	183,6	177,1	184,8	254,7	295,1
145,1	151,7	211,8	245,4	338	170.7	184.2	177,7	185,5	256,6	296,0
145,6	152,4	212,6	246,3	339	171,3	184,8	178,3	186,1	256,4	297,0
146,2	153,0	213,4	247,2	340	171,9	185,5	179,0	186,8	257,2	297,9
146,8	153,6	214,2	248,2	341	172,5	186,1	179,6	187,4	258,0	298,9
147,4	154,2	215,0	249,1	342	173,2	186,7	180,2	188,1	258.8	299,8
148,0	154,8	215,8	260,0	343	173,8	187,4	180,9	188,7	259,7	300,8
148,6	155,4	216.6	251,0	344	174,4	188,0	181,5	189,4	260,5	301,7
149,2	156,0	217,4	251,9	345	175,0	188,7	182,1	190,0	261,3	302,7
149,8	166,6	218,2	262,8	346	175,6	189.3	182,7	190,7	262,1	303,6
150.4	157,2	219,0	263,7	347	176,3	190.0	183,4	191,3	262,9	304 ,0
151,0	157,8	219,8	254,7	348	176,9	190,6	184.0	192,0	263,8	305,o
151,5	158,5	220,6	255,6	349	177,5	191,3	184;7	192,6	264,6	306,5
152,1	159,1	221,4	256,5	350	178,1	191,9	185.3	193.3	265,4	307,o
152,7	159,7	222 2	257,5	351	178.7	192,6	185,9	193,9	266,2	308,4
153,3	160,3	223,0	268,4	352	179,4	193,2	186,6	194,6	267,1	309,4
153,9	160,9	223,8	269,3	353	180,0	193,8	187,2	195,2	267,9	310,3
154,5	161,6	224.6	260,2	354	180,6	194,5	187,8	195,9	268,7	311,3
155,1	162,2	225,4	261,2	355	181,3	195,1	188,5	196,5	269,6	312,2
165,7	162.8	226,2	262,1	356	181,9	195.8	189,1	197,2	270,4	313,2
156,3	163,4	227,0	263,0	357	182,5	196,4	189,7	197,9	271,2	314,2
156,9	164,0	227,8	264,0	358	183,2	197,1	190,4	198,5	272,0	316,1
157,5	164,6	228,7	264,9	369	183,8	197,7	191,0	199,2	272,9	3l6il
158,1	165,3	229,5	266,8	360	184.4	198,4	191,7	199,8	273,7	317,0
158,7	165,9	230,3	266,8	361	185,1	199,0	192,3	200,5	274,5	318,0
169,3	166,5	231,1	267,7	362	185,7	199,7	193,0	201,2	275.4	319,0
159,9	167,1	231,9	268,6	363	186,3	200,4	193,6	201.8	276,2	319,9
160,5	167,7	232,7	269,6	364	187,0	201.0	194,3	202^5	277,1	320,9
161,1	168,4	233,6	270,5	366	187,6	201,7	194,9	203,2	277,9	321,9
161,7	169,0	234,3	271,5	366	188,3	202,4	195,6	203,8	278,7	322,0
162,3	169,6	235,1	272,4	367	188,9	203,0	196,2	204,5	279,6	323,o
162,9	170,2	235,9	273,3	368	189,5	203,7	196,9	205,2	280,4	324,8
163,5	170,9	236,8	274,3	369	190,2	204,3	197^5	205,8	281,3	32o,7
164,1	171,5	237,6	275,2	370	190,8	205,0	198,2	206,6	282.1	326,7
164,7	172,1	238,4	276,2	371	191,5	205,7	198,9	207,2	282,9	327, 7
165,4	172,7	239,2	277,1	372	192,1	206,3	199,6	207,9	283,8	328,6
166,0	173,4	240,0	278.0	373	192,8	207,0	200,2	208,5	284,6	329,6
166,6	174,0	240.8	279,0	374	193,4	207,7	200,8	209,2	285,5	330,6
167,2	174,6	241,6	279,9	375	194,1	208,3	201,5	209.9	286,3	331
167,8	175,3	242,4	280,9	376	194.7	209,0	202,1	210,6	287,1	332,0
168,4	176,9	243.3	281,8	377	195,4	209,7	202,8	211,2	288,0	333,5
169,0	176,5	244,1	282,7	378	196,0	210,3	203,4	211,9	288,8	334,4
169,7	177,2	244,9	283,7	379	196,7	211,0	204,1	212,6	289.7	335,4
170,3	177,8	245,7	284,6	380	197,3	211,7	204,8	213,3	290,5	336,4
170,9	178,4	246,5	285,6	381	198,0	212,3	206,4	213,9	291,4	337,4
        <pb n="1021" />
        ﻿Tab. IX. Bestimmung d. einz. Zuckerarten m. Fehlingscher Lösung n. Kjeldahl. 1001

«4-1  mg	Glukose  mg	Fruktose  mg	Invert-  zucker  mg	Galaktose  mg	Laktose  C12H,ä0„  + H,0  mg	Maltose  CiAA,  mg
382	198,7	213.0	206,1	214,6	292,2	338,3
383	199,3	213,7	206,8	215.3	293,1	339,3
384	200,0	214,4	207,5	216,0	293,9	340,3
385	200,6	215.1	208,1	216,7	294.8	341,3
386	201,3	216,7	208,8	217,4	295,6	342,3
387	202,0	216,4	209,6	218,1	296,5	343,2
388	202,6	217,1	210,1	218,7	297,3	344,2
389	203,3	217,8	210,8	219,4	298,2	345,2
390	204,0	218,6	211,5	220,1	299,0	346,2
391	204,6	219,2	212,2	220,8	299,9	347,2
392	205.3	219,8	212,8	221,5	300,7	348,1
393	206,0	220,6	213,5	222,2	301,6	349,1
394	206,7	221,2	214,2	222,9	302,4	350,1
395	207,3	221,9	214.9	223.6	303,3	351,1
396	208,0	222,6	216,6	224,3	304,1	352,1
397	208,7	223,3	216,3	225,0	305,0	353,0
398	209,4	223,9	216,9	225,7	306,8	354,0
399	210,0	224,6	217,6	226,4	306,7	355,0
400	210,7	225,3	218,3	227,1	307,5	356.0
401	211,4	226,0	219,0	227,8	308,4	357,0
402	212,1	226,7	219,7	228,5	309,3	368,0
403	212,8	227,4	220,4	229,2	310,1	358,9
404	213,5	228,1	221,1	229,9	310,9	359,9
405	214,1	228,8	221,7	230,6	311,8	360,9
406	214,8	229,5	222,4	231,3	312,6	361,9
407	215,5	230.2	223.1	232,0	313,5	362,9
408	216,2	230,9	223.8	232,7	314.3	363,9
409	216,9	231,6	224,5	233,4	315,2	364,9
410	217,6	232,3	226,2	234,1	316,0	365,9
411	218,3	233,0	226,9	234,8	316,9	366.8
412	219,0	233,7	226,6	235,5	317,7	367,8
413	219,7	234,4	227,3	236,3	318,6	368,8
414	220,4	235,1	228,0	237,0	319,4	369,8
415	221,1	235,8	228,7	237,7	320,3	370,8
416	221,8	236.5	229,4	238,4	321,2	371,8
417	222,5	237,2	230,1	239,1	322,0	372,8
418	223,2	237,9	230,8	239,8	322,9	373,8
419	223,9	238,6	231.5	240,6	323,7	374,8
420	224,6	239,4	232,3	241,2	324,6	375,8
421	225,3	240,1	233,3	242,0	325,5	376,8
422	226,0	240,8	233,7	242.7	326,3	377,8
423	226,8	241,5	234,4	243,4	327,2	378,8
424	227,5	242,2	235,1	244.1	328.1	379,8
425	228,2	243,0	235,9	244.9	329,0	380,8
426	228,9	243,7	236,6	245,6	329,8	381,8
427	229,6	244,4	237,3	246,3	330,7	382,8
428	230.3	246.1	238,0	247.1	331,6	383,8
429	231,1	245,9	238,8	247,8	332,4	384,8
430	231,8	246.6	239,5	248,5	333,3	385,8
431	232,5	247,3	240,2	249,3	334,2	386,8
432	233.2	248.0	240,9	250,0	335,1	387,8
433	234,0	248,7	241,6	250,8	335,9	388,8
434	234,7	249,5	242.4	251,5	336,8	389,9
        <pb n="1022" />
        ﻿1002 Tab. Xa. Bestimmung der Pentosen u. Pentosane usw. nach Tollens u. Kröber.

B

1.

Phloro-

gluzid

g

0,030

0,031

0,032

0,033

0,034

0,035

0.036

0;037

0,038

0,039

0,040

0,041

0,042

0,043

0,044

0,046

0,046

0,047

0,048

0,049

0,050

0,051

0,052

0,053

0,054

0,056

0,056

0,057

0,068

0,059

0,060

0,061

0,062

0,063

0,064

0,065

0,066

0,067

0.068

0.069

0,070

0,071

0,072

0,073

0,074

0,075

0,076

0,077

0,078

0,079

l)

Tabelle Xa.

estimmung der Pentosen und Pentosane aus dem Phlorogluzid
nach Tollens und Kröber1) (vergl. S. 244).

2.	3.	4.	5.	6.	7.	8,
Purfurol	Arahinose	Araban	Xylose	Xylan	Pentose	Pentosau
g		g	g	g	g	g
0,0182	0,0391	0,0344	0,0324	0,0286	0.0358	0,0315
0,0188	0,0402	0,0364	0,0333	0.0293	0j0368	0,0324
0,0193	0,0413	0,0363	0,0342	0,0301	0,0378	0,0333
0,0198	0,0424	0,0373	0,0352	0.0309	0,0388	0,0341
0,0203	0,0435	0,0383	0,0361	0,0317	0,0398	0,0360
0,0209	0,0446	0,0393	0,0370	0,0326	0,0408	0,0369
0,0214	0,0467	0,0402	0,0379	0,0334	0,0418	0.0368
0,0219	0,0468	0,0412	0,0388	0,0342	0,0428	0,0377
0,0224	0,0479	0.0422	0,0398	0,0360	0,0439	0.0386
0,0229	0,0490	0,0431	0,0407	0,0368	0.0449	0,0395
0,0235	0,0501	0,0441	0,0416	0,0366	0,0459	0,0404
0,0240	0,0512	0,0451	0,0425	0,0374	0,0469	0,0413
0,0245	0,0623	0,0460	0,0434	0,0382	0,0479	0.0422
0,0250	0,0534	0,0470	0,0443	0,0390	0.0489	0.0431
0,0255	0,0645	0,0480	0.0462	0,0398	0^0499	0,0440
0,0260	0,0656	0.0490	0,0462	0,0406	0.0609	0,0448
0,0266	0,0567	0.0499	0,0471	0,0414	0,0619	0,0467
0,0271	0,0678	0,0509	0,0480	0.0422	0,0529	0,0466
0,0276	0,0689	0,0519	0,0489	0,0430	0^0539	0,0475
0,0281	0,0600	0,0628	0,0498	0,0438	0,0649	0,0484
0,0286	0,0611	0,0638	0,0507	0,0446	0,0559	0,0492
0,0292	0,0622	0,0648	0,0516	0,0464	0'0669	0,0501
0,0297	0,0633	0,0657	0,0525	0,0462	0'0579	o'oöio
0,0302  0,0307	0,0644  0,0655	0.0567  0,0576	0,0634  0,0643	0,0470  0,0478	0^0589  0,0699	01)519  (10228
0,0312	0,0666	0,0586	0,0553	0,0486	0j0610	0,0537
0,0318	0,0677	0,0696	0,0562	0,0494	0^0620	0,0546
0,0323	0,0688	0,0606	0,0571	0,0602	0^0630	0,0666
0,0328	0,0699	0,0615	0,0680	0,0510	0^0640	0,0664
0,0333	0,0710	0,0624	0,0589	0,0618	0^0660	0,0573
0,0338	0,0721	0,0634	0,0598	0,0526	0,0660	0,0581
0,0344	0,0732	0,0644	0,0607	0,0634	0.0670	0,0690
0,0349	0,0743	0,0653	0,0616	0,0542	0’0680	0,0599
0,0354	0,0764	0,0663	0,0626	0,0650	0,0690	0,0608
0,0359	0,0766	0,0673	0,0636	0,0568	0,0700	0,0617
0,0364	0,0776	0,0683	0,0644	0,0667	0,0710	0,0625
0,0370	0,0787	0,0692	0,0653	0,0575	0,0720	0,0634
0,0375	0,0798	0,0702	0.0662	0,0583	0,0730	0,0643
0,0380	0,0809	0.0712	0,0672	0,0691	0’0741	0,0662
0,0335	0,0820	0,0721	0,0681	0,0699	0^0751	0.0661
0,0390	0,0831	0,0731	0,0690	0,0607	0,0761	0,0670
0,0396	0,0842	0,0741	0.0699	0,0615	0^0771	0,0679
0,0401	0,0863	0,0750	0,0708	0,0623	0'0781	0,0688
0,0406	0,0864	0,0760	0,0717	0,0631	0’ö791	0,0697
0,0411	0,0876	0.0770	0,0726	0,0639	ojosoi	0,0706
0,0416	0,0886	0,0780	0,0736	0,0647	o'osn	0,0714
0,0422	0,0897	0,0789	0,0745	0,0656	0*0821	0,0722
0,0427	0,0908	0,0799	0,0764	0,0663	0^0831	0,0731
0,0432	0,0916	0,0809	0,0763	0,0671	0’0841	0,0740
0,0437	0,0930	0,0818	0,0772	0,0679	0j0851	0,0749

Journ. f. Landw. 1900, 48, 379.
        <pb n="1023" />
        ﻿Tab. Xa. Bestimmung der Pentosen u. Pentosane usw, nach Teilens u. Kröber.

1.	2.	3.	4.	5.	6.	7.	8.
Phloro-  gluzid  g	Purfurol  g	Arabinoae  g	Araban  g	Xylose  g	Xylan  g	Pentose  g	Pentosan  g
0,080	0,0442	0,0941	0,0828	0,0781	0,0687	0,0861	0,0758
0,081	0,0448	0,0952	0,0838	0,0790	0,0695	0,0871	0,0767
0,082	0,0453	0,0963	0,0847	0,0799	0,0703	0,0881	0,0776
0,083	0,0468	0,0974	0,0857	0,0808	0,0711	0,0891	0,0785
0,084	0,0463	0,0985	0,0867	0,0817	0,0719	0,0901	0,0794
0,086	0,0468	0,0996	0,0877	0,0827	0.0727	0,0912	0,0803
0,086	0,0474	0,1007	0,0886	0,0836	0,0736	0,0922	0,0812
0,087	0,0479	0,1018	0.0896	0,0846	0,0743	0,0932	0,0821
0,088	0,0484	0,1029	0,0906	0,0854	0,0751	0,0942	0,0830
0,089	0,0489	0,1040	0,0915	0,0863	0,0759	0,0952	0,0838
0,090	0,0494	0,1061	0.0926	0,0872	0,0767	0,0962	0,0847
0,091	0,0499	0,1062	0,0935	0.0881	0,0775	0,0972	0.0856
0,092	0,0505	0,1073	0,0344	0,0890	0,0783	0,0982	0,0865
0,093	0,0610	0,1084	0,0954	0,0900	0,0791	0,0992	0,0874
0,094	0,0515	0,1095	0,0964	0,0909	0,0800	0,1002	0,0883
0,095	0,0520	0,1106	0,0974	0,0918	0,0808	0,1012	0,0891
0,096	0,0526	0,1117	0,0983	0,0927	0,0816	0,1022	0;0899
0,097	0,0531	0,1128	0,0993	0,0936	0,0824	0,1032	0,0908
0,098	0,0536	0,1139	0,1003	0,0946	0,0832	0,1043	0.0917
0,099	0,0541	0,1150	0,1012	0,0956	0,0840	0,1053	0^0926
0,100	0,0546	0,1161	0.1022	0.0964	0.0848	0,1063	0,0935
0,101	0,0561	0,1171	0,1032	0,0973	0,0856	0,1073	0,0944
0,102	0,0557	0,1182	0,1041	0,0982	0,0864	0,1083	0,0953
0,103	0,0662	0,1193	0,1051	0,0991	0,0872	0,1093	0,0962
0,104	0,0567	0,1204	0,1060	0,1000	0,0880	0,1103	0,0971
0,105	0,0572	0,1215	0,1070	0,1010	0,0888	0,1113	0,0979
0,106	0,0677	0,1226	0,1080	0,1019	0,0896	0.1123	0,0988
0,107	0,0582	0,1237	0,1089	0,1028	0.0904	0,1133	0,0997
0,108	0,0588	0,1248	0,1099	0,1037	0,0912	0,1143	0,1006
0,109	0,0693	0,1269	0,1108	0,1046	0,0920	0,1163	0,1015
0,110	0,0598	0.1270	0,1118	0,1065	0,0928	0,1163	0,1023
0,111	0,0603	0,1281	0,1128	0,1064	0,0936	0,1173	0,1032
0.112	0,0608	0.1292	0,1137	0,1073	0,0944	0,1183	0,1041
0,113	0,0614	0,1303	0,1147	0,1082	0,0952	0,1193	0,1050
0.114	0,0619	0,1314	0,1156	0,1091	0,0960	0,1203	0,1059
0,115	0,0624	0,1325	0,1166	0,1101	0,0968	0,1213	0,1067
0,116	0,0629	0,1336	0,1176	0,1110	0,0976	0,1223	0,1076
0.117	0,0634	0,1347	0,1185	0,1119	0,0984	0,1233	0,1086
0,118	0,0640	0,1368	0,1195	0,1128	0,0992	0,1243	0,1094
0,119	0,0646	0,1369	0,1204	0,1137	0,1000	0,1253	0,1103
0,120	0,0650	0,1380	0,1214	0,1146	0,1008	0,1263	0.1111
0,121	0,0655	0,1391	0,1224	0,1155	0,1016	0,1273	0,1120
0.122	0,0660	0,1402	0,1233	0,1164	0,1024	0,1283	0,1129
0,123	0,0665	0,1413	0,1243	0,1173	0,1032	0.1293	0,1138
0,124	0,0B71	0,1424	0,1263	0,1182	0,1040	0,1303	0.1147
0,126	0,0676	0,1436	0,1263	0,1192	0,1049	0,1314	0,1156
0,126	0,0681	0,1446	0,1272	0,1201	0,1057	0,1324	0,1165
0,127	0,0686	0,1467	0,1282	0,1210	0,1065	0,1334	0.1174
0,128	0,0691	0,1468	0,1292	0,1219	0,1073	0,1344	0,1183
0,129	0,0697	0,1479	0,1301	0.1228	0,1081	0,1364	0.1192
0,130	0,0702	0,1490	0,1311	0,1237	0,1089	0,1364	0,1201
0,131	0,0707	0,1601	0,1321	0,1246	0,1097	0,1374	0,1210
0,132	0,0712	0,1512	0.1330	0,1255	0,1105	0,1384	0,1219
0,133	0,0717	0,1623	0,1340	0,1264	0,1113	0,1394	0,1227
0,134	0,0723	0,1534	0,1350	0,1273	0,1121	0,1404	0,1236
        <pb n="1024" />
        ﻿1004 Tab. X a. Bestimmung der Pentosen u, Pentosane usw. nach Teilens u. Kröber.

1.	2.	,3.	4.	5.	6.	7.	8.
Phloro-  gluzid  g	Furfurol  g	Arabinose  g	Araban  g	Xylose  g	Xylan  g	Pentose  g	Pentosan  g
0,135	0,0728	0,1545	0,1360	0,1283	0,1129	0,1414	0,1244
0,136	0,0733	0,1656	0,1369	0,1292	0,1137	0,1424	0,1253
0,137	0,0738	0,1567	0,1379	0,1301	0,1145	0,1434	0,1262
0,138	0,0743	0,1578	0,1389	0,1310	0,1163	0,1444	0,1271
0,139	0,0748	0,1589	0,1398	0,1319	0.1161	0,1454	0,1280
0,140	0,0754	0,1600	0,1408	0,1328	0,1169	0.1464	0,1288
0.141	0,0769	0,1611	0,1418	0,1337	0,1177	0,1474	0,1297
0,142	0,0764	0,1622	0,1427	0,1346	0,1185	0,1484	0,1306
0,143	0,0769	0.1633	0,1437	0,1355	0.1193	0,1494	0,1315
0,144	0.0774	0,1644	0,1447	0,1364	0,1201	0,1504	0,1324
0,145	0,0780	0,1655	0,1457	0,1374	0,1209	0,1515	0,1333
0,146	0,0786	0.1666	0,1466	0,1383	0,1217	0,1525	0,1342
0,147	0,0790	0,1677	0,1476	0,1392	0,1225	0,1535	0,1361
0,148	0,0795	0,1688	0,1486	0,1401	0,1233	0,1545	0,1360
0,149	0,0800	0,1699	0,1495	0,1410	0,1241	0,1556	0,1369
0,150	0,0805	0,1710	0,1505	0,1419	0,1249	0,1565	0,1377
0,151	0,0811	0,1721	0,1515	0,1428	0,1257	0,1575	0,1386
0.152	0,0816	0,1732	0,1524	0,1437	0,1265	0,1585	0,1395
0,153	0,0821	0,1743	0,1534	0,1446	0,1273	0,1595	0,1404
0,154	0,0826	0,1754	0,1544	0,1465	0,1281	0,1605	0,1413
0,155	0,0831	0,1765	0,1554	0,1465	0,1289	0,1615	0,1421
0,156	0,0837	0,1776	0,1563	0,1474	0,1297	0,1625	0,1430
0,157	0,0842	0,1787	0,1573	0,1483	0,1305	0,1635	0,1439
0,158	0,0847	0,1798	0,1683	0,1492	0,1313	0,1645	0,1448
0,159	0,0852	0,1809	0,1692	0,1501	0,1321	0,1655	0,1467
0,160	0,0857	0,1820	0,1602	0,1510	0,1329	0,1665	0,1465
0,161	0,0863	0,1831	0,1612	0,1519	0,1337	0,1675	0,1474
0,162	0,0868	0,1842	0,1621	0,1528	0,1345	0,1685	0,1483
0,163	0,0873	0,1853	0,1631	0,1537	0,1353	0,1695	0,1492
0,164	0,0878	0,1864	0,1640	0,1546	0,1361	0,1705	0,1501
0,165	0,0883	0,1875	0,1650	0,1556	0,1369	0,1716	0,1610
0,166	0,0888	0,1886	0,1660	0,1565	0,1377	0,1726	0,1619
0,167	0,0894	0,1897	0,1669	0,1574	0,1386	0,1736	0,1528
0,168	0,0899	0,1908	0,1679	0,1683	0,1393	0,1746	0,1537
0,169	0,0904	0,1919	0,1688	0,1592	0,1401	0,1756	0,1546
0,170	0,0909	0,1930	0,1698	0,1601	0,1409	0,1766	0,1554
0,171	0,0914	0,1941	0,1708	0,1610	0,1417	0,1776	0,1663
0,172	0,0920	0,1962	0,1717	0,1619	0,1425	0,1786	0,1572
0,173	0,0925	0,1963	0,1727	0,1628	0,1433	0,1796	0,1581
0,174	0,0930	0,1974	0,1736	0,1637	0,1441	0,1806	0,1690
0,175	0,0935	0,1985	0,1746	0,1647	0,1449	0,1816	0,1598
0,176	0,0940	0,1996	0,1756	0.1656	0,1457	0,1826	0,1607
0,177	0,0946	0,2007	0,1766	0,1665	0,1465	0,1836	0,1616
0,178	0,0951	0,2018	0,1775	0,1674	0,1473	0,1846	0,1625
0,179	0,0956	0,2029	0,1784	0,1683	0,1481	0,1856	0,1634
0,180	0,0961	0,20,39	0,1794	0,1692	0,1489	0,1866	0,1642
0,181	0,0966	0,2060	0,1804	0,1701	0,1497	0,1876	0,1651
0,182	0,0971	0,2061	0,1813	0,1710	0,1505	0,1886	0,1660
0,183	0,0977	0,2072	0,1823	0,1719	0,1513	0,1896	0,1669
0,184	0,0982	0,2082	0,1832	0,1728	0,1521	0,1906	0,1678
0,185	0,0987	0,2093	0,1842	0.1738	0,1529	0,1916	0,1686
0,186	0,0992	0,2104	0,1851	0,1747	0,1537	0,1926	0,1695
0,187	0,0997	0,2115	0,1861	0,1756	0,1546	0,1936	0,1704
0,188	0,1003	0,2126	0,1870	0,1765	0,1553	0,1946	0,1712
0,189	0,1008	0,2136	0,1880	0,1774	0,1561	0,1956	0,1721
        <pb n="1025" />
        ﻿Tab. Xa. Bestimmung der Pentosen u. Pentosane usw. nach Teilens u. Kröber. 1005

1.	2.	3.	4.	5.	6.	7.	8.
Phloro-  gluzid  8	Purfurol  g	Arabinose  g	Araban  g	Xylose  g	Xylan  g	Peutose  g	Pentosan  g
0,190	0,1013	0,2147	0,1889	0,1783	0,1569	0,1965	0,1729
0,191	0,1018	0,2158	0,1899	0.1792	0,1577	0,1975	0,1738
0,192	0.1023	0,2168	0,1908	0.1801	0,1586	0,1986	0,1747
0,193	0,1028	0,2179	0,1918	0,1810	0,1593	0,1995	0,1756
0,194	0,1034	0,2190	0,1927	0,1819	0,1601	0,2005	0,1764
0,195	0,1039	0,2201	0,1937	0,1829	0,1609	0,2015	0.1773
0,196	0,1044	0,2212	0,1946	0,1838	0,1617	0,2025	0,1782
0,197	0,1049	0,2222	0,1956	0.1847	0,1626	0,2036	0,1791
0,198	0,1054	0,2233	0,1965	0,1856	0,1633	0,2045	0,1800
0,199	0,1059	0,2244	0,1975	0,1866	0,1641	0,2055	0,1808
0,200	0,1065	0,2255	0,1984	0,1874	0,1649	0,2066	0,1817
0,201	0,1070	0,2266	0,1994	0,1883	0,1657	0,2075	0,1826
0,202	0,1075	0,2276	0,2003	0,1892	0,1666	0,2085	0,1835
0,203	0.1080	0,2287	0,2013	0,1901	0,1673	0,2095	0,1844
0,204	0,1085	0,2298	0,2022	0,1910	0,1681	0,2105	0,1863
0,205	0,1090	0,2309	0,2032	0,1920	0,1689	0,2115	0,1861
0,206	0,1096	0,2320	0,2041	0,1929	0,1697	0,2125	0,1869
0,207	0,1101	0,2330	0,2051	0,1938	0,1705	0,2134	0,1878
0,208	0,1106	0,2341	0,2060	0,1947	0,1713	0,2144	0,1887
0,209	0,1111	0,2362	0,2069	0,1956	0,1721	0,2154	0,1896
0,210	0,1116	0,2363	0,2079	0,1965	0,1729	0,2164	0,1904
0,211	0,1121	0,2374	0,2089	0,1975	0,1737	0,2174	0,1913
0,212	0,1127	0,2384	0,2098	0,1984	0,1746	0,2184	0,1922
0,213	0.1132	0,2395	0,2108	0,1993	0,1753	0,2194	0,1931
0,214	0,1137	0,2406	0,2117	0,2002	0,1761	0,2204	0,1940
0,215	0,1142	0,2417	0,2127	0,2011	0,1770	0,2214	0,1948
0,216	0,1147	0,2428	0,2136	0,2020	0,1778	0,2224	0,1957
0,217	0,1152	0,2438	0,2146	0,2029	0,1786	0,2234	0,1966
0,218	0,1168	0,2449	0,2155	0,2038	0,1794	0,2244	0.1974
0,219	0,1163	0,2460	0,2165	0,2047	0,1802	0,2254	0,1983
0,220	0,1168	0,2471	0,2174	0,2057	0,1810	0,2264	0,1992
0,221	0,1173	0,2482	0,2184	0,2066	0,1818	0,2274	0,2001
0,222	0,1178	0,2492	0,2193	0,2075	0,1826	0,2284	0,2010
0,223	0,1183	0,2603	0,2203	0,2084	0,1834	0,2294	0.2019
0.224	0,1189	0,2514	0,2212	0,2093	0,1842	0,2304	0,2028
0,225	0,1194	0,2525	0,2222	0,2102	0,1860	0,2314	0,2037
0,226	0,1199	0,2536	0,2232	0,2111	0,1868	0,2324	0,2046
0,227	0,1204	0.2546	0,2241	0,2121	0.1866	0,2334	0,2054
0,228	0,1209	0,2557	0,2251	0,2130	0,1874	0,2344	0,2063
0,229	0:i214	0,2568	0,2260	0,2139	0,1882	0,2354	0,2072
0,230	0^220	0,2679	0,2270	0,2148	0,1890	0,2364	0,2081
0,231	0,1225	0|2590	0,2280	0,2157	0,1898	0,2374	0,2089
0,232	0,1230	0,2600	0,2289	0,2166	0,1906	0,2383	0,2097
0,233	0,1236	0.2611	0,2299	0,2176	0,1914	0,2393	0,2106
0,234	0,1240	0,2622	0,2308	0,2184	0,1922	0,2403	0,2115
0,235	0,1245	0,2633	0,2318	0,2193	0,1930	0,2413	0,2124
0,236	0,1261	0,2644	0,2327	0,2202	0,1938	0,2423	0,2132
0,237	0,1256	0,2654	0,2337	0,2211	0,1946	0,2433	0,2141
0,238	0,1261	0,2665	0,2346	0,2220	0,1954	0,2443	0,2150
0,239	0,1266	0.2676	0,2356	0,2229	0,1962	0,2453	0,2159
0,240	0,1271	0,2687	0,2365	0,2239	0,1970	0,2463	0,2168
0,241	0,1276	0,2698	0,2376	0,2248	0,1978	0,2473	0,2176
0,242	0,1281	0,2708	0,2384	0,2257	0,1986	0,2483	0,2185
0,243	0,1287	0,2719	0,2394	0,2266	0,1994	0,2493	0,2194
0,244	0,1292	0,2730	0,2403	0,2275	0,2002	0,2503	0,2203
        <pb n="1026" />
        ﻿1006 Ta.b. Xa. Bestimmung der Pentosen u. Pentosane usw. nach Teilens u, Kröber.

1.___

Phloro-

gluzid

g

0,245

0,246

0,247

0,248

0,249

0,250

0,261

0,252

0,253

0,254

0,255

0,256

0,267

0,258

0,259

0,260

0,261

0,262

0,263

0,264

0,265

0,266

0,267

0.268

0,269

0,270

0,271

0,272

0.273

0,274

0,275

0,276

0,277

0,278

0,279

0,280

0,281

0,282

0,283

0,284

0,286

0,286

0,287

0,288

0,289

0,290

0,291

0,292

0,293

0,294

0,295

0,296

0,297

0,298

0,299

0,300

2.	3.	4.	5.	6.	7.	8.
Purfurol  g	Arabinose  g	Araban  g	Xylose	Xylan  g	Pentose  £	Pentosan  g
0,1297	0,2741	0,2413	0,2284	0,2010	0,2513	0,2212
0,1302	0,2752	0,2422	0,2293	0,2018	0,2623	0,2220
0,1307	0,2762	0,2432	0,2302	0,2026	0,2533	0,2229
0,1312	0,2773	0,2441	0,2311	0,2034	0,2543	0,2238
0,1318	0,2784	0,2451	0,2320	0,2042	0,2653	0,2247
0,13ä3	0,2796	0,2460	0,2330	0,2050	0,2563	0,2266
0,1328	0,2806	0,2470	0,2339	0,2058	0,2573	0,2264
0,13-53	0,2816	0,2479	0,2348	0,2066	0,2582	0,2272
0,1338	0,2827	0,2489	0,2357	0,2074	0,2692	0,2281
0,1343	0,2838	0,2498	0,2366	0,2082	0,2602	0,2290
0,1349	0,2849	0,2508	0,2376	0,2090	0,2612	0,2299
0,1354	0,2860	0,2517	0,2384	0,2098	0,2622	0,2307
0,1359	0,2870	0,2526	0,2393	0,2106	0,2632	0,2316
0,1364	0,2881	0,2536	0,2402	0,2114	0,2642	0,2325
0,1369	0,2892	0,2545	0,2411	0,2122	0,2652	0,2334
0,1374	0,2903	0,2555	0,2420	0,2130	0,2662	0,2343
0,1380	0,2914	0,2565	0,2429	0,2138	0’2672	0,2351
0,1386	0,2924	0,2574	0,2438	0,2146	0,2681	0,2359
0,1390	0,2935	0,2684	0,2447	0,2164	0,2691	0,2368
0,1395	0,2946	0,2593	0,2456	0,2162	0,2701	0,2377
0,1400	0,2957	0,2603	0,2465	0,2170	0.2711	0,2385
0,1405	0,2968	0,2612	0,2474	0,2178	0’2721	0,2394
0,1411	0,2978	0,2622	0,2483	0,2186	0,2731	0,2403
0,1416	0,2989	0,2631	0,2492	0,2194	0,2741	0,2412
0,1421	0,3000	0,2641	0,2502	0,2202	0,2761	0.2421
0,1426	0,3011	0,2650	0,2511	0,2210	0,2761	0,2429
0,1431	0,3022	0,2660	0,2520	0,2218	0,2771	0.2438
0,143(5	0,3032	0,2669	0,2529	0,2226	0/2781	0j2447
0,1442	0,3043	0,2679	0,2538	0,2234	0,2791	0,2456
0,1447	0,3054	0,2688	0,2547	0,2242	0,2801	0,2465
0,1452	0,3065	0,2698	0,2666	0,2250	0,2811	0,2473
0,1457	0,3076	0,2707	0,2565	0,2258	0,2821	0,2482
0,14(52	0,3086	0,2717	0,2574	0,2268	0,2830	0,2490
0,1467	0,3097	0,2726	0,2683	0,2274	0,2840	0,2499
0,1473	0,3108	0,2736	0,2592	0,2282	0,2860	0,2508
0,1478	0,3119	0,2745	0,2602	0,2290	0'2861	0,2517
0,1483	0,3130	0,2755	0,2611	0,2298	0,2871	0,2526
0,1488	0,3140	0,2764	0,2620	0,2306	0,2880	0,2534
0,1493	0,3151	0,2774	0,2629	0,2314	0,2890	0,2543
0,1498	0,3162	0,2783	0,2638	0,2322	0,2900	0,2552
0,1504	0,3173	0,2793	0,2647	0,2330	0,2910	0,2561
0,1609	0,3184	0,2802	0,2666	0,2338	0,2920	0,2570
0,1514	0,3194	0,2812	0,2665	0,2346	0,2930	0,2578
0,1519	0,3205	0,2821	0,2674	0,2354	0,2940	0,2587
0,1524	0,3216	0,2831	0,2683	0,2362	0,2950	0,2596
0,1529	0,3227	0,2840	0,2693	0,2370	0,2960	0,2605
0,1536	0,3238	0,2850	0,2702	0,2378	0,2970	0,2614
0,1640	0,3248	0,2869	0,2711	0,2386	0,2980	0,2622
0,1545	0.3259	0,2868	0,2720	0,2394	0,2990	0,2631
0,1560	0,3270	0,2878	0,2729	0,2402	0,3000	0,2640
0,1565	0,3281	0,2887	0,2738	0,2410	0,3010	0,2649
0,1560	0,3292	0,2897	0,2747	0,2418	0,3020	0,2658
0,1666	0,3302	0,2906	0,2756	0 2426	0,3030	0,2666
0,1571	0,3313	0,2916	0,2766	0,2434	0'3040	0.2676
0,16 /(5	0,3324	0,2926	0,2774	0,2442	0/3050	0,2684
0,1581	0,3335	0,2935	0,2784	0,2450	0,3060	0,2693
        <pb n="1027" />
        ﻿Tab. Xb. Bestimmung der Methylpentose (Rhamnose) aus dem Phlorogluzid. 1007

Tabelle Xb.

Bestimmung der Methylpentose (Rhamnose) aus dem Phlorogluzid,
berechnet nach der Formel: Rhamnose = Ph x 1,66 — Ph2 x 1,84 + 0,010;
Rhamnosan = Rhamnose x 0,8 nach Tollens u. Eilet.1) (vergl. Nachträge).

Phlorogluzid  g	Rhamnose  g	Phlorogluzid  g	Rhamnose  g	Phlorogluzid  g	Rhamnose  g
0,010	0,02660	0,054	0,09370	0,098	0,15400
0,011	0,02790	0,065	0,09615	0,099	0,16630
0,012	0,02950	0,066	0,09660	0,100	0,15660
0,013	0,03110	0,057	0,09805	0,101	0,15786
0,014	0,03270	0,058	0,09950	0,102	0,15912
0,015	0,03430	0,059	0,10095	0,103	1,16038
0,016	0,03590	0,060	0,10240	0,104	0,16164
0,017	0,03750	0,061	0,10381	0,106	0,16290
0,018	0,03910	0,062	0,10622	0,106	0,16416
0,019	0,04070	0,063	0,10663	0,107	0,16542
0,020	.0,04230	0,064	0,10804	0,108	0,16668
0,021	0,04385	0,065	0,10945	0,109	0,16794
0,022	0,04640	0,066	0,11086	0,110	0,16920
0,023	0,04695	0,067	0,11227	0,111	0,17043
0,024	0,04860	0,068	0,11368	0,112	0,17166
0,025	0,05005	0,069	0,11509	0,113	0,17289
0,026	0,06160	0,070	0,11650	0,114	0,17412
0,027	0,06315	0,071	0,11787	0,115	0,17635
0,028	0,05370	0,072	0,11924	0,116	0,17658
0,029	0,05525	0,073	0,12061	0,117	0,17781
0,030	0,05780	0,074	0,12198	0,118	0,17904
0,031	0,05933	0,075	0,12335	0,119	0,18027
0,032	0,06086	0,076	0,12472	0,120	0,18150
0,033	0,06239	0,077	0,12609	0,121	0,18296
0,034	0,06392	0,078	0,12746	0,122	0,18388
0,035	0,06545	0,079	0,12883	0,123	0,18507
0,036	0,06698	0,080	0,13020	0,124	0,18626
0,037	0,06861	0,081	0,13154	0,125	0,18746
0,038	0,07004	0,082	0,13288	0,126	0,18864
0,039	0,07167	0,083	0,13422	0,127	0,18983
0,040	0,07310	0,084	0,13556	0,128	0,19102
0,041	0,07468	0,085	0,13690	0,129	0,19221
0,042	0,07606	0,086	0,13824	0,130	0,19340
0,043	0,07754	0,087	0,13958	0,131	0,19455
0,044	0,07902	0,088	0,14092	0,132	0,19570
0,046	0,08030	0,089	0,14226	0,133	0,19685
0,046	0,08198	0,090	0,14360	0,134	0,19800
0,047	0,08346	0,091	0,14490	0,136	0,19916
0,048	0,08494	0,092	0,14620	0,136	0,20030
0,049	0,08642	0,093	0,14750	0,137	0,20145
0,050	0,08790	0,094	0,14880	0,138	0,20260
0,051	0,08835	0,095	0,15010	0,139	0,20375
0,052	0,09080	0,096	0,15140	0,140	0,20490
0,053	0,09225	0,097	0,15270		

0 Berichte d. deutschen ehern. Gesellschaft 1904, 38, 492 u, Journal f. Landwirt-
schaft 1905, 53, 113.
        <pb n="1028" />
        ﻿1008

Tab. XI. Korrektionstabelle der Laktodensimeter-

Tabelle XI.

1. Korrektionstabelle der Laktodensimeter-

Wärmegrade

		0	1	9	3	4	5	(!	7	8	9	10	II	12	13	14
	14	12,9	12,9	12,9	13,0	13,0	13,1	13,1	13,1	13,2	13,3	13,4	13,5	13,6	13,7	13,8
	15	13,9	13,9	13,9	14,0	14.0	14,1	14,1	14,1	14,2	14,3	14,4	14,5	14,6	14,7	14.8
	k&gt;	14,9	14,9	14,9	15,0	15,0	15,1	15,1	15,1	15,2	15,3	15,4	15,5	15,6	15,7	15,8
	17	15,9	16,9	15,9	16,0	16,0	16,1	16,1	16,1	16,2	16,3	16,4	16,5	16,6	16,7	16,8
a	18	10,9	16,9	16,9	17,0	17,0	17,1	17,1	17,1	17,2	17,3	17,4	17,5	17,6	17,7	17,8
w  0	1!»	17,8	17,8	17,8	17,9	17,9	18,0	18,1	18,1	18,2	18,3	18,4	18,5	18,6	18,7	18,8
d&gt;	20	18,7	18,7	18,7	18,8	18,8	18,9	19,0	19,0	19,1	19,2	19,3	19,4	19,5	19,6	19,8
O	21	19,6	19,6	19,7	19,7	19,7	19,8	19,9	20,0	20,1	20,2	20,3	20,4	20,5	20,6	20,8
cö		20,6	20,6	20,7	20,7	20,7	20,8	20,9	21,0	21,1	21,2	21,3	21,4	21,5	21,6	21,8
	215  24	21,6	21,5	21,6	21,7	21,7	21,8	21,9	22,0	22,1	22,2	22,3	22,4	22,5	22,6	22,8
&lt;D		22,4	22,4	22,5	22,6	22,7	22,8	22,9	23,0	23,1	23,2	23,3	23,4	23,5	23,6	23,8
’o	25	23,3	23,3	23,4	23,5	23,6	23,7	23,8	23,9	24,0	24,2	24,2	24,3	24,5	24,6	24,8
	26	24,3	24,3	24,4	24,5	24,6	24,7	24,8	24,9	25,0	25,1	25,2	25,3	25.5	25,6	25.8
o	27	25,2	25,3	25,4	25,5	25,6	25,7	25,8	25,9	26,0	26,1	26,2	26,3	26^5	26,6	26,8
5	28	26,1	26,2	26,3	26,4	26,5	26,6	26,7	26,8	26,9	27,0	27,1	27,2	27,4	27,6	27,8
	29	27,0	27,1	27,2	27,3	27,4	27,5	27,6	27,7	27,8	27,9	28.1	28,2	28,4	28,6	28,8
rö	30	27,9	28,0	28,1	28,2	28,3	28,4	28,5	28,6	28,7	28,8	29,0	29)2	29,4	29,6	29,8
CD	31	28,8	28,9	29,0	29,1	29,2	29.3	29,6	29,6	29.7	29,8	30,0	30,2	30,4	30,6	30,8
cö	32	29,7	29,8	29,9	30,0	30.1	30,3	30,4	30,5	30,6	30,8	31,0	31,2	31,4	31,6	31,8
d	33	30,6	30,7	30,8	30,9	31,0	31,2	31,3	31,4	31,6	31,8	32,0	32,2	32,4	32,6	32,8
	34  35	31,5	31,6	:si,7	31,8	31,9	32,1	32,2	32,3	32,5	32,7	32,9	33,1	33,3	33,5	33,8
		32,4	32,5	32,6	32,7	32,8	33,0	33,1	33,2	33,4	33,6	33,8	34,0	34,2	34,4	34,7

2. Korrektionstabelle der Laktodensimeter-

	Wärmegrade

	0	1	2	8	4	5	6	7	8	0	10	11	12	13	O  14
18	17,2	17,2	17,2	17,2	17,2	17,3	17,3	17,3	17,3	17,4	17,5	17,6	17,7	17,8	17,9
10	18,2	18,2	18,2	18,2	18,2	18.3	18,3	18,3	18,3	18,4	18,5	18,6	18,7	18,8	18,9
77 20	19,2	19,2	19.2	19,2	19,2	19,3	19,3	19,3	19,3	19,4	19,5	19,6	19,7	19,8	19,9
-S 21	20,2	20,2	20,2	20,2	20,2	20,3	20,3	20,3	20,3	20,4	20,5	20,6	20,7	20,8	20,9
S 22	21,1	21,1	21,1	21,2	21,2	21,3	21,3	21,3	21,3	21,4	21,5	21,6	21*7	21,8	21,9
§ 23	22,0	22,0	22,0	22,0	22,1	22,2	22,3	22,3	22,3	22,4	22,6	22,6	22,7	22,8	22,9
rö	22,9	22,9	22,9	22,9	23,0	23,1	23,2	23,2	23,2	23,3	23,4	23,5	23,6	23,7	23,9
3 25	23,8	23,8	23,8	23,8	23,9	24,0	24,1	24,1	24,1	24,2	24,3	24,4	24,5	24,6	24.8
	24,8	24,8	24,8	24,8	24,9	25,0	25,1	25,1	25,1	25,2	25,3	25*4	25,5	25,6	25,8
	25,8	25,8	25,8	25,8	25,9	26.0	26,1	26.1	26,1	26,2	26,3	26,4	26,5	26,6	26.8
cd 28	26,8	26,8	26,8	26,8	26,9	27,0	27,1	27,1	27,1	27,2	27,3	27,4	27,5	2716	27,8
O 20	27,8	27,8	27,8	27,8	27,9	28,0	28,1	28,1	28,1	28,2	28,3	28,4	28,5	28,6	28,8
g. 30	28,7	28,7	28,7	28,7	28,8	28,9	29,0	29,0	29,1	29,2	29,3	29,4	29,5	29,6	29,8
-S 31	29,7	29,7	29,7	29,7	29,8	29,9	30,0	30,0	30,1	30,2	30,3	30,4	30,5	30,6	30,8
	30,7	30,7	30,7	30,7	30,8	30,9	31,0	31,0	31,1	31,2	31,3	31,4	31,5	31,6	31,8
	31,7	31,7	31,7	31,7	31,8	31,9	32,0	32,0	32,1	32^	32,3	32,4	32,5	32,6	32,8
34	32,6	32,6	32,6	32,7	32,8	32,9	32,9	33,0	33,1	33,2	33,3	33,4	33,5	33,6	33,8
&lt;d 35	33,o	33,5	33,5	33,6	33,7	33,8	33,8	33,9	34,0	34,1	34,2	34;,3	34,4	34,6	34,8
cö 3o	34,4	34,4	34,5	34,6	34,7	34,8	34,8	34&gt;	35,0	35,1	35,2	35,3	35,4		35,8
O 37	3o,3	35,4	36,5	35,6	35,7	35,8	35,8	35,9	36,0	36,1	36,2	36,3	36,4	36,6	36,8
38	36,2	36,3	36,4	36,5	36,6	36,7	36,8	36,9	37,0	37,1	37*2	37,3	37,4	37,6	37,8
		37,2	37,3	37,4	37,5	37,6	37,7	37,8	37,9	38,0	38,2	38,3	38,4		38,8
	38,0	38,1	38,2	38,3	38,4	38,6	38,6	38,7	38,8	38,9	39,1	39,2	39,4	39,6	39,8

1009

grade für ganze und abgerahmte Milch.

Tabelle XI.

grade für ganze (nicht abgerahmte) Milch,
der Milch.

15	IC	17	18	19	20	21	22	23	24	25	20	27	28	29	30
14	14,1	14,2	14,4	14,6	14,8	15,0	15,2	15,4	15,6	16,8	16,0	16,2	16,4	16,6	16,8
15	15,1	15,2	15,4	15.6	15,8	16,0	16,2	16,4	16,6	16,8	17,0	17,2	17,4	17,6	17.8
16	16,1	16,3	16,5	16,7	16,9	17,1	17,3	17,5	17,7	17,9	18,1	18,3	18,5	18,7	18.9
17	17,1	17,3	17,5	17,7	17,9	18,1	18,3	18,6	18,7	18,9	19,1	19,3	19,5	19,7	20,0
18	18,1	18,3	18,5	18,7	18,9	19,1	19,3	19,6	19,7	19,9	20,1	20,3	20,5	20,7	21,0
19	19,1	19,3	19,5	19,7	19,9	20,1	20,3	20,5	20,7	20,9	21,1	21,3	21,5	21,7	22,0
20	20,1	20,3	20,6	20,7	20,9	21,1	21,3	21,5	21,7	21,9	22,1	22,3	22,5	22,7	23,0
21	21,2	21,4	21,6	21,8	22,0	22 2	22,4	22,6	22,8	23,0	23,2	23,4	23,6	23,8	24,1
22	22,2	22,4	22,6	22,8	23,0	23,2	23,4	23,6	23,8	24,1	24,3	24,5	24,7	24,9	25,2
23	23,2	23,4	23,6	23,8	24,0	24 2	24,4	24,6	24,8	25,1	25,3	25,5	25,7	26,0	26,3
24	24,2	24,4	24,6	24,8	25,0	25,2	25,4	25,6	25,8	26,1	26,3	26,5	26,7	27,0	27,3
25	25,2	25,4	25,6	25,8	26,0	26,2	26,4	26,6	26,8	27.1	27,3	27,6	27,7	28,0	28,3
26	26.2	26,4	26,6	26,9	27,1	27,3	27,6	27,7	27,9	28,2	28,4	28.6	28,9	29,2	29,5
27	27,2	27,4	27,6	27,9	28,2	28,4	28,6	28,8	29,0	29,3	29,5	29,7	30,0	30,3	30,6
28	28,2	28,4	28,6	28,9	29,2	29,4	29,6	29,9	30,1	30,4	30,6	30,8	31,1	31,4	31,7
29	29.2	29,4	29,6	29,9	30,2	30,4	30,6	30,9	31,2	31,5	31.7	31,9	32,2	32,6	32,8
30	30,2	30,4	30,6	30,9	31,2	31,4	31,6	31,9	32,2	32.5	32,7	33,0	33,3	33,6	33,9
31	31,2	31,4	31,7	32,0	32,3	32,5	32,7	33,0	33,3	33,6	33,8	34,1	34,4	34,7	35,1
32	32,2	32,4	32,7	33,0	33,3	33,6	33,8	34,1	34,4	34,7	34,9	35,2	35,6	35,8	36,2
33	33,2	33,4	33.7	34,0	34,3	34,6	34,9	35,2	35,5	35,8	36,0	36,3	36,6	36,9	37,3
34	34,2	34,4	34.7	35,0	35,3	35,6	35,9	36,2	36,5	36,8	37,1	37,4	37,7	38,0	38,4
35	35,2	35,4	35,7	36,0	36,3	36,6	36,9	37,2	37,6	37,8	38,1	38,4	38,7	39,1	39,5

grade für abgerahmte Milch,
der Milch.

15	16	17	18	19	20	21	22	28	24	25	20	27	28	29	30
18	18,1	18,2	18,4	18,6	18,8	18,9	19,1	19,3	19,5	19,7	19,9	20,1	20,3	20,5	20,7
19	19,1	19,2	19,4	19,6	19,8	19,9	20,1	20,3	20,5	20,7	20,9	21,1	21.3	21,5	21.7
20	204	20,2	20,4	20,6	20,8	20,9	21,1	21,3	21,5	21,7	21,9	22,1	22,3	22,5	22,7
21	21,1	21,2	21,4	21,6	21,8	21,9	22,1	22,3	22,5	22,7	22,9	23,1	23,3	23,5	23,7
99	99 1	22,2	22,4	22,6	22,8	22,9	23,1	23,3	23,5	23,7	23,9	24,1	24,3	24,6	24,7
23	23,1	23,2	2.3,4	23,6	23,8	23,9	24,1	24,3	24,5	24,7	24,9	25,1	25,3	25,5	25,7
24	24,1	24,2	24,4	24,6	24,8	24,9	25,1	25,3	25,5	26,7	25,9	26,1	26,3	26,5	26,7
25	25,1	25,2	25,4	25,6	25,8	25,9	26,1	26,3	26,5	26,7	26,9	27.1	27,3	27.5	27,7
26	26,1	26 3	26,5	26,7	26,9	27,0	27,2	27,4	27,6	27,8	28,0	28,2	28,4	28,6	28,8
27	27,1	27,3	27,5	27.7	27,9	28,1	28,3	28,5	28,7	28,9	29,1	29,3	29,5	29,7	29,9
28	28,1	28,3	28,5	28,7	28,9	29,1	29,3	29,5	29,7	29,9	30,1	30,3	30,5	30.7	31,0
29	29,1	29,3	29,5	29,7	29,9	30,1	30,3	30,6	30,7	30,9	31,1	31,3	31,5	31,7	32,0
30	30,1	30,3	30,5	30,7	30,9	31,1	31,3	31,6	31.7	31,9	32,1	32,3	32,5	32,7	33,0
31	31,2	31,4	31,6	31,8	32,0	32,2	32,4	32.6	32,8	33,0	33,2	33,4	33.6	33,9	34,1
32	32 9	32,4	32,6	32,8	33,0	33,2	33,4	33,6	33,9	34,1	34,3	34,5	34,7	35,0	36,2
33	33,2	33,4	33,6	33,8	34.0	34,2	34,4	34,6	34,9	35,2	35.4	35,6	36,8	36.1	36,3
34	34,2	34,4	34,6	34,8	35,0	35,2	35,4	35,6	35,9	36,2	36,4	36,7	36,9	37,2	37,4
35	35,2	35,4	35,6	35,8	36,0	36,2	36,4	36,6	36,9	37,2	37,4	37,7	38,0	38,3	38,5
36	36,2	36,4	36,6	36,9	37,1	37,3	37,5	37,7	38,0	38,3	38,5	38.8	39,1	39,4	39.7
37	37,2	37,4	37,6	37,9	38,2	38,4	38,6	38,8	39,1	39,4	39,6	39,9	40,2	40,5	40,8
38	38,2	38,4	38,6	38.9	39,2	39,4	39,7	39,9	40,2	40,5	40,7	41,0	41,3	41,6	41,9
39	39,2	39,4	39,6	39,9	40,2	40,4	40,7	41,0	41,3	41,6	41,8	42,1	42,4	42,7	43,0
40	40,2	40,4	40,6	40,9	41.2	41,4	41,7	42,0	42,3	42,6	42,9	43,2	43,6	43,8	44,1

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.	64
        <pb n="1029" />
        ﻿1010 Tab. Xlla. 1. Fettgehalt der Vollmilch nach Soxhlets aräom. Verfahren.

Tabelle XII a.

1. Tabelle, angebend den Fettgehalt der Vollmilch in Gewichtsprozenten
nach dem spezifischen Gewicht der Ätherfettlösung bei 17,5° nach Soxhlet.

Spezi-

fisches

Gewicht

43,0

43.1

43.2

43.3

43.4

43.5

43.6

43.7

43.8

43.9
44,0

44.1

44.2

44.3

44.4

44.5

44.6

44.7

44.8

44.9
45,0

46.1

45.2

45.3

45.4

45.5

46.6

45.7

45.8

46.9
46,0

46.1

46.2

46.3

46.4

46.5

46.6

46.7

46.8

46.9
47,0

47.1

47.2

47.3

47.4

47.5

4?;e

Fett  0/  Io	Spezi-  fisches  Gewicht	Fett  0/  Io	Spezi-  fisches  Gewicht	Fett  °/o	Spezi-  fisches  Gewicht	Fett  0/  Io	Spezi-  fisches  Gewicht	Fett  0/  Io
2,07	47,7	2,61	52,3	3,16	56,9	3,74	61,5	4,39
2,08	47,8	2,62	52,4	3,17	57,0	3,75	61,6	4,40
2,09	47,9	2,63	62,5	3,18	57,1	3,76	61,7	4,42
2,10	48,0	2,64	52,6	3,20	57,2	3,78	61,8	4,44
2,11	48,1	2,66	52,7	3,21	57,3	3,80	61,9	4,46
2,12	48,2	2,67	52,8	3,22	57,4	3,81	62,0	4,47
2,13	48,3	2,68	52,9	3,23	57,5	s! 82	62,1	4,48
2.14	48,4	2,70	53,0	3,25	57,6	3,84	62,2	4,50
2.16	48,6	2,71	53,1	3,26	57,7	3,85	62,3	4,52
2,17	48,6	2,72	53,2	3,27	57,8	3,87	62,4	4,53
2,18	48,7	2,’73	53,3	3,28	57,9	3,88	62.5	4,55
2,19	48,8	2,74	53,4	3,29	58,0	3,90	62,6	4,56
2,20	48,9	2,75	53,5	3,30	58,1	3,91	62,7	4,58
2,22	49,0	2,76	53,6	3,31	68,2	3,92	62,8	4,59
2,23	49,1	2,77	53,7	3.33	58,3	3,93	62,9	4,61
2 24	49,2	2,78	53,8	3,34	58,4	3,95	63,0	4,63
2,25	49,3	2,79	53,9	3,35	58,5	3,96	63,1	4,64
2,26	49,4	2,80	54,0	3,37	58,6	3,98	63,2	4,66
2,27	49,5	2,81	54,1	3,38	58,7	3,99	63^3	4'67
2,28	49,6	2,83	54,2	3,39	58,8	4,01	63,4	4’69
2,30	49,7	2,84	54,3	3,40	58,9	4,02	63,5	4^70
2,31	49,8	2,86	54,4	3,41	59,0	4,03	63’6	4'71
2,32	49,9	2,87	64,5	3.43	59,1	4,04	63,7	4,73
2,33	50,0	2,88	54 6	3,45	59,2	4,06	63,8	4,75
2,34	50,1	2,90	54,7	3,46	59,3	4,07	63,9	4,77
2,35	50,2	2,91	54,8	3,47	59,4	4,09	64,0	4,79
2,36	50,3	2,92	54,9	3,48	59,5	4,11	64,1	4,80
2,37	50,4	2,93	55,0	3,49	59,6	4,12	64,2	4,82
2,38	50,5	2,94	55,1	3,61	59,7	4,14	64,3	4,84
2,39	50,6	2,96	55.2	3,62	69,8	4,15	64,4	4,85
2,40	50,7	2,97	55,3	3,53	69,9	4,16	64,5	4,87
2,42	50,8	2,98	55,4	3,55	60,0	4,18	64,6	4,88
2,43	50,9	2,99	55,5	3,56	60,1	4,19	64,7	4,90
2,44	51,0	3,00	65,6	3,57	60,2	4,20	64,8	4,92
2,4o	51,1	3,01	55,7	3,59	60,3	4,21	64,9	4,93
2,46	51,2	3,03	55,8	3,60	60,4	4,23	65,0	4,95
2i47	51,3	3,04	55,9	3,61	60,5	4,24	65,1	4,97
2,49	51,4	3,05	56,0	3,63	60,6	4,26	65,2	4,98
2,50	51,5	3,06	56,1	3,64	60,7	4,27	66,3	5,00
2,ol	51,6	3,08	56,2	3,65	60,8	4,29	65,4	5,02
2,o2	51,7	3,09	56.3	3,67	60,9	4,30	66,5	5,04
2,54	51,8	3,10	56,4	3,68	61,0	4,32	65,6	5,05
2,66	51,9	3,11	56,5	3,69	61,1	4,33	65,7	5,07
2,56	52,0	3,12	56,6	3,71	61,2	4,35	65'8	5,09
2,o7	52,1	3,14	56,7	3,72	61,3	4,36	65,9	5,11
2,58  2,60	52,2	3,15	56,8	3,73	61,4	4,37	66'0	542
        <pb n="1030" />
        ﻿Tab. Xlla. 2. Fettgehalt der Magermilch nach Soxhlets aräom. Verfahren. 1011

Tabelle XII a.

2. Angehend den Fettgehalt der Magermilch in Gewichtsprozenten nach dem
spezifischen Gewicht der Ätherfettlösung bei 17,5° nach Soxhlet.

Spezi-  fisches  Gewicht	Fett  °/o	Spezi-  fisches  Gewicht	Fett  01  Io	Spezi-  fisches  Gewicht	Fett  0/  10	Spezi-  fisches  Gewicht	Fett  01  Io	Spezi-  fisches  Gewicht	Fett  °/o
21,1	0,00	25,5	0,41	29,9	0,82	34,3	1,22	38,7	1,64
21,2	0,01	25,6	0,42	30,0	0,83	34,4	1,23	38,8	1,65
21,3	0,02	25,7	0,43	30,1	0,84	34,6	1,24	38,9	1,66
21,4	0,03	25,8	0,44	30,2	0,85	34,6	1,24	39,0	1,67
21,5	0,04	25,9	0,45	30,3	0,86	34,7	1,25	39,1	1,68
21,6	0,05	26,0	0,46	30,4	0,87	34,8	1,26	39.2	1,69
21,7	0,06	26,1	0,47	30,5	0,88	34,9	1,27	39,3	1,70
21,8	0,07	26,2	0,48	30,6	0,88	36,0	1,28	39,4	1,71
21,9	0,08	26,3	0,49	30,7	0,89	35,1	1,29	39,5	1,72
22,0	0,09	26,4	0,50	30,8	0,90	35,2	1,30	39,6	1,73
22,1	0,10	26,6	0,50	30,9	0,91	35,3	1,31	39,7	1,74
22,2	0,11	26,6	0,51	31,0	0,92	35,4	1,32	39,8	1,75
22,3	0,12	26,7	0,52	31,1	0,93	35,5	1,33	39,9	1,76
22,4	0,13	26,8	0,53	31,2	0.94	35,6	1,33	40,0	1,77
22,5	0,14	26,9	0,54	31,3	0,95	35,7	1,34	40,1	1,78
22,6	0,15	27,0	0,55	31,4	0,95	35,8	1,35	40,2	1,79
22,7	0,16	27,1	0,56	31,5	0,96	36,9	1,36	40,3	1,80
22,8	0,17	27,2	0,57	31,6	0,97	36,0	1,37	40,4	1,81
22,9	0,18	27,3	0,58	31,7	0,98	36,1	1,38	40,5	1,82
23,0	0,19	27,4	0,59	31,8	0,99	36,2	1,39	40,6	1,83
23,1	0,20	27,5	0,60	31.9	1,00	36,3	1,40	40,7	1,84
23,2	0,21	27,6	0,60	32,0	1,01	36,4	1,41	40,8	1,85
23,3	0,22	27,7	0,61	32,1	1.02	36,5	1,42	40,9	1,86
23,4	0,23	27,8	0,62	32,2	1,02	36,6	1,43	41,0	1,87
23,5	0,24	27,9	0,63	32,3	1,04	36,7	1,44	41,1	1,88
23,6	0,25	28,0	0,64	32,4	1,05	36,8	1,45	41,2	1,89
23,7	0,25	28,1	0,65	32,5	1,06	36,9	1,46	41,3	1,90
23,8	0,26	28,2	0,66	32,6	1,06	37,0	1,47	41,4	1,91
23,9	0,27	28,3	0,67	32,7	1,07	37,1	1,48	41,5	1,92
24,0	0.28	28,4	0,68	32,8	1,08	37,2	1,49	41,6	1,93
24,1	0.29	28,5	0,69	32,9	1,09	37,3	1,50	41,7	1,94
24,2	0,30	28,6	0,70	33,0	1,10	37,4	1,51	41,8	1,95
24,3	0,30	28,7	0,71	33,1	1,11	37,5	1,52	41,9	1,96
24,4	0,31	28,8	0,72	33,2	1,12	37,6	1,53	42,0	1,97
24,5	0,32	28,9	0,73	33,3	1.13	37,7	1,54	42,1	1,98
24,6	0,33	29,0	0,74	33,4	1,14	37,8	1,55	42,2	1,99
24,7	0,34	29,1	0,75	33,5	1.15	37,9	1,56	42,3	2,00
24,8	0,35	29,2	0,76	33,6	1,15	38,0	1,57	42,4	2,01
24,9	0,36	29,3	0,77	33,7	1,16	38,1	1,58	42,5	2,02
25,0	0,37	29,4	0,78	33,8	1,17	38.2	1,59	42,6	2,03
25,1	0,38	29,5	0,79	33,9	1,18	38.3	1,60	42,7	2,04
26,2	0,39	29,6	0,80	34,0	1,19	38,4	1,61	42,8	2,05
25,3	0,40	29,7	0,80	34,1	1,20	38,5	1,62	42,9	2,06
25,4	0,40	29,8	0,81	34,2	1,21	38,6	1,63	43,0	2,07

64*
        <pb n="1031" />
        ﻿1012 Tab.XLIb. Umrechn.d. Skalenteile d.ZeißschenMilchfettrefraktometersn.Naumann.

Tabelle XII b.

Umrechnung der Skalenteile des Zeißsohen Milchfettrefraktometers
in Fettprozente nach Naumann.

Skalen-  teile	Fett-  prozente	Skalen-  teile	Fett-  prozente	Skalen-  teile	Fett-  prozente	Skalen-  teile	Fett-  prozente	Skalen-  teile	Fett-  prozente	Skalen-  teile	Fett-  prozente	S'B  n	Fett-  prozente	Skalen-  teile	Fett-  prozente	Skalen-  teile	Fett-  prozente	Skalen-  teile	Fett-  prozente
20,0	—	25,0	0,46	30,0	0,97	35,0	1,50	40,0	2,09	45,0	2,77	50,0	3,51	55,(	4,35	60,0	5,24	65,0	6,24
1	—	1	0,47	1	0,98	1	1,51	1	2,10	1	2,78	1	3,53	1	4,37	1	5,26	1	6,27
2	—	2	0,48	2	0,99	2	1,52	2	2,12	2	2,79	2	3,55	2	4,38	2	5,28	2	6,29
3	—	3	0,49	3	1,00	3	1,54	3	2,13	3	2,80	3	3,56	3	4,40	3	5,30	3	6,31
4	—	4	0,60	4	1,01	4	1,55	4	2,14	4	2,82	4	3,57	4	4.42	4	5,32	4	6.34
5	—	0	0,51	5	1,02	5	1,56	5	2,15	5	2,84	5	3.59	5	4,43	5	5,34	5	6,36
6	0,00	6	0,62	6	1,03	6	1,57	6	2,16	6	2,85	6	3,60	6	4,44	6	5,36	6	6,38
7	0.01	7	0,53	7	1,04	7	1,58	7	2,18	7	2,87	7	3,61	7	4,46	7	5,38	7	6,40
8	0,02	8	0,54	8	1.05	8	1,59	8	2,20	8	2,88	8	3,63	8	4,48	8	5.40	8	6,42
9	0,03	9	0,55	9	1,06	9	1,60	9	2,21	9	2,89	9	3,64	9	4,49	9	5,42	9	6,44
21,0	0,04	26,0	0,57	31,0	1,07	36,0	1,61	41,0	2,23	46,0	2,90	51,0	3,66	56.0	4,51	61,0	5,44	66.0	6,46
1	0,05	1	0,58	1	1,08	1	1,62	1	2,24	1	2,92	1	3,67	1	4,53	1	5,46		
2	0,06	2	0,69	2	1,09	2	1,64	2	2,25	2	2,93	2	3,68	2	4,55	2	5,48		
3	0,08	3	0,60	3	1.10	3	1,65	3	2,26	3	2,94	3	3,70	3	4,57	3	5,50		
4	0,09	4	0,61	4	1,11	4	1,66	4	2,27	4	2,96	4	3,72	4	4,59	4	5,52		
5	0,10	5	0,62	5	1,12	5	1,67	5	2,28	5	2,98	5	3,74	6	4,60	5	5,54		
6	0,11	6	0,63	6	1,13	6	1,68	6	2.30	6	3,00	6	3,76	6	4,61	6	5,66		
7	(1.12	7	0,64	7	1,14	7	1,69	7	2,32	7	3,01	7	3,78	7	4,63	7	5,58		
8	0,13	8	0,65	8	1,15	8	1,70	8	2,33	8	3,02	8	3,80	8	4,65	8	5.60		
9	0.14	9	0,66	9	1.16	9	1,71	9	2,34	9	3,03	9	3,82	9	4,67	9	5,61		
22,0	0,15	27,0	0,67	32,0	1,17	37,0	1,72	42,0	2,35	47,0	3,05	52,0	3,84	57,0	4,69	62,0	5,63		
1	0,16	1	0,68	1	1,18	1	1,73	1	2,37	1	3,06	1	3,85	1	4,71	1	5,65		
2	0,17	2	0,69	2	1.19	2	1,75	2	2,38	2	3,08	2	3,87	2	4,73	2	5,66		
3	0,18	3	0,70	3	1,20	3	1,76	3	2,39	3	3,10	3	3,89	3	4,75	3	5,68		
4	0,19	4	0,71	4	1,22	4	1,78	4	2,40	4	3,12	4	3,90	4	4,76	4	5,70		
6	0,20	5	0,72	6	1,23	5	1,79	5	2.41	5	3,14	5	3,92	5	4,78	5	5,72		
6	0,21	6	0,73	6	1,24	6	1,80	6	2,43	6	3,15	6	3,93	6	4,80	6	5,74		
7	0,22	7	0,74	7	1,25	7	1.81	7	2,44	7	3,16	7	3,95	7	4.82	7	5,76		
8	0,23	8	0,75	8	1,26	8	1,82	8	2,46	8	3,17	8	3,97	8	4,84	8	5,78		
9	0,24	9	0,76	9	1,27	9	1,84	9	2,47	9	3,18	9	3,99	9	4,86	9	5,80		
23,0	0,25	28,0	0,77	33,0	1,28	38,0	1,85	43,0	2,49	48.0	3,20	53,0	4,01	58,0	4,88	63,0	5,82		
1	0,26	1	0,78	1	1,29	1	1,87	1	2,50	1	3,21	1	4,03	1	4,90	1	5,84		
2	0,27	2	0,79	2	1,30	2	1,88	2	2,51	2J	3,23	2	4,04	2	4,92	2	5,86		
3	0,28	3	0,80	3	1,31	3	1,89	3	2,52	3	3,25	3	4,06	3	4,94	3	5,88		
4	0,29	4	0,81	4	1,32	4	1,90	4	2,54	4	3,27	4	4,07	4	4,95	4	5,90		
5	0,30	5	0,82	5	1,34	5	1,91	5	2,55	5	3,28	5	4,09	5	4,97	5	5,92		
6	0,31	6	0,83	6	1,35	6	1,92	6	2,56	6	3,30	6	4,10	6	4,98	6	6,94		
7	0,32	7	0,84	7	1,36	7	1,93	7	2.58	7	3,32	7	4,12	7	5,00	7	5,96		
8	0,33	8	0,86	8	1,37	8	1,94	8	2,60	8	3,33	8	4,14	8	5,02	8	5,98		
9	0,34	9	0,86	9	1,38	9	1,95	9	2,61	9	3,34	9	4,16	9	5,04	9	6,00		
24,0	0,36	29,0	0,87	34,0	1,39	39,0	1,96	44,0	2,63	49,0	3,36	54,0	4,18	69,0	5,06	64,0	6,02		
1	0,37	1	0,88	1	1,40	1	1,98	1	2,64	1	3,38	1	4,20	1	5,08	1	6,04		
2	(1,38		0,89	2	1.42	2	1,99	2	2,65	2	3,40	2	4;22	2	5,10	2	6,07		
3	0,39	3	0,90	3	1,43	3	2,00	3	2,67	3	3,42	3	4,23	3	5,11	3	6,09		
4	0,40	4	0,91	4	1,44	4	2,02	4	2,68	4	3,43	4	4,25	4	5,13	4	6,12		
5	0,41	5	0,92	0	1,45	0	2.03	5	2,70	5	3,44	5	4.26	5	5,15	5	6,14		
6	0,42	6	0,93	6	1,46	6	2,04	6	2,71	6	3,45	6	4,28	6	5,17	6	6,16		
7	0,43	7	0,94	7	1,47	7	2,05	7	2,72	7	3,46	7	4,29	7	5,19		6 18		
9  23,0	0,44  0,45  0,46	8  9  30,0	0,95  0,96  0,97	8  9  35,0	1.48  1.49  1.50	8  9  40,0	2,07  2,08  2,09	8  9  45,0	2.74  2.75 2,77	8  9  50,0	3,48  3.50  3.51	8  9  55,0	4;31  4,33  4,35	8  9  60,0	5,20  5,22  5,24	8  9  65,0	6,20  6,22  6,24
        <pb n="1032" />
        ﻿Tab. XIIc. Fettgehalt der Milch nach Marchands Verfahren.	1013

Tabelle XII c.

Fettbestimmung in der Milch mit Marchands Laktobutyrometer
nach B. Tollens und Fr. Schmidt.

O/ji, ccm Ätherfettlösung in der kalibrierten Röhre entsprechen g Fett
in 100 ccm Milch.)

Vio ccm Äther- fettlösung  1/io ccm	Fett  %	Vio ccm Äther- fettlösung  1/io ccm	Fett  0/  Io	‘/io ccm Äther- fettlösung  Vio ccm	Fett  Ol  Io
1.0 Zehntel	1,339	18,5 Zehntel	5,129	36,0 Zehntel	13,490
1,5	1,441	19,0	5,306	36,5	13,739
2,0	1,543	19,5	5.483	37,0	13,988
2,5	1,645	20,0	5,660	37,5	14,237
3,0	1,747	20,5	5,837	38,0	14,486
3,6	1,849	21,0	6,020	38,6	14,735
4,0	1,951	21,5	6,269	39,0	14,984
4,5	2,053	22,0	6,618	39,5	16,233
5,0	2,155	22,5	6,767	40,0	15,482
5,5	2,257	23,0	7,016	40,5	15,731
6,0	2,359	23,5	7,265	41,0	15,980
6,5	2,461	24,0	7,614	41,5	16,229
7.0	2,563	24,5	7,763	42,0	16,478
7,5	2,665	25,0	8,012	42,6	16,727
8,0	2,767	25,5	8,261	43,0	16,976
8,5	2,869	26,0	8,610	43,5	17,225
9,0	2,971	26,5	8,759	44,0	17,474
9,5	3,073	27,0	9,008	44,5	17,723
10,0	3,175	27,5	9,257	45,0	17,972
10,5	3,277	28,0	9,606	46,5	18,221
11,0	3,379	28,5	9,765	46,0	18,470
11,5	3,481	29,0	10,004	46,5	18,719
12,0	3,583	29,5	10,253	47,0	18,968
12,5	3,685	30,0	10,502	47,6	19,217
13,0	3,787	30,5	10,752	48,0	19,466
13,5	3,889	31,0	11,000	48,5	19,715
14,0	3,991	31,5	11,249	49,0	19,964
14,5	4,093	32,0	11,498	49,5	20,213
15,0	4,195	32,6	11,747	60,0	20,462
15,5	4,297	33,0	11,996	50,5	20,711
16,0	4,399	33,6	12,245 -	51,0	20,960
16,5	4,501	34,0	12,494	51,5	21,209
17,0	4,628	34,5	12,743	52,0	21,458
17,5	4,792	35,0	12,992	52,5	21,707
18,0	4,966	35,5	13,241
        <pb n="1033" />
        ﻿J

1014 Tab, XIII. Spezifisches Gewicht und Extrakt-Prozente nach Halling.

Tabelle XIII.

Reduktion der spezifischen Gewichte auf Saccharometer-Prozente

nach Balling.

Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saocharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saccharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saocharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saooharo- meteranzeige in Prozenten
1,0000	0,000	1,0048	1,200	1,0096	2,400	1,0144	3,600
1,0001	0,025	1,0049	1,225	1,0097	2,425	1,0145	3,625
1,0002	0,050	1,0050	1,260	1,0098	2,450	1.0146	3,650
1,0003	0,075	1,0051	1,275	1,0099	2,475	1,0147	3,675
1,0004	0,100	1,0052	1,300	1,0100	2,500	1,0148	3,700
1,0005	0,126	1,0053	1,325	1.0101	2,625	1,0149	3,725
1,0006	0,150	1,0054	1,350	1,0102	2,550	1,0150	3,750
1,0007	0,175	1,0055	1,375	1,0103	2,575	1,0151	3,775
1,0008	0,200	1,0056	1,400	1,0104	2,600	11)152	3,800
1,0009	0,225	1,0057	1,425	1,0105	2,625	1,0163	3,825
1,0010	0,260	1,0058	1,450	1,0106	2,650	1,0154	3,850
1,0011	0,275	1,0059	1,475	1,0107	2,675	1,0155	3.875
1,0012	0,300	1,0060	1,500	1,0108	2,700	1,0156	3,900
1,0015	0,325	1,0061	1,625	1,0109	2,725	1,0157	3,925
1,0014	0,360	1,0062	1,650	1,0110	2,750	1,0158	3,950
1,0016	0,375	1,0063	1,575	1,0111	2,775	1,0169	3,975
1,0015	0,400	1,0064	1,600	1,0112	2,800	1,0160	4,000
1,0017	0,425	1,0065	1,625	1,0113	2,825	1,0161	4,025
1,0018	0,460	1,0066	1,650	1,0114	2,850	l|0162	4*050
1,0019	0,476	1,0067	1,675	1,0115	2*875	1,0163	4 f)75
1,0020	0,500	1,0068	1,700	1,0116	2,900	1,0164	4! 100
1,0021	0,525	1,0069	1,726	1,0117	2,925	i;oi65	4^125
1,0022	0,550	1,0070	1,760	1,0118	2,950	1,0166	4^150
1,0023	0,575	1,0071	1,775	1,0119	2,975	1^0167	4,175
1,0024	0,600	1,0072	1,800	1,0120	3,000	R0168	4^200
1,0025	0,625	1,0073	1,825	1,0121	3,025	1.0169	4,225
1,0026	0,650	1,0074	1,850	1,0122	3,050	1,0170	4,250
1,0027	0,676	1,0075	1,875	1,0123	3.075	1,0171	4,275
1,0028	0,700	1,0076	1,900	l|0124	3,100	1,0172	4*300
1,0l)29	0,725	1,0077	1,925	1,0125	3,125	1,0173	4,325
1,0050	0,750-'	1,0078	1,950	1,0126	3,150	1,0174	4,350
1,0051	0,775	1,0079	1,975	1,0127	3,175	1,0176	4,375
1,0032	0,800	1,0080	2,000	1,0128	3,200	1,0176	4,400
1,0055	0,825	1,0081	2,025	1,0129	3,225	1,0177	4,425
1,0054	0,850	1,0082	2,050	1,0130	3,250	1,0178	4,450
1,0035	0,875	1,0083	2,075	1,0131	3,275	1,0179	4,475
1,0056	0,900	1,0084	2,100	1,0132	3,300	1,0180	4,500
1,0037	0,925	1,0085	2,125	1,0133	3,325	1,0181	4,525
1,0058	0,950	1,0086	2,150	1,0134	3,350	1,0182	4,550
1,0039	0,975	1,0087	2,175	1,0136	3,375	1,0183	4,575
1,0040	1,000	1,0088	2,200	1,0136	3,400	1,0184	4.600
1,0041	1,025	1,0089	2,225	1,0137	3,425	1,0185	4j625
1,0042	1,060	1,0090	2,250	1,0138	3,450	1,0186	4,650
1,0043	1,075	1,0091	2,275	1,0139	3,475	1,0187	4*675
1,0044	1,100	1,0092	2,300	1,0140	3,500	1,0188	4,700
1 ,UU4o	1,125	1,0093	2,325	1,0141	3,626	1,0189	4,725
	1,150	1,0094	2,350	1,0142	3,650	1,0190	4,760
	1,175	1,0095	2,375	1,0143	3,575	1,0191	4,775
        <pb n="1034" />
        ﻿Tab. XIII. Spezifisches Gewicht und ExtrakfiProzente nach Balling. 1015

Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saccharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Sacoharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saccharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Sacoharo- meteranzeige in Prozenten
1,0192	4,800	1,0243	6,073	1,0294	7,316	1,0345	8,560
1.0193	4,825	1,0244	6,097	1,0296	7,341	1,0346	8,584
1,0194	4,850	1,0245	6.122	1,0296	7,365	1,0347	8,609
1.0195	4,875	1,0246	6,146	1,0297	7,389	1,0348	8,633
1,0196	4,900	1,0247	6,170	1,0298	7.413	1,0349	8,657
1,0197	4,925	1.0248	6,195	1,0299	7,438	1.0350	8.681
1,0198	4,950	1,0249	6,219	1,0300	7,463	1,0351	8,706
1,0199	4,976	1,0250	6,244	1,0301	7,488	1,0352	8,731
1,0200	5,000	1,0261	6,268	1,0302	7,512	1,0363	8,756
1,0201	5,025	1,0252	6,292	1,0303	7,536	1,0354	8,786
1,0202	5,050	1,0253	6,316	1,0304	7,560	1,0355	8,804
1.0203	5,075	1,0254	6,341	1,0305	7,584	1,0356	8,828
1.0204	5,100	1,0265	6,366	1,0306	7,609	1,0357	8,853
1,0206	5,126	1,0256	6,389	1,0307	7,633	1,0358	8,877
1.0206	6,160	1,0257	6,413	1,0308	7,657	1,0359	8,901
1,0207	5,175	1,0258	6,438	1,0309	7,681	1,0360	8,925
1.0208	5,200	1,0259	6,463	1,0310	7,706	1,0361	8,950
1,0209	5,225	1,0260	6,488	1,0311	7,731	1,0362	8,975
1.0210	5,250	1,0261	6,512	1,0312	7,756	1,0363	9,(XX)
1.0211	5,275	1,0262	6.536	1.0313	7,780	1,0364	9,024
1,0212	6,300	1,0263	6,560	1,0314	7,804	1,0365	9,048
1,0213	5,325	1,0264	6,584	1,0315	7,828	1,0366	9,073
1,0214	5,350	1,0265	6,609	1,0316	7,863	1,0367	9,097
1.0215	5,375	1,0266	6,633	1,0317	7,877	1,0368	9,122
1,0216	5,400	1,0267	6,657	1,0318	7,901	1,0369	9,146
1,0217	5,425	1,0268	6,681	1,0319	7,925	1,0370	9,170
1,0218	5,450	1,0269	6,706	1,0320	7,950	1,0371	9,195
1,0219	5,475	1,0270	6,731	1,0321	7,975	1,0372	9,219
1,0220	5,500	1,0271	6,756	1,0322	8,000	1,0373	9,244
1,0221	5,525	1,0272	6,780	1,0323	8,024	1,0374	9,268
1,0222	5,550	1,0273	6,804	1,0324	8,048	1,0375	9,292
1.0223	5,675	1,0274	6,828	1,0325	8,073	1,0376	9,316
1,0224	5,600	1,0276	6,853	1,0326	8,097	1,0377	9,341
1,0225	6,625	1,0276	6,877	1,0327	8,122	1,0378	9,365
1,0226	5,650	1,0277	6,901	1,0328	8,146	1,0379	9,389
1,0227	5,675	1,0278	6,925	1,0329	8,170	1,0380	9,413
1,0228	6,700	1,0279	6,950	1,0330	8,195	1,0381	9,438
1,0229	5,725	1,0280	6,975	1,0331	8,219	1,0382	9,463
1,0230	5,750	1,0281	7,000	1,0332	8,244	1,0383	9,488
1,0231	5,775	1,0282	7,024	1,0333	8,268	1,0384	9.512
1,0232	6,800	1,0283	7,048	1,0334	8,292	1,0385	9,536
1,0233	5,825	1,0284	7,073	1,0336	8,316	1,0386	9,560
1,0234	6,850	1,0285	7,097	1,0336	8,341	1,0387	9,584
1,0236	5,875	1,0286	7,122	1,0337	8,365	1,0388	9,609
1,0236	5,900	1,0287	7,146	1,0338	8,389	1,0389	9,633
1,0237	6,925	1,0288	7,170	1,0339	8,413	1,0390	9,657
1,0238	5,960	1,0289	7,195	1,0340	8,438	1,0391	9,681
1.0239	5,975	1,0290	7,219	1,0341	8,463	1,0392	9,706
1,0240	6,000	1,0291	7,244	1,0342	8,488	1,0393	9,731
1,0241	6,024	1,0292	7,268	1,0343	8,512	1,0394	9,756
1.0242	6,048	1,0293	7,292	1,0344	8,536	1,0395	9,780
        <pb n="1035" />
        ﻿1016 Tal- XIII. Spezifisches Gewicht und Extrakt-Prozente nach Balling.

Spez,  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saccharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saccharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saccharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Sacoharo- meteranzeige in Prozenten
1,0396	9,804	1,0447	11,023	1,0498	12,238	1,0549	13,452
1,0397	9,828	1,0448	11,047	1,0499	12,261	1,0650	13,476
1,0398	9,853	1,0449	11,071	1,0500	12,285	1,0551	13,500
1,0399	9,877	1,0450	11,095	1,0501	12,309	1,0552	13,523
1,0400	9,901	1,0451	11.119	1,0502	12,333	1,0553	13,547
1,0401	9,925	1,0452	11,142	1,0503	12,357	1,0554	13,571
1,0402	9.950	1,0453	11,166	1,0504	12,381	1,0555	13.595
1.0403	9,975	1.0454	11,190	1,0505	12,404	1,0556	13,619
1,0404	10,000	1,0455	11,214	1,0506	12,428	1,0557	13,642
1,0405	10,023	1,0456	11,238	1,0507	12,462	1,0558	13.66G
1,0406	10,047	1,0457	11,261	1,0508	12,476	1,0559	13,690
1,0407	10,071	1,0458	11,285	1,0509	12,500	1,0560	13,714
1,0408	10,095	1,0459	11,309	1,0510	12,523	1,0561	13,738
1,0409	10,119	1,0460	11,333	1,0511	12,547	1,0562	13.761
1.0410	10,142	1.0461	11,357	1,0512	12,571	1,0563	13|785
1,0411	10,166	1,0462	11,381	1,0513	12,596	1,0564	13,809
1,0412	10,190	1,0463	11,404	1,0514	12,619	1,0565	13,833
1,0413	10,214	1,0464	11,428	1,0515	12,642	1,0566	13^857
1,0414	10,238	1,0465	11,452	1,0516	12,666	1,0567	13,881
1,0415	10,261	1,0466	11,476	1,0517	12*690	1,0568	13,904
1,0416	10,285	1,0467	11,500	1,0518	12,714	1,0569	13,928
1,0417	10.309	1,0468	11,523	1,0519	12,738	1,0570	13,952
1,0418	10,333	1,0469	11,547	1,0520	12,761	1,0571	13,976
1,0419	10,357	1,0470	11,571	1,0521	12,785	1,0572	14.000
1,0420	10,381	1,0471	11,595	1,0522	12,809	1,0573	14,023
1.0421	10,404	1,0472	11,619	1,0523	12,833	1,0574	14*047
1,0422	10,428	1,0473	11,642	1,0524	12,857	1,0575	14*071
1.0423	10,452	1,0474	11,666	1,0525	12,881	1,0576	14^095
1,0424	10,476	1,0475	11,690	1,0526	12,904	1,0577	14,119
1,0426	10,500	1,0476	11,714	1,0527	12,928	1,0578	14,142
1,0426	10,523	1,0477	11,738	1.0528	12,952	1,0579	14,166
1,0427	10,547	1,0478	11,761	1,0529	12,976	1,0580	14,190
1,0428	10,571	1,0479	11,786	1,0530	13,000	1,0581	14,214
1,0429	10,595	1,0480	11,809	1,0531	13,023	1,0582	14,238
1,0430	10,619	1,0481	11,833	1,0532	13,047	1,0583	14,261
1,0431	10,642	1,0482	11,857	1,0533	13,071	1,0584	14|285
1,043!^	10,666	1,0483	11,881	1,0534	13.095	1,0585	14,309
1,0433	10,690	1,0484	11,904	1,0536	13,119	1,0586	14,333
1,0434	10,714	1,0485	11,928	1,0536	13,142	1,0587	14,357
1,0435	10,738	1,0486	11,952	1,0537	13,166	1,0588	14,381
1,0433	10,761	1,0487	11,976	1,0538	13,190	1,0589	14,404
1,0437	10,785	1,0488	12,000	1.0539	13,214	1,0590	14,428
1,0438	10,809	1,0489	12,023	1,0540	13,238	1,0591	14,452
1,0439	10,833	1,0490	12,047	1,0541	13,261	1,0592	14,476
1,0440	10,857	1,0491	12,071	1.0542	13,285	1,0693	44*500
1,0441	10,881	1,0492	12,095	i;0543	13,309	1,0594	14*523
1,0442	10,904	1,0493	12,119	1,0544	13,333	1,0596	14^547
1,0443	10,928	1,0494	12,142	1,0545	13,357	1,0696	14,571
1,0444	10,952	1,0495	12,166	1,0546	13,381	1,0597	14^595
1,0445	10,976	1,0496	12,190	1,0647	13^404	1,0598	14|619
1,0446	11,000	1.0497	12,214	1,0548	13,428	1,0599	14*642
        <pb n="1036" />
        ﻿Tab. XIII. Spezifisches Gewicht und Extrakt-Prozente nach Balling. 1017

Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saccharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saccharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saccharo- meteranzeige in Prozenten	Spez.  Ge-  wicht	Diesem entsprechende Saccharo- meteranzeige in Prozenten
1,0600	14,666	1,0661	16,860	1,0701	17,022	1,0751	18,158
1,0601	14,690	1,0652	15,883	1,0702	17,045	1,0752	18,181
1,0602	14,714	1,0653	15,907	1,0703	17,067	1,0753	18.204
1,0603	14,738	1,0654	15,930	1,0704	17.090	1,0764	18,227
1,0604	14,761	1,0665	15,963	1.0705	17.113	1,0755	18.250
1,0605	14,786	1,0656	15,976	1,0706	17,136	1,0756	18,272
1,0606	14,809	1,0657	16,000	1,0707	17,158	1,0757	18,295
1,0607	14,833	1,0658	16,023	1,0708	17,181	1,0758	18,318
1,0608	14,857	1,0669	16,046	1,0709	17,204	1,0759	18,340
1,0609	14,881	1,0660	16,070	1,0710	17,227	1,0760	18.363
1,0610	14,904	1,0661	16,093	1,0711	17,250	1,0761	18,386
1,0611	14,928	1,0662	16,116	1,0712	17,272	1,0762	18.409
1,0612	14,952	1,0863	16,139	1,0713	17,295	1,0763	18,431
1,0613	14,976	1,0664	16,162	1,0714	17.318	1,0764	18,464
1,0614	15,000	1,0665	16,186	1,0715	17,340	1,0765	18,477
1,0615	15,023	1,0666	16,209	1,0716	17,363	1,0766	18,500
1,0616	15,046	1.0667	16,232	1,0717	17,386	1,0767	18,522
1,0617	15,070	1,0668	16,255	1,0718	17,409	1,0768	18,545
1,0618	16,093	1,0669	16.278	1,0719	17,431	1,0769	18,569
1,0619	15,116	1,0670	16,302	1,0720	17,454	1,0770	18,590
1,0620	16,139	1,0671	16,325	1,0721	17.477	1,0771	18,613
1,0621	15,162	1,0672	16,348	1,0722	17,600	1,0772	18,636
1,0622	15,186	1,0673	16,371	1,0723	17,522	1,0773	18,659
1,0623	15,209	1,0674	16,395	1,0724	17,545	1,0774	18,681
1,0624	16,232	1,0675	16,418	1,0725	17,568	1,0776	18,704
1,0625	15,265	1,0676	16,441	1,0726	17,590	1,0776	18,727
1,0626	15,279	1,0677	16,464	1,0727	17,613	1,0777	18,750
1,0627	15,302	1,0678	16,488	1,0728	17,636	1,0778	18,772
1,0628	16,325	1,0679	16,511	1,0729	17,659	1,0779	18,795
1,0629	15,348	1,0680	16,534	1,0730	17,681	1.0780	18,818
1,0630	15,371	1,0681	16,557	1,0731	17,704	1,0781	18,841
1,0631	15,395	1,0682	16,581	1,0732	17,727	1,0782	18,863
1.0632	15,418	1,0683	16,604	1,0733	17,750	1,0783	18,886
1,0633	15,441	1,0684	16,627	1,0734	17,772	1,0784	18,909
1,0634	15,464	1,0685	16,650	1,0735	17,795	1,0785	18,931
1,0635	15,488	1,0686	16,674	1,0736	17,818	1,0786	18,954
1,0636	15,501	1.0687	16,697	1,0737	17,841	1,0787	18.977
1,0637	15,534	1,0688	16,721	1,0738	17,863	1,0788	19,000
1,0638	15,567	1,0689	16,744	1,0739	17,886	1,0789	19,022
1,0639	15,581	1,0690	16,767	1,0740	17,909	1,0790	19,045
1,0640	15,604	1,0691	16,790	1,0741	17,931	1,0791	19,067
1,0641	15,627	1,0692	16,814	1,0742	17,954	1,0792	19,090
1,0642	15,650	1,0693	16,837	1,0743	17,977	1,0793	19,113
1,0643	15,674	1,0694	16,860	1,0744	18,000	1,0794	19,136
1,0644	15,697	1,0695	16,883	1,0745	18,022	1,0795	19,158
1,0645	15,721	1,0696	16,907	1,0746	18,045	1,0796	19,181
1,0646	15,744	1,0697	16,930	1.0747	18,067	1,0797	19,204
1,0647	15,767	1,0698	16,953	1,0748	18.090	1,0798	19.227
1,0648	15,790	1,0699	16,976	1,0749	18,113	1,0799	19,250
1,0649	15,814	1,0700	17,000	1,0750	18,136	1,0800	19,272
1,0650	15,837
        <pb n="1037" />
        ﻿1018

Tab. XIY. Spezifisches Gewicht, Grade Brix und Grade BeaumA

Tabelle XIY.

Vergleichende Angaben zwischen spezifischem Gewicht, Graden Brix und

Graden Beauine.1)

Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaume	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaume	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaume
0,0	1,00000	0,00	4,0	1,01570	2,27	8,0	1,03187	4,53
0,1	1,00038	0,06	4,1	1,01610	2,33	8 1	1,03228	4,59
0,2	1,00077	0,11	4,2	1,01660	2,38	8,2	1,03270	4,65
0,3	1,00116	0,17	4,3	1.01690	2,44	8,3	1,03311	4,70
0,4	1,00155	0,23	4,4	1,01730	2,50	8,4	1,03362	4,76
0,6	1,00193	0,28	4,5	1,01770	2,56	8,6	1,03393	4,82
0,6	1,00232	0,34	4,6	1,01810	2,61	8,6	1,03434	4,87
0,7	1,00271	0,40	4,7	1,01860	2,67	8,7	1,03475	4,93
0,8	1,00310	0,46	4,8	1,01890	2,72	8,8	1,03617	4,99
0,9	1,00349	0,61	4,9	1,01930	2,78	8,9	1,03558	5,04
1.0	1,00388	0,57	5,0	1,01970	2,84	9,0	1,03599	5,10
1,1	1,00427	0,63	6,1	1,02010	2,89	9,1	1,03640	5,16
1,2	1,00466	0,68	5,2	1,02051	2,96	9,2	1,03682	6,21
1,3	1,00606	0,74	6,3	1,02091	3,01	9,3	1,03723	5,27
1,4	1,00644	0,80	5,4	1,02131	3,06	9,4	1,03765	5,33
1,5	1,00583	0,86	5,5	1,02171	3,12	9,6	1,03806	5,38
1,6	1,00622	0,91	5,6	1,02211	3,18	9,6	1,03848	5,44
1,7	1,00662	0,97	5,7	1,02252	3,23	9,7	1,03889	5,60
1,8	1,00701	1,02	5,8	1,02292	3.29	9.8	1,03931	5,55
1,9	1,00740	1,08	6,9	1,02333	3,36	9,9	1,03972	5,61
2,0	1,00779	1,14	6,0	1,02373	3,40	10,0	1,04014	5,67
2.1	1,00818	1,19	6,1	1,02413	3,46	10,1	1,04065	6,72
2,2	1,00858	1,26	6,2	1,02454	3,52	10,2	1,04097	6,78
2,3	1,00897	1,31	6,3	1,02494	3,57	10,3	1,04139	5,83
2,4	1,00936	1,36	6,4	1,02535	3,63	10,4	1,04180	5,89
2,5	1,00976	1,42	6,5	1,02675	3,69	10,6	1,04222	5,95
2,6	1,01016	1,48	6,6	1,02616	3,74	10,6	1,04264	6,00
2.7	1,01066	1,53	6,7	1,02657	3,80	10,7	1,04306	6,06
2,8	1,01094	1,69	6,8	1,02697	3,86	10,8	1,04348	6,12
2,9	1,01134	1,66	6,9	1,02738	3,91	10,9	1,04390	6,17
3,0	1,01173	1,70	7,0	1,02779	3,97	11,0	1,04431	6,23
3,1	1,01213	1,76	7,1	1,02819	4,03	11,1	1,04473	6,29
. 3,2	1,01252	1,82	7,2	1,02860	4,08	11,2	1,04616	6,34
3,3	1,01292	1,87	7,3	1,02901	4,14	11,3	1,04557	6,40
3,4	1,01332	1,93	7,4	1,02942	4,20	11,4	1,04699	6,46
3,5	1,01371	1,99	7,5	1,02983	4,26	11,5	1,04641	6,51
3,6	1,01411	2,04	7,6	1,03024	4,31	11,6	1,04683	6,57
3,7	1,01451	2,10	7,7	1,03064	4,37	11,7	1,04726	6,62
3,8	1,01491	2,16	7,8	1,03106	4,42	11,8	1,04768	6,68
3,9	1,01531	2,21	7,9	1,03146	4,48	11,9	1,04810	6,74

0 Unter „Graden BeaumS“ sind hier die neuen Grade Beaume zu verstehen, wie
sie von Mategohek uud Scheibler nach der von Gerlach aufgesteliten neuen Um-
rechnungsformol berechnet worden sind. Die ursprüngliche ümrechuungsformel von Brix
enthielt Unrichtigkeiten. Die Unterschiede zwischen alten und neuen Graden sind bei den
niederen Graden nur gering; bei den höheren Graden, etwa von 10° anfangend bis 95°,
etragen sie steigend von 0,1—1,0°, um welche die alten Grade niedriger liegen. Im Handel
wird noch vielfach an den alten Graden festgehalten.
        <pb n="1038" />
        ﻿Tab. XIV. Spezifisches Gewicht, Grade Brix und Grade Beauine.

1019

Gewichts- prozente . Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaumd	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaume	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewdcht	Grade Beaume
12,0	1,04862	6,79	17,0	1,07002	9,61	22,0	1,09231	12,40
12,1	1,04894	6,85	17.1	1,07046	9,66	22,1	1,09276	12,46
12 2	1,04937	6,91	17,2	1,07090	9,72	22,2	1,09321	12,52
12,3	1,04979	6,96	17,3	1,07133	9,77	22,3	1,09367	12,57
12,4	1,05021	7,02	17,4	1,07177	9,83	22,4	1,09412	12,63
12,5	1,06064	7,08	17,5	1,07221	9,89	22,5	1,09458	12,68
12,6	1,05106	7,13	17,6	1,07265	9,94	22,6	1,09503	12,74
12,7	1,05149	7,19	17,7	1,07309	10,00	22,7	1,09549	12.80
12,8	1,06191	7,24	17,8	1,07368	10,06	22,8	1,09595	12,85
12,9	1,05233	7,30	17,9	1,07397	10,11	22,9	1,09640	12,91
13,0	1,05276	7,36	18,0	1,07441	10,17	23,0	1,09686	12,96
13,1	1,06318	7,41	18,1	1,07486	10,22	23,1	1,09732	13,02
13,2	1,05361	7,47	18,2	1,07630	10,28	23,2	1,09777	13,07
13,3	1,05404	7,53	18,3	1,07674	10,33	23,3	1,09823	13,13
13,4	1,06446	7,58	18,4	1,07618	10,39	23,4	1,09869	13,19
13,5	1,06489c	7,64	18,6	1,07662	10,46	23,5	1,09916	13,24
13,6	1,06632	7,69	18,6	1,07706	10,60	23,6	1,09961	13,30
13,7	1,05574	7,75	18,7	1,07761	10,56	23,7	1,10007	13,35
13,8	1,05617	7,81	18,8	1,07795	10,62	23,8	1,10063	13,41
13,9	1,06660	7,86	18,9	1,07839	10,67	23,9	1,10099	13,46
14,0	1,05703	7,92	19,0	1,07884	10,73	24,0	1,10146	13,52
14,1	1,06746	7,98	19,1	1,07928	10,78	24,1	1,10191	13,58
14,2	1,06789	8,03	19,2	1,07973	10,84	24,2	1,10237	13,63
14,3 '	1,05831	8,09	19,3	1,08017	10,90	24,3	1,10283	13,69
14,4	1,06874	8,14	19,4	1,08062	10,95	24,4	1,10329	13,74
14,5	1,05917	8,20	19,5	1,08106	11,01	24,5	1,10376	13.80
14,6	1,05960	8,26	19,6	1,08161	11,06	24,6	1,10421	13,85
14,7	1,06003	8,31	19,7	1,08196	11.12	24,7	1,10468	13.91
14,8	1,06047	8,37	19,8	1,08240	11,18	24,8	1,10514	13,96
14,9	1,06090	8,43	19,9	1,08285	11,27	24,9	1,10560	14,02
15,0	1,06133	8,48	20,0	1,08329	11,29	26,0	1,10607	14,08
15,1	1,06176	8,54	20,1	1,08374	11,34	25,1	1,10653	14.13
15,2	1,06219	8,69	20,2	1,08419	11,40	25,2	1,10700	14,19
16,3	1,06262	8,65	20,3	1,08464	11,46	25,3	1,10746	14,24
16,4	1,06306	8,71	20,4	1,08609	11,51	25,4	1,10793	14,30
15,5	1,06349 '	8,76	20,5	1,08553	11,67	25,6	1,10839	14,35
15,6	1,06392	8,82	20,6	1,08699	11,62	26,6	1,10886	14,41
15,7	1,06436	8,88	20,7	1,08643	11,68	26,7	1,10932	14,47
16,8	1,06479	8,93	20,8	1,08688	11,73	26,8	1,10979	14,52
16,9	1,06522	8,99	20,9	1,08733	11,79	25,9	1,11026	14,68
16,0	1,06666	9,04	21,0	1,08778	11,85	26,0	1,11072	14,63
16,1	1,06609	9,10	21,1	1,08824	11,90	26,1	1,11119	14,69
16,2	1,06653	9,16	21,2	1,08869	11,96	26,2	1,11166	14,74
16,3	1,06696	9,21	21,3	1,08914	12,01	26,3	1,11213	14,80
16,4	1,06740	9,27	21,4	1,08969	12,07	26,4	1,11269	14,85
16,6	1,06783	9,33	21,5	1,09004	12,13	26,5	1,11306	14,91
16,6	1,06827	9,38	21,6	1,09049	12,18	26,6	1,11363	14,97
16,7	1,06871	9,44	21,7	1,09096	12,24	26,7	1,11400	15.02
16,8	1,06914	9,49	21,8	1,09140	12,29	26,8	1,11447	15,08
16,9	1,06958	9,65	21,9	1,09185	12,35	26,9	1,11494	15,13
        <pb n="1039" />
        ﻿1020

Tab. XIV. Spezifisches Gewicht, Grade Brix und Grade Beaum6.

Gewichts- prozente Zucker uach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaume	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaume	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaume
27,0	1,11541	15,19	32,0	1,13934	17,95	37,0	1,16413	20,70
27.1	1,11588	15.24	32,1	1,13983	18,01	37,1	1,16464	20,75
27,2	1,11635	15,30	32,2	1,14032	18,06	37,2	1,16514	20,80
27,3	1,11682	16,35	32,3	1,14081	18,12	37,3	1,16565	20,86
27,4	1,11729	15,41	32,4	1,14129	18,17	37,4	1,16616	20,91
27,5	1,11776	16,46	32,5	1,14178	18,23	37,5	1,16666	20,97
27,6	1,11824	15.52	32,6	1,14227	18,28	37,6	1,16717	21,02
27,7	1,11871	15,58	32,7	1,14276	18,34	37.7	1,16768	21,08
27,8	1,11918	15,63	32,8	1,14325	18,39	37,8	1,16818	21,13
27,9	1,11966	15,69	32,9	1,14374	18,45	37,9	1,16869	21,19
28,0	1,12013	15,74	33,0	1,14423	18,50	38,0	1,16920	21,24
28,1	1,12060	15,80	33,1	1,14472	18.56	38,1	1,16971	21.30
28,2	1,12107	15,85	33,2	1,14521	18,61	38,2	1,17022	21,35
28,3	1,12155	15,91	33,3	1,14570	18,67	38,3	1,17072	21,40
28,4	1,12202	15,96	33,4	1,14620	18,72	38,4	1,17122	21,46
28,5	1,12250	16,02	33,6	1,14669	18,78	38,5	1,17174	21,51
28,6	1,12297	16,07	33,6	1,14718	18,83	38,6	1,17225	21,57
28,7	1,12345	16,13	33,7	1,14767	18,89	38,7	1,17276	21,62
28,8	1,12393	16,18	33,8	1,14817	18,94	38,8	1,17327	21,68
28,9	1,12440	16,24	33,9	1,14866	19,00	38,9	1,17379	21,73
29,0	1,12488	16,30	34,0	1,14915	19,06	39,0	1,17430	21,79
29,1	1,12536	16,35	34,1	1,14965	19,11	39,1	1,17481	21,84
29,2	1,12683	16,41	34,2	1,15014	19,16	39,2	1,17532	21,90
29,3	1,12631	16,46	34,3	1,15064	19,22	39,3	1,17583	21,95
29,4	1,12679	16,52	34,4	1,15113	19,27	39,4	1,17635	22,00
29,5	1,12727	16.57	34,6	1.15163	19.33	39,5	1,17686	22,06
29,6	1,12775	16,63	34,6	1,15213	19,38	39,6	1,17737	22,11
29,7	1,12823	16,68	34,7	1,15262	19,44	39,7	1,17789	22,17
29.8	1,12871	16,74	34,8	1,15312	19,49	39,8	1,17840	22,22
29,9	1,12919	16,79	34,9	1,15362	19,55	39,9	1,17892	22,28
30,0	1,12967	16,85	35,0	1,15411	19,60	40,0	1,17943	22,33
30,1	1,13016	16,90	36.1	1,15461	19,66	40,1	1,17995	22,38
30,2	1,13063	16,96	35,2	1,16511	19.71	40,2	1,18046	22,44
30,3	1,13111	17,01	3o,3	1,15561	19,76	40,3	1,18098	22,49
30,4	1,13159	17,07	35,4	1.15611	19,82	40,4	1,18150	22,55
30,6	1,13207	17,12	35,5	1,16661	19,87	40,5	1.18201	22,60
30,6	1,13256	17,18	35,6	1,15710	19,93	40,6	1,18253	22,66
30,7	1,13304	17,23	35,7	1,15760	19,98	40,7	1,18306	22,71
30,8	1,13352	17,29	35,8	1,16810	20,04	40.8	1,18357	22,77
30,9	1,13400	17,35	35,9	1,15861	20,09	40,9	1,18408	22,82
31,0	1,13449	17,40	36,0	1,15911	20,16	41,0	1,18460	22,87
31,1	1,13497	17,46	36,1	1,15981	20,20	41,1	1,18512	22,93
31,2	1,13645	17,51	36,2	1,16011	20,26	41.2	1,18564	22,98
31,3	1,13594	17,57	36,3	1,16061	20,31	41,3	1,18616	23,04
31,4	1,13642	17,62	36,4	1.16111	20,37	41,4	1,18668	23,09
31,5	1,13691	17.68	36,5	1,16162	20,42	41,5	1,18720	23,15
31,6	1,13740	17,73	36.6	1,16212	20,48	41,6	1,18772	23,20
31,7	1,13788	17,79	36,7	1,16262	20,53	41,7	1,18824	23,25
31.8	1,13837	17,84	36,8	1.16313	20,59	41,8	1,18887	23,31
31,9	1,13885	17,90	36,9	1,16363	20,64	41,9	1,18929	23,36
        <pb n="1040" />
        ﻿Tab. XIVv Spezifisches Gewicht, Grade Brix und Grade Beaume.

1021

Gewichts-		'&lt;D	Gewichts-
Prozente	Spezi-	B  0	Prozente
Zucker		c3  &lt;V	Zucker
nach	fisches	m	nach
Balling	Gewicht	&lt;x&gt;	Balling
oder Grade		cö	oder Grade
Brix		o	Brix

	'CD	Gewichts-	
Spezi-	B  cö	Prozente  Zucker	Spezi-
fisches	pq	nach	fisches
Gewicht	&lt;v  o3	Balling oder Grade	Gewicht
	o	Brix	

‘tU

a



o

42,0

42.1

42.2

42.3

42.4

42.5

42.6

42.7

42.8

42.9

1,18981

1,19033

1,19086

1,19138

1,19190

1,19243

1,19296

1,19348

1,19400

1,19453

23,42

23,47

23,52

23,58

23,63

23,69

23,74

23,79

23,85

23,90

47,0

47.1

47.2

47.3

47.4

47.5

47.6

47.7

47.8

47.9

1,21639

1,21693

1,21747

1,21802

1,21856

1,21910

1,21964

1,22019

1,22073

1,22127

26,11

26,17

26.22

26,27

26,33

26,38

26,43

26.49

26,64

26,59

52,0

52.1

52.2

52.3

52.4

52.5

52.6

52.7

52.8

52.9

1,24390

1,24446

1,24602

1,24558

1,24614

1,24670

1,24726

1,24782

1^24839

1.24895

28.78

28,83

28,89

28,94

28,99

29,05

29,10

29.15

29,20

29,26

43,0

43.1

43.2

43.3

43.4

43.5

43.6

43.7

43.8

43.9

1,19505

1,19558

1,19611

1,19669

1,19716

1,19769

1,19822

1,19875

1,19927

1,19980

23,96

24,01

24,07

24,12

24,17

24,23

24.28

24.34

24^39

24,44

48,0

48.1

48.2

48.3

48.4

48.5

48.6

48.7

48.8

48.9

1,22182

1,22236

1,22291

1.22345

1*22400

1,22455

1,22609

1,22564

1,22619

1,22673

26,65

26,70

26,75

26,81

26,86

26,92

26,97

27.02

27,08

27,13

53,0

53.1

53.2

53.3

53.4

63.5

53.6

63.7

53.8

53.9

1,24951

1.25008

1,25064

1,25120

1,25177

1,26233

1.25290

1,25347

1,25403

1,25460

29,31

29,36

29,42

29,47

29,52

29,57

29,63

29,68

29,73

29,79

44,0

44.1

44.2

44.3

44.4

44.5

44.6

44.7

44.8

44.9

1,20033

1,20086

1,20139

1,20192

1,20245

1,20299

1,20362

1,20405

1,20458

1,20612

24,50

24,55

24,61

24,66

24,71

24,77

24,82

24,88

24,93

24,98

49,0

49.1

49.2

49.3

49.4

49.5

49.6

49.7

49.8

49.9

1,22728

1,22783

1,22838

1,22893

1,22948

1,23003

1^23058

1,23113

1,23168

1,23223

27.18

27^24

27,29

27,34

27,40

27,45

27,50

27,56

27,61

27,66

54,0

54.1

54.2

54.3

64.4

64.5

64.6

54.7

54.8

64.9

1,25517

1,25573

1,26630

1,26687

1,26744

1,25801

1,25857

1,25914

1,26971

1,26028

29,84

29,89

29.94

30,00

30,05

30,10

30,16

30,21

30,26

30,31

45,0

45.1

45.2

45.3

45.4

45.5

45.6

46.7

45.8

45.9

1,20565

1,20618

1,20672

1,20725

1,20779

1,20832

1,20886

1,20939

1,20993

1,21046

25,04

25,09

25,14

25,20

25,25

25,31

25,36

25.41

25,47

26,62

50,0

50.1

60.2

50.3

50.4
50,6

50.6

50.7

50.8

50.9

1,23278

1,23334

1,23389

1,23444

1,23499

1,23565

1,23610

1,23666

1,23721

1.23777

27,72

27,77

27,82

27,88

27.93

27,98

28,04

28,09

28,14

28.20

65,0

55.1

65.2

65.3

55.4
55,6

55.6

55.7

55.8

55.9

1,26086

1,26143

1,26200

1,26257

1,26314

1,26372

1,26429

1,26486

1,26644

1*26601

30.37

30,42

30,47

30,63

30,68

30,63

30,68

30,74

30,79

30,84

46,0

46.1

46.2

46.3

46.4

46.5

46.6

46.7

46.8

46.9

1,21100

1,21154

1,21208

1,21261

1,21315

1,21369

1,21423

1,21477

1,21531

1,21585

25.67
25,63

25.68
25,74
25,79
25,84
25,90
25,95
26,00
26,06

51,0

51.1

51.2

51.3

51.4

51.5

51.6

51.7

51.8

51.9

1,23832

1,23888

1,23943

1,23999

1,24055

1,24111

1,24166

1,24222

1,24278

1,24334

28,25

28,30

28,36

28,41

28,46

28,51

28,67

28,62

28,67

28,73

56,0

56.1

56.2

56.3

56.4

66,6

56.6

56.7
56*8
56,9

1,26658
1,26716
1,26773
1,26831
1,26889
1,26946
1,27004
1,27062
1,27120
1,27177

30,89

30,95

31,00

31,05

31,10

31,16

31,21

31,26

31,31

31,37
        <pb n="1041" />
        ﻿1022

Tab. XIV. Spezifisches Gewicht, Grade Brix und Grade Beauine.

Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beauine	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaume	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaume
57,0	3,27235	31,42	62,0	1,30177	34,03	67,0	1,33217	36,60
57,1	1,27293	31,47	62,1	1,30237	34,08	67,1	1,33278	36,65
57,2	1,27351	31,52	62,2	1,30297	34,13	67,2	1,33340	36,70
57,3	1,27409	31,58	62,3	1,30356	34,18	67,3	1,33402	36,75
57,4	1,27467	31,63	62,4	1,30416	34,23	67.4	1,33464	36,80
57,5	1,27525	31,68	62,5	1,30476	34,28	67,6	1,33526	36,85
57,6	1,27583	31,73	62,6	1,30536	34,34	67,6	1,33588	36,90
57,7	1,27641	31,79	62,7	1,30596	34,39	67,7	1,33650	36,96
57,8	1,27699	31,84	62,8	1,30657	34,44	67,8	1,33712	37,01
57,9	1,27758	31,89	62,9	1,30717	34,49	67,9	1,33744	37,06
58,0	1,27816	31,94	63,0	1,30777	34,64	68,0	1,33836	37,11
58,1	1,27874	32,00	63,1	1,30837	34,69	68,1	1,33899	37,16
58,2	1,27932	32,05	63,2	1,30897	34,65	68,2	1,33961	37,21
58,3	1,27991	32.10	63,3	1,30958	34,70	68,3	1,34023	37,26
58,4	1,28049	32,15	63.4	1,31018	34,76	68,4	1,34085	37,31
58,5	1,28107	32,20	63,5	1,31078	34.80	68,5	1,34148	37,36
58,6	1,28166	32,26	63,6	1,31139	34,85	68,6	1,34210	37,41
58,7	1,28224	32,31	63,7	1,31199	34,90	68,7	1,34273	37,47
58,8	1,28283	32.36	63,8	1,31260	34,96	68,8	1,34335	37.52
58,9	1,28342	32,41	63,9	1,31320	35,01	68,9	1,34398	37,67
59,0	1,28400	32,42	64,0	1,31381	35,06	69,0	1,34460	37,62
59,1	1,28459	32,52	64,1	1,31442	36,11	69,1	1,34523	37,67
59,2	1,28618	32,57	64,2	1,31502	36,16	69,2	1,34686	37,72
öy,3	1,28576	32,62	64,3	1,31563	35,21	69,3	1,34648	37,77
59,4	1,28635	32,67	64,4	1,31624	35.27	69,4	1,34711	37,82
59,5	1,28694	32,73	64,5	1,31684	35,32	69,5	1,34774	37,87
59,6	1,28753	32,78	64,6	1,31746	35,37	69,6	1,34836	37,92
59,7	1,28812	32,83	64,7	1,31806	35.42	69,7	1,34899	37,97
59,8	1,28871	32,88	64.8	1.31867	35,47	69,8	1,34962	38,02
59,9	1,28930	32,93	64,9	1,31928	35,62	69,9	1,35026	38,07
60,0	1,28989	32,99	65,0	1,31989	35,67	70,0	1,35088	38,12
60,1	1,29048	33,04	65,1	1,32050	35,63	70,1	1,35155	38,18
60, &lt;3	1,29107	33,09	65,2	1,32111	35,68	70,2	1,35214	38,23
60,3	1,29166	33,14	65,3	1,32172	35,73	70,3	1,35277	38,28
60,4	1,29225	33,20	65,4	1,32233	35,78	70,4	1,36340	38,33
60,5	1,29284	33,25	65,5	1,32294	35,83	70,5	1,36403	38,38
60,6	1,29343	33,30	65.6	1,32355	35.88	70,6	1,36466	38,43
60,7	1.29403	33,35	65,7	1,32417	36,93	70,7	1,36530	38,48
60,8	1,29462	33,40	65,8	1,32478	35,98	70,8	1,35593	38,53
60,9	1,29521	33,46	65,9	1,32539	36,04	70,9	1,35656	38,58
61,0	1,29581	33,51	66,0	1.32601	36,09	71,0	1,35720	38,63
61,1	1,29646	33,56	66,1	1,32662	36,14	71,1	1.35783	38,68
61,2	1,29700	33,61	66,2	1,32724	36,19	71,2	1,36847	38'73
61,3	1,29769	33,66	66,3	1,32785	36,24	71,3	1,36910	38,78
61,4	1,29819	33,71	66,4	1,32847	36,29	71,4	1,35974	38,83
61,5	1,29878	33,77	66,5	1,32908	36,34	71,5	1,36037	38^88
61,b	1,29938	33,82	66,6	1,32970	36,39	71,6	1.36101	38*93
61,7	1,29998	33,87	66,7	1,33031	36,45	71,7	1,36164	38,98
61,8	1,30057	33,92	66,8	1,33093	36,50	71,8	1,36228	39*03
61,9	1,30117	33,97	66,9	1,33156	36,55	71,9	1,36292	39,08
        <pb n="1042" />
        ﻿Tab. XIV. Spezifisches Gewicht, Grade Brix und Grade Beaume.

1023

Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaumd	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaume	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaumd
72,0	1,36365	39,13	77,0	1,39595	41,63	82,0	1,42934	44,09
72,1	1,36419	39,19	77,1	1,39660	41,68	82,1	1,43002	44,14
72,2	1,36483	39,24	77,2	1,39726	41,73	82,2	1,43070	44,19
72,3	1,36647	39,29	77,3	1,39792	41,78	82,3	1,43137	44,24
72,4	1,36611	36,34	77,4	1,39858	41,83	82,4	1,43205	44,28
72,5	1,36675	39,39	77,6	1,39924	41,88	82,5	1,43273	44,33
72,6	1.36739	39,44	77.6	1,39990	41,93	82,6	1,43341	44,38
72,7	1,36803	39,49	77,7	1,40056	41,98	82,7	1,43409	44,43
72,8	1,36867	39,54	77,8	1,40122	42,03	82,8	1,43478	44,48
72,9	1,36931	39,59	77,9	1,40188	42,08	82,9	1,43546	44,53
73,0	1,36995	39,64	78,0	1,40254	42,13	83,0	1,43614	44,58
73,1	1,37059	39,69	78,1	1,40321	42,18	83,1	1,43682	44,62
73,2	1,37124	39,74	78,2	1,40387	42,23	83,2	1,43760	44,67
73,3	1,37188	39,79	78,3	1,40453	42,28	83,3	1.43819	44,72
73,4	1,37252	39,84	78,4	1,40520	42.32	83,4	1,43887	44,77
73,5	1,37317	39,89	78,6	1,40586.	42,37	83,5	1,43965	44,82
73,6	1,37381	39,94	78,6	1,40652	42,42	83,6	1.44024	44.87
73,7	1,37446	39,99	78,7	1.40719	42,47	83,7	1,44092	44,91
73,8	1,37510	40,04	78,8	1,40785	42,52	83,8	1,44161	44.96
73,9	1,37575	40,09	78,9	1,40862	42,57	83,9	1,44229	45,01
74,0	1,37639	40,14	79,0	1,40918	42,62	84,0	1,44298	45,06
74,1	1,37704	40,19	79.1	1,40985	42,67	84,1	1,44367	45,11
74,2	1,37768	40,24	79,2	1,41052	42,72	84,2	1,44435	46,16
74,3	1,37833	40,29	79,3	1,41118	42,77	84,3	1,44504	45,21
74,4	1,37898	40,34	79,4	1,41185	42,82	84,4	1,44673	46,25
74,5	1,37962	40.39	79,5	1,41252	42,87	84,5	1,44641	45,30
74,6	1,38027	40,44	79,6	1,41318	42,92	84,6	1,44710	45,35
74,7	1,38092	40.49	79,7	1,41385	42,96	84,7	1,44779	45,40
74,8	1,38157	40,54	79,8	1,41452	43,01	84.8	1.44848	45,45
■74,9	1,38222	40,59	79,9	1.41519	43,06	84,9	1,44917	45,49
76,0	1,38287	40,64	80,0	1,41686	43,11	85,0	1,44986	45,54
75,1	1,38352	40,69	80,1	1,41653	43,16	85,1	1,45055	45,59
75,2	1,38417	40,74	80,2	1,41720	43,21	85,2	1,46124	45,64
76,3	1,38482	40,79	80,3	1,41787	43,26	86,3	1,45193	45,69
75,4	1,38547	40,84	80,4	1,41854	43,31	85,4	1,45262	46,74
75,5	1,38612	40,89	80,6	1,41921	43,36	85,5	1,45331	46,78
75,6	1,38677	40,94	80,6	1,41989	43,41	85,6	1,45401	45,83
75,7	1.38743	40,99	80,7	1,42056	43,45	85,7	1,45470	45,88
75,8	1,38808	41,04	80,8	1,42123	43,50	85,8	1,45539	45,93
75,9	1,38873	41,09	80,9	1,42190	43,55	85,9	1,45609	45,98
76,0	1,38939	41,14	81,0	1,42258	43,60	86,0	1,45678	46,02
76,1	1,39004	41,19	81,1	1,42325	43,65	86,1	1,45748	46,07
76,2	1,39070	41,24	81,2	1,42393	43,70	86,2	1,45817	46,12
76,3	1,39135	41,29	81,3	1,42460	43,75	86,3	1,45887	46,17
76,4	1,39201	41,33	81,4	1,42528	43,80	86,4	1,45956	46,22
76,5	1,39266	41,38	81,6	1,42596	43,85	86,5	1,46026	46,26
76,6	1.39332	41,43	81,6	1,42663	43,89	86,6	1,46095	46,31
76,7	1,39397	41,48	81,7	1,42731	43,94	86,7	1,46165	46,36
76,8	1,39463	41,53	81,8	1,42798	43,99	86,8	1,46235	46,41
76,9	1.39529	41,68	81,9	1,42866	44,04	86,9	1,46304	46,46
        <pb n="1043" />
        ﻿1024

Tab. XIV. Spezifisches Gewicht, Grade Brix und Grade Beaume.

Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	Grade Beaume jj	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	'03  B  p  c3  03  «  03  *■0  o3  6	Gewichts- prozente Zucker nach Balling oder Grade Brix	Spezi-  fisches  Gewicht	'03  g  Oj  03  PQ  03  rC  ci  f-i
87,0	1,46374	46,50	92,0	1,49915	48,87	97,0	1,63550	51,19
87,1	1,46444	46,55	4)2.1	1,49987	48,92	97,1	1,63624	51.24
87,2	1,46614	46,60	92,2	1,50058	48.96	97.2	1.53698	51,28
87,3	1,46584	46,65	92,3	1,50130	49.01	97,3	1,53772	51,33
87.4	1,46654	46,69	92,4	1,50202	49,06	97,4	1,53846	51,38
87,5	1,46724	46,74	92,5	1,50274	49,11	97.5	1,53920	51,42
87,6	1,46794	46,79	92,6	1,50346	49,15	97,6	1,53994	51.47
87,7	1,46864	46,84	92,7	1,50419	49,20	97,7	1,54068	51,51
87.8	1.46934	46.88	92,8	1.50491	49,25	97,8	1,54142	51,56
87,9	1,47004	46,93	92,9	1,50563	49,29	97,9	1,54216	51,60
. 88,0	1,47074	46,98	93.0	1,50633	49,34	98,0	1,64290	51,65
88,1	1,47145	47,03	93,1	1.50707	49,39	98,1	1,64365	51,70
88,2	1,47215	47,08	93,2	1,50779	49,43	98,2	1,64440	51,74
88,3	1,47285	47,12	93,3	1,60852	49,48	98,3	1,54615	51,79
88,4	1,47356	47.17	93,4	1,50924	49,53	98,4	1,54590	51,83
88.5	1,47426	47,22	93,5	1,50996	49,57	98,5	1,64665	51,88
88,6	1,47496	47,27	93,6	1,61069	49.62	98,6	1,54740	51,92
88,7	1,47567	47,31	93,7	1,51141	49,67	98,7	1,54815	51,97
88,8	1,47637	47,36	93,8	1,51214	49.71	98,8 .	1,54890	52,01
88,9	1,47708	47,41	93,9	1,51286	49,76	98,9	1,54965	52,06
89,0	1,47778	47,46	94,0	1,61359	49,81	99,0	1,55040	52.11
89.1	1,47849	47,50	94,1	1,51431	49.86	99,1	1,66115	52,15
89,2	1,47920	47,55	94,2	1,51504	49,90	99,2	1,55189	52,20
89,3	1,47991	47,60	94,3	1,51677	49,94	99,3	1,65264	62,24
89,4	1,48061	47,65	94,4	1,51649	49,99	99,4	1,65338	52,29
89,5	1,48132	47,69	94,5	1,61722	60,04	99,5	1,56413	52,33
89,6	1,48203	47,74	94,6	1,61795	50,08	99,6	1,65487	52,38
89,7	1,48274	47,79	94,7	1,51868	50,13	99,7	1,55562	62.42
89,8	1,48345	47,83	94,8	1,51941	50,18	99,8	1,55636	52,47
8y,y	1,48416	47,88	94,9	1,62014	50,22	99,9	1,55711	52,61
90,0	1,48486	47,93	95,0	1,62087	50,27	100,0	1,66785	62,66
90,1	1,48558	47,98	95,1	1,52159	50.32			
90,2	1.48629	48,02	95,2	1,62232	50,36			
90,3	1,48700	48,07	95,3	1,52304	50,41			
90,4	1,48771	48,12	95,4	1,52376	50,45			
90,5	1,48842	48,17	96,5	1,62449	50,50			
90,6	1,48913	48,21	95,6	1,52521	50,55			
90,7	1,48985	48,26	95,7	1,62593	50,59			
90,8	1,49056	48,31	95,8	1,52665	50,64			
90,9	1,49127	48,35	95,9	1,52738	60,69			
91,0	1,49199	48,40	96,0	1,52810	50,73			
91,1	1,49270	48,45	96,1	1,62884	50,78			
91,2	1,49342	48,60	96.2	1,52958	50,82			
91,3	1,49413	48,54	96,3	1,53032	60,87			
91,4	1,49485	48,59	96,4	1,53106	50,92			
91,5	1,49656	48,64	96,5	1,53180	50,96			
91,6	1,49628	48,68	96.6	1,53254	51,01			
.91,7	1,49700	48,73	96,7	1,53328	51,05			
91 ,B	1,49771	48,78	96,8	1,53402	5l|l0			
91,9	1,49843	48.82	96,9	1,53476	51,15
        <pb n="1044" />
        ﻿Tab. XY. Extrakt-Tabelle nach Schulze-Ostermann.

1025

Tabelle XV,

Ermittelung des Extraktgehaltes klarer Dekoktions- und Infusions würzen
und entalkoholter Bierextraktlösungen nach Schulze-Ostermann.1)

Wenn 1 ccm titrimetr. klare Würze bei  15° wiegt	so ist der Extrakt- gehalt in		Wenn 1 ccm titrimetr. klare Würze bei  15° wiegt	so ist der Extrakt- gehalt in		Wenn 1 ccm titrimetr.  klare Würze bei  15° wiegt	so ist der Ertrakt- gehalt in		Wenn 1 com titrimetr.  klare Würze bei  15° wiegt	so ist der  Extrakt- gehalt in	
	100 g	100 ccm		100 g	100 ccm		100 g	100 ccm		100 g	100 ccm
	dieser Würze			dieser Würze			dieser Würze			dieser Würze	
g	g	g	g	g	g	g	g	g	g	g	g
1.0000	0,00	0,00	1,0030	0,79	0.79	1,0060	1,56	1,57	1,0090	2,33	2,35
1,0001	0,03	0,03	1,0031	0,81	0.81	1,0061	1,59	1,60	1,0091	2,36	2,37
1,0002	0,05	0,05	1,0032	0,84	0,84	1,0062	1,62	1,63	1,0092	2,38	2,40
1,0003	0,08	0,08	1,0033	0,87	0,87	1,0063	1,64	1.65	1,0093	2,41	2,43
1,0004	0,10	0,10	1,0034	0,89	0,89	1,0064	1,67	1,68	1,0094	2,43	2,45
1,0005	0,13	0,13	1,0036	0,92	0,92	1,0065	1,69	1,70	1,0095	2,46	2,48
1,0006	0,16	0,16	1,0036	0,94	0,94	1,0066	1,72	1,73	1,0096	2,48	2,50
1,0007	0,18	0,18	1,0037	0,97	0,97	1,0067	1,74	1,75	1,0097	2,51	2,53
1,0008	0,21	0,21	1,0038	1,00	1,00	1,0068	1,77	1,78	1,0098	2,53	2,55
1,0009	0,24	0,24	1,0039	1,02	1,02	1,0069	1,79	1,80	1,0099	2,56	2,59
1,0010	0,26	0,26	1,0040	1,05	1,05	1,0070	1,82	1,83	1,0100	2,58	2,61
1,0011	0,29	0,29	1,0041	1,08	1,08	1,0071	1,84	1,85	1,0101	2,61	2,64
1,0012	0,31	0.31	1,0042	1,10	1,10	1.0072	1,87	1,88	1,0102	2,64	2,67
1,0013	0,34	0,34	1,0043	1,13	1,13	1,0073	1,90	1,91	1,0103	2,66	2,69
1,0014	0,37	0,37	1,0044	1,15	1,16	1,0074	1,92	1,93	1,0104	2,69	2,72
1,0015	0,39	0,39	1,0045	1,18	1,19	1,0075	1,95	1,96	1,0106	2,71	2,74
1,0016	0,42	0,42	1,0046	1,21	1,22	1,0076	1,97	1,98	1,0106	2,74	2,77
1,0017	0,45	0,45	1,0047	1,23	1,24	1.0077	2,00	2,02	1,0107	2,76	2,79
1.0018	0,47	0,47	1,0048	1,26	1,27	1,0078	2,02	2,04	1,0108	2,79	2,82
1,0019	0,50	0,60	1,0049	1,29	1,30	1,0079	2,06	2,07	1,0109	2,82	2,85
1,0020	0,52	0,52	1,0050	1,31	1,32	1,0080	2,07	2,09	1,0110	2,84	2,87
1,0021	0,55	0,55	1,0051	1,34	1,35	1,0081	2,10	2,12	1,0111	2,87	2.90
1,0022	0jö8	0,58	1,0052	1,36	1,37	1,0082	2,12	2.14	1,0112	2,89	2,92
1.0023	0,60	0,60	1,0053	1,39	1,40	1,0083	2,15	2,17	1,0113	2,92	2,95
1,0024	0,63	0,63	1,0054	1,41	1,42	1,0084	2,17	2,19	1,0114	2,94	2,97
1,0025	0,66	0,66	1,0055	1,44	1,45	1,0085	2,20	2,22	1,0115	2,97	3,00
1,0026	0,68	0.68	1,0056	1,46	1,47	1,0086	2,23	2,25	1,0116	2,99	3,02
1,0027	0,71	0.71	1.0057	1,49	1,50	1,0087	2,26	2,27	1,0117	3,02	3,06
1,0028	0,73	0,73	1,0068	1,51	1,52	1,0088	2,28	2,30	1,0118	3,05	3.09
1.0029	0,76	0,76	1,0059	1,54	1,55	1,0089	2,30	2,32	1,0119	3,07	3,11

*) Diese Tabelle ist nach Trockensubstanz-Bestimmungen bei nur 70—75° und gewöhnlichem
Luftdruck ermittelt, unter welchen Verhältnissen, wie II. Ellion anglht, die Maltose nicht ihr Mole-
kül-Kristallwasser abgibt. Die Zahlen drücken daher nicht „Trockensubstanz“ aus. H. Ellion hat
eine Tabelle berechnet, welche den wirklichen Trookenextrakt (bei 97° im Vakuum) angibt (vergl.
Zeltschr. f, angew. Chemie 1890, 294). Da letztere Tabelle bis jetzt wenig Anwendung gefunden hat
so habe ich sie nicht wieder aufgeuommen.

Landwirtschaftliche Steife, 8. Auflage.

65
        <pb n="1045" />
        ﻿1026

Tab. XV. Extrakt-Tabelle nach Schulze-Ostermann.

Wenn 1 ccm titrimetr. klare Würze bei  15° wiegt	so ist der Extrakt- gehalt in	
	100 g	100 ccm
	dieser Würze	
8	g	g
1,0120	3,10	3,14
1,0121	3,12	3,16
1,0122	3.15	3,19
1,0123	3,17	3,21
1,0124	3,20	3,24
1,0125	3.23	3,27
1,0126	3.25	3,29
1,0127	3,28	3,32
1,0128	3,30	3,34
1,0129	3,33	3,37
1,0130	3,35	3,39
1,0131	3,38	3.42
1,0132	3,41	3,46
1,0133	3,43	3,48
1,0134	3,46	3,51
1,0135	3,48	3,53
1,0136	3,51	3,56
1,0137	3,54	3,59
1,0138	3,56	3,61
1,0139	3,59	3,64
1,0140	3,61	3,66
1.0141	3,64	3,69
1,0142	3,66	3,71
1,0143	3,69	3,74
1,0144	3,72	3,77
1.0145	3,74	3,79
1,0146	3,77	3.83
1,0147	3,79	3,85
1,0148	3,82	3,88
1,0149	3,85	3,91
1,0150	3.87	3,93
1,0161	3,90	3,96
1,0152	3,92	3,98
1,0153	3.95	4,01
1,0154	3,97	4,03
1,0165	4,00	4,06
1,0156	4,03	4,09
1,0157	4,05	4,11
1.0168	4.08	4,14
1,0159	4,10	4,17
1,0160	4.13	4,20
1,0161	4,16	4,23
1.0162	4,18	4,25
1,0163	4,21	4,28
1,0164	4,23	4,30

fH  •4-3  &lt;D	so ist der		t-I	so ist der			so ist der	
B 'S	Extrakt-		T- rC	Extrakt-		B ‘53	Extrakt-	
-t-s  •r| g ÖD  s.s	gehalt in		■S s "Sb ~ s.s	gehalt in		.tä &lt;V 'S)  S.S	gehalt in	
g? &amp;			a? £			ag s		
	100 g	100 ccm		100 g	100 ccm	O  O	100 g	100 ccm
y—j O ‘O			H			^ £ S		
			ojg					
	dieser Würze			dieser Würze			dieser Würze	
£			£			fä		
g	g	g	g	g	g	g	g	g
1,0165	4,26	4,33	1,0210	5,45	5,56	1,0256	6.58	6,75
1,0166	4,28	4,35	1,0211	6,48	5,60	1,0256	6,61	6,78
1,0167	4,31	4,38	1,0212	5,60	5,62	1,0257	6,63	6,80
1,0168	4.34	4,41	1,0213	5,53	5,65	1,0258	6,66	6,83
1,0169	4,36	4,43	1,0214	5,55	5,67	1,0269	6,69	6,86
1,0170	4,39	4.46	1,0216	5,57	6,69	1,0260	6,71	6,88
1.0171	4,42	4,50	1,0216	5,60	5,72	1,0261	6,74	6,92
1.0172	4,44	4,52	1,0217	5,62	5,74	1,0262	6,77	6,95
1.0173	4,47	4,55	1,0218	6,65	6,77	1,0263	6,80	6,98
1,0174	4,50	4,58	1,0219	6,67	5,79	1,0264	6,82	7,00
1,0175	4.53	4,61	1,0220	5,70	5,83	1,0265	6.85	7,03
1,0176	4,56	4.63	1,0221	5,72	5,85	1,0266	6^8	7,06
1,0177	4,58	4,66	1,0222	5,75	5,88	1,0267	6,91	7,09
1,0178	4,61	4,69	1,0223	6,77	6,90	1,0268	6,93	7,12
1,0179	4,63	4,71	1,0224	5,80	5,93	1,0269	6,96	7,16
1,0180	4,66	4,74	1.0225	5,82	5,95	1,0270	6,99	7,18
1,0181	4.69	4,77	1,0226	5,84	5,97	1.0271	7,01	7,20
1,0182	4,71	4,80	1,0227	5,87	6,00	1,0272	7,04	7^23
1.0183	4,74	4,83	1,0228	5,89	6,02	1,0273	7,07	7*26
1,0184	4,77	4,86	1,0229	5,92	6,06	1,0274	7,10	7^29
1,0185	4,79	4,88	1,0230	5,94	6,08	1,0275	7,12	7,32
1,U186	4,82	4,91	1,0231	5,97	6,11	1,0276	7,15	7,36
1,0187	4,85	4,94	1,0232	5,99	6,13	1,0277	7,18	7,38
1,0188	4,88	4,97	1,0233	6,02	6,16	1,0278	7,21	7,41
1,0189	4,90	4,99	1,0234	6,04	6,18	1,0279	7;23	7,43
1,0190	4,93	5,02	1,0235	6,07	6,21	1,0280	7,26	7,46
1,0191	4,96	5,05	1,0236	6,09	6,23	1,0281	7,28	7,48
1,0192	4,98	5,08	1,0237	6,11	6,25	1,0282	7,30	7,61
1,0193	5,01	5,11	1,0238	6,14	6,29	1,0283	7,33	7,54
1,0194	5,03	5,14	1,0239	6,16	6,31	1,0284	7,36	7,66
1,0195	5,06	5,16	1,0240	6.19	6,34	1,0285	7,37	7,58
1,0196	6,09	5,19	1,0241	6,21	6,36	1,0286	7,39	7,60
1,0197	5,12	5,22	1,0242	6,24	6,39	1,0287	7,42	7,63
1,0198	o, 15	5,26	1,0243	6,26	6,41	1,0288	7,44	7,65
1,0199	5,17	5,27	1,0244	6,29	6,44	1,0289	7,46	7,68
1,0200	5,20	5,30	1,0245	6,31	6,46	1,0290	7,48	7,70
1,0201	5,23	5,34	1,0246	6,34	6,50	1,0291	7,51	7,73
1.0202	6,25	5,36	1,0247	6,36	6,52	1,0292		7,76
1,0203	5,28	6,39	1,0248	6,39	6,55	1,0293	7,55	7,77
1,0204	5,30	5,41	1,0249	6,41	6,67	1,0294	7,57	7,79
1,0205	5,33	5,44	1,0250	6,44	6,60	1,0295	7,60	7,82
1,0206	6,35	5.46	1,0251	6,47	6,63	1.0296		7,85
1,0207	5,38	5,49	1,0252	6.50	6,66	1,0297	7^64	7'87
1,0208	5,40	6.51	1,0253	6,52	6,68	1,0298	7^66	7'89
1,0209	5,43	5,54	1,0254	6,55	6,72	1,0299	7’69	7^92
        <pb n="1046" />
        ﻿Tab. XV. Extrakt-Tabelle nach Schulze-Ostermann.

1027

Wenn 1 ccm titrimetr. klare Würze bei  15° wiegt	so ist der  Extrakt- gehalt in		Wenn 1 com titrimetr. klare Würze bei  15° wiegt	so ist der Extrakt- gehalt in		Wenn 1 ccm titrimetr.  klare Würze bei  15° wiegt	so ist der  Extrakt- gehalt in		Wenn 1 ccm titrimetr.  klare Würze bei  15° wiegt	so ist der Extrakt- gehalt in	
	100 g	100 ccm		100 g	100 ccm		100 g	100 ccm		100 g	100 ccm
	dieser Würze			dieser Würze			dieser Würze			dieser Würze	
g	g	S	g	g	g	§	g	g	g	g	g
1,0300	7,71	7.94	1,0345	8,80	9.10	1,0390	9,92	10,31	1,0435	11,03	11,61
1,0301	7,73	7,96	1,0346	8,83	9,14	1,0391	9,95	10,34	1,0436	11,05	11,53
1,0302	7,75	7,98	1,0347	8,86	9,17	1,0392	9.97	10,36	1.0437	11.08	11,56
1,0303	7,77	8,01	1,0348	8,88	9,19	1,0393	9,99	10,38	1,0438	11,10	11,69
1,0304	7,80	8,04	1,0349	8,91	9,22	1,0394	10,02	10,41	1,0439	11,13	11,62
1,0305	7,82	8,06	1,0350	8,94	9,25	1,0395	10,04	10,44	1,0440	11,15	11,64
1,0306	7,84	8,08	1,0351	8,97	9,28	1,0396	10,06	10,46	1,0441	11,18	11,67
1,0307	7,86	8,10	1,0352	8,99	9,31	1,0397	10,09	10,49	1,0442	11,20	11,70
1,0308	7,89	8,13	1,0353	9,02	9,34	1,0398	10.11	10,51	1,0443	11,23	11,73
1,0309	7,91	8,15	1.0354	9,05	9,37	1,0399	10,13	10,53	1,0444	11,25	11,75
1,0310	7,93	8,18	1,0355	9,07	9,39	1,0400	10,16	10,57	1,0445	11,28	11,78
1,0311	7,95	8,20	1,0356	9,10	9,42	1,0401	10,18	10,59	1,0446	11,30	11,80
1,0312	7,98	8,23	1,0357	9,13	9,46	1,0402	10,20	10,61	1,0447	11,33	11,84
1,0313	8,00	8,26	1,0368	9,15	9,48	1,0403	10,23	10,64	1,0448	11,35	11,86
1,0314	8,02	8,27	1,0359	9,18	9,51	1,0404	10.25	10,66	1,0449	11,38	11,89
1,0315	8,04	8,29	1,0360	9,21	9.54	1.0405	10,27	10,69	1.0450	11,40	11.91
1,0316	8,07	8 33	1.0361	9,24	9,57	1,0406	10,30	10,72	1,0451	11,43	11,95
1,0317	8,09	8,36	1,0362	9,26	9,60	1,0407	10,32	10,74	1,0462	11,45	11,97
1,0318	8,11	8,37	1,0363	9,29	9,63	1,0408	10,35	10,77	1,0453	11,48	12,00
1,0319	8,13	8,39	1,0364	9,31	9,65	1,0409	10,37	10,79	1,0454	11,50	12,02
1,0320	8,16	8,42	1,0365	9,34	9,68	1,0410	10,40	10,83	1,0456	11,53	12,05
1,0321	8,18	8,44	1.0366	9,36	9,70	1,0411	10,42	10,85	1,0456	11,66	12,08
1,0322	8.20	8,46	1,0367	9,38	9.72	1,0412	10,45	10,88	1,0457	11,57	12,10
1,0323	8,22	8,49	1,0368	9,41	9,76	1,0413	10,47	10,90	1,0458	11,60	12,13
1,0324	8,25	8,52	1,0369	9,43	9,78	1,0414	10,50	10.93	1,0459	11,62	12,15
1,0325	8,27	8,54	1.0370	9,45	9,80	1,0415	10,62	10,96	1,0460	11,66	12,19
1,0326	8,29	8,56	1,0371	9,48	9,83	1.0416	10,55	10,99	1,0461	11,67	12,21
L0327	8,32	8,59	1,0372	9,50	9,85	1,0417	10,57	11.01	1,0462	11,70	12,24
1,0328	8,34	8,61	1,0373	9.52	9,88	1,0418	10,60	11,04	1,0463	11,72	12,26
1,0329	8,37	8,66	1,0374	9.55	9,91	1,0419	10,62	11,06	1,0464	11,75	12,30
1,0330	8,40	8,68	1,0375	9,57	9,93	1,0420	10,65	11,10	1,0465	11,77	12,32
1,0331	8,43	8.71	1,0376	9,59	9,95	1,0421	10,67	11,12	1,0466	11,79	12,34
1,0332	8,45	8,73	1.0377	9.62	9.98	1,0422	10,70	11.15	1,0467	11,82	12,37
1,0333	8,48	8,76	1,0378	9,64	10,00	1,0423	10,72	11,17	1,0468	11.84	12,39
1,0334	8,51	8,79	1,0379	9,66	10,03	1,0424	10,75	11,21	1,0469	11,87	12,43
1.0335	8,53	8,82	1,0380	9,69	10,06	1,0425	10,77	11,23	1,0470	11,89	12,45
1,0336	8.56	8,85	1,0381	9.71	10.08	1,0426	10,80	11,26	1,0471	11,92	12,48
1,0337	8.59	8,88	1,0382	9,73	10,10	1,0427	10,82	11,28	1,0472	11,94	12,50
1,0338	8,61	8,90	1,0388	9,76	10,13	1,0428	10,85	11,31	1,0473	11,97	12,54
1,0339	8,64	8,93	1,0384	9,78	10,16	1,0429	10,88	11,35	1,0474	11,99	12,56
1,0340	8,67	8,96	1,0385	9.81	10,19	1,0430	10,90	11,37	1,0475	12.01	12,58
1,0341	8,70	9,00	1,0386	9,83	10.21	1,0431	10,93	11,40	1,0476	12,04	12,61
1,0342	8,72	9,02	1,0387	9,85	10,23	1,0432	10,96	11,42	1,0477	12,06	12,64
1,0343	8,75	9,05	1,0388	9.88	10,26	1,0433	10,98	11,46	1,0478	12,09	12,67
1,0344	8,78	9,08	1,0389	9,90	10,29	1,0434	11,00	11.48	1,0479	12.11	12,69

65*
        <pb n="1047" />
        ﻿1028

Tab. XV. Extrakt-Tabelle nach Schnlze-Ostermann.

£3 "Öj

a.s

S ö &gt;

—i o

tH

ö *

so ist der
Extrakt-
gehalt in

100 gI100cm

dieser Würze

o &gt;

a ^
&lt;d ^
&gt;

so ist der Extrakt- gehalt in		Wenn 1 ccm titrimetr.  klare Würze bei  15° wiegt	so ist der Extrakt- gehalt in		Wenn 1 ccm titrimetr.  klare Würze bei  15° wiegt	so ist der Extrakt- gehalt in	
100 g	100 ccm		100 g	100 ccm		100 g	100 rem
dieser AVürze			dieser Würze			dieser Würze	
g	g	g	g	g	g	g	s
13,24	13,94	1,0570	14,36	15,18	1,0615	15,47	16,42
13,26	13,96	1,0571	14,38	15,20	1,0616	15,49	16,44
13,29	13,99	1,0572	14,41	15,23	1,0617	15,52	16,48
13,31	14.01	1,0573	14,44	15,27	1.0618	15,54	16,50
13,34	14,05	1,0674	14,46	15,29	1.0619	15,56	16,52
13,36	14.07	1,0575	14,49	15,32	1,0620	15,58	16,55
13.38	14,09	1,0576	14.52	15,36	1.0621	15,60	16.57
13,41	14,12	1,0577	14,54	15.38	1,0622	15,63	16,60
13,43	14,15	1,0578	14,57	15,41	1.0623	15,65	16,62
13,46	14,18	1,0579	14,59	15,43	1,0624	15,67	16,64
13,48	14,20	1,0580	14,62	15,47	1,0625	15,69	16,66
13,51	14.23	1,0581	14,65	15,50	1,0626	15,72	16,70
13,53	14,26	1,0582	14,67	15,52	1,0627	15.74	16,73
13,56	14,29	1,0583	14,70	15,56	1,0628	15,76	16,75
13,58	14,31	1,0584	14,73	15,59	1,0629	15.78	16,77
13,61	14,34	1,0585	14,75	15,61	1,0630	15.80	16,80
13,63	14,37	1,0586	14,78	15,65	1.0631	15.83	16,83
13,66	14,40	1,0587	14,81	15,68	1,0632	15,85	16'85
13.68	14,42	1,0588	14,83	15,70	1,0633	15,87	1(187
13,71	14,46	1,0589	14,86	15,74	1,0634	15,89	16190
13,73	14.48	1,0690	14,89	15.77	1,0636	15,92	16,93
13,76	14.51	1,0591	14,91	15.79	1,0636	15,94	1(195
13,78	14,53	1,0592	14,94	15,82	1,0637	15.96	16,98
13,8i	14,57	1.0593	14,96	15.85	1,0638	15.98	17.00
13,83	14,59	1,0594	14,99	15,88	1,0639	16,01	17.03
13,86	14,62	1,0595	15,02	15,91	1,0640	16,03	17.06
13,88	14,64	1,0596	15,04	15,94	1,0641	16,05	17,08
13,91	14,68	1,0597	15.07	15.97	1,0642	16,07	17,10
13,93	14,70	1,0598	15,09	15 99	1,0643	16,09	17,12
13,96	14,73	1,0599	15,11	16,02	1,0644	16,12	17,16
13,98	14,76	1,0600	15,14	16,05	1,0645	16,14	17,18
14.01	14.79	1,0601	15,16	16,07	1,0646	16,16	17,20
14,03	14,81	1.0602	15,18	16,09	1,0647	16,18	17,23
14,06	14,84	1,0603	16,20	16,12	1,0648	16,21	17,26
14,08	14,87	1,0604	15,23	16,15	1,0649	16,23	17,28
14.11	14,90	1,0605	15.25	16,17	1,0650	16,25	17.31
14,13	14,92	1,0606	15,27	16,20	1,0651	16,27	17,33
14,16	14,96	1,0607	15,29	16,22	1,0652	16,30	17136
14,18	14,98	1,0608	15,31	16,24	1,0653	16,32	17,39
14,21	15,01	1,0609	15,34	16,27	1,0654	16,35	17,42
14,23	15,03	1,0610	15,36	16,30	1,0655	16.37	17,44
14,26	15,07	1,0611	15,38	16,32	1,0656	16.40	17148
14,28	15,09	1,0612	15,40	16,34	1,0657	16,42	17,50
14.31	15,12	1,0613	15,43	16,38	1,0668	16,45	17,53
14,33	15,15	1,0614	15,45	16,40	1,0669	16,47	17,56

g

1,0480

1.0481

1,0482

1,0483

1,0484

1,0485

1,0486

1,0487

1.0488

1,0489

1,0490

1,0491

1,0492

1.0493

1,0494

1,0495

1,0496

1,0497

1,0498

1,0499

1,0500

1,0501

1,0502

1,0503

1,0504

1,0506

1,0506

1,0507

1,0508

1,0509

1,0510

1,0511

1,0512

1,0513

1,0514

1.0515

1,0516

1,0517

1,0518

1,0519

1,0520

1,0521

1,0522

1,0523

1,0524

g

12.14
12,16

12.19
12.21
12,23

12,26

12,28

12,31

12,33

12,36

12,38

12,41

12,43

12,45

12,48

12,50

12,53

12.55

12,58

12.60

12;63

12,65

12,67

12.70

12,72

12,75

12,77

12,80

12,82

12,86

12,87

12,90

12,92

12,94

12,97

12,99

13,02

13.04

13;07

13,09

13,12

13.14
13,16

13.19
13,21

g

12,72

12.74
12.78
12,80
12,82

12.85
12,88
12,91
12,93
12,96

12,99

13,02

13,04

13,06

13,10

13.12

13,15

13,17

13,21

13,23

13,26

13,28

13,31

13,34

13,36

13,39

13,42

13.45

13,47

13,50

13,53

13,56

13,58

13,60

13,64

13,66

13,69

13.71

13.75
13,77

13.80

13,82

13.85
13,88
13,90

1,0526

1,0526

1,0627

1,0528

1,0529

1,0530

1,0531

1,0532

1,0533

1,0534

1.0535

1,0536

1,0537

1,0538

1,0539

1,0540

1,0541

1,0542

1.0543

1,0544

1,0545

1.0546

1.0547

1,0548

1,0549

1,0550

1,0551

1,0562

1,0553

1.0554

1,0556

1,0556

1.0557

1,0558

1,0559

1,0560

1,0561

1,0562

1,0563

1,0564

1,0566

1,0666

1.0567

1,0568

1,0569
        <pb n="1048" />
        ﻿Tab, XV. Extrakt-Tabelle nach Schulze-Ostermann,

1029

Wenn 1 ccm tilrimetr, klare Würze bei  15° wiegt	so ist der Extrakt- gehalt in		Wenn |,1 ccm titrimetr. klare Würze bei  16° wiegt	so ist der Extrakt- gehalt in		Wenn 1 ccm titrimetr.  klare Würze bei  15° wiegt	so ist der Extrakt- gehalt in		Wenn 1 ccm titrimetr.  klare Würze bei  15° wiegt	so ist der Bxtrakt- gehalt in	
	100 g	100 ccm		100 g	100 ccm		100 g	100 ccm		100 g	100 ccin
	dieser Würze			dieser Würze			dieser Würze			dieser Würze	
8	s	8	er  ö	g	g	g	g	g	g	g	g
1,0660	16,50	17,59	1,0705	17,59	18,83	1,0750	18,59	19,98	1,0795		21,11
1,0661	16,62	17,61	1,0706	17,61	18,85	1,0751	18,62	20,02	1,0796	19,68	21,14
1,0662	16,54	17,63	1,0707	17,63	18,88	1,0752	18,64	20,04	1,0797	19,60	21,16
1,0663	16,67	17,67	1,0708	17,66	18,91	1.0753	18,66	20,07	1,0798	19,63	21,20
1,0664	16,59	17,69	1,0709	17,68	18,93	1,0754	18,68	20,09	1,0799	19,66	21,22
1,0665	16,62	17,73	1,0710	17,70	18,96	1,0755	18,70	20,11	1,0800	19,67	21,24
1,0666	16,64	17,75	1.0711	17,72	18,98	1,0756	18,72	20,14	1,0801	19,70	21,28
1,0667	16,67	17,78	1,0712	17,75	19,01	1,0757	18,74	20,16	1,0802	19,72	21,30
1,0668	16,69	17,80	1,0713	17,77	19,04	1,0758	18,76	20,18	1.0803	19,74	21,33
1,0669	16,72	17,84	1,0714	17,79	19,06	1,0759	18,78	20,21	1,0804	19,77	21,36
1,0670	16,74	17,86	1,0715	17,81	19,08	1,0760	18,81	20,24	1,0805	19,79	21,38
1,0671	16,76	17,88	1,0716	17,84	19,12	1,0761	18,83	20.26	1,0806	19,81	21,41
1,0672	16,79	17,92	1,0717	17,86	19,14	1,0762	18,85	20,29	1.0807	19,84	21,43
1,0673	16,81	17,94	1,0718	17,88	19,16	1,0763	18,87	20,31	1,0808	19,86	21,46
1,0674	16,84	17,98	1,0719	17,90	19,19	1,0764	18,89	20,33	1,0809	19,88	21,50
1,0675	16,86	18 00	1,0720	17,93	19,22	1,0765	18,91	20,36	1,0810	19.91	21,52
1,0676	16,89	18,03	1,0721	17,95	19,24	1,0766	18,93	20,38	1,0811	19,93	21,55
1,0677	16,91	18,05	1,0722	17,97	19,27	1,0767	18,95	20,40	1,0812	19,96	21,58
1,0678	16,94	18,09	1,0723	17,99	19,29	1,0768	18,97	20,43	1,0813	19,98	21,60
1,0679	16,96	18,11	1,0724	18,02	19,32	1,0769	19,00	20,46	1,0814	20,00	21,63
1,0680	16,99	18,15	1,0726	18,04	19,35	1,0770	19,02	20,48	1,0815	20,03	21,66
1,0681	17,01	18,17	1,0726	18,06	19,37	1,0771	19,04	20,51	1,0816	20,06	21,69
1,0682	17,03	18,19	1,0727	18,08	19,39	1,0772	19,06	20,53	1,0817	20,07	21,71
1,0683	17,06	18,23	1,0728	18,11	19,43	1,0773	19,08	20,55	1.0818	20,10	21,74
1,0684	17,08	18,25	1,0729	18,13	19,46	1,0774	19,10	20,58	1,0819	20,12	21,77
1.0685	17,11	18,28	1,0730	18,15	19,47	1,0775	19,12	20,60	1,0820	20,14	21,79
1,0686	17,13	18,31	1,0731	18,17	19,50	1,0776	19,14	20,63	1,0821	20,17	21,83
1,0687	17,16	18,34	1,0732	18,20	19,53	1,0777	19,17	20,66	1,0822	20,19	21,85
1,0688	17,18	18,36	1,0733	18,22	19,55	1,0778	19,19	20,68	1,0823	20,21	21,87
1,0689	17,21	18,40	1,0734	18,24	19,58	1,0779	19,21	20,71	1,0824	20,24	21,91
1,0690	17,23	18,42	1,0735,	18,26	19,60	1,0780	19,23	20,73	1,0826	20,26	21,93
1,0691	17,25	18,44	1,0736	18,29	19,64	1,0781	19,25	20,75	1,0826	20,28	21,96
1,0692	17,28	18,48	1,0737	18,31	19,66	1,0782	19,27	20,78	1,0827	20,31	21,99
1,0693	17,30	18,50	1,0738	18,33	19,68	1,0783	19,29	20,80	1,0828	20,33	22,01
1,0694	17,33	18,53	1,0739	18,35	19,71	1,0784	19,31	20,82			
1,0696	17,35	18,66	1,0740	18,38	19,74	1,0785	19,33	20,85			
1,0696	17,38	18,69	1,0741	18,40	19,76	1,0786	19,36	20,88			
1,0697	17,40	18,61	1,0742	18,42	19,79	1,0787	19,38	20,90			
1,0698	17,43	18,66	1,0743	18,44	19,81	1,0788	19,40	20,93			
1,0699	17,45	18,67	1,0744	18,47	19,84	1,0789	19,42	20,96			
1,0700	17,48	18,70	1,0746	18,49	19,87	1,0790	19,44	20,98			
1,0701	17,60	18,73	1,0746	18,51	19,89	1,0791	19,48	21,00			
1,0702	17,62	18,76	1,0747	18,63	19,91	1,0792	19,49	21,03			
1,0703	17,54	18,77	1,0748	18,55	19,94	1,0793	19,51	21,06			
1,0704	17,57	18,81	1,0749	18,67	19,96	1,0794	19,53	21,08
        <pb n="1049" />
        ﻿1030 Tab. XVI. Spez. Gewicht usw. d. Kartoffeln n. Maercker, Behrend u. Morgen.

Tabelle XYI.

Bestimmung des prozent. Trocken- und Stärkemehlgehaltes der Kartoffeln
aus dem spez. Gewicht nach M. Maercker, P. Behrend und A. Morgen.

Spezifisches  Gewicht	Trocken-  substanz  01  Io	Stärkemehl  0/  Io	Spezifisches  Gewicht	Trocken-  substanz  01  Io	Stärkemehl  °/o
1,080	19,7	13,9	1,120	28,3	22,5
081	19,9	14,1	121	28,5	22,7
082	20,1	14,3	122	28,7	22,9
083	20.3	14,5	123	28,9	23,1
084	20,5	14,7	124	29,1	23,3
085	20,7	14,9	125	29,3	23,5
086	20,9	15,1	126	29,5	23,7
087	21,2	15,4	127	29,8	24,0
088	21,4	16.6	128	30,0	24,2
089	21,6	15,8	129	30,2	24,4
1,090	21,8	16,0	1,130	30,4	24,6
091	22,0	16,2	131	30,6	24,8
092	22,2	16,4	132	30,8	25,0
093	22,4	16,6	133	31,0	25.2
094	22,7	16,9	134	31.3	25,5
095	22,9	17,1	135	31,5	25,7
096	23,1	17,3	136	31,7	25,9
097	23,3	17,5	137	31,9	26,1
098	23,5	17,7	138	32,1	26,3
099	23,7	17,9	139	32,3	26,5
1,100	24,0	18,2	1,140	32,5	26,7
101	24,2	18,4	141	32,8	27,0
102	24,4	18,6	142	33,0	27’2
103	24,6	18,8	143	33,2	27'4
104	24,8	19,0	144	33,4	27^6
105	25,0	19,2	145	33,6	27.8
106	25,2	19,4	146	33,8	28,0
107	25,5	19,7	147	34,1	28,3
108	25,7	19,9	148	34,3	28,5
109	25,9	20,1	149	34.5	28,7
1,110	26,1	20,3	1,150	34;?	28,9
111	26,3	20,5	151	34,9	29,1
112	26,5	20,7	152	35.1	29,3
113	26,7	20,9	153	35,4	29.6
114	26,9	21,1	164	35,6	29.8
115	27,2	21,4	165	35,8	30,0
116	27,4	21,6	156	36,0	30,2
117	27,6	21,8	157	36,2	30,4
118	27,8	22,0	158	36,4	30,6
119	28,0	22,2	169	36,6	30,8
        <pb n="1050" />
        ﻿Tab. XVII. Alkohol-Gehalt aus dem spezifischen Gewicht nach Hehn er. 1031

Tabelle XVII.

Bestimmung des Alkohols in Gewichts- und Vol.-Proz. aus dem spez. Gewicht

nach O. Hehner (bei 15,5°).

Spez.  Gewicht  hei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  15,6°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols
1,0000  0,9999	0,00  0,05	0,00  0,07  0,13	0,9959	2.33	2,93	0,9919	4,69	5,86
8	0,11		8	2,39	3,00	8	4,75	5,94
7	0,16	0,20	7	2,44	3,07	7	4,81	6,02
6	0,21	0,26	6	2,50	3.14	6	4.87	6.10
5	0.26	0,33	5	2,56	3,21	5	4,94	6,17
4	0,32	0,40  0,46	4	2,61	3,28	4	5,00	6,24
3	0,37		3	2.67	3.35	3	5,06	6.32
2	0,42	0,53	2	2,72	3,42	2	5,12	6,40
1	0,47	0,60	1	2,78  2,83	3,49	1	5.19	6,48
0	0,63	0,66	0		3,55	0	5,25	6,55
0,9989	0,58	0,73	0,9949	2,89	3,62	9,9909	5 31	6.63
8	0,63	0,79  0.86	8	2,94	3,69	8	5,37	6,71
7	0,68		7	3,00	3,76	7	5,44	6.78
6	0,74	0,93	6	3.06	3,83	6	5,50	6,86
5	0,79	0,99	6	3,12	3,90	6	5,56	6,94
4	0,84	1,06	4	3.18	3,98	4	5,62	7,01
3	0,89	1,13	3	3,24	4,05	3	5,69	7,09
2	0,95	1,19	2	3.29	4,12  4,20	2	5,75	7.17
1	1,00	1.26	1	3,35		1	5,81	7,25
0	1,06	1.34	0	3,41	4,27’	0	5,87	7,32
0,9979	1.12	1,42	0,9939	3.47	4.34	0,9899	5,94	7,40
8	1,19	1,49	8	3,53	4,42	8	6,00	7,48
7	1,25	1,57	7	3,69	4,49	7	6,07	7,57
0	1,31	1,65	6	3,65	4,56	6	6,14	7,66
5	1,37	1,73	5	3,71	4,63	5	6,21	7,74
4	1,44	1,81	4	3,76	4,71	4	6,28	7,83
3	1,60	1,88	3	3,82	4,78	3	6,36	7,92
2	1,56	1,96	2	3,88	4,85	2	6,43	8,01
1	1,62	2,04	1	3,94	4,93	i	6,50	8,10
0	1,69	2,12	0	4,00	5,00	0	6,57	8,18
0,9969	1,73	2,20	0,9929	4,06	5,08	0,9889	6,64	8,27
8	1,81	2.27	8	4,12  4,19	6,16	8	6,71	8,36
' 7	1,87	2,35	7		5,24	7	6,78	8,45
6	1,94	2,43	6	4,26	5,32	6	6,86	8,54
5	2,00	2,51	5	4,31	5,39	5	6,93	8,63
4	2,06	2,68	4	4,37	5.47	4	7,00	8,72
3	2,11	2,62	3	4,44	0,00	3	7,07	8,80
2	2,17	2,72	2	4,50	6,63	2	7,13	8,88
1	2,22	2,79	1	4,56	5,71	1	7,20	8,96
0	2,28	2,86	0	4,62	5,78	0	7,27	9.04
        <pb n="1051" />
        ﻿1032 Tab. XVII. Alkohol-Gehalt aus dem spezifischen Gewicht nach Hehner.

Spez.  Gewicht  bei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols
0,987!)	7,33	9,13	0,9829	10,92	13,52	0,9779	14,90	18,36
8	7,40	9,21	8	11,00	13,62	8	15,00	18,48
7	7,47	9,29	7	11.08	13,71	7	15,08	18,58
6	7,53	9,37	6	11,15	13,81	6	15,17	18,68
5	7,60	9,45	5	11,23	13,90	5	15,25	18,78
4	7,67	9,54	4	11,31	13,99	4	15,33	18.88
3	7,73	9.62	3	11,38	14,09	3	15,42	18,98
2	7,80	9,70	2	11.46	14,18	2	15,50	19,08
1	7,87	9,78	1	11,54	14,27	1	15.68	19,18
0	7,93	9,86	0	11,62	14,37	0	15,67	19,28
0,9809	8,00	9,95	0,9819	11,69	14,46	0,9769	15.75	19.39
8	8,07	10,03	8	11,77	14,56	8	15,83	19,49
7	8,14	10,12	7	11,85	14,65	7	15,92	19.59
6	8,21	10,21	6	11,92	14,74	6	16,00	19,68
5	8,29	10,30	5	12,00	14,84	6	16,08	19,78
4	8,36	10,38	4	12,08	14.93	4	16,15	19,87
3	8,43	10,47	3	12,15	16,02	3	16,23	19,96
2	8,50	10,56	2	12,23	15,12	2	16,31	20,06
1	8,57	10,65	1	12,31	15,21	1	16,38	20,15
0	8,64	10,73	0	12,38	15,30	0	16,46	20,24
0,9859	8,71	10,82	0,9809	12,40	15,40	0,9759	16,54	20,33
8	8,79	10,91	8	12,54	15,49	8	16,62	20,43
7	8,86	11.00	7	12,62	15,58	7	16,69	20 52
6	8.93	11,08	6	12.69	15,68	6	16,77	20,61
5	9,00	11,17	5	12,77	15,77	5	16,85	20,71
4	9,07	11,26	4	12.85	15,86	4	16,92	20^80
3	9.14	11.35	3	12,92	16,96	3	17,00	20j89
2	9,21	11,44	2	13,00	16,06	2	17,08	20,99
i	9,29	11,52	1	13,08	16,15	1	17,17	21,09
0	9,36	11,61	0	13,15	16,24	0	17,25	21,19
0,9849	9,43	11,70	0,9799	18,23	16,33	0,9749	17,33	21,27
8	9,60	11,79	8	13,31	16,43	8	17,42	21,39
7	9,67	11,87	7	13.38	16,62	7	17,60	21,49
(j	9,64	11,96	6	13,46	16,61	6	17,58	21,59
5	9,71	12.06	5	13,54	16,70	5	17,67	21.69
4	9,79	12,13	4	13,62	16,80	4	17,75	2l’79
3	y,86	12,22	3	13,69	16,89	3	17,83	21,89
2	9,93	12,31	2	13,77	16.98	2	17,92	21,99
1	10,00	12,40	1	13,85	17,08	1	18,00	22,09
0	10,08	12,49	0	13,92	17,17	0	18,08	2248
0,9839	10,15	12,58	0,9789	14,00	17,26	0,9739	18,15	22,27
8	10,23	12.68	8	14,09	17,37	8	18.23	22^36
7	10,31	12,77	7	14,18	17,48	7	18,31	2246
6	10,38	12,87	6	14,27	17,69	6	18,38	22,66
5	10,46	12,96	5	14,36	17,70	5	18,46	22^64
4	10,54	13,05	4	14,45	17,81	4	18,54	22^73
3	10,62	13.15	3	14,55	17,92	3	18,62	22^82
.2	10,69	13.24	2	14,64	18,03	2	18,69	22,92
1	-1-0, i i	13,34	1	14,73	18,14	1	18,77	23,01
0	10,85	13,43	0	14,82	18,25	0	18.85	2340
        <pb n="1052" />
        ﻿8

7

6

5

4

3

2

1

0

[9

8

7

6

5

4

3

2

1

0

I!»

8

7

6

5

4

3

2

1

0

(!)

8

7

6

5

4

3

2

1

0

&lt;0

8

7

6

5

4

3

2

1

0

Alkohol-Gehalt aus dem spezifischen Gewicht nach Hehner. 1033

Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  15,6°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols
23,1!)	0,9079	22,92	27,95	0,9629	26,60	32,27
23,28	8	23.00	28,04	8	26,67	32,34
23,38	7	23,08	28,13	7	26,73	32,42
23,48	6	23.15	28.22	6	26,80	32,50
23,58	5	23,23	28,31	6	26.87	32,58
23,68	4	23,31	28,41	4	26,93	32,65
23.78	3	23,38	28,50	3	27,00	32,73
23,88	2	23.46	28,59	2	27,07	32,81
23,98	1	23,64	28,68	i	27,14	32,90
24,08	0	23,62	28,77	0	27,21	32,98
24,18	0,9609	23,69	28,86	0,9619	27,29	38,06
24,28	8	23,77	28,95	8	27,36	33,15
24,38	7	23,85	29,04	7	27,43	33,23
24,48	6	23,92	29,13	6	27,50	33,31
24,68	5	24,00	29,22	5	27,57	33,39
24,68	4	24,08	29,31	4	27,64	33,48
24,78	3	24,15	29,40	3	27,71	33,56
24,88	2	24,23	29,49	2	27,79	33,64
24,98	1	24,31	29,58	1	27,86	33.73
25,07	0	24,38	29,67	0	27,93	33,81
25,17	0,9659	24,46	29,76	0,9609	28,00	33,89
25,27	8	24,54	29,86	8	28,06	33,97
25,37	7	24,62	29,95	7	28,12	34,04
25,47	6	24,69	30,04	6	28,19	34,11
25,57	5	24,77	30,13	5	28,25	34.18
26,67	4	■ 24,85	30,22	4	28,31	34,25
25,76	3	84.92	30,31	3	28,34	34,33
25,86	2	25,00	30,40	2	28,44	34,40
25,96	1	25,07	30,48	1	28,50	34,47
26,04	0	25,14	30,57	0	28,66	34,54
26,13	0.9649	25,21	30,65	0,9599	28,62	34,61
26,22	8	25,29	30,73	8	28,69	34,69
26,31	7	25,36	30,82	7	28,75	34,76
26,40	6	26,43	30,90	6	28,81	34,83
26,49	5	25,50	30,98	5	28,87	34,90
26,58	4	26,57	31,07	4	28,94	• 34,97
26,67	3	25,64	31,15	3	29,00	35,05
26,77	2	25.71	31,23	2	29,07	35,12
26.86	1	25,79	31,32	1	29,13	35,20
26,95	0	26,86	31,40	0	29,20	35,28
27,04	0,9639	25,93	31,48	0,9589	29,27	85)35
27,13	8	26,00	31,57	8	29,33	35,43
27,22	7	26,07	31,65	7	29,40	35,51
27,31	6	26.13	31,72	6	29,47	35,58
27,40	5	26,20	31,80	5	29,53	35.66
27,49	4	26,27	31,88	4	29,60	36,74
27,69	3	26,33	31,86	3	29,67	35,81
27,68	2	26,40	32,03	2	29,73	36,89
27,77	1	26,47	32,11	1	29.80	35,97
27,86	0	26,63	32,19	0	29,87	36,04
        <pb n="1053" />
        ﻿1034 Tab- XVII, Alkohol-Gehalt aus dem spezifischen Gewicht nach Helmer.

Spez.  Gewicht  bei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  16,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols
0,9579	29,93	30,12	0,9529	82,94	39,54	0.9479	35,55	42,45
8	30,00	36,20	8	33,00	39,61	8	36,60	42,61
7	30,06	36,26	7	33,06	39,68	7	35,66	42,56
6	30,11	36,32	6	33,12	39,74	6	36,70	42,62
5	30,17	36,39	6	33,18	39,81	5	35,75	42,67
4	30,22	36,45	4	33,24	39,87	4	35,80	42,73
3	30,28	36,51	3	33,29	39,94	3	35,85	42,78
2	30,33	36,57	2	33,35	40,01	2	35,90	42,84
1	30,39	36,64	1	33,41	40,07	1	35,95	42,89
0	30,44	36,70	0	33,47	40,14	0	36,00	42,96
0,9509	30,50	30,70	0,9519	83,53	40,20	0,9469	36,06	43,01
8	30,56	36,83	8	33,59	40.27	8	36,11	43,07
7	30,61	36,89	7	33,65	40,34	7	36,17	43,13
6	30,67	36,95	6	33,71	40,40	6	36,22	43,19
5	30,72	37,02	5	33,76	40,47	5	36,28	43,26
4	30,78	• 37,08	4	33,82	40,63	4	36,33	43,32
3	30,83	37,14	3	33,88	40,60	3	36,39	43,38
2	30,89	37,20	2	33,94	40,67	2	36,44	43,44
1	30,94	37,27	1	34,00	40,74	1	36,50	43,50
0	31,00	37,34	0	34,06	40,79	0	36,56	43,56
0,9559	31,00	37,41	0,9509	34,10	40,84	0,0459	36,61	43,63
8	31,12	37,48	8	34,14	40,90	8	36,67	43,69
7	31,19	37,65	7	34,19	40,96	7	36,72	43,75
6	31,25	37,62	6	34,24	41,00	6	36,78	43,81
5	31,31	37,69	5	34,29	41,05	5	36,83	43,87
4	31,37	37,76	4	34,33	41,11	4	36,89	43,93
3	31,44	37,83	3	34,38	41,16	3	36,94	44,00
2	31,50	37,90	2	34,43	41,21	2	37,00	44,06
1	31,56	37,97	1	34,48	41,26	1	37,06	44,12
0	31,62	38,04	0	34,62	41,32	0	37,11	44,18
0,9540	31,69	38,11	0,9499	34,57	41,37	0,9449	37,17	44,24
8	31,75	38,18	8	34,62	41,42	8	37,22	44,30
7	31,81	38,25	7	34,67	41,48	7	37,28	44,36
6	31,87	38,33	6	34,71	41,53	6	37,33	44,43
5	31,94	38,40	5	34,76	41,58	5	37,39	44,49
4	32,00	38,47	4	34,81	41,63	4	37,44	44,55
3	32,06	38,53	3	34,86	41,69	3	37,60	44,61
2	32,12	38,60	2	34,90	41,74	2	37,66	44,67
1	32,19	38,68	1	34,95	41,79	1	37,61	44,73
0	32,25	38,75	0	35,00	41,84	0	37,67	44,79
0,9539	32,31	38,82	0,9489	35,05	41,90	0,9439	37,72	44,86
8	32,37	38,89	8	35,10	41,96	8	37,78	44,92
7	32,44	38,96	7	36,15	42,01	7	37,83	44,98
6	32,60	39,04	6	36,20	42,06	6	37’89	45,04
5	32,56	39,11	5	36,26	42,12	5	37,94	45,10
4	32,62	39,18	4	35,30	42^7	4	38,00	45,16
3	32,69	39,25	3	35,35	42,23	3	38,06	45,22
2	32,75	39,32	2	35,40	42,29	2	38,11	46,28
1	32,81	39,40	1	35,45	42,34	1	38,17	45,34
0	32,87	39,47	0	35,50	42,40	0	38,22	45,41
        <pb n="1054" />
        ﻿Tab. XVII. Alkohol-Gehalt aus dem spezifischen Gewicht nach Hehner. 1035

Spez.  Gewicht  bei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  16,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols
0,9429	38,28	45,47	0,9379	40.85	48,26	0,9329	43,29	50,87
8	38,33	45,53	8	40,90	48.32	8	43,33	60,92
7	38,39	45,69	7	40,95	48,37	7	43,39	50,97
6	38,44	45,65	6	41.00	48,43	6	43,43	51,02
5	38,50	45,71	5	41,05	48,48	5	43,48	51,07
4	38,56	45,77	4	41,10	48,54	4	43.52	51,12
3	38,61	45,83	3	41,15	48,69	3	43,57	51,17
2	38,67	45,89	2	41,20	48,64	2	43,62	51,22
1	38,72	46,95	1	41,26	48,70	i	43,67	51,27
0	38,78	46,02	0	41,30	48,75	0	43,71	51,32
0,9419	38,83	46,08	0.9369	41,35	48,80	0,931!»	43,76	51.38
8	38.89	46,14	8	41,40	48,86	8	43,81	51,43
7	38.94	46.20	7	41,45	48,91	7	43,86	51,48
6	39,00	46,26	6	41,50	48.97	6	43,90	51,53
5	39,05	46,32	5	41,55	49,02	5	43,95	51,58
4	39,10	46,37	4	41,60	49,07	4	44,00	51,63
3	39,16	46,42	3	41,65	49,13	3	44.05	51,68
2	39,20	46,48	2	41,70	49,18	2	44,09	51,72
1	39,25	46,53	1	41.75	49,23	1	44,14	51,77
0	39,30	46,59	0	41,80	49,29	0	44,18	51,82
0,9409	39,35	46,64	0,9859	41.85	49,34	0,9309	44,23	51,87
8	39,40	46,70	8	41,90	49,40	8	44,27	51,91
7	39,45	46.75	7	41,95	49.45	7	44,32	51,96
6	39.50	46,80	6	42,00	49,50	6	44.36	52,01
5	39,55	46,86	5	42,05	49 55	5	44,41	52,06
4	39,60	46,91	4	42,10	49,61	4	44,46	52,10
3	39,65	46,97	3	42,14	49,66	3	44.50	52,15
2	39,70	47,02	2	42,19	49,71	2	44,55	52,20
1	39,75	47,08	1	42.24	49,76	i	44,59	52,25
0	39,80	47,13	0	42,29	49.81	0	44,64	52,29
0,9399	39,85	47,18	0,9349	42,33	49,86	0,9299	44,68	52,34
8	39,90	47,24	8	42,38	49,91	8	44,73	52,39
7	39,95	47,29	7	42,43	49,96	7	44,77	52,44
6	40.00	47,35	6	42,48	50,01	6	44,82	52,48
5	40,05	47,40	5	42,62	50,06	5	44,86	52,53
4	40,10	47,45	4	42.57	50,11	4	44,91	62,58
3	40,15	47,51	3	42,62	50,16	3	44,96	52,63
2	40,20	47,56	2	42,67	50.21	2	45.00	52,68
1	40,25	47,62	1	42.71	50,26	i	46,05	52,72
0	40,30	47,67	0	42,76	50,31	■ 0	45,09	52,77
0,9389	40,35	47,72	0.9339	42,81	50,37	0,9280	45,55	53,24
8	40,40	47.78	8	42.86	50,42	70	46,00	53,72
7	40,45	47,83	7	42,90	50.47	60	46,46	54,19
6	40,50	47.89	6	42,95	60,52	50	46,91	54,66
5	40,55	47,94	5	43,00	50,57	40	47,36	55,13
4	40,60	47,99	4	43,05	50,62	30	47,82	55,60
3	40,65	48,06	3	43,10	50,67	20	48,27	56,07
2	40,70	48,10	2	43,14	50,72	10	48,73	56,54
1	40,75	48,16	1	43,19	50,77	00	49,16	56,98
0	40,80	48,21	0	43,24	50,82
        <pb n="1055" />
        ﻿1036 Tab- XVII. Alkohol-Gehalt aus dem spezifischen Gewicht nach Helmer.

Spez.  Gewicht  hei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols	Spez.  Gewicht  bei  15,5°	Gewichts-  prozente  absoluten  Alkohols	Volum-  prozente  absoluten  Alkohols
0,9190	49,64	57,45	60	68,38	75,46	30	86,04	90,29
80	50,09	67,92	50	68,79	75,83	20	86,42	9üj58
70	50,52	68,36	40	69,21	76,20	10	86,81	90,88
60	50,96	58,80	30	69,63	76,57	00	87.19	91.17
50	51,38	59,22	20	70,04	76,94			
40	51,79	59,63	10	70,44	77,29	0.8290	87,58	91,46
30	52,23	60,07	00	70,84	77,64	80	87,96	91.75
20	52,58	60,52				70	88.36	92,06
10	53,13	60.97	0.8690	71,25	78,00	60	88,76	92,36
00	53,57	61,40	* 80	71,67	78,36	50	89,16	92,66
			70	72,09	78.73	40	89,54	92,94
0,9090	54,00	61,84	60	72,52	79,12	30	89,92	93,23
80	64,48	62,31	50	72,96	79,50	20	90,29	93,49
70	54,95	62,79	40	73,38	79,86	10	90,64	93,75
60	56,41	63,24	30	73,79	80,22	00	91,00	94,00
50	65,86	63,69	20	74,23	80,60	0,8190		94,26
40	56,32	64,14	10	74.68	81,00		91,36	
30  20	56,77  57,21	64,58  65,01	00	75,14	8M0	80  70	91,71  92,07	94,51  94,76
10	67,63	65,41	0,8590	75,59	81.80	60	92,44	95,03
00	58,05	65,81	80	76,04	82*19	60	92,81	95,29
			70	76,46	82^54	40	93,18	95,55
0,8990	58,50	66,25	60	76,88	82.90	30	93,55	95,82
80	58,95	66,69	50	77,29	83^25	20	93,92	96,08
70	59,39	67,11	40	77,71	83^60	10	94,28	96,32
60	59,83	67,53	30	78.12	83^94	00	94,62	96,56
50  40	60,26  60,67	67,93  68,33	20  10	78,52  78,92	84,27  84,60	0,8090  80	94,97  95 32	96,78  Q7 02
30  20  10	61,08  61,50  61,92	68,72  69,11  69*50	00  0,8490	79,32  79,72	84,93  85,26	70  60  50	9ö|68  96,03  96 37	97*27  97,51  97 79
00	62,36	69,92	80	80,13	86,59	40	96*70	97*94
0,8890	62,82	70,35	70  60	80,54  80,96	85,94  86.28	30  20	97,03  97 37	98^16  98 37
80  70  60	63,26  63,70  64,13	70,77 71,17 , 71,58	50  40  30	81,36  81,76  82,15	86,61  86,93  87,24	10  00	97,70  98,03	98^59  98,80
50	64,57	71,98	20	82,64	87,55	0,7990	98,34	98,98
40	65,00	72,38	10	82,92	87,85	80	98,66	99,16
30	65,42	72,77	00	83,31	88,16	70	98,97	99,35
20	65,83	73,15				60	99,29	99,55
10	66,20	73,54	0,8390	83,69	88,46	60	99,61	99,75
00	66,70	73,93	80	84,08	88,76	40	99,94	99,96
0,8790			70	84,48	89.08			
	67,13	74,33	60	84,88	89,39	0,7939	99,97	99,98
80	67,54	74,70	60	86,27	89,70		Absolute	Alkohol
70	67,96	75,08	40	85,65	89,99	0,7938	100,00	100,00
        <pb n="1056" />
        ﻿O	O	p)	p	o	►—1  'cd	"cd	'cd	"cd	'cd	'Ö  CD	CD	CD	CD	CD	O  CJ&lt;	02	^3	CO	CD	O  02 -O GO CD OH^COOOrf^Oi02&lt;3GOCD OH-^tNS05^0i02-aG0CD O»-iC0C0^0i02&lt;lG0CD OMMW^O'02&lt;l(X:cD	O	Spezifisches Gewicht des Destillates
MMMMM MMWMKHHKKK J-1 J-* J-* J-4 J-1 J-* J-*- J-1 p j-^ hmCCC OOpp ppOOOOOOOOO O 'rf^'oj'os'co'k) 'bb'Ö'cD'cD'Go'cxblb]'c2 '02'0''bi'^-'w'w'co'c0 1—11 b 'o'o'cD CD'go'gd'-o'02^J2'üi bib-b-bo'bibs'tss'b'b'o 'o 02 GC IO	^ DO^CDWCDM^IH‘02 O O» O ^ CC 02 GC DO -J IO DHQ2O0&lt;O^O^CC 00-^3 DO -O DO 02 M 02 K ü' O	Gramm Alkohol in 100 ccm
WWJOJOjO	MJODOMjOMJOJOJOM	pppppppppp	PPPPPPPPP O	ppp OOOOOOO	O  'o'o'cd'gc'^j	'b'^b'bt'bbo'bo'tob'o	ö 'cd bo gc bi '02 02 0 • b- '4-	bbco'css'b'o öbD'bo'cxbi	Co 1j2 'bi b b 00 Id Id b 0	0  -vl C 02 D C	DOÜ'CXM^-^00202CD	COCnXCOÜ'OOl-^^CXt-4	lf*-&lt;1 O lf^-3 O 02 -O O W	-3 O 02 *3 O 02 &lt;1 O 02-J	O	Volumprozente  Alkohol
p	p	p	p	o  'cd	'cd	'cd	"cd	~CD  CD	CD	CD	CD	CD  I“4-	CO	CO	4^	Ol  OH-4t&gt;0C0^0i02-0GCCD O H IO 02 ^ Ol D ^3 CC CD Ol-^EOCO^O^OO^IGOCD O l—1 CO CO &gt;£* O» 02 -&lt;] GC CD O K DO CO ^	Spezifisches Gewicht des Destillates
p p p p p p p p p p p p p p p p p p p p 02 02 02 02 02 02 Ü2 02p02	02 02 02 02p02M CO CO CO CO CO CO CO CO  "Ö'o cd cc'gcb bi b2'bi'bi b'b'w'kTtNs'b'b'obbcD behob'o2'b&gt;bnb*'b'b'cD bobobb o o'b&gt;bo'Gob bbbbcbb  GC t—*• Ü’ CD CO -v3 !—*■ Oi CD CO -JMÜiCDC^^HÜtCOO: -OKÜ'CC^GOCODOO' CDC0~3I002O^CCC0-vl CO D O O1 CD	Gramm Alkohol in 100 ccm
pppppppppp pppppppppp pppppppppp ppppppppp CO CO CO CO co CO  b cc cc b ob cd xb b 'b'bi'b'b'co'cobb'b'b behob'bb'b^'bbsbobo b"0 Obj'Gobb'ob'b b COlo be b*- OC04^02CDH-^C002GCO COOlGCOCOO'CCOCOÜ« G0OC0ü«G0i-‘-C002CDC0	^&lt;10020iCCH^DCD CO O' GC K fi-	Volumprozente  Alkohol
p	ppp	o  'cd	'cd	"cd	'cd	'cd  GO	00	CO	CO	cd  02	-v]	GC	CD	O  Ol 02 -21 00 CD O I—1 CO CO ►£*■ Oi 02 “23 CO CD Ol-^COCOrf^CJiO-OCCCD O^COCO^OiO-JGOCD OKC002^ü'02-&lt;IC0CD	Spezifisches Gewicht des Destillates
pp &lt;3*J&lt;1 pppppplpppp OOppppppppp 02 02 02 02 02 02 Oi Oi CJi Ü« O» Oi 0&lt; Oi O» O» O» O* Oi O'  'o'cD behob D D Ci'^'cOOi'DOK kb 'cd'cDhob'*-3P'bi'bibb hobebob O'o'cDbehob bh2bbbhohobobdb O^^OCO 02 O CO 02 CD CO 02 CD CO 02 CDC002CDC002CDC0-JO 4^-v3H-‘-4^XC0 0&lt;CDCC02 C^^IMÜ'CCDOQO^	Gramm Alkohol in 100 ccm
ppppp	pppppppppp	pppppp pp pp	pp ppp--3-vI&lt;l&lt;l-23	—23 “0 ■&lt;]	02 02 02 02 02 02 02  'o'o'cd'go'-o	02'bi bb 'colo b o'cD 'gc	"gcb Ö2 b« 4— b 'co be b 'ö	'b'bhcb'b'bi'bi'b'oobe	b b O	cd ho b b P b'b  CDOhCO^	02 “J GC O CO CO Ül 02 GO CD'	MW^DCCOKCOO'^l	CD C DO 4^ 02 GC O CO 4^ D	GC OCO	4^ 02 CD H1 CO Ü&lt; -vl	Volumprozente  Alkohol
p	P	p	p	p  CD	CD	CD	"cd	'cD  00	GC	CO	GC	GC  CO	CO	4^-	CT»	02  O l—1 CO CO 4^ Oi 02 “23 00 CD OH-LC0C04^Üi02&lt;l00CD Ol-lC0C0^0i02-0GCCD Oi-^COC042-Oi02&lt;3GOCD O 4-1 CO CC 4^-	Spezifisches Gewicht des Destillates
t—^ b—4	t—*•	h-*■	H-*•	h-4	H-1	H-*■	H-4	)—1	h-1 h-* t—4 H-*-	H-4	H-1- i—^  PPPPPPPPPP pppppppppp pppppppppp pOOOOODJXQOOOQO GO GO GC CC GC X GC  CO ^ h C CD X Gob 02 bl bü *4-* 'co'LO CO b 'Ö "cD CD ho b bl b2bibbho bo To b ' Ö ~CD' CD X b bl 02 b&lt; 4- b hobobobÖ &lt;3CDC04^02CDl-l4^02CD CO 4^ 02 D CO 4^ -vl CD CO Oi CO O W 02 CD CO 4^ ^3 O CO 02Xh-4^&lt;3OC002CDC0 Ü' Ol H 4- ^	Gramm Alkohol in 100 ccm
t—*■ t—4 H-4 i—'-	^ 1—*- &gt;-—*■ f—'‘HH4	KMHHHHKPKK	h-11 h-&lt;4 H-4 ‘ K H‘Hl-*■ 1—*- J—*■	H-4	t—4	‘4 f-4	t—4	H-4 t—4	M4 4-4	f—4	&gt;—4 H-4 4-'l j—1i  PP 4“ W WWW WWW	PPP JO »JOJOJOßlO	JO JO JO CO ^ ^ r—*■ i—^ ^	i—l	i—i—l ,—.4	4-4	O O	O O	O	ooooo  io &gt;—0 CD GC bbb' 4- CO	lob'o'cD'cc b'b2bibi'b	'co'cOp'Ö'cD'Gob'02bibi	b- bo b) b- 'ö	CD bo	bl bl	02	bi'b'co'iob  OO^KC0C0C0C0 4^4-	Ü'D02^CCCCCDCDCH	COCO^O'O'D^XDC	H'	tc	W 4^	Ol	02 X	cc C	h	CO CO Q' 02-21	Volumprozente  Alkohol

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Tab. XVIII. Alkohol-Gehalt aus dem spez. Gewicht nach K. Windisch. 1037
        <pb n="1057" />
        ﻿o	_P	p	C&gt;	p  'cc	'cd	ZD	"zc	zd  •«j	*0	GO	GO  -O	GO	CD	O  CHtow^o^Oi-oGccß okmw^oiG5&lt;igcc£: on-icoo34^oxa2&lt;ioocD	w^oia2~aGc®	o^cocc^c^o^-^igocd	Spezifisches Gewicht des Destillates
&gt;—&gt;—t t—^	1—^	i—»•	1—1Ll—1■	Mi Mi	K-^ h—^	1—1	1—1	1—^	1—*■	1—1—1■	Mi Mi	KHHHHHh'MKH	H-^	)—*■ »—^	^	1—^ 1—^	1—^	&gt;—*■	1—■-	►—*  Ox Ol Ox 4^ 4^	4-	4^jf^j£*	j£- 4- p 4- p jp* Za 00 P Za	WWWWWWWWWM	MMMWMK) MMMK)	JÖJ-*J^^J-LJ-^J-L,H-LJ-LJ-*'  PP o cD'coPPi'ai'bxP	bc'bs'fcoP'o'o'bj'boP'ai	"02 o&lt;P zacoco P ö cc gc	"co Pip'bx"oxp"zaTo PP	'o'cD'Go'coPi'bi'bx ^ 4-* 03  CO H ca Ol ^3 CD H WO» &lt;1	2Dm*03 0«C0OC04^02GC	OM^OlCDOWüiOCO	^OiÜiCCOM^^CH	WaJGDOIOÜi^lCDtO^	Gramm Alkohol in 100 ccm
►—‘■1—11—LH-A1—*•♦—‘1—1	1—11—11—1)—1&gt;—*■!—ih-11—11—1&gt;—1	1—1 1—1	1—1L	1—1	1—1	1—11	1—11	1—1L	M1	1—1	KKHHHKHHHH	&gt;—i»—il—‘1—il—‘l—1|—*1—il—il—i  CD CD GC GO GO GO CO 00 CO CO	GO GC Ml -a -J •&lt;] •&lt;] -&gt;J _M1 Ml	-J Ml C2pp 02JJ2ppp	Ol 05_pi CH Ü&gt; D&gt; O'O'O'O1  P'Ö'cd'Od'mi SiPP CoTo	P'o'bD'boPl'ai'bxP'bs'cO	P O CDIxP] CT:'bxP~GCTo	P ö CDTx'*-0 '*02PPP co	P'o'cD'bo'Pi'bs'ü'P'bs'to  4i.4^4-.4^.4— 4i4^4^4-4—	4i.4^4^4_4^4-4— 4— 4^.4-	4i.4^4^4_4_4^4-.4i.4^4^	4^- 4^ O« O» Ox O» O» 02 02 02»	G2MM1M1M1GCGOGOCOCD	Volumprozente  Alkohol
O	p	O	O	P  ~CD	p	p	P	CD  &lt;1	-J	*vl	&lt;1	“J  CO	03	4^-	Ox	02  Ol-^COOS^OxOiMlOCcD Ol-^COCO^OxOiMlGCCD 0&gt;-iC0 03 4^0x02MlGOCD o l-1 to 00 rfii Cf OJ o CO CD OMMOO^ÜtOO-lXCD	Spezifisches Gewicht des Destillates
)_i.)_ij—11—1.1—1^—11—11—11—1|—1	1-11—11—11—11—11—11—11-11—11—1	1—11—11—11—11—11—11—11—11—11—1	1—11—11—11—11—11—11—1|—11—1|—1	1—IMIM1 1—1 1—1 H-‘1—11—1 1—11 HL  JD JD CO CO CO GC CO CO CO CO	COCDCCCDOO&lt;1&lt;1 j&lt;1j&lt;]j&lt;1	J&lt;I pjpi j-Jpp	pp 05 ® 03 C5 35 05 05 05	JO» JO» JO» p JO» O »J3»JO» JO» JO»  P'o'cD'cDTxPP'bi'bxP	PPToP o'cD'P'boPi'bi	'ox'oxPP'coPP'o'cd'qo	PPPcfc'bxP'Pos'toP'o	cdcd gc Pi PP PP 03 co  4-	JCDKit-DCCOMO'	-0 CD K 05 üx CO o DO iPi Oi	CDOWOx-OCDHOOÜi-J	CD H 05 Ck-a CD H ÜO Üi ^1	CDMOOCf^lCDHOiO»^	Gramm Alkohol in 100 ccm
DO LO CO LO CO CO CO CO CO CO	LO	CO CO	LO	LO CO CO	LO	CO CO	CO CO CO CO CO CO CO CO CO CO	CO CO CO CO CO CO CO CO CO	CO	to CO Ml 1-1 Ml Ml Ml	Ml	Ml	Ml  pp za za zap zaza pza	za	za co	co	co co co	co	co jo	pppppppppp	PPPPPPPPPP	pppppppppp  P p"cd"gc P] p~ÜX P 03 LO	P	ö CD	GC	Pl P p	PPTo	PPPPPlPPPPTo	PPPPPlP *0&lt;PP	CO	'MPP'*GC Pl PTo1	4-	03	LO  10 10 030303034^4^4-^4-	4^	Ü&gt; Ü&lt;	ü'	C Ü&lt; Ü»	O»	O' 31	02 03 03 02 02 OS Di 02 CT: 02	02 02 02 02 O' O» üx C' Ox	O»	O« O« O» O» Ü» Ox Ü«	4^	4^	4^	Volumprozente  Alkohol
p	p	p	p	p  'cd	'cd	"cd	'cd	~cd  02	02	02	-J  -0	GC	CD	O	&gt;—1  OH‘COÜ3if^Ü'02-OCCCD OHM03if^0x02&lt;lCCCD 01-1C003^ÜX02&lt;1GOCD	Ot-iC0034^Ü«02^]Q0CD	0)-LC0034^Üx02-aCOCD	Spezifisches Gewicht des Destillates
CO CO to CO CO to CO CO to to	CO IO LO CO CO CO CO CO CO CO	CO CO CO CO CO LO CO CO CO CO	COCOCOCOCOCOCOCOCOM1	Mi i—i i—i l—i l—i i—i l—i l—i l—i l—i  co co co co co co co |o co jo	pppppppppp	h h Mp mi m oooo	pppppppppp	pppppppppp  'bo ’-J 1D2"02~OxP~4^*031.0"mi	Mp CD CD~CO02'oi'b*~4^	'4^'03'lo'miP'Ö'cd'Go'Gc'^]	"02'bx'*CJx~4-'*03lo 1.0'►-i O 2D	CD'OC -j'oi'oi'ox 4^.'o3 03 CO  CDÜ'GCM^^1003DCD	COCJ'-vlOCCDD^lfi-vl	OCOD'COOWOiCCMiW	02CCt-i0302GCMiÜ302GC	HÜiDCCOCWOXlOtO	Gramm Alkohol in 100 ccm
CO CO CO LO CO CO CO CO LO CO	CO CO LO CO LO CO CO CO CO LO	CO CO CO CO LO	CO	CO	LO CO IO	LO	CO CO CO CO CO LO LO LO CO	CO CO	CO CO	CO	LO	CO	LO CO	CO  pppppppppp	pppppppppp	ppp 02p	02	02	02p 02	pppppppppp	O'p	4-pp	ppp pp  Pl'bi'üx'üx'^'üs'co'Mi'o'cD	'gcP'02'02'ox'4^*'03'lo'mi'0	CD GCP'02'O'Idx"P'o3lo'Mi	"O	CD GCPIji'b&lt;~*4-'CO'LO Mi	Ö'cD	Go'GC	^1	*02	Qx	4^ 03	CO  02 —0 CD O Mi CO 03 4^- Ox 02	-^IGCCDOmiC0034-4^0x	02-O GO CD CD	O	Mi	M CO 03	03	4^4^0x0202-0-0-JGC	GC CD	CD C	O	C	H	K CO	CO	Volumprozente  Alkohol
O	O	p	p	P  "cd	'cd	"cd	"cd	cd  02	02	02	02	02  CO	03	4^	Qx	02  OHCOÜ3i^Ox02"0 GO CD OM-C0 034^Üx02-v]G0CD	Ol-lC0034^ÜxO2&lt;]00CD	OH-iC0034^0x02^lG0CD	O H IO W 4^ Ox 02 »J CO CD	Spezifisches Gewicht des Destillates
CO CO CO LO CO LO CO CO CO CO	CO CO CO IO CO CO LO CO CO CO	CO CO LO LO CO CO CO CO CO CO	CO LO CO CO CO CO CO	LO CO CO	CO C O CO LO LO CO LO LO CO CO  pppppppppp PPPPPPPPPP PPPPPPPPPP PPPPPPPPPP PPPPPPPPPP P'ö'o'cD'bo'bo'&lt;i Oi'bi'bx	'cx P "za 'za' co P P "o cd 'cd	~go P P P ~bxIj ' P "za 'za lo	m- P ’ o "cd cd co Vi	'02 'bx	'b» ~4- ~za 'za lo P P 'o cd gc  03 -4 H Qi GO CO 02 CD 03 02	O #1 *vl m* C GC C3 O' CD M	OxCD03 02CD03 02(^03 02	CD 05 02 CD 03 02 CD	CO CK CD	CO CK GC Mi 4^ ^1 O 03 02 CD	Gramm Alkohol in 100 ccm
03 03 03 03 03 03 03 03 03 03	03 03 03 03 03 03 03 03 03 03	03 03 03 03 03 03 03 03 03 03	O303O3O30303COCOCOCO	CO CO CO CO CO	CO LO CO CO CO  JO CO JO CO CO JO CO JO to CO	jo JO J—i i—i l—i l—i l—i l—i i—i l—i	I-IM-MIM‘OOOOOO	OOOO OJDJDJDJDJD	ZD	ZD &amp; ZD	ZC ZO CO CO  'cd'gc'*--iPp"b'P~o3"03lo	Pp'cd'go'go'mip)"oxPP	'bs'ioP'o'cD'cD'boP'bi'bx	PPP'coP'o'cd'gc'gcP	P'b&gt; 4-*'03'co	coP'ö~cd'gc  03 üx GO O CO 4— 02 GC O CO 4^&gt; 02 GO CD Mi 03 CK-J CD K C0 4— 02 -^1 2D M‘ CO 4^ D2 -^1 CD O CO 03 O' 02 GO CD M LD if^üxOiGOCDOH^OD^Ox	Volumprozente  Alkohol

1038 Tab. XVIII. Alkohol-Gehalt aus dem spez. Gewicht nach K. Windisch.
        <pb n="1058" />
        ﻿1039



Tab. XIX. Extraktgehalt aus dem spezifischen Gewicht für Wein.

Tabelle XIX.

(Zur Ermittelung der Zahl E, welche für die Wahl des bei der Extraktbestimmung des
Weines anzuwendenden Verfahrens aus dem spez. Gewicht = x maßgebend ist.)

Nach den Angaben der Kaiserlichen Normal-Eichungs-Kommission berechnet
im Kaiserlichen Gesundheitsamt.

X	E	X	E	X	B	X	E
1,0000	0,00	1,0050	1,29	1.0100	2,58	1,0150	3,87
i	0,03	1	1,32	1	2,61	1	3,90
2	0,05	2	1,34	2	2,63	2	3,93
3	0.08	3	1,37	3	2,66	3	3,95
4	0,10	4	1,39	4	2,69	4	3,98
5	0.13	5	1,42	5	2,71	5	4,00
6	0,15	6	1.45	6	2,74	6	4.03
7	0,18	7	1,47	7	2,76	7	4.06
8	0,20	8	1,50	8	2,79	8	4.08
9	0,23	9	1,62	9	2,82	9	4,11
1,0010	0,26	1,0060	1,56	1,0110	2,84	1,0160	4,13
1	0,28	1	1,67	1	2,87	1	4,16
2	0,31	2	1,60	2	2,89	2	4.19
3	0,34	3	1,63	3	2,92	3	4,21
4	0,36	4	1,65	4	2,94	4	4,24
5	0,39	5	1,68	5	2,97	5	4,26
6	0,41	6	1,70	6	3,00	6	4,29
7	0,44	7	1,73	7	3,02	7	4,31
8	0,46	8	1.76	8	3,05	8	4,34
9	0,49	9	1,78	9	3,07	9	4,37
1,0020	0,52	1,0070	1,81	1,0120	3,10	1,0170	4,39
1	0,54	1	1,83	1	3,12	1	4,42
2	0,57	2	1,86	2	3,15	2	4,44
3	0,69	3	1,88	3	3,18	3	4,47
4	0,62	4	1,91	4	3,20	4	4,50
5	0,64	5	1,94	5	3,23	5	4,52
6	0,67	6	1,96	6	3,26	6	4,55
7	0,69	7	1,99	7	3,28	7	4,57
8	0,72	8	2,01	8	3,31	8	4.60
9	0,75	9	2,04	9	3,33	9	4,63
1,0030	0,77	1,0080	2,07	1,0130	3,36	1,0180	4,66
1	0,80	1	2,09	1	3,38	1	4,68
2	0.82	2	2,12	2	3,41	2	4,70
3	0.85	3	2,14	3	3,43	3	4,73
4	0.87	4	2.17	4	3,46	4	4,75
5	0.90	5	2,19	5	3,49	5	4,78
6	0.93	6	2,22	6	3,51	6	4,81
7	0.95	7	2,26	7	3,54	7	4,83
8	0,98	8	2,27	8	3,66	8	4,86
9	1,00	9	2,30	9	3,59	9	4,88
1,0040	1,03	1,0090	2,32	1,0140	3,62	1,0190	4,91
1	1,05	1	2,35	1	3,64	1	4,94
2	1,08	2	2,38	2.	3,67	2	4,96
3	1,11	3	2,40	3	3,69	3	4,99
4	1.13	4	2,43	4	3,72	4	5,01
5	1,16	5	2,45	5	3,75	5	5,04
6	1,18	6	2,48	6	3,77	6	5,06
7	1,21	7	2,50	7	3,80	7	5,09
8	1,24	8	2,53	8	3,82	8	5,11
.9	1,26	9	2,56	9	3,85	9	5,14
        <pb n="1059" />
        ﻿1040

Tab. XIX. Extraktgehalt aus dem spezifischen Gewicht für Wein.

X	E	X	E	X	E	X	E
1,0200	6,17	1,0250	6,46	1,0300	7,76	1,0350	9,05
1	5.19	1	6,49	1	7.78	1	9,08
2	5,22	2	6,51	2	7,81	2	9,10
3	5,25	3	6,54	3	7,83	3	9,13
4	5,27	4	6,56	4	7,86	4	9,16
5	5,30	5	6,59	5	7,89	5	9,18
6	5,32	6	6.62	6	7.91	6	9,21
7	5,35	7	6,64	7	7,94	7	9.23
8	5,38	8	6,67	8	7,97	8	9,26
9	5,40	9	6,70	9	7,99	9	9,29
1,0210	5,43	1.0260	6,72	1,0310	8,02	1,0360	9,31
1	5,45	1	6.75	1	8,04	1	9.34
2	6.48	2	6,77	2	8,07	2	9.36
3	5,51	3	6,80	3	8,09	3	9,39
4	5,63	4	6,82	4	8,12	4	9,42
5	5,56	5	6,85	5	8.14	5	9,44
6	5,58	6	6,88	6	8.17	6	9,47
7	5,61	7	6.90	7	8,20	7	9,49
8	5,64	8	6,93	8	8,22	8	9,52
9	5,66	9	6,95	9	8,25	9	9,55
1,0220	5,69	1,0270	6,98	1,0320	8.27	1,0370	9,57
1	5,71	1	7,01	1	8,30	1	9,60
2	6,74	2	7,03	2	8,33	2	9,62
3	5,77	3	7,06	3	8,35	3	9,65
4	5,79	4	7.08	4	8,38	4	9,68
5	5,82	5	7,11	5	8,40	5	9,70
6	5,84	6	7,13	6	8,43	6	9,73
7	5,87	7	7,16	7	8,46	7	9,75
8	5,89	8	7,19	8	8,48	8	9,78
9	5,92	9	7,21	9	8,51	9	9,80
1,0230	5,94	1,0280	7,24	1,0330	8,53	1,0380	9,83
1	5,97	1	7,26	1	8,56	1	9,86
2	6,00	2	7,29	2	8,59	2	9,88
3	6,02	3	7,32	3	8,61	3	9,91
4	6,05	4	7,34	4	8,64	4	9,93
5	6,07	5	7.37	5	8,66	5	9.96
6	6,10	6	7,39	6	8,69	6	9,99
7	6,12	7	7,42	7	8,72	7	10,01
8	6,15	8	7,45	8	8,74	8	10,04
9	6,18	9	7,47	9	8,77	9	10,06
1,0240	6,20	1,0290	7,50	1,0340	8,79	1,0390	10,09
1	6,23	1	7,52	1	8,82	1	10,11
2	6,25	2	7,56	2	8,86	2	10,14
3	6,28	3	7,58	3	8,87	3	10,17
4	6,31	4	7,60	4	8,90	4	10,19
5	6,33	5	7,63	5	8,92	5	10,22
6	6,36	6	7,65	6	8,96	6	10,25
7	6,38	7	7,68	7	8,97	7	10,27
8	6,41	8	7,70	8	9.00	8	10,30
9	6,44	9	7,73	9	9,03	9	10,32
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        ﻿X)

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

1

2

3

4

5

6

7

8

9

!0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

!0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

1

2

3

4

5

6

7

8

9

Extraktgehalt aus dem spezifischen Gewicht für Wein. 1041



X	E	X	E
1,0450	11,65	1,0600	12,95
1	11,68	1	12,97
2	11,70	2	13,00
3	11,73	3	13,03
4	11,76	4	13,05
5	11,78	6	13,08
6	11.81	6	13.10
7	11,83	7	13,13
8	11,86	8	13,16
9	11,88	9	13,18
1,0460	11,91	1,0610	13,21
1	11.94	1	13,23
2	11,96	2	13,26
3	11,99	3	. 13,29
4	12,01	4	13,31
5	12,04	5	13,34
6	12,06	6	13,36
7	12.09	7	13,39
8	12,12	8	13,42
9	12,14	9	13,44
1,0470	12,17	1,0520	13,47
1	12,19	1	13,49
2	12,22	2	13,52
3	12,25	3	13,55
4	12,27	4	13,57
5	12,30	5	13,60
6	12,32	6	13,62
7	12,35	7	13,65
8	12,38	8	13,68
9	12,40	9	13,70
1,0480	12,43	1,0630	13,73
1	12,45	1	13,75
2	12,48	2	13,78
3	12,61	3	13,81
4	12,53	4	13,83
6	12,56	6	13,86
6	12,58	6	13,89
7	12,61	7	13,91
8	12,64	8	13,94
9	12,66	9	13,96
1,0490	12,69	1,0540	13,99
1	12,71	1	14,01
2	12,74	2	14.04
3	12,77	3	14,07
4	12,79	4	14,09
5	12,82	5	14,12
6	12,84	6	14,14
7	12,87	7	14,17
8	12,90	8	14,20
9	12,92	9	14,22

B

1,0560

1

2

3

4

5

6

7

8
9

14,25

14,28

14,30

14,33

14,35

14,38

14,41

14,43

14,46

14,48

1,0660

1

2

3

4

5

6

7

8
9

14,51

14,54

14,56

14,59

14,61

14,64

14;67

14,69

14,72

14,74

1,0570

1

2

3

4

5

6

7

8
9

14,77

14,80

14,82

14,85

14,87

14,90

14,93

14,95

14,98

15,00

1,0580

1

2

3

4

5

6

7

8
9

15,03

15,06

15,08

15,11

15,14

15,16

15,19

15,22

15,24

15,27

1,0590

1

2

3

4

5

6

7

8
9

15,29

15.32

15,35

15,37

15,40

16,42

15,45

15,48

15,50

15,63

!, B. Auflage.

66
        <pb n="1061" />
        ﻿1042

Tab. XIX. Extraktgehalt aus dem spezifischen Gewicht für Wein.

X	E	X	B	X	E	X	E
1,0600	15,55	1,0650	16,86	1,0700	18,16	1,0750	19,47
1	15,68	1	16,88	1	18,19	1	19,50
2	15,61	2	16,91	2	18,22	2	19,52
3	16,63	3	16,94	3	18,24	3	19,56
4	15,66	4	16,96	4	18,27	4	19,58
5	15,68	5	16,99	5	18,30	5	19,60
6	15,71	6	17,01	6	18,32	6	19,63
7	15.74	7	17,04	7	18,35	7	19,65
8	15,76	8	17,07	8	18,37	8	19,68
9	15,79	9	17,09	9	18,40	9	19,71
1,0610	15,81	1,0660	17,12	1,0710	18,43	1,0760	19,73
1	15,84	1	17,14	1	18,46	1	19,76
2	15.87	2	17,17	2	18,48	2	19,79
3	16.89	3	17,20	3	18,60	3	19,81
4	15,92	4	17.22	4	18,53	4	19,84
5	16,94	5	17,25	5	18,66	5	19,86
6	15,97	6	17,27	6	18,58	6	19,89
7	16,00	7	17,30	7	18,61	7	19,92
8	16,02	8	17.33	8	18,63	8	19,94
9	16,05	9	17,36	9	18,66	9	19,97
1,0620	16.07	1,0670	17,38	1,0720	18,69	1,0770	20,00
1	16,10	1	17,41	1	18,71	1	20,02
2	16,13	2	17,43	2	18.74	2	20,06
3	16,15	3	17,46	3	18.76	3	20,07
4	16,18	4	17,48	4	18,79	4	20,10
6	16,21	5	17,61	6	18,82	5	20,12
6	16,23	6	17,54	6	18,84	6	20,15
7	16,26	7	17,66	7	18,87	7	20,18
8	16,28	8	17,59	8	18.90	8	20,20
9	16,31	9	17,62	9	18,92	9	20,23
1,0630	16,33	1,0680	17,64	1,0730	18,95	1,0780	20,26
1	16,36	1	17,67	1	18,97	1	20,28
2	16,39	2	17,69	2	19,00	2	20,31
3	16,41	3	17,72	3	19,03	3	20,34
4	16,44	4	17,75	4	19,05	4	20,36
6	16,47	5	17,77	5	19,08	5	20,39
6	16,49	6	17,80	6	19,10	6	20,41
7	16,52	7	17,83	7	19,13	7	20,44
8	16,64	8	17,85	8	19,16	8	20,47
9	16,57	9	17,88	9	19,18	9	20,49
1,0640	16,60	1,0690	17,90	1,0740	19,21	1,0790	20,52
1	16,62	1	17,93	1	19.23	1	20,56
2	16,65	2	17.96	2	19,26	2	20,57
3	16,68	3	17,98	3	19,29	3	20,60
4	16,70	4	18,01	4	19,31	4	20,62
5	16,73	5	18,03	6	19,34	5	20,65
6	16,75	6	18,06	6	19,37	6	20,68
7	16,78	7	18,08	7	19,39	7	20,70
8	16,80	8	18,11	8	19,42	8	20,73
9	16,83	9	18,14	9	19,44	9	20,75
        <pb n="1062" />
        ﻿1

2

3

4

5

6

7

8

9

LO

1

2

3

4

5

6

7

8

9

iO

1

2

3

4

5

6

7

8

9

iO

1

2

3

4

6

6

7

8

9

iO

1

2

3

4

5

6

7

8

9

i. XIX. Bxtraktgehalt aus dem spezifischen Gewicht für Wein.

1043

E

x

E

x

B

x

E

20,78

20,81

20,83

20,86

20,89

20,91

20,94

20,96

20,99

21.02

1,0860

1

2

3

4

5

6

7

8
9

22,09

22.12

22,15

22,17

22,20

22,22

22,25

22,28

22,30

22,33

1,0900

1

2

3

4

5

6

7

8
9

23,41

23,43

23,46

23,49

23,51

23,54

23,67

23,59

23,62

23,66

1,0950

1

2

3

4
6
6

7

8
9

24,72

24,75

24,78

24,80

24,83

24,85

24,88

24,91

24,93

24,96



21,04

21,07

21,10

21,12

21,16

21,17

21,20

21,23

21,26

21,28

1,0860

1

2

3

4

5

6

7

8
9

22,36

22,38

22,41

22*43

22,46

22,49

22,51

22,64

22,67

22,69

1,0910	23,67
1	23.70
2	23,72
3	23,75
4	23,77
6	23,80
6	23,83
7	23,86
8	23,88
9	23,91

1,0960

1

2

3

4
6
6

7

8
9

24,99

25,01

26,04

26,07

26,09

26,12

25,14

26,17

25,20

25,22

21,31

21,33

21,36

21,38

21,41

21,44

21,46

21,49

21,52

21,54

1,0870

1

2

3

4
6
6

7

8
9

22,62

22,65

22,67

22,70

22,72

22,76

22.78

22,80

22,83

22,86

1,0920

1

2

3

4

5

6

7

8
9

23,93

23,96

23,99

24,01

24,04

24,07

24^09

24,12

24,14

24,17

1,0970

1

2

3

4

5

6

7

8
9

25,25

26,28

26,30

26,33

26,36

26,38

25,41

26,43

26,46

25,49

21,57

21.69
21,62
21,65
21,67

21.70
21,73
21,75
21,78
21,80

1,0880

1

2

3

4

5

6

7

8
9

22,88

22,91

22,93

22,96

22,99

23,01

23,04

23,07

23,09

23,12

1,0930

1

2

3

4

5

6

•	7

8
9

24,20

24,22

24,25

24,27

24,30

24,33

24,35

24,38

24,41

24,43

1,0980

1

2

3

4
6
6

7

8
9

25.61
25,54

25.66

26.69

25.62
25,64

26.67

26.70
25,72
25,75

21,83

21,86

21,88

21,91

21,94

21,96

21,99

22,02

22,04

22,07

1,0890

1

2

3

4
6
6

7

8
9

23,14

23,17

23,20

23,22

23,25

23,28

23,30

23,33

23,35

23,38

1,0940

1

2

3

4

5

6

7

8
9

24,46

24,49

24.61
24,64
24,57

24.69

24.62
24,64
24,67

24.70

1,0990

1

2

3

4

5

6

7

8
9

25,78

25,80

25,83

25,85

26,88

26,91

25,93

25,96

25,99

26,01

66*
        <pb n="1063" />
        ﻿1044

Tab. XIX. Bxtraktgehalt aus dem spezifischen Gewicht für Wein.

X	E	X	B	X	E	X	E
1,1000	26,04  26,06	1,1040	27,09	1,1080	28,15	1,1120	29,20
i		1	27,12	1	28,17	1	29,23
2	26,09  26,12	2	27,15	2	28,20	2	29,25
3		3	27,17  27,20	3	28,22	3	29,28
4	26,14	4		4	28,25	4	29,31
5	26,17	5	27,22	6	28,28	5	29,33
6	26,20	6	27,25	6	28,30	6	29,36
7	26,22	7	27,27	7	28,33	7	29,39
8	26,25	8	27,30	8	28,36	8	29,41
9	26,27	9	27,33	9	28,38	9	29,44
1,1010	26,30	1,1050	27,35	1,1090	28,41	1,1130	29,47
1	26,33	1	27,38	1	28,43	1	29,49
2	26,36	2	27,41	2	28,46	2	29,52
3	26,38	3	27,43	3	28,49	3	29,54
4	26,41	4	27,46	4	28,51	4	29,57
5	26,43	5	27,49	5	28,54	5	29,60
6	26,46	6	27,51  27,64	6	28,57	6	29,62
7	26,49	7		7	28,59	7	29,65
8	26,51	8	27,57	8	28,62	8	29,68
9	26,54	9	27,59	9	28,65	9	29,70
1,1020	26,56	1,1060	27,62	1,1100	28,67	1,1140	•29,73
1	26,59	1	27,65	1	28,70	1	29,76
2	26,62	2	27,67	2	28,73	2	29,78
3	26,64	3	27,70	3	28,76	3	29,81
4	26,67	4	27,72	4	28,78	4	29,83
5	26,70	5	27,76	5	28,81	5	29,86
6	26,72	6	27,78	6	28,83	6	29,89
7	26,75	7	27,80	7	28,86	7	29,91
8	26,78  26,80	8	27,83	8	28,88	8	29,94
9		9	27,86	9	28,91	9	29,96
1,1030  1  2  3  4  5  6  7  8  9	26,83  26,86  26,88  26,91  26,93  26,96  26,99  27,01  27,04  27,07	1,1070  1  2  3  4  5  6  7  8  9	27,88  27,91  27,93  27,96  27,99  28,01  28,04  28;07  28,09  28,12	1,1110  1  2  3  4  5  6  7  8  9	28,94  28,96  28,99  29,02  29,04  29,07  29,09  29,12  29.16  29.17	1,1150	29,99
        <pb n="1064" />
        ﻿l) Vergl. Halenke und Möslinger, Zeitschr. f. anal. Chemie 1895, 34, 263.

'o "o o 'o o o 'o'o'o'o'o o o o "ö bo "o "o Id bbbbbbbbbbbbbbbbbbbb ~o  CDCOCOCOCOCOCOGOCGOOCO&lt;l-a&lt;l&lt;l-J&lt;l^l-J&lt;l&lt;ia)05C505Pa5Q050501Ü»ÜiÜtO&lt;OiOtÜ'Ü'Üi  ococc^aJO^wtCKOcDGc^Pü'^wccMOOco-viaja'^wtCHOcßCo^ioiüt^wcoK	Spez. Gewicht
^COJLO^ODJNOJnOJD^DJD JD JDJDJD CO 00_G0 GOj&lt;]j&lt;1 j&lt;1 j&lt;1 JDJJD_CDJ3DJ0»  'b1 bD 'as 'w	'bo 'bx "od bo ~-&lt;i bn bo bo	"i-*- "cd 'od b- b bo "od bo bo bo bn bo "o ba bn lo "cd ba b* 'm- "cd bo bo  M^CCKCHGOHÜiGOtOÜtCCMGuCOMPCCOiPO^OH^CCWa'COtOPOW^IK^GCL'OPCC	^ Trockensubst, m § n. Halenke | u.Möslinger1)
coccooGooooooooocoGOQo-o-a&lt;i-a-&lt;i&lt;i&lt;i&lt;i-*a-^aDCDODa50DaDaDaDOD05Cncnü»c^ü^cnC7&lt;o^üi  Ococo*v]PO^o;tCKOCGo&lt;io:ot^wtOHOPGc-oo:ot^wwKOCCo^ipa(^WMH	® Oechsles Most- &amp;	wage  CD
_GC CO ~4 j»J J-O _~H ~H JJ5 OD jTi JD _&lt;D üx Oi JOx JOx Ox O'^^i^^^WWWWWMtOWtOtO 1—*■ J—*■ J—*■ H-1JD JD JD  1-0"Öboblbob-*-'cdbabnbo "m-'cd 'gobobo"0bcbobp bob-xbob]üxbo"obo"cd"V1-0"ob] Oxbob-*-bob]bn	n Klosterneu- s2” hurger Most £?	wage
1—*- K—1	►—*-	H-*-	1—^	1—^	&gt;—^- H-^	H-^ H—^	1—^ 1—^	1—^ 1—^	^ 1—i  OOOOOOOOC£c£)CDCDCDCDCCCßCCCCCCCCCCCOCDCO-v]&lt;l -O &lt;1 -.1 j-a j*a j-O  bD'bobj'bx'^'bobN3'h^'^'bo'bD'üx'^'b3bNO'cDbDb]'cD'bxbpa.bob--‘-'cD'cDbo'bD'bx'£».b»b-A'cDbDba'bD'bxbl^bob--1'CD  Ot	ch	öx	üx	E?	Wagners  w	Mostwage
WMWWMWtOtOMHHHMHMKKKKKKMKKKMKHKKHHMHKKMMMH JDJDJDJDJDJDJDJDJDJX.GOJXJXjOj&lt;1j-Ojn3 -OCP _OD CD _GD Ox _Ox Ox J3x vP Jp £- j£- ^CO ^CO ^CO _CO JO JO  bjxbo1—-bo~Gi~b-bo"oblb?xbo 0bobDbp b-*-bo'&lt;1 b?x bo'obo'üx CO'b-1 bc "ab4- b-*- CDblbbobl bjxbo"0bo bn	|f Ballings  g: Saccharometer  O	1
1—*■!—tl-‘-l-lM'l—‘■1—‘■1—»-l-1!—‘■l—‘■1—‘■(—‘■►--‘■1-il—»-l—»-l—‘■&gt;—‘•1—LH-il—»-l—^l—‘l—‘l—il—^1—‘■1—‘■l-Al—‘■1—*■!—‘■1—^l-il—‘■►-‘■I—‘•H-*-  —‘■'b—*• bb- r^b- b'b'b'b H^'b'bl'b'b'bb-lb--‘'b--‘-b-*-b-J-'l-‘-b--*-b-*-b-‘- H-1	i-1 'O~0"O'Ö'Ö"O"O"O~0  WKiKJWtOKiKJtObStOtOKKHMHHPHMHOOCOOOOOOOCCDCß'vrcßcfiCCDcß  OCCCOPÜ'^WtOHOcßGC^lOJÜ'^Wl'OKOCDCO^lQÜi^WKJKOCCCO^iaiÜi^WtNSK	Spez. Gewicht
COCOCODOCOtOCOCOCOtOCOCOCOtNSCOCOCOCOCOCO  1 1 1	1 JLC OD_GC OD j-J j-J J&lt;I^-0	OT- O*	JO&lt; Jp _lp Jp_O0  1	1	1 ^D^&lt;i^l&gt;o^^^P^'cD'aD'aD'Hj-'bo'ai'bD'o'&lt;i'cn'co'co  ZJt	00 CO CO CO	00 DO	CO l—1	00 H-1	GO 1—1 iP»- 00	5.' Trockensubst. m § n. Halenke f u.Möslinger1)
l-^ 1—*•	b—1	1—1	1—L	1—1	1—1	1—1	1—1	1—1	1—1	1—1	1—1	1—1	1—1	1—1	1—1	I—1 I—1	H-^	1—1	1—1	1—*■	1—*■	1—1	1—1	1—*■	1—1	h-1	1—1  WWKIWtCltOKitOtOtODOHMKHHHHHKh'OOOOOOOCOOCCflJCCOCCCDCOCßCD  OCDGD&lt;IO:Oil^WDOl-‘OCDGD&lt;ia50i^WlN2HOCa^IPÜ'^WlN2MOCDCC-oa5Üi^WK)H	§ Oechsles Most- |.	wage
COCOCODOCOCOtNOI&gt;OCOCOtOCOCOCOtODOtOCODOCODOtOCOCOCOtOtNOI&gt;OK)l-Ai-Ai-li-Li-ll-li-tl-Ll-li—LH-t  ^ ^_p_p_pjD_5D_CDjD_5DjX5jr&gt;^GO CO &amp;) CO CP  Ix ^ l&gt;o Id Ix ^ Ino Id Ijd ^	Ix ^ Ino ^ Ix "ai ^ "lo "o'cc ~od ^ Ino "o "bo	'w'h-1 "00	~cn "w ~co "o'cd "bo "od'ch "w	gj Klosterneu- 5°g. hurger MosG  EB	wage
J^j3Dj3Djj2jDjJ2jO\Ü&lt;JO’JO\0\Ü'J^JD\^jP^PjPjPjf^j^jPjP^JXJX_CO_CX_CD5k:50jXJN5JNOjNOJ.'OJOJNOJNOjNO  'cd 101 '►p"co'h-^~o"cdbc'bi"cd'ipbcId'i-a"cdbo'*■&lt;1 Id'►pbo'h-1 "o'cdbc"bibr*^~bo"co'h-^"cdbo"-4 cp4^bo^"0	if	Wagners  J	Mostwage
CCtNOtDCOCOtNOtOCOtOCOCODOtNOCOtNODOtOMiCOtDCOtOCOCOCOtNOCOtNOtNOCOtOCOCOCOCOCOCODOCOtNO JDJDJDJDJDJDJXJXJXJXJX _-0 ^ J^4 ^4	jPjf^jPjPJXJLO^COJLO JLO JN3JN0 JNO JNO J-1-  'i-i bD*-&lt;i b* Id 'o bc 'cd 'Jp bo 'obcbr&lt; bx: b-1 bc' bi br» bo	bc bri "vP bo "0 bo bn bo 'h-1 bo Vi bn bo bD bo brs	bo "cd b.i	|f Ballings % g: Saccharometer  o~~ 1

csa

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CD

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*

Tab. XX. Angaben yersch. Mostwagen u. Extraktgeh. n. Halenke u. Möslinger. 1045
        <pb n="1065" />
        ﻿1046 Tab- XXI. Berechnung des Phosphorsäure-Gehaltes der Düngemittel.

Tabelle XXI.

Berechnung des Gehaltes der Düngemittel an Phosphorsäure
hei Anwendung von 0,5 g Substanz nach E, Haselhoff.1)

o  Ph  a  g	lO  o  »1  Ph  0/  Io	o  pT  oi  bß  Sl  g	&gt;o  o  Ph*1  01  Io	o  03  PH  bE  a  g	i!5  O  CI  Ph  0/  Io	o  o  Ph1  bß  8	K5  o  PM  0/  Io	o  P-T  bß  8	o  Ol  Ph  0/  Io	cT  pT  tS  g	iQ  o  pT  0/  Io
0,0400	5,10	0,0480	6,12	0,0560	7.15	0,0640	8,17	0,0720	9,19	0,0800	10,21
2	5,13	2	6,14	2	7,17	2	8,19	2	9,21	2	10,23
4	5,16	4	6,18	4	7,20	4	8,22	4	9,24	4	10,26
6	5,18	6	6,20	6	7,22	6	8,24	6	9,26	6	10,28
8	5,21	8	6,23	8	7,26	8	8,27	8	9,29	8	10,31
0,0410	5,23	0,0490	6,25	0,0670	7,27	0,0660	8,29	0,0730	9,31	0.0810	10,33
2	5,26	2	6,28	2	7,30	2	8,32	2	9,34	2	10,36
4	5,28	4	6.30	4	7,32	4	8.35	4	9,37	4	10,39
6	6,31	6	6,33	6	7,35	6	8.37	6	9,39	6	10,41
8	5,33	8	6,35	8	7,38	8	8,40	8	9,42	8	10,44
0,0420	6,36	0,0600	6.38	0,0580	7,40	0,0660	8,42	0,0740	9,44	0,0820	10,46
2	5,38	2	6,41	2	7,43	2	8,45	2	9,47	2	10,49
4	5,41	4	6,43	4	7,46	4	8,47	4	9,49	4	10,51
6	6,44	6	6,46	6	7,48	6	8,60	6	9,52	6	10,54
8	5,46	8	6,48	8	7,50	8	8,62	8	9,54	8	10,57
0,0480	5,49	0,0610	6,51	0,0690	7,53	0,0670	8,55	0,0760	9,57	0,0830	10,69
2	5,61	2	6,63	2	7,55	2	8,57	2	9,60	2	10.62
4	6,64	4	6,56	4	7,58	4	8,60	4	• 9,62	4	10.64
6	5,56	6	6,58	6	7,60	6	8,63	6	9,65	6	10,67
8	6,69	8	6,61	8	7,63	8	8,65	8	9,67	8	10,69
0,0440	5,61	0,0620	6,64	0,0600	7,66	0,0680	8,68	0,0760	9,70	0,0840	10,72
2	5,64	2	6,66	2	7,68	2	8,70	2	9,72	2	10,74
4	6,67	4	6,69	4	7,71	4	8,73	4	9,75	4	10,77
6	6,69	6	6,71	6	7,73	6	8,76	6	9,77	6	10,79
8	5,72	8	6,74	8	7,76	8	8,78	8	9,80	8	10,82
0,0450	5,74	0,0530	6,76	0,0610	7,78	0,0690	8,80	0,0770	9,83	0,0860	10,85
2	5,77	2	6.79	2	7,81	2	8,83	2	9,85	2	10,87
4	6,79	4	6,81	4	7,83	4	8,86	4	9,88	4	10,90
6	5,82	6	6,84	6	7,86	6	8.88	6	9,90	6	10,92
8	5,84	8	6,86	8	7,88	8	8,91	8	9,93	8	10,95
0,0460	5,87	0,0540	6,89	0,0620	7,91	0,0700	8,93	0,0780	9,95	0,0860	10,97
2	6,90	2	6,92	2	7,94	2	8,96	2	9,98	2	11.00
4	6,92	4	6,94	4	7,96	4	8,98	4	10,00	4	11,02
6	5,96	6	6,97	6	7,98	6	9,01	6	10,03	6	11,05
8	5,97	8	6,99	8	8,01	8	9,03	8	10,05	8	11,08
0,0470	6,00	0,0550	7,02	0,0630	8,04	0,0710	9,06	0,0790	10,08	0,0870	11,10
2	6,02	2	7,04	2	8,06	2	9,09	2	10,11	2	11,13
4	6,04	4	7,07	4	8,09	4	9,11	4	10,13	4	11,15
6	6,07	6	7,09	6	8,12	6	9,14	6	10.16	6	11,18
8	6,10	8	7,12	8	8,14	8	9,16	8	10.18	8	11,20

0 In dieser Tabelle ist der neue Faktor, nämlich 0,638 P.O„ = 1 Mg2P.,0„ angewendet. Wenn-
g eie le Differenz gegen die frühere Berechnung mit dem Faktor 0,640 nur sehr gering ist, so glaubten
wu oc mit Rücksicht auf die neuen Atomgewichte diese Umrechnung vornehmen zu müssen.
        <pb n="1066" />
        ﻿Tab. XXI. Berechnung des Phosphorsäure-Gehaltes der Düngemittel. 1047

cT  ei  Ph  CI  bß  s  g	•O  o  p?  01  Io	o  -0*  Ph  bß  8	o  ei  Ph  Io	o  Ol  Oh  tS  H  g.	ia  o  Ol  Ph  0/  Io	o  -ff«  Ph  bß  g	o  o  Ph  01  Io	o  ei  P4.  bß  S  8	&gt;a  o  ei  Ph  0/  Io	o  -ff«  Ph  bß  S  8	«a  o  d  Ph  0/  Io
0,0880	11,23	0,0980	12,60	0,1080	13,78	0.1180	15,05	0,1280	16.33	0.1380	17,61
2	11.25	2	12,53	2	13,81	2	16,08	2	16,36	2	17,63
4	11,28	4	12,56	4	13,83	4	15,11	4	16,38	4	17,66
6	11,31	6	12,58	6	13,86	6	15,13	6	16,41	6	17,69
8	11,33	8	12,61	8	13,88	8	16,16	8	16,43	8	17,71
0,0890	11,36	0,0990	12,63	0,1090	13,91	0,1190	15,18	0,1290	16,46	0,1390	17,74
2	11,38	2	12,66	2	13,94	2	15,21	2	16,49	2	17,76
4	11,41	4	12,68	4	13,96	4	16,24	4	16,61	4	17,79
6	11,43	6	12,71	6	13,98	6	16,26	6	16,64	6	17,81
8	11,46	8	12,73	8	14,01	8	15,29	8	16,56	8	17,84
0,0900	11,48	0,1000	12,76	0,1100	14,04	0,1200	16,31	0,1300	16,69	0,1400	17,86
2	11,51	2	12,79	2	14,06	2	16,34	2	16,61	2	17,89
4	11,54	4	12,81	4	14,09	4	16,36	4	16,64	4	17,92
6	11,56	6	12,84	6	14,11	6	16,39	6	16,67	6	17,94
8	11,59	8	12,86	8	14,14	8	16,41	8	16,69	8	17,97
0,0910	11,61	0,1010	12,89	0,1110	14,16	0,1210	15,44	0,1310	16,72	0,1410	17,99
2	11,64	2	12,91	2	14,19	2	16,47	2	16,74	2	18,02
4	11.66	4	12,94	4	14,21	4	15,49	4	16,77	4	18,04
6	11,69	6	12,96	6	14,24	6	16,52	6	16,79	6	18,07
8	11,71	8	12,99	8	14,27	8	16,64	8	16,82	8	18,09
0,0920	11,74	0,1020	13,02	0,1120	14,29	0,1220	16,67	0,1320	16,84	0,1420	18,12
2	11,76	2	13,04	2	14,32	2	15,69	2	16,87	2	18,14
4	11,79	4	13,07	4	14,34	4	16,62	4	16,89	4	18,17
6	11,82	6	13,09	6	14,37	6	15,64	6	16,92	6	18,20
8	11,84	8	13,12	8	14,39	8	15,67	8	16,95	8	18,22
0,0930	11,87	0,1030	13,14	0,1130	14,42	0,1230	16,69	0,1330	16,97	0,1430	18,26
2	11,89	2	13,17	2	14,44	2	16,72	2	17.00	2	18,27
4	11,92	4	13,19	4	14,47	4	15,76	4	17,02	4	18,30
6	11,94	6	13,22	6	14,60	6	15,77	6	17,06	6	18,32
8	11,97	8	13,24	8	14,62	8	16,80	8	17,07	8	18,36
0,0940	11,99	0,1040	13,27	0,1140	14,54	0,1240	15,82	0,1340	17,10	0.1440	18,37
2	12,02	2	13,30	2	14,67	2	15,85	2	17,12	2	18,40
4	12,06	4	13,32	4	14,60	4	15,87	4	17.15	4	18,43
6	12,07	6	13,35	6	14,62	6	15,90	6	17,17	6	18,46
8	12,10	8	13,37	8	14,65	8	15,92	8	17,20	8	18,48
0,0950	12,12	0,1050	13,40	0,1150	14,67	0,1250	16,96	0,1360	17,23	0,1460	18,60
2	12,15	2	13,42	2	14,70	2	16,98	2	17,25	2	18,53
4	12,17	4	13,46	4	14,73	4	16,00	4	17,28	4	18,56
6	12,20	6	13,47	6	14,75	6	16,03	6	17,30	6	18,68
8	12,22	8	13,50	8	14,78	8	16,05	8	17,33	8	18,60
0.0960	12,25	0,1060	13,63	0,1160	14,80	0,1260	16,08	0,1360	17,35	0,1460	18,63
2	12,28	2	13,56	2	14,83	2	16,10	2	17,38	2	18,66
4	12,30	4	13,58	4	14,85	4	16,13	4	17,40	4	18,68
6	12,33	6	13,60	6	14,88	6	16,16	6	17,43	6	18,71
8	12,35	8	13,63	8	14,90	8	16,18	8	17,46	8	18,73
0,0970	12,38	0,1070	13,66	0,1170	14.93	0,1270	16,21	0,1370	17,48	0,1470	18,76
2	12,40	2	13,68	2	14,96	2	16,23	2	17,51	2	18,78
4	12,43	4	13,70	4	14,98	4	16,26	4	17,53	4	18,81
6	12,46	6	13,73	6	16,01	6	16,28	6	17,66	6	18,83
8	12,48	8	13,76	8	15,03	8	16,31	8	17,68	8	18,86
        <pb n="1067" />
        ﻿1048 Tat- XXL Berechnung des Phosphorsäure-Gehaltes der Düngemittel.

cf  oa  fM  Ol  bß  s	O  -N  Ph  0/  Io	o  CI  Ph  tS  g	iO  o  p?  0/  Io	t&gt;  o  aT  tS  a  g	-3 PO  o	r2KJ5	d"  Ah"  tSJ  a  g	iO  o  pT  0/  Io	cT  p-i  de  S  g	o  o  Oh"  01  Io	cT  OJ  Ph  bß  s	iO  c  P?  0/  Io
0,1480	18,88	0,1580	20,16	0,1680	21,44	0,1780	22,71	0.1880	23,99	0,1980	25,26
2	18,91	2	20,19	2	21,46	2	22,74	2	24,01	2	26,29
4	18,94	4	20,21	4	21,49	4	22.76	4	24,04	4	26,32
6	18,96	6	20,24	6	21,51	6	22,79	6	24,07	6	26,34
8	18,99	8	20,26	8	21,54	8	22,81	8	24,09	8	25,37
0,1490	19,01	0,1590	20,29	0,1690	21,57	0,1790	22,84	0,1890	24,12	0,1990	25.39
2	19,04	2	20,31	2	21,69	2	22,87	2	24,14	2	25,42
4	19.06	4	20,34	4	21,62	4	22,89	4	24,17	4	25,44
6	19,09	6	20,36	6	21,64	6	22,92	6	24,19	6	25,47
8	19,11	8	20,39	8	21,67	8	22,94	8	24,22	8	25,49
0,1600	19,14	0,1600	20,41	0,1700	21,69	0,1800	22,97	0,1900	24,24	0,2000	25,52
2	19.17	2	20,44	2	21,72	2	22,99	2	24.27	2	26,65
4	19,19	4	20,46	4	21,74	4	23,02	4	24,30	4	25,57
6	19,22	6	20,49	6	21,77	6	23,04	6	24,32	6	26,60
8	19,24	8	20,51	8	21,79	8	23,07	8	24,35	8	25,62
0,1510	19,27	0,1610	20,54	0,1710	21,82	0,1810	23,10	0,1910	24,37	0,2010	25,65
2	19,29	2	20,57	2	21,85	2	23,12	2	24,40	2	25,67
4	19,32	4	20,59	4	21,87	4	23,15	4	24,42	4	26,70
6	19,34	6	20,62	6	21,90	6	23,17	6	24,45	6	25.72
8	19,37	8	20,65	8	21,92	8	23,20	8	24,47	8	26,75
0,1520	19,40	0,1620	20,67	0,1720	21,94	0,1820	23,22	0,1920	24,50	0,2020	26,78
2	19,42	2	20,70	2	21,97	2	23,25	2	24,52	2	26,80
4	19,45	4	20,72	4	22,00	4	23,27	4	24,55	4	25,83
6	19,47	6	20,75	6	22,02	6	23,30	6	24,66	6	25,86
8	19,60	8	20,77	8	22,05	8	23,33	8	24,60	8	26,88
0,1530	19,52	0,1630	20,80	0,1730	22,07	0,1830	23,35	0,1930	24,63	0,2030	25,90
2	19,55	2	20.82	2	22,10	2	23,38	2	24,66	2	25,93
4	19,57	4	20,85	4	22,13	4	23,40	4	24,68	4	25,95
6	19.60	6	20,88	6	22,15	6	23,43	6	24,70	6	25,98
8	19,62	8	20,90	8	22,18	8	23,46	8	24,73	8	26,00
0,1540	19,65	0,1640	20,93	0,1740	22.20	0,1840	23,48	0,1940	24,75	0,2040	26,03
2	19,68	2	20,95	2	22,23	2	23,50	2	24,78	2	26,06
4	19,70	4	20,98	4	22,25	4	23,63	4	24,81	4	26,08
6	19,73	6	21,00	6	22,28	6	23,55	6	24,83	6	26,11
8	19,75	8	21,03	8	22,30	8	23,58	8	24,86	8	26,13
0,1550	19,78	0,1660	21,05	0,1760	22,33	0,1860	23,61	0,1950	24,88	0,2050	26,16
2	19,81	2	21,08	2	22,36	2	23,63	2	24,91	2	26,18
4	19,83	4	21,11	4	22,38	4	23,66	4	24,93	4	26,21
B	19,85	6	21,13	6	22,41	6	23,68	6	24,96	6	26,23
8	19,88	8	21,16	8	22,43	8	23,71	8	24,98	8	26,26
0,1560	19,91	0,1660	21,18	0,1760	22,46	0,1860	23,73	0,1960	26,01	0,2060	26,29
2	19,93	2	21,21	2	22,48	2	23,76	2	25,04	2	26,31
4	19,96	4	21,23	4	22,51	4	23,78	4	25,06	4	26;34
6	19,98	6	21,26	6	22,53	6	23,81	6	25,09	6	26,36
8	20,01	8	21,28	8	22,56	8	23,84	8	25,11	8	26,39
0,4570	20,03	0,1670	21,31	0,1770	22,59	0,1870	23,86	0,1970	25.14	0,2070	26,41
2	20,06	2	21,33	2	22,61	2	23,89	2	25,16	2	26,44
4	20,08	4	21,36	4	22,64	4	23,91	4	25,19	4	26.46
6	20,11	6	21,39	6	22,66	6	23^94	6	25,21	6	26,49
8	20,14	8	21,41	8	22,69	8	23,96	8	26,24	8	26,52
        <pb n="1068" />
        ﻿Tab. XXI. Berechnung des Phosphorsäure-Gehaltes der Düngemittel. 1049

C-  o  0»  Ph  tS  s  g	io  o  Ph  0/  Io	o  .c*  Ph  tS  g	»ffl  o  p?  0/  Io	o  o  Ph"  s	iO  o  p?  0/  Io	o  Ph  tS  s  g	iO  o  Ph’  0/  Io	o  o  Ph  bß  ä  g	&gt;o  o  p?  0/  10	o  Ph'  bü  a  g	«5  o  Ph  0/  Io
0,2080	26,54	0,2180	27,82	0,2280	29,09	0,2380	30,37	0,2480	31,64	0,2680	32,92
2	26,57	2	27,84	2	29,12	2	30,39	2	31,67	2	32,96
4	26,59	4	27,87	4	29,14	4	30,42	4	31,70	4	32,97
6	26,62	6	27,89	6	29,17	6	30,45	6	31,72	6	33,00
8	26,64	8	27,92	8	29,19	8	30,47	8	31,75	8	33,02
0,2090	26,67	0,2190	27,94	0,2290	29,22	0,2390	30,50	0,2490	31,77	0,2590	33,06
2	26,69	2	27,97	2	29.25	2	30,52	2	31.80	2	33,07
4	26,72	4	28,00	4	29,27	4	30,55	4	31,82	4	33'10
6	26,74	6	28,02	6	29,30	6	30,57	6	31,86	6	3342
8	26,77	8	28,05	8	29,32	8	30,60	8	31,87	8	3345
0,2100	26,80	0,2200	28,07	0,2300	29,35	0,2400	30,62	0,2500	31,90	0,2600	33,17
2	26,82	2	28,10'	2	29,37	2	30,65	2	31,93	2	33^20
4	26,85	4	28.12	4	29,40	4	30,68	4	31,95	4	33^23
6	26,87	6	28.15	6	29,42	6	30,70	6	31,98	6	33|25
8	26,90	8	28,17	8	29,45	8	30,73	8	32,00	8	33j28
0,2110	26,92	0,2210	28,20	0,2310	29,48	0,2410	30,75	0,2610	32,03	0,2610	33,30
2	26,96	2	28,23	2	29,50	2	30,78	2	32,05	2	33.33
4	26,97	4	28,25	4	29,53	4	30,80	4	32,07	4	33.35
6	27,00	6	28,28	6	29,55	6	30,83	6	32,11	6	33'38
8	27,03	8	28,30	8	29,58	8	30,85	8	32,13	8	33,41
0,2120	27,06	0,2220	28,33	0,2320	29,60	0,2420	30,88	0,2520	32,16	0,2620	33,43
2	27,08	2	28,35	2	29.63	2	30,90	2	32.18	2	33,46
4	27,10	4	28,38	4	29,66	4	30,93	4	32,21	4	33,48
6	27,13	6	28,40	6	29,68	6	30,96	6	32,23	6	33,51
8	27,15	8	28,43	8	29,71	8	30,98	8	32,26	8	33,53
0,2130	27,18	0,2230	28,45	0,2330	29,73	0,2430	31,01	0,2530	32,28	0,2630	33.56
2	27,20	2	28,48	2	29,76	2	31,03	2	32,31	2	33.58
4	27.23	4	28,51	4	29,78	4	31,06	4	32,33	4	33,61
6	27,26	6	28,53	6	29,81	6	31,08	6	32,36	6	33,64
8	27,28	8	28,66	8	29,83	8	31,11	8	32,39	8	33,66
0,2140	27,30	0,2240	28,58	0,2340	29,86	0,2440	31,13	0,2540	32,41	0,2640	33,69
2	27,33	2	28,61	2	29,88	2	31,16	2	32,44	2	33,71
4	27,35	4	28,63	4	29,91	4	31,19	4	32,46	4	33,74
6	27,38	6	28,66	6	29,93	6	31,21	6	32,49	6	33,76
8	27,40	8	28,68	8	29,96	8	31,24	8	32,51	8	33,79
0,2160	27,43	0,2250	28,71	0,2350	29,99	0,2450	31,26	0,2560	32,54	0,2650	33,81
2	27,46	2	28,74	2	30,01	2	31,29	2	32,66	2	33,84
4	27,49	4	28,76	4	30,04	4	31,31	4	32,59	4	33,87
6	27,51	6	28,79	6	30,06	6	31,34	6	32,62	6	33,89
8	27,54	8	28,81	8	30,09	8	31,36	8	32,65	8	33,92
0.2160	27,56	0,2260	28,84	0,2360	30,11	0,2460	31,39	0,2560	32.67	0,2660	33,94
2	27,69	2	28,86	2	30.14	2	31,42	2	32,69	2	33,97
4	27,61	4	28,89	4	30.16	4	31,44	4	32,72	4	33,99
6	27,64	6	28,91	6	30,19	6	31,47	6	32,74	6	34,02
8	27,66	8	28,94	8	30,22	8	31,49	8	32,77	8	34,04
0,2170	27,69	0,2270	28,97	0,2370	30,24	0,2470	31,52	0,2570	32,79	0,2670	34,07
2	27,71	2	28,99	2	30.27	2	31,54	2	32,82	2	34,09
4	27,74	4	29,02	4	30,29	4	31,67	4	32,84	4	34,12
6	27,77	6	29,04	6	30,32	6	31,59	6	32,87	6	34,15
8	27,79	8	29,07	8	30,34	8	31,62	8	32,90	8	34,17
        <pb n="1069" />
        ﻿1050 Tab. XXL Berechnung des Phosphorsäure-Gehaltes der Düngemittel.

cT		o  o		o		o		o		o	
Ph"	O	p?	o	ca  Ph	o	Ol  PM	o	pH	o	ca  Ph	i3  O
bß	Cm	bß	Ph	dß	oj	bß	Ph"	bß	Ph	bß	Ph
a		a		a							
g	°/o	g	01  Io	g	01  Io	s	0/  Io	g	01  Io	g	01  Io
0,2680	34,20	0,2770	35,34	0,2860	36,49	0,2950	37,64	0,3040	38,79	0,3130	39,94
2	34,22	2	35,37	2	36,62	2	37,67	2	38,82	2	39,96
4	34,25	4	35,40	4	36,64	4	37,69	4	38,84	4	39,99
6	34,27	6	35,42	6	36,57	6	37,72	6	38,87	6	40,02
8	34,30	8	36,45	8	36,60	8	37,74	8	38,89	8	40,04
0,2690	34,32	0,2780	36,47	0,2870	36,62	0,2960	37,77	0,3050	38,92	0,3140	40,07
2	34,35	2	36,50	2	36,65	2	37,80	2	38,94	2	40,09
4	34,38	4	35,52	4	36,67	4	37,82	4	38,97	4	40,12
6	34,40	6	35,55	6	36,70	6	37,85	6	38,99	6	40,14
8	34,43	8	35,57	8	36,72	8	37,87	8	39,02	8	40,17
0,2700	34,45	0,2790	35,60	0,2880	36,75	0.2970	37,90	0,3060	39,05	0,3150	40,19
2	34,48	2	35,63	2	36,77	2	37,92	2	39,07	2	40,22
4	34,60	4	35,66	4	36.80	4	37,95	4	39,10	4	40,25
6	34,53	6	35,68	6	36,83	6	37,97	6	39.12	6	40,27
8	34,55	8	35,70	8	36,85	8	38,00	8	39,15	8	40,30
0,2710	34,58	0,2800	35,73	0,2890	36,88	0,2980	38,02	0,3070	39,17	0,3160	40,32
2	34,61	2	35,76	2	36,90	2	38.05	2	39,20	2	40,35
4	34,63	4	35,78	4	36,93	4	38,08	4	39,22	4	40,37
6	34,65	6	35,80	6	36,96	6	38,10	6	39,25	6	40,40
8	34,68	8	36,83	8	36,98	8	38,13	8	39,28	8	40,42
0,2720	34,71	0,2810	35,86	0,2900	37,00	0.2990	38,15	0,3080	39,30	0,3170	40,45
2	34,73	2	36,89	2	37,03	2	38,18	2	39,33	2	40,47
4	34,76	4	35,91	4	37,06	4	38,20	4	39,35	4	40,50
6	34,78	6	35,93	6	37,08	6	38,23	6	39,38	6	40,53
8	34,81	8	35,96	8	37,11	8	38,25	8	39,40	8	40,55
0,2730	34,83	0,2820	35,98	0,2910	37,13	0,3000	38,28	0,3090	39,42	0,3180	40,58
2	34,86	2	36,01	2	37,16	2	38,31	2	39,45	2	40,60
4	34,89	4	36,03	4	37,18	4	38,33	4	39,48	4	40,63
6	34,91	6	36,06	6	37,21	6	38,36	6	39,50	6	40,65
8	34,94	8	36,09	8	37,23	8	38,38	8	39,53	8	40,68
0,2740	34,96	0,2830	36,11	0,2920	37,26	0,3010	38,41	0,3100	39,56	0,3190	40,70
2	34,99	2	36,14	2	37,28	2	38,43	2	39,68	2	40,73
4	35,01	4	36,16	4	37,31	4	38,46	4	39,61	4	40,76
6	36,04	6	36,19	6	37,33	6	38,48	6	39,63	6	40,78
8	35,06	8	36,21	8	37,36	8	38,51	8	39,66	8	40,81
0,2750	35,09	0,2840	36,24	0,2930	37,39	0,3020	38,54	0,3110	39,68		
2	36,12	2	36,26	2	37,41	2	38,56	2	39.71		
4	36,14	4	36,29	4	37,44	4	38,69	4	39,73		
6	35,17	6	36,31	6	37,46	6	38,61	6	39,76		
8	35,19	8	36,34	8	37,49	8	38,64	8	39,79		
0,2760	35,21	0,2850	36,37	0,2940	37,51	0,3030	38,66	0,3120	39,81		
2	35,24	2	36,39	2	37,54	2	38,69	2	39,84		
4	35,27	4	36,42	4	37,57	4	38,71	4	39,86		
6	35,29	6	36,44	6	37,59	6	38,74	6	39,89		
8	35,32	8	36,47	8	37,62	8	38,76	8	39,91
        <pb n="1070" />
        ﻿Atomgewichte d. chem. Elemente. — Faktoren zur Berechn, d. gesuchten Substanz. 1051

Atomgewichte der chemischen Elemente.

Nach dem Bericht des internationalen Atomgewichts-Ausschusses (P. W. Clarke.
H. Moissan, K. Seubert und T. E. Thorpe) vom 13. Dezember 1906 l) hat sichjetzt auch die
große internationale Atomgewichts-Kommission damit einverstanden erklärt, von jetzt an nur
eine Atomgewichts-Tabelle aufzustellen und als solche die auf 0 = 16 bezogene zu wählen,2)
Die Anfang 1906 angenommenen „Internationalen Atomgewichte“, be-

zogen auf 0 =  Aluminium. .	= 16,  Al	sind fol  27,1	gende:  Kalium ....	K	39,15	Sauerstoff . .	0	16.0
Antimon . . .	Sb	120,2	Kobalt ....	Co	59,0	Scandium. . .	Sc	44,1
Argon , . .	A	39,9	Kohlenstoff. .	C	12,0	Schwefel , , .	S	32,06
Arsen		As	75,0	Krypton . . .	Kr	81,8	Selen		Se	79,2
Baryum. . . .	Ba	137,4	Kupfer ....	Cu	63,6	Silber		Ag	107,93
Beryllium . .	Be	9,1	Lanthan . . .	La	138,9	Silicium . , .	Si	28,4
Blei		Pb	206,9	Lithium . . .	Li	7,03	Stickstoff . . .	N	14,04
Bor		B	11,0  79,96	Magnesium. .	Mg	24,36	Strontium . .	Sr	87,6
Brom		Br		Mangan . . .	Mn	66,0	Tantal ....	Ta	183,0
Cadmium . . .	Cd	112,4	Molybdän. . .	Mo	96,0	Tellur ....	Te	127.6
Caesium . . .	Cs	132,9	Natrium . . .	Na	23,05	Terbium . , .	Tb	160.0
Calcium. . . .	Ca	40,1	Neodym . , .	Nd	143.6	Thallium . . .	TI	204.1
Cerium ....	Ce	140,25	Neon		Ne	20,0	Thorium . . .	Th	232.6
Chlor		CI	35,45	Nickel ....	Ni	58,7	Thulium . . .	Tu	171.0
Chrom ....	Cr	52,1	Niobium . . .	Nb	94,0	Titan		Ti	48,1
Eisen		Fe	55,9	Osmium . . .	Os	191.0	Uran		U	238,5
Erbium ....	Er	166,0	Palladium . .	Pd	106,6  31,0	Vanadin . . .	V	51,2
Fluor 		P	19,0	Phosphor . . .	P		Wasserstoff .	H	1,008
Gadolinium .	Gd	156,0  70,0	Platin ....	Pt	194.8	Wismut . . .	Bi	208,5
Gallium. . , .	Ga		Praseodym . .	Pr	140,5  200,0	Wolfram . . .	W	184,0
Germanium .	Ge	72,5	Quecksilber .	Hg		Xenon ....	X	128,0
Gold		Au	197,2	Radium....	Ra	225,0	Ytterbium . .	Yb	173.0
Helium ....	He	4,0	Rhodium . . .	Rh	103,0	Yttrium . .	Y	89,0
Indium ....	In	115,0  193,0  126,97	Rubidium . .	Rb	85,5	Zink		Zn	65,4
Iridium ....	Ir		Ruthenium . .	Ru	101,7	Zinn		Sn	119,0  90.6
Jod		j		Samarium . .	Sa	150j3	Zirkonium . .	Zr	

Faktoren zur Berechnung der gesuchten Substanz.

Die nachstehenden Faktoren sind auf Grund der vorstehenden neuen Atomgewichts-
zahlen neu berechnet worden, Sie zeigen gegen die früheren entweder keine oder durch-
weg nur Unterschiede in den 3. Dezimalen von 0,001—0,002. Für diese Art Berechnung
hat es daher in den meisten Fällen wenig — in einzelnen Fällen allerdings mehr —
Einfluß auf das Analyseu-Ergebnis, ob man H = 1, 0 = 16,00, oder 0 = 15,96, oder
0 = 15,88 setzt; die wirklichen Analysenfehler sind durchweg viel größer, als die durch
Berechnung mit den nur wenig abweichenden Faktoren bedingten Unrichtigkeiten.

Das ist jedoch kein Grund, die jetzigen richtigeren, wenn auch von den früheren
nur wenig abweichenden Faktoren nicht anzuwenden; auch ist von verschiedenen Vereinen
bezw. Verbänden praktischer Chemiker die vorsteheude Atomgewichts-Tabelle nunmehr ver-
einbart worden. Sollte letztere im vorstehenden Text an einzelnen Stellen noch keine
Anwendung gefunden haben, so wolle man die richtigeren Zahlen aus nachstehender Tabelle
entnehmen.

1)	Vergl. Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 1906, 89, 6, Zeitschr. f. angew.
Chemie 1906, 19, 57 und Chem.-Ztg. 1906, 30, 3.

2)	Denjenigen Chemikern (Lehrern), die es vorziehen, für den ersten Unterricht in
der Chemie von Wasserstoff als Einheit auszugehen, bleibt dieses auch fernerhin un-
benommen. Man wird sich für den Zweck doch bei der Ableitung der Atomgewichte stets
abgerundeter Zahlen bedienen und ist es hierfür gleichgültig, ob diese sich auf Wasserstoff
oder Sauerstoff als Einheit beziehen.
        <pb n="1071" />
        ﻿1052

Faktoren zur Berechnung der gesuchten Substanz.

Gesucht

Äpfelsäure — C4H606 • ■ ■ •

55	55

55	,	55

Aluminium	—	2 Al...........

Ammoniak — 2NH3 • • ■

55	5?

-	NH3...........

55	55

Ammoniumoxyd —• (NH4)20
Antimon — 2 Sb.................

55	55

Arsen — 2 As...................

55	n

Arsenige Säure — As203	■ ■

55	55	55

Baryt — BaO....................

55	55

55	55

55	55

Blei — Pb......................

Bleioxyd — PbO.................

77	77

Brom — Br......................

Calcium — Oa...................

57	77

Calciumkarbonat — CaC03 • ■

55	55	55

55	57	55

Calciumoxyd — CaO ■ • ■ ■

55	55

55	'	55

Caloiumsulfat — CaS04 • ■ •

5 5	55

5 5	55

Chlor — CI.....................

55	55

Dextrose (Glukose) — C6H120(

5 5	5 5

55	5 5

Dextrin — nCcH10Or, •	■

Eisen — Ee.....................

»	— 2Pe....................

»	— Fe....................

Eisenoxyd — Fe203 .............

Gefunden

Faktor

Äpfelsaures Calcium — CaC4H406 ■ -

Schwefelsäure — S03.................

- H,S04................

Tonerde —• A1203....................

Ammoniumplatinchlorid —

(NHjClkPtClj

Schwefelsäure — S03.................

Chlorammonium — NH4C1...............

Stickstoff -— N.....................

Ammoniumplatinohlorid —

(NH4Cl)2PtCl4

Antimontrisulfid —■ Sb.2S3..........

Antimonpentasulfid — Sb2S5 ....

Arsentrisulfid — As2S3..............

Pyroarsensaures Magnesium —

Mg2As20,

Arsentrisulfid — As2S3..............

Pyroarsensaures Magnesium —

Mg2As20,

Kohlensäure — C02...................

Baryumkarbonat •— BaC04.............

Baryumsulfat — BaS04................

Baryumchromat — BaCr04..............

Bleisulfid — PbS....................

Bleisulfat — PbS04..................

Bleisulfid — PbS....................

Bleisulfat — PbS04..................

Bromsilber — AgBr...................

Calcium oxyd — CaO..................

Calciumsulfat — CaS04...............

Calcium oxyd — CaO..................

Calciumsulfat — CaS04...............

Kohlensäure — C02...................

Calciumkarbonat — CaC03.............

Calciumsulfat — CaS04 • ............

Kohlensäure — C02...................

Calciumkarbonat — CaC03.............

Caloiumoxyd — CaO...................

Schwefelsäure — S03.................

Chlorsilber — AgCl..................

Silber — Ag.........................

Kupfer — Cu (s. Tab. IV, S. 986) • ■
Kupferoxyd — CuO (s. Tab. Vb, S. 989)

Alkohol — 2C2H60....................

Kohlensäure — 2C0.2.................

Kupfer — Cu (s. Tab. VII, S. 992) ■ ■

Eisenoxydul — FeO...................

Eisenoxyd — Fe203 ..................

Eisenammoniumsulfat — (NHJj S04 -f-
PeS04 + 6H20

Eisenoxydul — 2 FeO.................

Eisenammoniumsulfat —

(NH4)2S04 + FeS04 + 6H20

0,7787

1,6743

1,3667

0,6303

0,0769

0,4263

0,3188

1,2168

0,1175

0,7142

0,5997

0,6093

0,4827

0,8043

0,6372

3,4863

0.7771

0.6571

0j6051

0,8668

0,6829

0,9328

0,7357

0,4256

0,7148

0.2945

1,7843

0.7351

2,2750

0,5604

0,4120

1,2760

1,3602

2^4271

1,7007

0,2472

0,3284

1.9555!)
2,04651)

0,7775

0,6996

0.1425

1,1113

0,2037

J) Richtiger für Alkohol 2,067, für Kohlensäure 2,153, da nur etwa 96 °/0 der Glukose
zu Alkohol und Kohlensäure vergären.
        <pb n="1072" />
        ﻿Faktoren zur Berechnung der gesuchten Substanz.

1053

Gesucht

Gefunden

Faktor

Eisenoxyd — Pe203 • ■
Eisenoxydul — 2PeO •

J)	?)

Essigsäure — 2C2H402
»	- C2H402 •

„	— 2 C2 H 4 02

Furfurol — C5H402 • •

Ferriphosphat — Fe2(P04).2...........

Eisenoxyd — Fe203 ...................

Bisenammoniumsulfat —

(NHJ, SO, + Fe S04 + 6 H2 0
Schwefelsäure — S03..................

1 ccm 1/10 Normal-Schwefelsäure (oder

-Alkali)

Kohlensäure — C02....................

Kohlensaurer Kalk — CaC03 • • • ■
Furfurolphloroglucid — (yergl. S. 244
und Tab. Xa, S. 1002)

0,5295

0,8999

0,1813
1,4997
(rund 1,500)

0,0060
2,7287 0
1,1994

Glukose — yergl. Dextrose

Humus — ?..............................'

_ ?............................

Invertzucker — yergl. Tab. YaundYb,

Jod — J ...............................

„ - 2J.................................

Kali — Kj-0............................

V	5	J

»	51

55	n

55	55

55	55

55	55

Kalium — K2............................

Kaliumchlorid" — 2 KCl.................

55	^	.

Kaliumkarbonat — K2 C03

n	55	55

Kohlenstoff — C • • • •
Kohlensäure — C02 • • •

55	55

55	55

Kupfer — Cu ..............

Laktose — vergl. Milchzucker
Lithiumoxyd — Li20...........

55	55

,,	— 3Li20 . . . .

Lithium — 2 Li...............

Magnesia — 2MgO..............

..	- MgO..............

Magnesiumkarbonat — MgCOs •
»	„	- 2MgC03

Maltose...........,..........

Manganhyperoxyd — Mn 02	• •

Kohlensäure2) — C02.................

Kohlenstoff2) — C...................

S. 988 und 989

| Jodsilber — AgJ...................

j Jodpalladium — PdJ2...............

Chlorkalium — 2 KCl.................

Kaliumplatinchlorid — (KCl)2PtCl4 •

Platin — Pt.........................

j Überchlorsaures Kali — 2 K CI O, • • •

Kohlensäure — C02...................

Schwefelsäure — SÖ3.................

Kaliumsulfat — K„ SO,...............

Kali — KsO..........................

Kaliumplatinchlorid — (KCl)2PtCl4 •

Platin — Pt.........................

Überchlorsaures Kali — KC104 ■ • •

Kohlensäure — C02...................

Schwefelsäure — SÖ3.................

Kohlensäure — C02...................

Calciumkarbonat — CaCOa.............

Kalk — CaO..............'...........

Baryumkarbonat — BaC03..............

Baryumsulfat — BaS04 ...............

Kupferoxyd — CuO....................

Kupfersulfür — Cu2S.................

Lithiumchlorid — 2 Li CI............

Lithiumsulfat — Li2S04..............

Lithiumphosphat — 2Li3P04 ■ • • •

Lithiumoxyd — Li20..................

Pyrophosphorsaures Magnesium —

Mg2P207

Magnesiumsulfat — MgS04.............

Kohlensäure — C02...................

Pyrophosphorsaures Magnesium —

Mg2P20,

Kupfer — Cu (s. Tab. VI, S. 991)

2 Mol. Eisenammoniumsulfat —

2 [(NH4)2 S04 + Fe S04 + 6 H2 0]

0,4719

1,7241

0,5405

0,7045

0,6320

0.1941

0,4841

0,3402

2J432

1,1779

0,6408

0,8303

0,30713)

0,7660

0,5382

3,1432

1,7275

0,2727

0,4396

0,7843

0,2229

0,1884

0,79904)

0,7987

0,3638

0,2730

0,3884

0,4677

0,3624

0,3351

1,9173

0,7576

0,1109

4) S. 700, Zeile 11 von unten steht durch einen Druckfehler irrig 2,778 als Faktor.

2)	Unter der Annahme, daß der Humus 58 °/0 Kohlenstoff enthält.

3)	S. 30, Zeile 23 von oben steht als Druckfehler 0,306.

4)	Yergl. auch Tab. III S. 984.
        <pb n="1073" />
        ﻿1054

Faktoren zur Berechnung der gesuchten Substanz.

Gesucht

Gefunden

Faktor

Manganhyperoxyd — Mn02.............

Manganoxyd — l1/2Mn203 ............

Manganoxydul — 3(MnO)..............

Methylpentosane — C5H,(CH3)04 yergl.

Milchzucker — C12H.22On-|-H20 ■ ■ •
Natron — Na20..........................

55	55	...................

5)	55	...................

75	55	...................

Natrium — Na...........................

Natriumkarbonat — Na.2C03..............

55	57	57	...........

Pentosane — C6Hs04.....................

Pentosen — C5H1005 ....................

Milchsäure — 2C.JH()C

ii	— CaHB0.

Kohlensäure — 2C02	..............

Man gan oxyduloxyd — Mn304 • • ■ •

S. 1056 und Tab. Xb S. ”l007

Schwefelsäure — S03..................

1 ccm 1/10 Normal-Schwefelsäure (oder

-Alkali)

Kupfer — Cu (s. Tab. YIII, S. 994)

Chlornatrium — 2 Na CI...............

Natriumkarbonat — Na.2C03............

Natriumnitrat — 2NaN03 ..............

Natriumsulfat — Na2S04...............

Chlornatrium — Na Ci.................

Kohlensäure — C02....................

Schwefelsäure — S03..................

Furfurol — C6H402 (S. 245 u. Tah. Xa,

S. 1002)

Furfurol — C6H40„ (S. 245 u. Tab. Xa,

S. 1002)

0,9886

1,0349

0,9301

2,2483

0,0090

0,6307

0.5854

0^3643

0,4368

0,3940

2,4114

1,3252

Phosphorsäure — P205

55	55	55

55	55	55	...............

Phosphorsaures Calcium, 3-basisoh —

Ca3 (P04)2

Phosphorsaures Calcium, 3-hasisch —

Ca3 (P04)2

Proteinstoffe...........................

Quecksilber — Hg........................

„	- 2Hg........................

Saccharose (Rohrzucker) — C12H22011 •
Salpetersäure — N206 ...................

Salzsäure — 2 HCl ■ •
„	— 2HCl • ■

- HCl ■ • ■
Schwefel — S • • ■ •
Schwefelsäure — S03 •
Schweflige Säure — SO..
Senföl — C3H5.CNS •

Silber — Ag..............

Stärke — nC0H10O5 • •
Stickstoff — N	- ■ ■

„	- 2N • • ■

Strontium — Sr...............

55	.........

Strontiumkarbonat — SrC03

n 55 #	55	55

Strontiumoxyd — SrO • • •

m V	55	55	‘	‘

1 raubenzucker — CftH190A •
Wasserstoff - 2H ■	. .

Weinsteinsäure — C4H606 •

Ferriphosphat — Pe2(P04).2..........

Pyrophosphorsaures Magnesium —

Mg.2P207

Phosphorsaures Calcium — Ca3(P04),2 •
Pyrophosphorsaures Magnesium —

Mg2P20,

Phosphorsäure — P205 ................

Stickstoff — N (yergl. S. 209) im Mittel

Sohwefelqueoksilber — HgS............

Quecksilberchlorür — Hg2Cl2 ■ ■ • ■
Invertzucker x 0,95 (s. Tab. Va, S. 988)

Ammoniak — 2NH3 .....................

Schwefelsäure — S03..................

Stickstoff — 2N......................

Kohlensäure — C02....................

Schwefelsäure — S03 • ■ ■ • • • - •

Chlorsilber — AgCl...................

Baryumsulfat — BaS04.................

55	5 5

55	55

5 5	5 5

Chlorsilber — AgCl...................

Kupfer Cu (s. Tab. VII, S. 992)

Ammoniak — NH3.......................

Ammoniumplatinchlorid —

(NH4Cl)2PtCl4

Strontiumkarbonat — SrC03............

Strontiumsulfat ■— SrS04.............

Strontiumsulfat — SrS04..............

Strontiumnitrat — Sr(N03)2...........

Strontiumkarbonat — Sr003 ...........

Strontiumsulfat — SrS04..............

Kupfer — Cu (s. Tab. IV, S. 986)

Wasser — H20.........................

Schwefelsäure — S03..................

0,4705

0,6376

0,4676

1,3932

2,1862

6j2500

0,8618

0,8494

3,1669

1,3500

3,8490

0,8286

0,9108

0,2543

0.1373

0,3429

0,2744

0,4289

0,7528

0,8228

0,0633

0,5936

0,4769

0,8037

0,6973

0,7019

0,6641

0.1119

1,8742
        <pb n="1074" />
        ﻿Faktoren zur Berechnung der gesuchten Substanz.

1055

Gesucht	Gefunden	Faktor
Weinstein — 0,11, 06. IIK		Schwefelsäure — SO,		2,3506
Wismutoxyd — Bi203 		Wismutoxychlorid — 2 Bi CIO - • ■ ■	0,8944
	Bismutylbichromat — (BiO).2Cr20, ■ •	0,6990
Wismut — 2 Bi		Wismutoxyd — Bi203			0,8968
Zink — Zn		Zinkoxyd — ZnO		0,8034
	 ^		Schwefelzink — ZnS		0,6710
Zinkoxyd — ZnO			0,8352
Zinn — Sn		Zinn oxyd — Sn02		0,7881
Zitronensäure — 2C6H80„		Schwefelsäure — 3SO„		1,5993
        <pb n="1075" />
        ﻿Nachträge

Berichtigungen und Ergänzungen.

Seite 80 Zeile 23 von oben muß es 0,307 statt 0,306 heißen.

Zu Seite 16 unter b. A. Stutzer und R. Hartleb1) empfehlen, den Gehalt der
Böden an Calcium- und Magnesiumkarbonat statt durch Auskochen mit Ammoniumnitrat
durch Destillation mit Ammoniumchlorid — 6 g des letzteren auf je 0,5 g CaCOs — zu
bestimmen, indem das durch Umsetzung gebildete flüchtige Ammoniumkarbonat in titrierter
Schwefelsäure aufgefangen und aus der Menge desselben die Menge Calciumkarbonat —
das etwa in geringer Menge vorkommende Magnesiumkarbonat kann vernachlässigt werden —
berechnet werden soll. Um das etwa vorhandene Ferrokarbonat unwirksam zu machen, soll
der Boden vor der Destillation mit Ammoniumchlorid vorher einige Zeit mit Wasser gekocht
werden. Vorhandenes Eisenoxyd soll nicht schaden. Wir haben indes gefunden, daß sowohl
frisch gefälltes wie scharf (bei 200 °) getrocknetes Ferrihydroxyd durch Kochen mit Chlor-
ammonium Ammoniak entbindet.

Seite 113. Überschrift Zement und Wasserkalk statt Zement oder Wasserkalk.

Seite 92 unten. „Auf je 1 ha Fläche bis zu 20 cm Tiefe sind vorhanden“ muß
es heißen 2):

Oberfläche, sog. Heidehumus ....	120 kg Kali statt 100 kg,

Moostorf............................. 1440 „ Stickstoff statt 1450 kg.

Zusatz zu Seite 195. Zur schnelleren Entfernung der letzten Beste Kohle aus der
Asche hat man statt des aus Wasserstoffsuperoxyd hergestellten Sauerstoffs auch das Wasser-
stoffsuperoxyd selbst empfohlen (vergl. S. 911, Anm. 2). Die verkohlte Asche wird mit
Wasserstoffsuperoxyd durchfeuchtet, auf dem Wasserbade getrocknet und dann weiter ver-
brannt. Hierbei kann nicht genug betont werden, daß selbstverständlich nur chemisch-
reines Wasserstoffsuperoxyd verwendet werden darf. Die gewöhnlichen Wasserstoffsuperoxyde
des Handels enthalten fast stets größere Mengen Chloride und Sulfate (von Aluminium
und anderen Basen); das zu verwendende Wasserstoffsuperoxyd muß daher stets vorher
auf Reinheit untersucht werden.

Zusatz zu Seite 245, „Bestimmung der Pentosane“. Bestimmung der
Methylpentosane. Die Methylpentosane liefern bei der Destillation mit Salzsäure Methyl-
furfurol, und dieses wird ebenso wie das Furfurol durch Phlorogluzin quantitativ gefällt.
Das Methylfurfurolphlorogluzid unterscheidet sich aber dadurch von dem Furfurolphlorogluzid,
daß es nach Votoceck in Alkohol löslich, das Furfurolphlorogluzid dagegen unlöslich oder
doch sehr schwer löslich ist. B. Tollens und W. B. Eilet* * * 8) bestimmen daher die
Gesamtmenge Phlorogluzid durch Sammeln in einem Goochschen Tiegel, trocknen und
wägen. Die Tiegel werden dann in kleine Beoherchen gesetzt, in die Tiegel 15—20 ccm
Alkohol von 95 0 Tr. gegossen, die Bechergläser auf einem Wasserbade ungefähr 10 Minuten
auf etwa 60° erwärmt, die Tiegel alsdann auf eine Saugvorrichtung gebracht und wird
der Inhalt mittels dieser ahgesaugt. Bei Anwesenheit von Methylfurfurolphlorogluzid ist die
alkoholische Lösung bräunlich gefärbt. Der Tiegel wird nach dem Absaugen des Inhalts wieder

ü Zeitschrift für angewandte Chemie, 1899, 448.

2) Auf diese Druckfehler hat mich Herr Dr. Zielstorff in Insterburg freundlichat

aufmerksam gemacht.

8) Journal für Landwirtschaft 1905, 53, 13.
        <pb n="1076" />
        ﻿Nachträge.

1057

in das Beohergläachen zurückgehraoht und die Behandlung mit Alkohol 2—3-mal, d, h. so
lange wiederholt, bis derselbe farblos abfließt; darauf wird der Tiegel 2 Stunden im Wasser-
trookenschrank getrocknet, gewogen, zur Veraschung geglüht und wieder gewogen. Die Diffe-
renz zwischen den Gewichten vor und nach der Veraschung gibt die Menge Furfurolphlorogluzid,
die Differenz zwischen den Gewichten des Tiegels vor und nach der Behandlung mit
Alkohol die Menge des Methylfurfurolphlorogluzids. Aus der Menge Furfurolphlorogluzid
berechnet man nach S. 244 oder auch nach Tabelle Xa S. 1002 die Menge Pentosen bezw.
Pentosane, aus der Menge Methylfurfurolphlorogluzid (Ph) die Menge Methylpentose (vor-
läufig nur für Ehamnose angegeben) nach folgender Gleichung;

Rhamnose = Ph . 1,65 — Ph* 2 . 1,84 -f- 0,010.

War z. B. die Differenz zwischen den Gewichten der Phlorogluzidmenge vor und nach
Behandeln mit Alkohol 0,0766 g, so ist

Rhamnose = 0,0766 . 1,64 — 0,07662.1,84 + 0,010 = 0,12639 — 0,0108 + 0,010 = 0,1255 g.

Rhamnosan — Rhamnose . 0,8.

Die Tabelle Xb S. 1007 macht diese Umrechnung bei Mengen von 0,010—0,140 g
Phlorogluzid unnötig.

Zusatz zu Seite 251. Bestimmung der Zellulose. Weitere Untersuchungen
haben ergeben, daß durch die Behandlung der Eohfaser mit Wasserstoffsuperoxyd und
Ammoniak noch nicht alle die Zellulose begleitenden Stoffe beseitigt werden. Nach Be-
handeln des Oxydationsrückstandes mit Kupferoxydammoniak verbleibt ein — durchweg
geringer — Rückstand, der einen noch höheren Kohlenstoffgehalt als das Ligniu besitzt
und der Oxydation heftig widersteht. Dieser Körper möge Kutin genannt werden. Um
auch ihn zu bestimmen, wird nach der Ausarbeitung von P. Murdfield im hiesigen
Laboratorium der nach Oxydation mit Wasserstoffsuperoxyd und Ammoniak verbleibende
Rückstand (S. 261) samt Asbestfilter filtriert, 2 Stunden mit 75 ccm Kupferoxydammoniak4)
unter öfterem Umrühren, zuletzt kurze Zeit bei ganz geringer Wärme auf dem Wasserbade
behandelt und die Flüssigkeit durch einen Goochschen Tiegel mit schwacher Asbestlage2)
filtriert. Die letzten Reste der ammoniakalischen Lösung werden unter Zufügung von
etwas frischem Kupferoxydammoniak behufs Auswaschens abgesaugt, das Filtrat beiseite
gestellt, der Rückstand im Tiegel dagegen unter Anwendung einer neuen Saugflasche
genügend mit Wasser nachgewaschen, darauf bei 100—1050 getrocknet, gewogen, dann
geglüht und wieder gewogen. Der Glühverlust ergibt die Menge des nicht oxydierbaren,
in Kupferoxydammoniak unlöslichen Teiles der Rohfaser. Das Filtrat von diesem Rückstände,
d. h. die Lösung der Zellulose in Kupferoxydammoniak wird mit 300 ccm 80 °/0-igem
Alkohol'versetzt und stark gerührt; hierdurch scheidet sich die Zellulose in großen Flocken
quantitativ wieder aus. Sie wird in üblicher Weise im Goochschen (Porzellan-3) Tiegel
gesammelt, zuerst mit warmer verdünnter Salzsäure,4) dann genügend mit Wasser, zuletzt

4) Für die Gewinnung dieses Reagenzes ist die vorherige Darstellung von Kupfer-
oxydhydrat sehr lästig. Man kann dafür aber sehr gut das käufliche reine Kupferoxyd-
hydrat (E. Merck) verwenden. Man löst dasselbe in 20—24°/0-igem Ammoniak bis zur
Sättigung, was durch Einträgen eines Überschusses in das Ammoniak und durch öfteres
Umschütteln erreicht wird, läßt ahsitzen und verwendet die überstehende Lösung direkt
zur Lösung der Zellulose.

2)	Wenn von der ersten Rohfaser-Filtration ziemlich viel Asbest in der Flüssigkeit

vorhanden ist, kann man auch ohne eine zweite Asbestlage ein genügend dichtes Filter
dadurch erhalten, daß man die Flüssigkeit umrührt und das erste Filtrat so oft zurückgibt,
bis es völlig klar geworden ist.	,

3)	Die S. 250 empfohlenen Reinnickel-Tiegel lassen sich unbeschadet der Genauigkeit
der Analyse nur dann an wenden, wenn man stets gut brennende Teklu-Brenner zur Ver-
fügung hat. Wo das nicht der Fall ist, kann man auch Goochsche Porzellantiegel an-
wenden, die in letzter Zeit in guter Haltbarkeit angefertigt werden.

4)	Die letzten Reste Kupferoxyd lassen sich nur schwer aus der Zellulose entfernen.
Das hat aber auf die quantitative Bestimmung keinen Einfluß, weil sie mit der verbleibenden
Asche in Abzug gebracht werden.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

67
        <pb n="1077" />
        ﻿1058

Nachträge.

mit Alkohol und Äther ausgewaschen, bei 100—105° getrocknet, gewogen und verascht.
Der Unterschied zwischen dem Gewicht des Tiegelinhaltes vor und nach dem Glühen gibt
die Menge Beinzellulose. Der Unterschied von Gesamt-Kohfaser minus (Zellulose-f-Kutin)
ergibt die Menge des oxydierbaren Anteiles der Bohfaser, das sog. Lignin.

Anmerkung 1. Wir gewinnen auf diese Weise in der Futter-und Nahrungsmittel-
analyse einen Ausdruck für zwei neue Bestandteile und gleichzeitig einen solchen für den
Gehalt an Eeinzellulose. Die Zerlegung der Bohfaser in diese drei Bestandteile ist aber
für die Beurteilung der Putter- und Nahrungsmittel um so wichtiger, als sich heraus-
gestellt hat, daß die Bohfaser bezw. organische Substanz überhaupt um so weniger aus-
genutzt wird, je höher der Gehalt an Lignin + Kutin ist und umgekehrt.

Anmerkung 2. Der in Kupferoxydammoniak lösliche Teil des Oxydationsrück-
standes färbt sich zwar in allen Fällen mit Zinkchloridjodlösung violett, ohne daß sich
darin mikroskopisch noch andere Bestandteile erkennen lassen. Er hat aber nicht in allen
Fällen (z. B. nicht bei Weizen und Boggen bezw. deren Kleien) die Elementarzusammen-
setzung der wahren Zellulose, sondern einen höheren Kohlenstoffgchalt als letztere verlangt.
Das hat, wie F. Murdfield im hiesigen Laboratorium nachgewiesen hat, seinen Grund
darin, daß die auch in Kupferoxydammoniak lösliche Zellulose noch Methyl- bezw. Methoxyl-
oder Acetyl-Gruppen enthält, die in dem Lignin in größerer Menge vorhanden sind. Das
wird aber nicht hindern, den in Kupferoxydammoniak löslichen Anteil einstweilen als Eein-
zellulose zu bezeichnen und muß noch durch weitere Untersuchungen festgestellt werden,
ob außer Boggen und Weizen noch andere Putter- und Nahrungsmittel Beinzellulosen mit
Methyl- bezw. Methoxyl- oder Acetyl-Gruppen liefern.

Zusatz zu S. 268, „Pettbestimmung in Ölsamen“. Herr Prof. Dr. G. Loges-
Pommritz macht darauf aufmerksam, daß das S. 268 angegebene Verfahren zur Fett-
bestimmung nicht in allen Fällen ausreicht; er schlägt folgendes Verfahren vor:

2—4 g (je nach der Pettmenge) der gröblich vorzerkleinerten oder (bei ganz kleinen
Samen) unzerkleinerten Substanz werden mit der 5—10-fachen Menge scharfen Sandes in
der Beibschale zerrieben, in eine Papier- oder Aluminiumhülse gegeben und hierin, nachdem
der zur Eeinigung der Beibschale verwendete Äther in dieselbe gebracht ist, 10 Stunden
im Soxhlet-Apparat ausgezogen. Darauf wird der getrocknete Hülseninhalt noch einmal
ganz scharf zerrieben und noch weitere 10 Stunden ausgezogen. Man muß sich aber auch
dann noch stets unter Vorlage eines neuen Kölbchens davon überzeugen, ob alles Fett aus-
gezogen ist. Die Ausziehung kann erst als beendet angesehen werden, wenn die Gewichts-
zunahme des zuletzt vorgelegten Kölbchens nicht mehr als 3—4 mg beträgt.

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        <pb n="1078" />
        ﻿Sachregister,

A.

Abdampfrüokstand, Bestimmung im Trink-
wasser 806.

Abfalllauge (siehe auch Zuckerfabrikation)
605, 617.

Absinthin, Nachweis im Bier 739.

—	desgl. in Spirituosen 693.
Absorptionsfähigkeit des Bodens für Sauer-
stoff der Atmosphäre 61.

—	des Bodens für Wasserdampf 58.
Absorptionsgröße des Bodens für Pflanzen-

nährstoffe, Bestimmung derselben 46.
Absorptions-Koeffizient des Bodens für Stick-
stoff nach Knop 49.

Absüßwasser 605 (siehe auch Zucker-
fabrikation).

Abwasser, Untersuchung 853 (siehe unter
Wasser).

Acarus foenarius, Beschreibung und York. 422.

—	siro,	„	„	„ 422.

Ackersenf, mikroskop. Nachweis 385.
Ackerspörgel, „	„	394.

Adhäsion des Bodens, Bestimmung 63.
Apfelsäure, Bestimmung in Pruchtsäften 744.

—	— im Wein 765.

Äther als Denaturierungsmittel 684.
Ätherarten, Bestimmung in Spirituosen 690.
.atherextrakt (Pett), Bestimmung 220.
Ätherisches Öl, Bestimmung in Spirituosen
691.

Agrostemma Githago, mikrosk. Nachweis 389.
Albuminoid-Stickstoff bezw. -Ammoniak, Be-
stimmung im Schmutzwasser 869.
Albumosen, Bestimmung 212.

Aldehyd im Spiritus, Prüfung darauf 686.
Aleurites triloba, mikrosk. Untersuchung 359.
Algen, Vorkommen in Schmutzwasser 881.
Alkalien, Bestimmung 29.

Alkaloide, Bestimmung im Bier 739.

—	— in Lupinen 281.

Alkohol, Bestimmung im Bier 732.

—	— in Pruchtsäften 748.

—	— in Maische 668.

-----im Most 755.

—	— in Schlempe 260.

-----in spirituöseu Getränken 672.

-----im Wein 759.

Alkoholfreie Getränke 791.

Alkoholverfahr. (Zuckerrübenextraktion) 697.

—	nach Scheibler 600.

—	nach Stammer 698.

—	nach Tollens-B,app-Degener 600.
Alkoholometer, Anwendung 672.
Alkohol-Tabelle nach Hehner 1031.

—	nach Windisch 1037.

Aloe, Nachweis im Bier 739.

---in Spirituosen 693.

Ameisensäure, Nachweis in Spirituosen 688.
Amide, Bestimmung 214.

Amidosäuren, Bestimmung 214.

Ammoniak, Bestimmung im Boden 38.
---in Düngemitteln 142.

—	— im Wasser 808.

—	— im Schmutzwasser 869.

—	Vorkommen in Rauchgasen und Schädlich-
keit für Pflanzen 916.

—	schwefelsaures, siehe Ammoniaksalz
185.

Ammoniak-Flüssigkeit zum Auswaschen 966.
Ammoniaksalz (schwefelsaures Ammon) 185.

—	Bestimmung von Peuchtigkeit 185.

—	— von Stickstoff 186.

—	Prüfung auf Rhodan 185.

Ammoniakstickstoff, Bestimmung 142.
Ammoniak-Superphosphat, Untersuchung 188.
Ammoniumacetat-Lösung, Darstellung 963.
Ammoniumchlorid-Lösung,	„	970.

Ammoniumkarbonat-Lösung,	„	970.

Ammoniumnitrat-Lösung,	„	963.

AmmoniumoxalaLLösung,	„	971.

Ammoniumzitrat-Lösung,	„	963 u. 964.

Amoeba verucosa, York, im Wasser 841.
Anis, mikroskop. Nachweis 365.

Apatite, Bestimmung der Feuchtigkeit 178.
---der Kohlensäure 178.

—	— der Phosphorsäure 177.

Arabinose, Bestimmung 230.

Arachis hypogaea, mikroskopischer Nachweis
339.

Aräometrische Pettbestimmung (nach
Soxhlet) 455.

—	Tabellen dazu S. 1010, 1011.

Arrak, Gewinnung 695.

Arsen, Bestimmung in Präzipitaten 178.

67*
        <pb n="1079" />
        ﻿1060

Sachregister.

Arsen, Vorkommen in Rauchgasen und Schäd-
lichkeit für Pflanzen 914.

Aschen-Analyse 194.

—	Berechnung und Zusammenstellung der
Ergebnisse 206.

—	Bestimmung der Alkalien 204.

----Blei 203.

—	— Chlor 205.

----Eisenoxyd 201.

----Kalk 201.

----Kieselsäure 200.

—	— Kohle 201.

—	— Kohlensäure 200.

----Kupfer 203.

----Magnesia 201.

----Mangan 202.

----Phosphorsäure 203.

----Reinasche 200.

—	— Sand 200.

----Schwefel (Gesamt-) 198.

—	— Schwefelsäure 204.

----— fertig gebildete 205.

----Tonerde 202.

—	— Zink 203.

----der Braunkohlenasche 206.

--------Brennstoffe 206.

--------Holzasche 206.

—	— — Pflanzlichen Stoffe 194.

----— Steinkohlenasohe 206.

----— Tierischen Stoffe 206.

—	— — Torfasche 206.

—	Veraschen 194.

—	— mit Barythydrat 198.

—	— — Sauerstoffgas 195, 1056.

--------Wasserstoffsuperoxyd 911 Anm. 1

und 1056.

—	— — sonstigen Zusätzen 197.

—	— ohne Zusätze 194.

—	Vorbereitung 194.

Ascochyta Pisi, mikroskop. Nachweis 411.
Asparagin, Bestimmung 214.

Asphalt, Bestimmung in Schmieröl 948.
Asphaltdämpfe, Schädlichkeit für Pflanzen 918.
Atomgewichte der Elemente 1051.
Auswurfstoffe, Nachweis im Wasser 830.
Ayena fatua, mikroskop. Nachweis 379.
Avena sativa, „ Untersuchung 309.
Azotometer von Knop-Wagner 142.

B.

Backfähigkeit der Mehle, Bestimmung 272.
ßakerguano, Untersuchung 172.

Bakterien, Bestimmung 834.

—	Vorkommen im Bier 740.

—	— in Puttermitteln 418.

—	— im Wasser 738.

—	— im Wein 788.

Bakterienfäule bei Kartoffeln 409.
Bakteriologische Untersuchung der Futter-
mittel 398.

----der Milch 476.

----des Wassers 832.

Ballings Extrakt-Tabelle 1014.
Baryumchlorid-Lösung, Darstellung 970.
Barytlauge, Darstellung der titrierten 960.
Baudouinsche Reaktion 586.
Baumwollsamen, mikrosk. Untersuchung 344.
Baumwollsamenöl, Eigenschaften 586.

—	Nachweis in Schweineschmalz 687.
Baumwollsamenstearin 542.

Bebrütungsprobe bei Sohmutzwasser 865.
Bechische Reaktion 568.

Beerenfrüchte 742.

Beerenweine 790.

Beggiatoa-Arten in Schmutzwasser 876, 876.
Benetzungswärme von Boden 64.
Benzoesäure, Nachweis in Milch 479.
Berechnung des Entrahmungsgrades bei
Milch 492.

----• Geldwertes der Futtermittel und des

Mindergeldwertes b. Mindergehalt 427.

------- Mindergeldwertes der Düngemittel bei

Mindergehalt 189.

—	— — a) im allgemeinen 189.

----— b) für Knochenmehl 191.

----— c) für Thomasphosphatmehl 191.

—	— Reinheitsquotienten bei der Spiritus-

fabrikation 665.

--------des Zuckersaftes 613.

----Trebervolumens und der nicht auf-
geschlossenen Stärke bei der Spiritus-
fabrikation 665.

—	— Wassergehaltes bei Grün- und Rauh-

futter 255.

—	— Wasserzusatzes bei Milch 490.

—	der einzelnen Bestandteile des Grün- und
Rauhfutters auf ursprüngliche lufttrockne
und wasserfreie Substanz 256.

----Ergebnisse einer Stallmist-Analyse 129.

—	— Verfälschung von Kleie aus dem

Rohfasergehalt 283.

—	von verschiedenen Feldspaten bei der
Boden-Analyse aus den gefundenen
Kalium-, Natrium-, Calcium- und Mag-
nesiummengen 34.

—	und Zusammenstellung einer ausführ-
lichen Boden-Analyse 70.

Bernsteinsäure, Bestimmung im Wein 766.
Beschädigungen durch Rauch und Staub 894.
Bettendorfs Reagens 586.

Beurteilung des Bieres 740.

—	des Bienenwachses 934.

—	der Branntweine 694.

—	des Brennereibetriebes 671.

—	der Butter 665.

—	des Essigs 706.

—	der Fruchtsäfte 752.

—	der Gerste 707.

—	des Honigs 595.

—	des Hopfens 717.

—	der Kalksteine und Mergel 104.

—	der Milch 490,

I — der Mineralböden 71.

| — der Moorböden 91.
        <pb n="1080" />
        ﻿Sachregister.

1061

Beurteilung des Schweinefettes 577.

—	des Tones 108.

—	des Wassers 847.

—	des Weines 782.

Bienenhonig (siehe Honig) 589.

Bienenwachs 931.

—	Abgang 932.

—	Büchner sehe Säurezahl 936.

—	Ceresin 936.

—	Esterzahl 934.

—	Glyzeride 937.

—	Harz 938.

—	Jodzahl 934.

—	Mineralische Substanzen 932.

—	Paraffin 936.

—	Pllanzenwachs 938.

—	Refraktion 933.

—	Säurezahl 936.

—	Schmelzpunkt 933.

—	Spezifisches Gewicht 933.

—	Stärke 933.

—	Stearinsäure 938,

—	Verfälschungen 932.

—	Yerseifungszahl 934.

—	Wasser 932.

Bier 706.

—	Arten und Begriff 728.

—	Beurteilung, Anhaltspunkte dafür 740.

—	chemische Untersuchung auf Alkaloide
739.

---— Alkohol 732.

—	------- Asche 736.

---------Bitterstoffe 739.

---— Dextrin 733.

—	— — Extrakt 732.

—	— — Parbentiefe 736.

-------  —	Farbstoffe 738.

—	— — Prischhaltungsmittel 736.

---------Glyzerin 736.

---------Kohlensäure 734.

---------Maltose 733.

---------Mineralstoffe 736.

—	— — Neutralisationsmittel 738.

—	— — Saccharin 738.

—	----Säure 734.

—	----Salizylsäure 737.

—	— — Saures schwefligsaures Calcium 736.
	— Spezifisches Gewicht 732.

—	— — Stammwürze 733.

—	----Stickstoff 734.

—	----Trübungen 730.

—	— — Vergärungsgrad 733.

—	— — Viskosität 736.

—	----Vollmundigkeit 736.

—	----Zucker 733.

—	— — Zuckercouleur 738.

—	— mikroskopische Untersuchung 740.

—	Ersatzstoffe 729.

—	Prischhaltungsmittel 729.

—	Krankheiten 730.

—	Probenahme 731.

—	Rohstoffe 706.

Bier, Rohstoffe, Gerste 707.

--------Farbe 707.

--------Geruch 707.

--------Hektolitergewioht 707.

—	----Keimfähigkeit 709.

—	— — Korngröße 707.

--------Sohimmelbildung 709.

--------Sohnittprobe 709.

--------Spelzenbeschaffenheit 709.

----— Zusammensetzung 709.

----Hefe 719.

--------Biologische Analyse 722.

--------Gärkraft 726.

------------Verfahren von Hayduok 727.

------------Verfahren von Meißl 726.

—	—	—	Probenahme 721.

—	—	—	Reingezüchtete Hefenarten 720.

—	—	—	Reinzucht 720.

--------Untersuchung nach Hansen	720.

----Hopfen 714.

—	— — Alkoholextrakt 716.

----— Asche 715.

—	— — Gerbstoff 715.

----— Harzgehalt 716.

--------Hopfenmehl (Lupulin) 717.

—	---Schwefelung 717.

--------Wasser 715.

--------Wasserauszug 717.

---------- Wertschätzung 717.

----Malz 710.

--------Diastatische Kraft (Permentativ-

vermögen) 714.

—	— — Extraktbestimmung 711.

--------Farbentiefe der Würze 713.

--------Hektolitergewicht 710.

----— Hygroskopisches Wasser 711.

--------Maltose 713.

—	— — Probenahme 710.

—	— — Säure 714.

—	— — Schnittprobe 711.

--------Tausend-Körner-Gewicht 710.

--------Zucker 713.

----Wasser 706.

----Würze 718.

—	---Asche 719.

--------Dextrin 718.

----— Extrakt 718.

--------Parbentiefe 719.

----— Maltose 718.

—	-1-Säure 718.

----— Stickstoffsubstanz 718.

—	Verfälschungen 729.

Bieressig 699.

Bierkrankheiten 730.

Biertreber, ehern. Untersuchung 258.

—	mikrosk. Untersuchung 369.

Bitterstoffe, Nachweis im Biere 739.

—■ — in Likören 693.

Blattfleckenkrankheit bei Bohne und Erbse,

mikrosk. Nachweis 411.

Blattfleckenpilze bei Klee, mikroskop. Nach-
weis 411.
        <pb n="1081" />
        ﻿1062

Sachregister.

Blattpilze an Getreide, mikrosk. Nachweis 404.

—	an Hüben, mikrosk. Nachweis 405.
Blausäure, Nachweis in Kirschwasser 689.
Blei, Bestimmung (im Boden) 42.
Bleiacetat-Lösung, Darstellung 971.

Bleiessig, Darstellung der Lösung 970.
Blochmanns Darstellung der Reagenzien

972.

Blutmehl 165.

—	Asche 166.

—	Feuchtigkeit 166,

—	Phosphorsäure 165.

—	Sand 166.

—	Stickstoff 165.

Boden, Mineralhoden 1.

----Absolutes Gewicht, Bestimmung 44.

----Absorptionsbestimmung für Nährst. 46.

—	---Apparat von Müller 48.

------------von Zalomanoff 47.

----Absorptionsfähigkeit für Sauerstoff 61.

---------für Wasserdampf 58.

—	— Absorptions-Koeffizient nach Knop 49.
	Adhäsion 63.

----Aufschließen mit Borsäure 34.

--------mit Plußsäure 32.

--------mit Salzsäure 23.

--------mit Schwefelsäure 30.

—	— Behandlung mit kohlensäurehaltigem

Wasser 22.

—	— Benetzungswärme 64.

----Bestimmung von Alkalien 29.

----— Blei 42.

--------Chlor (Kochsalz) 39.

—	— — Eisenoxyd 24.

—	— — Eisenoxydul 41.

----— Gips 16.

----— Glühverlust 13.

—	— — Humus 13, 35.

--------Kali 30.

—	---Kalk 27.

--------Kieselsäure, in Säure lösliche 24.

—	— — — aufgeschlossene 31.

----— Kohlensäure 15, 36, 1056.

—	— — Kohlensäuren Erden 15, 1066.

—	— — Kupfer 42.

—	---Magnesia 28.

—	— — Mangan 26.

--------Organischen Stoffen 14.

----— Phosphorsäure 24.

--------Quarz, reiner 35.

—	— — Sand (Quarz -)- Silikate) 20.
	Schwefel 39.

--------Schwefelsäure 29.

----—- Silikatbasen, aufgeschlossene 16.

---------Stickstoff,	Gesamt- 37.

-------------als	Ammoniak 38.

—	;-----als Salpetersäure 39.

--------Ton 18.

--------Tonerde 24.

—	— — Zink 42.

—	— Beurteilung nach den Ergebnissen der

Analyse 71.

Boden, Mineralboden, Einteilung der Boden-
arten 1.

----Feinerde 12.

—	— Filtrationsfähigkeit 57.

—	— Hygroskopizität 67.

----— Kohäsion 63.

----Konstituenten 12.

—	— Luftdurchlässigkeit 61.

—	— Mechanische Untersuchung 5.

—	— Petrographische Bestimmung der

gröberen Teile 21.

—	— Physikalische Eigenschaften 43.

----Porosität 45.

----Probenahme 4.

----Profile 3.

----Schädliche Bestandteile 81.

----Scheinbares Gewicht 45.

----Sohlämmanalyse 5.

----Spez. Gewicht 43.

----Yerdunstungsfähigkeit 55.

----Yolumgewicht 44.

----Vorarbeiten 4.

—	— Wärmeabsorption 62.

----Wärmeleitung 62.

—	— Wasser, chemisch gebundenes 13.

—	— — hygroskopisches 12.

----Wasseraufsaugungsvermögen (Kapil-
larität) 54.

—	— Wasserkapazität 49.

—	— Zusammenstellung der Ergebnisse der

Untersuchung 70.

—	Moorboden 82.

----Bedeckungsmaterialien, Untersuchung

auf pflanzenschädliche Stoffe 94.

—	— Berechnung der Analyse 91.

----Bestimmung der Absorption von

Pflanzennährstoffen 90.

----Beurteilung der Güte 91.

—	— Chemische Untersuchung 88.

—	— Humussäuren 90.

—	— Pflanzenschädliche Stoffe 90.

----Physikalische Untersuchung 85.

----Probenahme 83.

—	— Schwefel 89.

----Stickstoff 89.

----Trockensubstanzbestimmung 88.

----Veraschung 88.

----Vorbereitung zur Analyse 85.

Bodenproflle, Darstellung 3.

Bohne, Fleckenkrankheit 411.

—	mikrosk. Untersuchung 326.

Bohnenkäfer, Beschreibung 423.

Borax u. Borsäure, Nachweis in Milch 480.

—	---in Butter 650.

—	---in Wein 781.

Borstengras, mikrosk. Nachweis 381.
Brandpilze, Beschreibung 398.

Branntwein 671 (siehe auch Spiritus).
Branntweinessig 699.

Braunkohlenasche 206.

I Brassica Besseriana, mikroskop. Nachweis 383.
| — oampestris,	„	„	383.
        <pb n="1082" />
        ﻿Sachregister.

1063

Brassica napus, mikroskop. Nachweis 338.

—	nigra,	„	„	386.

—	oleracea,	„	„	339.

—	rapa,	„	„	339.

Brechungsexponent, Bestimmung 520.

Brix’ Extrakttabelle 1018.

Bromus secalinus, mikrosk. Nachweis 379.
Bruchus Pisi u. Br. rufimanus, Beschreibung
423.

Brucin, Nachweis im Bier 739.

Brückes Reagens, Darstellung 972.
Brunnen, hygien. Anforderung 853.
Brunnenwasser 797 (siehe Wasser).
Bucheckernöl 588.

Buchnuß, mikroskopische Untersuchung 363.
Buchweizen, „	„	322.

Butter und Butterschmalz 646.

—	Beurteilung 566.

—	Untersuchung auf Baumwollsamenöl 657.

—	— Farbstoffe 562.

—	— Fettgehalt 549.

—	— Fette, fremde 556.

----Fettsäuren, flüchtige 556.

----Frischhaltungsmittel 550.

----Getreidemehl, Kartoffelmehl usw. 550.

—	— Kasein 549.

—	— Kokosfett 557.

----Nichtfett 648.

—	— Optisches Verhalten 561.

—	— Pflanzenfette 556.

—	— Phytosterinaoetat-Probe 556.

----Ranzigkeit 554.

—	— Refraktometer-Zahl 561.

—	— Reichert-Meißlsohe Zahl 666.

—	— Sesamöl 556.

—	— Verdorbenheit 554.

—	— Verseifungszahl 556.

—	— Wasser 548.

—	— Wiederauffrischung 655.

—	Probenahme 647.

Butterfett, Konstanten 544.

Buttermilch, Untersuchung 497.
Butter-Refraktometer 520.

Butterschmalz 546 (siehe Butter).
Buttersäuregärung bei Futtermitteln 418.
Buttersäure-Bakterien, Beschreibung 418.

C.

Calciumchlorid, Darstellung der Lösung 971.
Oamelina sativa, mikroskop. Nachweis 362.
Candlenuß,	„	„	359.

Cannabis sativa,	„	„	357.

Capsella bursa pastoris	„	„	387.

Carchesium Lachmanni, Vork. im Sohmutz-
wasser 880.

Carnaubawaohs, Nachweis in Wachs 938.
Carum carvi, mikroskop. Nachweis 367.
Casein, siehe Kasein.

Cellulose siehe Zellulose.

Cement siehe Zement.

Centrifugalverfahren siehe Zentrifugalver-
fahren.

Cercospora beticola, mikrosk. Nachweis 406.
Ceresin, Konstanten 544.

—	Nachweis in Bienenwachs 936.
Chamäleon-Lösung, Darstellung 1/100 Normal-

968.

Chenopodium album, mikrosk. Nachw. 394.
Chlorammonium-Lösung, Darstellung 970.
Chlorbaryum-Lösung, .Darstellung 970.
Chlorcalcium-Lösung, Darstellung 971,

Chlor, Bestimmung im Boden 39.

—	— in Düngemitteln 162.

—	— in Pflanzenasche 205.

—	— in Schmutzwasser 870.

—	— in Trinkwasser 818.

—	— im Wein 779.

Cholesterin, Bestimmung 534.

Citrat siehe Zitrat.

Citronensäure siehe Zitronensäure.
Cladosporium herbarum, mikrosk Nachw. 402.
Claviceps purpurea, mikrosk. Nachweis 401.
Cochenille-Tinktur, Darstellung 961.

Cocos nucifera, mikrosk. Unters. 352.
Colchicin, Nachweis im Bier 739.

—	— in Spirituosen 693.

Colletotrichum Lindomuthianum. mikrosk.

Nachweis 411.

Colocynthin, Nachweis im Bier 739.

—	— in Spirituosen 693.

Coprolithe, siehe Koprolithe.

Cremometer, Beschreibung 468.
Crenothrix-Arten in Trinkwasser 844.
Cruciferenöle, Beschaffenheit 542.

Cruciferen, Pilze daran 412.

—	Unkrautsamen, mikroskop. Nachw. 382.
Cystopus candidus, mikrosk. Nachweis 413.

1).

Dachschiefer, Verwitterbarkeit 100.
Dammkultur (Rimpaus), Bedeckuugsmittel
94.

Delphintran, Konstanten 544.
Denaturierungsmittel, Nachw. im Spiritus 684.

—	Untersuchung 682.

Dextrin, Bestimmung 226, 232.

----in Bier 733.

—	— in Maische 663.

----in Stärkezucker 656.

----in Wein 777.

Dextrose, siehe Glukose.

Diaphanometer nach König-Krüss 861.
Diastase, Darstellung 966.

—	Prüfung in der Maische 666.

Diastatische Kraft des Malzes 714.

Dicksaft 605 (siehe auch Zuckerfabrikation).
Dinkel, mikrosk. Untersuchung 299.
Diphenylamin, Darstellung der Lösung 971.

—	zur Prüfung der Milch auf Salpetersäure
485.

—- zur Prüfung des Wassers auf Salpeter-
säure 814.

—	des Weines auf Salpetersäure 780.
        <pb n="1083" />
        ﻿1064

Sachregister.

Dorschlebertran, Konstanten 544.
Düngemittel, künstliche 136.

—	Allgemeine Bestandteile, Bestimmung 136.
	Ammoniakstickstoff 142.

----— Destillation mit Natronlauge oder

Magnesia 142.

----— nach Knop-Wagner(Azotometer)

142.

—	— — nach Schlösing 142.

■---Chlor 162.

----Eisenoxyd 159.

—	— Fluor 162.

----Kali 157.

—	— —■ als Kaliumplatinohlorid 157.
	als Platin daraus 168.

—	— — als überohlors. Kali 159.

—	— Kalk 159.

—	— Kieselsäure 162.

—	— Kohlensäure 162.

—	— Magnesia 159.

—	— Mangan 159.

—	— Phosphorsäure 148.

—	— — an Eisenoxyd und Tonerde ge-

bundene 160.

--------freie 148.

--------wasserlösliche 149.

—	— — wasserunlösliche 149.

—	— — zitronensäurelösliohe 154.

—	_ — zitratlösliche 166.

•---— nach dem Molybdänverfahren 160.

—	— — nach dem Zitratverfahren 152.
	Salpeterstickstoff nach Kjeldahl-

Jodlhaur 141.

—	— — Kjeldahl-Förster 141,

----— mit dem Nitrometer 147,

----— Reduktion zu Ammoniak 145.

—	------—	nach	Böttcher 146.

-----------—	nach	König	145.

—	------—	nach	Ul sch	147,

—	— — Reduktion zu Stickoxyd

(Schlösing-Wagner) 144.

—	— Stickstoff, Gesamt- 136.

--------salpetersäurefreie Stoffe 136.

----— salpetersäurehaltige Stoffe 141.

----Tonerde 159.

—	Berechnung des Mindergeldwertes der
Düngemittel hei Mindergehalt 189.

—	Maßregeln für die Düngerkontrolle 192.

—	Verschiedene Sorten 165.

—	— Abfalllauge 617.

■— — Ammoniaksalz (schwefelsaures
Ammon) 186.

—	— Apatit 177.

----Bakerguano 172.

----Blutmehl 165.

—	— Chilisalpeter 182.

----Düngergemische 188.

—	— Fischguano 165.

—	— Fleisohdüngemehl 165.

—	— Guano 169.

----Gips 186.

—	— Haare 165.

Düngemittel, Verschiedene Sorten:

•— — Hornmehl 165,

—	— Kalisalpeter 184.

—	— Kalisalze (Kochsalz, Viehsalz) 186.

—	— Knochenasche 172.

—	—■ Knochenkohle 172.

—	— Knochenmehl 167.

—	— Koprolithe 177.

—	— Ledermehl 165.

—	— Maidenguano 172.

—	— Mejillones-Guano 172.

-----Natronsalpeter 182.

-----• Peruguano, aufgeschlossener 171.

—	— — roher 169.

—	— Phosphatgips 185.

-----Phosphorit 177.

-----Präzipitierte Phosphate 178.

-----Salpeter 182.

—• — Superphosphat 180,

—	— Superphosphatgips 185.

—	— Thomasphosphatmehl 172.

-----Wolle 165.

-----Wollstaub 166.

—	Vorbereitung der Proben im Laboratorium
163.

Düngergemische, Untersuchung 188.

—	— Feuchtigkeit 189.

-----Kali 188.

—	— Phosphorsäure 188.

—	— Stickstoff 188.

Düngerkontrolle 192.

Dünnsaft 605 (siehe auch Zuokerfabrikation).
Durchlüftbarkeit des Bodens, Bestimmung
61.

Durohsichtigkeitsgrad, Bestimmung hei
Schmutzwasser 860.

—	— hei Wasser 805.

Dulcin, Bestimmung in Wein 776.

E.

Bieröl 544.

Einkorn, mikrosk. Untersuchung 299.
Binstreumittel für Stallmist 132.

—	Bestimmung von Asche 133.

—	-- Sand 133.

—	•— Stickstoff 133.

—	— Wasser 132.

—	Beurteilung 134.

—	Wasseraufsaugungsvermögen 132.
Eisenbakterien, im Trinkwasser 844.
Bisenchlorid-Lösung, Darstellung 971.
Eisenfleokigkeit der Kartoffeln 410.
Eisenoxyd, Bestimmung neben Tonerde 24.

—	— in Phosphaten 159.

—	— — nach Glaser 160.

-----— nach Jones 160.

Eisenoxydul, Bestimmung im Boden 41,

—	— in Kalkstein, Mergel usw. 103.

-----in Ton 108.

—	— im Wasser 822.
Eisenzitrat-Magnesiamixtur, Darstellung 964.
        <pb n="1084" />
        ﻿Sachregister.

1065

Eiweiß, Bestimmung yon Beineiweiß (nach
Stutzer) 209.

—	Nachweis, im Harn 121.

—	— in Schmutzwasser 870.

—	als Klärmittel für Wein 794.
Biweißstoffe, Bestimmung in der Milch 470.
Eiais guineensis, mikrosk. Untersuchung 350.
Emmer, mikrosk. Untersuchung 299.
Ensilage-Putter, Untersuchung 256 (siehe

auch Sauerfutter).

Entflammungspunkt 945.

Erbse, Pleckenkrankheit 411.

—	mikrosk. Untersuchung 325.

Erbsenkäfer, Beschreibung 423.

Erdnuß, mikrosk. Untersuchung 339.
Erdnußöl, Konstanten 583.

Erstarrungspunkt der Fette, Bestimmung 518.
Bruoa sativa, mikrosk. Nachweis 384.
Bryum Lens, mikrosk. Nachweis 327.
Erysimum orientale, mikrosk. Nachweis 384.
Erysiphe graminis, mikrosk. Nachweis 401.
Essig 699.

—	Beurteilung 705.

•— Unterscheidung der Sorten 703.

—	Untersuchung auf Aldehyd 701.

—	— Alkohol 701.

—	— Essigsäuregehalt 700.

—	— Extrakt 699.

—	— Farbstoffe 703.

—	— Fremde freie organische Säuren 702.
	Frischhaltungsmittel 703.

---Metalle 703.

—	— Mineralsäuren, freie 701.

—	— Mineralstoffe 699.

—	— Säuregehalt 700.

—	— Scharfe Pflanzenstoffe 703.

—	— Spezifisches Gewicht 699.
Essigbakterien 419.

Essigsaures Ammon, Darst. der Lösungen 963.
Essigsprit 699.

Eumyceten, mikrosk. Nachweis 414.
Eurotium herbariorum, mikrosk. Nachw. 416.
Extraktbestimmung in Bier 732.

—	in Bierwürze 718.

—	in Malz 711.

—	in Spirituosen 691,

—	in Wein 760.

Extrakttahelle nach Balling 1014.

—	nach Brix 1018.

—	nach Halenke-Möslinger 1045.

—	nach Schulze-Ostermann 1025.

—	nach Windisch 1039.

F.

Fäces, siehe Harn und Kot 118 bezw. T?3.
Fagus silvatica, mikroskop. Nachweis 363.
Faktoren zur Berechnung der gesuchten
Substanz 1051.

Farheumaß nach Stammer 610.

Farbstoffe in Butter 562.

—	in Milch 484.

—	in Spirituosen 692.

Farbstoffe in Wein 771.

Fäulnis hei Futtermitteln 253.

Fäulnispilze, Prüfung darauf 253.
Pehlingsohe Lösung, Darstellung 966.
Feinmehl in Thomasmehl 175.

Feldbohne, mikrosk. Untersuchung 326.
Felderbse „	„	325.

Feldpfennigkraut, mikrosk. Unters. 388.
Fenchel, desgl. 366

Fermentativyermögen des Malzes, Best. 714.
Ferrichlorid, Darstellung der Lösung 971.
Ferricyankalium „	„	„	971.

Ferrocyankalium „	„	„	971.

Fescas Wage 649.

Fett, Bestimmung 220, 451 (über die ein-
zelnen Fettbestimmungsverfahren in der
Milch, siehe diese).

Fette, Untersuchung 616 (siehe Öle).
Fettextraktionsapparat 221.

Fettsäuren, freie, Bestimmung 223, 526.
Fiohtenharz 951.

Filtrationsfähigkeit des Bodens 57.
Fischfuttermehl, mikrosk. Unters. 376.
Fischguano und Fleisohdüngemehl 165.

—	Asche 166.

—	Feuchtigkeit 166.

—	Phosphorsäure 165.

—	Sand 166.

—	Stickstoff 165.

Pleckenkrankheit au Bohnen u. Erbsen 411.
Fleischfuttermehl, mikroskop. Unters. 376.
Flugbrand, Beschreibung 398.

Plughafer, mikrosk. Nachweis 379.
Plugstaub, Beschädigung dadurch 924 (siehe
Bauchbeschädigung).

Fluor, Bestimmung in Düngemitteln 163.
---in Pruchtsirupen 747.

—	— in Milch 482.

—• — bei Kauchbesohädigungen 916.
Poeniculum officinale, mikroskop. Nachw. 366.
Pormaldehyd, Best, in Milch 482.

Four Hours Test-Verf. bei Schmutzwasser864.
Prisohhaltungsmittel für Bier 738.

—	Butter und Fette 550.

—	Essig 703.

—	Frucht- und Obsterzeugnisse 745.

—	Milch 478.

—	Stallmist 132.

—	Wein 777, 781 u. 785.

Fruchtgelee und Sirup 747.

—	Alkalität der Asche 749.

—	Alkohol 748.

—	Asche 748.

—	Extrakt 748.

—	Farbstoffe 750.

—	Prischhaltungsmittel 745.

—	Optisches Verhalten 748.

—	Schweflige Säure 749.

—	Wasser 743.

—	Zucker 749.

Fruktose, Bestimmung 227.

—	— neben anderen Zuckerarten 234.
        <pb n="1085" />
        ﻿1066

Sachregister.

Füllmassen 605 (siehe auch Zuokerfabrikation).
Furfurol, Prüfung des Spiritus auf 687.
Furfurollösung 557.

Fusarium aquaeductum, im verunr. Wasser
841.

—	beticola, mikrosk. Nachweis 406.

—	solani, „	409.

Fuselöl, Bestimmung nach Beckmann 681.
—- — nach Marquardt 680.

—	— nach Eöse-Stutzer-Reitmair 676.
Futterkalkphosphat 288.

Futtermittel 208.

—	Allgemeine Bestandteile, Bestimmung 208.

—	— Albumosen 212.

----Asche 251.

—	— Dextrin 226.

----Eiweiß 209.

----Fett 220.

—	— Fettsäuren, freie (Ranzigkeit) 223.

—- — Holzfaser (Rohfaser) 245.

—	■— Kohlenhydrate, verdauliche 242. .

—	— —• wasserlösliche, Trennung 226.
	Kutin 1057.

—	— Lignin 251, 1057.

—	— Methylpentosane 1056.

—	-— Pentosane 243.

—	— Peptone 212.

—	— Protein, Rein- nach Barnstein 210.

--------— nach	Schjerning 211.

—	----— nach	Stutzer	209.

—	----Roh-	208,

—	— Rohfaser 246.

—	— — nach	Henneberg	246.

—	---nach	Holdefleiß	246.

--------nach	König 249.

—	— Sacharose 232.

----Sand 252.

---- Stärke 238.

—■ — Stickstoffverbindungen:

----—	Gesamt-	208.

—	— —	lösliche	226.

—- — — nichteiweißartige 213.

—	— — — Amidosäuren 214,

—	— — — Ammoniak 214.

------------Säureamidstickstoff 215.

—	— — — Salpetersäure 218.

—' — — Trennung der 209.

—	— — unverdauliche 219.

—	— — verdauliche 219.

—	— Trockensubstanz 208.

—	— Wasser 208.

—	— Wasserlösliche Stoffe 224.

----— Asche 224.

—	---Dextrin 226.

---------- Extrakt 224.

—• — — Kohlenhydrate 226.

--------Stickstoffverbindungen 226.

--------Trockensubstanz 224.

----Zellulose 251, 1067.

----Zucker 232.

—	— — Bestimmung der einzelnen Arten

durch Gewichtsanalyse 229.

Futtermittel, Allgemeine Bestandteile, Zucker,
Bestimmung der einzelnen Arten durch
Maßanalyse 227.

—	----— Polarisation 233.

--------Trennung der einzelnen Zucker-
arten 234,

—	die einzelnen Sorten 255.

-------- Biertreber 370.

----Fleischfuttermehl 376.

----Futterkalk 283.

—	— Grün- und Rauhfutter 264.

—	— Hülsenfrtichte 324.

—	— Kartoffeln 266.

----Kartoffelmehl 372.

----Kleie 282.

----Knochenfuttermehl 283.

----Körner 270.

----Künstlich getrocknete 369.

----Mehl 270.

—	— Melasse 261.

—	— Ölkuchen 282.

—	— Ölsamen 268.

—	— Preßfutter 256.

—	— Pulpe 258.

----Rauhfutter 254.

—	-— Rüben 266.

----Rübenschnitzel 374.

—	— Rückstände der Ölfabrikation 331.

—	— Sagemehl 396.

—	— Sauerfutter 256,

—	— Schlempe 258, 371.

—	— Schnitzel 256.

----Torf 397.

----Treber und Trester 268.

—	•— Wurzelgewächse 266.

—	Qeldwertsberechnung 427.

—	Handelsgrundsätze 424.

—	Mikroskopie 284.

—	Untersuchung auf Schimmel 253.

—	Verunreinigungen durch Pilze aller Art 398.

—	—- durch Schimmel 414.

----durch tierische Schmarotzer 421.

----durch Unkrautsamen 378.

(x.

Gänsefett, Untersuchung 681.

Gänsefuß, mikroskop. Unters. 394.

Gärkraft der Hefe 726.

Gärprobe bei Schmutzwasser 872.
Gärungspilze 418.

Gebrannter Kalk 112.

Gelatine als Klärmittel für Wein 794,
Geldwertherechnung der Düngemittel 189.

—	der Futtermittel 427.

Gelee (siehe Fruchtgelee) 747.

Gerbsäure bezw. Gerbstoff, Bestimmung im

Hopfen 716.

_ im Wein 778.

Gerste (Bierbereitung) 707.

—	Farbe 707.

—	Geruch 707.
        <pb n="1086" />
        ﻿Sachregister.

1067

Gerste, Hektolitergewicht 707.

—	Keimfähigkeit 709.

—	Korngröße 707.

—	Mikroskopische Untersuchung 304.

—	Schimmelbildung 709.

—	Schnittprobe 709.

—	Zusammensetzung 709.

Gesteine, Aufschließen mit Borsäure 99.

----— Flußsäure 98.

----— Kohlensaurem Baryum od. Baryum-

hydroxyd 98.

—	----Kohlensaurem Kalium-Natrium 98.

—	Bestimmung von Bisenoxydul 100.

----kohlensauren Verbindungen 100.

—	— Quarzgehalt 99.

----Schwefelverbindungen 100.

----Silikaten 98,

—	Untersuchung 97.

—	Verwitterbarkeit 100.

Getreidearten, mikrosk. Untersuchung 288.
Getreideblattpilze, mikrosk. Nachweis 404.
Getreideprober 444.

Getreiderost, Beschreibung 400.

Gips, als Einstreumittel für Stallmist 185.

—	Bestimmung im Boden 16.

—	Untersuchung auf Feuchtigkeit 186.
	Kalk 186.

—	—	Magnesia 186.

----Sand 186.

—	— Schwefelsäure 186.

—	— Unlösliches 186,

Glukose, Berechnung aus dem gewogenen
Kupfer, Tabelle 986.

—	Bestimmung 227.

----neben anderen	Zuckerarten	234.

—	—	im Stärkesirup	und	-zucker	656.

Glyzerin, Bestimmung in Bier 736.
--------Schlempe 260.

—	----Wein 766.

Glyzerin-Schwefelsäure für Bestimmung der
Bohfaser 249.

Golde we und Schönjahnscher Keim-
apparat 441.

Gossypium herbaceum, mikrosk. Unters. 344.
Gräser als Unkrautsamen, mikrosk, Unters. 378.
Grün- und Eauhfutter 264.

—	Bestandteile 265.

—	Probenahme 254.

—	Wasser 254.

—	Wassergehalt, ursprünglicher 255.

—	Zerkleinerung 254.

Guano (siehe Peru-Guano) 169.

—	Baker- 172.

—	Maiden- 172.

Gummigutti 693.

Guizotia oleifera, mikroskop. Nachweis 359.

H.

Haare 165.

—	Untersuchung auf Asche 166.

----Feuchtigkeit 166.

—	— Phosphorsäure 165.

Haare, Untersuchung auf Sand 166.

—	t— Stickstoff 165.

Hafer, mikrosk. Untersuchung 309.
Halphensohe Reaktion 587.

Hammelfett (-talg), Untersuchung 579.
Handels-Grundsätze für den Verkehr mit
Düngemitteln 192.

—	Futtermitteln 424.

Hanföl 542.

Hanfsamen, mikrosk. Untersuchung 357.
Harn 118.

—	Untersuchung auf Ammoniak 120.

----Asche 119.

—	—• Chlor bezw. Kochsalz 122.

—	— Eiweiß 121.

—	— Harnsäure 120.

----Harnstoff 120.

----Hippursäure 120.

—	— Kohlensäure 122.

----Kohlenstoff 122.

----Phosphorsäure 122.

----Schwefel 123.

—	•— Schwefelsäure 122.

----Spezifisches Gewicht 118.

—	— Stickstoff 119.

—	— Trockensubstanz 118.

—	— Wasser 122.

—	— Zucker 121.

Harnsäure, Bestimmung im Harn 120.
Harnstoff, Bestimmung im Harn 120.

Härte, Bestimmung in Wasser 825. '

Harz, Bestimmung im Hopfen 716.

—	Nachweis in Mineralöl 950.

—	— im Wachs 938.

Harzöl, Nachweis in Mineralöl 960.
Haselnußöl, Konstanten 542,

Hausenblase als Klärmittel für Wein 794.
Hederich, mikrosk. Nachweis 384.

Hefe 719.

—	Analyse ders. 719.

—	Biologische Analyse 722.

—	Gärkraft 726.

—	Probenahme 721.

—	Reinzucht 722.

----Arten, mikrosk. Abbildungen 721.

Hehnersche Zahl 528.

Hektolitergewicht, Bestimmung 443.

—	bei Gerste 707.

—	bei Malz 710.

Helianthus annuus, mikroskop. Nachweis 355.
Helmiuthosporium teres, mikrosk. Nachw. 402.
Herniekrankheit des Kohls, mikrosk. Nach-
weis 412.

Heubazillen 419.

Heumilbe, Beschreibung 422.

Hippursäure, Bestimmung im Harn 120.
Hirse (Rispen- u. Mohren-), mikrosk. Unters.
317.

Hirtentäschchen, mikrosk. Nachweis 387.
Holzasche, Untersuchung 206.

Holzessig, Erkennung 704.

I Holzfaser (Rohfaser), Bestimmung 245,
        <pb n="1087" />
        ﻿1068

Sachregister.

Holzgeist, Beschaffenheit als Denaturierungs-
mittel 682.

—	Nachweis im Spiritus 684.

Holzöl, Konstanten 542.

Honig 589.

—	Beurteilung 595.

—	Untersuchung auf Asche 592.

—	— Dextrin 591.

----Fruktose 591.

—	— Glukose 591.

----Invertzucker 591.

—	—.Polarisation 591.

—	— Pollen 592.

—	— Saccharose 591.

—	•— Säure 592.

----Spezifisches Gewicht 590,

—	■— Stärkesirup und -zucker 693.

—	— Stickstoff 592.

—	— Wachs 692.

----Wasser 590.

—	Verfälschungen 593.

Honigessig 699.

Hopfen 714.

—	Asche 715.

—	Botanische Untersuchung 717.

—	Extrakt 716.

—	Gerbstoff 715.

—	Harzgehalt 716.

—	Lupulin 717.

•—• Schwefelung 717.

—	Wasser 715.

—	Wertschätzung 717.

Hopfenbitter, Prüfung auf 739.

Hopfenmehl, Bestimmung 717.

Hordeum vulgare, mikroskop. Unters. 304.
Hornmehl 165.

—	Untersuchung auf Asche 166.

----Feuchtigkeit 166.

—	— Phosphorsäure 165.

----Sand 166.

—	— Stickstoff 165.

Hülsenfrüchte, mikroskop. Untersuchung 324.

—	Pilze daran, „	„	410.

Humus, Bestimmung im Boden 13.

—	— in Kalksteinen und Mergeln 103.
Humussäure, freie, Bestimmung im Moor-
boden 90.

Hygroskopicität, Bestimmung hei Boden 67.

I.

Indigo-Lösung, Darstellung zur Prüfung auf
Salpetersäure 971.

Inkubator Test-Verfahren bei Schmutzwasser
866.

Invertin, Darstellung 966.

Invertzucker, Bestimmung 227.

----neben Saccharose 606.

—	Berechnung aus dem gewogenen Kupfer
Tabelle 988.

—	— aus dem gewogenen Kupferoxyd (heim

Rübenzucker) Tabelle 989.

J.

Jams siehe Marmeladen.

Japantalg, Konstanten 642.

Japanwachs, Nachweis im Bienenwachs 938.
Jauche, Untersuchung 131.

Jodhestimmung in Düngemitteln 163.
Jodrückstände, Aufarbeitung 977.

Jodzahl, Bestimmung nach Hühl 531.

--------Wijs 633.

Jodzinkstärke-Lösung 969.

Juglans regia, mikroskop. Nachweis 364.

K.

Kadavermehl, mikroskop. Untersuchung 376.
Kaffeesamenschale, mikroskop. Nachweis 397.
Kakaofett, Kakaoöl, Konstanten 542.

Kali, Bestimmung im Boden 30.

—	— in Düngemitteln 157.

—	— in Wasser 824.
Kali-Ammoniak-Superphosphat, Unters. 188.
Kalilauge, Darstellung der Lösung 970.
Kalisalze (Kochsalz und Viehsalz) 186.

—	Untersuchung auf Alkalien (Kali und

Natron) 187.

----Chlor 187.

----Feuchtigkeit 186.

----Kalk 188.

—	— Magnesia 188.

----Säureunlöslichen Rückstand 187.

----Schwefelsäure 187.

Kali-Superphosphat, Untersuchung 188.
Kaliumpermanganat, Darstellung von x/100
Normal- 968.

Kalk, Bestimmung 27.

—	— in Phosphaten 160.

----in Wasser 824.

—	gebrannter, Untersuchung 112.
Kalkmörtel, Untersuchung 113.
Kalksaccharat, Untersuchung 613.

Kalkstein, Untersuchung (siehe auch Mergel)

101.

Kalkwasser, Kalkmilch, Darstellung 970.
Kaolin, Zusammensetzung 108.
Kapillaranziehung des Bodens, Best. 54.
Kapokmehl, Vorkommen in Palmkernmehl 360.
Kartoffeln (als Futtermittel) 226.

—	Bestimmung des spez. Gew._ 648.

—	Untersuchung für Brennereizwecke 661.

----für die Stärkefabrikation 647.

Kartoffelmehl, mikroskop. Unters. 372.
Kartoffelpilze, mikroskop, Nachweis 407.
Kartoffel-Pülpe, mikroskop. Unters. 369.
Käse 503.

—	Anhaltspunkte für die Beurteilung 512.

—	bakteriol.-mikroskop. Unters. 512.

—	Probenahme 506.

—	Untersuchung auf Beimengungen 511.
	Fett 507.

----—■ auf Reinheit 509.

—	— Fremde Zusätze 511.

----Käsegift 512.
        <pb n="1088" />
        ﻿Sachregister.

1069

Käse, Untersuchung auf Kasein (Gesamt-
Stiokstoffsubstanz) 608.

—	— Lösliche Stickstoffverhindungen 508.

—	— Milchzucker 509.

—	— Mineralstoffe 509.

—	—• Säure 609.

----Stickstoff 508.

—	— Wasser 506.

—	Verfälschung 506.

—	Verunreinigung 606.

Käsefehler 504, 512.

Käsegift 512.

Käsemilbe, Beschreibung 422.

Kasein als Klärmittel für Wein 794.

—	Bestimmung in Butter 549.

—	— in Käse 508.

----in Milch 470.

Kaseinprobe nach Schaffer 474.
Keimapparat von Goldewe und Schönj ahn

441.

—	von König 439.

—	von Nobbe 438.

—	von Stainer 439.

Keimbett aus Fließpapier 439.
Keimfähigkeit der Samen, Ermittelung 438.
Kesselsteinbildner, Bestimmung 827.
Kieselsäure, in Säuren löslich 24.
Kirschbranntwein, Erkennung 695.

Kj el d ahl sches Stickstoffbestimmungsver-
fahren 136.

Klauenöl, Konstanten 951.

Kleber, Bestimmung 272.

Klebfähigkeit der Stärke, Bestimmung 654.
Klee, Blattfleckenpilze 411.
Kleeprobenstecher von Nobbe 436.

Kleie, ehern. Untersuchung 282.

—	makroskopische Untersuchung 297.

—	mikroskopische Untersuchung 298.
Knappsche Lösung, Darstellung 966.
Knochenasche und Knochenkohle als Dünge-
mittel 172.

—	Untersuchung auf Ätzkalk 172.

—	— Feuchtigkeit 172.

—	— Kohlensäure 172.

—	— Phosphorsäure 172.

—	— Salzsäure 172.

----Schwefelsäure 172.

Knochenfett 544.

Knochenfuttermehl 283.

Knochenkohle für die Zuckerfabrikation 617.
----Entfärbungskraft 618.

—	— Kohlensäure 619.

----Kohlenstoff, Sand und Ton 617.

----Schwefelsäure und Schwefel 617.

----Wasser 617.

----Zuckergehalt 619.

Knochenmehl 167.

—	Untersuchung auf Asche 167.

----Feinheit 168.

----Fett 168.

----Feuchtigkeit 167.

—	— Haut- und hornartige Stoffe 167.

Knochenmehl, Untersuchung auf Phosphor-
säure 167.

----Sand 167.

----Stickstoff 167.

—	— Verfälschungen 168.

—	Was ist Knochenmehl? 168.

Knochenöl, Konstanten 951.

Knöterich, ampferblätt., mikrosk. Nachweis
392.

Knopscher Sohlämmzylinder 6.

Kochsalz (Viehsalz) 186.

—	Nachweis im Boden 39.

----im Wein 779.

Königswasser 970.

Körner und Mehle der Getreide- und Hülsen-
früchte 270.

—	Untersuchung auf Alaun 278.

—	— Alkaloide (in Lupinen) 281.

----Backfähigkeit 272.

----Kleber 272.

----Milben 278.

----Mutterkorn 272.

----Ölen (des Weizens) 279.

—	— Pilze 398.

—	— Stärke 270.

----Tierische Schmarotzer 421.

—	— Unkrautsamen 271.

----Volumgewicht 280.

—	— Wasserbindende Kraft 278.

—	— Zolltechnische 280.

Kognak, Beurteilung 695.

Kohlenhydrate, Bestimmung derselben 226.
—- verdauliche 242.

Kohlensäure, Berechnung nach Scheiblers
Verfahren Tabelle 981.

—	Bestimmung im Bier 734.

—	— Boden 16, 1056.

----Kalk 112.

—	— Mergel und Kalkstein 102.

—	— Schaumwein 792.

----Ton 108.

—	— Wasser 818.

Kohlenstoff, organ., Bestimmung im Boden
13.

----in Schmutzwasser 855.

Kohlsaat, mikroskop, Nachweis 339.
Kokosnuß, mikroskop. Untersuchung 352,
Kokosnußfett (-butter, -öl), Untersuchung
588.

Kolbenhirse, mikrosk. Nachweis 317.
Kolbenschimmel, mikrosk. Nachweis 415.
Kolorimeter zur Bestimmung von Ammoniak
809.

--------Eisen 822.

--------salpetriger Säure 812.

Kolzaöl, Untersuchung 687.

Kondensierte Milch 500.

—	Beurteilung 503.

—	Untersuchung auf Asche 600.

----Fett 500.

----Milchzucker 501.

----Proteinstoffe 501.
        <pb n="1089" />
        ﻿1070

Sachregister.

Kondensierte Milch, Untersuchung auf Saccha-
rose 501.

—	— Wasser 500.

Kongorot-Lösung, Bereitung 961.
Konservierungsmittel siehe Frisohhaltungs-

mittel.

Koprolithe 177.

—	Feuchtigkeit 178.

—	Kohlensäure 178.

—	Phosphorsäure 177.

Kornmotte, Beschreibung 424.
Kornprobensteoher 436.

Kornrade, mikroskop. Nachweis 389.
Kornwurm, Beschreibung 423.

Kot 123.

—	allgemeine Untersuchung 123.

—	Bestimmung der Stoffwechselerzeugnisse

darin 123.

Kraut, siehe Obstkraut 743.

Kremometer 467.

Kresse, mikroskop. Nachweis 389.

Kümmel, mikroskop. Untersuchung 367.
Kunstspeisefett, Konstanten 544.

—	Zusatz zu Schweineschmalz 577.

Kupfer, Bestimmung im Boden 42.

----Branntweinen und Essig 694.

----Mehl 279.

—	— Obst- und Fruchterzeugnissen 745.

—	— Pflanzenasche 203.

—	— Wein 781.

Kupferhydroxyd, Darstellung zum Fällen
der Proteinstoffe 966.

Kupferlösung, Fehlingsohe, Darstellung
966.

Kutin, Bestimmung 1057.

L.

Labgärprobe 474.

Labpräparate, Untersuchung 513.
Lackmustinktur, Darstellung 961.
Laktobutyrometer, Bestimmung des Milch-
fettes damit 466.

—	Berechnung des Fettgehaltes danach,

Tabelle XI 1013.

Laktodensimeter, Anwendung 451.

—	Korrektionstabelle für die Laktodensi-

metergrade 1008.

Laktokrit 459.

Laktose, Bestimmung 230.

----in Käse 509.

----in Milch 470.

—	Berechnung aus dem gewogenen Kupfer,
Tabelle 994.

Laktoskop 468,

Lävulose, siehe Fruktose.

Lebertran 544.

Lebewesen, pflanzliche und tierische, in
Sohmutzwasser 874.

—	— — in Trinkwasser 840.

Ledermehl 166.

—	Untersuchung auf Asche 166.

----Feuchtigkeit 166.

Ledermehl, Untersuchung auf Phosphorsäure
165.

—	— Sand 166.

—	— Stickstoff 165.

Leguminosen, Pilze daran 410.
Legumiuosensamen, mikrosk. Unters. 324.
Leindotter, mikrosk. Untersuchung 362.
Leindotteröl, Konstanten 542.

Leinöl, Konstanten 542.

Leinsamen, mikrosk. Untersuchung 332.
Leptomitus lacteus in Schmutzwasser 877.
Leuchtgas, Schädlichkeit für Pflanzen 919.
Leuchtgasbestandteile im Wasser 821.
Lignin, Bestimmung 249, 1067.

Linse, mikrosk. Untersuchung 327.

Linum usitatissimum, mikrosk. Unters. 332.
Liköre, Untersuchung 671.

Lösungen, Darstellung derselben für die
Untersuchung 956 bis 972 (über die Dar-
stellung der einzelnen Lösungen siehe
bei den betreffenden Stichwörtern).

—	desgl. nach Blochmann 972.

Lolch (Lolium temulentum), mikrosk. Nach-
weis 378.

Lolium-Pilz, mikrosk. Nachweis 406.

Lupine, mikrosk. Untersuchung 328.
Lupinenalkalolde, Bestimmung 281.

Lupinin, Bestimmung 281.

Lupinus luteus, mikroskop. Unters. 328.
Lupulin, Bestimmung 717.

M.

Madia sativa, mikrosk. Untersuchung 361.
Magensaftlösung, Darstellung 965.
Magermilch. Untersuchung 497.

Magnesia, Bestimmungsverfahren 28.
Magnesiamixtur, Darstellung 964.
Mahlerzeugnisse von Roggen und Weizen,
mikrosk. Untersuchung 296.

Mais, mikrosk. Untersuchung 314.
Maisbrand, Abbildung und Beschreibung 315.
Maische, süße 662 (s. auch Spiritusfabrikation).

—	vergorene 665 „	„	„

Maisöl, Konstanten 542.

Maidenguano, Untersuchung 172.

Maltose, Bestimmung 227.

—	— in Maische 663.

—	Berechnung aus dem gewogenen Kupfer,

Tabelle V 991.

Malz 710.

—	Diastatische Kraft 714.

—	Bxtraktbestimmung 711.

—	Farbentiefe der Würze 713.

—	Fermentativvermögen 714.

—	Hektolitergewicht 710.

—	Maltose 713.

—	Probenahme 710.

—	Säure 714.

—	Schnittprobe 714.

—	Tausend-Korn-Gewicht 710.

—	Wasser 711.

—	Zucker 713.
        <pb n="1090" />
        ﻿Sachregister.

1071

Malzeasig, Untersuchung 699.

Malzkraut 743 (siehe auch Obstkraut).
Mandelöl, Konstanten 542.

Mangan, Bestimmung 26.

Margarine 569.

—	Beurteilung 572.

—	Gesetzliche Bestimmungen 570.

—	Herstellung.

—	Untersuchung auf Sesamöl 572.

-----auf Kokosfett 572.

—	Verfälschungen 570.

Margarinefett 544.

Margarinekäse 512.

•— Prüfung auf Sesamöl 512.

Marmeladen, Jams oder Muse 750.

—	Beurteilung 752.

—	Frischhai tu ugsraittel 752.

—	Mineralstoffe 752.

■— Optisches Verhalten 751.

—	Säure 751.

—	Stärkesirup 752.

—	Unlöslicher und löslicher Anteil 750.

—	Wasser 750.

—	Zucker 751.

Marktkontrolle für Milch 494,

Maßregeln für die Düngerkontrolle 192.

■— für die Futtermittelkontrolle 424.

—	für die Milchkontrolle 494.

Mehl, Untersuchung 270 (siehe Körner).
Mehle der Leguminosen, ehern. Unters. 270.

—	— mikrosk. Untersuchung 324.

—	der Zerealien, ehern. Untersuchung 270.

-----mikrosk. Untersuchung 288.

Mehlkäfer, Beschreibung 423.

Mehlmilbe, Beschreibung 422.
Mejillonesguano 172.

Melasse, Verwendung für Spiritusfabrikation
661.

■— Untersuchung in der Zuokerfabrikation
605.

Melassekalk, Untersuchung 613.
Melassemischfutter 261.

—	Asche 263.

—	Blut 263.

—	Fett 262.

•— Garantie im Handel mit Melassefutter 265.

—	Gehalt an Melasseträger 261.

—	Bohfaser 263.

—	Stickstoff 262.

•— Wasser 262.

—	Wertschätzung d. Melassefuttermittel 265.

—	Zucker 263.

Meltaupilze am Getreide, Beschreibung 401.

—	an Leguminosen 411.

Menyanthin, Nachweis im Bier 739.

—	— in Spirituosen 693.

Mergel 101.

—	Beurteilung 104.

—	Untersuchung auf Eisenoxydul 103.
	Kohlensäure, gewiohtsanalytisch 102.

—	------ nach Scheibler 102.

-----Organische Stoffe 103.

Mergel, Untersuchung auf Sohwefelver-
bindungen 103.

—	— Vollständige 103.

----Wasser 102.

—	Verwitterbarkeit 105.
Metaphenylendiamin, Darstellung der Lösung

971.

—	-Probe auf salpetrige Säure 810.
Methylpentosane, Bestimmung 1056.
Mikroskopische Untersuchung der Futter-
mittel 284.

—	— rauchbeschädigter Blätter 898.

----des Schmutzwassers 873.

----des Wassers 832.

Milben (Heumilbe, Mehlmilbe), Beschreib. 422.
Milch und Molkerei-Erzeugnisse 446.

—	Allgemeine Untersuchungsverfahren 448.
	Asche 471.

----Eiweiß, Gesamt- 470.

----Farbstoffe, fremde 484.

----Fett 451.

----— nach annähernden Verfahren 466.

—	— — nach dem aräometrischen Verfahren

455.

—	---nach dem Zentrifugal-Verfahren

469.

—	---gewichtsanalytisch 452.

—	---mit dem Refraktometer 463.

--------nach Röse-Gottlieb 453.

—	— — nach Wollny 463.

—	— Frischhaltungsmittel 478.

----Gärprobe 473.

----Haltbarkeit 473.

----Inkubationsstadium 472.

—	— Milchsäure 472.

----Milchzucker 470.

----Mineralstoffe 471.

----Rohe und gekochte Milch, Unterschei-
dung 476.

—	— Säuregehalt, Gesamt- 472.

—	— Salpetersäure 485.

—	— Schmutzgehalt 475.

----Serum 486.

----Spez. Gewicht, Bestimmung 448.

—	---mit dem Laktodensimeter 451.

—	---mit dem Pyknometer 449.

----— mit der Westphalschen Wage 449.

—	— Trockensubstanz 469.

—	— Wasser 469.

—	— Wasserzusatz, Nachweis 490.

—	Berechnung des Spez. Gew. der Trocken-
substanz 489.

•— Berechnung des Wasserzusatzes und des
Entrahmungsgrades 492.

—	Beurteilung 490.

—	Beziehung zwischen spez. Gew., Trocken-
substanz und Fett 488.

—	Marktkontrolle 494.

—	Maßregeln für den Milchhandel 494.

—	Stallprobe 491.

—	Unterscheidung von roher und gekochter
Milch 476.
        <pb n="1091" />
        ﻿1072

Sachregister.

Milch- u. Molkerei-Erzeugnisse, Verfälschun-
gen, Nachweis 490.

—	Molkerei-Erzeugnisse 497.

----Abgerahmte, Untersuchung 497.

—	— Buttermilch 497.

----Kondensierte 499.

—	— Mager- 497.

—	— Rahm 497.

—	— Molken 497.

Milchdauerwaren 499.

Milchfehler 446.

Milchhandel, Maßregeln dafür 494.
Milohkontrolle 494.

Milchpulver 499.

Milchserum 486.

Milchsäure 472.

Milchsäure, Bestimmung in Wein 765.
Milchsäure-Bakterien, York. i. Eutterm. 418.
Milchschimmel, mikrosk. Nachweis 416.
Milohwage 451.

Milchzucker, siehe Laktose.

Miilons Reagens, Darstellung 972.
Mindergeldwertberechnung bei Düngemitteln
189.

—	bei Futtermitteln 427.

Mineralboden 1.

Mineralöl, Nachweis in fetten Ölen 952.

—	(als Schmieröl) Untersuchung 940.
Mineralphosphat, Untersuchung 177.
Mineralsäure, freie, Nachweis im Essig 701.

—	— in Schmierölen 948.

----in Schmutzwasser 864 u. 871.

Mohnöl, Konstanten 542.

Mohnsamen, mikrosk. Untersuchung 353.
Mohrenhirse, „	„	317.

Molken, Untersuchung 497.
Molkerei-Erzeugnisse, siehe Milch (oben).
Molybdänlösung, Darstellung 963.
Molybdänverfahren, Bestimmung der Phos-
phorsäure nach diesem 150.
Molybdänrüokstände, Aufarbeitung 976.
Moniliaartiger Schimmel, mikrosk.Nachw. 417.
Moorboden, Untersuchung 82 (siehe Boden).
Moostorf, mikrosk. Untersuchung 397.

Most, Untersuchung 753.

—	Säure 754.

—	Zollamtliche Untersuchung 755.

—	Zucker 763.

Mostwage nach Babo (Klosterneuburger) 764.
----Balling (Saccharometer) 754.

—	— Oechsle 753.

—	— Schmidt-Achert 753.

—	— Wagner 754.

—	Vergleichende Angaben verschiedener
Mostwagen, Tabelle 1045.

Mowrafett, Konstanten 542.

Mucor mucedo, mikrosk. Nachweis 414.

—	racemosus, im verunr. Wasser 841.

Mus, Untersuchung 750 (siehe Marmelade).
Mutterkorn, ehern. Nachweis im Mehl 272.

—	mikrosk. Nachweis 401.

Myxotrichum chartarum, im verunr. Wasser841.

N.

Nährgelatine, Darstellung zu Plattenkul-
turen 834.

Naphtholreagens zur Prüfung auf salpetrige
Säure 971.

Natriumacetat-Lösung, Darstellung 963.
Natriumkarbonat, Bestimm, in Wasser 824.

—	Darstellung der Lösung 970.
Natriumphosphat-Lösung, Darstellung 970.
Natriumphosphorwolframat, Darstellung 968.
Natron, Bestimmung 29.

Natronlauge, Darstellung der Normal- 969.

—	gewöhnliche Lösung 970.

Nematoden in Futtermitteln 421.
Nematodentäule bei Kartoffeln 421.
Neßlers Reagens 969.

Neutralfett, Bestimmung 526.

Nigersamen 369.

Nobbescher Keimapparat 438.

Nobbesehe Spreufege 438.
Normal-Lösungen, Darstellung der Normal-
Alkalilauge 959.

—	der Normal-Säuren 956.

Nuklein, Bestimmung 219.

Nußöl, konstanten 542.

O.

Obergrund und Oberkrume im Boden 2.
Obst, Untersuchung 742.

Obstessig, Obstweinessig 699.

Obstkraut, Rübenkraut und Malzkraut 743.

—	Untersuchung auf Ameisensäure 747.
	 Flußsäure 747.

----Mineralstofie 744.

—	— Optisches Verhalten 743.

----Säure 744.

—	— Salioylsäure 746.

—	— Schweflige Säure 745,

----Stickstoff 744.

—	— Wasser 743.

----Zucker 743.

Obstweine, Unters, u. Beurteilung 790.
Oidium lactis, mikroskop. Nachweis 416.

—	Tuckeri, Bekämpfung 793.

Öle und Fette 516.

—	Allgemeine Untersuchungsverfahren 617.
—- — Brechungsindex 520.

—	— Cholesterin 534.

----Erstarrungspunkt 518.

----Fettsäuren, flüchtige 527.

—	— — freie 526.

----— Trennung der festen und flüssigen

530.

—	— — wasserlösliche 528.

—	— — wasserunlösliche 528.

—	— Hehnersche Zahl 528.

—	— Jodzahl nach Hübl 531.

---------nach Wijs 532.

----Neutralfett 526,

----Phytosterin-Probe nach A. B ö m e r 634.

----Phytosterinacetat-Probe 538.
        <pb n="1092" />
        ﻿Sachregister.

1073

Öle und Fette, Allgemeine Untersuchungs-
Verfahren, Polarisation 525.

----Reichert-Meißlsohe Zahl 527.

----Schmelzpunkt 518.

—	— Spez. Gewicht 517.

----Verseifungszahl (Köttstorfer) 526.

Ölkuchen, ehern. Untersuchung 282.

—	mikroskop. Untersuchung 331.

Ölmadie, mikroskop. Untersuchung 361.
Ölsamen, ehern. Untersuchung 268.

—	Fett 268, 1058.

—	Ranzigkeit 268.

—	Rohfaser 268.

—	Senföl 269.

—	Stärke 268.

—	Wasserlösliche Stoffe 268.

—	Zerkleinerung 268.

Olea europaea, mikrosk. Untersuchung 367.
Oleomargarine, Konstanten 544.

Olivenkerne, mikroskop. Untersuchung 367.
Olivenöl, Untersuchung 582.

Oospora lactis, im Wasser 841.

Organische Stoffe, Bestimmung im Boden 14.

—	— — im Mergel und Kalkstein 103.

----— im Schmutzwasser 864.

--------im Wasser 806, 864.

Organismen, pflanzliche und tierische, in

Schmutzwasser 874.

----— in Trinkwasser 840.

Oryza sativa, mikroskop. Untersuchung 311.
Oscillatoria antliaria, 0. clavatum, 0. mem-
branaoea, im verunreinigten Wasser 840.
Oscillatoria Froelichii, in Schmutzwasser 880.
Oscillatorien, verschiedene Arten, Unter-
scheidung 879.

Oxalsäure, Bestimmung im Essig 703.

—	— im Guano 170.

—	Darstellung von 11100 Normallösung 968.

P.

Palmfett, Konstanten 542,

Palmkerne, mikroskop. Untersuchung 360.
Palmkernöl, Konstanten 542.

Panicum crus galli, mikroskop. Unters. 381.

—	italicum und P. miliaceum, mikroskop.
Untersuchung 317.

Pankreassaft, Darstellung 966.

Papaver somniferum, mikroskop. Unters. 363.
Paraffin, Nachweis in Bienenwachs 936.
Parasitäre Pilze in Futtermitteln, Beur-
teilung 413,

Penicillium glauoum, mikrosk. Nachweis 415.
Pentosane, Bestimmung 243.

Pepton, Bestimmung 212.

Peptonfutter, Untersuchung 265.

Peronospora infestans, mikrosk. Nachw. 407.

—	parasitica,	„	„	413.

—	Schachtii,	„	„	406.

—	viticola, Bekämpfung 793.

Peruguano 169.

—	aufgeschlossener 171.

Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage.

I Peruguano, aufgeschlossener, Untersuchung
auf Kali 171.

---------lösliche Phosphorsäure 171.

—	— — sonstige Bestandteile 171.

----—, Stickstoff 171.

—	roher 169.

—	— Unters, auf Ammoniakstickstoff 169.

—	— — Asche 170,

---------Echtheit 170.

----— Feuchtigkeit 170.

—	----Gesamtstickstoff 169.

----— Kali 170.

—	— — Oxalsäure 170.

---------Phosphorsäure 169.

—	----Salpetersäurestickstoff 169.

—	----Sand 170.

Pferdefett, Konstanten 544.

Pflanzenasche, Darstellung u. Untersuchung

19. (s. auch Äschenanalyse).
Pflanzenwachs, Nachweis in Bienenwachs 938.
Pflanzliche Speisefette und Öle 581 (s. Öle).

—	Beurteilung 581.

—• Probenahme 581.

Phenolphthalein, Darstellung d. Lösung 961.
Phenylhydrazinverfahren zur Bestimmung
der Pentosane 243.

Phloroglucinverfahreu zur Bestimmung der
Pentosane 244.

Phoma hetae, miskrosk. Nachweis 406.
Phosphate, präzipitierte 178.

Phosphatgips 185 (s. Superphosphatgips).
Phosphorit 177.

—	Untersuchung auf Feuchtigkeit 178.

—	— Kohlensäure 178.

—	— Phosphorsäure 177.

Phosphorsaurer Kalk, präzipitierter 178.
Phosphorsäure, Berechnung aus dem ge-
wogenen pyrophosphorsauren Magnesium,
Tabelle 1046.

—	Bestimmungsverfahren 148.

—	— Freie 148.

----Gebundene, anEisenoxydu.Tonerdel78.

----Wasserlösliche 149.

---------maßanalytisch (Urantitrierung) 149.

----Wasserunlösliche 149.

----— Molybdänverfahren 150.

---------Zitratverfahren 152.

----Zitratlösliche 156,

—	— Zitronensäurelösliohe 154.
Phosphorwolframsaures Natrium, Darstellung

der Lösung 968.

Phytophtora infestans, mikrosk. Nachweis 407.
Phytosterinaoetat-Probe (A. Börner) 534.
Phytosterin-Probe (A. Börner) 634.
Pikrinsäure, Nachweis im Bier 739.
Pikrotoxin, „	„	„	739.

Pilobolus Öedipus im verunr. Wasser 841.
Pilze der Futtermittel 398.

—	an Cruciferen 412.

—	an Kartoffeln 407.

—	an Leguminosen 410.

1 — an Rüben 405.

68
        <pb n="1093" />
        ﻿1074

Sachregister.

Pilze, saprophytisohe 414.

—	Schimmel- 414.

Pimpinella anisum, mikroskop. Unters. 365.
Pinselschimmel, mikrosk. Nachweis 416.
Pisum sativum,	„	„	326.

Plantage lanceolata	„	„	391.

Plasmodiophora Brassicae, mikrosk. Nach-
weis 412.

Platinchlorid, Darstellung 971.
Platin-Rückstände, Aufarbeitung 975.
Polarisation der Fette 626.

—	der Fruohtsirupe 748.

—	der Marmelade 761.

—	des Obstkrautes 743.

—	des Weines 769.

—	der Zuckerlösungen 233.

—• des Zuckerrübensaftes 602.

Polygonum convolvulus mikrosk. Unters. 393.

—	fagopyrum,	„	„	322.

—	lapathifolium	„	„	392.

Polythrinoium Trifolii, mikrosk. Nachweis 411.
Porosität des Bodens, Bestimmung 45.

—	Ermittelung bei Schiefer 100.
Portland-Zement 115.

—	chemische Untersuchung 116.

—	physikalische Prüfung 116.

Porzellanerde, Zusammensetzung 116.
Präzipitierte Phosphate 178.

—	Untersuchung auf Arsen 178.

—	— Gesamtphosphorsäure 178.

_— — an Eisen und Tonerde gebundene Phos-
phorsäure 178.

—■ — zitratlösliohe Phosphorsäure 178.
Preßfutter 266 (s. Sauerfutter),

Preßlinge, Untersuchung 616.

Preßschlamm, Untersuchung 614.
Probenstecher für Sämereien 436.
Proteinbestimmung 208.

Pseudopeziza Trifolii, mikrosk. Nachweis 411.
Puocinia- Arten, mikrosk. Nachweis 400.
Pülpe, Untersuchung 258 (s. Schlempe).
Puzzolan-Zement, Gew. und Unters. 114.
Pyknometer 449.

Pyridinbasen als Denaturierungsmittel 682.

—	Nachweis im Spiritus 686.

Quarz, Bestimmung im Boden 35.

—	— in Gesteinen und deren Verwitterungs-

erzeugnissen 99.

Quecke (Samen), mikrosk. Unters. 380.
Quecksilberjodid-Jodkalium 972.
Quecksilberlösung nach Sachsse u. Knapp,
Darstellung 966.

- Verwendung zur Bestimmung der Zuoker-
arten 234.

Quevennesche Senkwage 451.

R.

Raffinationswert des Rohzuckers 613.
Raffinose, Bestimmung im Zucker 608.

Rahm, Untersuchung 497.

Ranzigkeit des Futterfettes 223.

Raphanus Rhaphanistrum, mikrosk. Nachw.
384.

Raps, mikrosk. Untersuchung 338.
Rapskuchen, mikroskop. Untersuchung 335.
Rapsöl, Untersuchung 587.
Bauohbeschädigung durch gasige und sauere
Bestandteile des Bauches 894.

—	Nachweis der Beschädigungen 910.

—	— Ammoniak 915.

—	— Arsen 914,

—	— Asphaltdämpfe 918.

----Chlor 914.

—	— Flußsäure 915.

—	— Salzsäure 914.

—	— Schwefelsäure u. schweflige Säure 910.

—	— — der Gesamtmenge an Schwefelsäure

und Schwefel 911.

----— der in Wasser löslichen Schwefel-
säure, bezw. des anhängenden Flug-
staubes 911.

—	— — der Kohlensäure in der Asche 912,
	Schwefelwasserstoff 919.

—	— Stickstoffsäuren 914,

—	Probenahme 909.

—	Untersuchung des Bodens 919.

----der Brennstoffe 923.

—	— Bestimmung des Schwefels in den

Brennstoffen 923.

—	— —• des flüchtigen Schwefels 924.

—	— — des Gesamtsohwefels 924.

—	— — der schwefligen Säure im Rauchgas

921.

—	Untersuchung der Rauchgase 920.

—	-- Bestimmung der Salzsäure 922.
	Schwefligen Säure 920.

—	Voruntersuchung, örtliche 895.

-----Beachtung des Grades der Erkrankung

je nach der Entfernung von der Rauoh-
quelle 908.

—	— — des verschiedenen Grades der Er-

krankung der einzelnen Baumgat-
tungen und Feldfrüchte 906.

--------der herrschenden Windverhältnisse

der Gegend 896.

—	— — der richtigen Zeit der Besichtigung

und Probenahme 895.

-----— der äußeren Merkmale und Er-
scheinungen der Vegetation 896.

—	Nachweis der Beschädigung durch Staub
aller Art 924.

Rauhfutter, Untersuchung 254 (s. Grünfutter).
Baute, mikrosk. Unters. 384.

Bavisonöl, Konstanten 542.

Reagenzien, Darstellung von Lösungen der-
selben 956—972.

—	desgl. nach Blochmann 972.
Rebkrankheiten, Bekämpfung 793.
Refraktometer, Anwendung 521.
Beichert-Meißlsohe Zahl 527.

Reinasohe, Bestimmung 200.
        <pb n="1094" />
        ﻿Sachregister.

1075

Reineiweiß, Bestimmung 209.
Beinheitsquotient des Bubensaftes 603.

—	bei der Spiritusfabrikation 665.
Eeinprotein, Bestimmung 209.

Beis, mikroskop. Untersuchung 311.
Eendement des Eohzuckers 613.
Rhizootonia-Fäule, mikrosk. Nachweis 409.
Ehodankaliumlösung, Darstellung 971.
Ricinus communis, mikroskop. Unters. 368.
Bicinusöl, Konstanten 961.

Bindsfett (-talg) 579,

—	Gesetzliche Bestimmungen 579.

—	Herstellung 579.

—	Untersuohungsverfahren 579.

—	Zollteohnische Untersuchung 580.
Robbentran, Konstanten 544.

Roggen, mikrosk. Untersuchung 290.
Roggenmehl, Nachweis im Weizenmehl 291.
Rohfaser, Bestimmung nach Henneberg

u. Stohmann 245.

—	— nach Holdefleiß 246.

---nach König 249.

Bohfett, Bestimmung 220.

Bohprotein, Bestimmung 208.

Rohrzucker 619 (siehe Saccharose und Zucker-
fabrikation).

Rohwöinstein, Untersuchung 795.
Bomanzement, Untersuchung 114.
RosoJsäure, Darstellung der Lösung 961.
Bostpilze an Getreide, mikrosk. Nachweis 400.

—	an Leguminosen 400.

Rüben, Futterrüben, Untersuchung (siehe
Wurzelgewächse) 266.

—	Pilze daran, mikrosk. Nachweis 405.
Rübenkraut, Untersuchung 743 (siehe auch

Obstkraut).

Rübenzucker 619.

Bübkuchen, Begriff 335.

Büböl, Untersuchung 687.

Eübsen, mikrosk. Untersuchung 339.
Rückstände der Ölfabrikation, mikroskopische
Untersuchung 331.

Rührwerk für Phosphorsäure-Fälluugen 152.
Rum, Beurteilung 696. .

Rumex acetosa, mikroskop. Nachweis 391.

S.

Saccharimeter, Angaben des, nach Mit-
scherlich 233, 599.

—	— Soleil-Duboscq 233, 599.

—	— Soleil - Ventzke - Scheißler 233.
599.

---Wild 233, 599.

—	— Wild-Laurent 233, 599.

Saccharin, Nachweis im Bier, Wein etc. 738,

776.

Saccharometer von Balling 602.

Saccharose, Bestimmung 232.

—	— neben Invertzucker 606.

Sachssesche Lösung, Darstellung 966.
Sägemehl, mikroskopischer Nachweis 395.

Sämereien, Untersuchung 430.

—	Absolutes Gewicht 443.

—	Beantwortung des Befundes 435.

—	Echtheit des Samens 437.

—	Einzusendende Menge 430.

—	Gebrauchswert 443.

—	Keimapparat, von Goldewe u. Schön-

jahn 441.

----von König 439.

----von Nobbe 438.

----von Stainer 439.

—	Keimbett aus Fließpapier 438.

—	Keimkraft, Ermittelung 438.

—	— — bei Runkel- und Zuckerrüben 434.

----— bei verschiedenen Sämereien 442.

—	Latitüde 445.

—	Mehligkeit 432.

—	Mittelprobe 431, 437.

—	Probenahme 435.

—	Reinheit 438.

—	Seide 445.

—	Untersuchungaheft, Einrichtung desselben
435.

—	Yolumgewioht 432.

—	Vorschriften für die Untersuchung 430.

—	Wassergehalt 443.

Säureamidstickstoff, Bestimmung 215.
Salioylsäure, Nachweis in Bier, Wein etc. 737.

—	— in Butter 560.

----in Essig 703.

—	— in Frucht- und Obsterzeugnissen 746.

—	— in Milch 479.

Salpeter 182.

—	Chilisalpeter (Natronsalpeter) 182.

—	Untersuchung auf Chlor 183.

------- Feuchtigkeit 182.

----Kali 183.

----Kalk 183.

—	— Magnesia 183.

—	— Natron 183.

----Organische Stoffe 182.

—	— Perchlorat 183.

----Sand 182.

----Schwefelsäure 182.

—	— Stickstoff 182.

—	Kalisalpeter 184.

Salpetersäure, Best, in Pflanzensäften 218.

----im Wasser 814.

----im Wein 780.

—	Nachweis in der Milch 485.

—	in Rauchgasen, Schädlichkeit für Pflanzen
914.

Salpeterstickstolf, Bestimmung 141,

----mit dem Nitrometer 147.

—	— nach Förster 141.

--------JodJbauer 141.

----Reduktion zu Ammoniak nach König

146.

----— nach Böttcher 146.

-----------Ulsch 147.

■---neben organ. Stickstoff nach Pfeiffer

147.

68*
        <pb n="1095" />
        ﻿1076

Sachregister.

Salpetersuperphosphat, Untersuchung 188.
Salpetrige Säure, Nachweis im Wasser 810.
Salzsäure, Darstellung der Normal- 956.

—	Nachweis in der Luft 922.

—	in Rauchgasen, Schädlichkeit für Pflanzen
914.

Sand, Bestimmung im Boden 20.

----in Futtermitteln 252.

—	Trennung von Kieselsäure 31.

Sandwicke,' mikrosk. Untersuchung 330.
Saprophytische Pilze, Nachweis 414.

—	Schädlichkeit 420.

Saturationsgas, Untersuchung auf Kohlen-
säure, schweflige Säure und Schwefel-
wasserstoff 619.

Saubohne, mikrosk. Untersuchung 327.
Sauerampfer, mikrosk. Nachweis 391.
Sauerfutter, Preßfutter (Ensilage), Schnitzel
256.

—	Fett 258.

—	Probenahme 266.

—	Säuren, freie flüchtige 258.

—	Stickstoff 257.

—	Wasser 256.

Sauerstoff, Bestimmung im Wasser 828.
Schafwolle siehe Wolle.

Schaumweine, Unters, u. Beurteilung 792.
Scheideschlamm, Unters. 614 (s. auch Zucker-
fabrikation).

Schiefer, Verwitterbarkeit 100.
Schimmelbildung bei Futtermitteln 263.
Schimmelpilze, Beschreibung 414.

—	Beurteilung 420.

—	Prüfung darauf 263.

Schlämmanalyse des Bodens bezw. Schlämm-
apparate nach J. Kühn 6.

----Kühn-Wagner 7.

—	— Schöne 8.

Schlempe, Pülpe, Treber, Trester, chemische
Untersuchung 258.

—	— Alkohol 260.

—	— Asche 260.

----Dextrin 259.

----Fett 259.

—	— Glycerin 260.

—	— Bohfaser 260.

----Säuren, freie 269.

—	— Stickstoff 259.

—	— Wasser 258.

—	— Zucker 259.

—	mikroskop. Untersuchung 371.
siehe auch Spiritusfabrikation 669.

Schlempekohle 616 (s. auch Zuckerfabrikation).
Schmalzöl, Konstanten 544.

Schmarotzer, tierische in Futtermitteln 421.
Schmelzpunkt, Bestimmung in Fetten 518.
Schmierfette, konsistente 954.

—	Fett, unverseifbares 955.

----unverseiftes 955.

—	Kalk, freier 955.

—	Mineralstoffe 965.

—	Säure, freie 965.

Schmierfette, Seife 955.

—	Wasser 956.

Schmieröle 940,

—	Asche 950.

—	Äsphaltgehalt 948.

—	Brennpunkt 946.

—	Entflammuugspunkt 915.

—	Harz 950.

—	Kältepunkt 943.

—	Konsistenz 941.

—	Öle, fette 952.

—	— leichte 949.

—	Paraffin 949.

—	Säuregehalt 948.

—	Yerdampfungsmenge 945.

—	Verfälschungen 950.

—	Verharzung 960.

—	Viskosität 942.

—	Wasser 960.

Schmutzwasser, Untersuchung 863 (siehe
unter Wasser),

Schnitzel 256 (siehe Sauerfutter).

—	615 (siehe auch Zuckerfabrikation).
Schönungsmittel für Wein 794.

Schorf an Kartoffeln 410.
Schotendotterhederich, mikrosk. Unters. 384.
Schotenerbse, mikroskop. Untersuchung 326.
Schüttelwerk für Superphosphate 181.

---— für Thomasmehl zur Bestimmung

von Peinmehl 175.

Schumanns Pyknometer 116,

Schwarzer Senf, mikrosk. Untersuchung 386.
Schwärzepiize, Nachweis 402.

Schwefel, Bestimmung im Boden 39.

---in Brennstoffen 923.

—	— im Harn 123.

---in den Rauchgasen 921.

—	Untersuchung für die Rebenbestreuung
793.

Schwefelsäure, Bestimmung im Boden 29.

—	— in den Pflanzen 204.

---bei Bauchbeschädigungen 911.

—	— in Rauchgasen, Schädlichkeit für Pflan-

zen 897.

—	— im Wasser 818.

—	— im Wein 775.

•— Darstellung der Normal- 956.
Schwefelsaures Ammon, Untersuchung 185.
Schwefelung des Hopfens, Nachweis 717.
Schwefelwasserstoff, Bestimmung im Wasser
821, 868.

Schweflige Säure, Bestimmung im Bier 736.

—	— in Frucht- u. Obsterzeugnissen 745.
	in Rauchgasen 921.

—	— im Wein 775.

Schweinefett bezw. Schweineschmalz 673.

—	Beurteilung 677,

—	Gesetzliche Bestimmungen 574.

—	Herstellung 573.

—	Untersuchungsverfahren 574.

—	— Farbstoffe 575.

---Fette, tremde 575.
        <pb n="1096" />
        ﻿Sachregister.

1077

Schweinefett, Untersuchungsverfahren, Frisoh-
haltungsmittel 575.

—	Probenahme 574.

—	Verfälschungen 574,

Schnitze - Ostermanns Extrakt-Tabelle
1025.

Secale cereale, mikrosk. Untersuchung 290.
Seignettesalz-Lösung, Darstellung 966.
Seifenlösung, Darstellung für Härtebestim-
mungen 969.

Senf, schwarzer, mikrosk. Untersuchung 386.

—	weißer,	„	„	386.

Senföl, Bestimmung in Cruciferensamen 269.
Septoria-Arten, mikrosk. Nachweis 404.
Sesam, mikrosk. Untersuchung 348.

Sesamöl, Untersuchung 585.

Sesamum indicum, mikrosk. Untersuch. 348.
Setaria viridis, mikrosk. Untersuchung 381.
Sheafett, Konstanten 542.
SilbernitraLLösung, Darstellung 975.
Silberrückstände, Aufarbeitung 975.
Silikatbasen,	Bestimmung	im Boden	16.

Sinapis alba,	mikrosk.	Untersuchung	386.

—	arvensis, „	„	385.

—	nigra,	„	„	386.

Sirup s. Fruchtsirup 747 und Stärkesirup 655.

—	Untersuchung in der Zuokerfabrikation
605.

Soda, Nachweis im Bier 738.

—	— in Milch 478,

—	— in Wasser 824.

---staub, Schädlichkeit für Pflanzen 925.

Sojabohnenöl, Konstanten 542.

Sojabohne, mikroskop. Untersuchung 330.
Soja hispida, „	„	330.

Sommerrübsen, „	„	339.

Sonnenblumenkerne, „	„	365.

Sonnenblumenöl, Konstanten 542.
Sorghohirse (Sorghum vulgare), mikrosk.
Untersuchung 318.

Soxhletscher Fettbestimmungsapparat 221.
Speisefette 516 (siehe Öle).

Speiseöle 516 (siehe Öle).

Spektroskop. Untersuchung von Fetten 626.
Spelzweizen, mikrosk. Untersuchung 299.
Spergula arvensis, mikrosk. Untersuohung394.
Spezifisches Gewicht, Bestimmung mit Aräo-
meter bei Milch 451.

—	— bei Spiritus 672.

—	mit Pyknometer bei Milch 449.

-----bei Wein 758.

—	mit Schumanns Pyknometer 116.

—	mit Westphalscher Wage 449.

—	nach Fes ca bei Kartoffeln 649.

—	nach Stohmann bei Kartoffeln 648.
Sphagnum-Torf, mikroskop.Untersuchung 397.
Spanische Erde als Klärmittel für Wein 794.
Spiritus, Branntweine und Liköre 671.

—	Beurteilung 694.

—	Unterscheidung einzelner Branntwein-
sorten 695.

—	Untersuchung auf Ätherarten 690.

Spiritus, Branntweine und Liköre, Unter-
suchung auf ätherische Öle 691.

----Aldehyd 685.

----Alkohol 672.

----— TabellezurBerechnungvonAlkohol

1031, 1037.

----Bitterstoffe 693.

----Denaturierungsmittel 682, 684.

—	— Essenzen 691.

----Esterarten 690.

----Extrakt 691.

----Farbstoffe 692.

—	— Freie Säuren 687.

----Furfurol 687.

—	— Fuselöl, Bestimmung 676.

—	---nach E. Beckmann 680.

--------nach Eöse-Stutzer-Beitmair

676.

----Metalle 694.

----Mineralstoffe 691.

----Pflanzenextrakt 692.

----Säuren 687.

----Spez. Gewicht 671.

----Zucker 692.

Spiritusfabrikation 661.

—	Brennereibetrieb, Beurteilung 671.

—	Rohstoffe 661.

—	— Getreidearten 661.

----Hefe 662.

—	— Kartoffeln 661.

—	— Maische, süße 662.

--------Berechnung der nicht aufgeschlos-
senen Stärke 665.

--------— des Beinheitsquotienten 665.

--------— des Trebervolumens 665.

—	 --Dextrin 663.

--------Ermittelung des Verlaufes der

Zuokerbildung 662.

—	— — Maltose 663.

----— Prüfung auf unaufgesohlossene

Stärke 663.

--------Saccharometergrade 663.

----Maische, vergorene 665.

--------Alkohol 668.

--------Dextrin 666.

--------Diastaseprüfung 666.

--------Maltose 666.

--------Saccharometrische Prüfung 666.

--------Säure 667.

----— Vergärungsgrad 666.

----Malz 662.

—	— Melasse 661.

----Schlempe 669.

----Wasser 661.

Spörgel, mikroskop. Untersuchung 394.
Sporidesmium exitiosum, mikrosk. Nachweis
413.

—	putrefaoiens, mikrosk. Nachweis 406.
Spreufege nach Nobbe für Sämereien 438.
Stärke, Bestimmung 238.

—	Berechnung nach dem gewogenen Kupfer,
Tabelle 992.
        <pb n="1097" />
        ﻿1078

Sachregister.

Stärke, Bestimmung aus dem spez. Gewicht
hei Kartoffeln, Tabelle 1030.

—	Prüfung auf unaufgeschlossene in der
Maische 663.

Stärkefabrikation 647.

—	Abfälle 655.

—	Chemische Hilfsstoffe 651.

—	Eohstoffe 647.

----Getreide 648.

—	—	Kartoffeln 647.

—	Stärke 651.

----Stärkemilch 651.

—	—	Feuchte Stärke 651.

--------Untersuchung auf Verunreinigung

652.

--------Wasser 651.

--------Wasserlösliche Bestandteile 651.

----Trockne (Handels-) Stärke	652.

—	—	— Untersuchung auf	Asche	653.

--------Fett 652.

--------Großkörnigkeit 653.

—	---Klebfähigkeit 654.

----— Säure 653.

----— Stärke 662.

—	— — Stickstoff 652.

--------Verunreinigungen 654.

-----------Wasser	652.

Stärkelösung für	jodometrische Arbeiten,

Darstellung 969.

Stärkeschlamm 655.

Stärkesirup und Stärkezuoker 655.

—	Untersuchung auf Asche 659.

—	— Dextrin 656.

----Glukose 655.

----Grädigkeit	659.

—	—	Säure 659.

----Vergärbare	Stoffe	657.

----Viskosität 659.

—	— Wasser 655.

—	•— Wasserunlösliche Stoffe 659.
Stärkezuokeressig 699.

Stainerscher Keimapparat 439.

Stallmist 124.

—	Berechnung der Analysen-Ergebnisse auf
ursprünglichen Stallmist 129.

—	Bindungsmittel 134.

—	Einstreu- und Frischhaltungsmittel 132.

—	Jauche 131.

—	Probenahme 125.

—	Untersuchung des festen Anteiles 128.
— Asche und deren Bestandteile 128.

------Schwefel 128.

------Stickstoff 128.

------Wasser 128.

—	Untersuchung des flüssigen Anteils 127.

—	— Ammoniak, flüchtiges 127.

------gebundenes 127.

— Asche und deren Bestandteile 127.

------Chlor 127.

------Kohlensäure 127.

—	— Phosphorsäure 127.

------Salpetersäure 127.

Stallmist, Untersuchung d. flüssigen Anteils:

----Schwefel 128.

----Schwefelsäure 127.

—	— Stickstoff (Gesamt) 127.

----Trookenrückstand 127.

—	— des natürlichen Stallmistes auf Gesamt-

stickstoff 131.

—	Verarbeitung der Probe 126.
Stammersches Farbenmaß 610.
Stammwürze, Bestimmung 733.

Staub, Nachweis der Beschädigung von
Pflanzen durch 924.

Staubbrand, Beschreibung 398.

Stearinsäure, Bestimmung im Wachs 938.
Steinhrand, Beschreibung 398.
Steinkohlenasche, Untersuchung 206.
Steinnuß, mikroskop. Untersuchung 395.
Stellaria media, mikroskop. Unters. 390.
Stickstoff, Bestimmung 136.

—	Ammoniak-Stickstoff 142.

—	— Destillation mit Natron oder Magnesia

142.

—	— mittels Kn op-Wagner sehen Azoto-

meters 142.

—	— nach Schlösing 142.

—	Berechnung eines Kubikzentimeters Stick-
stoff nach Dietrich, Tabelle 982.

—	Gesamt-Stickstoff 136.

—	— nach Kjeldahl 136.

—	Salpetersäure-Stickstoff 141.

—	— Bestimmung neben org. Stickstoff nach

Pfeiffer 147.

—	— mit dem Nitrometer 147.

—	— nach Foerster 141.

----— Jodlbaur 141.

----Eeduktionsverfahren zuAmmoniak 145.

--------nach König-Böttcher 145.

-----------Ulsch 147.

—	—■ Deduktion zu Stickoxyd (Schlösing-

Wagner) 144.

Stickstofffreie Bxtraktstoffe, Best. 224.
Stilbum erythroc., im verunr. Wasser 841.
Stillingiafett (-talg), Konstanten 542.
Stippen, Bestimmung in Stärke 654.
Stoffweohselerzeugnisse, Bestimmung 123.
Stroh 132, siehe „Binstreumittel“.
Strontianit, Untersuchung 105.

—	— Deutsches Verfahren 106.

—	— Französisches Verfahren 106.
Strontiumsaccharat, Untersuchung 613.
Süßweine, Unters, u. Beurteilung 790.
Superphosphat 180.

—	Untersuchung auf Feuchtigkeit 182.
	Fluor 182.

----Gesamtphosphorsäure 182.

----Stickstoff 180.

—	— Wasserlösliche Phosphorsäure 180.

—	— Zitratlösliche Phosphorsäure 181.
Superphosphatgips 186.

—	Untersuchung auf Feuchtigkeit 186.
	Kalk 186.

—	— Magnesia 186.
        <pb n="1098" />
        ﻿Sachregister.

1079

Superphosphatgips, Untersuchung auf Phos-
phorsäure, freie 186.

—	— — gesamte 186.

----— wasserlösliche 186.

----Sand 186.

—	— Schwefelsäure 186.

—	— Unlösliches 186.

T.

Tabelle der Atomgewichte der Elemente 1051.

— der Faktoren zur Berechnung der ge-
suchten Substanz aus der gefundenen 1051.

Tabellen:

la. u. Ib. Berechnung der Kohlensäure für
den Scheib 1 ersehen Apparat 981.

II.	Gewichte eines Kubikzentimeters
Sticktoff nach Dietrich 983.

III.	Umreohuug des gewogenen Kupfer-
oxyds auf Kupfer, für alle Zucker-
arten nach Ä. Pernau 984.

IV.	Bestimmung	der	Glukose	nach

Meissl-Allihn 986.

V a. Bestimmung des Invertzuckers
nach Meissl 988.

Yb. Bestimmung des Invertzuckers im
Rübenzucker nach Herzfeld 989.

VI.	Bestimmung	der	Maltose	nach

Wein 991.

VII.	Bestimmung der Stärke- und Dex-
trine nach Wein 992.

VIII.	Bestimmung	der	Laktose	nach

Soxhlet 994.

IX.	Bestimmung der einzelnen Zuoker-
arten mit Pehlingscher Lösung
nach Kjeldahl 995.

Xa.	Bestimmung	der	Pentosen	und

Pentosane aus dem Phloroglucid
nach Tollens undKröber 1002.

Xb. Bestimmung der Methylpentosen
aus dem Phloroglucid nach Tollens
und Eilet 1007.

XI. Korrektionstabelle für die Lakto-
densimetergrade auf spez. Gewicht
bei 15°:

1.	für ganze Milch 1008.

2.	für abgerahmte Milch 1008.

XHa. Fettbestimmung nach Soxhlet:

1.	für ganze Milch 1010.

2.	für abgerahmte Milch 1010.

XII b. Bestimmung des Milchfettes mit

dem Zeißsehen Milchfettrefrakto-
meter in Fettprozenten nach Nau-
mann 1012.

XII c. Pettbestimmung in der Milch nach
Tollens und Schmidt 1013.

XIII.	Reduktion der spezifischen Ge-
wichte auf Saccharometerprozente
nach Balling 1014.

XIV.	Beziehungen zwischen spez. Ge-
wicht. Graden Brix und Beaum6
1018.

Tabellen:

XV.	Extraktbestimmung nach

Schultze-Ostermann 1025.

XVI.	Berechnung des Stärkemehl- und
Trockensubstanzgehaltes der Kar-
toffeln aus dem spez. Gewicht nach
Märcker. BehrendundMorgen

1030.

XVII.	Bestimmung des Alkohols aus den!
spezifischen Gewicht nachHehner

1031.

XVIII. Desgl. nach K. Windisch 1037.

XIX.	Extraktbestimmung im Wein 1039.

XX.	Vergleichung verschiedener Most-
wagen 1046.

XXI.	Berechnung des Pbosphorsäurege-
haltes der Düngemittel aus dem
gewogenen phosphorsauren Mag-
nesium nach E. Haselhoff 1046.
Talg, Nachweis im Bienenwachs 937.
Tannin, als Klärmittel für Wein 794.
Teerdämpfe, Schädlichkeit für Pflanzen 918.
Teerfarbstoffe, Nachweis in Wein 771.
Teeröl, Nachweis in Schmierölen 954.
Teigprobe 278.

Tellerbohrer 5.

Tenebrio molitor, Beschreibung 423.
Terpentinöl als Denaturierungsmittel 684.
Thlapsi arvense, mikroskop. Nachweis 388.
Thomasphosphatmehl 172.

—	Untersuchung auf Peinmehl 175.

—	— Phosphorsäure 172.

—	— — Gesamt- 172.

—	----Zitronensäurelösliche 173.

—	— Spezifisches Gewicht 175.

—	— Verfälschungen, Nachweis 176.
„Tierische Entleerungen 118.

—	Fette 546—581.

Tieröl als Denaturierungsmittel 684.
Tilletia-Arten, mikrosk. Nachweis 398.

Tinea granella, Beschreibung 424.

Ton 107.

—	Berechnung der Analyse 109.

—	Bestimmung im Boden 18.

—	Beurteilung desselben 108.

—	— feuerfester Tone 109.

—	Plastischer 108.

—	Schwerschmelzbarkeit 109.

—	Untersuchung auf Eisenoxydul 108.

—	— Kohlensäure 108.

---Sämtliche Bestandteile 108.

—	— Wasser 108.

Tonerde, Bestimmung in Phosphaten 161.

—	— neben Eisenoxyd 24.

Torf, mikrosk. Nachweis 397.

Torfasche, Untersuchung 206.

Torfstreu, siehe „Einstreumittel“ 132.

Trane, Konstanten 544, 951.

Traubenpilz, Bekämpfung 793.
Traubenzucker siehe Glukose.

Treber, ehern. Unters. 258 (siehe Schlempe).

—	mikroskop. Untersuchung 370.
        <pb n="1099" />
        ﻿1080

Sachregister.

Trespe, mikrosk. Untersuchung 379.

Trester, Untersuchung 258 (siehe Schlempe).
Tresterbranntwein, Beurteilung 695.
Trinkwasser, Untersuchung 797 (siehe unter
Wasser).

Tritioum repens, mikrosk. Untersuchung 380.
Triticum Spelta, „	„	299.

Tritioum vulgare, „	„	291.

Trockenfäule der Hüben, Pilze der 406.
Trockenkartoffeln, Untersuchung 372.
Trockensohlempe,	„	371.

Trockenschnitzel,	„	374.

Trockentreber,	„	370.

Trübungsgrad, Best, bei Schmutzwasser 860.

—	Best, bei Wasser 805.

U.

Unkrautsamen, mikroskop. Nachweis 378.
Unverdauliche Stickstoffverhindungen, Best.
219.

Uranlösung, Darstellung titrierter 962.

—	Verwendung zur Bestimmung der Phos-
phorsäure 149.

Uranrückstände, Aufarbeitung 976.
üstilago-Arten, mikrosk. Nachweis 399.

y.

Veraschen von Brennstoffen, pflanzlichen und
tierischen Stoffen 194, 206.

—	mit Barythydrat 197.

—	mit Sauerstoffgas 195, 1056.

—	mit Wasserstoffsuperoxyd 911 u. 1056.

—	mit verschiedenen Zusätzen 197.

—	ohne Zusätze 194.

Verdauung, künstliche, der Kohlenhydrate 242. ^

-----der Stickstoff-Substanz 219.

Verdauungsflüssigkeit, Bereitung 965.
Verdunstungsfähigkeit d. Bodens, Bestim. 56.
Vergärungsgrad der Bierwürze, Bestim. 733.

—	der Maische 666.

Verseifungszahl, Bestimmung 526.
Verwitterbarkeit, Bestimmung 100.
Verwitterungserzeugnisse, Untersuchung 97.
Vicia faba major, mikroskop. Unters. 327.
Vicia villosa,	„	„	330.

Viehsalz, Untersuchung 186 (s. Kalisalz),
Viskosimeter 942.

Viskosität, Bestimmung, des Bieres 736.
-----der Öle 942.

—	— der Schmiermittel 942.

—	— des Stärkesirups 659.

Vogelmiere, mikrosk. Nachweis 390.
Vollmilch 446 (siehe Milch).

Volumgewicht, Bestimmung bei Boden 44.
-----bei Sämereien 443.

W.

Wachs 931 (siehe Bienenwachs).
Wachtelweizen, mikroskop.Untersuchung 392.
Walflschtran, Konstanten 544.

Walnuß, mikroskop. Untersuchung 364.
Walnußöl 688.

Wärmeabsorption d. Bodens, Bestimmung 62.
Wärmeleitungsvermögen des Bodens, Be-
stimmung 62.

Wasser, Schmutzwasser 863.

—	— chemische Untersuchung 858.

----— Albuminoid-Ammoniak 869.

----— Alkalität 864.

--------Ammoniak 869.

--------Chlor, freies 870.

--------Chloride 870.

--------Eiweißverbindungen 870.

--------Pour Hour Test-Verfahren 864.

—	— — Gärversuch 872.

—	— — Haltbarkeit 872.

--------Inkubator Test-Verfahren 865.

—	— — Kohlenstoff, organischer 866.

—	— — Mineralstoffe, gelöste 859.
	suspendierte 859.

----— Organischer Kohlenstoff 865.

—	----Organische Stoffe, gelöste 859.

—	— — •— suspendierte 859.

—	— — Oxydierbarkeit 864.

—	— — Säuren, freie 864, 871.

--------Salpetersäure 870.

----— Salpetrige Säure 870.

----— Schwebestoffe 859.

—	— — Schwefelwasserstoff 868.

—	— — Stärke 870.

----— Stickstoff, organischer gelöster 869.

—	— — — suspendierter 869.

----; — Zucker 870.

—	— mikroskopische und bakteriologische

Untersuchung 873.

—	— — Beggiatoaalba,mikrosk.Nachw,875.

--------Leptomitus lacteus, „	„	877.

--------sonstige Organismen 879,

—- — Probenahme 864.

------- Schädlichkeit für den Boden 890.

—	---— durch Auswaschung d. Pflanzen-

nährstoffe 890.

—	— — — Verschlammung 890.

—	—------Zuführung abnormer und gif-

tiger Stoffe 890.

—	---für die Fischzucht 883.

—	— — für Grund- u. Brunnenwasser 892.

—	—- — für gewerbliche Zwecke 889.

—	— — für die Pflanzen 891.

—	— — für die Viehzucht 889.

—	— Trübungsgrad, Best, mit dem Diapha-

nometer 860.

—	— Verunreinigung der Gewässer durch

Schmutzwässer, Schädlichkeit und
Nachweisung 881.

—	— Vorprüfungen 857.

—	Trinkwasser 797.

—	— Anforderungen an einen richtig an-

gelegten Brunnen 853.

----Beurteilung des Wassers als Trink-
wasser 847.
        <pb n="1100" />
        ﻿Sachregister.

1081

Wasser, Trinkwasser:

----chemische Untersuchung 805.

--------Abdampfrückstand 806.

—	— — Alkalien 824.

—	— — Ammoniak 808.

----— — kolorimetrisohe Bestimm. 809.

---------- Auswurfstoffe 830.

--------Blei 826.

--------Chlor 818.

—	— — Eisen 822.

--------Geruch 799.

----— Geschmack 799.

—	— — Glühverlust 806.

—	— — Härte 825.

----— — bleibende oder permanente 826.

—	— — — Gesamt- 825,

--------Kali 824.

—	---Kalk 824.

----— Kesselsteinhildner 827.

----— Kieselsäure 821.

—	---Kohlensäure 818.

—	— — — freie 818.

—	— — — Gesamt- 820.

—	-------halbgehundene 819.

—	— — Kupfer 825.

—	— — Leuchtgasbestandteile 831.

—	— — Magnesia 824.

—	— — Mangan 823.

—	— — Natriumkarbonat 824.

------- — Oxydierbarkeit (organische Stoffe)

806.

—	---— in alkal. Lösung 807.

—	— — — in saurer Lösung 807.

—	— — Reaktion 800.

—	— — Salpetersäure 814.

•— — — Salpetrige Säure 810.

—	— — Sauerstoff 828.

—	---Schwebestoffe 805.

—	— — Schwefefelsäure 818.

—	---Schwefelwasserstoff 821.

----— Tonerde 822.

—	— — Trübung 805.

--------Zink 825.

----mikroskop. und biolog. Untersuchung

832.

—	— — Nährgelatine, Darstellung 834.

—	— — Plattenkulturen 836.

----— Petrischalen 837.

—	---Eoszaheggi-Flaschen 838.

—	— — — Feststellung der Arten der Bak-

terien 838.

—	— — — Feststellung der Zahl der Bak-

terien 834.

--------Unmittelbare mikroskop, Unter-
suchung 839.

------------Pflanzliche und tierische Or-
ganismen 839.

—	---— Tierische Organismen 842.

—	— — — Probenahme 797.
Wasseraufsaugungsvermögen des Bodens,

Bestimmung 64.

—	von Binstreumitteln, Bestimmung 132,

Wasser-Bestimmungen in:

—	Boden, ehern, gebundenes (Glühverlust) 13.

—	— hygroskopisches 12.

—	Butter 648.

—	Düngemitteln 136.

—	Grün- und Rauhfutter 254.

—	Honig 590.

—	Kalk und Zement 112.

—	Mergel und Kalkstein 102.

—	Milch 469.

—	Moorboden 88.

-— Sauerfutter 256.

—	Schlempe, Pülpe, Melasse, Trebern,
Trestern usw. 258.

—	Sirupen 743.

—	Stallmist 128.

—	Ton 108.

—	Torfstreu, Stroh usw. 132.

—	Wurzelgewächsen, Kartoffeln, Rüben 267.

—	Zuckersäften 610.

Wasserkalk, Untersuchung 113.
Wasserkapazität des Bodens, Bestimmung 49.
Wegerich, mikroskop. Untersuchung 391.
Wein 753.

—	amtliche und sonstige Untersuchungs-
Verfahren 757.

—	— Äpfelsäure 765.

—	— Alkohol 759.

----Asche 762.

—	— Baryum 741.

----Bernsteinsäure 766.

----Chlor 779.

----Dextrin 777.

—	— Dulcin 776.

----Extrakt 760.

—	— Farbstoffe 771.

—	— Gerbstoff 778.

—- — Glyzerin 766.

----Gummi 777.

----Kupfer 781.

—	— Milchsäure 765.

—	— Mineralbestandteile 762.

----Phosphorsäure 780.

----Polarisation 769.

----Saccharin 776.

----Saccharose 769.

----Säure, flüchtige 763.

—	— — freie 763.

—	— — gesamte 763.

•--------nichtflüchtige 764.

----Salizylsäure 777.

—	— Salpetersäure 780.

----— Schwefelsäure 762, 775.

----Schweflige Säure 775.

----Spez. Gewicht 758.

—	— Säurerest 766.

—	— Stärkezucker 770.

—	— Strontium 781.

—	— Weinstein 773.

■— — Weinsteinsäure 773.

—	— — Gesamt- 773.

—	— — freie 774.
        <pb n="1101" />
        ﻿1082

Sachregister.

Wein, amtliche und sonstige Untersuchungs-
Verfahren :

----Zitronensäure 776.

------- Zucker 767.

----Zusätze, verbotene 785.

—	Beurteilung nach dem Weingesetz 782.

------- nach dem Nahrungsmittelgesetz 787.

—	Hilfsstoffe 753.

----bei der Kellerbehandlung 794.

—	— bei der Weinerzeugung 792.

—	Kellerbehandlung 794.

—	Krankheiten 788.

—	Rohstoffe 742.

----Most 753.

----Weintrauben 742.

—	Yerschnittmost und -Wein 755.

----Zollamtliche Untersuchung auf Alkohol

755.

—	---Extrakt 755.

----—- Eruchtzuoker 755.

Weinhergsohwefel, Untersuchung 793.
Weinessig, Unterscheidung 699.

Weingeläger (Weinhefe oder Eohweinstein),

Untersuchung 795.

Weingesetz, Beurteilung des Weines nach 782.
Weinstein, Bestimmung im Wein 773.

—	Roh-, Untersuchung 795.

Weintrauben, Untersuchung 742.
Weintrester,	„	796.

Weißer Senf, mikrosk. Untersuchung 386.
Weizen, chem. Untersuchung 270.

—	— Backfähigkeit 272.

—	— Nachweis des Ölens 279.

—	mikrosk. Untersuchung 291.

----Nackt- 291.

----Spelz- 299.

Westphalsche Wage 449.

Wicke, mikrosk. Untersuchung 330.
Windenknöterich, mikrosk, Nachw. 393.
Winterraps, mikrosk. Untersuchung 338.
Wolle, Schafwolle, Untersuchung 927.

—	— Durohschnittsprobe 927.

----Feuchtigkeit 927.

•---Probenahme am Tier 927.

—	— Seifen, alkohollösliche und schwer-

lösliche 927.

—	— Wollfaseru. Schmutz (Bestimmung von

Asche, Kohlensäure, Sand, Schwefel,
Stickstoff u. Wasserstoff in derselben)
929.

— Wollfett (in Äther lösliches) 928.

'	— Wollsohweiß (in Wasser löslicher) 928.

— (Ammoniak, Asche, Kohlensäure,
Stickstoff u. Trockensubstanz darin)
928.	7

Wolisch weißfett, Konstanten 951.

Wollstanb als Düngemittel 165.

—	Untersuchung auf Asche 166.

----Feuchtigkeit 166.

----Phosphorsäure 165.

----Sand 166.

----Stickstoff 166.

Würze 718.

—	Asche 719.

—	Dextrin 718.

—	Extrakt 718.

—	Farhentiefe 719.

—	Maltose 718.

—	Säure 718.

—	Stiokstoffverbindungen 718.
Wurzelgewächse, Kartoffeln, Eüben 266.

—	Probenahme 266.

■— Spez. Gewicht 268.

—	Untersuchung auf Bestandteile 267.

---Wasser 267.

X.

Xanthin und Xanthinkörper, Vorkommen und
Bestimmung 212,

Xylose, Bestimmung 230.

Z.

Zea Mais, mikroskop. Untersuchung 315.
Zellreste, Bestimmung in der Stärke 663.
Zellulose, Bestimmung 249, 1057.

Zement, Gewinnung und Untersuchung 113.

—	— Gemischter 117.

—	— Portland- 116.

—	— Puzzolan- 114.

•— — Eomau- 114.

Zentrifugalverfahren zur Bestimmung des
Fettes in der Milch 459.

Ziegelerde, Untersuchung 110.

Zink, Bestimmung im Boden 42.

—	— in den Pflanzen 203.
Zinkjodidstärkelösung. Darstellung 969.
Zitrathaltige Magnesiamixtur 964.
Zitratlösliche Phospborsäure, Bestimmung! 56.
Zitratlösung nach Petermann 964.

—	nach Wagner 964.

Zitratverfahren zur Best. d. Phosphorsäure 152.
Zitronensäure, Bestimmung in Wein 766.
Zitronensäurelösliche Phosphorsäure, Be-
stimmung 164.

Zitronensäurelösung zum Lösen der Phos-
phorsäure, Bereitung 964.

Zucker, Bestimmung 227.

—	— gewichtsanalytisoh 229.

---maßanalytisch 227.

—	— durch Polarisation 233.

—	Glukose 227, 230.

•—• — neben Fruktose 234.

—	Invertzucker 227, 230.

—	Laktose 230.

—	Maltose 230.

—	Saccharose 232.

—	— im Eübensaft durch Polarisation 602.
	in der Rübe nach dem Alkohol-

Verfahren 598.

—	— — nach dem Wasserverfahren 601.
	im Eohzucker 605.

—	— — in sonstigen Stoffen (vergl. die

Bezeichnung hierfür).

—	Trennung der Zuckerarten 234.
        <pb n="1102" />
        ﻿Sachregister.

1083

Zuckeroouleur, Untersuchung 659.
Zuckerfabrikation 597.

—	Abfalllauge 605.

—	— als Düngemittel 617.

--------Kali 617.

----— Stickstoff 617.

—	Ahsüßwässer 605.

—	Ausgelaugte Schnitzel, Preßlinge 615.

—	Dicksaft und Dünnsaft 605.

----Asche 610.

----Ausbeute (Rendement)	613.

----Farbe 610.

—	—	Raffmose 608.

----Reinheit 613.

----Saccharose neben Invertzucker 606.

—	*—	Wasser 610.

—	•—	Zucker 606.

—	Füllmassen, Untersuchung wie Dicksaft
605.

—	Hilfsstoffe 617,

----Knochenkohle 617.

----— Bntfärbungskraft	618.

—	— — Kohlensäure 619.

--------Kohlenstoff 617.

--------Sand 617.

----— Schwefel 617.

—	---Schwefelsäure 617.

--------Ton 617.

—	— — Wasser 617.

—	— — Zucker 619.

----Saturationsgas 619.

—	— — Kohlensäure 619.

--------Schwefelwasserstoff 619.

--------Schweflige Säure 619.

—	Melassekalk, Kalksaccharat, Strontian-
saccharat 613.

----Kalk 614,

----Reinheit 614.

----Spez. Gewicht 613.

----Strontian 614.

—	— Zucker 613.

—	Melassen und Rohzucker, Untersuchung
wie Dicksaft und Dünnsaft 606.

—	Rohrzucker bezw. Rübenzucker 619.

—	— Asche 620.

----Invertzucker 620.

----Raflinose 620.

Zuckerfabrikation, Rohrzucker hezw. Rüben-
zucker;

—	—	Verunreinigung 620.

----Wasser 619.

—	—	Zucker 619.

—	Schlempekohle als Düngemittel 616.
	Chlor 616.

----Kali 616.

—	—	Kohlensäure 616.

—	—	Natron 616.

—	— Phosphorsäure 616.

----Schwefelsäure 616.

—	—	Wasser 616.

----Wasserunlösliche	Stoffe 616.

—	Sirupe, Untersuchung wie Dicksaft 605.

—	Zuckerrübe, ehern. Untersuchung 397.

—	— Bestimmung des Zuckers 697.

----— kalte Digestion	mit Alkohol 598.

----------warme	„	„	„	599.

—	----kalte „	„ Wasser 601.

—	----warme „	„	„	601.

—	— Herstellung des Durchschnittsmusters

598.

—	— Markgehalt 604.

—	— Saftgehalt und Untersuchung 602.

—	— — Nichtzuckerstoffe 603.

—	— — Reinheitsquotient 603.

—	— — Spez. Gewicht 602.

----— Wasser 604.

----— Zucker 602.

—	•— mikroskop. Untersuchung 376.
Zuckersteuergesetz, Ausführungsbestimmun-
gen 621.

—	— für die Steuerstellen 622.

—	— für Chemiker 628.

----— allgem. Vorschriften 628.

—	---Anleitung zur Bestimmung der

Polarisation 634.

-----------zur Ermittelung des Zucker-
gehaltes von zuckerhaltigen
Waren 640.

—	— — Bestimmungen über Steuerver-

gütung und Steuerbefreiung 637.

--------Feststellung des Quotienten der

Zuckerahläufe mit und ohne Rück-
sicht auf Raffinose 631.
        <pb n="1103" />
        ﻿Druck

Fr. Btollberg, Morseburg.
        <pb n="1104" />
        ﻿Taf.I.

I.

II.

Faul et Franz BeneFke. pmscerunb.

Geocfr. litfi.Anst. u.Steindr. rC.L. Keller, Berlin S.

Verlag Ton PauLParey in Berlin S.W.
        <pb n="1105" />
        ﻿Verlag von Paul Parey in Berlin SW,, Hedemannstrasse io.

Massnahmen gegen die Verunreinigung der Flüsse.

Von

Dr. J. König,

Geh. Reg.-Rat, o. Professor a. d. Kgl. Universität, Vorsteher der landwirtschaftlichen
Versuchs-Station in Münster i. W.

Preis 80 Pf.

Wie kann der Landwirt den Stickstoffvorrat in seiner
Wirtschaft erhalten und vermehren?

Preisgekrönte Arbeit

von

Dr. J. König,

Geh. Reg.-Rat, o. Professor a. d. Kgl. Universität, Vorsteher der landwirtschaftlichen
Versuchs-Station in Münster i. W.

Dritte Auflage,

neubearbeitet in Gemeinschaft mit Dr. E. Haselhoff.

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Anleitung zur wissenschaftl. Bodenuntersuchung.

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Prof. Dr. F. Wahnschaffe,

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Bodenkunde für Land- und Forstwirte.

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Lehrbuch der chemischen Technologie

der landwirtschaftlichen Gewerbe.

Die Grundzüge der Fabrikation von Zucker, Stärke, Alkohol, Bier und Essig.

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Dr. Felix B. Ahrens,

Prof, der chem. Technologie u. Direktor des landwlrtsch.-technolog. Instituts der Universität Breslau.
Mit 139 Textabbildungen. Gebunden, Preis 9 M.

Zu beziehen durch jede Buchhandlung.
        <pb n="1106" />
        ﻿Verlag von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstrasse io.

Die Untersuchung und Begutachtung

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Düngemitteln, Futtermitteln, Saatwaren und Bodenproben

nach den offiziellen Methoden

des Verbandes landwirtschaftlicher Versuchsstationen im Deutschen Reiche.

Eine Einführung in das agrikultur-chemische Koutrollwesen

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Dr. Paul Krische,

Assistent an der Versuchsstation Köslin.

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Verhalten, sowie ihre Beurteilung und Prüfung.

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zum Gebrauch in Laboratorien und zum Selbstunterricht für Botaniker, Chemiker,
Landwirte, Müller und Bäcker.

Von

Dr. A. Maurizio,

Assistent der Botanik an der Schweiz, agrikultur-chemischen Anstalt in Zürich,

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Lehrbuch

auf der Grundlage physiologischer Forschung und praktischer Erfahrung

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der Verfälschungen und der mikroskopischen Untersuchung,

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---------------- Zu beziehen durch jede Buchhandlung.
        <pb n="1107" />
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Max Maerckers Handbuch der Spiritusfabrikation.

Achte, vollständig neubearbeitete Auflage.

Herausgegeben von

Dr. Max Delbrück,

Geh. Regierungsrat. Professor an der Kgl. landwirtschaftl. Hochschule und Vorsteher des
Instituts für Gärungsgewerbe zu Berlin.

Mit 230 Textabbildungen und 4 Tafeln. Gebunden, Preis 34 M.

Stohmanns Handbuch der Zuckerfabrikation.

Vierte Auflage,

vollständig nenhearheitet von

Dr. A. Rümpler in Breslau.

Mit 223 Textabbildungen. Gebunden, Preis 24 M.

Handbuch für Zuckerfabriks-Chemiker.

Methoden und Vorschriften für die Untersuchung von Rohprodukten,
Erzeugnissen und Hilfsprodukten der Zuckerindustrie.

Zusammengestellt von

F. Stolle,

Dlrektlonsassistent der Raffinerie „Tölö Sockerbruks Aktiebolag“ Helsingfors (Finnland).

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Mikroskopische Betriebskontrolle in den Gärungsgewerben

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Einführung in die technische Biologie, Hefenreinkultur und Infektionslehre.

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von

Prof. Dr, Paul Lindner,

Vorsteher der Abteilung für Reinkultur am Institut für Gärungsgewerbe, Berlin N. 65.

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Handbuch der Milchwirtschaft

auf -wissenschaftlicher und praktischer Grundlage.

Von

Dr. W. Kirchner,

Professor und Geh. Hofrat, Direktor des landw. Institutes der Universität Leipzig.

Vierte, neubearbeitete Auflage.

Mit 153 Textabbildungen und 8 Farbendrucktafeln. Gebunden, Preis 14 M.

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Prof. Dr. Julius Wortmann,

Direktor der Königl. Preuss. Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau ln Geisenheim am Rhein.
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        <pb n="1108" />
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nniiniirffrljaftlirlir

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Dr. O. Kellner,

Geheimer Hofrat, Professor, Direktor der Königl. landwirtschaftl. Versuchsstation Möckern.
Dreiundsechzigster Band. 6 Hefte. Preis 12 M.

Journal für Landwirtschaft.

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herausgegeben unter Beteiligung der landwirtschaftlichen

Institute, Laboratorien und Versuchsanstalten deutscher Hochschulen.

Unter Mitwirkung von

Dr. J. Esser, Dr. W. Fleischmann, Dr. F. Lehmann, Dr. C. v. Seelhorst,

Geh. Med.-Rat, Professor, Geh, Reg.-Rat, Professor,	Professor,	Professor,

Direktor des	Direktor des	Direktor der	Direktor des

1 lerarznei-Instituts	landw. Instituts landw. Versuchsstation landw. Versuchsfeldes

redigiert von

Dr. B. Tollens,

Geh. Reg.-Rat, Professor, Direktor des agrikultur-chemischen Laboratoriums zu Göttingen.

Vierundfünfzigster Jahrgang. 4 Hefte. Preis 10 M.

liMniit übei die Fortschritte auf dem GesamtgeUete der DgiiHuUeie.

Dritte Folge VII. 1904. Der ganzen Eeihe siebenundvierzigster Band.

Herausgegeben von

Dr. Th. Dietrich,

Geheimer Regierungsrat, Professor, Hannover.

________________ Preis 28 M.

____________________Zu beziehen durch jede Buchhandlung.
        <pb n="1109" />
        ﻿Aufarbeitung- einiger Rückstände.

977

die

Fltl

spt

rui

am

und Ammoniak
Mutterlauge,

4.	Molybd|

Die saure

ebenso die ammij
abgeheberte
ziemlich stark
Dabei scheidet
einer festen, der
Feuer oder im S
bildung zersprir
Mutterlauge
Me Aufbewahr
und fügt die
kruste alsbald
lisehe Flüssigke:
eingedampft woi
filtriert und ein:

Die Mutte
sauren Ammon,
fügt, und reinigj

Die Muttej
die zweite Mutt
lost sie bei der
sationslauge wie

Weil aber
enthalten, so ein!
Wieder auszufäll'
Waschen, in Ami
Menge von Majj
Wird dann nach1
auskristallisierte
Und Umkristalli:
aus Molybdänsäui
ständen gegeben

W. Vena
durch Zusatz vo
Filtrat die Moly
getrockneten Nij
gebildete Baryu
durch Kristallis

5.	Jodrücj
Bestimmung der
sie das Chlorofoi

!) p. Wag

2)	Chem.-Zi

3)	Zeitschr.f

Landwirteoqaftl

iS

o

CD

~^4

&gt;

o

oo

CD

00

&gt;

00

O

CD

CD





und andere Verunreinigungen befinden sich in der
sn bis zur nächsten Aufbereitung aufbewahrt.

P. Wagner1) verfährt folgenderweise:

5ssigkeiten werden für sich in Flaschen aufbewahrt,
jidltrate. Bei der Aufarbeitung wird die saure, klar
hier großen Porzellanschale auf dem Wasserbade
ngliohe Flüssigkeit auf etwa l1/2 1) eingedampft,
ganze Molybdänsäuregehalt der Flüssigkeit in Form
le anhaftenden Kruste ab. (Es darf nicht über freiem
** impft werden, weil sonst die Schale durch die Krusten-
it die Porzellanschale etwas erkalten, beseitigt die
J-änsäurekruste mit etwas Wasser ab, welches man in
ckgießt, setzt die Schale wieder auf das Wasserbad
Flüssigkeit hinzu, in welcher sich die Molybdänsäure-
ißt abdampfen, bis schließlich sämtliche ammoniaka-
le gebracht und in demselben Verhältnis wie oben
:rd heiß durch ein Faltenfilter in eine andere Schale
i stehen gelassen.

:f man sodann von dem auskristallisierten molybdän-
talle mit etwas Wasser ab, das man zur Mutterlauge
ch Umkristallisieren.

aan bis auf 1/2 1 ein, läßt auskristallisieren, gießt
läßt die ausgeschiedene Kristallmasse trocknen und
arbeitung der Molybdänrückstände in der Kristalli-

dolybdänlösungen jetzt vielfach Zitronensäure
, die Molybdänsäure umgekehrt durch Phosphorsäure
: rschläge zu sammeln, alsdann zu filtrieren, auszu-
i und in dieser Lösung durch Zusatz einer genügenden
ie Phosphorsäure wieder auszufällen. Das Filtrat
jedunstet, zum Kristallisieren erkalten gelassen, das
;Ä! Amnion durch Lösen in ammoniakalischem Wasser
f; t. Die letzten Ausscheidungen bestehen vorwiegend
:: pn der Mutterlauge getrennt und zu den neuen Eück-

t, die Lösungen von phosphormolybdänsaurem Ammon
und Ammoniak von Phosphorsäure zu befreien, im
.ch Chlorbaryum zu fällen, den ausgewaschenen und
ch Behandlung mit Ammonsulfat zu zersetzen, das
frieren und im Filtrat das molybdänsaure Ammon
lonsulfat zu trennen.

Dlig und J. Tillmans8) verarbeiten die bei der
gj idzahl abfallenden Jodrückstände in der Weise, daß
heidetrichter abtrennen und die wässerige Flüssigkeit

k

der Düngerfabrikation, 1877, 192.

B.

g d. Nahrungs- u. Genußmittel 1906, 11, Heft 2.

flage.

62
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
